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Der Neue Extraktivismus

Seit 2001 ist der TIPNIS in drei Zonen unterteilt: Erstens eine Kernzone

mit strengsten Schutz- und Erhaltungsaufl agen für die Biodiversität, die nur

für wissenschaft liche Zwecke sowie nicht planmäßiges Jagen und Sammeln

durch die indigenen Familien genutzt werden darf; zweitens eine Zone für die

traditionelle Nutzung durch die indigene Wirtschaft sweise; dritt ens eine Zone

der nachhaltigen Ressourcennutzung zur Umsetzung der Entwicklungspläne

der indigenen Gemeinschaft en, die auf Nutzungsplänen beruhen für: a) Forstwirtschaft

, b) Krokodilsleder, c) Öko-Tourismus und d) Agroforstwirtschaft

mit Wildkakao. Der Plan aus dem Jahr 2001verbietet kategorisch jedwede Ölexploration

oder -bohrung in dem Gebiet.

Die Entwicklungsmodelle der indigenen Gemeinschaft en zielen auf das Gemeinwohl

ab, auf den Wald und seinen Schutz. Obwohl sie die Familien an die

Handelskreisläufe anbinden, gestatt et das auf gemeinsame Ressourcenverwertung

ausgerichtete Produktionsmodell den indigenen Gemeinschaft en, das

Territorium politisch zu kontrollieren. Nach Ansicht der Gemeinschaft en wäre

gerade die politische Kontrolle über das Territorium vom Bau der Straße umfassend

betroff en. Diese würde durch die Kernzone des Gebiets verlaufen und

deren Biodiversität gefährden; sie würde, wie es die Indigenen selbst formulieren,

„das Gebiet gefährden, in dem das Leben des Territoriums erschaff en wird;

im Herzen des TIPNIS entsteht der Regen, reproduzieren sich die Tiere und

stehen unsere besten Bäume“. Die Kernzone würde durch die Straße in zwei

Teile zerschnitt en. Noch schlimmer aber wäre, dass die territoriale Kontrolle

und Schutz verloren gingen, was bislang durch ihre schwere Zugänglichkeit

verhindert wurde. In der Kernzone gibt es keine Ansiedlungen von Indigenen;

diese liegen alle außerhalb, in der Zone der nachhaltigen Ressourcennutzung.

Die von der Regierung vorgeschlagene Straße würde eine Schwächung für

die politische Kontrolle des Territoriums bedeuten, weil sie Siedlungen mit

sich bringen würde: andine Produzent_innen der Quechua und Aymara, die

Koka anbauen, was einer Individualisierung und Parzellierung der Produkte

des Waldes gleichkäme. Die Erfahrung, die die indigenen Gemeinschaft en des

TIPNIS im Süden machten (Siedlungsgebiet polígono 7), war die einer konstanten

und systematischen Schwächung ihrer politischen Kontrolle über das

Territorium zugunsten der in das Gebiet einwandernden Koka-Produzent_innen.

Umso mehr, da diese nun, wie die TIPNIS-Indigenen sagen, den Präsidenten

stellen.

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