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20 | PORTRAIT Gerald

20 | PORTRAIT Gerald Höns besitzt vier Bunker in Bremen. In dem „F76“ in der Grenzstraße hat der AfD-Politiker auch sein Büro. Geralds Welt Gerald Höns von der AfD sammelt Bunker. Er vermietet sie für Goapartys, an Rockerclubs und Handwerker. Und hütet ein Geheimnis Text: Niklas Rathsmann Fotos: Julia Petersen Deutschland ist ein Land der Sammler. Drei Millionen sammeln Briefmarken, Zehntausende sammeln Münzen. Gerald Höns von der AfD sammelt Bunker. Vor einem Jahr kaufte er seinen vierten: den „F54“, so die amtliche Bezeichnung. Standort: Holsteiner Straße, Schutzplätze: 1.173. Der schmutzig-gelbe Klotz ist von Efeu überwuchert und wird derzeit renoviert. Was Höns, der für die AfD im Beirat Walle sitzt, mit dem „F54“ vorhat, lässt sich in der Grenzstraße beobachten. Hier steht ein weiterer Bunker seiner Sammlung: der „F76“. Die 40 Meter lange Betonfassade ist dunkel angelaufen, das Spitzdach überragt die biederen dreistöckigen Wohnhäuser, zwischen denen er steht. Eine Rampe führt zur stählernen Eingangstür. Über eine Treppe gelangt man in einen großen Raum, wo sich der Geruch frischer Farbe mit einer fauligen, schwefeligen Note mischt. Es ist Montagabend, eine junge Frau in Jogginghosen, Wollpulli und mit Dreadlocks fegt angestrengt Glasscherben, Kronkorken und anderen Dreck zusammen. „Hast du mal Tabak?“, fragt sie. Eine Zigarette lehnt sie ab: „Nee, ich wollte mir einen Joint bauen.“ Am Wochenende hätten sie hier gefeiert, ein paar Leute hätten die Wände beschmiert. „Das müssen wir jetzt wieder wegmachen“, sagt sie, „was für ’ne räudige Arbeit.“ Im Korridor eine Treppe tiefer tritt Gerald Höns aus einer Tür. Er trägt eine Kurzhaarfrisur und Schnauzbart, dazu Jeans und eine schlichte Winterjacke. Es ist kühl hier, leicht unter Straßenniveau, wo er sein Büro hat. Höns, der heute 63 ist, hat vor vielen Jahren Radio- und Fernsehtechniker gelernt und seinen Meister gemacht. 1988 gründete er ein Unternehmen, das Bauteile für Spielautomaten entwickelte, später auch Software, um die Geräte zu vernetzen. In Zehntausenden Spielautomaten in Deutschland steckt bis heute Technik von Höns. Vor zwei Jahren hat er seine Firma dann fast vollständig verkauft, er hält nur noch fünf Prozent der Anteile. Als Minderheitseigner hat er viel Zeit für seine Hobbys: Heimwerken, Basteln an alter Technik und Weltkriegsbunker. Mit einem breiten Lächeln beginn Höns seine Führung durch „F76“. Eine Treppe höher trifft er auf einen jungen Mann, auch er trägt Dreadlocks. Er versucht, mit einem terpentingetränkten Lappen eine Edding-Schmiererei von einer Betonwand zu entfernen. „Na, wie weit seid ihr?“, fragt Höns. „Ein bisschen brauchen wir noch“, antwortet der junge Mann. Höns vermietet seine Bunker für Privatfeiern, am Wochenende fand eine große Benefiz-Party für Flüchtlinge statt. „Ich verschließe mich dem ja nicht“, sagt Höns, „sollen sie machen. Allerdings haben die ein bisschen randaliert, überall ihre Graffitis hingeschmiert.“ „Es kamen zu viele Leute“, erklärt der Mann mit dem Lappen, „es war ein bisschen unübersichtlich.“ „Solange ihr alles wieder sauber macht …“, sagt Höns. An der Wand hängt ein Transparent, das in englischer Sprache erklärt, dass „Freedom of Movement“ für jeden gelte. Höns: „Was soll das denn bedeuten?“ Junger Mann: „Dass jeder Mensch das Recht auf Migrationsfreiheit hat.“ „Gefängnisinsassen sind auch Menschen, für die gilt das sicher nicht. Der Spruch kann also nicht stimmen.“ „Das bezieht sich vor allem auf Flüchtlinge aus Krisengebieten.“ „Gut. Das kann ich akzeptieren.“ Die Goaszene feiert regelmäßig in dem kleineren der beiden Partyräume des Bunkers, der mit DJ-Pult, Musik- und Lichtanlage ausgestattet ist. Höns, der sich seit 2013 in der AfD engagiert, kommt gut klar mit dem linken Partyvolk. Warum er zur AfD ging, erklärt er so: „Mein Engagement ist der Not geschuldet, der Arroganz der Macht. Die regierenden Parteien verfallen oft in sinnlosen Aktionismus.“ Als Beispiel nennt er die Grünen, die Elektroheizungen verbieten und behördlich überwachen lassen wollen – Höns spricht von Strompolizei: „Da sind weltfremde

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