Preview GALERIE JUDITH ANDREAE Ausstellung ILLUSION ...

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GALERIE JUDITH ANDREAE

Ausstellung ILLUSION-NATUR 10./11.Mai 2012

Die Ausstellung ist für Judith und mich durch verschiedene Faktoren im Vorfeld

selbst zu einem Naturereignis an sich geworden.

Wie es in der Natur selbst zwischen Chaos und Ordnung, spontanen Eruptionen

und Mutationen und elementaren Strukturprinzipien ein Wechselspiel und einen

Zusammenhang gibt, so muss man sich im Kleinen die Vorbereitung zu unserer

ersten Gruppenausstellung in der neuen Galerie vorstellen.

Unausgesprochen hat diese erste Gruppenausstellung mit dem Titel „Illusion-

Natur“ eine klare Botschaft: diese zu entdecken ist unser Anliegen. Jedes Werk

ist für sich in seiner Qualität und jeder Künstler für sich genommen so stark,

dass es für jeden eine Ausstellung hätte geben können. Aber die ganze Zukunft

der neuen Bachhöfe liegt ja noch vor uns....

Warum sind es nun so viele Künstler? Es gibt so viele Aspekte, die der

Fragestellung „Was ist eigentlich natürlich?“ nachspüren. Und uns sind mit

diesen Künstlern so überzeugende Arbeiten begegnet, dass wir auf keinen

verzichten wollten. Deswegen sind es nun für die Räumlichkeiten sehr viele,

aber jeder Einzelne mit seiner Wahrnehmung und Idee, seiner Interpretation und

eigenen Formensprache überzeugt.

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Ich werde Ihnen sehr kurz jede Künstlerin und jeden Künstler mit ihrem bzw.

seinem Werk vorstellen.

Zunächst möchte ich aber betonen, dass es ein großes verbindendes

Gemeinsames gibt, das allen Kunstwerken der Ausstellung zueigen ist. Jeder

Künstler, jede Künstlerin nahm einen ersten Impuls aus der Natur, um dann im

natürlichen Schaffungsprozess sein Werk hervorzubringen, dass in seiner

Neuschöpfung etwas mitteilt von der sichtbaren Wirklichkeit. Ob bemalte

Leinwand, Skulptur, Installation oder Fotografie, wir haben Werke vor uns, die

nicht nur „Materie“ sind, sondern die über das Sichtbare hinausreichen und eine

neue Tür öffnen zum Unbegründbaren, zum Unsagbaren, zu einer anderen

Dimension, außerhalb der abgebildeten Wirklichkeit.

Was ist Natur? Begegnen wir ihr noch irgendwo, der vom Menschen

unberührten Natur? Oder geben wir uns einer Illusion hin? Treffen wir nicht

überwiegend schon eine vom Menschen kultivierte Natur an?

Sicher ist: Auch wo der Mensch in die Natur eingegriffen, wo er sie verändert

hat, scheint ihr Faszinosum durch, das Faszinosum einer vorgegebenen Welt, die

ihre Existenz nicht dem Menschen verdankt, mit ihrem Reichtum, ihren

Gesetzmäßigkeiten und ihren schier unergründlichen Geheimnissen. Der

Mensch nimmt an ihr Maß, sie dient ihm als Quelle und Inspiration für die

technische Entwicklung wie für die Kunst.

Wir können uns über die Natürlichkeit eines betrachteten Gegenstandes ebenso

täuschen, wie über seine Künstlichkeit. Natur ohne Kultur mag noch zu finden

sein, Kultur ohne Natur niemals.

Judith Andreae als Galeristin und Landschaftsarchitektin und ich als

Kunsthistorikerin und selbst Künstlerin, haben Arbeiten ausgewählt, die

Aspekte der Fragestellung „Was ist natürlich?“ beantworten helfen. Für unsern

kleinen Katalog, den sie gerne gegen eine Schutzgebühr erwerben können,

haben wir darin die Künstlerinnen und Künstler dieser Ausstellung selbst zu

Wort kommen lassen.

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Ich möchte Ihnen jetzt die Künstlerinnen und Künstler einzeln vorstellen:

Vielleicht darf ich die anwesenden Künstlerinnen und Künstler jeweils kurz

nach vorn bitten.

1.Peter Braunholz

Peter Braunholz studierte in Los Angeles, München und Frankfurt und arbeitete

zunächst als Musiker, Komponist und Musikproduzent, bevor er sich ab 1989

der Fotografie zuwandte. Mit seinen Fotoarbeiten ist er im rechten

Ausstellungsraum vertreten. Wenn man seine Fotolandschaften anschaut,

versteht man sein Zitat aus unserm Katalog:

“Kunst, Musik, auch Liebe, im Grunde alles, was wir schwerlich definieren

können, kann uns Eindrücke der Beschaffenheit weiterer Ebenen von

Realität vermitteln und lässt gleichzeitig ihre Andersartigkeit erahnen.“

(Zitatende)

Als wir die Landschaftsausschnitte aufhängten wurde uns klar, Braunholz hat

das totale Gleichgewicht in seinen Arbeiten erreicht. Man kann sie in jeder

Richtung hängen, ohne dass sie ihre Aussagefähigkeit verlieren. Die Strukturen

von Tannenspitzen wirken dabei fast aquarellmäßig oder auch die

Dämmerstunde im „Tauerngold“ könnten differenzierter nicht sein. Nehmen Sie

sich Zeit, um diese Fotos wirklich zu verstehen und zu genießen.

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2 Mahmut Celayir

Mahmut Celayir, kurdischer Abstammung, kommt aus der Türkei , wo er an der

Staatlichen Hochschule für angewandte Künste in Istanbul ausgebildet wurde. In

seinen weiten einsamen Horizontlandschaften ist ablesbar, dass er die Schönheit

seiner Heimat gut kennt und zu jeder Tageszeit das Licht studiert hat. Im rechten

Raum hängt sein melancholisches Selbstportrait und daneben der weite Horizont

seiner vibrierenden Sommerlandschaft . Mahmut sagt:

“All die Energie, die sich im Schöpfungsakt verbraucht, schafft eine

erhabene Weite der Einsamkeit, die nah am Stillstand der Zeit verharrt.

Für mich als modernen Romantiker ist es eine innere Reise, eine

existenzielle Erfahrung, eine Suche nach Identität und dem verlorenen

Paradies“. (Zitatende)

Ich lade Sie ein, diese existentielle Erfahrung mit ihm zu teilen.

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3 John Henry Fair

John Henry Fair kommt aus New York City und arbeitet als amerikanischer

Fotograf mit einer besonderen Botschaft. Zudem ist Fair Mitbegründer des Wolf

Conservation Centers in South Salem, NY. Als erfolgreicher Fotograf hat er

teuerste Schmuckstücke fotografiert, ärmste Minenarbeiter, weltbekannte

Starmusiker. Dabei heißt sein Credo: „I view my work as a catalyst.“ – „Ich

sehe meine Arbeit als Katalysator.“ Er selbst sagt über seine Bilder: „Meine

Bilder müssen etwas bewirken, ob es um die Bewahrung von 100 Morgen

wertvoller Wildnis geht inmitten eines suburbanen Randgebietes oder

darum, eine Illustration für Steinway, ein Ensemble ihrer Instrumente: Die

Fotografien müssen eine Wirkung haben, die die Welt auf Dauer

verändert.“ (Zitatende)

Hier in der Ausstellung haben Sie, liebe Kunstinteressierte, die Gelegenheit, den

ganz besonderen Stil Henry Fairs zu entdecken.

Hier im Raum sehen Sie „Hommage to Giacometti“ 2008 Huelva, Spanien.

Der kleine Mensch geht inmitten eines Düngefelds von Schwefel, während die

Technik der Düngerfabrik von links in das Bild hineinragt.

Diese Fabrik war der Ausgangspunkt eines der größten Giftmüllunfälle in

Europa, als ein Sturm die Haldendeiche bersten ließ und eine große Giftmenge

in den Rio de Huelva frei setzte.

Im rechten Raum finden Sie zwei Fotografien, „Crime and Punishment“ ,Öl der

BP breitet sich auf dem Ozean des Golf von Mexico aus.

Henry Fairs zweites Bild „Bottom Ash“ ist ebenfalls eine Luftaufnahme. Sie

zeigt eine Deponie für Kesselasche eines Kohlekraftwerks, das zu den größten

Kohle-Emittenten der USA gehört.

Fair sagt selbst:

“ Wir schauen in die Natur zur Inspiration, zur Zerstreuung und Erbauung

– jetzt treibt unser Lebensstil sie in den Kollaps und in die Ausrottung. In

50 Jahren werden die einzig verbliebenen Tiger und Polarbären im Zoo zu

sehen sein. Wir wissen, dass alles bald weg sein wird, und wir wissen, dass

wir schuldig sind.“ Und Henry fragt: “Können wir es ändern?“

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4 Jaime Gajardo

Jaime Gajardo ist ein junger Künstler, geboren in Chile, wo er auch Kunst

studierte, bevor er seine Studien in Augsburg und München fortsetzte. Die

beiden großen Malereien im Raum tragen die Titel „Chile“ und „Patagonien“.

Jaime war im vergangenen Jahr in der Bonner Bundeskunsthalle mit einer

großen Malerei vertreten. Wir haben uns detektivisch und beharrlich bemüht,

ihn zu kontaktieren, um Ihnen Jaime Gajardo hier zeigen zu können mit seinen

berauschenden Farben.

Seine Bilder stehen dem großen Herbert Brandl aus Österreich in nichts nach.

Jaime sagt:

“Meine Bilder sind illusionistisch und stellen die Natur dar.....In ihrem

Wesen ist die Natur göttlich und auch unendlich.“ (Zitatende)

Und so, wie er in seiner Heimat die Weiten und die Freiheit der Landschaft

empfindet, kann er sie monumental ins Bild setzen.

5 Robert Huber

Robert Huber ist der einzige hier ausstellende Künstler, der hier in Bonn lebt

und arbeitet. Er war auf der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Arik

Brauer. Seine Arbeiten sind im geziegelten Kellergewölbe zu finden. Sieben

Werke, vielfach mit gezüchteten Kristallen auf unterschiedlichen Untergründen,

führen Sie in eine spannende Erlebniswelt, in der natürliche Prozesse und

technische Produkte unmittelbar ineinander verwoben sind. Robert Huber sagt

zur Illusion Natur:

„Die menschlichen Einflüsse auf die Natur und die Folgen sind

unüberschaubar- die Einflüsse der Natur auf den Menschen aber auch!“

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6 Ralf Hübers

Ralf Hübers lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte in Offenbach und Hamburg.

In der Galerie ist er hier im Raum mit drei kleinen und oben mit zwei größeren

vegetabilen Strukturbildern sowie mit Landschaftsausschnitten in

scherenschnitthafter Abstraktion - vertreten. Es sind leise, kontemplative Bilder

mit den poetischen Titeln wie „Lux“, „The pear tree“, „Wish“ in der Technik

Acryl, Wachs, Öl auf Leinwand. Zu seinen Bildern sagt er selbst:

„Festgehaltene Momente in den einfachsten Formen, fast reduziert bis zur

Abstraktion. Sie führen uns zu einem Ort unserer Erinnerungen, an dem

wir die Rekonstruktion eines Idylls erfahren können, unsere Illusion von

Natur.“

7 Malgosia Jankowska

Malgosia Jankowska hat in Warschau Malerei studiert, sie lebt und arbeitet

ebenfalls heute in Berlin.

Unser Bild trägt den Titel: “Tor im Wald“ und ist in der Technik Aquarell und

Japanischem Filzstift auf Papier entstanden. Zwei Kinder sind durch das

schmuckvolle Eisentor getrennt und ein großer Hirsch mit auskragendem

Geweih liegt unbewegt vorne am Tor: eine malerisch märchenhafte

Landschaftsszene, durch Wasser, Mensch und Tier im Bild. Die Künstlerin gibt

viel Stoff für Träume.

(„Natur ist pur, ist echt, sie ist das Urbild unseres Vertrauens, eines

Vertrauens, das mit der Vertreibung aus dem Paradies durcheinander

geraten ist. Dadurch hat auch die Natur ihre Unschuld verloren. Und daher

spiegelt Natur vornehmlich das wider, was wir in sie projizieren.“)

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8 Jinmo Kang

Jinmo Kang wurde in Südkorea geboren. Er studierte in Seoul und München als

Meisterschüler an der Akademie der Bildenden Künste. Er arbeitet in Stein,

Holz und Glas. Ein auffallendes Gestaltungsprinzip ist das Arbeiten in

Spiegelbildern, im Gegenüber von natürlich und künstlich. Er wendet dieses

Kompositionsprinzip an auf die verschiedenen Seinsgrade: auf Steine, auf

Pflanzen und Bäume, auf Tiere, und auf den Menschen - und auf vom Menschen

geschaffene Gegenstände. Im Katalogtext unterstreicht Jinmo, dass im

Gegenüber von Natur und Illusion auch die Sehnsucht des Menschen spürbar

wird.

Seine Arbeiten befinden sich außer in Deutschland auch in Japan und Süd-

Korea.

(...“ Auch die „Illusion Natur“ spiegelt sich auf der Natur der Illusion; auf

unserer Sehnsucht.“)

9 Götz Sambale

Götz Sambale lebt und arbeitet in Köln, wo er mir mit seinen Werken schon sehr

eindrucksvoll in einer romanischen Kirche, in Groß St.Martin, aufgefallen ist. Er

ist Bildhauer, arbeitet vornehmlich in Holz und ist mit einer sechsteiligen

Formenreihe hier vertreten: „Thyon“ aus Lärchenholz. Ich möchte Sie besonders

aufmerksam machen auf die wundervolle Holzmaserung, die entlang der vom

Künstler gewählten Ornamentblöcke die Natur selbst hineingezeichnet hat.

Sambale meint dazu:

„Die Objekte spüren den verborgenen Formenkräften der Natur nach. Sie

rufen Erinnerungen an unterschiedliche Stadien metamorphoseartiger

Wandlungs- und Entstehungsprozesse wach und sind eine ästhetische

Teilhabe an der Welt naturbedingter Prozesse.“

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10 Regine Schumann

Regine Schumann studierte an der Hochschule für bildende Künste in

Braunschweig, war Meisterschülerin bei Prof. Dörfler und hat sich durch eine

Reihe von begehrten Stipendien und Preisen ausgezeichnet. Judith Andreae hat

sie von Anfang an zu ihren Favoriten in ihrer Kunstvilla gezählt. Im Eingang

hängen zwei Arbeiten aus der Edition „colormirror Essen I+II“, 2010. Regine

Schumann verwendet für ihre Arbeiten fluoreszierendes Acrylglas, bei dem

sie verschiedene Grundfarben innerhalb eines Objektes kombiniert. Eine ganz

intensive Leuchtkraft geht von diesen Objekten aus und natürlich haben wir für

diese Ausstellung das intensive frische Grün des Maimonats assoziiert

11 Alice Stepanek & Steven Maslin

Alice Stepanek und Steven Maslin leben und arbeiten in Köln. Beide haben u.a.

an der St. Martin’s School of Art in London studiert. Seit vielen Jahren malen

sie zusammen und widmen sich ausgewählten Natursujets, in einem gewissen

Spannungsfeld von Schönheit, Leidenschaft und Fülle mit überlegter hyperrealistischer

Naturverfremdung.

Ihr großes Werk „o.T.“ 2011 empfängt Sie, liebe Gäste, mit der beleuchteten

Waldlandschaft, direkt rechts in der Eingangshalle. Über ihre Kunst sagen Alice

Stepanek und Steven Maslin:

„Durch unsere Kultur und Geschichte sehen wir uns der Natur gegenüber

stehend, als von ihr entkoppelt - als aus dem Paradies Vertriebene....... wir

möchten zurückführen zu Erstaunen und Bestaunen - einen respektvollen

Umgang mit dem uns umgebenden Material auslösen......“

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12 Falk Töpfer

Falk Töpfer ist ein Maler aus Dresden. Heute ist er nicht hier, weil er zeitgleich

eine Ausstellung in Barcelona hat. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit

landschaftlichen Räumen, die er kennt durch Alltag und Reisen. Sein Anliegen

ist es, das scheinbar Gewohnte und Bekannte in ein anderes Licht zu rücken um

aufzuzeigen, welch geheimnisvolle, weite und fantastische Welt sich in diesen

Phänomenen verbirgt. Seine farbenprächtigten Landschaften befinden sich im

Treppenhaus.

13 Birgitta Weimer

Birgitta Weimer hat zunächst Ethnologie und Anthropologie in Göttingen

studiert, entschied sich dann noch zu einem Kunststudium in Hamburg bei

Sigmar Polke und Ulrich Rückriem. Heute lebt und arbeitet sie in Königswinter,

nach vielen andern Stationen, u.a. in den USA. In unserer Ausstellung befinden

sich ihre Arbeiten in Rot im andern Raum : nämlich „Morphogenesis“,

„Globules“ und „Medusa“ auf dem Schulhof ist ihre Raseninstallation

„Globules“zu sehen. Zu unserm Thema sagt die Künstlerin:

„Nach der ursprünglichen ersten und der vom Menschen kulturalisierten

zweiten Natur befinden wir uns heute in einer Phase der dritten Natur, in

der das Natürliche und Künstliche immer mehr miteinander

verschmelzen.“

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14 Jeanette Zippel

Jeanette Zippel stammt aus dem Allgäu. Sie hat die Freie Kunstschule in

Stuttgart und die Akademie der Bildenden Künste in München absolviert. Daran

hat sie dann noch eine klassische Musikausbildung im Fach Gesang

angeschlossen. Seit 1987 beschäftigt sie sich mit dem Thema „Bienen“. Wir

haben Arbeiten der „Bienoptik-Farb-ahnung zur Wahrnehmung von Blüten“

aufgehangen, zu finden im obersten Geschoss der Schule. Ähnlich wie in einer

Imkerei fliegen Bienen unbemerkt hier versteckt um die Ecke.

Wir laden Sie herzlich ein, sich selbst nun auf die Reise durch die Welt von

Illusion und Natur zu machen. Ich danke Ihnen.

Bonn, den 10. Mai 2012

Irene Rothweiler

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