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Interkulturelles Magazin / Deutsch-Griechisch / Zweisprachig

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Hygeia

„Die Todesrate sinkt immer mehr.

Wichtig ist nun der würdige Umgang mit dem Sterbenden“

(Teil 1)

Nach einer leidenschaftlichen Beschäftigung mit der Politik ist

mir klar geworden, dass nur jenes System, in dem der Mensch

der absolute Bezugspunkt ist, dem Wohl der Gesellschaft

dienen kann. Und es gibt Bereiche dieser, die bedingungslos

humanistisch geprägt werden sollten. Das Gesundheits- und

Religionswesen gehören zweifellos dazu. Diese Einstellung

wurde durch meinen Besuch im Malteser Krankenhaus

St. Franziskus-Hospital in Flensburg, Schleswig-Holstein

bestätigt und bestärkt.

Dort führte ich nämlich ein tiefgehendes Gespräch mit dem

Führungspersonal der Klinik für Strahlentherapie, der Chefärztin

Dr. med. Carmen Timke und dem leitenden Oberarzt

Dr. med. Athanasios Bagatzounis. Mit dem deutsch-griechischen

Zweier-Team gingen wir in einer richtig spannenden

Diskussion Fragen durch, die mich schon immer beschäftigt

haben. Es folgt die Quintessenz dieser.

Unter anderem erfahren Sie: Wie „teuflisch“ ist Krebs? Ist Euthanasie

ein würdiges Sterben? Wie human ist die Humanmedizin?

Gibt es heutzutage medizinische Ethik? Wer steht letztendlich

im Mittelpunkt – der Mensch oder das Profit?

Welche sind die Wirkungsprinzipien und Anwendungsbereiche

der Strahlentherapie?

Interview & Text: Johanna Panagiotou Mamali

Transkription & Text: Olga Lantukhova

Fast alle der 300 Formen von Krebs können mit

dieser Methode behandelt werden, außer nur

ein Paar davon; das heißt, ungefähr 80% aller

Krebspatienten sollten irgendwann im Verlauf ihrer

Erkrankung eine Strahlentherapie bekommen.

Unter den behandelten Erkrankungen (5% der

Patienten) sind auch die degenerative Gelenkerkrankung

Arthrose und die Fibromatose (eine gutartige

Bindegewebewucherung). Weltweit ist die

Strahlentherapie sehr maschinenbezogen, und so

ist es eine wichtige Aufgabe, den Patienten als

Menschen nicht zu vernachlässigen. Um die hohe

Technologie zum Wohle des Menschen einzusetzen,

muss man erst den Menschen erkennen.

Wonach unterscheidet man Krebsarten?

Nach dem betroffenen Körperteil und dem Verhalten

der Krebszellen. Sie können mit unterschiedlicher

Geschwindigkeit metastasieren, d.h.

sich in den Organen ausbreiten. Für uns bedeutet

das, dass wir die Patienten immer individueller

sehen müssen. Dies ermöglicht uns die heutige

Medizin. Nunmehr ist jede Behandlung – mit genaueren

Untersuchungen und individuell erstellten

Therapieprogrammen – äußerst anspruchsvoll.

Kann die Krebstherapie schmerzhafte Nebenwirkungen aufweisen?

Natürlich. Obwohl die Bestrahlung an sich keinen Schmerz verursacht… Ein

Beispiel: Eine Strahlentherapie im Halsbereich kann zur Halsentzündung führen,

die man anschließend mit Medikamenten behandelt. Aber im Vergleich zu

der Effizienz der Strahlentherapie sind diese Nebeneffekte unbedeutend. Bei

einer richtigen Behandlung kann sogar das Leben eines Krebspatienten, der

nicht vollkommen zu heilen ist, um Jahre verlängert werden.

Des Weiteren besuchen uns 10% der Patienten zwecks einer schmerzlindernden

Strahlenbehandlung. Das ist etwa beim Knochenkrebs der Fall, der besonders

schmerzhaft sein kann. Durch die Bestrahlung werden die Metastasen

gehemmt und der Knochen kann sich wieder normal aufbauen. Bedenken Sie,

wie wichtig dies bei jungen Menschen ist.

Werden schwerwiegende Diagnosen der betroffenen Person direkt übermittelt,

oder eher ihren Angehörigen?

Nach deutscher Gesetzgebung müssen sie unmittelbar dem Patienten mitgeteilt

werden. Dies ist eine Verpflichtung des Arztes. Obwohl es Patienten gibt, die

es erst gar nicht wissen wollen... Jeder geht nun anders damit um. Es gibt auch

Situationen, in denen man weiß, dass der Patient damit nicht zurechtkommen

würde. Und trotzdem muss es gesagt werden – ohne die Situation zu verschönern.

Wir würden einem Patienten, bei dem keine Verbesserung zu erwarten

ist, keine Heilung versprechen. Als christliches Krankenhaus können wir aber

– mit der Aussage, dass die Hoffnung immer besteht – ein wenig Trost bieten.

| Dr. med. Carmen Timke | Für die Bestrahlungsplanung kommt die modernste Technologie zum Einsatz

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