Drachme30_WEB

drachme

Interkulturelles Magazin / Deutsch-Griechisch / Zweisprachig

16

---------

Bildung

Die Griechische Schule

in Berg am Laim:

Auf den Trümmern eines Traumes

von Johanna Panagiotou Mamali und Olga Lantukhova

Αmoklauf in München, Attacke in Würzburg, Angriff in Reutlingen,

Anschlag in Ansbach. Unser schönes Bayern musste

im vergangenen Juli so einiges durchmachen… Die Wochen des

Grauens scheinen endlich vorbei zu sein. Die Bürger kehrten allmählich

zum Alltag zurück; langsam kehrte auch das Lächeln

zurück.

Als Münchner Griechen hatten wir aber doppelten Grund, traurig

zu sein. Nicht nur, weil wir einen Landsmann am Abend

des 22sten Juli verloren haben. Genauer beziehe ich mich auf

eine Nachricht, die in den deutschen Zeitungen keine „Schlagzeile“

war, aber trotzdem für Unruhe gesorgt hat.

Ich zitiere vom Münchner Merkur (27.6.16): „Keine Gnade mehr

für griechische Schule in Berg am Laim. Weil Griechenland

wiederholt Fristen nicht eingehalten hat, will die Stadt München

einen Notar mit der Rückabwicklung des Grundstückshandels

beauftragen“.

Während bayerische Schulen kurz vor den Sommerferien standen und die

Schüler sich auf eine lang ersehnte Erholung freuten, fiel in München eine Entscheidung,

der zufolge eine griechische Schule in der Landeshauptstadt ihre

Türe nie öffnen soll. Das Grundstück an der Hachinger-Bach-Straße 19, seit

15 Jahren Eigentum des griechischen Staates, sollte nun samt dem zu 70% fertigen

Rohgebäude an die Stadt zurückfallen. Damit muss die Geschichte einer

Vision, die seit einem Vierteljahrhundert in der für ihre Griechenlandliebe bekannten

Stadt besteht, ein Ende nehmen.

Die Stadt hat es nun getan. Genau so, wie es

hier zum Ausdruck gebracht wird: „ohne Gnade“.

Selbstverständlich hat die fatale Politik

des griechischen Staates versagt, aber den

Kindern einer Generation, die wesentlich zum

Aufbau der bayerischen Wirtschaft beigetragen

haben, gnadenlos das Recht auf eine eigene

Schule zu berauben, stellt sicherlich keinen

Meilenstein für die mehrmals erwähnte jahrelange

bayerisch-griechische Freundschaft dar.

Und wir, die Mehrheit der 30.000 hier lebenden Griechen haben

es einfach so akzeptiert und den Ereignissen zugeschaut.

Natürlich gibt es Ausnahmen: eine kleine Gruppe engagierter

Menschen, die die Welt verändert kann (Zitat: Magraret Mead).

Diese wird weiter kämpfen und versuchen nachzuvollziehen, um

anschließend den Bürgern zu erklären, wie es dazu gekommen

ist. Die Liste der unbeantworteten Fragen wird immer länger…

Das Ersehnte

Alles fing 1991 an. Die Griechische Gemeinde Münchens hat

in ihrer Initiative vom Schulbau eine Traumvision festgehalten:

niveauvolle Bildung für ihre Kinder, die den Weg ins deutsche

Hochschulsystem ebnet und gleichzeitig eigene Sprache

und Kultur bewahren lässt. Die erste griechische Volksschule

in München mit Schülerzahl von ca. 750 Kindern sollte einen

zweisprachigen, vom deutschen sowie vom griechischen Erziehungsministerium

bearbeiteten Stundenplan anwenden.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine