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Der Neue Extraktivismus

Pazifi kraum geschaff en werden soll. Sie eröff net jedoch auch die Möglichkeit

der Förderung fossiler Ressourcen in der subandinen Zone. Nicht umsonst

wurden an Petroandina und Petrobras Konzessionen vergeben. Brasilien läuft

mit seinen Energieprojekten bis 2020 Gefahr, ein Energiedefi zit zu bekommen,

daher ist für das Land die Exploration neuer Erdölfelder unabdingbar.

Umso mehr, wenn die notwendige Infrastruktur für eine Förderung schon vorhanden

ist. Die interozeanische Verbindung bringt auch Vorteile für die sich

rasch entwickelnde Agroindustrie in den brasilianischen Bundesstaaten Acre,

Rondônia und Mato Grosso do Norte, die an Bolivien und Peru angrenzen.

Die Straßenverbindung durch die östlichen Yungas bietet auch hier eine Möglichkeit,

die Kosten für den Transport ihrer Produkte an die Pazifi kküste zu

senken.

Gewiss ist die Situation innerhalb des auf Rohstoff exporte ausgerichteten

extraktivistischen Modells nicht für alle Länder gleich.

Obwohl, wie die Untersuchungen von Gudynas (2009), Acosta (2011),

Svampa (2009) oder Verdum (2010) zeigen, Südamerika insgesamt seine

jahrhundertealte Rolle als Rohstoffl ieferant für den Weltmarkt weiterhin konsolidiert,

gibt es innerhalb des Kontinents Länder wie Bolivien, die wenig industrialisiert

sind, während andere wie Brasilien ihre Rohstoff exportstruktur

mit einem beachtlichen Industriesektor verknüpfen, wodurch ihre geopolitische

Rolle gestärkt wird 7 . Dies erklärt, warum die brasilianische Entwicklungsbank

BNDES, die als öff entlich-privates Konsortium in infrastrukturelle und

extraktive Projekte investiert, den Kredit für die Straße im TIPNIS vergab und

die brasilianische Firma OAS den Bau ausführen soll.

Doch kehren wir zu der Ausgangsfrage zurück, inwiefern die Entwicklungsmodelle

für den TIPNIS mit der Entwicklungsstrategie der Regierung Morales

zusammenhängen sowie mit der regionalen Wirtschaft sdynamik und ihren

geopolitischen Herausforderungen für Südamerika.

Es ist klar, dass das indigene, auf einer amazonischen Wirtschaft sweise beruhende

Modell in Verbindung mit einer nachhaltigen Nutzung und Verwer-

7 Ricardo Verdum zufolge ist in Südamerika Brasilien das am weitesten industriali

sierte Land, gefolgt von Argentinien und Uruguay. Chile dagegen ähnelt bei seiner

Exportstruktur eher Peru und Bolivien, mit über 70 Prozent Bergbauexporten

(Verdum 2010).

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