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Interkulturelles Magazin / Deutsch-Griechisch / Zweisprachig

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Was ist es für ein Gefühl, dem Patienten eine schlechte Nachricht überbringen

zu müssen?

Für dieses Fach muss man auch der richtige Mensch sein. Denn im Umgang

mit dem Tod und mit der Tatsache, dass man als Arzt nicht allmächtig ist und

nicht Alle heilen kann, ziehen sich viele Mediziner zurück – obwohl Patient und

Angehörige besonders viel Zuwendung brauchen. Man muss aber damit leben

können, dass Menschen sterben dürfen. Es gab immer eine Herausforderung

in der Onkologie, die die Wissenschaft angenommen und große Fortschritte

gemach hat: Die Todesrate sinkt immer mehr. Wichtig ist nun der würdige

Umgang mit dem Sterbenden. Und hier kommt die Palliativmedizin ins Spiel.

Was machen Sie, wenn jemand auf die Euthanasie als einen würdigen

Weg, das Leben zu verlassen, beharrt?

| Die Fortsetzung des Interviews erfolgte am

Flensburger Hafen mit Herrn Dr. med. Athanasios

Bagatzounis

Wie stark ist die Verbindung Ihres Hauses zu

den christlichen Werten?

Natürlich spielen sie bei uns eine wichtige Rolle.

Wir haben evangelische und katholische Pastoren

im Haus, die unseren Patienten Unterstützung

bieten können. Diese Möglichkeit nehmen Viele

in Anspruch. Das Wichtigste von den christlichen

Werten, was uns auszeichnet, ist der Grundgedanke

und die Idee, dem Menschen zu helfen.

Wir sind kein auf Profit ausgerichtetes Unternehmen.

Das verleiht der Ausübung des ärztlichen

Berufs ein ganz anderes Gefühl, als wenn man

in einem Profit-Krankenhaus tätig ist. Auch unser

Partner-Krankenhaus, der DIAKO (Diakonissenkrankenhaus)

Flensburg, arbeitet nach gleichen

Prinzipien. Falls ein Überschuss erarbeitet wird,

fließen diese Kosten in akademische Ziele und

Finanzierung weiterer Projekte.

Es ist kein Geheimnis, dass die profitorientierten

Krankenhäuser hohe finanzielle Gewinne erzielen

können; diese lassen aber viele Patienten, die

komplizierte und personalisierte Therapien brauchen,

außer Acht.

Wie gehen Sie mit dem Thema „Euthanasie“

um?

Als ein christliches Krankenhaus distanzieren wir

uns ausdrücklich von der Sterbehilfe. Wir würden

niemandem eine Spritze verabreichen,

die ihn schnell umbringt. Das ist allerdings in

Deutschland auch nicht erlaubt (siehe unter anderem:

Vergangenheit). Was erlaubt ist, ist Hilfe

beim Sterben, wie etwa medikamentöse Hilfe gegen

Schmerzen und Angst im Fall einer tödlichen

Krankheit.

Sie haben damit ein großes Thema angesprochen, zu dem es umfangreiche

akademische Studien gibt. Aus der Erfahrung kann man eins sagen: Wenn

zur Sterbehilfe entschlossene Patienten Palliativmedizin in Anspruch nehmen,

bestehen nach einer Woche nur 5% auf ihrer anfänglichen Entscheidung. Denn

die Todesspritze ist quasi der einfache und schnelle Ausweg, aber keine gute

Lösung.

Wenn es genug Zentren für Palliativmedizin geben würde, könnten auch mehr

Menschen die Bedingungen zum würdigen Sterben erhalten. In Griechenland

ist die Palliativmedizin so gut wie nicht bekannt, außer Athen und Thessaloniki;

in der Provinz kennt man sich damit gar nicht aus. Dabei gibt es viele Menschen,

die solche Hilfe in Anspruch nehmen könnten; denn Krebserkrankungen

sind vieldimensional und müssen auch entsprechend behandelt werden.

Wollen die Betroffenen mit ihrem Leid alleine klarkommen oder möchten sie

eher die Verwandten an ihrer Seite haben?

Das ist je nach Situation unterschiedlich. Dass man ganz allein sein möchte,

kommt eher selten vor und ist eher darauf zurückzuführen, dass der Patient seine

Angehörigen von dem Moment seines Sterbens schützen will. Oft kommt es

vor, dass der sterbende Patient beim Annähern des Todes die Familienmitglieder

unter einem Vorwand wegschickt, damit sie im Moment des Sterbens nicht

anwesend sind. Ja, es ist so! Die Menschen spüren den kommenden Moment

des Todes bzw. haben das Gefühl, sich zu einem Zeitpunkt, an dem alles

schon geklärt und geregelt ist, das Sterben zu erlauben. Das Letztere ist bei

so einer langen Erkrankung wie Krebs sehr stark ausgeprägt.

Aber die gute Nachricht ist, dass sehr viele Patienten - und zwar über 50% -

geheilt werden können. Das ist eine Tatsache, die oft übersehen wird, da viele

Tumorerkrankungen fälschlicherweise sofort mit dem Tod assoziiert werden.

Die Fortsetzung des Artikels

erfolgt in der nächsten Ausgabe

(Januar 2017). Als Interviewpartner

konnten wir auch

Frau Prof. Dr. Nadezda Basara,

renommierte Hämatologin/internistische

Onkologin,

Chefärztin der Medizinischen

Klinik I, gewinnen.