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Interkulturelles Magazin / Deutsch-Griechisch / Zweisprachig

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Damit wäre auch die erste staatliche griechische Schule in

München Wirklichkeit. 1992 befürwortete das Bildungsministerium

Griechenlands den Antrag und erteilte eine Erlaubnis

zum Kauf eines Grundstücks in München. Nach einer Aufstellung

des Raumprogramms und der Bauplanung genehmigte

1994 der nächste Bildungsminister des Landes die Finanzierung

der 20% des Bauprojekts, mit der Bedingung von Übernahme

der übrigen 80% durch den deutschen Staat. Die Zusage dafür

erfolgte zwei Monate später. Im selben Jahr sagte das Bildungsministerium

Bayerns sein „Ja“ zum geplanten Bau der griechischen

Gesamtschule in München.

Die Bestrebung der Münchner Griechen wird 1995 mit Gründung

der Stiftung Palladion gekrönt, die auf Initiative der

Griechischen Gemeinde mit Unterstützung des Griechischen

Generalkonsulats ins Leben gerufen wurde. Die zwei Schwerpunkte

der ersten von griechischstämmigen Migranten in

Deutschland gegründeten Stiftung: Förderung der Kultur, Kunst

und Sprache Griechenlands im deutschsprachigen Raum und

Errichtung der eigenen Schule.

Das Warten an der Baustelle

Der Kauf des Grundstücks von 15.219 Quadratmeter im Stadtteil

Berg am Laim erfolgte erst 2001. Der Erwerb durch

den griechischen Staat war für eine günstige Summe von

2.454.201,04 € gelungen. Die Bedingungen der Kaufabwicklung

räumten der Stadt München aber das Recht ein, im

Fall der Verzögerung den Kauf rückgängig zu machen.

Der geplante Bau sollte laut dem Kaufvertrag innerhalb von vier

Jahren nach der Erteilung der Baugenehmigung anfangen.

Der Bauplan erwies sich aber als ein Stolperstein, der im weiteren

Verlauf der Geschichte eine nicht zu übersehende Rolle

spielte. Diese lag - nach einer langen Auseinandersetzung

mit Bezirksausschuss und Anwohnern – erst im August 2008

vor. Zu dieser Zeit waren die „goldenen Jahre“ der griechischen

Wirtschaft längst verstrichen, das Land befand sich unter dem

Druck der Weltwirtschaftskrise, die sich in einer finanziellen

Katastrophe mündete. Im Zuge der Sparmaßnahmen erfolgte

seit 2010 auch eine erhebliche Kürzung der Finanzierungen im

Bereich der kulturellen Förderung der Griechen im Ausland, die

unter anderem Medien und Bildungssystem des Auslands-Griechentums

schwer getroffen hat.

Da die Bauarbeiten nicht gestartet haben, stellte der Stadtrat

im November 2011 die Frage nach der Rückgabe des Grundstücks:

es sollte dem Bau einer weiteren Grundschule dienen,

die angesichts der zukünftigen dichteren Bebauungen um Ostbahnhof

gebraucht wäre. 2012 reichte die Stadt Klage gegen

Griechenland ein.

Der Spatenstich und eine

Wette mit der Zeit

Das war der Anfang eines jahrelangen Wettkampfs: Ein Bauarbeiten-Marathon

um die Wette mit der Zeit und juristisches

sowie diplomatisches Ringen um die Verwirklichung der Vision

des Münchner Griechentums.

Im April 2013 gelingt es dem juristischen Vertreter des Bildungsministeriums

Griechenlands Giorgos Vlachopoulos

nach langen Verhandlungen, mit dem Kommunalreferat eine

Abänderung des Kaufvertrags zu vereinbaren. Zu der gleichen

Zeit stellt G. Vlachopoulos dem Oberbürgermeister Christian

Ude in einem persönlichen Gespräch den Stand der Dinge dar

und schließt seine Rede mit der überzeugten Bemerkung: „Die

Münchner Griechen sehnen sich nach mehr Platz im Himmel der

Bayern, als ihnen zugewiesen wird“. Lächelnd entgegnet der

bekannte Griechenlandfreund Ude: „Ach, ihr Griechen… immer

etwas zu spät… Doch am Ende schafft ihr alles, nicht wahr?“ –

„Na ja, manchmal wollen wir vielleicht Ihre Griechenlandliebe

auf die Probe stellen“, antwortet der Rechtsanwalt.

Einen Monat später reist G. Vlachopoulos nach Athen, um im

Laufe einer Tagung den Ministerpräsidenten Antonis Samaras

sowie den Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung Hans Zehetmair

über das Ringen um die griechische Schule in München

in Kenntnis zu setzen. Am 14. Juli 2013, im Rahmen vom Griechisch-Bayerischen

Kulturtag, feiern die Griechen Münchens

die offizielle Ankündigung des Bildungsministeriums über die

allseitige Unterstützung des schnellstmöglichen Anfangs der

Bauarbeiten. Die geplante finanzielle Hilfe beträgt 26,2 Mio

€. Im selben Jahr gelingt es, die Konditionen des anfänglichen

Kaufvertrags von 2001 zu ändern. Die Baugesellschaft ARCHI-

KON übernimmt das Projekt. Von 2014 bis Januar 2015 werden

an der Hachinger-Bach-Straße mit Baugrube und Grundsteinlegung

Fakten geschafft, die eindeutig aussagen: Die Schule soll

entstehen.

Die gewagten Handlungen lohnen sich: Im August 2015 werden

in einer notariellen Vereinbarung zwischen Landeshauptstadt

München und Republik Griechenland die Konditionen

und Fristen der möglichen Rückabwicklung neu festgelegt.

„Es ist unzweifelhaft, dass die Griechen in München die Schule

wirklich möchten“, glaubt Kommunalreferent Axel Markwardt.

Die griechische Seite zweifelt jedoch von Anfang an, ob die engen

Fristen, auf denen der Stadtrat besteht, wirklich einzuhalten

sind. Bis zum Dezember 2015 ist der Rohbau fertigzustellen;

nachdem der Innenausbau bis zum Ende 2016 erfolgt, muss die

Schule am 30. Juni 2017 bezugsfertig sein.

Soll der Fortschritt des Baus um mehr als 6 Monate verzögern

und wird das von einem Sachverständigen bestätigt,

fällt das Grundstück an die Stadt München zurück. Es stellt sich

die Frage, ob die Angelegenheit der Rückentwicklung von der

deutschen Seite nicht längst zu ihren Gunsten entschieden

wäre; vielleicht dienten die neuen Vereinbarungen allein der

Druckausübung und der Steuerung des Sachverlaufs in die von

ihr gewünschte Richtung? Denn alle weiteren Entwicklungen

bestätigen gerade diesen Verdacht.

Die erste Frist wird wegen bürokratischer Verzögerungen sowie

finanzieller Schwierigkeiten nicht eingehalten; es muss

von der vereinbarten Kulanzzeit Gebrauch gemacht werden.

Innerhalb dieses Halbjahres, im März 2016, erhält der Bau eine

lang erwartete Unterstützung: Die Erteilung einer Beihilfe in

Höhe von 5 Mio. € wird vom Bildungsministerium sowie vom

Entwicklungsministerium zugesprochen.

Dies geschieht binnen weniger Tagen nach dem Besuch des

griechischen Staatssekretärs für Bildung Theodossis Pelegri-

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