download des Buches als PDF (2,5 MB - FDCL

fdcl.berlin.de

download des Buches als PDF (2,5 MB - FDCL

Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

tung der Ressourcen – so wie in den Nutzungsplänen der Indigenen und von

SERNAP vorgesehen – mit den Entwicklungsstrategien der Regierung Morales

kollidiert. Diese macht sich und die von ihr aufgelegten Sozialprogramme

immer mehr von den Einkünft en aus den Rohstoff exporten abhängig 8 .

Die zweite Amtszeit von Evo Morales zeigt ganz klar eine Wende bei der

Wirtschaft spolitik: Das auf Rohstoff exporte ausgerichte extraktivistische

Modell ist zur Staatsdoktrin geworden – niemand darf es in Frage oder sich

ihm gar in den Weg stellen. Die Indigenen des TIPNIS haben sich mit ihrem

Widerstand gegen den Straßenverlauf durch die Kernzone ihres Territoriums

und die Teilung des Schutzgebiets gegen die Pläne der extraktivistischen Regierungspolitik

und die Infrastrukturprojekte zur Zeit- und Kostenreduktion

für die extraktive Rohexportwirtschaft gestellt. Es wird politisch gegen die von

den indigenen Gemeinschaft en des TIPNIS vorgeschlagenen Entwicklungsmodelle

vorgegangen. Die Pläne für Öko-Tourismus, Forstwirtschaft und Verarbeitung

von Krokodilsleder wurden mit dem Argument der Unantastbarkeit

des TIPNIS abgelehnt; die Projekte der Koka-Produzent_innen im TIPNIS

hingegen laufen unvermindert weiter.

Das Entwicklungsmodell der Koka-Bauern lässt sich sogar sehr gut mit den

auf Rohexporte ausgerichteten extraktiven Aktivitäten der Regierung in Einklang

bringen. Tatsächlich reproduziert diese Enklave für die Produktion der

Rohware des regionalen Kokaingeschäft s die Agrarindustrie in weiten Teilen,

die als Teil des extraktivistischen Modells bereits benannt wurde. Erstens fi ndet

eine Monoproduktion des zu exportierenden Guts statt (Koka-Blätt er/Kokainpaste);

zweitens erfolgt eine intensive Landnutzung auf Kosten des Waldes,

die irreversible Schäden für die biologische Vielfalt im südlichen Gebiet des

TIPNIS mit sich bringt; und dritt ens wird das landwirtschaft liche Produkt

(Koka-Blätt er) ausschließlich für die Weltmarktnachfrage hergestellt. Der einzige

große Unterschied zu den extraktiven agroindustriellen Modellen besteht

darin, dass die Monoproduktion nicht in den Händen von Unternehmen liegt,

die das Land und den Produktionsprozess kontrollieren, sondern von Bauern,

8 Zu den durch Erdgas- und Erdöleinkünft e fi nanzierten Sozialprogrammen gehören

der Bono Juancito Pinto für Grundschüler_innen an staatlichen Schulen, der Bono

Juana Azurduy de Padilla für schwangere und stillende Frauen sowie die Renta

Dignidad für alte Menschen in den Städten und auf dem Land.

93

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine