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Der Neue Extraktivismus

aus, die der Staat unterstützen soll. Die bevorzugte Ausbeutung natürlicher

Ressourcen und deren Rohexport als zentrale Einkommensquelle konzentriert

jedoch staatliche Maßnahmen auf die extraktivistischen Projekte. Diese

stehen wieder im Vordergrund und werden oft als Regierungsangelegenheit

dargestellt. Eine solche Ausrichtung der Wirtschaft spolitik hat natürlich die

Unterordnung anderer Entwicklungsmodelle zur Folge, die sich entfalten

dürfen oder sogar staatlich gefördert werden, solange sie den zentralen Plänen

einer extraktivistischen Wirtschaft spolitik nicht im Wege stehen. Beim

TIPNIS-Konfl ikt war jedoch genau das der Fall: indigene Bevölkerungsteile

sind nicht mit den zentralen Plänen einer extraktivistischen Wirtschaft spolitik

einverstanden.

Man könnte nun argumentieren, dass die gestiegenen Rohstoff exporte nicht

nur die Vertiefung des extraktivistischen Modells und die unabänderliche Bedeutung

von Bergbau, Gas- und Ölförderung für die bolivianische Wirtschaft

unter Beweis stellen, sondern dass dem Staat dadurch auch neue Chancen

höherer Einnahmen und möglicher Industrialisierungsprozesse eröff net werden,

so wie es die sozialen Bewegungen in der Oktober-Agenda angestrebt

hatt en. Die Regierung Morales verfolgt jedoch eine Strategie wirtschaft licher

Entwicklung, die extraktivistischen Modellen den Vorrang gibt, sie zu Regierungspolitik

macht, ohne wesentliche Industrialisierungstendenzen.

Im konkreten Fall des TIPNIS hat die Regierung Morales zwei Konzessionen

für Erdölexploration und -bohrungen vergeben, unter Missachtung der

Umweltaufl agen für Schutzgebiete sowie der durch Mitglieder des SERNAP

und indigener Organisationen erarbeiteten Entscheidung von 2001, als die

Umwidmung des TIPNIS statt fand und eine Ölförderung für das Gebiet ausgeschlossen

wurde. Die zwei Konzessionen wurden im Jahr 2007 vergeben,

eine für den Block Sécure an Petroandina und die andere für den Block Ichoa

an Petrobras (Consultora Rumbol/SERNAP 2011). Roberto Fernández

(2011) weist in seiner Studie über den Erdölsektor in Bolivien darauf hin, dass

die Regierung Morales sich der Maxime „Exportieren oder sterben“ annähert

und daher dringend neue Blöcke für die Förderung freigeben will. Es steht außer

Frage, dass die Straßenverbindung Villa Tunari – San Ignacio de Moxos der

Erdölförderung beider Unternehmen dienlich wäre. Im Verständnis der Erdölkonzerne

ist bei den Förderprojekten die Investition in Straßen Angelegenheit

der Staaten.

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