zds#37

mpvogel

20 | PORTRAIT

Gerald Höns besitzt vier Bunker in Bremen. In dem „F76“ in der Grenzstraße

hat der AfD-Politiker auch sein Büro.

Geralds

Welt

Gerald Höns von der AfD sammelt Bunker.

Er vermietet sie für Goapartys, an Rockerclubs

und Handwerker. Und hütet ein Geheimnis

Text: Niklas Rathsmann

Fotos: Julia Petersen

Deutschland ist ein Land der Sammler. Drei Millionen

sammeln Briefmarken, Zehntausende sammeln

Münzen. Gerald Höns von der AfD sammelt

Bunker. Vor einem Jahr kaufte er seinen vierten:

den „F54“, so die amtliche Bezeichnung. Standort:

Holsteiner Straße, Schutzplätze: 1.173. Der schmutzig-gelbe

Klotz ist von Efeu überwuchert und wird

derzeit renoviert. Was Höns, der für die AfD im

Beirat Walle sitzt, mit dem „F54“ vorhat, lässt sich

in der Grenzstraße beobachten. Hier steht ein weiterer

Bunker seiner Sammlung: der „F76“.

Die 40 Meter lange Betonfassade ist dunkel angelaufen,

das Spitzdach überragt die biederen dreistöckigen

Wohnhäuser, zwischen denen er steht.

Eine Rampe führt zur stählernen Eingangstür.

Über eine Treppe gelangt man in einen großen

Raum, wo sich der Geruch frischer Farbe mit einer

fauligen, schwefeligen Note mischt.

Es ist Montagabend, eine junge Frau in Jogginghosen,

Wollpulli und mit Dreadlocks fegt angestrengt

Glasscherben, Kronkorken und anderen

Dreck zusammen. „Hast du mal Tabak?“, fragt

sie. Eine Zigarette lehnt sie ab: „Nee, ich wollte

mir einen Joint bauen.“ Am Wochenende hätten

sie hier gefeiert, ein paar Leute hätten die Wände

beschmiert. „Das müssen wir jetzt wieder wegmachen“,

sagt sie, „was für ’ne räudige Arbeit.“

Im Korridor eine Treppe tiefer tritt Gerald

Höns aus einer Tür. Er trägt eine Kurzhaarfrisur

und Schnauzbart, dazu Jeans und eine schlichte

Winterjacke. Es ist kühl hier, leicht unter Straßenniveau,

wo er sein Büro hat.

Höns, der heute 63 ist, hat vor vielen Jahren

Radio- und Fernsehtechniker gelernt und seinen

Meister gemacht. 1988 gründete er ein Unternehmen,

das Bauteile für Spielautomaten entwickelte,

später auch Software, um die Geräte zu vernetzen.

In Zehntausenden Spielautomaten in Deutschland

steckt bis heute Technik von Höns. Vor zwei Jahren

hat er seine Firma dann fast vollständig verkauft,

er hält nur noch fünf Prozent der Anteile.

Als Minderheitseigner hat er viel Zeit für seine

Hobbys: Heimwerken, Basteln an alter Technik

und Weltkriegsbunker.

Mit einem breiten Lächeln beginn Höns seine

Führung durch „F76“. Eine Treppe höher trifft er

auf einen jungen Mann, auch er trägt Dreadlocks.

Er versucht, mit einem terpentingetränkten Lappen

eine Edding-Schmiererei von einer Betonwand

zu entfernen. „Na, wie weit seid ihr?“, fragt

Höns. „Ein bisschen brauchen wir noch“, antwortet

der junge Mann. Höns vermietet seine Bunker

für Privatfeiern, am Wochenende fand eine große

Benefiz-Party für Flüchtlinge statt. „Ich verschließe

mich dem ja nicht“, sagt Höns, „sollen sie machen.

Allerdings haben die ein bisschen randaliert,

überall ihre Graffitis hingeschmiert.“ „Es kamen

zu viele Leute“, erklärt der Mann mit dem Lappen,

„es war ein bisschen unübersichtlich.“ „Solange ihr

alles wieder sauber macht …“, sagt Höns.

An der Wand hängt ein Transparent, das in

englischer Sprache erklärt, dass „Freedom of Movement“

für jeden gelte.

Höns: „Was soll das denn bedeuten?“

Junger Mann: „Dass jeder Mensch das Recht

auf Migrationsfreiheit hat.“

„Gefängnisinsassen sind auch Menschen, für

die gilt das sicher nicht. Der Spruch kann also

nicht stimmen.“

„Das bezieht sich vor allem auf Flüchtlinge aus

Krisengebieten.“

„Gut. Das kann ich akzeptieren.“

Die Goaszene feiert regelmäßig in dem kleineren

der beiden Partyräume des Bunkers, der

mit DJ-Pult, Musik- und Lichtanlage ausgestattet

ist. Höns, der sich seit 2013 in der AfD engagiert,

kommt gut klar mit dem linken Partyvolk.

Warum er zur AfD ging, erklärt er so: „Mein

Engagement ist der Not geschuldet, der Arroganz

der Macht. Die regierenden Parteien verfallen oft

in sinnlosen Aktionismus.“ Als Beispiel nennt er

die Grünen, die Elektroheizungen verbieten und

behördlich überwachen lassen wollen – Höns

spricht von Strompolizei: „Da sind weltfremde

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine