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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

Die Bereitstellung von Infrastruktur, damit die exportorientierten Extraktionsmodelle

unter relativ günstigen Bedingungen funktionieren können,

gehört zur Logik des Regierungshandelns von Staaten, die auf eine extraktivistische

Exportwirtschaft setzen. Wenn man von extraktivistischen Modellen

spricht, sollte man jedoch nicht nur an die Extraktion von Rohstoff en denken,

sondern mit Gudynas (2009) ebenso an die agrarexportierenden Modelle,

die auf Monokulturen und intensiver Nutzung des Bodens basieren. Auf regionaler

Ebene ist festzustellen, dass die Handelskreisläufe von Primärgütern,

wozu auch agroindustrielle Produkte gehören, immer mehr auf den Weltmarkt

ausgerichtet werden. Die Situation wird nicht besser; in der beginnenden Dekade

richtet sich die Angebotsstruktur Südamerikas immer mehr auf die chinesischen

Märkte aus. Die steigende Nachfrage Chinas nach Mineralien führt

dazu, dass Südamerika zum Ort strategischer Interessen wird; das IIRSA-Projekt

gewinnt dabei insbesondere an Bedeutung wegen der dazu gehörenden

interozeanischen Verbindung.

Die größte Herausforderung dieser Verbindung besteht in der Überquerung

der Anden; für Staaten wie Brasilien, die ausschließlich über Atlantikküsten

verfügen, hat eine solche Atlantik-Pazifi k-Verbindung strategischen Wert.

Gleichzeitig will Brasilien auch das Amazonasgebiet durchqueren; die Regionen

des Bergregenwalds und des tropischen Regenwalds nehmen dadurch

eine doppelte Funktion ein: Erstens werden dabei natürliche geografi sche

Grenzen beseitigt, die vor 30 Jahren kaum zugänglich waren; zweitens handelt

es sich um Regionen mit fossilen Ressourcen. Der Bau von Straßen durch die

östlichen Yungas dient nicht nur der interozeanischen Verbindung, er eröff -

net auch die Möglichkeit, fossile Energiequellen in der subandinen Zone zu

erschließen. Daran hat Petrobras ein Interesse. In naher Zukunft kommt Peru

und Bolivien hier eine besondere Bedeutung zu, da beide Länder sowohl im

Bereich Bergbau als auch im Bereich Erdöl und Gas Rohstoff exporte betreiben.

Während Ecuador in der subandinen Zone bereits umfassend entwickelte

Erdölprojekte hat, bieten sich hier für Bolivien und Peru noch Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Straßenverbindung zwischen Villa Tunari und San Ignacio de Moxos

und ihre strategische Bedeutung für die Region muss in dem genannten Kontext

betrachtet werden: Sie ist Teil des Vorstoßes der Beseitigung natürlicher

Grenzen des Bergregenwalds, mit denen ein Zugang zu den Anden und zum

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