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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

geht um den Versuch, die Regierung Morales von dem Ruf einer Koka-Bauern-

Vertretung zu befreien. Doch auch so setzen sich die Prozesse der Unterwerfung

und des Voranschreitens der Agrargrenze im Namen des Koka-Anbaus

im Süden des TIPNIS fort, die bereits die indigenen Gemeinschaft en in den

Randgebieten erfassen 4 . Die Familien dieser indigenen Gemeinschaft en haben

begonnen, zum Koka-Anbau überzugehen und sich innerhalb der Koka-Gewerkschaft

en zu organisieren 5 . Diese Gemeinschaft en demonstrieren heute

für das Außerkraft setzen des TIPNIS-Schutzgesetzes (Gesetz Nr. 180) und

für den Bau der Straße.

Entwicklung und die Regierungspolitik von Evo Morales

In welchem Zusammenhang stehen die Entwicklungsmodelle für den TIP-

NIS und die Entwicklungsstrategie der Regierung Morales? Wenngleich diese

sich auf der Grundlage der von den sozialen Bewegungen geprägten Oktober-

Agenda 6 entwickelt hat – die neben der Abhaltung einer Verfassunggebenden

Versammlung ein wirtschaft liches Entwicklungsmodell der Verarbeitung von

Öl und Gas beinhaltete – vertieft e sie letztlich die traditionelle und hegemoniale

Rolle des Staates: Förderung wirtschaft licher Strategien, die auf einem

Rohstoff exportierenden, extraktivistischen Modell basieren. Eine solche wirtschaft

spolitische Ausrichtung hat mehrere Konsequenzen. Zwar werden andere

Entwicklungsmöglichkeiten nicht ausgeschlossen, und der 2006 vorgelegte

Regierungsplan geht von einer pluralen Perspektive ökonomischer Modelle

4 Im TIPNIS existieren 64 indigene Gemeinschaft en. Davon leben zehn innerhalb der

Siedlungsgebiete und neun innerhalb der Einfl ussgebiete der Siedler_innen. Es lässt

sich also sagen, dass 19 indigene Gemeinschaft en von der regionalen Wirtschaft sform

des Koka-Anbaus beeinfl usst sind.

5 Eine Untersuchung von Sarela Paz aus dem Jahr 2006 ergab, dass die indigenen

Familien in den Randgebieten wegen der ökonomischen Vorteile zum Koka-Anbau

übergehen; forstwirtschaft liche Aktivitäten (Holzeinschlag) werden aufgegeben, da

die Einkünft e daraus niedriger sind (SERNAP 2006).

6 Die Oktober-Agenda stellte die Forderungen der städtischen und ländlichen

sozialen Bewegungen Boliviens vom Wasserkrieg 2000 bis zum Gaskrieg 2003 dar.

Die Ziele beinhalteten die Abhaltung einer Verfassunggebenden Versammlung,

die Eigenverarbeitung von Erdgas, die politische Vertretung jenseits des

Parteienmonopols und die Verstaatlichung des Rohstoff abbaus.

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