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WIRTSCHAFT+MARKT 6/2016

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27. Jahrgang | Heft 6 | November/Dezember 2016 | 5 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

MARKT

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

ZUKUNFT OST

WELCHE PERSPEKTIVEN UNSERE ELITE

FÜR DIE NEUEN LÄNDER ENTWICKELT

BEILAGE

Thüringen

LÄNDERREPORT

Küstenautobahn

taktet den Norden

RATGEBER

Die Insolvenz

professionell planen

So gelingt die

Online-Präsentation

INTERVIEW

Warum Thüringens linker

Ministerpräsident Bodo

Ramelow Fürst Albert II.

und Papst Franziskus trifft


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Ein „Weiter so“

kann es nicht geben

EDITORIAL | 3

Mit dem Herzen dabei.

Foto: Privat

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

KH@WundM.info

Die „Wahlsaison 2016“ mit Landtagswahlen

in fünf deutschen

Bundesländern ging mit dem Urnengang

für das Berliner Abgeordnetenhaus

am 18. September zu Ende. Jetzt

gibt es eine kurze Atempause bis zum

Frühjahr. Dann startet das Superwahljahr

2017. Im Saarland sowie in Schleswig-Holstein

und Nordrhein-Westfalen

stehen Wahlen zu den Landesparlamenten

an, ehe die Bevölkerung im Herbst

über die Zusammensetzung des nächsten

Bundestages entscheidet.

Die Atempause zwischen den Wahlterminen

sollten vor allem die etablierten

Parteien, die sich nach wie vor gern

Volksparteien nennen, nutzen, um ihre

Kommunikation mit den Bürgern gründlich

auf den Prüfstand zu stellen. Denn

ein „Weiter so“ kann es sicher nicht geben.

Nicht nach den zum Teil erdrutschartigen

Verlusten, die CDU, SPD und

Grüne hinnehmen mussten. Und nicht

nach dem offenkundigen Protest unzähliger

Wähler, die aus Frust über das etablierte

Parteiensystem mit ihren Stimmen

die Alternative für Deutschland

(AfD) in diesem Jahr stark gemacht haben.

Bei allen fünf Wahlen erzielte die

Partei zweistellige Ergebnisse.

Auf den ersten Blick mutet die massive

Wählerschelte paradox an. Schließlich

hat sich speziell in den zurückliegenden

fünf Jahren in Deutschland vieles

zum Besseren gewendet: Die Zahl der

Menschen, die Arbeit haben, ist deutlich

gestiegen, auch Löhne und Renten

legten spürbar zu. Es gibt wieder ausreichend

Ausbildungsplätze und vielerorts

wurde in die Infrastruktur investiert. Alles

in allem brummt der deutsche Wirtschaftsmotor.

Doch von den Bürgern werden diese Erfolge

kaum wahrgenommen. Der Politik

gelingt es offenkundig nicht, mit positiven

Nachrichten bei den Menschen

durchzudringen. Warum? Weil viele

Menschen nach wie vor unter dem Eindruck

der Flüchtlingskrise stehen, die

Deutschland 2014 ereilte und die bis

heute nicht ansatzweise bewältigt ist. Sicher,

inzwischen sind alle Flüchtlinge untergebracht

und werden versorgt. Aber

die Entscheidungen darüber, wer Anrecht

auf Asyl hat und wer nicht bleiben

darf, dauern zu lange. Von tatsächlicher

Integration kann bisher nicht gesprochen

werden. Damit einhergehend wachsen

die Bedenken und Sorgen beim „Normalbürger“.

Er fürchtet Überfremdung

und Vernachlässigung der Schwachen

durch den Staat. Egal, ob diese Ängste

begründet sind oder auch nicht: Die Politik

hat es bis heute nicht geschafft, ein

überzeugendes Konzept für die Lösung

der Flüchtlingsproblematik vorzulegen.

Man darf gespannt sein, ob der nach den

Wahlschlappen eingeleitete Kurswechsel

von Bundeskanzlerin Angela Merkel

dazu führt, die von den „großen“ Parteien

ausgelöste Vertrauenskrise gegenüber

dem Wahlvolk zu beenden. In jedem

Fall sollten Union und SPD die Zeit

bis zu den nächsten Wahlen nutzen, um

wenigstens zwei Lehren der jüngsten

Urnengänge zu verinnerlichen: Das permanente

Schlechtreden von demokratischen

Wettbewerbern oder Partnern

verstärkt die Politikverdrossenheit. Und:

Bürgernahe Basisarbeit muss dauerhaft

erfolgen und nicht erst sechs Wochen

vor der Wahl.

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4 | W+M INHALT

W+M TITELTHEMA

Zukunft Ost – Welche Ideen und

Perspektiven unsere Elite für die

neuen Bundesländer entwickelt.......30

W+M AKTUELL

Köpfe......................................................................... 6

Nachrichten............................................................... 8

W+M LÄNDERREPORTS

Ostdeutschland: Lehrlingsmisere

ist auch hausgemacht..............................................12

Mecklenburg-Vorpommern:

Die Wikinger kommen.............................................14

Ostdeutschland: Pflege in Not ................................16

Mecklenburg-Vorpommern:

Küstenautobahn taktet den Norden.........................18

Titelthema

Ostdeutschlands Elite plant die Zukunft

30

W+M SCHWERPUNKT THÜRINGEN

Report: „Der Aufbau Ost ist gelungen“................. 20

Cluster: Stark vernetzt in Deutschlands Mitte........ 21

Im Interview: Thüringens Ministerpräsident

Bodo Ramelow ....................................................... 24

Die Botschafterin: Kati Wilhelm.............................. 28

W+M TITELTHEMA ZUKUNFT OST

Report: Welche Ideen und Perspektiven unsere

Elite für die neuen Bundesländer entwickelt.......... 30

Iris Gleicke: Auch Bewährtes

bedarf der Erneuerung ........................................... 33

Christoph Meinel: Breitbandausbau

nicht verschleppen ................................................ 34

Johanna Wanka: Wie wir den Mittelstand an

Forschung und Entwicklung teilhaben lassen ........ 35

Heinrich von Nathusius:

Wie wird das Fahrrad sicher? ................................. 36

Reiner Haseloff: Forschungsexzellenz

als Wirtschaftsfaktor ...............................................37

24

Im Interview

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe: 6/2016

Redaktionsschluss: 05.10.2016

Verlag: W+M Wirtschaft und Markt GmbH

Zimmerstraße 56, 10117 Berlin

Tel.: 030 479071-27

Fax: 030 479071-22

www.WundM.info

Herausgeber/Geschäftsführer:

Frank Nehring, Tel.: 030 479071-11

FN@WundM.info

Chefredakteur: Karsten Hintzmann

Tel.: 030 479071-21, KH@WundM.info

Redaktion: Janine Pirk-Schenker, Tel.: 030 479071-21,

JP@WundM.info, Moritz John, Tel.: 030 479071-24,

MJ@WundM.info

Autoren: Hans-Ulrich Conrad, Harald Lachmann,

Rudolf Miethig, Matthias Salm, Thomas Schwandt

Abo- und Anzeigenverwaltung: Kornelia Brocke,

Tel.: 030 479071-27, KB@WundM.info

Marketing/Vertrieb: Kerstin Will, Tel.: 030 479071-24

KW@WundM.info

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und

Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint

zweimonatlich. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft

der Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin sowie die Mitglieder des Vereins

Branden-burgischer Ingenieure und Wirtschaftler

(VBIW) erhalten diese Zeitschrift im Rahmen ihrer

Mitgliedschaft. Einzelpreis: 5 €, Jahresabonnement

(inkl. aller Ausgaben von W+M Regional,

W+M Exklusiv, W+M Berlin.Friedrichstraße und dem

Online-Magazin W+M Kompakt) 60 € inkl. MwSt. und

Versand (im Inland).

Layout & Design: Möller Medienagentur GmbH,

www.moeller-mediengruppe.de

Druck: Möller Druck und Verlag GmbH,

ISSN 0863-5323

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur

mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen

nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und

Fotos übernehmen wir keine Haftung.

Fotos: A-ROSA-Resort (oben), W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


W+M INHALT | 5

28

Botschafterin aus Thüringen

Biathlon-Champion Kati Wilhelm

Manfred Schmitz:

Worauf Energiemanagement setzt......................... 38

Erwin Sellering: Auf dem Weg

ins nächste Jahrzehnt............................................. 39

Ralph Beckmann:

Nachfolgeregelungen brauchen Bankiers .............. 40

Michael Müller: Start-up-Hauptstadt ......................41

Jörg K. Ritter: Familienunternehmen

am Scheidepunkt ....................................................42

Martin Dulig: Warum

Unternehmergeist Berge versetzt ......................... 43

Nora Heer: Wieso der War for Talents unser

Denken verändern muss......................................... 44

Dietmar Woidke: Energie-Mix mit Zukunft............. 45

Veronika Hammond: Neue Verkäufer

für neue Erlebniswelten.......................................... 46

Holger Werner: Damit der Mittelstand

auf Wachstumskurs bleibt ..................................... 47

Alexander Winter:

Wie eine gelungene Nachfolge motiviert............... 48

Joachim Ragnitz: Wir brauchen eine

wachstumspolitische Agenda................................. 49

Fotos: Ingo Peters (oben), alphaspirit/fotolia.com (Mitte), Thomas Schwandt (unten)

57

Ratgeber

Insolvenz professionell planen

18

Länderreport Mecklenburg-Vorpommern

Die A20 taktet den Norden

W+M POLITIK

Pro und Contra: Sollten alle Parteispenden

offengelegt werden?............................................... 50

W+M RATGEBER

Lifestyle: Hochwertige Präsente für Weihnachten... 51

Management: So übergeben Sie

Ihr Unternehmen erfolgreich ...................................52

Finanzen: Förderprogramm für

energieeffizientes Bauen und Sanieren.................. 54

Steuern: Wenn der Chef die Kiste Bier bezahlt...... 56

Management: Insolvenz professionell planen........ 57

Büro: Gelungene Online-Präsentationen ............... 58

Literatur: Die ostdeutsche Bestsellerliste

für Wirtschaftsliteratur............................................ 59

W+M NETZWERK

Leipzig: 5. Ostdeutsches Energieforum ................. 60

VBIW: Aktuelles aus dem Verein ........................... 62

Neues aus den Unternehmerverbänden................. 64

W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick und Personenregister............................... 66

W+M WEITERE BEITRÄGE

Editorial...................................................................... 3

Impressum................................................................ 4

Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt die Regionalausgabe

W+M Thüringen bei. Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


6 | W+M AKTUELLES


Marion Schöbel (52)

Thüringer Windmühlenbesitzerin

Der Denkmalexpertin traut mancher

nicht auf Anhieb die Beharrlichkeit zu,

mit der sie seit Jahren den Denkmalhof

Gernewitz bei Stadtroda führt und trotz

finanzieller Engpässe sowie schwieriger

kommunaler Unterstützung immer

weiter voranbringt. Die Thüringerin, die

nach der Wende mit ihrem Mann eine

alte Windmühle restauriert und so zu

ihrer privaten Heimstatt ausgebaut hat,

will mit ihrer Arbeit das Bewusstsein für

historische Bauwerke und deren Erhaltung

wecken und fördern. Hierzu organisiert

sie beispielsweise Kinder- und Jugendprojekte,

Schnuppertage, Fortbildungsseminare

für Erwachsene, Handwerkssommer

samt Hoffesten sowie

kompetente kostenlose Erstberatungen

für Denkmalbesitzer und angehende

Bauherren. Daneben baute sie mit

ihrem Team ein Bauteil-Archiv auf, um

historische Baumaterialien und Architekturdetails

zu sammeln, deren Existenz

ansonsten gefährdet und deren Erhalt

nicht gesichert wäre.

Volker Bremer (53)

Leipzigs Hotelbetten-Füller

Dass Leipzig seit Jahren einen Gästerekord

nach dem anderen einfährt, als Besuchsdestination

vor allem für Ausländer

immer populärer wird und so ständig

auch Nachfrage nach neuen Hotels

hat, ist ganz maßgeblich der Verdienst

des gebürtigen Niedersachsen. Seit

2006 – und damit seit deren Gründung –

führt der studierte Marketingmanager

und vormalige selbstständige Unternehmensberater

die Geschäfte der Leipziger

Tourismus und Marketing GmbH.

So stieg allein im ersten Halbjahr die

Zahl der registrierten Übernachtungen

um weitere 5,1 Prozent gegenüber dem

Vorjahreszeitraum – während Dresden

und Chemnitz Besucher einbüßten. Nun

gibt er sich optimistisch, bis Jahresende

erstmals die Marke von drei Millionen

Übernachtungen knacken zu können. Inzwischen

bietet Leipzig 122 Hotels und

Beherbergungsbetriebe mit zusammen

über 15.000 Betten. Zu Hause ist Bremer

übrigens nicht in Leipzig, sondern

im nordsächsischen Delitzsch.

Emil Berthold (67)

Hopfenzüchter aus Thüringen

Dem gebürtigen Schwaben muss man

doppelt dafür danken, dass es wieder

aufwärts geht mit dem Hopfenanbau in

Ostdeutschland. Zum einen engagiert er

sich seit vielen Jahren als Vorstandschef

des Hopfenpflanzerverbandes Elbe-Saale

e. V. – dieser umfasst Sachsen, Sachsen-Anhalt

und Thüringen und erstreckt

sich damit über das zweitgrößte Anbaugebiet

Deutschlands. Maßgeblich ist es

etwa auch Bertholds Wirken zu verdanken,

dass die Aufkaufpreise für Hopfen

nun langsam wieder steigen, was auch

zur Vergrößerung der Anbaufläche führt,

und dass zugleich das Sortenspektrum

vielfältiger wird. Zum anderen testet er

gewissermaßen geheim in seinem eigenen

Hopfenanbaubetrieb in Monstab

bei Altenburg – den führt er inzwischen

zusammen mit Sohn Christian – neue

Aromasorten mit einer etwas geringeren

Bitternote. Sie sollen die Attraktivität

regionaler Hopfensorten unter den vielen

kleinen Regional- und Privatbrauereien

in Ostdeutschland weiter erhöhen.

Johannes Roßrucker (52)

Schloss-Erbauer aus Pirna

Dass die traditionsreiche Sächsische

Sandsteinwerke GmbH aus Pirna heute

zu den wichtigsten Erbauern des Berliner

Schlosses gehört – unter anderem

rekonstruiert man alle 3.200 Einzelteile

für das spektakuläre Eosanderportal

– ist ganz maßgeblich das persönliche

Verdienst des Geschäftsführers. Dabei

war der studierte Jurist als Seiteneinsteiger

in das anspruchsvolle Metier

gelangt. Seit 2011 führt er das Traditionsunternehmen,

das vor allem auf anspruchsvolle

Denkmalrestaurierung spezialisiert

ist, jedoch war er schon bald

auch in seinem ursprünglichen Fach voll

gefordert. Denn im Zusammenhang mit

dem Potsdamer Stadtschloss schlitterte

man 2012 unverschuldet in die Zahlungsunfähigkeit.

Doch diese Insolvenz

führte Roßrucker mit Partnern in Eigen-

Fotos: Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


W+M AKTUELLES | 7

verwaltung durch, so war man schon

ein Jahr später wieder liquide. Seither

investierte der Betrieb mehrere Millionen

in neue Technik sowie die Zusammenführung

der zuvor verstreut gelegenen

Firmenstandorte – und feierte vor

kurzem 120-jähriges Bestehen.

Alexander Montebaur (48)

Energie-Vorstand aus Fürstenwalde

Der Weg von Alexander Montebaur in

die Energiebranche war schon früh vorgezeichnet.

Studierte der zweifache Familienvater

zunächst an der Rheinisch-

Westfälischen Technischen Hochschule

in Aachen Elektrotechnik, promovierte er

dort im Jahr 1996 zum Dr.-Ing. auf dem

Gebiet der Energietechnik. Mit dem nötigen

Rüstzeug ausgestattet, bekleidete

er in den folgenden Jahren Managementpositionen

in verschiedenen Elektrizitätswerken

Deutschlands – so in Hameln,

Braunschweig und Wolfsburg. Schon länger

sitzt Montebaur im Aufsichtsrat des

Energienetzbetreibers E.DIS AG. Nun hat

er seinen beruflichen Mittelpunkt komplett

in die Firmenzentrale nach Fürstenwalde/Spree

verlegt. Der 48-Jährige trat

zum 1. Oktober 2016 als Vorstand Technik

in die operative Leitung des Unternehmens

ein. Zum 1. Januar 2017 wird

er dann auch den Vorstandsvorsitz übernehmen

und damit Bernd Dubberstein

ablösen, welcher sich in den Ruhestand

verabschiedet.

Fotos: VNG (links), E.DIS AG (rechts)

Ulf Heitmüller (51)

Erdgas-Konzernchef aus Leipzig

Vom Sessel des Aufsichtsratsvorsitzenden

auf den Drehstuhl des Konzernchefs

im umsatzstärksten ostdeutschen

Unternehmen wechselte Anfang Oktober

der diplomierte Ingenieur für Elektrotechnik.

Vor dem Wechsel zur Leipziger

Verbundnetz Erdgas AG (VNG) hatte

Heitmüller verschiedene Fach- und

Führungspositionen in der deutschen

und europäischen Gaswirtschaft inne.

Zuletzt arbeitete er in geschäftsführender

und leitender Verantwortung – so

als Executive Director Trading & Supply

– für die Energie Baden-Württemberg

(EnBW), die seit Oktober mit 74,2

Prozent klarer Mehrheitseigentümer der

VNG ist. In diesem Zusammenhang hatte

er zunächst das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden

übernommen. Heitmüller

löst an der Konzernspitze Karsten

Heuchert ab. Seine Aufgabe wird nun

darin bestehen, den Großimporteur aus

den roten Zahlen herauszuholen, in die

dieser hauptsächlich wegen der niedrigen

Erdgaspreise gerutscht war.

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8 | W+M AKTUELLES

INDUSTRIE GEGEN EMBARGO

Dresden. Für Jörg Brückner, geschäftsführender

Gesellschafter des Kupplungswerks

Dresden und seit Jahresbeginn

Präsident der Vereinigung der Sächsischen

Wirtschaft (VSW), muss die momentane

Sanktionspolitik der Bundesregierung

gegen Russland schnellstens aufgehoben

werden. Es stünden viele Arbeitsplätze

im Freistaat auf dem Spiel. So

wie sein eigenes Unternehmen seien vor

dem Embargo viele sächsische Firmen

„in Russland die Platzhirsche“ gewesen.

„Das wird jetzt verspielt, zumal dort versucht

wird, verstärkt eine eigene Industrie

aufzubauen“, mahnt Brückner. Finanzstarken

Großunternehmen möge es

gelingen, auch in solch einer Phase diesen

Markt zu erhalten, doch dem Mittelstand

gelinge das nicht. So fordert der Arbeitgeberpräsident,

„schnellstmöglich zu

geordneten Verhältnissen zurückzukehren“.

Denn Russland werde auch künftig

eine wichtige Rolle in der Weltgemeinschaft

einnehmen, während sich zugleich

zeige, dass sich über Handelsbeschränkungen

keine politischen Konflikte lösen

ließen.

IMMER WENIGER AZUBIS

Frankfurt/Main. Die Zahl der Auszubildenden

in Deutschland sinkt weiter und

liegt aktuell bei 1,34 Millionen. Mit nur

noch 516.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen

wurde im Jahr 2015 ein

Negativrekord erzielt, so das Ergebnis des

Mittelstandspanels der KfW Bankengruppe.

Die Gründe für den Rückgang liegen im

demografischen Wandel und einer wachsenden

Zahl von Studierenden. Wie eine

Sonderauswertung des repräsentativen

KfW-Mittelstandspanels zeigt, gelingt es

den kleinen und mittleren Unternehmen

derzeit noch, dem negativen Trend entgegenzuwirken:

Sie halten die Anzahl ihrer

Auszubildenden seit fünf Jahren nahezu

konstant bei 1,2 Millionen. „Die Ausbildungstätigkeit

verlagert sich immer weiter

in den Mittelstand”, lautet das Fazit von Dr.

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

„Dort arbeiten gut zwei Drittel

der Beschäftigten bundesweit, mittlerweile

aber fast 90 Prozent der Auszubildenden.

Robert J. Stokes, CEO der Nielsen Tele Medical GmbH (l.), stellt Bundeskanzlerin Dr. Angela

Merkel und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (2. v. r.) das drahtlose

EEG-Headset vor.

DRAHTLOSES EEG-HEADSET

MASCHINENBAU OPTIMISTISCH

Leipzig. Sieben von zehn Mitgliedsunternehmen

des VDMA Ost bewerteten bis

Mitte des Jahres ihre momentane Gesamtsituation

als gut oder sehr gut. Fast

drei Viertel der 350 Maschinenbauer in

Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern,

Sachsen, Sachsen-Anhalt und

Thüringen registrierten laut Geschäftsführer

Reinhard Pätz einen besseren oder

gleich hohen Auftragsbestand. Das sind

elf Prozent mehr als zu Jahresbeginn

2016. Zum dritten Mal in Folge stieg damit

die Zahl der Betriebe, die mehr Aufträge

verbuchten. Allein die Auslastung

der vorhandenen Produktionskapazitäten

erhöhte sich vom ersten zum zweiten

Quartal 2016 um 1,5 auf 87 Prozent.

Stabil zeigt sich zudem das Auftragspolster

der Unternehmen. Der aktuelle Auftragsbestand

reicht momentan im Branchendurchschnitt

für 4,2 Produktionsmonate.

Damit sei der Blick trotz der Einbrüche

auf dem wichtigen russischen Markt

wieder optimistischer, so Pätz.

NEUE WEIZENSTÄRKEANLAGE

Zeitz. Die Südzucker AG hat in Zeitz eine

neue Weizenstärkeanlage in Betrieb genommen

und dafür 125 Millionen Euro

Magdeburg. Die amerikanische Nielsen

Tele Medical GmbH hat ihren Standort

in Magdeburg eröffnet. Hier wird sie

das gemeinsam mit Medizinern der Otto-von-Guericke-Universität

entwickelte

drahtlose EEG-Headset produzieren.

Dieses erlaubt die Beobachtung neurologischer

Risikopatienten zu Hause, der

Arzt kann per Ferndiagnose über therapeutische

Eingriffe entscheiden.

investiert. Insgesamt sind am Standort

jetzt 400 Arbeitskräfte für Südzucker tätig.

Die Ernährungswirtschaft leistet einen

nicht zu unterschätzenden Beitrag zur

wirtschaftlichen Entwicklung der Region.

BOOM AM WOHNUNGSMARKT

Dresden. Der Wohnungsbau in den mitteldeutschen

Ländern steuert auf ein Rekordjahr

zu. Im ersten Halbjahr 2016 war

allein in Thüringen die Zahl der Baugenehmigungen

im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

mit 4.282 Einheiten um 43 Prozent

gestiegen. In Sachsen verzeichnete

die Immobilienwirtschaft ein Plus von

gut einem Viertel auf 6.702 neu genehmigte

Wohnungen. Geringer fiel dagegen

mit 17 Prozent der Zuwachs in Sachsen-Anhalt

aus: Hier wurden 2.368 Bauvorhaben

zugelassen. Das letzte Mal waren

in der Dreiländerregion im Jahr 2000

so viele Wohnungsbauten bewilligt worden.

Indes rührt diese Konjunktur maßgeblich

auch aus dem wachsenden Bedarf

an Flüchtlingsunterkünften. Allein in

Thüringen entfiel auf diesen ein Drittel

der genehmigten Wohnungen. Genehmigt

heiße aber noch nicht gebaut, heißt

es beim Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften

unter kritischem Verweis

auf derzeit ebenfalls spürbar zule-

Foto: Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft Sachsen-Anhalt/Franziska Krüger

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


W+M AKTUELLES | 9

gende Baulandpreise sowie „ausufernde

Bauvorschriften“, die die Planungskosten

in die Höhe trieben.

Trotz sinkender Zahl der Unternehmens gründungen

bleibt Berlin Deutschlands Start-up-Metropole.

ERSTE TÜRKISCHE INVESTITION

Sassnitz. Mukran Port, der ehemalige Fährhafen

Sassnitz, hat die erste türkische Industrieansiedlung

in Mecklenburg-Vorpommern

realisiert: Die Deutsche BOGENN

GmbH, Tochterfirma der MIR Holding mit

Sitz in Istanbul, wird hier Kunststoffrohre

und Verbindungselemente für Trinkwasser,

Abwasser, Heizung und die Bewässerung

landwirtschaftlicher Flächen herstellen. Ziel

ist überwiegend der deutsche Markt.

GRÜNDERHAUPTSTADT BERLIN

Berlin. Die Hauptstadt bleibt Deutschlands

Start-up-Metropole. Dies belegt

der aktuelle Gründerindex der BBB Bürgschaftsbank

zu Berlin-Brandenburg. Allerdings

zeigt sich ein rückläufiger Trend

beim Gründungsgeschehen – in Berlin

ebenso wie bundesweit. Im Vergleich

zum Vorjahr sank 2015 die Zahl der Gründungen

in Berlin um 5,4 Prozent. Verantwortlich

hierfür war eine negative Entwicklung

bei kleingewerblichen Gründungen.

Die Hauptstädter machen sich

vor allem im Dienstleistungssektor selbstständig.

Hier stechen wissens- und forschungsgetriebene

Gründungen heraus.

Hingegen mangelt es an Berliner Unternehmen,

die Neuentwicklungen von Gründern

zur Produktreife bringen und produzieren.

Die Produktion erfolge deshalb oft

bei Vertragspartnern außerhalb Berlins, so

die Autoren des BBB-Gründerindex 2016.

Foto: CCA Projekt GmbH (unten)

15 JAHRE BERLIN CAPITAL CLUB

Das Präsidium des Berlin Capital Club: Nils Busch-Petersen, Claus R. Mayer, Jörg Woltmann,

Dr.-Ing. E. h. Heinz Dürr und Dieter R. Klostermann (v. l.).

Berlin. Am 6. November 2016 feiert der

Berlin Capital Club sein 15-jähriges Bestehen

und blickt auf außerordentlich erfolgreiche

Jahre zurück. Gegründet im

Jahr 2001 von Dieter R. Klostermann und

Dr.-Ing. E. h. Heinz Dürr entwickelte sich

der Club zum führenden Business-Club

in Deutschland.

„Dieses Jubiläum erfüllt uns mit Freude

und Stolz. Hinter dem Erfolg stehen unter

anderem exzellente Veranstaltungsreihen,

das hohe Dienstleistungsniveau und das

Streben, uns immer weiterzuentwickeln

– orientiert an den hohen Ansprüchen unserer

Mitglieder“, so Jörg Woltmann, Präsident

vom Berlin Capital Club. Auf den

Club-Geburtstag wird am 4. November

2016 im Rahmen der Herbstparty „15 Jahre

Berlin Capital Club“ angestoßen.

Der Cluberfolg basiert nicht zuletzt auf

der Kontinuität der Mitglieder und Mitgliederveranstaltungen.

So sind 60 Prozent

der Gründungsmitglieder seit 2001

noch heute Mitglieder. Dem ersten Gastsprecherlunch

des Clubs mit S. E. Daniel

R. Coats, damals Botschafter der USA

in Deutschland, folgte seitdem eine Reihe

von Events mit renommierten Persönlichkeiten.

Auch große Namen wie Michail

Gorbatschow oder Google-Deutschland-

Chef Phillip Justus wählten und wählen

den Club als Rahmen für Hintergrundgespräche.

Der Berlin Capital Club wird von der CCA-

Gruppe betrieben. Als Mitglied des Berlin

Capital Club genießt man gleichzeitig

alle Mitgliederprivilegien und Annehmlichkeiten

des International Associate Clubs

Netzwerkes, dem weltweit fast 250 Clubs

angehören. www.berlincapitalclub.de

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


10 | W+M AKTUELLES

GRÜNE ENERGIE FÜR EBERSWALDE

Eberswalde. Im brandenburgischen Eberswalde

wird seit einigen Wochen mit klimaschonender

Wärme geheizt. Der regionale

Energiedienstleister EWE versorgt zwei

Stadteile, das Nordend und das Leibnitzviertel,

mit CO ²

-armem Strom beziehungsweise

Wärme. Möglich macht dies das neue

Blockheizkraftwerk des Unternehmens, in

dem nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-

Kopplung aus Erdgas gleichzeitig Strom

und Wärme gewonnen werden kann. Rund

Das Blockheizkraftwerk in Eberswalde wandelt

CO ²

-armes Erdgas in Strom und Wärme um.

2.000 Wohnungen, ein Krankenhaus und

mehrere öffentliche Einrichtungen profitieren

von dieser sauberen Energieproduktion.

Bis zu 69 Prozent Kohlenstoffdioxid (CO ²

)

spart das Blockheizkraftwerk im Vergleich

zum herkömmlichen deutschen Strom-Mix

ein. „Wir nehmen das Thema Klimaschutz

sehr ernst und tun im Rahmen unserer Möglichkeiten

aktiv etwas dafür“, betont der Leiter

der EWE-Geschäftsregion Brandenburg/

Rügen Dr. Ulrich Müller die unternehmerische

Verantwortung für den Umweltschutz.

SPARKASSEN MIT KREDITREKORD

Berlin. Die 45 Mitgliedssparkassen des

Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV)

bewilligten im ersten Halbjahr 2016 neue

Kredite in Höhe von 2,4 Milliarden Euro.

Damit hat die Kreditvergabe der OSV-Sparkassen

an Unternehmen und Selbstständige

einen neuen Höchststand erreicht.

Auch die Kreditvergabe an Privatpersonen

verzeichnete mit 2,13 Milliarden Euro

einen Spitzenwert. Im ersten Halbjahr lag

der Kreditzuwachs in beiden Marktsegmenten

deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Insgesamt bewertete der OSV die

Geschäftsergebnisse der Sparkassen in

Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern,

Sachsen und Sachsen-Anhalt als „noch zufriedenstellend“.

Bei der Präsentation der

Halbjahreszahlen kritisierte der Geschäftsführende

Präsident des OSV Dr. Michael

Ermrich zugleich die zunehmende Regulierung

im Bankensektor. Als Paradebeispiel

für Überregulierung nannte Ermrich

die Umsetzung der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie,

welche die Kreditvergabe

im Wohnimmobilienbereich für junge Paare,

ältere Menschen oder Selbstständige

erheblich erschwere.

Insgesamt berichteten die ostdeutschen Befragungsteilnehmer

im Verarbeitenden Gewerbe, im Bauhauptgewerbe und

im Einzelhandel von deutlich besseren Geschäften als im Vormonat.

Im Bauhauptgewerbe erreichte die Lageeinschätzung

sogar einen neuen Höchststand. Zusätzlich hellten sich in allen

drei Bereichen auch die Geschäftsaussichten auf. Im ostifo

Geschäftsklima Ostdeutschland im September 2016

OSTDEUTSCHE BAUWIRTSCHAFT AUF ZU NEUEN HÖHEN

Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft*

der ostdeutschen Bundesländer zog im September

kräftig an und wetzte damit seine Delle aus dem Vormonat

aus. Die Geschäfte liefen sehr viel besser als im August

und die Geschäftserwartungen drehten wieder, wenn auch nur

geringfügig, ins Positive.

Das ifo Beschäftigungsbarometer für die gewerbliche Wirtschaft

Ostdeutschlands konnte indessen nur geringfügig zulegen. Während

die ostdeutschen Einzelhändler und Bauunternehmer verstärkt

Personal aufbauen wollen, trübten sich die Beschäftigungserwartungen

unter den hiesigen Industriefirmen und Großhändlern

geringfügig ein.

deutschen Großhandel drückten hingegen schlechter laufende

Geschäfte und weniger optimistische Geschäftserwartungen

auf die Stimmung.

ifo Geschäftsklima

VORMONAT 5,7 SEPTEMBER 10,4

ifo Beschäftigungsbarometer

Verarbeitendes Gewerbe

VORMONAT 7,8 SEPTEMBER 12,4

Bauhauptgewerbe

VORMONAT 3,5 SEPTEMBER 7,9

Groß- und Einzelhandel

Michael Weber und Prof. Joachim Ragnitz

VORMONAT 1,4 SEPTEMBER 2,3

VORMONAT 2,6 SEPTEMBER 8,2

* Unter gewerblicher Wirtschaft wird die Aggregation aus Verarbeitendem Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel verstanden.

Foto: Eberswalde Technik

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


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12 | W+M LÄNDERREPORT

Ähnlich in Sachsen, wo noch Anfang

September 5.400 freie Stellen auf

knapp 3.400 unentschlossene Jugendliche

warteten. Laut Landesarbeitsagentur

in Chemnitz stehen in vielen Berufen

– etwa Werkzeugmechaniker, Fleischer

oder Klimatechniker – jedem potenziellen

Bewerber gut zehn Lehrstellen gegenüber.

Doch selbst mancher Jugendliche,

der dann anfrage, bestehe nicht den

„Realitätstest“, beobachtet Ausbildungsexperte

Volker Becherer von der Handwerkskammer

in Halle: Sie kämen halt

„mit falschen Vorstellungen“.

Angehende Steinmetze und Bildhauer bei der historisch angehauchten Freisprechung auf dem

Leipziger Augustusplatz.

Lehrlingsmisere

ist auch hausgemacht

Die ostdeutsche Wirtschaft kann in diesem Herbst tausende

Ausbildungsplätze nicht besetzen. Besonders schlimm sieht

es im Handwerk aus. So erinnert man sich inzwischen auch

an Jugendliche, etwa mit Hauptabschluss, die bisher als

schwer vermittelbar galten. Bei der Gewerkschaft moniert man

zudem unattraktive Ausbildungen und teils deutlich zu niedrige

Lehrlingsentgelte. Von Harald Lachmann

Die Lage hat sich ins Gegenteil verkehrt:

Suchten noch vor wenigen

Jahren tausende Schulabgänger

eine Lehrstelle, sind es heute die Unternehmen,

die an einem schweren Engpass

laborieren. Jeder dritte deutsche Betrieb

kann nicht mehr alle Ausbildungsplätze

besetzen. Noch kurz vor Lehrjahresbeginn

vermeldete die Bundesarbeitsagentur

172.200 unbesetzte Lehrstellen – bei

nur 148.000 noch suchenden Bewerbern.

Und im Osten, wo nun der Geburtenknick

zuschlägt, ist die Situation besonders dramatisch.

Hier bleiben in diesem Herbst 45

Prozent der Stellen frei.

Schwer haben es klassische Handwerksberufe

– vom Bäcker über den Schmied

bis zum Steinmetz. Ihnen wird offenbar

kein goldener Boden mehr beigemessen.

Junge Leute zieht es eher in Bereiche,

in denen man nicht zu zeitig aufstehen

muss oder sich bei körperlich fordernder

Arbeit die Hände schmutzig macht. Eben

das konterkariert auch jenen Boom, den

gerade das Handwerk Ost erfährt – so in

Thüringen, wo der Zweig 150.000 Menschen

beschäftigt, von denen aber bald

viele in Rente gehen. Jeder fünfte der

31.000 Handwerksbetriebe sucht denn

Nachwuchs.

Tausende freie Plätze vermeldeten denn

zu Lehrjahresbeginn auch die Handwerkskammern

in Sachsen-Anhalt, Brandenburg

und Mecklenburg-Vorpommern.

Der langsam vergreisende Nordosten bekommt

im aktuellen „Ländermonitor berufliche

Bildung“ der Bertelsmann Stiftung

sogar den bundesweit schlechtesten

Auftritt attestiert. So bilden hier nur

noch 13 Prozent der Betriebe aus, aber

auch die Zahl der Bewerber schrumpfte

auf ein Drittel des Standes von 2008. Die

Unternehmervereinigung VUMV spricht

diesbezüglich von einer „erheblichen Herausforderung“.

Aber auch in Halle ist es nicht viel anders.

Sei hier 2013 nur jede zehnte Lehrstelle

freigeblieben, wäre es nun schon

jede vierte, so Becherer. Und selbst, wo

ein Lehrvertrag unterschrieben wurde,

ziehe sich der Bewerber zuweilen noch

kurzfristig zurück. Zeit zum Handeln also

für Betriebe wie Kammern. Wer es sich

als Handwerksmeister leisten kann, lockt

Lehrlinge mit „Bonbons“: ein Zuschuss

zum Führerschein oder kostenlose Informatikkurse.

Im Kammerbezirk Cottbus

geht mancher Chef noch weiter: Azubis

trainieren im hauseigenen Fitnessstudio,

bekommen Tankgutscheine oder einen

Auslandsaufenthalt finanziert.

In Sachsen werden zudem durch die

Kammern verstärkt ausländische Lehrlinge

geworben – mit Erfolg. Denn so gibt

es hier erstmals seit fünf Jahren wieder

steigende Azubi-Zahlen: Man gewann

junge Vietnamesen für Pflegeberufe sowie

Bewerber aus Spanien und der Ukra-

Foto: Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


OSTDEUTSCHLAND | 13

ine für Metallbetriebe und Handwerk.

Überdies erinnern sich Kammern und

Behörden in den ostdeutschen Ländern

plötzlich auch jener Schulabgänger, die

vor Jahren noch als schwer vermittelbar

galten, etwa Abgänger mit Hauptschulabschluss.

Inzwischen gibt es für etwa

1.000 junge Leute mit Lernbeeinträchtigung

oder Verhaltensauffälligkeiten in

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

einen speziellen Förderunterricht. Auch

Sozialpädagogen werden ihnen zur Seite

gestellt. Adressiert ist diese Initiative

„Zukunftschance assistierte Ausbildung“,

die von Bund und EU kofinanziert

wird, auch an alleinerziehende junge Mütter,

Bewerber mit pflegebedürftigen Angehörigen

und jene, die schon mehrere

Ausbildungen abbrachen.

Auf den Prüfstand gehören für den Soziologen

Martin Baethge von der Uni Göttingen

auch andere Aspekte, etwa freizeitfeindliche

Arbeitszeiten oder unattraktive Ausbildungsinhalte.

So sei jeder zweite junge

Koch oder Bäckergeselle im Land inzwischen

„nicht ausbildungsadäquat beschäftigt“.

Hierbei spielt auch die Bezahlung eine

wesentliche Rolle – und zwar meist schon

während der Lehre, wo sich zwischen Ost

und West sowie den Branchen teils große

Unterschiede auftun. Als Extrembeispiele

gelten hierbei der Maurerlehrling am Rhein,

der knapp 1.400 Euro im Monat erhält, und

der Florist (475 Euro) oder die Friseurin

(269 Euro) im Osten. Für Reinhard Bispinck

von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung

steht fest: „Branchen, die keine

Azubis finden, zahlen oft schlecht.“


W+M

Foto: HWK Gera

Schmiede-Azubis beim alljährlichen Tag des Handwerks in Jena.

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14 | W+M LÄNDERREPORT

Der Holländische Schwimmkran „Taklift 4” transportiert Bauteile zum geplanten

Offshore-Wind-Projekt „Wikinger“ von Iberdrola. Diese werden dann auf das

35 Kilometer nordöstlich vor der Insel Rügen gelegene Baufeld geschleppt.

Offshore-Energieregion Vorpommern

Die Wikinger kommen –

direkt aus der Ostsee

Als mitten in der Hochsaison zahlreiche

Urlaubsgäste und Einheimische

die Aktivitäten im Mukran

Port bei Sassnitz beobachteten, konnten

sie die bis 65 Meter hohen und 650 Tonnen

schweren Metallkonstruktionen nicht

übersehen. So genannte „Jackets“, Fundamente

für Offshore-Windenergieanlagen,

bildeten eine eindrucksvolle Kulisse

an der Ostküste Rügens.

Derzeit entsteht 35 Kilometer nordöstlich

vor Deutschlands größter Insel mit „Wikinger“

der dritte Offshore-Windpark in

der Ostsee vor der Küste Vorpommerns.

Das Unternehmen Iberdrola errichtet dort

70 Fünf-Megawatt-Anlagen, die nach der

Fertigstellung Ende 2018 Strom für circa

350.000 Haushalte produzieren werden.

Insgesamt hat das Projekt ein Investitionsvolumen

von 1,4 Milliarden Euro.

Der Hafen in Sassnitz-Mukran dient als

Ausgangspunkt für die Installation der

Windparks, profitiert aber auch langfristig

von den Entwicklungen. Harm Sievers,

Geschäftsführer der Fährhafen Sassnitz

GmbH, betont die Bedeutung des Baus:

„Iberdrola ist das erste Unternehmen, das

seinen Stützpunkt für Betrieb und Wartung

am Standort errichtet – weitere werden

folgen. Das sind langfristige Ansiedlungen

und damit verbundene Arbeitsplätze.“

Im Rahmen des Richtfestes für das

neue Betriebsgebäude teilte Jürgen Blume,

Geschäftsführer der Iberdrola Renovables

Offshore Deutschland Zwei GmbH,

mit, dass der Sitz der Gesellschaft von Berlin

nach Sassnitz verlegt werden wird.

Die Geschäftstätigkeiten am Mukraner

Offshore-Terminal werden nach Fertigstellung

von „Wikinger“ andauern. Auch das

deutsche Unternehmen E.ON baut einen

Windpark vor Rügen. Unter dem Namen

„Arkona” soll er in drei Jahren ans Netz

gehen und ebenfalls von Sassnitz-Mukran

aus gesteuert werden. Begonnen wird hier

mit dem Bau eines Betriebs- und Servicegebäudes.

Bei jedem Windpark entstehen

auf der Insel Rügen dauerhaft rund 50 Arbeitsplätze.

Trotz der positiven Entwicklungen in Sassnitz-Mukran

schaut die Branche nicht mit

vollem Optimismus in die Zukunft. Die

in der EEG-Novelle vorgesehene Reduzierung

des jährlichen Ausbaus der Offshore-Windenergie

nach 2020 gefährdet

die Wertschöpfung und Beschäftigung in

der Offshore-Windbranche. Um Mecklenburg-Vorpommern

als führende Region

mit Windenergie-Kompetenz weiterzuentwickeln,

hat sich bereits 2005 der

Foto: Fabian Hoppe

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


MECKLENBURG-VORPOMMERN | 15

Verein WindEnergy Network e. V. (WEN)

gegründet. Mit derzeit 132 Unternehmen

setzt er sich durch aktive Lobbyarbeit,

Vernetzung, Bündelung von Informationen

und Know-how für deren Stärkung

ein. Beispielhaft sind dabei die Zuliefertage,

die das WEN mit Iberdrola für den

„Wikinger“-Windpark und in diesem Jahr

mit E.ON für den Windpark „Arkona“ organisiert

hat. Diese Tage nutzten mehr als

170 regionale Unternehmen, um sich mit

dem Betreiber und seinen Hauptauftragnehmern

zu vernetzen.

Foto: Formstaal GmbH & Co. KG

Ein solches regionales Unternehmen ist

die Formstaal GmbH & Co. KG aus Stralsund.

Es konstruiert und fertigt unter anderem

Sonderlösungen für die Herstellung

von Komponenten im Bereich der regenerativen

Energie. „Unser Motto ist ‚Shape

the future‘, die Zukunft gestalten“, betont

Geschäftsführer Uwe Husmann. „Dabei

wird in der Umsetzung auf höchste Präzision

geachtet, um Wasser und Luft beste

Strömungseigenschaften zu ermöglichen.“

Beispielhaft seien hier die 3Dgeformten

Ein- und Auslassstrecken für

Wasserkraftwerke, die mehrdimensional

verformten Flächen aus Stahl und Aluminium

für Rotorblätter von Windkraftanlagen,

nicht symmetrische Rohrelemente für Biomassekraftwerke

sowie Rotorschaufeln

Fertigung von passgenauen Bausätzen aus zugeschnittenem und dreidimensional geformtem

Metallblech bei Formstaal.

für Turbinen und Bauteile für Konverterplattformen

genannt.

Diese positive Entwicklung rund um die Erneuerbaren

Energien und speziell die Offshore-Windenergie

ist nicht zufällig. Natürlich

profitiert die Region von ihrer Lage am

Meer. „Vorpommern bietet aber auch eine

sehr gute Infrastruktur für den Ausbau der

Offshore-Windindustrie. Voll erschlossene

Gewerbe- und Industriegebiete – teils direkt

an der Hafenkante – bieten beste Voraussetzungen

für die Etablierung von Produktion

und Logistik in dieser Branche“,

summiert Rolf Kammann, Geschäftsführer

der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern

mbH.

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16 | W+M LÄNDERREPORT

Pflege in Not

Zwischen Fachkräftemangel in den Pflegeeinrichtungen und

steigenden Zahlen Pflegebedürftiger entwickelt sich in den neuen

Ländern ein ernsthaftes Problem. Die Branche entfaltet viele

Aktivitäten, auch die Politik ist gefragt. Von Dr. Ulrich Conrad

immerhin 400 Euro, wobei die Unterschiede

je nach Berufserfahrung und Finanzkraft

der Arbeitgeber oft viel drastischer

ausfallen. Kein Wunder, dass viele Altenpfleger

in die Hauptstadt zur Arbeit fahren.

Arbeitslose aus Spanien lernen

Deutsch und arbeiten in der Altenpflege

– eine Zeitlang schienen die

krisengeschüttelten europäischen Südländer

die perfekte Lösung für das akute

Fachkräfteproblem in Pflegeheimen und

bei ambulanten Pflegediensten hierzulande

zu sein. Unterstützt durch EU-Fördermittel

erfolgten Anwerbung und Vorbereitung,

in den Regionalzeitungen lobten

Heimbewohner ihre neuen Pfleger

als umsichtig und motiviert – und die ließen

sich das Heimweh auch im grauen

Herbst selten anmerken. Trotzdem erwiesen

sich manche Hoffnungen auf massenhafte

Arbeitsmigration als überzogen, zudem

sinken in Spanien und Portugal die

Arbeitslosenzahlen. Ähnlich wie schon

zuvor osteuropäische Arbeitskräfte wägen

auch die Südeuropäer die Vor- und

Nachteile der deutschen Pflegebranche

genau ab. Wenn sich in anderen Regionen

besser bezahlte Jobs finden, fällt ihnen

der Wechsel nicht schwer. Ein Problem,

das die neuen Länder ganz besonders

hart trifft. Ausgebildete Altenpfleger

verdienen hier nach Angaben einschlägiger

Job-Portale im Durchschnitt zwischen

1.800 (Sachsen-Anhalt) und knapp 2.000

Euro (Brandenburg) im Monat brutto. In

Baden-Württemberg und Bayern sind es

2.700 Euro. Ursache sind die Pflegeentgelte,

die in den Ost-Ländern sehr viel

niedriger liegen. Zwischen dem Pendler-

Land Brandenburg und Berlin beträgt die

Differenz beim Bruttomonatseinkommen

Für Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen

im sogenannten Berliner

Speckgürtel hat sich das Gefälle zu einem

viel ernsteren Problem entwickelt als die

Einführung des Mindestlohns. Die Volkssolidarität

Brandenburg, die zu den großen

Akteuren im Sozialbereich gehört,

beklagt mangelndes Interesse der Politik:

Inzwischen müssten Pflegedienste und

Sozialstationen bereits Patienten ablehnen,

weil Pflegekräfte fehlen, so die Brandenburger

Vorstandsvorsitzende Roswitha

Orban. Zwar werden Ausbildung

und Umschulung für Pflegeberufe gefordert

und gefördert, ein Viertel der Altenpfleger

haben ihren Beruf dank einer

durch die Arbeitsagentur geförderten

Umschulung erlernt. Doch die anschließende

Verweildauer ist zu gering. Nicht

nur die Bezahlung spielt hier eine Rolle,

sondern auch die körperliche und psy-

Foto: Robert Kneschke/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


OSTDEUTSCHLAND | 17

Fotos: advita (oben), Rölleke (unten)

chische Belastung, denen ältere Pflegekräfte

irgendwann nicht mehr gewachsen

sind. Dass der Beruf bei den – immer weniger

werdenden – Schulabgängern keineswegs

erste oder zweite Wahl ist, verwundert

da nicht.

Problem demografischer Wandel

Zugleich verläuft der demografische Wandel

in den neuen Ländern deutlich schneller

als westlich von Werra und Elbe. Man

muss gar nicht bis ins Jahr 2030 vorausschauen,

in dem zum Beispiel im Land

Brandenburg 845.000 Menschen älter als

65 Jahre sein werden. Das sind 40 Prozent

der derzeitigen Bevölkerung. Schon

jetzt sind in Brandenburg 103.000 Menschen

pflegebedürftig, das bedeutet einen

Anteil von 4,2 Prozent an der Bevölkerung

– der Bundesdurchschnitt liegt bei

3,3 Prozent. Zudem gehen in den kommenden

Jahren die geburtenstarken Jahrgänge

in den Ruhestand, was die Pflegebranche

direkt und indirekt betrifft. Deutlich

mehr Pflegekräfte werden somit nicht

erst in ferner Zukunft benötigt. Sehr viel

mehr Pflegebedürftige bei sehr viel weniger

Berufstätigen – diese Kombination

birgt arbeitsmarktpolitischen Zündstoff.

Laut einer Fachstudie aus dem

Jahr 2014 steigt ab dem 75.

Lebensjahr der Pflegebedarf

stark an, bei den 85-

bis 90-Jährigen haben

53 Prozent eine Pflegestufe.

Das brandenburgische

Sozialministerium

versucht, dem

mit einer „Pflegeoffensive

für eine verantwortungsvolle

pflegerische

Versorgung

im Land Brandenburg

auch in Zukunft“ gegenzusteuern.

Die Volkssolidarität gehört zu den großen Akteuren in der Pflege.

Überstunden an der Tagesordnung

In allen Ost-Ländern schlagen inzwischen

sowohl die Verbände der Pflegeanbieter

als auch Interessenvertreter

der Pflegebedürftigen Alarm. Dr. Matthias

Faensen, Landesvorsitzender für

Sachsen im Bundesverband

privater Anbieter sozialer

Dienste (bpa), sieht

einen Pflegenotstand heraufziehen:

„Nur durch

hohe Arbeitsintensität

und Überstunden halten

die vorhandenen Pflegekräfte

die Versorgung aufrecht“,

sagte er der Leipziger

Volkszeitung. Als

Geschäftsführer der advita

Pflegedienst GmbH,

eines seit 1994 überregional

tätigen Pflegedienstes

mit 24 Niederlassungen

in Berlin, Sachsen,

Sachsen-Anhalt und Thüringen

und rund 1.600

Mitarbeitern, dürfte er

wissen, wovon er spricht.

Auch die Gewerkschaft

Verdi beklagt die exorbitant

hohen Überstunden

bei Beschäftigten

in Krankenhäusern und

Pflegeheimen in Sachsen,

Sachsen-Anhalt und

Thüringen.

Dr. Matthias Faensen, Landesvorsitzender

für Sachsen im Bundesverband privater

Anbieter sozialer Dienste (bpa).

Die Unternehmen jedenfalls rühren weiter

unablässig die Werbetrommel für den

Pflegeberuf, dabei auch unterstützt

durch die Politik. Nach Spanien

und Griechenland haben

Personalverantwortliche

asiatische

Länder wie Vietnam

oder die Philippinen

im Visier.

Wohl wissend,

dass Gastarbeiter

zunächst einmal

die Sprache lernen

müssen und in der

Regel bei den medizinischen

Kenntnissen

erheblichen

Qualifizierungsbedarf

haben. Naheliegender

erscheint es, unter Flüchtlingen

vor Ort nach interessierten und geeigneten

Bewerbern für Medizin- und Pflegeberufe

zu suchen und diesen eine Integrationsperspektive

zu bieten. Wie das gelingen

kann, diskutierten unlängst Mitglieder

der Initiative Gesundheitswirtschaft

Brandenburg. Kai-Uwe Michels, Chef der

Brandenburg-Klinik in Bernau, hat sich bei

Asylbewerbern in Wandlitz vorgestellt und

mit Interessierten Praktika vereinbart. Von

acht Bewerbern blieb letztlich einer übrig.

Im Klinikum Niederlausitz mit Standorten

in Senftenberg und Lauchhammer läuft

ein Projekt, um geeignete Personen für

Gesundheitsberufe zu identifizieren und

ihnen Qualifizierung für diese Jobs anzubieten.

Die Arbeitsagentur unterstützt,

das Beratungsunternehmen ADLER Management

ist Partner. Können große Pflegeeinrichtungen

von solchen Erfahrungen

profitieren? Der Aufwand ist hoch, Integration

erweist sich in der Praxis als eine

komplizierte und langwierige Angelegenheit.

Doch schnelle und einfache Lösungen

sind eben nicht in Sicht. Andreas

Kaczynski, Vorstandsvorsitzender des

Landespflegeverbandes Brandenburg,

bringt es auf den Punkt: „Die langfristige

Sicherung einer menschenwürdigen Pflege

ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

– und sie ist nicht zum Nulltarif zu

haben.“ An einem höheren gesellschaftlichen

Stellenwert mit leistungsgerechter

Bezahlung führe kein Weg vorbei. W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


18 | W+M LÄNDERREPORT

Reger Fahrzeugverkehr auf der A20 bei Rostock.

Küstenautobahn taktet den Norden

Die mehr als 300 Kilometer lange Autobahn A20 in Norddeutschland

ist das am heftigsten umstrittene, am dringendsten

benötigte und am schnellsten realisierte Straßenbau-

Großprojekt der letzten 25 Jahre. Für die Wirtschaft in

Mecklenburg-Vorpommern wurde die West-Ost-Trasse zur

Lebensader und zum Impulsgeber. Von Thomas Schwandt

Die Freigabe der Bundesautobahn

20 am 7. Dezember 2005 war ein

Lückenfüller. In doppelter Hinsicht.

Kurze Zeit vor diesem Tag waren bei Grimmen,

Greifswald und Neubrandenburg die

letzten drei, jeweils rund 17 Kilometer langen

Teilstücke der A20 fertiggestellt worden.

Vordem rollte der Verkehr bereits auf

85 Prozent der primär geplanten 324 Kilometer

Betontrasse zwischen Ost und

West. In seiner Gänze schloss das Bauwerk

im Nordosten eine Lücke im deutschen

Autobahnnetz. Der zur damaligen

Zeit amtierende Bundesverkehrsminister

Manfred Stolpe prognostizierte: „Die A20

wird künftig eine wichtige Verbindung zwischen

den alten und neuen Ländern, aber

auch zwischen West- und Osteuropa herstellen

und besitzt damit europaweite Bedeutung“.

Doch bevor die neue Verkehrsader quer

durch Mecklenburg-Vorpommern diesem

hehren Anspruch gerecht werden konnte,

gingen eineinhalb Jahrzehnte ins Land,

die zum einem geprägt waren von einem

enormen bauplanerischen Aufwand. Die

324 Kilometer A20 bedeuteten das längste

in einem Stück geplante Autobahnprojekt

in Deutschland. Auf den vielen Teilabschnitten

wurden die Streckenverläufe

zigmal geprüft, verworfen und neu erkundet.

Zudem waren 105 Brücken, vier

Autobahnkreuze und 35 Anschlussstellen

zu errichten. Die ersten Planungen starteten

1991. Der A20-Bau war von der Bundesregierung

als Projekt Nr. 10 der insgesamt

17 Verkehrsprojekte Deutsche Einheit

beschlossen worden. Für die rasche

Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in

Ostdeutschland wurden Milliarden-Investitionen

ausgelöst, doch vor allem duldete

das politische Mammutvorhaben keinen

Zeitaufschub. Wie er in jenen Jahren

bei weitaus kleineren Verkehrsbau-Projekten

in den alten Ländern durch zerrende

Planungs- und Einspruchsverfahren üblich

geworden war und sich bis zu zwei Jahrzehnte

ausdehnte. Nachwende-Bundesverkehrsminister

Günther Krause erkannte

frühzeitig dieses Hemmnis und brachte

das „Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetz“

auf den Weg, das zunächst

nur für Ostdeutschland galt. So wurde es

möglich, dass zwischen dem ersten offiziellen

Spatenstich 1995 und der Freigabe

der A20 lediglich zehn Jahre ins Land gingen.

Danach wurde die beschleunigte Planung

für das gesamte Bundesgebiet gesetzlich

zementiert.

Zum anderen waren Planung und Bau der

Küstenautobahn von harscher Kritik und

heftigem Widerstand begleitet. Das Zubetonieren

von Landschaftsräumen hatte

im Westen bei den Bürgern das Maß des

Tolerierens und Erträglichen überschritten.

So entzündete sich an dem Autobahnprojekt

im Osten ein Ost-West-Konflikt. In

einem Beitrag der „Zeit“ von 1994 wurde

die Zustimmung zur A20 bei den Men-

Foto: Thomas Schwandt

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


MECKLENBURG-VORPOMMERN | 19

schen in Mecklenburg-Vorpommern mit

90 Prozent beziffert. Ausschlaggebend

hier waren wirtschaftliche Gründe. Zwischen

1991 bis 1993 verlor beispielsweise

die Hansestadt Wismar mindestens

20 potenzielle Investoren, weil es an leistungsfähigen

Transportwegen mangelte.

Wider die neue Betonpiste stritten allein

in Lübeck 18 verschiedene Bürgerinitiativen.

Diese sorgten sich vor allem um die

schützenswerte Landschaft der Wakenitz-

Niederung an der Landesgrenze zwischen

Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Im Westen wurde die A20

am Kreuz Lübeck mit der A1 verbunden.

Das Bürgerbegehren führte zwischenzeitlich

zu einem Baustopp, der 1998 in

letzter Instanz vom Bundesverfassungsgericht

aufgehoben wurde. Fakt bleibt,

die A20 wurde unter den strengen Auflagen

der europäischen Vogelschutzrichtlinie

und der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie

(FFH) gebaut.

So beschleunigt die Autobahn entstanden

war, so zähflüssig entwickelte sich der Verkehr,

so schleppend entfaltete die Trasse

wirtschaftliche Anziehungskraft. Für den

Großraum Rostock wurden einst 65.000

Fahrzeuge pro 24 Stunden prognostiziert.

Die jüngste Verkehrszählung der Bundesanstalt

für Straßenwesen (BASt) erbrachte

auf dem westlichen Teilstück zwischen

Schönberg und Rostock einen Wert von

bis zu 30.000 Fahrzeugen pro 24 Stunden.

Im weiteren Verlauf gen Osten sinkt die

Zahl auf bis zu 12.000 ab.

Von Anfang an haben vor allem die Häfen

an der Ostseeküste von der A20 profitiert.

Von der Autobahn führt ein Zubringer direkt

in den Seehafen Wismar, wo vor allem

Kali und Salze sowie Forst- und Holzprodukte

über die Kaikante gehen. Auch die

Entwicklung des Holz-Clusters Wismar in

Hafennähe mit mehreren holzverarbeitenden

Betrieben ist der guten Verkehrsanbindung

zuzuschreiben.

Deutschlands größer Ostseehafen Rostock

ist über das Autobahnkreuz A19/A20

an das Hinterland in alle Richtungen ideal

angebunden. Rund 60 Prozent des jährlichen

Umschlags von 25 Millionen Tonnen

Gütern entfallen im Fähr- und RoRo-

Verkehr auf rollende Ladung. Mittelständische

Logistikfirmen wie Homtrans und

Zippel Logistik haben sich nahe des Autobahn-Knotenpunktes

niedergelassen und

verbringen Waren und Güter in alle Himmelsrichtungen.

Auch die vorpommerschen

Häfen Mukran Port, Stralsund, Vierow

und Wolgast sind über die A20 schnell

zu erreichen.

Der Seehafen Rostock hat über die A19, die

aus dem Hafen zum Autobahnkreuz Rostock

führt, direkten Anschluss zur A20.

Anders als unweit des westmecklenburgischen

Teils der Autobahn A24, die Berlin

und Hamburg verbindet und wo vor allem

renommierte Unternehmen aus der Ernährungsbranche

wie Nestlé, Dr. Oetker

und Sweet Tec neue Produktionswerke errichtet

haben, sind die Ansiedlungserfolge

entlang der A20 noch sehr übersichtlich.

Markantes Beispiel ist das Gewerbegebiet

Pommerndreieck. Jahrelang lag das Areal

bei Grimmen brach. Bis es 2013 das ersehnte

Initial gab. Die biosanica Manufaktur

GmbH, Hersteller von Bio-Trockenfrüchten,

siedelte sich in Sichtweite zur A20 an.

Aktuell hat sich die Hamburger AkkuSys

Akkumulator und Batterietechnik Nord

GmbH für das Pommerndreieck entschieden.

Geschäftsführer Björn Nowosadtko:

„Die Produktion an der A20 ermöglicht es,

innerhalb von 48 Stunden die gängigsten

Gabelstaplerbatterien an Kunden in ganz

Deutschland auszuliefern.“ W+M

Foto: Thomas Schwandt, Quelle Schaubild: GeoBasis - DE / BKG 2015

BUNDESAUTOBAHN A20

Die auch als „Küstenautobahn“ bezeichnete

A20 erstreckt sich in ihrer ursprünglich

geplanten Länge von 324 Kilometern

zwischen dem Autobahnkreuz

(AK) Lübeck (A1) in Schleswig-Holstein

und dem AK Uckermark (A11) in Brandenburg.

Auf 280 Kilometern quert

sie auf der West-Ost-Achse komplett

Mecklenburg-Vorpommern. Der Neubau

kostete rund zwei Milliarden Euro.

Die A20 zählt zu den 17 Verkehrsprojekten

Deutsche Einheit. Der Bau ist noch

nicht abgeschlossen. Die Autobahn

führt inzwischen rund 20 Kilometer

über das Kreuz Lübeck hinaus und soll

nördlich von Hamburg weiter in Richtung

Westen bis nach Niedersachsen

hinein verlängert werden.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


TLÄNDERSCHWERPUNK

20 | W+M SCHWERPUNKT

THÜRINGEN

„Der Aufbau Ost

ist gelungen“

Optik-Fertigung bei ZEISS in Jena.

In den zurückliegenden zwei Jahren hat sich Thüringens Wirtschaft

solide und leicht wachsend entwickelt. Vor allem die Industrie

konnte ihre Umsätze weiter ausbauen. Der kontinuierliche

Aufschwung sorgte für einen Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen

um zwei Prozent auf aktuell 786.000 sozialversicherungspflichtig

Beschäftigte. Von Karsten Hintzmann

Einer der großen Leuchttürme der

Thüringer Wirtschaft ist zweifellos

die optische Industrie rund um

Jena. Doch längst haben sich weitere

Wirtschaftszentren im gesamten Freistaat

etabliert. Folgt man einer Studie der in Erfurt

ansässigen Landesentwicklungsgesellschaft,

gelten heute 94 Thüringer Unternehmen

als Markt- und Technologieführer,

darunter 32 Weltmarktführer und 62

Marktführer in Europa.

Aufgrund dieser nachweislich positiven

Entwicklung wünscht sich Thüringens

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee

(SPD) endlich eine differenziertere und faire

Debatte über den seit 26 Jahren andauernden

Aufholprozess seines Landes: „Ich

nehme immer wieder Studien von Wirtschaftsforschungsinstituten

zur Kenntnis,

die sich mit dem Aufhol- und Angleichungsprozess

der ostdeutschen Wirtschaft befassen.

Man zieht dort nahezu ausschließlich

das Bruttoinlandsprodukt heran, vergleicht

Ostdeutschland mit Westdeutschland

und kommt zum Schluss, dass es nach

wie vor eine große Differenz gibt und der

Angleichungsprozess stagniert, die Lücke

zwischen Ost und West schließt sich

nicht.“ Daraus werde dann mitunter geschlussfolgert,

so Tiefensee kopfschüttelnd,

dass es wenig Sinn mache, weiteres

Geld für den Aufbau Ost auszugeben,

da sich ja nichts bewege. Wolfgang

Tiefensee: „Bei diesen Einschätzungen

wird außer Acht gelassen, dass wir ein

bewegliches Ziel erreichen wollen. Westdeutschland

bleibt nicht im Marathonlauf

an der Ecke stehen und wartet auf uns.

Nein, Westdeutschland bewegt sich und

hat hohe Wirtschaftssteigerungsraten –

ähnlich wie der Osten. Daher ist es schon

ein gutes Zeichen, wenn der Abstand zwischen

Ost und West nicht größer wird.“

Der Wirtschaftsminister hält daher

den allgemein üblichen

Ost-West-Vergleich für

untauglich. Tiefensee:

„Wir sollten stattdessen

feststellen, wo

Thüringen im Ranking

aller Bundesländer

steht. Was den

Industriearbeitsplatzbesatz

betrifft, ist Thüringen

das stärkste ostdeutsche

Bundesland und

hat mittlerweile selbst Nordrhein-Westfalen,

Niedersachsen und Hessen überholt.

Hinsichtlich der Arbeitslosenquote stehen

wir auf Platz sechs der Bundesländer, weit

vor den anderen ostdeutschen Bundesländern.

Bei den Lohnsteigerungen kommen

wir auf knapp neun Prozent. Das ist die

höchste Rate in Deutschland, auch wenn

Thüringen zugegebenermaßen ein geringeres

Lohnniveau als andere Länder hat. Oder

kommen wir zu den Patentanmeldungen.

Hier setze ich den Fokus noch enger – auf

Jena. Wenn in Deutschland im Jahr 2014

durchschnittlich 59 Patente auf 100.000

Einwohner kommen, dann sind es in Jena

195 Patente. Ein Spitzenwert!“ Wenn man

auf all diese Kriterien schaue, so Tiefensee,

müsse man konstatieren, dass der Aufbau

Ost gelungen sei. „Wir können mit Fug und

Recht sagen: Die Anstrengungen haben

sich gelohnt und das eingesetzte Geld ist

überwiegend gut angelegt worden und hat

seine angestrebte Wirkung entfaltet. Und

dennoch stehen wir auch weiter vor enormen

Herausforderungen, um den Wachstumsprozess

fortzusetzen. Daher

ist eine zielgenaue und kraftvolle

Unterstützung der

strukturschwachen Gebiete,

übrigens in Ost

und West, dringend

geboten.“ W+M

Thüringens

Wirtschaftsminister

Wolfgang Tiefensee.

Fotos: Carl Zeiss AG (oben), W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


THÜRINGEN | 21

Der Kleinwagen ADAM wird

bei Opel in Eisenach gefertigt.

Foto: Opel

Stark vernetzt in

Deutschlands Mitte

Oft sind es kleine und wenig bekannte Mittelständler, die Thüringen

heute zu einem der innovativsten Wirtschaftsstandorte Deutschlands

machen. So etablierten sich inzwischen quer durch alle Branchen

um die 20 Kompetenznetzwerke und dutzende Weltmarktführer. Als

umsatzstärkster Industriezweig glänzt dabei der Bereich Automotive.

International für Aufsehen sorgen auch die Informations- und

Kommunikationstechnologien (IKT) sowie die Life Sciences.

Von Harald Lachmann

Automotive:

Breite technologische Palette

Schon über hundert Jahre werden in Thüringen

Autos gebaut. Heute sorgen neben

einigen Großbetrieben vor allem flexible

Mittelständler für das Wachstum in

dieser Branche. Sie verkörpern zugleich

eine breite Palette an technologischen

Kompetenzen. Auch die Forschungslandschaft

des Landes spiegelt das wider,

so dass die Firmen zugleich auf Spitzen-

Know-how zurückgreifen können. Mehrere

Hochschulen bieten Ingenieur-Studiengänge

mit direktem Bezug zur Branche

Automotive, allen voran die Technische

Universität (TU) Ilmenau mit dem

Fachgebiet Kraftfahrzeugtechnik und die

Hochschule (HS) Schmalkalden.

Mehrere Hochschulen engagieren sich

auch im Branchenverein automotive thüringen

e. V. (at), so die HS Nordhausen.

Dieser Cluster wurde im Jahr 2000 von

neun Automobilzulieferern gegründet

und zählt inzwischen 99 Mitglieder mit

30.000 Mitarbeitern. Mit einem Gesamtumsatz

von 4,19 Milliarden Euro bestimmen

sie ebenfalls klar die Spitze der wichtigsten

Cluster im Freistaat. Flagge zeigte

eine Reihe at-Betriebe Ende September

zur 66. Internationalen Nutzfahrzeug-

Ausstellung in Hannover. Ihren Gemeinschaftsstand

unterstützte auch die Landesentwicklungsgesellschaft

Thüringen.

Durch ein enges Miteinander von Wirtschaft

und Wissenschaft setzt Thüringen

inzwischen auch bundes- und sogar europaweit

Akzente beim Wandel zu mehr

nachhaltiger Mobilität. Das Land unterstützt

dies mit Förderprogrammen. Als

Herzstück einer Green-Mobility-Initiative

der Erfurter Regierung agiert dabei das

Thüringer Innovationszentrum Mobilität

(ThIMo) an der TU Ilmenau. Industriefirmen

entwickeln hier gemeinsam mit Wissenschaftlern

Technologien für umweltund

ressourcenschonende, schadstoffarme

und effizientere Verkehrsstrukturen.

Thüringen liegt verkehrsgünstig in der

geografischen Mitte Deutschlands. Fünf

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


22 | W+M SCHWERPUNKT

Autobahnen verbinden den Freistaat mit

allen deutschen Metropolen sowie den

Fertigungsstätten der großen Automobilhersteller.

Das lockte auch Global Player

an, etwa General Motors (Opel Eisenach),

Magna (Heiligenstadt), Bosch (Eisenach),

BMW (Krauthausen), Daimler

(Kölleda) sowie die beiden Zulieferer für

Turboladersysteme IHI (Ichtershausen)

und BorgWarner (Arnstadt).

Selbst ein weltweit tätiger Baumaschinenhersteller

wurde inzwischen in Eisenach

heimisch: Die Bell Equipment Ltd.

aus Südafrika produziert hier Muldenkipper

und gehört damit zu den deutschen

Marktführern. Weitere wichtige Unternehmen

der Branche sind, um nur einige

wenige zu nennen, Multicar (Waltershausen),

MITEC (Eisenach), Automotive

Lighting (Brotterode), Eaton (Nordhausen),

das Gelenkwellenwerk Stadtilm

sowie Muhr und Bender (Weißensee).

IKT-Bereiche:

Enge Kooperation mit Forschung

Viele Start-ups wie auch eine Reihe etablierter,

börsennotierter Unternehmen

prägen heute die Thüringer IKT-Szene.

Sie umfasst 1.100 Firmen mit zusammen

21.000 Mitarbeitern. Hinzu kommen 14

Ihre Schwerpunkte hat die Thüringer IKT-

Branche bei Hardwaresystemen in der

Entwicklung und Fertigung von Nachrichtentechnik,

Medientechnik, bei Personalcomputern

sowie Telematik-Komponenten.

Im Bereich Software fokussieren

sich die Firmen auf Webtechnologien,

eCommerce, Business- beziehungsweise

Sicherheitssoftware, eGovernment-

Anwendungen, Telekommunikation, Bildund

Signalverarbeitung, Leistungselektronik,

Mikrooptik, -sensorik und -elektronik,

Lasertechnik, Mikrosystemtechnik

sowie Nanotechnologien. Einen hohen

Stellenwert nimmt zudem die Entwicklung

von Embedded Systems ein, also

von Softwarearchitektur, bei denen Rechner

für Überwachungs-, Steuer- oder Regelfunktionen

in einen technischen Kontext

eingebunden werden. So forschen in

Ilmenau das Institut für Mikroelektronikund

Mechatronik-Systeme an Lösungen

für integrierte Schalt- und Systemtechnik

und das Fraunhofer-Institut für Digitale

Medientechnologie IDMT an Schlüsseltechnologien

für neue digitale Medienwelten,

die inzwischen weltweit Interesse

finden.

Weltweit gefragt: Das von der Jena Med Tech GmbH entwickelte System LithoSpace®.

Bei Opel in Eisenach werden auf modernsten

Fertigungsanlagen alle Modellvarianten

des dreitürigen Corsa sowie

inzwischen auch das neue Modell

Adam gefertigt. Mit rund 1.600 Mitarbeitern

ist das Werk einer der größten Arbeitgeber

im Freistaat. Im Motorenwerk

MDC Power GmbH montieren die Teams

an den Fertigungsstraßen Aggregate zwischen

54 und 204 PS für eine breite Fahrzeugpalette:

vom Cityflitzer smart bis zur

Oberklassenlimousine.

Forschungseinrichtungen und Entwicklungsinstitute,

zwei Applikations- sowie

sieben Gründerzentren und acht Universitäten

und Hochschulen. Auch dank dieses

gut ausgebildeten Fachkräftepotenzials

sind in Thüringen allein bei Informations-

und Kommunikationsprodukten 24

weltweite Markt- und Technologieführer

zu Hause. Hierzu zählen etwa IBYKUS

(Erfurt), Funkwerk (Kölleda), Intershop

(Jena), bluechip Computer (Meuselwitz),

EPSa Saalfeld und Hyrican (Kindelbrück).

Einige der in IKT-Branchen tätigen Thüringer

Kompetenznetze sind zugleich

eng mit den Lebenswissenschaften (Life

Sciences) verbundenen, so etwa Opto-

Net und SpectroNet. Eine führende Rolle

spielt in diesem Zukunftsmetier aber

auch der Branchenverband für Medizintechnik

und Biotechnologie medways

e. V. Die hierin zusammengeschlossenen

Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen

führen eine lange

und erfolgreiche Tradition weiter. Denn

aus Thüringen kommen Erfindungen wie

das quecksilberfreie Thermometer, die

Röntgenröhre oder das Mikroskop. Jenaer

Wissenschaftler waren zudem an der

Entschlüsselung der menschlichen Chromosomen

8, 21 und X beteiligt.

Life Sciences:

Weltweit führende Produkte

Gegenwärtig umfasst der Wirtschaftszweig

Life Sciences in Thüringen 420

Unternehmen mit 17.000 Beschäftigten.

Ihre Kernkompetenzen haben sie in

der Biotechnologie bei der funktionellen

Genomforschung, bei Diagnostika, in der

Lebensmitteltechnologie sowie bei miniaturisierten

und hochparallelisierten Ana-

Foto: Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


THÜRINGEN | 23

(ILS) aus Stützerbach bei Ilmenau. Denn

die Mikroliterspritzen und hochwertigen

Glasspritzen für anspruchsvolle Medizinanwendungen,

die die 30 Mitarbeiter herstellen,

sind auf dem Globus weitestgehend

ohne Konkurrenz. So sieht man in

Denver mit der Übernahme der Thüringer

eine „große Chance, die eigene globale

Präsenz zu erweitern“ und in Kombination

mit „der treibenden Innovationskultur

von ILS den Kunden einen einzigartigen

Mehrwert anbieten“ zu können.

Foto: Intershop

Die Thüringer Intershop Communications AG liefert Software für den Internethandel.

lysesystemen. In der Medizintechnik konzentrieren

sich die Unternehmen – oft gemeinsam

mit Forschungseinrichtungen

– auf minimalinvasive Techniken, Laseranwendungen,

Implantate, Biomaterialien,

Messtechnik und Sensorik. Und in

der Pharmazie liegen die Schwerpunkte

auf der Entwicklung und Herstellung innovativer

Therapeutika und Verbandmaterialien

sowie in der Produktion steriler,

fester wie auch flüssiger Arzneiformen.

Oft sind es auch bei den Life Sciences

kleinere Unternehmen, die in ihren Segmenten

inzwischen den Weltmarkt anführen.

So übernahm erst im September

der US-Konzern Gardner Denver Medical

die Firma Innovative Labor Systeme

Weitere weltweit führende Thüringer

Anbieter in diesem Wachstumssegment

sind unter anderem die Aeropharm

GmbH aus Rudolstadt, die pharmazeutische

Aerosolen und Liquida entwickelt,

die auf in-vitro-Diagnostika spezialisierte

Alere Technologies GmbH aus Jena,

die ebenfalls in Jena beheimatete Analytik

Jena – ein weltweiter Systemanbieter

für analytische und bio-analytische Instrumente

– und die Carl Zeiss Meditec AG

mit ihren Systemlösungen für die Augenheilkunde.

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24 | W+M SCHWERPUNKT

„Ich halte Papst Franziskus für

eine faszinierende Persönlichkeit“

W+M-Interview mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke)

W+M: Herr Ministerpräsident, Sie führen

den Freistaat Thüringen nun seit

fast zwei Jahren als Ministerpräsident

und stützen sich dabei auf eine denkbar

knappe rot-rot-grüne Mehrheit im Landtag.

Macht das Regieren noch Spaß, obwohl

Sie vermutlich ständig nach Kompromissen

suchen müssen?

Bodo Ramelow: Ich empfinde die knappe

Mehrheit nicht als Last. Ich wollte

eine rot-rot-grüne Regierung und habe

viele Jahre darauf hingearbeitet. Im Unterschied

zu den heutigen Drei-Parteien-

Konstellationen, die nach uns kamen und

im Grunde alle nur eine Reaktion auf die

durch die Wahlerfolge der AfD entstandenen

schwierigen Konstellationen waren,

sind wir hier in Thüringen die einzige

Dreier-Konstellation, die sich aus freien

Stücken gebildet hat. Das Besondere

daran ist, dass alle drei Partner auf Augenhöhe

miteinander umgehen. Die eine

Stimme Mehrheit haben wir bisher nur

ein einziges Mal benötigt und zwar bei

meiner Wahl zum Ministerpräsidenten.

Seitdem achte ich darauf, dass wir sie

möglichst nicht brauchen.

Bodo Ramelow: Es gab damals

nicht nur Freude im Land,

als wir an die Regierung kamen.

Aber die Vertreter der

Wirtschaft in Thüringen kennen

mich seit 26 Jahren. Sie wussten

aus meinem bisherigen Wirken, dass

der Ramelow ein pragmatisch denkender

Mensch ist, der an verlässlichen Absprachen

über die nächsten Etappen der wirtschaftlichen

Entwicklung des Freistaates

interessiert ist. Daher würde ich auch

nicht behaupten, es gibt einzig und allein

die Wirtschaftspolitik der rot-rot-grünen

Landesregierung. Vieles von

dem, was wir machen,

ist die Fortsetzung

oder auch Verstärkung

von Maßnahmen

die von den

Vorgänger-Regierungen

auf die

Schiene gesetzt

wurden.

Es wäre also

falsch zu behaupten,

wir

hätten in

zwei

Jahren alles neu erfunden. Wir haben

heute die höchste Industriearbeitsplatzdichte

Deutschlands. Das sage ich auch

mit Stolz. Aber das ist nicht erst jetzt entstanden,

sondern Ergebnis von Entwicklungen,

die mit den Umbrüchen vor 26

Jahren ihren Anfang nahmen.

Natürlich werbe ich auf allen Reisen, die

ich als Ministerpräsident absolviere, für

unsere Wirtschaft. Ich fahre in Kürze

zum Beispiel nach Südtirol.

Wir haben drei starke Südtiroler

Firmen mit Niederlassungen

in Thüringen.

Die hatten mich schon

auf der EXPO in Mailand

eingeladen. Ich möchte in

W+M: Welche zählbaren Resultate

hat Ihre Regierung in den

letzten zwölf Monaten für den

Wirtschaftsstandort Thüringen

eingefahren? Gab es beispielsweise

wichtige Ansiedlungserfolge?

Foto: W+M

Ministerpräsident Bodo Ramelow mit

einer Lithium-Batterie aus Nordhausen.

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


THÜRINGEN | 25

Südtirol Werbung mit diesen Firmen für

den Standort Thüringen machen und ich

möchte dort auch die Gastronomie einladen,

uns im Tourismus zu helfen.

W+M: Als wir uns vor Jahresfrist zu unserem

letzten Interview trafen, sagten Sie,

die mittelständischen Betriebe seien die

Thüringer Konzernzentralen der Zukunft.

Gibt es aus Ihrer Sicht Unternehmen, die

tatsächlich das Zeug dazu haben, in die

Konzern-Liga aufzusteigen?

Foto: W+M

Bodo Ramelow: Wir haben 60 Weltmarktführer.

Das deutet die Richtung an,

in die die Entwicklung geht. Ich beobachte

sehr aufmerksam, was im Bereich Elektromobilität

vor sich geht. Auf meinem

Schreibtisch liegt eine Lithium-Batterie

– hergestellt in Nordhausen. Mit diesem

Teil werden russische Proton-Raketen in

den Orbit geschickt. Es gibt das Solarschiff

„Race to Water“, das die Welt umrundet

hat – auch dank der Lithium-Batterien

aus Nordhausen. Wenn dieser Teil

der Technologie industriereif ist, wird sich

der Bereich der Automobilzulieferer dramatisch

verändern, insbesondere was die

Motoren und Antriebe betrifft. Wir stehen

vor riesigen technologischen Veränderungen.

Und die Herausforderung besteht

darin, Thüringen für diese Zukunft

fit zu machen. Wir sind in einem kontinuierlichen

Austausch mit Forschungsinstituten

und Universitäten und schauen, ob

und wie wir Veränderungsketten für unsere

kleinen und mittelständischen Unternehmen

hinbekommen.

Lassen Sie mich hier noch eine Geschichte

erzählen, die schier unglaublich ist: In

New York sitzt ein junger Mann und grübelt,

wie man mit Internethandel einen

neuen Markt aufrollen kann. Er glaubt,

dass Nassrasierer eine gute Option sind.

Aber er stellt fest, dass er keine Rasierklingen

auf dem Markt bekommt, der –

fest in der Hand von Gillette und Wilkinson

– ein Oligopol ist. Aber er gibt nicht

auf und wird bei seiner Suche tatsächlich

fündig. Und wo? In Eisfeld, in Thüringen.

Ein ehemaliger DDR-Betrieb, der überlebt

hat. Dort fragt er an, ob er für seine

Firma Henrys Rasierklingen bekommen

kann. Er bekommt sie. Über Crowdfunding

sammelt er 150 Millionen Euro ein,

Ministerpräsident Bodo Ramelow empfing W+M-Herausgeber Frank Nehring (l.) und

Chefredakteur Karsten Hintzmann (r.) in der Erfurter Staatskanzlei zum Interview.

kauft das Thüringer Unternehmen und

greift jetzt die Weltmarktführer an. Alle

Einwegrasierer, die es bei Lidl und dm

gibt, kommen aus Eisfeld.

All diese Geschichten zeigen die großen

Potenziale, die in unserem Land stecken.

Hier geht wirklich die Post ab.

W+M: Der demografische Wandel stellt

auch Ihr Bundesland vor große Herausforderungen.

In den nächsten zehn Jahren

fehlen in Thüringen rund 280.000 Facharbeiter.

Welche Maßnahmen treffen Sie,

um den drohenden Fachkräftemangel abzuwenden?

Bodo Ramelow: Wir müssen auf der

politischen Ebene die Zuwanderungsdebatte

gestalten und sollten sie ohne rassistische

Untertöne führen. Deutschland

braucht Zuwanderung. Dieses Land ist

seit jeher durch Zuwanderung stark geworden.

Nehmen wir nur Thüringen: In

den vergangenen 25 Jahren haben wir

hier netto 450.000 Menschen verloren.

In derselben Zeit ist Bayern um 1,5 Millionen

Menschen größer und stärker geworden.

Ich will da gegensteuern und plädiere

für eine soziale Zuwanderungsgesellschaft.

Das schließt selbstverständlich

ein, dass wir unsere Langzeitarbeitslosen

nicht vergessen, sondern sie in den Arbeitsmarkt

zurückholen und integrieren.

Wir werben heute schon an. Kurz vor unserem

Gespräch hier habe ich mit dem

griechischen Botschafter telefoniert. Wir

können hier jungen Leuten aus Griechenland

eine vernünftige Ausbildung bieten.

Wir haben etwa das Erfurter Berufsbildungszentrum,

eine exzellente Einrichtung.

Gute Ausbildungsstätten helfen

bei der Ansiedlung. Als Rolls-Royce entschieden

hat, sein Flugzeugmotorenwerk

in Ostdeutschland anzusiedeln,

hatte Brandenburg eigentlich die besseren

Chancen, denn dort saß Rolls-Royce

schon. Aber Erfurt hat die Ansiedlung

bekommen. Entscheidend dafür war:

Wir konnten über das Erfurter Berufsbildungszentrum

die komplette Ausbildung

des erforderlichen Fachpersonals sicherstellen,

obwohl es bei uns gar keine Flugzeugbautradition

gab.

Der Faktor Bildung ist unglaublich wichtig,

besonders die duale Bildung. Und die

wird bereichert und komplettiert durch

die duale Hochschule – etwa in Eisenach

und Gera. Alle dualen Studiengänge werden

gemeinsam mit der Wirtschaft konzipiert.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


26 | W+M SCHWERPUNKT

W+M: Könnten die Flüchtlinge das Fachkräfteproblem

perspektivisch lösen?

Bodo Ramelow: Für mich ist die Unterbringung

und Integration der Flüchtlinge

ein relativ kleines Teilprojekt der eigentlichen

Debatte. Wir brauchen eine organisierte

und offensive Zuwanderungsdebatte

in Deutschland. Und nicht eine

Obergrenzen-Flüchtlingsdebatte. Wir

haben in Thüringen 2,16 Millionen Einwohner

und einen Bedarf an weit über

200.000 Facharbeitern. Da muss es im

Interesse des Landes möglich sein, die

Integration von 21.000 Flüchtlingen hinzubekommen.

W+M: Für einen Linken-Politiker gehen

Sie mitunter ungewöhnliche Wege – Sie

erhalten eine Audienz beim Papst und

pflegen besondere Kontakte zum Fürstentum

Monaco. Was bedeutet dem Protestanten

und Sozialisten Ramelow eine

Audienz beim Papst?

Bodo Ramelow: Am Tag, als ich gewählt

wurde, fragte mich eine Journalistin, was

mein größter Wunsch wäre. Und spontane

Antwort war: Eine Audienz beim Papst.

Ich halte Franziskus für eine faszinierende

Persönlichkeit. Ich war ja bereits als

Bundestagsabgeordneter bei Papst Benedikt

und fand es seinerzeit beeindruckend,

als Protestant hinter die Kulissen des Vatikans

schauen zu können. Das hat mir eine

Menge Einblicke in die Weltkirche gegeben

und mich an vielen Stellen auch zum

Nachdenken über Sichten bewogen.

Ich habe mich durchaus geehrt gefühlt,

dass ich relativ schnell eine Audienz bei

Franziskus bekam. Wobei ich hinzufügen

möchte, dass ich als Ministerpräsident

des Landes Thüringen auch staatsrechtlichen

Anspruch auf eine Audienz habe,

da wir mehrere Staatsverträge mit dem

Heiligen Stuhl abgeschlossen haben und

somit Vertragspartner des Vatikans sind.

Mein Parteifreund Gregor Gysi hatte mir

geschrieben, er wolle unbedingt auch

eine Audienz haben und ich sollte in dieser

Angelegenheit mal vorfühlen. Da wurde

mir aber klargemacht, nein, Gysi hat

keinen Staatsvertrag und könne höchstens

als meine Begleitung mitreisen.

Dazu ist es aber dann nicht gekommen.

W+M: Vor einigen Wochen haben Sie

Fürst Albert II. von Monaco durch Gotha

geführt. Dort liegen die familiären Wurzeln

des Fürstenhauses. Wie kann Thüringen

von der Intensivierung der Kontakte

zu Monaco profitieren?

Bodo Ramelow: Das Thüringer Wappen

hat acht Sterne. Davon stehen sieben

Sterne für die ernestinischen Residenzen

und der achte Stern steht für

das preußische Erfurt und das Eichsfeld.

Sowohl das monegassische Fürstenhaus

als auch das englische Königshaus

haben ihre Wurzeln in Thüringen,

konkret im ehemaligen Königshaus von

Sachsen, Gotha und Coburg. Die Ernestiner

sind das Fundament Europas. Und

warum sollte ich das nicht im Blick haben,

wenn ich daraus Kontakte entwickeln

oder auch vertiefen kann. Im Übrigen:

Fürst Albert hat sich hochinteressiert

gezeigt an den bereits erwähnten

Lithium-Batterien aus Nordhausen, weil

Elektroantriebe und Dekarbonisierung für

ihn wichtige Themen sind.

W+M: Im Gegensatz zu den meisten Ministerpräsidenten

ist bei Ihnen die Diskussion

über eine Neuordnung der Bundesländer

kein Tabuthema. Brauchen wir

eine Neuordnung der Bundesländer?

Bodo Ramelow: Wir sind gerade dabei,

die Zukunftsfestigkeit unseres Bundeslandes

herzustellen. Wir befinden uns

mitten in einer großen und durchaus

kontroversen Debatte über eine Verwaltungs-,

Funktional-, und Gebietsreform.

Das ist nie ein Gewinnerthema. Aber alle

betriebs- und volkswirtschaftlichen Kennziffern

sagen uns, dass wir so nicht weitermachen

können. Wir haben eine Verwaltung,

die könnte eine Million Menschen

mehr verwalten. Wir haben Überkapazitäten,

müssen circa 8.000 Stellen

ZUR PERSON

Bodo Ramelow wurde am 16. Februar

1956 in Osterholz-Scharmbeck geboren.

Nach dem Hauptschulabschluss

erlernte er den Beruf des Einzelhandelskaufmanns.

Von 1981 bis 1990

war er Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen,

von 1990 bis 1999 Landesvorsitzender

der Gewerkschaft HBV in

Thüringen. 1999 trat er der PDS bei und

zog im selben Jahr erstmals in den Thüringer

Landtag ein. 2004 und 2009 nominierte

ihn seine Partei zum Spitzenkandidaten

in Thüringen. Seit Dezember

2014 steht Ramelow als Ministerpräsident

an der Spitze der rot-rot-grünen

Landesregierung im Freistaat. Er ist in

dritter Ehe verheiratet und Vater zweier

Söhne.

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


THÜRINGEN | 27

abbauen. Wir bekommen das ohne Entlassungen

hin, durch natürliche Fluktuation

wie Verrentung. Gleichwohl gibt es

Diskussionen, und da wird die Frage, ob

nicht eine Länderfusion besser wäre, immer

wieder gern als Ablenkung genommen.

Ich tabuisiere solche Fragestellungen

nicht, aber ich weiß, auch in einem

fusionierten neuen Staatsgebilde müssten

die Hausaufgaben gemacht werden.

W+M: In knapp einem Jahr finden Bundestagswahlen

statt. Vor dem Hintergrund

aktueller Umfragen wird immer

öfter über ein rot-rot-grünes Bündnis

spekuliert. Was fehlt Ihrer Partei auf

Bundesebene noch, um tatsächlich regierungsfähig

zu werden?

Foto: W+M

Bodo Ramelow: Ich finde, wir – wie

auch die möglichen Koalitionspartner –

sollten den Mut haben auszuhalten, dass

es neben vielen Gemeinsamkeiten auch

Trennendes zwischen uns gibt. Auch darüber

kann und soll man reden, aber bitte

nicht in der Form wechselseitig formulierter

Ausschlusskriterien. Aber es wäre

gut, wenn wir das Trennende einfach akzeptieren.

Dann müsste die SPD uns so

annehmen wie wir sind, umgekehrt wir

aber auch die SPD in ihrer Eigenständigkeit.

Das ist ein Punkt, der mir manchmal

an meiner Partei nicht gefällt: Dass sie

immer denkt, die anderen müssten sich

erst so entwickeln, wie wir schon sind.

Aber dann wären sie ja Mitglied bei uns.

Interview: Karsten Hintzmann und

Frank Nehring

Wir sind die Gestalter

der Energiezukunft.

Dezentral, erneuerbar, vernetzt, effizient: So wünschen sich unsere

Kunden aus Industrie, Gewerbe und Kommunen ihre Energie. Wir

setzen diese Wünsche in die Tat um und gestalten bereits heute

die Zukunft der Energie – dabei greifen Infrastruktur, Technik und

Dienstleistungen ineinander. Energieeffizienz ist für uns der Schlüssel,

um wirtschaftlich zu handeln und Ressourcen zu schonen.

Aktiv in allen Bereichen, die für eine nachhaltige Energiezukunft

relevant sind: Das ist ENGIE.

Energien optimal einsetzen.

engie-deutschland.de


28 | W+M SCHWERPUNKT THÜRINGEN

Die Botschafterin

Kati Wilhelm gehört

weltweit zu den

erfolgreichsten

Biathleten.

Kati Wilhelm ist ein echtes Thüringer

Aushängeschild. Die heute 40-Jährige

hat bereits in vielen Ländern Sympathien

für den kleinen Freistaat in der Mitte

Deutschlands gewonnen. Mit insgesamt

20 Medaillen bei Olympischen Spielen

und Weltmeisterschaften gehört sie

zu den erfolgreichsten Biathleten

weltweit. Jetzt, nach ihrer aktiven

Laufbahn, ist sie Unternehmerin, ARD-

Expertin, hält Vorträge und leistet

wichtige Aufklärungsarbeit für frühzeitige

Altersvorsorge. Von Karsten Hintzmann

Ihrem Markenzeichen ist Kati Wilhelm

treu geblieben – sie trägt ihr Haar fast

signalrot und empfängt Gesprächspartner

stets mit einem strahlenden Lächeln.

Dass sie heute als Multifunktionsträgerin

in einen fast militärisch engen Terminkalender

gepresst ist, sieht man ihr nicht an. Die

zweifache Mutter, die mit ihrer Familie in

Steinbach-Hallenberg lebt, sprüht einfach

vor Energie und Tatendrang.

Anders als andere frühere Spitzensportler

schaffte Kati Wilhelm problemlos den Ausstieg

aus der Loipe. Mit Bronze in der Staffel

bei der Olympiade 2010 in Vancouver

trat sie von der großen Bühne ab. Nur we-

Kati Wilhelm (r.) und BVUK-Geschäftsführer

Michael Reizel.

nige Monate später tauchte sie schon wieder

auf den Bildschirmen auf – als ARD-Biathlonexpertin

erläutert sie seither die Rennen

ihrer Nachfolger. Parallel dazu kümmert

sie sich um junge Sportler und veranstaltet

jedes Jahr das „Kati Nachwuchs Camp“.

Einen „ordentlichen“ Berufsabschluss hat

sie auch in der Tasche, sie absolvierte an

der Fachhochschule Ansbach erfolgreich

ein Studium in der Fachrichtung „Internationales

Management“. 2014 erfüllte sie

sich einen langgehegten Traum: Sie eröffnete

in ihrem Heimatort ein eigenes Lokal

– „Heimatlon“.

In diesem Sommer nun hat Kati Wilhelm

eine weitere Aufgabe übernommen, für die

sie sich mit voller Überzeugung einsetzt. Sie

ist neue Botschafterin der auf Altersvorsorgesysteme

spezialisierten BVUK.Gruppe,

die ihren Hauptsitz in Würzburg hat. In dieser

Funktion leistet sie Aufklärungsarbeit

für die frühzeitige Altersvorsorge und die

vorausschauende Absicherung gegen Berufsunfähigkeit.

BVUK-Geschäftsführer Michael Reizel freut

sich, mit Kati Wilhelm eine Persönlichkeit

gefunden zu haben, die international einen

exzellenten Ruf genießt und die bereit ist,

das große Thema Altersvorsorge voran zu

bringen: „Kati Wilhelm ist nicht nur eine

ideale Repräsentantin für unser Unternehmen,

sondern darüber hinaus eine überaus

glaubwürdige Botschafterin für die so wichtige

Idee der rechtzeitigen individuellen Altersvorsorge.

Sie ist einer breiten Öffentlichkeit

bekannt und als untadelige Sportlerin

ein echtes Vorbild. Angesichts des

maroden staatlichen Rentensystems und

der daraus resultierenden Notwendigkeit,

dass jeder Bürger in unserem Land zusätzlich

vorsorgen muss, um im Alter seinen bisherigen

Lebensstandard halten zu können,

bin ich fest davon überzeugt, dass Kati Wilhelm

das Thema mit ihrer Art frisch, unverstaubt

und für die breite Öffentlichkeit gut

verständlich angehen wird.“

Kati Wilhelm freut sich auf die neue Herausforderung:

„Ich halte das Thema Altersabsicherung

für extrem wichtig. Auch aus Arbeitgebersicht.

Immerhin bin ich inzwischen

selbst Arbeitgeberin und mache mir Gedanken

darüber, wie mein Unternehmen attraktiv

für meine jetzigen und künftigen Mitarbeiter

ist und wird. Vielfach unterschätzt

wird aktuell das Thema Berufsunfähigkeit.

Solch ein Schicksalsschlag kann Menschen

mitunter von einem auf den anderen Tag aus

dem Arbeitsleben reißen. Hier muss man

einfach vorsorgen.“

W+M

Fotos: Ingo Peters (oben), BVUK.Gruppe (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


UND WOVON TRÄUMEN SIE?

NEUGIER LIEGT DEN SACHSEN IM BLUT. So werden aus Träumen

und Ideen echte Innovationen, die die Welt bereichern. Sachsen ist das

Land der Erfinder, vom Audi bis zur Zeitung. Durch unsere exzellenten

Wissenschaftsstandorte und eine lebendige Start-up-Szene werden wir

diesem Ruf auch in Zukunft gerecht. Wie vielfältig Ihre Träume in Sachsen

erfüllt werden, erfahren Sie auf:

www.so-geht-sächsisch.de


30 | W+M TITEL

Zukunft Ost

Welche Ideen und Perspektiven unsere Elite für die

Wirtschaft in den neuen Bundesländern entwickelt

Ostdeutschland verfügt heute über

einen zwar kleinteiligen, aber dennoch

robusten, innovativen und

selbstbewussten Mittelstand. Ein Unternehmertum,

dem es zunehmend gelingt,

auch ohne eigene Forschungsabteilungen

Spitzenprodukte für den Weltmarkt

zu produzieren und gegen Wettbewerber

aus Fernost und Amerika zu

bestehen. Das ist ein durchaus positives

Zwischenfazit. Aber welche Rahmenbedingungen

braucht die ostdeutsche Wirtschaft,

um sich weiterzuentwickeln, um

in den nächsten zehn, 20 und 30 Jahren

weiter wachsen und konkurrenzfähig sein

zu können? Elementare Zukunftsfragen,

mit denen sich die in den neuen Bundesländern

entstandene und gewachse-

Prof. Dr. Christoph Meinel Sigmar Gabriel Heinrich von Nathusius

Dr. Dietmar Woidke Prof. Dr. Jörg K. Ritter Dr. Reiner Haseloff

Holger Werner

Erwin Sellering

Nora Heer

Christian Pegel Dr. Ralph Beckmann Iris Gleicke

Prof. Dr. Johanna Wanka Manfred Schmitz

Veronika Hammond

Bodo Ramelow

Michael Müller

Alexander Winter

Prof. Dr. Joachim Ragnitz

Martin Dulig

Fotos: BMWi_Maurice Weiss (1. Reihe 2. v. l.), W+M (2. Reihe 1. v. r.), EM.MV-Regierung (4. Reihe 1. v. l.), restliche Bildnachweise siehe Folgeseiten

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


owf2016.de

W+M | 31

20. – 21 . OKTOBER 2016A-ROSA

BAD SAAROW

ne Elite befassen muss und zunehmend

auch befasst. Beste Gelegenheit dazu

bietet ein Gipfeltreffen, das im Oktober

erstmals in Bad Saarow stattfindet.

Im idyllischen Bad Saarow vor den Toren

Berlins treffen sich am 20. und 21. Oktober

2016 Spitzenpolitiker, Familienunternehmer

und führende Wissenschaftler,

um über die Zukunft des Wirtschaftsstandortes

Ostdeutschland zu beraten.

Im 26. Jahr der Deutschen Einheit findet

das erste Ostdeutsche Wirtschaftsforum

(OWF) statt.

Das „Davos des Ostens“ bietet den Entscheidungsträgern

zwischen Rügen und

dem Erzgebirge eine einzigartige überregionale

Debattenplattform. In Bad Saarow

sollen – über Parteigrenzen hinweg

und ohne Rücksichtnahme auf Wahlzyklen

– Visionen und Perspektiven für

die stark mittelständisch geprägte Wirtschaft

in den neuen Bundesländern entwickelt

werden.

Die Idee für das Ostdeutsche Wirtschaftsforum

wurde vor rund zwei Jahren in der

Berliner Zimmerstraße geboren, in den

Redaktionsräumen des

Magazins WIRTSCHAFT+MARKT.

Herausgeber Frank Nehring erinnert sich:

„Im Jahr 2014 bereiteten wir einen groß

angelegten Rückblick auf 25 Jahre Aufbau

Ost vor. Diese Zwischenbilanz lag

uns sehr am Herzen. Schließlich waren

die zweieinhalb Jahrzehnte seit 1990 ein

Aufholprozess, der mit einem massiven

und teilweise schmerzhaften Strukturwandel

einher ging. Schon während der

Planungen unserer Jubiläumsberichterstattung

sagten wir uns: Der Blick zurück

ist wichtig, aber der strukturierte Blick

Neue Netze für neue Energie

Das Übertragungsnetz ist der Schlüssel

zu mehr erneuerbarer Energie.

Wir bei 50Hertz sind Vorreiter bei der sicheren

Integration der erneuerbaren Energie ins Netz.

Wir betreiben das Höchstspannungsnetz für

rund 18 Millionen Menschen im Norden und

Osten Deutschlands. Wir meinen es ernst mit

unserer gesellschaftlichen Verantwortung,

Stromautobahnen gemäß den Klimazielen

Deutschlands und Europas zu entwickeln.

Mit zahlreichen Projekten zur Verstärkung und

zum Ausbau des Stromnetzes leisten wir hierzu

einen wichtigen Beitrag.

Mehr unter www.50 hertz.com


32 | W+M

Die Linke) und Berlins

Regierender Bürgermeister

Michael Müller

(SPD) ihre Teilnahme

angekündigt, dazu

die Ostbeauftragte

der Bundesregierung

und Staatssekretärin

Iris Gleicke sowie einzelne

Minister aus den

neuen Ländern. Nicht

zu vergessen die vielen

namhaften Vertreter

aus Wissenschaft

und Wirtschaft.

Das A-ROSA Scharmützelsee: Fünf-Sterne-Ambiente in grüner Idylle.

nach vorn ist noch wichtiger. Unser Ziel

war es, ein hochkarätiges Veranstaltungsformat

zu entwickeln, mit dem es uns gelingt,

die Spitzen aus Politik, Wirtschaft,

Wissenschaft und Gesellschaft an einen

Tisch holen und eine Diskussion über die

zen-tralen Zukunftsthemen Ostdeutschlands

zu führen.“

Die Resonanz auf die Premiere des OWF

war schon im Vorfeld absolut positiv. Davon

zeugen die vielen Zusagen aus den

Lagern von Politik und Wirtschaft. Neben

Bundeswirtschaftsminister Sigmar

Gabriel (SPD) und Bundesforschungsministerin

Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU)

haben die Ministerpräsidenten Dr. Dietmar

Woidke (Brandenburg, SPD), Erwin

Sellering (Mecklenburg-Vorpommern,

SPD), Dr. Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt,

CDU), Bodo Ramelow (Thüringen,

Etliche Vertreter der

ostdeutschen Elite, die

in Bad Saarow referieren

oder sich an den

diversen Podiumsdiskussionen

beteiligen

werden, haben zentrale

Thesen zur Zukunft

Ost in Namensbeiträgen

niedergeschrieben, die wir auf den

nachfolgenden Seiten veröffentlichen. Lesen

Sie bitte diese interessante Dokumentation

von Positionen, die erste Antworten

auf die grundsätzliche Frage geben:

Wie ist es um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes

Ostdeutschland bestellt?


Von Karsten Hintzmann

In den zurückliegenden Monaten liefen

die Vorbereitungen für das OWF auf

Hochtouren. Es wurde begonnen, das

Fundament für eine ostdeutsche Denkfabrik

zu legen. Dazu kamen erste Partner

an Bord, das ifo-Institut Dresden, Germany

Trade and Invest – Gesellschaft

für Außenwirtschaft und Standortmarketing

der Bundesrepublik Deutschland,

die Organisations- und Personalberatung

Egon Zehnder sowie die Interessengemeinschaft

der ostdeutschen Unternehmerverbände.

Ziel ist es, diese Denkfabrik

weiter aus- und aufzubauen und das

Ostdeutsche Wirtschaftsforum künftig

jährlich durchzuführen.

Im A-ROSA Forum in Bad Saarow findet das Ostdeutsche Wirtschaftsforum statt.

Fotos: A-ROSA (oben), W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


ZUKUNFT OST

W+M | 33

Auch Bewährtes

bedarf der Erneuerung

Von Iris Gleicke, Parlamentarische

Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium

und Bundesbeauftragte für

die neuen Bundesländer

Ostdeutschland

In der Welt zu Hause

Fotos: Möller Medienagentur (oben), Büro Gleicke/Sandra Ludewig (unten)

Das wichtigste und prägende Merkmal

der ostdeutschen Wirtschaft

ist zweifellos ihre Kleinteiligkeit.

Es fehlt im Osten an großen Unternehmen,

die regional für hohe Wertschöpfung

und damit Einkommen sorgen und

zahlreiche mittelständische Zulieferer mitziehen

könnten. Wir sollten besser nicht

darauf bauen, dass demnächst irgendwelche

Konzerne oder Großunternehmen

ihre Zentralen in die ostdeutschen Länder

verlegen – dieser Traum ist 26 Jahre nach

der Einheit ausgeträumt. Sowohl aus gesamtwirtschaftlicher

Sicht als auch aus

der Perspektive der kleinen und mittleren

Unternehmen ist es viel sinnvoller, sich

auf die eigenen Stärken zu besinnen und

die vorhandenen Wachstumsperspektiven

konsequent zu nutzen, um im nationalen

und internationalen Wettbewerb

bestehen zu können.

ZUR PERSON

Die 1964 in Schleusingen (Thüringen)

geborene, studierte Hochbauingenieurin

Iris Gleicke sitzt seit 1990 für die

SPD im Bundestag. Hier war sie von

2005 bis 2013 Fraktionsgeschäftsführerin.

Seit 2013 ist sie Parlamentarische

Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsminister,

seit 2014 Bundesbeauftragte

für die neuen Bundesländer,

Mittelstand und Tourismus.

Technologischer Fortschritt und Innovationen

sorgen weltweit für Wachstum

und beschleunigen zugleich den Strukturwandel.

Die ostdeutschen Mittelständler

müssen hier ganz vorne mit dabei

sein. Für manch einen, der bis jetzt

erfolgreich eine Marktnische besetzt,

könnte es sonst über kurz oder lang ein

böses Erwachen geben. Es gibt schlicht

und ergreifend keine Garantie dafür, dass

sich die profitable Nische von heute nicht

schon bald unversehens in eine böse Falle

verwandelt. Auch das Bewährte bedarf

in aller Regel der beständigen Verbesserung

und Erneuerung. Die in Ostdeutschland

hervorragend ausgebaute

Forschungsinfrastruktur aus Hochschulen,

außeruniversitären Forschungseinrichtungen

und den gemeinnützigen Forschungsunternehmen

bietet die besten

Voraussetzungen dafür, die eigenen Kompetenzen

im Bereich Forschung

& Entwicklung (FuE) weiterzuentwickeln,

um mit innovativen

Produkten

und Verfahren neue

Märkte zu erschließen

und neue Kunden

zu gewinnen.

Iris Gleicke.

Um dauerhaft erfolgreich

zu sein und

sich die Vorteile großer

Strukturen zu

erschließen, müssen

die mittelständischen

Unternehmen

intensiv Netzwerke bilden und nutzen.

Denn nicht nur bei FuE-Projekten,

sondern auch bei der Digitalisierung oder

angesichts des Fachkräftemangels können

Netzwerke zu klugen gemeinsamen

Lösungen verhelfen. Wenn es um die Sicherung

der unternehmerischen Zukunft

geht, sind neben dem technischen Knowhow

Kompetenzen beim Management

gefragt. Diese werden auch angesichts

der zunehmenden Internationalisierung

der Märkte immer wichtiger. Allerdings

eröffnen die neuen Märkte im Ausland

nur den international tätigen Unternehmen

die Chance, wettbewerbsfähiger zu

werden, und dass auch die Heimatmärkte

einem zunehmend Wettbewerb aus dem

Ausland ausgesetzt sind, gehört nun einmal

zur Globalisierung dazu.

Die Herausforderung besteht darin, in

Ostdeutschland Impulse für

stabiles Wachstum zu setzen.

Vor diesem Hintergrund

habe ich den Dialog

„Unternehmen

:wachsen“ ins Leben

gerufen. Hier

können sich Unternehmerinnen

und

Unternehmer mit

ihren Erfahrungen

und Vorstellungen

austauschen. Am 9.

November 2016 wollen

wir die Ideen und

Vorschläge auf einer

großen Veranstaltung diskutieren und sie

im nächsten Jahr thematisch fokussiert

vertiefen. Dass dieser Termin ausgerechnet

auf das Datum fällt, an dem die Ostdeutschen

vor 27 Jahren die Mauer niedergerissen

und Neuland betreten haben,

ist dabei ein purer, aber aus meiner Sicht

überhaupt kein dummer Zufall. W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


34 | W+M

Breitbandausbau

nicht verschleppen

Von Prof. Dr. Christoph Meinel, wissenschaftlicher Institutsdirektor und CEO

des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) an der Universität Potsdam

Nur 25 Jahre nach dem letzten ökonomischen

Paradigmenwechsel

steht eine weitere Wende gleichen

Ausmaßes bevor. Die Digitalisierung

schreitet unaufhörlich voran und

durchdringt bereits weite Teile des globalen

wirtschaftlichen Geschehens. Inzwischen

gehören IT-Unternehmen zur Spitze

der profitabelsten Unternehmen der Welt

und Firmen, die die digitale Wende verschlafen,

verschwinden vom Markt.

Prof. Dr. Christoph Meinel.

Mit den neusten Entwicklungen der Informationstechnologie

können Produktionsabläufe

und Lieferketten sekundengenau

getaktet, miteinander

verwoben und

überwacht werden.

Die dadurch erzielbaren

Effizienzsteigerungen

sind für die

zukünftige Wettbewerbsfähigkeit

von

entscheidender Bedeutung.

Durch die

verstärkte Nutzung

von mobilen Geräten

und sozialen

Netzwerken werden

Unmengen von personenspezifischen

Daten produziert, die

wiederum in die Entwicklung maßgeschneiderter

und neuer Produkte münden

können. Hier am Puls der Zeit zu bleiben,

ist Voraussetzung, um neue Geschäftsmodelle

zu entwickeln, und Grundlage für

die notwendige Wandlungsfähigkeit der

Unternehmen im digitalen Zeitalter. Auch

das Verhältnis zwischen Produzent und

Konsument verändert sich fundamental.

Massenwaren werden zukünftig an Bedeutung

verlieren. Produkte müssen verstärkt

individualisiert und lernfähig sein.

Verschiedene aktuelle Studien kommen zu

dem alarmierenden Ergebnis, dass gerade

kleine und mittelständische Unternehmen

die Potenziale, die die Digitalisierung bietet,

wenig nutzen, was nicht zuletzt an fehlender

Weitsicht, eingeschränktem Knowhow

und mangelndem finanziellen Spielraum

liegt. Dabei ist die Rechnung sehr

einfach: Auch wenn aktuell die Auftragsbücher

im analogen Geschäft noch gut gefüllt

sind, die Digitalisierung wird alte Geschäftsmodelle

immer rasanter

hinwegfegen und transformieren.

Um hier nicht unterzugehen,

kommt es

darauf an, von Anfang

dabei zu sein.

Das kann gelingen,

wenn man die Arbeitsverhältnisse

an

die Bedingungen der

Digitalisierung anpasst.

Starre Arbeitszeit-

und Präsenzmodelle

sind nicht zukunftsfähig.

Gerade

für finanzschwächere kleine und mittelständische

Unternehmen (KMU) wird es

entscheidend sein, Gehaltsdifferenzen

durch moderne Arbeitsstrukturen auszugleichen,

um qualifiziertes und mobiles

Personal zu gewinnen und zu binden. Mit

den heutigen Mitteln der Kommunikation

sind solche Umstellungen weniger problematisch

als zu früheren Zeiten. Oftmals

reicht in kleinen Unternehmen bereits ein

IT-versierter und international gewandter

ZUR PERSON

Prof. Dr. Christoph Meinel ist ordentlicher

Professor für Informatik am HPI

und der Universität Potsdam und hat den

Lehrstuhl für „Internet-Technologien und

-Systeme“ inne. Seine besonderen Forschungsinteressen

liegen in den Bereichen

Security Engineering, Knowledge

Engineering und Web 3.0 – Semantic,

Social, Service Web. Christoph Meinel

ist Autor und Co-Autor von 18 Büchern,

Anthologien sowie zahlreicher Tagungsbände.

Mitarbeiter aus, um die Firma in die richtige

Richtung zu lenken.

Gerade ostdeutsche Unternehmen haben

schmerzliche Erfahrung damit gemacht,

wie mühsam es ist, einer Entwicklung

hinterher zu laufen. Heute bietet sich die

Chance, zum Vorreiter in einer globalen

Entwicklung zu werden. Wie bereits erwähnt,

trägt die Digitalisierung dazu bei,

regionale Strukturhindernisse, die in Ostdeutschland

immer als Wachstumsbremse

identifiziert werden, zu überwinden.

Wenn man Geschäfte in der ganzen Welt

tätigt, ist es gleichgültig, ob der Firmensitz

in München oder Cottbus liegt.

Hier ist auch der Platz für die klare Botschaft

an die Politik, den Breitbandausbau nicht

zu verschleppen. Eine schnelle und sichere

Datenverbindung ist die absolute Voraussetzung

für digitales Wirtschaften. Sowohl

die physische Infrastruktur als auch regulatorische

Gründungshindernisse müssen beseitigt

werden, damit sich der ostdeutsche

Wirtschaftsraum den Herausforderungen

der Digitalisierung stellen kann. W+M

Foto: HPI/Kay Herschelmann (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


ZUKUNFT OST

W+M | 35

Wie wir den Mittelstand

stärker an Forschung

und Entwicklung

teilhaben lassen

Von Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für

Bildung und Forschung

Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung/Steffen Kugler

Die Innovationskraft kleiner und mittlerer

Unternehmen (KMU) wird

auch in Zukunft für unseren Wohlstand

und die Beschäftigung unverzichtbar

sein, ganz besonders in Ostdeutschland.

Eigene Forschung

und Entwicklung,

aber auch die Nutzung

der Ergebnisse unserer

starken öffentlichen

Wissenschaftsund

Forschungslandschaft

sind dafür die

Basis. Unter dem

Dach der „Neuen

Hightech-Strategie“

der Bundesregierung

setzt das Bundesforschungsministerium

daher auf einen intelligenten

Mix verschiedener Instrumente

für die Förderung von der Grundlagen- bis

zur anwendungsorientierten Forschung.

Prof. Dr. Johanna Wanka.

„Unternehmen Region“ ist die Innovationsinitiative

des Bundesministeriums für

Bildung und Forschung für die neuen Länder.

Seit mehr als 15 Jahren und mit bisher

fast 1,7 Milliarden Euro investiert sie

in Stärken und Chancen in den ostdeutschen

Regionen. Die Initiative setzt auf die

Verbindung von Spitzenforschung mit unternehmerischem

Handeln in anspruchsvollen

Innovationsbündnissen. Allein 52

sogenannte Innovative regionale Wachstumskerne

– dahinter steht eins von acht

Förderprogrammen – verbessern die Innovations-

und Wettbewerbsfähigkeit an ihren

Standorten nachhaltig. Gut zwei Drittel

der Partner sind KMU. Auch zukünftig

werden viele Regionen eine besondere

Förderung für die Entwicklung ihrer

Potenziale benötigen – in Ost- und Westdeutschland.

Daher werden wir auf unsere

Erfahrungen aufbauen und ein

bundesweites Innovationsförderkonzept

für Regionen

im Strukturwandel

entwickeln.

Das Ziel des neuen

Zehn-Punkte-Programms

„Vorfahrt

für den Mittelstand“

ist es, die Hebelwirkung

für Innovation

durch mehr Beteiligung

von KMU an

Forschung und Entwicklung

zu erhöhen,

insbesondere in den dynamischen Schlüsselbereichen

„digitale Wirtschaft“, „gesundes

Leben“ und „nachhaltige Wirtschaft“.

Dazu wird die Fördermaßnahme

„KMU-innovativ“, an der sich bisher schon

gut 2.300 KMU beteiligt haben, weiter

ausgebaut und um ein Einstiegsmodul für

ZUR PERSON

1951 in Rosenfeld (Sachsen) geboren,

studierte Johanna Wanka Mathematik in

Leipzig, promovierte 1980 in Merseburg

und erhielt dort 1993 einen Ruf als Professorin

für Mathematik. Die CDU-Politikerin

war von 2000 bis 2013 Wissenschaftsministerin

in den Ländern Brandenburg

(bis 2009) und Niedersachsen.

Seit 2013 ist sie Bundesministerin für

Bildung und Forschung.

Machbarkeitsstudien

im Vorfeld eines FuE-

Projekts ergänzt. Auch

bisher weniger förder- und

forschungserfahrene KMU wollen wir motivieren,

sich für Forschung und Innovation

zu engagieren.

Neue Technologien integrieren und dabei

alte Grenzen überschreiten, neue Geschäftsmodelle

entwickeln und Zukunftsmärkte

entdecken, alldem liegen interdisziplinäre

Zusammenarbeit und strategische

Kooperationen über Branchengrenzen hinweg

zugrunde. Das Programm „Innovationsforen

Mittelstand“ schafft hierfür ideale

Startbedingungen. Mit der neuen Maßnahme

„KMU-NetC“ setzen wir ebenfalls

auf den Erfolgsfaktor Netzwerken. Wir fördern

auf dem Nährboden der gut ausgebauten

deutschen Netzwerk- und Clusterlandschaft

das schnelle Aufgreifen neuer

Technologien und Geschäftsideen durch

den Mittelstand in gemeinsamen strategischen

Projekten mit Forschungseinrichtungen

und anderen Partnern.

Innovation braucht qualifiziertes Personal,

die digitalisierte Arbeit von morgen stellt

neue Anforderungen und der demografische

Wandel macht es – das kann man

gerade in Ostdeutschland sehen – besonders

dem Mittelstand zunehmend schwerer,

seinen Fachkräftebedarf zu stillen.

Deshalb greifen wir auch dieses Handlungsfeld

im Zehn-Punkte-Programm auf

und haben unter anderem ein Sonderprogramm

für die Digitalisierung in überbetrieblichen

Berufsbildungsstätten (ÜBS)

und Kompetenzzentren gestartet. W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


36 | W+M

Das E-Bike

GRACE MXII

Urban aus dem

Hause MIFA.

Wie wird das Fahrrad

nach 200 Jahren zu

einem sicheren

Verkehrsmittel?

Von Heinrich von Nathusius,

Geschäftsführer der MIFA-Bike GmbH

Die Erfindung des Rades vor 5.000

Jahren in Mesopotamien hat die

Welt revolutioniert – die Erfindung

des Zweirades vor 250 Jahren von Michael

Kaßler im heutigen Sachsen-Anhalt oder

dem bekannteren Carl Draiß in

Baden vor 200 Jahren hat

zwar keine industrielle

Revolution ausgelöst,

aber immerhin mit

der Erfindung des

Laufrads die Mobilität

vom Pferderücken

auf die Straße

gebracht. Vor der

Erfindung von Auto

und Bahn war das

Fahrrad das Fortbewegungsmittel

im

Nahbereich für jedermann.

Auch heute

noch ist das Fahrrad in vielen Regionen

der Welt der einzige bezahlbare Verkehrsträger,

um Wege zur Schule oder zur Arbeit

zu überbrücken.

Das Fahrrad erfüllt positive Ziele und Wünsche,

von der Fortbewegung über die

Sportlichkeit zur Attraktivität – und jetzt

kommt ein neues Ziel, eine neue Herausforderung

dazu: das Fahrrad als sicheres

Verkehrsmittel.

Heinrich von Nathusius.

Als Verkehrsmittel kann nur das Fahrrad

die hohe, individuelle und kostenbewusste

Flexibilität erfüllen, und das verbunden

mit Sportlichkeit und Umweltbewusstsein.

Aber alleine kann das Fahrrad die wachsenden

Ansprüche an den Verkehr nicht leisten.

Das Fahrrad muss Partner der anderen

Verkehrsträger werden – wie dem Auto,

Bus oder Zug. Diese Partnerschaft besteht

heute schon, wenn auch etwas mühsam.

Das normale Rad ist nur schwer im oder am

Auto zu transportieren; im Bus oder

der Bahn gibt es selten günstige

und ausreichende „Mitfahrgelegenheiten“.

Also

muss sich das Fahrrad

ändern und den Anforderungen

anpassen.

Das Fahrrad als

Partner im Stadtverkehr

muss leicht gebaut

und klein gefaltet

sein und trotzdem die

guten Eigenschaften

und das sichere Fahrverhalten

eines normalen

Fahrrads behalten.

Das Rad muss einen Stammplatz im Kofferraum

auch eines Kleinwagens erhalten,

natürlich neben Koffern und anderen Gegenständen,

und der tägliche Begleiter auf

dem Weg in die Stadt oder ins Büro sein.

Und die Städte dieser Welt, egal auf welchen

Kontinenten, wachsen, und mit ihnen

wachsen die Verkehrsprobleme. Fahrradstraßen

werden kommen, können aber nur

Teillösungen bieten. Wir brauchen die Partnerschaft

aller Verkehrsträger und bieten

damit dem Fahrradfahrer die größte Flexibilität

– er startet von zu Hause individuell

mit seinem Auto (und zum Beispiel

mit dem E-Faltrad von MIFA im Kofferraum),

fährt am Stadtrand auf den „Park

and Bike“-Platz, wo er sich entscheiden

kann, ob er mit seinem E-Bike direkt oder

per Bus oder Bahn und dem Faltrad neben

sich zu seinem Ziel weiterfährt. In jedem

Fall kommt er trocken und erholt an seinem

Ziel an – und abends „nach getaner

Arbeit“ wieder zurück. Der „Kombi-Fahrer“

mit Rad und öffentlichem Nahverkehr

ist stolz und befriedigt, hat seiner Gesundheit

gedient und die Umwelt und den Straßenverkehr

entlastet.

Jetzt fehlt nur noch die objektive Sicherheit

des Fahrradfahrers. Zum einen ist dafür

der Fahrradfahrer als Verkehrsteilnehmer

eigenverantwortlich, zum anderen

aber auch die übrigen Verkehrsteilnehmer

auf der Straße. Unsere Vorstellung ist, dass

im Rahmen der Digitalisierung von Kraftfahrzeugen

auch der Radfahrer, zumindest

die E-Biker, einbezogen werden. Darüber

hinaus können zur Früherkennung von Hindernissen

Seitenkameras oder Radarerkennung

bei Kraftfahrzeugen und bei Fahrrädern

installiert werden. Wir arbeiten daran.


W+M

ZUR PERSON

Heinrich von Nathusius begann als Assistent

der Geschäftsführung bei Thyssen.

Anschließend arbeitete er für verschiedene

große Stahlhandelsgesellschaften

in leitenden Funktionen. 1992 erwarb er

von der Treuhandanstalt das IFA-Gelenkwellenwerk

Haldensleben und baute es

zu einer Zulieferfirmengruppe für die Automobilbranche

um. 2014 übernahm er

den insolventen Fahrradhersteller MIFA.

Fotos: MIFA (oben), Inga Haar (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


ZUKUNFT OST

W+M | 37

An der Magdeburger Otto-von-Guericke-

Universität werden kluge Köpfe geformt.

Forschungsexzellenz als

Wirtschaftsfaktor in Sachsen-Anhalt

Von Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt

Fotos: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (oben), Staatskanzlei Sachsen-Anhalt (unten)

Erfindungsgeist, technisches Verständnis,

Forscherdrang und Veränderungswille

der Menschen sind die Potenziale

unseres Landes und sie spielen natürlich

auch für Wirtschaft und Wissenschaft eine

Hauptrolle. In ihrem Spannungsfeld entwickelt

sich die Innovationskraft Sachsen-Anhalts

und nur, wenn diese stetig wächst,

haben wir eine Chance, im Wettbewerb

dauerhaft zu bestehen. Die Landesregierung

unternimmt alles, um für diesen Prozess

möglichst gute Rahmenbedingungen

zu schaffen.

Alle entwickelten Volkswirtschaften gewinnen

Wachstum verstärkt durch den Ausbau

der Wertschöpfung, die von Bildung, Wissenschaft

und industrieller Forschung bestimmt

ist. Dies gilt auch für Sachsen-Anhalt.

Infolge der Kleinteiligkeit unserer Wirtschaftsstruktur

– 95 Prozent der Wirtschaftsunternehmen

haben weniger als 20

Mitarbeiter – ist das Industrieforschungspotenzial

noch relativ gering. Dieses Defizit

gleichen wir durch die Forschung in den

Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen

aus. Das hilft auch der regionalen

Wirtschaft. Dazu ist aber ein reibungsloser

Wissensaustausch notwendig. Aus

diesem Grund ist die Brückenfunktion der

Transferinstitutionen so entscheidend. Die

Transferstrukturen der Hochschulen und die

unternehmensbezogenen Netzwerke müssen

stetig ausgebaut werden.

Das Land hat sich in seiner Regionalen Innovationsstrategie

hierzu klar bekannt. Die

marktorientierte Forschungs- und Entwicklungsförderung

soll verstärkt und die Förderung

auf identifizierte wissenschaftliche

und wirtschaftliche

Schwerpunkte in Leitmärkten

konzentriert werden.

Darüber hinaus müssen

die Aktivitäten

zur Ansiedlung von

Unternehmen mit eigenen

Forschungskapazitäten

verbessert

werden.

ZUR PERSON

Dr. Reiner Haseloff ist 1954 im Landkreis

Wittenberg geboren und studierte

in Dresden und Berlin Physik (Promotion

1991). Zwischen 1992 und 2002 führte

er das Arbeitsamt Wittenberg. Der

CDU-Politiker war von 2006 bis 2011

Wirtschaftsminister in Sachsen-Anhalt

und ist seit 2011 Ministerpräsident des

Landes. Seit 2008 sitzt er im Bundesvorstand

der CDU.

Dr. Reiner Haseloff.

Unsere Politik zielt

auf den weiteren

Ausbau der Grundlagenforschung,

die

systematische Generierung von guten Ideen

und natürlich auf die Gewinnung kluger

Köpfe für unser Land. Dazu müssen wir nationale

und internationale Forschungstrends

aufmerksam im Blick behalten.

Gute Beispiele dafür, dass die Strategie aufgeht,

sind die Neurowissenschaften

in Magdeburg, die Biowissenschaften

und die Materialwissenschaften

in Halle

und das Kompetenzzentrum

für angewandte

und transferorientierte

Forschung der Fachhochschulen,

um nur

eine Auswahl zu nennen.

So gelingt es auch

zunehmend, international

ausgewiesene

Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler nach Sachsen-

Anhalt zu ziehen.

Ich sehe daher auch gute Voraussetzungen

für erfolgreiche Anträge im Rahmen

der Bund-Länder-Exzellenzinitiative sowie

im Programm „Innovative Hochschule“.

Es ist ganz klar, dass wir bei unseren Anstrengungen

zur Forschungsförderung nicht

nachlassen werden. Wir gestalten damit ein

Land, das für qualifizierte Menschen attraktiv

ist, das Erfinder- und Unternehmergeist

hervorbringt und fördert und das darum die

Herausforderungen der Zukunft bestehen

wird.

W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


38 | W+M

Energiemanagement setzt auf

effizienten Umgang mit Ressourcen

Von Manfred Schmitz, CEO der ENGIE Deutschland GmbH

Die Wirtschaft steht mitten in einem

gesellschaftlichen Wandel.

Er ist getragen von einer tiefgreifenden

Veränderung unseres Bewusstseins

für den Umgang mit Ressourcen.

Speziell die Energiewirtschaft wird ihr

Handeln zukünftig an vier sogenannten

Megatrends ausrichten müssen: Dekarbonisierung,

Dezentralisierung, Reduzierung

des Energieverbrauchs und Digitalisierung.

Konkret heißt das: Wir brauchen

dezentrale Lösungen, grüne Energieformen,

mehr Transparenz und Information

sowie einen effizienten Umgang mit den

vorhandenen Ressourcen.

Bei der Entwicklung dieser Lösungen

müssen folgende Fragen immer im Vordergrund

stehen: Welche Bedürfnisse

haben unsere Kunden? Sind wir als reiner

Energielieferant tatsächlich der richtige

Partner für die Energiewelt von morgen

– die dezentral, effizient, vernetzt

und erneuerbar ist? Ich

denke, nein! Der erfolgreiche

Energiedienstleister

von morgen

ist meines Erachtens

derjenige, der

die Schnittstelle zwischen

dem Kunden

und dessen Gebäuden,

Liegenschaften

und technischen

Anlagen bildet. Die

Zukunft öffnet die

Grenzen zwischen

Energieversorgung

und Energiemanagement, Facility Management

und Anlagentechnik: Hier liegt

Manfred Schmitz.

in vielen Fällen noch ein großes Einsparpotenzial

und die Chance, partnerschaftlich

mit dem Kunden eine optimale Energielösung

zu entwickeln. Eine Lösung, die

dem gewünschten Grad an unabhängiger,

dezentraler Energieerzeugung entspricht,

den unternehmerischen Nachhaltigkeitsund

Energieeffizienzzielen, den Produktionsanforderungen

und nicht zuletzt dem

Komfortanspruch in Büro- und Gewerbeimmobilien.

Wie aber können innovative Lösungen im

Bereich Energiemanagement aussehen?

Bereits heute gibt es Möglichkeiten, bei

denen Anlagen so gesteuert werden, dass

sie immer dann laufen, wenn der Strom

am günstigsten ist. Auch die Energie-Flatrate

ist heute schon Realität: Der Energielieferant

liefert Energie zum Festpreis

und sorgt so für Planungssicherheit beim

Kunden. Für eine solche sorgen auch sogenannte

Contracting-Modelle: In

enger Abstimmung mit dem

Kunden entwickelt ein externer

Dienstleister als

Contractor individuelle

Lösungen für moderne

und energieeffiziente

Versorgungsanlagen

und setzt diese

um. Er trägt dabei

die gesamte Investitionssumme,

die der

Kunde als Contracting-Nehmer

nach

und nach über die

Kosten für den Energieverbrauch

zurückzahlt. Dieses Vertragsprinzip

ermöglicht es dem Kunden,

ZUR PERSON

Manfred Schmitz (54) absolvierte ein

Studium zum Diplom-Ingenieur (FH) im

Bereich Versorgungstechnik an der Fachhochschule

Köln. Seit 2002 verantwortet

er als Geschäftsführer die Aktivitäten

der ENGIE Deutschland GmbH (vormals

Cofely). Das Unternehmen entwickelte

sich unter seiner Leitung zum multitechnischen

Dienstleister mit Fokus auf

Energieeffizienz-Lösungen.

Energieverbrauch und Kosten zu senken

und ressourcenschonende Technologien

einzusetzen.

Auch die Digitalisierung eröffnet neue

Chancen für die Bewirtschaftung einer

Immobilie – zum Beispiel in Sachen Energieeffizienz.

Heutzutage kommen etwa

immer mehr Sensoren zum Einsatz. So

können beispielsweise in großen Bürokomplexen

Beleuchtung, Belüftung oder

Blendschutz automatisch gesteuert und

so viel Energie gespart werden. Die Sensoren

werden dabei zudem in Netzwerke

eingebunden. Die so miteinander verbundenen,

intelligenten Systeme bilden dann

einen Teil des sogenannten „Internet of

Things“, sie regeln Prozesse automatisch

und liefern eine Fülle an Daten, mit denen

sich zum Beispiel der Energie- und Wartungsbedarf

optimieren lässt.

Für Energiedienstleister wird es also immer

wichtiger, ihr Angebot auf digitale und

vernetzte Lösungen rund um die Gebäude

und Anlagen ihrer Kunden auszurichten.

W+M

Fotos: smuki/fotolia.com (oben), ENGIE Deutschland GmbH (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


ZUKUNFT OST

W+M | 39

Mecklenburg-

Vorpommern auf

dem Weg ins

nächste Jahrzehnt

Ein wichtiges Tor zur Welt:

der Hafen in Rostock.

Von Erwin Sellering, Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Foto: Andrè Hamann (unten)

Mecklenburg-Vorpommern ist in den

letzten Jahren wirtschaftlich wirklich

gut vorangekommen. Die Zahl

der Arbeitslosen hat sich in den letzten zehn

Jahren halbiert, gleichzeitig ist die Zahl der

sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

um mehr als 50.000 gestiegen. Wir haben

an Wirtschaftskraft gewonnen. In traditionellen

Branchen wie der Ernährungswirtschaft

und dem Tourismus und

in Zukunftsbranchen wie der

Gesundheitswirtschaft

und den Erneuerbaren

Energien.

Dabei ist Mecklenburg-Vorpommern

nicht das Land der

großen Industriebetriebe.

Unsere Stärke

ist der Mittelstand,

die kleinen und mittleren

Betriebe. Darauf

setzen wir weiter

und darauf richten

wir unsere besondere Unterstützung. Wir

wollen Mecklenburg-Vorpommern in den

kommenden Jahren wirtschaftlich weiter

voranbringen, damit Arbeitsplätze entstehen

und gesichert werden. Bei der weiteren

Verbesserung der Rahmenbedingungen

gibt es für mich drei klare Schwerpunkte:

Erwin Sellering.

1. Der Breitbandausbau als modernste

Form der Infrastruktur muss mit Kraft vorangetrieben

werden. Dazu haben wir die

Weichen gestellt. Wir haben die Chancen

eines entsprechenden Bundesprogramms

früh erkannt und erfolgreich Förderanträge

gestellt. Eine Kofinanzierung des Landes

in Höhe von bis zu 300 Millionen Euro ist

gewährleistet. Insgesamt sollen in Mecklenburg-Vorpommern

bis zu 1,4 Milliarden

Euro in den Breitbandausbau investiert werden.

Das ist ein großer Kraftakt

für eine gute Sache und gleichermaßen

wichtig für die

Bürgerinnen und Bürger

wie auch für die Wirtschaft

des Landes.

2. Hochklassige und

nachhaltige Innovationstreiber

sind unsere

Hochschulen.

Die Zusammenarbeit

mit der Wirtschaft

ist sehr gut. Viele bemerkenswerte

Erfolgsgeschichten

erklären

sich nur aus der guten Kooperation

zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, aus

dem großen persönlichen Einsatz in beiden

Bereichen. Diese Erfolge machen unsere

Hochschulen noch einmal attraktiver,

auch für Studentinnen und Studenten von

außerhalb. Und diese erfolgreiche Sogwirkung

stärkt unser Land insgesamt. Wir haben

deshalb noch einmal viel Kraft in unsere

Hochschulen gesteckt und wir werden uns

auch in Zukunft von der Überzeugung leiten

lassen, dass die gute Entwicklung unseres

Landes in hohem Maße von der Leistungsfähigkeit

unserer Hochschulen abhängt.

3. Immer deutlicher zeigt sich die hohe wirtschaftliche

Bedeutung unserer Häfen. Als

Umschlagsplatz, aber vor allem auch als Industriestandort

für Unternehmen direkt an

der Kaikante. Die Stärkung der Häfen ist

deshalb für uns ein wichtiger politischer

Schwerpunkt.

Diese drei Rahmenbedingungen werden wir

weiter verbessern, damit unser Land beste

Bedingungen bietet für kluge Köpfe, für

innovative Gründer, für engagierte Unternehmerinnen

und Unternehmer. Ich lade Sie

ein: Lernen Sie Mecklenburg-Vorpommern

kennen, ein Land zum Leben, also auch ein

Land zum Arbeiten oder Investieren. Wir

freuen uns auf Sie!

W+M

ZUR PERSON

Erwin Sellering ist 1949 in Sprockhövel

(Nordrhein-Westfalen) geboren und studierte

bis 1978 in Heidelberg, Bochum

und Münster Jura. Anschließend arbeitete

er als Richter, unter anderem in

Greifswald. Sellering war von 2000 bis

2006 Justizminister und anschließend

bis 2008 Sozialminister in Mecklenburg-

Vorpommern. Seit 2008 ist er Ministerpräsident

des Landes.

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40 | W+M

Weshalb Nachfolgeregelungen

auch

in Ostdeutschland

Bankiers brauchen

Von Dr. Ralph Beckmann, Leiter der

Nachfolgeberatung bei der Commerzbank AG

Der Titel legt nahe, dass es bei Unternehmensnachfolgen

Unterschiede

zum einen zwischen Ost- und

Westdeutschland und zum anderen zwischen

einem Banker und einem Bankier

gibt. Beides ist der Fall.

Dr. Ralph Beckmann.

Die Commerzbank-Zentrale in

Frankfurt am Main.

Nachfolgen sind dann schwierig, wenn das

Unternehmen natürliche Personen als Gesellschafter

hat, die im Alter das Unternehmen

nicht mehr führen

können und deren Tod das

Unternehmen bedroht.

Das betrifft Familienunternehmen,

die

wegen ihrer stabilen

Verfassung den deutschen

Mittelstand

ausmachen. Während

diese in weiten

Teilen Deutschlands

zu allen Zeiten gegründet

wurden und

immer wieder Gegenstand

von Nachfolgen

waren, sind die ostdeutschen Unternehmen

alle nach der Wende privatisiert oder

gegründet worden. In beiden Fällen bekamen

sie Gesellschafter, die mehr oder weniger

einer Generation angehören. Das bedeutet,

dass die Nachfolgen in Ostdeutschland

heute geballt zu bewältigen sind und

dass es sich dabei in der Regel um kleinere

Firmen als im Westen handelt, weil

die Entwicklung erst 25 Jahre möglich war.

Ein „Banker“ ist umgangssprachlich ein

Angestellter einer Bank. Der Ausdruck

„Bankier“ geht darüber hinaus und

kennzeichnet jemanden, der

für seine Bank die Rechtsform

einer OHG oder

einer KG gewählt hat

und folglich für seine

Geschäfte persönlich

haftet oder der Vorstand

einer Aktienbank

ist. Man nimmt

daher an, dass der

Bankier entweder

wegen seiner Haftung

oder aufgrund

seiner Verantwortung

für die Gesamtbank

strategisch weitsichtiger handelt als

ein angestellter Banker. Zudem begegnet

er aufgrund seiner Position dem Unternehmer

auf Augenhöhe.

Was haben diese Begriffe mit der Nachfolge

zu tun? Die Unternehmensnachfolge

ist ein hochkomplexer Vorgang. Das ist

so, weil weit mehr als die Hälfte aller Familienunternehmen

familienintern weitergegeben

werden. Somit macht die Kombination

aus unternehmerischen Erfordernissen

und den Wünschen und Zielen der

Eigentümerfamilie diese Komplexität aus.

Es ist nicht nur die Kontinuität als Mittelständler

zu bewerkstelligen und eine operative

Nachfolge zu finden, sondern es sind

auch die Altersabsicherung der ausscheidenden

Gesellschafter, die Gerechtigkeit

in der Familie und eine steueroptimale Gestaltung

zu bewältigen. Deshalb geht es

bei der Gestaltung einer Unternehmensnachfolge

zunächst einmal darum, nach

den Wünschen und Zielen der einzelnen

Familienmitglieder den künftigen Gesellschafterkreis

zu erarbeiten. Erst dann können

rechtliche und steuerliche Gestaltungen

eingesetzt werden, um die Zielstruktur

zu erreichen. Dafür bedarf es vieler Gespräche,

einer guten Branchenkenntnis und einem

strategischen Weitblick. Allerdings

braucht man dafür auch Bankprodukte wie

Mergers&Acquisitions-Beratung, Finanzierung

und Vermögensverwaltung.

Kommt es für die Bewältigung einer Unternehmensnachfolge

auf die Unterschiede

zwischen Ost- und Westdeutschland an?

Nein. Den aufgezeigten Aspekten muss

man bei jedem Familienunternehmen gerecht

werden. Kommt es bei den Beratern

auf den Unterschied zwischen Bankern und

Bankiers an? Ja. Wenn es nicht nur darum

geht, eine feststehende Nachfolge umzusetzen,

sondern eine solche zu gestalten,

leistet ein Berater mit den Qualitäten eines

Bankiers wertvolle Dienste. W+M

ZUR PERSON

Dr. Ralph Beckmann ist Bankkaufmann

und Jurist und hat Erfahrungen bei verschiedenen

Banken gesammelt. Er ist

Verfasser vieler Zeitungsbeiträge und

Fachaufsätze und Herausgeber des Buches

„Unternehmensnachfolge im Mittelstand“.

Seit langem leitet er die Nachfolgeberatung

bei der Commerzbank AG,

eine Abteilung speziell für Familienunternehmen.

Fotos: Commerzbank AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


ZUKUNFT OST

W+M | 41

Fotos: WISTA-MANAGEMENT GMBH (oben), Susie Knoll (unten)

Start-up-Hauptstadt

und Digital Hub

Von Michael Müller,

Regierender Bürgermeister von Berlin

Die Welt entwickelt sich in einem

rasanten Tempo. Die Digitalisierung

ist die erste Revolution des

21. Jahrhunderts. Die Produktionsprozesse

in der Industrie, der Dienstleistungssektor

und damit auch

die Arbeitswelt der Beschäftigten:

Alles verändert

sich. Der Wandel

ist eine große Herausforderung

für alle

Beteiligten. Aber er

ist vor allem eine

Chance. Und die

wollen wir als Stadt

Berlin entschlossen

nutzen.

Schon heute sehen

wir an vielen Stellen,

wie uns digitale Technologien Möglichkeiten

eröffnen, Ressourcen effizienter

zu nutzen. Viele Lösungen helfen dabei,

die Stadt für ihre Einwohner lebenswerter

und lebenspraktischer zu gestalten.

Unser Ziel ist es, Berlin als Hauptstadt

der größten Volkswirtschaft Europas zur

digitalen Metropole weiterzuentwickeln.

Wir wollen als führende Smart City beispielhafte

Lösungen für urbane Technologien

entwickeln. Und wir wollen als Europas

Gründermetropole Nummer eins

die Stadt sein, in der Start-ups und etablierte

Wirtschaft gemeinsam den Sprung

ins nächste technologische Zeitalter machen.

Eine aktuelle Studie sagt: Bis 2030

können allein in der Digitalen Wirtschaft

rund 270.000 neue Arbeitsplätze in Berlin

entstehen.

Michael Müller.

Berlin gilt weltweit als „Sehnsuchtsort“.

Jährlich wächst Berlin um über 40.000

Menschen mit den unterschiedlichsten Talenten

aus aller Welt, die vieles mitbringen

in die Stadt: Offenheit, Ideen, ihren Anteil

am Lebensgefühl. Sie treffen in Berlin auf

eine exzellente Wissenschaftslandschaft,

ein einzigartiges kreatives und kulturelles

Umfeld sowie auf ein äußerst

dynamisches Startup-Ecosystem.

Zalando,

Researchgate, Soundcloud

oder Wooga

sind längst über Berlin

hinaus ein Begriff.

Investoren und etablierte

Konzerne wie

Bayer oder Cisco suchen

verstärkt den

Anschluss an dieses

innovative und

kreative Potenzial

und geben dem Standort über neue Kooperationen

und Acceleratoren zusätzliche

Impulse.

Berlin hat im Gegensatz zu vielen anderen

Metropolen noch immer Flächen, auf

denen neues Gewerbe Platz finden kann.

Wir investieren jährlich Milliarden in das

Wachstum Berlins und die Modernisierung

unserer Infrastruktur. Ich sehe eine

große Chance darin, das vielfältige Knowhow

in der Stadt zu nutzen, um den Weg

Berlins zu einer führenden Smart City in

Europa zu bereiten. Nur einige Beispiele:

Wir haben Finanzierungszusagen für 50

neue IT-Professuren, die Fördermöglichkeiten

für digitale Innovationen wurden

mit dem Programm Mittelstand 4.0 der

Investitionsbank deutlich verbessert, Berlin

soll zur Modellregion für die Entwicklung

von 5G-Technologien werden.

Das alles ist das Ergebnis einer intensiven

Zusammenarbeit zwischen Politik,

Wirtschaft und Wissenschaft. Im vergangenen

Jahr hat Berlin seine Smart-

City-Strategie verabschiedet und erarbeitet

derzeit ein Umsetzungskonzept. Im

Smart-City-Netzwerk aus über 100 Partnern

aus Wirtschaft, Wissenschaft und

Verwaltung, um Zukunftsprojekte für die

Stadt von morgen zu entwickeln.

Wir haben gemeinsam viel auf den Weg

gebracht, um Berlins digitale Erfolgsgeschichte

fortzuschreiben. Die Gelegenheit

dazu ist sehr günstig. Die gute Wirtschaftslage

Berlins sorgt für den nötigen

Rückenwind, um die Entwicklung Berlins

nachhaltig voranzutreiben. W+M

ZUR PERSON

Der 1964 in Berlin geborene Michael

Müller schloss 1986 eine kaufmännische

Lehre ab und ist seitdem selbstständiger

Drucker. Nachdem er 1981 in

die SPD eintrat, zog er 1996 in das Abgeordnetenhaus

von Berlin. Von 2011

bis 2014 war er Senator für Stadtentwicklung,

bis er 2014 Klaus Wowereit

als Regierenden Bürgermeister von

Berlin ablöste.

Das Zentrum für IT und Medientechnologie

des WISTA-Technologiezentrums in Adlershof.

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42 | W+M

lange hinauszögert. Ein Bumerang – für

die Unternehmerfamilie, das Unternehmen

sowie die Beschäftigen und weitere

Stakeholder.

Familienunternehmen

durch Nachfolgesuche

am Scheidepunkt

Von Prof. Dr. Jörg K. Ritter, Partner und Berater

bei Egon Zehnder International

Die Tradition der erfolgreichen Familienunternehmen

in Ostdeutschland

ist lang. Schott oder Carl Zeiss

haben ihren Ursprung in Jena, BMW

stammt aus Chemnitz. Jedoch sind deren

Headquarter nunmehr in Westdeutschland.

Das größte industrielle Familienunternehmen

in den neuen Bundesländern

ist die IFA Rotorion aus Haldensleben.

Der Erfolg dieser Unternehmen spricht

für sich, jedoch sind die Herausforderungen

gerade in Ostdeutschland groß:

Nachfolge, Digitalisierung, Führungskultur

sowie das Gewinnen junger Mitarbeiter

und Fachkräfte sind nur einige wichtige

Aufgaben, denen sich Unternehmer

aktiv stellen müssen. Um die Hintergründe

besser zu verstehen, lohnt sich ein

Blick auf die Unterschiede: So beträgt

ZUR PERSON

Prof. Dr. Jörg K. Ritter ist Berater und

Global Co-Leader „Family Business Advisory“

bei Egon Zehnder. Er arbeitet

insbesondere auf dem Gebiet der Konzipierung,

Evaluierung und Besetzung von

Governance-Gremien für Unternehmerfamilien

und Familienunternehmen. Seit

Mai 2014 leitet er zudem den MBA-Studiengang

„Leadership & Human Resources“

an der Quadriga Hochschule Berlin.

der Anteil neu entwickelter Produkte aus

Ostdeutschland durchschnittlich 15 Prozent

– und fällt damit deutlich geringer

aus als im Westen. Zwar verschwinden in

den neuen Ländern weniger Unternehmen

vom Markt, doch gleichzeitig

ist die Zahl von Neugründungen

stark rückläufig.

Die Nachfolge in

den Familienunternehmen

steht vor

einem historischen

Wendepunkt. Circa

15.000 ostdeutsche

Unternehmen müssen

sich in den kommenden

fünf Jahren

auf die Suche nach

einem Nachfolger machen. Ein oftmals

existenzielles, in jedem Fall ein emotionales

Thema. Nur selten stehen die eigenen

Söhne und Töchter bereit. Etwa die

Hälfte der Nachfolger stammt laut Institut

für Mittelstandsforschung aus dem

Kreis der Mitarbeiter – das sind etwa

doppelt so viele wie in Westdeutschland.

Jede Nachfolge ist komplex und

zeitintensiv. Wir bei Egon Zehnder stellen

jedoch oft fest, dass die Unternehmensführung

diesen Prozess meist zu

Prof. Dr. Jörg K. Ritter.

Die Digitalisierung forciert den Wandel

und verändert die bisherige Wertschöpfung

grundlegend. Arbeitsprozesse, Organisations-

und Entscheidungsstrukturen

sowie die Unternehmenskultur stehen

auf dem Prüfstand. Komplexe Veränderungen

und Innovationen unter

erhöhter Geschwindigkeit zu managen,

stellen neue Anforderungen an die Führung.

Dabei steigt die Bedeutung neuer,

agiler Managementmethoden. Die Führung

muss die entsprechenden Gestaltungsfreiräume

schaffen, innovatives

Denken und Kreativität fördern. Weniger

autoritäre Kontrolle, sondern gemeinsame

Ideengenerierung und Interaktion

kennzeichnen einen neuen Führungsstil,

der vielerorts noch Einzug finden muss.

Die richtigen und motivierten Mitarbeiter

zu gewinnen – und zu halten –, entscheidet

maßgeblich über die Zukunft

jedes Unternehmens. Das trifft ostdeutsche

Firmen in besonderem

Maße. Der Fachkräftemangel

bedroht den

Mittelstand hier existenziell.

Die jüngere

Generation bewertet

Unternehmen heute

nach anderen Prioritäten

als bisher. Vor

allem die Sinnhaftigkeit

des eigenen beruflichen

Tuns steht

bei ihnen im Vordergrund.

Die eigentümergeführten

patriarchischen

Familienunternehmen haben

bei ihnen an Attraktivität verloren.

Anspruch jedes Unternehmers muss es

jetzt sein, sich kritisch zu reflektieren und

seine eigene Führungs- und Unternehmenskultur

zu hinterfragen. Das Unternehmen

fit für die nächste Generation zu

machen, ist Teil unternehmerischer Verantwortung.

Nur wer sich heute professionell

dieser Aufgabe stellt, wird morgen

im Wettbewerb bestehen. W+M

Fotos: IFA Rotorion (oben), Egon Zehnder (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


ZUKUNFT OST

W+M | 43

Warum der traditionsreiche

Unternehmergeist in

Sachsen auch in Zukunft

Berge versetzen wird

Von Martin Dulig, Sächsischer Staatsminister

für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Fotos: Infineon/Peter Loesel (oben), Harald Lachmann (unten)

Wer die Zukunft gestalten will,

muss Schwerpunkte setzen und

Ziele definieren. Bildungsqualität,

Wirtschaftskraft und Generationengerechtigkeit

sind die zentralen Leitlinien der

Sächsischen Staatsregierung. Erstklassige

Bildung ist der Grundpfeiler für ein zukunftsstarkes

Sachsen. Wettbewerbsfähige

Arbeitsplätze und Löhne, von denen die

Menschen vernünftig leben können, sind

grundlegend für Vertrauen in die Zukunft.

Und das Miteinander der Menschen heute

bestimmt das Leben der Generationen

von morgen.

Seit Jahrhunderten sind die Sachsen für ihren

Erfindungsreichtum, ihre Handwerkskunst

und Industriekultur in Europa und der

Welt bekannt. Eine Stärke Sachsens ist der

hohe Industrieanteil. Die Industrie stellt das

Rückgrat der deutschen Wirtschaft und die

Grundlage für ihren Exporterfolg dar. Dies

gilt auch in Sachsen. Unser Ansporn ist daher,

bei der Entwicklung neuer Produkte

und bei der effizienteren Gestaltung von

Produktionsverfahren einen Schritt voraus

zu sein.

Was sind unsere Grundlagen dafür? Sachsen

besitzt eine kleinteilige und mittelständisch

geprägte, aber auch flexible und innovative

Wirtschaft. Im Freistaat hat sich

eine exzellente Hochschul- und Forschungslandschaft

in einer bemerkenswerten Dichte

etabliert. Diese ist vor allem ingenieurtechnisch

ausgerichtet, verfügt über eines

der engsten Netze außeruniversitärer Forschungsinstitute

in Deutschland und wird

durch zahlreiche Landes- und Industrieforschungseinrichtungen

ergänzt.

Sachsen gehört bereits heute zu den innovativsten

Regionen Europas, wir wollen zukünftig

auch zu den wirtschaftlich stärksten

gehören. Der Industrie kommt dabei

eine Schlüsselrolle zu. Sachsen verfügt

über einen guten Branchenmix. Hervorzuheben

sind der Maschinen- und Anlagenbau,

die Automobilindustrie und im Hightech-Bereich

die Mikro- und Nanoelektronik.

Sachsen ist der

Mikroelektronikstandort

Nummer eins in Europa.

Jeder zweite europäische

Chip kommt aus

Dresden, jedes zehnte

in Deutschland

produzierte Auto

kommt aus Sachsen.

Was erwartet uns?

Die Zukunft wird globaler

sein. Der Produktlebenszyklus

wird sich – auch im

Umfeld zunehmender Digitalisierung – weiter

verkürzen, die kundenspezifischen Anforderungen

steigen. Hierauf werden sich

ZUR PERSON

Der 1974 in Plauen geborene, gelernte

Maurer Martin Dulig studierte von 1998

bis 2004 Erziehungswissenschaften in

Dresden. Seit 2004 sitzt er im Sächsischen

Landtag und ist seit 2009 SPD-

Landesvorsitzender. Nachdem er 2014

als Spitzenkandidat für die SPD antrat,

wurde er in der Großen Koalition zum

sächsischen Wirtschaftsminister ernannt.

Martin Dulig.

Reinraum für die Chipfertigung

bei Infineon in Dresden.

die sächsischen Industrieunternehmen weiter

einstellen. Dazu gehören die richtigen

Mitarbeiter mit der entsprechenden

Qualifikation und mit der Offenheit

für das Neue.

Die Zukunft Sachsens

hängt davon ab, ob

und wie es uns gelingt,

die eigenen wirtschaftlichen,

sozialen

und kulturellen Potenziale

zu stärken, noch

besser zu vernetzen

und für die Entwicklung

des gesamten

Freistaates nutzbar zu

machen. Wirtschaft

und Wissenschaft sind potenzielle Kooperationspartner

im Innovationsprozess. Es

gilt, Wege zu finden, die mittelständisch geprägte

Wirtschaft noch enger mit der Wissenschaftslandschaft

in Sachsen zu verzahnen,

um – ausgerichtet an der gesamten

Wertschöpfungskette – den Technologietransferprozess

zu beschleunigen.

Mit der Konzentration auf unsere Stärken,

mit Flexibilität und Neugier und mit einer

breiten und gesunden Basis an technologieoffenen

Branchen werden die sächsischen

Unternehmen und die Sachsen die

Herausforderungen von morgen meistern.

Davon bin ich überzeugt! W+M

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44 | W+M

Wieso der War

for Talents

unser Denken

verändern muss

Von Nora Heer, Gründerin und

Geschäftsführerin der Loopline

Systems Internet GmbH

In Ostdeutschland herrscht eine große

Diskrepanz zwischen Fachkräfteangebot

und -nachfrage. Die Fachkräftenachfrage

ist von 2013 bis 2015 um durchschnittlich

23 Prozent gestiegen. Gleichzeitig

werden die ostdeutschen Bundesländer

im innerdeutschen Vergleich aber

als am unattraktivsten bewertet. Hinzu

kommt, dass nur 56 Prozent der Fachkräfte

für eine Stelle umziehen würden. Man

kann also in Ostdeutschland wirklich von

einem Krieg um Talente sprechen.

Eine weitere Schwierigkeit stellt die Fluktuation

dar, die in Deutschland aktuell bei

14 Prozent liegt (Destatis 2016). Eine abgehende

Fachkraft durch einen geeigneten

Bewerber zu ersetzen, kostet durchschnittlich

8,4 Monatsgehälter (Retaining Talent,

SHRM Foundation, 2008). Bei einem ostdeutschen

Unternehmen mit 500 Mitarbeitern

resultieren daraus Fluktuationskosten

pro Jahr von circa zwei Millionen Euro

(Fachkräfteatlas, Stepstone, 2015). Der Fokus

von Management und Human Resources

muss sich daher vom Recruiting zur

Mitarbeiterbindung verschieben.

Nur zwei von zehn Fachkräften erwarten,

in fünf Jahren noch beim derzeitigen Arbeitgeber

beschäftigt zu sein (Trendstudie,

Stepstone, 2016). Dies lässt sich durch

das verschobene Verhältnis von Fachkräftenachfrage

und -angebot sowie das höhere

Selbstbewusstsein von Arbeitnehmern

erklären. Laut der Trendstudie glauben 84

Prozent der Befragten, dass sie einen wichtigen

Beitrag zum Erfolg ihres Unternehmens

leisten. Es handelt sich hierbei also

nicht nur um die selbstwusste Generation

Y, sondern um einen gesamtgesellschaftlichen

Einstellungswandel. In Kombination

mit der Gewissheit

bei einem anderen Unternehmen

schnell einen

neuen Job zu finden

(69 Prozent glauben,

dass das weniger als

sechs Monate dauert),

führt dies zu geringerer

Loyalität.

Für 86 Prozent der in

der Trendstudie Befragten

ist ein kooperatives

Zusammenarbeiten

mit Führungskräften

wichtig. Sie fordern, dass diese ihren

Mitarbeitern Feedback geben und sie

unterstützen. Laut einer Studie der Robert

Half GmbH (Human Resources Insights,

2014) legen Mitarbeiter außerdem großen

ZUR PERSON

Nora Heer ist Geschäftsführerin und

Gründerin von Loopline Systems. Bis

zur Gründung 2014 war sie Personalleiterin

bei dem Berliner Frühphaseninvestor

Project A Ventures. Sie hat mehr als

zehn Jahre Erfahrung im Aufbau von Organisationen

und in der Entwicklung von

Hochleistungsteams. Sie ist Expertin für

Führung und systemischer Coach.

Nora Heer.

Wert auf klare Kommunikation (95 Prozent)

sowie Anerkennung für gute Leistungen

(91 Prozent). Anhand eines Kundenbeispiels

aus der Digitalbranche lässt sich aufzeigen,

wie wichtig ein Wandel der

Führungskultur ist. Das Unternehmen

hat in Zusammenarbeit

mit Loopline

Systems einen Feedback-

und Führungsprozess

eingeführt,

der durch einen Umgang

auf Augenhöhe,

eine wertschätzende

Grundhaltung und einen

klaren Fokus auf

die berufliche sowie

persönliche Weiterentwicklung

der Mitarbeiter

gekennzeichnet

ist. Auf diese Weise konnte die Fluktuation

im ersten Jahr um circa 15 Prozent gesenkt

und die Produktivität um etwa zehn

Prozent gesteigert werden.

Das Unternehmen hat sich erstens eine

starke Arbeitgebermarke aufgebaut, die

das Recruiting von Talenten vereinfacht.

Zweitens wurde die Organisationskultur

so umgestaltet, dass die Zufriedenheit

und Produktivität der Mitarbeiter gesichert

ist. Und drittens wurden gezielte Entwicklungsprogramme

aufgesetzt, um allen Mitarbeitern

eine klare Perspektive im Unternehmen

zu bieten, sie langfristig zu binden

und sie bei ihrer Weiterentwicklung zu fördern.

W+M

Fotos: mast3r/fotolia.com (oben), Hoffotografen (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


ZUKUNFT OST

W+M | 45

Warum wir in naher Zukunft sowohl

auf die Braunkohle als auch

auf Erneuerbare Energien setzen

Braunkohletagebau in Jänschwalde.

Von Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg

Fotos: A. Gutwein (oben), Oliver Lang/SPD Brandenburg (unten)

Der Industriestandort Deutschland

kann mittelfristig nicht auf die

Braunkohleverstromung verzichten.

Nur so kann die Versorgung mit bezahlbarer

und zuverlässiger Energie für

die Bevölkerung, für die Industrie und für

den Mittelstand gesichert werden. Unternehmen

wie Arcelor, BASF, PCK oder

Riva stehen im internationalen Wettbewerb.

Die Industrie sichert hunderttausende

gute Arbeitsplätze in Deutschland

und ist damit Grundlage für Wohlstand

und soziale Sicherheit. Und diese

Industrie ist auf eine bezahlbare

und verlässliche

Stromversorgung

angewiesen. Brandenburg

trägt hier

also Verantwortung

weit über unsere

unmittelbaren Landesgrenzen

hinaus.

Auf die Frage, wann

die Brücke der Braunkohle

endet, gibt es

daher nur eine Antwort:

wenn die Erneuerbaren

Energien eine zuverlässige, stabile

und bezahlbare Stromversorgung gewährleisten

können. Das heißt: Allein der technologische

Fortschritt darf hier der Maßstab

sein und keine willkürliche Jahreszahl.

Dr. Dietmar Woidke

Eine politisch „verordnete“ schnelle Beendigung

der Braunkohleverstromung gefährdet:

• den Erfolg der Energiewende in ganz

Deutschland (zu jeder Zeit sichere Versorgung)

• die Strukturentwicklung und den sozialen

Frieden in der Lausitz (und den anderen

Braunkohlerevieren)

• den Wirtschaftsstandort Deutschland

(Strompreise, Versorgungssicherheit)

und

• hilft dem Klima in keiner Weise

(Produktionsverlagerungen, erhöhte

Energieimporte).

Brandenburg fordert deshalb gemeinsam

mit den anderen Braunkohleländern von der

Bundesregierung, die weitere Braunkohlenutzung

nicht den sehr ambitionierten

nationalen Klimaschutzzielen

zu opfern sowie

die Lausitz und die

anderen Braunkohleregionen

auf ihrem

schwierigen Weg als

zuverlässigen Partner

zu unterstützen.

Das heißt aber nicht,

dass wir uns den Erneuerbaren

Energien

verschließen und

den Zug der Zeit verpassen

würden. Im

Gegenteil! Wir in Brandenburg sind in diesem

Bereich bundesweit Vorreiter. Das

Land Brandenburg leistet einen wesentlichen

Beitrag zur bundesweiten Stromerzeugung

aus Erneuerbaren Energien: Rund

66 Prozent des Bruttostromverbrauchs werden

in Brandenburg bereits aus Erneuerbaren

Energien erzeugt. Damit wird die Zielsetzung

der Bundesregierung für das Jahr

2035 (55 bis 60 Prozent) schon jetzt übertroffen.

Bei der Windkraft hatten wir den

Zielwert des Bundes für 2030 bereits 2014

zur Hälfte erreicht. Brandenburg ist damit

das Bundesland mit dem größten Anteil an

der insgesamt installierten Windkraft-Leistung

in Deutschland. Bei der Photovoltaik

haben wir den Zielwert für 2030 sogar

schon zu über 80 Prozent erreicht!

Wie man sieht, fährt Brandenburg energiepolitisch

zweigleisig. Und das ist vernünftig

und vorausschauend.

Wenn die Energiewende gelingen soll,

müssen die Kostenfrage für die Verbraucher

sowie die Wettbewerbsfähigkeit der

Wirtschaft stärker im Fokus stehen. Bei

der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

(EEG) ist es deshalb zu Recht Konsens,

dass mehr Steuerung bei der Energiewende

notwendig ist. Mit dem nun beschlossenen

EEG 2017 wird deshalb das

Ausbautempo der Erneuerbaren Energien

an die Fortschritte beim Stromleitungsbau

angepasst. Bei der Entwicklung der

Speichertechnologien hat die EEG-Novelle

leider keine großen Fortschritte gebracht.

Hier müssen wir dringend vorankommen.

Es bleibt also energiepolitisch noch viel zu

tun. Brandenburg ist darauf gut vorbereitet.


W+M

ZUR PERSON

Der 1961 in der Niederlausitz geborene

Dietmar Woidke studierte bis 1987 Landwirtschaft

in Berlin (Promotion 1993).

1994 wurde der SPD-Politiker in den

brandenburgischen Landtag gewählt und

war zwischen 2004 und 2009 Minister

für Ländliche Entwicklung sowie von

2010 bis 2013 Innenminister. Seit 2013

ist er Ministerpräsident des Landes.

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46 | W+M

Neue Verkäufer

für neue

Erlebniswelten

Von Veronika Hammond,

Leiterin der Vertriebsregion Ost

bei der BMW AG

Blick in ein modernes BMW-Autohaus.

Die Digitalisierung verändert den Handel:

Neue Verkaufsprozesse und Jobprofile

der Mitarbeiter sind nicht nur

im Onlinehandel gefragt, sondern zunehmend

auch stationär. Die BMW-Autohäuser

haben diesen Trend erkannt und werden

nun selbst zum Trendsetter. Für den

Kunden werden attraktive neue Erlebniswelten

geschaffen.

Die Chancen, die sich durch die Digitalisierung

ergeben, erfordern neue Wege im stationären

Handel. Für die Autohäuser bringt

das vielfältige Herausforderungen mit sich,

aber auch neue spannende Verkaufs- und

Präsentationsmöglichkeiten, die den Besuch

in der Filiale zu einem Erlebnis machen.

Der Kunde soll sich wohlfühlen, Antworten

auf alle seine Fragen bekommen

und vor allem die Begeisterung für das Produkt

noch authentischer erleben.

ZUR PERSON

Veronika Hammond ist 1974 in Erding

geboren und studierte in Frankreich Sozialwissenschaften.

Seit 1997 arbeitet

sie für die BMW Group in verschiedenen

Positionen des Vertriebs. Nach Stationen

in mehreren BMW-Niederlassungen

rund um Berlin war sie Gebietsleiterin für

Verkauf, Marketing und Vertrieb Ost und

später West. Seit Oktober 2016 ist sie

Regionalleiterin Vertrieb Ost bei BMW.

Das hat BMW als Vorreiter in der Automobilbranche

erkannt und in den Autohäusern

unter anderem einen vollständig neuen

Verkäufertyp für die modernen Bedürfnisse

des Kunden eingeführt: den Product

Genius. Dieser ist bestens über die verschiedenen

Automodelle informiert und

hat mit seinem iPad alle relevanten Informationen

abrufbereit. Er konfiguriert dem

Kunden ein individuell zusammengestelltes

Auto und setzt dieses auf einem Großbildschirm

wirkungsvoll in Szene. Zudem organisiert

er Probefahrten. Als klassischer

Verkäufer versteht sich der Product Genius

dabei nicht, sondern als Experte, der

die Kunden für ein hochwertiges

Auto begeistert. Er nimmt

sich Zeit und wird auch

nicht an Verkaufszahlen

gemessen, sondern

an der Zufriedenheit

der Kunden.

Damit macht sich

BMW die neuen

Möglichkeiten der

Digitalisierung zum

Vorteil und reagiert

gleichzeitig auf die

geänderten Erwartungen

der Kunden,

die sich bereits vor ihrem Besuch im Autohaus

umfassend im Internet informiert

haben. Der Verkäufer ist in der Lage, ihre

oftmals detaillierten Fragen zu beantworten

und entsprechende Informationen während

des Verkaufsgesprächs abzurufen –

so wie der Product Genius mit dem iPad.

Dennoch ist es allein mit der Einführung eines

neuen Jobprofils nicht getan, die Mitarbeiter

müssen auch entsprechend geschult

werden. Zudem gilt es, die neue Position

Veronika Hammond.

vor Ort in den Autohäusern einzuführen,

unter anderem um sicherzustellen, dass die

Schnittstellen zu den bisherigen Abläufen

auch weiter funktionieren.

Um den notwendigen Wandel zu bewältigen,

brauchen die Autohäuser die geeigneten

Mitarbeiter. Diese müssen auch

im Zeitalter der Digitalisierung vor allem

Spaß am Umgang mit Menschen und ein

offenes Ohr für die Bedürfnisse der Kunden

haben. Sinnvoll kann es deshalb

sein, auch in anderen Branchen

mit hohem Servicegedanken

wie der Gastronomie

oder dem Hotelgewerbe

nach neuen Mitarbeitern

zu suchen.

Um die entsprechenden

Mitarbeiter für

sich zu gewinnen und

zu halten, legen die Autohäuser

großen Wert

auf eine Firmenkultur,

in der sich engagierte

Mitarbeiter wohlfühlen

und sie ihre Arbeitszeiten mit ihrer Familiensituation

vereinbaren können. Gerade

auch die jungen Mitarbeiter sollen ihre

Ideen und Vorschläge einbringen – bei

den notwendigen Veränderungsprozessen

ebenso wie im Tagesgeschäft. Schließlich

profitiert das Autohaus davon gleich doppelt:

Die Mitarbeiter sind engagiert und

motiviert und sie bringen als Digital Natives

wichtiges Wissen über die neue Technik,

aber auch künftige Käufergruppen ein.


W+M

Fotos: BMW AG (oben), Privat (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


ZUKUNFT OST

W+M | 47

Damit der Mittelstand auf

Wachstumskurs bleibt

Von Holger Werner, Bereichsvorstand der Mittelstandsbank Ost

der Commerzbank AG

In den nächsten 60 Sekunden werden

über 1.800 Transaktionen per Smartphones

getätigt, mehr als 20 Millionen Fotos

im Netz angeschaut, über 100 neue Linked-

In-Accounts angelegt und 47.000

Apps heruntergeladen. Diese

Zahlen zeigen, welche Dynamik

das Internet gewonnen

hat, wie rasend

schnell uns die

Digitalisierung in ihren

Bann zieht und

unser tägliches Leben

beeinflusst.

Die zunehmende Veränderungsgeschwindigkeit

und Komplexität haben massive

Auswirkungen auf unsere Kunden: die

Digitalisierung der Produktion, die zunehmende

Internationalisierung, neue Wettbewerber

wie Start-ups und die Änderung

der Geschäftsmodelle zu Plattform- und

Servicemodellen. Wir als Bank müssen

hier Lösungen für die neuen Anforderungen

und Veränderungsprozesse

bieten, weil der Kunde, das

mittelständische Unternehmen,

zu Recht von

uns moderne Kommunikationswege

sowie

Produkte und Lösungen

für eine veränderte

Geschäftswirklichkeit

erwartet.

ZUR PERSON

Holger Werners Berufslaufbahn startete

als Wirtschaftsprüfer bei Ernst &

Young. Nach Stationen bei der eJay AG,

Hypovereinsbank und Dresdner Bank

bekleidete er bis 2010 verschiedene

leitende Positionen bei der Commerzbank.

Zwischen 2010 und 2012 war er

Head of Group Shared Service bei der

Allianz. Seit 2012 verantwortet er als

Bereichsvorstand das Corporate Banking

und den Bereich Mittelstandsbank

für die Commerzbank.

Fotos: Daniel Berkmann/fotolia.com (oben), Commerzbank AG (unten)

Das geht natürlich

nicht an den Banken

und dem Mittelstand

vorbei. Insbesondere

in Deutschland

schreitet die digitale Transformation

immer schneller voran. Die Mehrheit der

mittelständischen Unternehmen möchte

neue Technologien konsequent nutzen

und sieht Anpassungsbedarf für ihr Geschäftsmodell.

Mit dem digitalen Wandel

verbindet sich für immer mehr Unternehmen

auch ein kultureller Wandel – hin zu

einer Start-up-Mentalität und einem veränderten

Verständnis von Arbeit, Karriere

und Leben.

Holger Werner.

Unser Ziel als Mittelstandsbank

ist, den

Herausforderungen

der Digitalisierung

gemeinsam mit dem

gesamten Mittelstand zu begegnen. Neben

innovativen Produktlösungen im Onlinebanking,

Zahlungsverkehr oder bei Devisengeschäften

fällt uns als Bank eine

weitere fundamental wichtige Funktion zu:

die Bereitstellung von Netzwerken zu einzelnen

Unternehmen. Der Grund: Die Unternehmen

müssen sich mit ihresgleichen

vernetzen, die angrenzende oder gleichartige

Geschäftsmodelle haben. Den richtigen

Partner zu finden, ist schwierig. Banken

traut man die Funktion des erfolgreichen

Brückenbauers jedoch zu, da sich in

ihrem Kundenportefeuille die unterschiedlichsten

Unternehmen befinden und sie

diese Unternehmen bestens kennen. Das

ist für uns Banker durchaus interessant,

weil sich daraus – bei angemessener Honorierung

– ein Geschäftsmodell entwickeln

lässt.

Und genau hier setzen wir auch an, in dem

wir uns als Begleiter der Digitalen Transformation

positionieren wollen. Den traditionellen

Mittelstand begleiten wir bei

der Digitalisierung – von Finanzierungsund

Beratungsangeboten bis hin zu neuen

Produkten und Services. Den jungen digitalen

Mittelstand möchten wir gerade in

seiner Wachstumsphase und den entsprechend

ambitionierten Zielen über bestehende

und angepasste Bankangebote hinaus

durch Bereitstellung von Netzwerken,

Inkubatoren und FinTechs unterstützen.

Die Welt verändert sich. Und so auch die

Commerzbank – für den gemeinsamen

Weg in die Digitale Transformation mit

dem deutschen Mittelstand. W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


48 | W+M

Wie eine gelungene

Nachfolge motiviert

Von Alexander Winter, Geschäftsführender

Gesellschafter von arcona/A-ROSA

ein neues Leitbild für das junge Unternehmen

präsentiert und die Phase der Implementation

gestartet werden konnte.

nigen Monaten wurde die Marke arcona

HOTELS & RESORTS gelauncht und somit

der Grundstein für die neuen Hotels gelegt.

Über eine Unternehmensnachfolge

habe ich mir ehrlich gesagt, auch

wenn ich erst seit acht Jahren selbstständig

bin, schon häufig Gedanken machen

müssen. Sei es innerhalb der Familie, als es

darum ging, wer den Gastronomiebetrieb

im Münsterland meiner Schwiegereltern

übernimmt oder eben der eigene Management-Buy-Out

und damit die Übernahme

der Stadthotellerie aus dem Traditionsunternehmen

der Deutschen Seereederei (DSR).

Wir starteten 2008 mit rund 250 Mitarbeitern

in acht Hotels und es galt, aus einem

bestehenden Unternehmen mit einem konzernweiten

Leitbild eine eigene Identität zu

schaffen. Dabei half natürlich die Verbundenheit

der langjährigen Mitarbeiter und

das eigene Wissen und die Motivation, aus

dem Bestehenden eine innovative Weiterentwicklung

zu schaffen. Im Führungsteam

entschieden wir uns, gemeinsam mit einem

Team, das aus einem Querschnitt von Mitarbeitern

aus den Hotels und der Firmenzentrale

bestand, ein neues Leitbild und Unternehmenswerte

zu formulieren.

Alexander Winter.

Dieser Prozess war wichtig für die Neupositionierung

des Unternehmens, sowohl

intern als auch extern, denn so haben wir

Identität und Authentizität geschaffen, die

es nun galt, erlebbar zu machen. Die „Leitplanken“

für das alltägliche Tun waren geschaffen

und im nächsten Schritt musste

dies alles umgesetzt werden in eine Marke

mit Außenwahrnehmung. Das war die

nächste Herausforderung. Wir waren uns einig,

ein Teil der arcona-Kranichcrew zu sein

und nun sollten auch die Gäste diesen Spirit

miterleben.

Durch Nähe und Beständigkeit ist es gelungen,

alle Mitarbeiter für ein neues, junges

Unternehmen mit Zukunftsvisionen zu begeistern,

was natürlich auch motiviert, die

Unternehmensziele kontinuierlich weiter zu

verfolgen. So gelang es uns gemeinsam, in

den vergangenen acht Jahren die Hotels zu

verdoppeln, so dass wir heute auf 16 Hotels

blicken und sich bereits ein 17. Haus in

Bau befindet.

Da Tradition verbindet, ist auch die Idee

und Gründung des Joint Venture mit der

DSR Hotel Holding Mitte 2015 ein weiterer

Schritt in Richtung Unternehmenssicherung.

Die dort angenommene Position als

CEO ist eher als Führungswechsel denn als

Unternehmensnachfolge zu sehen, da es

vor allem um die Sicherung des Unternehmens,

die Verantwortung gegenüber den

Mitarbeitern und der Eigentümerfamilie als

auch die geschaffenen Innovationen innerhalb

des Tourismus in guten Händen zu wissen

geht. Für mich selbstverständlich eine

große Herausforderung.

W+M

ZUR PERSON

Der gelernte Hotelkaufmann Alexander

Winter war bis 1998 im Hotel Louis C.

Jacob beschäftigt und ging dann zur

Arkona-Hotelgruppe nach Rostock. Zuletzt

war er dort von 2001 bis 2008 CFO

und Vorstandsmitglied der Arkona AG.

Durch ein Management-Buy-Out der arcona

Stadthotellerie machte er sich 2008

selbstständig und kehrte im Juni 2015

als CEO zur DSR Hotel Holding zurück.

Mit professioneller Unterstützung und einem

hochmotivierten Team haben wir es

in mehreren Workshops geschafft, aus Tradition

und Verbundenheit, ein stabiles Fundament

für die Zukunft zu gießen. Altbewährtes

wurde übersetzt, neu interpretiert

und definiert, Ideen wurden hinzugefügt, so

dass nach einem mehrmonatigen Prozess

Es galt, aus der bisherigen Marke

ARKONA, die sehr mit der touristischen

Schifffahrt verbunden war, eine Publikumsmarke

zu schaffen, die erklärt, dass

es sich um „Hotels an Land“ handelt. Auch

hier wurde ein professioneller Prozess eingeleitet,

der sich ebenfalls an den Unternehmenswerten

orientierte. Nach nur we-

Foto: Arcona Hotels (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


ZUKUNFT OST

W+M | 49

Ostdeutsche Länder brauchen eine

wachstumspolitische Agenda

Von Prof. Dr. Joachim Ragnitz, Stellvertretender Leiter des ifo Instituts

Niederlassung Dresden

Foto: ifo Dresden (unten)

Die Wirtschaftspolitik steht derzeit

in keinem der ostdeutschen Länder

im Mittelpunkt des politischen

Handelns. Vielmehr hat es den Anschein,

dass man sich mit der gegenwärtigen wirtschaftlichen

Situation weitgehend arrangiert

hat – obwohl der Osten

immer noch eine strukturschwache

Region ist

und auch die Perspektiven

für die Zukunft

keineswegs überall

rosig erscheinen.

Die Gründe hierfür

liegen vor allem in

strukturellen Defiziten,

insbesondere

im Fehlen strukturbestimmender

größerer Unternehmen,

und in

der ungünstigen demografischen Entwicklung.

Beides entzieht sich dem unmittelbaren

Einfluss politischer Gestaltung; Ansatzpunkte

für eine stärker wachstumsorientierte

Wirtschaftspolitik gibt es dennoch viele.

Prof. Dr. Joachim Ragnitz.

Im Bereich der Wirtschaftsförderung sollte

künftig nicht mehr die Schaffung von Arbeitsplätzen

im Mittelpunkt stehen, sondern

die Verbesserung der technologischen

Leistungsfähigkeit insbesondere von

kleinen und mittleren Unternehmen. Dabei

geht es auch um Forschung und Entwicklung,

insbesondere aber um die Verbesserung

des Innovationsmanagements und die

Unterstützung des Technologietransfers.

Wichtig scheint es darüber hinaus, gerade

jene Branchen und Unternehmen zu stärken,

die gute Zukunftspotenziale aufweisen

– ein Plädoyer für eine stärkere Selektivität

von Förderung.

Wirtschaftspolitik ist aber weit mehr

als nur Förderpolitik – relevant

sind auch die wirtschaftlichen

Rahmenbedingungen,

unter denen die Unternehmen

agieren. Was

diese in wohlhabenden

westdeutschen Regionen

leicht verkraften

können, mag die häufig

immer noch nicht ausreichend

gefestigten

Unternehmen in Ostdeutschland

überfordern.

Man sollte deshalb

nochmals prüfen,

wo regionale Ausnahmeregeln von ansonsten

gesamtdeutsch festgelegten Standards

und Regulierungen möglich sind.

Nachholbedarfe gibt es auch bei den öffentlichen

Investitionen – im Verkehrsbereich

zum Beispiel bei der Sanierung von

Brückenbauwerken und bei der Ertüchtigung

von Schienenverkehrswegen, darüber

hinaus ganz besonders beim Breitbandausbau

als wesentliche Voraussetzung

für eine stärkere Digitalisierung der

Wirtschaft. Hier ist insbesondere zu prüfen,

wie eine stärkere Beteiligung privater

Investoren in diesen Kernbereichen öffentlicher

Daseinsvorsorge möglich ist.

ZUR PERSON

Prof. Dr. Joachim Ragnitz ist seit dem

Jahr 2007 stellvertretender Geschäftsführer

der Niederlassung Dresden des

ifo Instituts und Honorarprofessor an der

Technischen Universität Dresden. Zuvor

war er von 1994 bis 2007 Abteilungsleiter

am Institut für Wirtschaftsforschung

Halle und als wissenschaftlicher Mitarbeiter

beim Sachverständigenrat zur Begutachtung

der gesamtwirtschaftlichen

Entwicklung in Wiesbaden tätig.

Zu den entscheidenden Wachstumsdeterminanten

in einer Region gehört schließlich

der Bestand an „Humankapital“, also

die Zahl der gut ausgebildeten Arbeitskräfte.

Da auf qualifizierte Zuwanderung

in ausreichendem Umfang wohl nicht gezählt

werden kann, müssen die ostdeutschen

Länder ihre Bildungsinvestitionen

in allen Bereichen ausweiten – angefangen

bei der frühkindlichen Bildung über

die Schulen bis hin zu den Hochschulen.

Mittelfristig kann dies dann auch dazu beitragen,

den noch bestehenden Produktivitätsrückstand

in der ostdeutschen Wirtschaft

abzubauen.

Auch eine Umsetzung all dieser Maßnahmen

wird wohl nicht zu einer baldigen

Angleichung der Wirtschaftskraft an

das westdeutsche Niveau führen. Aber:

Gar nichts zu tun, würde den strukturellen

Rückstand der ostdeutschen Länder

auf Dauer verfestigen. Noch ist es nicht

zu spät, das zu verhindern. W+M


50 | W+M POLITIK

„Sollten alle Parteispenden

offengelegt werden?“

Prof. Edda Müller, Vorstandsvorsitzende von

Transparency International Deutschland e. V.

Dr. Hermann Otto Solms,

Bundesschatzmeister der FDP

„Ja”

Demokratie braucht politische

Parteien. Sie geben

weniger Großspenden.

„Nein”

Parteien erhalten immer

politischem Handeln ein Programm,

bündeln den Wählerwillen und dienen

nehmen etwa machen heute nur noch einen

Spenden von Unter-

der Rekrutierung des „politischen Personals“.

geringen Anteil der Parteifinanzierung aus. Viel

Dafür brauchen sie Geld. Sie brauchen aber vor

entscheidender sind die Beiträge der Parteimitglieder,

vor allem aber die staatlichen Zuschüs-

allem Glaubwürdigkeit und Vertrauen der Bürger

in ihre Unabhängigkeit von Einzelinteressen. Gut se. Während Großspenden zurückgehen, gibt

wäre eine vollständige Finanzierung durch Mitgliederbeiträge

und staatliche Parteienfinanzierung. den die alle und in jeder Höhe offen gelegt wer-

es dagegen viele tausende Kleinspenden. Wür-

Solange dieser Weg nicht machbar ist, müssen den, gäbe es eine wahre Datenflut. Diese Masse

an Informationen würde dazu führen, dass

Spenden vollständig transparent sein. Dies bedeutet

ein generelles Verbot anonymer Spenden und wichtige Informationen verloren gehen. Denn

die Absenkung der Publizitätsgrenze von 10.000 wer hat schon Lust, hunderte Seiten an Spendenbescheinigungen

zur Kenntnis zu nehmen?

Euro auf 2.000 Euro sowie die Senkung der Grenze

für die sofortige Veröffentlichung von Großspenden Daher hat der Gesetzgeber eine relevante Spendenhöhe

für die Offenlegung von Parteispenden

von 50.000 Euro auf 10.000 Euro. Außerdem ist

eine Offenlegung der Sachleistungen durch Sponsoren

in den Rechenschaftsberichten überfällig. Für die Freien Demokraten bedeutet das, dass

bestimmt. Diese liegt aktuell bei 10.000 Euro.

Diese werden derzeit unter sonstigen Einnahmen wir in unseren Rechenschaftsberichten weniger

als 100 Namen von Spendern nennen. Ein

versteckt. Obwohl meistens die „Nicht-Käuflichkeit“

beschworen wird, lehrt die Lebenswirklichkeit

etwas anderes. Kleine Geschenke erhalten die onen nutzen können. Die Größenordnung von

Umfang, den alle Interessierten für Informati-

Freundschaft – sagt der Volksmund. Vom begnadeten

Lobbyisten Carsten Maschmeyer können dieser Regelung wird eine ausreichende Trans-

10.000 Euro hat sich in der Praxis bewährt. Mit

die Parteien lernen. Er erklärt, wie man politische parenz geschaffen, um sicherzustellen, dass es

Akteure für seine Sache einspannt. Networking keine einseitige Einflussnahme auf Entscheidungen

von Parteien gibt. Das wird auch dadurch er-

sei ein Sparkonto, auf das man zunächst einzahlen

müsse, um später abheben zu können. Den

reicht, dass Einzelspenden über 50.000 Euro unverzüglich

nach Eingang veröffentlicht werden

Parteien kann man nur raten: Habt keine Angst

vor zu viel Transparenz, sorgt Euch vielmehr um

müssen. Die Verpflichtung zur Meldung von tausenden

von Kleinspenden würde dagegen deren

das Vertrauen der Bürger. Tut dies nicht nur des

Erfolgs Eurer Partei willen, sondern vor allem

Informationsgehalt eher verschlechtern als verbessern.

auch für die Demokratie.

Fotos: Danetzki (links), Herrmann Otto Solms (rechts)


RATGEBER LIFESTYLE | 51

Tipps für besondere Geschenke aus der Region

Weihnachten steht vor der Tür. Es ist Zeit, sich Gedanken zu machen,

wie wir Geschäftspartnern, Kunden, Familie und Freunden mit einer

besonderen Aufmerksamkeit eine Freude machen können.

W+M hat sich für Sie auf die Suche gemacht und musste dafür nicht mal in

die Ferne schweifen. Exklusive Geschenkideen gibt es auch in Ihrer Region.

Chronometer aus Berlin

Das Modell TEGEL aus

dem Hause ASKANIA ist

eine Liebeserklärung an den

Berliner Flughafen, der aus

allen Nähten platzt, sich

aber dennoch tapfer und

professionell schlägt.

Kaliber ASKANIA 2062,

Automatik, 21 Rubine,

40 Stunden Gangreserve,

Gehäuse aus poliertem Edelstahl,

Mineral-Hesalit-Glas,

hochwertiges Lederband.

Preis: 995 €, www.askania.berlin

Fotos: ASKANIA, MÜHLE, Schloss Wackerbarth, KAHLA, Confiserie Felicitas, 1. Mecklenburger Obstbrand Gut Schwechow GmbH

Thüringer Porzellan

Die Magic-Grip-Kollektion von KAHLA minimiert

dank des Silikonfußes störendes Klappern von

Tellern und Tassen. Die „Line of Gold“ feiert

ihr Comeback und wechselt raffiniert zwischen

innen und außen. Das elegante Service besteht

aus jeweils sechs Ess- und Suppentellern

sowie je zwei Schüsseln, Schalen und Platten.

Preis: 350 €, www.kahlaporzellan.com

Porzellan-Service „Line of Gold“ aus der

Magic-Grip-Kollektion von KAHLA.

Rasurkultur aus dem Erzgebirge

Die Manufaktur MÜHLE hat mit

Designer Mark Braun eine besondere

Vintage-Edition kreiert. Das Set aus

Rasierhobel, -pinsel und -halter besticht

mit sechseckigen Griffen und minimalem

Design. Erhältlich in Grün, Bronze und

Graphit – inspiriert vom Erzgebirge. Ein

Hingucker: die Geodaten-Gravur des

Firmenstandorts. Ab 01.11. verfügbar.

Preis: ab 137 €, www.muehle-shaving.com

Das Modell

„Hexagon“ von

MÜHLE Rasurkultur.

Sekt aus Sachsen

Anlässlich des Gründungsjahres der ersten

Sektmanufaktur in Sachsen komponierten

die Kellermeister des Sächsischen Staatsweingutes

Schloss Wackerbarth die limitierte

Sekt-Jubiläumsedition „Hommage 1836“.

Diese besteht aus jeweils einem Sekt in

Weiß und Rosé, zusammengestellt in einer

hochwertigen Geschenkverpackung.

Preis: 34,50 €, www.schloss-wackerbarth.de

Pralinen aus der Lausitz

Schokoladiges Geschenkset der Brandenburger

Confiserie Felicitas mit einer Glückwunschkarte

aus feinster Schokolade, hergestellt in Handarbeit,

und einer Auswahl zarter Pralinen, in

einer klassisch-edlen Geschenkverpackung.

Schokoladensorte, Beschriftung und Motiv

sind individuell wählbar. 255 bis 265 Gramm.

Preis: 20,60 €, www.confiserie-felicitas.de

Jubiläumssekt

„Hommage 1836“

von Schloss

Wackerbarth.

Das Modell TEGEL TEG-9703

Automatik von ASKANIA.

Geschenkset mit

Schokoladenkarte und Pralinen

der Confiserie Felicitas.

Mecklenburger

Obstbrand

Der „Schwechower Platinum“

in seiner markanten

Drei-Flächen-Glaskaraffe

aus der Exklusivserie

der Mecklenburger Obstbrennerei

Gut Schwechow ist

ein einzigartiger, edler Obstbrand

aus ganz besonderen

Früchten: Hagebutte, Vogelbeere,

Speierling oder Wildkirsche.

Jede Flasche ist ein

mundgeblasenes Unikat.

Preis: 98 €, www.schwechower.de

Der „Platinum“ aus Schwechow.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


52 | W+M RATGEBER

So übergeben Sie Ihr

Unternehmen

erfolgreich

Das Finden eines geeigneten Nachfolgers

stellt viele Unternehmer vor

Probleme, aber auch die Durchführung

dieses besonderen Geschäfts hält

viele Fragen und Fallstricke bereit.

In dieser zweiten Folge möchte ich

einen Überblick über den generellen

Ablauf der eigentlichen Transaktion

geben. Von Holger Wassermann

Welchen Weg der Unternehmer

für seine Nachfolge einschlägt,

hat er idealerweise bereits in

der Vorbereitungsphase geklärt und vielleicht

sogar schon den Nachfolger entsprechend

darauf vorbereitet. Oftmals

schließen die Rahmenbedingungen den

einen oder den anderen Weg aus, es bestehen

aber auch viele Kombinationsmöglichkeiten.

Familie, Mitarbeiter, Dritter?

Die Frage, von der meist alles andere abhängt,

ist die nach dem Nachfolger. Stammt

er aus der Familie, ist es ein Mitarbeiter

oder muss ein externer Käufer gesucht werden?

Da leider nach wie vor die Nachfolge

durch eine Tochter oft nicht ernsthaft in Erwägung

gezogen wird, spreche ich hier aus

Vereinfachungsgründen von DEM Nachfolger,

meine aber beide Geschlechter.

Der große Vorteil einer Nachfolge durch einen

Familienangehörigen oder einen Mitarbeiter

ist der Wegfall einer langen und

eventuell erfolglosen Nachfolgersuche.

Das bloße Vorhandensein reicht aber natürlich

nicht aus, der Kandidat muss auch

wollen und können. Beides sollte geprüft

werden, was Unternehmern erfahrungsgemäß

gerade bei den eigenen Kindern

besonders schwer fällt.

Wird als Weg die Übergabe an einen Dritten

gewählt, kann es sich um einen „privaten“

Käufer handeln, der selbst zukünftig in

die Rolle des Unternehmers schlüpft, oder

um eine andere Unternehmung, welche die

Firma kauft, also beispielsweise ein bisheriger

Lieferant, Kunde, Wettbewerber oder

DER UNTERNEHMENSVERKAUF

IM ÜBERBLICK

Verkaufsstrategie festlegen

Unternehmensbewertung

Unternehmensprofil erstellen

Käufer suchen

Umfassende Prüfung durch den

Interessenten

Verhandlung und Vertragsabschluss

Zahlung und Übergabe

Branchenkollege aus einer anderen Region.

Externe Käufer müssen gesucht und gefunden

werden, und auch hier bleibt eine

Prüfung bezüglich des Könnens nicht aus.

Mit der Herkunft des Nachfolgers steht

häufig die Form der Gegenleistung für die

Übergabe des Betriebs in engem Zusammenhang.

Bei familieninternen Nachfolgen

findet sich oft eine unentgeltliche Übertragung

in Form der Schenkung oder der

Vererbung, während bei den Nachfolgen

durch Mitarbeiter oder Unternehmensexterne

die entgeltliche Übertragung das

Gros ausmacht. Der Betrieb kann aber

auch verpachtet oder im Falle eines Verkaufs

der Kaufpreis mit einer Einmalzahlung

abgegolten, in Raten bezahlt oder

eine Rentenzahlung vereinbart werden.

Grundsätzlich gilt hierbei: Je schneller der

Unternehmer sein Geld bekommt, desto

sicherer ist es für ihn. Geht die Firma

ein oder zwei Jahre nach dem Verkauf in

die Insolvenz, was leider auch nicht selten

vorkommt, so sind für den Unternehmer

sowohl Firma als auch die ausstehenden

Raten- oder Rentenzahlungen verloren.

Zeitversetzte Zahlungen sollten daher

nur vereinbart werden, wenn ansonsten die

Foto: Ogerepus/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


NACHFOLGE | 53

Foto: Intagus

Nachfolge an der Finanzierung des Kaufpreises

scheitern würde. Neben der Vereinbarung

von fixen Kaufpreisen können auch

erfolgsabhängige Vergütungen ein Weg

sein, wie sich die Parteien einigen können.

Die familieninterne Nachfolge

Stammt der Nachfolger aus der Familie,

so beherrschen psychologische Aspekte

die Nachfolge. Im Spannungsfeld zwischen

Eltern/Kind, Familie/Unternehmen

und Geschwistern untereinander fördert

eine Nachfolge oft jahrzehntelang unterschwellig

vorhandene Konflikte zu Tage.

Eine familieninterne Nachfolge ist nur dann

erfolgreich, wenn nach der Übergabe die

Firma noch immer besteht und die Familie

weiterhin gern gemeinsam Weihnachten

und Geburtstage feiert.

Aufgrund der persönlichen Verbindung

zwischen Unternehmer und Nachfolger

schlagen sachlich zu führende, geschäftliche

Gespräche schnell in emotional geführte

Debatten um. Das ist schlecht für

das Unternehmen, für die Familie und damit

letztendlich auch für das Nachfolgevorhaben.

Es ist ein Zeichen von Führungsstärke,

sich hier professionelle Unterstützung

durch einen Berater, Coach oder Mediator

zu holen. Dies

sollte ebenso selbstverständlich

sein wie

der Gang zum Steuerberater,

der bei einer

familieninternen

Nachfolge zwingend

einzuschalten ist. Die verschiedenen Gestaltungsformen

der Schenkung, Vererbung

oder Verrentung haben sehr unterschiedliche

Bedingungen und steuerliche

Konsequenzen.

Der Verkaufsprozess

Soll das Unternehmen im Zuge der Nachfolge

verkauft werden, wird in der Regel zunächst

ermittelt, wie hoch der Wert des Unternehmens

ist, um eine Basis für die bevorstehenden

Kaufpreisverhandlungen zu haben.

Wert und Preis sind nicht das Gleiche.

Der Wert ergibt sich aus den Möglichkeiten,

was jemand mit dem Unternehmen anfangen

kann – der Preis einzig und allein aus

der Verhandlung. Für die Unternehmensbewertung

gibt es verschiedene Methoden,

„Der beste Zeitpunkt, mit

der Nachfolgeplanung zu

beginnen, war vor zehn

Jahren. Der zweitbeste

Zeitpunkt ist jetzt.“

die zusammen angewendet werden sollten,

um eine plausible Einschätzung des Wertes

zu gewinnen. Sie sollte professionell ausgeführt

werden, denn nur allzu oft scheitern

Nachfolgen an überzogenen Kaufpreisvorstellungen

der Unternehmer

aufgrund schlechter Unternehmensbewertungen

bereits im Vorfeld der

eigentlichen Verhandlungen.

Sofern der Käufer

noch nicht bekannt

ist, wird ein Suchprofil

für den Nachfolger

entwickelt und

die Suche beginnt.

Das Einstellen eines

Unternehmensexposés

in Börsen wie

der NEXXT CHANGE

kann man als passive

Suche verstehen. Dabei

verlässt man sich

darauf, dass sich ein

potenzieller Nachfolger aktiv auf die Suche

macht, das eigene Angebot findet und es

für so attraktiv hält, dass er von sich aus

Kontakt aufnimmt. In Zeiten eines Nachfolgermangels

sollte

sich ein Unternehmer

auf eine solche Reihe

von Zufällen wohl

eher nicht verlassen.

Die Suche ist im Verkaufsprozess

die Phase, deren Dauer am

schwierigsten vorhergesagt werden kann.

Es kann bereits im ersten Monat ein passender

Interessent gefunden werden, genauso

gut kann die Suche aber zwei oder

noch mehr Jahre dauern. Das Ergebnis einer

aktiven Suche sind zunächst eine lange

Liste potenzieller Käufer (long list) und

die durch Selektion nach weiteren wichtigen

Kriterien die daraus entstehende kurze

Liste (short list) der Kandidaten, mit denen

Gespräche aufgenommen werden.

Professor Dr. Holger Wassermann ist

Wissenschaftlicher Leiter des KCE

KompetenzCentrum für Entrepreneurship

& Mittelstand der FOM-Hochschule

und Geschäftsführer der Intagus GmbH

Unternehmensberatung für Mittelstand

und Nachfolge.

Zeigt sich der potenzielle Nachfolger nach

der Präsentation eines anonymisierten Unternehmensprofils

interessiert, wird von

ihm eine Vertraulichkeitserklärung (Non-

Disclosure Agreement, NDA) unterzeichnet

und der Kontakt zum Unternehmer hergestellt.

Stimmt die Chemie zwischen den

beiden Parteien und wird die Verhandlung

fortgesetzt, kommt es zur Unterzeichnung

einer Absichtserklärung (Letter of Intent,

LoI) durch den potenziellen

Käufer, der daraufhin

eine eingehende Prüfung

(Due Diligence) aller

wichtigen Faktoren

des Unternehmens

vornimmt und dafür

Einblick in alle Unterlagen

erhält. Auf Basis

der Informationen

aus der Prüfung kann

der Nachfolger in spe

die Unternehmung

aus seiner Sicht bewerten

und so den

für ihn maximal akzeptablen

Kaufpreis

ermitteln.

Daraufhin

werden

im Idealfall die Verhandlungen

um Kaufpreis und Konditionen

fortgeführt. Hierbei sollten unbedingt

Steuerberater und Rechtsanwalt oder Notar

hinzugezogen werden, um das Risiko

schwerwiegender Fehler weitestgehend

zu vermeiden. Bei dem Verkauf von GmbH

und anderen Kapitalgesellschaften ist die

Einbeziehung eines Notars ohnehin Pflicht.

Haben sich die Parteien geeinigt, folgt die

Unterschrift und die Erfüllung der gegenseitigen

Verpflichtungen, also die Zahlung

des Kaufpreises durch den Erwerber – in

der Regel durch Überweisung durch die finanzierende

Bank – und erst daraufhin die

Übertragung der Anteile beziehungsweise

des Vermögens.

Der gesamte Transaktionsprozess, begonnen

bei der Bewertung über die Suche und

Ansprache bis hin zur Begleitung der Verhandlungen

ist sehr komplex, erfordert viel

Spezialwissen und ist durch einen sehr hohen

Zeiteinsatz für Kommunikation geprägt.

Um den operativen Betrieb des Unternehmens

in dieser Phase nicht zu gefährden,

ist die professionelle Unterstützung durch

einen auf Nachfolge spezialisierten Berater

zu empfehlen.

W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


54 | W+M RATGEBER

Frischer Wind

in alten Mauern

Der sächsische Diplom-Ingenieur Thomas Zimmermann sanierte

ein denkmalgeschütztes Wohnhaus in der Domstadt Wurzen

und baute es zum Firmensitz um. Seither beherbergt es die

Büroräume des Ingenieurbüros Zimmermann. Zur Finanzierung

nutzte der Freiberufler einen KfW-Förderkredit aus dem Programm

„Energieeffizient Bauen und Sanieren“. Von Matthias Salm

Rund 20 Jahre lang war das Wohnhaus

in der Wurzener Karl-Liebknecht-Straße

dem Verfall preisgegeben,

bevor Thomas Zimmermann

es neu zum Leben erweckte. Eine reizvolle,

jedoch auch anspruchsvolle Aufgabe:

Nicht nur galt es, die Schäden des

jahrelangen Leerstands zu beseitigen,

auch den Anforderungen des Denkmalschutzes

musste Zimmermann Genüge

leisten. Schließlich entstanden die Straßenzüge

unweit der historischen Altstadt

Wurzens bereits im Zuge der Industrialisierung

Ende des 19. Jahrhunderts –

das Zimmermannsche Sanierungsobjekt

selbst wurde 1889 errichtet.

Dennoch ließ sich der Freiberufler, dessen

Ingenieurbüro seit 1996 vornehmlich

im Straßen-, Wasser- und Tiefbau der Region

tätig ist, nicht abschrecken – obwohl

sein vorheriges Firmendomizil an der viel

befahrenen Bundesstraße B6 gerade

einmal drei Straßen entfernt lag. „Unsere

bisherigen Büros waren nur angemietet,

vor allem war es dort aber einfach zu

laut“, litt der Diplom-Ingenieur unter der

zunehmenden Lärmbelastung. Zimmermann

zog einen Schlussstrich: „Ich wollte

eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen

sowohl für mich als auch für meine

Mitarbeiter erzielen.“

Weil der Firmengründer auch privat

ein Faible für die Sanierung denkmalgeschützter

Gebäude pflegt – er unterstützt

beispielsweise die Deutsche Stiftung

Denkmalschutz –, fiel seine Wahl auf

das leer stehende mehrstöckige Gebäude

in der Karl-Liebknecht-Straße. So erwarb

Zimmermann die Immobilie mit rund 345

Quadratmetern Nutzfläche von der kommunalen

Wohnungsbaugesellschaft.

Rund neun Monate dauerte das Sanierungsvorhaben.

Zu den größten Herausforderungen

zählte die Wiederherstellung

des Treppenhauses sowie der denkmalgeschützten

Straßenfassade mit ihren

Schmuckelementen. Innen wurden in

enger Abstimmung mit dem zuständigen

Denkmalpfleger Fenster und Türen nach

historischem Vorbild erneuert. Das marode

Dachgeschoß baute Zimmermann

zum Atelier um. Nach der Fertigstellung

ermöglichen die sanierten Räumlichkeiten

dem Freiberufler und seinen vier Festangestellten

nun ein ruhiges und komfortables

Arbeiten.

Vorher: Leerstehendes Wohngebäude in der Wurzener Ostvorstadt.

Das Modernisierungsvorhaben diente zugleich

dem Ziel der Energieeinsparung. In

gemeinsamer Planung mit einem Sachverständigen

erstellte der Sachse das

Konzept für eine energetische Sanierung

des neuen Bürohauses. „Wir haben die

Beleuchtung auf LED-Lampen umgestellt

und an der nicht denkmalgeschützten

Rückseite der Immobilie einen Vollwärmeschutz

installiert“, listet Zimmermann

zwei der wichtigsten Maßnahmen

auf. Zusätzlich wurde das Dachgeschoß

gedämmt. Das vorhandene Heizungssystem

tauschte der Diplom-Ingenieur

gegen eine Gasbrennwerttherme aus.

Foto: Thomas Zimmermann

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


FINANZEN | 55

Nachher: Das aufwendig sanierte Gebäude.

„Durch die energetische

Sanierung erreichen

wir jetzt einen

Verbrauch von

109 Kilowattstunden

pro Quadratmeter

im Jahr und liegen

damit unter den

Anforderungen der

Energieeinsparverordnung

für modernisierte

Altbauten“,

erläutert Zimmermann.

Zur Finanzierung

nahm der Freiberufler

einen KfW-Kredit

aus dem Programm

„KfW-Energieeffizienzprogramm


Energieeffizient Bauen

und Sanieren“ in

Anspruch. Mit diesem

Programm fördert

die KfW den

Neubau, den Ersterwerb oder die Sanierung

gewerblich genutzter Gebäude einschließlich

der Umsetzung von Einzelmaßnahmen

mit dem Ziel der Energieeinsparung

und Minderung der CO 2

-Emmissionen

(siehe Infokasten). Förderfähig ist

unter anderem die Sanierung zum KfW-

Effizienzhaus Denkmal. „Der entsprechende

Tipp kam von unserer Hausbank“,

so Zimmermann. Zu den Sanierungskosten,

die rund 1.200 Euro pro Quadratmeter

betrugen, steuerte das Unternehmen

einen Eigenanteil von 100.000 Euro bei –

den restlichen Betrag finanzierte das Ingenieurbüro

über das KfW-Programm.

Die Entscheidung, das ehemalige Wohnhaus

zum Firmensitz umzubauen, hat der

sächsische Sanierungsspezialist bisher

nicht bereut: „Wir haben nun eine weitaus

angenehmere Arbeitsatmosphäre

und sparen zudem Energiekosten“, sagt

Zimmermann nicht ohne Stolz, den historischen

Gebäudebestand in der Wurzener

Ostvorstadt vor dem Verfall gerettet zu

haben.

W+M

„KfW-Energieeffizienzprogramm – Energieeffizient Bauen und Sanieren“

Foto: Thomas Zimmermann

Das KfW-Programm finanziert die Errichtung,

den Ersterwerb und die Sanierung

von gewerblich genutzten Gebäuden

einschließlich der Umsetzung von Einzelmaßnahmen,

um eine deutliche Energieeinsparung

und eine Reduzierung der

CO 2

-Emissionen zu erreichen. Die Darlehen

sind über die Hausbank zu beantragen.

Geförderte Investitionsmaßnahmen

Energetische Sanierungen, die das Niveau

eines KfW-Effizienzhauses erreichen.

Gefördert werden die Standards:

• KfW-Effizienzhaus 70,

• KfW-Effizienzhaus 100 und

• KfW-Effizienzhaus Denkmal.

Des Weiteren werden Einzelmaßnahmen

finanziell unterstützt, zum Beispiel

• Dämmung von Wänden, Dachflächen,

Geschossdecken und Bodenflächen

• Erneuerung und Aufbereitung von

Fenstern, Vorhangfassaden, Außentüren

und Toren (inkl. Ladestellen)

• Einbau, Austausch oder Optimierung

raumluft- und klimatechnischer Anlagen

inkl. Wärme-/Kälterückgewinnung

und Abwärmenutzung

• Austausch und/oder Optimierung der

Beleuchtung sowie

• Einbau oder Optimierung der Mess-,

Steuer- und Regelungstechnik sowie

der Gebäudeautomation.

Bei der Errichtung energieeffizienter gewerblich

genutzter Gebäude werden die

Standards KfW-Effizienzhaus 55 und 70

gefördert.

Die energetischen Sanierungsziele sind

von einem Sachverständigen bei Antragstellung

und nach Umsetzung des Vorhabens

zu bestätigen.

Höchstbetrag

Der Kreditbetrag beläuft sich in der Regel

auf bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben.

Konditionen

Bei Laufzeiten der Darlehen von bis zu

zwanzig Jahren wird die Zinsbindung bis

zu zehn Jahre festgeschrieben. Hinzu

kommen je nach erreichtem KfW-Effizienzhaus-Niveau

attraktive Tilgungszuschüsse

von bis zu 17,5 Prozent des Zusagebetrags.

Im Falle einer Sanierung

zum KfW-Effizienzhaus Denkmal beträgt

der Tilgungszuschuss beispielsweise

7,5 Prozent der Kreditsumme mit maximal

75 Euro pro Quadratmeter. Der

Tilgungszuschuss wird aus Mitteln des

Bundeswirtschaftsministeriums bereitgestellt.

Weitere Infos: www.kfw.de/276

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


56 | W+M RATGEBER STEUERN

Wenn der Chef die

Kiste Bier bezahlt

Zweite Lohntüte: Legale Methoden, um Steuern

und Sozialversicherung zu sparen

5. Personalrabatte

Produkte, die der Arbeitgeber selbst herstellt

oder vertreibt, kann dieser an den

Arbeitnehmer mit vier Prozent Rabatt von

normalen Abgabepreisen weitergeben.

Diese Rabatte dürfen im Jahr den Wert

von 1.080 Euro nicht übersteigen.

6. Kita-Zuschuss

Übernimmt der Arbeitgeber die tatsächlichen

Kosten der Einrichtung ohne Verpflegung

für die Unterbringung in einer Kindertagesstätte,

sind diese Zuschüsse ebenfalls

befreit (keine Pauschalierung). Die

Höhe der Beträge ist unbegrenzt.

7. Erholungsbeihilfe

Der Arbeitgeber kann unter 25-prozentiger

Pauschalversteuerung an den Arbeitnehmer

Erholungsbeihilfen zahlen. Die Erholungsbeihilfe

beträgt für den Arbeitnehmer

selbst 156 Euro, für dessen Ehegatten 104

Euro und für jedes Kind 52 Euro und kann

einmal im Jahr gezahlt werden.

Gern würde der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer

den Lohn beziehungsweise

das Gehalt aufstocken. Leider

kommt davon beim Arbeitnehmer jedoch

nur ein geringer Teil an. Ein Beispiel: Ein

Arbeitgeber erhöht das Gehalt seines Mitarbeiters

in Höhe von 2.000 Euro um 200

Euro. Beim Arbeitnehmer kommen davon

aber nur etwa 107 Euro an und der Arbeitgeber

muss zusätzlich den Arbeitgeberanteil

zur Sozialversicherung zahlen. Effektiv

kommen also von den vom Arbeitgeber

zu tragenden rund 242 Euro nur etwa

44 Prozent beim Mitarbeiter an, weniger

als die Hälfte.

Im Folgenden will ich Ihnen einige Elemente

der sogenannten zweiten Lohntüte vorstellen,

welche in jedem Unternehmen auf

den Prüfstand gestellt werden sollte, um zumindest

partiell die Abgaben zur Sozialversicherung

und Lohnsteuer zu verringern oder

eine Pauschalversteuerung herbeizuführen.

1. Sachbezüge

Monatlich kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer

Sachbezüge bis zu 44 Euro zukommen

lassen. Die Sachbezüge dürfen

nicht in Geld hingegeben werden. Typische

Beispiele: Tankgutscheine, Jobtickets, auch

Sachgeschenke wie zum Beispiel eine Bierkiste

oder ähnliches wären möglich.

2. Firmentechnik

Die Nutzungsüberlassung von firmeneigenen

Handys, Computern oder Tablets ist

nicht steuerpflichtig. Die Geräte müssen

jedoch im Eigentum der Firma verbleiben,

es handelt sich um eine reine Nutzungsüberlassung.

3. Fahrtkostenzuschüsse

Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer

die Fahrtkosten zwischen Wohnung und

Arbeitsstätte mit pauschal 30 Cent pro Entfernungskilometer

für 15 Tage im Monat

sozialversicherungsfrei und mit 15 Prozent

Lohnsteuer pauschaliert erstatten.

4. Essenschecks

Der Arbeitgeber kann dem

Arbeitnehmer arbeitstäglich

Verpflegung im

Wert bis zu 6,10 Euro

zur Verfügung stellen.

Dabei muss der Arbeitgeber

jedoch einen Sachbezugswert

von zurzeit

drei Euro mit 25 Prozent

pauschal versteuern.

8. Betriebliche Altersvorsorge

Eine probates Mittel auch bezüglich der

langfristigen Mitarbeiterbindung ist die betriebliche

Altersvorsorge in Form von steuerfreien

Beitragsleistungen in Direktversicherungen

oder ähnliches von zurzeit maximal

248 Euro pro Monat. Die Besteuerung

dieser Leistungen wird nachgelagert

in Form der Steuerpflicht der Leistungen

durch die Versicherung vorgenommen.

Die oben aufgeführten Beispiele sind nicht

abschließend, sollen aber den Rahmen für

die möglichen Lohnerhöhungen darstellen.

Wichtig ist es, dem Arbeitnehmer zu verdeutlichen,

welchen Bruttovorteil er aus

den genannten Leistungen erhält. Oftmals

werden solche Komponenten bei

der Aufrechnung von Gehältern

vom Arbeitnehmer außer

Acht gelassen.

Ralf Zauft

Ralf Zauft ist Wirtschaftsprüfer,

Steuerberater und

CEO der AUDITA Dr. Feske

Zauft & Wisch GmbH Wirtschaft

sprüfungs- und Steuerberatungs

gesellschaft in Berlin.

Fotos: aeaechan/fotolia.com (oben), Boddin (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


RATGEBER MANAGEMENT | 57

Die Insolvenz

professionell

planen

Fotos: alphaspirit/fotolia.com (oben), Stapper (unten)

Die Insolvenz ist häufig nicht das Ende, sondern der Beginn einer

neuen – von Schulden befreiten – wirtschaftlichen Tätigkeit. Der

Neustart ist umso erfolgreicher, je besser er geplant wird. Das

Entscheidende in der Insolvenz ist der Insolvenzverwalter. Mit

seinem Können und Geschick steht und fällt die Sanierungslösung

und damit die Rettung aus der Insolvenz. Von Florian Stapper

Bis vor einigen Jahren war es kaum

möglich, Einfluss auf die Person

des Insolvenzverwalters zu nehmen.

Es galt der Grundsatz „genannt/verbrannt“.

Inzwischen hat sich das Recht geändert.

Der Insolvenzverwalter kann von

einem Gläubiger und sogar vom Insolventen

selbst vorgeschlagen werden. Insofern

ist es in der Krise sinnvoll, rechtzeitig zu

überlegen, wer ein geeigneter Insolvenzverwalter

sein könnte und auch ein Gespräch

mit dem potenziellen Insolvenzverwalter

zu führen, bevor man die Insolvenz

beim zuständigen Amtsgericht beantragt.

Ein guter Insolvenzverwalter berät in allgemeiner

Form über den Ablauf eines Insolvenzverfahrens

und entwickelt eine mögliche

Perspektive. Sofern es schon einen

Übernahmeinteressenten für eine übertragende

Sanierung oder einen anderen Dritten

gibt, der sich im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens

an der insolventen Gesellschaft

beteiligen möchte, kann so auch

festgestellt werden, ob der vorgesehene

Insolvenzverwalter eine solche Lösung

grundsätzlich mittragen würde und ob er

dazu fachlich und persönlich auch in der

Lage ist. Sollte das nicht der Fall sein, wäre

es auch möglich, einen anderen potenziellen

Insolvenzverwalter anzusprechen.

Ein vorläufiger Gläubigerausschuss kann

dann auch ganz konkret bestimmen, wer

als Insolvenzverwalter eingesetzt werden

soll. Die Insolvenz kann danach

strukturiert eingeleitet und professionell

und zügig durch Insolvenzplan

oder übertragende

Sanierung wieder beendet

werden.

Prof. Dr. Florian Stapper,

Fachanwalt für Insolvenzund

Steuerrecht und Inhaber

der STAPPER Insolvenz- und

Zwangsverwaltung.

Häufig gibt auch der Berater (Rechtsanwalt,

Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

und/oder Unternehmensberater) oder die

Bank den berechtigten Hinweis, die Insolvenz

sorgfältig zu planen, um den Schaden

möglichst gering zu halten und eine

neue Perspektive für den Insolventen zu

entwickeln. Das führt in der Regel auch

dazu, dass der Berater während der Insolvenz

auch vom Insolvenzverwalter beauftragt

wird. Der Berater rettet so nicht

nur seinen Mandanten, sondern auch

das Mandat. Insofern sind Berater pfiffig,

wenn sie bei der Insolvenz ihres Mandanten

nicht die Tätigkeit einstellen, sondern

gezielt einen guten Insolvenzverwalter

auswählen.

Die Insolvenz sollte man auch dafür nutzen,

überflüssigen Ballast

über Bord zu werfen

und das Unternehmen

effektiv und

sinnvoll neu zu

strukturieren.

Insofern stehen

der Unternehmer

und das Unternehmen

nach

der Insolvenz häufig

deutlich besser

da als vorher. W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


58 | W+M RATGEBER BÜRO

Die zehn Gebote

für gelungene

Online-Präsentationen

Online-Präsentationen haben den Vorteil, dass niemand

das Büro oder das Home-Office verlassen muss.

oder Corporate-Verschönerungen erschweren

die Konzentration auf den Inhalt, da Aufmerksamkeitsenergie

geraubt und das Zuhören

erschwert wird.

Regel 6

Verwenden Sie starke Bilder mit klaren

Funktionen. Bilder laufen über den visuellen

Kanal und sorgen dafür, dass Botschaften

besser ankommen. Sie sind Aufmerksamkeitsmagneten,

Erinnerungsanker und

Wissensaktivierer – Verschönerungsbilder

ohne klare Funktion allerdings sind Aufmerksamkeitsräuber.

Für Online-Präsentationen muss niemand das Büro oder das Home-

Office verlassen oder an einen anderen Tagungsort fahren – mit

Internetanschluss und PC oder Mobile Device kann jeder teilnehmen,

von wo er will. Aber man sollte nicht einfach seinen letzten Vor-Ort-

Vortrag für Online-Präsentationen wiederverwerten, da bei letzteren

nonverbale Kommunikationskanäle wie Mimik und Gestik fehlen.

Deshalb haben Gestaltung und Einsatz von Folien eine viel größere

Bedeutung. Lesen Sie zehn Ratschläge von Webmoderatorin Katja

Königstein.

Regel 1

Eine gute Folie enthält immer Text und

Bild. Aber nur so viel Text, wie der Zuhörer

in etwa zwei Sekunden lesen kann. Denn

da sowohl Schrift als auch Sprache über

den verbalen Kanal laufen, wird dieser

doppelt bedient – zu viel Text auf der Folie

verringert daher die Aufmerksamkeit.

Regel 2

Senden Sie pro Folie genau eine Kernbotschaft.

So lässt sich die Aufmerksamkeit

der Zuhörer genau auf das lenken, was

wichtig ist. Vergleichbar ist

das mit einer Packung

Studentenfutter. Jeder

pickt sich das

Die Webmoderatorin

Katja Königstein

coacht ihre Kunden

rund um Webinare,

Online-Trainings und

Web-Meetings.

heraus, was er am liebsten mag: Übrig bleiben

meist die Haselnusskerne. Aber was,

wenn Ihre Botschaft ausgerechnet in den

Haselnusskernen steckt? Dann bieten Sie

besser nur Haselnusskerne an!

Regel 3

Schreiben Sie in ganzen Sätzen – das macht

Ihre Botschaft kraftvoll. Schlagworte haben

keine Aussagekraft, und Substantivierungen

schaffen beim Leser Distanz. Benutzen

Sie nach Möglichkeit kurze Wörter, weil

diese sich schneller lesen lassen.

Regel 4

Setzen Sie Animationen sparsam

ein. Denn je nach Internetverbindung

werden sie verzögert

angezeigt. Sie wissen

also nie so ganz genau, ob

das Bild schon bei allen aufgebaut

ist.

Regel 5

Verbannen Sie Aufmerksamkeitsräuber.

Logos, Vortragstitel

Regel 7

Planen Sie pro Minute Redezeit eine Folie.

Für die Zuhörer ist es einfacher, konzentriert

bei der Sache zu bleiben, wenn

Informationen in kleinen, gut verdaubaren

Häppchen serviert werden.

Regel 8

Lassen Sie auch das Publikum zu Wort kommen.

Aktives Einbeziehen der Zuhörer erhöht

die Aufmerksamkeit. Zum Aufwärmen

eignen sich ein Small Talk im Chat oder inhaltliche

Kurzumfragen. Während der Präsentation

lässt etwa ein Quiz zum Einstieg in

ein neues Kapitel alle wieder ganz Ohr sein.

Regel 9

Steuern Sie die Aufmerksamkeit mit hierarchischen

Folienlayouts. Eine gute Präsentation

ist klar gegliedert, Überschriftenebenen

unterscheiden sich über Schriftgröße

und -farbe. Für Hierarchien können

Sie etwa je nach Gliederungsebene die Farbe

des Hintergrunds ändern. Das schafft

Abwechslung und gibt Orientierung.

Regel 10

Verstärken Sie Ihre Botschaften mit Folien,

statt sie zu wiederholen. Die Foliengestaltung

ist ein bedeutender Erfolgsfaktor spannender

Präsentationen. Aber wichtig ist vor

allem das, was Sie sagen. Wie bei klassischen

Präsentationen haben auch online Folien

nur die Aufgabe, Ihre Botschaften zu

verstärken. Sie dienen weder als Handout

für die Zuhörer noch als Gedankenstütze für

den Referenten.

In Kooperation mit

dem Magazin Das Büro.

Foto: Katja Königstein (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


RATGEBER LITERATUR | 59

Wirtschaftsliteratur

Die ostdeutsche

Bestsellerliste

1

2

3

6

7

5

8

4

9

10

Die ostdeutsche Bestsellerliste für

Wirtschaftsliteratur wird exklusiv von

W+M aus den Verkaufszahlen großer

Buchhandlungen in Brandenburg,

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen

und Thüringen erstellt.

Beteiligt haben sich:

• Hugendubel Cottbus,

Mauerstraße 8, 03046 Cottbus

• Hugendubel Erfurt,

Anger 62, 99084 Erfurt

• Hugendubel Greifswald,

Markt 20–21, 17489 Greifswald

• Hugendubel Leipzig,

Petersstraße 12–14, 04109 Leipzig

• Hugendubel Potsdam,

Stern-Center 1, 14480 Potsdam

• Hugendubel Schwerin,

Marienplatz 3, 19053 Schwerin

• Ulrich-von-Hutten-Buchhandlung,

Logenstraße 8, 15230 Frankfurt/Oder

Die Teilnahme steht weiteren Buchhandlungen

jederzeit offen. Schreiben Sie bei

Interesse eine E-Mail an JP@WundM.info.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


60 | W+M NETZWERK

Zum fünften

Ostdeutschen

Energieforum trafen

sich namhafte

Vertreter aus Politik

und Wirtschaft.

In Erwartung des

nächsten Vortrags:

der Sächsische

Staatsminister für

Umwelt Thomas

Schmidt mit den

Ministerpräsidenten

Bodo Ramelow und

Dr. Dietmar Woidke

(v. l.).

5. Ostdeutsches Energieforum

Wie geht Ostdeutschland

mit der Energiewende um?

Hochrangige Vertreter aus dem ostdeutschen

Mittelstand, der Politik und der Energiebranche

trafen sich am 30. und 31. August

2016 in Leipzig zum 5. Ostdeutschen

Energieforum (OEF). Die Teilnehmer erwartete

neben interessanten Vorträgen und einer

Reihe spannender Podiumsdiskussionen

ein geselliger Abendempfang der gastgebenden

Industrie- und Handelskammer

zu Leipzig. Zentrales Thema des Forums

war die Energiewende und die Rolle der

neuen Länder bei ihrer Gestaltung. W+M

Mike Klaus Barke, Kristian Kirpal, Dr.

Reiner Haseloff und Hartmut Bunsen (v. l.). Rund 300 Gäste nahmen am Ostdeutschen Energieforum teil.

Fotos: A. Koslowski/PIXAPOOL

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


GESELLSCHAFT | 61

KRISTIAN KIRPAL, PRÄSIDENT DER

INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER

(IHK) ZU LEIPZIG:

Fotos: A. Koslowski/PIXAPOOL , IHK zu Leipzig (oben links), Claudia Koslowski (unten rechts)

Spätestens nach dieser fünften

Ausgabe des Ostdeutschen

Energieforums

kann festgehalten werden,

dass einer der

wichtigsten energiepolitischen

Kongresse

Deutschlands in Leipzig

fest verankert ist. Das

zeigt die erneut gute Resonanz

und die angeregten

Diskussionen auf den Podien

sowie nicht zuletzt die politisch

hochkarätige Besetzung. Über Parteigrenzen

hinweg übten die teilnehmenden

ostdeutschen Ministerpräsidenten

und Minister den energiepolitischen

Schulterschluss. Das Forum trägt dazu

bei, Gemeinsamkeiten der ostdeutschen

Bundesländer in energiepolitischen

Fragen zu finden und zu formulieren.

Positiv ist auch, dass mit der Frage der

Digitalisierung verstärkt betriebliche

Anwendungsthemen diskutiert wurden

und so der Dialog zwischen Versorgern

und Verbrauchern aus der Wirtschaft intensiviert

wurde.

Die Teilnehmer nutzten die Chance, in den Diskussionen ihre

Fragen zu stellen.

Tim Hartmann, Bodo Rodestock, Thomas Schmidt und Dr. Dietmar

Woidke (v. l.).

Ministerpräsidentenrunde

beim OEF: Dr.

Reiner Haseloff

(l.), Dr. Dietmar

Woidke (M.) und

Bodo Ramelow.

Rommy Arndt von

n-tv moderierte

ein Forum

zum Thema

Digitalisierung.

HARTMUT BUNSEN, PRÄSIDENT DES

UNTERNEHMERVERBANDS SACHSEN:

Wir haben das 5. Ostdeutsche Energieforum

(OEF) initialisiert, um auf hohe

Energiepreise in den neuen Bundesländern

hinzuweisen und zu versuchen,

im Dialog von Energiewirtschaft, Wissenschaft

und Politik die ostdeutsche

Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Wir wollen erreichen, dass der Osten

dabei mit einer Stimme redet. Die Teilnahme

von drei Ministerpräsidenten

aus drei verschiedenen Parteien unterstreicht

das.

Aber wie steht es insgesamt um die

Energiewende? Hier ist klar: Wir müssen

Wege finden, alternativen Strom

ökonomisch zu speichern und gleichzeitig

die Digitalisierung und dezentrale

Lösungen von Energiethemen vorantreiben.

Trotzdem bleiben Braunkohle

und Gas gerade für unsere mittelständische

Wirtschaft wichtige

Brückenenergieträger.

Bleiben wir mit dem OEF dran,

denn ohne Druck gibt es keine

Lösung.

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62 | W+M NETZWERK

Von FEUER Powertrain gefertigte 4-Zylinder-Kurbelwellen

für den Bau- und Landmaschinenhersteller JCB.

Bewegte Industriegeschichte

mit Spitzenleistungen

Das bekannteste Nordhäuser Produkt ist wohl der Kornbrand. Von

der V2-Raketenproduktion hat man vielleicht auch schon gehört.

Aber im Zeitraum 1965 bis 1990 waren die Dieselmotoren das

eigentliche Hauptprodukt Nordhausens. In dem neuen, 2011

eröffneten IFA-Museum wird die Geschichte des Maschinenbaus

in Nordhausen dokumentiert. Von Rudolf Miethig

Nordhausen. In der Freiherr-vom-Stein-

Straße produzierten die IFA-Motorenwerke

Nordhausen Dieselmotoren für Lkw,

Traktoren und Landmaschinen. 1997

musste das Unternehmen schließen, da

die Finalerzeugnisse nicht mehr produziert

wurden, für welche die Dieselmotoren

einst entwickelt worden waren. Zuvor

waren an diesem Standort unter wechselnden

Firmierungen Rohölmotoren,

Bergbaugeräte, Lokomotiven und Traktoren

wie die bekannte Brockenhexe gefertigt

worden, bis 1965 die Neuprofilierung

zum Dieselmotorenwerk erfolgte.

Weltweit erster Common-Rail-Dieselmotor,

der auf der Straße erprobt wurde.

Dem IFA-Museum Nordhausen gelang

es vorbildlich, die 90-jährige Geschichte

des Maschinenbaus in Nordhausen zu dokumentieren.

Der Besucher erfährt unter

anderem auch, dass das Wissenschaftlich-Technische

Zentrum Automobilbau

mit den IFA-Motorenwerken eine elektronische

Speichereinspritzung mit einem

ständig unter Druck stehenden gemeinsamen

Speicherrohr für alle Zylinder, heute

Common Rail oder CR genannt, entwickelte.

Und das lange bevor die Common

Rail Stand der Technik wurde. 1985 folgte

der Einbau eines damit ausgerüsteten

6-Zylinder-Motors in einen Lkw W50 und

die weltweit erste Straßenerprobung eines

CR-Motors. 17.000 Kilometer absolvierte

er zur Zufriedenheit der Ingenieure.

Leider hatte das Wirtschaftssystem

der DDR nicht die Kraft, die für eine Serienproduktion

des Einspritzsystems erforderlichen

Investitionen aufzubringen.

Möglicherweise war auch das Potenzial

der Speichereinspritzung nicht erkannt

worden. Dem Museumsbesucher wird

dadurch deutlich, wie eine hervorragende

Ingenieurleistung nutzlos verpuffte.

Zurück zur eingestellten Motorenproduktion:

Abseits des Industrieparks wurde

2002 die FEUER powertrain GmbH & Co.

KG gegründet. Das Unternehmen hat sich

zum größten konzernunabhängigen Hersteller

hochqualitativer einbaufertiger

Kurbelwellen in Europa entwickelt. Die

Erfolgsgeschichte begann mit der Bestellung

von Zehnzylinder-Kurbelwellen

für die Spitzenmodelle von Phaeton und

Touareg. So lebt die Tradition des Motorenbaus

in der Stadt fort.

Zurzeit ist das Museum dabei, Konstruktion

und Bau der in Nordhausen gebauten

Raketen A-4 (Nazi-Terminologie: V2) zu

erforschen. Die unmenschliche Zwangsarbeit

bei deren Produktion steht bereits

in der nahegelegenen KZ-Gedenkstätte

Mittelbau-Dora im Fokus. Das Museum

will sich den technischen Problemen dieser

ersten ballistischen Rakete widmen.

Es stellt bereits Fragmente des Raketentriebwerks

aus und bemüht sich um Originalteile

der Rakete. Nach dem Krieg

nahmen die Amerikaner über 100 fertige

Raketen, Konstruktionsunterlagen und

Raketentechniker mit in die Staaten. Die

Sowjets fanden anschließend nur noch

Bruchstücke und Einzelteile vor. Bis 1947

beschäftigten sie in Bleicherode, Nordhausen,

Sömmerda und Sondershausen

schätzungsweise 5.000 deutsche Ingenieure

und Facharbeiter mit der Erstellung

der Konstruktionsunterlagen und

dem Bau von A-4-Raketen, bis schließlich

Menschen und Material in die Sowjetunion

gebracht wurden. Zehn Jahre später

meldete sich Sputnik 1 aus dem Weltall.


W+M

Fotos: FEUER powertrain (oben), Rudolf Miethig (VBIW) (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


VBIW | 63

Nachbau des

Aggregats 2 (Max).

Geburtsort der Raketen

Am Mellensee. Kummersdorf-Gut gehört

zur Gemeinde Am Mellensee und hieß bis

1945 Kummersdorf-Schießplatz. Der Ort

wird in der internationalen Literatur und im

Folgenden nur als Kummersdorf bezeichnet.

Die Entwicklung der Raketen auf Basis

von flüssigem Alkohol und flüssigem Sauerstoff

durch Wernher von Braun begann hier.

Der VBIW entdeckte das Areal im Rahmen

der Arbeiten an seinem Projekt „Brandenburger

Erfinder und Technikpioniere“. Im

Kiefernwald verstreut fand er die Mauerreste

der Brennkammer-Prüfstände. Weitere

Informationen bezog er aus dem hier

betriebenen Historisch-Technischen Museum

und der angebotenen Literatur.

1934 wurde in Kummersdorf das Aggregat

2 (A-2) entwickelt. Zwei Prototypen, genannt

Max und Moritz, wurden hier gebaut,

auf dem Prüfstand erprobt und anschließend

erfolgreich auf der Insel Borkum verschossen.

Max erreichte eine Höhe von 2,3

Kilometern, kam ins Trudeln und stürzte ab.

Moritz erreichte 2,2 Kilometer, flog stabil

und wurde später im Watt wiedergefunden.

Es folgten die Raketen A-3 und dann zunächst

A-5, bevor die größere A-4 gebaut

wurde. Etwa 70 Stück der A-5 wurden in

Kummersdorf gebaut und ab 1938 von der

Greifswalder Oie aus erfolgreich gestartet.

Dank eines Fallschirms konnten viele

Raketen aus dem Schlick geborgen und

erneut gestartet werden. Die A-4 wurde

von Peenemünde aus gestartet. Dorthin

war die Entwicklungsstelle ab 1937 verlagert

worden.

Der VBIW hat dem IFA-Museum Nordhausen

Unterstützung bei der Darstellung der

frühen Entwicklungsetappe der Raketen

zugesagt. Rudolf Miethig (VBIW)

Moderne trifft auf Gründerzeit

Fotos: Rudolf Miethig (VBIW)

Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). 2012

war in Ludwigsfelde die neue Museumshalle

am Bahnhof eingeweiht worden,

nachdem das bisherige Museum im alten

Bahnhofsgebäude zu klein wurde. Jetzt

konnten größere Exponate präsentiert

werden. Brandenburgs Infrastrukturminister

Jörg Vogelsänger hatte bei der Eröffnung

darauf verwiesen, was das Ludwigsfelder

Museum mit vielen anderen Museen

gemein hat: Fördervereine, deren Mitglieder

sich ehrenamtlich für Herstellung

und Pflege von Exponaten engagieren.

Zu den Exponaten zählen ein Daimler-

VBIW – Verein Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Landesgeschäftsstelle:

Fürstenwalder Str. 46,

15234 Frankfurt (Oder)

Tel.: 0335 8692151

E-Mail: buero.vbiw@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

Flugzeugmotor aus dem Zweiten Weltkrieg,

Motorroller, der geländegängige

Pkw P3, der Lkw W50, der Nachfolger

L60, der Pkw Vaneo und ein Turboprop-

Triebwerk TP400 mit 11.000 PS.

Der Arbeitskreis Verkehrswesen des VBIW

veranstaltete seine Jahrestagung in dem

neuen Museum und lud den Zeitzeugen

Dr. Bernd Franke ein, die Geschichte

von der Wiederauffindung

des letzten verbliebenen

Prototyps des L60 in der

ursprünglich entwickelten

Form zu erzählen. Der Prototyp

war nach der Wende verschollen,

wurde 15 Jahre später

auf einer russischen Internetseite

angeboten und 2008

nach Ludwigsfelde geholt und

restauriert. Der Prototyp besitzt

das neue eigenständige

Fahrerhaus, welches wegen

wirtschaftlicher Zwänge aber

nicht in die Serienproduktion

überführt werden durfte – produziert

wurde der L60 bekanntlich mit einem

modifizierten W50-Fahrerhaus.

Auch heute noch werden in Ludwigsfelde

Lkw montiert und Triebwerke getestet und

instandgesetzt. Die Stadt ist nach wie vor

ein bedeutender Industriestandort.


Rudolf Miethig (VBIW)

Das Museum dokumentiert die Industriegeschichte

Ludwigsfeldes.

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64 | W+M NETZWERK

UV Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin

UNTERNEHMER VON MORGEN UND ÜBERMORGEN

Der Regionalleiter Nordwestmecklenburg des UV Schwerin Dirk Dönges bedankt sich bei den

beteiligten Unternehmen, Lehrern und Schülern.

Schönberg. Große Ehre für den Unternehmernachwuchs

im Norden: Im Ernst-Barlach-Gymnasium

zeichneten im Juni die

Geschäftsführerin des UV Schwerin Pamela

Buggenhagen und der Regionalleiter

Nordwestmecklenburg Dirk Dönges gemeinsam

mit Schulleiter Frank Becker 23

Schüler des Wahlpflichtkurses „Jungunternehmerschule“

in einer feierlichen Abschlussveranstaltung

aus. Die überreichten

Zertifikate bescheinigen den Unternehmern

von übermorgen die erfolgreiche Teilnahme

an insgesamt 32 Doppelstunden. Bestandteil

dieses besonderen Unterrichts waren

auch sechs Exkursionen im Rahmen der Unternehmenspraxis

in Firmen verschiedener

Branchen der Region, darunter zur Weißen

Wiek nach Boltenhagen oder in die IAG Ihlenberger

Abfallentsorgungsgesellschaft

mbH. Auch Landrätin Kerstin Weiss und

Bürgermeister Hans Götze unterstrichen

die Bedeutung der Veranstaltung und brachten

ihre hohe Wertschätzung für die Jungunternehmerschule

zum Ausdruck. Sie ermunterten

die Schüler nach der Ausbildung

oder dem Studium, in der Region Nordwestmecklenburg

zu bleiben, da es hier viele attraktive

Unternehmen und hervorragende

Lebensbedingungen gebe.

WEITERBILDUNG IM ARBEITSRECHT

Parchim. Die ASKLEPIOS Klinik Parchim

war Mitte Juli Austragungsort des

Arbeitskreises Personalwesen des UV

Schwerin in der Region Ludwigslust-

Parchim. Margret Krause, Personalleiterin

der ASKLEPIOS Klinik, stellte zu Beginn

das Krankenhaus vor. Bei der Veranstaltung

mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht

ging es dann um die Themen

Leistung und Vergütung von Überstunden

und Wochenendarbeit sowie Übertragung

von Urlaubsansprüchen und Urlaubsabgeltung.

Nachdem diese Themen

schon zuvor auf einer ähnlichen Veranstaltung

im Trockenwerk Eldena viele

Fragen aufwarfen, stellte sich das große

Interesse bei der jetzigen Veranstaltung

ähnlich dar. Als Referent führte Rechtsanwalt

Frank Hein vom Mitgliedsunternehmen

Anwaltshaus Parchim thematisch

durch die Veranstaltung. Dabei ging er in

seinem Vortrag auch auf praktische Fallkonstellationen

ein und konnte das Thema

somit anschaulich darstellen.

UV Brandenburg-Berlin

GRENZÜBERSCHREITENDE KOOPERATION

Cottbus. Der polnische Arbeitgeberverband

Lebus und der Unternehmerverband

Brandenburg (UVBB) haben am 15.

Juli in einem "Letter of Intent" die grenzüberscheitende

regionale Zusammenarbeit

zwischen Polen und Brandenburg vereinbart.

Dafür soll in den nächsten zwölf Monaten

ein Projekt durchgeführt werden, das

dem Austausch zwischen Unternehmen

und Verbänden dient und die Wirtschaftskraft

der deutsch-polnischen Grenzregion

stärkt. Titel des Vorhabens: „Gelebte Nachbarschaft

– wirtschaftliche, politische und

soziale Aspekte im deutsch-polnischen

Grenzgebiet der Euroregion Spree-Neiße-

Bober“. Das Vorhaben vereinbarten der

UV-Vizepräsident Reinhard Schulze und

der Büroleiter vom Arbeitgeberverband

Lebus Jaroslaw Nieradka. Es ist das erste

Mal, dass der UVBB ein solches Projekt

mit einem polnischen Partner startet.

Dabei sehen die Brandenburger und der

ebenfalls regional tätige polnische Verband

die Notwendigkeit, die schon heute bestehende

enge wirtschaftliche Verflechtung

zwischen beiden Grenzregionen durch

den Aufbau institutionalisierter Netzwerke

weiter voranzutreiben. Durch regelmäßige

Treffen, gemeinsame Debatten und

Diskussionen sollen Ressourcen und Kompetenzen

gebündelt werden und mittelfristig

ein „Deutsch-Polnisches Forum der Euroregion

Spree-Neiße-Bober“ entstehen.

Foto: Unternehmerverband Norddeutschland Mecklenburg-Schwerin

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


UNTERNEHMERVERBÄNDE | 65

Fotos: Claudia Koslowski (oben), Lutz Zimmermann (unten)

UV Sachsen

NETZWERKEN BEIM TENNIS

Björn Duphorn, Dr. Reinhard Roßberg, Lars Schaller und Robby Kertzscher (v. l.).

NEUES EHRENMITGLIED

Leipzig. Das internationale Tennisturnier

„Leipzig Open“ bot Mitte August Wirtschaftsvertretern

aus der Region die

Gelegenheit zu einem geselligen Netzwerkabend.

Der Unternehmerverband

Sachsen und der Verein SACHSEN Sail

luden nach dem Spiel des Tages als Gastgeber

in den VIP-Bereich des hochkarätigen

Tennisturniers. In entspannter Atmosphäre

konnten interessante Gespräche

geführt und so manch neuer Kontakt geknüpft

werden. Die beiden Vertreter der

Steuerberatungsgesellschaft „Dr. Lauer

und Koy“ Steffen Matysek und Michael

Koy sorgten mit ihrem Sponsoring für das

leibliche Wohl der Gäste.

Lars Schaller (l.) und Mike Klaus Barke mit dem neuen Ehrenmitglied Wolfgang Topf (M.).

Leipzig. Der langjährige Präsident der

IHK zu Leipzig (2001-2016) und ehemalige

Präsident des UV Sachsen (1999-2001)

Wolfgang Topf wurde am 30. Juli feierlich

aus seinem Amt verabschiedet. Über 200

Gäste fanden sich in der Handelsbörse zu

Leipzig ein, um Wolfgang Topf in den verdienten

"ehrenamtlichen Ruhestand" zu

verabschieden und ihm für sein großes

Engagement für den Mittelstand in der

Region Leipzig zu danken. Zu den Gratulanten

gehörten neben zahlreichen Gästen

aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft

UV-Vizepräsident Mike Klaus Barke

sowie UV-Geschäftsführer Lars Schaller.

Sie durften dem scheidenden Präsidenten

der Leipziger Kammer eine besondere

Auszeichnung des UV Sachsen überreichen:

Wolfgang Topf wurde zum Ehrenmitglied

des UV Sachsen erklärt. Damit

ist er erst das vierte Mitglied, das in diesen

ehrbaren Kreis aufgenommen wurde.

GESCHÄFTSSTELLEN

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Niklas Graf von Bernstorff

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Dr. Burkhardt Greiff

Geschäftsführer: Steffen Heller

Hauptgeschäftsstelle

Jägerstraße 18, 14467 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-bb.de

Internet: www.uv-bb.de

Geschäftsstelle Berlin

Charlottenstraße 80, 10117 Berlin

Tel.: +49 30 2045990

Fax: +49 30 20959999

E-Mail: berlin@uv-bb.de

Geschäftsstelle Cottbus

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-bb.de

Unternehmerverband Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführerin: Pamela Buggenhagen

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres

Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4

18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 7, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsführer: Dr. Andreas Golbs

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Jens Wenzke

c/o IHK Erfurt - Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 4930811

Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsführer: N. N.

Geschäftsstelle

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823

Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


66 | W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick auf die nächste Ausgabe

Wir sind Weltmeister

Keine Angst, wir wechseln nicht das

Metier und werden zum Fußball-

Journal, das den nächsten Weltmeistertitel

für die deutsche Nationalmannschaft

im Jahr 2018 voraussagt. In der Titelgeschichte

der letzten Ausgabe dieses

Jahres reflektieren wir vielmehr Spitzenleistungen

des ostdeutschen Mittelstandes.

In etlichen Branchen und auf zahlreichen

(Nischen-)Märkten sind Unternehmen

aus den neuen Bundesländern heute

international führend mit ihren Produkten.

Wir stellen Beispiele vor und erläutern, wie

es kleine und mittelständische Unternehmen

auch ohne firmeneigene Forschungsabteilungen

schaffen, mit innovativen Produktlinien

der Konkurrenz aus Europa, Asien

und Amerika den Rang abzulaufen.

Im finalen Teil unserer Serie über

die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes

Ostdeutschland berichten

wir in dieser Ausgabe über

Berlin. Dort haben wir speziell die

Bereiche Gesundheitswirtschaft,

GreenTech/CleanTech und Tourismus

ausgewählt, die sich besonders dynamisch

entwickeln. Der bisherige und

wohl auch künftige Regierende Bürgermeister

Michael Müller (SPD) stellt sich

den Fragen von WIRTSCHAFT+MARKT

und spricht über Schwerpunkte der Wirtschaftspolitik

in seiner zweiten Amtszeit

sowie das Potenzial Berlins als Start-up-

Hauptstadt in Deutschland.

Darüber hinaus finden Sie wie gewohnt

aktuelle Nachrichten und Reportagen aus

1

den neuen Bundesländern sowie einen

informativen Ratgeberteil.

Die nächste Ausgabe von

WIRTSCHAFT+MARKT erscheint

am 15. Dezember 2016.

PERSONENREGISTER

Ancelotti, Carlo 59

Arndt, Rommy 61

Baethge, Martin 13

Barke, Mike Klaus 60, 65

Baumeister, Roy 59

Becherer, Volker 12

Becker, Frank 64

Beckmann, Ralph 30, 40

Berthold, Emil 6

Bispinck, Reinhard 13

Blume, Jürgen 14

Braun, Mark 51

Bremer, Volker 6

Brückner, Jörg 8

Buggenhagen, Pamela 64

Bunsen, Hartmut 60/61

Busch-Petersen, Nils 9

Coats, Daniel R. 9

Dönges, Dirk 64

Dubberstein, Bernd 7

Dulig, Martin 30, 43

Duphorn, Björn 65

Dürr, Heinz 9

Ermrich, Michael 10

Faensen, Matthias 17

Ferriss, Timothy 59

Franke, Bernd 63

Fürst Albert II. von Monaco 26

Gabriel, Sigmar 30, 32

Gleicke, Iris 30, 32, 33

Gorbatschow, Michail 9

Götze, Hans 64

Gysi, Gregor 26

Hahne, Peter 59

Hammond, Veronika 30, 46

Hartmann, Tim 61

Haseloff, Reiner 8, 30, 32, 37, 60/61

Heer, Nora 30, 44

Hein, Frank 64

Heitmüller, Ulf 7

Herrmann, Ulrike 59

Hesse, Jürgen 59

Heuchert, Karsten 7

Husmann, Uwe 15

Justus, Phillip 9

Kaczynski, Andreas 17

Kahnemann, Daniel 59

Kammann, Rolf 15

Kertzscher, Robby 65

Kirpal, Kristian 60/61

Kiyosaki, Robert T. 59

Klostermann, Dieter R. 9

Königstein, Katja 58

Koy, Michael 65

Krause, Günther 18

Krause, Margret 64

Maschmeyer, Carsten 50

Matysek, Steffen 65

Mayer, Claus R. 9

Meinel, Christoph 30, 34

Merkel, Angela 3, 8

Michels, Kai-Uwe 17

Montebaur, Alexander 7

Müller, Edda 50

Müller, Michael 30, 32, 41, 66

Müller, Ulrich 10

Nieradka, Jaroslaw 64

Nowosadtko, Björn 19

Orban, Roswitha 16

Papst Benedikt 26

Papst Franziskus 24, 26

Pätz, Reinhard 8

Pegel, Christian 30

Ragnitz, Joachim 10, 30, 49

Ramelow, Bodo 24-27, 30, 32, 60/61

Reizel, Michael 28

Ritter, Jörg K. 30, 42

Rodestock, Bodo 61

Roßberg, Reinhard 65

Roßrucker, Johannes 6

Schaller, Lars 65

Schmidt, Thomas 60/61

Schmitz, Manfred 30, 38

Schöbel, Marion 6

Schrader, Hans Christian 59

Schulze, Reinhard 64

Sellering, Erwin 30, 32, 39

Sievers, Harm 14

Solms, Hermann Otto 50

Stapper, Florian 57

Stokes, Robert J. 8

Stolpe, Manfred 18

Tiefensee, Wolfgang 20

Tierney, John 59

Topf, Wolfgang 65

Vance, Ashlee 59

Vogelsänger, Jörg 63

von Nathusius, Heinrich 30, 36

Wanka, Johanna 30, 32, 35

Wassermann, Holger 52/53

Weber, Michael 10

Weiss, Kerstin 64

Werner, Holger 30, 47

Wilhelm, Kati 28

Winter, Alexander 30, 48

Woidke, Dietmar 30, 32, 45, 60/61

Woltmann, Jörg 9

Wowereit, Klaus 41

Zauft, Ralf 56

Zeuner, Jörg 8

Zimmermann, Thomas 54/55

Foto: JiSign/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2016


Titel_WuM_0415.indd 1

18.06.15 13:16 Uhr

Titelentwuerfe_WuM_0416.indd 1 15.06.16 13:51

Titel_WuM_0515.indd 1 18.08.15 22:27

Titel_WuM_0615.indd 1

21.10.15 11:32 Uhr

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Titelentwürfe_WuM_0616.indd 1 06.10.16 11:54

W+M

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

MARKT

26. Jahrgang | Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

MARKT

26. Jahrgang 26. Jahrgang | Heft 5 | September/Oktober Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

MARKT

26. Jahrgang 26. | Jahrgang Heft 6 | November/Dezember | Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

BRANDENBURG

ENERGIE

ELEKTRISIERT

DIE

WIRTSCHAFT

GRÜNT

THÜRINGEN

IM INTERVIEW

Ministerpräsident

IM INTERVIEW

Bodo Ramelow

Ministerpräsident

Dietmar Woidke

STUDIE

SACHSEN

REPORT

Rivalität auf

der Ostsee

Mittelstand im

digitalen Wandel

UMFRAGE

Welches Auto

passt zu Ihnen?

Kraftakt

Firmenübergabe

EXKLUSIVE INTERVIEWS

Bundeswirtschaftsminister

Sigmar Gabriel

Ministerpräsident

Stanislaw Tillich

RATGEBER

Betriebliche

Altersvorsorge

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang 26. Jahrgang | Heft | Heft 1 | Januar/Februar 4 | Juli/August 2016 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang | Heft 2 | März/April 2016 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang | Heft 3 | Mai/Juni 2016 | 5 | ZKZ 84618

Beilage

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

Mecklenburg-

Vorpommern

BERLIN

GESUNDHEITSWIRTSCHAFT

EIN GESCHÄFT

FÜR VIELE

BRANCHEN

OSTPRODUKTE

DIE UNHEIMLICHE

RENAISSANCE

Motorenwerk Kölleda:

Herz einer Region

WindNODE:

Energie aus dem Norden

W+M

mit

Sachsen-Anhalt

FERIEN DAHEIM

TOURISMUS

Wie der neue Trend

den Osten stärkt

LÄNDERREPORTS

100 Jahre Leuna

Profisport im Osten

IM INTERVIEW

Berlins Regierender

Michael Müller

Bilanz vor der Wahl:

Reiner Haseloff

Davos in Bad Saarow:

Ostdeutsches Wirtschaftsforum

RATGEBER

Investieren im Iran

Gesundes Arbeiten im Büro

Mutig in der Insolvenz

REPORT

Eberswalder

Metall-Gen

Management:

Der Honecker-Effekt

Travel:

Tipps für Geschäftsreisen

LIFESTYLE

Edle Uhren-Neuheiten

Logieren in Schlosshotels

RATGEBER

Gutschein

statt Geld

INTERVIEWS

Christian Pegel, Erwin Sellering und Gerold Jürgens,

Tillmann Stenger, Peter-Michael Diestel, Reinhard Pätz

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang | Heft 4 | Juli/August 2016 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang | Heft 5 | September/Oktober 2016 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+

MARKT

27. Jahrgang | Heft 6 | November/Dezember 2016 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

BRÜSSELER SEGEN

WIE DER OSTEN VON

EU-GELDERN PROFITIERT

LÄNDERREPORT

Schwerin dockt an

Hamburg an

BEILAGE

Sachsen

ZUKUNFT OST

WELCHE PERSPEKTIVEN UNSERE ELITE

FÜR DIE NEUEN LÄNDER ENTWICKELT

Flughäfen am Tropf

der öffentlichen Hand

BEIL AGE

Brandenburg

RATGEBER

So gelingt die

Unternehmensnachfolge

Kassenführung im

Visier der Finanzämter

TILLICH & WOIDKE IM INTERVIEW

Zwei Lausitzer, zwei Landesväter,

zwei Parteien, zwei Freunde

BEILAGE

Thüringen

LÄNDERREPORT

Küstenautobahn

taktet den Norden

RATGEBER

Die Insolvenz

professionell planen

So gelingt die

Online-Präsentation

INTERVIEW

Warum Thüringens linker

Ministerpräsident Bodo

Ramelow Fürst Albert II.

und Papst Franziskus trifft

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