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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

Nach welcher Logik funktioniert aber das Entwicklungsmodell in den Siedlungen

der Quechuas und Aymaras im Süden des TIPNIS? Die Siedler_innen

wurden seit der national-populistischen Staatspolitik nach 1952 in den

Amazonasgebieten angesiedelt. Teile der Quechuas und Aymaras zogen im

Rahmen dieser Politik als Bauern in die Region der tropischen Yungas, um

ihre Anbaumethoden zu erweitern und zu diversifi zieren. Fundamental für das

Verständnis der Siedlungsaktivitäten der Koka-Produzent_innen im TIPNIS

sind die Migrationswellen 1982 bis 1985 und 1986 bis 1989, die eng mit den

Strukturanpassungsmaßnahmen und dem Übergang von einem nationalistischen

zu einem deutlich neoliberaleren Staatsmodell zusammenhängen.

Das von den Koka-Produzent_innen im Süden des TIPNIS verfolgte Entwicklungsmodell

besteht in dem intensiven Vorantreiben der Agrargrenze:

Entwaldung – die schnelle Umwandlung von tropischen Regenwaldgebieten

in Parzellen für den Koka-Anbau. Durch die beiden Komponenten ihres Wirtschaft

shandelns – der individuelle Besitz von Produkten des Waldes und das

Ziel der landwirtschaft lichen Produktion – unterscheidet sich ihr Entwicklungsmodell

stark von dem der indigenen TIPNIS-Gemeinschaft en. Es wird

deutlich, dass das Straßenbauprojekt für die Koka-Bauern eine äußerst wichtige

Rolle für ihr wirtschaft liches Fortkommen hat. Die Straße würde die Handelsmöglichkeiten

der Koka anbauenden Familien noch verbessern; darüber

hinaus würde sie die gesamte Vorgebirgsachse der östlichen Anden-Kordillere

strukturieren. Der Bau der Straße zwischen Villa Tunari und San Ignacio de

Moxos, zusammen mit der Anwesenheit von Siedler_innen in den verschiedenen

Regionen der tropischen Yungas im östlichen Andengebiet Boliviens,

würde die Verschiebung der politischen Kontrolle des Gebiets zugunsten der

andinen Siedler_innen noch verstärken. Die Quechua und Aymara, die in der

Vergangenheit die territoriale Gliederung der Anden vertikal kontrollierten,

verfolgen heute die Strategie, verschiedene ökologische Höhenformationen

zu kontrollieren, und verknüpfen dies mit dem Besetzen verschiedener ökonomischer

Nischen und Handelskreisläufe. Das wirtschaft liche Ergebnis unterscheidet

sich deutlich von dem der früheren andinen Dorfgemeinschaft en

(ayllus).

Die Koka-Produzent_innen haben durch ihre Ansiedlung in der Provinz

Chapare einen Ausweg aus der strukturellen Armut als Bauern in den Anden

gefunden, den ihnen der Staat zuvor nicht aufzuzeigen vermochte. Dieser Fakt

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