Thomas Hussung: Der Brückentroll

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Wie jeden Tag geht der Zugbrückenwärter seiner Arbeit nach, als er plötzlich unter seiner Zugbrücke einen schlafenden Brückentroll findet. Zuerst ist er erbost. Was hat der Brückentroll ausgerechnet unter seiner Brücke verloren? Aber nach und nach freunden sich der Brückentroll und der Zugbrückenwärter, auch gegen den Widerstand der Stadtbewohner, an.

Eine Geschichte über Ausgrenzung, die Angst vor Fremden und wahre Freundschaft.
Zum Lesen und Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren.

EDITION PASTORPLATZ

Thomas Hussung

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Ein Kinderbuch von Thomas Hussung


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Als der Zugbrückenwärter eines Morgens erwachte,

fand er unter seiner Brücke einen schlafenden Troll.


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Leicht erbost rückte der Zugbrückenwärter seine

Zugbrückenwärter-Mütze zurecht und stupste den Troll

vorsichtig mit der Spitze seines Zugbrückenwärter-Stiefels an.

Der Troll blinzelte schläfrig ins Morgenlicht

und erhob sich.

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„Guten Morgen“, sagte der

Zugbrückenwärter – im öffentlichen

Dienst musste man ja schließlich

höflich bleiben. Außerdem war der

Troll dazu noch ziemlich groß.

„Das hier ist kein Schlafplatz!“,

fügte er etwas weniger

höflich hinzu.


„Aber ich wohne hier doch!“,

antwortete der Troll.

„Seit wann?“, wollte der

Zugbrückenwärter wissen.

„Seit gestern.“

Der Zugbrückenwärter

überlegte. Das war

natürlich etwas anderes.

Schließlich konnte er den

Troll ja nicht aus seinem

Zuhause hinauswerfen.

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Der Zugbrückenwärter ging wieder in seine kleine

Zugbrückenwärter-Hütte.

Dort begann er mit seinem Tagwerk, das daraus bestand, die

Brücke hochzuziehen, sobald ein großes Schiff durchfahren

wollte. Dafür musste der Zugbrückenwärter einen Hebel nach

oben legen und dann hob sich knarrend und quietschend

die Brücke. Der Zugbrückenwärter wünschte sich, er hätte die

Zahnräder geölt, damit sie nicht so einen Krach machten.

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Schließlich wollte er seinen neuen Nachbarn, der sofort

wieder eingeschlafen war, nicht aufwecken.


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Als es auf Mittag zuging, steckte der Troll seinen Kopf durch

das Zugbrückenwärter-Häuschen-Fenster und rülpste zur

Begrüßung herzhaft.

Manieren hatte er nicht gerade. Dafür hatte der Zugbrückenwärter

welche und deshalb bot er dem Besuch sogleich einen Tee

an. Er hätte ihn natürlich auch gern hereingebeten, aber

das Zugbrückenwärter-Häuschen-Zimmer war zu klein für

einen ausgewachsenen Troll. Deshalb trank der Troll seinen

Pfefferminztee am Fenster, während er sich neugierig umschaute.

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Am meisten interessierten ihn die vielen Hebel und leuchtenden

Knöpfe, und der Zugbrückenwärter erklärte ihm gern, wie man mit

diesen die Brücke hochklappte.


Von nun an stattete ihm der Troll jeden Tag einen Besuch ab

und manchmal, wenn nicht so viele Schiffe kamen, besuchte

der Zugbrückenwärter auch die kleine Trollbehausung unter

der Brücke.

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Die Lieblingsbeschäftigung des Trolls war es, in

dem Moment, wenn die Brücke hochgezogen

wurde, von einer Brückenseite auf

die andere zu springen. Anfangs

war der Zugbrückenwärter von diesem

Zeitvertreib nicht sonderlich angetan

und er murmelte irgendetwas von

Sicherheitsrisiken.


Der Troll verstand davon nicht viel und schon bald hatte er

den Zugbrückenwärter dazu überredet, es auch einmal zu

versuchen. Von da an sprangen sie gemeinsam.

Die Kapitäne der Schiffe staunten nicht

schlecht über die kühnen Sprünge der

beiden Freunde.

Abends saßen sie dann oft am

Ufer und sahen der Sonne dabei

zu, wie sie dem Fluss einen

rotgoldenen Gutenachtkuss gab.

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Thomas Hussung

Schon damals im Mathematikunterricht

entstanden mit seinem

Stift mehr gezeichnete Monster als

gelöste Rechenaufgaben und auch

heute noch malt der 1990 in Baden-

Württemberg geborene Illustrator

Thomas Hussung am liebsten

allerlei Fabelwesen und Ungeheuer.

Von 2011 bis 2014 studierte er in Hamburg Kommunikationsdesign

und arbeitet dort inzwischen als selbstständiger Illustrator. Neben

dem Zeichnen war auch das Schreiben für ihn schon immer eine

Möglichkeit, um seine Geschichten zum Ausdruck zu bringen. In seinem

Kinderbuch Der Brückentroll hat er diese beiden Mittel erstmals vereint.

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Der Brückentroll“ wird herausgegeben von der Edition Pastorplatz (Brink & Held GbR · Luisenstraße 52 · 52070 Aachen)

www.editionpastorplatz.de

www.facebook.com/edition.pastorplatz

www.twitter.com/ed_pastorplatz

Editionsnummer: 15 (September 2016)

ISBN 978-3-943833-15-7

1. Auflage

Idee, Text + Zeichnungen: Thomas Hussung

Umsetzung: Bernd Held

Korrektorat/Lektorat: Angelika Lenz, Steinheim an der Murr

Der Umwelt zuliebe:

Gedruckt auf 140-g-Offsetpapier mit Druckfarben auf Wasserbasis.

Umschlag mit 120-g-Offsetpapier bezogen.

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt

insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.


Wie jeden Tag geht der Zugbrückenwärter seiner Arbeit nach, als er plötzlich

unter seiner Zugbrücke einen schlafenden Brückentroll findet. Zuerst ist

er erbost. Was hat der Brückentroll ausgerechnet unter seiner Brücke

verloren? Aber nach und nach freunden sich der Brückentroll und der

Zugbrückenwärter, auch gegen den Widerstand der Stadtbewohner, an.

Eine Geschichte über Ausgrenzung, die Angst vor Fremden und wahre Freundschaft.

Zum Lesen und Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren.

ISBN 978-3-943833-15-7

€ 14,50 (D)

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