Beschluß - Geschichtswerkstatt Jena eV

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Beschluß - Geschichtswerkstatt Jena eV

MfS und FSU

Das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit an der

Friedrich-Schiller-Universität Jena


Inhaltsverzeichnis

1 VORWORT ..................................................................................................................................2

2 AN DER UNIVERSITÄT JENA AKTIVE DIENSTEINHEITEN DES MFS ........................3

3 IM-KATEGORIEN......................................................................................................................3

4 ERFASSUNG VON VORGÄNGEN...........................................................................................4

5 WERBUNG VON IM...................................................................................................................4

6 FÜHRUNG VON IM....................................................................................................................4

7 ARCHIVIERUNG VON IM........................................................................................................4

8 ÜBERWACHUNG VON PERSONEN.......................................................................................5

2

8.1 OPERATIVE PERSONENKONTROLLEN (OPK) UND OPERATIVE VORGÄNGE (OV).......................5

8.2 SICHERUNGSVORGÄNGE (SIVO) ..............................................................................................6

9 DAS IM-NETZ AN DER UNIVERSITÄT .................................................................................7

10 SCHWERPUNKTE DER MFS-AKTIVITÄTEN AN DER UNIVERSITÄT .......................9

11 EINIGE AUSSAGEN ZU DEN DOKUMENTEN .................................................................10

12 DOKUMENTE .........................................................................................................................11

13 IM-VERZEICHNIS................................................................................................................228

14 ABKÜRZUNGEN...................................................................................................................241

1 Vorwort

In memoriam memoriae

Die Erinn’rung ist eine mysteriöse

Macht und bildet die Menschen um.

Wer das, was schön war, vergißt, wird böse.

Wer das, was schlimm war, vergißt, wird dumm.

(Erich Kästner)

Die vorliegende Dokumentation ist das Ergebnis von Recherchen in der Außenstelle Gera des

Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen

Demokratischen Republik. Ziel unserer Publikation ist es, durch Offenlegung ausgewählter MfS-

Dokumente Mechanismen der Machtausübung der SED-Diktatur am Beispiel der Friedrich-

Schiller-Universität Jena darzustellen. Gleichzeitig wollen wir Tendenzen entgegenwirken, die auf

eine Verfälschung der DDR-Geschichte abzielen. Die Dokumente sprechen überwiegend für sich.

Zum besseren Verständnis haben wir dennoch eine Reihe kurzer einleitender Kapitel vorangestellt

und einigen Dokumenten Anmerkungen beigefügt. Ein Abkürzungsverzeichnis findet sich am Ende.

Wir möchten uns ganz herzlich für die Unterstützung unserer Arbeit bei den Mitarbeitern der

„Gauck-Behörde“ bedanken, insbesondere bei Andreas Schmidt, Renate Ellmenreich und Andreas


Bley. Ebenso danken wir dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Erfurt für die finanzielle

Unterstützung bei der Erstellung des Manuskripts.

Jena, August 1996

Gerhard Kluge

Reinhard Meinel

2 An der Universität Jena aktive Diensteinheiten des MfS

Bei dem Versuch, die Struktur und Vorgehensweise des MfS an der Universität aufzuklären, mußten

wir sehr schnell feststellen, daß es eine einheitliche Struktur des MfS an der Universität nicht

gab. Vielmehr waren von der Kreisdienststelle (KD) über die Bezirksverwaltung (BV) bis hin zu

den Hauptabteilungen (HA) in Berlin alle Ebenen an der Universität mit ihren eigenen inoffiziellen

Mitarbeitern (IM) vertreten, wobei die einzelnen Diensteinheiten (DE) die Aktivitäten der anderen

DE oft nicht kannten. Für spezielle Aufgaben wurden aber auch IM anderer Abteilungen eingesetzt,

z.B. zur Aufklärung bestimmter Personen innerhalb einer operativen Personenkontrolle

(OPK) oder bei der Überwachung sicherheitsrelevanter Militärforschung.

Im einzelnen waren folgende Diensteinheiten an der Universität aktiv:

− KD Jena (In den 50er Jahren mit Fakultätsbeauftragten, später gab es ein

eigenes Referat Universität, daneben waren Mitarbeiter der Universität als

IM für andere Abteilungen der KD eingesetzt.

− BV Gera

• Leitung bzw. Büro der Leitung (Hier waren Mitarbeiter der Universität erfaßt, die

der BV Gera für den KGB („Freunde“) gearbeitet haben)

• Abt. XV (Die Unterabteilungen der Hauptverwaltung Aufklär-

ung (HVA) in den BV hatten die Nr. XV)

• Abt. XVIII (Zuständig für Volkswirtschaft)

• Abt. XX (Zuständig für Staatsapparat,

Kirche, Kunst, Kultur, Opposition )

− MfS Berlin

• HVA

• HA XVIII

• HA XX

In Einzelfällen waren Mitarbeiter der Universität auch für andere HA und in speziellen Arbeitsgruppen,

z.B. HA PS, AGL, AGS, AIG, AGK, ZAIG, ZAGG als IM erfaßt.

3 IM-Kategorien

IM Inoffizieller Mitarbeiter

IMB IM der Abwehr mit Feindverbindung bzw. zur unmittelbaren Bearbeitung

in Verdacht der Feindtätigkeit stehender Personen

IME IM für einen besonderen Einsatz

IMK IM zur Sicherung der Konspiration und des Verbindungswesens

IMS IM zur politisch-operativen Durchdringung und Sicherung der

Verantwortungsbereiche

GMS Gesellschaftlicher Mitarbeiter für Sicherheit

FIM IM zur Führung anderer IM

HFIM Hauptamtlicher IM zur Führung anderer IM

GI Geheimer Informator. Übliche Bezeichnung für IM vor 1965

GHI Geheimer Hauptinformator. ( Entsprach z.T. FIM und z.T. HFIM ).

3


4 Erfassung von Vorgängen

Jeder Vorgang, also auch jeder IM, wurde nach dem Schema X/123/60 erfaßt. Dabei bedeutet die

römische Ziffer eine Bezirksverwaltung (X z.B. BV Gera) die Zahl in der Mitte der fortlaufenden

Numerierung des durch die letzte Ziffer (hier 1960) gekennzeichneten Jahres. Zu fast jedem Vorgang

gehört ein Deckname (DN). Die einzelnen Vorgänge waren in verschiedenen Karteien zusammengestellt.

So gibt es z.B. für die IM der KD Jena und der BV Gera eine Straßenkartei. Mit

ihrer Hilfe kann man z.B. erfahren, daß in der Straße X, Nr.Y der IM „Abe“ wohnt oder daß im

ehemaligen Studentenwohnheim Naumburger Str. 105 21 IM erfaßt sind. In den Vorgangsheften

der Führungsoffiziere sind deren IM-Vorgänge ebenfalls erfaßt, wobei der Zeitpunkt der Werbung

bzw. der Übernahme von einem anderen Führungsoffizier, die IM-Nr. und der DN, die IM-

Kategorie, die Anzahl der angelegten Akten und das Ende der Zusammenarbeit bzw. die Übergabe

an einen anderen Offizier eingetragen sind. So kann man verfolgen, wie ein IM-Vorgang nacheinander

in den Vorgangsheften verschiedener Führungsoffiziere erscheint, bis der IM-Vorgang z.B.

zur HVA wanderte. Die über die und von den IM gesammelten Informationen wurden in 3 Teilen

gesammelt. Teil I enthält alle auf den IM bezogenen Informationen, Teil II die Treffberichte (z.B.

Aufzeichnungen des Führungsoffiziers über bestimmte Treffen, schriftliche Informationen des IM,

Tonbandabschriften von mündlichen Berichten des IM ) und Teil III Quittungen von Prämien,

Geschenke an den IM, Aufwandsentschädigungen). Bei GMS wurde in der Regel die Aufspaltung

der GMS-Akte in drei Teile nicht vorgenommen.

5 Werbung von IM

Die Werbung von IM begann mit der allseitigen Überprüfung der ins Auge gefaßten Person. Dazu

wurde ein IM-Vorlauf angelegt, in dem alle ermittelten Daten ( Personendaten, offizielle Einschätzungen,

Berichte von IM aus dem Wohn- und Arbeitsumfeld, abgefangene Briefe bzw. deren Kopien,

z.T. Telefongespräche u.a. ) gesammelt und anschließend ausgewertet wurden. Daraus und

aus den Ergebnissen von ersten Kontaktgesprächen wurde ein Plan zur Werbung entwickelt. In

diesem Plan wurde die Notwendigkeit der Werbung begründet, die Person und ihr Umfeld mit

Verwandtschaft umfassend eingeschätzt und die Art der Werbung sowie Ort und Zeit festgelegt.

Manchmal wurde bereits im Werbeplan darauf hingewiesen, daß eine schriftliche Verpflichtung,

z.B. wegen des Charakters der Person, nicht vorgesehen ist. Der Werbeplan mußte immer von zwei

vorgesetzten MfS-Offizieren durch Unterschrift bestätigt werden. Bei zu werbenden GMS in hervorragenden

Positionen, z.B. bei Professoren, wurden bei der Werbung oft Berufungsurkunden

zum GMS überreicht.

Nach der Werbung wurde immer ein Bericht über die durchgeführte (manchmal auch gescheiterte)

Werbung angefertigt. Aus ihm gehen neben Ort und Zeit die Art der Verpflichtung zur konspirativen

Zusammenarbeit (schriftlich oder per Handschlag), der gewählte Deckname (bei GMS bis

1979 oft ohne Deckname, z.B. GMS Prof. A.), erste Aufträge, zu benutzende Telefonnummern und

Erkennungslosungen bzw. -worte sowie Ort und Zeit des nächsten Treffs hervor.

6 Führung von IM

In der Regel wurden die IM von den MfS-Offizieren geführt, die auch die Werbung vorgenommen

hatten. Gelegentlich wechselte der führende Offizier, wozu meist ein Übergabetreff stattfand. Mit

dem Anwachsen der Zahl der eingesetzten IM wurden schon in den 50er Jahren speziell ausgesuchte

und angeleitete IM zur Führung weiterer IM eingesetzt. Sie wurden als GHI und später als FIM

erfaßt und hatten in der Regel 2 bis 5, in Einzelfällen auch mehr IM anzuleiten. Daneben wurden

hauptamtlich inoffizielle Mitarbeiter, HFIM, zur Betreuung größerer IM-Netze, d.h. 20 bis 30 IM

eingesetzt. Sie hatten nach außen ein Scheinarbeitsverhältnis und wurden voll vom MfS bezahlt.

FIM erhielten oft monatliche Zuwendungen, meist im Bereich von 50 bis 200 Mark. Zur Führung

von IM gehörte deren Anleitung und Schulung, sowie die Treffgestaltung von der Vorbereitung der

Treffs, über die Auftragserteilung, die Entgegennahme von Berichten und Informationen bis hin

zur Auswertung der Treffs.

7 Archivierung von IM

Von der Archivierung wurde im MfS gesprochen, wenn die Zusammenarbeit mit einem IM beendet

wurde und damit dessen Akte (Teil I bis III) im Archiv mit einer Archivnummer, z.B. AIM

4


X/123/85 abgelegt wurde. Oft findet man in diesem Zusammenhang den Hinweis, Teil II und III

kann nach Ersatzverfilmung vernichtet werden. Gründe für das Ende der Zusammenarbeit waren

das Ausscheiden aus dem Beruf, Arbeitsplatzwechsel und kein Bedarf am neuen Arbeitsplatz,

Todesfälle, Entfallen der Aufgaben des IM, „Unzuverlässigkeit“ und „Unehrlichkeit“ des IM, Dekonspiration

und, wenn auch sehr selten, die Weigerung, weiter mit dem MfS zusammen zu arbeiten.

Bei Bedarf war es möglich, einen archivierten IM wieder zum Einsatz zu bringen.

8 Überwachung von Personen

8.1 Operative Personenkontrollen (OPK) und operative Vorgänge

(OV)

Gerieten einzelne Personen oder Personengruppen ins Visier des MfS, so wurden häufig OPK eingeleitet.

Zu den Kontrollmaßnahmen gehörten (aus RL 1/81 über die Operative Personenkontrolle

(OPK) (GVS MfS 0008-10/81))

„Festlegungen über

− die einzusetzenden IM und GMS, die durch sie zu lösenden Aufgaben, einschließlich der zu

erarbeitenden Informationen, sowie das operativ-taktische Vorgehen und Verhalten der IM

und GMS,

− die Gewinnung von zur Klärung der operativ bedeutsamen Anhaltspunkte einzusetzenden IM

bzw. GMS,

− die zweckmäßige Anwendung operativer Mittel und Methoden, die mit dem Einsatz der IM

und GMS abzustimmen ist,

− politisch operative Maßnahmen, die in Zusammenarbeit mit anderen Diensteinheiten zu lösen

sind,

− die zu nutzenden Möglichkeiten anderer Organe und Einrichtungen,

− die durchzuführenden Speicherüberprüfungen,

− die Termine und Verantwortlichkeiten für die Realisierung der politisch-operativen Maßnahmen

sowie

− die Kontrolle der Realisierung der politisch-operativen Maßnahmen.“

Eingeschlossen in diesen Katalog waren auch die Postkontrolle (Maßnahme M), die Telefonüberwachung

(Maßnahme Glocke) und die Überwachung von Konten.

Abgeschlossen wurden OPK entsprechend folgender Abschlußarten

− „Anlegen operativer Vorgänge gemäß meiner Richtlinie Nr. 1/76;

− Einleiten von Ermittlungsverfahren ;

− Anlegen eines IM-Vorlaufes gemäß meiner Richtlinie Nr. 1/79, Ziffer 4.1;

− Herauslösen von Personen aus sicherheitspolitisch bedeutsamen Objekten, Bereichen bzw.

Positionen;

− Übergabe von Material über Straftaten der allgemeinen Kriminalität an zuständige staatliche

Organe;

− öffentliche Auswertung bzw. Übergabe von Material an leitende Partei- und Staatsfunktionäre

zur Auswertung.“

Wurde ein OV eröffnet, so gehörten zu den politisch-operativen Zielstellungen

− „durch eine offensive konzentrierte und tatbestandsbezogene Bearbeitung die erforderlichen

Beweise für den Nachweis des dringenden Verdachtes eines oder mehrerer Staatsverbrechen

bzw. einer Straftat der allgemeinen Kriminalität zu erbringen;

− beginnend mit und im Verlauf der gesamten Bearbeitung rechtzeitig die erkannten oder zu

erwartenden gesellschaftsschädigenden Auswirkungen der staatsfeindlichen Tätigkeit bzw.

anderer Straftaten weitestgehend einzuschränken oder zu verhindern;

− bereits während der Bearbeitung die eine staatsfeindliche Tätigkeit oder andere Straftaten

auslösenden oder begünstigenden Bedingungen und Umstände festzustellen, zu beweisen und

weitestgehend einzuschränken oder zu beseitigen;

− die Pläne, Absichten und Maßnahmen imperialistischer Geheimdienste, anderer feindlicher

Zentren, Organisationen und Kräfte umfassend und ständig aufzuklären und durch entsprechend

gezielte politisch-operative Maßnahmen ihre Realisierung rechtzeitig und wirkungsvoll

zu verhindern.“

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Die Arten des Abschlusses von OV waren (aus RL 1/76 zur Entwicklung und Bearbeitung Operativer

Vorgänge (OV) (GVS MfS 008-100/76))

− „Einleitung eines Ermittlungsverfahrens mit bzw. ohne Haft,

− Überwerbung,

− Anwendung von Maßnahmen der Zersetzung,

− Anwerbung,

− Verwendung des Vorgangsmaterials als kompromittierendes Material gegenüber Konzernen,

Betrieben, Institutionen, staatlichen Organen der BRD, anderer nichtsozialistischer Staaten

bzw. Westberlins,

− Einleitung spezifischer Maßnahmen gegen bevorrechtete Personen,

− Übergabe von Material über Straftaten der allgemeinen Kriminalität an andere Schutz- und

Sicherheitsorgane,

− öffentliche Auswertung bzw. Übergabe von Material an leitende Partei- und Staatsfunktionäre,

verbunden mit Vorschlägen für vorbeugende Maßnahmen zur Gewährleistung von Sicherheit

und Ordnung.“

An der Universität wurden zahlreiche OPK und OV durchgeführt. In IM-Akten sind wir auf fast

100 OPK bzw. OV gestoßen. Dabei wurden z.B. die OPK „Weißenfels“, „Student“, „Haubenreißer“

und „Albrecht“ mit erfolgreicher Werbung als IMS bzw. GMS abgeschlossen, während man

in der Akte „Bunsen“ X/2697/60 den Satz „Bunsen half, die OV „Ernte“ und „Blitz“ mit Haftabschluß

zu klären“ findet. Aber auch für das Herauslösen aus dem Arbeitsplatz oder für die Übergabe

von Informationen an die UPL als Folgen von OPK finden sich Beispiele.

Zu den OV „Revisionist“ und „Pegasus“ verweisen wir auf die Publikation „Unter Nutzung der

Angst“ von Jürgen Fuchs (Publikation des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes

der ehemaligen DDR, BF informiert Nr. 2/1994). In dieser Arbeit wird insbesondere

deutlich, was unter „Maßnahmen der Zersetzung“ zu verstehen ist.

8.2 Sicherungsvorgänge (SIVO)

Die häufigste Form der Überwachung und Kontrolle von Personen war die Sicherheitsüberprüfung.

Sie wurde für die Universität Jena im Sicherungsvorgang X/112/84 dokumentiert und betraf fast

1000 Personen. Betroffen waren alle Reise- bzw. Auslandskader (627 Personen) und alle VVS

bzw. GVS-verpflichteten Personen. Zur Sicherheitsüberprüfung gehörten (aus RL 1/82 zur Durchführung

von Sicherheitsüberprüfungen (GVS MfS 0008-14/82))

− „die Speicherüberprüfung (in Abt. XII, in der VSH-Kartei, im Reisedatenspeicher der HA VI,

in den Speichern der Abteilung M und PZF)

− die Nutzung der von anderen staatlichen und wirtschaftsleitenden Organen, Kombinaten,

Betrieben und Einrichtungen bzw. gesellschaftlichen Organisationen erarbeiteten Überprüfungsergebnisse

− der Einsatz von IM und GMS (insbesondere zur „Erarbeitung solcher Informationen, die nicht

offiziell bzw. nur mit konspirativen Kräften, Mitteln und Methoden beschafft werden können)

− die Nutzung anderer operativer Kräfte, Mittel und Methoden sowie offizieller Möglichkeiten“

Die Auswertung des SIVO X/112/84 ergab folgende Ergebnisse, die insbesondere durch die bzgl.

der Speicherüberprüfung vorhandenen Aussagen interessant sind.

Von den 937 Personen waren mit Sicherheit 150 IM, davon sind 132 mit DN bekannt, d.h. rund

16% der überprüften Personen waren IM, unter den Reisekadern liegt der Anteil mit 17.5% noch

etwas höher.

Den Vermerk „nicht“ erfaßt trugen 168 Personen. Bei 16 Überprüften ist vermerkt, daß sie eine

inoffizielle Zusammenarbeit mit dem MfS abgelehnt haben, oft schon viele Jahre vor der Sicherheitsüberprüfung.

Überraschend die Tatsache, daß in den meisten dieser Fälle vom MfS trotzdem

eine Zustimmung zum Reisekaderantrag gegeben wurde.

Bei 25 Personen wurde von der erfassenden DE die Information „positiv erfaßt“ gegeben. Im

Sprachgebrauch des MfS bedeutet dies normalerweise eine Erfassung als IM. Bis auf zwei von

diesen 25, deren DN aus anderem Zusammenhang bekannt ist, sind diese 25 Personen nicht mit zu

den 150 IM gezählt worden.

Für die HVA sind 170 Mitarbeiter erfaßt, die meisten davon für den Sektor Wissenschaft und

Technik (83 Personen). Speziell für das Referat 3 der Abteilung XIV des Sektors Wissenschaft und

Technik (SWT) waren 32 Mitarbeiter der Universität erfaßt, davon u. a. acht beim Mitarbeiter

(MA) 401, vier beim MA 403, fünf beim MA 408, vier beim MA 409 und fünf beim MA 413. Das

6


Referat 3 war für die Bereiche Feinmechanik, Optik und Lasertechnik in Jena zuständig. Für die

zur HVA zählenden Abteilungen XV in den BV liegen 62 Erfassungen vor, 57 in der BV Gera, 5

in der BV Erfurt.

27 Erfassungen liegen für Hauptabteilungen (6 für HA I, 6 für HA II, 7 für HA XVIII, 6 für HA

XX, 1 für ZAGG, 1 für HA P5) vor. Für die Abt. XX der BV Gera waren 18 Personen erfaßt. Für

andere BV und OD als Gera liegen 30 Erfassungen vor. Interessant sind noch die 8 Erfassungen für

das Büro der Leitung der BV Gera, da sie fast alle in irgend einer Form den Vermerk „Freunde“,

d.h. Zusammenarbeit mit dem KGB tragen. Schließlich sei noch erwähnt, daß 7 Personen als Reservekader

des MfS und 6 als B-Kader („ehrenamtlicher Berechnungskader“) geführt wurden.

Die einfache Information „erfaßt für eine DE“ ist meist nicht einfach zu deuten. Erfaßt waren neben

den IM oft auch deren nahe Verwandte, weiter Personen, die eventuell als IM geworben werden

sollten sowie Personen, die irgenwie negativ in Erscheinung getreten waren.

9 Das IM-Netz an der Universität

Die älteste IM-Akte geht in das Jahr 1949 zurück, als der GI „Linden“, damals noch als V-Mann,

geworben wurde. In den 50er Jahren wurden hauptsächlich Studenten als GI gewonnen, daneben

aber auch zuverlässige Genossen aus dem Bereich der Mitarbeiter und der Uni-Verwaltung. Nach

und nach brachte das MfS immer mehr IM in Schlüsselpositionen unter und langsam aber stetig

wuchs der Anteil der Hochschullehrer am IM-Bestand. Mit dem zahlenmäßigen Anwachsen der

hauptamtlichen Mitarbeiterzahl des MfS wuchs auch die Anzahl der IM an der Universität. Spätestens

seit 1970 dürfte es an der Universität ständig mindestens 150 bis 200 IM gegeben haben. Insgesamt

haben wir über 500 Vorgänge bzw. Hinweise auf IM an der Universität gefunden. Mit Hilfe

der bekannten Erfassungsnummern ergibt sich folgende Jahresverteilung der Anlage von IM-

Vorgängen:

vor 1960 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969

10 67 7 12 16 8 7 10 6 9 10

1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

14 10 9 6 7 19 6 10 18 17

1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989

66 15 17 22 18 12 8 8 4 3

Man ersieht aus der Tabelle, daß im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1974 jährlich etwa 10 neue

IM und in den Jahren 1975 bis 1985 jährlich etwa 17 neue IM geworben wurden.

Die hohe Zahl von 1980 erklärt sich aus der Richtlinie 1/79, nach der ab 1.1.1980 offenbar bereits

verpflichtete GMS eine neue Erfassungsnummer erhalten haben und verstärkt neue IM geworben

wurden. Auch 1960 haben viele bereits verpflichtete GI eine neue Erfassungsnummer erhalten.

1986 scheint eine gewisse Sättigung bezüglich der Anzahl von IM erreicht worden zu sein.

Anhand vorhandener Archivnummern kann man abschätzen, daß die „mittlere Lebenszeit“ (Dauer

der Zusammenarbeit mit dem MfS) eines IM etwa 10 Jahre betrug. Die Schwankungsbreite reicht

allerdings von wenigen Monaten bis über 35 Jahre.

Die Verteilung der IM auf einzelne Gruppen an der Universität ergibt folgendes Bild:

Professoren/Dozenten (100) 19%

wissenschaftliche Mitarbeiter 20%

Verwaltung / techn. Bereich 18%

Ärzte 8%

Studenten 28%

Teilt man die IM den einzelnen Sektionen und Bereichen zu, so erhält man für einige ausgewählte

Sektionen und Bereiche folgendes Bild:

Insgesamt HSL Studenten

Medizin 116 16 35

Physik 63 19 24

Chemie 31 10 ?

Liku 21 9 ?

Spowi 10 6 ?

7


Verwaltung 88 2 -

IB 12 - -

Die Zahlen der Studenten IM sind sicher zu niedrig. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens haben wir

uns auf den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich konzentriert und zweitens haben die

meisten Studenten nach ihrem Studium Jena verlassen. Damit gingen auch die entsprechenden IM-

Vorgänge an die DE der neuen Arbeitsorte und sind deshalb nicht mehr in Gera vorhanden.

Zum Vergleich geben wir Zahlen für die Universität Rostock (aus „Staatssicherheit in Rostock“,

herausgegeben von T. Ammer u. H.-J. Memmler, Edition Deutschland Archiv im Verlag Wiss. und

Politik, Claus-Peter von Nottbeck, Köln 1991) an. Dort wurden im Juli 1989 232 IM an der Universität

geführt. Allein zur Abteilung XX/8 der BV Rostock gehörten 145 IM. Davon waren 50 IM

Wissenschaftler, 35 IM Mediziner und 60 IM Studenten. Im einzelnen gehörten 2 Prorektoren, 8

Sektionsdirektoren und 25 HSL zu den IM der Abt. XX/8.

Unter den rund 500 IM der Universität Jena befanden sich mindestens 19 GHI und 26 FIM, darunter

der hauptamtliche GHI „Dieter Müller“ sowie die HFIM „Jens“, „Gerhard Röse“, „Friedrich

Born“, „Hebel“, „Ronny Schwarz“ und „Hecke“.

„Dieter Müller“ führte in den 60er Jahren zeitweilig über 30 GI vorwiegend aus dem medizinischen

Bereich. Ein Teil dieser IM wurde später durch den GHI „Emil“ übernommen. „Emil“ führte

fünf GHI, die zusammen 25 GI anleiteten. Daneben war „Emil“ noch für drei weitere GI zuständig.

Später, um 1968, war der FIM „Falk“ (250,-M monatlich) für zehn IM, meist Ärzte, zuständig.

Anfang der 80er Jahre führte „Jens“ bis zu 32 IM, fast alles Studenten. Sein HFIM-System wurde

1984 von dem hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS Besa übernommen. Daneben gab es das von

„Friedrich Born“ geführte HFIM-System mit 24 IMS, 9 GMS und 3 IMK/KW.

Auch hier handelte es sich meist um Studenten.

Schließlich sei noch das HFIM-System von „Hebel“ mit 20 IMS, 10 GMS und

7 IMK/KW erwähnt. Unter diesen IM befanden sich 8 Ärzte, 7 Reisekader und drei Mitarbeiter aus

dem Bereich Hochtechnologie.

In der KD Jena gab es in den 80er Jahren im Referat Universität u.a. für den Bereich „Medizinische

Betreuung“ den Mitarbeiter Radestock mit 13 IM und für den Bereich „Lehre“ die Mitarbeiter

Seifert und Heidereich (vorher HFIM „Friedrich Born“) mit 25 IM.

8

Die vom GHI „Dieter Müller“ geführten GI

„Ralf“ „Johanna“ „Bianka“

„Peter“„ „Motor“ „Friedrich“

„Ritter“ „Bert“ „Monika“

„Schulze“ „Fritz“ „Herbert“

„Kümmel“ „Platte“ „Steinmüller“

„Arcus“ „Walter Lemke“ „Bergmann“

„Günther“ „Walter Kern“ „Tulpe“

„Rolf“ „Paul“ „Gert Fröhlich“

„Max“ „Prodöhl“ „Land“

„Igor“ „Emil“ „Wildt“

„Johannes Meissner“ „Frank“ „Peter“ (X/4004/60)

„Mariana“ „Busch“ „Erich Krause“

„Jenny Gärtner“ „Siegfried“ „Polly“

Das FIM-System „Jens“

„Michael“ „Kaufmann“ „Hans Lehmann“

„Michael Ziegel“ „Falk Sander“ „Karin“

„Bernd Beyer“ „Hesse“ „Ria“

„Ritter“ „Star“ „Ludwig Beck“


„Dieter Herwig“ FIM „Bernhard Haake“ „Karl“

„Gerd Schmidt“ „Andreas Lüder“ „Harald Bauer“

„Lutz“ „Jenny Mühlau“ „Jan“

„Michaela Müller“ „Hanjo Helgers“ „Walter“

„Tilo Kant“ „Rico Großmann“ „Eleve“

„Siegfried“ „Michael Franke“ „Karl Schmidt“

Das FIM-System „Falk“

„Motor“ „Max“ „Heinz“

OA Hautklinik Ass.-Arzt Sicherheitsinspektor

Frauenklink

„Rolf“ „Schuster“ „Hanke“

Ass.-Arzt Klinikneubau Augenklinik

Kinderklink Neu-Lobeda

„Berger“ „ErichKrause“ „Kücken“

Zahnklink OA Med. Poliklinik Physiol.-Chem. Inst.

„Geißler“

?

„Renate“, „Heller“, „Paul“

Die vom GHI „Emil“ geführten GI und GHI

GHI „Oliver“:

„Graf“, „Hanno“, „H. Mittelbach“, „Drechsler“

GHI „Herrmann“:

„Erich“, „Thomas“, „Beier“

GHI „Ritter“:

„Land“, „Stein“, „Nowack“, „Peter“

GHI „Fink“:

„Tina“, „Busch“, „Fritz“, „Falco“

GHI „Ralf“:

„Zange“, „Bärbel“, „Monika“, „Beran“, „Rolf“, „Erich Krause“, „Motor“,

„Igor“, „Tulpe“, „Max“

10 Schwerpunkte der MfS-Aktivitäten an der Universität

Eine ständige Aufgabe des MfS war die flächendeckende Überwachung der Bevölkerung. Diese

Aufgabe bestand auch an der Universität, sie wurde durch die KD Jena des MfS mit ihrem Referat

(vorher AG) Universität wahrgenommen. Besonderes Augenmerk galt dabei durchgängig der Studentenschaft.

So gab es einen Sicherheitsbereich „Erziehung und Ausbildung“ und einen Sicherheitsbereich

„studentische Freizeit“. Zu ihm gehörten die Wohnheime, sehr viele Wohnheimleiter

waren gleichzeitig IM, die Studentenclubs und die Studentenbälle. Aber auch die ESG und KSG

wurden ständig überwacht.

Von den Fachrichtungen und Sektionen galt das Interesse des MfS besonders der Physik und Chemie,

der Literatur- und Kunstwissenschaft, der Theologie, dem Bereich Medizin, der Psychologie

und der Sportwissenschaft.

9


Im Bereich der Universitätsleitung wurden gezielt Schlüsselpositionen mit IM besetzt. Das führte

z.B. dazu, daß Mitte der 70er Jahre rund ein Drittel der Senatsmitglieder mehr oder weniger inoffiziell

mit dem MfS zusammen arbeiteten.

Ein besonderer Schwerpunkt für das MfS waren die Auslandsbeziehungen der Universität. Schon

Anfang der 60er Jahre gab es einen Führungs-IM, der ein System von IM zur Kontrolle der Ein-

und Ausreisen leitete. Von den Mitarbeitern des Direktorats IB haben seit seiner Gründung 1970

bis Ende 1989 mindestens 12 (zumindest zeitweilig) inoffiziell mit dem MfS zusammengearbeitet.

Aber auch die Reisekader waren für verschiedene Linien des MfS von Interesse. Der Anteil der IM

unter den Reisekadern ( 17.5% im SIVO) lag deutlich über dem Anteil unter den übrigen wissenschaftlichen

Mitarbeitern.

Von den Forschungsaufgaben wurden Themen der Landesverteidigung (LVO-Themen) und besonders

wichtig eingestufte Staatsplanthemen überwacht. Dabei wurden bei der Zusammenstellung

von entsprechenden Arbeitsgruppen nicht nur alle Mitarbeiter einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen,

sondern es wurden von Anfang an eine genügend große Anzahl von IM in die Arbeitsgruppen

eingeschleust, meist mit Hilfe von „IM in Schlüsselpositionen“.

Zum Schluß sei noch auf die besonders in den 80er Jahren zunehmende Anzahl von Ausreiseanträgen

(ASTA (Antragsteller auf ständige Ausreise aus der DDR)) hingewiesen, die einen besonderen

Schwerpunkt der Arbeit des MfS bildeten. Auch nach erfolgter Ausreise oder Flucht wurde versucht,

die Personen in der BRD und ihre „Rückverbindungen“ unter Kontrolle zu halten.

11 Einige Aussagen zu den Dokumenten

Die Auswahl der Dokumente erfolgte mit dem Ziel, möglichst typische und häufig auftretende

Aktivitäten des MfS zu erfassen. In den Dokumenten kommt selbstverständlich die Sicht des MfS

zum Ausdruck. Nicht alle Informationen sind sachlich richtig. Manche der als Hochschullehrer

bezeichneten Personen waren z.B. keine Professoren oder Dozenten. Auch bei der Niederschrift

und Auswertung von mündlichen Informationen, welche die IM ihren Führungsoffizieren gegeben

haben, sind manchmal Fehler aufgetreten. Die in den Einsatz- und Entwicklungskonzeptionen

vorgesehenen Maßnahmen und Aufgaben sind aus unterschiedlichsten Gründen nicht immer alle

erfüllt worden.

Am häufigsten werden aus heutiger Sicht die Aussagen über eine Verpflichtung zur Zusammenarbeit

mit dem MfS per Handschlag angezweifelt. Es mag schon einmal vorgekommen sein, daß der

zu Werbende glaubte, nicht ja gesagt zu haben, während der Führungsoffizier den Eindruck erhielt,

der Betroffene ist zur Zusammenarbeit mit dem MfS bereit. Solche Fälle sind aber sehr selten und

sie betreffen weit weniger als 1% der vom MfS geführten IM. Es ist dann auch zu keiner Zusammenarbeit

gekommen und die entsprechenden IM-Vorgänge wurden nach kurzer Zeit archiviert.

Im Absatz 12 „Dokumente“ haben wir als Quellenangabe vor jedes Dokument den Decknamen und

die Vorgangsnummer angegeben.Bei einigen Sachakten lagen keine Vorgangsnummern vor, so daß

nur die MfS interne Bezeichnung für diese Dokumente angegeben werden konnte. Bis auf die Dokumente

D 60, die sich in Berlin befinden, stammen alle anderen Dokumente aus der Außenstelle

Gera des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen

Deutschen Demokratischen Republik.

In den Dokumenten enthaltene Schreibfehler haben wir nicht korrigigiert. Unwesentliche Informationen

wurden in einigen Dokumenten mit dem Hinweis „Text gelöscht“ weggelassen. Persönliche

Daten sowie die Namen von Betroffenen wurden geschwärzt. Handgeschriebene Anmerkungen auf

den Dokumenten bzw. handgeschriebene Dokumente sind kursiv gesetzt, z.B. D 1.1.

Die ausgefüllten Dokumente sind nach folgenden Bereichen angeordnet

− Studenten ( Dokument D 1 bis D 15)

− Einfluß auf Karieren usw (D 16 bis D 27)

− Allgemeine Überwachung (D 28 bis D 38)

− Schlüsselpositionen (D 39 bis D 59)

− Einsatz im Operationsgebiet (D 60 bis D 74)

− Hinweise auf das Wirken der HVA (D 75 bis D 86)

− Kuriositäten (D 87 bis D 92)

− Nichtpersonenbezogene Akten (D 93 bis D 103)

10


Die Zuordnung der Dokumente zu den genannten Bereichen war nicht immer eindeutig möglich, da

oft mehrere Gebiete betroffen sind.

Zum Schluß noch einige allgemeine Aussagen, die durch die Dokumente gut belegt wurden.

− Der Aufbau des MfS erfolgte mit Hilfe des KGB, zu dem auch später ständig enge Kontakte

bestanden.

− Die Werbung von IM erfolgte meist mit Überzeugung und sanftem Druck, seltener mit Erpressung.

Studenten wurden oft schon während ihrer Armeezeit geworben.

− Ablehnungen einer Zusammenarbeit mit dem MfS wurden in den Akten klar dokumentiert.

− Mitglieder der SED waren als IM nicht so gefragt, außer wenn es um „Schlüsselpositionen“

und GMS ging.

− Hauptamtliche SED-Funktionäre wurden in der Regel nicht als IM geführt. Waren sie vor der

Übernahme einer hauptamtlichen Funktion IM, wurde der IM-Vorgang archiviert.

− Der Einsatz von IM wurde oft über viele Jahre im Voraus geplant, insbesondere bei einem

Einsatz im kirchlichen Bereich oder bei Aufgaben im „NSW“.

− Die Werbung von IM erstreckte sich auch auf Bürger der Bundesrepublik.

− IM einer bestimmten DE, z.B. bei der HVA, wurden auch für Aufgaben anderer DE, z.B. der

KD Jena, herangezogen. Das geschah oft auf der Grundlage eines Informationsbedarfsplanes.

− Bei Aufgaben im Ausland wurden den IM oft ausgearbeitete Verhaltensmuster vorgegeben.

− Karrieren wurden gefördert, wenn es für die Interessen des MfS nützlich war.

− Karrieren wurden behindert, sobald vermeintliche Sicherheitsinteressen gefährdet erschienen.

− Das MfS war ständig über die reale Lage an der Universität informiert und gab diese Informationen

auch an die UPL, die KL und die BL der SED weiter.

− Manchmal findet man Zeitangaben für den ersten Einsatz eines IM in bestimmten Instituten

oder Gremien. Das heißt, bis zu diesem Zeitpunkt gab es in diesen Einrichtungen keine IM der

entsprechenden DE.

− Wichtige Positionen, z.B. Kaderleiter, 1. Prorektor, Direktor IB waren sehr häufig mit IM

besetzt.

− Motive für die Zusammenarbeit findet man außer bei überzeugten SED-Mitgliedern selten.

Wahrscheinlich hat oft der Mut gefehlt, einfach nein zu sagen.

12 Dokumente

D 1 IM „Bunsen“ X/2697/60

D 1.1 Bekanntwerden eines Kandidaten, (GI Bunsen)

D 1.2 Anwerbung eines Studenten (GI Bunsen), (1958)

D 1.3 Umregistrierung des IMS „Bunsen“ zum IME

D 1.4 Aktenvermerk, IME „Bunsen“

D 2 VIM X/583/68

Archivierung IM-Vorlaufakte wegen ablehnender Haltung, 1970

D 3 IM „Synthese“ X/2690/60

Beschaffung des Buches „Praxis des organischen Chemikers“ für GI „Synthese“

D 4 IM „Funker“ X/2699/60

D 4.1 Beschaffung des Buches „Einführung in die Atomphysik“ für GI „Funker“, 1960

D 4.2 Aktenvermerk - GI „Funker“, 1960

D 5 OPK „Physikerball“ X/380/62

Abschlußbericht - Physikerball 1962

D 6 IM „Zimmermann“ X/171/66

Reiseauftrag - GI „Zimmermann“, betr. Physikstud. (Biermannfreund)

D 7 IM „Zimmermann“ X/171/66

Einführung eines IM in eine negative Studentengruppe, 1968

D 8 IM „Steinmüller“ X/2683/60

Beurteilung des IM „Steinmüller“, 1962

D 9 GI „Fritz“ X/3240/60

Personen tippen

D 10 IM „Schröter“ X/349/78

Notwendigkeit der Gewinnung von Kandidaten (IM)

D 11 IM „Sascha“ X/396/79

11


Anlage und Einstellung eines IM-Vorganges

D 12 FIM „Olaf Kaufmann“ X/172/72

FIM-System „Olaf Kaufmann“ (Wohnheime, studentische Freizeit)

D 13 FIM „Ursula Reichenbach“ X/749/71

D 13.1 Übergabe IMS „Fred Große“ an FIM „Reichenbach“

D 13.2 Antrag auf finanzielle Zuwendungen für den FIM „Ursula Reichenbach“

D 14 IM „Kämpfer“ X/259/83

Entwicklungskonzeption IME „Kämpfer“, 1986

D 15 FIM „Sachse“ X/568/69

Treffbericht FIM „Sachse“

D 16 IM „Johannes Herold“ X/182/73

D 16.1 Umregistrierung des IMS „Johannes Herold“

D 16.2 Liste über Geldzuwendungen für „Johannes Herold“

D 17 GHI „Dieter Müller“ 10396/60

Kurzbericht über bisherige Zusammenarbeit, „Müller, Dieter“

D 18 OPK „Nagel“ X/278/84

Verhinderung eines Arbeitsvertrages mit dem VEB CZ Jena, Psychologiestudent

D 19 IM „Peter Seidel“ X/1431/80

D 19.1 Antrag auf ständige Zurückstellung vom Grundwehrdienst, 1981

D 19.2 Absolventenvermittlung, 1982

D 20 IM „Heinz Herrmann“ X/640/68

Übernahme eines Fachzahnarztes in den Bereich Medizin der FSU

D 21 IM „Henkel“ XII/128/70

D 21.1 Aktenvermerk IMS „Henkel“, BM, 1985

D 21.2 Aktenvermerk IMS „Henkel“, BM, 1985

D 22 IM „Platte“ X/472/62

D 22.1 Einschätzung des IMS Platte

D 22.2 E-Verfahren gegen GI Platte -- handschriftlich --

D 23 IM „Motor“ X/10033/61

D 23.1 Zuweisung eines Doktorvaters für einen IM

D 23.2 Treffbericht - GI „Motor“

D 24 HFIM „Jens“ XV/6717/80

Besetzung des Lehrstuhls Augenheilkunde, 1986

D 25 SIVO X/112/84 (1042)

Abwehrmäßige Nutzung des IM „Burg“ durch KD Jena

D 26 GMS „Poche“ X/1689/80

Information über die Neubesetzung der Funktion des Direktors der Kinderklinik

D 27 IM „Palmer“ XV/3455/67

Ergänzungsinformation, Promotion B, (Bereich Medizin), 1986

D 28 OPK „Profi“ X/21/86

Republikflucht eines Professors (Medizin)

D 29 SIVO X/112/84 (102)

Inoffizielle Personeneinschätzung (Kinderklinik), 1984

D 30 IM „Tulpe“ X/2712/60

Stimmung am 1. Mai 1961

D 31 FIM „Linden“ X/2710/60

Friedensbewegung (Gespräch mit IMS Richter)

D 32 OPK X/316/78

Archivierung einer Reisekaderakte

D 33 Arch. X/1573/70

D 33.1 Fernschreiben „Republikflucht“

D 33.2 Verhinderung d. Teilnahme e. Mitgliedes d. Kulturdelegation an den Weltfestspielen

D 34 IM „Rolande“ X/1754/80

GMS-Einsatz als Tourist im sozialistischen Ausland, 1974

D35 IM „Hense“ X/534/66

D 35.1 Komplexauftrag (Verhalten im Ausland)

D 35.2 Aussprache mit Kandidaten im „International“, 1965

D 36 IM „Palmer“ XV/3455/67

Lagebericht zu Übersiedlungen (Bereich Medizin), Reisetätigkeit

D 37 SIVO X/112/84 (274)

12


Fernschreiben private BRD-Reise

D 38 FIM „Richard Horn“ X/243/62

D 38.1 Bekanntwerden eines Kandidaten

D 38.2 Information zu Vorkommnissen bei der stattgefundenen Volkswahl (Horn)

D 38.3 Tonbandabschrift über Beratung beim Prorektor (Quelle Horn)

D 38.4 IM-Bericht „Horn“

D 38.5 Treffen FIM „Horn“ (Sekt. Theologie) mit Genossen in Berlin

D 39 FIM „Bernhard Schüler“ X/3393/60

D 39.1 Quittungen

D 39.2 Erklärung zur Mitarbeit als Angestellter der Kirche

D 39.3 Festlegung der Perspektive des GM „Bernhard Schüler“

D 39.4 Schulungsplan für die Qualifizierung des IMS „Bernhard Schüler“

D 40 IM „Jan“ X/451/83

Weitere Zusammenarbeit mit GMS „Jan“, 1985

D 41 IM „Wendt“ X/596/85

Einsatz- und Entwicklungskonzeption für den IMS „Wendt“, 1987

D 42 HFIM „Matthias Hebel“ X/60/84

HFIM-System „Hebel“

D 43 FIM „Linden“ X/2710/60

Treffbericht - FIM „Linden“, 1980

D 44 IM „Leiter“ X/1509/80

IMK an der Universität

D 45 IM „Friese“ X/205/69

D 45.1 Aussprache mit Wissenschaftlern bzgl. Geheimnisschutz in d. Sektion Physik, 1969

D 45.2 Maßnahmeplan zur Aufklärung eines IMS-Kandidaten (Physik) 1969

D 46 SIVO X/112/84 (380)

D 46.1 Aktenvermerk zum Erfassungsverhältnis- handschriftlich -

D 46.2 Aktenvermerk zum Gespräch mit dem SD Physik

D 47 MfS interner Bericht und Arbeitsplan 1989 - Abt. XV

D 47.1 Abwehrmäßige Sicherung d. Hoch- u. Schlüsseltechnologien an d. Sekt. Physik

D 47.2 Sicherung der Hochschulforschung

D 48 IM „Rachuba“ X/21/65

Bekanntwerden des Kandidaten

D 49 IM „Joker“ X/1501/80

D 49.1 IM Vorlauf

D 49.2 Anfrage an BV Leipzig des MfS bezüglich eines Professors (Mathematik), 1962

D 49.3 Antwort der BV Leipzig bezüglich eines Professors (Mathematik)

D 49.4 Erfassung eines Professors als IM (vor Abreise nach Moskau)

D 50 IM „Akademie“ X/2731/60

D 50.1 Bericht über die durchgeführte Werbung

D 50.2 GI „Akademie“

D 51 IM „Schwarzburg“ X/392/79

Gewinnung eines GMS, 1973

D 52 IM „Manfred“ X/12/79

IM-Vorlaufakte IMK/KW „Manfred“, 1979/80

D 53 IM „Feld“ X/1503/80

Berufungeines Professors (Chemie) zur vertraulichen Mitarbeit, 1975

D 54 FIM „Falk“ X/530/68

Schlußbericht - FIM „Falk“, 1972

D 55 VIM „Seidel“ X/1764/80

Archivierung GMS-Akte wegen Ablehnung der Zusammenarbeit

D 56 IM „Gerhard Austin“ X/490/68

D 56.1 Bestätigung zur Besetzung einer Schlüsselposition in der FSU

D 56.2 Vorschlag zur Besetzung einer Schlüsselposition im Senat der Universität

D 56.3 Durchgeführte Anwerbung

D 56.4 Eigenbericht zum Treff mit „G. Austin“

D 57 IM „Helmut Müller“ X/1688/80

D 57.1 Berufung eines Genossen Professors zum GMS

D 57.2 Bericht über die durchgeführte Gewinnung eines GMS

D 57.3 Sektion Physik, NLO, Quellenbericht, 1983

13


D 57.4 Aus einem Gespräch zwischen GMS „Helm“ und einem Stasioffizier

D 57.5 Befehl zur Verleihung der Verdienstmedaille der NVA in Gold

D 57.6 Kaderauftrag

D 57.7 Verpflichtung, 1982 - handschriftlich -

D 57.8 Aktenvermerk zu IMS „Müller“, 1985

D 57.9 Aktenvermerk zur Absprache mit Gen. der HVA XIII/SWT/2

D 57.10 Kontrollmaßnahmen (Spitzengeheimnisträger)

D 58 MfS internes Papier

Primär zu sichernde Forschungsthemen der FSU Jena

D 59 IM „Palmer“ XV/3455/67

Arbeitsauftrag zum Umgang m. wissensch.-techn. Unterlagen

D 60 IM „Physiker“ XV/5341/82

D 60.1 Gespräch mit einem Professor am 14.5.81 im Gästehaus der Universität

D 60.2 Gespräch am 26.8.81 im Interhotel „Schwarzen Bär“ Jena

D 60.3 Tonbandabschrift IME „Manfred“, 1981

D 60.4 Vorschlag zur Werbung eines IMB, 1982

D 60.5 Bericht über eine durchgeführte Werbung, 1982

D 60.6 Erklärung von Prof. Dr. E. Schmutzer vom 15.3.1995

D 60.7 „Etwas wird Grabner schon sagen“ von Jürgen Fuchs

D 61 IM „Helmut Lange“ X/764/71

Beurteilung der Zusammenarbeit mit dem IMV „Helmut Lange“, 1975

D 62 IM „Müller“ X/1766/80

D 62.1 Gewinnung eines GMS (Chemie)

D 62.2 Erklärung des GMS „Müller“, 1978

D 63 IM „Heinz“ XV/3598/82

Umregistrierung des GMS „Heinz“ vom GMS zum IMS 1986

D 64 IM „Frind“ X/381/83

IM „Frind“ Aufklärungsarbeit 1987

D 65 IM „Ulli“ II/397/68

Zusatzerklärung zu einer Verpflichtungserklärung

D 66 OV „Schlüssel“ X/654/76

Maßnahmen zur Rückführung in die DDR (Bereich Medizin)

D 67 IM „Walter Bieler“ X/717/76

D 67.1 Bericht der Werbung - IM Walter Bieler

D 67.2 Bericht über Dienstreise zur HA XX/3 am 19.2.1982 (Walter Bieler)

D 67.3 Schriftlicher Auftrag für den IMB „Walter Bieler“

D 67.4 Bericht zum Entwicklungsstand der NSW-Kontakte (Walter Bieler)

D 67.5 Reisebericht vom „Europäischen Kongreß für Sportmedizin“ in Prag (Bieler)

D 67.6 Überprüfungsersuchen an die befreundeten Sicherheitsorgane soz. Länder

D 68 IM „Fritz Funken“ X/237/69

Auftrag - IM „Fritz Funken“

D 69 IM „Roma Portfeld“ XV/163/72

D 69.1 Vorlage zur Werbung

D 69.2 Bericht über die durchgeführte Werbung

D 69.3 Operativer Auftrag - IME „Roma Portfeld“

D 69.4 Aktennotiz „Roma Portfeld“

D 69.5 Reiseplan Heidelberg, 6. Reise - IM „Roma Portfeld“

D 69.6 Reisebericht - IM „Roma Portfeld“, BRD 1989

D 69.7 Eigenbericht zum Treff mit dem IME „Roma Portfeld“, 1988

D 69.8 Verdienstmedaille der NVA in Silber - IME „Roma Portfeld“

D 70 IM „Hammer“ X/215/76

D 70.1 Aktenvermerk zur zeitweiligen Übergabe des IMS „Hammer“

D 70.2 Ergänzung zur Aufgabenstellung vom 8. 7. 1975 für d. IM „Hammer“

D 71 IM „Java“ X/540/74

IM-Vorlaufakte „Java“, 1974

D 72 GHI „Linden“ X/2710/60

Maßnahmeplan zur Republikflucht des GI Blume

D 73 SIVO X/112/84 (30)

BRD-Einreise eines DDR-Bürgers (Medizin)

D 74 IM „Schrittmacher“ X/966/67

14


Teilnahme an Tagungen im kapitalistischen Ausland

D 75 SIVO X/112/84

Bestätigung von Geheimnisträgern, Bearb.-Nr. 577

D 76 SIVO X/112/84 (693)

Einsatz eines Genossen, IB, 1984

D 77 SIVO X/112/84 (159)

Bestätigung als NSW-Reisekader (Sektion Mathematik)

D 78 SIVO X/112/84 (326)

D 78.1 Bestätigung von Auslandskadern, 1983

D 78.2 Freistellung eines Hochschullehrers, 1988

D 79 SIVO X/112/84

D 79.1 Freistellung des IM „Akzent“ (Sektion Technologie)

D 79.2 Freistellungslegende - IM „Akzent“

D 80 SIVO X/112/84 (1025)

Freistellungsantrag, 1987

D 81 SIVO X/112/84 (797)

Erfassung eines Professors, 1981

D 82 IM „Büchner“ X948/64

Aktennotiz - „Übersiedlungskandidat“

D 83 SIVO X/112/84

Historikerkongreß im Herbst 1989 an der FSU Jena

D 84 SIVO X/112/84

Überprüfung eines Sprachwissenschaftlers, Berlin (West), durch IB

D 85 IM „Stephan“ X/911/65

Als für das MfS tätige Person bekannt

D 86 SIVO X/112/84 (197)

Sicherheitsvorgang, DFA-Reise 1989

D 87 IM „Renate“ X/26649/60

Alarmplan - GI „Renate“, Stand 1961

D 88 IM „Günter“ X/332/64

Elternabend der Genossen, A.-Reichwein-OS, Quelle: „Günter“, 1973

D 89 HIME „Werner Riese“ X/953/84

Rückerstattung des FDGB-Beitrages - „Werner Riese“, 1986

D 90 MfS internes Schreiben

Beschaffung eines Studentenausweises von der TH Ilmenau

D 91 IM „Rolande“ X/1754/80

Bestätigung als Leistungssportler, 1979

D 92 IM „Lose“ X/745/75

Sachprämie Sekt für IMS „Lose“

D 93 MfS interne Information

Verteilerplan für eine Information, 1981

D 94 HFIM „Jens“ XV/6717/80

Vereinbarung zwischen MfS und HFIM 1982

D 95 Arbeitsplan des Beauftragten für Sicherheit u. Geheimnisschutz d. FSU, 1989

D 96 Bericht über den Forschungsstand in der Bildverarbeitung, 1982

D 97 Politisch-operative Durchdringung d. Forschungsaufgabe CO2-Wellenleiterlaser

D 98 Analyse „Forschungsaufgaben“ Bereich Sektion Physik, FSU Jena, 1984

D 99 Stand d. Durchdringung u. Sicherung d. Forschungskooperation CZ/PTI FSU

D 100 Einschätzung der Lage (Forschungsthemen und Reisekader), 1984

D 101 Operative Analyse der erreichten operativen Ergebnisse/Erkenntnisse

D 102 Einschätzung d. politisch-operativen Lage / politisch-operative Arbeit an d. FSU

D 103 Übersicht zu IM/GMS von operativen Diensteinheiten der Bezirksverwaltung Gera, die an

der FSU tätig sind

15


D 1.1 Bekanntwerden eines Kandidaten (GI Bunsen)

Betr.: Bekanntwerden des Kandidaten

Nitsch, Gerhard, phys.

16

Jena, 23. 1. 58

Während der Aktion Sonnenschein (Deutschlandtreffen) 1954

wurde Nitsch von Unterzeichneten als Kontaktperson angeworben.

Nitsch arbeitete in dieser Zeit mit einem GHJ zusammen.

Seine Arbeit, die der Absicherung des Deutschlandstreffens

diente war zufriedenstellend. Berichte und Materialien aus dieser

Zeit sind nicht mehr vorhanden.

Nach dem Deutschlandtreffen wurde keine Verbindung mehr

gehalten. Im Jahre 1956 sollte der Kandidat bereits angeworben

werden. Da die Freunde zu dieser Zeit mit Nitsch arbeiteten

mußte das Material an diese übergeben werden. (Darunter

auch die Verpflichtung des N. zur Zusammenarbeit während

der Aktion Sonnenschein.)

Da die Freunde inzwischen bereits keinen Wert mehr auf

Nitsch legen wird er von unserer Seite mit dem Ziel bearbeitet

zunächst als GI und später als GHJ zu arbeiten.

D 1.2 Anwerbung eines Studenten (GI Bunsen), (1958)

(Unterschrift)

Hande

K. D. J e n a Jena, den 11. 2. 58

Betr.: A n w e r b u n g des Studenten N i t s c h

GI B u n s e n

1.

Der Kandidat wurde auf die UPL bestellt. Das konnte ohne weiteres geschehen, da er Mitglied der

UPL ist.

Der Kandidat erschien wie vereinbart am 11.2.58, 12,00 Uhr. In einem seperaten Zimmer wurde

die Anwerbung durchgeführt.

2.

Der Kandidat verhielt sich aufgeschlossen und gab ohne Zögern sein Einverständnis zu der vorgesehenen

Anwerbung. Die einzigen Bedenken waren die, dass er viel zeit dafür in Anspruch nehmen

muss. Mit dem GI wurde in der Form gesprochen, dass er zunächst alle 14 Tage mit Unterzeichneten

zusammenkommt. Später (August - 400 Jahr-Feier.) wird er dann mehr in Anspruch genommen

werden müssen. Um diese Zeit soll der GI als GHI mit einer sogenannten offenen Gruppe speziell

während der 400 Jahrfeier arbeiten. Damit war der GI einverstanden.


Über die Leitung einer offenen Gruppe wurde noch nicht mit ihm gesprochen.

N. hatte Bedenken wegen der Zeit vor allem aufgrund der vorgesehenen Massnahme ihn wieder als

UPL Mitglied zu wählen.

Von unserer Seite muss überprüft werden inwieweit er davon entbunden werden

kann.

N. wurde über die Konspiration belehrt. Über die Form der Zusammenarbeit entstanden keine

Unklarheiten bei ihm.

3.

Ohne Zögern schrieb er eine Verpflichtung. Erwählte sich den Decknamen B u n s e n. Diesen

Decknamen führte er bereits während der Aktion Sonnenschein. Die Verpflichtung darüber existiert

jedoch nicht mehr (siehe auch Vermerk im Vorschlag)

4.

Unterzeichneter ist unter dem Klarnamen bekannt. Beim Abreissen der Verbindung wird die

Dienststelle anrufen.

Nächster Treff 25.2.58, 12.00 Treffzimmer Zwätzengasse.

5.

N. machte mündlich einige Angaben über den Gen. ——— Darüber wird ein gesonderter Bericht

gefertigt.

(Unterschrift) (Unterschrift)

gesehen: (Hartmann) (Hände)

Leutnant U.-Leutn.

D 1.3 Umregistrierung des IMS „Bunsen“ zum IME

Kreisdienststelle J e n a Jena, den 30. 10. 1969

Referat Universität Gr/K

Bestätigt: (Unterschrift) 19.11.69

Begründung zur Umregistrierung des IMS "Bunsen" zum IME

Bisherige Entwicklung und geleistete Arbeit

Der IMS "Bunsen" wurde 1958 zur inoffiziellen Zusammenarbeit angeworben.

Er war in der bisherigen Zusammenarbeit in dem operativen Schwerpunkt der Sektion Physik an

der Universität Jena als Reisekader, Geheimnisträger und Informator tätig.

Seit 1960 wurde er durch den FIM "Knabe" gesteuert und wurde desöfteren als Reisekader und

wegen Vorgangsbearbeitung aus diesem System zur Einzelsteuerung herausgelöst.

Gegenwärtig ist er für die Koordinierung der Kaderarbeit zwischen der Universität Jena und dem

VEB Carl Zeiss Jena tätig.

Zu Beginn seiner inoffiziellen Tätigkeit wurde er vorwiegend zur Absicherung der physikalischen

Schwerpunkt-Institute der jetzigen Sektion Physik eingesetzt.

Hier leistete er nicht nur eine hervorragende Tätigkeit zur Absicherung dieses alergischen Schwerpunktes,

sondern hatte wesentlichen Anteil bei der Bearbeitung von Operativ-Vorgängen und insbesondere

bei der Aufklärung operativ-interessanter Wissenschaftler.

Über den Rahmen dieser Tätigkeit hinaus entwickelte er sich als Geheimnisträger zu einem operativ-vielseitig

einsetzbaren Reisekader. Seine Reisen nach WD hatten stets operativ hohen Wert.

17


Auf Grund seiner Tätigkeit im Operationsgebiet gelang es unter anderem, der HVA Berlin wertvolle

und perspektivische Hinweise zu geben und bereits bestehende Kontakte in dieser Hinsicht auszubauen.

Als parteiverbundener und stets einsatzbereiter Genosse wurde er in die Leitung der Sektion berufen.

Er bekleidete hier die Funktion eines wissenschaftlichen Sekretärs.

Diese Schlüsselfunktion nahm er in unserem Interesse an, da besonders bei der politischen und

organisatorischen Gestaltung der Sektion eine ständige operative Information unablässig war. Hier

zeigte sich seine unbedingte Einsatzbereitschaft, seine Eigeninitiative und sein operatives Denken

und Handeln. Durch ihn wurden wir wesentlich dazu befähigt, rechtzeitig operative Schwerpunkte

und negative Personenkreise zu erkennen, erfassen und diesbezüglich vorbeugend tätig zu werden.

Begründung zum Einsatz als IME

Auf Grund des ständig zunehmenden grenzüberschreitenden Verkehrs wurde an der Friedrich-

Schiller-Universität die Abteilung für internationale Verbindungen mit Planstellen erweitert und es

ist vorgesehen, diese Abteilung zum Direktorat zu ernennen.

Durch die staatliche Leitung und die Universitätsparteileitung wurde festgelegt, vorerst die Funktion

eines politischen Mitarbeiters zu besetzen, der die Perspektive besitzt, sich zum Direktor zu

entwickeln.

Nach eingehender Prüfung der vorhandenen inoffiziellen und offiziellen Möglichkeiten zur Besetzung

dieser Stelle fiel unsererseits die Wahl auf den IMS "Bunsen".

Wie bereits angeführt, besitzt dieser IMS alle notwendigen Voraussetzungen, in politischer, fachlicher

und moralischer Hinsicht, diese Funktion auszuführen und den Aufgaben als IME gerechtzuwerden.

Bei den geführten Aussprachen führte sich der IMS bereit, diese bedeutende Aufgabe zu übernehmen.

Seine Herauslösung aus dem Arbeitsbereich des VEB Carl Zeiss Jena wurde eingeleitet und bereitet

keine Schwierigkeiten.

Die Notwendigkeit der Schaffung eines IME in Direktorat für internationale Verbindungen ergibt

sich aus der operativen Aufgabenstellung des Aufbaues eines effektiven Sicherungssystems Ein-

und Ausreisen an der Universität Jena, wobei der IME die Schlüsselstellung darstellt.

Als Hauptaufgabe eines IME innerhalb dieses Systems ergeben sich:

18

− Erarbeitung und Durchsetzung einer Reise- und Besucherordnung

− lückenlose operative Kontrolle aller Einreisenden

− Steuerung von Reisekadern und Betreuern

− Instruierung von Reisekadern und Betreuern

− operative Abschöpfung von Reisekadern

− Deckung des Informationsbedürfnisses Ein- und Ausreisen

Der operative Schwerpunkt der Wirksamkeit des IME ist im Bereich des Großforschungsverbandes

wissenschaftlichen Gerätebau.

Auf Grund der Bedeutung dieser Funktion und der zu lösenden operativen Aufgaben für das MfS

wird vorgeschlagen, den IMS "Bunsen" mit der Aufnahme seiner Tätigkeit als IME und politischer

Mitarbeiter einen monatlichen Gehalt von 400,- M zusätzlich zu seinem staatlichen Gehalt von

950,- M (Brutto) zu zahlen. Dieser Gesamtverdienst liegt dann ca. 100,- höher als sein jetziges

Gehalt im VEB Carl Zeiss Jena.

Nach Genehmigung der Umregistrierung wird ein Schulungsplan erarbeitet, auf deren Grundlage

der IME auf sein Aufgabenbereich eingearbeitet und qualifiziert wird.

Um Genehmigung zur Umregistrierung zum IME wird gebeten.

(Unterschrift) (Unterschrift)

N o w a c k G r i m m e r

Hauptmann Oberfeldwebel

Referatsleiter


D 1.4 Aktenvermerk, IME „Bunsen“

(Unterschrift)

M ü l l e r

Major

Leiter der KD

Kreisdienststelle Jena Jena, den 27.8.70

Referat Universität

Betrifft: IME "Bunsen"

A k t e n v e r m e r k

Der Einsatz des IME "Bunsen" im System Ein- und Ausreisen ist zur Zeit schwankend. Bei einer

Nichtberufung zum Direktor für internationale Verbindungen der Universität ergibt sich für ihn ein

neues Arbeitsgebiet, da in dieser Abteilung keine Perspektive für ihn vorliegt. Zu verweisen ist in

diesen Zusammenhang, daß er seitens unseres Organs in diesen Bereich ein gesetzt worden ist mit

der einzigen Perspektive 1970 der Leiter der Abteilung zu werden. Die staatliche Leitung der Universität

hatte an die KD Jena diese Bitte der Beschaffung eines Direktors gerichtet.

Gegenwärtig gibt es seitens des stellv. Rektors Prof. Keßler keine Vorstellungen über die Bestzung

dieser Funktion.

(Unterschrift)

G r i m m e r , Ofw.

Anmerkung

Der GI Bunsen hat fast 30 Jahre mit dem MfS und in den 50er Jahren auch mit dem KGB

(„Freunde“) zusammengearbeitet. Dabei half er u.a. die „OV ‘Blitz’ und ‘Ernte’ mit Haftabschluß

zu klären“. In seiner Akte gibt es eine Erkennungslosung: „Ich möchte das Lehrbuch der Kerntechnik

abholen“ - „Von Prof. Hertz?“ Es finden sich aber auch solche Aussagen über ihn wie

Bunsen „äußert auch manchmal falsche Ansichten, die er dann jedoch wieder korrigiert (z.B. in

der Frage, in welchem Maße ist die USA der SU in wissenschaftlicher Hinsicht überlegen, er sah

eine gewisse Überlegenheit der USA)“ oder „Ansonsten ist die operative Basis des GI „Bunsen“

nicht besonders breit, zumal er als Genosse bekannt ist und als solcher auch in den zurückgebliebenen

Kreisen kein besonderes Vertrauen genießt.“

1969 wurde er, nachdem sich die Universitätsleitung an das MfS mit der Bitte um Bereitstellung

eines geeigneten Kandidaten für den Posten eines Direktors im Bereich IB gewandt hatte, als IME

im Bereich internationale Beziehungen eingesetzt. 1970 leitete er als FIM ein GMS-System mit den

GMS „Haupt“, „Klostermann“ und „Claus“ zur Absicherung des grenzüberschreitenden Verkehrs.

1972 ging er ins KCZ und wurde dort dem HFIM „Anker“ X/80/70 übergeben.

D 2 Archivierung IM-Vorlaufakte wegen ablehnender Haltung, 1970

Kreisdienststelle Jena Jena, den 7.8.1970

Referat XVIII/Institute

V o r s c h l a g

zur Einstellung des IM-Vorlaufes Reg.-Nr. X 583/68

19


Der IM-Vorlauf wurde im Oktober 1968 angelegt mit der Perspektive, als IM unter den Studenten

in der operativen Richtung jugendlicher Untergrung zum Einsatz zu kommen. Beim Kontaktgespräch

nahm er eine ablehnende Haltung ein und war nicht bereit, mit dem MfS zusammenzuarbeiten.

Wir schlagen deshalb vor, die Vorlaufakte im Archiv der BV Gera abzulegen.

Im Bestätigung wird gebeten.

i.V. (Unterschrift) (Unterschrift)

S t r a u ß H o t z l e r

Hauptmann Oberleutnant

Arbeitsgruppenleiter

20

i.V. (Unterschrift)

M ü l l e r

Major

Leiter der KD

D 3 Beschaffung des Buches „Praxis des organischen Chemikers“ für GI „Synthese“

MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT

Bezirksverwaltung Gera

Kreisdienststelle Jena

An die Jena, den 23.10.1957

REGIERUNG DER Han/We.-

DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK Tgb.Nr. 1280 /57

Ministerium für Staatssicherheit

Hauptabteilung V/6

B e r l i n

Betr.: GI "Synthese"

Bezug: - ohne -

Obengenannter GI benötigt für sein Studium das Buch von Gattermann - Wieland "Praxis des organischen

Chemikers". Das Buch wird nur in Westdeutschland verlegt.

Wir bitten Sie uns dieses Buch zu besorgen, da wir Interesse daran haben, diesen Wunsch des GI

zu erfüllen.

(Unterschrift)

( S o b e c k )

- Oberstleutnant -

Leiter der Kreisdienststelle


D 4.1 Beschaffung des Buches „Einführung in die Atomphysik“ für GI „Funker“, 1960

Zur Beschaffung des Buches siehe Eigenbericht vom 30.3.60 (Bl. 46 A.-

Akte)

Köhler

-Ultn.- 35

Ministerium für Staatssicherheit

Bezirksverwaltung G e r a

- Abteilung V -

Gera, den 10.5.1960

Lä/Cz

Tgb.Nr.V/ 546 /60

Ministerium für Staatssicherheit

Kreisdienststelle

J e n a

Betr.: Buch über "Einführung in die Atomphysik"

Bezug: Ihre Anforderung für GI "Funker"

Beiliegend übersenden wir Ihnen das Buch über "Einführung in die Atomphysik".

Anlage:

1 Buch (Unterschrift)

( L ä s s i g )

Verteiler: - Hauptmann -

Gef. 2 Expl. Leiter der Abteilung V

Anlage:

1 GI-Bericht

D 4.2 Aktenvermerk - GI „Funker“, 1960

(Unterschrift)

( W e i g e l t )

- Hauptmann -

Kreisdienststelle Jena Jena, den 5.12.1960

Kö/

A k t e n v e r m e r k

Beim Treff am 1.12.1960 war vorgesehen, dem GI "Funker" für seinen Einsatz beim Physikerball

1960 den Betrag von DM 10,-- für entstandene Auslagen zu übergeben.

Der GI lehnte die Annahme des Geldes mit der Begründung ab, er wolle kein Geschäft aus seiner

Tätigkeit für das MfS machen, außerdem habe er in diesem Jahre doch bereits ein West-Fachbuch

von uns erhalten.

Es war trotz längerer Diskussion nicht möglich, den GI zur Annahme des Geldes zu bewegen.

Maßnahme:

21


Für den GI wird für den gleichen Betrag ein gutes schöngeistiges Buch beschafft, welches ihm

beim nächsten Treff überreicht wird.

Vermerk in die P.-u. A-Akte des GI

D 5 Abschlußbericht - Physikerball 1962

22

(Unterschrift)

( K ö h l e r )

- Unterleutnant -

Kreisdienststelle J e n a Jena, den 5.11.1962

Kö/Sch

Im Vorgang wurden bearbeitet:

1) ———

geb. ———

Physikstudent Universität Jena

wohnh. Jena, ———

2) ———

geb. ———

Physikstudent Universität Jena

wohnh. Jena, ———

wegen Vergehens nach § 19 StEG.

A b s c h l u ß b e r i c h t

zum Op.-Vorgang "Physikerball", Reg.-Nr. Gera X/380/62

——— war verantwortlich für die Ausgestaltung des Physikerballes 1961 mit Plakaten, feindlichen

Charakters.

Die Plakate hatten zum Inhalt Rassenhetze, Hetze gegen Maßnahmen des 13.8. 1961 sowie gegen

die Maßnahmen zur Störfreimachung unserer Volkswirtschaft.

Bei einer öffentlichen Auseinandersetzung mit ihm versuchte der Genannte, den politisch negativen

Charakter der Plakate abzuschwächen in einem Gespräch mit Studenten in der Mitropa-Gaststätte

Saalfeld bestätigte er aber selbst durch Äußerungen hetzerischen Inhalts die von ihm beabsichtigte

feindliche Aussage der Plakate, indem er angab, er habe die Plakate durch wissentlich falsche Erläuterung

zum Inhalt durch die "Zensur schmuggeln" können.

In dem Gespräch in Saalfeld hetzte er ebenfalls gegen die Landwirtschaftspolitik unserer Partei.

Er wird als politisch negativ zur DDR eingestellt beurteilt, gesellschaftliche Arbeit leistete er während

des Studiums sehr wenig, mit ihm mußten mehrfach zu politischen Ereignissen größere Auseinandersetzungen

geführt werden.

Zu den Maßnahmen gegen den ehemaligen Professor B r ö d e l äußerte er sich in Briefen in

äußerst negativer Weise. Er bezeichnete die von uns gegen diese Person durchgeführten Maßnahmen

als Politik der Stärke und Vergewaltigung der Studenten, die sich nicht mehr wehren könnten.

Er betonte, es gehe ihm wie einem Menschen, der einen anderen ins Gesicht hauen möchte, sich

aber beherrschen müsse, weil der andere "vorläufig" noch stärker sei. Er informierte auch eine

Freundin in Westberlin über diese an der Universität Jena durchgeführten Maßnahmen.

Von IM aus dem VEB Zeiss, wo der Genannte gegenwärtig seine Diplomarbeit durchführt, wurde

der Verdacht geäußert, daß er auf Grund seiner ganzen Einstellung nach Abschluß der Diplomarbeit

evtl. versuchen wird, die DDR zu verlassen., dazu liegt aber kein konkretes Beweismaterial

vor.

——— war verantwortlich für das Programm, welches während des Physikerballes 1961 zur Aufführung

gelangte. Er versuchte, Szenen durchzubringen, in denen die DDR und die Maßnahmen


des 13. 8. 1961 mit dem Faschismus gleichgesetzt wurden, sowie die ökonomische Politik der

Partei und die sowjetischen Weltraumerfolge herabgewürdigt wurden.

Die Szene, in der die DDR mit dem Faschismus gleichgesetzt wurde, wurde von dem Genannten

sofort vernichtet, als er merkte, daß er damit selbst bei den Mitwirkenden des Programmes auf

Ablehnung stieß.

Nach mehrmaligen Aussprachen über den Abschluß des Vorganges mit der Leitung der Kreisdienststelle

und Bezirksverwaltung sowie der Abtlg. IX Gera wurde das Material, besonders unter

Berücksichtigung des 2. Staatsratsbeschlusses zu Fragen der Rechtspflege, als nicht ausreichend

zur Inhaftierung des ——— eingeschätzt. Da die Ereignisse des Balles bereits ein Jahr zurückliegen,

wurde festgelegt, den Vorgang durch politisch-operative Auswertung abzuschließen und das

Material der Parteileitung der Universität Jena zur Auswertung und Führung der öffentlichen Auseinandersetzung

zur Verfügung zu stellen.

Mit dieser Maßnahme, die am 1.11.1962 durchgeführt wurde, wurden zwei Ziele

verfolgt:

1) Konkrete Auseinandersetzung mit den im Vorgang bearbeiteten Personen, mit dem Ziel der

Exmatrikulierung des ——— von der Universität und der erzieherischen Einwirkung auf den—

——

2) Auswertung des Materials mit dem Personenkreis, der 1962 den alljährlich stattfindenden Physikerball

durchzuführen hat, um auf diesem Gebiet die Linie der Partei durchzusetzen und negative

Vorkommnisse, wie sie bisher ständig zu den Bällen auftraten, zu verhindern.

Mit der Durchführung dieser Maßnahmen wird der Vorgang abgeschlossen und im Archiv abgelegt.

Nach der Exmatrikulierung des ——— wird die Dienststelle, in deren Bereich er tätig sein wird, in

Kenntnis gesetzt, um ihn weiter unter op. Kontrolle halten zu können.

Weiter wird vorgeschlagen, den ——— auf den Objektvorgang Gera 276/61 umzuregistrieren, um

ihn an der Universität weiter unter operativer Kontrolle zu halten, mit der Perspektive, ihn je nach

seiner Reaktion auf die mit ihm geführte Auseinandersetzung evtl. später als IM zu werben.

(Unterschrift) (Unterschrift)

K ü h n h o l d K ö h l e r

Oberleutnant Leutnant

(Unterschrift) 5.11.62

M ü l l e r

Hauptmann

stellv. KD-Leiter

D 6 Reiseauftrag - GI „Zimmermann“, betr. Physikstudent (Biermannfreund)

KD Jena Jena, den 29.6.66

Operativgruppe Universität

Op. Situation:

R e i s e a u f t r a g

für den GI "Zimmermann", Reg.-Nr. Gera X/171/66

Durch Berichte der GI "Schröder" und "Zimmermann" wurde bekannt, daß der Physikstudent

———,

23


24

Jena, ———

sich als Freund B i e r m a n n s bezeichnet und dessen Lieder sowie Gedichte sammelt und vor

anderen Studenten und anderen Personenkreisen singt. St. bezeichnet sich selbst als "Folklore"-

Sänger und besitzt sowohl in Jena als auch anderen Städten der DDR umfangreiche Verbindungen

zu kulturell interessierten und tätigen Kreisen.

Da St. aus Berlin stammt, besitzt er besonders dort umfangreiche Verbindungen dieser Art. Durch

die eingesetzten IM wurde bekannt, daß St. selbst angab, in Berlin Verbindungen zu besitzen, die

ihm weitere Werke Biermanns beschaffen können, u.a. auch angeblich aus Westberlin.

Die bisherige op. Bearbeitung des St. erfolgte mit dem Ziel, diese Verbindungen aufzuklären und

ihren Charakter zu erkennen. Konkrete Verbindungen in Berlin konnten bisher noch nicht erarbeitet

werden, es gelang jedoch dem GI "Zimmermann", sein persönliches Verhältnis zu St. so zu

gestellten, daß beide Personen einen Besuch in Berlin während der Semesterferien vereinbarten.

Ziel der Reise:

Durch die Reise des GI "Zimmermann" zu dem St. nach Berlin soll erreicht werden:

− Weitere Festigung des persönlichen Verhältnisses des GI zu St. mit dem Ziel, sein volles Vertrauen

zu erreichen

− Aufklärung der Verbindungen des St. in Berlin zu kulturell interessierten Kreisen, um Herkunft

und Art der Verbreitung der Biermann-Gedichte festzustellen.

Nach dem Ergebnis der Reise des GI ist über die weitere Bearbeitung des Materials zu St. zu entscheiden,

da durch die Reise eine weitere Entwicklung und Klärung des Materials erwartet werden

kann.

Auftrag und Verhaltenslinie für den GI:

Der GI erhält den Auftrag, den St. in seinem Heimatort,

aufzusuchen.

Berlin, ———

———

Während des Besuches hat der GI entsprechend der Zielsetzung der Reise

− durch persönliche Gespräche sowie gemeinsames Aufsuchen von Gaststätten und anderen studentischen

Treffpunkten mit St. das persönliche Verhältnis zu diesem aufzubauen

− dessen weitere Pläne und Absichten auf kulturellem Gebiet, besonders im auftreten als Biermann-Sänger

sowie in der anderweitigen Verbreitung von Liedern oder Texten Biermanns festzustellen.

− den Umgangskreis des St. in Berlin zu ermitteln, Schwerpunkt sind dabei Verbindungen nach

WB sowie im Demokrat. Berlin, die als Quellen für Biermann-Texte sowie andere negative

Einflüsse auf den St. in Frage kommen können.

Zur Realisierung des Auftrages erhält der GI folgende Verhaltenslinie:

− In Gesprächen mit St. gleiche politische Linie (indifferent, zum Negieren neigend)) wie an der

Universität zeigen, ohne provozierend aufzutreten

(... Text gelöscht ...)

− Bei Angaben des St. über die Verbreitung von Biermann-Texten hat sich der GI selbst am Erhalt

von Texten im internen Gespräch interessiert zu zeigen und alle Angaben über Art und

Weise der Verbreitung dieser Texte sowie Umfang der Verbreitung zu ermitteln.


− Die Gestaltung des Verhältnisses zu St. hat so zu erfolgen, daß der GI bei Notwendigkeit die

Möglichkeit erhält, diesen über den Kontakt an der Universität Jena hinaus auch weiterhin in

Berlin auszusuchen, um in negative Personenkreise um St. einzudringen.

Durchführung der Reise:

Besondere Legenden für die Reise des GI entfallen, da der GI seinen Besuch dem St. bereits ankündigte

und die Fahrt in den Semesterferien stattfindet.

Die Fahrt wird vom 14. - 16.7.66 durchgeführt, Reise erfolgt mit Bahn.

Für Fahrtkosten und op. Ausgaben soll der GI erhalten:

MDN 80,--

(Unterschrift) (Unterschrift)

N o w a c k K ö h l e r

Oberleutnant Leutnant

Operativgruppenleiter

i.V. Erhardt Hptm.

M ü l l e r 4.7.66

Major

Leiter der KD

D 7 Einführung eines IM in eine negative Studentengruppe, 1968

Bezirksverwaltung für Jena, den 14. 5. 1968

Staatssicherheit Gera We/Kr

Kreisdienststelle Jena Tgb.-Nr.: 1245/68

Bezirksverwaltung für

Staatssicherheit Gera

Abt. XX

z.Hd. d. Gen. Major Horn

G e r a

Einführung eines IM's

Zur Unterstützung vorhandener natürlicher Ansatzpunkte zu einer Einführung eines IM's in eine

negative Studentengruppierung bitten wir um Prüfung der Möglichkeiten zur Beschaffung von zwei

West-Schallplatten. Dabei kann es sich um zwei Schallplatten gleichen Titels handeln.

Da der GI aktive verwandtschaftliche Westverbindungen unterhält, hat er zu jeder Zeit die Möglichkeit,

die Herkunft der Schallplatten abzudecken. Hinzu kommt, daß der GI vor längerer Zeit

Schallplatten erhalten hat.

Die erhaltenen Schallplatten sollen Bestandteil einer operativen Kombination zur Einführung eines

GI's in die Studentengruppe sein. Wir bitten Sie, die im Anhang aufgeführten Titel bei der Auswahl

zu beachten.

25


Um Kenntnisnahme und baldige Erledigung wird gebeten.

Anlage

1 Blatt

D 8 Beurteilung des IM „Steinmüller“, 1962

26

Leiter der Kreisdienststelle

i.V. (Unterschrift)

M ü l l e r

Major

Kreisdienststelle Jena Jena, den 5.4.1962

Htm/Hp

des IM "Steinmüller" - Reg.Nr. 2683/60

angeworben: 10.9.1959

B e u r t e i l u n g

Der IM "Steinmüller" ist im III. Studienjahr der Fachrichtung Medizin und stammt aus bürgerlichen

Kreisen. Als parteiloser Student hat er zu den negativen Tel der Med.Studenten hinreichenden

Kontakt und findet auf Grund gleichgesinnter politischer Anschauungen großes Vertrauen. Sein

Intullekt läßt erkennen, daß es sich bei dem IM um einen geistig überdurchschnittlich begabten

Menschen handelt, der bisher unter Beweis stellte, daß er ein gutes Einschätzungsvermögen besitzt.

Die mit ihm durchgeführte Schulung lies erkennen, daß er unsere Arbeit sehr ernst nimmt und die

ihm übertragenen Aufgaben termingemäß und gründlich realisierte. Sein Einfallsreichtum und

seine Kombinationsgabe ermöglichten es auftretende Feindtätigkeit innerhalb seines Studienjahres,

welches einen besonderen Schwerpunkt der Medizin darstellt, sofort zu erkennen.

Mit seiner Hilfe war es möglich zwei Op.-Vorgänge, die in Richtung politisch-ideologischer Diversion

liefen, durch Inhaftierung erfolgreich abzuschließen (hierbei handelt es sich um den Med.Stud

——— und ———). In der Einhaltung der geplanten Treffs sowie Durchführung der op. Aufgaben

ist er als vorbildlich einzuschätzen. Als überprüfter IM wird er sehr oft zu Sondereinsätzen

herangezogen.

Gegenwärtig arbeitet er wiederum am Op. Vorgang "Banause" da er umfangreiche Verbindungen

zu dem im Vorgang beschuldigten Personen hat.

D 9 Personen tippen

(Unterschrift)

H a r t m a n n

Oberleutnant

Kreisdienststelle Jena, den 29.11.60

- J e n a -

Name: ———

Bekanntwerden des Kandidaten


Vorname: ———

geb. am, in: ——— in Breslau

Beruf: Agronom

tätig: Student (agr.)

Wohnung: Jena, ———

Parteizugehörigkeit: ———

Fam.Stand: ledig

Religion: Evangelisch

Der GHI "Walter" hat den Auftrag, in seinem Studienjahr Personen uns zu tippen, die als geeignet

erscheinen, um angeworben zu werden und später nach einer gewissen Periode der Überprüfung

dem GHI übergeben zu werden.

Dabei kam der GHI auch auf dem B. Er schätzt ihn als loyal ein und geeignet für eine Zusammenarbeit

mit dem MfS als GI. B. hat ein ruhiges und zurückhaltendes Wesen an sich und geht nicht zu

sehr aus sich heraus. Er hat jedoch in seiner Seminargruppe das Vertrauen der Studenten und kann

so von operativem Wert sein, da der GI vorbeugend zur Absicherung arbeiten soll.

Da ich den Kandidaten für geeignet nach der Durchführung einer ersten Aussprache einschätze,

wird die Bearbeitung des Kandidaten aufgenommen, mit dem Ziel, ihn als GI anzuwerben.

(Unterschrift)

( K u t t a )

- Unterleutnant -

Anmerkung

Eine Methode neue IM zu finden, war das „Tippen“ von geeigneten Personen. Heute hört man oft

von ehemaligen IM die Aussage, ich habe niemandem geschadet, da ich nur positive Aussagen

über Kollegen gemacht habe. Diese positiven Aussagen führten aber häufig dazu, daß über die so

gelobte Person ein IM-Vorlauf angelegt wurde, der zur Werbung als IM führte oder aber den

Betroffenen bei Ablehnung einer IM-Tätigkeit in beträchtliche Schwierigkeiten bringen konnte.

D 10 Notwendigkeit der Gewinnung von Kandidaten (IM)

Kreisdienststelle Jena Jena, den 12.05.1978

Referat Universität

B e g r ü n d u n g

der Notwendigkeit der Gewinnung und Bekanntwerden des Kandidaten

Zur weiteren gezielten Bearbeitung negativer Personen unter den Studenten und unter dem Lehrkörper

und zum weiteren Eindringen in den politischen Untergrund ist es notwendig, geeignete

Quellen zur Informationsgewinnung, Aufklärung und Bearbeitung zu schaffen.

Inoffiziell wurde bekannt, daß in den Studentenclubs bei kulturellen Veranstaltungen und bei sogenannten

"Bierabenden" eine Konzentration von politisch schwankenden Studenten zu verzeichnen

ist, deren Motive nicht in jedem Fall bekannt ist.

Mit der vorgesehenen Werbung soll ein weiteres Eindringen in diesem Personenkreis und eine

Bearbeitung negativer Personen sowie die Klärung aufgetretener Vorkommnisse erreicht werden.

Zur Erfüllung dieser Zielstellung muß der IM-Kandidat folgende Voraussetzungen erfüllen:

27


− Verbindungen zu Studenten verschiedener Fachrichtungen und negativen Gruppierung

− Möglichkeiten der Entwicklung bestehender Verbindungen zum Ausbau eines Vertrauensverhältnisses

− Fähigkeiten besitzen ein "Doppelleben" zu führen und in der Lage sein, im Sinne der aufzuklärenden

Person aufzutreten

− zuverlässig und ehrlich gegenüber dem MfS handeln

Durch den FIM "Doering" wurde die Person

bekannt.

28

———

———

Jena-Neulobeda, ———

z. Z. Kultursekretär der UGL

Durch seine gesellschaftliche Tätigkeit im Studentenclub "Schmiede" hat er die Möglichkeit, ständigen

Kontakt zu Studenten zu unterhalten und Verbindungen zu negativen Gruppierungen herzustellen.

R. studierte Mathematik an der Universität Jena und war im Anschluß daran als Dokumentalist an

der Sektion Mathematik tätig. Zur Zeit übt er die Funktion des Kultursekretärs der Universitätsgewerkschaftsleitung

aus und hat die Perspektive Leiter des Kulturhauses der Universität zu werden.

——— ist parteilos und sein Auftreten unter den Studenten ist durch eine ruhige und vertrauensvolle

Art gekennzeichnet, die die Möglichkeit eines schnellen Aufbaus eines Vertrauensverhältnisses

bietet.

Auf Grund seiner weitreichenden Kontakte und Verbindungen zu studentischen Kreisen und zum

Lehrkörper sowie seiner charakterlichen Eigenschaften ist eine Gewinnung zur inoffiziellen Zusammenarbeit

vorgesehen.

(Unterschrift)

H ü b n e r

Leutnant

D 11 Anlage und Einstellung eines IM-Vorganges

MfS/BV/Verw. BV-Gera Jena , den 05.06.79

Diensteinheit KD-Jena

Mitarbeiter Peupelmann Reg.-Nr. X/396/79

(... Text gelöscht ...)

Beschluß

über das Anlegen

eines IM-Vorganges 12.06.79 Ra.

1. IM-Art IMS (benötigte Teile angeben)

2. Deckname "Sascha"

3. Wohnadresse 6902 Jena-NL, ——— Teile: I u. II

(... Text gelöscht ...)


Gründe für das Anlegen bzw. die Umregistrierung:

Der Kandidat ist Student an der Sektion Philisophie der FSU-Jena Er fiel in unserer DE im Zusammenhang

mit dem op. Material "Mühle" an und wurde in der OPK "Obst" unserer DE bearbeitet

und umfassend aufgeklärt. Es ist vorgesehen den IM-Kandidaten zum IMS zu gewinnen und ihn

in der Perspektive zur op. Personenbearbeitung von neg.-dek. Jugendlichen und Personengruppen

in Richtung pol. Untergrundtätigkeit einzusetzen. Desweiteren soll er zur Absicherung des SB

"Studentische Freizeitgestaltung" (Studentenclubs, Sektionen der FSU-Jena) eingesetzt werden.

Die Werbung zum IMS erfolgte

am 29.05.79

Bestätigt am: 12. JUNI 1979

* Anmerkung: Zusätzlich Name und Dienstgrad mit Maschine bzw. Druckschrift angeben.

Form 1 a 009 175 150.0

über die Veränderung der IM-Art

1. Neue IM-Art

Gründe für die Veränderung:

vom

(Unterschrift)

Peupelmann /Ofw.

Mitarbeiter *

(Unterschrift)/Hptm.

Würbach / Hptm.

stellv. Leiter der Diensteinheit *

Unterschrift *

Im Rahmen der Durchsetzung der Richtlinie I/79 erfolgte eine Einkategorisierung als IMS

Bestätigt am:

Gründe für die Einstellung

der IM-Vorlauf-Akte bzw. des IM-Vorganges:

vom

(Unterschrift)

08.09.80 Peupelmann /Ofw.

(Unterschrift)

bestätigt: Würbach/Major

stellv. Ltr. d. DE

Mitarbeiter *

Leiter der Diensteinheit *

Unterschrift *

Der IMS übernimmt ab Sept. 1988 eine hauptamtliche Funktion in der

29


Bezirksleitung der SED/Gera. Die Einstellung der Zusammenarbeit erfolgt

weisungsgemäß.

Der Vorgang ist gesperrt - nicht gesperrt * - abzulegen

* Nichtzutreffendes streichen

Inhalt der Akte 155 Blatt

Bestätigt am:

* Anmerkung: Zusätzlich Name und Dienstgrad mit Maschine bzw. Druckschrift angeben.

30

vom

(Unterschrift)

Peupelmann / Hptm.

Mitarbeiter *

Leiter der Diensteinheit *

Unterschrift *

Anmerkung

IM-Vorgänge wurden nach der Werbung zum IM angelegt. Davor lag die Aufklärung der Person

innerhalb eines IM-Vorlaufs oder einer OPK. Der IM „Sascha“, KN Hans-Joachim Ehrhardt, war

neun Jahre für das MfS aktiv tätig, bis er 1988 eine hauptamtliche Parteifunktion übernahm. Damit

endete die inoffizielle Zusammenarbeit mit dem MfS, da hauptamtliche SED-Funktionäre nicht

gleichzeitig als IM geführt wurden.

D 12 FIM-System „Olaf Kaufmann“ (Wohnheime, studentische Freizeit)

Kreisdienststelle Jena Jena, den 5.1.73

Referat Universität

K o m p l e x a u f t r a g an den

FIM "Olaf Kaufmann" Reg.-Nr. X/ 172 / 72

Die Aufgabenstellung für das zu schaffende FIM-System "Olaf Kaufmann" wird bestimmt durch

durch den speziellen Informationsbedarf "Wohnheime" im Rahmen der Bearbeitung und Absicherung

des Bereiches Studentische Freizeit.

Bedingt durch die Bedeutung der Wohnheime bei der Absicherung des studentischen Freizeitbereiches

ist es notwendig, zu folgenden Problemen in den Studentenwohnheimen ständig zu informieren:

− Auftreten feindlicher Aktivitäten in den SWH

− Erscheinungsformen der Pid

− Hinweise auf negative Gruppenbildung im studentischen Freizeitbereich

− Hinweise auf dekatende und unmoralische Lebensweisen im SWH


− Hinweise auf feindliche Kontakttätigkeit

− Fragen der Ordnung und Sicherheit im SWH

− Wirksamwerden gesellschaftlicher Kräfte im SWH

− Leitungsstrukturen

− Aufklärung und Absicherung der Mitarbeiter der Abteilung Wohnheime sowie der technischen

Kräfte in den SWH

(Unterschrift)

K ö h l e r

Leutnant

Anmerkung

Die Studentenwohnheime gehörten immer zu den Schwerpunktbereichen des Referats Universität.

Das erklärt auch die hohe Zahl von Heimleitern und Hausmeistern unter den IM,

z.B. GI „Paul Meier“

GMS Alice X/1534/80, auch als

IMK „Johannes“

GMS „Bad“ X/1535/80

IMS „Ludwig Beck“ XVIII/3191/77

GI „Frank“ X/486/63

IMK/S „Heim“ X/727/85

GMS „Oechsner“

IMS „Michael Ziegel“ X/446/83

Zum FIM-System „Olaf Kaufmann“, KN Jochen Oehme, gehörten u.a. die IM:

„Knut Meißner“, „Alice“, „Bad“, „Ralf“.

D 13.1 Übergabe IMS „Fred Große“ an FIM „Reichenbach“

Kreisdienststelle, Jena 25. Mai

1981

Referat Universität be-ge

V o r s c h l a g

zur Übergabe des IMS "Fred Große", Reg.-Nr. XVIII/2463/77 an den FIM "Ursula Reichenbach",

Reg.-Nr. X/749/71

Der FIM "Reichenbach" wurde im Dezember 1971 durch die KD Jena auf der Grundlage der politischen

Überzeugung zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS geworben. Auf der Grundlage

eines Schulungsplanes erfolgte eine stetige Qualifizierung mit den Erziehungsschwerpunkten:

− politisch-ideologische Probleme

− politisch-operative Kenntnisse

• Aufgaben des MfS

• Formen und Methoden der Feindtätigkeit

• Stellung und Aufgaben des FIM im Arbeitssystem des MfS

• spezifische Aufgaben des FIM

Es konnte eingeschätzt werden, daß die Erziehungsziele des Schulungsplanes in guter Qualität

erreicht wurden.

31


Von 1974 bis 1976 steuerte der FIM zwei IMS und einen GMS, deren Einsatzrichtung in der Absicherung

des studentischen Freizeitbereiches lag. Der FIM wurde dieser Aufgabe voll gerecht.

Mit Studienabschluß der drei gesteuerten Quellen bat der FIM um eine zeitweilige Entlastung

durch unser Organ. Gründe dafür waren die Geburt ihrer Tochter und die Absolvierung eines Fernstudiums.

Gleichzeitig wurde vereinbart, zu gegebener Zeit die FIM-Tätigkeit wieder aufzunehmen.

Der Kontakt wurde über diese Zeit regelmäßig aufrecht erhalten und der FIM in seiner Funktion als

Bereichsleiter genutzt.

In vorangegangenen Gesprächen mit dem FIM wurde seine Bereitschaft, Quellen zur Steuerung zu

übernehmen, geprüft. Der FIM schätzt ein, daß er gegenwärtig wieder die Möglichkeit hat und

bereit ist, die Steuerung der Quellen zu übernehmen.

Vereinbart und geplant wurde das Erreichen von einer Stärke 1:3 bis zum Jahresende.

Es wird vorgeschlagen, den IMS "Fred Große" an den FIM zu übergeben. Damit soll das FIM-

System zur Absicherung des Komplexes "Erziehung und Ausbildung" weiter ausgebaut werden.

Der IMS "Fred Große" wurde im August 1977 auf der Grundlage der politischen Überzeugung für

die inoffizielle Zusammenarbeit mit dem MfS geworben und schriftlich verpflichtet.

In der bisherigen konspirativen Zusammenarbeit mit unserem Organ nahm der IMS eine positive

Entwicklung. Er wurde 1980 - nach seiner Versetzung in die Reserve der KD Jena von der HA I

übergeben und durch unsere DE kontaktiert. Es zeigte sich, daß der IMS über gute Fähigkeiten und

Fertigkeiten in der konspirativen Tätigkeit verfügt, eigeninitiativreich und selbständig arbeitet. Die

Quelle gilt als zuverlässig und ehrlich, hat als inoffizieller MA eine gute Perspektive und steht zur

Zusammenarbeit mit dem MfS ohne Vorbehalte.

Der IMS ist Medizinstudent im 2. Studienjahr, seine Einsatzrichtung ist:

− Deckung des Informationsbedarfes aus dem Bereich Medizin

− Breitensicherung der studentischen Freizeitgestaltung

− Klärung der Frage "Wer ist wer?"

− Absicherung von Höhepunkten bzw. speziellen Veranstaltungen an der FSU

− Lage- und Situationsberichterstattung

Mit dem IMS wurde diesbezüglich ein Vorbereitungsgespräch geführt. Er erklärte sich sofort bereit,

zukünftig mit einem FIM zusammenzuarbeiten. Die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit dieser

Form der inoffiziellen Tätigkeit werden ihm erläutert und sind dem IMS klar.

Plan der Übergabe:

Die Übergabe des IMS an den FIM ist für Mittwoch, dem 20. Mai 1981 im separaten Arbeitszimmer

des FIM geplant. Die Wahrung der Konspiration ist gesichert. Vororientierungen sind bereits

getroffen. Das Übergabegespräch wird mit folgendem Inhalt geführt:

− gegenseitige Vorstellung durch den HA

− Erläuterung der Zweckmäßigkeit, Notwendigkeit und Bedeutung der Zusammenarbeit FIM-

IMS

− auf der Grundlage der Einsatzrichtung des IMS Treffen von Festlegungen zur Einhaltung der

Konspiration zur konkreten Art und Weise der Zusammenarbeit sowie des Verbindungssystems.

(Unterschrift)

Ehrler Besa

Oberleutnant Oberfeldwebel

Referatsleiter

32


Leiter der Kreisdienststelle

Nowack

Oberstleutnant

Anmerkung

„Ursula Reichenbach“, KN Eva Zapf, führte eine Zeitlang das einzige rein weibliche IM-System

an der Universität Jena.

D 13.2 Antrag auf finanzielle Zuwendungen für den FIM „Ursula Reichenbach“

Kreisdienststelle Jena, 01. April 1981

Referat Universität be-ge /81

A n t r a g

auf eine monatliche finanzielle Zuwendung für den FIM "Ursula Reichenbach", Reg.-Nr.:

X/749/71, in Höhe von 50,-- (fünfzig)!!

Der FIM arbeitet seit 1971 auf der Grundlage der politischen Überzeugung inoffiziell mit unserem

Organ zusammen. Am 29. 08. 1973 erfolgte die Werbung zum FIM. Den Anforderungen der operativen

Arbeit wurde der FIM "Ursula Reichenbach" bisher gerecht.

Es ist vorgesehen, bis Ende des Jahres dem FIM 3 IMS zu übergeben. Zur Zeit steuert der FIM

einen IMS. Finanzielle Zuwendungen wurden ihm bislang nicht gezahlt.

Das FIM-System wird zur Deckung des Informationsbedarfes aus dem Bereich Medizin, allg. dem

studentischen Bereich bzw. Freizeitbereich sowie dem Sicherungskomplex "Erziehung und Ausbildung"

aufgebaut.

Bei den zu übergebenden IMS handelt es sich um Medizinstudenten.

Der FIM ist Dipl.-Pädagoge, als Bereichsleiter Lehrerstudenten im Direktorat Erziehung und Ausbildung

und besitzt neben guter Menschenkenntnis die Fähigkeit, Menschen anzuleiten und pädagogisch

positiv auf sie zu wirken.

Die finanzielle Zuwendung ist ab Mai 1981 im Sachkonto 6000 eingeplant.

Leiter der Kreisdienststelle

i.v. (Unterschrift)

Nowack

Oberstleutnant

Anmerkung

Den Betrag von 50 Mark muß man im Vergleich mit dem monatlichen Nettogehalt von rund 600

Mark eines Hochschulabsolventen sehen.

D 14 Entwicklungskonzeption IME „Kämpfer“, 1986

Kreisdienststelle Jena Jena, 6. Mai 1986

33


Ref. Uni be-kl

Einsatz- und Entwicklungskonzeption für den IME "Kämpfer", Reg.-Nr. X/259/83

IME "Kämpfer" wurde am 24.06.83 auf der Basis der politischen Überzeugung für die inoffizielle

Zusammenarbeit mit dem MfS geworben. In der bisherigen Zeit der Zusammenarbeit wies "Kämpfer"

stabile Bindungen an unser Organ, zuverlässige Auftragserfüllung sowie Fähigkeit und Bereitschaft

zur strikten Einhaltung der Konspiration nach.

In der inoffiziellen Zusammenarbeit bestätigte sich bislang, daß es sich bei IME "Kämpfer" um

eine perspektivvolle Quelle mit folgenden Einsatzmöglichkeiten handelt:

− Durchsetzung von Sicherheitserfordernissen, insbesondere zur Verhinderung der Zulassung von

Studienbewerbern, die aus op. Sicht ungeeignet sind und zur op. Einflußnahme auf kaderpolitische

Entscheidungen im Direktorat für Studienangelegenheiten/Wohnheimleiter.

− Legendierung von Mitteln und Methoden der Arbeit des MfS, dh. Unterstützung bei Kontaktaufnahmen

zu op.-interessanten Personen, Bereitstellung von Räumlichkeiten für Kontaktgespräche,

Abdeckung der Kontaktpartner gegenüber dritten Personen sowie die Absicherung des

Einsatzes von IM/GMS.

− Erarbeitung von op. bedeutsamen Informationen:

34

• im Zusammenhang mit Verstößen gegen Disziplinar- bzw. Wohnheimordnung

• zur Klärung der Frage "Wer ist wer" im Direktorat für Studienangelegenheiten und in den

beiden Kampfgruppenzügen der FSU sowie zur Stimmung/Reaktion in diesen Personenkreisen

• zur Lageübersicht im gesamten Erziehungs- und Ausbildungsprozeß.

− Führung spezifischer Ermittlungen zu Studienbewerbern, Studenten und Forschungsstudenten

der FSU Jena. Ermittlungen zur Absolventenvermittlung/Einsatzorten, zu Jena-Kadern und in

diesem Zusammenhang Aufzeigen von op.-interessanten Personenhinweisen.

Entsprechend diesen Möglichkeiten wurde IME "Kämpfer" bisher zum Einsatz gebracht.

Dabei konnten gute operative Ergebnisse erzielt werden und "Kämpfer" hat es gut verstanden, das

ihm vermittelte op. Grundwissen (op. Legenden, Konspiration, Wachsamkeit, Geheimhaltung) zur

Anwendung zu bringen.

Es kann eingeschätzt werden, daß es sich bei "Kämpfer" um eine Quelle handelt, die in objektiver

und subjektiver Hinsicht über alle Voraussetzungen verfügt, entsprechend den Forderungen der RL

1/79 als IME erfolgreich op. zu wirken und gute op. Arbeitsergebnisse zu erzielen.

Mit seinem Einsatz wird erreicht, daß ein Großteil des Informationsbedarfs im Sicherungsbereich

gedeckt werden kann und es konnte der Nachweis von Notwendigkeit und Richtigkeit der Werbung

und des op. Einsatzes des IME "Kämpfer" erbracht werden.

Maßnahmen zur Überprüfung auf Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit

Grundsätzlich ist einzuschätzen, daß es keine op. Erkenntnisse und keinen Anlaß gibt, an der Ehrlichkeit

und Zuverlässigkeit des IME, wie sie in vergangenen Einschätzungen getroffen wurde, zu

zweifeln. In diesem Zusammenhang aber ist zu beachten, daß "Kämpfer" viel über Sachverhalte

und Personen erfährt, die im Blickpunkt des MfS stehen.

Daraus resultieren für die weitere Bearbeitung des IME-Vorgangs folgende Maßnahmen zur Überprüfung

seiner Person:

− Weitere Aufklärung des Persönlichkeitsbildes, Umgangs- und Bekanntenkreis durch Quellen

des Ref. Uni

− Herausarbeiten von Verhaltensweisen beim IME, die seine persönliche Sicherheit angreifbar

machen könnten

T: 01.08.86

V: Gen. Besa

− Prüfen in der Quellenkartei, Möglichkeit von WGE durch Ref. VIII

− Prüfen von Möglichkeiten des Einsatzes von IM/GMS (Abt. XII) im Wohngebiet


T: 01.06.86

V: Gen. Besa

− Einleitung Fahndung Abt. M

T: 01.04.86

V: Gen. Besa

− Überprüfung und Bewertung der Auftragserfüllung unter besonderer Berücksichtigung der

Einhaltung von Vorgehensweisen. Dazu wird die Maßnahme A der Abt. 26 eingeleitet

T: 01.06.86

V: Gen. Besa/Ender Ehrler

Maßnahmen zum persönlichen Schutz und zur Gewährleistung der Konspiration

Zum IME bestand seit langem durch unser Organ, bedingt durch seine berufliche Stellung/Funktion,

ein offizieller Kontakt. In dem Maße ist eine Verbindung zum MfS als durchaus

normal anzusehen und wird von seinem Umkreis ebenso bewertet.

Zukünftig ist vorgesehen, Treffs mit dem IME in z.Z. in Bearbeitung befindlicher KW durchzuführen.

Weiterhin sind die konzipierten Überprüfungen zu seiner Person genauestens zu analysieren

und daraus eventuell notwendige Maßnahmen anzuleiten.

Grundsätzlich aber können die persönliche Sicherheit und die Konspiration der Quelle als gegeben

angesehen werden.

(Unterschrift) (Unterschrift)

Ehrler Besa

Hauptmann O.-Leutnant

Ref.-Leiter

Leiter der KD Jena

(ohne Unterschrift)

Schleitzer

Oberst

Anmerkung

Aus den dargestellten Einsatzmöglichkeiten des IME „Kämpfer“, KN Klaus Wachter, geht hervor,

wie wichtig er als Mitarbeiter im Direktorat EA für das MfS war.

D 15 Treffbericht FIM „Sachse“

Diensteinheit Kreisdienststelle Jena Datum 12. April 1979

Treffbericht

Sichtvermerke

(Unterschrift)

Kategorie/Deckname FIM „Sachse“ (Unterschrift)

Datum/Zeit Treffort Mitarbeiter Teilnahme durch Vorgesetzten

05.04.79

11.00-13.00 Uhr ---------------------- Gen. Stülpner --------------------

Nächster Treff am Zeit Treffort

wird telefonisch vereinbart

Ausweichtreff am Zeit Treffort

Berichte Anzahl der Informationen zu Anzahl erfassungs-

35


(... Text gelöscht ...)

36

Vorgänge OPK Erfassung würdiger Personen

sonst. DKK/SKK PKK- PKK- SV VSH

Lage DDR West

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31...

1x

Treffvorbereitung:

(z.B. Treff geplant/kurzfristig festgelegt, Kurzfassung des geplanten Treffablaufes, Schwerpunkte der Auftragserteilung, Instruierung,

Erziehung und Befähigung)

Der Treff wurde geplant festgelegt.

Form 450

Treffauswertung:

(z.B. Hinweis auf Inhalt der Berichterstattung, entspricht Auftrag der Einsatzrichtung, Verhalten des IM, Anzeichen von Unehrlichkeit /

Unzuverlässigkeit / Dekonspiration, op. Wert und Objektivität der Berichterstattung, Verwertung der erarbeiteten Informationen, ideologische

Probleme, erzieherische Maßnahmen, Zuwendungen)

Auswertung

0.1 Liste der Studienbewerber der EOS und Ref. Uni

Spezialschule an der FSU Jena

Bei den vorliegenden Listen soll eine Absprache erfolgen zwischen dem Referat Uni und XX, um

weitere Maßnahmen einzuleiten (inoff. Einschätzungen u.a.).

(... Text gelöscht ...)

(... Text gelöscht ...)

(Unterschrift)

Stülpner

- Ofw. -

Anmerkung

Der FIM „Sachse“ war der Direktor der Spezialschule „Carl Zeiß“, Dr. Leiterer. Das Dokument

weist darauf hin, daß das MfS bereits Einfluß auf die Zulassungen zum Studium nahm.

D 16.1 Umregistrierung des IMS „Johannes Herold“

Kreisdienststelle J e n a Jena, den

18.12.1973

Referat Universität

B e g r ü n d u n g

zur Umregistrierung des IMS "Johannes Herold" Reg.-Nr.: X/182/73 zum IMV

Der IMS "Johannes Herold" wurde vor seiner Werbung im Operativ-Vorgang "Spekulant" Reg.-

Nr.: Gera X/427/72 operativ bearbeitet und im Rahmen des Abschlusses des Operativ-Vorganges

wegen Straftaten entsprechend der §§ 213 und 21 StGB inhaftiert.

Aufgrund des Amnestieerlasses des Staatsrates der DDR am 7.10.72 erfolgte die Einstellung des

Strafverfahrens und die Entlassung aus der Untersuchungshaftanstalt Gera am 5.11.1972.


Seit dieser Zeit wurden eine Reihe von Kontaktgesprächen geführt, entsprechend der Zielstellung

des Abschlußberichtes des Operativvorganges, die Werbung für die inoffizielle Zusammenarbeit

durchzuführen.

Am 21.6.1973 erfolgte die Werbung als IMS auf der Basis der politischen Überzeugung mit

schriftlicher Verpflichtung mit der Perspektive des Einsatzes im studentischen und jugendlichen

Untergrund und in der operativen Vorgangsarbeit nach entsprechender Schulung und Qualifizierung

zum IMV.

Zur schnellen Bindung des IMS an das MfS wurde in der bisherigen Zusammenarbeit großer Wert

auf den Aufbau eines guten Vertrauensverhältnisses gelegt. Die operative Auftragserteilung erfolgte

aus den gleichen Gründen vorwiegend auf der Grundlage selbständiger Informationen und berichte

des IMS.

Aufgrund seiner Intelligenz, seiner guten Auffassungsgabe und seiner besonderen Kontaktfreudigkeit

hat der IMS gute Möglichkeiten zur operativen Personenbearbeitung. Die bisher geleistete

Arbeit zeugt davon und ist als gut einzuschätzen.

Der IMS zeigt eine hohe Einsatzbereitschaft, gute Treffdisziplin und ist zuverlässig. Ein Teil seiner

gegebenen Berichte, in denen er auch Personen belastete, konnte auf Ehrlichkeit überprüft werden.

Bisher gab es keinerlei Anzeichen einer Dekonspiration. Das Vertrauensverhältnis des IMS zum

operativen Mitarbeiter und zum MfS hat sich gut entwickelt.

Der IMS hat die Absicht, ab September 1974 sein durch die Inhaftierung 1972 unterbrochenes

Studium an der Universität Jena wieder aufzunehmen und abzuschließen. Um den IMS noch enger

zu binden, wurde über eine IM-Schlüsselposition im Direktorat für Erziehung und Ausbildung der

Universität Jena die Befürwortung der Studienaufnahme eingesteuert.

Der IMS hat aufgrund seiner noch bestehenden Verbindungen zu operativ-interesssanten Personen

aus dem studentischen und jugendlichen Untergrund sowie seiner Charaktereigenschaften gute

Möglichkeiten gute operative Ergebnisse in der Vorgangsarbeit zu erreichen.

Es ist vorgesehen, ihn nach Abschluß der Qualifizierung zum IMV in der Bearbeitung einer negativen

studentischen Gruppierung im Rahmen eines noch zu eröffnenden Operativ-Vorganges einzusetzen.

Bereits jetzt bestehen Verbindungen zu Personen dieser Gruppierung.

Aufgrund der bisherigen Arbeitsergebnisse, der guten operativen Entwicklung des IMS und seiner

operativen Möglichkeiten bitten wir um Umregistrierung des IMS "Johannes Herold" zum IMV.

(Unterschrift) (Unterschrift)

N o w a c k W ü r b a c h

Hptm. Oltn.

Referatsleiter

Leiter der Kreisdienststelle

i.V. (Unterschrift)

E r h a r d t

Major

Anmerkung

Offenbar befanden sich im Direktorat EA immer einflußreiche IM, über die das MfS Immatrikulationen

oder Exmatrikulationen durchsetzen konnte. Beim IMS „Johannes Herold“ handelte es sich

um Karl-Jürgen Hartleb, der bis zum Ende der DDR intensiv mit dem MfS zusammenarbeitete, wie

die Aufstellung über ausgezahlte Beträge und geleistete Sachwerte beweist.

37


D 16.2 Liste über Geldzuwendungen für „Johannes Herold“

38

Aufstellung

über ausgezahlte Beträge und geleistete Sachwerte

Reg.-Nr. Gera X/182/73

Lfd. Datum Blatt-Nr. Höhe des Betrages Unterschrift des Mitarbeiters

Nr. bzw. Art des Sachwertes

1 13.02.7

4

50,- M Prämie (Unterschrift)

2 1974 Zuwendungen 600,- M

3 1975 Zuwendungen 760,- M

4 7.2.75 Prämie 150,- M

5 1976 1190,- M

6 1977 980,- M

7 7.10.79 Treuemedaille der NVA +

100,- M

8 1978 640,- M

9 1979 531,- M

10 1980 740,- M

11 1981 715,- M

12 1982 885,- M

13 1983 946,- M

14 1984 665,- M

15 1985 907,50 M (Unterschrift)

16 1986 1188,60 M (Unterschrift)

17 1987 860,- M (Unterschrift)

18 1988 770,- M (Unterschrift)

729 969 50.0 Form 29

D 17 Kurzbericht über bisherige Zusammenarbeit, „Müller, Dieter“

Betrifft: "M ü l l e r , Dieter"

Kurzbericht über bisherige Zusammenarbeit

J e n a , den 18. 02. 1069


12.05.1954 Verpflichtung zur Mitarbeit mit dem Sowjetischen Geheimdienst in G e r a.

Operativer Einsatz in WB und WD im Raum Bonn, Bad Godesberg u. Hamburg

durch den Sowj. Geheimdienst in Karlshorst.

1957 wurde ich von der BD des MfS in Gera zur weiteren Zusammenarbeit übernommen.

Operativer Einsatz im Bezirk Gera und WD.

1958 Im Herbst 1958 wurde ich vom Ministerium für Staatssicherheit in Berlin als hauptamtlicher

Mitarbeiter verpflichtet.

Einsatz: Steuerung von Mitarbeitern im Raum Berlin.

Operative Einsätze in allen Bezirken der DDR, u.a. auch zu den Messen

in Leipzig; sowie in WB u. WD - Raum Bonn - Schwerpunkt "Ostbüro

der SPD".

1960 Versetzung auf eigenen Wunsch in die Nähe meines Wohnortes Kahla zur BD Gera

und von da Einsatz in der KD Jena.

Einsatz: Steuerung von GHI u. GI-s der Uni Jena Aerzte und Studenten der Medizin

1964 übernahm ich infolge einer Umprofilierung GHI und GI im Bereich

der Uni Jena, dem WTI u.a. Dabei wurden zeitweise bis zu 21 Personen

gesteuert.

In den letzten Jahren erfolgte Sondereinsatz nach WD.

Im Herbst 1968 hatte ich meinen 10 jährigen Verpflichtungstag als hauptamtlicher

Mitarbeiter im MfS.

Am 12.05.1969 habe ich den 15. Jahrestag meiner Zusammenarbeit mit dem Sowjetischen

Geheimdienst und dem MfS.

Dieter Müller

D 18 Verhinderung eines Arbeitsvertrages mit dem VEB CZ Jena, Psychologiestudent

Bezirksverwaltung Jena, 18. Februar

1986

für Staatssicherheit Gera be-ge 1/40 /86

Kreisdienststelle Jena

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit Gera

Objektdienststelle Zeiss

Jena

Der Psychologiestudent im 5. Studienjahr

———

———

Jena, ———

wird durch unsere DE in OPK, Reg.-Nr.: X/278/84, bearbeitet.

Durch die FSU Jena sollte B. in den Bezirk Schwerin, Berufsberatungszentrum Wittenberg, vermitteln

werden.

Wegen kaderpolitischer Nichteignung kam der Arbeitsvertrag nicht zustande.

39


Gegenwärtig laufen intensive Bemühungen des B., eine Tätigkeit im VEB Kombinat Carl Zeiss

Jena aufzunehmen.

Da eine Zielstellung der OPK-Bearbeitung darin besteht, ein Tätigwerden von B. im Bezirk Gera

zu verhindern, bitten wir Sie, operativen Einfluß zu nehmen, daß B. mit dem VEB Carl Zeiss Jena

keinen Arbeitsvertrag abschließen wird.

40

Leiter der Kreisdienststelle

(Unterschrift)

Schleitzer

Oberst

Anmerkung

Das Dokument zeigt, wie das MfS Einfluß auf die Absolventenvermittlung nahm. Hier informiert

die KD Jena die für das Kombinat CZ zuständige OD des MfS über den in der OPK „Nagel“ erfaßten

Studenten, damit dieser im Kombinat CZ nicht eingestellt wird.

D 19.1 Antrag auf ständige Zurückstellung vom Grundwehrdienst 1981

Kreisdienststelle Jena, 25. 4. 1981

ehr-k

Antrag

Auf ständige Zurückstellung vom Grundwehrdienst zu

NAME, Vorname: Winter, Martin

geb. am, in: ———

bestätigt:

Stellvertreter Operativ

(Unterschrift)

Weigelt

Oberst

Tätigkeit: bis September 1980 - Medizinstudent FSU Jena

gegenwärtig - Hilfspfleger Radiologische

Klinik der FSU Jena

(in Abteilung XII - erfaßt KD JENA, Reg.-Nr. X 1431/80)

entsprechend der 1. Ergänzung zur 4. Durchführungsbestimmung zur Dienstanweisung 7/71.

Begründung:

Im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens durch die Zollverwaltung der DDR wurde W durch

unsere DE kontaktiert. Auf der Basis der Wiedergutmachung verpflichtete er sich zur inoffiziellen

Zusammenarbeit.


Trotz versuchter Einflußnahme unserer DE auf die Strafzumessung wurde die Quelle im September

1980 durch das Kreisgericht Bad Salzungen zu 2 Jahren Bewährung und einer Geldstrafe von

6000,-- Mark auf der Grundlage des Zollgesetzes verurteilt.

Durch die FSU Jena wurde er daraufhin im 5. Semester exmatrikuliert. Durch vorbildliche Einsatzbereitschaft

und gute Arbeitsleistungen als Hilfspfleger hat er erreicht, daß gegenwärtig ein, durch

unsere DE legendiert initiierter, Antrag seines Arbeitskollektives auf Löschung der Strafe an die

Staatsanwaltschaft gestellt wird.

Damit sind gute Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme des Studiums, als entscheidende Voraussetzung

für einen perspektivischen Einsatz im Sicherungsbereich Medizin geschaffen worden.

Der bisher erreichte Stand im Gewinnungsprozeß läßt zusammenfassend die begründete Einschätzung

zu, daß eine wertvolle Quelle geschaffen wurde.

Aufgrund früherer Erkrankungen wurde die Quelle nach der Musterung für den Grundwehrdienst

zurückgestellt und konnte ein Medizinstudium aufnehmen.

Da sich die Quelle im wehrpflichtigen Alter befindet, und vom Studium exmatrikuliert wurde,

wurde sie Ende März zur Einberufungsüberprüfung bestellt und nachgemustert. Dort wurde mitgeteilt,

daß eine Einberufung im Frühjahr nicht vorgesehen ist.

Am 24. 4. 1981 erhielt die Quelle den Einberufungsbefehl zum Grundwehrdienst

im MSR 24 nach Erfurt.

Da mit der Ableistung des Grundwehrdienstes eine Wiederaufnahme des Studiums bis Herbst 1983

verzögert wird und sicher auch wegen der langen Unterbrechung nicht mehr möglich ist, ist die

operative Perspektive in Frage gestellt.

Die Quelle ist bereit, nach Abschluß des Medizinstudiums als ROA Dienst in der NVA zuleisten.

Um Bestätigung des Antrages wird gebeten.

Alle erforderlichen schritte zur Realisierung werden durch die KD JENA in eigener Zuständigkeit

mit dem WKK Jena, als einberufendes WKK, eingeleitet.

D 19.2 Absolventenvermittlung 1982

Leiter der Kreisdienststelle

(Unterschrift)

Nowack

Oberstleutnant

Bezirksverwaltung Gera, 5. 11. 1982

für Staatssicherheit 6617/87

Stellvertreter Operativ

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit

Stellvertreter Operativ

Gen. Oberst Dr. Mangold

Suhl

Im Rahmen der diesjährigen Absolventenvermittlungen an der FSU Jena wurde der Medizinstudent

WINTER, Martin

———

wh.: Jena, ———

für eine Facharztausbildung Chirurgie in den Bezirk Suhl vermittelt.

41


Ich bitte um operative Einflußnahme auf der Linie XX, daß der Bezirksarzt des Bezirkes Suhl dem

Wunsch der FSU Jena entspricht und den bereits vermittelten WINTER für eine Facharztausbildung

an der FSU Jena freigibt.

Die FSU Jena wird sich aus diesem Grunde schriftlich an den Bezirksarzt Suhl wenden und um

eine Rückgabe der im Zusammenhang mit dieser Vermittlung bereits übersandten Personalunterlagen

des WINTER bitten.

Zum genannten Sachverhalt wurde bereits eine telefonische Rücksprache mit der Abteilung XX/1

Ihrer Bezirksverwaltung durch die KD Jena, Gen. Hauptmann Ehrler, geführt.

42

i. A.

(Unterschrift)

Seidel

Oberstleutnant

Anmerkung

Martin Winter ist ein schönes Beispiel für die Fürsorge und Förderung durch das MfS, wenn es

um einen wichtigen IM ging. Winter wurde als IMB „Peter Seidel“ X/1431/80 langfristig für den

Einsatz als Arzt in einem katholischen Krankenhaus im Bistum Erfurt vorbereitet.

D 20 Übernahme eines Fachzahnarztes in den Bereich Medizin der FSU

Bezirksverwaltung Jena, 25. Nov. 1982

für Staatssicherheit Gera ehr-h 6954 /82

Kreisdienststelle

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit

Abteilung XX

Gera

Zur Unterstützung einer operativen Maßnahme bitten wir um Einflußnahme auf den Bezirksarzt,

daß dieser den Direktor für Kader- und Weiterbildung des Bereiches Medizin der FSU Jena, Genossen

S c h e i d l e r , bittet zu prüfen, ob eine Übernahme an der Bereich Medizin für

besteht.

———

geb. ———

wh. Jena, ———

Fachzahnarzt - Ambulatorium Camburg

Zu L. ist bekannt, daß er sich seit mehreren Jahren um eine Tätigkeit in Jena bemüht und sich aus

diesem Grund schon an den Bezirksarzt und an den Leiter der Abteilung für Prothetische Stomatologie

der FSU Jena, Prof. ———, gewandt hat.

Mit Genossen S c h e i d l e r wurde gesprochen. Er wird der Bitte des Bezirksarztes entsprechen.

——— wird sich mit einem Brief an den Bezirksarzt wenden und dort sein Problem erneut vortragen.

Leiter der Kreisdienststelle


i.V. Rebhan

Nowack

Oberstleutnant

Anmerkung

So wurden mit Hilfe des MfS Stellen vermittelt. L. war der IM „.......

D 21.1 Aktenvermerk IMS „Henkel“, BM, 1985

Kreisdienststelle Jena Jena, 9. April 1985

Ref. Uni hö-kl

Quelle: IMS "Henkel"

erhalten: Gen. Höfig am 26.03.85

Aktenvermerk

Zum Treff am 26.03.85 wurde der IMS nach möglichen Personen befragt, welche ihn bei der Kaderkommission

des BM der FSU ins Gespräch für eine OA-Ernennung bringen könnten. Dabei

wurde sichtbar, daß die Ehefrau des Prof. ——— als Ärztin mit Henkel zusammenarbeitet und

beide ein gutes Verhältnis zueinander haben. Die St. habe bereits mehrfach gegenüber der Quelle

geäußert, daß sie der Meinung sei, der Chef müßte den IMS nun endlich zur OA-Ernennung einreichen.

Von Seiten des VEB CZ Jena wurden die Kollegen

Dr. ———

und Dipl.-Ing. ———

aus der Abt. Operationsmikroskopentwicklung genannt. Zu Dipl.-Ing. ——— habe der IMS den

unmittelbaren Kontakt, da er für diesen Bereich zwei Gutachten erstellte.

D 21.2 Aktenvermerk IMS „Henkel“, BM, 1985

(Unterschrift)

Höfig

Oberleutnant

Kreisdienststelle Jena Jena, 22. April 1985

Ref. Uni hö-kl

Aktenvermerk

Aufgrund der im Juni 1985 bevorstehenden Übergabe des IMS "Henkel", Reg.-Nr. XII/128/70 an

einen anderen operativen Mitarbeiter der KD Jena ist es notwendig, die Einsatz- und Entwicklungskonzeption

vom 17.07.84 um einige aktuelle Aspekte, die persönliche und op. Perspektive

des MfS betreffen, zu erweitern. Die o. g. E/E-Konzeption behält inhaltlich ihre volle Gültigkeit.

Neue Aspekte ergeben sich jedoch aus seiner zielstrebigen fachlichen Weiterentwicklung auf dem

Gebiet der Mikrochirurgie. Der IMS hat im Februar 1985 seine Promotion B vorverteidigt und

43


einheitlich beste Zeugnisse ausgesprochen bekommen. Die Verteidigung der Promotion B ist für

September 1985 vorgesehen.

Der Klinikchef OA ——— ist vom IMS "Henkel" fachlich in hohem Grade abhängig und versprach

ihm, die 3. OA-Planstelle der Klinik zu beantragen. Gegenwärtig ist der Stand jedoch dadurch

gekennzeichnet, daß OA ——— versucht, die Berufung zum OA zu verzögern.

Letzteres gewinnt für eine op. Weiterentwicklung des IMS zunehmend an Bedeutung, da sich gegenwärtig

abzuzeichnen beginnt, daß OA ——— durch das Leitungsgremium des Bereiches Medizin

der FSU nicht als Kliniksdirektor bestätigt werden wird, da er sich zunehmend durch Disziplinlosigkeit

und übersteigertes Karrierestreben isoliert. Als Konsequenz wird OA ——— 1986 mit

hoher Wahrscheinlichkeit den Bereich Medizin verlassen. Damit ist das für den IMS "Henkel"

notwendige fachliche Profil der Klinik ernsthaft in Frage gestellt.

Deshalb ist mit Kontinuität und Zielstrebigkeit daran zu arbeiten, daß OA ——— noch vor seinem

Weggang aus der Klinik die OA-Berufung für den IMS einreicht. Die Schwierigkeit besteht in der

strikten Einhaltung der Konspiration bei unterstützenden Maßnahmen durch das MfS zur Erreichung

der Zielstellung.

Bis auf die vorhandenen fachlichen Qualitäten des IMS sind für die Berufung ungünstige äußere

Umstände vorhanden, da der IMS nicht Mitglied der SED ist und auch keine anderweitigen gesellschaftlichen

Funktionen ausfüllt. Er wird durch die älteren Kollegen der Klinik wegen seiner äußerst

progressiven fachlichen Entwicklung beneidet.

Aus der Analyse der op. Lage und entsprechend einer Hauptzielstellung der weiteren Bearbeitung

der Bearbeitung negativer und schleusungs- bzw. abwerbungswilliger Personen des Bereiches

Medizin der FSU Jena ist nach Möglichkeit eine Mitgliedschaft der SED zu vermeiden. Mit dem

IMS wurde intensiv politisch-ideologisch zu dem Problemkreis gearbeitet. Er ist klar über seine op.

Perspektive als Blickfeld- und attraktive Zielperson für Angriffe gegnerischer Stellen sowie feindlicher

Organisationen aufgeklärt. Eine Perspektive als Reisekader der FSU Jena liegt für "Henkel"

im Bereich der realen Möglichkeiten.

Operativ zu beachten ist der Umstand, daß Henkel aufgrund seiner vielfältigen klinischen Aufgaben

ständig unter Zeitdruck steht und in einzelnen Fällen Treffs kurzfristig absagen muß, da er

durch unvorhergesehene dienstliche Zwischenfälle die Klinik nicht verlassen kann. Von Seiten des

steuernden Mitarbeiters ist diesem Umstand ein erhöhtes Maß an Verständnis und Geduld entgegengebracht

worden. Es gibt aus der Sicht des steuernden Mitarbeiters keine Anzeichen mangelnder

Treffdisziplin und Einsatzbereitschaft.

Der IMS ist ehrlich und überprüft zuverlässig. er ist in der Lage, Sachverhalte und op. Vorkommnisse

objektiv zu beurteilen und real wiederzugeben. Die Berichterstattung, welche durch den IMS

ausschließlich mündlich erfolgt, ist von hoher Qualität und entspricht der Auftragserteilung. er ist

in der Lage, unter Anwendung op. Legenden selbständig Ermittlungen zu Personen und op. Sachverhalten

zu führen. Der IMS ist im eigenen Interesse an einer konsequenten Wahrung der Konspiration

und des Quellenschutzes interessiert.

D 22.1 Einschätzung des IMS Platte

44

(Unterschrift)

Höfig

Oberleutnant

Bezirksverwaltung;Jena 16. 4.

1985

für Staatssicherheit Gera

Abteilung XVIII

E i n s c h ä t z u n g


IMS "Platte" - Reg.-Nr. X/472/62 (Abteilungsleiter Jenapharm)

Angeworben am 18. 7. 1962 zur freiwilligen Zusammenarbeit unter Zugrundelegung kompromittierenden

Materials;

Der IM hat großen Anteil an der Inhaftierung des Prof. Dr. ——— (ehem. FSU Jena), H. beabsichtige,

damals die DDR ungesetzlich zu verlassen.

In den folgenden Jahren wurde der IM schwerpunktmäßig zur Sicherung von Spitzenforschungsthemen

eingesetzt. Weiterhin beim Aufbau op. bedeutsamer Kontakte in das Operationsgebiet. In

diesem Zusammenhang erfolgte auch eine Zusammenarbeit mit anderen DE einschließlich der

Hauptabteilung.

Der IM leistete in dieser Hinsicht eine ausgezeichnete Arbeit, was nicht zuletzt auf die Anleitung

des Genossen Keller zurückzuführen ist, der diesen IM ca. 15 Jahre gesteuert hat.

Am 16. 6. 1983 erfolgte die Übergabe des IM zur weiteren Zusammenarbeit an Genossen Engelmann,

Ref. XVIII.

Zu beachtende Punkte

• Seit der Übernahme des IMS "Platte" durch Genossen Engelmann am 16. 6. 1983 befindet sich

kein Vermerk mehr in der Akte, so daß angenommen werden muß, daß der IM seit diesem

Zeitpunkt nicht mehr getroffen wurde.

• In einer Kurzauskunft vom 29. 6. 1984 erarbeitet, von Genossen Engelmann wird vorgeschlagen,

zu dem IM Sicherheitsüberprüfungen durchzuführen mit Terminstellung 15. 10. 1984. Bis

zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegen keine Hinweise darüber vor, ob und wann welche Maßnahmen

eingeleitet wurden.

• In der gleichen Kurzauskunft schätzt Gen. Engelmann u. a. ein, ... in der bisherigen Zusammenarbeit

wurden keine Hinweise bezüglich Dekonspiration bekannt ...

Hierzu muß jedoch folgendes entgegengehalten werden:

• 1964 verursachte der IM in Leipzig einen Verkehrsunfall unter Alkoholeinwirkung stehend mit

anschließender Fahrerflucht. Es sollte ein EV eingeleitet werden. Dies wurde durch unser Organ

über die entsprechenden Stellen abgeblockt und der IM ging straffrei aus.

• 1982 wurde der IM erneut bei einer Verkehrskontrolle mit seinem PKW unter unter Alkohol

stehend angetroffen. Er wurde mit 300,-- M Ordnungsstrafe und fünf Monaten Fahrerlaubnisentzug

bestraft. Es wurde erneut verfahren wie 1964, und der IM erhielt kurzfristig seine Fahrerlaubnis

zurück.

• Ein weiteres Beispiel wäre noch aus dem Jahre 1962 zu nennen, wo der IM erwirkte, daß sich

unser Organ dafür einsetzen sollte, daß ihm seine Habilitation ermöglicht wird. In diesem Zusammenhang

wurden damals mehrere andere Diensteinheiten unseres Organs einschließlich

Hauptabteilung einbezogen.

Aus dem Vorgenannten kann abgeleitet werden, daß der IM doch im bestimmten Maße bereits

dekonspiriert ist.

Michael

Hauptmann

D 22.2 E-Verfahren gegen GI Platte -- handschriftlich --

KD Jena Jena,d. 07.02.1968

45


46

Aktenvermerk

Betr.: E - Verfahren gegen GI. „Platte“

Das vorliegende E - Verfahren wurde durch Mfs eingezogen

und zu Gunsten des

GI. „Platte“ ordnungsgemäß eingestellt.

Diese Mitteilung stammt von Hptm. Kühnhold.

Blatt 111 - 133

Keller, Ltn.

Anmerkung

Für wichtige IM, hier der IMS „Platte“ KN Klausheinz Chemnitius, wurde durch das MfS sogar

die Verfolgung von Straftaten verhindert. Auch um den Erwerb akademischer Grade (hier die

Habilitation) mancher IM kümmerte sich das MfS.

D 23.1 Zuweisung eines Doktorvaters für einen IM

Ministerium für Staatssicherheit

Bezirksverwaltung G e r a

Kreisdienststelle J e n a

Regierung der Jena, den 29.8.1961

Deutschen Demokratischen Republik Htm/Tö

Ministerium für Staatssicherheit Tgb.Nr. ......../61

- Hauptabteilung V/6 -

B e r l i n

Betr.: Suche und Zuweisung eines Doktorvaters für einen IM

Bezug: Gegebene Veranlassung

Ein zuverlässiger IM hat seine Dissertationsarbeit über

"Häufigkeit, Vorkommen und Bedeutung von

Herztönen in der Phonoeasdiagraphie"

bei dem Prof. Dr. ———, tätig gewesen in der Universitätsklinik Jena, geschrieben. Prof. SCH.

wurde seit etwa 4 Monaten r-flüchtig.

Der IM wandt nach Westdeutschland mit der Bitte an Prof. Sch. ihn die Doktorarbeit abzunehmen.

Da Prof. Sch. bisher nicht antwortete, schlugen wir dem IM vor diese Arbeit einen hierfür zuständigen

Internisten zur Begutachtung einzureichen.


Die von ihm bisher unternommenen Schritte waren jedoch ergebnislos so daß wir Sie bitten uns

einen hierfür zuständigen medizinischen Wissenschaftler zu benennen, damit die Anerkennung

bzw. Begutachtung von dieser Stelle aus erfolgen kann.

Da es sich um eine Spezialarbeit handelt und mehr als 3 Jahre Zeitaufwand aufgebracht wurde,

bitten wir um dringende Unterstützung.

Leiter der Kreisdienststelle

i.V. (Unterschrift)

(M ü l l e r)

- Hauptmann -

Anmerkung

Keine Sorge, der GI „Motor“, KN Herrmann Müller, hat seine Gutachter bekommen und auch

eine OA-Stelle in der Hautklinik. Vorher hatte er dafür gesorgt, daß ein OA die Hautklinik verlassen

mußte. Der Auftrag Nr.2 zeigt erschreckend, wie beim MfS mit der ärztlichen Schweigepflicht

umgegangen wurde.

D 23.2 Treffbericht - GI „Motor“

Kreisdienststelle Jena Jena, den 24.4.64

Verlauf des Treffs:

T r e f f b e r i c h t

Quelle: GI "Motor"

Treff: 23.4.64, 17.00 - 18.00 Uhr

Ort: PKW des GI im Münchenrodaer Grund

Teiln.: ohne

o. M.: Kutta

Eingangs wurde dem GI mitgeteilt, daß er in Zukunft mit dem GHI "Dieter Müller" nicht mehr

zusammenarbeiten wird und die Verbindung vorläufig persönlich gehalten wird.

(... Text gelöscht ...)

Auftrag:

1. Anleitung und Instruierung zur Durchführung einer op. Legende des Gen. ———, wo der GI

Unterstützung geben soll. Auftrag wurde an Hand des beiliegenden schriftlichen Auftrages erläutert.

2. Der GI soll an Hand der in der Klinik vorhandenen Krankenunterlagen und der Unterlagen bei

der I-Forschung feststellen, wann die Patientin ——— geschlechtskrank war, Art der Krankheit

sowie wer sie infiziert hat.

Vereinbarungen:

Am 30.4. informiert mich der GI telefonisch über den ersten Auftrag. Der nächste Treff wird dann

per Telefon vereinbart.

47


48

(Unterschrift)

K u t t a

Leutnant

D 24 Besetzung des Lehrstuhls Augenheilkunde, 1986

Quelle: „Jens“ Zur Auswertung

erhalten mit „Palmer“-

Konspiration

Ablage Palmer

Jena, den 23.12.85

Wie ist der Stand?

Op. Hinweis zu Kaderproblemen am Bereich Medizin der FSU/Augenklinik

Der DKW des BM, Gen. Peukert informierte den BSG über folgendes Problem.

1986 muß der Lehrstuhl für Augenheilkunde der gleichzeitig mit der Funktion des Direktors der

Augenklinik verbunden ist, neu besetzt werden. Dafür gibt es zur Zeit einen Dreiervorschlag mit

folgender Rangfolge:

1. Gen. Doz. ——— (Med. Akad. Dresden)

2. Gen. Doz. ——— (Uni Greifswald)

3. Gen. Doz. ——— (FSU)

Diesen Dreiervorschlag mit dieser Rangfolge vertreten der Prorektor Med. Carol, Gen. Peukert und

das UPL-Mitglied Prof. Daute. Sie stehen damit in Widerspruch zum GO-Sekretär Rexhäuser und

UPL-Sekr. Wächter, die den ——— (Uni Greifswald) an erster Stelle haben wollen.

Gen. Peukert teilte noch mit, daß die Sicherheitsorgane ihn bereits den Hinweise gegeben haben,

daß ——— (Uni Greifswald) als Direktor der Augenklinik nicht geeignet ist.

Anmerkung

Mit dem Hinweis der Sicherheitsorgane ist es verständlich, daß der Genosse Peukert (IM „Palmer“

XV/3455/67) sich sogar gegen den Wunsch des UPL-Sekretärs Wächter stellt. Berufen wurde

dann aber keiner der vorliegenden Dreierliste, sondern der GMS „Siegfried“.

D 25 Abwehrmäßige Nutzung des IM „Burg“ durch KD Jena

Hauptabteilung A

Abteilung XII

Bezirksverwaltung für

Staatssicherheit Gera

Abteilung XV

- Leiter -

mit der Bitte

um Weiterleitung an

Bezirksverwaltung für

8. April 1987 - 178/Stü.

A/XII/2/206/ 677 /87


Staatssicherheit Gera

Kreisdienststelle Jena

- Leiter -

Vereinbarung über die abwehrmäßige Nutzung eines IM unserer Diensteinheit durch die KD Jena

Im Ergebnis der vom zuständigen Mitarbeiter unserer Diensteinheit, Gen. Hptm. Richter, M., mit

den Mitarbeitern Ihrer Diensteinheit, Gen. Erler und Radestock, am 01.04.1987 in der KD Jena

geführten Absprache zu den Möglichkeiten einer abwehrmäßigen Nutzung des IM "Burg", Vorg.-

Nr. XV 2085/67, durch die KD Jena, wird durch unsere Diensteinheit folgende Vereinbarung vorgeschlagen:

1. Die abwehrmäßige Zusammenarbeit der KD Jena mit dem IM "Burg" erfolgt ab

sofort durch den für das Objekt Kinderklinik zuständigen Mitarbeiter, Gen. Radestock, bzw.

dessen Referatsleiter Gen. Erler.

Die Erfassung des IM in der Abt. XII des MfS verbleibt bei der HV A/XII, Mitarbeiter 206.

2. Neben der erforderlichen und bisher praktizierten offiziellen Zusammenarbeit der KD Jena mit

IM "Burg" in seiner Funktion als staatlicher Leiter wird unsererseits zur Klärung spezieller

Fragen der Abwehrarbeit einer inoffiziellen Zusammenarbeit unter Wahrung strenger Konspiration

zugestimmt.

3. Die KD informiert und konsultiert die HV A/XII, falls mit IM "Burg" aktive Handlungen zur

Lösung personenbezogener Prozesse erforderlich sind.

4. Die KD Jena informiert die HV A/XII bis zum 30.10. eines jeden Jahres schriftlich über Quantität

und Qualität der von IM "Burg" während des Jahres geleisteten operativen Arbeit.

wir bitten, das Original dieser Vereinbarung, nach Bestätigung durch den Leiter der KD Jena, an

unsere Diensteinheit zurückzusenden.

Jena, 06.05.87

3383/87

Die vorliegende Vereinbarung wird bestätigt.

Leiter der Abteilung

(Unterschrift)

R ö s l e r

Oberst

Leiter der KD Jena

(Unterschrift)

Schleitzer

Oberst

D 26 Information über die Neubesetzung der Funktion des Direktors der Kinderklinik

Kreisdienststelle Jena Jena, 24. April 1986

Ref. Uni rdst-kl

Quelle: GMS "Poche"

erhalten: Gen. Radestock am 14.04.86

49


Information zur Situation der Neubesetzung der Funktion des Direktors der Kinderklinik

In der Kinderklinik wurde mit nachfolgender Reihenfolge die Neubesetzungskandidaten bekannt.

1. Dr. sc. med. ———

geb. ———

2. MR Prof. Dr. med. ———

geb. ———

3. Dr. sc. med. ———

geb. ———

Laut Quelle und damit eingeschlossen eine breite Meinung im Kreis der Ärzte vertreten im Interesse

einer progressiven Entwicklung der Kinderklinik den Standpunkt, den 3. Dr. ——— mit der

Funktion zu betreuen. Er genießt die Sympathien und das Vertrauen im Kollegenkreis.

Er bringt politische Reife und Erfahrungen mit und er hat sich politisch wiederholt bewährt und

seine Zuverlässigkeit bewiesen.3. Dr.——— hat im Interesse der Gesellschaft Auslandseinsätze

und gesellschaftliche Aufgaben übernommen und sich stets klar parteilich positioniert.

Vom 3. Dr. ——— verspricht man sich eine Verbesserung des politischen und fachlichen Klimas

in der Klinik. Die Quelle verwies jedoch auf die Situation, daß ——— an 3. Stelle rangiert und es

war op. Einflußnahme notwendig, die mit folgenden Hinweisen begründet wird.

1. Der Favorit der Direktorfunktion ist 1. Dr. ——— der vom derzeitigen Kliniksdirektor und

vom GO-Sekretär, Gen. Rexhäuser, begünstigt wird. Große Stücke hält auch Prof. Thielmann,

Stellv. des Ministers für Gesundheitswesen. Im Kollegenkreis wurde dazu die Meinung laut,

daß 1. Dr. ——— extrem egoistisch seine fachliche Entwicklung vorangetrieben hat. Er ist ein

junger Genosse und ihm wird unterstellt, diesen Schritt im Interesse seiner Karriere gemacht zu

haben. Aus dem derzeitigen Klinikbetrieb muß man den 1. Dr. ——— jegliche Fähigkeit für

Leitungstätigkeit absprechen. Es wurden Bedenken geäußert, daß mit 1. Dr. ——— als Direktor

das Chaos in die Klinik einziehen wird. In der fachlichen Zusammenarbeit ist 1. Dr.———

unkooperativ. Öffentlich bekundet 1. Dr. ——— zu 3. Dr. ——— ein kollegiales sauberes

Verhältnis, was jedoch aus Äußerungen in individuellen Gesprächen bedenklich angezweifelt

werden muß.

2. Prof. Dr. ——— nutzt in dieser Situation unzweifelhaft seine Position als Beauftragter des

Prorektors für Medizinische Betreuung. Prof. ——— genießt den Ruf eines üblen Karrieristen,

der im Kollegenkreis keine Resonanz finden wird. Die Quelle kann keine Argumente bzw. Beispiele

anführen, die eine politische Einordnung des ——— gestatten würde.

Anmerkung:

Laut Verwaltungsleiter der CZ-Stiftung, Gen. ——— wurde am 16.04.86 bekannt, daß 3. Dr. ——

— nach seinem Einsatz in Äthiopien die Funktion des Klinikdirektors übernehmen soll. Gen. ——

— bemühte sich um diese Besetzung im Hinblick auf den 100. Jahrestag des Bestehens der CZ-

Stiftung 1989, zu der als Substanz die Kinderklinik gehört. Mit dieser Einrichtung möchte die CZ-

Stiftung sozialpolitisch demonstrieren.

Auswertung

Handakten ——— - RK

——— - RK/AK

———

50

(Unterschrift)

Radestock

Hauptmann

D 27 Ergänzungsinformation, Promotion B (Bereich Medizin), 1986


Kreisdienststelle Jena Jena, 26. November 1986

Ref. Uni rdst-kl

Quelle: IMS "Palmer"

erhalten: Gen. Radestock am 04.11.86

Ergänzungsinforamtion zur ———

Die Quelle hatte Gelegenheit, bezogen auf das Promotionsverfahren der o. G. mit dem Dekan des

BM, Gen. Prof. Bräunlich, zu sprechen und unterbreitete dort seine Kenntnisse über deren politische

Haltung und Herkunft.

Es wurde von der Quelle zugesichert, daß im Bereich Medizin für die D. keine Dozentur beantragt

wird und nicht zum Oberarzt ernannt wird.

Mit Abschluß der Promotion B wird sie als B-promovierter Facharzt tätig sein.

Funktionseinschränkungen in WB Sportmedizin der Sektion Sportwissenschaften müssen beim

Direktor Kader und Weiterbildung veranlaßt werden.

Auswertung

1. 2 x Akte D———

1 x IMS

(Unterschrift)

Radestock

Hauptmann

D 28 Republikflucht eines Professors (Medizin)

Kreisdienststelle Jena Jena, 20. Dezember 1985

Ref. Uni rdst-kl

Bericht

zur Einleitung der OPK "Profi", Reg.-Nr. X/21/86

Aufgrund des erfüllten Straftatbestandes des § 213 (2) Strafgesetzbuch durch den Prof. Dr. ———

durch die Nichtrückkehr von einer Dienstreise in die DDR und der Antragstellung zur Übersiedlung

in die BRD durch die Ehefrau des Straftäters wird die Einleitung einer operativen Personenkontrolle

vorgeschlagen.

Name, Vorname MR Prof. Dr. sc. med. ———

PKZ ———

Geburtsort ———

wohnhaft ehemals 6900 Jena, ———

Arbeitsstelle ehemals Friedrich-Schiller-Universität Universitätsfrauenklinik

51


(... Text gelöscht ...)

1. Politisch-operative Ausgangslage

Unter Mißbrauch einer Dienstreise vom 23.10. - 31.10.85 im Aufrage der Friedrich-Schiller-

Universität Jena nach Graz/Österreich kehrte der Genannte nicht in die DDR zurück.

Der Straftäter meldete sich am 25.10.85 telefonisch aus Gießen/BRD bei seiner Ehefrau in Jena

und teilte ihr seinen Entschluß mit, nicht wieder in die DDR zurückzukehren. Dieser Sachverhalt

wurde von der Ehefrau weitergemeldet und am 26.10.85 vom Direktor Kader und Qualifizierung

der FSU Jena der KD Jena übermittelt.

2. Vorliegende bisherige op. Erkenntnisse

2.1 Zur Person und Familie des Straftäters

(... Text gelöscht ...)

Laut Aussagen von OMR Dr. sc. med. ——— wurde dem Prof. ——— der Universitätsfrauenklinik

in Graz/Österreich/ Reiseziel von ———, ein seriöses Zeugnis bescheinigt, daß er mit der

Verratshandlung des B. keinerlei Beziehungen hat. Prof. ——— wäre wiederholt in guter Partnerschaft

in Jena gewesen und ist auch an zukünftigen Kontakten mit der Jenaer Universitätsfrauenklinik

interessiert.

Während der Phase der Realisierung von op. Maßnahmen der Rückführung wurden bezogen auf

die Verratshandlungen des B. und der Antragstellungen zur Übersiedlung seiner Angehörigen alle

mit kaderpolitischen Konsequenzen durchzuführenden Maßnahmen zurückgestellt. Per 28.11.85

wurden die zuständigen staatlichen Leiter bzw. zuständigen DE des MfS verständigt unter Beachtung

der Verratshandlung des B. die entsprechenden Aussprachen und kaderpolitische Veränderungen

bei den antragstellenden Angehörigen der B. zu veranlassen.

− Öffentliche Auswertung der Verratshandlung des B. im ehemaligen Wirkungskreise der FSU

und Aberkennung seiner Professur und Dozentur.

− Entbindung der Frau Dr. ——— von zusätzlichen funktionellen Pflichten als Betriebsarzt des

VEB Jenapharm (Giftbeauftragte, Musterungsärztin des WKK Jena, Kontrollfunktion in zugeordneten

Betriebsbereichen).

− Exmatrikulation des Schwiegersohnes ——— an der Ingenieurschule für Keramik und Sinterwerkstoffe

Hermsdorf.

− Einziehung der Vorimatrikulation des Sohnes ——— und Änderung des Arbeitsvertrages.

Vorgegeben von der BKG der BV Gera wird, daß eine Antragsbearbeitung im Sinne der Familienzusammenführung

für die ——— vor II. Quartal 1988 nicht positiv erfolgt. Bezogen auf die Verratshandlung

des B. werden durch die Abteilung staatliches Eigentum nach einer Güterteilung die

Eigentumsanteile des B. in staatliches Eigentum überführt.

Mit vorliegender op. Lage und der Bearbeitung des EV's gegen ——— wird mit folgender Zielstellung

die operative Personenkontrolle eingeleitet.

3. Zielstellung der OPK

3.1. Weitere Aufklärung der Motive und Vorbereitshandlungen der Straftat sowie Sichtbarmachung

von Inspiratoren und Hintermännern für eine mögliche Abwerbung des B.

3.2. Einleitung op. Maßnahmen und op. Einflußnahme bezüglich der Antragstellungen zur Übersiedlung

in die BRD der Familienangehörigen im Sinne der Zurückdrängung.

52


3.3. Einleitung von Kontrollmaßnahmen im ehemaligen Arbeitsumfeld und Umgangskreis des

Straftäters und seiner Familienangehörigen zur Feststellung von Rückverbindungen und Unterbindung

weiterer feindlich-negativer Absichten des B.

3.4. Einleitung von op. Fahndungsmaßnahmen zur Verhinderung des Versandes von wissenschaftlichen

Schriften und anderer bedeutsamer Arbeitsunterlagen des B. aus der Universitätsfrauenklinik

Jena.

3.5. Erarbeitung einer op. Aussage über Kenntnisse des Straftäters zu Personen, dem Kliniksbereich,

der Lehr- und Forschungstätigkeit sowie seiner Kenntnisse als Beauftragter für Internationale

Beziehungen und der Zivilverteidigung, die er zum Schaden der DDR gegnerischen

Geheimdiensten preisgeben kann.

Durch op. Einflußnahme ist eine weitestgehende Schadensabwendung zu erreichen und Konsequenzen

abzuleiten im Sinne der vorbeugenden Schadensverhütung für die Bereiche der FSU

Internationale Beziehungen und Geheimnisschutz.

D 29 Inoffizielle Personeneinschätzung (Kinderklinik), 1984

Bezirksverwaltung für Neubrandenburg, 18. Jan. 1984

Staatssicherheit Neubrandenburg ko-höp Tel.2641 125/84

Abteilung XV

Bezirksverwaltung für

Staatssicherheit Gera

Abteilung XX

G e r a 27.1.84

792

Uni

Inoffizielle Personeneinschätzung zu ———

Entsprechend Ihren operativen Möglichkeiten bitten wir Sie, ein inoffizielle

Einschätzung aus dem Arbeitsbereich des

———

wohnhaft: 6900 Jena, ———

Facharzt für Kinderkrankheiten

Universität Jena

nach folgenden Gesichtspunkten zu erarbeiten:

1. berufliche Entwicklung des D., wie ist sein Verhalten im Arbeitskollektiv, welche Autorität und

Anerkennung genießt er durch das Arbeitskollektiv;

2. wie ist seine politisch-ideologische Grundeinstellung, Einstellung zur gesellschafts-politischen

Arbeit (Aktivitäten und Motivationen), wie stimmen Wort und Tat überein;

3. was war der Anlaß der Dienstreise am 21. 7. 1976 ins kapitalistische Ausland;

4. Charaktereigenschaften und moralisches Verhalten, insbesondere Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit,

Verschwiegenheit, Einstellung zum anderen Geschlecht, Alkohol und Geld;

5. Was ist über sein Freizeitbereich bzw. seine Hobbys bekannt; ist er kirchlichen Einflüssen unterlegen.

53


Des weiteren bitten wir Sie um die Übersendung der Kaderakte zur Einsichtnahme.

54

Leiter der Abteilung

i.V. (Unterschrift)

Hartmann

Oberstleutnant

Anmerkung

Dieses Dokument ist ein Beispiel für die Zusammenarbeit verschiedener DE. Hier interessiert sich

die Abt. XV der BV Neubrandenburg für einen Mitarbeiter der Universität Jena. Die Kaderakten

standen dem Zugriff des MfS ständig zur Verfügung.

D 30 Stimmung am 1. Mai 1961

GM „Tulpe“

Kreisdienststelle Jena Jena, den 1.5.61

Kö/

Betr.: Stimmung zum 1. Mai 1961

Durch die eingesetzten IM und offizielle Quellen wurde bekannt:

Zum Fackelzug am Vorabend des 1.5.61 war eine sehr geringe Beteiligung von Studenten der

Universität zu verzeichnen.

(ca. 300 Studenten, davon ca. 220 von der ABF Jena). So wurde durch IM festgestellt, das vom 4.

Studienjahr Physik von ca. 75 Studenten nur 2 am Fackelzug teilnahmen.

Die Beteiligung der Betriebe, Oberschulen und Kinder wurde besser

eingeschätzt.

Besondere Vorkommnisse ereigneten sich zum Fackelzug nicht.

Zur Demonstration am 1. Mai war die gleiche Erscheinung der äußerst geringen Teilnahme der

Studenten zu verzeichnen. Von den einzelnen Fachrichtungen waren im Durchschnitt nur 30% der

Studenten anwesend, bei einzelnen Instituten lag der Prozentsatz noch tiefer. So nahmen von den

ca. 50 Diplomanden des Physikalischen Institutes nur 5 an der Demonstration teil.

Positiv war die Beteiligung der Fachrichtung Chemie, die von der gesamten Math.-Nat. Fakultät

den höchsten Anteil zur Demonstration stellte, sowohl bei den Studenten als auch den Assistenten.

Positiv ist einzuschätzen die gute Beteiligung der mittleren wissenschaftlichen Kräfte (Assistenten,

Oberassistenten), während sich nur wenige Professoren an der Demonstration beteiligten. Die Professoren

der Fachrichtung Chemie nahmen nicht an der Demonstration teil, da sie sich gegenwärtig

zu einem Kongress in Ungarn befinden.

Die Angestellten der einzelnen Institute waren fast vollzählig vertreten.

Politisch negative Diskussionen traten nicht auf, vor allem wurden die langen Stillstands-u. Wartezeiten

kritisiert (bis 1 1/2 Std.)

An den Stellplätzen der Päd. Institute wurde vor allem über die gemeldete Erkrankung von Täwe

S c h u r und über unsere Aussichten bei der Friedensfahrt diskutiert, wobei die Erkrankung von

S c h u r bedauert diskutiert wurde.

Vom gesamten Marschblock der Universität stellte den höchsten Anteil die ABF, deren Studenten

und Lehrkräfte fast 100 % vertreten waren.

Durch die IM wurde eingeschätzt, das die Ausgestaltung des Zuges (Marschblock 7 und 8) mit

Transparenten und Festwagen im vergangenen Jahr besser war.

Großen Anklang fand unter den Teilnehmern und Zuschauern der Demonstration die gute und

ideenreiche Ausgestaltung des Marschblockes der Pionierorganisation "Ernst Thälmann".


Besondere Vorkommnisse und Erscheinungen von Feindtätigkeit worden im Marschblock Universität

nicht bekannt.

Maßnahmen:

Abschriften des Berichtes zur Stimmung sowie in die Akten der IM, mit denen Treffs durchgeführt

wurden.

(Unterschrift)

(K ö h l e r)

- Unterleutnant -

Anmerkung

Trivialbericht vom GM „Tulpe“, KN Helmut Berger, zum 1. Mai 1961. Bei Großveranstaltungen

wurden immer besonders viele Sicherheits- und operative Kräfte eingesetzt.

D 31 Friedensbewegung (Gespräch mit IMS Richter)

Kreisdienststelle Jena, 21. 4. 1983

Referat Uni hü-h

Quelle: FIM "Linden"

erhalten: IMS Richter

erhalten: Gen. Hübner

Gespräch mit Richter am 7. 4.

1. ——— ein als religiös bekannter Student hatte sich sehr bemüht, die Funktion als Studienaktivleiter

zu erhalten. Seine Studienkollegen haben ihn inzwischen dafür gewählt (allg.

Zustimmung).

2. "Friedensbewegung"

• In der Woche vom 21. 3. - genauen Termin habe ich nicht festgehalten - teilte mir Richter

telefonisch mit, daß im Schaukasten ein Plakat hängt an der Friedenskirche: "Kriegsspielzeug?"

- Ich habe mir das sogleich angesehen und den Diensthabenden davon informiert. -

Es muß wohl am 21. oder 22. 3. gewesen sein. - Jetzt sagte mir Richter, daß dieses Plakat

noch etwa 5 Tage in dem Kasten gehangen habe.

• Richter stellte fest, daß es hinsichtlich der Beurteilung des Auftretens der Provokateure auf

dem Markt (bei Friedensdemonstrationen) und auch darüber, wie man auf solche Erscheinungen

zu reagieren habe, keine einheitliche Linie oder Position - noch nicht einmal in der

Partei gibt. So treten Genossen unterschiedlich auf in ihrer Argumentation und ihrem Verhalten.

Das stärkt keineswegs die Autorität der Partei, die Partei ist hier nicht in der Offensive,

weil sie nicht einheitlich und konkret argumentiert.

So ist Gen. ———, Gruppenberater im 1. Stdj., Parteigruppenorganisator in der Hochfrequenzspektroskopie,

z. B. der Meinung, man hätte auf dem Markt mit jenen "Friedens"-

Leuten reden müssen und erklärt die Haltung von Richter - mit Provokateuren wird nicht

mehr diskutiert - als stalinistische Position. Auch der von Richter befragte Parteisekretär,

Haubenreißer, konnte ihm nicht sagen über über die Festlegung von Verhaltensnormen und

Argumentationen für die Genossen gegenüber einer "Friedensbewegung", vor allem bei den

parteilosen anderen Studenten.

Wie Richter erfuhr, muß in einer Anleitung von Genossen der Vergleich Jenas mit Gdansk

gezogen worden sein, um die Absicht des Gegners zu kennzeichnen,. Vor solchen "Verallgemeinerungen"

sollte man sich hüten.

55


56

Die uneinheitliche, nicht klar orientierte Haltung der Genossen machte es u.a. möglich, daß

sich im 1. Stdj. Physik/Astro keine gemeinsame Position zu der "Friedensbewegung" entwickeln

konnte, es gab auch Studenten, die gegen ein Eingreifen waren die Diskussionen in

jedem Falle als Mittel ansahen oder auch das ganze als nicht so erheblich oder gar gefährlich

betrachteten. Richter steht mit seiner - durchaus parteilichen - Haltung in solchen Diskussionen

meist ohne Unterstützung und wird z.T. als zu weit links angesehen. Wie Richter

feststellt, ist keine Klarheit geschaffen, wie sich Genossen bei ähnlichen Situationen wie

Friedensdemonstration auf dem Jenaer Markt beim Auftreten solcher "Friedensvertreter"

verhalten sollen, wenn so etwas z.B. bei der Maidemonstration oder bei den Pfingsttreffen

passieren sollte.

3. Auf dem Markt trat auch ——— auf und begrüßte einige der Physiker.

Studenten fragten Richter, warum ——— wieder freigelassen wurde. Es wird dabei auch ein

Irrtum der Staatsorgane als möglicher Grund gesehen.

4. Zu den "Friedens"-Leuten (Markt) gehört auch ein Ehepaar, das wahrscheinlich zur Uni gehört

und damals ein Paket trug. Sie essen im Turm;

sie: hat langes Haar, ovales Gesicht, ist Mitte bis Ende 20; er: gehört wahrscheinlich zur Sektion

Mathematik, schreibt an einer Arbeit (vermutlich bei Prof. ———).

Beim Essen sitzen sie noch mit anderen zusammen, u.a. mit einer Frau mit 2 Kindern.

5. Richter hat erfahren, daß die in Zivil am Rande des Marktes stehenden Genossen der Kampfgruppen

die Weisung hatte, die "Friedens"-Leute auf dem Markt durchzulassen.

6. Wie Richter feststellte, wurde sowohl von den "Friedens"-Leuten selbst als auch aus den Häusern/Bäckerei,

Fotogeschäft, ——— vor Gardinenpavillion fotografiert.

7. Daß die Sendung im Westfernsehen über die Vorgänge bei der Jenaer Friedensdemonstration

erst am Ostersonnabend kam, hat sicher nichts mit der Schwierigkeit der Materialzuführung zu

tun, sondern war bewußt ein Gegengewicht gegen die Ostermarschberichte in der

BRD.

8. Richter stellte fest, daß sich die Gruppe um ———, ——— u.a. deutlicher formiert und sich

auch häufiger sehen läßt. In der Sektion besteht ein Kontakt zu ———.

3.: Prof. ——— hielt vor der Gruppe Studenten Genn. - Ankündigung am Haus Johannisstr. -

einen Vortrag über ethische Probleme der modernen Genetik.

Das hat bei Studenten den Gedanken ausgelöst, daß es wohl jetzt überhaupt für Hochschullehrer

legitim sei, vor der ESG zu sprechen - Anerkennung der ESG durch Hochschullehrer.

4.: Nächste Zusammenkunft am 27. 4. 83.

gez. "Linden"

19. 4. 83

Anmerkung

Bei der Friedensdemonstration auf dem Markt handelt es sich um die Veranstaltung vom

18.3.1983. Auf dieser Veranstaltung wurden von mutigen jungen Leuten Plakate mit Aufschriften

wie „Schwerter zu Pflugscharen“ gezeigt, die dann von Sicherheitskräften in Zivil gewaltsam

zerstört wurden.

Bei den Quellen handelt es sich um Doz. Rudolf Prager (IMS „Richter“ X/2694/60) und Doz.

Horst Zerbst (FIM „Linden“ X/2710/60).

D 32 Archivierung einer OPK


MfS/Verw./BV Gera Jena ,den 13. 03.

78

Diensteinheit KD Jena

Mitarbeiter Horst

Abverfügung zur Archivierung

(Nr für GMS, allg. P. und allg. S.)

Die Akte über: Name Dr. ——— *)

Vorname ———

geb. am ———

Geburtsort ———

(oder amtliche bzw. bekannte Bezeichnung des Objektes)

ist zu archivieren.

Gründe für die Archivierung:

Genannter wurde von der FSU für den Reisekaderstamm

des MHF vorgeschlagen. Aus diesem Grunde

wurde im Rahmen seiner OPK eine "Wer ist wer?" -

Aufklärung durchgeführt, um über den Verbleib im Reisekaderstamm

zu entscheiden. Im Rahmen der Aufklärung

wurde festgestellt, daß der Genannte umfangreiche

Verbindungen in das NSW besitzt, die gegenüber

der Leitung der Universität verschwiegen wurden, und

das die Person streng religiös ist. Es wurde veranlaßt,

daß die umfangreichen Westverbindungen dem 1. Prorektor

der FSU und der UPL der FSU zur Kenntnis gegeben

werden. Genannter wird KK erfaßt und unter operativer

Kontrolle gehalten, um 1979 erneut über den

Verbleib im Reisekaderstamm des MHF zu entscheiden.

Da das erarbeitete Material für eine Herauslösung aus

dem Reisekaderstamm des MHF nicht ausreicht, wird

vorgeschlagen, die Akte im Archiv der BV Gera abzulegen.

Die Akte ist gesperrt/gesperrt außer für die DE /nicht gesperrt zu archivieren.

(Nichtzutreffendes streichen)

Zielstellung realisiert

(Unterschrift)

57


*) Angaben zu weiteren in dieser Akte genannten Personen auf der Rückseite eintragen.

Form 317 048 175 100.0

58

Nowack, Major

(Unterschriftsberechtigter)

Anmerkung

Das Beispiel dieser OPK zeigt, daß das MfS durchaus wußte, für wen es arbeitete. Die SED, hier

die UPL und der 1. Prorektor, erhielt alle vom MfS zusammengetragenen und für die Partei wichtigen

Informationen.

D 33.1 Fernschreiben „Republikflucht“

Eingang Fernschreiben/Fernspruch/Funkspruch Streng geheim!

Fs-Nr. 274/VVS vom 24.7.1962 196 Dringlichkeit: Blitz

Absender: BV Leipzig, Abt. XV

An MfS Berlin, HVA, Abt. III, Gen. Oberst Jänicke

Berlin, den 24.7.1962 196

VDREI HVA ABTEILUNG DREI PKT AN GENOSSEN OBERST JAENICKE PKT

BETRIFFT STUDENT ——— HOCHSCHULE FUER GRAFIK UND BUCH KUNST

LEIPZIG PKT Z AEUSZERTE IN EINEM GESPRAECH AM ZWEIDREI JULI

SECHSZWEI ZU EINEM ZUVERLAESSIGEN IM DASZ ER NN DER

PANTOMIMESPIELER ——— SPORTDOZENT AN DER FRIEDRICH SCHILLER

UNIVERSITAET JENA KOMMA DELEGIERTER DER FDJ ZU DEN

WELTFESTSPIELEN IN HELSINKI REPUBLIKFLUECHTIG ZU WERDEN PKT

WITZEL ABTEILUNG EINSFUENF

Zur Nachweisführung ist die FS-Nummer und der Name des Sachbearbeiters, welcher das Telegramm letztens

erhält, dem zuständigen Sekretariat mitzuteilen.

(... Text gelöscht ...)

D 33.2 Verhinderung d. Teilnahme e. Mitgliedes d. Kulturdelegation an den Weltfestspielen

Hauptabteilung - V/6 - Berlin, den 27.7.1962

Betr.: Aktion "Sonnenblume"


Auf Anweisung des Genossen Oberst J ä h n i c k e wurde die Teilnahme des Mitglieds der Kulturdelegation

———

an den Weltfestspielen verhindert.

Es wurde von dem Kontroll-Offizier am 25.7.62, gegen 15.00 Uhr auf dem Schiff mitgeteilt, daß

auf Anweisung des MDI er nicht die Reise antreten könne. S. wurde von dem Kontroll-Offizier

Unterzeichneten zugeführt. Ihm wurde erklärt, dass dem Innenministerium Informationen über

geplante Provokationen gegen die Delegation, insbesondere gegen seine Person vorliegen. Aus

diesem Grunde, d. h. vom Standpunkt seiner persönlichen Sicherheit wäre es nicht ratsam, dass er

nach Helsinki fährt.

Dem S. war dies unverständlich und er wollte nähere Einzelheiten wissen, was aber nicht möglich

war. Es wurde versucht, ihm auszureden, dass diese Maßnahme wegen mangelnden Vertrauen

notwendig wurde.

Er äusserte vor allem Bedenken hinsichtlich seiner künstlerischen Entwicklung. Aus diesem Grunde

wollte er auch nicht zurückfahren nach Gera, sondern Urlaub machen.

Ihm wurde angeraten nicht noch einmal zum Schiff zurückzugehen und Rostock zu verlassen. Er

willigte ein und wurde mit einem PKW der BV zum Bahnhof gebracht, wo er sich eine Fahrkarte

löste und mit dem nächsten Zug nach Berlin fuhr.

In Berlin wollte er sich nochmals beim ZR erkundigen.

Auf der Fahrt nach Rostock verlangte er von dem ihm begleitenden Mitarbeiter der BV den Ausweis.

Dieser zeigte ihm den Dienstausweis der VP.

(Unterschrift)

( Heß )

Ltn.

D 34 GMS-Einsatz als Tourist im sozialistischen Ausland, 1974

Termin: 10.3.74

Bezirksverwaltung für Gera, den 17.1.1974

Staatssicherheit Gera Tgb.Nr.

Stellvertreter Operativ

Bezirksverwaltung für

Staatssicherheit Gera

Abteilung/Kreisdienststelle

- Leiter - "persönlich"

KD Jena

IM/GMS-Einsatz zur Absicherung des Reise- und Touristenverkehr in das sozialistische Ausland

Vom 15.02.1974 bis 21.2.1974 nimmt/nahm der für Ihre Diensteinheit erfaßte

IM/GMS ——— an einer Touristenreise Nr. 10-01-074 nach

SU als Tourist/Reiseleiter teil.

59


Der IM/GMS ist auf der Grundlage des Informationsbedarfs zur Absicherung der Touristenreisen

in das sozialistische Ausland, entsprechend meines Schreibens vom 24. 3. 1971 Tgb.Nr. 614/71

zielgerichtet zu beauftragen.

Nach Beendigung der Reise hat der IM/GMS über die getroffenen operativen Feststellungen einen

konkreten Bericht zu fertigen.

Der Bericht ist in 2 facher Ausfertigung bis zum 20.03.1974 an die Abteilung VI Linie SRT zu

übersenden. Im Bericht sind das Reiseland, die Reise Nr. und der Zeitraum der Reise anzugeben.

(Unterschrift)

Kairies

Anlage 1 Blatt Oberstleutnant

Anmerkung

Es war offensichtlich üblich, in jede Reisegruppe des Reisebüros der DDR einen IM einzuschleusen.

Dieser hatte ein vorgegebenes Programm abzuarbeiten. Diese Aufgabe betraf hin und wieder

auch IM an der Universität, hier die GMS „Rolande“ X/1754/80.

D 35.1 Komplexauftrag (Verhalten im Ausland)

60

K o m p l e x a u f t r a g

1. Welche Touristen unterhalten oder suchen Kontakt zu Personen aus WD, WB kapitalistisches

Ausland, wie auch zu Bürgern des jeweiligen Aufenthaltslandes?

Welchen Charakter haben diese Verbindungen?

Sind es organisierte oder zufällige Treffen?

Wer sucht oder versucht, westliche Vertretungen, wie Botschaften, Konsulate, Handelsvertretungen

usw. aufzusuchen?

2. Wer sondert sich ständig von der Gruppe ab und was für Gründe hat er dafür bzw. gibt er an?

3. Wer trägt sich mit dem Gedanken, auf diesem Wege republikflüchtig zu werden bzw. trifft

Vorbereitungen dazu?

Sind bereits konkrete Schritte zu erkennen, ist der ständige Reisevertreter zu verständigen, der

in jeden Land die Interessen des Reisebüros der DDR vertritt.

4. Wer empfängt Post, Geld oder führt Telefongespräche?

Was wird über die Zusammenhänge bekannt?

5. Wer zeigt Interesse für militärische Objekte und Anlagen, einschl. Grenzsicherungen und in

welcher Form?

(Beobachten, Fotografieren, Skizzen, Befragen von Personen usw.).

6. Wer kompromittiert durch sein Verhalten die DDR, indem er

− negative Diskussionen führt

− versucht im Aufenthaltsland nur das "Alte" zu sehen und zu fotografieren usw.,

− versucht, Schiebergeschäfte zu tätigen,

− durch sein Verhalten und Auftreten Anstoß bei den Gastgebern und Gästen erregt, usw.

7. Wer von den Reisenden kann die getroffenen Feststellungen zu Punkt 1 - 6 bezeugen und wie

war die Reaktion des Betreffenden?

Bei der Instruierung ist der IM darauf hinzuweisen, daß er versucht, sich von den betreffenden

Personen ein Persönlichkeitsbild zu verschaffen.

Dabei muß er auch auf die angaben zur Person Wert legen, besonders Beruf, Arbeitsstelle und

Parteizugehörigkeit.


Bei Treffpartnern aus Westdeutschland, Westberlin und dem kapitalistischen Ausland ist außerdem

auf PKW und deren Kennzeichen zu achten und im Bericht konkret anzugeben.

Wenn die Möglichkeit besteht, derartige Feststellungen fotografisch zu dokumentieren, ist der IM

in dieser Richtung zu beauftragen und zu instruieren.

Bei der Abfassung des Reiseberichtes ist darauf zu achten, daß über jede op. angefallene Person

nach den o.g. Punkten zusammenhängend berichtet wird.

D 35.2 Aussprache mit Kandidaten im „International“, 1965

BV Gera Abt. II/A Gera, den 16. 5. 1965

3. Aussprache mit dem Kandidaten

Name, Vorname:

am 4. 3. 1965 im Hotel "International" Jena.

Der Kandidat wurde pünktlich 9.00 Uhr vor der Universität in Jena aufgenommen und in o.g. Restaurant

gebracht. Zu Beginn der Unterhaltung wurden allgemeine Fragen wie die bevorstehenden

Eishockeyspiele und die Ägyptenreise des Staatsratsvorsitzenden besprochen. Dabei konnte ich

feststellen, daß der Kandidat einen regen Anteil am Tagesgeschehen unserer Republik nimmt.

Zu seinem Auftrag beim Internationalen Pysikalischen Seminar in Johann-Georgenstadt berichtete

er:

Alle ausländischen Gäste waren über 50 Jahre alt. Außer einem Dozenten, welcher in Freiburg an

einer selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit arbeitet. Er habe alle Möglichkeiten ausgenutzt, um

mit diesen Leuten ins Gespräche zu kommen. Dabei stellte er fest, daß zwar bis zu einem gewissen

Punkt alle Anwesenden ein politisches Ohr haben, aber bei entscheidenden Fragen auswichen und

vom Thema ablenkten.

Er selbst werde sich aber bis zum nächsten Treff mit seinen möglichen Verbindungen nach WD

beschäftigen und hier vorschlagen, mit welchen Personen unter der studentischen Jugend in WD

durch ihn Kontakt hergestellt werden kann. Seine Perspektive ist nach wie vor Assistent an der

Hochschule für Elektrotechnik in Ilmenau. Er selbst würde es begrüßen, wenn er in Jena weiterarbeiten

könnte, da das ihm auch persönlichen Vorteil im bezug auf seine Frau bringen würde. Seine

Frau schließt in diesem Jahr das Studium der Pharmazie in Brünn ab.

Ich habe ihm gesagt, daß ich mich darum kümmern werde, ob und inwieweit es möglich ist, eine

Assistentenstelle in Jena zu bekommen.

Einschätzung:

Der Kandidat hat noch nicht das richtige Vertrauen zu unserem Organ, ist aber nicht abgeneigt, mit

uns zusammen zu arbeiten. Es kommt darauf an, in Zukunft geduldig auf ihn hinsichtlich der Bedeutung

des MfS einzuwirken.

Maßnahmen:

Mit dem Gen. Nowak von der KD Jena wird vereinbart, daß der Kandidat eine persönliche Aussprache

mit Dr. ——— vom theoretisch-physikalischen Institut führt und in dieser Aussprache den

Wunsch äußert, an diesem Institut zu arbeiten. Daraufhin wird er einen schriftlichen Antrag stellen.

Sollte dieser abgelehnt werden, kann er sich beschwerdeführend an das Staatssekretariat für Hoch-

und Fachschulwesen wenden und dort besteht dann die Möglichkeit, ihn an diesem Institut unterzubringen,

weil von der KD Jena ebenfalls Interesse daran besteht.

(Unterschrift)

S ä u b e r l i c h

Leutnant

61


Anmerkung

Der Kandidat Peter Bussemer wurde Assistent am Theoretisch-Physikalischen-Institut und hat bis

1973 als IMS „Hense“ X/534/66 an das MfS berichtet.

D 36 Lagebericht zu Übersiedlungen (Bereich Medizin), Reisetätigkeit

Kreisdienststelle Jena Jena, 18. März 1986

Ref. Uni rdst-kl

Quelle: IMS "Palmer"

erhalten: Gen. Radestock am 13.03.86

Lageinformation zum Personenkreis der Ersuchenden zur Übersiedlung im Bereich Medizin der

FSU Jena und Tendenzen der Reisetätigkeit

Zum Zeitpunkt 10.03.86 gab es im BM 47 ÜSE-Personen. Im 1. Quartal 1986 kündigten davon 3

Personen und eine Fachschülerin wurde exmatrikuliert.

6 Personen erhielten von Abt. Inneres die Auflassung: in 2 Fällen wurde der Antrag zurückgezogen.

In den Kreisen der Betreuer der Antragsteller wurden zu dem relativ geringen Zuwachs von nur 2

Antragstellern im 1. Quartal 1986 folgende Meinungen geäußert:

− Es gibt bezugnehmend auf den 11. Parteitag und dem anstehenden Treffen (Staatsbesuch) Honecker

- Kohl die Erwartungshaltung, daß es zu gravierenden Erleichterungen im Reiseverkehr

zwischen den beiden deutschen Staaten kommt.

− Die Arbeit der gesellschaftlichen Kräfte in der Betreuung der ÜSE-Personen wird ohne Überschätzung

auch als positiver Einfluß betrachtet.

Von der Quelle wird anhand vergleichender Zahlenwerte über Reisen in dringenden Familienangelegenheiten

das erste o.g. Argument belegt.

Im Zeitraum 1984 und 1985 gab es im BM 250 RdFA, davon waren etwa 97 % Personen des mittleren

med. Personals und nur 3 % gehörten zur med. Intelligenz. In diesem Zeitraum wurde in 2

Fällen die Reisen zum ungesetzlichen verlassen der DDR genutzt (1 x Rentnerreise, 1 x Prof. ——

—).

Dem steht im 1. Quartal 1986 eine Antragstellung für Reisen im BM mit 100 Personen gegenüber.

Die soziale Struktur hat sich bei der medizinischen Intelligenz auf ca. 30 % verschoben. Ein

Mißbrauch der RdFA trat bis 12.03.86 im BM nicht auf. Dieser Druck im Rahmen der RdFA wurde

laut Quelleninformationen durch westliche Medien erzeugt und resultiert auch aus Dialogen der

Parteiführung der SED mit Partnern der BRD. In zwei Fällen wurden im BM abgelehnte RdFA

durch Eingaben höheren Ortes erwirkt.

(Prof. ——— Inst.-Direktor Kommunalhygiene und Apothekerin ———).

Anhand dieser Entwicklungstendenzen mit der Rückläufigkeit der Antragstellung zur Übersiedlung

und die Zunahme der RdFA erklärte die Quelle o. g. Situation.

Das zweite Argument über den Einfluß der Betreuer wird in gewisser Weise aus dem Inhalt einer

Aussprache mit dem ÜSE Dr. ——— gestützt. Nach der Auflassung nahm ——— mit der Quelle

aus eigenem Antrieb eine Aussprache wahr.

Aus ——— Ausführungen war erkennbar, daß er die kaderpolitische Strategie und Taktik des BM

in der Arbeit mit ÜSE-Personen exakt kannte. Er gab zu verstehen, daß er zum Zeitpunkt der Antragstellung

überzeugt war, daß seine Übersiedlung genehmigt war. Er schätzte auch ein, daß der

folgende Weg wiedererwarten sehr dornig war, und daß er selbst den Weg der Konfrontation gesucht

hatte.

62


Im Sinne der Argumente des Löwenthal/ZDF, der die Kaderleiter als hartherzig und bürokratisch

darstellte, empfahl Dr. ——— der Quelle, mit den Antragstellern nicht zu hart ins Gericht zu gehen

und die fachliche Entwicklung weiterlaufen zu lassen.

Dr. ——— spielte auf die Ausschließung seiner Frau aus dem Facharztkolloquium an und bedauerte

diese Härte.

Eine weitere Empfehlung äußerte Dr. ———, daß in der Kaderarbeit nicht vordergründig die Bewußtseinsentwicklung

(politische) und die Erziehung zur staatsbürgerlichen Pflichterfüllung stehen

sollte, sondern auch zunehmend moralische Werte.

Die Quelle schätzte ein, Daß der bisher eingeschlagene Weg mit der Betreuung der ÜSE sichtbare

Spuren hinterlassen hat.

Auswertung:

(Unterschrift)

Radestock

Hauptmann

1. Lage ÜSE im Vorfeld 11. PT

2. Auswertung der weiter zu verfolgenden Probleme in der Analyse Medizin 9/86

Anmerkung

In den 80er Jahren spielte die Überwachung der Antragsteller auf ständige Ausreise eine immer

größere Rolle. Der IMS „Palmer “XV/3455/67 (KN Dr. Hannes Peuker) als Direktor für Kader

und Weiterbildung des Bereiches Medizin war natürlich über den diesbezüglichen Stand bestens

informiert. In dieser Zeit wurden den Antragstellern politisch zuverlässige Mitarbeiter als Betreuer

zugeordnet mit der Aufgabe, möglichst eine Rücknahme des Ausreiseantrages zu erreichen.

D 37 Fernschreiben private BRD-Reise

cfs 1815

bv gera

kd jena 573/89

??/Uni

reise in pra

die in ihrem verantwortungsbereich taetige person

dr. ———

——— n. erf.

rpt ———

wh.: ———

nw.: jena, ———

taetig als lektor an der friedrich-schiller-universitaet jena

beantragte vom 28.07.89 bis 06.08.89 eine reise zur goldenen hochzeit der

tante

———

———

rpt ———

wh.: ———

in die brd.

63


es wird um mitteilung gebeten, ob ablehnungsgruende zur reise des dr. ——— vorliegen.

erfolgt bis zum 06.07.89 keine mitteilung, wird vom einspruchsrecht des mfs gegenueber der dvp

kein gebrauch gemacht.

bv erfurt kd muelhausen

guth/zimmer

cfs 194 der kd

Anmerkung

Dieses Fernschreiben der KD Mühlhausen an die KD Jena zeigt, das Personen, die Reiseanträge

in die BRD in dringenden Familienangelegenheiten stellten, durch das MfS überprüft wurden und

daß das MfS ein Einspruchsrecht gegenüber der Deutschen Volkspolizei besaß.

D 38.1 Bekanntwerden eines Kandidaten

Horn

Kreisdienststelle Jena Jena, den 3.3.62

Operativgr. Universität Ku/-

64

Bekanntwerden des Kandidaten

F r e e s e , Karl

———

Jena, ———

Oberassistent am Institut für M-L

Leiter der Fakultätsabteilung Theologie

———

———

deutsch, deutsch

nicht vorbestraft

SED, FDJ, FDGB, DSF, KB

ist mir durch die Arbeit an der Universität schon vor längerer Zeit bekanntgeworden. Mit ihm bestand

offizieller Kontakt von seiten des Gen. Jagiela. Auch ich habe den Gen. FREESE öfters aufgesucht,

da er verschiedentlich Veranstaltungen der ESG aufgesucht hat und uns darüber berichtete.

Gen. FREESE arbeitete mit dem Gen. Jagiela als KP unter den Decknamen "Friedrich" zusammen.

Da der Kandidat Leiter der Fakultätsabteilung Theologie des Instituts für M-L geworden ist, wird

er in Vorlauf mit dem Ziel einer Anwerbung genommen. Gen. FREESE kann in unserem Auftrag

seine Mitarbeiter so anleiten, daß sie neben ihrer Tätigkeit als Assistent auch Fragen in unserem

Interesse klären. Außerdem kann er sich unter den Theologiestudenten und dem Lehrkörper als

Tipper betätigen und die Kandidaten durch entsprechende Beeinflussung und Lenkung für eine

Anwerbung als IM vorbereiten. Außerdem kann er sich weitere Verbindungen bei solchen Personen

schaffen, die uns im Rahmen der ESG oder Kirche interessieren, wo wir jedoch nicht heran

kommen.

(Unterschrift)

K u t t a

op. Mitarbeiter

D 38.2 Information zu Vorkommnissen bei der stattgefundenen Volkswahl (Horn)


Kreisdienststelle Jena Jena, 7. Juli

1986

Ref. PUT I cra-kl

Tonbandabschrift

Quelle: Horn

erhalten: Gen. Cramer am 30.06.86

Information zu Vorkommnissen bei der stattgefundenen Volkswahl am 08.06.86 an der Sektion

Theologie der FSU Jena

Die Sektionsleitung der Sektion Theologie, insbesondere Prof. ——— und Prof. ——— hatten in

Vorbereitung der Wahlen eine ganze Reihe von individuellen Gesprächen mit den Studenten. Beide

hatten den Studenten gesagt, daß sie Bedenken bezüglich der Wahl oder Probleme, die sie mit

der Wahl haben, ihnen unter 4 Augen anvertrauen könnten. Davon haben etwa 16 Studenten

Gebrauch gemacht. Laut Ausführungen von Prof. ——— mir gegenüber haben diejenigen Studenten

Bedenken geäußert über den Wahlmodus oder besser gesagt über die Art und Weise der Auszählung

der Stimmen. Es waren Studenten höherer Studienjahre, die vor 2 Jahren erlebt hatten, wie

Wahlscheine, die seitens der Wahlabgeber ordentlich als ungültig oder als nein-Stimmen deklariert

werden sollten, als gültig gezählt werden sollten. Prof. ——— und Prof. ——— wirkten daraufhin,

daß die Studenten doch möglichst zur Wahl kommen, natürlich könne man sie nicht zur Wahl

zwingen und schon gar nicht dazu, in welcher Form sie ihre Stimme abgeben. Kurz vor den Wahlen

hat als Bezirkskandidat Prof. ——— an der Sektion Theologie gesprochen. Ein Großteil der

Fragen ging wiederum um den Wahlmodus und wie mir Prof. ——— versicherte, hat er ahnend,

daß sich an der Sektion Theologie etwas zusammenbrauen kann, ein internes Protokoll dem Oberbürgermeister

zugestellt, mit der Bitte, dafür zu sorgen, daß in diesem Jahr bei der Stimmauszählung

absolut korrekt und im Sinne des Wahlgesetzes gehandelt werden sollte.

Bei den Wahlen selbst war die Sektion Theologie und die Sektion Biologie vertreten, also ein relativ

kleiner überschaubarer Kreis.

Aufgrund der Informationen von Prof. ———, daß etwa 16 Studenten trotz der Aussprachen nicht

zur Wahl erscheinen würden, hat der Schriftführer des Wahlvorstandes auf wohl Dienstwege unter

dem Siegel der Verschwiegenheit eine Zweitform der Wahlliste erhalten, in dieser Wahlliste waren

16 Studenten, eben die 16, die gar nicht kommen würden, nicht in der laufenden Numerierung

enthalten. Von den 16 Studenten sind dann doch 3 zur Wahl erschienen und die Schriftführer mußte,

damit im Endergebnis aller übereinstimmt, heimlich in die Wahlurne einen sogenannten Wahlschein

legen bzw. einen Sonderwahlschein legen. Bei der Stimmauszählung ergab sich nun aufgrund

dessen, daß zwei verschiedene Wahllisten vorhanden waren, daß nur noch 2 Studenten als

Nichtwähler erschienen. Seitens des FDJ-Sekretärs der Sektion Theologie, der mit im Wahlvorstand

sich befand, wurde diese Auszählung angezweifelt. Der Schriftführer hat ihm, dem FDJ-

Sekretär, kurz die Wahlliste gezeigt und hat gesagt, sehen sie, sie brauchen doch nur nachzuzählen,

hier ist die Numerierung und es fehlen nur 2 Stimmen.

So ist dann das amtliche Ergebnis herausgekommen, daß 2 Studenten der Sektion Theologie nicht

zur Wahl erschienen sind.

Prof. Sch———, Prof. ——— und die beiden Assistenten der Sektion Theologie, die mit im

Wahlvorstand vertreten waren, behaupteten hinterher, allerdings unter 34 Augen, daß ihnen mindestens

12 - 13 Studenten namentlich bekannt seien, die nicht zur Wahl erschienen seien.

Am dienstag nach der Wahl haben die Studenten untereinander sich auf Ehre und Gewissen befragt,

wer nicht zur Wahl gewesen sei. Sie haben untereinander festgestellt, daß 12 oder 13 Studenten

nicht zur Wahl erschienen sind, daß also die Zahl 2 nicht exakt sei. Zum Glück waren an der

Sektion Theologie inzwischen Prüfungen, so daß nicht die Möglichkeit bestand, oder nur schwer

bestand, daß direkte Versammlungen seitens der Theologiestudenten durchgeführt werden konnten.

Das ist aber nur ein glücklicher Umstand, denn es ist nicht einmal bewiesen, daß nicht doch heimlich

eine Versammlung stattgefunden hat. Fest steht jedenfalls, daß alle Studenten im Grunde ge-

65


nommen wissen, daß bei der Wahlauszählung nicht exakt gehandelt worden ist. Der Schriftführer

erhielt über die Universitätsparteileitung die Weisung, sollten erneut Anfragen an ihn herangetragen

werden, wie es zu dieser eigenartigen Stimmauszählung gekommen sei, soll er alle Schuld auf

sich nehmen und erklären, er habe sich um 10 Stimmen verzählt.

Soweit der Sachverhalt. Ich persönlich bin der Meinung, daß aufgrund dieses Verfahrens zwar ein

optisch gutes Wahlergebnis wir haben, aber daß es uns Mühe kostet in den nächsten Monaten, ein

stabiles Vertrauen zu den Studenten herzustellen und daß wir bei der nächsten Wahl mit noch ganz

anderen Verhaltensweisen seitens der Theologiestudenten rechnen müssen.

66

Quelle

D 38.3 Tonbandabschrift über Beratung beim Prorektor (Quelle Horn)

Kreisdienststelle Jena Jena, den 08. 12. 1977

Referat XX

- Tonbandabschrift -

Quelle: FIM "Horn"

erhalten: Genosse Köhler und Genosse Schaller am 07. 12. 1977

Am 17. 11. 1977 fand eine Beratung unter Leitung des 1. Prorektors der Universität statt. An dieser

Beratung nahmen teil:

Prorektor Schützenmeister, Prof. Fischer, Gen. Meier, Prof. Heß, Gen. Frese und Genn. Wettig,

Gen. Tennigkeit war eingeladen, war aber verhindert, da Tag des Parteiarbeiters war.

Diese Beratung hatte der erste Prorektor einberaumt auf Grund dessen, daß in den vergangenen

Wochen seitens der Koordinierungsgruppe bei der Kreisleitung bzw. beim Rat der Stadt, Kirchenfragen

Kritik an der analytischen Arbeit und der Führung der Arbeit auf kirchenpolitischem Gebiet

an der Universitätsleitung geübt worden war.

Seit Jahren hatte die Praxis darin bestanden, daß Aufträge seitens der Koordinierungsgruppe, die

an den ersten Prorektor gegangen waren, dem Gen. Frese zugeschoben wurde und er im Alleingang

bzw. mit Gen. Meier versuchte Analysen herzustellen, die natürlich nur fragmentarischen Charakter

haben konnten und vornehmlich aus den Kenntnissen auf dem Gebiet der Sektion Theologie

und dem Übertragen dieser Stimmung auf die Junge Gemeinde gekennzeichnet waren.

Anregungen, die der erste Prorektor erhalten hatten vom Gen. Frese, der Gestalt, ein ständiges

Aktiv zu gründen, fanden beim Gen. Tennigkeit wenig Gegenliebe. Der Versuch des ersten Prorektors

die Kirchenfragen anzubinden am Sicherheitsaktiv scheiterten. So hat sich dieser unerfreuliche

Zustand hingezogen bis Anfang November, wo Gen. Frese seitens des Rates der Stadt und der

Kreisleitung die Kritik am ersten Prorektor und der Universitätsparteileitung entgegennehmen

mußte und diese Kritik und die Aufgabenstellung dem ersten Prorektor übermittelte.

Die Beratung fand in einer sehr sachlichen Atmosphäre statt, Es wurde festgelegt, daß zu dem

genannten Personenkreis noch hinzugezogen werden, im Januar, die beiden Kaderleiter der Universität,

d.h. für den Bereich Universität selbst und für den Bereich Kliniken. Die Prorektoren bzw.

Direktoren für Studentenangelegenheiten wurden mit der Aufgabenstellung konfrontiert. Aus den

Bewerbungsunterlagen zu sieben, welche Studenten auf Grund der Abitureinschätzungen religiös

gebunden sein könnten.

Sie stimmten zu, daß diese Unterlagen doch zu einem großen Teil aussagekräftig sein, und würden

sehr vertrauensvoll und abgesichert eine solche Aufgabe übernehmen.

Prof. Heß als Direktor der Sektion M/L meinte, daß, bei entsprechender Anleitung der einzelnen

Seminarleiter im marxistisch-leninistischen Grundlagenstudium auch eine größere analytische

Tätigkeit durchgeführt werden könnte, in der Hinsicht, welche Studenten wahrscheinlich den Landeskirchen

Magdeburg bzw. der Landeskirche Sachsen angehören.


Durch die Einbeziehung der beiden Kaderleiter wollen wir versuchen an die Problematik heranzukommen,

was die religiösen Aktivitäten von Wissenschaftlichen und technischen Mitarbeitern der

Universität anbetrifft bis hin zu Fragen der Aufklärung, wer in Hauskreisen tätig ist. Das Gremium

war sich einig, daß diese gesamte Arbeit in aller Verschwiegenheit durchgeführt werden muß.

Mein Eindruck ist, daß alle Anwesenden praktisch auf Grund dessen, daß sie zum erstenmal zusammenhängend

mit kirchenpolitischen Fragen konfrontiert wurden, und insbesondere auch mit

aktuellen Problemen der Bischofswahl, dieser Problematik sehr aufgeschlossen gegenüberstehen

und sie nicht als eine Reoroseabgelegenheit∗ betrachten.

Das nun gebildete Aktiv, dessen organisatorische Leitung die Genn. Wettig übernehmen wird, ist

im Grunde genommen auf meine Überlegungen zurückzuführen, denn es war auf die Dauer unmöglich,

daß ich allein die kirchenpolitische Arbeit an der Universität analysiere und anleite. Seitens

des ersten Prorektors hatte ich dazu seit längerer Zeit Unterstützung. Das die Sache so lange auf

sich waren ließ, lag m. E. primär am Sekretär der Universitätsparteileitung an Gen. Tennigkeit.

Dank der Hilfe der Koordinierungsgruppe, die über die Kreisleitung und über den Rat der Stadt

direkt Aufgaben an den ersten Prorektor stellt, auch wenn sie diese Aufgaben über mich übermitteln

ließen, war praktisch nun die Universitätsleitung gezwungen einen größeren Kreis von Mitarbeitern

in die analytische Tätigkeit einzubeziehen.

Anmerkung

∗ soll sicher Ressortangelegenheit heißen

D 38.4 IM-Bericht „Horn“

gespr. "Horn"

Kreisdienststelle J e n a Jena, den 26. 2. 63

Betr.: ———

Jena, ———

Am 5. 2. 63 teilte der GI "Richard Horn" mir mit, daß seine Frau mich persönlich sprechen wolle.

Ich bin bei der Frau als Mitarbeiter des MfS bekannt, sie weiß jedoch nicht daß ihr Gatte ständig

für uns arbeitet.

Am 7.2.63 fand bei der Frau des GI in deren Wohnung die Aussprache statt. Die Frau des GI (Betriebsärztin

im VEB Zeiss) teilte mir dabei vertraulich folgendes mit:

Zwischen Weihnachten und Neujahr vergangenen Jahres erschien bei ihr zur Behandlung der Vater

der ——— und war mit den Nerven völlig herunter. Da keine organische Schädigung vorhanden

war, drang sie in den D. ein, wieso er mit seinen Nerven so herunter sei. D. bekam einen Weinanfall

und teilte der Ärztin unter dem Siegel der Verschwiegenheit mit, daß seine Tochter ———

von der K oder Staatssicherheit (konkret konnte sich die Quelle nicht mehr erinnern) vor Weihnachten

1962 zur Vernehmung geholt worden wäre. Dort sei sie so zusammengeschlagen worden,

daß der Unterkiefer gebrochen ist. Sie mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Dies zehre so

an den Nerven des D., daß er nicht mehr wisse, was er machen soll.

Von der Ehefrau des GI wurden Ermittlungen durchgeführt und festgestellt, daß die ———. am

11.12.62 tatsächlich in die Betriebspoliklinik Zeiss zur Behandlung kam, da sie an der rechten

Kopfseite starke Schlagstellen aufwies. Den behandelnden Arzt gegenüber verweigerte sie die

Auskunft∗, was auch in der Krankengeschichte niedergelegt wurde. Sie wurde geröntgt und dabei

wurde festgestellt, daß sie eine Unterkieferfraktur hat. Sie wurde an die Zahnklinik der Univ. Klinik

zur Weiterbehandlung überwiesen und am 14.1.63 wieder arbeitsfähig geschrieben.

Der Vater der ———. sagte der Frau des GI, daß seine Tochter nach der Vernehmung ein Revers

unterschreiben mußte, worin steht, daß sie von der Treppe gefallen sei und sich dabei die Verletzungen

zugezogen habe. Sie dürfe nicht über die Tatsache sprechen, daß sie von den Sicherheitsorganen

geschlagen worden sei.

67


Die Quelle bat um vertrauliche Behandlung dieser Angaben, da dieses unter ihre ärztl. Schweigepflicht

fällt, sie aber diese Angelegenheit uns trotzdem zur Kenntnis und Überprüfung bringen

möchte. Sie hat in der Abteilung des Mädchens des VEB Zeiss mit verschiedenen Kollegen gesprochen

und es sei dort nicht bekannt, woher die Unterkieferfraktur ursächlich stamme.

Inzwischen wurde festgestellt, daß die ——— auch gegenüber anderen Personen in ähnlichem

Sinne gesprochen hat und diese Angelegenheit vom Staatsanwalt Lindental untersucht wird. Deshalb

wurden keine weiteren Maßnahmen eingeleitet, um die Konspiration einzuhalten.

∗ über die Ursache

68

(Unterschrift)

K u t t a

Leutnant

D 38.5 Treffen FIM „Horn“ (Sekt. Theologie) mit Genossen in Berlin

Kreisdienststelle Jena, 13. 02. 1980

Referat XX

- Tonbandabschrift -

Quelle: FIM "Horn"

erhalten: Gen. Köhler am 07. 02. 1980

Zusammentreffen mit ——— und Gen. Voigt in Berlin

Zum Verlauf der Reise. Am Mittwoch, dem 30. 01. 1980 traf ich gegen 10.30 Uhr im Interhotel

"Stadt Berlin" ein. Meldete mich bei der Rezeption unter der mir in Jena gegebenen Zimmer-Nr. B

1430/301.

In der Rezeption wurde mir gesagt, daß ich dazu eine Anmeldekarte haben müßte und das sei auch

keine Zimmer-Nr. .

Als ich erneut diese vermeindliche Zimmer-Nr. angab, wandte sich ein weiterer Mitarbeiter der

Rezeption an mich und sagte, sie haben das verwechselt und aus dem anfangs sehr ironischen Ton

wurde er vertraulich, gab mir den Anmeldezettel, strich sofort die notwendigen Angaben zur Person

durch und vermerkte auf dem Zettel o. A., das heißt wahrscheinlich ohne Anmeldung. Er

schickte mich zur Kasse, ich bezahlte den notwendigen Betrag für zwei Nächte je Nacht 42,-- M.

Nach dem Bezahlen ging ich wieder zu diesem Mann und nachdem ich vorher mich namentlich

vorgestellt hatte und gesagt hatte, daß ich von Jena von der Universität komme, fragte er mich

erneut nach meinem Namen, etwas ironisch, wahrscheinlich vermutete er, daß ich einem anderen

Namen auftauche, ich sagte ihm den richtigen Namen und er trug ihn auf meine Gästekarte ein.

Daraufhin bezog ich das Hotelzimmer.

Im Laufe des Mittwoch erledigte ich dann vom Zimmer aus zunächst einen Anruf beim Theologieprofessor

FINK. FINK war früher Mitarbeiter der ESG und durch Vermittlung ——— bin ich an

FINK verwiesen worden betreffs Studienmaterial. Ich machte mit FINK telefonisch ein Treffen für

den nächsten Vormittag bei ihm in der Wohnung in Berlin-Karlshorst aus. Dann suchte ich das ZK

der SED, Abt. Kirchenfragen, auf und verhandelte dort einige Stunden mit dem Leiter der Abt. für

Kirchenfragen dem Gen. Bellmann, insbesondere aber mit dem Mitarbeiter dem Genossen Peter

Krauser.

Am Nachmittag des 30. 01. 1980 traf ich mich mit dem Berliner Verbindungsmann, es war abgemacht

18.00 Uhr vor dem Reisebüro. Ich war kurz vor 18.00 Uhr dort. Es waren verschiedene

Personen um diese Zeit dort, die auf andere warteten, die ähnliche Bekleidung hatten, grüner Anorak

keine Hutbedeckung, aber das Kennzeichen ND fehlte. Gegen 18.05 Uhr erschien dann der

Gen. Voigt in der bestimmten Kleidung sichtbar mit dem ND in der Hand, ich sprach ihn unter

dem gegebenen Stichwort an, er antwortete dementsprechend, "jawohl, ich bin in Jena geboren",


wir machten uns miteinander bekannt und suchten das Hotel auf, d. h. zunächst das Hotelrestaurant

um uns ein wenig zu stärken und uns miteinander vertraut zu machen. Dabei stellte sich heraus, daß

das Stichwort "jawohl, ich bin in Jena geboren", nicht nur eine Finte war, sondern wie sich aus dem

Gespräch ergab, stammt Voigt tatsächlich aus Jena.

Auf meine Frage hin, wie er sich schreibt, betonte er, Voigt. Nach einem kurzen Imbis gingen wir

dann auf mein Hotelzimmer und wir sprachen die notwendige Konzeption für das Zusammentreffen

mit ———.

Voigt gab an, daß in der Zwischenzeit eine neue Regie in Berlin durchgespielt worden sei, derGestalt,

daß er nicht Mitarbeiter des Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen, sondern im Magistrat

von Groß-Berlin, in der Abt. I arbeiten würde und zwar verantwortlich sei für Fragen der Information

der Propaganda und der Arbeit bezüglich Westberlin.

Auf mein Fragen, ob das abgesichert sei, im Fall daß ——— beim Magistrat anrufen sollte, bestätigte

mir Voigt ausdrücklich, daß das völlig abgesichert sei.

Voigt wollte von mir wissen, wie ——— bezüglich Afghanistan denken würde. Ich konnte diese

Frage nicht beantworten, da ich seit den Ereignissen in Afghanistan ——— nicht wieder gesehen

hatte. Er beauftragte mich, in den Gesprächen mit ihm ausdrücklich auf Afghanistan zurückzukommen

und insbesondere auch über seine finanzielle Lage nähere Auskünfte einzuholen.

Ich versuchte dann vom Hotelzimmer aus ——— in Westberlin zu erreichen, bekam aber mit dem

Krämer-Haus stundenlang keine Verbindung. erst nach 22.00 Uhr wurde die Verbindung hergestellt,

Am Apparat war die Chefin des Berues. Als ich mich mit Namen und mit Jena meldete, war

sie sehr freundlich und sagte sie möchten Reinie sprechen, eine Sekunde, er kommt sofort. Ich

machte mit ihm einen Treffpunkt aus. Er meinte, daß er arbeitsmäßig und auch persönlich in starkem

Druck steht, er erwartet am nächsten oder übernächsten Tag ein Kind. Wir machten aus, daß

wir uns um 15.00 Uhr im Hotel "Stadt Berlin" treffen.

Nachdem dieser Treffpunkt nun perfekt war, habe ich mit Voigt noch einige Detailfragen abgesprochen,

so etwa wie wir uns ansprechen, Genosse und Nachnamhen. Wir wurden uns einig, daß

wir uns das erste Mal am Tage zuvor bei einer vermeindlichen Beratung im Ministerium für Hoch-

und Fachschulwesen kennengelernt hätten, dort sei über Gaststudenten aus westlichen Ländern

verhandelt worden und ein Großteil der Beratungsteilnehmer habe sich relativ negativ über diese

westlichen Vertreter geäußert, während ich als positives Beispiel ——— angeführt hätte und erklärt

hätte, das ist ein Mann der ein echter Freund der DDR ist, es ist ein Theologe, der auch über

Marxismus und mit den Marxisten korrespondiert, das ist ein echter Verbündeter. Daraufhin habe

Voigt zu mir gesagt, diesen Mann möchte ich leibhaftig einmal kennenlernen. In der weiteren Regie

wurde festgelegt, daß VOIGT ——— veranlassen will oder beinflussen will, Artikel in Zeitungen

der DDR zu schreiben, insbesondere in den Zeitungen der UNION, er meinte in der "Neuen

Zeit".

Ich hatte Bedenken bezüglich der "Neuen Zeit", einmal weil ich weiß, daß ——— Vorbehalte

gegenüber der CDU hat und zweitens die "Neue Zeit" eben das Zentralorgan der CDU ist und für

einen journalistischen Anfänger das wahrscheinlich etwas zu hoch gestochen sei. Zu meinem Erstaunen

wußte Voigt nicht, daß die CDU auch eine Art Bezirksorgan bzw. auf der ehemaligen

Länderbasis Zeitschriften hält, wie z. B. die "Union" u.a.

Nachdem wir diese Dinge abgeklärt hatten, haben wir uns auch geeinigt, daß wir am nächsten Tag

im Hotel uns nur relativ kurz aufhalten würden, d. h. im Hotelrestaurant, da wir festgestellt hatten,

daß dieses Hotelrestaurant erstens sehr überfüllt ist und doch ein recht gemischtes Publikum hat

und die Geräuschkulisse sehr stark ist. Er war damit einverstanden, daß wir uns auf meinem Zimmer

treffen und beauftragte mich für die notwendigen Getränke zu sorgen, die ich in der Hotelbar

kaufen sollte. Auf Grund finanzieller Gründe wies ich ihn daraufhin, daß ich das selbstverständlich

in einem normalen Geschäft kaufe, er war damit einverstanden.

Bezüglich von Gläsern versprach er mir, da nur zwei einfache Wassergläser da standen, daß er sich

um Gläser kümmern würde.

Am nächsten Vormittag besuchte ich den Gen. FINK in Berlin-Karlshorst und besprach mit ihm

Fragen der Studentengemeinde. Nachdem FINK erfuhr, welche Funktion ich an der Sektion Theologie

in Jena habe und das ich seit Jahren dort arbeite und ein recht gutes Verhältnis zu den meisten

Mitarbeitern habe und als ich ihm auch einige personelle Neuigkeiten bezüglich Sektionsdirektor

mitgeteilt hatte. Gab sich FINK sehr aufgeschlossen und erklärte am Ende des Gesprächs, daß er

sich darum bemühe, daß ich in der Geschäftsstelle der ESG Berlin Einsicht nehmen kann in die

offiziellen Dokumente. In diesem Zusammenhang erwähnte er, auf Vermittlung des ZK der SED

69


hätte FINK auch im Parteiarchiv der SED arbeiten könne, und was dem einen recht sei muß dem

andern billig sein.

Anmerkung

Der IM „Richard Horn“ X/243/62 hat über Jahrzehnte Informationen aus der Theologischen

Fakultät und später aus der Sektion Theologie geliefert.

D 39.1 Quittungen

um

70

Quittung

Gera, den 24.8. 1956

Ich erhielt heute für einen Auftrag,

den ich in Westdeutschland für das Ministeri-

für Staatssicherheit erledige, (Überwachung

des 77. kathol. Kirchentages in Köln)

100,- DM in östlicher Währung.

Reinhard Bregulla

V/4 Gera, den 24. 8. 56

Quittung !

Der GI „Schüler“ Reg. Nr. 545/55 erhielt heute für seinen Auftrag

zur

Überwachung des kath. Kirchentages in Köln 100,- DM (einhundert)

schrift)

(Unterschrift) (Unter-

(Unterschrift)

D 39.2 Erklärung zur Mitarbeit als Angestellter der Kirche

- Abschrift - 3. 13. 2

Gera, am 5. 12. 1956


E r k l ä r u n g

Auf Grund meiner längeren Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit bin ich zu

dem Entschluß gekommen, dem Vorschlag der heutigen Unterredung zuzustimmen, als Angestellter

der Kirche bzw. Pfarrer für das Ministerium für Staatssicherheit zu arbeiten. Diesen freiwilligen

Entschluß fasse ich deshalb, weil Ich die gesellschaftsfeindliche Rolle der Kirche erkannt habe und

ich somit den Kampf der Arbeiterklasse und den Aufbau des Sozialismus einen wertvollen Dienst

leisten will.

Ich werde mit dem Kaplan ———, da von dort dieser Entschluß befürwortet werden muss, am

Donnerstag, den 13. 12. 56 diesbezüglich die von dem Mitarbeiter des MfS vorgeschlagene Aussprache

führen.

Eventuell damit zusammenhängende Forderungen werde ich dem MfS schriftlich zukommen lassen.

(Unterschrift)

F.d.R.d.A.

gez. Reinhard B r e g u l l a

D 39.3 Festlegung der Perspektive des GM „Bernhard Schüler“

Abteilung V/4 Gera, den 27. 4. 1960

3. 13. 3.

Aktenvermerk

Betr.: Festlegung der Perspektive des GM "Bernhard Schüler" Reg. Nr. 45/55

Am 5.4.1960 wurde mit Genossen Hauptmann Schulz in Verbindung mit Gen. Major Ludwig über

die weitere Perspektive des GM "Bernhard Schüler" beraten. Der Unterzeichnete trug der Hauptabteilung

V/4 die von "Schüler" vorgebrachten Bedenken für ein Weiterverbleiben am Pristerseminar

vor, die sich in der Hauptsache darauf beziehen, dass er nach seiner heutigen Einschätzung Schwierigkeiten

sieht, ohne eine Verehelichung im Leben nicht auszukommen.

Grundlage war die Stellungnahme Schülers vom 13.2.1960. In der Beratung wurde folgende Linie

für die weitere Arbeit Schülers herausgearbeitet.

1. "Schüler" soll davon überzeugt werden, sein Studium am Seminar voll zu absolvieren.

2. Nach Absolvierung des Studiums wird Schüler nicht die Priesterlaufbahn beschreiten, um seinem

Anliegen später zu ehelichen Rechnung zu tragen, ist ein Einbau in das Staatssekretariat

für Kirchenangelegenheiten vorgesehen.

3. Um "Schüler" eine Starthilfe nach Beendigung seines Studiums zu geben, soll ein Sperrkonto in

einer Höhe von ca. 5.000,-- DM errichtet werden.

Auf der Grundlage der 3 festgelegten Punkte soll mit "Schüler" gesprochen werden, um von ihm

die Zusicherung zum Abschluß seines Studiums zu bekommen. Ist "Schüler" mit dieser Lösung

einverstanden, so soll ein entsprechender Auftrag für "Schüler" zur Bestätigung vorgelegt werden.

Über Herauslösung "Schülers" nach Abschluß seiner Prüfung und Weihe zum Kaplan, wird zum

gegebenen Zeitpunkt eine erneute Beratung in Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung V/4 stattfinden.

71


72

( Unterschrift)

(E r h a r d t)

- Oberleutnant -

D 39.4 Schulungsplan für die Qualifizierung des IMS „Bernhard Schüler“

Kreisdienststelle J e n a Jena, den 18. 8.

1972

Referat Universität Kob/Kom

1. Politische Schulung:

S c h u l u n g s p l a n

für die Qualifizierung des IMS "Bernhard Schüler",

Reg. Nr. X/3393/60 zum FIM

Der IMS ist seit mehreren Jahren hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär an der Friedrich-

Schiller-Universität Jena. Seit 1968 ist er Mitglied der SED und wurde in der letzten Wahlperiode

in die UPL gewählt.

Er besitzt ein hohes marx.-leninistisches Grundwissen.

Gegenwärtig befindet er sich im Fernstudium auf dem Gebiet der Philosophie.

Weiterhin leitet der IM seit zwei Jahren den marxistisch-leninistischen Weiterbildungszirkel für

Angestellte und Sachbearbeiter im Leitungsbereich der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Aufgrund seiner politischen Bildung und seiner hauptamtlichen Tätigkeit im gesellschaftlichen

Bereich ist eine besondere politische Schulung nicht erforderlich.

2. Politisch-operative Schulung:

2.1. - Die Aufgaben des MfS bei der allseitigen Stärkung der DDR und Sicherung der sozialistischen

Gesellschaftsordnung

- Fragen der sozialistischen Rechtspflege

- Rolle, Bedeutung und Aufgaben imperialistischer Geheimdienste im Rahmen der Globalstra-

tegie

2.2. - Formen und Methoden der Feindtätigkeit

• Erscheinungsformen der piD

• Kontaktpolitik und Kontakttätigkeit

• Untergrundtätigkeit, Erscheinungsformen

• von Gruppenbildung

• Methodik der Spionagetätigkeit

- spezielle Erscheinungsformen intelektuellen Untergrundes

im Hochschulbereich Medizin

2.3. - Methoden, Formen und Notwendigkeit konspirativer Arbeit

• Auftragserteilung, Auftragsrealisierung

• Treffdisziplin

• Abfassen von Berichten

• Notwendigkeit der Einhaltung der Konspiration

• Fragen des Verbindungssystems


3. Stellung und Aufgaben des FIM im Arbeitssystem des MfS:

• Stellung der GMS und des FIM

• Treffvorbereitung, -durchführung und Auswertung

• Methoden der Verbindungsaufnahme

• Verbindungssystem

• Arbeit mit den übergebenen GMS

• Anwendung von Legenden

4. Spezifische Aufgaben des FIM:

Der FIM muß in der Lage sein, solche Aufgaben zu erkennen und selbständig zu lösen, die sich in

der Trefftätigkeit ständig wiederholen, um entsprechende Aufträge an die übergebenen GMS erteilen

zu können:

• Information zu aktuell-politischen Ereignissen

• Rolle und Bedeutung dieser Informationen

• Abfassung der Informationen hinsichtlich einer ständigen Lageeinschätzung des zu sichernden

Bereiches

• Anfertigung von Personeneinschätzungen nach der Fragestellung "Wer ist Wer?"

5. Plan der Schulung:

Zur Durchführung der Schulung werden die in den Monaten September und Oktober

vorgesehenen Treffs genutzt.

Die Treffestlegung erfolgt bei den jeweiligen Zusammenkünften. Die Schulung wird in der IMK

"Mond" durchgeführt.

6. Plan der Übergaben:

Es ist vorgesehen, dem FIM "Bernhard Schüler" die jetzigen IMS des Hochschulbereiches Medizin

zu übergeben.

− "Erich Krause"

− "Hanke"

− "Siegfried"

− "Rolf"

Im Zeitraum vom September bis Oktober werden die IMS zu GMS umregistriert und im November

und Dezember dem FIM übergeben. Die zunächst vorgesehene Stärke 1972 des FIM-Systems

"Bernhard Schüler" ist 1 : 4.

(Unterschrift) (Unterschrift)

N o w a c k K o b e r

Hauptmann Unterleutnant

Referatsleiter

Leiter der Kreisdienststelle

(Unterschrift)

E r h a r d t

Major

73


Anmerkung

Vom Priesterseminar zum Gewerkschaftsfunktionär und FIM „Bernhard Schüler“ X/3393/60.

Dieses Beispiel zeigt, wie langfristig die Einschleusung von IM in kirchliche Kreise vorbereitet

wurde. Es zeigt aber auch, daß nicht alle Planungen des MfS den gewünschten Verlauf nahmen.

D 40 Weitere Zusammenarbeit mit GMS „Jan“, 1985

Bezirksverwaltung für Jena, 5. März 1985

Staatssicherheit Gera reb-op 1569/8

5

Bezirksverwaltung für

Staatssicherheit Gera

Stellvertreter Operativ

Gen. Oberst Seidel

G e r a

Klärung der weiteren Gestaltung der inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem GMS "Jan"

Bei dem GMS "Jan" handelt es sich um die Person

74

Dr. Jähnig, Hans-Dieter

———

———

Direktor für Forschung/FSU Jena.

Der GMS wurde 1983 zur inoffiziellen Zusammenarbeit verpflichtet und arbeitet seitdem vertrauensvoll

mit dem MfS, KD Jena, Ref. Universität, zusammen. Der GMS ist NSW-Reisekader und

bereist jährlich mehrmals die BRD zum Zwecke der Vorbereitung und Realisierung von Verträgen

seitens der FSU Jena mit Firmen in der BRD. Da sich in den letzten Jahren die Exporttätigkeit der

FSU Jena in die BRD intensiviert hat, ist aus abwehrmäßiger Sicht der Wert des GMS zur Abwehr

negativ-feindlicher Aktivitäten gegen die Exportbezieheungen sowie der Klärung der Frage "Wer

ist wer?" der am Export beteiligten Wissenschaftler sowie der vorbeugenden Verhinderung des

Abflusses von Forschungsergebnissen und geheimzuhaltenden Informationen aus dem Bereich der

FSU gestiegen.

Der GMS stellt somit eine wichtige inoffizielle Schlüsselposition in diesem operativen Prozeß dar.

Seit längerer Zeit werden auch von den sowjetischen Tschekisten, Dienststelle Gera, insbesondere

des Gen. Wolodia, Kontakte zum GMS "Jan" unterhalten und er im Sinne der Aufklärung von

Firmen und Personen in der BRD genutzt, ohne daß es bisher dazu eine Abstimmung mit der IMführenden

DE gab. Damit entstehen Fragen der Gewährleistung der Konspiration, der Überprüfung

des GMS auf Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit und der Sicherheit des GMS im Operationsgebiet.

Durch die verstärkten Exportbeziehungen und der damit verbundenen Intensivierung der Reisetätigkeit

des GMS und damit verbundener Mängel in Regimefragen im Bereich des Ministeriums für

Hoch- und Fachschulwesen (z. B. mangelnde oder nicht vorhandene Regelungen über finanzielle

Mittel, Reisemöglichkeiten, Dienstreisen wurden teilweise mit Privat-Kfz. durchgeführt, Abrechnung

und Verrechnung von Leistungen der DDR-Wissenschaftler in der BRD u. a.) sind dem Gegner

Möglichkeiten zur Korruption von DDR-Bürgern objektiv in die Hand gegeben. Zum anderen

ist es nicht ausgeschlossen, auch wenn dazu bisher keine Beweise vorliegen, daß der GMS beide

Sicherheitsorgane gegeneinander ausspielen kann, da die Aufträge gegenseitig nicht bekannt sind.

Da es auf staatlicher Seite keine eindeutigen Regelungen für den Umgang mit finanziellen Mitteln

gibt, besteht die Möglichkeit der persönlichen materiellen Bereicherung und damit der Korruption.


Um solchen Manipulationen vorbeugend entegenzuwirken, ist es notwendig, daß die Steuerung des

GMS nur durch die KD Jena erfolgt, wobei durchaus die Interessen der sowjetischen Dienststelle

in Form eines evtl. Informationsbedarfes mit vertreten werden können. Eine Übergabe des GMS

"Jan" an die sowjetischen Tschekisten ist aus bereits dargelegten Gründen nicht von operativem

Interesse.

Ich bitte Sie, mit dem Leiter der sowjetischen Dienststelle Gera (er nimmt teilweise selbst an

Treff’s teil) die Fragen der Nutzung des GMS abzusprechen und eine Entscheidung über den weiteren

Verfahrensweg zu treffen.

Leiter der Kreisdienststelle

(Unterschrift)

Schleitzer

Oberstleutnant

R. am 15.3.85 mit Gen. GM Zwetkow geführt.

− 50/50 Freunde wollen nicht auf ihn verzichten

arbeiten schon lange mit.. ?

Anmerkung

In der Regel durfte ein IM des KGB nicht gleichzeitig IM des MfS sein. Bei Dr. Jähnig hat offenbar

die gegenseitige Information nicht geklappt. Nach der 50/50 Vereinbarung vom 15.3.85 wurde

der GMS „Jan“ X/451/83 auch beim MfS wie vorher schon bei den „Freunden“ als IM „Otto“

geführt.

D 41 Einsatz- und Entwicklungskonzeption für den IMS „Wendt“, 1987

Kreisdienststelle Jena, 16. Mai

1987

Referat Uni sei-op

Einsatz- und Entwicklungskonzeption für den IMS "Wendt", Reg.-Nr. X/596/85

1. Operative Ausgangslage

Der IMS wurde am 29.5.1987 als IM geworben.

Seit 1970 ist der IMS an der Sektion Mathematik tätig als wissenschaftlicher Sekretär des Stellvertreters

für Forschung und IB-Beauftragter. Mit dieser Tätigkeit hat sie eine Schlüsselposition inne,

denn dadurch hat sie zu fast allen Wissenschaftlern (besonders Reisekadern) und technischen Kräften

gute Kontaktmöglichkeiten. Außerdem ist sie eng eingebunden in die Gestaltung der internationalen

Beziehungen der Sektion.

Die Situation an der Sektion ist dadurch gekennzeichnet, daß die Forschungstätigkeit stärker mit

der Industrie verbunden ist (KCZ und KME) und ein Anwachsen der vertraglich geregelten Zusammenarbeit

mit Universitäten aus dem NSW und eine verstärkte Einreise- und Einladungstätigkeit

zu verzeichnen ist. Es macht sich erforderlich, diese Prozesse stärker operativ zu durchdringen

In der bisherigen inoffiziellen Zusammenarbeit wurde deutlich, daß die Quelle objektiv und subjektiv

in der Lage ist, die zur Durchdringung der Sektion Mathematik notwendigen Informationen

zu erarbeiten.

75


Die Quelle besitzt verwandtschaftliche Beziehungen in die BRD, führte eine DFA-Reise durch und

berichtete über diese Reise ausführlich. Der IM brachte in der bisherigen Zusammenarbeit seine

vorbehaltlose Unterstützung unseres Organs zum Ausdruck.

2. Politisch-operative Zielstellung der Qualifizierung

Die Quelle ist dahingehend zu qualifizieren, daß sie operativ bedeutsame Informationen

− zu möglichen gegnerischen Stützpunkten im Rahmen der Forschungstätigkeit, der Reisetätigkeit

sowie der wissenschaftlichen Veranstaltungen mit Beteiligung aus dem NSW;

− zur Aufklärung gezielter Aktivitäten in Verbindung mit den Einreisen;

− zu Hinweisen von politisch-operativ interessanten Kontakten ins Operationsgebiet und

− zur weitestgehenden Klärung der Frage "Wer ist wer?" unter den Mitarbeitern der Sektion

geben kann.

Im Prozeß dieser Qualifizierung ist die Fähigkeit des IM auszubauen, Personen und Prozesse an

der Sektion unter sicherheitspolitischen Aspekten zu betrachten und zu werten.

3. Festlegung der zu realisierenden Aufgaben

Die Qualifizierung der Quelle erfolgt bei den Treffs, in dem durch den operativen Mitarbeiter das

komplexe Wissen des IM zu den Prozessen und den Mitarbeitern der Sektion abgeschöpft bzw.

allseitig genutzt wird. Dazu sind folgende Arbeitsschritte durch die Quelle zu realisieren:

− Klärung der Frage "Wer ist wer?" unter dem Umfeld der Quelle, im Arbeitsbereich und unter

den Verwandten, besonders denen in der BRD;

− Weiterführung des Prozesses "wer ist wer?" unter den Hauptwissensträgern und aktivsten Reisekadern

der Sektion (Prof. ———, Dr. ———, Dr. ———), zu den Wissenschaftlern mit

ausgeprägten Kontakten zu Industrie (KCZ);

− Darstellung der eigenen objektiven Möglichkeiten/Tätigkeiten lt. Funktionsplan sowie die

Möglichkeiten durch Verbindungen an der FSU, an der Sektion und im Freizeitbereich;

− Erarbeitung einer Übersicht über die Kontaktentwicklungen in der Sektion (wer, wohin, Inhalt,

Personen);

− Erarbeitung bzw. Organisierung der Anfertigung von Betreuerberichten zu Besuchspersonen

aus dem NSW;

− Einschätzung zum Stand der Durchsetzung des Geheimnisschutzes in seiner Komplexität und

Verbindung mit der Besucher-/Betreuerordnung der FSU sowie der Erhöhung von Ordnung

und Sicherheit an der Sektion.

In enger Verbindung mit den erreichten Arbeitsergebnissen wird der IM anhand dieser geschult zu

− Wesen und Inhalt der Konspiration sowie deren praktische Realisierung;

− Feindtätigkeit und deren Erscheinungsformen;

− Arbeit mit Legenden;

− Kontaktierung/Kontaktführung mit NSW-Wissenschaftlern;

76


− Präzisierung des Feindbildes und

− begünstigende Bedingungen für Straftaten und politisch-negative Entwicklungstendenzen.

4. Festlegungen zur Einhaltung der Konspiration und der Überprüfung der Ehrlichkeit

Die Quelle wird in der IMK/KW "Zentrum", Reg.-Nr. X/244/86, getroffen.

Eine Übergabe an den HFIM "Hebel" wird geprüft, da es sich bei dem IM um einen Hochschulkader

handelt.

Die Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit des IMS wird im Zusammenhang mit der Erarbeitung von

Informationen anderer Quelle abgeprüft.

Referatsleiter

(Unterschrift) (Unterschrift)

Ehrler Seifert

Major Hptm.

Leiter der Kreisdienststelle

i.V. (Unterschrift)

Schleitzer

Oberst

Diese E/E-Konteption muß mit dem vorliegenden Informationsbedarf zur Sicherung der Hoch- u.

Schlüsseltechnologien eine Einheit bilden.

D 42 HFIM-System „Hebel“

Bezirksverwaltung Jena, 24. 10. 1986

für Staatssicherheit Gera peu-h 5771 / 86

Kreisdienststelle ci 1344/86

bestätigt:

Leiter der Bezirksverwaltung

(Unterschrift)

Lehmann

Generalmajor

V o r s c h l a g

zur Erteilung von Ausnahmegenehmigungen entsprechend der 2. DB zur RL 1/79 zur weiteren

Führung von IM/GMS durch den HFIM "Hebel" - Reg.-Nr. X/60/84 -

Das HFIM-System "M. Hebel" - Reg.-Nr. X/60/84 - wurde 1984 durch das Referat Universität

unserer DE mit den Zielstellungen:

− Gewährleistung einer ständigen präzisen Einschätzung und Beherrschung der politischoperativen

Lage im Verantwortungsbereich des Referates Universität unserer DE unter Beach-

77


tung des Wirkens negativer Kräfte im Territorium zur Realisierung der bestehenden Informationspflichten

innerhalb unseres Organs und an die zuständigen Partei- und Staatsorgane

− Durchsetzung einer kontinuierlichen Beschaffung und analytischen Verarbeitung/Einschätzung

von Informationen aus allen Teilbereichen der FSU Jena, insbesondere zur Aufdeckung begünstigender

Bedingungen für Straftaten gem. Par. 213/100 StGB unter Angehörigen der medizinischen

Intelligenz

− Organisierung der weiteren Durchdringung gegnerischer Zielgruppen in den Lehrkörperbereichen

der FSU Jena, insbesondere in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichen, bei

ständiger Klärung der Frage "Wer ist wer" und der weiteren positiven Profilierung des E.-u.-A.-

Prozesses und der Durchsetzung des Geheimnisschutzes in besagten Bereichen

− Freisetzung von Kräften und Mitteln durch Umverlegung der inoffiziellen Potenzen für eine

konzentrierte Feindbekämpfung in den einzelnen Schwerpunktbereichen des Referates Universität

unserer DE.

geschaffen und aufgebaut und hat derzeit eine Stärke von 1 : 20 IMS/10 GMS/7

IMK/KW.

Zur Durchsetzung o. g. Zielstellungen wurden insbesondere Ärzte, Lehrkräfte und Wissenschaftler

aus den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichen, ehemalige RK bzw. RK, welche seit

mehr als 6 Jahren nicht mehr zum Einsatz gekommen sind und z. Z. nicht für Reisen geplant sind,

aber noch im Uni-RK-Stamm integriert sind, GT und Angestellte aus den verschiedensten Bereichen

und Leitungsebenen der FSU Jena an den HFIM "Hebel" übergeben.

Heute ist einzuschätzen, daß sich dieses System bestens zur operativen Legeeinschätzung, der

Klärung der Frage "wer ist wer" im Rahmen der Sicherung des gesamten Personals der FSU Jena,

insbesondere der aufzuklärenden und bestätigten Reisekader/Auslandskader und Geheimnisträger

und zur Einschätzung der Stimmung /Reaktion unter Lehrkräften und Wissenschaftlern der FSU

Jena bewährt hat und somit einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Gesamtaufgabenstellung

des Referates Universität unserer DE leistete.

Dies zeigte sich insbesondere in der Vorbereitungs-, Durchführungs- und Auswertungsphase zur

Aktion "Kampfkurs XI", zu der durch das HFIM hochwertige und in sehr guter Form zusammengefaßte

Berichte zur Stimmung/Reaktion unter Wissenschaftlern und Angehörigen der FSU Jena

erstellt wurden.

In der Aufklärungsarbeit "Wer ist wer" wurden tiefgründige Personencharakteristiken angefertigt,

die wesentlich zur Entscheidungsfindung beitrugen. Es konnte eine Vielzahl von OAM angelegt

werden. Anhand der operativen Ergebnisse kann eingeschätzt werden, daß das HFIM-System "Hebel"

im gegenwärtigen Bestand effektiv arbeitet. In diesem Zusammenhang muß festgestellt werden,

daß durch die Arbeit o. g. Systems eine deutliche Erhöhung der Konspiration in der Zusammenarbeit

mit der inoffiziellen Basis im Referat Universität der KD Jena zu verzeichnen ist.

Der HFIM "Hebel" selbst ist Hochschulkader und war jahrelang als Leiter der Kreisparteischule

Jenas tätig.

Er arbeitet seit Februar 1984 mit hoher Einsatzbereitschaft, Engagement und Zuverlässigkeit mit

unserem Organ und mit den ihm zur Steuerung, Instruierung und Abschöpfung übergebenen Quellen

zusammen und wurde mit o. g. Begründung bereits mehrmals prämiert.

In der Zusammenarbeit mit den ihm übergebenen Quellen bewies er Selbständigkeit, jederzeit

parteilich korrektes Auftreten und sehr gute Fähigkeiten zur Erziehung der Quellen und zur konspirativen

Tätigkeit unter allen Bedingungen.

Die für den HFIM selbst und in der Zusammenarbeit mit seinen Quellen gewählte Legendierung

hat sich als standhaft und geeignet erwiesen und ist auch für die Übergabe weiterer Quellen geeignet.

Es bestehen zuverlässige Verbindungssysteme zwischen dem HFIM und seinen Quellen. Das

Vertrauensverhältnis hat sich entsprechend der Kürze der Zusammenarbeit bereits gut ausgeprägt

und wird zu weiteren positiven Ergebnissen führen.

Der HFIM "Hebel" ist z. Z. 46 Jahre. Er ist umfassend aufgeklärt, jedoch nicht als RK und PK

registriert. Entsprechend seines Gesundheitszustandes ist er nicht einstellbar, jedoch bereit und

befähigt, eine hauptamtlich inoffizielle Zusammenarbeit mit unserem Organ bis ins Rentenalter

hinein auszufüllen.

Aus o. g. Begründung zum System und zum HFIM selbst ergibt sich für unsere DE die Notwendigkeit

zur Aufrechterhaltung des HFIM-Systems "Hebel" in seiner gegenwärtigen quellenmäßigen

Zusammensetzung.

78


Deshalb ist die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen entsprechend der 2. DB zur RL 1/79 zu

nachfolgend einzeln aufgeführten 18 IM/GMS notwendig und wird hiermit beantragt:

1. IMS "Hake" - Reg.-Nr. X/139/78

Bei dem IMS handelt es sich um einen Dialysearzt im Fachkrankenhaus für Innere Medizin der

FSU Jena und um einen erprobten Genossen unserer Partei, der aus klarer, innerer Überzeugung

zur Zusammenarbeit bereit ist. Er verfügt über Erfahrungen in der konspirativen Arbeit als auch als

ehemaliger FIM bei der Führung von Quellen. Die Arbeits- und persönlichen Beziehungen zwischen

ihm und dem HFIM sind offen und vertrauensvoll. In der Zusammenarbeit waren bisher

Informationen zu Personen und zur Stimmung/Reaktion im Kliniksbereich erarbeitet.

Der IMS "Hake" arbeitet im Schichtbetrieb.

Da der IMS fachlich und zeitlich stark eingebunden ist, erfolgt lediglich eine Abschöpfung zu

Personen und Sachverhalten und kein aktiver Einsatz zur Bearbeitung von Personen/Sachverhalten.

Die Zusammenarbeit hat sich mit dem HFIM bewährt.

2. IMS "Schmidt" - reg.-Nr. X/534/77

Die Quelle ist Assistenzarzt am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der FSU Jena. Der

IMS zeichnete sich von Beginn an durch unbedingte Zuverlässigkeit und klare Haltung zur inoffiziellen

Zusammenarbeit aus.

Sie ist Mitglied der SED.

In der Zusammenarbeit mit dem HFIM (Februar 85) wurden Einschätzungen zu Personen und

Informationen zu Stimmung/Reaktion als auch Hinweise zum Auftreten von Wissenschaftlern, die

von NSW-Einsätzen zurückkehrten, erarbeitet. Die Quelle ist deutlich um ihre persönliche Qualifizierung

bemüht.

Ein Einsatz der Quelle zur operativen Bearbeitung von Personen/Sachverhalten ist vorerst nicht

geplant.

Die Zusammenarbeit mit dem HFIM hat sich unter o. g. Aufgabenstellungen bewährt.

3. IMS "Hölzer" - Reg.-Nr. XV/4875/62

Der IMS "Hölzer" ist Narkosearzt und Leiter der Anästesieabteilung der FSU Jena. Er arbeitet

langjährig zuverlässig und ehrlich mit unserem Organ zusammen. Gesundheitlich ist er stark beeinträchtigt

und kurierte erst vor kurzer Zeit einen Herzinfarkt aus. Da der IMS "Hölzer" jedoch auf

Grund seiner fachlichen Tätigkeit im gesamten Bereich Medizin Verbindungen unterhält, ist er als

Quelle im Rahmen der "Wer ist wer"-Aufklärung und der Erarbeitung von Informationen zur operativen

Lagebeherrschung sehr wertvoll. Zwischen dem HFIM und o. g. IMS besteht eine sehr gute

Arbeitsbeziehung.

4. IMS "Bert" - Reg.-Nr. X/745/62

Der IMS "Bert" ist Arzt auf dem Gebiet der Kinderneuropsychiatrie und hat in der bisherigen,

langjährigen inoffiziellen Zusammenarbeit mit unserem Organ seine Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit

unter Beweis gestellt.

Er befindet sich z. Z. in einer mehrjährigen Qualifikationsmaßnahme und bringt dazu auch einen

Großteil seiner Freizeit auf. Sein Einsatz erfolgt im Rahmen von peripheren Sicherungsaufgaben

im Sicherungsbereich Medizin. Der IMS "Bert" legt sehr großen Wert auf die Einhaltung der Konspiration.

Mit dem HFIM "Hebel" besteht eine feste Arbeitsbeziehung. Eine nochmalige Übergabe

des IMS könnte zum Abbruch der Verbindung zum MfS führen.

5. IMS "Robert" - Reg.-Nr. X/400/68

Die Quelle ist ausgebildeter Stomatologe und ärztlicher Leiter einer Ambulanz im städt. Gesundheitswesen.

Er ist langjährig mit unserem Organ verbunden und in der Funktion eines Parteisekretärs

einer GO tätig.

Derzeit macht die Quelle einen einjährigen Lehrgang der BPS und ist darüber hinaus stark beruflich

und gesellschaftlich belastet. Sein Einsatz erfolgt auf den gebieten der "Wer ist wer"-

Aufklärung und der Einschätzung der operativen Lage im Gesundheitswesen Jenas. Die Zusammenarbeit

mit dem HFIM "Hebel" hat sich bewährt.

6. GMS "Reuse" - Reg.-Nr. X/1520/80

79


Die Quelle ist seit 85 Facharzt für Allgemeinmedizin und in der poliklinischen Abteilung des FIM

tätig und arbeitet seit dieser Zeit mit dem HFIM "Hebel" zusammen. Da die Quelle im Schichtsystem

arbeitet und entsprechend seiner Persönlichkeitsstruktur lediglich auf den Gebieten der "Wer

ist wer"-Aufklärung und der operativen Lageeinschätzung/Stimmung/Reaktion arbeiten kann, ist

sie innerhalb des HFIM-Systems eine wertvolle Quelle.

Zwischen dem HFIM und dem GMS bestehen gute inoffizielle Arbeitsbeziehungen.

7. GMS "Menzel" - Reg.-Nr. X/1520/80

Die Quelle ist Facharzt in der Chirurgischen Klinik des Bereiches Medizin der FSU Jena und ein

aktives, zuverlässiges Mitglied der SED. Seit seiner Werbung leistete die Quelle Beiträge zur Einschätzung

der politisch-ideologischen Situation unter Ärzten, dem medizinischen Personal und zur

ZV-Ausbildung und gab qualifizierte solide Einschätzungen zu Personen und Sachverhalten. Über

diese passive Arbeitsmethode ging o. g. Quelle in der Zusammenarbeit mit unserem Organ nie

hinaus.

Entsprechend seiner fachlichen und gesellschaftlichen Tätigkeit und seines Umgangs- und Bekanntenkreises

ist o. g. GMS jedoch eine wertvolle Quelle im HFIM-System "Hebel".

8. GMS "Gitte" - Reg.-Nr. X/1774/80

Bei der Quelle handelt es sich um einen wissenschaftlichen Assistenten im WB Anglistik/Amerikanistik

der Sektion Sprachwissenschaften der FSU Jena und um einen seit vielen Jahren

politisch und gesellschaftlich aktiven Kader. Es besteht eine feste politische Überzeugung und die

Einstellung zur Mitverantwortung zur inoffiziellen Zusammenarbeit.

Die Einsatzrichtungen sind den o. g. Quellen gleichgelagert. Im System des HFIM "Hebel" stellt

der GMS "Gitte" eine wertvolle Quelle dar, die insbesondere Beiträge zur Erstellung des Monatsberichtes

zur Stimmung/Reaktion unter Hochschullehrern und Wissenschaftlern erarbeitete.

9. IMS "Hesse" - Reg.-Nr. X/800/81

Die Quelle ist Dipl.-Physiker und promovierte vor kurzer Zeit auf technischem Gebiet in der Sektion

Stomatologie der FSU Jena. Sie leistete in der Vergangenheit wertvolle Beiträge zur Personenaufklärung

(RK/AK/GT) und zur Stimmung/Reaktion aus dem Arbeitsbereich und Freizeitbereich

(Verbindungen zu kulturell tätigen Personenkreisen). Es bestehen feste Arbeitsbeziehungen zum

HFIM auf der Grundlage politischer Überzeugungen.

Da eine Änderung der Einsatzrichtungen nicht vorgesehen ist, stellt der IMS "Hesse" eine wertvolle

Quelle im Rahmen der Aufgabenerfüllung des HFIM-System "Hebel" dar.

10. IMS "Walter" - Reg.-Nr. VIII/1844/71

Bei der Quelle handelt es sich um den Wissenschaftsbereichsleiter technische Chemie der Sektion

Chemie der FSU Jena.

Sie ist langjähriges Mitglied unserer Partei und besitzt sowohl fachlich als auch kadermäßig einen

guten Überblick.

Ihr Einsatz erfolgte bisher analog o.g. Quellen. Auf Grund ihrer fachlichen Tätigkeit bestehen

objektiv gute Voraussetzungen zur Analysierung der Durchsetzung des Geheimnisschutzes. Es

bestehen relevante Beziehungen zur Hochtechnologie. Die Zusammenarbeit mit dem HFIM seit

1985 entwickelte sich gut. Da die Quelle nicht im sinne des II. Qualitätskriteriums verändernd

wirkt, dieses über andere Schlüsselpositionen realisiert wird und die Quelle in Zukunft auch entsprechend

der allgemeinen Aufgabenstellungen des HFIM-Systems arbeiten soll, ist sie in diesem

System sehr wertvoll.

11. IMS "Richter" - Reg.-Nr. X/2694/60

Der IMS "Richter" arbeitet seit 1984 mit dem HFIM vertrauensvoll und äußerst zuverlässig zusammen.

Sie ist promovierter Physiker und ist im Rahmen der Studentenausbildung in der Sektion

Physik und darüber hinaus für methodische Aufgaben verantwortlich. Die Quelle ist des weiteren

im Rahmen mehrerer Gremien mit verantwortlich zur Einführung von Mikroelektronik und Computertechnik

an der FSU Jena. Diesbezüglich hat sie zu hochtechnologie-relevanten Bereichen

Beziehungen und leitet einen Computerclub im Territorium.

Der Einsatz der Quelle wird insbesondere zur Sichtbarmachung von Hemmnissen und begünstigenden

Bedingungen zur Feindtätigkeit und zur Klärung der Frage "Wer ist wer" organisiert und

ist im HFIM-System "Hebel" gut entwickelt.

80


12. IMS "Büchner" - Reg.-Nr. X/948/64

Die Quelle ist als Mitarbeiter und promovierter Physiker im Wissenschaftsbereich KO der Sektion

Physik tätig und hat nur in Teilbereichen Einsichtmöglichkeiten zur Entwicklung der Hochtechnologie

an der FSU Jena.

Sie wurde mit der Übergabe an das HFIM-System zur Klärung der Frage "Wer ist wer", insbesondere

im Rahmen der Aufklärung zu bestätigenden Kadern eingesetzt und erreichte dabei gute Ergebnisse.

Sie informierte über alle Maßnahmen zur Durchsetzung neuer Richtlinien an der Sektion

Physik und ist somit in der Zusammenarbeit mit dem HFIM eine wertvolle Stütze zur Einschätzung

der Stimmung/Reaktion, insbesondere in der Sektion Physik.

Zur Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit gibt es zur o.g. Quelle keine Zweifel. Das Arbeitsklima zwischen

beiden Quellen steht auf einem guten Niveau.

13. IMS "Günther" - Reg.-Nr. X/332/64

Der IMS "Günther" ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter und promovierter Physiker im Wissenschaftsbereich

NLO der Sektion Physik tätig und hat ebenfalls nur in seinem Wissenschaftsgebiet

Einsicht über Verfahrensweise und Teilergebnisse zur Einführung und Durchsetzung der Hochtechnologie

an der FSU Jena. Es bestehen Querverbindungen zur Industrie.

Die Zusammenarbeit mit dem HFIM steht auf einem guten Niveau. Die Quelle ist ein über lange

Jahre erprobter, ehrlicher und zuverlässig arbeitender Genosse unserer Partei.

14. IMS "Hammer" - Reg.-Nr. X/215/76

O.g. Quelle arbeitet als promovierter Chemiker im Wissenschaftsbereich Polymeren der Sektion

Chemie und über viele Jahre mit unserem Organ zuverlässig zusammen.

Seine Bereitschaft beruht auf konsequenten parteilichen Haltungen als Kommunist und ist von der

inneren Überzeugung getragen. Die Quelle erarbeitete im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem

HFIM Wertungen über die Organisation wissenschaftlicher Arbeit an der FSU Jena, gab qualifizierte

Einschätzungen zu Personen und Sachverhalten und arbeitete im August 1985 schwerpunktmäßig

zur Sicherung des JUPAC-Symposiums.

Im Rahmen dieser inoffiziellen Einsatzmöglichkeiten ist die Quelle wertvoll im Rahmen des

HFIM-Systems "Hebel", zu welchem vertrauensvolle gut funktionierende Arbeitsbeziehungen

bestehen.

15. IMS "Hansen" - Reg.-Nr. X/436/69

Bei dem IMS "Hansen" handelt es sich um einen wissenschaftlichen Mitarbeiter des Wissenschaftsbereiches

HF der Sektion Physik, welcher als RK aufgeklärt und bestätigt, jedoch seit 6

Jahren nicht mehr im Einsatz war und auch in nächster Zukunft keine Reisen geplant sind.

Er ist nicht unmittelbar an hochgradigen Forschungsthemen beteiligt und erarbeitete in der Zusammenarbeit

mit dem HFIM seit November 84 qualifizierte, aussagefähige Personeneinschätzungen,

trug zur Bewertung von Problemen in der Leitung des Forschungsprozesses an der Sektion

Physik und darüber hinaus bei und informierte über Stimmung/Reaktion unter den Mitarbeitern

seines WB sowie die politische Lage im 2. Stj. Physik, in dem die Quelle als Leiter des Erzieherkollektivs

wirkt.

Als Nichtgenosse hat die Quelle eine feste Bindung an unser Organ, insbesondere zum HFIM "Hebel"

entwickelt und hebt insbesondere die geschaffenen Voraussetzungen zur besseren Durchsetzung

der Konspiration hervor.

16. IMS "Herder" - Reg.Nr. X/896/61

Der IMS "Herder" ist ein promovierter Sprachwissenschaftler und ist auf dem Gebiet der Slawistik

an der FSU Jena in Forschung und Lehre tätig. Er wurde vor Jahren als RK bestätigt, ist jedoch seit

mehr als 5 Jahren nicht mehr im Einsatz gewesen und wird entsprechend seines Alters auch nicht

mehr zum Einsatz kommen. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit unserem Organ erwies sich die

Quelle als ein unserer Partei treu ergebener Genosse und ehrlicher und zuverlässiger inoffizieller

Mitarbeiter.

Seine Einsatzrichtungen sind bedingt durch sein Alter lediglich auf die Aufklärung von Personen

und die Erfassung der allg. Reaktion orientiert.

81


Die Zusammenarbeit zwischen beiden Quellen hat sich gut entwickelt und wird nach dem Erreichen

des Rentenalters bzw. nach dem Ausscheiden von der FSU Jena gelöst.

17. GMS "Arthur" - Reg.-Nr. X/1508/80

Der GMS "Arthur" wurde als langjährig zuverlässig und ehrlich arbeitender inoffizieller Mitarbeiter

im Juni 84 an den HFIM übergeben und leistete regelmäßig qualifizierte Beiträge zur Einschätzung

der Stimmung/Reaktion im WB OF der Sektion Physik, in welchem er als wissenschaftlicher

Mitarbeiter unbefristet tätig ist.

Offen und ehrlich erarbeitete er Einschätzungen zu Personen und trug zur Analyse und Bewertung

von Problemen der Leitung des Forschungsprozesses bei.

Da die Quelle besondere Fähigkeiten zur analytischen Tätigkeit besitzt, zusätzlich im Rahmen der

Parteiarbeit in der Sektion und als WBO-Sekretär tätig ist, jedoch kaum direkt Entscheidungen in

der Leitung der Sektion Physik beeinflussen kann, stellt sie eine wertvolle Quelle zur Erfüllung der

Gesamtaufgabenstellung des HFIM-System "Hebel" dar.

18. GMS "Fred" - Reg.-Nr. X/1504/80

Die Quelle ist promovierter Chemiker und als Hochschullehrer und Wissenschaftsbereichsleiter

chemische Synthese an der Sektion Chemie der FSU Jena tätig. Sie ist seit vielen Jahren ein erprobter

inoffizieller Mitarbeiter. Seine Motive zur Zusammenarbeit beruhen auf der politischen

Überzeugung als Kommunist.

Die Quelle nimmt entsprechend ihrer fachlichen Möglichkeiten Informationsquellen gezielt wahr,

unternimmt dazu jedoch keine aufwendigen gesonderten Aktivitäten. Sie zeigt Disziplin und Zuverlässigkeit

in der Treffdurchführung und ist entsprechend seiner Einsatzmöglichkeiten und Persönlichkeitsstruktur

eine geeignete Quelle im Rahmen der Durchsetzung der Aufgabenstellung im

HFIM-System.

Die Durchsetzung von Maßnahmen entsprechend des II. Qualitätskriteriums erfolgt über andere

Quellen in Schlüsselposition.

82

Leiter der Kreisdienststelle

i.V. Rebhahn, Mj.

Schleitzer

Oberst

Anmerkung

Es handelt sich bei dem HFIM „Matthias Hebel“ X/60/84 um Reimar Becker.

D 43 Treffbericht - FIM „Linden“, 1980

Diensteinheit KD J e n a Datum 13.02.1980

Treffbericht

Sichtvermerke

(Unterschrift)

Kategorie/Deckname FIM "Linden" (Unterschrift)

Datum/Zeit Treffort Mitarbeiter Teilnahme durch Vorgesetzten

IMK "Schumann" Hübner

12.02.1980

11.30-12.30 Uhr ---------------------- Gen. Stülpner --------------------

Nächster Treff am Zeit Treffort

FIM "Linden" 26.02.1980 16.00 Uhr IMK "Schumann"

Ausweichtreff am Zeit Treffort


Berichte Anzahl der Informationen zu Anzahl erfassungs-

Vorgänge OPK Erfassung würdiger Personen

sonst. DKK/SKK PKK- PKK- SV VSH

Lage DDR West

(... Text gelöscht ...)

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31...

7 1 6 1 1

Treffvorbereitung:

(z.B. Treff geplant/kurzfristig festgelegt, Kurzfassung des geplanten Treffablaufes, Schwerpunkte der Auftragserteilung, Instruierung,

Erziehung und Befähigung)

Der Treff mit dem FIM "Linden" war langfristig geplant. Bei diesem Treff soll der FIM mit der

"Medaille für treue Dienste" der NVA in Gold und mit dem Erinnerungsabzeichen "30 Jahre MfS"

ausgezeichnet werden. Weiterhin soll der FIM Material von 3 Treffs von ihm gesteuerten Quellen

übergeben.

Form 450

Treffauswertung:

(z.B. Hinweis auf Inhalt der Berichterstattung, entspricht Auftrag der Einsatzrichtung, Verhalten des IM, Anzeichen von Unehrlichkeit /

Unzuverlässigkeit / Dekonspiration, op. Wert und Objektivität der Berichterstattung, Verwertung der erarbeiteten Informationen, ideologische

Probleme, erzieherische Maßnahmen, Zuwendungen)

Der FIM erschien pünktlich und vorbereitet zum Treff. Er übergab den MA 7 Berichte und gab

einen Sachverhalt mündlich wieder. Im Anschluß daran wurde der FIM mit umseitig genannten

Auszeichnungen geehrt.

Der FIM gab folgende Berichte ab:

1. IMS "Büchner"

− Personeneinschätzung ———

Verteiler: Original Akte IMS

Abschrift Gen. Wladislaw √ z.Zt. bei Gen. Grimmer

− eigener Funktionsplan

Verteiler: Original Akte IMS

2. IMS "Günter"

− eigener Funktionsplan

Verteiler: Original Akte IMS

− Information zu GR 9

Verteiler: Original Akte IMS

− Information zu Laserforschung

Verteiler: Original Akte IMS

3. IMS "Rohn"

− eigener Funktionsplan

Verteiler: Original Akte IMS

− Einschätzung ———

Verteiler: Original Akte IMS

Abschrift Ref. Uni √

− Diskussionen im Bereich Verteiler: 1x Akte IMS

1x Lagehefter Ref. Uni √

Neuer Auftrag und Verhaltenslinie

83


1. Personeneinschätzungen zu:

− ———

− ———

− ———

2. Lageeinschätzung im Verantwortungsbereich

3. Fragen der Vorbereitung von GR9

Bemerkungen des Dienstvorgesetzten

D 44 IMK an der Universität

Kreisdienststelle J e n a Jena, den

09.11.1978

Referat Universität Hü/-

84

A k t e n v e r m e r k

Zur Abdeckung der Legende der IMK im Verantwortungsbereich der Universität war es notwendig

dem GMS "Kruse" Kenntnis zu geben von Räumlichkeiten, die durch das Mfs genutzt werden.

Ihm wurden folgende Zimmer bzw. Wohnungen bekannt:

1. Gästehaus der FSU, Zimmer 17

2. Spitzweidenweg 11, Zimmer 205 (Mietvertrag: ———)

3. Spitzweidenweg 11, Zimmer 217 (Mietvertrag: ———)

4. Spitzweidenweg 11, Zimmer 523

5. Gartenhaus der FSU, Verwalter: ———

6. Spitzweidenweg 11, Zimmer 201 (Mietvertrag: ———)

7. „ „ „ 331 (Verwalter: ———, ———)

H ü b n e r

Leutnant

Anmerkung

Dr. Klaus Kruse, DN IM „Leiter“ X/1509/80, war damals Direktor des Direktorates Forschung.

Bei der KW im Gästehaus, Zi 17 handelt es sich offensichtlich um die häufig genutzte KW „Gast“.

D 45.1 Aussprache mit Wissenschaftlern bzgl. Geheimnisschutz in d. Sektion Physik, 1969

Kreisdienststelle Jena Jena, den 29.4. 1969

Operativgruppe Universität

Bericht über das Bekanntwerden des Kandidaten

Ausgehend von der Neugestaltung des Systems Geheimnisschutz/Ein- und Ausreisen an der FSU,

wurden mit führenden Wissenschaftlern der FSU Aussprachen in Richtung Geheimnisschutz geführt.


Aus diesen Gesprächen ging hervor, besonders mit GMS Prof. S c h u b e r t , daß ein konzentrierter

Forschungsschwerpunkt an der Sektion Physik die Arbeiten an der Untersuchung von Festkörpern

sind. Diese sind mit dem VEB CZ Jena vertraglich gebunden und stellen Weltspitze dar.

Die ersten Ergebnissen sind so interessant, daß sie besonderer Aufmerksamkeit in Richtung Weiterforschung

bedarfen und zweifelsohne sich der Gegner dafür interessieren wird.

Aus eigenen Auslandsaufenthalten schätzt der GMS ein, daß andere Universitäten ebenfalls an

diesen Projekten forschen, jedoch nicht diese Ergebnisse aufzuweisen haben. Aus mehreren Gesprächen

ging hervor, daß diese Arbeitsergebnisse eine echte Kollektivarbeit mit Perspektive darstellen,

jedoch einen besonderen Verdienst

Prof. ———

Dr. ———

Dr. ———

aufweisen können.

Entsprechend dieser Tatsache und den vorausgegangenen Ermittlungen kann eingeschätzt werden,

daß sich Dr. ——— für die vorgesehene inoffizielle Einsatzrichtung günstig eignet.

Er gehört zu den profilierten Wissenschaftler auf den angegebenen Spezialgebiet,

hat eine progressive Stellung im Kollektiv,

bereiste in der Vergangenheit desöfteren das nichtsozialistische Ausland als Reisekader der FSU,

besitzt interessante Verbindungen, sowohl im Ausland als auch die zu dem Wissenschaftler, der im

Operativvorlauf "Mühltal" wegen Spionage bearbeitet wird und Mitglied seiner Arbeitsgruppe ist,

ist Kontaktfreudig und stellt eine Persönlichkeit dar

und die Personenanalyse ergab, daß er noch nicht negativ auf der KD Jena angefallen ist.

Er ist als Reisekader KK erfaßt und besitzt ein reales Einschätzungsvermögen, was aus den Reiseberichten

ersichtlich war.

Diese bekannten Punkte lassen die Schlußfolgerung für eine Eignung als IM zu. Entsprechend den

Anforderungen an einen IM wird der Kandidat systematisch aufgeklärt und in den Kontaktgesprächen

seine Eignung im persönlichen Gespräch geprüft.

Dabei wird besonderer Schwerpunkt auf die bereits genannten Eignungsfragen gelegt.

(Unterschrift)

G r i m m e r, Ofw.

D 45.2 Maßnahmeplan zur Aufklärung eines IMS-Kandidaten, Physik, 1969

Kreisdienststelle Jena Jena, den 5.5.1969

Operativgruppe Universität

M a ß n a h m e p l a n

zur Aufklärung des IMS - Kandidaten

Dr. ———

Lehrkörper der Sektion Physik

1. Ermittlungen zur Person Kaderakte, KMK - Auszug, Angefallenenkartei, M - Überprüfung

Wohngebietsermittlung

Termin: 10.5.1969

2. Erarbeitung eines umfassendes Persönlichkeitsbildes durch die IM "Hense", "Büchner" "Artur"

und GMS "Schubert"

Termin: 15.5.1969

3. Vorbereitung einer Legende für das erste Kontaktgespräch

Termin: 16.5.1969

4. Kontaktgespräch

Termin: 20.5.1969

85


86

(Unterschrift)

G r i m m e r , Ofw.

Anmerkung

Dieses Dokument ist ein Beispiel dafür, wie das MfS zu Informationen über Personen kam, die

eventuell als IM geeignet waren. Der GMS „ Schubert“ kann sicher von sich behaupten, über den

Dr. nur positive oder neutrale Informationen gegeben zu haben. Geschadet hat er ihm aber auch

damit, denn der Dr. kam in die fatale Lage, vom MfS „kontaktiert“ zu werden. Nach Aktenlage

verlief die Werbung erfolgreich, wenn auch der IM „Friese“ X/209/69 die Erwartung des MfS

nicht recht erfüllte und nur widerwillig Auskunft über Kollegen gab. Er wurde folgerichtig dann

auch einige Jahre später „archiviert“. Der Vorgang GMS „Schubert“ wird später zum GMS

„Max“ X/1759/80 , bis er dann 1984 an die HVA/XIV/3-409 (Gen. Günther Blayer) übergeben

wird.

D 46.1 Aktenvermerk zum Erfassungsverhältnis eines Professors- handschriftlich -

KD Jena J., d. 11. 4.86

Ref. Uni

Aktenvermerk

zum Erfassungsverhältnis bei Prof. Karthe /SD Physik

Laut Überprüfung in der Abt. XII vom 28.2.86 ist Prof. Karthe

für BV Gera, Abt. XV Gen. Genseke aktiv erfaßt. Nach Auskunft

des Gen. Genseke besteht eine aktive inoff. Zusammenarbeit.

Es bestehen keine Einwände zu einer GVS-

Verpflichtung. Gen. Genseke ist bereit, nach Vorgabe eines Informationsbedarfsplanes,

die Interessen unserer DE bei der

Absicherung der Aufgabenstellung "Hochtechnologie" in der

inoff. Zusammenarbeit wahrzunehmen. Eine konkrete Abstimmung

soll bei einem Aufenthalt des Gen. Genseke in Jena erfolgen.

Seifert

Hptm.

Anmerkung

Sollten Quellen einer DE für die Aufgaben einer anderen DE eingesetzt werden, so geschah dies

häufig auf der Grundlage eines schriftlich formulierten “Informationsbedarfsplanes“. Hier ging

es um die Aufgaben der KD Jena bei der “Sicherung“ der unter dem Schlagwort „Hochtechnologie“

an der Universität, insbesondere an der Sektion Physik, durchgeführte Forschungsvorhaben.

D 46.2 Aktenvermerk zum Gespräch mit dem SD Physik

Kreisdienststelle Jena Jena, 27. Januar 1988

Ref. Uni be-kl


Aktenvermerk

zum Gespräch mit dem SD Physik, Prof. Karthe

TN: Prof. Karthe, Gen. Seifert, Gen. Besa

Ort: Zimmer des SD

Zeit: 19.01.88, 15.00 - 16.00 Uhr

Prof. K. sprach von der besonderen Bedeutung der Excimerlaserforschung und -entwicklung, besonders

im Hinblick auf die Kooperationsbeziehungen mit dem KCZ (TSA) und dem Vorhaben

"Höchstintegration".

Jedoch ist der gegenwärtige Zustand für die FSU unbefriedigend. Es herrscht ein vertragsloser

Zustand! Das ist bei der Relevanz des Themas unverantwortlich. Darum ist gegenwärtig geplant,

bis 6/88 ein Themenvorschlag inform einer Studie zu erarbeiten, worin ein arbeitsfähiges Zusammenwirken

zwischen Sekt. Physik FSU, ZOS und CZ unter Verantwortlichkeit des Zeiss-

Kombinates vorgesehen sein soll.

Diesbezügliche Absprachen gab es bereits zwischen ———/——— (W-KCZ), ——— ZOS und

dem SD Physik, jedoch entschieden wurde noch nicht.

Die Mannschaft um Dr. Kleinschmidt, dem verantwortlichen Leiter für die Excimerstrecke an der

FSU, befindet sich momentan im Aufbau.

Es existiert noch eine zweite Excimer-Gruppe an der FSU, die das von Zeiss zur Verfügung gestellte

Gerät bearbeiten und "nebenbei" auch eigene Forschungsinteressen (Grundlagenforschung)

realisieren soll - Wilhelmi, Ponath, ———, ———.

Prof. K. betonte, daß die LRM-Entwicklung nicht auf Excimerlaserbasis passieren wird - beides

zwar Höchstintegrationsthemen sind, aber nichts miteinander zutun haben.

Der SD wird Uz. am 25.01.88 mit Dr. Kleinschmidt bekannt machen, das op. Anliegen erläutern

und so die Beziehung zu K. und zum Thema (Excimer) herstellen.

Besa

Oberleutnant

Anmerkung

Das angesprochene Treffen zwischen Besa, Karthe und Kleinschmidt vom 25.1.88, auf dem Karthe

das operative Anliegen des MfS erläutern sollte, war der Anfang der Werbung von Kleinschmidt

zum späteren IM „Hubert Reich“ X/92/88

D 47.1 Abwehrmäßige Sicherung d. Hoch- u. Schlüsseltechnologien an d. Sekt. Physik

Abteilung XX/3 Gera, 14. Februar 1987

fü-wä

B e r i c h t

zur Absprache in der Abteilung XV am 16.01.1987

Teilnehmer

Gen. Gensecke, stellv. Leiter Abteilung XV

Gen. Bergner, stellv. Leiter Abteilung XX

Gen. Renke, Referatsleiter Abteilung XV

Gen. Füg, Mitarbeiter Abteilung XX

87


Zielstellung

1. Klärung der Erfassung eines USA- und DDR-Wissenschaftlers und damit zusammenhängende

Information des Abflusses wissenschaftliches Gedankengutes.

2. Reisekadereinsatz "Arktur" und "Peter Weiß" und der daraus entstehenden Möglichkeiten der

Realisierung von Aufgabenstellungen für die Abteilung XV.

3. Abstimmung zum Reisekadereinsatz des Kontaktpartners "Liktor" im Rahmen einer Gastprofessur

in der USA.

4. Einbeziehung einer Quelle der Abteilung XV zur Durchsetzung von operativen Maßnahmen an

der OPK "Deuterium".

5. Operative Zusammenarbeit an der Sektion Physik zur abwehrmäßigen Sicherung der Forschungen

auf dem Gebiet der Hoch- und Schlüsseltechnologie.

Zu allen Punkten konnte im Rahmen der Durchsetzung solcher Fragen, wie gemeinsame Abstimmung

operativer Kräfte bei Reisekadereinsätzen sowie der Nutzung der inoffiziellen Potenzen der

Abteilung XV für die abwehrmäßige Sicherung der Aufgabenstellungen der Hoch- und Schlüsseltechnologie

als auch der Nutzung der inoffiziellen Kräfte der Abteilung XX/3 - Bereich FSU - für

Aufklärungsmaßnahmen Einigung erzielt werden.

Festlegungen

zu 1. Durch Quellen der Abteilung XV und XX wird eine nochmalige Objektivierung der Information

zum Abschluß von Informationen aus dem WB-OF und des möglicherweise

daraus entstandene Schaden vorgenommen. Im besonderen ist zu konkretisieren, welche

Person hierbei fahrlässig handelte bzw. bewußt wissenschaftliche Informationen abfliesen

ließ.

zu 2./3. Im Zusammenhang der Erarbeitung der Reiseaufträge zu den genannten IM als auch der

Kontaktperson erfolgt eine nochmalige konkrete Absprache mit dem Genossen Gensecke,

um anstehende Probleme der Abteilung XV beim Reisekadereinsatz entsprechend

den real gegebenen Möglichkeiten zu berücksichtigen und durchzusetzen.

zu 4./5. Durch die Abteilung XV wird eine Unterstützung zur OPK "Deuterium" als auch im

Rahmen "Wer ist Wer"-Aufklärung unter Einbeziehung aller gegebenen Möglichkeiten.

Durch die Abteilung XV wir eine Unterstützung durch Einbeziehung aller gegebener inoffizieller

Möglichkeiten bei der OPK-Bearbeitung als auch der abwehrmäßigen Sicherung der Probleme

Hoch- und Schlüsseltechnologie der Sektion Physik zugesagt.

Referatsleiter Operativer Mitarbeiter

(Unterschrift) (Unterschrift)

Z e l t F ü g

Hauptmann Hauptmann

Bestätigt

Stellvertreter Leiter

(Unterschrift)

B e r g n e r

Major

Verteiler

1x Ordner Absprache

1x Ordner Koord.

88


Anmerkung

Der IMS „Peter Weiß“ sollte laut Arbeitsplan der Abt. XV der BV Gera für 1989 Kontakte mit

einem Physiker an der Universität Hamburg aufnehmen bzw. vertiefen.

Die Quelle, die in der OPK „Deuterium“ zum Einsatz kam, war Doz. Dr. Geiler als IM „Jörg

Barthel“.

D 47.2 Sicherung der Hochschulforschung

2.4.5. IM „Sander“

Der Einsatz erfolgt zur Sicherung von sicherheitssensiblen Bereichen der Hochschulforschung

an der FSU Jena entsprechend einer Vereinbarung mit der KD Jena.

Termin: laufend

Verantwortlich: OSL Genseke

D 48 Sicherung der Hochschulforschung

KD - Jena Jena, 18.12.1964

Operativgruppe Uni

Bekanntwerden des Kandidaten

R e i m, Gerhard

——— in ———

Jena, Burgau

———

Aspirant am Zoologischen Institut Jena

Der Kandidat wurde bei der Suche eines geeigneten IM-Kandidaten zur Absicherung des Zoologischen

Institutes bekannt. Im Rahmen des Freundschaftsvertrages zwischen der Su und der DDR

wird das Zoologische Institut im zweiseitigen Forschungsvorhaben zum Leitinstitut benannt werden.

Da dieses Institut bisher nicht zu den Schwerpunkten unserer Arbeit zählte, waren wir nicht

inoffiziell verankert. Da im Zoologischen Institut allgemein die Theorie von der "Einheit der deutschen

Wissenschaften" vertreten wird, ist eine inoffizielle Verankerung in diesem Institut sehr

schwierig und kompliziert. Deshalb wurde der IM-Kandidat aus den Reihen der Genossen gewählt.

D 49.1 IM Vorlauf

Sacher, Ultn.

Bezirk Gera Vertrauliche Dienstsache!

Diensteinheit Jena

Mitarbeiter Köhler Jena den 24.5.62

Reg.-Nr. Gera X/502/62

89


90

Beschluß

für das Anlegen/Einstellen eines IM-Vorlaufes

(Vorgangsart angeben)

Auszufüllen bei IM-Vorlaufakte

1. Vorgesehene Kategorie GI

2. Wohnadresse Jena, ———

(Bei Operativ-Vorlaufakte werden keine Angaben benötigt.)

(Formulartext ohne Eintragungen gelöscht)

Gründe für das Anlegen/Einstellen

Die Person wird als IM-Vorlauf registriert, da aus dem Kreis der Professoren der Math.-Nat. Fakultät

bisher noch keine IM vorhanden sind und die Notwendigkeit besteht, in diese Kreise einzudringen.

Gleichzeitig ist über diese Person die Möglichkeit gegeben, op. Einfluß auf den Rat der

Math.-Nat. Fakultät zu nehmen, wo bisher reaktionäre Kräfte die Berufungspolitik bestimmten.

Bestätigt am von

Mitarbeiter Köhler

Leiter der Diensteinheit i.V. Müller 24.5.62

(Unterschrift)

Anmerkung

Das erfreuliche an den Dokumenten D 48 und 49.1 ist die Aussage, daß es im Zoologischen Institut

bis zum Dezember 1964 und in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät bis zum

Februar 1962 keine IM der KD Jena gab.

D 49.2 Anfrage an BV Leipzig des MfS bezüglich eines Professors (Mathematik), 1962

Ministerium für Staatssicherheit

Bezirksverwaltung Leipzig

- Abteilung V / 6 -

L e i p z i g

Ministerium für Staatssicherheit

Bezirksverwaltung G e r a

Kreisdienststelle J e n a

Jena, den 28.8.1962

Kö/Sch

Tgb.-Nr. 1341 /62


Betr.: Prof. K e r s t a n, Johannes - Universität Jena

Bezug: O h n e

Der Genannte studierte von 1946 - 1952 an der Universität Leipzig Mathematik. Er gehörte nach

eigenen Angaben der Universitätsparteileitung Leipzig an, als Auskunftsperson in Leipzig nennt er

Prof. Armin U l l m a n n . Über Prof. K. wird um folgende Ermittlung gebeten:

1. Politische Einstellung und Zuverlässigkeit, gesellschaftliche Tätigkeit an der Uni Leipzig.

2. Wie wird er fachlich beurteilt.

3. Was ist über Verbindungen in der DDR, nach WD u. WB sowie über Westreisen bekannt.

4. Charakterliche Einschätzung, bekannte Schwächen oder besondere Interesssengebiete.

5. Sind IM vorhanden, die den Genannten beurteilen können.

6. Was ist sonst noch über ihn bekannt. Liegt op. Material vor, wird um Übersendung desselben

gebeten.

Die Ermittlungen sind konspirativ zu führen. Wir bitten um baldigste Erledigung.

Leiter der Kreisdienststelle

(Unterschrift)

W e i g e l t

Major

D 49.3 Antwort der BV Leipzig bezüglich eines Professors (Mathematik)

MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT

Bezirksverwaltung Leipzig

- Abteilung V/6 -

An das Leipzig, am 12.9.1962

MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT Mü/Sp.

Bezirksverwaltung Gera Tgb.-Nr.:

V/6/1823/62

KD Jena

G e r a

Betr.: Prof. KERSTAN, Johannes, Universität Jena

Bezug: ohne

In der Anlage erhalten Sie die P.-Akte des Genannten zur Einsichtnahme. Da der K. die KMU

1952 verließ, sind Ermittlungen nicht mehr möglich. Die von Ihnen angegebene Auskunftsperson

ist IM Ihrer Abteilung XV und wurde deshalb nicht von uns befragt.

Wir bitten, die P.-Akte nach Auswertung sofort an uns zurückzusenden.

Anlage

1 P-Akte

(... Text gelöscht ...)

Leiter der Abteilung

(Unterschrift)

(Peterhänsel)

Major

91


D 49.4 Erfassung eines Professors als IM (vor Abreise nach Moskau)

Bezirksverwaltung für Jena, den 12. Juli 1966

Staatssicherheit Gera S/S

Kreisdienststelle Jena Tgb.-Nr.: 1431/66

Ministerium der

Deutschen Demokratischen Republik

Ministerium für Staatssicherheit

Hauptabteilung XVIII/5

B e r l i n

über BV Gera, Abt. XX

Ihr Schreiben vom 5. Juli 1966, Tgb.-Nr.: XVIII/5/1/5276/66

Unter den genannten Personen befindet sich kein Wissenschaftler, der operativ bearbeitet wird

bzw. in Moskau unter Kontrolle gehalten werden muß.

Genosse Prof. Dr. Kerstan ist für unsere Diensteinheit positiv erfaßt. Eine Übergabe des

IM macht sich nicht erforderlich, da er offiziell angesprochen werden kann.

Er ist zuverlässig und verschwiegen.

Vor seiner Abreise nach Moskau wird er durch uns entsprechend instruiert werden.

92

Leiter der KD

(Unterschrift)

M ü l l e r

Major

Anmerkung

Der erste IM-Professor in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät war der Mathematikprofessor

Johannes Kerstan, der als GI „Schneider“ X/502/62 und später als IM „Joker“

X/1501/80 bis zum Ende der DDR inoffiziell für das MfS tätig war.

D 50.1 Bericht über eine durchgeführte Werbung

Kreisdienststelle Jena, den 22.2.1957

Jena

Betr.: Bericht über die durchgeführte Werbung des Dr. Stamfort, Otto geb.am ———,

wohnhaft Jena, ———

Am 20.2.1957 wurde obengenannte Person in Anwesenheit des Leiters der Bezirksverwaltung, des

Genossen Oberstleutnant M i c h e l b e r g e r, in Gera, im Objekt II angeworben.

Das Anwerbegespräch wurde vom Gen. Obstltn. Michelberger geführt. Unterzeichneter gab lediglich

dem Kandidaten auf der Rückfahrt nach Gera den Decknamen.


Der Genosse Oberstltn. Michelberger erklärte dem Kandidaten, dass es seine Aufgabe als Mitglied

unserer Partei ist, das Ministerium für Staatssicherheit im Kampf gegen die inneren und äusseren

Feinde zu unterstützen. Um aber Erfolge gegen derartige Elemente zu erringen ist es notwendig,

dass wir nicht nur offiziell, sondern auch inoffiziell mit fortschrittlichen Personen arbeiten.

Auf Grund seiner Emigration in den Jahren von 1933 bis 1945 in Frankreich sah der Kandidat dies

auch ohne Bedenken ein und sagte, wir sollen ihm konkret erklären, was er für uns arbeiten soll.

Danach wurde auf die Situation unter den Lehrkörpern und den Studenten an der Universität in

Jena eingegangen. Schon hierbei gab uns der Kandidat wertvolle Hinweise über die personelle

Besetzung verschiedener naturwissenschaftlicher Institute. Er brachte klar zum Ausdruck, dass man

in der Zukunft nicht mehr das Hauptaugenmerk auf die Studenten, sondern vielmehr auf den Assistentenkreis

legen müsse. Dies deshalb, weil diese Personen für die Erziehung der Studenten verantwortlich

sind. Er schilderte das Beispiel vom Phys. Institut, wo nur reaktionäre Assistenten

arbeiten.

Zu seiner Verbindung gegenüber den bürgerlichen Professoren an der Universität befragt, äusserte

er , dass er dienstlich sehr viel mit diesen Leuten zu tun hat, er jedoch in der letzten Zeit verabsäumte,

sich auch um das persönliche Leben dieser Professoren zu kümmern.

Trotzdem ist jedoch in der Lage, uns wichtige Hinweise über die Fehler und Schwächen der Professoren

zu geben, die wir dann bei entsprechender Bearbeitung ausnutzen können.

Dann wurde nochmals auf die Vorkommnisse während der Aktion "Ungarn" an der Universität in

Jena eingegangen.

Der Kandidat vertrat durchaus die Meinung, dass die Raumausgestaltung von Personen organisiert

wurde, die bisher noch nicht öffentlich bekannt sind. Das sind die Hintermänner dieser Aktion. Die

bekannten Studenten, die sich dafür verwandten, waren nur die ausführenden Werkzeuge. Bei der

Entlarvung dieser Hintermänner wird uns auch der Kandidat wertvolle Hinweise geben können.

Der Kandidat wurde selbst nicht schriftlich verpflichtet, ebenfalls wurde ihm auch keine Schweigepflicht

abgenommen. Er versprach durch Händedruck, uns, soweit es in seinen Kräften liegt, zu

unterstützen.

Der Kandidat wählte sich den Decknamen "Akademie."

Der nächste Treff wurde für Mittwoch, den 6.3.1957 in der KW Am Kieshügel festgelegt. Die

Uhrzeit wird dem Kandidaten noch bekanntgegeben.

Der GI erhielt den Auftrag, einen schriftlichen Bericht über die personelle Zusammensetzung des

Phys. Instituts niederzulegen und ebenfalls gleich Vorschläge zu unterbreiten, wie man diesen

Zustand abändern kann.

Die Anwerbung verlief in der Zeit von 16.15 bis 18.30 Uhr.

(Weigelt) (Neuhaus)

- Hauptmann - - U.-Leutnant -

i.V. Leiter der Kreisdienststelle

D 50.2 GI „Akademie“

Jena, den 3.2.1960

Betr.: GI "Akademie" - Reg.Nr.: 75/57, Linie Univ. V, angeworben am 20.5.1957; männlich, 59

Jahre alt; Student; Wissenschaftler; SED, Überprüft auf Ehrlichkeit: ja.

a) Wert des IM:

Der GI hat eine gute Stellung als Prorektor der Universität inne. Hierbei hat er umfangreichen

Einfluß auf die studentische Jugend und den gesamten Verwaltungsapparat. Dadurch kann er

93


94

uns besondere operative Hinweise geben und andererseits Maßnahmen zur Abdeckung bestimmter

Aufgaben übernehmen. Ferner ist er in der Lage die Arbeit des Senats einzuschätzen

und intellektuelle Persönlichkeiten aufzuklären.

b) Zuverlässigkeit:

Der GI wurde durch Übermittlung diskreter Hinweise in der Form überprüft, daß er zu der

genannten Person nichts sprach. Seine Berichte können ebenfalls als wahrheitsgetreu eingeschätzt

werden, da sie anderweitig durch IM überprüft wurden. Er ist zwar etwas übertrieben

zuvorkommend, was aber mit seiner jüdischen Abstammung zusammenhängen kann. Der GI ist

als offener und ehrlicher IM einzuschätzen, was er wiederholt unter Beweis stellte.

c) Bisherige Erfolge:

Der GI wurde nicht an operative Vorgänge zur Aufklärung eingesetzt, da seine Perspektive

mehr auf dem Gebiet der Abdeckung und Aufklärung von Personen liegt, die mehr studentische

Fragen betreffen. So konnte er nützliche Hilfe bei Immatrikulationen von IM leisten und andererseits

negative Elemente durch Exmatrikulation von der Universität verweisen. Zur Erstellung

von Analysen über die Einschätzung und die Lage der Wissenschaftler sowie des Senats hat er

einen wesentlichen Anteil.

d) Verbindungen nach WD:

1. ———, ———,

2. ———, ———,

3. Dr. ———

D 51 Gewinnung eines GMS, 1973

(Hartmann)

- Oberleutnant -

Kreisdienststelle J e n a Jena, den 12. 10. 1973

Ref, Universität Kob/Kr

B e r i c h t

über die durchgeführte Gewinnung des GMS Dr. ———

Die Gewinnung des GMS fand am 12. 10. 73 um 14.00 Uhr in einem separaten Arbeitszimmer statt

und wurde von Gen. Ltn. K o b e r durchgeführt.

Verlauf des Gespräches:

Mit dem GMS wurde nochmals über die grundsätzliche Aufgabenstellung des MfS gesprochen,

wobei spezielle Probleme des HB Medizin im Mittelpunkt standen.

Ausgehend von der konkreten Situation der verstärkten Angriffsrichtung des Gegners auf das Gesundheitswesen

der DDR; wurde dem GMS die Notwendigkeit und Nützlichkeit einer inoffiziellen

Zusammenarbeit erklärt. Weiterhin wurden Fragen besprochen, die mit der Gestaltung der inoffiziellen

Zusammenarbeit im Zusammenhang stehen. Dabei wurden auch Fragen über Verhaltensweisen

bei plötzlich auftretenden Situationen besprochen.

Verhalten bei der Erklärung:

Dr. ——— sah die Notwendigkeit und Nützlichkeit einer inoffiziellen Zusammenarbeit ein

und erklärte sich bereit, das MfS bei der Erfüllung der gestellten Aufgaben zu unterstützen. er

machte dabei aber die Einschränkung, daß er arbeitsmäßig oft stark belastet ist und die konkrete

Aufgabenstellung noch nicht kennt und deshalb nicht weiß, ob er in der Lage ist, die Aufträge

zufriedenstellend zu realisieren. Er unterschrieb die vorgelegte Erklärung.

Festlegungen und Aufgabenstellungen:


Zur Durchführung der Trefftätigkeit wurde ein 14-tägiger Turnus festgelegt.

Weiterhin wurden Festlegungen getroffen, die die Übermittlung von dringenden Informationen

sowie Verhaltensweisen bei besonderen Situationen regeln.

Als Auftrag wurde ihm eine Personeneinschätzung über die Krankenschwester ——— gegeben.

Bei telefonischer Verbindungsaufnahme wurde nachstehende Losung vereinbart: "Das auf dem

Rezept verschriebene Medikament ist in der Apotheke nicht erhältlich."

(Unterschrift) i. A. (Unterschrift)

Hauptmann Kober

Ref.-Leiter Leutnant

(Unterschrift)

Erhardt

Major

Leiter der KD

D 52 IM-Vorlaufakte IMK/KW „Manfred“, 1979/80

MfS/BV/Verw. Gera Jena , den 03.01.79

Diensteinheit KD Jena

Mitarbeiter Schädel Reg.-Nr. X 12/79

über das Anlegen

einer IM-Vorlaufakte

Beschluß

1. Vorgesehene IM-Art IMK / KW

2. Vorläufiger Deckname "Manfred"

3. Wohnadresse Jena, ———

4. Laufzeit der Akte bis verlängert bis

eines IM-Vorganges

1. IM-Art (benötigte Teile angeben)

2. Deckname

3. Wohnadresse Teile:

über die Umregistrierung einer IM-Vorlaufakte zum IM-Vorgang 04.02.80 Ra.

1. IM-Art IMK / KW

2. Deckname „Manfred“

3. Wohnadresse Jena, ———

Gründe für das Anlegen bzw. die Umregistrierung:

Um den Bereich Aus- und Einreiseverkehr sowie die Absicherung der Reisekader an der FSU-Jena

mit inoffiziellen Kräften zu durchdringen, ist eine entsprechende Anzahl von IMK's notwendig. Bei

dem Kandidaten handelt es sich um einen in den 50-iger Jahren abgelegten IMS. Auf Grund, daß

der Kandidat eine Funktion im Parteiapparat übernahm, war eine weitere inoffizielle Zusammenarbeit

mit dem MfS nicht mehr möglich.

95


Es ist vorgesehen, den Kandidaten in einem IM-Vorlauf mit der Perspektive IMK/KW zu bearbeiten,

da o. g. Archivierungsgründe keine Gültigkeit mehr besitzen.

Die Wohnung ist lagemäßig sehr günstig und die Person erscheint für diese Aufgabe geeignet.

Aufklärungsplan liegt vor.

96

Die Werbung zur IMK / KW

Erfolgte am 25.01.1980

(Unterschrift)

Schädel / Ltn.

Mitarbeiter *

8. 2. 80 (Unterschrift)

Würbach / Hptm.

Stellv. Leiter der Diensteinheit *

(Unterschrift)

Bestätigt am: 29.01.80 vom Würbach / Hptm.

Unterschrift *

Anmerkung: * Zusätzlich Name und Dienstgrad mit Maschine bzw. Druckschrift angeben. Stellv. Ltr. KD

Form 1a 541 776 30.0

Anmerkung

Es handelt sich um den damaligen Leiter des Direktorats IB, Heinz Tittl, der offenbar in den 50er

Jahren bereits als IM mit dem MfS zusammengearbeitet hat. Auch hier die Aussage, daß hauptamtliche

Parteifunktionäre nicht als IM geführt werden durften.

D 53 Berufung eines Professors (Chemie) zur vertraulichen Mitarbeit, 1975

Ministerium für Staatssicherheit

Bezirksverwaltung Gera

Kreisdienststelle Jena

B e r u f u n g

des Genossen Prof. Dr. F e l t z , Adalbert

geb. ———

Direktor der Sektion Chemie

Universität Jena

zur vertraulichen Mitarbeit bei der Sicherung der Arbeiter- und Bauern-Macht der DDR.

Die Organe für Staatssicherheit stützen sich ihrem Kampf gegen die Feinde der DDR auf die breite

und aktive Mitarbeit der Bevölkerung unserer sozialistischen Heimat.

Auf Grund Ihres Staatsbewußtseins und ihrer gezeigten Bereitschaft zum Schutze der sozialistischen

Errungenschaften berufen wir Sie zur vertraulichen Mitarbeit bei der Durchsetzung von

Sicherheit und Ordnung, der Beseitigung von Mängeln und Mißständen, von verbrechensbegünstigenden

Umständen und zur Mithilfe bei der Entlarvung von Feinden unserer sozialistischen Entwicklung.

Ich erwarte von Ihnen eine aktive und von gegenseitiger Verantwortung getragene Zusammenarbeit

zur weiteren Stärkung unserer Deutschen Demokratischen Republik.

Jena, den 24.04.1975

Leiter der Kreisdienststelle

(Unterschrift)


M i t t e n z w e i

Major

Mir wurde die Berufung am heutigen Tage zur Kenntnis gegeben. Ich erkläre mich bereit, die mir

mit dieser Berufung übertragenen Pflichten verantwortungsbewußt zu erfüllen.

Ich verpflichte mich, über die vertrauliche Zusammenarbeit, die sich aus der Berufung ergibt, gegenüber

dritten Personen und anderen staatlichen Stellen unbedingtes Stillschweigen zu bewahren.

Jena, den 24.4.75 (Unterschrift)

Prof. F e l t z

D 54 Schlußbericht - FIM „Falk“, 1972

Kreisdienststelle J e n a Jena, den 18. 4. 1972

Referat Universität Kob/Kom

S c h l u ß b e r i c h t FIM "Falk"

Dr. Tennigkeit, Erich, geb. ———

Der FIM wurde 1968 zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit unserem Organ angeworben.

Er steuerte ein IM-System, daß ausschließlich aus Ärzten bestand.

Der FIM ist außerordentlich befähigt, andere IM zu steuern. Die Zusammenarbeit war von tiefer

Parteilichkeit getragen und erfolgte ehrlich und zuverlässig.

Alle übertragenen Aufgaben erledigte er mit viel Geschick, Eigeninitiative und mit großer Umsicht.

Durch den Vorschlag des ZK der SED an die UPL wurde der FIM zum 1. Sekretär der UPL der

Friedrich-Schiller-Universität Jena gewählt.

In der Funktion als 1. Sekretär kann eine inoffizielle Arbeit nicht gewährleistet werden.

Es wird vorgeschlagen, den FIM in dem Referat XII der BV Gera unter Sperrablage, zu archivieren.

Zu der Quelle wird ein regelmäßiger Kontakt durch den Referatsleiter des Referates Universität der

Kreisdienststelle Jena unterhalten.

(Unterschrift) (Unterschrift)

N o w a c k K o b e r

Referatsleiter Unterleutnant

Leiter der Kreisdienststelle

i.V. (Unterschrift)

E r h a r d t

Major

Anmerkung

Zwischen dem 1. Sekretär der UPL und der KD Jena bestand offenbar immer ein enger, inoffizieller

Kontakt. Der 1. Sekretär der UPL war ein hauptamtlicher Parteifunktionär und konnte deshalb

nicht als IM eingesetzt werden. Als FIM „Falk“ X/530/68 führte Tennigkeit zeitweise zehn IM.

97


D 55 Archivierung GMS-Akte wegen Ablehnung der Zusammenarbeit

MfS/BV/V BV Gera Jena , 15.07.1985

Diensteinheit KD Jena

Mitarbeiter Hübner Reg.-Nr. X/1764/80

Kurze Begründung:

98

Beschluß

über die Archivierung der GMS-Akte

Der GMS wurde am 17.07.1978 zu inoffiziellen Zusammenarbeit gewonnen. Geplant war ursprünglich

eine Werbung zum IMS. Die im Gewinnungsgespräch gezeigten Vorbehalte wurden

durch den GMS nicht abgebaut. Er ist nicht bereit Aufträge der MFS zu Personen bzw. op. relevanten

Sachverhalten entgegenzunehmen. Er erklärte sich bereit, Informationen, welche er dienstlich

erlangt an unser Organ weiterzuleiten.

Es wird vorgeschlagen den GMS im Archiv der Abt. XII der BV Gera nicht gesperrt zu archivieren.

Anzahl der Bände: 1 Band Anzahl der Seiten: 71

Die Akte ist abzulegen:

Bemerkungen:

Die Ablehnung der Zusammenarbeit

1) Nichtzutreffendes streichen

bestätigt

gesperrt / nicht gesperrt 1)

29.7.85 XVI 23.07.85 (Unterschrift)

Datum Unterschrift

D 56.1 Bestätigung zur Besetzung einer Schlüsselposition in der FSU

Ministerium für Staatssicherheit

Bezirksverwaltung G e r a

- Stellvertreter operativ -

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

.-.-.-.-.-.-.

An die Gera, am

31.10.1957

Regierung der Deutschen P/R

Demokratischen Republik Tgb. Nr.: GVS

37/57

Ministerium für Staatssicherheit

Stellvertreter des Ministers

Genossen Oberst B e a t e r


B e r l i n

Betr.: Bestätigung zur Besetzung einer Schlüsselposition in der Universität

In der Anlage übergeben wir Ihnen einen Vorschlag zur Besetzung einer Schlüsselposition in der

Universität Jena.

Zum Vorschlag ist noch folgendes ergänzend zu sagen:

Der vorgesehene Kandidat ist inoffizieller Mitarbeiter der Freunde.

Am 29.10.1957 wurde mit den Freunden eine Rücksprache zwecks evtl. Übergabe dieses GI an die

Bezirksverwaltung Gera durchgeführt. Die Freunde sind mit der Übergabe einverstanden. Sie erklärten,

dass der GI bereits mehrere Jahre als inoffizieller Mitarbeiter tätig ist und sie mit seiner

Arbeit, die sehr qualifiziert von ihm durchgeführt wurde, zufrieden waren.

Er hat einen grösseren Umgang mit leitenden Angestellten der Universität und den Instituten Jenas

und ausserdem die Möglichkeit, mit uns interessierenden Personen Kontakt aufzunehmen.

Die Übergabe dieses GI durch die Freunde erfolgt jedoch erst nach Bestätigung durch die Leitung

des MfS.

Die Begründung zur Besetzung dieser Schlüsselposition ist im beiliegenden Vorschlag enthalten.

Anlagen (Prusseit)

- Major -

Stellvertreter operativ

D 56.2 Vorschlag zur Besetzung einer Schlüsselposition im Senat der Universität

Kreisdienststelle Jena, den

11.10.1957

- J e n a - Neu/We.-

V o r s c h l a g

zur Besetzung einer Schlüsselposition im Senat der Universität

J e n a

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ich schlage den:

Name: Keßler

Vorname: Heinz

geb. am u. in: ——— in ———

wohnhaft: Jena, ———

erl. Beruf: Gesellschaftswissenschaftler

jetz. Tätigkeit: Direktor d. ABF

Familienstand: ledig

Partei u. Massenorg.: SED, FDGB, DSF, FDJ

Vorstrafen: keine

als inoffiziellen Mitarbeiter zur Besetzung einer Schlüsselposition im Senat der Universität Jena

vor.

99


(... Text gelöscht ...)

D 56.3 Durchgeführte Anwerbung

- Abteilung V - Gera, den 20.12.1957

Betr.: Durchgeführte Anwerbung

Bezug: Vorschlag zur Anwerbung vom 11.10.1957

Am 20.12.1957 wurde der: Keßler, Heinz

geb. am: ———

geb. in: ———

wohnhaft: Jena-Lobeda, ———

besch.: ABF-Jena-Direktor

in seinem Dienstzimmer in Jena in der Arbeiter- und Bauernfakultät "Fred Oelsner" aufgesucht und

dort angeworben.

Unterzeichnender war dem Kandidaten schon durch eine vorhergehende Aussprache bekannt und

der Kandidat wusste, dass Unterzeichnender beim MfS Gera ist.

Mit dem Kandidaten wurde nochmals über die Arbeit im Senat der Universität und über die Arbeiter-

und Bauernfakultät gesprochen. Während des Gespräches zeigte der Kandidat in kurzer und

korrekter Form und Schwierigkeiten auf und deutete an, dass er jetzt vor den Ferien noch sehr viel

Arbeit zu bewältigen habe.

Dem Kandidaten wurde aufgezeigt welches Interesse wir an der Universität Jena und der Arbeiter-

und Bauernfakultät haben und wie er uns in unserer Arbeit unterstützen kann.

Die Anwerbung erfolgte durch Überzeugung. Der Kandidat war mit der Zusammenarbeit einverstanden

und schrieb eine schriftliche Verpflichtung. Er wählte sich den Decknamen "Gerhard Austin".

Während der Anwerbung traten keine Zwischenfälle ein, dieselbe verlief ohne Störung.

Der Kandidat verhielt sich bei der Anwerbung ruhig und beantwortete die gestellten Fragen sachlich

und korrekt. Forderungen hat er keine gestellt.

Er machte den Vorschlag die nächsten Treffs in seiner Wohnung Jena, - Lobeda, ——— durchzuführen,

weil er in Jena selbst zu bekannt wäre, um Treffs evtl. in Gastwirtschaften durchzuführen.

Unterzeichnender ging auf diesen Vorschlag ein. Aufträge erhielt der GI noch nicht. Er bat

darum, mit der Arbeit nach Ferienende zu beginnen. Der GI wurde eingehend belehrt über die

Einhaltung der Schweigepflicht.

Der GI hat für uns die Perspektive:

1. Kann er uns fast alle Wissenschaftler der Universität und ABF einschätzen.

2. Hat er die Möglichkeit uns die Protokolle des Senats zu übergeben.

3. Kann er uns über gefasste oder in Vorbereitung befindliche Beschlüsse des Senats unterrichten.

4. Hat er die Möglichkeit uns von allen Studenten der ABF Beurteilungen zu geben.

5. Kann er uns über evtl. geplante Republikfluchten von Dozenten und Studenten unterrichten.

6. Können wir listenmäßig alle die Studenten bekommen die neu immatrikuliert werden sollen

(dadurch besteht die Möglichkeit schon vor der Immatrikulation Anwerbungen durchzuführen).

7. Kann er die Parteiarbeit der Arbeiter- und Bauernfakultät einschätzen.

8. Hat er Verbindungen zu anderen Universitäten und zum Staatssekretariat für Hochschulwesen.

9. Kann er auf Grund seines grossen Bekanntenkreises in Jena auch über seinen fachlichen Rahmen

hinaus für uns arbeiten.

Der GI erhält bei nächsten Treff am 10.1.1958, der in der Wohnung des GI durchgeführt wird, die

Telefonnummer 6671 Apparat 260 und den Auftrag, das Leitungskollektiv der ABF einzuschätzen.

100

(Unterschrift)


(L ä s s i g)

-Hauptmann-

D 56.4 Eigenbericht zum Treff mit „G. Austin“

- Abteilung V - Gera, den 20.1.1958

E i g e n b e r i c h t

zum Treff mit GI "Gerhard Austin" am 10.1.1958 in Jena-Lobeda, ———

Am 10.1.1958 9.00 Uhr wurde der GI in seiner Wohnung aufgesucht.

Die Treffdurchführung dauerte bis 12.00 Uhr.

Dem GI wurden zu Beginn des Treffs seine Aufgaben, die er für das MfS durchzuführen hat,

nochmals eingehend erläutert. Der GI erklärte sich mit der Aufgabenstellung einverstanden und

war während der Treffdurchführung sehr aufgeschlossen.

Der GI erläuterte die Zusammensetzung und die Aufgaben des Senats der Universität Jena und

charakterisierte die Mitglieder des Senats. Weiterhin erläuterte der GI den Werdegang der Berufung

von westdeutschen Wissenschaftlern nach Jena. Die Berufung erfolgt durch die einzelnen

Fakultäten und diese werden vom Staatssekretariat für Hochschulwesen bestätigt. Der Senat hat auf

die einzelnen Berufungen fast keinen Einfluss.

Anschließend charakterisierte der GI das Leitungskollektiv der ABF Jena.

Dann wurde das Problem Republikflucht an der ABF angesprochen. Dazu führte der GI aus, dass

alle Lehrkräfte, die aus der ABF flüchtig wurden, in der Nähe von Saarbrücken wieder in ihrem

Beruf arbeiten. Er sprach den Verdacht aus, dass diese Personen von Saarbrücken aus Abwerbungen

durchführen. Die republikflüchtigen Lehrkräfte der ABF sind der Dienststelle Jena bekanntgegeben

worden.

Als nächster Punkt wurde durchgesprochen Beteiligung von Studenten der ABF an den Zusammenkünften

der ESG und KSG. Darüber erhielt der GI einen konkreten Auftrag.

Dann teilte der GI "Gerhard Austin" noch mit, dass mehrere Studenten der ABF mit dem Briefvermittler

K n u t s e n , Dänemark in Verbindung stehen. K. vermittelt Adressen zu Studenten

aller Länder ausser zu den Studenten in der Sowjetunion. Für diese Vermittlung fordert K. DM 2,-

West.

Diese Angelegenheit ist der Kreisdienststelle Jena - Arbeitsgruppe Universität - bekanntgegeben

worden.

Zum Abschluß charakterisierte der GI den Dekan der med. Fakultät Professor K l e i n s o r g e.

Während der Treffdurchführung schrieb der GI noch einen Bericht über das Ost-West-

Studententreffen in Westberlin im Hotel "Esplanata".

Der GI bat darum, dass der Genosse K ö h l e r von der Kreisdienststelle Jena ihn nicht mehr so

oft in der ABF aufsuchen möchte. Vom Unterzeichnenden erhielt der GI die Telefonnummer 6671

Hausapparat 260 und der GI gab Unterzeichnendem die Telefonnummer Jena privat 2151, Jena

ABF 4051 Apparat 349.

Der GI erhielt den Auftrag:

1. Eine ausführliche Charakteristik über den Dekan der med. Fakultät Prof. Kleinsorge zu fertigen.

2. Die Protokolle des Senats jeweils zu übergeben. (Dabei ist besonders die 400 Jahrfeier der

Universität Jena zu beachten.)

3. Alle Studenten der ABF, die Mitglieder der ESG oder KSG oder die Veranstaltungen derselben

besuchen, schriftlich zu übergeben.

101


Massnahmen:

1. Dem Stellvertreter operativ, Gen. Major Prusseit mitteilen, wie die Berufung von westdeutschen

Professoren nach Jena von statten geht. 1

2. Rücksprache mit der Arbeitsgruppe Universität Jena zwecks Einleitung der operativen Bearbeitung

von Abwerbungen nach Saarbrücken. 2

3. Rücksprache mit der Arbeitsgruppe Universität Jena über die Einleitung der operativen Bearbeitung

Knutsen - Dänemark.

4. Auswertung des schriftlichen Berichtes über das Ost-West-Studententreffen in Westberlin. 3

5. Abstellung des offiziellen Aufsuchens der GI in der Dienststelle durch den Genossen K ö h l e r

- KD Jena. 4

Nächster Treff am 29.1.1958 17.00 Uhr in der Wohnung des GI.

102

(L ä s s i g)

-Hauptmann-

Anmerkung

Der erste IM im Senat war der damalige Direktor der ABF und spätere 1. Prorektor Heinz Keßler.

Als GI „Gerhard Austin“ X/490/68 lieferte der ehemalige KGB-Agent jahrelang alle Protokolle

des Senats an das MfS.

D 57.1 Berufung eines Genossen Professors

Ministerium für Staatssicherheit

Bezirksverwaltung Gera

Kreisdienststelle Jena

B e r u f u n g

des Genossen Prof. Wilhelmi, Bernd

FSU Jena

Direktur der Sektion Physik

zur vertraulichen Mitarbeit bei der Sicherung der Arbeiter- und Bauern-Macht der DDR.

Die Organe für Staatssicherheit stützen sich in ihrem Kampf gegen die Feinde der DDR auf die

breite und aktive Mitarbeit der Bevölkerung unserer sozialistischen Heimat.

Auf Grund Ihres Staatsbewußtseins und ihrer Bereitschaft zum Schutze unserer sozialistischen

Errungenschaften berufen wir Sie zur vertraulichen Mitarbeit bei der Durchsetzung von Sicherheit

und Ordnung, der Beseitigung von Mängeln und Mißständen, von verbrechensbegünstigenden

Umständen und zur Mithilfe bei der Entlarvung von Feinden unserer sozialistischen Entwicklung.

Wir erwarten von Ihnen eine aktive und von gegenseitiger Verantwortung getragene Zusammenarbeit

zur weiteren Stärkung unserer sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik.

Jena, den 08.04.1975 Leiter der Kreisdienststelle

1 erl.

2 Bericht wurde Gen. Hartmann übergeben.

3 erl.

4 erl.

Mittenzwei

Major


Mir wurde die Berufung am heutigen Tage zur Kenntnis gegeben. Ich erkläre mich bereit, die mir

mit dieser Berufung übertragenen Pflichten ehrlich und gewissenhaft zu erfüllen.

Ich verpflichte mich, über die vertrauliche Zusammenarbeit, die sich aus dieser Berufung ergibt,

gegenüber dritten Personen und anderen staatlichen Organen unbedingtes Stillschweigen zu bewahren.

Jena, den 8.4.75 Unterschrift (Bernd Wilhelmi)

D 57.2 Bericht über die durchgeführte Gewinnung eines GMS

Kreisdienststelle J e n a Jena, den 08.04.1975

Referat Universität

B e r i c h t

über die durchgeführte Gewinnung des GMS Prof. W i l h e l m i

Die Gewinnung des GMS fand planmäßig am 08.04.75, 11.00 - 13.00, im seperaten Arbeitszimmer

des Prof. W. statt. Die Zielstellung, Gen. W. zur vertraulichen Mitarbeit bei der Sicherung der

Spitzenforschungen der Sektion Physik und andere für unser Organ bedeutsamen Probleme zu

gewinnen, wurde erreicht.

Verlauf des Gespräches:

Auf Grund der bisherigen Zusammenarbeit des W. mit dem MfS entfiel eine Erläuterung der Aufgabenstellung

unseres Organs. In der vorangegangenen Verbindung wurde bereits auf Konspiration

geachtet. Es traten keine Momente auf, die auf Unehrlichkeit und Schwatzhaftigkeit hindeuteten.

Gen. W. wurde die Bedeutung und Notwendigkeit dieser höheren Form der Zusammenarbeit mit

dem MfS erläutert, besonders hinsichtlich der vorhandenen Spitzenforschungen und gestiegenen

Anforderungen an den Geheimnisschutz.

Inhalt des weiteren Gespräches waren Erläuterungen seitens des W. zur Arbeitsgruppe Hochfrequenzspektroskopie,

die 1975 im Mittelpunkt der Sektion Physik steht. Die Gründe hierfür sind die

Umsetzung eines Labor-Spektroskometers von Jena zu einer internationalen Ausstellung im Herbst

nach Leipzig. Prof. W. deutete kurz die Probleme der Abteilung an und gab eine Wertung der

bedeutendsten Mitarbeiter.

Diese Problematik und der kurzfristige Einsatz des GMS im Rahmen des OV "Mühltal" zur operativen

Durchführung von Maßnahmen der Abteilung 26 und VIII, wozu er sich ohne Umstände

bereiterklärte, werden in einen gesonderten Bericht behandelt.

Verhalten bei der Erklärung zur Zusammenarbeit:

Gen. W. erklärte sich für die höhere Form der Verbindung zum MfS bereit. Er leistete dazu die

Unterschrift zur Berufung zum GMS. W. brachte zum Ausdruck, daß er die Notwendigkeit und

politische Bedeutung einer derartigen inoffiziellen Zusammenarbeit einsieht und unser Organ weiterhin

unterstützen wird. Ihm liegt es als Wissenschaftler nahe, daß mit den Ergebnissen der Forschungen

unsere Volkswirtschaft gestärkt wird und keinerlei Ergebnisse dem Gegner in die Hände

gelangen.

Die Normen der inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS wird er in vollen Umfang einhalten.

Festlegungen und Aufgabenstellung:

Mit dem GMS wurde je nach Notwendigkeit ein vier- bis sechswöchiger Treffrhythmus vereinbart.

Er ist bereit bei bestehender Notwendigkeit kurzfristig das MfS zu unterstützen.

Als Aufgabenstellungen wurden formuliert:

− Weitere Durchsetzung und Erhöhung der Verordnungen über Geheimnisschutz, Ordnung und

Sicherheit

− Abstimmungen bei der Auswahl der Geheimnisträger und Reisekader

103


− Informationen bei Vorkommnissen in der Forschung

− Einschätzungen bestimmter Arbeitsgruppen in der Forschung und Ausbildung

− Abstimmung bei kaderpolitischen Veränderungen an der Sektion

− die bisherige Personenkontrolle zum Ing. ——— bleibt bestehen

− Sicherung eines Informationsflusses zu politischen Höhepunkten und anderen bedeutsamen

Ereignissen in Wissenschaft, Lehre und Forschung.

Der GMS wird im Rahmen der Bearbeitung des OV "Mühltal" zur Gewährleistung von günstigen

Voraussetzungen für den Einsatz der Abteilung 26 und VIII an der Sektion Physik eingesetzt. In

diesen Zusammenhang wurde abgesprochen:

− Der Aufenthalt von Mitarbeitern des MfS am 16.04.1975 im Arbeitszimmer von Prof. P.

− Unterzeichneter erhält dazu den Generalschlüssel der Sektion

− Der GMS steht an diesen Tag zu Verfügung

− MfS erwirkt bei dem Direktor für Kader und Qualifizierung der FSU, Gen. Möller, eine Freistellung

von dem pädagogischen Vortrag am 16.04.75 in Georgenthal.

− Legendiertes Durchführen der Maßnahmen an der Sektion Physik

Eine erneute Absprache zu diesen Komplex wurde für den 11.04.1975/ 10.30/ vereinbart.

W ü r b a c h G r i m m e r

Oltn. Ltn.

amt. Ref.-Ltr.

104

M i t t e n z w e i

Major

Leiter der Kreisdienststelle

D 57.3 Sektion Physik, NLO, Quellenbericht, 1983

Kreisdienststelle Jena, 01.02.1983

Referat Universität Hü/-

Eigenbericht

Quelle: IMS "Helmut Müller"

erhalten am: 26.01.1983 Gen. Hübner

Information zum op. Ausgangsmaterial "Katze"

Die ——— wird durch die Quelle als eine Kollektivstütze angesehen. Durch ihre Hilfsbereitschaft,

Zuverlässigkeit und Arbeitsamkeit wird sie im Wissenschaftsbereich geachtet. Sie ist jedoch charakterlich

nicht immer ausgeglichen. Dies drückt sich vor allem gegenüber dem weiblichen Personalbestand

an der Sektion aus. Sie ist einmal "himmelhoch jauchzend" und dann wieder "zu

Tode betrübt". Charakterlich ist sie also nicht als ganz einfacher Typ einzuschätzen.

Mit der Quelle wurde in diesem Zusammenhang vor allem die Frage der Gestaltung des Ergebnisses

nach dem Treffen im März 1983 andiskutiert. Bei der Durchführung offensiver Maßnahmen zur

——— oder zum ——— gibt die Quelle zu bedenken:

a) bekommt der L. mit, daß hinter der Sektion Physik in Jena das Ministerium für Staatssicherheit

steckt, kann er, wenn er will, den Wissenschaftsbereich NLO auf dem Gebiet der Laserforschung

diskreditieren, da er dem Wissenschaftlergremium angehört, welche zu allen "Weltlaboren"

Zutritt haben damit wäre der gute Ruf Jena’s in der Welt beendet

b) würde das Verhältnis zu ——— von der ——— an der Sektion breitgetragen, dann würde mit

hoher Wahrscheinlichkeit die ——— kündigen und von der Sektion weggehen

damit wäre auch nichts geklärt.


Die Quelle regte an, daß nach dem Treffen im März 1983 unkompliziert eine Geheimnisträgerverpflichtung

einer bestimmten Personenkategorie des Wissenschaftsbereiches durchgeführt werden

könnte und somit die ——— zum Handeln bewegt werden könnte, bzw. in eine Konfliktsituation

(melden des Kontaktes oder nicht) kommt.

Zum Einengen des Zeitraumes, wann das Treffen im März 1983 stattfinden soll, wurde mit der

Quelle vereinbart, daß sie einen Brief an den ——— nach Amsterdam schickt und ihn um ein

Treffen in Triest anläßlich der Laserschule der UNESCO bittet. ——— soll mit entsprechenden

Vorschlägen aufwarten. Aus der Terminvorgabe und der Terminplanung der Laserschule kann

dann abgeleitet werden, ob sich das Treffen während der Hinfahrt des ——— zur Laserschule oder

während der Rückreise von Triest nach Amsterdam abspielt.

Zur Gewährleistung eines umfassenden Geheimnisschutzes führte die Quelle aus, daß nach wie vor

die beste Methode es ist eine Ersatzzielstellung für die Forschungen zu formulieren. Zum Weiteren

kommt es drauf an, daß die Vertragsbeziehungen der Forschungsthemen auf einen bestimmten

Personenkreis eingegrenzt werden und die strategische Linie des Kooperationspartners sowie dessen

gewünschter Vorlauf auf einem bestimmten Gebiet geheim gehalten wird. An letzter Stelle in

der Sicherung kommt nach Auffassung der Quelle erst das konkrete Objekt der Forschung.

Verteiler: 1x Akte

1x Material "Katze"

(Unterschrift)

Hübner

Oltn.

D 57.4 Aus einem Gespräch zwischen GMS „Helm“ und einem Stasioffizier

(... Text gelöscht ...)

Abschließende Frage, Du hast sicherlich bemerkt, wer mit uns zusammenarbeitet, der hat bestimmte

Methoden oder bestimmte Augen, kannst nehmen, wie Du es willst, wenn Du selber damit zu tun

hast, hast Du einen anderen Griff, andere Einstellung und siehst auch mehr, was Deine Mitarbeiter

machen. Ist Dir schon einmal bei dem B. aufgefallen solche Sachen, wo Du sagen könntest, na, der

arbeitet doch für die Firma.

ich bin sicher in der Richtung unerfahren, um das mit gutem Blick zu sehen. Ich würde es einfach

aus seiner Vergangenheit her für möglich halten, aber mir wäre nichts aufgefallen.

Gut, danke.

Anmerkung

In diesem Gespräch zwischen Wilhelmi und einem Offizier des MfS ging es um den vorgesehenen

Aufenthalt eines Wissenschaftlers in Österreich. Der Kandidat dafür war der in Moskau ausgebildete

Prof. B., WB NLO und später KO,der für die HVA/XIV/3-409 (Gen. Günther Blayer) positiv

erfaßt war.

D 57.5 Befehl zur Verleihung der Verdienstmedaille der NVA in Gold

Ministerrat Berlin, 6. Januar 1988

der Deutschen Demokratischen Republik

Ministerium für Staatssicherheit

Der Minister

105


106

B e f e h l Nr. K 269 /88

In Anerkennung und Würdigung konstruktiver Zusammenarbeit und vorbehaltloser Unterstützung

des Ministeriums für Staatssicherheit, insbesondere bei der Durchsetzung von neuen Sicherheitserfordernissen

in Schwerpunktbereichen der Hochschulforschung sowie bei der Erarbeitung von

operativ bedeutsamen Informationen,

v e r l e i h e i c h

Genossen Prof. Dr. W i l h e l m i , Bernd

geb. am ———

Rektor der Friedrich-Schiller-Universität

Jena

aus Anlaß seines 50. Geburtstages die

"Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee"

in G o l d

Mielke

Gef.: 2 Exemplare Armeegeneral

1. Ex. HA KuS/AKG

2. Ex. HA KuS/AKG

Anmerkung

Der Physiker Bernd Wilhelmi wurde 1975 als GMS „Prof. Wilhelmi“, verpflichtet. Später war er

der GMS „Helm“ X/1688/80 und noch später der IMS Helmut Müller. Wie zufrieden das MfS mit

ihm war, belegt die von Mielke verliehene „Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee“ in

Gold.

D 57.6 Kaderauftrag

Bezirksverwaltung Jena, 5. 5.

1983

für Staatssicherheit Gera eh-ga 2469/8

3

Kreisdienststelle

Ministerium

für Staatssicherheit

Hauptabteilung XX

Berlin

Kaderauftrag Nr. 236

Dr. rer. nat. W i l h e l m i , Bernd


geb. am ———

wh.: 6902 Jena-Lobeda, ———

ord. Professor an der FSU Jena, Sektion Physik

Der Berufung des Prof. Wilhelmi zum Rektor der FSU Jena wird seitens unserer DE zugestimmt.

Begründung:

Prof. Wilhelmi hat in seinem 20jährigen Wirken an der Sektion Physik, als Sektionsdirektor,

Hochschullehrer, NSW-Reisekader und Geheimnisträger unter verschiedensten Bedingungen politische

Standhaftigkeit gezeigt und feste parteiliche Positionen vertreten. Seine Anerkennung an der

FSU und in breiten Fachkreisen hat er durch sein überzeugendes politisches Auftreten, in Einheit

von Wort und Tat, erworben.

Sein persönliches Engagement bei der Überführung von Forschungsergebnissen in die Industrie

und der Intensivierung der Forschungskooperation mit Bereichen der speziellen Produktion des

VEB Carl Zeiss Jena sind ein weiterer Beitrag (letztes Wort gestrichen und handschriftl. durch

Beleg ersetzt) für seine politische Zuverlässigkeit.

In seinem Verhalten ist er geradlinig, einfach, konstruktiv und dynamisch. Sein Leumund ist dementsprechend

äußerst positiv. Sein bescheidener Lebensstil, saubere Familienverhältnisse, aber

auch Aufgeschlossenheit und diplomatisches Geschick und Zielstrebigkeit wirken vertrauenserweckend

und prägt auch dementsprechend sein Umfeld.

(... Text gelöscht ...)

Prof. Wilhelmi hat noch eine Schwester ——— und einen Bruder ———.

Überprüften Angaben zufolge besteht nur ein loser Kontakt zwischen den Geschwistern.

Prof. Wilhelmi ist für unsere DE erfaßt. Zum MfS hat er eine vorbehaltlose Einstellung.

Er unterstützte bisher konstruktiv eine vorbeugende schadensverhütende Tätigkeit ist aber genauso

bereit über vertrauliche Dinge aus seinem Kollegen- und Bekanntenkreis zu sprechen.

D 57.7 Verpflichtung 1982 - handschriftlich -

Leiter der Kreisdienststelle

Nowack

Oberstleutnant

Verpflichtung

Ich, Bernd Wilhelmi, geb. am ———, erkläre hiermit, das Ministerium

für Staatssicherheit in seiner Tätigkeit zum Schutz des

Friedens und der Errungenschaften der DDR aktiv zu unterstützen.

Durch meine vertrauliche Mitarbeit werde ich das MfS

bei der Wahrung einer hohen Ordnung und Sicherheit, der

Beseitigung von Mängeln und Mißständen, von

verbrechensbegünstigenden Umständen sowie bei der

Entlarvung von Feinden der sozialistischen Entwicklung aktiv

unterstützen.

Über meine Zusammenarbeit werde ich strengstes Stillschweigen

gegenüber dritten Personen sowie anderen staatlichen Or-

107


ganen wahren. Zur Aufrechterhaltung der konspirativen Tätigkeit

wähle ich den Decknamen "Helmut Müller".

D 57.8 Aktenvermerk zu IMS „Müller“, 1985

108

Jena, den 12.3.82

Bernd Wilhelmi

KD Jena Jena, 25.5.85

Ref. Uni

AKTENVERMERK

zur Gestaltung der Verbindung zum IMS „Müller“ - Reg.Nr.

X/1688/80

Der IMS ist seit Oktober 1983 Rektor der FSU Jena. Mit dieser

Schlüsselposition muß regelmäßig offiziell Kontakt gehalten

und op. Prozesse abgestimmt und koordiniert werden. Verkompliziert

wurde dieser Komplex 1984 durch den Ausfall der langjährig

tätig gewesenen Leitungskader 1. Prorektor und Kaderdirektor.

Eine Einschränkung der inoffiziellen Mitarbeit des IM ergab sich

daraus.

Mit dem IM wurde vereinbart zum frühestmöglichen Zeitpunkt

die Zielstellung der inoffiziellen Arbeit wieder in Angriff zu nehmen.

Gegenwärtig sind diese Voraussetzungen gegeben. Das Einverständnis

des IM liegt zur weiteren inoffiziellen Zusammenarbeit

vor. Bis zum Vorhandensein der geeigneten KW wird die

Trefftätigkeit im Arbeitszimmer des IM in der Sektion durchgeführt.

Für den op. MA ist das Betreten und Verlassen des Geländes

mit der Begründung Absprache mit dem Rektor für dritte

Personen glaubhaft zu begründen und bewegt sich in dem üblichen

Rahmen.

Erler, Hptm.

Anmerkung

Vordergründig hieß es damals, Wilhelmi habe so großes Interesse an der Physik, daß er sich auch

als Rektor die Zeit nimmt, wenigstens an einem Tag in der Woche in der Sektion Physik an seinen


physikalischen Aufgaben zu arbeiten. Damals hat keiner geahnt, daß er sich bei dieser Gelegenheit

auch mit seinem Führungsoffizier trifft.

D 57.9 Aktenvermerk zur Absprache mit Gen. der HVA XIII/SWT/2

Ref. Uni Jena, 6. 6. 84

Aktenvermerk

Zur Absprache mit Gen. Puppe HVA XIII/SWT/2

I. Zielstellung der Absprache:

− Koordinierungfestlegungen zu laufenden Info-austausch

− Festlegungen zum taktischen Vorgehen bei der weiteren

Bearbeitung des IMS-Vorganges „Müller“ - KD Jena und

des Schwiegersohnes des IMS „Müller“ - Einsatzkader für

OG der HVA XIII

II. Festlegungen:

1. Durch HVA wird in Richtung IMS „Müller“ keine aktive Bearbeitung

vorgenommen. Berichte des Schwiegersohnes werden

ohne Wertung entgegengenommen und mit KD Jena

gemeinsam bewertet.

2. Mit der Begründung einer weiteren Aufklärung/Fertigstellung

seiner Kaderdokumente für das MfS wird durch die HVA versucht

abzuklären welche Rolle die Verwandtschaft des IMS

„Müller“ in Erfurt spielt. Im Mittelpunkt stehen die Westverbindungen

und die Kontakte zum IMS „Müller“. Informationen

dazu werden der KD Jena übermittelt.

3. Durch die HVA wird die Einschätzung der KD Jena geteilt,

daß es sich bei der Familie des IMS „Müller“ kleinbürgerliche

Züge stark ausgeprägt sind. Unter dem „Ruhm“ und der Stellung

des Vaters wurden für die Töchter Studienplätze besorgt

und perspektivisch sollen die Wohnungsprobleme geklärt

werden.

(... Text gelöscht ...)

(Unterschrift)

Erler

Hptm.

D 57.10 Kontrollmaßnahmen (Spitzengeheimnisträger)

109


Bezirksverwaltung Jena, 5. November

1986

für Staatssicherheit Gera ehr-kl 5962 /86

Kreisdienststelle Jena

Ministerium

für Staatssicherheit

HA XX/8

Gen. Grabner

Berlin

Zur weiteren umfassenden Aufklärung von Spitzengeheimnisträgern der FSU, die in den Komplex

"Heide" und die Entwicklung der Hochtechnologie-Forschung einbezogen sind, benötigen wir, wie

telefonisch abgesprochen, zur Einsichtnahme, Auswertung und zur Einleitung weiterer Kontrollmaßnahmen:

1. Kaderakte des Rektors der FSU - Prof. Wilhelmi,

2. Die durch Prof. Wilhelmi im Zusammenhang mit seiner GVS-Verpflichtung durch den Minister

eingereichten Unterlagen, insbesondere die Kontakterklärung und bisher gemeldete Kontakte,

3. vorhandene Unterlagen zur dienstlichen Reisetätigkeit von Prof. Wilhelmi ins NSW und SW,

sofern möglich mit Aussagen zu Einzel- und Gruppenreisen.

4. Hinweise auf 1987 geplante dienstliche Reisen und möglich Begleitpersonen.

Sollten Ihrerseits IM/GMS zur Aufklärung und Durchführung von Kontrollmaßnahmen von Prof.

Wilhelmi einsetzbar sein, bitten wir um Koordinierung.

Telefonische Rücksprachen sind mit Gen. Ehrler zu führen.

110

Leiter der KD Jena

(Unterschrift)

Schleitzer

Oberst

Rücksprache mit Gen. Weidel (21879) am 20.01.87 zur Durchsetzung

offener

Probleme. Informationen dazu werden nach Klärung übersand.

(Unterschrift)

D 58 Primär zu sichernde Forschungsthemen der FSU Jena

Abteilung XX Gera, 14. Mai 1986

eh-kn

Gen. Oberst S e i d e l !

Im folgenden die geforderte Bestandsaufnahme, die ich Sie bitte nur p e r s ö n l i c h zu verwenden,

da sie einer VVS entnommen ist.

Ich übergebe Ihnen ein zweites Exemplar mit der Bitte, dieses zu gegebener Zeit an mich zurückzuschicken.

Da Sie die Bestandsaufnahme für vergleichende u.a. analytische Zwecke benötigen, habe ich einen

breiten Rand gelassen.


Aus der Sicht der Abteilung XX primär zu sichernde Forschungsthemen der FSU Jena

(Nachstehend genannte Themen sind dem Komplex HEIDE zugeordnet)

(PB-Beschluß vom 26.10.1985)

1. Entwicklung von Lasern mit frequenzstabiler Strahlung für Feterodynanlagen.

Federführung durch FSU, Kooperation mit AdW, Auftraggeber KCZ, ab

1987 mit 20 VbE

2. Erkundung aktiver Medien für Festkörperlaser im Wellenlängenbereich 2 µm

Federführung AdW, FSU Teilaufgaben, ab 1987 10 VbE

3. Entwicklung automatischer Prüf- und Meßmittel für die Produktionskontrolle

der optischen Eigenschaften von Infrarot- und Ultraviolettwerkstoffen.

Federführung KCZ (MfEE), FSU wesentliche Teilaufgaben, ab 1987 mit 40

VbE

4. Schaffung eines faseroptischen Gyroskops.

Kooperation mit KCZ, ab 1987 mit 10 VbE

5. Asphärische Formgebung optischer Flächen durch vakuumtechnische Bearbeitungsverfahren.

Federführung AdW, FSU Teilaufgaben, ab 1987 mit 5 VbE

6. Erkundung von Lösungswegen für elektrooptische Laserstrahlablenkung.

Federführung AdW, Mitte 1986 durch FSU Leistungsangebot zur Mitwirkung

7. Entwicklung optischer Prozessoren für Verarbeitungsgeschwindigkeiten über

100 Millionen Operationen (sec)

Federführung AdW, 3/86 sollte FSU Leistungsangebot unterbreiten

8. Verfahren und Ausrüstung für die zerstörungsfreie Prüfung von Lasermedien,

-werkstoffen und -schichten auf Laserstrahlungsfestigkeit.

Federführung AdW, FSU Teilaufgaben, Kooperation IHS Mittweida, ab 1987

mit 10 VbE

Leiter der Abteilung

(ohne Unterschrift)

H o h b e r g e r

Oberstleutnant

D 59 Arbeitsauftrag zum Umgang m. wissensch.-techn. Unterlagen

A r b e i t s a u f t r a g

Bemerkungen

Dem MHF stehen vertraulich wissenschaftlich-technische und hochschulpolitische Informationen

zur Verfügung. Hiermit werden Sie in die Auswertung solche Informationen einbezogen, die für

Ihr Arbeits- und Verantwortungsgebiet zutreffen.

Ich bin mit der Organisation dieser Arbeit durch den Minister beauftragt.

Sie werden angewiesen, alle von mir gestellten Anforderungen bezüglich der Einhaltung von Terminen,

der Verwahrung von Informationen, der Einschätzungen in allgemeiner Form oder entsprechend

spezieller Fragen zu erfüllen. Ich bin berechtigt, die Auswertung und die Einhaltung der

unten genannten Festlegungen zu kontrollieren.

111


Folgende Festlegungen sind von Ihnen zu beachten:

1. Die Existenz sowohl dieses Arbeitsauftrages als auch der Informationen darf anderen Personen

nicht bekannt werden.

2. Eine Vervielfältigung der Unterlagen ist nicht gestattet. Zum Zwecke der Vermittlung von

Kenntnissen an Ihre Mitarbeiter können Sie mündliche oder auch schriftliche Informationen erarbeiten.

Der Originaltext darf nicht wörtlich verwendet werden; Zeichnungen aller Art dürfen

nicht in gleicher räumlicher Aufteilung abgenommen werden. Zur Entnahme von Details dürfen

keine Schreibkräfte oder Zeichner beschäftigt werden, es sei denn, von mir wird dies ausdrücklich

gestattet.

3. eine Verwendung von aus diesen unterlagen entnommenen Fakten, Abbildungen usw. für Veröffentlichungen

und Vorträge ist nicht gestattet.

4. Die Aufbewahrung der vertraulichen Unterlagen hat in einem versiegelten, feuerfesten Schrank,

getrennt von anderen Schriftstücken und sicher vor dem Zugriff anderer Personen zu erfolgen.

5. Empfang und Rückgabe erfolgen gegen Quittung.

Sofern es sich um VS handelt, weise ich auf die "Anordnung zum Schutz von Staatsgeheimnissen

vom 20. August 1974" hin. Diese Anordnung gilt bei diesen Materialien inhaltlich auch für VD.

6. Alle Vorkommnisse, die den vorgenannten Bedingungen entgegenstehen, sind mir unverzüglich

zur Kenntnis zu geben. Bei Ausscheiden aus der gegenwärtigen Dienststellung bzw. bei längerer

Abwesenheit sind die empfangenen Unterlagen an mich zurückzugeben.

Jena

Berlin, den 06. 12. 197 5 (Unterschrift)

ZAWG-Leiter

Ich wurde heute über den Umgang mit den genannten wissenschaftlich-technischen Unterlagen

belehrt und verpflichte mich durch Unterschrift, die im Arbeitsauftrag genannten Forderungen

einzuhalten.

Jena

Berlin, den 6. 12. 197 5 (Unterschrift)

(Unterschrift)

Hannes Peuker

D 60.1 Gespräch am 14.5.81 im Gästehaus der Universität

Gen. Grabner, b. R.: wie soll Sch. weiter allseitig aufgeklärt werden, es

darf

uns kein Fehler unterlaufen.

1.9.81

HA XX/8

112

B e r i c h t

Gespräch am 14.5.81 mit Prof. Dr. Ernst Schmutzer im Gästhaus der Universität Jena

Gegenstand des Gespräches war die BRD-Reise des Schmutzer in der Zeit vom 4.5.-12.5.81 in

verschiedene Städte der BRD.

Sch. berichtete ausführlich über den Inhalt der BRD-Reise. Insgesamt hielt er 10 Vorträge zu drei

Problemen, die bereits auf dem GR 9 in Jena im Mittelpunkt standen. Dabei handelt es sich um

erreichte Forschungen auf dem Gebiet der Physik - Relativitätstheorie, Gravitation u. Feldtheorie.


Für diese Vortrage lagen Einladungen zu den hauptsächlichsten Universitäten und Hochschulen der

BRD vor. Sch. referierte meistens vor einen ausgewählten Fachkreise woraus im Anschluß am

Vortrag eine Diskussion entwickelte.

Dazu Übersicht über die Universitäten /Hochschulen u. Personen welche die Vortragstätigkeit von

Schmutzer organisierten:

Paderborn: Neugründung einer Universität nennt sich Gesamthochschule. Neuer Typ einer

Hochschule in der BRD

Personen: ——— Theoretische Physik

——— Theoretische Physik

A. stammt aus Dresden und ging ende der 40. Jahren nach WD.

Dr. ——— Feldtheorie war zum GR9 Jena

Köln: Institut für Theoretische Physik

Personen: Prof. ——— war in WB u. HUB

Prof. ——— Feldtheorie

Prof. ——— stammt aus Leipzig

Assistent ———

Tübingen: Max-Planck-Institut für Physik

Personen: Prof. ———

Prof. ———

Prof. ———

Starnberg: Max-Planck-Institut 50 Personen 6 Theoretische Ph.

Prof. Karl Friedrich Weizsäcker

Prof. ——— (Univ. München)

Maßnahmen: Die Personalien von den Personen sind zu vervollständigen. Überprüfung in der Abt.

XII u. HA VI.

Gespräch mit Prof. Karl Friedrich Weizsäcker am 5.5.81 abends in seiner Wohnung in Starnberg.

Über die politischen Aussagen des Weizsäcker zu aktuellen Problemen wurde eine gesonderte

Information gefertigt. (Siehe Anlage)

Weizsäcker interessierte sich besonders für die Tätigkeit von Schmutzer seine erreichten Forschungsergebnisse

und für einen ständigen Kontakt möglichst auf privater Ebene. Weizsäcker regte

einen ständigen Briefverkehr an und einen kurzen Besuch bei der Fam. Schmutzer für dieses Jahr

in Jena.

Weizsäcker möchte nicht öffentlich auftreten, weil er gegenwärtig fachlich nicht viel Neues zu

bieten hat. Er beklagte sich gegenüber Schmutzer keine als zu guten Leute zu haben die forschungsmäßig

etwas leisten können.

Weizsäcker sprach über die Leopoldina dessen Mitglied er ist. Es besteht seinerseits nicht die Absicht

im Oktober 1981 an der Leopoldina-Tagung in Halle teilzunehmen, weil er sich wissenschaftlich

nichts bedeutendes davon verspricht.

Unabhängig davon hat er ständigen Kontakt zu den engenen Kreis der Leopoldina-Mitglieder der

BRD Prof. ——— Uni München, Prof. ——— u.a.

Schmutzer ist der Auffassungen, daß er zu Weizsäcker einen ständigen fachlichen Kontakt aufbauen

kann, da er in seinen Forschungen weiter ist wie Weizsäcker und er ihn nutzen möchte um nicht

noch weiter ins Hintertreffen zu kommen.

Auf dieser Grundlage ist es auch möglich nach Einschätzung von Schmutzer über seine Beraterfunktion

bei Bundeskanzler Schmidt u. Außenminister Genscher zu sprechen sowie Informationen

zu bekommen über aktuell-politische Probleme der Beziehungen u. Vorstellungen der BRD zur

DDR.

Schmutzer wird einen brieflichen Kontakt zu Weizsäcker auf und einen frühstmöglichen Termin

vereinbarten wann Weizsäcker privat nach Jena kommt.

Zu einigen globalen Einschätzung die Schmutzer durch seinen Aufenthalt in der BRD getroffen

hat.

113


Mit allen Wissenschaftlern wo Schmutzer fachlichen Kontakt hatte wollen in der Tat keinen Krieg

und möchten das die Entspannungspolitik fortgesetzt wird. Sie unterliegen aber der westlichen

Ideologie und damit der Lüge von der "Sowjetischen Bedrohung". Aus diesem Grunde sind sie

noch nicht bereit sich gegen die Hochrüstung zu wenden. Prof. ——— von der Uni-Tübingen will

sich mit einen persönlichen Brief an Genscher gewandt haben, daß der Kurs der BRD-Regierung

nicht zur Abrüstung führt und er könnte dieses als Wissenschaftler nicht mehr verantworten.

Auf der anderen Seite fand Schmutzer die Meinung vor, daß die "demokratischen Freiheiten" wie

sie in der BRD existieren so bleiben soll. Das heißt insbes. Reisefreiheit und hoher Lebensstandard.

Die Professoren verdienen im Durchschnitt (Gebiet Physik) 6.-7. Tausend Mark. die wiss.

Assistenten bis zu 3.000,- Mark. Ein inergtischen Kampf müßte gegen die Mordanschläge geführt

werden, die immer mehr zu nehmen.

Schmutzer wurde bei seinen Auftreten als DDR-Wissenschaftler geachtet, nicht provoziert oder

beschimpft. Bei der Einreise in die BRD wurde er vom Grenzkontrolle der BRD befragt wo er

hinreist und auf wessen Einladung.

Bereitschaftserklärung des Schmutzer für eine weitere Zusammenarbeit mit dem MfS

Schmutzer erklärte sich bereit das MfS auf der Grundlage der gegebenen Informationen über seine

Reise nach der BRD und zu geplanten Aufenthalten von BRD-Wissenschaftler entsprechend der

Interessen des MfS Informationen zu geben.

Dabei zeigte er auch die Bereitschaft die Verbindung zum MfS Gen. Grabner zu konspirieren. Er

ist für eine konspirierte Durchführung von Treffs, die nach Möglichkeit im Gebiet von Jena aber

auch in Berlin bei abgedeckten Dienstreisen möglich sind.

Für den Abend sprach er eine persönliche Einladung in Verbindung mit dem IME Manfred zum

Abendessen in seine Wohnung aus. Diese Einladung wurde wahrgenommen. Unterzeichneter ist

bei der Ehefrau als Mitarbeiter des MHF bekannt.

Bei dieser Zusammenkunft sprach er ausführlich über seine persönliche Entwicklung in der DDR,

sein gesichertes Leben in der DDR, seine handwerkliche Betätigung zur Erhaltung seines Hauses

und seine Bindung an die Stadt Jena.

Schmutzer ist ein vielseitig gebildeter Mensch der in Wort und Schrift die englische Sprache beherrscht.

Er stellt hohe Einsprüche an sich selbst und möchte vorallem wissenschaftlich noch bedeutendes

leisten.

Nach seinen Angaben steht er vor zwei bedeutenden Aufgaben

114

1. Mögliche Erarbeitung eines neuen Hochschullehrbuches für die Grundlagen der theoretischen

Physik

2. Fortsetzung seiner begonnen Forschungen die Spitzenleistungen darstellen auf dem Gebiet

der Feldtheorie.

Er ist sich darüber im klaren, daß er sich nur einer Aufgabe voll widmen kann und wird nach seinen

jetzigen Erkenntnissen mit der Forschung beschäftigen.

Erste Einschätzungen nach diesem Gespräch

Schmutzer ist ein profilierter Wissenschaftler der DDR, der Grund seiner Ergebnisse aus Experte

gilt.

Auf Grund dieser Tatsache steht er im Interesse der BRD-Wissenchaft und der anderen westlichen

Länder. Er ist ein Mensch mit Sachu. Genauigkeit der das Leben kennt und seinen Platz als Wissenschaftler

im Sozialismus sieht. Er sieht vorallem seine Verantwortung als Wissenschaftler in der

Erhaltung des Friedens und in der Beeinflußung von bürgerlichen Wissenschaftler der BRD für

diese lebenswichtige Hauptaufgabe.

Daraus erklärt sich auch seine Bereitschaft für eine weitere inoff. Zusammenarbeit mit dem MfS.

Ein weiteres Gespräch wurde mit Schmutzer für Anfang Juli 1981 vereinbart.

Vereinbarungen mit der KD Jena, Gen. Würbach, Stellv. Leiter der KD u. Arbeitsgruppenleiter

Gen. Hptm. Erler

Schmutzer ist bestätigter Auslandskader u. demzufolge auf dem Sicherungsvorgang der FSU Jena

erfaßt.


Die verantwortlichen Genossen der KD Jena sind bereit eine Löschung zu Gunsten der HA XX/8

vorzunehmen. Alle Informationen die offiziell u. inoff. bekannt werden der HA XX/8 zu zuleiten.

Vorliegende Handakte bei der KD-Jena (Archiv) wurde am 15.5.81 ausgewertet.

Ergebnis der Auswertung:

(... Text gelöscht ...)

Maßnahmen: Überprüfung Abt. XII

(Unterschrift)

Grabner

D 60.2 Gespräch am 26.8.81 im Interhotel „Schwarzen Bär“ Jena

Ha XX/8 Berlin, den 31.8.81

B e r i c h t

über ein Gespräch am 26.8.81 mit Prof. Dr. Ernst Schmutzer im Interhotel "Schwarzer Bär" Jena

Die Zusammkunft wurde vom IME "Manfred" vereinbart. Schmutzer erschien wie

vereinbart um 16.00 Uhr am Treffort.

Am Treff nahm der IME '"Manfred" teil.

(... Text gelöscht ...)

Seit dem 24.8.81 arbeitet Schmutzer wieder. Was seine berufliche Entwicklung an betrifft wird er

ab Januar 1982 ein neues Lehrbuch über die Grundlagen der theoretischen Physik für Hochschullehrer

schreiben. Bis Mitte September will er dazu eine Konzeption erarbeiten und diese beim

MHF zur Bestätigung einreichen. Gleichzeitig will er die begonnen Forschungen auf dem Gebiet

der Feldtheorie der Physik fortsetzen und dazu einen Assistenten der Sektion Physik der Uni Jena

mit dafür beauftragen. Er übt aber darüber die Kontrolle aus.

In seinem Wesen war er aufgeschlossen und guter Laune.

Im Mittelpunkt der weiteren Zusammenkunft stand die Person

Prof. Dr. Ing. Karl-Friedrich von Weizsäcker

geb. ——— in Kiel

Berater des Bundeskanzler Schmidt

Seit Juni hatte Schmutzer keinen Kontakt zu Weizsäcker.

Schmutzer wurde konfrontiert mit den 70zigsten Geburtstag des Weizsäcker zu mal die Absicht

besteht Weizscker im Rahmen der "Leopoldina" zu ehren.

Schmutzer entwickelte ein ganzes Programm was durchaus möglich wäre und für ihn selbst Veranlassung

wäre aktiv zu wirken. Im Rahmen der Leopoldina ein wissenschaftliches Symposium ca 40

- 50 Personen dazu einzuladen und einen Festvortrag zu halten. Zum zweiten bestände die Möglichkeit

eine Art Monografie zu erarbeiten, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift der "Leopoldina"

veröffentlicht werden könnte.

Zum Dritten könnte durch die Leopoldina eine Ehrung in der BRD vorgenommen werden. Kleiner

Kreis)

In all diesen Fragen wäre eine Abstimmung mit den Präsidenten der Leopoldina Bethge erforderlich.

Bethge hält isch gegenwärtig im westlichen Ausland auf und wird im September 1981 (Mitte)

zurück sein.

Im Gespräch erkannte Schmutzer, daß mögliche staatliche und gesellschaftliche Anliegen die Persönlichkeit

Weizsäcker in den Fragen des aktuellen Friedenskampfes zu nutzen um die positiven

Seiten seines Lebens darzustellen.

Auf Grund dieses Anliegen wäre es Schmutzer möglich, wenn er von Bethge die Auflage in einer

der 3 Richtungen vorzugehen. Die Vorstellungen von Schmutzer lassen sich so einordnen, daß er

selbst mit Weizsäcker spricht, seinen nächsten Angehörigen, wie seinen Bruder Bürgermeister von

115


Westberlin, seinen Söhnen und Wissenschaftlern die Weizsäcker durch jahrelange Tätigkeit kennen.

Schmutzer wird dazu bereits eine gedankliche Konzeption vorbereiten. Ab Mitte September könnten

dazu die ersten Schritte eingeleitet werden.

Schmutzer hat sich für diese Aufgabe begeistert und sieht auch einen echten Aufhänger staatssicherheitsmäßig

Aufgaben dadurch zu erledigen.

Im Folgenden machte er noch eine interessante Äußerungen

D 60.3 Tonbandabschrift IME „Manfred“, 1981

116

(Unterschrift)

Grabner

Hauptabteilung XX/8 Berlin, 26. Januar 1982

gr-ha

B e r i c h t

S c h m u t z e r , Ernst

geb. ———

69 Jena, ———

ord. Prof. für Physik an der FSU Jena, Sektion Physik

Sch. ist seit 1969 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher/"Leopoldina", in der Sektion

Physik, 5519. Seit 1975 ist Sch. Senator der "Leopoldina", des höchsten Wahlgremiums innerhalb

der Akademie. Er hat die Funktion als Atjunkt der Bezirke bzw. Kreise Jena, Erfurt, Gera,

Suhl. Sch. ist 1979 erneut als Senator gewählt wurden.

Als Mitglied des Senates hat er das Vorschlagsrecht auf Mitgliedschaften, auf die Ernennung von

Obmännern und die Ernennung von Obmännern innerhalb der Akademie. Als Mitglied des Senates

nimmt er die Rechenschaftsberichte des Präsidiums entgegen und stimmt für die Neuwahl von

Mitgliedern im Präsidium. Sch. hat sich in der "Leopoldina" kontinuierlich entwickelt, seine Position

als Wissenschaftler und als Mitglied der "Leopoldina" hat er permanent ausgebaut. Bereits

1972 konnte er ein eigenes Symposium auf dem Gebiet der Relativitätstheorie auf der Warburg/Eisen.

veranstalten. Das ist insofern von Bedeutung, daß derartige Symposien nur Kapazitäten

vorbehalten sind und seine Mitgliedschaft in der "Leopoldina" von 1969 - 1972 ein geringer Zeitraum

war. Danach ist Sch. immer aktiver in der Jahresversammlung aufgetreten. Zuerst als Leiter

von Podiumsgesprächen, dann als Leiter von Diskussionskreisen und zuletzt 1980 auf der Jahresversammlung

der "Leopoldina" hielt er den Festvortrag. Es kann eingeschätzt werden, daß Sch.

innerhalb der "Leopoldina" einen gefestigten Stand als Wissenschaftler wie aber auch als Persönlichkeit

hat und bei den Wissenschaftlern Anerkennung Beachtung findet.

Sicherlich ist das einerseits das Ergebnis seiner starken Persönlichkeit, der sich arrangiert, tritt

selbstbewußt auf, hat ein hohes fachliches Niveau aufzuweisen und setzt erhebliche Zeit ein, um

Aktivitäten für die "Leopoldina" zu entwickeln. Andererseits kann nicht ausgeschlossen werden,

daß Sch. vom Präsidium der "Leopoldina" Unterstützung bei seiner Entwicklung erhalten hat,

insbesondere von dem Präsidenten

Sch. tritt sehr selbstsicher auf, sein Umgang mit Wissenschaftlern aus dem SW und NSW ist unkompliziert,

er ist sehr kontaktfreudig, kommt auch schnell mit anderen Personen ins Gespräch.

1977 erhielt Prof. Sch. von der Stadt Schweinfurt/BRD den Förderpreis in Höhe von ca. 4 000,-

DM. Er hat den Preis offiziell dem MHF bekanntgegeben und vom MHF die Ausreise mit Ehefrau

zum Empfang des Preises bekommen.

1980 hat Sch. auf der Jahresversammlung der "Leopoldina" die Gustav-Karus-Medaille, die höchste

Auszeichnung der "Leopoldina" erhalten.

Was intern. Aktivitäten des Sch. angeht, so hat er sich in den letzten zwei Jahren auf die Vorbereitung

des in Jena konzentriert. In der Zeit 1972 - 74 war Sch. arrangiert bei Vorbereitung


und Unterzeichnung eines Universitätsvertrages mit der Universität Nizza/Frankreich. Gegenwärtig

gibt es mit Nizza keinen aktiven Wissenschaftler-Austausch. Was die generelle Reisetätigkeit des

Sch. anbetrifft, so tritt er , was die NSW-Länder betrifft bescheiden in Erscheinung, intensiver reist

er in die soz. Länder und zu intern. Tagungen und Kongressen.

Ich kenne Sch. seit 1972. Seit dieser Zeit arbeite ich im Rahmen der "Leopoldina" mit Sch. eng

zusammen. Er hat sich in persönlichen Angelegenheiten an mich gewandt und glaubt in mir eine

persönliche Stütze zu haben.

1972 wurde die Festlegung zwischen MHF und ADW getroffen, die Ausbildung und Forschung auf

dem Gebiet der "Allgemeinen Relativitätstheorie und Physik soll in die Verantwortung des Hochschulwesens

eingegliedert werden. An der Friedrich Schiller Universität Jena wurde ein Forschungs-

und Lehrzentrum unter Leitung des Prof. Sch. aufgebaut. Bereits 1972 machte mich Sch.

darauf aufmerksam, daß innerhalb der ADW, vor allem durch Prof. Rompe und Treder ihm gegenüber

erhebliche Vorbehalte gemacht wurden, und er den Eindruck habe, daß man seine Entwicklung

in der Perspektive behindert bzw. stören wolle. Es gab dazu Anzeichen, daß er, da er nicht

Mitglied der ADW ist, Schwierigkeiten bekommt beim Druck und bei der Herausgabe eines Lehrbuches.

Von Prof. Treder erhielten seine Mitarbeiter Verbot bei der Organisierung von Symposien

oder Tagungen in Erscheinung zu treten. Sch. litt unter diesem Druck, was insbesondere das Verhältnis

zur ADW anbetrifft.

1973 wurde Sch. mit Unterstützung des MHF Mitglied der internationalen Vereinigung für Relativitätstheorie

und Gravitation. Die Professoren Rompe und Treder hatten damals versucht, seine

Mitgliedschaft zu verhindern, so daß es ein Gespräch mit Sch. von Seiten des Generalsekretärs

Grote, der ADW gab. Grote reagierte positiv auf das Anliegen des MHF. Ungefähr zum gleichen

Zeitpunkt hat Sch. den Versuch unternommen, seine persönliche Stellung einer Klärung zuzuführen.

Sch. ist nach seinen Schilderungen Sohn einer kommunistischen Familie, die vor und nach

1945 in der CSSR lebte und er aufgrund seiner wissenschaftlichen Perspektive 1947 in die damalige

Ost-Zone übergesiedelt ist. Er selbst bezeichnet sich als dialektischer Materialist und Kommunist.

In der "Leopoldina" ist er immer arrangiert für uns aufzutreten. Ich kenne kein Beispiel, wo sich

Sch. wissenschaftlich und weltanschaulich von unserer Position getrennt hat bzw. gegen uns aufgetreten

ist. Zusammen mit Prof. Friedhard, Klix, HU Berlin, und Prof. Böhm aus Gardesleben hat er

innerhalb des Senates der "Leopoldina" und bei öffentlichen Veranstaltungen eine progressive

Rolle gespielt.

Sch. leitet sowohl unter dem Fakt, daß er aus der SED ausgeschlossen wurde, wie auch unter der

Tatsache, daß er glaubt von einigen Mitgliedern der ADW benachteiligt zu werden. Das führt bei

Sch. zu einer Überempfindlichkeit und hier und dort zu einer ungerechten und nicht sachlichen

Beurteilung einiger Dinge, die mit seiner Person im Zusammenhang stehen. 1972 hat er sich bereits

mit einem Brief an Prof. Hager gewandt, den er mir damals vorher zur Kenntnis gegeben hat, um

seine Position zu einigen Grundfragen der Entwicklung der theoretischen Physik in der DDR darzulegen.

Weiterhin hat er in diesem Brief seine eigene Position zur DDR und zum Sozialismus

dargelegt. Damit wollte er erreichen, mögliche Vorbehalte von der Parteiführung aus dem Wege zu

räumen. Von der Abt. Wissenschaft des ZK gab es aufgrund des Briefes ein Gespräch mit Sch., wo

ihm seine Loyalität zur DDR bestätigt wurde und ihm die Zusage gegeben wurde, Unterstützung zu

gewähren in seiner wissenschaftlichen Arbeit. Sch. ist seitdem nie wieder auf die Sache zurückgekommen.

Er erhebt auch gegenwärtig keinen Greul oder Vorbehalte gegenüber der Partei oder

staatlichen Institutionen.

In Vorbereitung und Durchführung der Jahresversammlung der "Leopoldina" im Jahre 1979 habe

ich mit Sch. eng zusammengearbeitet. Aufgrund seiner aktiven Tätigkeit ist es gelungen, einige

Grundfragen offen im Leitungsgremium der "Leopoldina" zu beraten und zu verhindern, daß westliche

Wissenschaftler mit ihren Vorstellungen die Tätigkeit der "Leopoldina" in ihrem Sinne beeinflussen

konnten.

Sch. hat engen Kontakt zu den BRD-Professoren, Prof. ———, Universität Göttingen, Prof. Weiszäcker,

Universität München und Präsident der Max-Blanck-Gesellschaft, Prof. ——— Universität

München und Prof. ———, Universität Frankfurt/M. Darüber hinaus hat er noch weitere Kontakte

zu profilierten Wissenschaftlern nach England, Frankreich und den USA. Gleiches trifft auch zu für

alle soz. Länder. Seit 1972 besteht enger persönlicher Kontakt zu Prof. Weiszäcker. Der Charakter

dieses Kontaktes ist eng und kollegial. Mit Prof. Weiszäcker steht Sch. in brieflicher und persönlicher

Verbindung und diskutiert mit ihm über Fragen der theoretischen Physik und soziale Probleme

der Gesellschaft. Aus der heutigen Sicht kann eingeschätzt werden, daß es Sch. möglich sein

117


könnte, gezielte Informationen von Prof. Weiszäcker zu erhalten, was sowohl die BRD-Forschung,

aber auch die Wissenschaftspolitik der BRD anbelangt. Weiszäcker ist Berater des Bundeskanzlers

Schmidt und des Bundespräsidenten der BRD.

Es kann davon ausgegangen werden, daß Sch. eine günstige Position und Stellung hat, um mit und

über Prof. Weiszäcker gezielte Informationen zu erlangen. Nach meiner Ansicht könnten das folgende

Informationen sein:

− Informationen über die politische Situation innerhalb der Max-Blanck-Gsellschaft der BRD

(Präsident der Max-Blanck-Gesellschaft)

− Informationen über die abgestimmte Wissenschaftspolitik der BRD mit der Bundesregierung

und der Politik der BRD gegenüber der DDR

− Informationen von und zu führenden Persönlichkeiten der BRD in erster Linie zum Bundeskanzler

Schmidt, zu den Regierungsmitgliedern Emke und Egon Bahr. Darüber hinaus von seinen

Bruder, der inzwischen Bürgermeister von WB wurde.

Nach Auskunft der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat der Rektor, Prof. Bolck, beim MHF

bereits 1979 für Sch. den Nationalpreis eingereicht. Dieser Antrag wurde mit der Begründung

zurückgestellt, daß für 1980 bereits 2 andere Wissenschaftler für den Nationalpreis vorgesehen

sind, aber Sch. für Oktober 1981 eingereicht wird.

118

gez. "Manfred"

D 60.4 Vorschlag zur Werbung eines IMB, 1982

Hauptabteilung XX/8 Berlin, 15. 4. 1982

gra-fr

V o r s c h l a g zur Werbung eines IMB

Es wird vorgeschlagen, den

Prof. Dr. Schmutzer, Ernst

geb. am ———

wh. 69 Jena, ———

PKZ: ———

Prof. mit Lehrstuhl in der Sektion Physik

der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU)

Fachgebiet: Festkörperphysik

Parteizugehörigkeit: parteilos

Familienstand: ———

erfaßt: HA XX/8

bestätigt: (Unterschrift)

als IMB zur Aufklärung und Bearbeitung von Personen aus dem Operationsgebiet anzuwerben.

1. Bekanntwerden des Kandidaten

Der IME "Manfred" baute seit Jahren einen stabilen persönlichen Kontakt zum

Kandidaten auf und prüfte seine Eignung für eine inoffizielle Nutzung. Der

Kandidat ist Mitglied des Senats der Leopoldina und Reisekader des

Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen.

2. Berufliche und gesellschaftliche Entwicklung

Der Kandidat stammt aus einer Arbeiterfamilie. Sein Vater war Zimmermann.


Von 1941 bis 1945 besuchte er die Oberschule in Mies (CSSR). 1946 wurde er mit seinen Eltern

aus der CSSR ausgesiedelt und nahm Wohnsitz in Mecklenburg in der Stadt Waren. Von 1946 bis

1949 besuchte er die Oberschule in Waren und schloß mit dem Abitur ab. Anschließend studierte

er an der Universität Rostock bis 1953 Physik. Abschluß als Diplomphysiker. Von Februar 1954

bis Juni 1957 war er wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Falkenhagen an der Universität Rostock.

Im Februar 1955 promovierte er an der Universität Rostock zum Thema "Theorie der Oberflächenspannung

der Elektrolyte".

Im Juli 1957 Aufnahme der wissenschaftlichen Tätigkeit an der FSU Jena am damaligen Institut für

Physik, Fachbereich Feld- und Relativitätstheorie. Im Dezember 1958 Habilitation an der FSU

Jena, Thema: Untersuchungen zur Geometrisierung der klassischen Feldphysik.

Im März 1959 Berufung zum Dozenten für Theoretische Physik an der Math.-

Naturwissenschaftlichen Fakultät der FSU Jena. Mit dieser Berufung war verbunden der Aufbau

einer Arbeitsgruppe "Relativistische Physik", die 1962 etwa 12 wissenschaftliche Mitarbeiter umfaßte.

In diesem Zusammenhang die Zuwendung des Kandidaten zu praktischen Problemen der

Relativitätstheorie in der Kernphysik und das Halten von Vorlesungen über die Theorie von Teilchenbeschleunigungen.

Im Mai 1960 Berufung zum Professor mit Lehrauftrag für das Fachgebiet der Theoretischen Physik

an der Math.-Naturwissenschaftlichen Fakultät der FSU Jena.

Im September 1962 Berufung zum Professor mit vollem Lehrauftrag.

1964 Professor mit Lehrstuhl und September 1969 Ordentlicher Professor für Theoretische Physik

an der FSU Jena.

Im Oktober 1981 Auszeichnung mit dem Nationalpreis der DDR, Stufe III. Der Kandidat hat über

80 wissenschaftliche Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften.

Zur politischen Entwicklung

Der Kandidat war von 1947 bis 1955 Mitglied der FDJ. Er wurde 1949 Mitglied der SED und

1958 erfolgte der Ausschluß aus der Partei.

In der Begründung zum Parteiausschluß heißt es:

"Er vertrat seit längerer Zeit einen opportunistischen Standpunkt und führte von dort aus Angriffe

gegen die Linie der Partei. Besonders nach dem 35. Plenum des ZK wurde von ihm die These

vertreten, daß unsere Politik einer wissenschaftlichen Grundlage entbehre und wesentlich durch

Machtkämpfe bestimmt sei. Über die Einheit und Geschlossenheit der Partei würde viel geredet,

sie sei aber, wie gerade das 35. Plenum bewiesen habe, nicht vorhanden". Weiterhin meinte er

damals. "Je größer und lauter die Dkloration, umso fauler die Sache. Er sei nicht mehr in der Lage,

das Statut der Partei anzunehmen".

So weiter im Beschluß:" Da er von der Fehlerhaftigkeit und dem parteifeindlichen Charakter seiner

Auffassungen nicht zu überzeugen war, erfolgte sein Ausschluß im Interesse der Einheit und Geschlossenheit

der Partei".

Trotz des Ausschlusses bekannte sich der Kandidat zu den Perspektiven der DDR und will durch

seine eigene Arbeit auf dem Gebiet der Theoretischen Physik zur Erhöhung des Ansehens der DDR

beitragen.

1972 schrieb der Kandidat einen Brief an Prof. Hager. In diesem Brief bringt er sein Bekenntnis

zur führenden Rolle der Partei und zur gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR zum Ausdruck.

dieses Bekenntnis hat nach wie vor seine Gültigkeit.

Er erklärte sich bereit, im Rahmen des FDGB, Mitglied seit 1955, und der Gesellschaft zur

Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse durch Beiträge mitzuwirken, was er in der Tat in den

folgenden Jahren auch realisierte.

Weiterhin ist der Kandidat seit 1953 Mitglied der Physikalischen Gesellschaft der DDR und seit

1969 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher/Leopoldina Immatrik.Nr.5519.

3. Militärzeit: entfällt

4. Soziale Verhältnisse:

Der Kandidat lebt in gesicherten materiellen Verhältnissen. Sein monatliches Durchschnittseinkommen

mit Veröffentlichungen beträgt ———,-- M und darüber. Er hat ein Einfamilienhaus, —

——.

119


Der Kandidat ist seit 1955 verheiratet mit ———

(... Text gelöscht ...)

Kinder:

(... Text gelöscht ...)

5. Charakter des Kandidaten

Beim Kandidaten handelt es sich um einen lebhaften aufgeschlossenen und intelligenten Menschen.

Er verfügt über ausgezeichnete Umgangsformen, ist kontaktfreudig und ein guter Unterhalter.

Seine Ausführungen sind fundiert und logisch. Als parteiloser Wissenschaftler glänzt er in seinem

Fachgebiet durch zahlreiche theoretische Arbeiten und ist in seinem Arbeitsstil rationell und konstruktiv.

Er zählt zu den profiliertesten Wissenschaftlern der DDR, international hat er einen ausgezeichneten

Ruf.

Vom Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen wurde er beauftragt, ein Hochschullehrbuch der

DDR über theoretische Physik bis 1984 zu schreiben. Gegenwärtig arbeitet er an der Konzeption

des Lehrbuches.

Durch seine Mitgliedschaft in der Leopoldina wurde er international bekannt. Bereits 1972 konnte

er ein eigenes Symposium auf dem Gebiet der Relativitätstheorie auf der Wartburg/Eisenach veranstalten.

Das ist insofern von Bedeutung, daß derartige Symposium nur Kapazitäten vorbehalten

sind.

Auf Jahresversammlungen der Leopoldina ist er als Leiter von Podiumsgesprächen, Diskussionskreisen,

aktiv als Mitglied des Senats, Adjunkt und Obmann der Bezirke und Kreise Erfurt, Gera

und Jena in Erscheinung getreten.

1977 erhielt der Kandidat von der Stadt Schweinfurt/BRD (Gründerstadt der Leopoldina) den

Förderpreis in Höhe von 4.000,- DM. Gleichfalls hat er 1980 die Gustav-Karus-Medaille, höchste

Auszeichnung der Leopoldina, erhalten. Was internationale Aktivitäten des Kandidaten angeht, so

führte er als Reisekader des Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen seit 1962 Studien- und

Kongreßreisen in die SW und NSW-Länder durch. In seiner Eigenschaft als Mitglied der internationalen

Vereinigung für Gravitation und Relativitätstheorie wirkte er aktiv für die DDR. Als Leitungsmitglied

dieser Vereinigung organisierte er die inhaltliche Gestaltung des GR 9, (1980) an der

FSU Jena. Dafür erhielt er ein Dankschreiben von Prof. Hager. Er beherrscht die englische und

russische Sprache in Wort und Schrift.

Der Kandidat stellt eine Persönlichkeit dar. Er tritt selbstbewußt, überzeugend und bescheiden auf.

Er sieht in der DDR seine Heimat, wo er forschen und arbeiten kann und bringt das auch durch

seine Taten zum Ausdruck.

Die Interessen des Kandidaten stimmen überein mit seiner fachlichen Arbeit, die er bei allen Belangen

in den Vordergrund stellt. Er ist sehr naturverbunden, Nichtraucher und trinkt wenig Alkohol.

6. Wesentliche Verbindungen des Kandidaten

DDR: Prof. ——— - Rektor FSU Jena

Prof. ——— - FSU Jena

Prof. ——— - ADW

Prof. ——— - ADM

Prof. ——— - HUB

Prof. ——— - Präsident der Leopoldina

BRD: Prof. von Weizsäcker, Carl-Friedrich

Universität München

Prof. ———

Universität Göttingen

Prof. ———

Universität München

120


Prof. ———

Universität Paderborn

Prof. ———

Universität München

Prof. ———

Universität München

Ausland:

Prof. ——— Universität Moskau

Prof. ——— Oxford/Grobrit.

Prof. ——— Cambridge, USA

Prof. ——— Cambridge, USA

7. Begründung für die Werbung des Kandidaten

Der Kandidat besitzt als profilierter Wissenschaftler gute fachliche und charakterliche Voraussetzungen

für die inoffizielle Zusammenarbeit mit unserem Organ. Aufgrund seiner Stellung als Wissenschaftler,

Mitglied der Leopoldina und als Mitglied der internationalen Vereinigung für Gravitation

und Relativitätstheorie ist ein Einsatz zur Aufklärung von gegnerischen Plänen und Absichten

gegen das Hochschulwesen der DDR zweckmäßig.

Beim Kandidaten bestehen die Möglichkeiten des Einsatzes als Reisekader ins Operationsgebiet,

wo er demzufolge in der Lage ist, gezielte Informationen zur BRD-Forschung oder auch zur Wissenschaftspolitik

der BRD gegenüber der DDR und den anderen sozialistischen Ländern zu erarbeiten.

Dabei könnte er bereits bestehende persönliche Kontakte zu Prof. Weizsäcker, ———, —

—— u. a. nutzen, um in Besitz von derartigen Informationen zu kommen.

Gleichzeitig bietet die Leopildina konkrete Möglichkeiten herauszuarbeiten, einen evtl. Mißbrauch

der Leopoldina für subversive und feindliche Handlungen rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern.

Durch das Verfassen eines Hochschullehrbuches hat der Kandidat die Möglichkeit zu den verschiedensten

Wissenschaftlern seines Fachgebietes und angrenzender Gebiete Kontakte aufzubauen

und den so lange zu halten, wie dafür ein operatives Interesse besteht.

Die bisherigen geführten Gespräche mit dem Kandidaten lassen erkennen, das Bereitschaft vorliegt

mit unserem Organ zusammenzuarbeiten. Er sieht in dieser Art der Zusammenarbeit, durch seine

Person, einen echten Beitrag für die Sicherheit der DDR und die Erhaltung des Friedens zu leisten.

In diese Zielstellung ordnet er ein, die Beschaffung von brauchbaren Informationen für das MfS,

insbesondere aus solchen Wissenschaftlerkreises, wo eine abwartende oder zum Teil negativfeindliche

Haltung gegen die DDR sichtbar wird oder gar feindliche Pläne und Absichten vorbereitet

werden.

Beim Kandidaten konnte die Erkenntnis gefestigt werden, daß zur Sicherung aller Aufgaben, die

für eine inoffizielle Zusammenarbeit von Bedeutung sind, die Konspiration gegenüber jedermann

zu wahren ist. Dabei zeigte sich bei den Zusammenkünften ein Mitdenken des Kandidaten, wie er

die Interessen des MfS weitgehendst durch seine fachliche Tätigkeit konspirieren kann. In seinem

Verhalten gegenüber dem MfS und den gegebenen Informationen drückt sich der Wille zur Zuverlässigkeit

und Ehrlichkeit aus. Es besteht Klarheit, daß nur auf einer echten Vertrauensbasis eine

fruchtbringende inoffizielle Zusammenarbeit möglich ist.

Da der Kandidat in seiner fachlichen Stellung relativ selbständig über Ort und Zeit entscheiden

kann, bestehen im wesentlichen keine Komplikationen für eine gedeckte Treffdurchführung.

Es liegen die erforderlichen Voraussetzungen für eine konspirative Zusammenarbeit vor.

Die inoffizielle Zusammenarbeit sollte sich in der Perspektive auf folgende Probleme konzentrieren:

− Ausbau der persönlichen Kontakte zu profilierten Wissenschaftlern der BRD mit dem Ziel der

Erarbeitung von Informationen über BRD-Forschung und Wissenschaftspolitik der BRD gegenüber

dem Hochschulwesen der DDR.

− Erarbeitung von Informationen über aktuell-politische Fragen und Vorhaben der BRD, was die

Beziehungen zwischen der DDR und der BRD betreffen, dazu Abschöpfung der BRD-

Wissenschaftler, die zu Beratergremien der BRD-Regierung gehören.

121


− Herausarbeitung von möglichen feindlichen Aktivitäten unter Ausnutzung der Leopoldina zur

Ausspionierung von bedeutsamen Forschungsergebnissen aus der Hochschulforschung der

DDR.

− Ständige Lageeinschätzung über die Rolle und Stellung der Leopoldina in Bezug der sogenannten

"gesamtdeutschen Beziehungen", Informationen zum engen Leitungsgremium der Leopoldina,

− Nutzung der Mitgliedschaft in der internationalen Vereinigung für Gravitation zur Einschätzung

von operativ-interessanten Wissenschaftlerkreisen.

8. Werbung des Kandidaten

Die Werbung des Kandidaten erfolgt auf der Basis der Überzeugung.

Im Werbungsgespräch wird auf die bisherige Unterstützung und seine Bereitschaftserklärung, für

das MfS inoffiziell zu arbeiten, angeknüpft. Es wird die Forderung erhoben, noch zielstrebiger,

entsprechend den Möglichkeiten des Kandidaten auf einer höheren Stufe mit dem MfS zusammenzuarbeiten.

Ihm wird dabei klar gemacht, daß unser Organ großer Vertrauen in ihn und seine Mitarbeit

setzt und erwartet wird, daß er auf ehrlicher und zuverlässiger Basis die Aufgabenstellung

erfüllt.

Eine schriftliche Verpflichtung ist bei der Werbung nicht vorgesehen.

9. Verbindungssystem

Für die Verbindungsaufnahme wurde dem Kandidaten die Telefon-Nr. 2373138

übergeben.

Unterzeichner ist mit Klarnamen bekannt.

Zur Verbindungsaufnahme durch unser Organ besteht die Möglichkeit, den Kandidaten durch die

Telefon-Nummern

zu erreichen.

122

dienstlich 82 25260

privat ———

Es werden konkrete Treffs sowohl in der Gegend von Jena und Berlin festgelegt

und realisiert.

Quellen:

− Personalunterlagen und Reisekaderbestätigung

− Ermittlung durch die KD Jena

− IM-Einschätzung

− Überprüfung der eigenen DE

(Unterschrift) (Unterschrift)

Otto Grabner

Oberstleutnant Major

D 60.5 Bericht über durchgeführte Werbung, 1982

Hauptabteilung XX/8 Berlin, 12. 5. 1982

gra-fr

B e r i c h t

über die durchgeführte Werbung


des Prof. Dr. Schmutzer, Ernst

———

Jena, ———

Am 5. 5. 1982 erfolgte in der Zeit von 13.00 bis 16.00 Uhr die Werbung des Kandidaten in dessen

Wohnung. Gegenstand des Gespräches war der Stand der bisherigen Zusammenarbeit mit dem MfS

und erreichten Ergebnisse.

Der Kandidat schätzt ein, daß er aufgrund der aufgebauten Möglichkeiten im Rahmen der internationalen

Gesellschaft für Gravitation und Relativitätstheorie und der Leopoldina im Interesse des

MfS zahlreiche Verbindungen zu Wissenschaftlern in den westlichen Ländern ausbauen kann, um

im Besitz von operativ-relevanten Informationen zu kommen. Grundbedingung dafür ist, daß die

konkreten Schritte beraten und abgestimmt werden und die Auftragserteilung mit der Stellung der

Person und Handlung in Einklang gebracht werden, auch im Bezug der Einhaltung der Konspiration.

Der Kandidat war selbst daran interessiert, in jeder Hinsicht die Konspiration zu wahren und

sich den Mitteln und Methoden des MfS unterzuordnen.

Zutreffend ist, daß besonders für die konspirative Treffdurchführung und die Aufrechterhaltung der

Verbindung (telefonischer Art) mit dem MfS, die Konspiration gesichert ist. Die Aufgabenstellung

und die operativen Probleme wurden im Treffbericht ausgewiesen.

Bei der Zusammenkunft traten keine Probleme auf, welche die zukünftige Zusammenarbeit mit

dem MfS stören können.

Als nächste Zusammenkunft wurde der 23. 6. 82 in Jena, Ort und Zeit wird noch festgelegt, vereinbart.

Unterzeichner ist unter Klarnamen beim IM bekannt.

Der IM ist telefonisch erreichbar

dt. 8225260

pr. ———

Er erhielt die Rufnummer vom MfS.

(Unterschrift)

Grabner

Major

D 60.6 Erklärung von Prof. Dr. E. Schmutzer vom 15.3.1995

Ausgelöst durch einen Artikel von Herrn Jürgen Fuchs in der TAZ (13.3.95), erkläre ich folgendes:

Es gelang mir aufgrund des hohen internationalen Ansehens des Wissenschaftsbereiches Relativistische

Physik, die Vergabe des im Zusammenhang mit Albert Einsteins 100. Geburtstag einberufenen

9. Internationalen Gravitationskongresses (GR 9) für das Jahr 1980 nach Jena zu erreichen.

Das Internationale Gravitationskomitee (Sitz in Bern) machte diese Vergabe von der Erfüllung

folgender harten politischen Forderungen abhängig:

− Einreiseerlaubnis aller Konferenzteilnehmer ohne die übliche persönliche politische Einschätzung,

− Erteilung der beantragten Einreisevisa insbesondere auch für die im offiziellen Briefverkehr

verbotenen Länder: Israel, Chile, Südafrika, Taiwan und Südkorea,

− Garantie der Sicherheit der Teilnehmer aus Israel nach dem Attentat bei den Olympischen

Spielen in München,

− Zustimmung zu einem Plenarvortrag von Prof. Dr. H. J. Seifert, Bundeswehruniversität

Hamburg.

Seitens des Ministeriums für das Hoch- und Fachschulwesen (MHF) war für diese Angelegenheit

Herr Matter, Sektorleiter in diesem Ministerium, zuständig, der mir 1980 Herrn Grabner als Mitar-

123


eiter dieses Ministeriums vorstellte, der offenbar die diffizilen politischen Fragen zu bearbeiten

hatte. Alle oben aufgeführten Forderungen wurden schließlich erfüllt.

Der unter meiner Verantwortung stehende Weltkongreß GR 9 mit etwa 830 Teilnehmern aus 53

Ländern, davon etwa 550 aus den westlichen Ländern, war der bis dahin größte Kongreß an der

Jenaer Universität und insbesondere der erste Kongreß dieser Art in der DDR überhaupt. Er verlief

sehr erfolgreich und trug der Stadt Jena einen hohen internationalen Ruf ein.

Im Zusammenhang mit der Auswertung von GR 9 als Modell für andere Kongresse in der DDR

und mit den eingereichten Anträgen für Vortragsreisen gab es später noch weitere von den beiden

Mitarbeitern des MHF, also meinen Vorgesetzten, veranlaßte Aussprachen. Alle aus meinem Bereich

beantragten und bis ins MHF gelangten Anträge wurden nach meiner dringenden Befürwortung

genehmigt.

Eine besondere Rolle bei Gesprächen mit beiden oben genannten Mitarbeitern spielte die Persönlichkeit

von Prof. Dr. C. F. von Weizsäcker, mit dem ich seit meiner Wahl als Mitglied in die

Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (Halle) im Jahr 1969 befreundet bin. Ich setzte

mich ständig für seine politisch-philosophische Rehabilitierung ein. Bekanntlich wurde er in der

Ulbricht-Ära angegriffen. Diese von mir und auch von anderen geforderte Rehabilitierung wurde

mit seiner Ehrenpromotion (Leipzig 1987) und einem Ehrenkolloquium (Leipzig 1988) vollzogen.

Ich kann mir durchaus vorstellen, daß man meine Person als Schiene für gewisse Einflußnahmen

benutzen wollte. Dazu kam es aber nicht.

Hiermit erkläre ich, daß ich nie, insbesondere auch nicht bei den oben erwähnten Gesprächen,

hinsichtlich einer Mitarbeit für das MfS gefragt wurde, es also eine Werbung als Inoffizieller Mitarbeiter

des MfS nie gegeben hat: weder als schriftliche Verpflichung noch durch Handschlag. Ich

hatte also keine willentliche und keine wissentliche Zusammenarbeit mit dem MfS.

Erst im Mai 1993 erfuhr ich seitens des Thüringer Wissenschaftsministeriums von Unterstellungen

dieser Art, die ich voll entkräften konnte. Wie ich den mir vorgelegten Schriftstücken entnahm, war

Herr Grabner in Wirklichkeit Major des MfS, wovon ich nichts wissen konnte. Ich fühle mich

hintergangen und betrogen.

Als Nachwende-Rektor der Universität war einer meiner ersten Schritte die politische Rehabilitierung

von Universitätsangehörigen, insbesondere auch von Herrn Fuchs, mit dem ich mich später in

meiner Rektorzeit auch noch gelegentlich freundschaftlich traf. Ich verstehe seine Angriffe aus dem

Hinterhalt nicht. Ist es nicht die Pflicht eines seriösen Schriftstellers, vor den von ihm gestarteten

Attacken gegen einen Menschen erst einmal den Betroffenen zu hören, um sich sachkundig zu

machen?

Als ich im Frühjahr 1990 meine Zustimmung zur Kandidatur für die Rektorwahl gab, konnte ich

von den fabrizierten Stasi-Schriftstücken, von denen ich ja erst im Mai 1993 erfuhr, nichts wissen.

Herr Fuchs irrt sich also, wenn er bei mir Unlauterkeit anklingen läßt. Ich muß deshalb alle im

Zusammenhang mit meinem Rektoramt, meiner Tätigkeit im Internationalen Gravitationskomitee

und in der "'Leopoldina"' angedeuteten Verdächtigungen, die jeder Grundlage entbehren, entschieden

zurückweisen.

Ich bitte dringend darum, die in unserem Grundgesetz garantierte Würde des Menschen, insbesondere

auch unbescholtener Menschen zu schützen!

124

(Unterschrift)

E. Schmutzer

Anmerkung

Die Beifügung dieser Erklärung Prof. Schmutzers erfolgt in sinngemäßer Anwendung des § 34 (2)

des Gesetzes über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR vom 20. 12.

1991 (Bundesgestzblatt, Jg. 1991, Teil I, S. 2272-2287). Der in der Erklärung genannte Herr

Matter ist identisch mit dem IME „Manfred“ AIM 8914/91 aus D 60.1 bis D 60.4.

Anschließend dokumentieren wir auch den entsprechenden Abschnitt aus dem Artikel „Etwas

wird Grabner schon sagen“ von Jürgen Fuchs (die tageszeitung, 13. 3. 1995).


D 60.7 „Etwas wird Grabner schon sagen“ von Jürgen Fuchs

..... Als ich nach 1989 wieder mal in Jena las (über fünfzehn Jahre waren vergangen, Rausschmiß

aus der Uni, Knast und Ausbürgerung, auch Einreiseverbot lagen dazwischen), lud mich der Rektor

der Friedrich-Schiller-Universität zu einem Gespräch ein. Er beklagte die „feige Repression“ von

Partei, Staat und Uni-Gremien, versprach einen Neuanfang, eine „demokratische Erneuerung“. Ob

er „Wiedergeburt“ sagte, weiß ich nicht mehr. Es waren hohe, verheißungsvolle Töne jedenfalls. Er

fragte auch nach „eventuellen Forderungen“ meinerseits. Ich mußte grinsen, schüttelte dann den

Kopf und wünschte mir unbescheiden einige Leute herbei, die gute Vorlesungen halten können und

keine Arschkriecher waren zur Honecker-Zeit. Zwei Namen nannte ich, DDR-Bürger bis 89. Wissenschaftler,

„aus kaderpolitischen Gründen“ nicht vorgelassen zu einer Professur, nix von wegen

habil., internationale Kongresse und zahlreiche Veröffentlichungen. Die verantwortlichen IMs vor

Ort hatten „berufliche Mißerfolge“ organisiert, scheinbar korrekt, nach Recht und Gesetz. Die

Mielke-Zersetzungsvarianten der Richtlinie 1/76 fanden offizielle (und legendierte) Anwendung ...

Der erste demokratisch gewählte Rektor nickte, verwies auf das von ihm geleitete „Unabhängige

Wissenschaftler-Komitee für politische Rehabilitation in akademischen Angelegenheiten“, er verwies

„auf zutiefst beeindruckende Briefe von denen, die Unrecht erlitten hatten“. Die Universität

erkenne „ihre Verpflichtung, vergangenes Unrecht öffentlich zu machen. Berichte von Zeitzeugen

über Formen und Folgen des Aufbegehrens für die geistige Situation der Gegenwart zu nutzen“. Na

schön, dachte der Zeitzeuge, mal sehen, klingt gut. Etwas störte mich, was genau, konnte ich nicht

gleich sagen. Jetzt haben wir 95. Hat die Friedrich-Schiller-Universität die Misere der IM-

Hochschullehrer öffentlich thematisiert? Nein. Einige gingen weg, andere wurden mit Blumensträußen

verabschiedet, kamen anderswo gut unter. Vergeblich fragten die Studenten nach. Das

Stellenkarussell drehte sich, wer ist schnell, wer rutscht rein aus Mainz und Göttingen, wer kann

bleiben von den gewendeten Kadern? Was ist mit den politisch ausgebremsten Leuten, die in Vorlesungen

und Seminaren die anregenden Stichpunkte gaben und Prügel bezogen in Kader- und

Parteigesprächen? Die bleiben im Abseits. Zwei Namen nannte ich: Dr. Edith Wolf, Psychologin,

wurde 93 gekündigt, „aus fachlichen Gründen“. Sie war die einzige, die öffentlich forderte, „die

Atmosphäre der Angst konkret zu benennen, mit Namen und Adressen“. Und ein anderer, Dr. K.,

bekam in diesen Tagen einen Brief von seinem vorgesetzten Professor: „Nachdem ich das Lehrprogramm

des Instituts bereits über das Dekanat weitergegeben habe, macht mich der Dekan darauf

aufmerksam, daß ich Ihre Vorlesung habe passieren lassen. Nun haben Sie gewiß Verständnis

dafür, wenn ich Sie bitte, die Veranstaltung als Übung oder Kolloquium anzukündigen. Sie kennen

ja die Situation der Universität, derzufolge ohne Venia legendi keine Vorlesungen zu halten sind.

Gelegentlich gab es Ausnahmen beim Neuaufbau der Fächer ...“ Dr. K., Zersetzungsopfer des

Stasi-Operativvorgangs „Pegasus“, hat keine B-Promotion. Er weigerte sich, IM zu werden, zwei

Jahre „bearbeitete“ man ihn, man versprach eine steile wissenschaftliche Karriere. Da er nicht

einwilligte, fehlen ihm jetzt die akademischen Weihen. Sorry. Kann man nix machen.

Auch das „2. Unrechtsbereinigungsgesetz“ löst solche Probleme nicht. Erklärte mir heute ein kundiger

Rechtsanwalt. Man habe das bewußt nicht aufgenommen, weil sich solche Benachteiligungen

schlecht nachweisen lassen. Der Gesetzgeber, sagte er, schreckte zurück, weil es sich praktisch

nicht regeln läßt ...

Also Akten zu, Schlußstrich, Amnestie, Verjährung, alles Bagatelldelikte? Auch wenn hinter den

Partei- und Stasi-Kulissen kundige Leute nach Vorschriften „politisch-operativ die aktiven Maßnahmen“

zusammenzurrten und durch IMs und andere „Partner des politisch-operativen Zusammenwirkens“

verwirklichen ließen? Brave Beobachter haben nun langsam auch von der Sprache

die Nase voll: „Zersetzung“, „Zusammenwirken“, das kotzt einen irgendwann an, nicht wahr?

Fremdworte gehen ja noch, die kann man nachschlagen im Duden, „Venia legendi: Erlaubnis, an

Hochschulen zu lehren“. Noch Fragen? Hat der Rektor noch irgendwas gesagt? Nein. Etwas wäre

noch wichtig gewesen. Er hat es aber nicht gesagt, obwohl es ganz und gar zum Besprochenen

dazugehört häte. Es wäre ein Beitrag aus eigener Erfahrung gewesen zu dem, was in gehobenen

Worten daher kam im Hauptgebäude der altehrwürdigen Universität. Sehr konkret hätten wir anschließend

sprechen können über Schuld und Versöhnung, über Vergebung und Schlußstrich. Auch

über das schreckliche Wort „Aufarbeitung“. Über all diese Themen von Anhörungen und Tagungen

hätten wir sprechen können. Allerdings konkret, ohne diese sülzige Verarschung und Abwiegelung,

die heute so sehr um sich greift: Wir hätten sprechen können über den IMB „Physiker“. Registriernummer

MfS XV/5341/82, „laufend“ geführt, also bis zum Ende der DDR, von der Hauptabteilung

XX/8 für das Hoch- und Fachschulwesen der DDR. Von der Gauck-Behörde aufgefunden

im Jahre 1991, wahrscheinlich aus dem „vorvernichteten Material“, aus Säcken und eilig zu-

125


sammengeschnürten Bündeln. Als „Klarname“ eingetragen vom MfS: Professor Ernst Schmutzer,

der mich als „erster demokratisch gewählter Rektor“ in Jena begrüßt hatte nach der sogenannten

Wende.

Bei einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung in Weimar hatte Heinrich Fink die Humboldt-

Universität vertreten, er bediente sich eines ähnlichen Vokabulars. Man hatte den Eindruck, mit

Widerständlern der Opposition zu sprechen. Als im April 1982 der wirkliche Oppositionelle Robert

Havemann in Grünheide starb, auch er ein Naturwissenschaftler und bis in die sechziger Jahre

hinein durchaus „kooperationsbereit“ gegenüber Staat und Partei, fand in Jena die Werbung des

IMB „Physiker“ statt. Da hätte man schon einiges wissen können über die Mechanismen der Macht

und die Möglichkeit der Verteidigung der persönlichen und wissenschaftlichen Integrität. Da hätte

man nicht mehr „im Interesse des MfS die internationale Gesellschaft für Gravitation und Relativitätstheorie

und die Leopoldina mit ihren zahlreichen Verbindungen zu Wissenschaftlern in westlichen

Ländern“ ausforschen müssen, um den Geheimdienst „in den Besitz operativ relevater Informationen“

zu bringen. Da mußte man nicht in der ersten Reihe Platz nehmen, wenn die Diktatur

überwunden werden sollte durch demokratische Auseinandersetzungen. Oder doch? Sollte man

„nach vorne gehen“? Was hat der zuständige Führungsoffizier Major Grabner gesagt? IMB Physiker

war Reisekader im westlichen Ausland, er war parteilos, Carl Friedrich von Weizsäcker zählte

zu seinen geschätzten Diskussionspartnern. Vielleicht hat Grabner gesagt, alle Akten sind vernichtet.

Ich weiß nicht, was Grabner gesagt hat. Wer ihn heute fragt, wird schon etwas zu hören bekommen

von Grabner. Etwas wird Grabner schon sagen. Und der andere, der schwieg und sich also nicht

losriß von der „Erfassung“, von der Abhängigkeit? Alles gefälscht? „Nur Reiseberichte“? Keine

Ahnung, wer die Herren waren? Wird er klagen, dementieren? Ich weiß nicht.

Dieses Verbleiben in der Lüge, der Konspiration und der geheimen Macht ist es, was mich empört.

Und dazu noch das Reden vom „Schlußstrich“ und davon, “keine neuen Verletzungen zuzufügen“

(W. Schäuble). IMB „Physiker“ hat neue Verletzungen zugefügt. Nach der falschen Erfüllung (E.

Bloch) des realen SED/MfS-Sozialismus der verlogene Neubeginn.

Jena als Beispiel. Die Stadt mit den meisten Staatsfeinden pro Einwohnerzahl, wie es die Stasi

bilanzierte, läßt sich arbeitslos und politisch still machen? Ich setze auf die demokratische Opposition,

nicht auf das schadenfrohe Lächeln der IMBs und gewendeten alten Kader. Wo sind die Studenten

und Lehrlinge, die sich einmischen in ihre eigenen Angelegenheiten? Es gibt ja eine Tradition.

D 61 Beurteilung der Zusammenarbeit mit dem IMV „Helmut Lange“, 1975

Bezirksverwaltung Gera Gera, den 1. 8. 1975

Abteilung XVIII Ro/Be

BEURTEILUNG der bisherigen Zusammenarbeit mit dem IMV „Helmut Lange“, Reg.Nr.

X/764/71

Der IM wurde am 16. 12. 1971 auf der Basis der Überzeugung geworben mit der Zielstellung, des

Einsatzes zur Vorgangsbearbeitung zum ZOV „Glas“ hinsichtlich der Herausarbeitung von Hinweisen

ökonomischer Störtätigkeit gegen die Volkswirtschaft der DDR, speziell dem Industriezweig

Technisches Glas seitens des Pseudounternehmens Schott/Mainz sowie möglicher Angriffe

gegen die Forschung und Entwicklung dieses Industriezweiges.

In der bisherigen Zusammenarbeit analysierte er wesentliche Probleme der Forschung und Entwicklung

im Bereich der Sektion Glaschemie der FSU Jena, speziell der Vertragsforschung dieses

Institutes für die VVB Techn. Glas Ilmenau und dem VEB Schott & Gen. Jena, so daß von der

operativen Seite ein guter Überblick über die Situation in diesem Bereich vorliegt.

Weiterhin trug er wesentlich zur Klärung der Ursachen und Motive eines r-flüchtigen Wissenschaftlers

bei, und er leistete einen wesentlichen Beitrag bei der vorgangsmäßigen Sicherung des

Institutes.

So berichtete er u.a.:

126


− über Mängel und Mißstände in der Grundlagenforschung zum Problem Vitroceram. welches im

Anfang der VVB TG Ilmenau durchgeführt wird

− über Personen aus dem Pseudounternehmen Schott/Mainz, die anläßlich einer Fachtagung in

Jena weilten bzw. über op.-interessante Personen aus dem Otto-Schott-Institut Jena

− über Fragen der ZZ-Arbeit, speziell mit dem Grebentschikow-Institut für Silikatchemie der

AdW der UdSSR und

− über Probleme der Sicherheit und Ordnung im Institut.

Die dem IM erteilten Aufträge wurden von ihm umfangreich und in guter Qualität erfüllt. Dabei

berichtete er in schriftlicher und mündlicher Form.

Der IM ist sehr sachlich und objektiv in der Beurteilung von Problemen und Personen. In der inoffiziellen

Zusammenarbeit zeigte er sich stets zuverlässig und ehrlich, was auch durch andere IM

und durch offizielle Quellen bestätigt werden konnte.

An die gegebenen Verhaltenslinien hat er sich bisher gehalten. Eine Verletzung der Konspiration

konnte nicht festgestellt werden.

(Unterschrift)

Rosenkranz

Unterleutnant

Anmerkung

Bei dem IMV „Helmut Lange“ handelt es sich um Prof. Erich Heidenreich, Sektion Chemie.

D 62.1 Gewinnung eines GMS (Chemie)

Kreisdienststelle Jena Jena, den 13. 06. 1978

Referat Universität Ht/Nitz

Bericht

über die durchgeführte Gewinnung des GMS Dr. Ludwig, Werner

Die Gewinnung des GMS fand am 13. 06. 1978 in der zeit von 15.30 Uhr bis 16.30 Uhr im Arbeitszimmer

des Genannten statt. Das Gewinnungsgespräch führte der Genosse Horst.

Es traten keine operativ zu beachtenden Momente auf.

Zielstellung:

Die Gewinnung als GMS wurde mit der Zielstellung durchgeführt

− Informationen und Hinweise zur Absicherung der Spitzenforschung in der Sektion Chemie zu

erarbeiten;

− Konkrete Unternehmen in der BRD und im NSW über die wissenschaftlichen Verbindungen

des Genannten aufzuklären;

− Hinweise über die Tätigkeit der ICTA und der GEFTA (Gesellschaft für Thermische Analyse

in der BRD) zu erarbeiten;

− einen spezifischen Reisekader-GMS zu gewinnen und

− Informationen zur aktuellpolitischen Lageeinschätzung zu gewinnen.

Im Gespräch wurde deutlich, daß der GMS in der Lage ist, die genannten Zielstellungen zu realisieren.

127


Verlauf des Gesprächs

Entsprechend der Zielstellung, anknüpfend an die geführten Kontaktgespräche, wurde mit dem zu

gewinnenden GMS ausführlich über den o.g. Aufgabenkreis des MfS gesprochen. Anhand von

allgemeinen Beispielen und unter Bezugnahme auf entsprechende Veröffentlichungen in unserer

Presse wurde er auf die von den westlichen Geheimdiensten unternommen Anstrengungen auf den

Gebieten der Spionage und Industriespionage sowie der ideologischen Diversion aufmerksam

gemacht und auf die Notwendigkeit zu deren Bekämpfung hingewiesen.

In diesem Zusammenhang brachte der Genannte selbst Beispiele aus seinen Kontakten mit Vertretern

der GEFTA vor, die die Darlegung des Mitarbeiters ergänzten.

Nach dem Unterzeichnen der Erklärung wurde mit ihm über die Grundregeln der Konspiration

gesprochen, die er vorbehaltlos akzeptierte.

Anschließend wurde ihm die Aufgabenstellung für den nächsten Treff erläutert.

An dieser Stelle mußte das Gewinnungsgepräch abgebrochen werden, da die Tochter des GMS

unerwartet erschien, um ihn von der Arbeit abzuholen.

Der Mitarbeiter wurde ihr als Arbeitskollege vorgestellt.

Verhalten bei der Erklärung

Der zu gewinnende GMS erklärte sich ohne Vorbehalte dazu bereit, die vorgelegte Erklärung zu

unterschreiben.

Die Notwendigkeit einer derartigen inoffiziellen Zusammenarbeit brauchte ihm nicht erklärt zu

werden. Er brachte zum Ausdruck, daß die Unterstützung unseres Organs von ihm als Genossen

und Geheimnisträger als selbstverständlich angesehen wird.

Festlegungen

Für die künftige Zusammenarbeit wurden folgende Verbindlichkeiten festgelegt:

− Die zukünftigen Treffs werden entsprechend den Regeln der Konspiration durchgeführt, d.h.

nicht mehr im Arbeitszimmer des GMS.

− Die Verbindungsaufnahme erfolgt telefonisch mit einem noch zu vereinbarenden Kennwort.

− Die erste Aufgabenstellung besteht in der Einschätzung von NSW-Teilnehmern des 1. Otto-

Schott-Kolloquiums.

− Der nächste Treff findet am 20. 07. 1978 im konspirativen Objekt „Werkstatt“ statt.

Bei Bedarf kann die Aufgabenstellung für den GMS in der folgenden Zusammenarbeit im Rahmen

seiner Möglichkeiten erweitert werden.

Referatsleiter (K)

(Unterschrift) (Unterschrift)

Grimmer Horst

Oberleutnant Leutnant

128

Leiter der Kreisdienststelle

(i.A. Unterschrift)/Hptm.

Nowack

Major


D 62.2 Erklärung - 1978

E r k l ä r u n g

Ich, Werner Ludwig , geb. am: 07.07.33 erkläre mich bereit, das Ministerium

für Staatssicherheit in seiner Tätigkeit zum Schutze der Errungenschaften der Deutschen Demokratischen

Republik aktiv zu unterstützen.

Durch meine vertrauliche Mitarbeit werde ich das MfS bei der Wahrung einer hohen Ordnung und

Sicherheit, der Beseitigung von Mängeln und Mißständen, von verbrechensbegünstigenden Umständen

und Erarbeitung von Informationen zur politischen Lage sowie Entlarvung von Feinden

der sozialistischen Entwicklung aktiv unterstützen.

Über diese Zusammenarbeit werde ich strengstes Stillschweigen gegenüber jeder 3. Person und

anderen staatlichen Organen wahren.

Ort, Datum 13.6.78 Unterschrift W. Ludwig

Anmerkung

Der GMS „Müller“ X/1766/80, zu dessen Aufgaben die Erarbeitung von Hinweisen über die Tätigkeit

der GEFTA (Gesellschaft für Thermische Analyse in der BRD) gehörte, wurde im April

1994 Präsident eben dieser Gesellschaft.

D 63 Umregistrierung des GMS „Heinz“ vom GMS zum IMS 1986

Kreisdienststelle Jena, 8. Sept. 1986

Ref. PUT II go-op

Umregistrierung des GMS „Heinz“ vom GMS auf IMS

Begründung:

Der GMS „Heinz“ wurde 1976 von der HV A, Abt. III/12 für eine inoffizielle Zusammenarbeit mit

dem MfS gewonnen. Von 1976 bis 1985 war der GMS im Ausland tätig und arbeitete ehrlich und

zuverlässig mit dem MfS zusammen. Nach seinem Auslandseinsatz und der Übernahme einer Professur

an der FSU Jena/Sektion Literatur- und Kunstwissenschaften wurde der GMS „Hein“ an die

KD Jena übergeben.

Die Einsatzrichtung des GMS beschränkte sich bisher auf die Herausarbeitung personeller Schwerpunkte

und die rechtzeitige Feststellung/vorbeugender Verhinderung von Erscheinungsformen der

PUT an der Sektion Literatur- und Kunstwissenschaften der FSU Jena, ohne die unmittelbare Arbeit

an derartigen Personen.

Entsprechend vorliegender operativer Erkenntnisse wurden in der Vergangenheit unter Studenten/Mitgliedern

des Lehrkörpers Erscheinungen der PUT sichtbar. Insbesondere gehören dazu

Erkenntnisse/Standpunkte, die diese Personen sich bei der Beschäftigung mit der bürgerlichen

Literatur und mit der als elitär aufgefaßten Literatur bestimmter DDR-Schriftstellter (Wolf, Fühmann

usw.) angeeignet haben. Auf Grund der Tätigkeit des GMS „Heinz“ an der FSU Jena und

dessen Kontakten zu derartigen Personen ist der GMS in der Lage, die sich an der Sektion Liku der

FSU Jena etablierenden Kräfte rechtzeitig zu erkennen/zu personifizieren und inoffiziell unter

operativer Kontrolle zu halten.

129


Aus operativen Gesichtspunkten ist weiterhin die Reisetätigkeit des GMS „Heinz“ von Interesse.

Der GMS wurde 1985 durch unsere DE als Auslandskader wiederbestätigt und führte bisher mehrere

Dienstreisen ins SW und NSW durch. Während dieser Dienstreisen entstanden - beruflich

bedingt - Kontakte zu Literatur- und Kunstwissenschaftlern im Ausland, die auf dem Gebiet Germanistik

international hohes Ansehen genießen. In diesem Zusammenhang ist vorgesehen, den

GMS bei Dienstreisen im NSW zur „Wer ist Wer-Aufklärung“ der Kontaktpartner bzw. zur Einschätzung

von Regimeverhältnissen an den Universitäten im NSW einzusetzen und die dabei erarbeiteten

Informationen an die Linie XV weiterzuleiten.

In der bisherigen inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS wurden beim GMS Fähigkeiten/Fertigkeiten

entwickelt, die es ermöglichen, ihn unmittelbar (Kontaktierung/Abschöpfung) an

operativ-interessanten Personen einzusetzen.

Die seitens des GMS erarbeiteten Informationen waren objektiv und deckten sich mit denen anderer

Quellen. Im Rahmen der bisherigen inoffiziellen Zusammenarbeit gab es keine Anzeichen auf

Dekonspiration.

Auf Grund vorliegender Fakten und der vorgesehenen Einsatzrichtungen macht

sich eine Änderung der IM-Kategorie (GMS auf IMS) notwendig.

Leiter der Kreisdienststelle Referatsleiter

(Unterschrift) (Unterschrift)

Schleitzer Gottschald

Oberst Oberstleutnant

Anmerkung

Der GMS „Heinz“ XV/3598/82, später IMS „Gert Schuster“ und vorher GMS „Herrmann“ bzw.

IM „Förster“ ist ein Beispiel für den Einsatz von IM sowohl für Spionagezwecke im Ausland als

auch für die Bespitzelung von Arbeitskollegen innerhalb der DDR. Es handelt sich bei „Heinz“

um den Prof. Heinz Hamm.

D 64 IM „Frind“ Aufklärungsarbeit 1987

KD Jena Jena, 21.9.87

Referat VII Schä/-

Aktenvermerk

zur Unterstützung der Aufklärungsarbeit

Zum Treff am 17.9.87 wurde durch Major Slowinski festgelegt, daß der Personenhinweis „Savanne“

aus objektiven Gründen nicht weiter bearbeitet wird. Die Archivierung des Hinweises liegt im

Verantwortungsbereich der Abt. XV der BV Gera.

Dem IM „Frind“ wurde für seine ehrliche und zuverlässige Aufklärungsarbeit gedankt. Gen. Slowinski

schlug vor, der Personenhinweis „Homer“ op. zu bearbeiten. Mit Abstimmung des IM

„Frind“ wird dieses Material im Arbeitsplan 1988/89 aufgenommen.

Desweiteren wurde durch Gen. Slowinski vorgeschlagen, das Material „Schwerin“ (Basisnatoobjekt

der HVA XII) in genannte Planung einzubeziehen.

Der IM „Frind“ besitzt zur op. Bearbeitung beider Materialien objektive wie subjektive Voraussetzungen.

Das Material „Schwerin“ ist eine Planauflage der HVA XII und ist im Leiterplan der Abt. XV der

BV Gera ausgewiesen.

Auch in dieser Bearbeitungsphase erfolgt keine Dokumentation im IM-Vorgang.

130


(Unterschrift)

Schädel

Hptm.

Anmerkung

„Frind“ X/381/83 war der Professor Gehard Wazel in der Sektion Literatur- und Kunstwissenschaften.

Bemerkenswert ist, daß entgegen den üblichen Gepflogenheiten die von „Frind“ für die

Abt. XV der BV Gera zu „Savanne“, „Homer“ und „Schwerin“ gelieferten Informationen nicht in

seine IM-Akte aufgenommen wurden.

D 65 Zusatzerklärung zu einer Verpflichtungserklärung

Ausgehend von meiner Verpflichtung, dem MfS treu und uneigennützig zu dienen, erkläre ich, daß

ich auch dann voll meinen Pflichten als Mitglied der SED, als Bürger der DDR und Mitarbeiter des

MfS nachkommen werde, wenn es dem Feind gelingen sollte, mich während eines Einsatzes im OG

zu verhaften.

Ich verpflichte mich, dem Feind keinerlei operatives Wissen zu offenbaren, jeden Abwerbungsversuch

zurückzuweisen und mich standhaft vor den feindlichen Untersuchungs- und Justizorganen zu

verhalten.

Mir ist bewußt, daß ich mich bei einem Verrat von Staatsgeheimnissen vor der Partei und den

zuständigen Staatsorganen zu verantworten habe.

Ich werde mich bemühen, die Ursachen der feindlichen Bearbeitung festzustellen und möglichst

viele Erkenntnisse über die feindlichen Untersuchungsorgane und ihre Mitarbeiter zu erlangen. Im

Falle der Ausstellung eines Haftbefehls wegen nachrichtendienstlicher Tätigkeit oder Landesverrat

werde ich von meinem Recht der Aussageverweigerung zur Sache und zur Person Gebrauch machen.

Ich wurde darüber unterrichtet, daß ich unverzüglich nach Klarstellung der Beschuldigung einen

Rechtsanwalt zu beantragen habe. Sollte sich später ein weiterer Rechtsanwalt melden, der sich auf

eine Beauftragung durch einen Anwalt aus der DDR, der diplomatischen Vertretung der DDR oder

meine Angehörigen beruft, so werde ich diesem Anwalt die Vollmacht erteilen und anderen Anwälten

das Mandat entziehen. Ich werde die Zentrale durch Nutzung der vereinbarten Code über die

Umstände der Verhaftung unverzüglich informieren.

Mir ist bewußt, daß auch während der Haftzeit und im Verkehr mit dem Anwalt und den Mitarbeitern

der diplomatischen Vertretung der DDR die Regeln der Konspiration einzuhalten sind.

Ich bin überzeugt, daß die Zentrale alles tun wird, um mich wieder aus der Haft des Feindes zu

befreien und während meiner Abwesenheit meine Familie unterstützt. Nach meiner Haftentlassung

werde ich sofort in die DDR zurückkehren.

Detlev Behnke 9.6.87

D 66 Maßnahmen zur Rückführung in die DDR (Bereich Medizin)

Kreisdienststelle J e n a Jena, den 12. 10. 1976

Referat Universität Gr/K

Bestätigt:

Stellvertreter Operativ

(Unterschrift)

Weigelt

131


132

Oberst

V o r s c h l a g zur Durchführung von Maßnahmen zur Rückführung des Dr. ——— in die DDR

1. Operativer Sachverhalt

Die Person

N a m e , Vorname: Dr. Dr. med. habil. ———

geb. am, in: ———

wohnhaft: Jena, ———

Tätigkeit: Oberarzt

Arbeitsstelle: FSU Jena, Bereich Medizin

führte vom 05. 09. bis 05. 10. 1976 eine durch das MHF geplante Studienreise an die Klinik für

Plastik und wiederherstellende Chirurgie in Basel durch.

Die Einladung zu dieser Reise erfolgte durch den Direktor dieser Klinik, Prof. Dr. ———.

Von dieser Reise kehrte Dr. B. nicht zurück.

Mit einem Brief vom 30. 09. 1976 an den Direktor der Abteilung für chirurgische Stomatologie

und Kiefergesichtschirurgie der FSU Jena, Prof. ——— sowie durch ein beigelegtes Kündigungsschreiben

teilte Dr. B. mit, daß er sein Arbeitsrechtsverhältnis mit der FSU per 18.10.1976 kündigt.

Gleichzeitig teilte er mit, daß er die ihm „gebotene Möglichkeit einer Verlängerung seines Auslandsaufenthaltes

nutzt und jetzt einer Einladung in die Republik Österreich Folge leistet.“

Dr. B. ist bestätigter Reisekader der FSU Jena, Bereich Medizin.

Es war seine erste NSW-Reise.

Bei Dr. B. handelt es sich um einen Spezialisten auf dem Gebiet der Kiefer-

und Gesichtschirurgie.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit fungierte er als Personaloberarzt.

2. Objektive und subjektive Voraussetzungen für die Zurückführung des Dr. B.

2.1. Zur Person

(... Text gelöscht ...)

2.2. Gegenwärtige Lage

(... Text gelöscht ...)

Da der Hinweis über die Nichtrückkehr des Dr. B. von seiner Dienstreise unserer DE inoffiziell

bekannt wurde, trat sowohl unser Organ als auch die VP nicht in Erscheinung.

Alle bisher durchgeführten Maßnahmen wurden teils auf Initiative über Schlüsselpositionen durch

die staatliche Leitung der FSU durchgeführt.

3. Organisierung und Durchführung einer Reise des Prof. Dr. H. nach Österreich zwecks Rückführung

des Dr. B. in die DDR

Bei der ersten Aussprache zum Sachverhalt durch unser Organ mit dem unmittelbaren Vorgesetzten

des Dr. B., Prof. ———, erklärte sich dieser bereit, im staatlichen und persönlich-fachlichen

Interesse den Dr. B. aufzusuchen, um ihn zur Rückkehr in die DDR zu bewegen.

Zur Person:

(... Text gelöscht ...)

Aus diesem Grund wird vorgeschlagen, den Prof. H. zur Lösung der vorgesehenen Rückführung

zum Einsatz zu bringen.


Die Reise wird im Auftrag der staatlichen Leitung der FSU Jena erfolgen und durch Prof. Keßler

mit Unterstützung des MHF als Dienstreise gegenüber den österreichischen Partnern wie folgt

abgedeckt:

Durch das MHF ist geplant, Prof. H. im Frühjahr 1977 zu einem dreiwöchigen Studienaufenthalt

nach Wien zu delegieren. Seine jetzige Dienstreise erfolgt zur Vorbereitung und Konkretisierung

dieses geplanten Studienaufenthaltes.

Vor Antritt seiner Reise wird Prof. H. gemeinsam mit Gen. Prof. K e ß l e r , 1. Prorektor der FSU,

Gen. T i t t l, Direktor für Internationale Beziehungen, FSU, Gen. M e y e r , SBA der FSU und

Gen. G r i m m e r , KD Jena, zur Problematik instruiert:

• Prof. H. wird unter strikter Geheimhaltung seines wirklichen Auftrages mit seinen österreichischen

Partnern die Vorbereitung seines Studienaufenthaltes betreiben. Dabei wird er sich unauffällig

zur Person des Dr. B. erkundigen. (Aufenthaltsort, Möglichkeiten des persönlichen

Treffens).

• Bei Zustandekommen eines Treffens Prof. H. mit Dr. B. wird Prof. H. im Gespräch die Möglichkeit

einer Dozentur für Dr. B. an der FSU anbieten. Hinsichtlich der Reisedauer des Dr. B.

argumentiert Prof. H. dahingehend, daß im Interesse einer sofortigen gemeinsamen Rückkehr

und damit verbundener Straffreiheit über die Universität Jena beim MHF offiziell eine Verlängerung

seiner Studienreise beantragt und genehmigt wurde. Die Verlängerung des Dienstvisums

liegt an der Grenzübergangsstelle ............................. vor.

Wenn Dr. B. diesen Ausführungen keinen Glauben schenkt, bietet Prof. H. ihm die Möglichkeit

der telefonischen Rücksprache bei Gen- Prof. K e ß l e r (Prof. K. wird entsprechend instruiert

- eine tatsächliche Avisierung des Dr. B. an der GÜST wird durch die BKG, BV Gera, eingeleitet.)

• Erreicht Prof. H. das Einverständnis zur sofortigen gemeinsamen Rückkehr informiert er telefonisch

Prof. K e ß l e r und dieser unsere DE. Dann erfolgt durch uns Verständigung der

BKG.

• Erreicht Prof. H. nicht die Bereitschaft des B., wird er versuchen, mitgeführtes Eigentum der

FSU Jena von Dr.- B. zurückzuverlangen und kehrt sofort in die DDR zurück.

Als erster Termin der Reise wurde der Zeitraum 14. 10. bis 17. 10. 1976 mit dem MHF vereinbart.

Dieser Termin ist sofern bedeutend, da die Kündigungsfrist mit dem 18. 10. 1976 abgelaufen ist.

Wenn das Visum durch die österreichische Botschaft bis zu diesem Zeitpunkt nicht erteilt wird, ist

der Zeitraum 23. 10. bis 27. 10. 1976 vorgesehen.

Um Genehmigung des Vorschlages wird gebeten.

(Unterschrift) (Unterschrift)

Würbach Grimmer

Hauptmann Oberleutnant

Referatsleiter

Leiter der Kreisdienststelle

i.V. (Unterschrift)

Mittenzwei

Major

Verteiler

1 x AKK

2x BV Gera (BKG XX)Weiterleitg. HAXX/1

Anmerkung

133


Der 1.Prorektor, DN „Gerhard Austin“, der Direktor für internationale Beziehungen, DN „Manfred“

und der SB der FSU, DN „Frank“, arbeiteten als IM mit dem MfS zusammen. Wahrscheinlich

gehörten sie zu den im Text erwähnten „Schlüsselpositionen“.

D 67.1 Bericht der Werbung - IM Walter Bieler

Abteilung XX Gera, 22. Oktober

1977

Li/Kn

der Werbung

134

B e r i c h t

Am 19. Oktober 1977, 11.00 Uhr wurde der IM-Kandidat durch den unterzeichnenden Mitarbeiter

in Jena aufgenommen und in die IMK „Amt“ eingeführt.

Dieser Umstand wurde genutzt, um mit „Bieler“ das Gespräch über das Betreten, Verlassen der

IMK, Fragen der Konspiration überhaupt zu führen. Hier zeigte der IM selbst größtes Interesse an

der allseitigen Einhaltung der Konspiration.

Von diesem Ausgangspunkt weiterführend, wurde ein Rückblick auf die seit der Kontaktaufnahme

geführten Gespräche und die geleistete Arbeit genommen.

Der IM ging selbst darauf ein, daß für ihn das wohl wesentlichste Ergebnis darin liegt, daß ein

gutes Vertrauensverhältnis zwischen dem parteilosen Mediziner, den mitunter doch mit Vorurteilen

behafteten Wissenschaftlern und dem Mfs geschaffen wurde.

Er bezeichnet dabei die Gespräche als eine Art Kolloquium, auf das er nicht mehr verzichten

möchte. Zum Einen sieht er die Behandlung von bestimmten Themen als eine für die Sicherung

bestimmter gesellschaftlicher Bereiche notwendige Form, die ihm persönlich auch zusagt, zum

Anderen sieht er darin aber auch eine Art individuelles Parteilehrjahr, das ihn als Hochschullehrer

argumentationsfähiger macht.

Weiter habe er erkannt, daß das MfS doch eine sehr geradlinige Politik betreibe ohne dabei als

„marxistischer Fanatiker“ aufzutreten, die mehr zerschlagen als gut machen.

Sehr gut hat der Kandidat erkannt, so betonte er, daß seine persönlichen Belange bei einer Zusammenarbeit

nicht zu kurz kommen. So schreibt er die sich abzeichnende Schaffung des Lehrstuhls

Sportmedizin und seine Kandidatur dafür als Professor der Unterstützung und Hilfe des MfS zu.

Gemeinsam wurde erarbeitet, daß es jetzt darauf ankommt, eine höhere Qualität in der inoffiziellen

Zusammenarbeit anzustreben, die sein zu erwartender Einsatz als Reisekader NSW und die in der

Anfangsphase stehende Großforschung „Muskelfunktion“ erfordern.

Der IM versicherte, daß er mit seinen Möglichkeiten voll das MfS unterstützen wird.

Auf Probleme der Wahl des Decknamens und auf eine schriftliche Verpflichtung wurde nicht eingegangen,

da seitens des IM die bereits schriftlich fixierte Bereitschaft zur Unterstützung und der

Deckname „Bieler“ verbindliche Realität sind.

Im Anschluß an diesen Teil des Werbungsgespräches wurde der Auftrag abgearbeitet, d.h. es wurden

die Personeneinschätzungen

Dr. ———

Dr. ———


(alle Personen sind Reisekader) erarbeitet und eine Information zu den Ausschreitungen am 7.10.

in Berlin fixiert.

Folgender Auftrag wurde festgelegt:

• Umfassende Einschätzung der Persönlichkeit des Stellvertreter für Forschung, Dr. hab. P

ö h l m a n n

• Einschätzung der Zweckmäßigkeit der Auswahl der Reisekader der Sektion Sportwissenschaften

der FSU.

Als neuer Treff wurde der 10.11.77, 10.00 Uhr, IMK „Amt“, festgelegt.

(Unterschrift) Linke

2.77. Hauptmann

D 67.2 Bericht über Dienstreise zur HA XX/3 am 19.2.1982 (Walter Bieler)

Abteilung XX/3 Gera, 22. 2.

1982

eh-lö

B e r i c h t

über Dienstreise zur HA XX/3 am 19. 2. 1982

Mit dem Leiter der HA XX/3, Gen. OSL Gerlach und im Beisein des Gen. Major Brabant wurden

folgende Probleme beraten:

1. Blickfeldarbeit mit dem IM „Walter Bieler“

Unterzeichner informierte über alle Probleme im Zusammenhang mit der Reise des IM zum Weltkongreß

für Sportmedizin nach Wien und über die Fakten, aus denen zu folgern ist, daß der IM

möglicherweise im Blickfeld des Gegners sich befindet.

Gen. OSL Gerlach schätzte ein, daß gute Voraussetzungen für eine zielgerichtete Blickfeldarbeit

mit „Bieler“ bestehen. Schwerpunkte, auf welche Personen bzw. Institutionen der Sportwissenschaft

der BRD sich „Bieler“ konzentrieren soll, konnten von der HA XX/3 nicht konkret benannt

werden. Zur Vorbereitung des IM auf seinen Einsatz wurden folgende Hinweise gegeben:

• mit „Bieler“ abarbeiten, bei welchen Personen die Möglichkeiten eines persönlichen Kontaktes

am aussichtsreichsten sind;

• Durchsetzung des Prinzips „Sicherheit geht von Erfolg“ am Einsatzort in Wien. Oberstes Gebot

ist die Sicherheit des IM gegenüber den anderen Mitgliedern der DDR-Delegation;

• konkrete Vereinbarungen mit dem NSW-Partner sind die hauptsächlichste Zielstellung (wissenschaftlicher

Informationsaustausch auf privater Ebene).

Gen. Gerlach bat, vom Ergebnis der Reise des IM in Kenntnis gesetzt zu werden.

Unterzeichner informierte ferner darüber, daß der Aufbau eines Lehrstuhles Sportmedizin an der

FSU geplant ist, dem die Kapazitäten des gesamten Bereiches Medizin der FSU zugänglich sein

werden. „Bieler“ wird hierfür eine ordentliche Professur erhalten. Gen. Gerlach bat in diesem Zusammenhang

zu überprüfen, inwiefern sich hierbei Möglichkeiten ergeben, unter Mitwirkung von

„Bieler“ einen IME (Wissenschaftsexperte Sportmedizin) in diesem Lehrstuhl unterzubringen, der

im Auftrage des Mfs umfangreiche Recherchen zur BRD-Forschung durchführt. Abschließend

135


wurde zu diesem Problemkreis festgestellt, daß angesichts der durch „Bieler“ zu lösenden Aufgaben,

dessen unbedingte Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit erforderlich ist.

136

Auszug (Unterschrift)

2. In vorgenannter Richtung ist auch beiliegender Brief an Prof. ——— in Wien einzuordnen.

3. Gleichfalls damit im Zusammenhang steht der ursprüngliche geplante, aber von diesem wegen

eines Kongresses abgesagte Besuch von Prof. ———, Wien, in Jena. Sozusagen als Vertreter

schickt er Herrn Dozent ——— von seinem Institut, der sich vom 25. - 27. 9. 84 unter meiner

Betreuung in Jena aufhalten wird.

4. Von ———/Köln habe ich nichts wieder gehört. S. ist Jahrgang 1936. Einreisen erfolgen in

der Vergangenheit zu seiner Mutter nach Zeitz, ———

5. Ich lege einen Brief von Prof. ———/München bei, mit dem ich während des Myologie-

Symposiums in Jena Kontakt hatte.

Anmerkungen

zu 1. - 3.

gez. Quelle

Bewertend ist einzuschätzen, daß sich „Bieler“ in den zurückliegenden zwei Jahren an alle Aufträge

und Instruktionen für die Kontaktgestaltung mit Prof. ——— gehalten hat. Der erreichte Stand

ist insgesamt sehr günstig für die mit dem IMB konzipierten Blickfeldmaßnahmen. Es kann davon

ausgegangen werden, daß auf der Gegenseite erfolgreich vom IM das Bild eines nach NSW-

Kontakten strebenden Karrieristen gezeichnet werden konnte, der einerseits hartnäckig zu seinem

internationalen Einstieg arbeitet und gegen den andererseits sicherheitspolitische Bedenken der

„zuständigen DDR-Stellen“ vorhanden sind, dem man nicht 100%ig traut, dessen Karriere man

aber auch nicht mehr aufhalten kann, denn im September wird die Berufung zum ordentlichen

Professor erfolgen. Diese Konstellation war beabsichtigt und ist erreicht worden. Bis zum September

wird für „Bieler“ ein präzisierter Auftrag hinsichtlich der Kontaktlinie Österreich erarbeitet.

4. „Bieler“ wurde beauftragt, zu S. seinerseits Kontakte durch ein Paket an dessen Tochter aufzunehmen.

Es soll sich „naiv“ nach dem Kunstmaler (Nachbar von S. in Köln) erkundigen, mit

dem S. ursprünglich eine Bekanntschaft vermitteln wollte. Ferner soll er nach dem Termin für

die diesjährige DDR-Einreise von S. fragen und dies mit der Darlegung seiner Zeitplanung

(Urlaub usw.) begründen.

„Bieler“ wurde aufgefordert, gemäß des ihm übergebenen schriftlichen Auftrages über mögliche

operativ bedeutsame Vorgänge in seinem persönlichen Umfeld zu berichten. (Z. B. neue Nachbarn,

unverhofftes Auftauchen von Handwerkern, Bauarbeitern, Kontaktbestreben anderer zu ihm oder

seinen Familienangehörigen usw. usf.). Der IM legte dar, daß es in dieser Hinsicht keinerlei Auffälligkeiten

gibt.

D 67.3 Schriftlicher Auftrag für den IMB „Walter Bieler“

Abteilung XX Gera, 28. Januar 1984

eh-rei

Bestätigt:

Leiter der Abteilung

Linke

Oberstleutnant


Schriftlicher Auftrag für den IMB „Walter Bieler“

E h m e r

Leutnant

Ende März 1985 nehmen Sie an einem internationalen Kongreß in Prag teil. Damit im Zusammenhang

werden Ihnen folgende operative Aufgaben übertragen:

1. Erreichung der offiziellen politischen und fachlichen Zielstellung Ihrer Dienstreise

2. Weitere Ausprägung Ihrer für die wesentlichsten westlichen Kontaktpartner interessanten

Persönlichkeitsmerkmale, wie

• exponierte Stellung in Ihrer Wissenschaftsdisziplin im Rahmen der DDR (Kenntnisse, Einblick,

Einfluß),

• Neigung, die Wissenschaft weitgehend als ideologiefrei aufzufassen und zu praktizieren,

• Drang nach wissenschaftlichem Meinungsaustausch, insbesondere mit dem NSW,

• christliche Weltanschauung,

• Typus des kritischen Intellektuellen,

• stark geltungsbedürftig,

• kleinbürgerlicher Lebensstil und -anspruch, materielle Interessiertheit,

• Entwicklung in der DDR trotz großer Widerstände:

a) geforderter Abbruch wissenschaftlicher und persönlicher NWS-Verbindungen

b) Benachteiligung der Kinder wegen JG-Zugehörigkeit (politische „Szene in Jena“)

c) zeitweilige Unterbindung der NSW-Reisetätigkeit.

3. Festigung der perönlich-kollegialen Beziehungen mit Prof. ———/Wien (Vorrang vor allen

anderen), Prof. ———/Mainz und mit weiteren bereits bekannten Personen aus Österreich und

der BRD (z. B. Dr. ———, Dr. ———, Prof. ——— u. a.)

4. Abschöpfung von Prof. ——— zu folgenden Punkten

• Grundsätzliche Arbeitsergebnisse von G., bei den Applikationsmöglichkeiten für die DDR

erkannt werden,

• politische Stellung und Verbindungen ——— zur bzw. in die BRD,

• Anmerkung

• Beginnen Sie damit, ——— den glaubhaften Eindruck Ihrer intellektuellen und persönlichen

Bindungen an die BRD (Studienzeit, freundschaftliche Privatkontakte, Interesse an wissenschaftlichem

Austausch usw.) zu vermitteln.

• Machen Sie ihm deutlich, wie wichtig für ihre weitere Entwicklung die Orientierung auf die

BRD einerseits ist und wie unmöglich und kompliziert dies aufgrund der politischen Gegebenheiten

zwischen beiden deutschen Staaten und der Bürokratie in der DDR andererseits ist. Testen

Sie konkret, inwiefern G. bereit ist zu „vermitteln“. Er sollte den Eindruck erlangen, daß

seine Zusammenarbeit mit Ihnen um so vorteilhafter ist, je intensiver er Ihr Interesse an der

BRD befriedigt.

• Zur Persönlichkeit (Lebensumstände, Charakter, Geschäftsverbindungen, Reisetätigkeit, Vermögen/Besitz,

persönliche Pläne, Nachfolger etc.),

137


• Haltung zu subversiven Aktionen gegen die DDR. (Nutzen Sie z. B. das Vorkommnis Nürnberg

und/oder Probleme der „Jenaer Szene“.)

• Möglichst konkrete Vorstellungen ——— über die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen, insbesondere

Perspektiven,

• wie gedenkt G. Ihren bevorstehenden Besuch in Wien zu arrangieren. (Ablauf, etc.)

5. Abschöpfung von Prof. ———/Mainz zu folgenden Punkten

• Bisherige Entwicklung und derzeitige Stellung

a) in der BRD-Sportmedizin

b) an der Universität Mainz,

• zur Persönlichkeit (Lebensumstände, Charakter, Reisetätigkeit, Vermögen/Besitz, politische

Einstellung generell, politische Haltung zur DDR).

Nutzen Sie alle Kontakte mit J., um zu einer möglichst klaren Einschätzung der Frage zu kommen,

ob und unter welchen Voraussetzungen er zukünftig bereit und in der Lage ist, Ihnen einen tieferen

Einblick in Probleme der BRD-Sportwissenschaft zu geben. Legendieren Sie Ihre diesbezüglichen

Tests wie bei ——— und vor allem überprüfbar.

6. Erarbeiten Sie Informationen im Sinne des zweiten Teils des Ihnen bekannten Informationsbedarfs/Reiseberichterstattung

(S. 5 - 7)

In Abhängigkeit von den konkreten Gegebenheiten ihres Aufenthaltes in Prag können Sie sich zu

den Ergebnissen vorgenannter Aufgabenstellungen Notizen machen

Wir bitten Sie, den Bericht nach Beendigung Ihrer Dienstreise analog der hier vorliegenden Gliederung

anzufertigen.

Zur Kenntnis genommen 19.3.85 Bieler

Datum Unterschrift

D 67.4 Bericht zum Entwicklungsstand der NSW-Kontakte (Walter Bieler)

Abteilung XX Gera, 17. Mai

1984

eh-ge

Quelle: IMB „Walter Bieler“

erh.: Gen. Ehmer

am: 27. 4. 1984

B e r i c h t

zum Entwicklungsstand der NSW-kontakte

1. ——— hat meinem Sohn zum Geburtstag einen Brief geschrieben, in den er einfügte: „Auf den

Brief Deines Vaters kann ich jetzt nicht eingehen. Ich glaube, das wäre sicher ein längeres Gespräch.

Aber grüße ihn bitte von mir.“ Meinem Wunsch, mich mit seinem Nachbarn, der als

Kunstmaler 1984 in Weimar eine Ausstellung machen soll, bekannt zu machen, ist S. bisher

nicht nachgekommen.

138


Anmerkung

S.’s Äußerung weist erneut darauf hin, daß es sich um eine „delikate Angelegenheit“ (nach unserer

Version um den Versuch des Gegners, über S. an den IMB heranzukommen) handelt. An der Beauftragung

des IMB wurde nichts verändert.

2. Auftragsgemäß habe ich Dr. ——— von der Uni Freiburg/Br. über die Abt. IB der FSU geantwortet.

Meiner Teilnahme am Kongreß 1985 in Prag wird zwischenzeitlich auch seitens der

FSU und des SMD der DDR zugestimmt.

Anmerkung

Der IMB war bereits beauftragt worden, seine Teilnahme an diesem Fachkongreß betreiben. Hier

wird er erneut mit NSW-Vertretern zusammentreffen und kann seine op. Profilierung weiter ausprägen.

Bei der Vorbereitung der Beauftragung ist zu berücksichtigen, daß sich dem Gegner in

Prag günstige Möglichkeiten bieten, sich dem IM zu nähern.

3. Im Zusammenhang mit der Absage von Prof. ——— /Wien zu einem Besuch bei Prof. ———

in Jena (wegen eines eigenen Kongresses) habe ich ——— veranlaßt, dem G. vorzuschlagen,

daß an seiner statt Prof. G. kommt. Dies diente dem Zweck, sich bei ——— in Erinnerung zu

halten.

4. Seitens des französischen Staatsbürgers ——— ——— gab es keinerlei Kontakte mehr zu

meiner Familie.

Anmerkung

Diese Aussage des IM steht im Widerspruch zur Mitteilung der HA VI/OPD Berlin, wonach P. am

....... in die DDR einreiste, den Sohn des IM als Reiseziel angab und auch alle hierfür erforderlichen

Papiere besaß.

Es ist aber anzunehmen, daß dieser Widerspruch nicht aus Unehrlichkeit oder Unwissenheit des

IM, sondern aus op. bedeutsamen Verhaltensweisen des P. resultiert.

Dem IM wurde mitgeteilt, daß P. im Zusammenhang mit pol. Untergrundtätigkeit stehen könnte.

Seine Beauftragung, bei erneutem Kontakt mit P. diesen ausgehend von seinem Brief vom Januar

auf die Gefährlichkeit seiner DDR-Kontakte hinzuweisen, denn er steht nachweislich im Blickfeld

des französischen GD, wurde dahingehend erweitert, die möglicherweise mit PUT zusammenhängenden

Absichten des P. in der DDR in Erscheinung zu bringen.

5. Beim Jenenser Myologie-Symposium hatte ich persönlichen Kontakt mit den Professoren ——

— (Pathologe) München und ———/Amsterdam,

6. Durch den DSBV der DDR wurde das Interesse laut, mich wieder im NSW einzusetzen. Der st.

GS des DSVB ——— hat mich daraufhin nochmals angesprochen und gesagt: „Das war nicht

in Ordnung, daß du dich in Österreich abgeseilt hast, das müßten wir noch klären!“ Ich entgegnete

ihm, daß es nichts zu klären gäbe, da ich von mir aus wegen der Staatsplanforschung ein

Jahr als Reiskader pausiert habe. Deutlich wird erneut, daß es ——— war, der durch seine Informationen

bewirkt hat, daß ich 1984 gar nicht eingeplant war.

Anmerkung

Zur weiteren operativen Profilierung des IM und zur Erhöhung seiner Konspiration wird für den

Fall, daß er als Reisekader neu zu bestätigen ist, in Zusammenarbeit mit der HA XX/3 bei DTSB-

BoVo und beim DSVB über IM und offizielle Schlüsselpositionen der Eindruck erweckt, daß das

MfS Zweifel an der Unbedenklichkeit des Reisekaders hat. Die Bestätigungsentscheidung wird

lauten „Entscheid vor Ausreise“.

139


f.d.R. gez. Quelle

Ehmer

Oberleutnant

Verteiler

1mal Akte II

1mal Beiakte NSW-Verbindungen

D 67.5 Reisebericht vom „Europäischen Kongreß für Sportmedizin“ in Prag (Bieler)

Bezirksverwaltung Gera, 29. April

1985

für Staatssicherheit eh-kl

Abteilung XX

IMB „Bieler“

Reisebericht vom „Europäischen Kongreß für Sportmedizin“ in Prag

140

Tonbandabschrift

Die Reise erfolgte mit dem Zug. Hinfahrt am 25. 3. 1985, Rückfahrt am 29. 3. 1985, in beiden

Fällen über Bad Schandau/Decin. Die Fahrkarten und die Finanzen wurden durch das MHF zur

Verfügung gestellt. Es erfolgte keine direkte Zuordnung des Reisenden zur offiziellen Delegation

unter Leitung von Dr. ———. Paß- und Zollkontrollen erfolgten bei Ein- und Ausreise. komplikationslos

im Zug. Die Paßkontrollen beschränkten sich auf den Vergleich der Paßbilder, Zollkontrollen

fanden nicht statt.

Die Hinfahrt erfolgte zusammen mit Frau Dr. ——— aus Saalfeld. Die Rückfahrt erfolgte ohne

Begleitung.

Zur Situation in der CSSR

Die DDR-Delegation war geschlossen im Interhotel „Panorama“ untergebracht (modernes 4-

Sterne-Hotel). Neben dem Taschengeld von 360,- Kronen erhielten wir 500,- Kronen Verzehrbons

für 4 Tage Aufenthalt. Damit war es möglich, die Mahlzeiten in dem Hotel einzunehmen (Frühstück

40,- Kronen als Pauschale, Mittagessen 50,- bis 60,- Kronen, 1 halber Liter Bier 20,- Kronen).

Auffallendes Merkmal des Hotels waren bestimmte Damen, die im Zeitraum von 18.00 bis

ca. 23.00 Uhr das Foyer und bestimmte Restaurantteile bevölkerten, einzelne Herren ansprachen

und für etwa 200,- DM mit auf die Zimmer gingen.

Die Kongreßteilnehmer hatten freie Fahrt auf allen öffentlichen Verkehrsmitteln in Prag. Das Angebot

in den Geschäften war vielseitig und in wesentlichen Warengruppen (Lebensmittel, besonders

Südfrüchte; Lederwaren, Stoffe, Werkzeuge und Armaturen, Sportschuhe) besser als in der

DDR. Die Preise lagen bei Lebensmitteln in der Regel etwas höher, bei den anderen Waren etwas

niedriger als in der DDR.

Ablauf des Kongresses

Der Kongreß fand in drei Sälen im Kulturpalast statt, wobei die Eröffnungs- und Abschlußsitzung

nur in einem Saal abgehalten wurden.

Der Kongreß stand unter Schirmherrschaft des Staatspräsidenten der CSSR. Das Programm enthielt

193 Vorträge und 119 Poster von Referenten aus 24 Ländern. Zum fachlichen Niveau des

Kongresses wurde eine schriftliche Einschätzung erarbeitet. Der Kongreß wurde umrahmt durch


eine Begrüßungsparty am Eröffnungstag, ein Orgelkonzert in einer Barockkirche, eine Abschiedsparty

im Hotel „Interkontinental“ und eine Bierparty (auf eigene Kosten) im „U flecku“. Somit war

ausreichend Möglichkeit zu persönlichen Kontaken gegeben.

Kontakte mit Kongreßteilnehmern

1. Mit den Kollegen ——— aus Prag und Frau ——— aus Moskau (Leninpreisträgerin) wurden

die seit mehreren Jahren bestehenden Kontakte fortgesetzt. Herr ——— wird voraussichtlich

in den nächsten 1 - 2 Jahren den Berichterstatter besuchen. Mit Frau ——— wurden Möglichkeiten

eines Besuches in Moskau erörtert. Freundschaftliche Kontakte bestehen auch zu Prof.

——— (Vize-Präsident der FIM/CSSR), Dozent ——— aus Preschow, Prof. ——— (Budapest)

und Prof. ——— (Bulgarien).

Es bestanden folgende Kontakte zu Teilnehmern nichtsozialistischer Länder:

a) Prof. ——— (Präsident der FIM, Schweden) Mit ihm wurde an bestehende Kontakte angeknüpft

und es wurde vereinbart, daß der Berichterstatter eine Einladung zum Weltkongreß für

Sportmedizin 1986 nach Brisban (Australien) erhält. ——— ist ein typischer Manager, dessen

Referate vorrangig auf Show-Effekte bedacht sind. Er pflegt entsprechend seiner Funktion korrekte

Kontakte zu unseren Vertretern, ist aber in seiner Grundauffassung ein eindeutiger Gegner

sozialistischer Gesellschaftsordnungen. Er ist in mehreren Vorständen internationaler Gesellschaften

verankert (Traumatologie, Schiverband) ist eindeutig materiell orientiert und als Hobby

die Fotografie und Orchideen. Auf der Zuneigung zu Orchideen wurden in den letzten Jahren

durch Übersendung von Material der Friedrich-Schiller-Universität die Kontakte aufgebaut.

b) Prof. ——— war Offiziersschüler in Greifswald und ging etwa 1957 nach Westberlin. Er war

Schüler von ——— und wurde dann auf den Lehrstuhl für Sportmedizin nach Gießen berufen.

(Einer der ersten Lehrstühle für dieses Fach in der Bundesrepublik.) Seine hochschulpolitischen

Auffassungen entsprechen denen des Berichterstatters. Er hat eine eindeutig negative Position

zur DDR, besonders zu einer Reihe leitender Sportmediziner, die z. T. mit ihm in Greifswald

studiert haben. Im Gegensatz dazu bestehen gute kollegiale Kontakte zum Berichterstatter und

das Interesse am Ausbau dieser Kontakte seitens ——— war offensichtlich. Fachlich ist ——

— stark auf sich orientiert, hat ein negatives Urteil zu ——— und fachliche Kontroversen zu

——— in Köln. Es erfolgte mit ——— der Austausch von Publikationen und Adressen. er

wurde von mir gebeten, Aufnahmen, die er im „U flecku“ und im Kongreß von mir gemeinsam

stehend oder sitztend mit westdeutschen Kollegen gemacht hatte, an meine Privatadresse zu

schicken.

c) ——— Führender Sportmediziner der Sporthochschule Köln. Er ist ein sehr korrekt auftretender

Wissenschaftler von hohem Rang, der bei eindeutiger Differenz in politischen Grundhaltungen

versucht, zu Sportmedizinern aus der DDR ein korrektes Verhältnis herzustellen. Es

fanden mit ——— zwei Gespräche statt, in denen er von mir darauf hingewiesen wurde, daß es

für junge Nachwuchswissenschaftler in der DDR schwer sei, Reisen in das kapitalistische Ausland

durchzuführen. Er wurde auf meine Verantwortung für die Entwicklung der Sportmedizin

im Hochschulwesen der DDR hingewiesen, es wurden Differenzen zu den Sportmedizinern der

DHfK und des Sportmedizinischen Dienstes angedeutet, es wurde auf die freundschaftlichen

Beziehungen zu ——— in Köln hingewiesen und dabei der Wunsch geäußert, über eine Einladung

zu einer wissenschaftlichen Veranstaltung diesen Schulfreund evtl. einmal besuchen zu

können.

d) Prof. ———, Wien Mit ——— fanden einige Kurzgespräche und ein gemeinsames Mittagessen

unter vier Augen im Hotel „Interkontinental“ statt. ——— ist vordergründig ein Geschäftsmann,

dessen wissenschaftliches Niveau von anderen österreichischen Sportmedizinern

nicht in vollem Maße anerkannt ist, der aber über vielfältige Beziehungen zu Wirtschaft und

Industrie verfügt und dessen Geschäftstüchtigkeit allgemein anerkannt wird. Er ist im Besitz eines

Dienstvisums auf Dauer für alle sozialistischen Staaten, unterhält enge persönliche Kontakte

zum ehemaligen Bundeskanzler Kreisky, hat gute Kontakte zur österreichischen Botschaft in

der DDR (er sicherte die Visabeschaffung für Jänig und ——— innerhalb von wenigen Tagen

zu). Er sieht die politische Aufgabe Österreichs und seiner Person in der Herstellung vertrauensvoller

Beziehungen zu den sozialistischen Staaten (da diese zu den westlichen Staaten im

141


142

wesentlichen bestehen, hält er den Kontakt zum Westen nicht für eine so dringende Aufgabe).

Aus ökonomischer Sicht befürwortet er die freie Marktwirtschaft und hält das sozialistische

Modell für die Wirtschaft nicht akzeptabel. Subversive Akte gegenüber der DDR (Abwerbung ,

illegaler Devisen-Umtausch) werden von ihm strikt abgelehnt. Er verhält sich in finanzieller

Hinsicht gegenüber den Partnern aus der DDR großzügig (grundsätzliches Bezahlen der Rechnungen

im Restaurant, Übernahme der Aufenthaltskosten für einen Aufenthalt in Wien). Das

Verhältnis zur BRD erscheint nicht besonders freundschaftlich. Auffallende Punkte in seinem

Verhalten waren, daß er nur wenige Kongreßveranstaltungen besuchte, in Prag offensichtlich

noch eine Reihe anderer Gespräche zu führen hatte (geschäftlich?) und daß er einen Empfang

des Berichterstatters in seinem Zimmer im Hotel trotz mehrfacher Versuche von mir ablehnte.

Von meiner Seite wurden in den Gesprächen folgende Auffassungen vermittelt:

• Im wissenschaftlichen Meinungsaustausch mit seinem Institut gibt es für mich eine Reihe

von Problemen, die durch mißtrauische Funktionäre gesehen werden. Trotz langjähriger

Tätigkeit in einem Staat besteht in der DDR immer ein gewisses Mißtrauen der Staatsführung

gegenüber den Parteilosen.

• Das Hauptinteresse eines Besuches in Wien besteht in der Möglichkeit zum freien Gedankenaustausch

mit westlichen Wissenschaftlern und selbstverständlich auch in der Möglichkeit,

einmal einige Tage ohne Delegation in Wien zu sein.

• Ökonomische Fragen liegen nicht im Aufgabenbereich von mir und das Verständnis dafür

ist auch gering. Diese Probleme werden durch Dr. Jänig wahrgenommen. Dr. Jänig ist

vordergründig an ökonomischen Zielstellungen interessiert und bei Erfüllung dieser Zielstellung

ist er gegenüber dem mitreisenden Wissenschaftler ein sehr verständnisvoller

Funktionär.

• Hinweise auf die Cliquenbildung in der Sportmedizin und den Alleinvertretungsanspruch

des Sportmedizinischen Dienstes.

• Hinweise auf die Studentenzeit in Würzburg.

• Austausch über gemeinsame kulturelle Interessen (Musik).

Das Verhalten der DDR-Vertreter in der FIMS (Prof. ———, Prof. ———) kann besonders bei

ersterem kaum befriedigen. Es geht den Kollegen vordergründig um die Aufwertung der eigenen

Person, um die Vereinbarung von Reiseterminen in die BRD und z. T. nach Österreich (Gespräche

mit ———, ———. ———), wobei diese Fahrten mit der vorzeitig invalidisierten Ehefrau unternommen

werden. Die Ehefrau pflegte während des gesamten Kongresses fast ausschließlich den

Umgang mit westdeutschen Kollegen. Beide Professoren vermeiden es, jüngere DDR-

Wissenschaftler in den internationalen Gremien bekanntzumachen. Unter diesem Gesichtspunkt

erregen die Kollegen ———/Potsdam und Scheibe/Jena ihr Mißfallen, da diese nicht den Direktiven

des Staatssekretariats für Körperkultur und Sport unterstehen und sich somit entsprechend

ihren Aufgabenstellungen auf den internationalen Kongressen bewegen.

Fazit des Kongresses

Die fachliche und politische Zielstellung konnte in allen Punkten erreicht und z. T. überboten werden.

Der Kongreß war eine gute Gelegenheit, die in Wien begonnene Arbeit zielstrebig fortzusetzen.

f. d. R. d. A. gez. Quelle

Klein

Anmerkung

Die Akte des IMB „Walter Bieler“ X/717/76 zeigt, mit welchen Methoden langfristig das Vertrauen

von Kollegen aus Österreich und der Bundesrepublik, erworben wurde. Die beschriebenen


Verhaltensweisen sind so eindeutig, daß dem nichts hinzuzufügen ist. Daß der so vom MfS geförderte

Professor Dr.Jochen Scheibe nichts hinzu gelernt hat, zeigen seine im „Gespräch Nr.13:

Prof. Dr. A.“ im Buch „Zwischen Hippokrates und Lenin, Gespräche mit Ost- und Westdeutschen

Ärzten über ihre Zeit in der SBZ und DDR“ Dtsch. Ärzteverlag, Köln 1994 dargestellten Äußerungen.

Dort liest man z.B. in der Fußnote auf Seite 222: „Gegen A. sind vor einigen Jahren Vorwürfe

erhoben wurden, er sei „Führungsmitarbeiter“ der Stasi gewesen. In einem Brief vom

19.9.1993 an den Verfasser erklärt er dazu, daß er sich seit zwei Jahren vergeblich um Einsichtnahme

in seine Unterlagen bei der Gauck-Behörde bemühe. Die Vorwürfe entbehren, so A., jeder

Grundlage.“

Sicher, er war kein „Führungsmitarbeiter“, sondern ein IMB, der u.a. seine Tochter bezüglich

Informationen über die Sektion Theologie abschöpfte, der bei der Aufklärung des Personalbestandes

der ESG in Jena half und dem das MfS anläßlich seiner Silberhochzeit einen operativ organsierten

Aufenthalt im Interhotel Neptun in Rostock ermöglichte.

Der IMB „Bieler“ ist ein Beispiel für die Förderung durch das MfS. So wurde der Lehrstuhl

Sportmedizin offenbar mit Unterstützung des MfS eingerichtet und dann mit „Bieler“ besetzt.

D 67.6 Überprüfungsersuchen an die befreundeten Sicherheitsorgane soz. Länder

Ministerium für Staatssicherheit Berlin, 19. 2. 1986

Hauptabteilung XX kie-li/ 3776/86

Leiter

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit

Abteilung XX

Leiter

G e r a

Überprüfungsersuchen an die befreundeten Sicherheitsorgane sozialistischer

Länder

Ihr Schreiben vom 7. 12. 1985, eh-kl/4829/85

Die über die Abteilung X eingeleiteten Überprüfungsersuchen zu dem

ergaben folgendes:

Prof. Dr. ———

wh.: Wien, ———

Die Sicherheitsorgane der Ungarischen VR teilten mit, daß unter den übermittelten Angaben zur

Person im Zeitraum vom 1. 1. 1980 bis 15. 1. 1986 keine Einreisen des G. in die UVR erfaßt sind.

Eine Erfassung in den operativen Karteien der UVR liegt ebenfalls nicht vor.

Die Sicherheitsorgane der VR Polen teilen mit, daß unter den angegebenen Personalien keine Einreisen

registriert sind. Operative Hinweise liegen den polnischen Sicherheitsorganen zu G. ebenfalls

nicht vor.

Von den Sicherheitsorganen der CSSR wird mitgeteilt, daß der Obengenannte nur einmal im Jahre

1985 die CSSR als Tourist besuchte. Er reiste am 28. 03. 1985 mit einem Pkw Mercedes weiß,

Kennzeichen ——— über die GüSt Hate aus der CSSR aus. Hinweise zu seinem Aufenthalt in der

CSSR bzw. zu seinen Kontakten konnten nicht erarbeitet werden.

143


Die Überprüfungsergebnisse der Sicherheitsorgane der VR Bulgarien und der UdSSR stehen noch

aus und werden nachgereicht.

D 68 Auftrag - IM „Fritz Funken“

144

Kienberg

Generalmajor

IM-Akte T.I 171

Bezirksverwaltung Jena, 9. 9. 1981

für Staatssicherheit Gera lp-nitz

Vorgangsgruppe OSL Horn

A u f t r a g

für den IM „Fritz Funken“, Reg.-Nr. X/237/69

Entsprechend der Einsatzkonzeption für den IM „Funken“ vom 8. 2. 1980 wurden vom IM die

objektiven Voraussetzungen geschaffen, um dem Ansinnen des amerikanischen Germanisten und

Kunsthistorikers

Prof. Dr. ———

geb. ———

wh.: ——— USA ———

———

nach einer Reise in die DDR Rechnung tragen zu können.

——— reist gemeinsam mit seiner Frau

———

———

———

aus der BRD kommend vom 16. 9. - 24. 9. 1981 in die DDR ein. Für die Zeitdauer seines Aufenthaltes

wird ——— privat beim IM wohnen.

——— ist Staatsbürger der BRD mit Lehrauftrag an der Universität Wisconsin/USA. Für mehrere

Monate nimmt er ab 1. 9. 1981 eine Gastdozentur am Institut für neuere deutsche Literatur der

Universität Gießen wahr.

Zwischen IM und ——— besteht seit Jahren eine rege wissenschaftliche Korrespondenz, welche

zunehmend freundschaftlich-persönlichen Charakter bekam.

Mit dem einwöchigen Aufenthalt der Familie ——— beim IM wird folgende politisch-operative

Zielstellung verbunden:

− Stabilisierung der kollegialen Beziehungen zwischen ——— und IM;

− Ausbau der sich bereits in der Korrespondenz entwickelten persönlich-freundschaftlichen Beziehung

zwischen beiden Personen;

− Prüfung der objektiven Eignung des ——— als Stützpunkt des IM im OG im Sinne der Informationsgewinnung

durch Abschöpfung mittels postalischen Kontaktes und bei Eignung durch

weitere anzustrebende persönliche Kontakte in der BRD bzw. DDR;


Der IM erhält folgenden Auftrag/Verhaltenslinie:

− Der IM zeigt sich als großzügiger, vitaler Gastgeber und bietet ——— weitestgehend angenehmen

Aufenthalt;

− Auf ——— zu erwartende Reisewünsche zu kunsthistorischen Denkmalen im thüringer Raum

geht der IM ein und unterstützt diese mit seinen ihm objektiv gegebenen Möglichkeiten (Verbindungen/entsprechende

Literatur usw.);

− Vom IM sind anregende Gesprächsabende unter Einbeziehung seiner Ehefrau zu organisieren.

Neben fachspezifischen Fragen sind vom IM aktuell-politische Gesprächsthemen anzuregen

bzw. auf solche, durch ——— angeregt, einzugehen. Der IM zeigt dabei eine ausgewogene, der

Situation angepaßte, real-kritische Einstellung zum realen Sozialismus;

− Über den gesamten Aufenthalt des ——— hinweg sind vom IM solche Informationen zu erarbeiten,

die

• das bisher bekannt Persönlichkeitsbild zu ——— vervollständigen

• Aufschluß über den Bekanntenkreis des ——— in der BRD geben (evtl. operativ nutzbar,

weil ebenfalls Verbindung des IM)

• politische Haltungen/Positionen/Stellungen erkennen lassen (Friedensbewegung, Sozialismusmodelle)

• insgesamt geeignet sind, die operative Basis des ——— zu beurteilen.

bestätigt:

(Unterschrift)

Horn

Oberstleutnant

(Unterschrift)

Lippoldt

Oberleutnant

Anmerkung

Prof. Friedrich Möbius wurde bereits am 4.10.1963 als IM „Fritz Funken“ geworben. 1982 sollte

er versuchen, den von einer Dienstreise nicht zurückgekehrten Urologen Prof. Hans-Joachim

Schneider, der bis dahin als IM „Edgar“ X/376/77 vom MfS erfaßt war, zur Rückkehr in die DDR

zu bewegen. Noch am 9.2.1989 erhielt „Fritz Funken“ die „Verdienstmedaille der Nationalen

Volksarmee in Silber.

D 69.1 Vorlage zur Werbung eines IM

Abteilung XV Gera, 8. Okt. 1971

Sa/Ki

bestätigt:

Leiter der Abteilung XV

(Unterschrift)

L u t h e r

Major

V o r l a g e

145


I. Zur Person

146

zur Werbung eines IM

Name: Dr. Pöhlmnn

Vorname: Rilo

geb. am, in: ———

Nationalität: deutsch

Staatsangehörigkeit: DDR

Parteizugehörigkeit: SED

Konf. Bindung: keine

Schulbildung: Grund-, Ober- und Hochschule

Fremdsprachen: Englisch

Erlernter Beruf: Lehrer

Jetzige Tätigkeit: Oberassistent

Wo beschäftigt: Universität Jena Sektion

Sportwissenschaft

Familienstand: verheiratet

Anzahl der Kinder: keine

Wohnanschrift: Kamsdorf, ———

II. Einschätzung des Kandidaten für die operative Tätigkeit

1. Bekanntwerden der Person

Der Kandidat wurde durch IM unserer Abteilung die in leitender Funktion an der Universität

Jena tätig sind, als geeigneter Kader für unsere Aufklärungsarbeit getippt. Da die Ermittlungen

zur Person diese Feststellung bestätigen, wurde der persönliche Kontakt durch Unterzeichnenden

zu ihm aufgenommen.

2. Zweckmäßigkeit der Werbung

Zur Erfüllung der vor uns stehenden Aufgaben macht sich der ständige Ausbau des Netzes

der DDR-Einsatzkader erforderlich. es ist vorgesehen, den Kandidaten nach entsprechender

Ausbildung als DDR-Werber im Operationsgebiet einzusetzen.

3. Möglichkeiten des Kandidaten

Auf Grund seiner beruflichen Stellung ist die Möglichkeit und Legendierung einer längeren

Abwesenheit von seinem Arbeitsplatz gegeben. Auch die gesellschaftlichen und persönlichen

Verpflichtungen des Kandidaten lassen sich mit den operativen Aufgaben in Einklang

bringen.

4. Tauglichkeit des Kandidaten

Der Kandidat besitzt ein gutes Allgemeinwissen und reiche Erfahrungen auf dem Gebiet der

politischen Arbeit. Spezielle psychologische Kenntnisse und Erfahrungen in der Arbeit mit

Menschen werden sich auf die Tätigkeit als Werber positiv auswirken. Sein Charakterbild

und sein Auftreten würden dem ebenfalls entsprechen. so ist er kontaktfreudig, anpassungsfähig

und konsequent. Er hat ein angenehmes Äußeres, wirkt sportlich und verfügt über gute

Umgangsformen. Er hat einen klaren Klassenstandpunkt und wird sein Wissen und seine

Kräfte zur Realisierung ihm von unserem Organ übertragener Aufgaben einsetzen.


5. Zuverlässigkeit des Kandidaten

Der Kandidat entstammt einer Arbeiterfamilie und war in seinem bisherigen Leben stets aktiv gesellschaftlich

tätig. Er ist Mitglied unserer Partei und steht fest hinter der Politik unseres

Arbeiter- und Bauern-Staates.

Seine bisherige berufliche und politische Entwicklung und sein offener und ehrlicher Charakter

bieten eine sichere Gewähr für die Zuverlässigkeit zu unserem Organ.

III. Durchführung der Werbung

1. Basis der Werbung

Der Kandidat wird auf politisch-ideologischer Basis zur Zusammenarbeit mit dem MfS

gewonnen.

2. Werbegespräch und Ort der Werbung

Ausgehend von der Einschätzung des Imperialismus auf dem VIII. Parteitag unserer Partei und der

Verantwortung der DDR für die Sicherheit und den Frieden in Europa wird ihm die Notwendigkeit

der Zusammenarbeit mit den Aufklärungsorganen des MfS erklärt. Unter Beachtung

der Konspiration werden ihm die Anforderungen an seine Person in der zukünftigen

Arbeit erläutert.

Von dem Kandidaten wird ein klares Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit unserem Organ verlangt.

Die Verpflichtung erfolgt in schriftlicher Form.

Die Werbung soll am 14. 10. 71, 13.30 h im Objekt „Clarissa“ erfolgen.

IV. Einschätzung der bisherigen Zusammenarbeit

Die Kontaktaufnahme erfolgte am 27. 7. 1971.

Inzwischen wurden 3 Aussprachen mit dem Kandidaten geführt. Er hielt die Vereinbarungen

stets korrekt ein. Er berichtete bereits zu persönlichen Problemen, zu Fragen seiner Arbeitsstelle

und Personenhinweise. Es zeigte sich, daß er Interesse für unsere Arbeit aufbringt und gewillt

ist, ihm gestellte Aufträge gewissenhaft zu erfüllen.

Es gab keinerlei Hinweise auf Unehrlichkeit oder Konspirationsverletzung.

Um eine qualitative Vorbereitung des IM auf seine zukünftigen Aufgaben zu gewährleisten,

wird ein Ausbildungsplan mit konkreter Ziel- und Terminstellung erarbeitet.

V. Organisatorische Maßnahmen

Zur Verbindungshaltung erhält der Im den konspirativen Telefonanschluß der Abteilung und die

Nummer - 400 -

Da es sich bei der Ehefrau des Kandidaten ebenfalls um eine unserer Entwicklung sehr positiv

gegenüberstehende Person handelt, ist ihre Einweihung in die Zusammenarbeit geplant.

Dem Kandidaten ist lediglich Unterzeichnender unter Decknamen bekannt.

(Unterschrift)

S a c h s

Oberleutnant

D 69.2 Bericht über die durchgeführte Werbung

Abteilung XV Gera, den 12.11.1971

147


148

B e r i c h t

über die durchgeführte Werbung des Kandidaten Dr. Pöhlmann, Rilo

Am 14.10.71 fand in der Zeit von 13.00 - 15.00 Uhr eine Aussprache mit Genannten in Jena statt.

Diese Aussprache wurde zur Werbung des Kandidaten als IM des MfS genutzt.

Anknüpfend an die Ergebnisse der bisherigen Aussprachen wurde ihm die Notwendigkeit der inoffiziellen

Unterstützung unseres Organs nochmals dargelegt. Anhand der Einschätzung des Imperialismus

auf dem VIII. Parteitag unserer Partei und einiger aktueller Fakten aus Westdeutschland

wurde festgestellt, daß zur Gewährleistung der Sicherheit unserer Republik und des gesamten sozialistischen

Weltlagers Aufklärungsarbeit im Feindesland erforderlich ist.

Der Kandidat erklärte sich bereit, unser Organ inoffiziell zu unterstützen und Aufträge im Operationsgebiet

zu übernehmen. Mit der schriftlichen Verpflichtung zur Zusammenarbeit mit dem MfS

war er einverstanden. Er wählte sich den Decknamen:

„Roma Portfeld“.

Nach der Verpflichtung wurden ihm die Prinzipien der Zusammenarbeit eingehend erläutert. So

wurde besonders auf die Treffdisziplin, die Auftragserfüllung und die Eigeninitiative eingegangen.

Schwerpunkt wurde weiterhin auf die unbedingte Einhaltung der Regeln der Konspiration und auf

die abwehrmäßige Absicherung seiner Arbeitsstelle und seines Wohngebietes gelegt. Bei der Erörterung

all dieser Fragen zeigte der Kandidat Aufmerksamkeit und entwickelte eigene Vorstellungen.

Zur Verbindungshaltung erhielt der IM den konspirativen Telefonanschluß unserer Abteilung und

die Nummer „400“.

Der nächste Treff wurde auf den 11.11.71, 13.30 Uhr in der „Clarissa“ festgelegt.

Als ersten Auftrag wurde er mit der Abklärung von 3 Mitarbeitern seiner Sektion beauftragt.

(Unterschrift)

S a c h s

Oberleutnant

D 69.3 Operativer Auftrag - IME „Roma Portfeld“

Bezirksverwaltung Gera, 2. September 1985

für Staatssicherheit eh-ge

Abteilung XX

Bestätigt

Stellvertreter Operativ

(Unterschrift)

S e i d e l

Oberst

Operativer Auftrag des IME „Roma Portfeld“ für dessen Aufenthalt in den USA von September bis

Dezember 1985

Leiter der Abteilung


i.V. (Unterschrift)

L i n k e

Oberstleutnant

Zusätzlich zu Ihrer Aufgabenstellung laut Reisedirektive erhalten Sie folgenden operativen Auftrag

vom MfS:

1. Erarbeiten Sie Persönlichkeitsbilder Ihrer hauptsächlichen Kontaktpartner unter besonderer

Berücksichtigung von

Personalangaben

gesellschaftliche Stellung, Lebensumstände

Charaktereigenschaften, Stärken, Schwächen

Reisetätigkeit

Besonderheiten im Verhalten Ihnen gegenüber.

2. Erarbeiten Sie detaillierte Hinweise über Sponsoren und Auftraggeber der von Ihnen besuchten

Institute sowie über deren Einbeziehung in militärisch relevante Forschungen und Staatsaufträge!

3. Versuchen Sie Informationen über das sogenannte SDI-Programm in Erfahrung zu bringen.

Stellen Sie sich bezüglich dieses Programms so dar, daß Sie nur Teilinformationen besitzen.

Von besonderem Interesse sind daran beteiligte Firmen der USA, der BRD, anderer NATO-

Staaten bis hin zu Mitarbeitern.

Stellen Sie nur solche Fragen, die einen rein „fachlichen „ Anstrich haben. Enthalten Sie sichr

politischer Wertungen, egal ob Ihre Gesprächspartner für oder gegen selbiges Programm sind.

Es interessieren alle Details über Vorbereitung und Stand, Orte und Firmen, Probleme der

wissenschaftlich-technischen Arbeit, eingesetzte und führende Mitarbeiter, eventuelle Reiseabsichten

jener Leute in sozialistische Staaten.

4. Klären Sie über Prof. ———, University of California, Los Angeles, Besetzung, Funktion,

Potenzen des Zentrums für interdisziplinäre Forschung Bielefeld auf!

5. Erfassen Sie alle Hinweise zum Regime in den USA im allgemeinen und den von Ihnen besuchten

Orten im besonderen.

6. Streben Sie mit bedeutsamen Kontaktpartnern Vereinbarungen über die Aufrechterhaltung der

Verbindung nach Ihrer Rückkehr in die DDR an!

Verhaltensgrundsätze

1. Rechnen Sie vom Beginn bis zum Abschluß Ihrer Reise mit permanenter Überprüfung Ihrer

Person durch gegnerische Stellen!

2. Sollte Ihnen das Angebot unterbreitet werden, in den USA zu verbleiben, so lehnen Sie selbiges

mit dem Hinweise, daß Sie Bürger der DDR sind, strikt ab. Lassen Sie keine Zweifel an Ihrer

Loyalität gegenüber den Gesellschaftsverhältnissen in der DDR erkennen. Bleiben Sie dabei

höflich, aber bestimmt. In Ihrer Argumentation bringen Sie Ihre Familie ins Spiel.

Bei weiteren Versuchen weiterer Personen, die zeitversetzt zu erwarten wären, reagieren Sie in

der gleichen Art und Weise. Benutzen Sie immer die gleichen Argumente. In der Argumentation

zwischen einzelnen Versuchen darf es keine Widersprüche geben!

Konzentrieren Sie sich bei derartigen Versuchen auf die wesentlichen Passagen und merken Sie

sich gut, wer Ihnen solche Angebote unterbreitet.

149


3. Sollten Sie von feindlichen Kräften, einschließlich Mitarbeitern imperialistische Geheimdienste

zum Zwecke der Mitarbeit angesprochen werden, so lehnen Sie dieses Angebot strikt ab. Benutzen

Sie in Ihrer Argumentation im Kern folgendes Argument:

150

Ihr Nervenkostüm sei den Anforderungen, die eine konspirative Arbeit an Sie stellt, nicht gewachsen.

Beachten Sie, wer nach diesem Versuch der Werbung auf Sie zukommt. Handelt es sich um

sogenannte außenstehende Personen, geben Sie von sich aus den Versuch dieser Werbung nicht

preis.

Sollten Mitarbeiter des Geheimdienstes oder andere feindliche Kräfte Versuche unternehmen,

Sie einzuschüchtern, Sie unter Druck zu setzen oder den Versuch unternehmen, Sie zur Unterzeichnung

eines Schriftstückes zu veranlassen, teilen Sie diesen unverblümt mit, daß Sie über

diese Aktivitäten Ihre Botschaft, das heißt die Botschaft der DDR in den USA, informieren

werden. Selbst auf die Drohung hin, daß damit Ihr Studienaufenthalt in den USA beendet sei

und daß man Sie ausweisen wird, bleiben Sie bei Ihrer eingangs geschilderten Handlung.

Verweisen Sie auf Ihren Status als Wissenschaftler, welcher von den Behörden der USA eingeladen

worden ist.

4. Sollten Sie mit der Frage konfrontiert werden, daß Sie für das MfS arbeiten, weisen Sie dies

als Unterstellung zurück. Auch in solchen Fällen, wo man Ihnen angeblich Beweise vorlegen

sollte. Machen Sie auch hier wieder von dem Argument der Informierung Ihrer Botschaft

Gebrauch.

5. Nutzen Sie alle sich bietenden Möglichkeiten zur Sammlung von Wissenschaftsinformationen,

die Ihnen die US-Seite zugänglich macht. Schicken Sie die Materialien, da Sie nicht zu verbergen

haben, in Paketen/Kisten an ihre Dienstadresse. Angebotene Hilfe durch die Amerikaner

über Kurier an die US-Botschaft in der DDR) wägen Sie bitte ab und können Sie in Anspruch

nehmen.

6. Seien Sie sich in allen Situationen bewußt, daß Sie völlig auf sich allein gestellt sind! Wirkliche

Hilfe können Sie nur von der DDR-Botschaft erwarten. In schwierigen Situationen dürfen Sie

nicht um Kontaktaufnahme zur Botschaft bitten, sondern müssen f o r d e r n , daß Ihnen diese

ermöglicht wird. Führen Sie die Telefonnummer der Botschaft stets mit sich und beachten

Sie die erforderliche Vorwahl.

7. Machen Sie sich zu allen Problemen, die Gegenstand dieser Aufgabenstellungen sind, keinerlei

Notizen! Man darf bei Ihnen nichts finden, was nachrichtendienstlichen Charakter tragen könnte!

8. Treten Sie stets als DDR-Repräsentant auf. Unterlassen Sie jedoch jegliche politische Betätigung,

auch wenn man Sie dazu auffordern sollte!

9. Halten Sie von Beginn Ihrer Reise an unbedingt Kontakt zu Ihrer Familie. Verwenden Sie dabei

Postkarten bzw. Telegramme (keine Briefe). Diese Kommunikation ist Ihre einzige Möglichkeit

für codierte Mitteilungen an das MfS, die in folgenden Fällen erforderlich sind:

a) Kriminalisierungsversuche Ihrer Person

Codewort: Uhr für Sirko

b) nachrichtendienstlicher Vorhalt bzw. Werbemaßnahmen

Codewort: Porzellanfiguren

c) festgestellte Routineüberprüfungen durch den Gegner (Durchsuchungen, Observation, Abwehr-Tests

u.a.)

Codewort: Touristik

Geben Sie das Codewort auf jeden Fall mehrmals durch.

Auftrag und Verhaltenslinie wurden mir gründlich erläutert und ich werde danach handeln.


Datum 13.9.85 Unterschrift

� Portfeld -

D 69.4 Aktennotiz - „Roma Portfeld“

Abteilung XX Gera, 25. 10. 1985

eh-kn

A k t e n n o t i z

Am 21. 10. 1985 ging aus Madison/Wisconsin die codierte Nachricht des IM „Portfeld“ über

ein.

� Überprüfungsmaßnahmen des Gegners -

Die Nachricht enthielt den Hinweis auf eine Person in diesem Zusammenhang. Mit derartigen

Maßnahmen des Gegners war und ist weiterhin zu rechnen.

Information hierzu über Leiter der Abteilung an Stellvertreter Operativ.

Verteiler

2mal Akte IM

(Unterschrift)

E h m e r

Hauptmann

D 69.5 Reiseplan Heidelberg, 6. Reise - IM „Roma Portfeld“

Bezirksverwaltung für Gera, 04. Juli 1986

Statssicherheit

Abteilung XX

R e i s e p l a n

Sechste Reise ins Operationsgebiet

Bestätigt: (Unterschrift)

Oberst

7/7/86

Heidelberg / BRD, Internationales Symposium für Motorik- und Bewegungsforschung

Reisedokument: Reisepaß der DDR mit Dienstvisum

GÜST /Ausreise: Gerstungen/Bebra, 20.8.86

GÜST / Einreise: Probstzella, 27.8.86

Verkehrsmittel: Bahn

151


Letzter Einsatz: September bis Dezember 1985, USA

1. Reisender

152

IME „Roma Portfeld“, Reg.-Nr. XV/163/72

2. Zielstellung der Reise

− Schaffung und Ausbau weiterer sachlicher und personeller Grundlagen für die Arbeit des

IM in Richtung Operationsgebiet

− Nutzung aller der Reise innewohnenden offiziellen Möglichkeiten zur Abarbeitung des operativen

Auftrags (Anlage)

3. Aufgabenstellung

− Erfüllung aller Aufgaben, die sich aus der offiziellen Reisedirektive des MHF ergeben

− Weitere Abklärung von Wissenschaftseinrichtungen der BRD auf dem Gebiet der Bewegungsforschung

unter besonderer Berücksichtigung des „Zentrums für interdisziplinäre Forschung“

Bielefeld

− Festigung vorhandener Kontakte zu Wissenschaftlern der USA und der BRD und Initiierung

von Einladungen zu Vorträge, Kongressen etc.

− Beschaffung aktueller Wissenschaftsinformationen des Gebietes Motorik/Bewegungsforschung

unter besonderer Berücksichtigung der Olympischen Spiele 1988

und sachlicher Bezüge zur Militärforschung der NATO-Staaten.

4. Zeitlicher Ablauf

Ausreise:

Teilnahme am Symposium:

Einreise:

5. Legenden

Besondere Legenden sind nicht erforderlich, da der IM auf Einladung als offizieller Vertreter

des Hochschulwesens der DDR reist.

6. Verhalten bei vorläufiger Ferstnahme/Verhaftung

Nachrichtendienstliche Vorhalte sind grundsätzlich zurückzuweisen. Nach konkreter Abklärung

von Vorhalten, gleich welcher Art, verhält sich der IM gemäß seinem offiziellen Status laut Direktive.

Unter keinen Umständen gibt er operatives Wissen preis.

7. Codevereinbarung

Nachrichtendienstlicher Vorhalt: Medikamente

Kriminelle Anschuldigungen: Sirko

Routinemaßnahmen des Gegners: Abholen vom Bahnhof

8. Verbindungswesen

Der IM wendet sich an die Person seines Vertrauens (Ehefrau, IM der HV A). Die

Ehefrau wird in dieses bereits erprobte Verfahren durch den IM eingewiesen.

9. Operativ-technische Mittel

Keine

10. Finanzierung

Die Teilnahmegebühr ist durch das MHF entrichtet worden.

Der IM erhält offiziell: Sicherheitsbetrag von ,- DM

Reisekosten entstehen für den IM nicht.


Der IM wird mit 500,- DM Operativgeld ausgestattet.

Deshalb erfolgt bei der Abteilung VI die Avisierung.

Vorstehender Reiseplan ist mit der Abteilung XV abgestimmt.

Leiter der Abteilung

(Unterschrift)

H o h b e r g e r

Oberstleutnant

(Unterschrift)

E h m e r

Hauptmann

Für Ihre Reise zum Internationalen Symposium für Motorik- und Bewegungsforschung in Heidelberg/BRD

erhalten Sie vom MfS folgenden operativen Auftrag:

1. Wissenschaftseinrichtungen der BRD auf dem Gebiet der Bewegungsforschung sind weiter

abzuklären hinsichtlich ihrer Bedeutung, Struktur, Kooperation, Forschungsrichtungen, personellen

Besetzung.

Konzentrieren Sie sich hierbei speziell auf das „Zentrum für interdisziplinäre Forschung“ Bielefeld.

Ordnen Sie dieser Aufgabenstellung auch Ihre Kontaktaktivitäten unter.

2. Festigen Sie die vorhandenen Kontakte mit Wissenschaftlern aus der BRD und USA.

Schwerpunkte Ihrer Kontaktaktivitäten sind:

− Prof. Dr. ———, USA, Präsident der ISSP

− weitere USA-Wissenschaftler, die eng mit Einrichtungen der BRD kooperieren

− wie z.B. Prof. Dr. ———, University of California, Los Angeles

− Prof. Dr. ———, Bielefeld

− Dr. ———, Bielefeld

− Prof. Dr. ———, Dortmund

− der Kreis um Prof. Dr. ———, Heidelberg

Vertiefen Sie Ihre Einschätzung dieser Personen und schöpfen Sie sie in den interessierenden Richtungen

ab.

Im Kontakt mit Prof. Dr. ———, Hamburg, realisieren Sie Ihre Arbeitsaufgaben (gemeinsames

Buchprojekt), orientieren sich in ihrem Verhalten aber nicht zu stark auf ihn.

Versuchen Sie, wesentliche Kontaktpersonen aus der BRD zu Einladungen an Sie zu inspirieren.

Falls es erforderlich ist, stellen Sie in Ihrer Argumentation heraus, daß derartige Einladungen

das Wesentliche im Rahmen internationalen wissenschaftlichen Austausches für DDR -

Wissenschaftler sind. Liegen diese vor, finden sich auch immer Wege zu reisen.

3. Beschaffen Sie aktuelle vergegenständlichte Wissenschaftsinformationen Ihres Fachgebietes.

Dies betrifft:

− alle offiziell zugänglichen Tagungsinformationen, die gratis oder käuflich zu erwerben sind

− alle Informationen, die Ihnen im Rahmen Ihrer Kontakte unmittelbar angeboten werden oder

deren Versendung man Ihnen in Aussicht stellt

Streben Sie Angebote zur Versendung von Literatur an Sie an. Von besonderem Wert sind

interne Berichte neuesten Datums.

Inhaltlich haben besonderen Stellenwert:

153


154

− Informationen, die in der aktuellen Klassenauseinandersetzung auf dem Gebiet des Sports

praktisch bedeutsam sind (Olympiade 1988)

− Informationen mit sachlichen Bezügen zur Militärforschung der NATO-Staaten.

4. Erkunden Sie im Rahmen Ihrer Kontakte den fachspezifischen Informationsbedarf des Gegners.

Die inhaltlichen Festlegungen des Reiseplanes und den operativen Auftrag habe ich zur Kenntnis

genommen.

Im besonderen wurde ich über das Verhalten bei Konfrontation mit gegnerischen Organen instruiert.

Ein Bargeldbetrag von 500,- DM, -fünfhundert-, wurde mir übergeben.

2.86. (Unterschrift)

Portfeld

D 69.6 Reisebericht - IM „Roma Portfeld“, BRD 1989

Abteilung XX Gera, 26. Juli 1989

eh-wä

R e i s e b e r i c h t

des IME „Roma Portfeld“/BRD vom 30. 3. - 6. 5. 89

Im wesentlichen sind die Eckdaten der Reise im Sofortbericht und im fachwiss. Gesamtbericht

umrissen (Anlagen).

Die Grenzpassagen verliefen ohne operativ-relevante Feststellungen (keine Befragungen, keine

Dokumentationen). Die Maßnahmen der Selbstkontrolle auf gegnerische Bearbeitung (1x im Zug,

1x in München) erbrachten keine Feststellungen.

Folgende Informationen bilden die operativen Ergebnisse der Reise:

1. Ergänzende Informationen zur Prof. Dr. ——— (München)

2. Stiftung Wissenschaft und Politik Starnberg/Ebenhausen

3. Ausgangsmaterial zur Person Prof. Dr. ———(Saarbrücken)

4. Regierungskontakte im Saarland (Staatskanzlei und Kultusminister)

5. Lage der Universität des Saarlandes

6. Hochschule der Bundeswehr München

7. Ergänzende Information zu Prof. Dr. ———/Heidelberg

8. Olympiastützpunkte Saaland und Leimen

9. Geschäftsgebaren der Firma IVC gegenüber DDR

10. Politische Informationen zu Bayern (Staatskanzlei)

11. Weitere Entwicklung des Kulturabkommens DDR/BRD

12. Kontakt zu Vertreter der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt

Hamburg

13. Kontakt zu Vertreter der NATO-Scientific Division

14. Kontakt zu Vertragspartner des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung Koblenz

15. In der BRD vertretene politische Haltungen ungarischer Wissenschaftler

16. Vergegenständlichte Informationen (Tätigkeitsberichte, Dissertationen, Forschungsberichte

u.a.)


Gründe zur Durchgabe des vereinbarten Codes gab es nicht. Die nächste Reise findet statt vom 24.

8. - 1. 9. 1989 nach Saarbrücken.

Es wurde festgestellt, daß vor meinem Aufenthalt in München und Saarbrücken Prof. em. ———,

——— kontaktierte als auch ———

Eigene Wertung

gez. Quelle

Der IM hat den operativen Auftrag entsprechend der Möglichkeiten initiativreich realisiert und

ordentliche, wertvolle Ergebnisse erbracht.

Bei den Auswertungstreffs konnte ich keinerlei Anzeichen für sicherheitsrelevante Probleme beim

IM erkennen. Die Informationen müssen gründlich aufgearbeitet, bewertet und verteilt sowie hinsichtlich

der notwendigen Maßnahmen abgestimmt werden.

Für die nächste Reise gilt der Auftrag analog. Auf den IM ist Einfluß zu nehmen, daß er in offiziellen

Berichten gänzlich auf die Darstellung von Fragen verzichten soll, die erkennen lassen, daß er

über das normale Maß hinaus sicherheitspolitisch zu denken im Stande ist.

Verteiler

Akte I

Akte II

Abt. XV

(Unterschrift)

Ehmer

Major

D 69.7 Eigenbericht zum Treff mit dem IME „Roma Portfeld“, 1988

Abteilung XX Gera, 21. 5. 1988

eh/ko

E i g e n b e r i c h t

zum Treff mit dem IME „Roma Portfeld“ am 19. 5. 1988, 14.00 - 18.00 Uhr im KO „Frühling“

Generell ist einzuschätzen, daß der IM den Auftrag und die Verhaltenslinie schöpferisch und mit

operativ wertvollen Ergebnissen umgesetzt hat. Im Sinne einer Sofortberichterstattung wurden

diese Ergebnisse vom IM rapportmäßig dargelegt. In den Folgetreffs müssen schwerpunktmäßig

die Detailinformationen erarbeitet und anschließend mit den Diensteinheiten

BV Gera, Abteilung XV

BV Halle, Abteilung XX

BV Gera, Freunde

HVA

KD Jena

HA XX

ausgewertet werden.

Ergebnisse im einzelnen sind:

− Kontaktfestigung zu zukunftsträchtigen BRD-Wissenschaftlern, Erarbeitung von Persönlichkeitseinschätzungen

und operativen Ansatzpunkten (Unzufriedenheiten etc.). Disloziert sind

diese bedeutsamen Kontakte mit Perspektive an den Universitäten

Heidelberg

Bielefeld

155


156

Saarbrücken

Erlangen - Nürnberg

Frankfurt

München sowie an der

Deutschen Sporthochschule Köln und dem

Bundesinstitut für Sport und Sportwissenschaft (!) Köln.

Hier können weitere Dossiers entwickelt werden.

− Detaillierte Aufklärung der Dossier-Person „Techniker“ (Techn. Uni München) mit den besonders

bedeutsamen Aspekten

• persönliche Verhältnisse (incl. Intimitäten);

• Kontakte zu Regierungsstellen in Bayern und im Saarland;

• Aufgaben, Ausstattung etc. des Institutes, Entwicklungsprognosen, Nachwuchsleute.

− Weiteres Eindringen in Arbeitsbeziehungen BRD in Richtung USA.

− Erkenntnisse zur Arbeit von sogenannten Olympiastützpunkten in der BRD.

Grenzkontrollregime beim BGS (incl. pol. Kennz. von Privat-Kfz. von BGS-Beamten).

− Vorhaben der FAU Erlangen - Nürnberg im Rahmen der Zusammenarbeit mit der FSU Jena;

− operativ interessante Verhaltensweisen von Prof. Dr. ——— - MLU Halle;

− operativ interessante Verhaltensweisen von Prof. Dr. - Moskau;

− operativ wertvolle vergegenständlichte Informationen (z. T. für SWT der HVA).

Die bedeutsamsten hierzu sind:

• Analyse von Prof. Dr. ———/USA zum Stand sportwissenschaftlicher Forschungen in den

USA (1988);

• Forschungsbericht des ISSW Heidelberg von 4/88;

• Habil-Promotion von Prof. Dr. R——— (Zentrum für interdisziplinäre Forschung Bielefeld);

• interne Analyse „Bedingungen sportwissenschaftlicher Forschung an Hochschulen in der

BRD“ von 12/87.

Mit diesen Informationen wird der Planvorgabe - Aufklärung für 1988 IM-bezogen in hohem

Maße bereits entsprochen.

Dem IM war deutlich anzumerken, daß er stolz ist auf die erbrachten Ergebnisse. Dies wurde im

Treffgespräch in motivierender Weise durch mich aufgegriffen. Aufgrund der hohen Belastungen,

denen der IM beruflich und gesellschaftlich unterliegt, ist dies bei ihm immer wieder erforderlich.

Subversive, gegen den IM gerichtete Handlungen waren während des Aufenthaltes im OG nicht

feststellbar. Die wiederholte Einreise in kurzen Zeitabständen (April/Hamburg, Mai/Heidelberg

und München) mit Erfassung beim Grenzübergang macht auch weiterhin die Schulung in Fragen

Wachsamkeit und operative Beweglichkeit erforderlich, zumal weitere Reisen bereits absehbar

sind.

Der erste Auswertungstreff verlief in jeder Phase unter konspirativen Bedingungen.

Verteiler (Unterschrift)

1mal Akte I Ehmer

1mal Akte II Hauptmann

1mal Abt. XV als Vorinformation

D 69.8 Verdienstmedaille der NVA in Silber - IME „Roma Portfeld“

Bezirksverwaltung Gera, 7. Juli 1986

für Staatssicherheit eh-ge

Abteilung XX


V o r s c h l a g

zur Auszeichnung mit der „Verdienstmedaille der NVA“ in Silber

Es wird vorgeschlagen, den

mit der

IME „Roma Portfeld“, Reg.-Nr. X/16372

„Verdienstmedaille der NVA“ in Silber

anläßlich des 37. Jahrestages der Bildung des MfS auszuzeichnen.

Begründung

Bestätigt

Stellvertreter Operativ

(Unterschrift)

S e i d e l

Oberst

Der IME arbeitet langjährig und zuverlässig mit dem MfS zusammen. Dabei leistete er in der Vergangenheit

entscheidende Beiträge in der Abwehr gegnerischer Angriffe gegen die Leistungssportforschung

der DDR und zur vorbeugenden Ausschaltung begünstigender Bedingungen.

Mit zunehmender internationaler Profilierung als Wissenschaftler stellte der IM seine Arbeit auch

auf diesem Wirkungsfeld bereitwillig und engagiert in den Dienst der staatlichen Sicherheit der

DDR.

Unter schwierigen persönlichen Bedingungen befand sich der IM von September bis Dezember

1986 in den USA und leistete auch hier eine qualifizierte politisch-operative Arbeit. Das Spektrum

seiner Arbeitsergebnisse umfaßt

− die gründliche Aufklärung allgemeiner und wissenschaftsspezifischer Regimebedingungen

− die Herstellung und den Ausbau operativ wertvoller Kontakte

− die Aufklärung von Aktivitäten des amerikanischen Geheimdienstes an Universitäten der USA

− die Sichtbarmachung konkreter Verflechtungen von Wissenschaft und Militär der USA.

Der IM schuf damit günstige Voraussetzungen für die Bearbeitung perspektivvoller Ausgangsmaterialien

in Richtung Operationsgebiet in Zusammenarbeit mit der Abt. XV der BV.

Die vorgeschlagene Auszeichnung des IM soll eine Würdigung seiner gesamten bisherigen politisch-operativen

Arbeit und Ansporn für deren erfolgreiche Weiterführung sein.

Leiter der Abteilung

Verteiler (Unterschrift)

1mal Akte IM H o h b e r g e r

1mal KuSch, Oberstleutnant

D 70.1 Aktenvermerk zur zeitweiligen Übergabe des IMS „Hammer“

Kreisdienststelle Je n a Jena, den 29.06.76

Referat Universität

157


158

A k t e n v e r m e r k

zur zeitweiligen Übergabe des IMS „H a m m e r“, Reg.-Nr.X215/76 der KD Jena an

HVA/SWT/Abt. XIII

Entsprechend der Vereinbarung zwischen der Leitung der KD Jena, Gen. Major Noack, und der

Abteilung XV der BV Gera, Gen. Oberstltn. Luther, wurde der IMS „Hammer“ über die HVA XI

an die HVA/SWT übergeben.

Der IMS hält sich vom 1.6.1976 bis 30.11.1976 in die USA, Universität Massachusetts zu einem

Studienaufenthalt auf.

Er ist bereit und in der Lage für unser Organ operative Aufgaben zu erfüllen. Dazu erfolgten durch

zwei Mitarbeiter der HVA umfangreiche Instruierungen und Auftragserteilung, die als schriftlicher

Auftrag vorliegen. (13.5. u. 28.5.76)

Nach Rückkehr des IMS nimmt dieser Verbindung zum Unterzeichneten auf und durch die HVA

wird gesichert, daß eine tiefgründige Berichterstattung erfolgt. Es ist dazu 1 Woche Berlinaufenthalt

vorgesehen.

Die Auftragserteilung sowie die erarbeiteten Berichte werden durch die HVA unserer Diensteinheit

für die Arbeitsakte zur Verfügung gestellt. Durch die HVA erfolgt eine Einschätzung der Auftragserfüllung

und perspektivische Nutzung von operativ interessanten Verbindungen.

(Unterschrift)

Grimmer, Oltn.

D 70.2 Ergänzung zur Aufgabenstellung vom 8. 7. 1975 für d. IM „Hammer“

SWT/Abteilung XIII Berlin, den 25. 5. 1976

257/Ka

Ergänzung zur Aufgabenstellung vom 8. 7. 1975 (speziell für den IM „Hammer“ für den Aufenthalt

an der University of Massasuchetts in Amherst)

1. Personenarbeit

1.1. Von besonderem Interesse sind die Mitglieder der Polymer Science und Engineering Fakulty:

1. ——— 47 Jahre

2. ——— 40 J.

3. ——— 47 J.

4. ——— 43 J.

5. ——— 40 J.

6. ——— 50 J.

7. ——— 40 J.

8. ——— 40 J.

9. ——— 36 J.

10. ——— 48 J.

11. ——— 59 J.

12. ——— 35 J.


13. ——— 51 J.

14. ——— 49 J.

Neben der charakterlichen, beruflichen und politischen Einschätzung ist in der Berichterstattung

durch den IM „Hammer“ besonders darauf einzugehen, welches der Mitglieder der Fakultät

er für eine weitere Bearbeitung besonders vorschlägt und warum.

1.2. Es interessieren auch die institutionellen und persönlichen Verbindungen der Wissenschaftler

zur Industrie, insbesondere zu Dow Chemical Co. und zu anderen Lehr- und Forschungseinrichtungen,

wie zum MMI und der Case Western University.

1.3. Festzuhalten sind im Bericht auch alle bekannt gewordenen Ausländer (zahlenmäßig woher

und jetzige Tätigkeit). Bei BRD-Bürgern interessiert:

� Angaben zur Personen

� auf welcher Basis in der USA

� Aufenthaltsdauer

� bisherige Entwicklung und weitere Perspektive

� charakterliche und politische Einschätzung.

2. Zur Informatorischen Tätigkeit

2.1. Vom Interesse sind alle international nicht publizierten oder nur einem begrenzten Kreis zugänglich

gemachten wissenschaftlichen Arbeiten, z. B. Preprints, sofern diese auf normalem

Wege für den IM „Hammer“ erhältlich sind.

2.2. Zusammen sind alle Angaben, schriftlicher bzw. mündlicher Art, die die Wissenschaftspolitik

betreffen; Vorrang haben alle Angaben über die Wissenschaftsentwicklung im Rahmen der

gesamten USA und konkrete Angaben zu einzelnen Projekten (Auftraggeber und -nehmer,

Dauer des Projektes, eingesetzte Mittel und Fonds, Bedeutung ... ).

2.3. Erarbeitung einer Einschätzung bzw. Wiedergabe der Meinungen von Wissenschaftlern zum

Ergebnis der Präsidentenwahlen:

a. Welches Ansehen hat der zukünftige Präsident bei den Wissenschaftlern?

b. Welchen Kurs wird er in der Wissenschaftsentwicklung steuern?

c. Welchen Kurs in der Außenpolitik

� zur Sowjetunion

� zu den sozialistischen Staaten insgesamt

� zur NATO/BRD

steuern?

3. Erweiterung der Regimekenntnisse

Es interessieren:

a. Unterlagen zur Universität und zur Stadt

b. Angaben zur Organisation des Studiums und des Absolventeneinsatzes

c. Angaben zum Leistungsdruck bei Studenten, Wissenschaftlern und Angestellten

d. Angaben zur Freizeitbeschäftigung/Hobbys von Studenten und Wissenschaftlern (Lebensweise)

e. Angaben zur Rolle von IREX und deren Ansehen bei den Universitäten bzw. den einzelnen

Wissenschaftlern.

159


4. Allgemeine Verhaltenshinweise

Es muß damit gerechnet werden, daß der Gegner eine ständige Kontrolle über den Aufenthalt und

das Verhalten des IM „Hammer“ organisiert.

Dementsprechend hat der IM ständig sein gesamtes Verhalten so einzurichten, daß alle Handlungen

im Rahmen der offiziellen Reise abzudecken sind.

Speziell zu achten ist auf das Heranschleusen von Personen unter irgendeinem Vorwand, um die

persönliche Haltung zu testen, sowie auf das Testen durch spezielle Fragen und Hinweise auf

Informationsfreiheit bzw. Arbeitsmöglichkeiten in den USA (dazu sind exakt die auslösenden

Personen und die Fragen/Hinweise zu berichten).

Es muß auch davon ausgegangen werden, daß technische Mittel - wie Durchsuchungen, Abhören

der Räume bzw. Verletzung des Postgeheimnisses - zur Anwendung kommen.

Ich bitte um Bestätigung.

D 71 IM-Vorlaufakte „Java“, 1974

160

(Unterschrift)

Rinkel

Hauptmann

MfS/BV/Verw. Gera Gera

Diensteinheit II/1

Mitarbeiter Willms Reg.-Nr. X 540/74

über das Anlegen

einer IM-Vorlaufakte

Beschluß

1. Vorgesehene IM-Art IMV

2. Vorläufiger Deckname „Java „

3. Wohnadresse 69 Jena, Naumburger Str.

4. Laufzeit der Akte bis verlängert bis

eines IM-Vorganges

den 30.07.74

1. IM-Art (benötigte Teile angeben)

2. Deckname

3. Wohnadresse Teile:

über die Umregistrierung einer IM-Vorlaufakte zum IM-Vorgang

1. IM-Art IMF IMS

2. Deckname „Java“

3. Wohnadresse 69 Jena, ———


Gründe für das Anlegen bzw. die Umregistrierung:

Der IM-Kand. „Java“ ist indonesischer Staatsbürger und soll für die inoff.

Zusammenarbeit mit dem MfS gewonnen werden. Sein Einsatz ist zur Bearbeitung

der „Indonesischen Botschaft“ in der DDR-Hauptstadt vorgesehen. In der

VL-Zeit

ist seine subj.- und obj. Eignung zu prüfen.

Aufklärungsplan vorhanden.

(Unterschrift)

Willms, Oltn.

Mitarbeiter *

i.V. (Unterschrift)/Hptm.

(Knoll) 14/8.74

Leiter der Diensteinheit *

Bestätigt am: 6.9.74 vom * (Unterschrift)

Unterschrift *

• Anmerkung: Zusätzlich Name und Dienstgrad mit Maschine bzw. Druckschrift angeben.

172 50.0 Form 1a

Anmerkung

Auch ausländische Bürger wurden vom MfS als IM geworben. Der IM-Vorlauf „Java“ wurde

nach der Werbung zum IMB „Java“ X/540/74. „Java“ lieferte bis 1987 Informationen über das

Objekt 471 (Indonesische Botschaft) an das MfS.

D 72 Maßnahmeplan zur Republikflucht des GI Blume

Kreisdienststelle Jena Jena, den

29.11.60

Kö/Ro.-

zur R-Flucht des GI „Blume“

M a ß n a h m e p l a n

Der GI, der bisher als zuverlässiger GI eingeschätzt wurde, verliess Ende Oktober 1960 die DDR.

Gründe für seine R-Flucht konnten bisher nicht ermittelt werden, bei Ermittlungen in der Fachrichtung

wurde festgestellt, daß die Handlungsweise des GI allgemein, sowohl bei Genossen als auch

Parteilosen auf Unverständnis stiess.

Der GI arbeitete bisher in der GHI-Gruppe „Knabe“. Anzeichen von Schwankungen oder Unehrlichkeit

des GI wurden bis zu seiner Flucht nicht festgestellt.

Dem GI ist die KW „Empfänger“ bekannt. Der GHI führte die Treffs mit ihm in seinem Arbeitszimmer

durch.

Zur Aufklärung der R-Flucht sowie zur Sicherung der GHI-Gruppe und der KW sind folgende

Maßnahmen vorgesehen:

a. Zum GI selbst:

161


1. Die durch M-Abschrift bekanntgewordene Freundin des GI in Jena ist unter P-Kontrolle zu

stellen und aufzuklären, um weitere Verbindungen des GI festzustellen.

2. Über die Angehörigen des GI ist im Heimatort P-Kontrolle einzuleiten und Ermittlungen über

noch unterhaltene Verbindungen durchzuführen.

3. Mit der Mutter des GI ist eine Aussprache mit dem Ziel zu führen, die Gründe der R-Flucht in

Erfahrung zu bringen und evtl. Möglichkeiten der Rückführung zu finden.

4. Über die HA V/6 ist durch geeigneten IM im Lager Marienfelde zu ermitteln, welche Angaben

macht der GI dort gegenüber wem, wo befindet er sich gegenwärtig.

5. Gleichzeitig ist der GI in Berlin in P-Kontrolle zu stellen, um zu ermitteln, ob er im Auftrag

feindlicher Zentralen Personen in der DDR anschreibt.

6. Ist der Aufenthaltsort des GI in WD oder WB bekannt, sind in einem besonderen Plan weitere

Maßnahmen zur op. Bearbeitung festzulegen.

b. Zur Sicherung der GHI-Gruppe

1. Dem GHI ist offen Mitteilung über die R-Flucht zu machen um mit ihm geeignete Maßnahmen

zur Gewährleistung seiner Sicherheit festzulegen.

Termin: 8.12.60

2. Dazu ist vorgesehen, dem GHI nochmals besonders auf jede Einhaltung der Konspiration hinzuweisen

und ihn zu instruieren, auf etwaige gegnerische Beobachtungen seines Institutes, seines

Arbeitszimmers und der KW zu achten.

Der GHI wird beauftragt, bis zum Abschluss seiner Promotionsarbeit, keine Treffs mit seinen

GI’s mehr durchzuführen. Nach Abschluss seiner Arbeit wird mit dem GHI nochmals seine

weitere Zusammenarbeit mit dem MfS beraten.

3. Die beiden GI „E. Berger“ und „L. Friedrich“ werden während dieser Zeit vom Mitarbeiter

selbst gesteuert.

c. Zur Sicherung der KW:

1. Die KW wird bis Januar 1960 nicht benutzt. Mit den dort getroffenen GI sind andere Trefforte

festzulegen.

2. Mit dem KW-Inhaber ist eine eingehende Aussprache mit dem Ziel zu führen, daß es besonders

die Umgebung der KW auf etwaige Beobachtungen und besondere Vorkommnisse kontrolliert.

3. Termin: 10.12.60 und P.-Kontrolle einleiten

Die festgelegten Maßnahmen in Jena und der DDR sind bis 31.12.60 abzuschließen, weitere Maßnahmen

zur Bearbeitung des GI wurden nach Vorliegen der Aufklärungsergebnisse festgelegt.

162

(Unterschrift) (Unterschrift)

( J a g i l l a ) ( K ö h l e r )

� Leutnant - - Unterleutnant -

(Unterschrift)

( W e i g e l t )

Anmerkung

Der Maßnahmeplan belegt die Existenz eines IM im Lager Marienfelde.


Die GHI-Gruppe wurde von „Knabe“ X/2710/60, dem späterem Leiter der ML-Abendschule der

FSU, Doz. Horst Zerbst, geführt.

Der GI „L. Friedrich“ X/2706/60, KN Günter Haucke, wurde später an die HVA übergeben.

D 73 BRD-Einreise eines DDR-Bürgers

Gegnerische Aktivitäten im

Zusammenhang mit der BRD -

Ausreise eines DDR-Bürgers STRENG GEHEIM

Information A/023828/28/06/89/07

KD Jena

Zuverlässigen Hinweisen zufolge unterrichtete die Grenzpolizeiinspektion (GPI) Ludwigsstadt

unter der Klassifizierung

„Personenbewegung an der innerdeutschen

Grenze - wichtige Funktionäre aus der DDR“

Dienststellen der BRD-Geheimdienst- und Staatsschutzorgane über die erfolgte BRD-Einreise des

DDR-Bürgers 585/39

Dr. ——— (1)

geb.: ———

ausgewiesen mit Reisepaß der DDR. Arzt/FSU

Die Dienststellen wurden darüber im Kenntnis gesetzt, daß der DDR-Bürger am 26.08.1989, um

08.17 mit dem D 301 (Berlin - München) über die

einreiste.

Grenzkontrollstelle (GKSt) Ludwigsstadt

Reiseziel/Graz/Österreich

Die von den gegnerischen Paßkontrollkräften im Personenfahndungssystem vorgenommene Überprüfung

verlief negativ.

Zum V. G. Sachverhalt wurden durch die GPI Ludwigsstadt informiert:

das Präsidium der Bayerischen Grenzpolizei (GPP) München

der Bundesnachrichtendienst (BND) München

das Landeskriminalamt (LKA) Bayern, München

das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz (BLfV) München

das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Köln.

Erfassungsverhältnis:

2.1. erfaßt für BV Gera, KD Jena

Anmerkung

Welcher IM in der BRD gab die zuverlässigen Hinweise ?

D 74 Teilnahme an Tagungen im kapitalistischen Ausland

Bezirksverwaltung für Jena, den 18. Dezember 1967

Staatssicherheit Gera S/S

Kreisdienststelle Jena Tgb.-Nr.: 2963/S

163


Ministerrat der

Deutschen Demokratischen Republik

Ministerium für Staatssicherheit

Hauptabteilung XX

B e r l i n

Teilnahme an Tagungen bzw. Studienreisen in kapitalistische Staaten sowie Jugoslawien und Kuba

Ihr Schreiben vom 5. 12. 67, Tgb.-Nr.: HA XX/3/II/15801/67

Prof. Dr. P a e t z o l d , Roland

geb. am ———

Uni Jena

Reise nach Großbritannien, 6. 1. - 13. 1. 68

Prof. Dr. P. ist für unsere Diensteinheit positiv erfaßt. Es wird gebeten, diese Reise nicht nur zu

genehmigen, sondern vom Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen unbedingt bestätigen zu

lassen.

164

Leiter der KD

(Unterschrift)

M ü l l e r

Major

Anmerkung

Der positiv für die DE erfaßte Prof. Roland Paetzold war der IM „Schrittmacher“ X/966/67, später

GMS „Weimann“ X/1527/80.

Das MfS hat nicht nur Reisen verhindert, sondern bei entsprechender Interessenlage auch Reisen,

insbesondere ins NSW, initiert.

D 75 Bestätigung von Geheimnisträgern, Bearb.-Nr. 577

m K. um wen handelt es

sich? - mit Akte zu mir

Ministerrat der Berlin, 5. März 1985

Deutschen Demokratischen Republik 350/wi/ 349 /85

Ministerium für Staatssicherheit

Hauptverwaltung A / Abteilung II

Leiter

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit

KD Jena

Leiter

Gera

Bitte Rü.

Bestätigung!


Ihr Schreiben vom 21. 1. 1985, Tgb.-Nr.: 1329/85, kra-h Stellungnahme zur Bestätigung von Geheimnisträgern

Die von der Kreisdienststelle Jena, Referat Universität, unter der Bearbeitungs-Nr. 577, ausgewiesene

Person ist von meiner Diensteinheit im Vorgang XV/2246/64 positiv erfaßt.

Die Person verfügt über umfassende Kenntnisse zur Arbeitsweise des MfS, besonders zur Arbeitsweise

im Operationsgebiet. Sie wurde und wird auch weiterhin im Sinne nachrichtendienstlicher

Aufgaben genutzt. Sie besitzt mein Vertrauen.

Ich stimme einer weiteren Verpflichtung der betreffenden Person als Geheimnisträger zu, sofern

dies unumgänglich ist und unsere politisch-operative Interessenlage auch künftig dadurch nicht

gefährdet wird.

(Unterschrift)

Gailat

Oberst

Anmerkung

Bei der Sicherheitsüberprüfung bzgl. einer Verpflichtung als Geheimnisträger stellte sich heraus,

daß die betreffende Person ein IM der HVA/II ist. Da möchte sogar der Leiter der KD Jena wissen,

„um wen handelt es sich?“

D 76 Einsatz eines Genossen, IB, 1984

Bezirksverwaltung Gera, 25.09.1984

für Staatssicherheit me-st-2434

/84

KD Jena

Ref. Universität

J e n a

Stellungnahme zur Bestätigung als Reisekader Bearbeitungs-Nr.: 505

Gen. Dr. R i t t e r , Hans-Joachim wurde ab 01.07.1981 beruflich in der FSU Jena als Direktor

im Direktorat für Internationale Beziehungen eingegliedert.

Seit dieser Zeit werden von ihm die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt.

Vor der Tätigkeit an der FSU war er im Rahmen der inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS

aktiv im Operationsgebiet zur Personenbearbeitung angesetzt.

Aus Sicherheitsgründen ist eine Bestätigung als Reisekader für das gesamte NSW nicht möglich.

Es dürfen keine Reisen in NATO-Staaten von ihm durchgeführt werden.

Diese Entscheidung wurde in Abstimmung mit der HV A getroffen.

Wir bitten um Kenntnisnahme.

Leiter der Abteilung

165


166

(Unterschrift)

Sobeck

Major

Anmerkung

Ablehnung von Dr. Ritter als Reisekader, weil er als IM für die HVA im Operationsgebiet (Bundesrepublik,

NSW-Bereich) als IM „Förster“ XV/68/68 eingesetzt war.

D 77 Bestätigung als NSW-Reisekader (Sektion Mathematik)

auflaufende Informationen

Bezirksverwaltung Gera, 10. 4. 1981

für Staatssicherheit kl-ki 828 /81

Abteilung XV Tel: 2840

KD J e n a

Gen. Schädel

Ihr F 10 vom 10. 9. 1980

Telef. Rückfrage zum Einsatz des Genossen ——— Sektion Mathematik der FSU Jena als

Reisekader NSW

Seitens unserer Diensteinheit besteht aktive Verbindung zu dem Genossen F. Auf dieser Grundlage

kann eingeschätzt werden, daß es für einen Einsatz als Reisekader in das NSW keine Bedenken

gibt.

Wir befürworten den Einsatz als Reisekader NSW.

D 78.1 Bestätigung von Auslandskadern,1983

Leiter der Abteilung

(Unterschrift)

Luther

Oberstleutnant

MINISTERRAT Berlin, den 3. 8. 1983

DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK Tgb.-Nr. 560- ha

805/83

Ministerium für Staatssicherheit

Hauptverwaltung A

Abteilung X

Leiter

Bezirksverwaltung für

Staatssicherheit Gera

KD Jena

Ref. Universität


Stellungnahme zur Bestätigung von Auslandskadern (Bearbeitungsnummer 385/Heyer, Peter)

Dr. Heyer, Peter

wh.: 6902 Jena ———

FSU Jena, Sprachwissenschaft

Gegen eine Bestätigung des H. als Auslandskader liegen derzeit keine bekannten Gründe vor. Sowohl

die berufliche Qualifizierung als auch die Erfüllung vielfältiger gesellschaftlicher Aufgaben

in verschiedensten Bereichen und Funktionen haben stets ein großes persönliches Engagement des

Gen. H. bei der Lösung übertragener Aufgaben nachgewiesen. Gen. H. ist als klassenbewußter,

ehrlicher und disziplinierter Genosse bekannt.

Bei der Realisierung verschiedenster politisch-operativer Aufgaben für das MfS hat Gen. Heyer

diszipliniert, bewußt und getragen von festem Vertrauen in die Notwendigkeit der sozialistischen

Sicherheitsorgane stets volles Bemühen gezeigt, die übertragenen Aufträge nach bestem Können zu

erfüllen.

Der Einsatz als Auslandskader wird unterstützt.

i.V. (Unterschrift)

Wagenbreth

Anlagen Oberst

VD-5.2-01.13 o Ag 146/64/79

D 78.2 Freistellung eines Hochschullehrers, 1988

in HA - ablegen

MINISTERRAT Berlin, den 6. 10. 1988

DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK Tgb.-Nr. 563-ha 773/88

Ministerium für Staatssicherheit

Hauptverwaltung A

Abteilung X

Leiter

Bezirksverwaltung für

Staatssicherheit Gera

KD Jena

Leiter

Unterstützung bei der Absicherung einer operativen Maßnahme

Zur Absicherung einer operativen Maßnahme wird um Unterstützung bei der Freistellung des

Hochschullehrers an der Sektion Literatur- und Kunstwissenschaften der FSU Jena

Dr. Peter Heyer

in der Zeit vom 31.10.88 bis 2.11.88 gebeten.

Die Freistellung sollte u.E. über Ihre operativen Verbindungen zu einem Vertreter der Universitätsleitung,

z.B. Prorektor o.ä., veranlaßt werden.

Als Legende wird die Verwendung des Genossen Heyer im Rahmen der Betreuertätigkeit einer

chinesischen Delegation über das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen empfohlen.

167


Seitens unserer Abteilung ist Gen. Major Gräschke, Tel. 27391, verantwortlich.

über Gen. Ehrler / Gen. Schmigalla 1. Pror.

durchgestellt. 21.02.89

VD-5.2-01.13 o Ag 146/64/79

168

(Unterschrift)

Wagenbreth

Oberst

Anmerkung

Dr. Peter Heyer war als IM „Walther“ für die HVA/X/3 erfaßt.

D 79.1 Freistellung des IM „Akzent“ (Sektion Technologie)

MINISTERRAT Berlin, den 09. 09. 1988

DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK Tgb.-Nr. I/3 1677 /88

Ministerium für Staatssicherheit

Hauptabteilung A 235 - es

Abteilung I

MfS

BV Gera

KD Jena

Ref. Universität

G e r a

nicht BRD!

+AV an HVA I/3.

MfS/Ge

Eing. am: 19.9. G

???: 7571 1

Weiter an: Uni Re

.

Prof. Schmigalla ist informiert,

hat Legende „durchgestellt“

Bitte um Unterstützung bei der Organisation einer Freistellung im Bereich der Friedrich-Schiller-

Universität Jena

Auf der Grundlage der persönlichen Vorabsprache des Genossen Major Lucius unserer Diensteinheit

mit dem Leiter des Referates Universität am 07.07. 1988, bitten wir, ausgehend von den operativen

Erfordernissen unserer Diensteinheit, um Unterstützung bei der Realisierung der Freistellung

des IM „Akzent“

Gen. Dr. Ing. A. Frank

Sektion Technologie der FSU Jena

Pkz: ———


Freistellungen werden aus heutiger Sicht mehrfach und zu unterschiedlichen Zeiten jeweils für eine

Dauer von 5 bis 14 Tage erforderlich. Die konkreten Termine werden, um die arbeitsmäßigen

Belastungen für die Sektion so gering wie möglich zu halten, mit dem IM abgestimmt.

Die Freistellungsvariante wurde aus der Sicht unserer Diensteinheit so gewählt, daß Freistellungen

in den nächsten Jahren abgesichert werden können.

Mit der Organisation der Freistellung ist Genossen Major Lucius, Tel. 27 481, unserer Diensteinheit

beauftragt.

7 - 2421 -

Anlage 1. Stellv. Abteilungsleiter

Vorschlag für Frei- (Unterschrift)

stellungslegende Müller

OSL

D 79.2 Freistellungslegende - IM „Akzent“

HV A/Abteilung I Berlin, den 09. 09. 1988

235-es

Freistellungslegende IM „Akzent“

Die Legende soll zur Freistellung von den Dienstverpflichtungen an der FSU Jena angewendet

werden.

Ausgehend von dem Umstand, daß der IM „Akzent“ bisher aktiv in der militärpolitischen Ausbildung

von Medizinstudenten eingesetzt war und auf diesem Gebiet über gute praktische Erfahrungen

verfügt wird folgende Legende vorgeschlagen:

Freistellung zur Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe des MfNV, die sich mit generellen Fragen der

militärischen Ausbildung von Studenten befaßt.

Die Freistellung kann, entsprechend der Vorabsprache vom 07. 07. 88 über den Leiter der militärischen

Abteilung der FSU Jena erfolgen.

Der IM „Akzent“ ist auf die Legende eingestellt und wird beim Ansprechen hinsichtlich der Mitarbeit

in der genannten Arbeitsgruppe entsprechend reagieren.

Aus Sicht unserer Diensteinheit wird es als günstig angesehen, die zeitweise Abstellung des IM in

seinem unmittelbaren Arbeitsbereich bekannt zu machen.

1. Termin: 31.10. - 4.11.88

2.11. - (Unterschrift)

Lucius

2.2. - 3.3.89 Major

D 80 Freistellungsantrag, 1987

MINISTERRAT Berlin, den 1. 10. 1987

DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK

Ministerium für Staatssicherheit

Hauptverwaltung A

Tgb.-Nr. 553-ha 858 /87

Abteilung X Tel. 27660

Leiter 27303- Sekr.

169


Bezirksverwaltung für

Staatssicherheit Gera

KD Jena

Leiter

Persönlich

Freistellung des Lehrers im Hochschuldienst

Dr. Zickler , Bernd

Der in Ihrem Verantwortungsbereich (Sektion Literatur- und Kunstwissenschaft der FSU) tätige IM

ist in einem wichtigen Vorgang unserer Diensteinheit eingesetzt. Dadurch macht sich eine häufigere

Herauslösung aus der offiziellen Tätigkeit des IM erforderlich.

Nach unserer Auffassung sollte hierfür eine Legende gefunden werden, die über einen längeren

Zeitraum genutzt und auch vom IM gegenüber seinem Arbeitskollektiv glaubhaft vertreten werden

kann.

Der für den Vorgang zuständige Mitarbeiter Gen. Major Junge beabsichtigt, mit dem seitens Ihrer

DE für das Objekt verantwortlichen Gen. Erler über die hierfür in Frage kommenden Möglichkeiten

zu beraten. Gen. Junge wird sich Anfang November mit Gen. Erler in Verbindung setzen.

Ich bitte Sie um Kenntnisnahme und Unterstützung.

170

i.V. (Unterschrift)

Wagenbreth

Oberst

HVA schickt off. Anschreiben mit NVA-Legende

Übergabe an Schurig

nächste Herauslösung 30.11. - 5.12.87 !

VD-3.2.-01.12 0 Ag 146/64/79

D 81 Erfassung eines Professors, 1981

Hauptverwaltung A Jena, den 24. 9. 1981

SWT Abteilung XIV 405h/674/

2429/81

Hauptverwaltung A

SWT Abt. V/6/853

Prof. Schmigalla, Hans

Entsprechend der telefonischen Absprache nach F 10-Überprüfung, wurde o.g. Person am 20.8.81

kontaktiert. Das Kontaktgespräch verlief positiv, die ersten Aufträge wurden zuverlässig erfüllt.


im Interesse der Absicherung der Bearbeitung eines operativen Hinweises übernehmen wir – wie

telefonisch abgesprochen – die Erfassung des Sch. Wir bitten, uns einen entsprechenden Löschauftrag

zuzuschicken.

Sch. kann durch Ihre Diensteinheit auch weiterhin als Auswerter genutzt werden.

D 82 Aktennotiz - „Übersiedlungskandidat“

Stellv. Abteilungsleiter

(Unterschrift)

Reichmuth

Oberstleutnant

Kreisdienststelle Jena Jena, den 27.11.64

Aktennotiz

Bei einer Rücksprache mit dem Gen. Drahokupil von der HV A Ref.G wurde bekannt, daß dieser

mit dem in der Vorlaufakte erfaßten Schreiber schon gearbeitet hat und diesen als Übersiedlungskandidaten

vorgesehen hatte.

Auf Grund seiner Größe, die außergewöhnlich ist, wurde von diesem Vorhaben Abstand genommen.

Gen. Drahokupil hat an der Person kein Interesse mehr und hat mit das nachfolgende Material

ausgehändigt.

(Unterschrift)

K u t t a

operativer Mitarbeiter

Anmerkung

Als KP „Eichhorn“ war der Student Wolfgang Schreiber 1958 zur Übersiedlung in die BRD vorgesehen.

Wie man sieht, wollte man aber nicht das geringste Risiko eingehen. So konnte Schreiber

von 1964 bis zum Ende der DDR als IMS „Büchner“ Berichte über Studenten und Kollegen, insbesondere

des WB KO, Sektion Physik, an seine Führungsoffiziere und FIM liefern. Aus seiner

Akte stammen z.B. die Aussagen: „Ein negatives Moment für die Zusammenarbeit ist die Tatsache,

daß der Kandidat Genosse unserer Partei ist.“ und Der Student S. „ist gut auf dem Gebiet Computer,

sollte sogar Forschungsstudent werden, was durch die Quelle und den Parteisekretär Geiler

verhindert wurde. 15.2.1986“

Die Quelle war „Büchner“.

Am 7.10.1978 erhielt Schreiber die Medaille für treue Dienste der Nationalen Volksarmee in Silber.

D 83 Historikerkongreß im Herbst 1989 an der FSU Jena

Ministerium für Staatssicherheit Berlin, 3 April

1989

Hauptverwaltung A 690-mey 667

/89

171


SWT/Abteilung KV

Leiter

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit

KD Jena

Leiter

G e r a

Historiker Kongreß im Herbst d. Jahres an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Inoffiziell wurde uns bekannt, daß der BRD-Historiker, Prof. ——--, zu diesem Kongreß eingeladen

worden ist. Diese Person ist für unsere Diensteinheit von operativem Interesse.

Sie werden gebeten zu veranlassen, daß unserer Diensteinheit alle bereits bekannten und noch

bekanntwerdenden Angaben zum Persönlichkeitsbild des Prof. ——— sowie Angaben zu seinen

Kontaktpartnern an der Friedrich-Schiller-Universität Jena übermittelt werden.

Für weitere Rücksprachen steht Ihnen Gen. Major König, Tel. 20 045, zur Verfügung.

172

(Unterschrift)

E b e r t

Oberst

D 84 Überprüfung eines Sprachwissenschaftlers, Berlin (West), durch IB

Ministerium für Staatssicherheit Ber- 27. 03.

lin,. 1989

Hauptabteilung II/18 pie-st 188 /89

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit

Kreisdienststelle Jena

Genossen Erler

G e r a

Dr. ———, geboren am ——— in Nürnberg (Abteilung XII - erfaßt für HA II/18)

O. G. ist Professor an der Freien Universität Berlin (West) und im Fachbereich englische

Sprachwissenschaft tätig.

Durch das Direktorat für internationale Beziehungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde

für den L. ein Antrag zur dienstlichen Einreise für die Zeit vom 17. 04 bis 22. 04. 1989 gestellt.

Sie werden gebeten zu prüfen, ob Erkenntnisse übermittelt werden können

− zur Tätigkeit des L. an der Friedrich-Schiller-Universität Jena;

− zur Betreuung, Unterbringung, Kontakten außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit;

− zur politischen Einstellung, Charaktereigenschaften, Interessen und Hobbys.


am 11.4. eingesteuert

Nachfrage am 15.8.

D 85 Als für das MfS tätige Person bekannt

Leiter der Abteilung

(Unterschrift)

Hempel

Oberstleutnant

Ministerrat Berlin, 10. Oktober 1979

der Deutschen Demokratischen Republik 4 /79

Ministerium für Staatssicherheit

Hauptverwaltung A

AG S

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit

KD Jena

Leiter

Gera Gen. Keller

(Stiller)

Im Zusammenhang mit einem Verräter wurde festgestellt, daß nachfolgend genannte Person

Haubenreißer, Werner

geb. ———

dem Gegner als eine für das MfS operativ interessante Person bzw. als eine für das MfS tätige

Person bekannt ist.

Dieser Sachverhalt ist in der weiteren operativen Arbeit zu berücksichtigen.

(Unterschrift)

Berndt

Oberst

Anmerkung

Durch die Flucht von Stiller in die Bundesrepublik konnte der als IM „Stephan“ für das MfS arbeitende

Physiker Dr. Werner Haubenreißer einige Zeit nicht in die Bundesrepublik reisen.

D 86 Sicherheitsvorgang, DFA-Reise 1989

HVA/AGS/Leiter Berlin, 14.4.1989

173


Bezirksverwaltung für Staats-

sicherheit

KD Jena - Leiter

G e r a

Dr. ——— Dozent FSU Jena

174

205/h 601

/89

Genannter ist auf einem Sicherungsvorgang der AG S erfaßt, da der Feind durch den Verräter Stiller

Kenntnis erlangt hatte, daß ein Kontakt zu F. und operatives Interesse an dessen verwandtschaftlichen

Verbindungen in die BRD bestand. Der in der BRD lebende Bruder des F.

Dr. ———

geb. ———

wohnhaft ———

wurde nach der Verratshandlung durch den Feind zum Sachverhalt befragt. Zum Zeitpunkt des

Verrates bestand lediglich ein einmaliger persönlicher Kontakt zu F., weitere operative Kontaktaufnahmen

erfolgten nicht.

Auf Grund der Verratshandlung wurde der Kontakt zu F. eingestellt und das Material im Archiv

abgelegt.

Eine beabsichtigte DFA-Reise des F. im Jahre 1984 in die BRD anläßlich der Beisetzung seiner

Mutter, wurde aus Sicherheitsgründen abgelehnt. Mit F. wurde im Auftrage der KD durch die VP-

Reisestelle gesprochen und die Ablehnung der Reise im Interesse der Sicherheit der Person begründet.

F. war von der Begründung nicht überzeugt, reagierte jedoch als Genosse korrekt.

Vom Mitarbeiter der KD Jena, Gen. Skotseck, war beabsichtigt, ein weiteres Gespräch zur Erklärung

des Sachverhaltes zu führen. Ein Rücklauf liegt in der AG S nicht vor.

Nach erneuter Prüfung der Sicherheitsvorlage des Dr. F., unter dem Aspekt des Beginns der Verfolgungsverjährung

laut Strafrecht der BRD, kann die Einschätzung getroffen werden, daß aus der

Sicht der AG S gegen die beabsichtigte DFA-Reise des F. in die BRD nunmehr keine Ausschließungsgründe

mehr vorliegen.

Auf Grund der damaligen Befragung des Bruders durch feindliche Organe ergibt sich die Notwendigkeit

einer zielgerichteten Instruktion zur vorbeugenden Einstellung auf mögliche Provokationen

und Angriffe durch den Feind.

Mit unserem Schreiben vom 4.4.1989, Tgb.-Nr. 553/89, wurde die Abteilung XV der Bezirksverwaltung

zum Sachverhalt informiert und gebeten, die erforderliche Instruktion gemeinsam mit Ihrer

Diensteinheit durchzuführen.

Es wird vorgeschlagen, daß die Erfassung durch Ihre Diensteinheit übernommen wird, da die Person

in ihrem Verantwortungsbereich wohnhaft und tätig ist.

Erforderliche Rücksprachen können mit Gen. Major Renn, Tel. 27 41 bzw. 27 966, geführt werden.

Ich bitte um Prüfung und Rückantwort hinsichtlich der Erfassungsübernahme.

D 87 Alarmplan - GI „Renate“, Stand 1961

(Unterschrift)

Kopprasch

Oberst


Alarmstufe 1 „Trabant“

Kreisdienststelle

Alarmstufe 2 „Wartburg“

Jena -

Alarmstufe 3 „Sachsenring“

bestätigt:

Stand vom 4. 10. 1961

GI „Renate“ Reg. Nr. Gera 2649 / 60

I. Losungswörter

Alarmstufe 1 „Trabant“

Alarmstufe 2 „Wartburg“

Alarmstufe 3 „Sachsenring“

II. Verbindungsaufnahme

I. während der Arbeitszeit: 7.30 - 16.30

A l a r m p l a n

A. telefonisch

Amtsanschluß 7122 App. 234, GI verlangen.

Legende: SED Kreisleitung Jena Stadt - Sekretariat

Streng vertraulich

L———

wohnh.: Jena, ———

Arbeitsstelle: Uni. Verw. Jena, Goethealle

Nr. 1 I. Etage Zimmer 24.

B. persönliches Anlaufen

Der GI wird in der Uni Verw. unter der gleichen Legnede angelaufen.

II. nach der Arbeitszeit

A. telefonisch

Der GI ist Telefonisch nicht erreichbar

B. persönliches Anlaufen

Jena, ———, da ihr Mann etwas mißtrauisch ist kommt die Legende. Bin von der Uni. sie

möchte sofort zur Uni kommen da ein eichtiges FS ab zusetzen ist.

C. Begegnung auf der Straße

Der GI wird sofort angesprochen wenn er allein kommt und die Straße nicht belebt ist, ist der

GI in Begleitung oder die Straße zu belebt, wird die Aktentasche auffällig von einer in die

andere Hand genommen, was bedeutet, daß der GI unauffällig folgen soll oder 2 Stunden

später im Arbeitszimmer zu erreichen ist. Der GI antwortet in gleicher Folge.

III. Aufgabenstellung

I. Bei der Nennung des Kennwortes „Trabant“ hat der GI folgende Aufgaben.

A. Welche Informationen gehen über den Fernschreiber raus, und was ist für Stimmung

im Objekt.

B. Absicherung der negativ auftretenden Personen.

C. Absicherung der Allgemeinen Verwaltung der negativen Person ———.

II. Bei der Nennung des Kennwortes „Wartburg“ hat der GI folgende Aufgaben.

A. Absicherung der negativen Personen ———, ———, ——— u. ———.

B. Absicherung der Telefonzentrale und Stimmung sammeln

175


III. Bei Nennung des Kennwortes „Sachsenring“ hat der GI folgende Aufgaben.

176

A. Absicherung des Objektes

B. Absicherung des Telex-Verkehrs

C. Absicherung der negativen Personen ———, ———, ——— und ———.

Der GI nimmt Anweisungen im Informationspunkt entgegen.

IV. Informationspunkt

Als Informationspunkt für den GI wird die KW festgelegt, diese ist vom Mitarbeiter

Gen. besetzt.

(Unterschrift)

Rocktäschel

- Fw. -

Anmerkung

Wer kennt heute noch den „Sachsenring“, den größten damals in der DDR gebauten PKW ?

D 88 Elternabend der Genossen, A.-Reichwein-OS, Quelle: Günter, 1973

Kreisdienststelle J e n a Jena, den 6. 11. 1973

Referat Universität Rö/Kom

Quelle: IMS „Günter“

I n f o r m a t i o n

Am 16. 10. 1973 fand in der „Adolf-Reichwein-Oberschule“ ein Elternabend der Genossen statt.

Anlaß dazu war ein Pioniernachmittag der 3. Klasse, der von einem Pfarrer gestaltet wurde.

Zu diesem Elternabend sollte eine kritische Auswertung dieses Pioniernachmittages erfolgen.

Nach Einschätzung des IMS war die Veranstaltung schlecht vorbereitet und es kam zu keiner eindeutigen

Stellungnahme durch den Parteisekretär der Schule, Genn. N o a c k , die sich scheute,

eine Auseinandersetzung zu führen.

Die Abteilung Volksbildung soll auf entsprechende Hinweise bezüglich der Gestaltung dieses

Pioniernachmittages sehr schwerfällig reagiert haben und hat erst an diesem Elternabend Stellung

dazu bezogen.

Desweiteren berichtete der IMS, daß es bei der Aufteilung der Kinder in verschiedene Klassen in

Vorbereitung eines Schuljahres den Kindern und Eltern freigestellt wird, in welche der für sie in

Frage kommenden Klasse sie gehen wollen, ohne dabei seitens der Schule auf die parteiliche Zusammensetzung

der Eltern Einfluß zu nehmen.

So sollen in der einen, der zwei vorhandenen 3. Klassen, 19 Eltern Genossen sein, während in der

anderen Klasse nur 6 Eltern Genossen sind.

Der IMS ist der Meinung, daß somit unterschiedliche Voraussetzungen für eine kontinuierliche

politisch-ideologische Arbeit an der Schule geschaffen werden.

(Unterschrift)

Rössel

Unterleutnant


Anmerkung

Dr. Dieter Schubert hat als IMS „Günter“ X/332/64 von 1969 bis zum Ende der DDR Berichte

über seine Kollegen an der Sektion Physik geliefert. Wie man sieht, war er auch außerhalb der

Sektion Physik wachsam.

D 89 Rückerstattung des FDGB-Beitrages - „Werner Riese“, 1986

Kreisdienststelle Jena Jena, 9. Dezember 1986

Ref. Uni kra-kl

Antrag auf Rückerstattung des FDGB-Beitrages des HIME „Werner Riese“

Zur besseren Legendierung der Tätigkeit des HIME an der FSU Jena macht es sich erforderlich,

ihn auch weiterhin an allen Veranstaltungen seiner Gewerkschaftsgruppe teilnehmen zu lassen und

auch weiterhin den FDGB-Beitrag in Höhe von 9,- M monatlich zu entrichten.

Hiermit wird beantragt, dem HIME diesen Betrag monatlich zurückzuerstatten.

(Unterschrift) (Unterschrift)

Ehrler Kramer

Major Unterleutnant

Ref.-Leiter

Leiter der KD Jena

i.V. (Unterschrift)

Schleitzer

Oberst

D 90 Beschaffung eines Studentenausweises von der TH Ilmenau

Bezirksverwaltung Jena, 18. 12. 1984

für Staatssicherheit Gera ez 7579 /84

Kreisdienststelle

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit Suhl

Kreisdienststelle Ilmenau

Ilmenau

Beschaffung eines Studentenausweises von der TH Ilmenau / Zentraler Clubrat

Zur politisch-operativen Sicherung unter dem Personenkreis der Studenten der Friedrich-Schiller-

Universität Jena und anderer Angehöriger der FSU Jena ist es erforderlich, besonders Veranstaltungen,

die im Studentenkeller der FSU stattfinden, inoffiziell abzusichern.

177


Das Betreten des Studentenkellers ist nur Studenten/ Angehörigen der FSU Jena bzw. Personen

gestattet, die Mitglieder des zentralen Clubrates einer anderen Hochschule/ Universität der DDR

sind und sich entsprechend ausweisen können.

Für den notwendigen Einsatz inoffizieller Quellen unserer DE würden - zur Gewährleistung der

Konspiration und in Übereinstimmung mit der bisherigen Legendierung - zwei Ausweise des zentralen

Clubrates der TH Ilmenau benötigt, die den Quellen als Mitglieder des Clubrates ermöglichen,

Veranstaltungen im Studentenkeller der FSU Jena zu besuchen.

Im Unterstützung bei der Beschaffung von zwei derartigen Ausweisen durch Ihre Diensteinheit

wird gebeten (Gültigkeit der Ausweise ab I/85).

178

Leiter der Kreisdienststelle

(Unterschrift)

Schleitzer

Oberstleutnant

telef. Rücksprache mit Gen. Erhardt,

?A- Wechsel - wird realisiert!

D 91 Bestätigung als Leistungssportler, 1979

Bezirksverwaltung Jena, 23. Febr. 1979

für Staatssicherheit Gera ehr/wü 828 /79

Kreisdienststelle

Bezirksverwaltung

für Staatssicherheit

Abteilung XX/Sport

L e i p z i g

Ihr Schreiben vom 06. 02. 1979 - Tgb.-Nr. 976/79 zu ———, ——— - ——— in Jena

Beide Elternteile sind Mitglieder der SED und bisher ausnahmslos positiv in Erscheinung getreten.

Beide stammen aus einfachen Verhältnissen und haben die Kinder zu einem sauberen Verhalten

und zur politischen Aufgeschlossenheit im Sinne unserer Entwicklung erzogen.

Die Mutter des F. ist für unsere DE erfaßt. Aus dieser Sicht ergeben sich keine negativen Momente

für eine Bestätigung als Leistungssportler.

Leiter der Kreisdienststelle

i.V. (Unterschrift) / Major

Nowack - Oberstltn.

Anmerkung

Die Mutter des F. ist für unsere „DE erfaßt“ heißt hier, sie arbeitet als GMS „Rolande“

X/1754/80 mit dem MfS zusammen.


D 92 Sachprämie Sekt für IMS „Lose“

KD Jena Jena, 20.07.77

Ref. Uni

B e s t ä t i g u n g

Sachkonto: 6021

Kategorie: IMS „Lose“

Reg.Nr.: X/745/75

Betrag: 16,- (sechszehn)

Dem IMS wurde als Anerkennung für seine Standhaftigkeit und seine vorbildliche, parteiliche

Verhaltensweise eine Flasche Sekt überreicht und eine wurde beim Treff getrunken.

(Unterschrift) (Unterschrift

Würbach Hptm. Ehrler Ultn.

D 93 Verteilerplan für eine Information, 1981

Mit Information einverstanden

Leiter der AKG

(Unterschrift)

Lehmann

Oberstleutnant

Leiter der DE

(Unterschrift)

Mittenzwei Osl.

Quittung Rückseite

Die Inf. ist mit Stellv. XVIII

u. Leiter KD Jena abgestimmt. 29.5.1981

Verteiler

1. SED-BL. 1. Sekr.

2. ZAIG

3. Stellv.Op/ZPL

4. Freunde

5./6. Abt. XVIII

7. KD Jena

8. SED-KL, 1. Sekr.

9. AKG

179


(... Text gelöscht ...)

180

INFORMATION

über

Anmerkung

Der Verteilerschlüssel zeigt, die Partei wurde immer unterrichtet. In wichtigen Fragen wurde aber

auch der KGB (Freunde) informiert.

D 94 Vereinbarung zwischen MfS und HFIM 1982

V e r e i n b a r u n g

Grundsätze

Jena, den 11.3. 82

1. Diese Vereinbarung erfolgt auf der Grundlage und in Ergänzung der dem MfS in freiwilliger

Entscheidung abgegebenen Verpflichtung vom ...................... , eine Tätigkeit als hauptamtlicher

inoffizieller Mitarbeiter durchzuführen.

2. Die Arbeit als hauptamtlicher inoffizieller Mitarbeiter für das MfS ist eine große Ehre und

Verpflichtung. Sie dient der Verwirklichung der Beschlüsse der SED und trägt zur Stärkung

sowie zur Gewährleistung der Sicherheit und des umfassenden Schutzes der DDR bei.

3. Mit der Aufnahme einer Tätigkeit als hauptamtlicher inoffizieller Mitarbeiter verpflichten Sie

sich zu strengsten Geheimhaltung aller Belange, die Ihnen in dieser Tätigkeit bekannt werden,

sowie der in dieser Vereinbarung festgelegten Regelungen Ihres Verhältnisses mit dem MfS,

Ihrer finanziellen und sozialen Sicherstellung. Die Belehrung über die Geheimhaltung im Sinne

der §§ 245 und 246 StGB haben Sie zur Kenntnis genommen.

4. Mit Unterzeichnung dieser Vereinbarung erklären Sie Ihr Einverständnis, daß alle arbeitsmäßigen,

finanziellen und sozialen Probleme, die sich aus dieser Vereinbarung ergeben und das

Verhältnis zwischen Ihnen und dem MfS betreffen, nur im MfS geklärt werden können. Der

Rechtsweg ist ausgeschlossen.

5. Sie haben das Recht, sich beschwerdeführend an jeden Vorgesetzten Ihres Führungsoffizieres

zu wenden, der auf der Grundlage der dienstlichen Bestimmungen und Weisungen des Ministers

für Staatssicherheit zu entscheiden hat.

6. Das MfS gewährt Ihnen entsprechend den dienstlichen Bestimmungen des MfS eine angemessene

finanzielle Vergütung, soziale Sicherstellung und Betreuung entsprechend dieser Vereinbarung

für die Zeit Ihres Einsatzes als hauptamtlicher inoffizieller Mitarbeiter zur Lösung der

Ihnen übertragenen aufgaben.

7. Das MfS sichert Ihnen im Prozeß der Arbeit eine entsprechende Qualifizierung zur Lösung der

übertragenen Aufgaben zu. Ihre Einarbeitung zur Lösung der Ihnen übertragenen Aufgaben erfolgt

anhand eines Einarbeitsplanes.

Das MfS garantiert im Prozeß der Arbeit die erforderliche politisch-ideologische und fachliche

Befähigung, damit die gestellten Aufgaben in hoher Qualität gelöst werden können.

Qualifizierungsmaßnahmen an öffentlichen Bildungseinrichtungen sind nur in Abstimmung mit

dem MfS im Interesse Ihrer Aufgabenerfüllung realisierbar.

Bestimmungen der Vereinbarung


1. Auf der Grundlage der durch den Minister für Staatssicherheit erlassenen dienstlichen Bestimmungen

beginnt

Weber, Knut

(Name, Vorname)

am 01. 3. 1982

eine hauptamtliche inoffizielle Tätigkeit für das MfS.

Das begonnene Verhältnis ist für den Zeitraum

bis unbefristet

befristet bzw. unbefristet. Das eingegangene inoffizielle Verhältnis kann bei strikter Wahrung

der Wachsamkeit, Geheimhaltung und Konspiration gelöst werden

− im gegenseitigen Einvernehmen, wenn Gründe vorhanden sind, die die weitere Aufrechterhaltung

des Verhältnisses nicht mehr ermöglichen,

− durch das MfS, wenn

die gestellten Aufgaben eindeutig erfüllt wurden und weitere Aufgaben nicht übertragen

werden können,

erhebliche Verstöße gegen die eingegangene Verpflichtung zur inoffiziellen Zusammenarbeit

mit MfS und gegen diese Vereinbarung erfolgten und aus Gründen der Sicherheit

eine sofortige Beendigung des eingegangenen Verhältnisses erforderlich ist.

Bei Beendigung des hauptamtlichen inoffiziellen Verhältnisses und wenn keine disziplinarischen

Gründe vorliegen, sichert das MfS zur Unterstützung der Rehabilitation in eine zivilberufliche

Tätigkeit

− die Beschaffung einer angemessenen, zumutbaren Arbeitsstelle,

− eine finanzielle Unterstützung für eine notwendige Übergangszeit entsprechend den dienstlichen

Bestimmungen des MfS.

2. Mit der Aufnahme einer hauptamtlichen inoffiziellen Tätigkeit für das MfS übernimmt

folgende Hauptaufgaben:

Weber, Knut

(Name, Vorname)

Steuerung ihm übergebener inoffizieller

Mitarbeiter; Einarbeitung op. bedeutsamer

Informationen; Lageeinschätzungen;

Zusätzliche Aufgaben, die sich besonders aus Situationen erhöhter Anforderungen an die staatliche

Sicherheit der DDR ergeben, können entsprechend den Fähigkeiten und Kenntnissen übertragen

werden und sind durchzuführen.

Die grundsätzliche Veränderung des Charakters der gestellten Hauptaufgaben bedarf des gegenseitigen

Einvernehmens. Die Übertragung der Aufgaben erfolgt durch den Führungsoffizier

und seine Vorgesetzten auf der Grundlage der dienstlichen Bestimmungen und Weisungen des

MfS.

3. Für die Tätigkeit als hauptamtlicher inoffizieller Mitarbeiter erhält

181


182

Weber, Knut

(Name, Vorname)

eine Vergütung von 1.000,-- Mark (Brutto)

monatlich.

Für langjährige treue Pflichterfüllung als hauptamtlicher inoffizieller Mitarbeiter erhalten Sie

bei ununterbrochener Tätigkeit eine zusätzliche Vergütung.

Die zusätzliche Vergütung beträgt nach Ablauf

von 3 Jahren 8 %

5 Jahren 10 %

10 Jahren 15 %

15 Jahren 20 %

20 Jahren 25 %

der monatlichen Vergütung.

Dienstzeiten in den bewaffneten Organen der DDR werden angerechnet.

Die Vergütung einschließlich der zusätzlichen Vergütung entsprechend der Dauer der hauptamtlichen

inoffiziellen Tätigkeit unterliegt der Beitragspflicht nach den offiziellen Bestimmungen

des MfS. Die Versorgungsbeiträge betragen 10 % der monatlichen Vergütung einschließlich

der zusätzlichen Vergütung entsprechend der Dauer der hauptamtlichen inoffiziellen Tätigkeit.

25 % der monatlichen Vergütung unterliegen dem gesetzlichen Lohnsteuerabzug. Die zusätzliche

Vergütung entsprechend der Dauer der hauptamtlichen inoffiziellen Tätigkeit ist

lohnsteuerfrei.

Die in dem bereits bestehenden oder übernommen Arbeitsrechts- oder Dienstverhältnis entrichtete

Beiträge zur freiwilligen Zusatzrentenversicherung bzw. der freiwilligen zusätzlichen Altersversorgung

für Mitarbeiter des Staatsapparates oder gleichartige Zusatzversicherungen werden

im MfS verrechnet.

Kindergeld und Ehegattenzuschlag werden nach den gesetzlichen Bestimmungen gezahlt.

4. Für die hauptamtliche inoffizielle Tätigkeit für das MfS besteht ein Anspruch auf einen jährlichen

Erholungsurlaub, der grundsätzlich innerhalb eines Kalenderjahres zu gewähren und zu

nehmen ist.

Nur in begründeten Fällen, die sich aus den zu lösenden Aufgaben oder persönlichen Gründen

ergeben, kann der Erholungsurlaub bis zum 31. 3. des folgenden Jahres angetreten werden.

Eine finanzielle Abgeltung ist nur möglich, wenn das vereinbarte Scheinarbeitsverhältnis die

Länge des Erholungsurlaubes nicht zuläßt oder aus anderen berechtigten Gründen das Antreten

des Erholungsurlaubes nicht möglich war.

Die Dauer des jährlichen Erholungsurlaubes beträgt bei ununterbrochener Tätigkeit für das MfS

entsprechend dieser Vereinbarung und unter Beachtung evtl. anzurechnender Dienstzeiten in

bewaffneten Organen der DDR

bis zum 10. Jahr 33 Kalendertage,

ab 11. Jahr 36 Kalendertage,

ab 21. Jahr 39 Kalendertage

und ab 26. Jahr 42 Kalendertage.


5. Entsprechend dieser Vereinbarung erhalten Sie oder Hinterbliebene nach langjähriger Tätigkeit

für das MfS bei Erreichen der Altersgrenze, vorzeitiger Invalidität oder Tod nach den Bestimmungen

über die sozialer Versorgung des MfS eine Rente.

Voraussetzung für die Zahlung einer Alters- oder Übergangsrente ist der Nachweis einer ununterbrochenen

Tätigkeit als hauptamtlicher inoffizieller Mitarbeiter von mindestens 15 Jahren vor

Eintritt des Rentenfalles.

Bei Invalidität ist der Nachweis von mindestens 5 Jahren erforderlich.

Bei Unfall in Ausübung der hauptamtlichen inoffiziellen Tätigkeit ist kein zeitlicher Nachweis

notwendig.

Bedingt ist ferner die Erreichung des gesetzlichen Rentenalters oder eine Erwerbsminderung von

66 2/3 %.

Weitere soziale Leistungen entsprechend den dienstlichen Bestimmungen des MfS werden bei

Krankheit, im Falle der Mutterschaft und zur Pflege erkrankter Kinder gewährt.

6. Entschädigungen erfolgen für materielle und finanzielle Mehraufwendungen und Ausgaben in

Durchführung der übertragenen Aufgaben einschließlich daraus resultierender Reisekosten.

7. Als hauptamtlicher inoffizieller Mitarbeiter unterliegen Sie den Bestimmungen der Anweisung

Nr. 1/70 des Ministers der Finanzen über den Versicherungsschutz der bewaffneten Organe.

Die gesetzlichen Bestimmungen über die Staatshaftung werden bei Schäden, die in Ausübung der

übertragenen Aufgaben entstehen, wirksam.

8. Als hauptamtlicher inoffizieller Mitarbeiter haben Sie mit den übergebenen und zur Durchführung

der Arbeit zur Verfügung gestellten materiellen Mitteln, Fahrzeugen, Einrichtungsgegenständen

und Objekten, die sozialistisches Eigentum sind, sorgfältig umzugehen.

Mit Unterzeichnung dieser Vereinbarung erfolgte durch den Führungsoffizier des MfS eine entsprechende

Einweisung.

Schuldhafte (fahrlässige oder vorsätzliche) Verletzung Ihrer übernommenen Verpflichtung führt

zur Anwendung der Festlegungen über die materielle Verantwortlichkeit entsprechend den

dienstlichen Bestimmungen des MfS.

Für fahrlässig verursachten Schaden, der

durch unberechtigte Benutzung von Fahrzeugen, Geräten und Einrichtungen des MfS entstand,

durch eine unter Alkoholeinfluß begangene Handlung herbeigeführt wurde und der Alkoholeinfluß

wesentliche Ursache für die Herbeiführung des Schadens war,

sowie für vorsätzlich verursachten Schaden sind Sie in voller Höhe materiell verantwortlich.

9. Zur Anerkennung und Würdigung langjähriger hauptamtlicher inoffizieller Tätigkeit für das

MfS, hoher Einsatzbereitschaft und bei Erzielung hervorragender Ergebnisse in Ihrem Aufgabenbereich

werden die gezeigten Leistungen auf der Grundlage der für das MfS geltenden

dienstlichen Bestimmungen mit Geld- und Sachprämien und durch Verleihung staatlicher Auszeichnungen

gewürdigt.

10. Zur Abdeckung Ihrer hauptamtlichen inoffiziellen Tätigkeit für das MfS erfolgte die Vereinbarung

eines entsprechenden Scheinarbeitsverhältnisses. Die sich daraus für Sie und Ihre Familie

ergebenden Regimefragen und Verhaltensweisen sind im Interesse einer sicheren Legendierung

Ihrer Arbeit unbedingt zu beachten.

Rechtliche Ansprüche sind jedoch daraus nicht abzuleiten oder in Anspruch zu nehmen.

11. Alle Veränderungen in Ihren persönlichen Verhältnissen, die zur Vervollständigung der Personalunterlagen

oder aus sonstigen Gründen für das bestehende Verhältnis als hauptamtlicher inoffizieller

Mitarbeiter von Bedeutung sind, die Konspiration oder das Scheinarbeitsverhältnis

gefährden können, sind umgehend schriftlich dem Führungsoffizier des MfS zu melden.

Entsprechend Ihrer Verpflichtung und dieser Vereinbarung sind alle Westkontakte Ihrer Familie

sowie Verwandten 1. Grades schriftlich dem Führungsoffizier zu melden.

183


12. Zusätzliche Regelungen aus der Besonderheit der Aufgaben:

Besa Weber, Kurt

(Führungsoffizier) (Name, Vorname)

Anmerkung

Knut Weber leitete als HFIM „Jens“ XV/6717/80 ein umfangreiches IM-Netz innerhalb der Studentenschaft.

Später wurde er BSG der Universität.

D 95 Arbeitsplan des Beauftragten für Sicherheit u. Geheimnisschutz d. FSU, 1989

Friedrich-Schiller-Universität

J e n a

184

Vertrauliche Verschlußsache

g 317 - 4/89

3 Ausfertigung 5 Blatt

Bestätigt am: 2.2.89 (Unterschrift)

Prof. Dr. sc. nat. B. Wilhelmi

Rektor

1. Bedeutsame Forschungsvorhaben

Schwerpunktarbeitsplan

des Beauftragten für Sicherheit und Geheimnisschutz

der Friedrich-Schiller-Universität Jena für das Jahr 1989

„Erarbeitung einer Technologie zur produktiven Herstellung von Spezialglas und

Entwicklung von Spezialglas als Labormuster.“

Auf der Grundlage der Leistungsverträge zu o.g. Aufgabenstellungen des Wissenschaftsbereiches

Glaschemie der Sektion Chemie und dem Kombinat Carl Zeiss Jena/VEB Jenaer Glaswerk sind

sicherheitspolitische Untersuchungen vorzunehmen.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen

− die Verhaltensweisen der an der Forschung beteiligten Personen

− ihre Reisen, Kontakte und Verbindungen

− die Einhaltung der Festlegungen für Ordnung, Sicherheit und Geheimnisschutz.

Desweiteren ist zu prüfen, ob die vorhandene Themensicherheitskonzeption zu überarbeiten ist.

Beide Forschungsaufgaben haben den Geheimhaltungsgrad „VVS“.

Termin: 15. November 1989


2. Kontaktpolitik/Kontakttätigkeit/politisch-ideologische Diversion

2.1. Untersuchungen zu den Aktivitäten der Personen aus der BRD, die sich im Jahre 1989 zu

Studienaufenthalten an der FSU aufhalten.

Dabei werden u.a. folgende Informationen nach sicherheitspolitischen Gesichtspunkte untersucht

und analysiert:

− Womit beschäftigen sich diese Personen im Rahmen ihrer Studien und außerhalb dieser

Tätigkeit?

− Mit welchen DDR-Bürgern und ausländischen Bürgern unterhalten sie Kontakte und

Verbindungen?

− Welche Rolle spielt dabei der „Deutsche Akademische Austauschdienst“ der BRD?

Es ist durch den BSG darauf Einfluß zu nehmen, daß das erarbeitete Betreuungsprogramm entsprechend

durchgesetzt wird.

Termine: 15. Juni 1989

Januar 1990

2.2. Einschätzungen zu sicherheitspolitisch relevanten Aktivitäten ausgewählter NSW-Auslands-

und Reisekader der FSU.

Termin: 15. November 1989

2.3. Auf der Grundlage der politisch-ideologischen Lageeinschätzung der Studenten der FSU

durch die staatliche Leitung und Parteileitung ist zu untersuchen, ob und inwieweit bei politischen

Vorkommnissen und Fehlverhalten durch Studenten aktive Versuche des Gegners

Ursache dafür sind, um sie zur Feindtätigkeit gegen die DDR zu bewegen.

Termine: 15. Juni 1989

Februar 1990

2.4. In Vorbereitung einer weiteren im Jahre 1990 anzufertigenden Analyse über Kontakte und

Verbindungen von Wissenschaftlern, die auf den Gebieten der Mathematik arbeiten, werden

von Spitzenmathematikern der FSU nach den nachstehend aufgeführten Vorgaben

entsprechende Materialien gesammelt.

DDR-Partner Beispiel

1. Name, Vorname, akad. Grad 1. Meier, Peter; Prof. Dr.

2. Uni/HS, Sektion (Kurzfass.) 2. TUK -Math.

3. Personenkennzahl 3. 10 12 36 4 7890 4

NSW-Partner

1. Name, Vorname, ak. Grad 1. Müller, Karl; Doz. Dr.

2. Institution (so genau wie möglich) 2. Universität Hamburg, Institut für Mathe-

matik; FB Operations Research

3. Postkennung, Stadt 3. D-2000 Hamburg 13

4. Land 4. BRD

5. Kurzbemerkungen zum Kontakt 5. Müller ist ehem. DDR-Bürger

Termin: 31. Dezember 1989

185


3. Sicherheit, Ordnung und Geheimnisschutz

Auf der Grundlage der zentralen Rechtsvorschriften, der Weisungen des MHF und der entsprechenden

Rektorweisungen der FSU zum Schutz der Staatsgeheimnisse werden durch den BSG

und dem Leiter der VS-Stelle Kontrollen zu ihrer Umsetzung in ausgewählten Struktureinheiten

der FSU durchgeführt.

Termine: 15. März 1989

15. September 1989

4. Halbjahresbericht

Die Anfertigung erfolgt auf der Grundlage der Vorgaben von 1985.

Um die Informationen rechnergestützt auswerten zu können, wird der Punkt 3 der Gliederung des

Halbjahresberichtes (Sicherheitspolitisch wichtige NSW-Kontakte ) entsprechend der durch

das MHF noch nachzureichenden Anlage aufbereitet.

Termine: 15. Juli 1989

15. Dezember 1989

5. Antragstellungen auf ständige Ausreise aus der DDR

Auf der Grundlage der

Verordnung über Reisen von Bürgern der DDR

nach dem Ausland vom 30.11.1988

und der

Verordnung zur Gewährung des ständigen Wohnsitzes für Ausländer in der DDR zur Eheschließung

von Bürgern der DDR mit Ausländern vom 30.11.1988

und der entsprechenden Weisungen des MHF vom 3.01.1989 sowie vom 5.01.1989 ist zu untersuchen,

wie sie an der FSU praktisch umgesetzt werden.

Termine: 15. Mai 1989

15. Oktober 1989

D 96 Bericht über den Forschungsstand in der Bildverarbeitung, 1982

Abteilung XX/8 Gera, 11. August 1982

fü-ge

B e r i c h t e r s t a t t u n g

Stand des Forschungschwerpunktes Bildverarbeitung (1.7.82)

Gründung der Interessengemeinschaft - Mai 1981 -

Zielstellung

− Es werden optische Methoden zur Auswertung von Bildern im Bereich der Mikroaufnahme bis

zur Luftbildaufnahme untersucht;

− Überführung theoretischer Probleme der Bildverarbeitung in der Praxis;

Bedeutung

− volkswirtschaftlich-militärischer Art (nähere Einzelheiten nicht bekannt)

186


derzeitiger Stand

− Nach Anlaufschwierigkeiten wie

liegt vor

a) der Verkennung der Bedeutung des Projektes

b) der derzeitigen Feststellung des Führens von ursächlichen Diskussionen zum Projekt, was

einer Forcierung des Forschungsvorhabens entgegensteht (Prof. ———);

c) der sich notwendig machende Leitungsentscheidung durch Prof. ———, im Zusammenhang

des Wechsels des Sektionsdirektors, um einer erneuten Unterbewertung dieser Forschung

entgegenzutreten;

d) der sehr schleppenden, obwohl angewiesenen Zuführung von wissenschaftlichem Personal.

− Eröffnungsverteidigung des Themas bei Carl Zeiss (18. 6. 1982)

− Vorlage des Entwurfs zum Pflichtenheft für den Zeitraum 9/82 bis 11/82

− Vorlage der Gesamtarbeitsleistung für das Thema bis 3/84

− Übersicht über geplante Aktivitäten auf dem Gesamtgebiet der Forschung durch Informationen

zu stattgefundenen Vorstandssitzungen.

Z.Z. am Forschungsschwerpunkt tätige Personen (FSU Jena)

7 Vorstandsmitglied davon 3 IM

1 AIM

3 ohne Erf.

davon 2 persönlicher Kontakt in BRD

verantwortliche Bearbeiter

Sektion Biologie Prof. ——— - z.Z. keine Aussage möglich

Sektion Physik Dr. Kessler - erf. XX/8

Sektion Mathematik Dr. Klette - erf. HVA/BV Erfurt

geplante Maßnahme