Landschaft 2020 - Schweizer Informationssystem Biodiversität ...

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Landschaft 2020 - Schweizer Informationssystem Biodiversität ...

Im Rahmen des Projektes «Landschaft 2020» sind ausserdem

entstanden:

BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT 2003:

Landschaft 2020 – Leitbild. Bern.

STREMLOW, M.; ISELIN, G.; KIENAST, F.; KLÄY, P.; MAIBACH, M. 2003:

Landschaft 2020 – Analysen und Trends.

Grundlagen zum Leitbild des BUWAL für Natur und Landschaft.

BUWAL Schriftenreihe Umwelt 352. Bern.

Landschaft 2020

Erläuterungen und Programm

Synthese zum Leitbild des BUWAL für Natur und Landschaft


Impressum

Herausgeber

Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL),

CH-3003 Bern, www.umwelt-schweiz.ch

Das BUWAL ist ein Amt des Eidg. Departements für Umwelt,

Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK)

Projektteam BUWAL

Gilbert Thélin (Projektleiter), Pia Kläy, Meinrad Küttel,

Benoît Magnin, Heinz Pfister, Andreas Stalder,

Matthias Stremlow

Expertenbeirat

Jocelyn Bottinelli, Bundesamt für Kultur BAK;

Paul Imbeck, Kantonsbeauftragter Natur und

Landschaft KBNL (Kt. BL);

Philippe Jacot-Descombes, Kantonsbeauftragter

Natur und Landschaft KBNL (Kt. NE);

Felix Kienast, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald,

Schnee und Landschaft WSL;

Raimund Rodewald, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL;

Otto Sieber, Pro Natura;

Willi Zimmermann, Eidg. Natur- und Heimatschutzkommission ENHK

Redaktion

Matthias Stremlow und Heinz Pfister

Grafik

Hanspeter Hauser, AVD, Bern

Zitierung

BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT 2003:

Landschaft 2020 – Erläuterungen und Programm.

Synthese zum Leitbild des BUWAL für Natur und Landschaft. Bern.

Bezug

BUWAL, Dokumentation, CH-3003 Bern

Fax +41(0)31 324 02 16, E-Mail docu@buwal.admin.ch

Internet: www.buwalshop.ch

Bestellnummer DIV-8408-D

Preis CHF 25.– (inkl. MWSt.)

Diese Publikation ist auch in französischer Sprache erhältlich.

© BUWAL, Bern, 2003

Internet

www.umwelt-schweiz.ch > fachgebiete > Landschaft > Landschaft 2020

11.03 1000 104330


Landschaft 2020

Erläuterungen und Programm

Synthese zum Leitbild des BUWAL für Natur und Landschaft


2 Vorwort

3

Vorwort

Attraktive und schöne Landschaften und eine intakte Natur sind Voraussetzungen

für eine gute Lebensqualität und für einen langfristigen Wohlstand.

Einwohnerinnen und Einwohner wie auch Gäste der Schweiz wünschen sich

einen gesunden Lebensraum, frische Luft und Ruhe sowie charakteristische

Landschaften, in denen es ihnen wohl ist und wo sie sich zuhause fühlen.

Die Globalisierung, die Liberalisierung und die weitere Technisierung beeinflussen

die zukünftige Landschaftsentwicklung wesentlich. Auch die

Wahrnehmung der biologischen und landschaftlichen Vielfalt verändern sich

auf Grund des steten kulturellen Wandels unserer Gesellschaft. Es ist eine

vordringliche Aufgabe, die natürlichen Lebensgrundlagen unter diesen sich

verändernden Bedingungen auch für künftige Generationen zu erhalten, damit

diese ihre Ansprüche an die Landschaft ebenfalls befriedigen können.

Vielfältige, lebendige Landschaften zu erhalten und angemessen weiter zu

entwickeln, bedingt, dass wir uns alle mit den landschaftlichen Qualitäten

und Veränderungen auseinander setzen. Wie sieht die Landschaft aus, in der

wir gerne leben? Wie können wir die biologische Vielfalt erhalten? Wie kann

die Entwicklung gemeinsam gestaltet werden, dass unsere biologischen und

landschaftlichen Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen auch kommenden Generationen

in ausreichendem Mass und hoher Qualität zur Verfügung stehen?

«Landschaft 2020 – Erläuterungen und Programm» ist ein Strategiepapier des

BUWAL und skizziert eine Landschaftsvision für das Jahr 2020. Die Fachstelle

des Bundes für Natur und Landschaft zeigt auf, welchen Beitrag sie mit einer

aktiven Natur- und Landschaftspolitik zur nachhaltigen Entwicklung leisten will.

Mit dem vorliegenden Programm trägt das BUWAL zu einer Schweiz bei, die

auch für künftige Generationen lebenswert bleibt.

Philippe Roch

Direktor


4 Inhalt

5

Inhalt

Vorwort 3

Inhaltsverzeichnis 4

1 Einleitung 7

1.1 Ausgangslage 7

1.2 Ziel und Zweck 8

1.3 Stellenwert 9

1.4 Verhältnis von «Landschaft 2020» zum Landschaftskonzept Schweiz 10

2 Landschaft im Spannungsverhältnis von Mensch und Natur 11

3 Ausgewählte landschaftsrelevante Trends 13

3.1 Siedlungstätigkeit 15

3.2 Landwirtschaft 16

3.3 Wald und Forstwirtschaft 18

3.4 Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz 19

3.5 Verkehr 20

3.6 Erholung und Tourismus 21

3.7 Landschaftsrelevante Trends im Überblick 22

4 Landschaft und nachhaltige Entwicklung 24

4.1 Zielsetzung «nachhaltige Entwicklung» 25

4.2 Landschaft und nachhaltiges gesellschaftliches Handeln 26

4.3 Vision Landschaft 2020 28

5 Programm 30

5.1 Aktionsfeld 1: Landschaft und Landnutzung 33

5.1.1 Landschaftsmanagement für Flur und Wald 34

5.1.2 Naturnaher Waldbau und Waldreservate 36

5.1.3 Landschaftsmanagement in der Land- und Alpwirtschaft 38

5.1.4 Ökologischer Ausgleich in der Landwirtschaft 40

5.2 Aktionsfeld 2: Landschaft und Raumordnungspolitik 43

5.2.1 Verstärkte Zusammenarbeit in der Raumordnungspolitik 44

5.2.2 Landschaftsaspekte und Agglomerationen 46

5.2.3 Konzept für Landschaft, Sport und Tourismus 47

5.3 Aktionsfeld 3: Landschaft und Gewässer 49

5.3.1 Raum für Fliessgewässer 50

5.3.2 Gewässerregime 52

5.3.3 Gewässer als Elemente der Kulturlandschaft 53

5.4 Aktionsfeld 4: Arten und Lebensräume 55

5.4.1 Zeugen der Erdgeschichte (Geotope) 56

5.4.2 Organisation und Prioritätensetzung im Artenschutz 57

5.4.3 Biotopschutz 58

5.4.4 Wertvolle Landschaften 59

5.4.5 Naturnahe Lebensräume in Siedlungsgebieten 60

5.4.6 Nationales ökologisches Netzwerk (REN) 61

5.4.7 Durchlässigkeit von Verkehrsinfrastrukturen 62

5.5 Aktionsfeld 5: Der Mensch in der Landschaft: Wahrnehmung und Erlebnis 65

5.5.1 Wahrnehmung und Erlebnis von Natur und Landschaft 66

5.5.2 Landschaftsgestaltung und Projekte in der Landschaft 67

5.5.3 Gebaute Elemente der Kulturlandschaft 68

5.5.4 Lebensqualität in der Wohnumgebung 69

5.6 Aktionsfeld 6: Partizipation 71

5.6.1 Sensibilisierung und Information der Bevölkerung 72

5.6.2 Partizipative Planungsinstrumente und Kooperationen 73

5.7 Aktionsfeld 7: Wirtschaftliche Instrumente und Ressourcenverbrauch 75

5.7.1 Öffentliche Gelder 76

5.7.2 Institutionelle Regime für die Nutzung der natürlichen Ressourcen 78

5.7.3 Handelbare Zertifikate und Kontingente 79

5.7.4 Labels im Bereich Natur und Landschaft 80

5.7.5 Rohstoffe und Energien 81

5.7.6 Nachhaltige Ressourcennutzung und internationale Verantwortung 82

5.8 Aktionsfeld 8: Früherkennung und Forschung 85

5.8.1 Früherkennung, Monitoring und Erfolgskontrolle 86

5.8.2 Angewandte Forschung im Bereich Natur und Landschaft 87

5.8.3 Bildung 88

6 Bibliographie 89

7 Anhang 92

7.1 Verknüpfung LKS und «Landschaft 2020» 92

7.2 Übersicht Kriterien und Indikatoren Nachhaltigkeit und Landschaft 93

7.3 Bildnachweis 95

7.4 Abbildungsverzeichnis 96


6 1 Einleitung

7

1 Einleitung

1.1 Ausgangslage

Der menschliche Einfluss auf die Landschaftsentwicklung hat in den letzten

Jahrzehnten stark zugenommen. Die dichte Besiedlung und Nutzung des

Landes bewirken eine Überlagerung mehrerer, oft gegenläufiger Ansprüche

auf den gleichen Flächen. Dadurch gehen weiterhin Natur- und Kulturwerte

in der Landschaft verloren (ARE/BUWAL 2001). Diese Entwicklung wird noch

verstärkt, da in zahlreichen Bereichen Normen und Verhaltensweisen bestehen,

die sich auf Natur und Landschaft nachteilig auswirken.

Bei politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen werden trotz

gleichrangiger Rechtsgrundlagen Natur- und Landschaftsaspekte oft zu spät

einbezogen und ungenügend gewichtet.

Die Überprüfung des ökologischen Zustandes lässt einen

nach wie vor bestehenden Druck und zunehmende Defizite

der biologischen und landschaftlichen Vielfalt erkennen. Zu

diesen Ergebnissen kommen spezifische Erfolgskontrollen,

erste Auswertungen von Monitoringprogrammen und die

Evaluation durch die OECD (1999).

Neue Leitbilder und Strategien raumwirksamer Politikbereiche

wie Landwirtschaft und Verkehr werden zunehmend interdisziplinär

aufgebaut. Das BUWAL als Bundesfachstelle Natur

und Landschaft leistet mit «Landschaft 2020 – Erläuterungen

und Programm» einen konkreten Beitrag aus seiner Sektoralpolitik.

Der vorliegende Bericht wurde zusammen mit Experten

erarbeitet. In den ersten vier Kapiteln wird die Landschaftsentwicklung

bis ins Jahr 2020 skizziert und Qualitätsziele aus

Sicht der Fachstelle Natur und Landschaft des Bundes formuliert.

Im Programm (Kap. 5) wird dargelegt, wie diese Ziele

mit den Möglichkeiten und Instrumenten des BUWAL erreicht

oder unterstützt werden sollen.

Welche Landschaften wünschen sich

Bewohnerinnen und Bewohner?


8 1 Einleitung

9

Landschaft ist nicht nur eine Fülle

räumlicher Einzelelemente und Prozesse,

sondern auch Ergebnis unserer Gefühle

und Werthaltungen

Landschaft ist Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen

1.2 Ziel und Zweck

Der Bundesrat strebt eine nachhaltige Entwicklung der Schweiz und eine effiziente,

leistungsfähige Bundespolitik für Natur und Landschaft an. Mit dem

Landschaftskonzept Schweiz LKS sind im Dezember 1997 die Zielsetzungen

«Natur und Landschaft» vom Bundesrat verabschiedet worden.

Grundlage dieser Zielsetzung ist der Landschaftsbegriff des

Europarates (2000) sowie des Landschaftskonzeptes Schweiz

(BUWAL ET AL. 1998). «Landschaft 2020 – Erläuterungen und

Programm» basiert zudem auf den Grundsätzen der Nachhaltigen

Entwicklung des Departementes für Umwelt, Verkehr,

Energie und Kommunikation (UVEK 2001). Dabei werden

die allgemeinen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung für

die Landschaft konkretisiert, wobei naturwissenschaftliche,

kulturelle, soziale und wirtschaftliche Zugänge berücksichtigt

werden.

Landschaft ist nicht nur eine Fülle räumlicher Einzelelemente

und Prozesse, sondern auch Ergebnis unserer Gefühle und

Werthaltungen.

Der Mensch ist sowohl Teil des Ökosystems als auch Kulturwesen.

In Ergänzung des Arten- und Biotopschutzes sowie der Raumplanung

konzentriert sich der Landschaftsschutz deshalb auf die gesellschaftliche

Verantwortung für vielfältige und ökologisch wertvolle Lebensräume für den

Menschen – in Respekt vor dem Gewachsenen und vor der Schöpfung (vgl.

Präambel der Bundesverfassung). Ziel ist es, den Lebensraum heute und in

Zukunft so zu erhalten, dass sich der Mensch und 45'000

Tier- und Pflanzenarten wohl fühlen und angemessen entfalten

können.

In «Landschaft 2020 – Erläuterungen und Programm» legt das

BUWAL dar,

- wie aus seiner Sicht die Landschaftsentwicklung der nächsten

Jahre mit den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung

in der Schweiz verknüpft werden kann (Kap. 1-4);

- mit welchen Instrumenten und Massnahmen diese Ziele

prioritär erreicht werden sollen (Programm, Kap. 5).

Gleichzeitig dient der vorliegende Bericht dazu, Betroffene

und Interessierte zu informieren sowie Spielräume für positive

Entwicklungen in Natur und Landschaft zu nutzen.

Das Strategiepapier ist Teil eines hierarchisch strukturierten

Zielsystems des Natur- und Landschaftsschutzes auf Bundesebene.

Es leitet sich von den gesetzlichen Vorgaben, den 16

allgemeinen Zielen des Landschaftskonzeptes Schweiz LKS

und der Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung

ab (Art. 73 Bundesverfassung). Die bisherigen Strategien

des Natur- und Landschaftsschutzes werden ergänzt. Das

Programm operationalisiert die LKS-Ziele für die Entwicklung

einer aktiven Bundespolitik für Natur und Landschaft. Die

neu zu verfolgenden Strategien finden in Qualitätszielen und

Programm (Kap. 4 und 5) ihren Ausdruck. Diese N+L-Politik

basiert auf einem umfassenden Landschaftsverständnis, das

neben den landschaftsökologischen Themen ebenso kulturelle

Aspekte wie auch die Bedürfnisse der Bevölkerung

beispielsweise nach Erholung und Heimat (Kap. 2) berücksichtigt.

Qualitätsziele und Programm ermöglichen eine nachvollziehbare

und kohärente Positionierung der Bundesfachstelle

für Natur und Landschaft. Sie dienen zudem als Entscheidungshilfe

und Bezugspunkte bei der Beurteilung von landschaftswirksamen

Entwicklungen, Projekten und Nutzungen.

Die nachhaltige Entwicklung wird immer häufiger auch als

gesellschaftlicher Lern- und Gestaltungsprozess verstanden.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Leitvorstellungen

offen zu legen und in Bezug zu den Interessen unterschiedlicher

gesellschaftlicher Gruppen zu setzen. Nur so können

die wirtschaftliche, soziale und ökologische Dimension der

Nachhaltigkeit umfassend berücksichtigt werden – unter

Einbezug der Beteiligten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und

Wissenschaft (Kap. 4).

1.3 Stellenwert

Der vorliegende Bericht ist Erläuterung und Programm für das Leitbild «Landschaft

2020» (BUWAL 2003a). Er ist unter der Federführung der Abteilungen

Natur und Landschaft des BUWAL entstanden. Die Aspekte Wald und Gewässer

wurden amtsintern zusammen mit den entsprechenden Fachabteilungen

erarbeitet. Spezielle Sachfragen insbesondere des städtischen und stadtnahen

Raums wurden mit dem Bundesamt für Raumentwicklung ARE koordiniert. In

Europäische Landschaftskonvention

Artikel 1 – Begriffsbestimmungen

Im Sinne dieses Übereinkommens bedeutet «Landschaft»:

ein Gebiet, wie es vom Menschen wahrgenommen

wird, dessen Charakter das Ergebnis der Wirkung und

Wechselwirkung von natürlichen und/oder menschlichen

Faktoren ist.

Der Natur- und Landschaftsschutz gestaltet aktiv

die Zukunft, ohne das «Woher» zu vergessen


10 2 Landschaft im Spannungsverhältnis von Mensch und Natur

11

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Das Landschaftskonzept Schweiz:

partnerschaftlicher Dialog zwischen den

raumprägenden Politikbereichen des Bundes

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der Projektbegleitung waren Experten aus Verwaltung, Forschung und Umwelt-

verbänden beteiligt: - Bundesstellen: BAK; ENHK

- kantonale Fachstellen: KBNL

- Forschung: ETH Zürich; WSL

- NGO: Pro Natura; SL

In Kapitel 4 wird eine Landschaftsvision skizziert, die sich an den Zielsetzungen

einer nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz orientiert. Strategien zu ihrer

Umsetzung sind in Kapitel 5 ausgeführt. Damit wird die Umsetzung des Landschaftskonzeptes

Schweiz (LKS), insbesondere des Politikbereichs 7 «Natur-,

Landschafts- und Heimatschutz» (vgl. Kap. 1.4), konkretisiert und gefördert.

Das vorliegende Strategiepapier dient dem BUWAL als fachliche Grundlage für

seine Entscheidfi ndungen und für seine Zusammenarbeit mit den raumwirksamen

Sektoralpolitiken.

Die Orientierung an den Qualitätszielen und die Umsetzung des Programms

erfolgen durch das BUWAL. Dabei sollen die mit dem Landschaftskonzept

Schweiz geknüpften Partnerschaften mit allen an der Landschaft Interessierten

fortgeführt und vertieft werden.

1.4 Verhältnis des Konzeptes «Landschaft 2020»

zum Landschaftskonzept Schweiz

Mit dem Landschaftskonzept Schweiz (LKS) hat der Bundesrat

im Dezember 1997 die Ziele der Bundespolitik «Natur und

Landschaft» für die direkt auf die Landschaft einwirkenden

Politikbereiche festgelegt.

Gleichzeitig wurden im LKS Massnahmen zur Umsetzung

dieser behördenverbindlichen Ziele formuliert. Die zuständigen

Bundesstellen sind aufgefordert, die vorgesehenen Massnahmen

im Rahmen ihrer Prioritätensetzung sowie ihrer

fi nanziellen und personellen Möglichkeiten zu realisieren.

Die in den Kompetenzbereich des BUWAL fallenden LKS-Massnahmen

von Kapitel 7 «Natur-, Landschafts- und Heimatschutz»

werden zum Teil direkt umgesetzt. Zu einem anderen

Teil müssen aber vorgängig die zugehörigen langfristigen Leitvorstellungen entwickelt

oder die Massnahmen konkretisiert werden. Entsprechend dienen die

Ergebnisse des Projektes «Landschaft 2020» der Umsetzung des LKS-Zieles sowie

der Konkretisierung und Realisierung seiner Massnahmen (vgl. Kap. 7.1).

2 Landschaft im Spannungsverhältnis

von Mensch und Natur

Landschaft ist in einem doppelten Sinn Kulturprodukt. Sie ist einerseits

Ergebnis menschlicher Gestaltung, entstanden im Zusammenwirken von

natürlichen Prozessen und menschlicher Nutzung. Andererseits ist Landschaft

in einer ästhetischen Sichtweise das Ergebnis von Wahrnehmung.

Es gibt keine Landschaft ohne Betrachtende. Dabei prägen sowohl die

menschlichen Stimmungen als auch die kulturellen Werturteile die Art

und Weise, wie wir Landschaften erleben und als innere Bilder speichern.

Auf Grund dieser engen Wechselwirkung von Mensch und Natur umfasst

das Engagement für wohltuende, lebendige Landschaften sowohl das

körperliche als auch das geistige Wohlbefi nden.

In unserer Landschaftswahrnehmung und -bewertung reagieren wir nicht

nur als Individuen, sondern sind von unserer Zeit und Kultur geprägt. So

unterscheiden sich beispielsweise in der Kunst die romantischen Landschaftsbilder

deutlich von den Gemälden der Impressionisten oder von

der zeitgenössischen «land art» und Videokunst (BUWAL 2001). Diese kulturelle

Verankerung zeigt sich auch im Begriff «Landschaft» selber: «Landschaft»,

«paysage» oder «landscape» bedeuten nicht das selbe (ROHNER/STUBER/HAUSER-

STROZZI 2000).

Landschaften, die unsere verstandes- und gefühlsmässigen sowie sozialen

Bedürfnissen erfüllen, zeichnen sich durch Wiedererkennbarkeit und durch Gestaltungsfreiräume

aus. Sie entsprechen unseren gegensätzlichen Wünschen

- nach Vertrautheit, Beständigkeit und Sicherheit;

- nach Veränderung, also nach Freiräumen für unsere Neugier

und unseren Gestaltungswillen.

Das Landschaftserlebnis geht aber über das reine Naturerlebnis

hinaus. Zu einer Umgebung, in der wir uns wohl fühlen,

gehören gute zwischenmenschliche Beziehungen und eine

sozial anregende Umwelt. Landschaft wird damit zu einem

Raum, in dem wir physische und soziale Grundbedürfnisse

erfüllen.

Natur- und Landschaftserfahrungen sind deshalb immer auch

Kulturerfahrungen. Es wandelt sich nicht nur die Umgebung

auf Grund natürlicher Prozesse und menschlicher Gestaltung,

sondern auch unsere Wahrnehmung und Bewertung

von Landschaften selbst. Ein zukunftsgerichteter Natur- und

Landschaftsschutz fragt deshalb nach den Veränderungen in

der Landschaft sowie in der menschlichen Wahrnehmung

und Bewertung. Damit erhalten die Ansprüche an die Land-

Landschaft ist in der Wechselwirkung von

Mensch und Natur...

...Lebensraum

...Naturraum

...Kulturraum

...Wirtschaftsraum

...Erlebnisraum

...Produkt unserer Wahrnehmung

und Bewertung

...Identifi kationsraum

...Zeugin der Erdgeschichte

...Gemeineigentum

...International

(BUWAL 1998: 8ff.)

Landschaft ist mehr als ihre einzelnen

objektiven Gegenstände. Landschaft erschliesst

sich erst durch unsere innere Beteiligung


12 3 Ausgewählte landschaftsrelevante Trends

13

In unserer Wahrnehmung gliedern wir die Umgebung

in Bedeutungs- und Sinneinheiten, die wir gefühls-

und verstandesmässig zu erfassen vermögen

schaft einen hohen Stellenwert (vgl. MEIER/BUCHECKER 2001).

Die Ausführungen zur Wechselwirkung von Natur und

Mensch im Begriff der Landschaft verdeutlichen, dass Landschaften

öffentliche Güter sind. Entsprechend werden mit

Landschaften öffentliche Interessen verbunden. Wohltuende

Lebens- und Erholungsräume oder die Wiedererkennbarkeit

von Landschaften auch über grössere Zeitabschnitte können

solche öffentlichen Interessen sein.

Schliesslich kommt der Landschaft unabhängig von ihrer Bedeutung

für den Menschen ein Selbstwert zu. Dieser ergibt

sich nicht zuletzt auf Grund der Jahrmillionen dauernden

natürlichen Entwicklung der Erde. Den Selbstwert der Landschaft

einordnen und bemessen zu wollen, führt zu Fragen

unserer Ethik und unseres moralisch begründeten Verhaltens.

Die sich ergebenden Antworten mahnen uns zu Bescheidenheit

und Respekt.

Auf Grund der engen Wechselwirkung zwischen Mensch

und Landschaft wird im Projekt «Landschaft 2020» folgenden

Aspekten erhöhte Beachtung geschenkt:

- dem Landschafts- und Wahrnehmungswandel;

- dem landschaftlichen Erleben;

- der räumlichen Identifikation;

- den Bedürfnissen an Landschaften;

- der Partizipation bei landschaftswirksamen Entscheiden.

3 Ausgewählte landschaftsrelevante Trends

Tiefgreifende ökonomische, gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen

haben die Schweizer Landschaften in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts

grundlegender geprägt als je zuvor. Motoren dieser Veränderungen waren das

Bevölkerungswachstum und das ausgeprägte wirtschaftliche Wachstum, das

mit dem materiellen Wohlstand auch einen neuen Umgang mit der Landschaft

gebracht hat. Siedlungstätigkeit, Land- und Waldwirtschaft, Wasserwirtschaft

und Hochwasserschutz sowie Verkehr, Erholung und Tourismus haben Natur

und Landschaft unter Druck gesetzt (ARE/BUWAL 2001; STREMLOW ET AL. 2003).

Der kaum je Aufsehen erregende Verlust an Vielfalt bezieht sich sowohl auf die

Landschaftsveränderung durch technische Eingriffe, wie auch auf die Intensität

der Nutzungen und die Qualität der Lebensräume.

Weite Teile des Landes waren noch vor wenigen Jahrzehnten

kleinräumig und vielfältig strukturiert. Die Erschliessung, Besiedlung

und Bewirtschaftung war den Geländeverhältnissen

angepasst. Innerhalb von nur zwei Generationen haben sich

die technischen Möglichkeiten vervielfacht und damit auch

die Möglichkeiten der Gestaltung und Nutzung der Landschaft

(Abb. 1). Ortsbilder und geschichtliche Stätten kamen

unter Druck. Neue Siedlungen und Infrastrukturen dehnten

sich aus und verdrängten alte Bauten und Strukturen. Auch

ausserhalb des Siedlungsgebietes wurde die Landschaft den

neuen Gegebenheiten und Bedürfnissen angepasst. Vielerorts

wurde sie ausgeräumt und geometrisiert. Dadurch

werden sich die einzelnen Regionen ähnlicher. Sie verlieren

gleichzeitig Teile ihrer Charakteristik und landschaftlichen

Identität.

Der landschaftliche Verlust an Natur- und Kulturwerten ist

trotz verbesserter gesetzlicher Grundlagen (z.B. NHG, GschG,

WaG, RPG) und gemeinsamer Anstrengungen im Vollzug

nicht abgeschlossen. Die Landschaft ist weiterhin unter

Druck, wie die neuesten Daten der Landschaftsbeobachtung

eindrücklich belegen (ARE/BUWAL 2001). Und welche Resultate

werden zukünftige Beobachtungen liefern?

Wer in die Landschaftsentwicklung steuernd eingreifen will,

muss die landschaftsrelevanten Trends kennen. Diese wurden im Rahmen des

Projektes «Landschaft 2020» analysiert (MAIBACH/GEHRIG 2001a; STREMLOW ET AL.

2003).

Die wichtigsten Trends der kommenden Jahre sind die Globalisierung und die

Liberalisierung der traditionellen Infrastrukturbereiche. Mit dieser Entwicklung

Landschaftswandel zwischen 1971 und

1993 in Münchenbuchsee (BE)


14 3 Ausgewählte landschaftsrelevante Trends

15

Abb. 1: Typische Landschaftsentwicklung

im Schweizer Mittelland zwischen 1950

und 2000 (© F. Kienast, WSL)

ist die Gefahr verbunden, dass den öffentlichen Interessen an der Landschaft

ungenügend Rechnung getragen wird. Diese Gefahr besteht insbesondere

dort, wo die Umsetzung mit einer Interessenabwägung oder der Interpretation

unbestimmter Rechtsbegriffe verbunden ist.

Die heute vorhandenen Leitbilder der raumrelevanten Politikbereiche haben

diese Herausforderung grundsätzlich erkannt. Ob es aber gelingt, die in den

Leitbildern formulierten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, ist vor allem eine

Frage der Gewichtung zwischen Entwicklungs- und Schutzinteressen.

Die Trends in den wichtigen landschaftsprägenden Nutzungen werden in den

folgenden Kapiteln skizziert. Zeitlicher Horizont ist das Jahr 2020.

A: Zusammenhängende Siedlung

B: Reich gegliedertes Kulturland

C: Wald

3.1 Siedlungstätigkeit

Die Siedlungstätigkeit hat in den letzten 50 Jahren wie kaum

ein anderer Faktor die Landschaft verändert. Angesichts der

enormen Bautätigkeit in den 1960er und 1970er Jahren

wurden raumplanerische Massnahmen ergriffen, die heute

lenkende Wirkung zeigen.

Bis 2020 werden durch Ausdehnung der Siedlungen weiterhin

unbebaute Flächen verbaut werden (Abb. 2). Die

Zuwachsraten bleiben insgesamt konstant (Durchschnitt der

letzten Jahre 2'100 ha/Jahr). In gewissen Landschaftstypen

nehmen sie ab.

Neue Einzonungen werden bei unverändertem Standortwettbewerb unter den

Gemeinden unumgänglich sein. Rund 40 Prozent der Bauzonen werden weiterhin

Landwirtschaftsland bester Bonität betreffen.

Insgesamt wird der Siedlungsdruck aber etwas gedämpft. Diese Annahme liegt

in einer zunehmenden Attraktivität von Urbanität und zentralen Wohnlagen,

der Umnutzung von Industriearealen und dem verdichteten Bauen begründet.

Bereits heute wohnen rund 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung in städtischen

Gebieten. Die grossen Wachstumspotenziale für Arbeitsplätze im

Dienstleistungs- und «high-tech»-Sektor finden sich nach wie vor in den Grossstädten

und Agglomerationen. An Bedeutung gewinnen aber Mittelzentren

mit vergleichsweise tiefen Bodenpreisen und weiteren attraktiven Standortfaktoren.

Die Bildung von Grossregionen als Zusammenschluss von Kleinregionen

wird den Landschaftsdruck in heute eher peripheren Lagen verstärken.

In Zukunft werden Fragen der Wohnlichkeit unserer Siedlungen

an Bedeutung gewinnen. Damit verbunden ist ein

vermehrtes Bewusstsein für Qualität und sinnliche Erfahrbarkeit

des städtischen Lebensraums sowie für den respektvollen

Umgang mit dem gebauten kulturellen Erbe. Die Bedürfnisse

nach sauberer Luft, Ruhe und Naturerlebnissen in unserer

Wohnumgebung werden weiterhin steigen. Ein vermehrtes

landschaftsästhetisches Bewusstsein beim Bau grosser und

mittlerer Bauten und Anlagen wird sich gesamthaft positiv

auf das Landschaftsbild auswirken.

Abb. 2: Entwicklung der Siedlungsfläche

(Quelle: BRP/BUWAL 1991, 1994;

ARE/BUWAL 2001)

Ökologische Vernetzung in der Siedlung gewinnt an Bedeutung


16 3 Ausgewählte landschaftsrelevante Trends

17

Die Unterschiede in der Nutzungsintensität

werden weiter zunehmen

3.2 Landwirtschaft

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft wird sich fortsetzen. Den grössten

Druck für Restrukturierungen verspüren vermutlich die Betriebe der Übergangszone

und der Bergzonen. Der generelle Trend zur Tertiarisierung der Schweizer

Wirtschaft wird zusammen mit dem Preisdruck zu einer vermehrten Bewirtschaftungsaufgabe

in Grenzertragslagen führen. Andererseits nimmt der Anteil

des Ernteertrags am landwirtschaftlichen Einkommen mit sinkenden Preisen

weiter ab.

Über die Nutzung einer bestimmten Fläche entscheiden immer

mehr die flächengebundenen Direktzahlungen oder die

betriebsökonomische Situation anstelle des Ertragspotenzials.

Nutzungsaufgaben in Grenzertragslagen erfolgen damit

in erster Linie wegen des Strukturwandels, indem schlicht die

Arbeitskräfte für die Bewirtschaftung abgelegener Flächen

fehlen bzw. weil sich der Arbeitseinsatz wirtschaftlich nicht

mehr lohnt. Dadurch werden die landwirtschaftlichen Nutzflächen

in Grenzertragslagen, aber auch die Sömmerungsgebiete

weiter abnehmen. Die Abnahme der Sömmerungsgebiete

hängt auch vom Produktivitätsfortschritt bei den

Milchkühen ab: Immer weniger Kühe produzieren immer

mehr Milch. Diese Hochleistungskühe werden aber kaum

mehr gealpt.

Im Sömmerungsgebiet besteht die Gefahr einer Polarisierung

der Bewirtschaftungsintensitäten: Nutzungsaufgabe einerseits,

Intensivierung in gut erschlossenen Lagen andererseits.

Hier versucht die neue Sömmerungsbeitragsverordnung Gegensteuer

zu geben, indem auch hier mehr Gewicht auf den

Flächenbezug gelegt und der Intensivierung Grenzen gesetzt

werden.

Finanzielle Anreize haben in der Landwirtschaft zu einer bemerkenswerten

Zunahme an ökologischen Ausgleichsflächen (öAF) geführt. Ihre Qualität ist allerdings

aus Sicht des Natur- und Landschaftshaushaltes oft noch ungenügend

oder die Flächen befinden sich nicht am richtigen Ort.

Im Jahr 2020 wird auf 30 Prozent der Flächen biologische Landwirtschaft betrieben

werden. Allerdings wird davon der Grossteil im Berggebiet liegen, wo

bereits heute die ökologische Ausrichtung der Bewirtschaftung recht weit gediehen

ist. Die Anstrengungen werden deshalb insbesondere im Ackerbaugebiet

zu verstärken sein. Schliesslich hängt die Zunahme des Bioanbaus nicht zuletzt

vom Konsumverhalten der Bevölkerung und nicht nur von der Agrarpolitik ab.

Die bodenunabhängige Produktion (Hors-Sol-Produktion, Mastviehhaltung) ist

seit der entsprechenden Lockerung des Raumplanungsgesetzes (1998) unter

bestimmten Voraussetzungen auf jedem Landwirtschaftsbetrieb möglich. Sie

kann aber vermutlich nur auf gut erschlossenen Flächen nahe den Verbraucherzentren

rentabel betrieben werden.

Der Einsatz von Kunstdüngern und Pflanzenschutzmitteln

wird weiterhin rückläufig sein oder zumindest stagnieren.

Bleiben werden aber weiterhin die regionalen Hofdüngerüberschüsse,

die mit den hohen Tierbeständen in Zusammenhang

stehen und grosse Probleme für die Gewässer, aber auch

für die Artenvielfalt insbesondere in sensiblen Ökosystemen

darstellen. Vor allem die spezifische Förderung der Extensivierung

im Getreide- und Rapsanbau, die Qualitätssteigerung

der ökologischen Ausgleichsflächen sowie der Biolandbau

bieten Chancen für die biologische und landschaftliche Vielfalt

(Abb. 3).

Abb. 3: Entwicklung ausgewählter Kleinstrukturen (Quelle: BRP/BUWAL 1991, 1994; ARE/BUWAL 2001)

Ökologische Ausgleichsflächen erhöhen

die biologische und landschaftliche Vielfalt


18 3 Ausgewählte landschaftsrelevante Trends

19

Wälder erfüllen wichtige Funktionen

für Menschen, Tiere und Pflanzen

Abb. 4: Entwicklung der Waldrandlängen

(Quelle: BRASSEL/BRÄNDLI 1999)

3.3 Wald und Forstwirtschaft

Die Waldfläche wird weiterhin zunehmen, vor allem in den Alpen. Dies verändert

den Charakter, die Vielfalt und das Bild der montanen und subalpinen

Kulturlandschaften. Gleichzeitig bleibt im Mittelland der Druck auf den Wald

unvermindert gross: Vor allem in den Ballungsgebieten bedrängen Verkehrsprojekte

und Siedlungen den Wald. Ausserdem wird seine Vitalität durch die zu

hohen Stickstoffbelastungen der Böden gefährdet.

Die Schutzfunktion des Waldes wird auch in Zukunft von

hoher Bedeutung sein, denn immer mehr Siedlungen oder

Infrastrukturen sind akut gefährdet, und der Verkehr nimmt

auch in den Alpen stark zu. Die Bedrohungslage verschärft

sich auch deshalb, weil es bisher mit den Instrumenten der

Raumplanung nicht gelungen ist, das Schadenpotenzial

ausserhalb der Bauzonen zu begrenzen. Wegen der zunehmend

einseitigen Altersstruktur vieler Schutzwälder gewinnen

Stabilität und Verjüngung zunehmend an Bedeutung.

Die Bedeutung des Waldes für die Erhaltung der biologischen

Vielfalt wird wegen des zunehmenden Siedlungsdruckes und

wegen der ökologischen Verarmung der offenen Landschaft noch wichtiger

(Abb. 4). Folgerichtig sollen Waldreservate als wichtige Trittsteine der ökologischen

Vernetzung rund 10 Prozent der Waldfläche ausmachen.

Der Wald hat weiterhin eine wichtige Funktion für Erholung und Gesundheit.

Der Erholungsdruck auf die Wälder hält unvermindert an, sowohl in den Naherholungsgebieten

als auch in den Tourismusregionen. Das

veränderte Freizeitverhalten und neue Sportarten führen

vermehrt zu Konflikten, vor allem wenn es darum geht, bei

der Ausscheidung von Schutzgebieten die Nutzung einzuschränken.

Die Nutzfunktion hat für viele Waldeigentümer an Wert verloren,

viele Forstbetriebe arbeiten mit Verlust. In vielen Wäldern

wird deshalb weit weniger Holz geschlagen, als nachwächst.

Die Holzvorräte steigen an. In strukturarmen Wäldern wirken

sich die hohen Vorräte oft negativ auf die Stabilität aus. Die

künftige Versorgung der Holzwirtschaft mit den geeigneten

Holzsortimenten ist in Frage gestellt. Dennoch bleibt die

Holznutzung die wichtigste Finanzquelle der Waldwirtschaft

und steuert damit die Entwicklung des Waldes.

Das Holz ist nach der Wasserkraft die zweitwichtigste einheimische Energiequelle.

Sein Anteil am Endenergieverbrauch beträgt 2,5%. Das nutzbare

Potenzial erlaubt eine Verdoppelung der heute genutzten Menge an Energieholz

von 2,5 auf 5 Mio m 3 /Jahr.

Gegenwärtig wird die künftige Waldpolitik im sog. «Waldprogramm

Schweiz» (www.waldprogramm.ch) mit folgenden

sechs Schwerpunkten entwickelt: Waldfläche, Waldschutz,

Waldnutzung, Biodiversität, Schutzwald und sozioökonomische

Funktion.

3.4 Wasserwirtschaft und

Hochwasserschutz

Die Trends in diesem Bereich weisen in eine positive Richtung:

- Die Wasserqualität bleibt stabil oder verbessert sich, wobei

die permanente Überwachung insbesondere bezüglich

neuer Schadstoffe wichtig bleibt.

- Die mit dem Verlust an offenen, naturnahen Gewässerstrecken (Abb. 5)

verbundenen Probleme sind erkannt und die nötigen rechtlichen Instrumente

stehen zur Verfügung. Sie bedürfen allerdings in ihrer Umsetzung

noch grosser Anstrengungen. Das Gleiche gilt für ausreichende Abflüsse

und ihre möglichst naturnahen Regimes.

- Nicht leicht zur Verfügung zu stellen ist allerdings der Raum, der für die Erfüllung

aller Gewässerfunktionen erforderlich ist.

Die Gewässerbewirtschaftung wird künftig konsequent

die Aspekte ausreichender Gewässerraum, Wasserführung

und Wasserqualität in ihre Planungen aufnehmen. Dadurch

bieten sich Vorteile für Natur und Landschaft. Beispielsweise

werden vermehrt natürliche Ufer entstehen.

Die Hochwasserspitzen werden sich weiterhin erhöhen,

aber nicht mehr so rasch wie in der Vergangenheit. Diese

Verlangsamung ist durch Renaturierungen und insgesamt

mehr Gewässerraum begründet und zeigt sich räumlich in

unterschiedlicher Ausprägung.

Eine grosse, aber schlecht quantifizierbare Problematik ergibt

sich indirekt aus der gegenwärtig beobachtbaren Klimaentwicklung:

Durch steigende Wasserabflüsse und Extremereig-

Gewässer als verbindende Landschaftselemente

haben eine hohe wirtschaftliche, gesundheitliche

und ökologische Bedeutung

Abb. 5: Entwicklung der Fliessgewässerlängen

(Quelle: BRP/BUWAL 1991, 1994;

ARE/BUWAL 2001)


20 3 Ausgewählte landschaftsrelevante Trends

21

Autobahnen und Hochleistungsbahnen

zerschneiden die Landschaft

Abb. 6: Entwicklung der Fahrleistungen

des privaten Strassenverkehrs

(Quelle: GVF 1995,1997, 1999; ECOPLAN 1997)

nisse erhöht sich der gesellschaftliche Druck zur Realisierung neuer Hochwasserschutzbauten.

Viele Fliessgewässer weisen immer noch ungenügende oder fehlende Restwasserabflüsse

auf. Eine gewisse Verbesserung kann in den von den Wassernutzungskonzessionen

gesetzten Grenzen erfolgen. Eine umfassende Sanierung

wird aber erst nach abgeschlossener Erneuerung aller laufenden Konzessionen,

in einem Zeitrahmen von mehreren Jahrzehnten, erreicht werden.

Die Nutzung der Seen und Flüsse als Erholungsraum wird sich

durch neue Sport- und Freizeitaktivitäten sowie eine weiter

zunehmende Mobilität verstärken. Diese Entwicklung könnte

die positiven Auswirkungen lokaler und regionaler Renaturierungsmassnahmen

vermindern.

3.5 Verkehr

Alle Verkehrsprognosen gehen von einem weiteren massiven

Wachstum aller Verkehrsleistungen aus (Abb. 6). Im

Personenverkehr wird bis 2015 mit Zunahmen von 20 bis 40

Prozent gerechnet. Im Güterverkehr wird von einer Verdoppelung

der Tonnenkilometer bis ins Jahr 2020 ausgegangen.

Diese Verkehrszunahme wird trotz Effizienzsteigerung zu

einer Erhöhung des Energieverbrauchs führen. Zudem sind die Probleme mit

den Feinstaubpartikeln und beim Lärm schwer zu lösen.

Trotz dieser Zuwachsraten werden einige Umweltprobleme nachweislich

abgeschwächt: die Grenzwerte für Blei, CO, Ozon und Stickoxide werden eingehalten

und teilweise den Stand von 1960 erreichen.

Für Verkehrsbauten wird weiterhin Fläche beansprucht.

Stärker als die Strasseninfrastruktur wird vermutlich die Bahninfrastruktur

zunehmen, da in diesem Bereich nach Jahrzehnten

des Status quo der Erneuerungsbedarf gross ist. Für die

Strasse stehen tendenziell eher Kapazitätserweiterungen zur

Diskussion, welche weniger Land beanspruchen als die Neubauten

der Bahn. Die Zunahme von Verkehrsflächen erhöht

die Belastung des Landschaftsbildes und verstärkt die bestehende

Zerschneidung von Lebensräumen.

Die immer bessere Verkehrserschliessung führt tendenziell

zu grösseren Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort.

Die Entwicklung, auf das Land zu ziehen und in der

Stadt zu arbeiten, nimmt weitere ländliche Gebiete in Anspruch. Relativ gravierende

Eingriffe in peripheren Gebieten sind dann zu erwarten, wenn grosse

Infrastrukturen (z.B. NEAT-Anschlüsse) realisiert werden.

Die Telematik wird bis ins Jahr 2020 zu keiner nennenswerten Verminderung

des verkehrsbedingten Druckes auf die Landschaft führen.

3.6 Erholung und Tourismus

Die Bedeutung von Freizeit, Erholung und Tourismus wird

in unserer Gesellschaft weiter zunehmen. Daraus resultiert

ein Trend zu mehr Freizeit- und Tourismusaktivitäten, die auf

unterschiedliche Weise landschaftsrelevant sein werden.

Für Tourismusformen wie Wellness, Veranstaltungen aller

Art, Kongresse, Städtereisen, Kurzaufenthalte sowie für landschafts-

und sportorientierte Aktivitäten ist der Schweizer

Tourismus besonders gut gerüstet. Die Weltorganisation für

Tourismus prognostiziert für die Schweiz ansehnliche touristische

Zuwachsraten (Abb. 7). Beispielsweise soll die Anzahl

internationaler Besucherinnen und Besucher von heute rund

7 Millionen bis ins Jahr 2020 auf über 10 Millionen zunehmen.

Der Trend im Schweizer Tourismus geht in Richtung einer

verbesserten Qualität. Darüber hinaus werden neue Freizeit-,

Sport- und Tourismusangebote entstehen.

Auf Grund neuer touristischer Aktivitäten, des gestiegenen

Wettbewerbs, höherer Kundenansprüche sowie einer

abnehmenden Schneesicherheit entsteht ein erhöhter Investitionsbedarf.

Weitere Eingriffe in die landschaftlichen

Natur- und Kulturwerte - insbesondere in alpinen und hochal-

pinen Lebensräumen - sind absehbar. Betroffen vom Wandel

der touristischen Aktivitäten ist auch die historische Bausubstanz.

Diese Tendenz wird durch die gute Erschliessung mit

Landwirtschafts- und Forststrassen noch verstärkt.

Der Freizeit- und Tourismusverkehr wird überproportional

steigen, insbesondere im Flugverkehr. Der Freizeitverkehr

macht heute bereits rund 60 Prozent des privaten Personen-

verkehrs aus (MEIER 2000a, b).

Abb. 7: Entwicklung der Ankünfte pro Jahr im Schweizer Tourismus

(Quelle: BOTSCHAFT DES BUNDESRATES 2002)

Landschaften sind beliebte Freizeit- und Erlebnisräume

Mehr als jeder zweite Kilometer wird in der Freizeit zurückgelegt


22 3 Ausgewählte landschaftsrelevante Trends

23

Landschaftsentwicklung ist Spiegel unserer

raumrelevanten Nutzungen und Aktivitäten

Der stehende und rollende Verkehr bleibt das Hauptproblem der Tourismusorte.

Die zunehmende Mobilität zwischen Ballungsräumen und Tourismuszentren

wird aber auch die Umweltqualität in den Transitregionen belasten.

Das Interesse an nachhaltig bewirtschafteten Tourismusorten wird sich leicht

verstärken. Dieser Trend wird aber kaum im gleichen Masse wie die «fun»orientierten

Aktivitäten bedeutsam. Der Trend zum landschaftsorientierten

Tourismus wird sich vor allem in peripheren Regionen etablieren.

Bedingt durch den anhaltenden Siedlungsdruck wird die Nachfrage nach

Naherholungsgebieten zunehmen. Dadurch entsteht Druck auf siedlungsnahe

Gewässer und Uferbereiche, Wälder, Wiesen und Weiden.

3.7 Landschaftsrelevante Trends im Überblick

Die zukünftige Entwicklung der Landschaft wird einerseits durch wirtschaftliche

und gesellschaftliche Megatrends, andererseits durch politische Rahmenbedingungen

geprägt. Wichtige landschaftsrelevante Entwicklungen werden

ausgelöst durch

- den wirtschaftlichen Strukturwandel (Tertiarisierung der

Wirtschaft);

- den weltweiten Standortwettbewerb für hochwertige

Dienstleistungen und hochspezialisierte technologische

Produkte (Globalisierung);

- die Entwicklung der Bevölkerung und Haushaltsstruktur;

- das Freizeitverhalten.

Die Globalisierung und Liberalisierung der traditionellen Infrastrukturbereiche

ist als wichtigster Megatrend zu betrachten.

Diese Entwicklung gilt es in nachhaltiger und landschaftsverträglicher

Weise zu gestalten. Die heute vorhandenen raumrelevanten

Leitbilder haben diese Herausforderung zwar

grundsätzlich erkannt. Entsprechend hat das Thema nachhaltige

Entwicklung an Bedeutung gewonnen. Ob es aber

gelingt, die formulierten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen,

ist vor allem eine Frage der Gewichtung zwischen Entwicklungs-

und Schutzinteressen und ihrer Umsetzung in einem Umfeld, in welchem

Partikularinteressen an Einfluss gewinnen und ein starker staatlicher Einfluss

zunehmend in Frage gestellt wird.

Für die nächsten Jahre ist eine weitere Zersiedelung agglomerationsnaher, ländlicher

Räume zu erwarten. Gemäss den ersten Ergebnissen der Volkszählung

2000 legten vor allem die Gemeinden des zweiten Agglomerationsringes um

die städtischen Zentren bevölkerungsmässig zu. Die Stadtgebiete schliessen

sich immer mehr zusammen und bilden ein grosses urbanes Gebiet. Immer

weiter von den Zentren gelegene Dörfer – gerade auch in den alpinen Tälern –

werden von der Agglomerisierung erfasst. Gleichzeitig dürfte die Zahl der

Pendlergemeinden und die durchschnittliche Pendlerdistanz künftig weiter

zunehmen. Damit wird sich der Druck für den Ausbau des Strassennetzes

erhöhen.

Die grössten Veränderungen sind im Bereich Landwirtschaft zu erwarten. Die

Umsetzung der neuen Agrarpolitik bietet auf Grund der Ökologisierung und

teilweisen Extensivierung Chancen für Natur und Landschaft. Gleichzeitig

zeigen sich aber auch Gefahren in der zu erwartenden Intensivierung landwirtschaftlicher

Gunstlagen.

Chancen ergeben sich mit der neuen Waldpolitik, die vermehrt auf die Qualität

des Waldes als Lebensraum setzt. Allerdings nimmt der Druck auf die Waldfläche

in Regionen zu, wo der Boden knapp ist und entsprechende wirtschaftliche

Interessen im Spiel sind.

Punktuelle positive Auswirkungen sind im Energiebereich zu erwarten. Voraussetzung

ist, dass die erneuerbaren Energieträger mit flankierenden Massnahmen

zu Gunsten der Umwelt ihre Stellung im liberalisierten Markt behaupten

oder ausbauen können.

Problematisch erscheint der Verkehrsbereich. Die Infrastrukturpolitik mit Ausbauten

im Schienen- und Strassenverkehr ist nach wie vor sehr nachfrageorientiert.

Zudem wird sie stark beeinflusst durch die wirtschaftliche Liberalisierung und

die damit verbundene Flexibilisierung der Rohstoff-, Produktions- und Marktstandorte

bei gleichzeitig verzerrten Kostenstrukturen.

Die landschaftsbezogene Trendanalyse zeigt die grosse Bedeutung einer guten

Zusammenarbeit der einzelnen Politikbereiche. In dieser Hinsicht müssen im

Interesse einer wirksamen Bundespolitik für Natur und Landschaft Fortschritte

erzielt werden.


24 4 Landschaft und nachhaltige Entwicklung

25

4 Landschaft und nachhaltige Entwicklung

Leitmotiv des UVEK «ist die Nachhaltigkeit. Eine Politik entspricht

dieser Anforderung dann, wenn wir unsere heutigen

Bedürfnisse decken, ohne die Chancen der künftigen

Generationen zu schmälern. Das UVEK achtet darauf,

dass die natürlichen Lebensgrundlagen geschützt, die öffentlichen

Dienstleistungen effizient angeboten und die

Bedürfnisse der Bevölkerung angemessen berücksichtigt

werden.»

(UVEK 2000, Vorwort BR Moritz Leuenberger)

Eine nachhaltige Entwicklung erfordert die gesellschaftliche Diskussion

über landschaftliche Qualitätsziele und die Ressourcennutzung

Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung (SCHWEIZERISCHER

BUNDESRAT 2002; UVEK 2001) gelten auch für die Nutzung und

Gestaltung der Landschaft. Sie werden im Folgenden konkretisiert.

Dabei werden naturwissenschaftliche, kulturelle,

soziale und ökonomische Zugänge miteinander verknüpft.

In bisherigen wissenschaftlichen Arbeiten ist erst in Ansätzen

behandelt worden, welche landschaftlichen Aspekte im

Rahmen der Nachhaltigkeitsdiskussion für die Bedürfnisse

heutiger und zukünftiger Generationen einzubeziehen sind

(HABERL ET AL. 1999; MANSVELT/LUBBE 1999). Das Projekt «Landschaft

2020» liefert in Zusammenarbeit mit Experten aus

Wissenschaft und Paxis eine Grundlage (Kap. 7.2; STREMLOW

ET AL. 2003).

4.1 Zielsetzung «nachhaltige Entwicklung»

Die Definition von «Sustainable Development», wie sie die Weltkommission

für Umwelt und Entwicklung im Jahr 1987 formuliert hat, lautet wie folgt:

«Nachhaltig ist eine Entwicklung dann, wenn sie zukünftigen Generationen

die Handlungsfähigkeit nicht versagt, ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.»

Die Zielsetzung, die Entwicklung nachhaltig auszugestalten, wurde auch in der

Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft verankert (in Kraft

seit dem 1.1.2000). Artikel 73 hält zur «Nachhaltigkeit» fest: «Bund und Kantone

streben ein auf Dauer ausgewogenes Verhältnis zwischen Natur und ihrer

Erneuerungsfähigkeit einerseits und ihrer Beanspruchung durch den Menschen

andererseits an.»

Mit der Zielsetzung der nachhaltigen Entwicklung wird eine

sozial gerechte und ökologisch dauerhafte Entwicklung

angestrebt. Dazu ist eine gesellschaftliche und wirtschaftliche

Neuorientierung notwendig, welche Gerechtigkeit und

Solidarität zwischen der heutigen und zukünftigen Generationen

zu verwirklichen sucht. Diese Zielsetzung ist zentral

mit der gerechten Verteilung von Ressourcen und Lasten

verbunden. Nur damit kann eine Entwicklung langfristig

auch ökonomisch sein.

Die Ausgestaltung der Verteilung und Nutzung von Ressourcen

ist im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung als gesellschaftlicher

Such-, Lern- und Gestaltungsprozess zu verstehen

(MINSCH 1999). Er muss immer wieder neu hinterfragt und

ausgehandelt werden. Nachhaltige Entwicklung basiert dabei

auf einer demokratisch legitimierten Mitwirkung, welche

alle politischen Ebenen und Interessen umfasst. Die Ziele der

Nachhaltigkeit können nur auf diese Weise Akzeptanz finden

und erreicht werden.

Ein schonender Umgang mit Natur- und Kulturwerten

ist Teil einer nachhaltigen Entwicklung


26 4 Landschaft und nachhaltige Entwicklung

27

Verantwortungsvolles gesellschaftliches Handeln heisst,

die Qualität der Landschaft einzubeziehen

4.2 Landschaft und nachhaltiges

gesellschaftliches Handeln

Hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung kommt der Landschaft eine besondere

Bedeutung zu. Die menschlichen Aktivitäten und Nutzungen beeinflussen

die natürlichen Lebensgrundlagen Wasser, Boden Luft, Flora und Fauna in

ihrer Quantität, Qualität (Regenerationsfähigkeit) und Verteilung sowie die

kulturellen Landschaftswerte. In den letzten Jahrzehnten hat der menschliche

Einfluss enorm zugenommen und eine globale Dimension angenommen. Jeder

einzelne Mensch ist gleichzeitig durch diese Veränderungen in seinen Lebensgrundlagen

und in seinen Empfindungen betroffen.

Eine nachhaltige Entwicklung im Umgang mit Landschaften setzt ein reflektiertes,

verantwortungsvolles Handeln voraus. Es gilt insbesondere zwischen

Nutzungsrechten an Grund und Boden einerseits und öffentlichen Interessen

an der Landschaft andererseits abzuwägen.

Einen wichtigen Stellenwert nehmen dabei die Regelungen

für den Umgang mit den nichterneuerbaren Ressourcen und

den kulturellen Werten in der Landschaft ein. Die heute noch

geltenden Regelungen fördern eine Wirtschaftsweise, welche

durch einen übermässigen Verbrauch dieser Ressourcen

geprägt ist. Die Gesellschaft nimmt bisher auf lokaler Ebene

ihre globale Verantwortung zu wenig war.

Für die gesellschaftliche Bestimmung des WIE unserer landschaftsprägenden

Entscheidungen und Nutzungen wird ein

räumlicher und ein soziokultureller Zugang unterschieden:

- Der räumliche Zugang bezieht sich auf die Erhaltung eines

zukunftsfähigen Landschaftshaushaltes. Hier geht es darum,

wie der Mensch seine natürlichen Lebensgrundlagen

nutzt und welche Veränderungen sich daraus in der

Landschaft ergeben.

Als generelle Zielorientierung soll gelten: Jede Nutzung

muss die (Multi-)Funktionalität der betroffenen Ressourcen

langfristig gewährleisten und darf andere Nutzungen

nicht irreversibel ausschliessen. Insbesondere ist der Verlust

nicht ersetzbarer, unbelebter und belebter Elemente

wie biologische Arten und einzigartige Geotope zu vermeiden.

Für die Festlegung einer nachhhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen

ist die Regenerationsfähigkeit der Schlüsselfaktor.

- Der soziokulturelle Zugang konzentriert sich auf die sozialen und emotionalen

Aspekte der Mensch-Landschaft-Beziehung. Behandelt werden sowohl

landschaftsästhetische Fragestellungen als auch die Wechselwirkung

zwischen Landschaft und menschlicher Seele.

Im Landschaftserlebnis werden die natürlichen und landschaftlichen

Elemente emotional bedeutsam. So wie die Nahrung dem Körper immer

auch Informationen vermittelt, ist das

Landschaftserlebnis im umfassenden Sinn

Informationsaufnahme. Diese Informationen

braucht der Mensch für seine innere Entwicklung,

sein Wohlbefinden sowie für seine

räumliche und kulturelle Identität.

Die räumlichen und soziokulturellen Aspekte

einer nachhaltigen Entwicklung der Landschaft

werden im folgenden Kapitel mit 32 Qualitätszielen

konkretisiert.

Auch zukünftige Generationen haben

Anrecht auf vielfältige Landschaften


28 4 Landschaft und nachhaltige Entwicklung

29

4.3 Vision Landschaft 2020

Die 32 landschaftsbezogenen

Qualitätsziele

beschreiben, wie sich

das BUWAL die Landschaft

im Jahr 2020

vorstellt. Sie konkretisieren

die vom

Bundesrat im LKS

gutgeheissenen allgemeinen

Ziele «Natur

und Landschaft»

(BUWAL ET AL. 1998).

1 Es bestehen genügend

grossfl ächige

Schutzgebiete, in

denen die Natur

Vorrang hat.

2 In kleineren und

grösseren stadtnahen

Gebieten wird

die Natur ihrer

eigenen dynamischen

Entwicklung

überlassen.

3 Wo die Landnutzung

aus wirtschaftlichenGründen

nicht mehr

aufrecht erhalten

werden kann, kann

der freien Entwicklung

der Natur

wieder Raum

gegeben werden.

Naturlandschaft und

Eigenentwicklung

4 Unberührte Hochgebirgslandschaften

bleiben unberührt.

5 Die regional typischenWaldstrukturen

sind erhalten

oder ablesbar, die

jeweiligen Funktionen

sind dauernd

gewährleistet.

6 Die natürliche

und kulturelle

Eigenart und Vielfalt

der Landschaft ist

erkennbar; besondereKulturlandschaften

sind mit den

darin heimischen

Arten erhalten.

7 Der Mensch verändert

Landschaft

in einem Mass, mit

dem Menschen,

Tiere und Pfl anzen

in ihrer unterschiedlichenAnpassungsfähigkeit

Schritt

halten können.

Kulturlandschaften und

Kulturobjekte

8 Ökologische

Ausgleichsfl ächen

ergänzen und vernetzen

Lebensräume

und können als

Pufferzonen für

Schutzgebiete und

als Auffangräume für

Hochwasser dienen.

9 Waldreservate

sichern in allen

Regionen Waldgesellschaften

und

-formen, die eine

besondere Bedeutung

für die Vielfalt

der Arten und Landschaften

haben.

10 Geschützte Biotope

tragen zur Erhaltung

der Vielfalt

an Arten und Lebensräumen

entscheidend

bei; sie sind untereinander

vernetzt.

Arten und Lebensräume

11 Landwirtschaftliche

Vorrangfl ächen

sind für die nachhaltige

Nutzung in ihrer

Ausdehnung und

Qualität gesichert.

12 Der Anteil

versiegelten Bodens

nimmt nicht zu.

Ressourcen

13 Die Siedlungsentwicklung

konzentriert sich

auf Schwerpunkte,

erfolgt Flächen

sparend und nach

innen.

14 Zwischen den

Siedlungen bestehen

unbebaute Räume;

die Siedlungsränder

sind erkennbar.

15 Standorte und

Linienführung von

Bauten und Anlagen

sind im Einklang mit

Natur und Landschaft

gewählt,

lineare Eingriffe

gebündelt.

Siedlung und Infrastruktur

16 Die Menschen

fühlen sich in ihrer

heimatlichen Landschaft

wohl.

17 Bewohnerinnen

und Bewohner beteiligen

sich verantwortungsbewusst

an der

Gestaltung ihres

Lebensraumes.

18 Die Landschaft

ist grundsätzlich frei

zugänglich.

Verbundenheit

19 Gewässer weisen

eine gute Wasserqualität

auf, die

heimischen Arten

kommen entsprechend

ihrem natürlichenVerbreitungsgebiet

vor.

20 Flüsse und Bäche

verfügen über ausreichenden

Raum.

21 Flüsse und Bäche

führen ausreichend

Wasser; ihr Abfl uss

und Geschiebehaushalt

ist natürlich

oder naturnah.

22 Gewässer und

ihre Uferbereiche

sind natürlich oder

naturnah gestaltet.

Wasser und Leben

23 Die Gestaltung

der Siedlungen

nimmt auf das

Bedürfnis nach Erholung

und Begegnung

Rücksicht und lässt

Freiräume.

24 Naturnahe und

natürliche Gebiete

ermöglichen Erholung

und bieten

Erfahrungen für alle

Sinne.

25 Die Menschen

fi nden in ihrer Wohnumgebung

Oasen

der Ruhe.

Ausgleichsräume

26 Alle Landwirtschaftsbetriebe

erbringen den ökologischenLeistungsnachweis;

ein massgeblicher

Anteil der

Betriebe ist biologisch

bewirtschaftet.

27 Das Auskommen

in der Berglandwirtschaft

basiert auf

qualitativ hochstehenden

Produkten,

Leistungen im öffentlichen

Interesse

sowie fl ankierenden

Betriebszweigen.

28 Die Alpwirtschaft

steht mit der

ökologischen Tragfähigkeit

und dem

Charakter der

Kulturlandschaft im

Einklang.

Standortverhältnisse und

Vielfalt der Nutzungen

29 Bauten und

Anlagen werden

mit Respekt vor

Natur und Landschaft

gestaltet.

30 Nicht ersetzbareLandschaftselemente

und

Lebensräume

bleiben erhalten.

Besonderheiten

eines Ortes

31 Ökologische

Ausgleichsräume

in Siedlungen

sind vielfältig und

vernetzt.

32 Die bewirtschafteten

Wälder

sind naturnah und

ihre Ränder abgestuft.

Ökologische

Aufwertung


30 5 Programm

31

5 Programm

Das Programm schliesst an die vorangehend entwickelten Qualitätsziele an. Es

operationalisert damit in Teilbereichen die Zielsetzungen des LKS (vgl. Kap. 7.1)

und basiert ausserdem auf den wichtigsten laufenden Vollzugsaufgaben und

-instrumenten.

Das Programm ist wie folgt strukturiert:

Kap. Aktionsfeld Programmelemente

5.1 Landschaft und Landnutzung

1) Es werden acht Aktionsfelder unterschieden, welche das ganze Spektrum

von Landschaft hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung umfassen.

2) Jedes Aktionsfeld besteht aus mehreren Programmelementen. Sie zeigen die

thematischen Schwerpunkte innerhalb des Aktionsfeldes.

3) Die Programmelemente umfassen Ziele, Erläuterungen sowie Massnahmen

und Handlungsansätze.

Mit dem Programm wird in folgenden Aktionsfeldern und Programmelementen

eine umfassende Politik «Natur und Landschaft» des BUWAL festgelegt, welche

den Zielsetzungen der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet ist:

Landschaftsmanagement für Flur und Wald

Naturnaher Waldbau und Waldreservate

Landschaftsmanagement in der Land- und Alpwirtschaft

Ökologischer Ausgleich in der Landwirtschaft

5.2 Landschaft und Raumordnungspolitik

Verstärkte Zusammenarbeit in der Raumordnungspolitik

Landschaftsaspekte und Agglomerationen

Konzept für Landschaft, Sport und Tourismus

5.3 Landschaft und Gewässer

5.4 Arten und Lebensräume

Raum für Fliessgewässer

Gewässerregimes

Gewässer als Elemente der Kulturlandschaft

Zeugen der Erdgeschichte (Geotope)

Organisation und Prioritätensetzung im Artenschutz

Biotopschutz

Wertvolle Landschaften

Naturnahe Lebensräume in Siedlungsgebieten

Nationales ökologisches Netzwerk (REN)

Durchlässigkeit von Verkehrsinfrastrukturen

Kap. Aktionsfeld Programmelemente

5.5 Der Mensch in der Landschaft: Wahrnehmung und Erlebnis

Wahrnehmung und Erlebnis von Natur und Landschaft

Landschaftsgestaltung und Projekte in der Landschaft

Gebaute Elemente der Kulturlandschaft

Lebensqualität in der Wohnumgebung

5.6 Partizipation

Sensibilisierung und Information der Bevölkerung

Partizipative Planungsinstrumente und Kooperationen

5.7 Wirtschaftliche Instrumente und Ressourcenverbrauch

Öffentliche Gelder

Institutionelle Regimes für die Nutzung der natürlichen Ressourcen

Handelbare Zertifikate und Kontingente

Labels im Bereich Natur und Landschaft

Rohstoffe und Energien

Nachhaltige Ressourcennutzung und internationale Verantwortung

5.8 Früherkennung und Forschung

Früherkennung, Monitoring und Erfolgskontrolle

Angewandte Forschung im Bereich Natur und Landschaft

Bildung


32 Aktionsfeld 1: Landschaft und Landnutzung

Siehe Qualitätsziele 5; 11; 26; 27; 28; 32 33

5.1 Landschaft und Landnutzung

Die Landschaft wandelt sich dauernd. Dieser Wandel ist

vor allem von der Landnutzung abhängig, welche ihrerseits

Ausdruck der jeweiligen Werte sowie der gesellschaftlichen

und wirtschaftlichen Entwicklungen ist. Mittels geeigneter

Rahmenbedingungen ist eine nachhaltige Entwicklung der

Landschaft (Kap. 4) sicherzustellen.

Der Boden ist eine der wichtigsten Lebensgrundlagen. Er

muss daher in seiner Qualität und in seiner Verfügbarkeit

erhalten werden. Ebenso ist die Art der Bodennutzung, wozu

auch die Nichtnutzung gehören kann, für den immateriellen

Wert einer Landschaft zentral.

Die unter dem Titel Landschaftsmanagement entwickelten

Vorstellungen betreffen die landwirtschaftliche Nutzfl äche,

das Sömmerungsgebiet, brachgefallene und unproduktive

Flächen, das Waldareal und die Gewässer.

Eine neue Strategie der Landschaftsentwicklung ist nötig: Um

die Landschaft in ihrer Gesamtheit nachhaltig pfl egen und

entwickeln zu können, soll die sektorale Betrachtungsweise

abgelöst werden. Die bisherigen Sektoralpolitiken zur Land- und Waldwirtschaft,

zum Natur- und Landschaftsschutz, zur Raumordnungs- und Regionalpolitik

sowie zum Schutz vor Naturgefahren sind in eine integrierte Landnutzungspolitik

einzuschliessen. Diese ist auf Ziele auszurichten, die regional

differenziert sind und sich auf geeignete Flächeneinheiten beziehen.

Die folgenden Programmelemente sind aus Sicht des BUWAL prioritär:

Landschaftsmanagement für Flur und Wald

Naturnaher Waldbau und Waldreservate

Landschaftsmanagement in der Land- und Alpwirtschaft

Ökologischer Ausgleich in der Landwirtschaft

Land- und Forstwirtschaft prägen viele Landschaften

in der Schweiz massgeblich.


34 Aktionsfeld 1: Landschaft und Landnutzung

35

5.1.1 Landschaftsmanagement für Flur und Wald

Ziel des Programmelements

Erläuterung

Die im Bereich der Landnutzungs- und Waldflächenentwick- Gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen beeinlung

ablaufenden natürlichen und sozioökonomischen flussen die land-, alp- und waldwirtschaftliche Nutzung in

Prozesse, einschliesslich ihrer regionalen Aspekte, werden zunehmendem Mass. Damit ist auch ein Wandel der Land-

differenziert betrachtet und beurteilt.

schaft verbunden, namentlich in Grenzertragslagen. Die

Aufrechterhaltung der Nutzung im aktuellen Umfang und

auf bestimmten Flächen darf kein Dogma sein. Allein die Verhinderung der

Vergandung oder der Waldfächenzunahme rechtfertigt keine Projekte mit

negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Standortangepasstes und

nachhaltiges Wirtschaften verdient aber Unterstützung.

Abb. 8: Entwicklung der Waldfläche

(Quelle: BRASSEL/BRÄNDLI 1999)

Die der laufenden soziökonomischen Entwicklung nicht entsprechende

Aufrechterhaltung einer bestimmten land- oder

alpwirtschaftlichen Nutzung ist nur dort sinnvoll, wo der

Bewahrung oder Steuerung eines bestimmten Zustandes im

Interesse der natürlichen und landschaftlichen Vielfalt Vorrang

zugemessen wird.

Auflassung, Wiederbewaldung, Erosion und Akkumulation

dürfen aber nicht a priori nur negativ beurteilt werden. Natürliche

Prozessdynamik ist hinsichtlich der biologischen und

natürlichen Vielfalt, aber auch hinsichtlich ihres Erlebniswertes

wertvoll. Die Schweiz weist in den Bereichen Wald und Wasser

zu wenig Räume mit einer natürlichen Prozessdynamik

auf. Sie soll daher an geeigneten Orten gefördert werden.

Der Wald ist ein natürlicher, vielfältiger Lebensraum, Lieferant

erneuerbarer Rohstoffe und ein wichtiges, die kulturelle

Entwicklung des Menschen mitprägendes Element der Natur-

und Kulturlandschaft. Angesichts der global dramatischen

Abnahme der Waldflächen stellt die natürliche Zunahme

des Waldes in der Schweiz kein grundsätzliches ökologisches

Problem dar (Abb. 8). Die Verteilung des Waldes muss der

kulturlandschaftlichen Vielfalt Rechnung tragen und die Erfüllung aller Waldfunktionen

bedürfnisgerecht und gleichwertig ermöglichen. Mindestens ein

Drittel der Landesfläche soll weiterhin aus Wald bestehen. Die Waldverteilung

nach biogeographischen Grossregionen und die regionalen landschaftlichen

Verteilungsmuster des Waldes sollen aber erhalten bleiben.

Die Inanspruchnahme von Waldflächen für Nutzungen, die nicht im Interesse

der Waldwirtschaft, des Natur- und Landschaftsschutzes oder des Schutzes vor

Naturgefahren im Sinne der geltenden Waldgesetzgebung

liegen, bleibt grundsätzlich weiterhin unzulässig. Wo die

Waldflächenzunahme ein grosses Ausmass annimmt und

regional zu einem anerkannten Problem wird, sollen die

Nutzungsansprüche an die einwachsenden Waldflächen

im Rahmen einer umfassenden Raumordnungspolitik diskutiert

werden. Den Interessen von Natur und Landschaft

ist gleichwertig Rechnung zu tragen. Ausserdem müssen

Abweichungen vom Grundsatz der Walderhaltung auch im

Einzelfall im öffentlichen Interesse liegen.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL erarbeitet in Zusammenarbeit mit den Kantonen

umfassende Entscheidgrundlagen, die räumlich

zeigen, wo

- der Arten- und Lebensraumschutz oder die landschaftliche Vielfalt die Aufrechterhaltung

einer standortgerechten, nachhaltigen Nutzung voraussetzen;

- natürlich ablaufende Prozesse erhalten werden sollen und wo mit derselben

Zielsetzung die Einschränkung oder Aufgabe der bestehenden Nutzungen

angestrebt werden soll;

- grossflächige, von menschlichen Aktivitäten ungestörte Lebensräume, insbesondere

Waldlebensräume, anzustreben sind.

� Das BUWAL erarbeitet eine Waldpolitik Schweiz (WAP), die den Anliegen von

Natur und Landschaft Rechnung trägt und mit den übrigen raumwirksamen

Politiken des Bundes abgestimmt ist (Landwirtschaftspolitik, Wasserpolitik).

Die Waldflächenpolitik nimmt für die Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes

eine zentrale Rolle ein.

� Das BUWAL setzt sich dafür ein, dass die für die Landnutzung massgeblichen

Sektoralpolitiken durch eine integrierte Landnutzungspolitik ersetzt werden.

Diese wird die bisherigen Sektoralpolitiken Land- und Waldwirtschaft,

Natur- und Landschaftsschutz ablösen und die Ziele der Raumordnungs-

und Regionalpolitik sowie des Schutzes vor Naturgefahren berücksichtigen.

Sie wird in einem geeigneten Massstab spezifische Ziele festlegen.

Landschaftliche Vielfalt ist Ausdruck

unterschiedlicher Nutzungen


36 Aktionsfeld 1: Landschaft und Landnutzung

37

Ziele des Programmelements

• Auf der gesamten bewirtschafteten Waldfläche werden

die Grundsätze des naturnahen Waldbaus angewendet.

• 10 Prozent der Waldfläche sind Waldreservate, davon

mindestens die Hälfte Totalreservate.

Naturnaher Waldbau fördert

die Arten- und Lebensraumvielfalt

5.1.2 Naturnaher Waldbau und Waldreservate

Erläuterung

Der Wald bildet flächenmässig den wichtigsten naturnahen

Lebensraum der Schweiz. Hinzu kommt die grosse kulturelle

Bedeutung, welche sich in der Überlieferung ebenso wie in der

anhaltend hohen gesellschaftlichen Wertschätzung spiegelt.

Der Wert des Waldes für die Kulturlandschaft und als

Lebensraum für Pflanzen und Tiere ist überall zu berücksichtigen. Dank naturnahem

Waldbau sollen grundsätzlich alle Wälder die zentralen Waldfunktionen

ausüben: Nutzung, Schutz, Lebensraum/Wohlfahrt. Um diesem Ziel

eines multifunktionalen Waldes gerecht zu werden, bedürfen die Wälder einer

Bewirtschaftung und Pflege, welche die örtlich dominierende Funktion berücksichtigt.

Der Waldrand hat eine grosse Bedeutung für das Bild und

die Ökologie der Landschaft sowie für die Erholung des Menschen,

und verdient deshalb eine besondere Förderung.

Für den naturnahen Waldbau sind folgende Merkmale kennzeichnend:

- Arten- und Lebensraumvielfalt;

- Vielfalt der natürlichen Entwicklungsphasen des Waldes;

- Vielfältige und standortgerechte Waldstrukturen, inklusive

Waldränder;

- Reichhaltige Altersstrukturen einschliesslich der Alters- und

Zerfallphase (Abb. 9);

- Natürliche Verjüngung;

- Standortgerechte, in der Regel autochthone Zusammensetzung

der Baumarten;

- Seltene und gefährdete Baumarten;

- Erkennbare historische Bewirtschaftungsformen.

Entsprechend den lokalen Gegebenheiten sollen jeweils

möglichst viele dieser Elemente berücksichtigt werden; in

jedem Forstrevier sollen mindestens 5 dieser 8 Merkmale

angemessen vertreten sein. Damit kann der spezifischen

natur- oder kulturräumlichen Situation flexibel Rechnung

getragen werden.

In Waldreservaten werden natürliche Prozesse in waldökologisch repräsentativen

Flächen zugelassen oder für die biologische und die kulturlandschaftliche

Vielfalt wichtige Bewirtschaftungsformen erhalten.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL fördert gemäss Neuem Finanzausgleich NFA auf der ganzen bewirtschafteten

Waldfläche den naturnahen Waldbau mit seinen wesentlichen

Merkmalen mittels Leistungsvereinbarungen und Auflagen bei

Globalsubventionen (z.B. Programm EFFOR2).

� Das BUWAL entwickelt messbare Kriterien für die Evaluation von Leistungsvereinbarungen

und weiteren Massnahmen in der Waldpolitik; diese Kriterien

tragen den Anliegen von Natur und Landschaft Rechnung.

� Die Waldflächen werden in enger Abstimmung mit den Instrumenten der

Landwirtschaftspolitik in die ökologische Vernetzung einbezogen sowie inhaltlich

mit dem Réseau écologique national (REN) und den Wildtierkorridoren

von nationaler Bedeutung abgestimmt. Der umfassenden Aufwertung

des Waldrandes wird dabei eine besondere Bedeutung beigemessen.

Abb. 9: Totholz im

Schweizer Wald

(Quelle: BRASSEL/

BRÄNDLI 1999)


38 Aktionsfeld 1: Landschaft und Landnutzung

39

Ziele des Programmelements

• Die Kulturlandschaft ist vielfältig und lebensfähig und

trägt zur Aufrechterhaltung einer dezentralen Besiedlung

bei.

• Alle Leistungen der Bewirtschafter, die sie im Rahmen der

Produktion hochwertiger landwirtschaftlicher Güter oder

zugunsten anderer öffentlicher Interessen erbringen, werden

angemessen in Wert gesetzt.

• Die land- und alpwirtschaftliche Nutzung und Produktion

ist ökologisch nachhaltig; sie ist auf die marktorientierte

Produktion gesunder, standortgerecht erzeugter Nahrungs-

und Genussmittel und spezifischer Nischenprodukte

hin ausgerichtet.

• Die Betriebs- und Bewirtschaftungsstrukturen sowie landwirtschaftsnahe

Nebenerwerbszweige stehen mit den

Bedürfnissen von Natur und Landschaft in Einklang; sie

tragen zur Erhaltung und Regeneration der natürlichen

Lebensgrundlagen bei.

• Externe Leistungen und Kosten werden in den Instrumenten

der Agrarpolitik und flankierender Politiken umfassend

berücksichtigt.

5.1.3 Landschaftsmanagement in

der Land- und Alpwirtschaft

Erläuterung

Die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen Wasser,

Boden, Luft und Artenvielfalt hängt direkt von der nachhaltigen

Landnutzung ab. In der Landwirtschaft wird dieses Ziel

durch eine flächendeckende Umsetzung des ökologischen

Leistungsnachweises angestrebt. Dieser gründet auf den bekannten

Elementen und soll insbesondere vermarktbare

Mehrleistungen kennzeichnen und sich nicht auf die Anwendung

einer «guten landwirtschaftlichen Praxis» («best

practice») beschränken.

Der biologische Landbau mit der Minimalanforderung «Knospe»

hat eine besondere Bedeutung. Er berücksichtigt die

Qualität der Produkte ebenso wie die Qualität der Produktion.

Die positiven Auswirkungen auf die natürlichen Lebensgrundlagen

Boden, Wasser, Luft und Biodiversität, aber auch

auf die Landschaft und auf das Wohlbefinden der Bevölkerung

müssen aufgezeigt und kommuniziert werden.

Strukturverbesserungsmassnahmen sowie landwirtschaftsnahe

Nebenerwerbsbetriebe bzw. Betriebszweige sind Instrumente

im Dienst der Aufrechterhaltung einer nachhaltigen

Landnutzung. Für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung

und Produktion wie auch für nichtlandwirtschaftliche Betriebszweige werden

gesamtbetriebliche bzw. lokale oder regionale Qualitätslabels angestrebt.

Externe Kosten oder Leistungen werden bewertet und finden in das landwirtschaftspolitische

Instrumentarium Eingang, die Kohärenz mit anderen

raumwirksamen Politiken wird verbessert. So sollen räumliche oder betriebliche

Erschwernisse in der Alpwirtschaft, die sich aus der Rücksichtnahme auf Natur

und Landschaft ergeben, durch gezielte Erhöhung der Sömmerungsbeiträge

abgegolten werden. Betriebe in Agglomerationen, die besondere Leistungen

zugunsten der Wohlfahrt erbringen, sollen dafür entschädigt werden. Diese

Leistungen wie beispielsweise der Unterhalt kleiner Fliessgewässer sollen in

Leistungsverträge eingebunden werden.

Die Sensibilisierung und Information der Bevölkerung für die Anliegen und

Rahmenbedingungen einer nachhaltigen Landnutzung fördert ein ökologisch

bewussteres Konsum- und Freizeitverhalten. Das Zusammenwirken mit anderen

Politikbereichen, z.B. mit der Gesundheitsprävention, wird entwickelt.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Der ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) entspricht heute einer guten

landwirtschaftlichen Praxis. Das BUWAL unterstützt eine konsequentere

Umweltorientierung des ÖLN nach dem Grundsatz «einfacher, wirksamer

und transparenter».

- Mehrleistungen zu Gunsten von Natur und Landschaft

im Perimeter von Vorranggebieten, Inventarobjekten und

im Rahmen von Projekten für Natur- und Landschaftspärke

geniessen höhere Beitrags- bzw. Abgeltungsansätze.

- Die Sömmerungsbeitragsverordnung wird im Interesse

von Natur und Landschaft so überarbeitet, dass Nutzungserschwernisse

angemessen abgegolten werden können.

- Mittels gesamtbetrieblicher, lokaler oder regionaler Labels

für Produkte und Dienstleistungen werden hochwertige

und im Einklang mit einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung

stehende Produkte und Dienstleistungen gefördert.

- Der Flächenanteil des biologischen Landbaus wird mittels

eines Anreizsystems auf 30% gesteigert und die Marktpositionierung

der entsprechenden Produkte gefördert.

- Alle Instrumente unterliegen einer Qualitätskontrolle.

Besondere Leistungen zu Gunsten von Natur und Landschaft

sind Einkommensbestandteile der Landwirte


40 Aktionsfeld 1: Landschaft und Landnutzung

41

Ziele des Programmelements

• Die ökologischen Ausgleichsflächen erreichen überall den

Qualitätsstandard gemäss Öko-Qualitätsverordnung

(ÖQV); sie sind umfassend vernetzt.

• Der Anteil ökologischer Ausgleichsflächen (öAF) an der

landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) erreicht im Talgebiet

15 Prozent.

• Der Anteil ökologischer Ausgleichsflächen an der LN im

Berggebiet erreicht in den Bergzonen 1 und 2 mindestens

15%, in den Bergzonen 3 und 4 mindestens 30%; jeweils

von guter Qualität gemäss ÖQV.

• Die Direktzahlungen werden prioritär in den ökologischen

Vorranggebieten im Landwirtschaftsgebiet eingesetzt; in

diesen ist die gezielte Schaffung und Anordnung ökologischer

Ausgleichsflächen aus Gründen des Umwelt-

sowie des Natur- und Landschaftsschutzes von besonderer

Bedeutung. In diesen Gebieten werden höhere

Subventionssätze angestrebt.

Ökologische Ausgleichsflächen bieten Lebensräume

für zahlreiche Arten und bereichern die Landschaft

5.1.4 Ökologischer Ausgleich in der Landwirtschaft

Erläuterung

Die biologische Vielfalt soll gezielt gefördert und eine

vielfältige und lebende Kulturlandschaft gepflegt werden.

Damit können auch der Schutz und die Regeneration der

natürlichen Lebensgrundlagen Wasser, Boden und Luft verbessert

werden. Im Vordergrund steht die Notwendigkeit,

die Qualität ökologischer Ausgleichsflächen zu verbessern

und diese Flächen räumlich zielgerichteter anzulegen (Abb.

10). Dabei sollen spezifische, regionale Bedürfnisse besser

berücksichtigt werden. Folgende Aspekte stehen dabei im

Vordergrund:

- Spezifische Eigenheiten der betreffenden (Kultur-)Landschaft;

- Prioritäre Anliegen des Arten- und Biotopschutzes (Inventarobjekte,

Korridore des REN usw.);

- Weitere Interessen des Umwelt- und Ressourcenschutzes

(Schutz des Bodens, Schutz des Trinkwassers, Abwehr

von Naturgefahren).

Um die Wirksamkeit der Massnahmen zu erhöhen, sind regionale

und lokale Entscheidungsträger einzubeziehen.

Folgende Landschaftselemente, welche für die Vernetzung

von zentraler Bedeutung sind, müssen unter Nutzung von

Synergien mit anderen Sektoralpolitiken in den ökologischen

Ausgleich in der Landwirtschaft integriert werden:

- Die Fliessgewässer bilden mit ihrer grossen Vielfalt an Lebensräumen,

besonders wertvollen Übergangslebensräumen

(Ökotonen) und mit ihrer flächendeckenden geografischen

Verteilung in natürlicher Weise das Rückgrat der

biologischen Vernetzung. Sie prägen die Kulturlandschaft

und sind wichtige Erholungsgebiete.

- Den Waldrändern kommt als Ökotone mit einer Gesamtlänge

von rund 12'000 km und ihrer mosaikartigen

Verteilung über die ganze Landesfläche ebenfalls grösste

Bedeutung zu: für die Erhaltung der Artenvielfalt, für den

Charakter unserer Landschaften und für die Erholung des

Menschen.

Der Bedarf an ökologischen Ausgleichsflächen beträgt insgesamt rund

100'000 ha und setzt sich aus folgenden Elementen zusammen (die sich

teilweise überlagern):

- 74'000 ha für die Erhaltung der Artenvielfalt;

- 15'000 ha für die Reduktion der Nitratemissionen ins Grundwasser

und der Phosphatemissionen und in die Gewässer;

- 23'900 ha für den notwendigen Raumbedarf zur minimalen Sicherstellung

aller Funktionen naturnaher Fliessgewässer.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Mit der Entwicklung, Anwendung und Kontrolle geeigneter Instrumente

und Kriterien wird die ökologische Wirkung der Bundesbeiträge

an die Landwirtschaft weiter verbessert.

- Bezüglich Verteilung der öAF sollen bis 2010 im Perimeter des REN

flächendeckend Vernetzungsprojekte gemäss Öko-Qualitätsverordnung

in der Landwirtschaft realisiert sein. Dabei kommt den öAF an

Fliessgewässern und an Waldrändern besondere Bedeutung zu. Die

Koordination der Instrumente

und Programme wird sichergestellt.

- Bezüglich der öAF zu Gunsten

des Gewässerschutzes und zur

Sicherstellung der minimalen

Fliessgewässerräume werden

klare Ziele formuliert und die

Lage der diesbezüglichen öAF

optimiert.

Abb. 10: Nationale Prioritäten für den ökologischen Ausgleich.

Deutlich erkennbar ist die Bedeutung des übergeordneten

Gewässernetzes (Quelle: BROGGI/SCHLEGEL 1998)


42 Aktionsfeld 2: Landschaft und Raumordnungspolitik

Siehe Qualitätsziele 2; 13; 14; 25; 31 43

5.2 Landschaft und Raumordnungspolitik

Nachhaltig nutzbarer und fruchtbarer Boden wird immer

knapper. Ursachen sind Flächenverluste durch Überbauung

sowie qualitative Beeinträchtigung durch Verschmutzung,

Verdichtung und Erosion. Neben dem Bodenverbrauch fallen

aber auch die volkswirtschaftlichen Kosten ins Gewicht, die

jährlich durch die zunehmenden Bauten und Infrastrukturen

anfallen (HABERL ET AL. 1999). Jedes Jahr nimmt die Siedlungsfl

äche der Schweiz inklusive Verkehrsbauten um rund 2‘100

Hektaren zu.

Zersiedelung beeinträchtigt das Landschaftsbild und lässt die

Charakteristiken und Unterschiede unserer Landschaften,

zwischen Stadt und Land, mehr und mehr verschwimmen.

Damit verliert auch der Mensch nach und nach seine räumlichen

und kulturellen Wurzeln. Wenn Landschaft mehr als nur

bebaubare Fläche sein soll, muss der Flächenverbrauch für Bauten und Anlagen

in den kommenden Jahrzehnten vor allem im Mittelland merklich verringert

werden. Schliesslich müssen quantitativ und qualitativ ausreichende Flächen für

die Land- und Forstwirtschaft, als Freiräume für die Natur sowie für Erlebnisse

und Erholung der Menschen erhalten bleiben.

Die folgenden Programmelemente sind aus Sicht des BUWAL prioritär:

Verstärkte Zusammenarbeit in der Raumordnungspolitik

Landschaftsaspekte und Agglomerationen

Konzept für Landschaft, Sport und Tourimus

Der Mensch gestaltet

mit seiner Nutzung die Landschaft


44 Aktionsfeld 2: Landschaft und Raumordnungspolitik

45

Ziele des Programmelements

• Raumordnungspolitik sowie Natur- und Landschaftspolitik

arbeiten eng und zukunftsgerichtet zusammen; sie definieren

eine nachhaltige Raumordnungs- und Natur- und

Landschaftspolitik.

5.2.1 Verstärkte Zusammenarbeit in der

Raumordnungspolitik

Erläuterung

Wichtige Umweltaspekte sollen nicht erst im konkreten Projekt,

sondern bereits zu Beginn einer Planung geklärt werden.

Dies setzt eine intensive Zusammenarbeit zwischen

Kantonen, BUWAL und ARE voraus.

• Räumliche Konflikte mit einem Bezug zu Natur und Land-

Die sachgerechte Anwendung der Instrumente der Raumschaft

werden frühzeitig erkannt und auf einer problembezogenen

räumlichen Massstabsebene gelöst. ordnungspolitik, insbesondere die Richtplanung, ist für den

nachhaltigen Umgang mit der Landschaft von zentraler

Bedeutung. Das regionale und lokale, teilweise auch das nationale

Konkurrenzdenken muss durch eine grossräumige Sichtweise abgelöst

werden. Dabei ergibt sich der Betrachtungsmassstab nicht aus überlieferten

politischen Strukturen, sondern aus der konkreten Problemstellung. In diesem

Zusammenhang kann die Entwicklung neuer Steuerungs- und Ausgleichsinstrumente

erforderlich werden.

«Landschaft 2020» enthält zahlreiche Ziele und Massnahmen, deren Umsetzung

entscheidend von einer sachgerechten Berücksichtigung in der Richtplanung

abhängt. Zentral ist dabei, einander widersprechende öffentliche Interessen im

Lichte einer nachhaltigen Entwicklung abzuwägen.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Auf der Basis des Berichtes LKS an den Bundesrat wird in Zusammenarbeit

mit den Bundespartnern in den raumwirksam tätigen Bundesstellen überprüft,

inwieweit die Ziele des LKS überarbeitet werden sollen (gemäss BRB

vom 19. Dezember 1997).

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Das rechtliche und planerische Instrumentarium zur Förderung einer nachhaltigen

Raumordnungs- und Landschaftspolitik wird ergänzt (strategische

Umweltverträglichkeitsprüfung [UVP], Planungs-UVP, Raumverträglichkeitsprüfung,

Politik-UVP).

- Im Rahmen von Richtplangenehmigungen werden die Interessen von Natur

und Landschaft berücksichtigt.

- Die Zusammenarbeit Bund und Kantone bei der Umsetzung der Natur- und

Landschafts- sowie der Raumordnungspolitik wird verbessert (Zusammenarbeit

Bund und Kantone in der Richtplanung, Aufgabenteilung Bund-Kantone,

Neuer Finanzausgleich).

- Das ARE wird bei der Förderung neuer Planungsträger, die geeignet sind,

übergeordnete Probleme auf der richtigen Massstabsebene zu lösen (z.B.

Agglomerationen, Regionen), unterstützt.

Wie können die unterschiedlichen Nutzungsinteressen in Einklang gebracht werden?


46 Aktionsfeld 2: Landschaft und Raumordnungspolitik

47

Ziele des Programmelements

• In urbanen und periurbanen Gebieten sind genügend

Freiräume gesichert und miteinander vernetzt.

• Freiräume werden mittels partizipativer Prozesse gestaltet

und erweitert.

Freiräume sind attraktive Oasen

in dicht besiedelten Gebieten

5.2.2 Landschaftsaspekte und Agglomerationen

Erläuterung

Freiräume sind Grundlage lebenswerter Agglomerationen

und Chance für wertvolle Natur- und Landschaftserlebnisse.

Sie sind wichtige Gestaltungselemente städtischer Räume

und besitzen je nach Umgebung unterschiedliche Charaktere:

- In städtischen Gebieten handelt es sich in der Regel um unbebaute Flächen

wie Grünflächen, Pärke, historische Plätze und Brachen;

- Im periurbanen Gebiet werden Grün- und Brachflächen in Wohn- und Gewerbegebieten,

Freizeitflächen, locker überbaute Entwicklungsgebiete und

naturnahe Räume als Freiräume bezeichnet;

- An den Rändern der Agglomerationen besteht der Frei-

raum aus Landwirtschaftsgebieten und Wald, die langsam

durch urbane Nutzungen verändert werden.

Freiraumkonzepte tragen dazu bei, Orte der Begegnung,

der Erholung und Naturvorranggebiete zu erhalten oder

zu fördern. Damit haben sie neben ökologischen in hohem

Masse auch soziale Aufgaben. Die Bedeutung von

Freiräumen kann durch partizipative Prozesse, durch

Übernahme von Verantwortung bei der Gestaltung und

Entwicklung erhöht werden.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Die Bedeutung der natürlichen und kulturellen Elemente

für die Entwicklung und Gestaltung von Agglomerationen

wird der Bevölkerung vermittelt.

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- In die neue Agglomerationspolitik des Bundes wird der

Aspekt der Freiräume als bedeutendes Gestaltungselement

eingebracht.

- Partizipative Prozesse werden für die Entwicklung von Freiräumen

gefördert.

5.2.3 Konzept für Landschaft, Sport

und Tourismus

Erläuterung

Immer neue Ansprüche der Freizeitgesellschaft führen über

die bereits bestehenden Nutzungen hinaus zu vermehrten

Belastungen in Natur und Landschaft (z.B. Golf, Riverrafting,

Schneeschuhlaufen, Canyoning, Freizeitpärke; stetig steigender

Freizeitverkehr). Die planerischen Instrumente werden bis

heute nur teilweise dafür genutzt, die Erstellung von Infrastrukturen

mit den Anliegen von Natur und Umwelt abzustimmen

(z.B. nationales Sportanlagenkonzept NASAK).

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL erarbeitet mit den betroffenen Bundespartnern

ein umfassendes Konzept für eine nachhaltige Entwicklung

in Sport und Tourismus, wobei die bestehenden

Nachhaltigkeitsstrategien in den Sektoralpolitiken als

Grundlage dienen.

� Für Bundesstellen, Kantone und weitere Interessierte

werden auf der Basis einer Datenbank Grundlagen,

Empfehlungen und gute Beispiele zum natur- und landschaftsorientierten

Sport und Tourismus erarbeitet und

veröffentlicht.

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Die sportliche Nutzung naturnaher oder natürlicher Räume

wird in Vereinbarungen über das Management der

davon betroffenen Landschaft geregelt.

- In Landschaftsentwicklungskonzepten LEK werden die

Themen Erholung und Tourismus behandelt.

- Für die Berücksichtigung von Natur- und Landschaftsaspekten

bei der Durchführung von Sportveranstaltungen

werden Anreize geschaffen (z.B. Umweltpreis, Beratung).

Ziele des Programmelements

• Neue Anlagen für Freizeit, Sport und Tourismus werden

massvoll dimensioniert, nach landschaftsästhetischen

Grundsätzen gestaltet und optimal an den öffentlichen

Verkehr angebunden.

• Nutzung und neue Infrastrukturen für Sport und Tourismus,

insbesondere im alpinen und hochalpinen Raum,

stehen in Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten.

Die Gestaltung von Siedlungs- und Erholungsgebieten

verbindet Bewegungsbedürfnisse mit Umweltanliegen


48 Aktionsfeld 3: Landschaft und Gewässer

Siehe Qualitätsziele 19; 20; 21; 22 49

5.3 Landschaft und Gewässer

Reines Wasser ist ein Lebenselixier für Menschen, Tiere und Pfl anzen.

Ober- und unterirdische Gewässer, deren Regenerationsfähigkeit erhalten

ist und die ihre Funktionen in der Landschaft erfüllen können, sind

eine Grundvoraussetzung für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete

Landschaftsentwicklung. Zudem erfüllen sie wichtige soziokulturelle

Funktionen wie beispielsweise für die Erholung.

Gewässer sind ein wichtiges landschaftsgestaltendes Element. Sie

vernetzen als Verbundsystem Lebensräume und sind damit für den ökologischen

Ausgleich von zentraler Bedeutung (Abb. 11). Gleichzeitig sind

Seen, Fliessgewässer und Feuchtgebiete, insbesondere Auen und Moore

sowie die Kontaktzonen zwischen Wasser und Land, Schwerpunktgebiete

für die Vielfalt von Pfl anzen und Tieren. Sie sind wichtige Standorte

seltener und gefährdeter, auch gesamteuropäisch gefährdeter Arten.

Die Bemühungen zur Erhaltung der Gewässer und ihrer Uferbereiche

stehen oft in Konfl ikt mit einer intensiven Nutzung gewässernaher

Gebiete. Die Landnutzung in Ebenen und Flusstälern ist ökonomisch

besonders interessant. Der Druck auf die ökologisch besonders wichtigen

Gewässerräume erfordert bessere Regelungen zur Nutzung überfl utungsgefährdeter

Flächen. Unter Nutzung von Synergien sind Gefahrenzonen

auszuscheiden. Schliesslich sind Regelungen und Massnahmen zum

Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Gewässer vermehrt auch

grenzüberschreitend zu treffen und umzusetzen.

Die folgenden Programmelemente sind aus Sicht des BUWAL prioritär:

Raum für Fliessgewässer

Gewässerregime

Gewässer als Elemente der Kulturlandschaft

Gewässer und Feuchtgebiete beheimaten

zahlreiche Pfl anzen und Tiere

Abb. 11: Gewässer sind Lebensadern unserer Landschaften


50 Aktionsfeld 3: Landschaft und Gewässer

51

Ziele des Programmelements

• Alle Fliessgewässer weisen mindestens diejenige Gewässerbreite

auf, welche die Erfüllung aller Gewässerfunktionen

ermöglicht.

• Gewässer in Vorranggebieten für Natur und Landschaft,

insbesondere in Inventarobjekten von nationaler Bedeutung,

weisen abschnittsweise eine erhöhte Gewässerbreite

auf, die der spezifischen Situation des Arten- und

Lebensraumschutzes Rechnung trägt und eine natürliche

Dynamik ermöglicht.

• Die Pufferstreifen zwischen landwirtschaftlich genutzten

Flächen und dem Gewässerraum sind situationsbezogen

so sichergestellt, dass die Gewässer ihre Funktionen erfüllen

können.

Lebendige Fliessgewässer brauchen Platz

5.3.1 Raum für Fliessgewässer

Erläuterung

Die erwähnten Ziele können erreicht werden, wenn

- alle Fliessgewässer einen Raum im Sinne der «Raumbedarfskurve

minimal» aufweisen (sog. «Empfohlene minimale

Gewässerbreite» gemäss BWG/BUWAL/BLW/ARE 2000);

- die Gewässer in nationalen Vorranggebieten (nationale

Interessengebiete Naturschutz NIN; Inventare von nationaler

Bedeutung) und in weiteren, von den Kantonen

bezeichneten Vorranggebieten (z.B. Naturschutzgebiete,

Gewässerschutzbereiche, Fischschutzgebiete) einen Raum

nach Massgabe der Biodiversitätskurve aufweisen (sog.

«Erweiterte Gewässerbreite» gemäss BWG/BUWAL/BLW/ARE

2000);

- die Gewässer in Inventarobjekten von nationaler Bedeutung

mit entsprechender Zielsetzung (z.B. Auen, BLN), in

ausgewiesenen Schutzgebieten oder anderen, von den

Kantonen entsprechend bezeichneten Perimetern einen

Raum aufweisen, der eine natürliche oder eine eingeschränkte,

aber naturnahe Dynamik zulässt und höchstens

teilweise extensiv genutzt wird (sog. «Pendelbandbreite»

gemäss BWG/BUWAL/BLW/ARE 2000);

- zwischen dem Gewässerraum und den landwirtschaftlich

genutzten Flächen je nach räumlicher und Nutzungssituation

Pufferstreifen angelegt werden.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Das Leitbild Fliessgewässer Schweiz wird in eine Wasserpolitik

Schweiz eingegliedert, welche unter der Federführung

des UVEK bundesweit mit einem integralen Ansatz

die Zielsetzungen und deren Umsetzung beim Umgang

mit Gewässern regelt.

- Die Kantone und Gemeinden, weitere Betroffene und die

Öffentlichkeit werden über das Leitbild Fliessgewässer

Schweiz in geeigneter Weise informiert und zu den sich

im Umgang mit Gewässern stellenden Fragen sensibilisiert.

- Die federführenden Bundesämter (BWG, BUWAL) erarbeiten

in enger Zusammenarbeit mit dem ARE ein geeignetes

raumplanerisches Instrument nach Art. 13 RPG zur

stufengerechten Umsetzung des Leitbildes Fliessgewässer

Schweiz im Rahmen einer umfassenden Wasserpolitik

Schweiz.

Abb. 12: Gewässerraum gemäss

Faltblatt «Raum den Fliessgewässern»

(BWG/BUWAL/BLW/ARE 2000)


52 Aktionsfeld 3: Landschaft und Gewässer

53

Ziele des Programmelements

• Alle Fliessgewässer weisen eine ausreichende Wasserführung

mit einem natürlichen oder naturnahen Abflussregime

und Geschiebehaushalt auf;

• Bei Wasserentnahmen und Wassernutzungen verbleiben

ausreichende aquatische Lebensräume und eine angemessene

Restwassermenge.

Natürliche Wasserläufe sind schöne und wertvolle Lebensräume

5.3.2 Gewässerregime

Erläuterung

Bei der Nutzung und Gestaltung der Fliessgewässer sind ihre

natürlichen und landschaftlichen Funktionen zu berücksichtigen.

Dies heisst unter anderem:

- Bei Wassernutzungen ist die Restwassersituation im Hinblick

auf die Erhaltung ausreichender aquatischer und

anderer sensibler Lebensräume zu optimieren. Bei bestehenden

Wasserentnahmen an Gewässern sind allenfalls

erforderliche Sanierungen durchzuführen;

- Beeinflusste Abflussregime und der Geschiebehaushalt sind anlässlich der

Planung, der Erstellung oder des Betriebes von Bauten oder Anlagen so zu

verbessern, dass sie zum Erreichen der Entwicklungsziele beitragen;

- Natürliche und möglichst naturnahe Regimes von Abfluss und Geschiebetrieb

zielen auf die Sicherstellung aller Gewässerfunktionen in Qualität und

Quantität.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Der gesetzliche Auftrag zur Restwassersanierung der Kraftwerke

wird termingerecht umgesetzt.

- Die nötigen Massnahmen zur weiteren Aufwertung der

Inventarobjekte von nationaler Bedeutung (insbesondere

der Auengebiete) werden getroffen.

- Im Rahmen neuer oder erneuerter Konzessionen zur Wasserkraftnutzung

werden die Zielsetzungen gemäss Leitbild

Fliessgewässer Schweiz umgesetzt.

- In Natur- wie in Kulturlandschaften, deren Charakter massgeblich

durch Gewässer geprägt wird, werden auf der Basis

des Leitbildes Fliessgewässer Schweiz (BUWAL/BWG

2003) spezifische Qualitäts- und Umsetzungsziele im

Gewässerbereich formuliert.

5.3.3 Gewässer als Elemente

der Kulturlandschaft

Erläuterung

Wasser ist eine zentrale Lebensgrundlage. Gewässer sind

die Lebensadern einer Landschaft. Sie prägen und vernetzen

den Raum. Ihre Gestaltung und Nutzung ist eng mit der kulturellen

Entwicklung des Menschen verbunden. An Gewässern

entstanden mit Gewerbe, Industrie und Handel wichtige Siedlungen.

Auch heute stellen Gewässer wichtige Transportwege

dar oder sind ein Grundpfeiler unserer energieintensiven Lebensweise.

Kulturen und Religionen breiteten sich über sie

aus. Mythen, Sagen, Literatur, bildende Kunst, Musik und

Film entstanden und entstehen rund ums Thema Wasser.

Gewässer und ihre Uferbereiche sind nicht nur ökologisch

besonders wertvoll. Sie sind auch beliebte Erlebnis- und Erholungsgebiete

und spielen für das Gefühl der Menschen, einer

Gegend zugehörig zu sein, eine zentrale Rolle. Zudem kann

am Beispiel der Gewässer der Zusammenhang von nachhaltiger

Ressourcennutzung und Landschaft gut veranschaulicht

werden. Damit sind Gewässer für die Sensibilisierung der

Öffentlichkeit hinsichtlich der Anliegen von Natur und Landschaft

sehr geeignet.

Landschaftliche, kulturelle und mythisch-religiöse Bedeutungen

von Gewässern sollen wieder vermehrt bewusst gemacht

und öffentlich wahrgenommen werden. Aufmerksamkeit

gebührt auch besonderen Standorten wie Quellen und historischen

Stätten sowie der Möglichkeit einer vielfältigen künstlerischen

Auseinandersetzung mit dem Element Wasser.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Für die Erhaltung und Aufwertung von Quellen als Lebensräume

und als natur- und landschaftliche Elemente wird

ein Konzept entwickelt und umgesetzt; die Bevölkerung

wird für die ökologische und kulturelle Bedeutung von

Quellen sensibilisiert.

� Die Bedeutung der Gewässer als wichtige Teile der Natur-

wie auch der Kulturlandschaft wird bewusst gemacht;

Mittel der Öffentlichkeitsarbeit sind Umweltpädagogik

und kulturelle Aktionen.

Ziele des Programmelements

• Ökologisch wichtige und/oder landschaftsprägende Gewässer

bleiben in ihrem natur- oder kulturlandschaftlichen

Umfeld erhalten oder werden so aufgewertet, dass ihre

Funktion im Naturraum gewährleistet oder als Teil eines

kulturhistorischen Ensembles erkennbar ist.

• Die Bevölkerung ist für die ökologische und kulturelle Bedeutung

der Gewässer sensibilisiert, nimmt sie als prägendes

Element einer bestimmten Landschaft wahr und

kann sich am Gewässer aktiv oder passiv erholen.

Gewässer haben neben ökologischen auch

wirtschaftliche und soziale Bedeutungen


54 Aktionsfeld 4: Arten und Lebensräume

Siehe Qualitätsziele 1; 3; 8; 9; 10; 30

55

5.4 Arten und Lebensräume

Pfl anzen und Tiere formen, prägen und verändern das, was

die Erde geologisch bereit gestellt hat. Sie bringen unseren

Planeten zum Leben. Im Ökosystem Erde hat jede Art ihre

Funktion. Der Mensch hat sich im Laufe der Erdgeschichte als

eine Art unter vielen entwickelt. Er ist Teil dieses grossen und

komplexen Ganzen und muss sich darin einfügen.

Sich einzufügen und seine Möglichkeiten mit Umsicht zu nutzen,

ist mit einer grossen Verantwortung verbunden. Denn

mit jeder Art, die selten wird oder verschwindet, wird die

Funktionsfähigkeit unseres Lebensraumes in unbekanntem

Ausmass vermindert. Biologische Systeme haben zwar grosse

Pufferkapazitäten; ein Zusammenbruch erfolgt dann aber

plötzlich und ohne Vorwarnung. Damit wird möglicherweise

auch das Leben des Menschen in Frage gestellt. Vorsorge

drängt sich deshalb nicht nur wegen unserer ethischen Verpfl

ichtungen gegenüber der Schöpfung (vgl. Präambel zur

Bundesverfassung) und aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber

unseren Kindern und Enkeln auf.

-

Um die verschiedenen Pfl anzen- und Tierarten zu erhalten,

braucht es sowohl grossfl ächige als auch kleinere, miteinander

vernetzte Lebensräume, welche die Anforderungen der

Lebewesen erfüllen.

Die folgenden Programmelemente sind aus Sicht des BUWAL

prioritär:

Zeugen der Erdgeschichte (Geotope)

Organisation und Prioritätensetzung im Artenschutz

Biotopschutz

Wertvolle Landschaften

Naturnahe Lebensräume in Siedlungsgebieten

Nationales ökologisches Netzwerk (REN)

Durchlässigkeit von Verkehrsinfrastrukturen

Pfl anzen und Tiere brauchen sowohl grossfl ächige

als auch kleinere, vernetzte Lebensräume


56 Aktionsfeld 4: Arten und Lebensräume

57

5.4.1 Zeugen der Erdgeschichte (Geotope)

Ziel des Programmelements

Erläuterung

Die national bedeutenden Geotope werden ermittelt und Geotope sind erdkundlich wertvolle Teile der Natur. Sie geben

unter angemessenen Bundesschutz gestellt.

Einblick in Aufbau und Geschichte der Erde sowie in die Entwicklung

von Landschaft und Klima. Ihre Zerstörung ist immer

unwiederbringlich.

Geotopschutz ergänzt den Biotopschutz und ist ein wichtiges Element eines

umfassend verstandenen Naturschutzes. Manche Geotope, wie beispielsweise

alpine Auen oder Hochmoore, sind gleichzeitig auch bedeutende Biotope.

Geotope zeigen die Entstehung und Entwicklung einer Landschaft

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Die national bedeutenden Geotope werden erfasst, Schutzstrategien festgelegt

und die Bevölkerung für die Bedeutung von Geotopen sensibilisiert.

5.4.2 Organisation und Prioritätensetzung

im Artenschutz

Erläuterung

Artenschutz kann nur über den Schutz der Lebensräume

verwirklicht werden. Angesichts der beschränkt verfügbaren

Mittel müssen prioritäre Bereiche bezeichnet werden. Es gilt,

unter Berücksichtigung einer nachhaltigen Nutzung klare

Ziele und Inhalte des Artenschutzes zu vermitteln. Eingeführte,

nicht heimische Pflanzen- und Tierarten (Neophyten und

-zoen) stellen ein besonderes Problem dar, welches spezifische

Beachtung verdient.

Der Artenschutz ist heute über drei Gesetze (NHG, JSG, BFG) und deren

Vollzugsbestimmungen verteilt. Dies erschwert teilweise ein gezieltes und

systematisches Vorgehen. Die Abstimmung von Strategien und Mitteleinsatz

erfordern in Zukunft noch grössere Aufmerksamkeit.

Schliesslich muss auch das Wissen über unsere Arten gezielt verbessert

und erhalten werden. Angaben darüber, welche Arten wo vorkommen,

befinden sich heute in unterschiedlichen Datenbanken, Koordinationsstellen

und in Sammlungen von Museen. Taxonomische und systematische

Kenntnisse sind heute gefährdet. Ökologische Kenntnisse sind über Forschungsarbeiten

an Hochschulen zu verbessern. Nur mit einem vertieften

Wissen ist zielgerichtetes Handeln möglich. Die genannte Infrastruktur ist

deshalb nicht nur zu sichern, sondern Arbeitsmöglichkeiten und Inhalte

der Datenbanken bedürfen der Verbesserung.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Der Artenschutz wird koordiniert.

� Die Umsetzung des Artenschutzes erfolgt mittels Artenschutz-Teilkonzepten,

Aktionsplänen und Aufnahme in die Biodiversitätsstrategie.

� Für jede Artengruppe werden unter Berücksichtigung der internationalen

Verantwortung der Schweiz die prioritär zu schützenden Arten

bezeichnet und entsprechende Massnahmen der Kantone unterstützt.

� Die für das Wissen über die Arten notwendige Datenbankinfrastruktur

wird unter angemessener Erhöhung der Mittel langfristig gesichert.

Die einzelnen Datenbanken werden miteinander verknüpft.

Museumssammlungen, botanische und zoologische Gärten werden

in geeigneter Weise in das System integriert.

Ziel des Programmelements

Der Stand des Wissens und die Prioritäten künftigen Han-

delns werden im Rahmen einer Biodiversitätsstrategie zusammengefasst

und umgesetzt.

Tiere und Pflanzen bringen

unseren Planeten zum Leben


58 Aktionsfeld 4: Arten und Lebensräume

59

Ziel des Programmelements

Alle gesamtschweizerisch wichtigen Biotope werden durch

Bundesrecht geschützt.

Geschützte Lebensräume dienen der

natürlichen und landschaftlichen Vielfalt

5.4.3 Biotopschutz

Erläuterung

Artenschutz bedingt Biotopschutz. Die Bundesinventare nach

Artikel 18a NHG haben sich als ausserordentlich erfolgreiches

Instrument erwiesen. Insbesondere bei der Fauna weist es

aber noch Lücken auf, die zu schliessen sind.

Bundesinventare allein genügen allerdings nicht, um das Überleben und Gedeihen

der Arten zu sichern. Ergänzend zum Biotopschutz braucht es den

ökologischen Ausgleich, Grossschutzgebiete sowie weitere, teilweise neu zu

definierende Instrumente.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Laufende Inventarisierungen und Inventarergänzungen (Amphibienlaichgebiete,

Trockenwiesen und -weiden, Auengebiete) werden abgeschlossen.

� Bestehende Inventare (unter anderem Hochmoorinventar, Flachmoorin-

ventar) werden weiterhin periodisch revidiert und nachgeführt.

� Die Notwendigkeit neuer Bundesinventare wird geprüft und diese gegebe-

nenfalls realisiert.

� Das europäische «Smaragd-Netz», ein Schutzgebietsnetz

der Nicht-EU-Staaten in Ergänzung zum Natura 2000-

Programm» der EU, wird realisiert.

� Eine Übersicht über die Verteilung und Verbreitung der

schweizerischen Lebensräume wird erstellt (Lebensraumkartierung).

5.4.4 Wertvolle Landschaften

Erläuterung

In verschiedenen Regionen der Schweiz bestehen Bestrebungen,

neue Natur- und Landschaftspärke zu schaffen oder

bestehende Grossschutzgebiete zu ergänzen. Als solche gelten:

Schweizerischer Nationalpark, BLN-Objekte, Moorlandschaften,

Wasser- und Zugvogelreservate, Jagdbanngebiete,

die auf internationaler Anerkennung beruhenden Biosphärenreservate,

Ramsar- und UNESCO-Welterbe-Gebiete.

Solche Gebiete sind rechtsverbindlich bezeichnet, national

anerkannt und unterstützt. Sie umfassen eine Fläche von in

der Regel mehr als 1'000 Hektaren. Schutz- und Nutzungsziele

sind dabei klar umschrieben, die Verankerung in lokalen

Trägerschaften ist von grosser Bedeutung.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Objekte, welche die Anforderungen der Ramsar- oder der Welterbe-Konvention

erfüllen, werden nach Zustimmung der betroffenen Kantone zur Aufnahme

in die entsprechenden Listen nominiert.

� Für Schutzgebiete nach internationalen Richtlinien werden Management-

pläne erarbeitet (z.B. UNESCO-Welterbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn).

� Rechtliche Rahmenbedingungen für die neuen Kategorien von Natur- und

Landschaftspärken werden basierend auf den entsprechenden Kriterienkatalogen

geschaffen.

� Gebiete, die den nationalen Kriterienkatalogen genügen,

werden logistisch und finanziell unterstützt.

� Die Schutzwirkung des BLN wird unter anderem mittels

Formulierung griffiger, operabler Schutzziele erhöht.

� Neue Instrumente für die Finanzierung und langfristige

Existenz der Pärke von nationaler Bedeutung werden

evaluiert (z.B. Parkanteilscheine, touristische Produktelinie

Landschaftspark).

Ziele des Programmelements

• Die Schaffung von Pärken und anderen grossen Schutzgebieten

wird in Zusammenarbeit mit Kantonen und

Regionen unterstützt.

• Rechtliche Grundlagen regeln die Ausweisung, Anerkennung

und Förderung von Natur- und Landschaftspärken

und anderen grossen Schutzgebieten

Die Schweiz hat einen Mangel an Gebieten

mit ungestörter Naturdynamik


60 Aktionsfeld 4: Arten und Lebensräume

61

Ziele des Programmelements

• Natur wird auch in Siedlungsgebieten vermehrt integriert

und ist erlebbar.

• Die Vielfalt von Flora und Fauna in Siedlungen wird

durch unterschiedliche Pflege und Nutzung erhöht.

Alltägliches Naturerlebnis ganz konkret

5.4.5 Naturnahe Lebensräume in Siedlungsgebieten

Erläuterung

Die Lebensqualität ist höher, wenn Natur auch im Alltag gegenwärtig

ist und erlebt werden kann. Beim Planen und Bauen

im Siedlungsgebiet sind naturnahe Lebensräume vermehrt

einzubeziehen und deren Pflege und Nutzung sicherzustellen.

Eine Wohnumgebung mit erfahrbarer Natur wird geschätzt

und gepflegt. Sie widerspiegelt den Wandel der Jahreszeiten und betont die

Besonderheit eines Ortes. Die Grenzen zwischen Baugebiet und unbebauter

Umgebung sind besonders sorgfältig zu gestalten.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL unterstützt Massnahmen zur Erhaltung und Förderung siedlungsspezifischer

Lebensraumtypen sowie der ökologischen Vernetzung im

Siedlungsgebiet.

5.4.6 Nationales ökologisches Netzwerk (REN)

Erläuterung

Das nationale ökologische Netzwerk hat folgende Ziele:

- Der Schutz und die Aufwertung von Lebensräumen wird

gefördert, um den genetischen Austausch sicherzustellen,

welcher für das Überleben der wildlebenden Pflanzen- und

Tierarten notwendig ist;

- Die für die Biodiversität wichtigen Lebensräume (Hot Spots) werden

durch wirkungsvolle und dynamische Korridore miteinander verbunden;

- Durch die Sicherung und Aufwertung der wichtigsten ökologischen

Vernetzungsachsen wird die Zerstückelung der Ökosysteme (Fragmentation)

bestmöglich behoben;

- Es dient der Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen in der

Landwirtschaft und unterstützt die Festlegung des ökologischen Lebensraums

entlang der Fliessgewässer;

- Es trägt zur Verbesserung der landschaftlichen Qualität und Vielfalt bei.

Die räumlichen Daten aus dem REN-Projekt sollen als Grundlage für die

kantonalen Richtpläne und bei der Erstellung von Landschaftsentwicklungskonzepten

(LEK) verwendet werden. Dabei sind die lokalen Akteure

in die Projekterarbeitung einzubeziehen.

Das REN ist ein Auftrag des Landschaftskonzepts Schweiz (LKS) und trägt

auf internationalem Niveau zum «Paneuropäischen ökologischen Netzwerk»

(REP) bei, mit welchem es koordiniert ist.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Die REN-Studie wird fertiggestellt und publiziert.

� Die Vorranggebiete und die ökologischen Korridore werden auf nationalem

Niveau in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen und unter

Einbezug der im Rahmen der nationalen Inventare erhobenen Daten,

der kantonalen Richtpläne und der LEKs festgelegt (Abb. 13).

� Das REN wird in Koordination mit den regionalen Projekten zur Vernetzung

von ökologischen Ausgleichsflächen gemäss ÖQV, der

Bestimmung des Raumbedarfs der Fliessgewässer und mit den Waldreservaten

umgesetzt.

� Die Umsetzung des REN in den kantonalen Richtplanungen wird

Ziel des Programmelements

Die Vernetzung der für die biologische und landschaftliche

Vielfalt wichtigen Lebensräume inklusive der Lebensräume

entlang von Fliessgewässern sowie der Waldreservate ist

sichergestellt.

Ökologische Vernetzung wertet Lebensräume auf

evaluiert. Abb. 13: REN-Karte (Quelle: BUWAL 2003b)


62 Aktionsfeld 4: Arten und Lebensräume

63

Ziel des Programmelements

Alle 300 wichtigen Wildtierkorridore der Schweiz sind für

die Fauna durchlässig.

Zustand überregionaler Wildtierkorridore

intakt

beeinträchtigt

weitgehend unterbrochen

überregionales Vernetzungssystem

Autobahn

See, Fliessgewässer

5 0 km 25

5.4.7 Durchlässigkeit von Verkehrsinfrastrukturen

Erläuterung

Autobahnen sind für die meisten Tierarten unüberwindbare

Hindernisse. Die damit verbundene Zerstückelung der Lebensräume

ist aufzuheben (Wildtierpassagen, Ausweitung

von Unterführungen usw.). Gemäss der Studie «Wildtierkorridore»

(HOLZGANG ET AL. 2001) braucht es etwa bei einem Viertel der ca. 300

wichtigen Korridore bauliche Massnahmen. Zudem ist beim Bau neuer Strassen

und Hochleistungsbahnen deren Durchlässigkeit zu gewährleisten. Noch intakte

Korridore sind mit planerischen Massnahmen freizuhalten (Abb. 14).

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Ein Konzept zur Aufhebung von Hindernissen bei Wildtierkorridoren im

Rahmen der laufenden Strassensanierungen (Biobrücken, Durchlässe, Leitstrukturen)

wird unter Berücksichtigung des REN erarbeitet.

- Die 51 problematischsten Fälle werden nach den Richtlinien der UVEK-Wegleitung

über Wildtierpassagen saniert (OGGIER ET AL. 2001).

- Studie zu kostengünstigen Lösungen für Wildtierpassagen wird erarbeitet.

Abb. 14: Wildtierkorridore und Vernetzungsachsen von überregionaler Bedeutung (Quelle: HOLZGANG ET AL. 2001)


64 Aktionsfeld 5: Der Mensch in der Landschaft

Siehe Qualitätsziele 4; 6; 18; 23; 24; 29

65

5.5 Der Mensch in der Landschaft:

Wahrnehmung und Erlebnis

Die Schweiz zeichnet sich durch vielfältige Oberfl ä chenformen, Strukturen und

Erscheinungsbilder aus. Kulturlandschaftliche Vielfalt und Eigenart ergeben sich

aus dem Wechselspiel von natürlichen Gegebenheiten und Nutzungen. Die Art

der Nutzung bestimmt Qualität, Vielfalt und Eigenart der Landschaften.

In Landschaften sind natur- und kulturgeschichtliche Entwicklungen und

Erfahrungen gespeichert. Erinnern ist eine Basis für die Zukunftsgestaltung.

Bewahrtes kulturlandschaftliches Erbe ist kulturelles Gedächtnis. Es ermöglicht

immer wieder neu die Befragung der Vergangenheit im Prozess der Landschaftsentwicklung.

Die Authentizität der Objekte und ihrer Umgebung bestimmt

dabei die Qualität, mit der die historischen Erfahrungen heute zur Verfügung

stehen.

Das persönliche Erlebnis wohltuender Landschaften ist für das seelische und

körperliche Wohlbefi nden wichtig. Erkennbare Landschaften spielen für das

Gefühl der Menschen, zu einer Gegend und Kultur zugehörig zu sein, eine

zentrale Rolle. Sie sind für die räumliche Identifi zierung nötig.

Schonende Entwicklung und Schutz von Natur und Landschaft tragen dazu bei,

dass sich der Mensch auch in Zukunft zu Hause fühlen und erholen kann und

dass Naturprodukte wie beispielweise Holz, Fische, Wild und

Pilze dauerhaft nutzbar sind. Schöne, abwechslungsreiche

Landschaften haben damit auch eine wirtschaftliche Bedeutung.

Studien beziffern den Wert der Landschaft allein für

den Schweizer Tourismus auf 70 Milliarden Franken.

Die folgenden Programmelemente sind aus Sicht des BUWAL

prioritär:

Wahrnehmung und Erlebnis von Natur und Landschaft

Landschaftsgestaltung und Projekte in der Landschaft

Gebaute Elemente der Kulturlandschaft

Lebensqualität in der Wohnumgebung

Landschaften sind das räumliche Gedächtnis einer Gesellschaft


66 Aktionsfeld 5: Der Mensch in der Landschaft

67

Ziele des Programmelements

• Die Wahrnehmung von Natur und Landschaft mit allen

Sinnen wird gefördert.

• Naherholungs- und Freiräume im Siedlungsgebiet werden

so gestaltet, dass sie die Bedürfnisse der Bewohnerinnen

und Bewohner nach landschaftlichem Erlebnis, Bewegung,

Ruhe und Abwechslung berücksichtigen.

• Störungsarme und ruhige Landschaften werden für Erholung

und naturorientierten Tourismus erhalten und gefördert.

Oasen der Ruhe und der Erholung

5.5.1 Wahrnehmung und Erlebnis von Natur

und Landschaft

Erläuterung

Das bewusste Wahrnehmen einer Landschaft ist Voraussetzung,

um Chancen und Risiken der landschaftlichen Entwicklung

abschätzen zu können und Lösungen zu finden.

Wie sie sich entwickeln soll, ist eine bewusst zu übernehmende

gesellschaftliche Aufgabe. Dabei bedarf der kulturelle

Umgang mit der Landschaft einer intensiven Auseinandersetzung.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Ein Forum für den Erfahrungsaustausch im Bereich Landschaftswahrnehmung

wird geschaffen und die Erkenntnisse

adressatengerecht aufbereitet.

� Zu Wahrnehmung und Erlebnis von Natur und Landschaft

werden Unterrichtshilfen für alle Schulstufen erarbeitet;

an Hochschulen spezialisierte Module angeboten.

� Gebiete, welche gezielt der Natur- und Landschaftserfahrung

in Agglomerationen dienen, werden gefördert.

� Durch Aus- und Weiterbildung (anerkannter Diplomabschluss)

sollen touristische Führer/innen insbesondere

im Bereich des naturnahen und des Parktourismus

befähigt werden, die Reisenden für die lokalen und regionalen

Natur- und Landschaftswerte zu sensibilisieren.

� Das BUWAL wirkt darauf hin, dass Landschaften, die sich

für naturorientierten Tourismus und Ruhe eignen, von

Lärm freigehalten werden (z.B. zeitliche Limitierung von

Helikopterflügen, Freihaltung von Erschliessungen).

5.5.2 Landschaftsgestaltung und Projekte

in der Landschaft

Erläuterung

Der Mensch prägt durch Bauten, Anlagen und seine Nutzung

die Landschaft. Er ist gleichzeitig von seiner alltäglichen Umgebung,

von der Ausgestaltung der Landschaft betroffen.

Diese Wechselwirkung verpflichtet im öffentlichen Interesse

zur Rücksichtnahme auf Landschaften und die in ihr lebenden Menschen. Die

natur- und kulturraumtypischen Voraussetzungen und Werte sind deshalb im

Planungs- und Gestaltungsprozess zu erkennen und gezielt einzubeziehen.

Sicherheit, Nützlichkeit und Wirtschaftlichkeit sind Anforderungen, die an Bau-

ten und Anlagen gestellt werden. Fragen der landschaftlichen Integration und

Gestaltung sind für die Gesamtqualität eines Projektes aber ebenso zentral.

Bauvorhaben müssen hinsichtlich ihrer landschaftsästhetischen Wirkung sowie

ihres Inhalts und Symbolgehalts geprüft werden (BUWAL 2001a). Damit wird

erreicht, dass durch Neubauten landschaftliche Werte neu geschaffen werden

und sich die landschaftsästhetische Gesamtsituation verbessern kann.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

Landschaftlichen Werte, Eigenarten, Defizite und Potenziale werden erfasst

und erlauben die Formulierung konkreter Landschaftsqualitätsziele.

� Die vorhandenen Grundlagen und Erkenntnisse im Bereich

der Landschaftsästhetik, Landschaftsgestaltung und -aufwertung

werden im Rahmen der Planung, Bearbeitung

und Genehmigung von Vorhaben umgesetzt. Sie tragen

den formulierten Landschaftsqualitätszielen Rechnung.

� Die Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Landschaftsästhetik,

Landschaftsgestaltung und -aufwertung wird

etabliert bzw. vertieft.

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Bei grösseren Bauten und Anlagen (Bundesaufgaben) wer-

den die ökologische und landschaftliche Integration verbessert

– auf der Basis einer frühzeitigen, methodisch

abgestützten Landschaftsbewertung sowie durch eine

landschaftspflegerische Begleitplanung (vgl. KLEINER/

SCHMITT 2001).

- Gute Lösungsansätze und gelungene Beispiele werden be-

kannt gemacht.

Ziel des Programmelements

Bauten und Anlagen orientieren sich an den natur- und kul-

turraumtypischen Voraussetzungen; die Landschaftsgeschichte

bleibt ablesbar.

Fotomontagen und Modelle sind anschaulich

und erleichtern die Entscheidfindung


68 Aktionsfeld 5: Der Mensch in der Landschaft

69

Ziel des Programmelements

Für einen nachhaltigen Umgang mit dem baulichen Erbe

bestehen wirksame Anreize.

Bauten sind Zeugen der Kulturgeschichte

5.5.3 Gebaute Elemente der Kulturlandschaft

Erläuterung

Gebaute Kulturobjekte und Denkmäler sind Teil der Landschaft.

Die Qualität der Umgebung ist mitbestimmend

für den Wert erhaltenswerter Ortsbilder sowie historisch,

kunstgeschichtlich oder archäologisch bedeutender Objekte und Stätten (MEIER/

WOHLLEBEN 2000). Deshalb ist es grundlegend, eine stimmige Wechselwirkung

zwischen diesen Objekten und ihrer jeweiligen Umgebung aufrecht zu erhalten.

Ziele und Grundsätze des Natur- und Landschaftsschutzes gelten damit

grundsätzlich auch für den Heimatschutz und die Denkmalpflege.

Die landschaftlichen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung können nur erreicht

werden, wenn auch die Bauten berücksichtigt werden. Voraussetzung ist ein

zeitgemässes Landschaftsverständnis. Es hebt die Trennung zwischen natürlichen

und kulturellen Bestandteilen einer Landschaft auf und überwindet

den Gegensatz zwischen Stadt und Land. Besondere Bedeutung besitzen die

Industriebrachen, wo sich die Umwandlung eines kulturhistorischen Erbes als

Herausforderung für die Stadtlandschaft präsentiert.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Für den nachhaltigen Umgang mit dem baulichen Erbe werden Qualitätsziele

festgelegt und Anreizmodelle entwickelt.

- Im Bereich Denkmalpflege, Ortsbildschutz und Archäologie

wird ein Überblick erstellt, der die vorhandenen Inventare

im Hinblick auf die frühzeitige Beachtung bei der Erfüllung

von Bundesaufgaben zusammenfasst.

- Im Bereich der von Ortsbild- und Denkmalschutz noch

ungenügend erfassten, landschaftsprägenden zeitgenössischen

Bauten sowie weiterer industrieller oder verkehrstechnischer

Objekte des kulturellen Erbes werden

Bestandesaufnahmen und Entscheidgrundlagen für die

Umsetzung von Schutz und Integration in neue Nutzungsformen

erarbeitet.

- Die Ausbildung von Sachverständigen für den Schutz zeitgenössischer

Baudenkmäler wird gefördert.

5.5.4 Lebensqualität in der Wohnumgebung

Erläuterung

Zwischen Haus, Garten, Siedlung und Freiräumen bestehen

vielfältige ökologische und soziale Beziehungen. Diese

Verflechtung bedingt auch landschaftsgestalterisch eine Verknüpfung

von Naturflächen und Gebautem. Dabei ist die

bewusste Gestaltung von Übergängen und Siedlungsrändern

von besonderer Bedeutung. Denn eine Form kann nur durch

ihre Abgrenzung wahrgenommen werden.

Insbesondere in Agglomerationen wird durch bewusste Gestaltung die Qualität

und landschaftliche Atmosphäre von Orten aufgewertet. Dabei stellt sich die

Herausforderung, den Lebensraum der Menschen so zu gestalten, dass der

Mensch mit dem Wandel seiner Umgebung innerlich Schritt halten kann.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL bringt in die Ausarbeitung der neuen Agglomerationspolitik des

Bundes die Aspekte von Natur und Landschaft ein.

� Das BUWAL wirkt darauf hin, dass durch den ökologischen Ausgleich in der

Siedlung Aspekte der Erholung und räumlichen Identität gezielt gefördert

werden.

Ziele des Programmelements

• Die Qualität der Wohn- und Arbeitsumgebung und

deren Unverwechselbarkeit wird bewusst wahrgenommen

und dadurch das Wohlbefinden verbessert.

• Die «Qualität des Örtlichen» wird insbesondere in Agglomerationen

thematisiert.

Naturnah gestaltete Grünflächen verbinden Wohn- und Aussenraum


70 Aktionsfeld 6: Partizipation

Siehe Qualitätsziele 7; 16; 17

71

5.6 Partizipation

Für eine Landschaftsentwicklung, die sich an den Zielsetzungen einer nachhaltigen

Entwicklung orientiert, ist die Beteiligung der Bevölkerung unerlässlich.

Partizipation umfasst dabei nicht nur die Teilnahme an Planung und Umsetzung.

Verantwortung umfasst Rechte und Pfl ichten im Umgang mit natürlichen

Ressourcen und öffentlichen Gütern. Errungenschaften wie beispielsweise der

freie Zugang zur Landschaft sind im Interesse der Allgemeinheit zu wahren.

Partizipation ist nur erfolgreich, wenn klare Rahmenbedingungen gesetzt werden,

insbesondere bezüglich den Zielsetzungen der jeweiligen Vorhaben.

Die folgenden Programmelemente sind aus Sicht des BUWAL prioritär:

Sensibilisierung und Information der Bevölkerung

Partizipative Planungsinstrumente und Kooperationen

Tatkräftige Mitarbeit fördert die Verbundenheit mit der Landschaft


72 Aktionsfeld 6: Partizipation

73

5.6.1 Sensibilisierung und Information

der Bevölkerung

Erläuterung

Ziel des Programmelements

Das Interesse an Natur und Landschaft – vor allem auch in Die Werte von Natur, Landschaft und baulichem Erbe zu er-

der Wohnumgebung – ist angeregt.

kennen und bewusst zu schätzen, fördert die Verbundenheit

mit dem Wohnort. Gleichzeitig erhöht solche Wertschätzung

die Bereitschaft der Bevölkerung, Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung

der Wohnumgebung zu übernehmen.

Informationen vor Ort tragen dazu bei, Entscheidungen

über die Landschaftsentwicklung begründet fällen zu können

Zudem soll mit gezielter Information das bewusste Nachdenken und die Urteilskraft

über landschaftsgestalterische Aspekte erhöht werden. Messbare

Kriterien zur Landschaftsgestaltung, die auf lokaler Ebene partizipativ erarbeitet

werden, erhöhen die Qualität von Entscheidungen.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Zur Information und Sensibilisierung von Bevölkerung und Verwaltung für

die Themen Natur, Landschaft und bauliches Erbe wird ein umfassendes

Kommunikationskonzept erarbeitet und umgesetzt.

5.6.2 Partizipative Planungsinstrumente

und Kooperationen

Erläuterung

Die Entwicklung der Landschaft soll in einem transparenten

Vorgehen auf die Zielsetzungen der Nachhaltigkeit hin ausgerichtet

werden. Mit partizipativen Prozessen wird die Selbstorganisation

auf lokaler Ebene gefördert und dabei das Innovationspotenzial

von Partnerschaften genutzt. Partizipation

umfasst neben der Teilnahme an Planung und Umsetzung

auch die Möglichkeit, Verantwortung für den Verbrauch von

Ressourcen und für den Umgang mit öffentlichen Gütern

übernehmen zu können (BUCHECKER 1999).

Selber Hand anzulegen, schafft eine räumliche Verbundenheit.

Deshalb sollen Pflege und Gestaltung der Landschaft

wieder vermehrt zu einer kollektiven Aufgabe werden. Das Gemeinwerk ist

eine alte Form gemeinschaftlich organisierten Unterhalts öffentlicher Flächen.

Es stammt aus einer Zeit, als den Gemeinwesen zur Erfüllung ihrer Aufgaben

noch kaum finanzielle Mittel zur Verfügung standen. Kooperative Arbeitsformen

in der Landschaftspflege sollen reaktiviert, den neuen Bedürfnissen

angepasst und in Landschaftspflege und -gestaltung integriert werden.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das Instrument Landschaftsentwicklungskonzept LEK sowie die zu seiner

Vorbereitung und Umsetzung dienenden Instrumente (z.B. Zukunftswerkstätten,

«Werkzeugkasten LEK») werden bekannt gemacht und ihre

Umsetzung durch Ausbildungsmassnahmen gefördert.

� Die Umsetzung des Instrumentes LEK und vergleichbarer Planungsinstrumente

wird durch seine Verknüpfung mit andern Instrumenten der Naturschutz-

und Landschaftspolitik gefördert (z.B. das Übereinstimmen konkreter

Massnahmen mit einem LEK als Voraussetzung für ihre Finanzierung durch

die öffentliche Hand über Agrar-, Forst- oder Naturschutzsubventionen,

Standortförderungsbeiträge etc.).

� Arbeitspotenziale im Zivilen Ersatzdienst werden für die Biotop- und Kulturlandschaftspflege

und -wiederherstellung dienstbar gemacht. Entsprechende

Öffentlichkeitsarbeit und gezielte Ausbildung der Dienstpflichtigen werden

flankierend konzipiert und durchgeführt.

� Das Gemeinwerk wird mit geeigneten Förderungsmassnahmen (Animation

von geeigneten Trägerschaften; Anreize auf lokaler Ebene schaffen) gestärkt.

Ziele des Programmelements

• Partizipative Planungsinstrumente wie Landschaftsentwicklungskonzepte

LEK und Agenda 21-Prozesse werden

durch das Bereitstellen von Grundlagen, durch gezielte

Information und durch finanzielle Anreize gefördert.

• Die ganzheitliche Umsetzung öffentlicher Politiken wird

durch die Bindung finanzieller Anreize und Beiträge der

öffentlichen Hand an partizipativ erarbeitete planerische

Ziele und Massnahmen gewährleistet.

• Kooperative Formen des Landschaftsmanagements werden

gefördert.

Die Erarbeitung eines LEK fördert den Dialog


74 Aktionsfeld 7: Wirtschaftliche Instrumente und Ressourcenverbrauch

Siehe Qualitätsziele: 12; 15

75

5.7 Wirtschaftliche Instrumente

und Ressourcenverbrauch

Ein Kapitalmarkt, der die profi tabelsten Verwendungen weltweit sucht, führt

zu Entwicklungen wie Globalisierung und Mobilitätszunahme. Diese wirken

sich auf lokaler Ebene oft negativ aus wie beispielsweise auf Bodenpreise, Versiegelung,

landwirtschaftliche Produktion.

Für die Landschaftsentwicklung sind insbesondere folgende Bereiche von Bedeutung:

- der gesellschaftliche Umgang mit den natürlichen Ressourcen, insbesondere

dem Boden und dem Wasser;

- der Umgang mit Stoffen und Abfall sowie Verkehr;

- die Eigentums- und Nutzungsrechte;

- die fi nanziellen Steuerungsinstrumente.

Mit einer neuen Wirtschafts- und Raumordnungspolitik sowie mit institutionellen

Regelungen soll versucht werden, im Sinne einer ökologischen Grobsteuerung,

die Einfl ussfaktoren (Driving Forces) in Richtung einer nachhaltigen

Entwicklung zu verändern.

Die folgenden Programmelemente sind aus Sicht des BUWAL prioritär:

Öffentliche Gelder

Institutionelle Regimes für die Nutzung der natürlichen Ressourcen

Handelbare Zertifi kate und Kontingente

Labels im Bereich Natur und Landschaft

Rohstoffe und Energien

Nachhaltige Ressourcennutzung und internationale

Verantwortung

Die Verursacher von Eingriffen sind zu angemessenen

Ersatzmassnahmen verpfl ichtet


76 Aktionsfeld 7: Wirtschaftliche Instrumente und Ressourcenverbrauch

77

Ziele des Programmelements

• Bundessubventionen aller raumwirksamen Politikbereiche

sind widerspruchsfrei mit den Anliegen von Natur und

Landschaft. Dies gilt sowohl für die Politik- und Programmebene

als auch für konkrete Einzelvorhaben.

• Externe Kostenfaktoren sind einbezogen, Ermessensspielräume

im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gefüllt.

• Bundessubventionen im Bereich Natur und Landschaft

dienen der Umsetzung des Leitbildes «Landschaft 2020»

und basieren auf Leistungsvereinbarungen. Sie unterliegen

einer Vollzugs-, Wirkungs- und Zielerreichungskontrolle.

5.7.1 Öffentliche Gelder

Erläuterung

Zahlreiche staatliche Förderprogramme und -massnahmen

sind direkt oder indirekt raum- und landschaftswirksam. Sie

sind mit Leistungsanforderungen gemäss den Zielsetzungen

einer nachhaltigen Entwicklung zu verknüpfen. Die Unterstützung

der Landwirtschaft durch ein ganzes Bündel finanzieller

Instrumente ist auf Bundesebene der landschaftswirksamste

Förderungsbereich. Eine wichtige Steuerungsfunktion kommt

auch den Bundesbeiträgen an Massnahmen in kantonaler

Ausführungszuständigkeit zu.

Hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Natur und Landschaft

weist die Subventionstätigkeit des Bundes zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten

auf. Einige Aufgabenbereiche, namentlich Wasserbau,

Wald- und Landwirtschaft sowie Regionalpolitik haben dank neuerer

Revisionsarbeiten bereits eine erkennbare ökologische Ausrichtung erhalten.

Demgegenüber besteht in anderen Bereichen noch Nachholbedarf; beispielsweise

hinsichtlich Verkehrspolitik und Siedlungsentwicklung. Hier sind einerseits

Änderungen innerhalb der sektoralen Subventions-, Finanz- und Steuerpolitik

des Bundes notwendig oder es drängt sich eine völlige Neuausrichtung im Sinne

einer umfassenden Landnutzungspolitik (vgl. Kapitel 5.1) auf. Zudem müssen

die Verantwortlichkeiten für die Umsetzung der Natur- und Landschaftspolitik

im Überschnitt mit den Sektoralpolitiken verbindlicher festgelegt werden.

Eine Studie zeigt auf, dass die direkt oder indirekt raumwirksamen Beiträge des

Bundes von insgesamt rund 9 Mia Franken (Stand Voranschlag 2001, STIFTUNG

LANDSCHAFTSSCHUTZ SCHWEIZ 2001) zu rund 90 Prozent tendenziell landschaftsbelastend

wirken. Im Vordergrund des dort vorgeschlagenen Massnahmenpaketes

steht die Kohärenz der Bundespolitiken und insbesondere der Subventionspolitiken

mit der Raumordnungs- und Umweltpolitik. Folgende Aspekte erscheinen

dabei prioritär:

- Nachhaltigkeitsprüfung von Politiken und Programmen;

- Stellungnahmen zu konkreten Subventionsgeschäften, Leistungsaufträgen

und Globalsubventionen mit ihren Programmen;

- Wirkungskontrollen.

Landschaftsgestaltende und -pflegende Massnahmen, Öffentlichkeitsarbeit

sowie Ressortforschung werden einerseits aus Beiträgen von Sektoralpolitiken

(z.B. Landwirtschaft), andererseits aus dem Budget Natur und Landschaft

(2002: Bund 48 Millionen oder ca. 7 Franken pro Einwohner) finanziert. Eine

stärkere Wirkungsorientierung und bessere Nutzung von Synergien mit andern

Politikbereichen ist unumgänglich. Dies kann beispielsweise dadurch geschehen,

dass landwirtschaftliche Direktzahlungen regionalisiert und mit stärkeren

ökologischen Anreizen versehen werden, oder dass ökologische Ausgleichsflächen

an Gewässern gleichzeitig in den Dienst des Hochwasserschutzes gestellt

oder in Grundwasserschutzgebieten angelegt werden.

Mit den heute zur Verfügung stehenden Finanzquellen sind beispielsweise

folgende Massnahmen zu Gunsten von Natur und Landschaft noch

nicht ausreichend realisierbar:

- Erwerb kollektiver Eigentumsrechte;

- Wiederherstellungsmassnahmen bei der Beseitigung nicht gesetzeskonformer

Bauten ausserhalb der Bauzone, insbesondere in Schutzgebieten;

- Finanzielle Anreize für Rückzonungen;

- Zielgruppengerechte Öffentlichkeitsarbeit und Ausbildung in den

Themen Natur und Landschaft;

- Beratung der Kantone und Dritter;

- Früherkennung und praxisrelevante Forschung.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Globalsubventionierung und Leistungsaufträge im Bereich Natur

und Landschaft erfolgen in Zusammenarbeit mit den Kantonen im

Rahmen von Vereinbarungen und sie werden mit Auflagen zur Umsetzung

der Qualtitätsziele des Leitbildes «Landschaft 2020» und mit

Leistungszielen versehen.

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Die Kohärenz der Bundespolitiken mit der Natur- und Landschaftspolitik,

insbesondere der Subventionspolitik sowie der Finanz- und

Steuerpolitik, wird überprüft. In einem Massnahmenprogramm wird

die Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen und des Vollzugs angestrebt

und die dafür erforderlichen rechtlichen Grundlagen aufgezeigt.

- Sämtliche landschaftswirksamen Bundesbeiträge werden an Leistungsvereinbarungen

oder -voraussetzungen geknüpft, die den Aspekt

nachhaltige Entwicklung umfassend enthalten.

- Eine Erfolgskontrolle soll bezüglich Umsetzung, Wirkung und Zielerreichung

etabliert werden.

- Der Fonds Landschaft Schweiz (FLS) wird nach Ablauf des Bundesbeschlusses

institutionalisiert; die dafür notwendigen parlamentarischen

Massnahmen werden eingeleitet.

Öffentliche Gelder tragen dazu bei, wertvolle Kulturelemente

wieder herzustellen; zum Beispiel Suonen

im Wallis vor und nach der Sanierung


78 Aktionsfeld 7: Wirtschaftliche Instrumente und Ressourcenverbrauch

79

5.7.2 Institutionelle Regimes für die Nutzung

der natürlichen Ressourcen

Erläuterung

Ziel des Programmelements

Die öffentlichen Interessen an der Ressource Landschaft Ein institutionelles Regime besteht aus der eigentumsrecht-

werden klar mit den zunehmend heterogenen und lichen Grundordnung (Eigentumstitel, Verfügungs- und Nut-

konkurrierenden Nutzungen von Natur und Landschaft abzungsrechte) und der Gesamtheit der ressourcenspezifischen

gewogen.

öffentlichen Nutzungs- und Schutzpolitiken. Dieses Regime

ist für die Art und Weise, wie die Ressource Landschaft genutzt

wird, mitverantwortlich. Die bisherige Steuerung über verschiedene öffentliche

Sektoralpolitiken ist wohl zu schwach, um die nachhaltige Nutzung

der natürlichen Ressourcen zu gewährleisten.

Wohlerworbene Nutzungsrechte an Grund und Boden

beeinflussen die Landschaftsentwicklung wesentlich

Bisher fehlen im institutionellen Landschaftsregime ausdrücklich definierte

Eigentumtstitel an der Landschaft (z.B. mehr oder weniger eng umschriebene

Zutrittsrechte zu Naturdenkmälern zu Gunsten von erholungssuchenden

Personen, die keine Nutzungsrechte an den entsprechenden Bodenparzellen

innehaben). Solche Eigentumstitel würden Pflichten und Rechte an der Nutzung

und am Schutz der Ressource Landschaft für die verschiedenen Gruppen

regeln. Da bisher ein explizites regulatives System fehlt, werden sich tendenziell

die eigentumsrechtlich definierten Verfügungs- und Nutzungsrechte

gegenüber den öffentlichen Interessen am Schutz und an der langfristigen

Entwicklung parzellenübergreifender Landschaftselemente durchsetzen (vgl.

KNOEPFEL/KISSLING-NÄF/VARONE 2001).

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Die Auswirkung institutioneller Regimes für die Ressource

Landschaft (z.B. Eigentums- und Nutzungsrechte an

Grund und Boden) werden wissenschaftlich analysiert,

Empfehlungen abgeleitet und in Pilotprojekten geprüft.

5.7.3 Handelbare Zertifikate und Kontingente

Erläuterung

Neue ökonomische Instrumente können zur Schonung von

Natur und Landschaft Wesentliches beitragen.

Im Vordergrund stehen einerseits die Reduktion der Bodenversiegelung

mittels frei handelbarer, durch den Bund ausgegebener

Versiegelungskontingente. Dabei ist der Besitz eines Kontingentes Voraussetzung

für die Überbauung eines entsprechenden Gebietes (vgl. KNOEPFEL

ET AL. 2002).

Freihaltezertifikate bezwecken andererseits die Steuerung des Landschaftsverbrauchs

auf Gemeindeebene und begünstigen die Aufnahme siedlungsökologischer

Aspekte in der Nutzungsplanung. Ein denkbarer Ansatz ist dabei die

Erstellung einer Börse für Freihaltezonen in der Nutzungsplanung.

Weitere mögliche Anwendungen von Zertifikatslösungen betreffen Kiesgruben,

Waldwirtschaft (Abholzung/Aufforstung) oder ökologische Qualitätsverpflichtungen.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Auf wissenschaftlicher Basis (politologisch, ökonomisch, gesellschaftlich)

werden Vorschläge für Kontingents- bzw. Zertifikatslösungen für Natur und

Landschaft erarbeitet und deren Machbarkeit und Konsequenzen gezeigt.

Ziel des Programmelements

Ökonomische Instrumente zur Schonung der Ressourcen

Natur und Landschaft werden vertieft geprüft, namentlich

im Bereich handelbarer Kontingente oder Zertifikate.

Für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen

werden neue Instrumente geprüft


80 Aktionsfeld 7: Wirtschaftliche Instrumente und Ressourcenverbrauch

81

5.7.4 Labels im Bereich Natur und Landschaft

Erläuterung

Ziel des Programmelements

Der nachhaltige Umgang mit Natur und Landschaft wird Labels, Gütesiegel oder Qualitätsauszeichnungen verschaf-

durch Labels gefördert.

fen wirtschaftliche Vorteile. Diese aus der Ökonomie stammenden

Instrumente sollen in Zukunft auch für Natur und

Landschaft vermehrt eingesetzt werden und Anreize für

einen bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen schaffen.

Grundsätzlich wird zwischen einem Gebietslabel und Produktelabel unterschieden.

Das Gebietslabel ist eine Auszeichnung für ein bestimmtes Gebiet, z.B.

Welterbe, Landschafts- oder Naturpark. Produktelabel werden für Produkte

oder Dienstleistungen verliehen, die bestimmte Anforderungen erfüllen.

Gebietslabel bestätigen die Bemühungen, landschaftliche

Qualitäten zu erhalten und zu fördern

Besondere Verdienste für eine Landschaftsentwicklung, die

sich an den Zielsetzungen der nachhaltigen Entwicklung

orientiert, werden mit dem neu zu schaffenden Schweizer

Landschaftspreis gewürdigt. Er berechtigt zur Teilnahme an

der Ausschreibung des Europarates zum Europäischen Preis

der Landschaft auf der Basis der Europäischen Konvention

der Landschaft.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� In enger Zusammenarbeit mit entsprechenden Institutionen

und den Kantonen wird eine Liste von geeigneten Labels

erstellt, wobei entsprechende Kriterien bestehender

Institutionen übernommen oder neu formuliert werden.

� Ein Schweizer Landschaftspreis wird in enger Zusammen-

arbeit mit Partnern konzipiert und vergeben.

5.7.5 Rohstoffe und Energien

Erläuterung

Die Gewinnung mineralischer Rohstoffe, insbesondere Steine

und Erden, beeinträchtigt Landschaften und führt teilweise

zur Zerstörung wertvoller Lebensräume. Obwohl gleichzeitig

Standorte für Pionierarten entstehen, sind die Folgen des

Rohstoffverbrauchs für Natur und Landschaft insgesamt

negativ zu bewerten.

Selbst die Produktion erneuerbarer, sogenannter Alternativenergien (Sonne,

Wind, Biogas, «Nachwachsende Rohstoffe») ist – soweit sie in mittleren und

grösseren Anlagen erfolgt – fallweise einer umfassenden Interessenabwägung

zu unterziehen. Insbesondere im Bereich Windenergie ist ausserdem die

Erarbeitung eines nationalen Konzeptes notwendig, welches mögliche Produktionsstandorte

konkretisiert und Rahmenbedingungen festlegt.

Die Produktion nachwachsender Rohstoffe soll nicht zu einer Intensivierung

der landwirtschaftlichen Nutzung führen und die Grundsätze des naturnahen

Waldbaues berücksichtigen.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL wirkt auf Folgendes hin:

- Anreiz- und Lenkungsinstrumente zur Minimierung des

Rohstoff- und Energieverbrauchs kommen zunehmend

zur Anwendung.

- Im Überschnitt von Natur- und Landschafts- sowie Raumordnungspolitik

werden entsprechende Beurteilungs-

und Konfliktlösungsinstrumente geschaffen.

- Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes werden in

das Windenergiekonzept Schweiz integriert.

- Der Einsatz von Zertifikaten oder Kontingenten wird geprüft.

Ziel des Programmelements

Rohstoff- und Energieverbrauch werden minimiert; Effizienz

steigerung, umweltschonende Technologien und Substitution

besonders gefördert.

Der Abbau von Rohstoffen prägt Landschaften


82 Aktionsfeld 7: Wirtschaftliche Instrumente und Ressourcenverbrauch

83

5.7.6 Nachhaltige Ressourcennutzung

und internationale Verantwortung

Ziel des Programmelements

Erläuterung

Die räumlichen Auswirkungen der schweizerischen Bundes- Im manchen Ländern und Erdteilen bestehen tiefere Umweltpolitik

Natur und Landschaft auf ausländische Natur- und standards als in der Schweiz. Die Produktion von Gütern im

Kulturwerte werden berücksichtigt.

Ausland kann daher problematisch sein und gewissermassen

zu einem Export schweizerischer Umweltbelastungen führen.

Dies gilt nament lich in der Nahrungsmittelproduktion, beispielsweise

bei Milchprodukten, Fleisch, Gemüse oder Früchten sowie bei der

Holz- und Energiegewinnung.

Wir haben eine Verantwortung für importierte Produkte

Die Konsequenzen einer Produktionsauslagerung sind insbesondere:

- eine Erhöhung der Nachfrage nach neuen (Anbau-)fl ächen im Ausland und

somit möglicherweise die Zerstörung dortiger Lebensräume. Die Ökosysteme

im Ausland sind oft noch sensibler als unsere;

- eine Zunahme umweltbelastender Transporte;

- eine abnehmende Kontrolle darüber, wie und ob die Produkte am Ursprungsort

nachhaltig produziert werden.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Das BUWAL wirkt darauf hin, dass bei der Gewinnung von Energien und

Rohstoffen, die importiert werden sollen, mindestens die schweizerischen

Umweltstandards eingehalten werden.


84 Aktionsfeld 8: Früherkennung und Forschung

85

5.8 Früherkennung und Forschung

Früherkennung und angewandte Forschung sowie ein funktionierender

Transfer zwischen Forschung und Praxis sind wichtig, um landschaftswirksame

Trends systematisch und rechtzeitig zu erkennen. Nur so ist es

möglich, die landschaftliche Entwicklung angemessen zu steuern.

Die folgenden Programmelemente sind aus Sicht des BUWAL prioritär:

Früherkennung, Monitoring und Erfolgskontrolle

Angewandte Forschung im Bereich Natur und Landschaft

Bildung

Bestandesaufnahmen tragen dazu bei,

landschaftliche Entwicklungen zu erkennen


86 Aktionsfeld 8: Früherkennung und Forschung

87

Ziele des Programmelements

• Entwicklungen, welche Auswirkungen auf Natur und

Landschaft haben, werden frühzeitig erkannt und auf

ihren Handlungsbedarf hin beurteilt.

• Massnahmen und Programme zu Gunsten von Natur und

Landschaft werden mittels Erfolgskontrollen geprüft.

• Die Erkenntnisse aus Früherkennungs-, Erfolgskontroll-

und Monitoringprogrammen werden konsequent umgesetzt.

Entwicklungen, die negative Auswirkungen

auf Ökosysteme und Landschaften haben,

werden rechtzeitig erkannt

5.8.1 Früherkennung, Monitoring

und Erfolgskontrolle

Erläuterung

Wirtschaftliche, kulturelle und technische Entwicklungen,

welche Auswirkungen auf Natur und Landschaft haben,

zeichnen sich in der Regel im Voraus ab, seien es neue technische

Trends, politische Strömungen oder Absichten in den

Sektoralpolitiken. Sie können die nationale, regionale oder

lokale Ebene betreffen. Ein effizienter Vollzug des NHG setzt

voraus, dass diese Entwicklungen frühzeitig erkannt werden.

Die Früherkennung umfasst folgende Instrumente: Analyse

der wichtigen raumwirksamen Trends und der Sektoralpolitiken,

strategische Umweltprüfung SUP sowie Monitoring und

Forschung (MAIBACH/GEHRIG 2001b).

Gleichzeitig muss der Erfolg von Massnahmen im Arten-, Biotop- und Landschaftsschutz

überprüft und belegt werden. Nur so ist ständige Verbesserung

hinsichtlich Effektivität und Effizienz möglich. Erfolgskontrollen sind ein Führungs-

und Optimierungsinstrument. Mit ihnen

- wird geprüft, ob die definierten Ziele erreicht werden;

- werden Gründe für allfällige Abweichungen ermittelt;

- werden Korrekturen vorgeschlagen.

Das Monitoring verfolgt Veränderungen in Natur und Landschaft und dient

unter anderem der Früherkennung.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Es wird ein Früherkennungssystem zur rechtzeitigen Erkennung von Veränderungsprozessen

in Natur und Landschaft sowie in den raumrelevanten

Sektoralpolitiken entwickelt, welches die Ergebnisse aus den bestehenden

Monitoring- und Erfolgskontrollprogrammen berücksichtigt.

� Für alle Bundesinventare sowie für weitere wichtige Programme und laufende

Aufgaben werden – abgestimmt auf die bestehenden Erfolgskontrollen

– spezifische Erfolgskontrollen installiert.

� Der Erfolg der Mitwirkung bei Bundesaufgaben wird an Hand einer Erfolgs-

kontrolle überprüft.

� Zur Revision der Roten Listen wird ein Programm erstellt.

� Ein gezieltes Landschaftsmonitoring (inkl. Landschaftsdatenbank) wird auf-

und das Biodiversitätsmonitoring BDM ausgebaut.

5.8.2 Angewandte Forschung im Bereich

Natur und Landschaft

Erläuterung

Wissenschaftliche Grundlagen, die dem aktuellen Stand entsprechen,

sind für den Vollzug des NHG und für dessen

Weiterentwicklung unentbehrlich. Forschungsbedarf besteht

beispielsweise in folgenden Bereichen:

- Wirkungsanalyse: Welches sind die treibenden Kräfte von

Landschaftsveränderungen? Wie lassen sich Fehlentwicklungen

frühzeitig erkennen? Welche Auswirkungen haben Landschaftsveränderungen

auf die ökologische Vielfalt sowie auf die räumliche Identifikation,

soziale Integration und lokale Mitverantwortung (vgl. MEIER/BUCHECKER 2001)?

- Evaluation, Qualitätskontrollen und Steuerung: Sind die gewählten Kriterien

und Indikatoren zur Nachhaltigkeit und Landschaft geeignet, um Trends

rechtzeitig zu erkennen (vgl. STREMLOW ET AL. 2003)?

- Partizipation und Sensibilisierung: Wie können optimierte, auf Konsensfindung

basierte Entscheidungsverfahren zu einer Landschaftsentwicklung

beitragen, die den Zielsetzungen der nachhaltigen Entwicklung entspricht?

- Massnahmenumsetzung: Wie und mit welchen Massnahmen führen

neue Umsetzungsinstrumente effektiv und effizient zum Ziel?

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� Im Rahmen des NFP 48 «Landschaften und Lebensräume der Alpen» sowie

des WSL-Programms «Landschaft im Ballungsraum» werden Forschungsfragen

eingebracht und ihre Beantwortung unterstützt.

� Angewandte Forschungen zum Landschaftserlebnis, zum Landschaftswandel

und zu seinen soziokulturellen Auswirkungen, zu landschaftlichen

Wirkungen institutioneller Regime, zu ethischen Fragen sowie

zu weiteren aktuellen Themen werden gezielt unterstützt.

� Damit die auf Nachhaltigkeit basierende Landschaftsentwicklung

geprüft werden kann, wird das bestehende Set von Kriterien

und Indikatoren evaluiert und operationalsiert.

� Anstrengungen zur Wiederbelebung von Taxonomie und Systematik

an den Hochschulen zur Unterstützung der Feldforschung

werden unterstützt.

� Der Informations- und Erkenntnistransfer im Bereich Natur und

Landschaft aus der Forschung (insbesondere auch aus den Geistes-

und Sozialwissenschaften) in die Praxis wird gefördert.

Ziele des Programmelements

• Die für den Vollzug des NHG notwendigen wissenschaftschaftlichen

Grundlagen werden laufend ergänzt.

• Angewandte Forschung und Transfer zwischen

Forschung und Praxis werden zielgerichtet unterstützt.

Forschungsergebnisse ermöglichen zielgerichtetes Handeln


88 Bibliographie

89

Fachtagungen und Exkursionen fördern den Dialog

zwischen den unterschiedlichen Akteuren in Natur und Landschaft

5.8.3 Bildung

Ziel des Programmelements

Gezielte Aus- und Weiterbildung von Fachbehörden und

Fachspezialisten aus allen landschaftsrelevanten Bereichen

fördert das Verständnis für die Anliegen von Natur und

Landschaft.

Erläuterung

Zahlreiche Bestrebungen gehen dahin, die Anliegen und

Kenntnisse in Ökologie im weitesten Sinne bereits in die

Grundausbildung zu integrieren. Insbesondere das neue Berufsbildungsgesetz

bietet dazu eine wichtige Chance.

Es gibt aber noch immer einen hohen Bedarf aus der Berufswelt,

diese Kenntnisse – gemäss den Bedürfnissen der Praxis – im Rahmen der

permanenten Weiterbildung zu vertiefen. Das Natur- und Heimatschutzgesetz

ermöglicht es dem BUWAL, diese notwendige Aus- und Weiterbildung anzubieten

oder in seinem Auftrag durchführen zu lassen.

Vorgesehene Massnahmen und Handlungsansätze

� In Programmen, Projekten und Massnahmen des BUWAL

werden Informations-, Schulungs- und Umsetzungsaspekte

berücksichtigt; die Zusammenarbeit mit geeigneten

Multiplikatoren wird gefördert.

� Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ausbildungsinstituten

wird materiell und fallweise finanziell

unterstützt sowie weiter ausgebaut. Der Leistungsauftrag

der Sanu im Bereich Natur und Landschaft wird langfristig

weitergeführt.

6 Bibliographie

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aussehen. In: WSL (Hrsg.): Biosphärenpark Ballungsraum.

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90 Bibliographie

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STREMLOW, M.; ISELIN, G.; KIENAST, F.; KLÄY, P.; MAIBACH, M. 2003:

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STREMLOW, M.; KLÄY, P. 2001: Landschaft und nachhaltige Entwicklung

– ein Diskussionsbeitrag. Gaia 10/2, S. 85-88.


92 Anhang

93

7 Anhang

7.1 Verknüpfung LKS und «Landschaft 2020»

Nummer LKS

Massnahmen

aus Kap. 7

Im Rahmen der Vorarbeiten zum vorliegenden Leitbild wurde die Massnahme 7.8

«Grundlagen und Erkenntnisse über die nachhaltige Landschaftsentwicklung erarbeiten

und verbreiten» des Landschaftskonzeptes Schweiz (BUWAL ET AL. 1998) realisiert.

Darauf aufbauend entwickelt das Leitbild des BUWAL für Natur und Landschaft die

räumlichen Leitvorstellungen für die nächsten zwanzig Jahre und konkretisiert das

Programm für die Realisierung der nicht direkt umsetzbaren LKS-Massnahmen (siehe

folgende Tabelle).

Titel der Massnahme

Projekt

«Landschaft 2020»

1 Artenschutzkonzepte ja

2 Rote Listen ja

3 Potential für grossräumige Naturvorranggebiete prufen ja ja

4 Ökologischer Ausgleich: Vorranggebiete ermitteln ja

5 Lebensräume verbinden ja

6 Siedlungsräume naturnah gestalten ja

7 Das Gehen fördern ja

8 Grundlagen und Erkenntnisse über die nachhaltige Landschaftsentwicklung erarbeiten und verbreiten ja

9 Geotopschutz: Grundlagen schaffen ja

10 Umweltbeobachtung ja

11 Inventare als Konzept und Sachpläne des Bundes ja

12 Überprüfung der Schutzziele und -konzepte in den BLN-Gebieten ja

13 Überblick und Gewichtung der Inventare im Bereich Denkmalpfl ege, Ortsbildschutz und Archäologie ja

14 Unterstützen der Partnerstellen beim Vollzug von Bundesaufgaben ja

15 Grundlagen des Natur-, Landschafts- und Heimatschutzes für den Vollzug von Bundesaufgaben bereitstellen ja

16 Bei der Erfüllung von Bundesaufgaben (Bauvorhaben) die Anliegen des Natur-, Landschafts-

und Heimatschutzes frühzeitig einbeziehen ja

17 Abschätzen von Technologiefolgen ja

18 Bündelung linearer Infrastrukturelemente durch Koordination ja

19 Schutz der Lebensräume vor übermässigen Schadstoffeinträgen aus der Atmosphäre ja

20 Boden funktionsfähig erhalten ja

21 Die Ruhe in geeigneten Gebieten erhalten ja ja

22 Pufferzonen und naturnahe Gewässergestaltung ja

23 Finanzierungsmodell für sanierungsbedürftige Gewässerstrecken entwickeln ja

24 Anreize schaffen für einen nachhaltigen Umgang mit Natur, Landschaft und baulichem Erbe ja

25 Kulturhistorisch wertvolle Bauten: Alternative Instrumente weiterentwickeln ja

26 Förderung von Landschaftsentwicklungskonzepten ja ja

27 Globalsubventionen ja

28 Kontrolle bei Bundesaufgaben ja

29 Bundesaufgaben nach NHG: Qualitätssicherung ja

30 Internationale Aktivitäten ja

31 Wasser in der Landschaft wieder mehr Raum und Qualität geben ja ja

32 Landschaftsgestaltung und -aufwertung ja

33 Partnerschaften für die Öffentlichkeitsarbeit stärken und neue schaffen ja

34 Aus- und Weiterbildung ja

direkte

Umsetzung LKS

inhaltlich präzisieren

und anpassen

räumlich

konkretisieren

inhaltlich

harmonisieren

Die einzelnen Aktionsfelder beziehen sich schwergewichtig auf folgende Sachziele

des Landschaftskonzeptes Schweiz (BUWAL ET AL. 1998):

Kap. Aktionsfeld Sachziele LKS

5.1 Aktionsfeld 1: Landschaft und Landnutzung 5 A – E; 11 A, F

5.2 Aktionsfeld 2: Landschaft und Raumordnungspolitik 3 D – G; 7 E; 8 A, C

5.3 Aktionsfeld 3: Landschaft und Gewässer 7 C, E, Q, S; 12 A, B, E, I; 13 C

5.4 Aktionsfeld 4: Arten und Lebensräume 7 A – F, G, O, P, R; 8 F; 9 B; 11 A, E – G

5.5 Aktionsfeld 5: Der Mensch in der Landschaft: Wahrnehmung und Erlebnis 7 E, G, L, K, R, S; 8 F

5.6 Aktionsfeld 6: Partizipation 5 B; 7 M – S

5.7 Aktionsfeld 7: Wirtschaftliche Instrumente und Ressourcenverbrauch 7 N, P; 9 G

5.8 Aktionsfeld 8: Früherkennung und Forschung 7 F, G, O

7.2 Übersicht Kriterien und Indikatoren

Nachhaltigkeit und Landschaft

Bisher ist erst in Ansätzen behandelt worden, welche landschaftlichen Aspekte

im Rahmen der Nachhaltigkeitsdiskussion für die Bedürfnisse heutiger und zukünftiger

Generationen einzubeziehen sind (HABERL ET AL. 1999; MANSVELT/LUBBE

1999; STREMLOW/KLÄY 2001). Zur Konkretisierung und Darstellung einer auf

Nachhaltigkeit ausgerichteten Landschaftsentwicklung wurde für das Leitbild

des BUWAL für Natur und Landschaft ein Set von Kriterien und Indikatoren

mittels einer Literaturanalyse und Expertenworkshops erarbeitet.

Angestrebtes Ziel war ein überblickbares Set von Kriterien und Indikatoren, das

konkrete Aussagen über den Stand und die wünschbare Entwicklung der Landschaften

in der Schweiz ermöglicht. Das Indikatoren-Set beschränkt sich auf die

landschaftlichen Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung. Es ist deshalb kein

umfassendes Monitoringinstrument für Natur und Landschaft.

Das Set umfasst folgende 9 Kriterien und 37 Indikatoren (ausführlich siehe

STREMLOW ET AL. 2003):


94 Anhang

95

Kriterium Nr. Indikator

Bodenverbrauch durch Bautätigkeit 1. Versiegelungsgrad

2. Bodenverbrauch a) Siedlungsfläche

b) Verkehrsfläche

3. Verlust fruchtbarer Böden durch Bautätigkeit

4. Bautätigkeit ausserhalb der Bauzone

- Nichtzonenkonforme Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone

- Zonenkonforme Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone

Bodennutzung 5. Schadstoffbelastung der Böden

6. Ökologische Ausgleichsflächen nach Art. 76 LWG

7. Umweltqualität der landwirtschaftlichen Produktion

8. Waldnutzung a) Naturnähe des Waldes

b) Holznutzung im Verhältnis zum Zuwachs

9. Reproduktive Arbeit in Natur und Landschaft

Gewässer 10. Naturnähe der Fliessgewässer

11. Länge der Gewässerabschnitte mit genügend Gewässerraum

12. Wasserqualität

13. Zugänglichkeit der bebauten Ufer

Qualität der Lebensräume 14. Fläche der Schutzgebiete mit adäquaten Schutzbestimmungen

und tatsächlich eingehaltenen Schutzmassnahmen

15. Anteil Waldreservate an der gesamten Waldfläche

16. Anzahl und Qualität der Biotoptypen pro km 2 (Habitatvielfalt)

17. Bauten- und anlagefreie Flächen

18. Artenvielfalt

Landschaftsästhetik 19. Eigenart und Ablesbarkeit der natur- und kulturgeschichtlichen Identität einer Landschaft,

Vorhandensein von künstlerischen, wissenschaftlichen oder mythischen Qualitäten

20. Landschaftsbild .

21. Vielfalt als Ausdruck a) der Länge linearer Landschaftselemente pro km 2

b) der Anzahl unterschiedlicher natur- und kulturlandschaftlicher

Landschaftselemente pro km 2

c) der Anzahl identischer Landschaftselemente pro km 2

Identifikation und 22. Erholungsangebote in der Wohnumgebung .

Wohnqualität 23. Wohlbefinden in der Wohnumgebung

24. Erschliessung mit Fuss- und Wanderwegen

Partizipation 25. Partizipative Verfahren bei der Landschaftsentwicklung

26. «Privatisierung» der Landschaft

27. Nachhaltigkeitslabels für Produkte und Dienstleistungen

Ökonomische Prozesse 28. Wohnfläche pro Einwohner

und Ressourcenverbrauch 29. Anteil einheimischen Holzes am Gesamtverbrauch

30. Kiesverbrauch

31. Energieverbrauch

32. Verbrauch fossiler und erneuerbarer Energien pro Kopf

33. Mobilität

34. Belastung durch Treibhausgase

35. Nachhaltige Planungs- und Steuerungsinstrumente

Öffentliche Gelder 36. Anteil öffentlicher Gelder mit ökologischem Leistungsauftrag

37. Anteil öffentlicher Ausgaben für den Natur-, Landschafts- und Heimatschutz

7.3 Bildnachweis

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Daniel Aubort, Chernex: Seite 57 oben

Nadja Athanasiou, Documenta Natura Bern, Seite 42

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Peter Bolliger, HSR Hochschule

für Technik Rapperswil: Seite 73

Gabriela Brändle, FAL Eidgenössische

Forschungsanstalt für Agrarökologie

und Landbau, Zürich-Reckenholz: Seiten 32, 33, 61

Christoph Bürki, Biel: Seite 64

DESAIR-Foto, Heinz Leuenberger, Wermatswil Seite 46

Lucia Degonda, Zürich: Seite 68

Simon Dietiker, RFPAG, Grenchen: Seite 45

Documenta Natura, Bern: Seiten 13, 22, 53 unten, 71

Siegfried Eigstler, Thun: Seiten 8 oben, 12

Roland Findeisen, Konstanz: Seite 74

Ashvin Gatha, Blonay: Seiten 7, 11, 15, 27, 48, 66, 81

Hanspeter Hauser, Bern: Seite 24

Lorenz Heer, Bern: Seite 54

Christian Herrmann, Frauenfeld: Seite 62

Pia Kläy, BUWAL: Seiten 49, 69

Meinrad Küttel, BUWAL: Seiten 56, 57 unten, 58, 59

Henri Leuzinger, Rheinfelden: Seite 9

Luftbild Schweiz, Dübendorf: Seiten Umschlag, 28/29, 84

Benoît Magnin, BUWAL: Seite 78

Kurt Marti, Murten: Seite 10

Guido Masé, Oekoskop, Basel: Seite 55

Metron, Brugg: Seite 8 unten

Urs Möckli, Fotoagentur AURA, Luzern: Seite 21 oben

Alex Oberholzer, Solothurn: Seiten 60, 70

Christian Schlüchter, Universität Bern: Seite 86

Daniel Siegen, Zumofen & Glenz AG, Steg: Seite 77

Sigmaplan, Bern: Seite 43

SRVA Service romand de

vulgarisation agricole, Lausanne: Seite 85

Andreas Stalder, BUWAL: Seiten 36, 50, 53 oben, 65, 80

Jacques Studer, Freiburg: Seiten 18, 72

Gilbert Thélin, BUWAL: Seite 21 unten

Markus Thommen, BUWAL: Seite 52

Bruno Stephan Walder, BUWAL:

Seiten 16, 17, 19, 20, 25, 26, 35, 39, 40, 47, 79

Simone Werder, SANU Biel: Seite 88 oben

Walter Zeh, Worb: Seite 88 unten


96

7.4 Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Typische Landschaftsentwicklung im Schweizer Mittelland zwischen 1950 und 2000 14

Abb. 2: Entwicklung der Siedlungsfläche 15

Abb. 3: Entwicklung ausgewählter Kleinstrukturen 17

Abb. 4: Entwicklung der Waldrandlängen 18

Abb. 5: Entwicklung der Fliessgewässerlängen 19

Abb. 6: Entwicklung der Fahrleistungen des privaten Strassenverkehrs 20

Abb. 7: Entwicklung der Ankünfte pro Jahr im Schweizer Tourismus 21

Abb. 8: Entwicklung der Waldfläche 34

Abb. 9: Totholz im Schweizer Wald 37

Abb. 10: Nationale Prioritäten für den ökologischen Ausgleich 41

Abb. 11: Gewässer sind Lebensadern unserer Landschaften 49

Abb. 12: Gewässerraum gemäss Faltblatt «Raum den Fliessgewässern» 51

Abb. 13: REN-Karte 61

Abb. 14: Wildtierkorridore und Vernetzungsachsen von überregionaler Bedeutung 62

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