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Cruiser im Novemer 2016

30 Jahre Cruiser! Wir legen der aktuellen Ausgabe den Nachdruck der allerersten Ausgabe von 1986 bei. Ausserdem: Das grosse Interview mit Kathy Bates und...was macht eigentlich Rupert Everett?

30 Jahre Cruiser! Wir legen der aktuellen Ausgabe den Nachdruck der allerersten Ausgabe von 1986 bei. Ausserdem: Das grosse Interview mit Kathy Bates und...was macht eigentlich Rupert Everett?

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cruiser<br />

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von 1986!


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3<br />

Editorial<br />

Liebe Leser<br />

Im Dezember 1986 wurde <strong>im</strong> Zürcher Niederdorf in den Gay-Lokalen eine Broschüre verteilt, ihr Name:<br />

CRUISER. Es war die sogenannte Null-Nummer. Kleinformatig mit ein paar wenigen Seiten trat man<br />

gegen die etablierte Konkurrenz «Kontakt» an. Die Macher, mit dabei Markus Christen (Macho Men’s<br />

Shop) und Thomy Schallenberger, wollten einerseits für Szenelokale und -shops eine weitere Werbeplattform<br />

schaffen und andererseits die Szene mit Infos, Klatsch und Tratsch bedienen. 30 Jahre <strong>Cruiser</strong>! Wir freuen uns und sind<br />

stolz darauf, wie sich der <strong>Cruiser</strong> über die Jahre entwickelt hat. Unser Jubiläum n<strong>im</strong>mt in dieser Ausgabe einen wichtigen Platz<br />

ein – daher haben wir auch gleich die allererste Ausgabe als Nachdruck beigelegt. Best<strong>im</strong>mt erinnert sich der eine oder andere<br />

noch an die (suhuhupertollen) 1980er Jahre … Schon alleine die Inserate <strong>im</strong> <strong>Cruiser</strong> von damals sind wohl mittlerweile ein Stück<br />

Zeitgeschichte. Wir wünschen dir viel Spass damit.<br />

Herzlich; Haymo Empl<br />

Chefredaktor<br />

inhalt<br />

5 30 Jahre <strong>Cruiser</strong> Das Jubiläum<br />

12 Kolumne Bötschi klatscht<br />

13 Portrait Markus Christen<br />

14 Kultur Theater-Tipp<br />

18 Kolumne Mirko!<br />

19 News Update<br />

20 <strong>Cruiser</strong> Zu Besuch Bodyesthetic<br />

22 Reportage Zu Besuch bei Sahak<br />

23 Kultur Buchtipp<br />

24 Interview Kathy Bates<br />

27 Reportage Zu Besuch bei<br />

Leonhards-apotheke<br />

28 FINGERFERTIG CRUISER KOCHT!<br />

30 Kolumne MICHI RÜEGG<br />

31 Serie Ikonen von Damals<br />

34 Ratgeber Dr. Gay<br />

36 Kolumne Peter Thommen<br />

37 news Update<br />

38 Wettbewerb<br />

<strong>im</strong>pressum<br />

CRUISER MAGAZIN PRINT<br />

ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269 (1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)<br />

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media<br />

Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch<br />

Chefredaktor Haymo Empl | Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl<br />

Bildredaktion Haymo Empl, Nicole Senn<br />

Bilder Bilddatenbank. Alle Bilder, soweit nicht anders vermerkt, mit Genehmigung der Urheber.<br />

Art Direktion Nicole Senn | www.nicolesenn.ch<br />

Redaktion Print Vinicio Albani, Anne Andresen, Thomas Borgmann, Bruno Bötschi,<br />

Andreas Faessler, Mirko, Moel Maphy, Michi Rüegg, Alain Sorel, Peter Thommen,<br />

Nihat Yasartürk.<br />

Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl<br />

Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch<br />

Christina Kipshoven | Telefon +41 (0) 31 534 18 30<br />

WEMF beglaubigte Auflage 11 539 Exemplare<br />

Druck Druckerei Konstanz GmbH<br />

Wasserloses Druckverfahren<br />

REDAKTION UND VERLAGSADRESSE<br />

empl.media, Haymo Empl<br />

Winterthurerstrasse 76, 8006 Zürich<br />

redaktion@cruisermagazin.ch<br />

Telefon 044 586 00 44 (vormittags)<br />

CRUISER MAGAZIN ONLINE<br />

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media<br />

Haftungsausschluss, Gerichtsstand und weiterführende<br />

Angaben auf www.cruisermagazin.ch<br />

Der nächste <strong>Cruiser</strong> erscheint am 2. Dezember<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


4<br />

30 Jahre Macho Shop und 30 Jahre <strong>Cruiser</strong>:<br />

Zusammen sind wir<br />

CRUISER Oktober <strong>2016</strong>


30<br />

Jahre<br />

<strong>Cruiser</strong><br />

5<br />

30 Jahre<br />

JUBILÄUM<br />

Der <strong>Cruiser</strong> hat eine bewegte Geschichte hinter<br />

sich. Vor 30 Jahren wurden die ersten Exemplare<br />

<strong>im</strong> Niederdorf verteilt.<br />

Von Haymo Empl, mit Material von Martin Ender und Dani Diriwächter<br />

E<br />

in Brief aus dem Jahre 1987 – auf «Die Nullnummer des <strong>Cruiser</strong>, erschienen<br />

<strong>im</strong> November 86, war ein Erfolg – <strong>im</strong><br />

Schreibmaschine getippt – belegt den<br />

offiziellen Start des <strong>Cruiser</strong>: «Am 11. Handumdrehen hat Mann sich ein Exemplar<br />

Januar 1987 haben wir – das sind Markus gegriffen. Daraus schliessen wir, dass wir<br />

Christen, Thomy Schallenberger, Tony Vogt eine ‹Marktlücke› gefunden haben, mit einem<br />

Szene-Blatt aus Informationen, ein we-<br />

und Roger Staub – den Verein <strong>Cruiser</strong> gegründet.<br />

Wir wollen mit dem <strong>Cruiser</strong> eine nig Klatsch und Inseraten, die weiterhelfen,<br />

regelmässige Publikation für Zürich und wohin und oder wozu auch <strong>im</strong>mer. Wir machen<br />

also weiter. Und weil wir meinen, es<br />

Umgebung schaffen.»<br />

Zuvor, <strong>im</strong> November und Dezember müsste den <strong>Cruiser</strong> auch in einer etwas ferneren<br />

Zukunft noch geben, haben wir einen<br />

1986, wurde der Markt mit einer so genannten<br />

Nullnummer getestet. (Wir haben diese Verein gegründet. Die Aktivmitglieder machen<br />

das Heft, und die Gönnermitglieder hel-<br />

als Nachdruck beigelegt.)<br />

Im Frühjahr kam dann also die Ausgabe<br />

1/87 heraus. Roger Staub gab <strong>im</strong> Editorial ermöglicht werden. – Eintagsfliegen hat’s ja<br />

fen. So soll dem <strong>Cruiser</strong> ein besseres Dasein<br />

bekannt:<br />

schon genug gegeben.»<br />

Die erste «reguläre» Ausgabe, die sich<br />

<strong>im</strong> Layout nicht von der «Nullnummer»<br />

unterschied, erschien <strong>im</strong> Februar 1987. Das<br />

war die eigentliche Geburtsstunde des<br />

<strong>Cruiser</strong>. Er leistete sich von Anfang an eine<br />

Redaktion und bewies, dass ein Szeneblatt<br />

mehr sein kann als nur Kontaktanzeiger.<br />

Das war nicht <strong>im</strong>mer einfach. Die Finanzierung<br />

hing von einer Handvoll Inserenten<br />

ab; in den Anfängen wurde in der Redaktion<br />

viel Freiwilligenarbeit geleistet – das ist<br />

auch heute noch so. Der <strong>Cruiser</strong> erschien<br />

vorerst unregelmässig alle paar Monate,<br />

scheinbar je nachdem, ob sich zahlende Inserenten<br />

fanden und die neben- und ehrenamtlichen<br />

Redaktoren Zeit fanden. ➔<br />

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CRUISER november <strong>2016</strong>


30<br />

Jahre<br />

<strong>Cruiser</strong><br />

7<br />

Der <strong>Cruiser</strong> hat sich aber schnell etabliert.<br />

Er steigerte seine Auflage, wuchs über<br />

den Raum Zürich hinaus, erschien in monatlicher<br />

Frequenz und war damit bald der<br />

Konkurrenz voraus. Er kam dank fundierter<br />

und oft auch angriffiger, aufdeckender Berichte<br />

über die Szene oder Szenebetriebe bei<br />

den Lesern gut an. Das polarisierte aber und<br />

kostete ab und zu auch die Gunst der Inserenten.<br />

Die 30 Jahre <strong>Cruiser</strong> sind eine<br />

bewegte Geschichte: Die Formate und die<br />

Schriftzüge wechselten – wie man auf der<br />

Titelseite sehen kann – und auch die Personen,<br />

die daran gearbeitet haben. So ist dem<br />

Protokoll der ersten Generalversammlung<br />

des Vereins <strong>Cruiser</strong> zu entnehmen, dass<br />

Tony Vogt bereits nach einem Jahr seinen<br />

Austritt gab.<br />

Der <strong>Cruiser</strong> wurde über Jahre unter<br />

dem Dach eines nicht gewinnorientierten<br />

Vereins geführt – was für den Kassier nicht<br />

<strong>im</strong>mer einfach war. So findet sich denn <strong>im</strong> ➔<br />

In seiner 30 Jährigen Geschichte hatte der <strong>Cruiser</strong> zahlreiche Formate; besonders verwirrend<br />

waren die «Zwischenausgaben» mit dem Namen «Contaction».<br />

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Ab 3. November <strong>im</strong> Kino


8<br />

30<br />

Jahre<br />

<strong>Cruiser</strong><br />

Die ersten <strong>Cruiser</strong> kamen <strong>im</strong> Format A5<br />

daher und richteten sich ausschliesslich an<br />

die Stadtzürcher Gay-Szene. Entsprechend<br />

auch die Cover-Gestaltung<br />

Mahnwesen auch eine Formulierung wie:<br />

«Da wir am <strong>Cruiser</strong> nichts verdienen wollen,<br />

haben wir auch kein Geldpolster. Wir sind<br />

«Da wir am <strong>Cruiser</strong> nichts<br />

verdienen wollen, haben wir<br />

auch kein Geldpolster.»<br />

auf die speditive Zahlung unserer Inserenten<br />

angewiesen. Darf ich Sie bitten, Ihre Zahlung<br />

baldmöglichst zu begleichen.» Die Vereinsform<br />

verlangte natürlich von allen aktiv<br />

Mitarbeitenden viel Einsatz und Freiwilli-<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

genarbeit. Nach Jahren erst wurde der Verein<br />

aufgelöst und der <strong>Cruiser</strong> stufenweise in<br />

andere Geschäftsformen und Besitzverhältnisse<br />

überführt.<br />

Der <strong>Cruiser</strong> erfuhr vor allem in der<br />

zweiten Hälfte der 90er-Jahre Berg- und<br />

Talfahrten. Wechsel an der Redaktionsspitze<br />

und in der Administration brachten<br />

eine gewisse Unruhe mit sich. Auch der<br />

erneute Formatwechsel sorgte für Verwirrung.Richtig<br />

professionell wurde der <strong>Cruiser</strong><br />

dann mit der Übernahme von Martin<br />

Ender, der den <strong>Cruiser</strong> bis kurz vor seinem<br />

Tod in diesem Jahr massgeblich prägte.<br />

Zusammen mit Dani Diriwächter brachte<br />

er den <strong>Cruiser</strong> bis ganz an die Spitze. Mehr<br />

davon später.<br />

Roger Staub in sehr jungen Jahren. C)<br />

Schwulengeschichte.ch


30<br />

Jahre<br />

<strong>Cruiser</strong><br />

9<br />

Ein besonders hübsches Exemplar der damaligen Zeit<br />

als «<strong>Cruiser</strong> Boy des Monats».<br />

Die Leser wurden mit Nachdruck aufgefordert aktiv zu werden.<br />

2000 Exemplare und viel Herzblut<br />

Der <strong>Cruiser</strong> startete mit einer Auflage von<br />

2000 Exemplaren <strong>im</strong> A5-Format (siehe unseren<br />

beigelegten Nachdruck). Der Druck war<br />

auf den Innenseiten schwarz-weiss gehalten<br />

und das Heft hatte einen einfarbigen Umschlag.<br />

Diese Bescheidenheit erlaubte auch<br />

moderate Anzeigenpreise, wie eine Rechnung<br />

vom Februar 1987 belegt: «Sehr geehrte Frau<br />

Z<strong>im</strong>mermann, bereits sind schon fast alle<br />

2000 <strong>Cruiser</strong>-Exemplare mit einem Inserat<br />

vom Barfüsser verteilt. Bis jetzt ist das Echo<br />

sehr gut. Darf ich Sie bitten, mir die Inseratkosten<br />

mit beiliegendem Einzahlungsschein<br />

zu überweisen. Inserat ¼ Seite CHF 90.–.»<br />

Der Erfolg des <strong>Cruiser</strong> rief natürlich<br />

auch schnell Neider auf den Plan: <strong>Cruiser</strong> sei<br />

zu kommerziell, hiess es bereits ab der dritten<br />

Ausgabe. Roger Staub dazu <strong>im</strong> Editorial<br />

von 1987: «Wir wollen uns nicht bereichern,<br />

der <strong>Cruiser</strong> ist ein unkommerzielles Blatt,<br />

allfällige Gewinne werden wir für die Verbesserung<br />

der Gestaltung und des Umfangs<br />

reinvestieren. Wir wollen vielmehr einen<br />

Beitrag leisten, dass unsere Szene ein eigenes<br />

Forum erhält (…).»<br />

«Wir wollen uns nicht<br />

bereichern, der <strong>Cruiser</strong> ist<br />

ein unkommerzielles Blatt.»<br />

Roger Staub war (und ist) eine zentrale<br />

Figur in der Szene: 1985 war er Initiant<br />

und Mitbegründer der Aidshilfe<br />

Schweiz und erkannte schnell, dass der<br />

<strong>Cruiser</strong> das ideale Publikationsorgan in<br />

Sachen Prävention rund um HIV und ➔<br />

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von Fenton Bailey &<br />

Dokumentarfilm» BBC<br />

Randy Barbato<br />

«Die Filmemacher leisten<br />

Bemerkenswertes»<br />

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<strong>im</strong> Kino!<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


10<br />

30<br />

Jahre<br />

<strong>Cruiser</strong><br />

Die Kolumnen von Thomy Schallenberger<br />

sind mittlerweile legendär …<br />

AIDS sein konnte. Im Gespräch mit dem<br />

<strong>Cruiser</strong> erinnert sich Roger Staub: «Ich<br />

selbst war nicht wirklich auf der damaligen<br />

<strong>Cruiser</strong>-Redaktion anwesend. Vielmehr<br />

trug ich relevante Informationen<br />

zusammen und schrieb meine Artikel –<br />

«Dann mussten die armen<br />

Jungs von der Redaktion<br />

quasi zum Fotoshooting<br />

genötigt werden.»<br />

damals noch auf Schreibmaschine. Die<br />

Artikel habe ich dann abgeliefert und diese<br />

wurden entsprechend abgedruckt. Es<br />

war ja noch die Zeit vor Internet und daher<br />

war die Szene um sämtliche News rund<br />

um die Krankheit dankbar – die meisten<br />

Infos kamen direkt von Konferenzen und<br />

Kongressen aus den USA und wir sorgten<br />

dafür, dass die neuen Erkenntnisse zeitnah<br />

auch bei uns publiziert wurden. Dafür<br />

war der <strong>Cruiser</strong> natürlich ideal.»<br />

…genauso wie die damaligen Kampagnen für «The Hot Rubber» Kondome.<br />

Eine spannende Zeitreise<br />

Der <strong>Cruiser</strong> war von Anfang an eine Gratis-<br />

Publikation für die Leser und musste somit<br />

einzig über Inserat-Einnahmen finanziert<br />

werden. Auf der Inserenten-Liste von damals<br />

stehen Namen, die man heute noch<br />

kennt, aber auch Betriebe, die verschwunden<br />

sind. Es waren vorwiegend Bars, Clubs und<br />

Shops aus Zürich: Restaurant Barfüsser,<br />

Babalu, Bagpiper, Grotto-Bar, Trübli, Club<br />

Hey, Les mains bleues, Macho men’s shop,<br />

Relaxclub, Moustache, Pussy cat, Predigerhof,<br />

Tip Top, Sauna Alexander, Spot25,<br />

T&M, Wy Not.<br />

Effektiv eine Zeitreise macht man mit<br />

dem <strong>Cruiser</strong>, wenn man die verschiedenen<br />

Rubriken etwas genauer anschaut: Sehr beliebt<br />

(und nie wirklich erfolgreich) war über<br />

die Dekaden <strong>im</strong>mer wieder der «<strong>Cruiser</strong>-<br />

Boy des Monats». Entweder haben sich<br />

Stricher beworben oder es hat sich gar niemand<br />

beworben.<br />

Dann mussten die armen Jungs von der<br />

Redaktion quasi zum Fotoshooting genötigt<br />

werden. Siehe der mässig fröhlich dreinschauende<br />

«<strong>Cruiser</strong>-Boy» auf dem Bild von<br />

1991. Kocherei war auch <strong>im</strong>mer beliebt –<br />

meistens blieb es bei einem Versuch, eine<br />

Kochseite auf die Beine zu stellen: Es wurden<br />

wohl Rezepte eingesandt, aber irgendwie<br />

hatte niemand von der Redaktion dann Zeit &<br />

Musse, die Kochtipps auch umzusetzen. Wir<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


30<br />

Jahre<br />

<strong>Cruiser</strong><br />

11<br />

hoffen, dass wir diesbezüglich mit unserer<br />

neuen Kochseite erfolgreicher sein werden.<br />

Was aber über alle Ausgaben auffällt: Die<br />

<strong>Cruiser</strong>-Macher haben in jeder Ausgabe –<br />

wirklich in jeder – alles gegeben und sich<br />

enorm bemüht. Auch um aktive Inputs der<br />

Leserschaft. Teilweise mit Nachdruck:<br />

Angriffig und unerschrocken<br />

Der <strong>Cruiser</strong> machte <strong>im</strong>mer wieder<br />

von sich reden. So brachte er einst all jene<br />

Nationalräte auf die Titelseite, die damals<br />

gegen das Partnerschaftsgesetz kämpften.<br />

Als Szeneblatt schützte er aber auch die<br />

eigene Szene nicht vorbehaltlos. So pragerte<br />

er Partyveranstalter an, die Bareback-<br />

Parties durchführen wollten. Auch<br />

Thomys (Thomas Schallenberger) teilweise<br />

sehr bissigen Kolumnen gefielen nicht<br />

<strong>im</strong>mer allen. Lange noch <strong>im</strong> Gespräch war<br />

auch der «<strong>Cruiser</strong>-Sauna-Test», der durch<br />

seine Einstufung von gut bis schlecht Inserenten,<br />

die <strong>im</strong> unteren Bereich der Bewertungsskala<br />

lagen, vergraulte.<br />

HIV und Aids waren <strong>im</strong>mer wieder<br />

Thema, auch wenn diese Thematik nicht gerade<br />

positiv konnotiert ist. Unvergesslich,<br />

wie der <strong>Cruiser</strong> vor gut fünf Jahren die Honorarforderung<br />

von Doris Fiala als Präsidentin<br />

der Aids-Hilfe Schweiz angeprangert<br />

hat und damit eine mediale Lawine auslöste.<br />

Fiala kassierte für ein Pensum von 20 Prozent<br />

50 000 Franken pro Jahr und gefährdete<br />

mit dieser überrissenen Lohnforderung das<br />

ZEWO Gütesiegel für Spendenorganisationen.<br />

Fiala reduzierte aufgrund des Druckes<br />

dann ihre Forderungen um 20 000 Franken<br />

und <strong>Cruiser</strong> kassierte eine Beschwerde be<strong>im</strong><br />

Presserat, die abgewiesen wurde. Die Wucht<br />

der sozialen Medien spürte dann <strong>Cruiser</strong>, als<br />

<strong>im</strong> letzten Jahr ein ganzseitiges Inserat des<br />

SVP-Politikers Hans-Ueli Vogt abgedruckt<br />

wurde: Der <strong>Cruiser</strong>-Webserver war für kurze<br />

Zeit sogar lahmgelegt; viele (vor allem<br />

Heteros!) fanden, es würde gar nicht gehen,<br />

wenn eine «linke» Zeitung ein solches Inserat<br />

drucken würde – zumal dann auch noch<br />

auf der äusseren Umschlagseite. <strong>Cruiser</strong> sah<br />

die Sache etwas differenzierter: Wenn schon<br />

SVP, dann bitteschön schwul.<br />

Die Gründer-Kombi vor 30 Jahren war<br />

ein Glücksfall: Staub von der Prävention,<br />

Christen mit seinen Läden direkt in der Szene<br />

verankert, Schallenberger (mehr oder weniger<br />

ruhig) <strong>im</strong> Hintergrund … Allen war<br />

die Leidenschaft gegeben, etwas zu bewegen,<br />

etwas zu verändern und natürlich auch der<br />

Szene eine St<strong>im</strong>me zu geben. Dieser Spirit<br />

wurde dann von Ender/Diriwächter aufgenommen<br />

und mehr als 15 Jahre mit Herzblut,<br />

Mut und journalistischem Können weitergeführt<br />

– der Ender/Diriwächter Geist<br />

wabert gottseidank noch <strong>im</strong>mer in der Redaktion<br />

umher und daher (aber nicht nur!)<br />

sind wir überzeugt, dass wir dieses Erbe <strong>im</strong><br />

besten Sinne weiterführen werden.<br />

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CRUISER november <strong>2016</strong>


12<br />

KOLUMNE<br />

Bötschi klatscht<br />

Toilettengeschichten<br />

Kürzlich war ich in Spanien in einem WC<br />

eingeschlossen. Und weil in Zürich fast<br />

gleichzeitig eine noch viel spannendere<br />

Toilettengeschichte passierte, dreht sich<br />

heute alles um das stille Örtchen.<br />

VON BRUNO BÖTSCHI<br />

«<br />

Scheisse», dachte ich, aber da war es<br />

schon zu spät: Die Türe liess sich nicht<br />

öffnen. Der Drehknopf machte zwar<br />

hübsch seine Runde, aber das Schloss ging<br />

nicht auf. Ich stand in der Toilette und rüttelte<br />

an der Türe und rüttelte und rüttelte,<br />

aber diese Türe, diese verdammte Türe …<br />

diese Scheisstüre, diese … gopferdorri nochmals<br />

… tat KEINEN Wank. KEINEN!<br />

Eigentlich wäre mein klaustrophobischer<br />

Anfall auf der Toilette – es fing mit einem<br />

sanften Krüsele in den Füssen an - in<br />

einem Restaurant in Denia, Spanien, keiner<br />

Erwähnung wert, wenn ich nicht einen Tag<br />

später eine andere, durchaus bemerkenswerte<br />

WC-Geschichte gelesen hätte.<br />

Ja, ich bin nämlich irgendwann wieder<br />

aus der Restaurant-Toilette rausgekommen.<br />

Dazu später. Zuerst die andere, die WC-Geschichte<br />

vom Restaurant Coming soon. Das<br />

vietnamesische Lokal <strong>im</strong> Zürcher Langstrassen-Quartier<br />

setzte ein Zeichen für Offenheit<br />

und Rücksichtsnahme und hat seine geschlechterspezifischen<br />

Toiletten aufgehoben.<br />

Momoll, Mädchen, Buben und viele<br />

andere können <strong>im</strong> «Coming soon» selber<br />

entscheiden, in welchem WC sie ihr Geschäft<br />

erledigen wollen. Vielleicht können<br />

wir Männer jetzt endlich herausfinden,<br />

warum Frauen meistens zu zweit auf die<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

Toilette gehen. Stopp, das wäre ein anderes<br />

Thema.<br />

In der Schweiz finden sich praktisch<br />

nur öffentliche Toiletten, welche geschlechtergetrennt<br />

und entweder nur für Männer<br />

oder nur für Frauen sind. Grund: Das Gesetz<br />

«Es stehen <strong>im</strong>mer wieder<br />

Gäste vor den Türen.»<br />

schreibt es so vor. Im «Coming soon» ist das<br />

jetzt also anders: Eigens kreierte Schilder an<br />

den Klo-Türen erklären die Neuerung.<br />

«Es stehen <strong>im</strong>mer wieder Gäste vor den<br />

Türen», sagt Gastgeber Rico Fanchini, «weil<br />

sie nicht wissen, wo sie rein sollen.» Diese<br />

Ratlosigkeit ist gewollt. Die «Coming soon»-<br />

Verantwortlichen möchten eine Diskussion<br />

anregen.<br />

Denn für Personen, welche sich nicht<br />

ins binäre Geschlechtermodell einordnen<br />

können oder wollen, sind geschlechtergetrennte<br />

WCs mitunter problematisch. St<strong>im</strong>mt<br />

etwa das äusserliche nicht mit dem empfundenen<br />

Geschlecht überein, fühlen sich diese<br />

Menschen ausgeschlossen und diskr<strong>im</strong>iniert.<br />

Während das «Coming soon» für die<br />

Schweiz eine Vorreiterrolle einn<strong>im</strong>mt, gehört<br />

dies in anderen Ländern – etwa in den<br />

USA – bereits zum Alltag. In über 150<br />

US-amerikanischen Colleges existieren seit<br />

Jahren genderneutrale Toiletten. Und vergangenen<br />

Juni entschied der New Yorker<br />

Stadtrat, dass es ab Januar 2017 nur noch<br />

Unisex-Toiletten in der Stadt geben darf.<br />

Bin ja mal gespannt, wie der Zürcher<br />

Stadtrat auf den Vorstoss der «Coming soon»-<br />

Macher reagieren wird: Mit einer saftigen<br />

Geldbusse oder tun die Politiker Busse und<br />

ändern demnächst das WC-Gesetz? Bisher<br />

habe sich noch niemand gemeldet, so Fanchini.<br />

Ich bleibe dran.<br />

Drin bin ich ja zum Glück nicht mehr,<br />

<strong>im</strong> WC von diesem Restaurant in Spanien.<br />

Glücklicherweise bemerkte ein anderer<br />

Gast, dass ich nicht mehr rauskam und holte<br />

Hilfe. Eine Kellnerin und ein Koch wurden<br />

zu meinen Rettern. Die beiden bauten das<br />

kaputte Schloss aus, so dass ich nach zehn<br />

ewig langen Minuten wieder Tageslicht sah.<br />

Wahrscheinlich werde ich den beiden<br />

ewig dankbar sein. Hätte meine WC-Haft<br />

nur noch drei Sekunde länger gedauert, ich<br />

hätte die Toilette kurz und klein geschlagen.<br />

Ohne Scheiss.<br />

www.brunoboetschi.ch


Portrait<br />

Markus Christen<br />

13<br />

Portrait<br />

Markus Christen<br />

Vor 30 Jahren erschien der erste <strong>Cruiser</strong>, wenige Monate zuvor<br />

eröffnete Markus Christen seinen ersten Shop. Warum <strong>Cruiser</strong> und<br />

Markus untrennbar miteinander verbunden waren und sind.<br />

Von Haymo Empl<br />

I<br />

n seinem angestammten Beruf als Kunststofftechnologe<br />

hat Markus Christen nie<br />

wirklich gearbeitet. Vielmehr hat ihn<br />

schon <strong>im</strong>mer das Besondere, die spezielle Herausforderung<br />

interessiert. Nicht, dass das <strong>im</strong><br />

Bereich der Kunststofftechnologie nicht möglich<br />

gewesen wäre, aber das Schicksal hatte<br />

andere Pläne. Markus war Mitbegründer und<br />

treibende Kraft des «<strong>Cruiser</strong>». Markus, der<br />

eben zusammen mit Thommy Schallenberger<br />

seinen ersten Gay-Shop «Macho» eröffnet<br />

hatte, war auf der Suche nach einem Medium,<br />

welches die Gay-Szene direkt ansprach (und<br />

er notabene darin inserieren konnte). Zur<br />

damaligen Zeit existierte das «Kontakt»,<br />

welches pr<strong>im</strong>är – wie der Name sagt – von<br />

Kontaktanzeigen lebte, ohne grossen redaktionellen<br />

Teil. «Die Zeit war damals einfach<br />

genau richtig für den ‹<strong>Cruiser</strong>›», erinnert sich<br />

Markus. Wir treffen ihn <strong>im</strong> Spätherbst auf<br />

seiner grossen Dachterrasse mitten <strong>im</strong> Zürcher<br />

Niederdorf. Er wirkt entspannt und irgendwie<br />

alterslos. «Es war generell eine spannende<br />

Zeit, eine Zeit des Auf- und Umbruchs»,<br />

so Markus weiter. «Bevor ich mit dem<br />

«Macho-Men’s Shop» selbständig machte,<br />

hatte ich mit einer Kollegin ein Partnervermittlungsinstitut»,<br />

so Markus weiter. Das ‹Institut›<br />

hat gut funktioniert, dummerweise<br />

schlawinerte sich seine Partnerin mit dem<br />

Geld über alle Berge, Markus stand wieder<br />

am Anfang.<br />

«<strong>Cruiser</strong>» entstand aus einer Notlage<br />

«Die Idee zu einem Shop geisterte schon<br />

länger herum … Und mit Thomy Schallenberger<br />

– als gelernter Herrenmodeverkäufer<br />

– hatte ich jemanden an meiner Seite,<br />

der sich mit der Materie bestens auskannte.<br />

Das war auch von Anfang an eine unserer<br />

Stärken: Die Beratung <strong>im</strong> Laden.» In der<br />

Vor-Internet-Zeit musste das Sort<strong>im</strong>ent des<br />

«Macho Men’s Shop» einem interessierten<br />

Publikum nähergebracht werden, Inserate<br />

<strong>im</strong> «Kontakt» (heute ist das das «Display»)<br />

des Scherrer-Verlags waren nicht möglich,<br />

Christen und der Inhaber des «Kontakt»<br />

gerieten aneinander, was in einem Inserate-Boykott<br />

seitens des Scherrer-Verlags gipfelte.<br />

Also gründete Markus zusammen mit<br />

Roger Staub und Tony Vogt den «<strong>Cruiser</strong>».<br />

«Die Namensfindung dauerte lange. Sehr<br />

lange», erinnert sich Markus. «‹<strong>Cruiser</strong>›<br />

entstand schliesslich, weil wir einerseits das<br />

englische ‹to Cruise› <strong>im</strong> Sinne des Gay-<br />

Slangs ‹cruising› passend fanden – <strong>im</strong>merhin<br />

listeten wir in jeder Ausgabe sämtliche<br />

Bars und Clubs auf – andererseits aber<br />

auch, weil bei einem Schiff der Suchscheinwerfer,<br />

der gezielt etwas anstrahlt ebenso<br />

heisst. Also ‹cruiser›»<br />

Der Macho Shop ist eine Erfolgsgeschichte<br />

Das Trio Christen/Staub/Vogt gründete also<br />

1987 – nach erfolgreicher Verteilung der ersten<br />

<strong>Cruiser</strong>-Nullnummer <strong>im</strong> November/Dezember<br />

1986 – den Verein «<strong>Cruiser</strong>». Markus<br />

war in der Szene verankert, hatte durch sein<br />

Laden den direkten Draht zu dieser, Roger<br />

Staub engagierte sich in der HIV-Prävention<br />

und Vogt sorgte für Ruhe und Ordnung in<br />

den damaligen hektischen Gründerzeiten.<br />

Bald stiess dann auch Thomy Schallenberger<br />

redaktionell dazu. Was auffällt: «<strong>Cruiser</strong>» polarisierte<br />

damals wesentlich mehr, als das<br />

heute die Gay-Magazine tun. «Es gab schon<br />

Ausgaben, welche für rote Köpfe sorgten», erinnert<br />

sich Markus. Vor allem die Kolumnen<br />

waren manchmal zu viel für gewisse Betriebe.<br />

«Es kam vor, dass wir den ‹<strong>Cruiser</strong>› manchmal<br />

mehrere Monate lang nicht mehr auflegen<br />

durften, weil irgendwer über irgendwen<br />

darin gelästert hat.» Damals sei die Gay-<br />

Szene wesentlich homogener als heute gewesen,<br />

zudem habe so etwas wie «die Szene»<br />

gar nicht existiert, denn diese unterteile sich<br />

in weitere Subgruppen: Es habe die «Lederszene»<br />

gegeben, die «Dragszene» usw. All<br />

diese verschiedenen Splittergruppen versuchte<br />

der «<strong>Cruiser</strong>» anzusprechen und<br />

Markus mit seinem «Macho» ebenfalls. Keine<br />

leichte Aufgabe, zumal Markus als Person<br />

ebenfalls stark polarisierte (und es vielleicht<br />

auch heute noch tut). Damals wie heute<br />

nahm und n<strong>im</strong>mt der gebürtiger Urner (so<br />

zeichnete Markus manchmal auch seine Artikel:<br />

(«ein Urner in Zürich») kein Blatt vor<br />

den Mund und sagt, was er denkt. Bei Markus<br />

weiss man schnell, woran man ist. Genau<br />

das schätzen aber auch heute noch seine<br />

Kunden. Denn – <strong>im</strong> Gegensatz zum onlineshopping-<br />

weiss man bei Markus in seinem<br />

Laden, woran man ist und was man kaufen<br />

sollte oder eben besser nicht.<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


14<br />

KULTUR<br />

Theater-Tipp<br />

KULTUR<br />

Liebe den, der dich hasst. Mit Begeisterung gegen Gewalt<br />

fleischlin/meser: «I just wanna fucking dance oder Begeisterung und Protest»<br />

Es sind die kleinen Gesten, die auf der politischen<br />

Bühne grösste Wirkung entfalten<br />

und es sind die kleinen Gesten, die auf der<br />

Theaterbühne zu einer mitreissend orchestrierten<br />

Performance wachsen: Ein Mann<br />

stellt sich <strong>im</strong> Staub einem Panzertrupp in<br />

den Weg, so dass dieser anhalten muss. Ein<br />

Polizist reckt einer aufgebrachten Meute<br />

seinen tanzenden Popo entgegen: Ihr könnt<br />

mich mal. Eine demonstrierende Menge<br />

entfaltet ihre eigene Dynamik <strong>im</strong> Synchronhüpfen:<br />

Wir sind viele, und wir sind<br />

da. Widerstand zelebrieren – und das auf<br />

lustvolle Weise. Für ihre Produktion «I just<br />

wanna fucking dance oder Begeisterung<br />

und Protest» setzten sich die beiden Performerinnen<br />

Beatrice Fleischlin und Anja<br />

Meser mit Dokumaterial von Aktionen des<br />

gewaltfreien Widerstands auseinander und<br />

extrahierten daraus Bewegungsabläufe,<br />

Bilder und Tonmaterial. Alle Genregrenzen<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

über Bord werfend, kombiniert das Duo<br />

fleischlin/meser Tanztheater mit Popkultur,<br />

Performance mit Soundinstallation<br />

und Video.<br />

Wie die Gratwanderung zwischen Gewalt<br />

und einer humorvollen Antwort auf<br />

dieselbe gelingen kann, explorieren die<br />

beiden Performerinnen <strong>im</strong> nonchalanten<br />

Nebeneinander dieser Versatzstücke. Hier<br />

wechselt sich Audiomaterial, bestehend aus<br />

bewegenden Reden gegen die Gewalt, ab<br />

mit einem kitschigen Auftritt <strong>im</strong> Eurovision-Stil<br />

samt Galakleid und Nebelmaschine.<br />

Begeisterung für eine Sache ist ihr Schlüssel<br />

zu erfolgreichem Protest, «I just wanna<br />

fucking dance» das Leitmotto, unter dem<br />

sich Krieg und Schrecken selbst dem Einzelnen<br />

beugen: Wenn dich jemand hasst,<br />

bringe ihm Liebe entgegen. Er wird dich<br />

noch mehr hassen, und er wird das Arschloch<br />

sein. Warum sonst tanzt man <strong>im</strong> Chat-<br />

roulette mit bunten Kampfmasken wildfremden<br />

Menschen etwas Albernes vor und<br />

zeigt das Ganze dann auf der Bühne? Weil<br />

es be<strong>im</strong> Machen und Zuschauen gleichermassen<br />

Spass macht. Das Phänomen<br />

Digitalkultur als Katalysator für Massenbewegungen<br />

wird sinnfällig in solchen ansteckenden<br />

Blödeleien:<br />

Spätestens, als die Holzbox auf der<br />

Bühne das Publikum auffordert einzutreten,<br />

zeigt sich, dass ein solches Wagnis gelingen<br />

kann. Alle wollen plötzlich mitmachen.<br />

Aus dem stillen Synchronhüpfen des<br />

Pärchens auf der Bühne wird eine Massenbewegung.<br />

fleischlin/meser: «I just wanna fucking dance<br />

oder Begeisterung und Protest» ist noch am<br />

18./19. November <strong>2016</strong> in der Gessnerallee<br />

Zürich sowie am 14./15. Februar 2017 in der<br />

Kaserne Basel zu sehen.


KULTUR<br />

Theater-Tipp<br />

15<br />

Das Musical «Chicago» kommt nach Zürich<br />

«Chicago» ist eines der erfolgreichsten und heissesten<br />

Broadway-Musicals aller Zeiten und<br />

kommt jetzt erstmals nach Zürich. Das furiose,<br />

sarkastische Meisterwerk spielt in den wilden<br />

20er Jahren in Chicago, der «Gangsterstadt».<br />

Nachtklubsängerin Roxie Hart erschiesst ihren<br />

Geliebten und trifft <strong>im</strong> Gefängnis auf die berühmt-berüchtigte<br />

Doppelmörderin Velma Kelly.<br />

Um dem Tod durch den Strang zu entgehen, engagieren<br />

die beiden Killer-Ladies den Anwalt Billy<br />

Flynn. Eine Nachtklubsängerin, eine Doppelmörderin,<br />

ein eitler Anwalt und ein Gefängnis<br />

voller Sünde. Chicago läuft seit 20 Jahren ohne<br />

Unterbrechung in New York, zählt weltweit über<br />

27 500 Vorstellungen, spielte in über 35 Ländern<br />

in mehr als 470 Städten und wurde in zwölf<br />

Sprachen übersetzt. Chicago ist ein Musical mit<br />

der Musik von John Kander und den Gesangstexten<br />

von Fred Ebb, die beiden haben auch das<br />

Musical «Cabaret» komponiert.<br />

Chicago fasziniert durch sinnliche Ästhetik,<br />

begnadete Choreographien, mitreissende<br />

Songs und natürlich mit dem weltberühmten<br />

Track «All That Jazz …».<br />

CHICAGO THE MUSICAL 8. – 20.11.<strong>2016</strong><br />

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16<br />

KULTUR<br />

Theater-Tipp<br />

Transgender-Groteske am Schauspielhaus Zürich: Frau Schmitz<br />

Als der Firma ein wichtiger Kunde wegen<br />

Lieferschwierigkeiten in Pakistan abzuspringen<br />

droht, kann nur ein echter Kerl<br />

helfen. Es braucht jemanden, der den Pakistani<br />

«bei den Eiern» packt. Kurzerhand<br />

wird der bisherige Projektleiter, von nun an<br />

voller Zweifel ob seiner eigenen Männlichkeit<br />

und was diese ausmacht, ersetzt – durch<br />

Frau Schmitz. Denn Frau Schmitz, ursprünglich<br />

angestellt, weil ein gesundes<br />

«Reizkl<strong>im</strong>a» in der Firma laut Personalchefin<br />

für die Produktivität von Vorteil ist, ist<br />

biologisch ein Mann. Und momentan die<br />

einzig verfügbare Person für diese Dienstreise.<br />

Dass Frau Schmitz seit 18 Jahren als<br />

Frau lebt und <strong>im</strong> Dienste der Firma nun in<br />

Anzug und Krawatte springt, stösst nicht<br />

nur ihrer Familie sauer auf, sondern wirbelt<br />

auch ihr ganzes Arbeitsumfeld gehörig<br />

durcheinander. Als Frau noch den schmierigen<br />

Annäherungsversuchen eines Kollegen<br />

ausgesetzt, wird sie als Mann für ihre<br />

Durchsetzungskraft bewundert und weckt<br />

zudem ungeahntes Begehren in der Personalchefin.<br />

Derweil bemüht sich der aus dem<br />

Amt enthobene Projektleiter Sven als Hobbypsychologe,<br />

der seinen beiden Kollegen<br />

attestiert, «andersherum» zu sein, weil sie<br />

Frau Schmitz lieben, und lässt sich selbst<br />

vom Chirurgen seine infragegestellte Virilität<br />

operieren.<br />

Mann oder Frau?<br />

Allein Frau Schmitz selbst, von Bärfuss nur<br />

mit den notwendigsten Repliken ausgestattet,<br />

scheint nicht viel Aufhebens darum zu<br />

machen, ob oder ob nicht ihr da etwas zwischen<br />

den Beinen hängt, «noch alles intakt<br />

ist», wie es der Chef formuliert. Sowieso tut<br />

sie nicht viel dazu, steht nur da und schaukelt<br />

ihre Aktentasche, dient als Projektionsfläche<br />

und entlarvt dadurch ganz beiläufig<br />

die Abgründe ihrer Mitmenschen. Es sind<br />

die anderen, die Pseudotoleranten, die damit<br />

nicht klarkommen, dass Schmitz die Schubladen<br />

wechselt, wie es ihr passt. Die Toleranz<br />

gegenüber der Transfrau Schmitz, so merkt<br />

man schnell, ist eine Geste des Wohlwollens<br />

ihrer Cis-Kollegen, die sich auf den Schlips<br />

getreten fühlen, wenn jemand sich dafür<br />

nicht dankbar zeigt.<br />

Wie eine Hühnerschar be<strong>im</strong> Therapeuten<br />

sitzen die Schauspieler in Freys Inszenierung<br />

auf der Stange und lassen sich vom Publikum<br />

anglotzen, bis sie, aufgescheucht<br />

durch das Scheinwerferlicht, ihre Szenen<br />

spielen. Die Besetzung der Schmitz ist ohne<br />

Frage ein Knackpunkt, dem Frey durch eine<br />

weibliche Besetzung beizukommen sucht:<br />

Ganz klare Sache, Schmitz ist ja auch eine<br />

Frau, trans hin oder her, und so soll sie auch<br />

das Publikum sehen. Warum in aller Welt<br />

sie aber am Ende durch die Zweitbesetzung<br />

mit einem eindeutig älteren und korpulenteren,<br />

männlichen Kollegen zur Witzfigur entstellt<br />

wird, bleibt in der Luft hängen. Sehen<br />

wir jetzt erst die wirkliche Frau Schmitz?<br />

Plötzliche Lacher <strong>im</strong> Publikum bei ihrem<br />

Auftritt als Mann in Frauenkleidern geben<br />

der Groteske zweifelsohne eine schauerliche<br />

Wendung, entlarven diese doch auch <strong>im</strong><br />

Premierenpublikum eine gewisse Toleranz-Schizophrenie<br />

gegenüber der Hauptfigur.<br />

Vielleicht war das die Absicht. Sicher<br />

diskussionswürdig, unbedingt hingehen,<br />

um sich eine eigene Meinung zu bilden.<br />

FRAU SCHMITZ<br />

von Lukas Bärfuss<br />

Regie Barbara Frey | Bühne Bettina Meyer |<br />

Kostüme Bettina Walter | Video Bert Zander |<br />

Licht Rainer Küng | Dramaturgie Andreas<br />

Karlaganis<br />

Spielplan auf www.schauspielhaus.ch<br />

Bilder: Matthias Horn<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


KULTUR<br />

Theater-Tipp<br />

17<br />

Pink Panorama in Luzern<br />

Zu seiner 15. Ausgabe wird das lesbischschwule<br />

Filmfestival «PinkPanorama» in Luzern<br />

mit einer Ausstellung ergänzt. In der<br />

Kunsthalle zeigen Kunstschaffende vom 10.<br />

bis 20. November zum Thema «vis-à-vis –<br />

dem Gegenüber einen Rahmen geben» Bilder,<br />

Installationen und Filme. Eröffnet wird das<br />

Filmfestival, das vom 10. bis am 16. November<br />

<strong>im</strong> Luzerner stattkino stattfindet, mit der<br />

Schweizer Premiere des Bollywood-Melodrama<br />

«Life is a Moment». <strong>Cruiser</strong> hat in der letzten<br />

Ausgabe bereits ausführlich darüber berichtet,<br />

nun sind weitere Highlights bekannt:<br />

Fünf Filme stammen dieses Jahr aus<br />

den USA: Sie zeigen das queere Leben von der<br />

freundlichen, ja fröhlichen Seite. Und dies<br />

selbst, wenn es um etwas so Schwieriges geht<br />

wie eine Geschlechtsanpassung («Three Generations»).<br />

Lachen kann man auch bei der<br />

Geschichte mit der lesbischen «Grandma», in<br />

der die lesbische Schauspielerin Lily Tomlin<br />

mit weit über 70 Jahren ihre erste lesbische<br />

Rolle spielt. Bei den schwulen US-Filmen<br />

geht’s um Künstler und ihre Musen, die sich<br />

nach Schönheit sehnen, aber auch nach<br />

fleischlichen Lüsten («Beautiful Something»).<br />

Einem echten und grossen US-Künstler<br />

begegnet man <strong>im</strong> hervorragenden Dokfilm<br />

über den Fotografen: «Mapplethorpe».<br />

Frankreich liefert endlich wieder einmal zwei<br />

eindrückliche Schwulenfilme: den erotischen<br />

Spaziergang durchs nächtliche Paris von<br />

«Théo et Hugo», die «Dans le même bateau»<br />

gelandet sind und «Quand on a 17 ans» – die<br />

wechselvolle Beziehung zweier junger Männer<br />

aus unterschiedlichen Milieus.<br />

Wie ein Apérol-Spritz für die Seele ist<br />

die Geschichte aus Italien: «Io e Lei», auf den<br />

ersten Blick ein Traumpaar. Doch die Fassade<br />

zeigt Risse. Wahrscheinlich die erste romantische<br />

Komödie in Italien, in der zwei<br />

Lesben <strong>im</strong> Mittelpunkt stehen. Zum 15. Geburtstag<br />

hat sich das Team rund um «Pink<br />

Panorama» einiges einfallen lassen: Kunstschaffende<br />

aus der Region Luzern, aber auch<br />

national und international bekannte Persönlichkeiten<br />

präsentieren in der Kunsthalle <strong>im</strong><br />

Bourbaki Bilder, Videos und Installationen,<br />

die ihnen zum Jubiläumsthema «vis-à-vis»<br />

eingefallen sind. In einem Podiumsgespräch<br />

unter der Leitung von Sonja Hasler (SRF)<br />

diskutieren eine Autorin/Filmemacherin,<br />

eine Dirigentin und ein bildender Künstler<br />

über ihren Umgang mit dem Gegenüber.<br />

Und selbstverständlich fehlt auch das<br />

Thema Menschenrechte nicht, diesmal mit<br />

einem ausserordentlichen Dokumentarfilm,<br />

der eine lesbische Mutter und einen Menschenrechtsanwalt<br />

in ihrem schwierigen<br />

Kampf gegen die Homophobie in Jamaika<br />

begleitet, gefolgt von einer Diskussionrunde<br />

mit kompetenten Gästen.<br />

Alle weiteren Infos gibt’s auf:<br />

www.pinkpanorama.ch<br />

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CRUISER november <strong>2016</strong>


18<br />

KOLUMNE<br />

Mirko!<br />

Einmal ungestraft an Männern<br />

rumhängen<br />

Hochnebel ist für Mirko kein Wetterphänomen,<br />

sondern ein Spiegel der Zürcher Volksseele.<br />

VON Mirko<br />

J<br />

etzt jammern wieder alle über den<br />

Hochnebel. Alle waren in den Ferien<br />

diesen Sommer und alle erzählen<br />

tolle Geschichten. Aber äbe, jetzt jammern<br />

sie wieder über den Hochnebel. Ich war<br />

auch in den Ferien in Kroatien. Familie<br />

halt. Aber es kommt nicht so drauf an, wo<br />

ihr alle wart. Es tönt doch <strong>im</strong>mer ähnlich.<br />

Die Menschen da sind so toll und fröhlich<br />

und wissen zu leben. Jedes Jahr dasselbe.<br />

Und zuhause kommt wieder das Gejammer<br />

über den Hochnebel.<br />

E chli öppis mitnäh us de Ferie, statt<br />

jammere. Villicht kroatisch lerne für nöchscht<br />

Sommer? Na ja, ob dein Leben hier<br />

deswegen fröhlicher wird? Wahrschinli nöd.<br />

Obwohl, z Züri eme Kroat «Imate lijepo<br />

dupe» nachzurufen, würds Läbe sicher<br />

churzfristig spannender mache. LOL.<br />

Aber villicht ist’s i de Ferie so toll, weil<br />

die Leute dort ihr eigenes Ding tun und nöd<br />

eifach mached, was man muss. Mit dem<br />

Strom schw<strong>im</strong>men ist einfach, aber äbe nöd<br />

luschtig. Gemeinsam jammere über de<br />

Hochnebel isch ou nöd luschtig!<br />

Z Züri gits Partys direkt aus weissichwo:<br />

Tel Aviv, Madrid, Amsterdam. Da<br />

kommt alles aus Ibiza und die DJs hat man<br />

da am Strand de Hammer gfunde, aber <strong>im</strong><br />

Chilesaal vom Kreis 5 ist’s dann doch nicht<br />

so der Burner. Copypaste isch nöd luschtig.<br />

E chli wie Fondue ässe in Griechenland.<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

Wer’s gärn het, kei Problem, aber es lohnt<br />

sich nicht, dafür dahin zu reisen.<br />

A propos geschmolzener Käse am falschen<br />

Ort. Oktoberfest! Pink Monday!<br />

Originell, eine hätt es orange-karierts<br />

Hämd und de anderi isch so fräch und het<br />

es grüens Hämd! Meine Sch*****. Alles<br />

schön gliich wie alli andere. Wenig Dirndl.<br />

Wenig Holz vor der Hütten, aber wenigstens<br />

ab und zu schöne Waden – in<br />

Tchibo-Pseudoläderhösli. Es ist ja gut,<br />

wenn wir wenigstens zwüschedure dazugehören.<br />

Allei s<strong>im</strong>mer gnue. Schwule sowieso.<br />

Pink Monday ist big success. I don’t<br />

complain. Immerhin ist es der einzige<br />

Abend in Zürich, an dem jeder an einem<br />

anderen Mann rumhängen darf, ohne dass<br />

grad e Krise usbricht. Es sind ja nicht nur<br />

die Heteros, die sich schnell agmacht fühled.<br />

Schwule sind nicht besser. Lueg mol e<br />

Sekunde zlang und sie fangen an rumzubitchen.<br />

Eigentlich sind sie spitz wie Sau<br />

und eigentlich finden sie dich affenscharf,<br />

aber zugeben geht gar nicht. Nei. Lieber<br />

dumm amache. Schnell chunnt es abschätzigs<br />

«Wa willsch, du Jugo?», hindefüre oder<br />

weiss ich was. Megaverchrampft alles. Genau<br />

darum ist es in den Ferien so schön<br />

und zrugg in Züri äbe nöd.<br />

Am Pink Monday nach den <strong>im</strong> Eintritt<br />

inbegriffenen Massen Bier in schlecht sitzenden<br />

Fake-Läderhösli uf em Bank, dann<br />

ist der Hochnebel weg und man greift dem<br />

Nebenmann an den Arsch. «Imate lijepo<br />

dupe». Weil man das da halt so macht. Uniformiert<br />

betrinken. Aber wie gseit: ist das<br />

nicht es bitzli wie Fondue am Strand vo Mykonos?<br />

Macht kä Sinn irgendwie. Und was<br />

sagen diese Männer am Massenbesäufnis<br />

auf dem Bauschänzli sonst so zu Folklore,<br />

Trachten und so? Ganz schl<strong>im</strong>m, würdet sie<br />

säge. Aber die billigi Schuelbuebeuniform us<br />

Wildläder, made in Bangladesh, das ist nicht<br />

schl<strong>im</strong>m. Weil man das so macht.<br />

«Es sind ja nicht nur die<br />

Heteros, die sich schnell<br />

agmacht fühled.»<br />

Lueg doch mol, was in eurem Land<br />

abgeht. Was wäre schweizerisch für Oktoberfest<br />

oder Balkan Beats? Olma? Ja,<br />

warum gibt es keinen schwulen Tag an der<br />

Olma? Dicke Würste hat’s, Bier hat’s. Aber<br />

eine Uniform vom Tchibo gibt’s nicht. Da<br />

müsste man sich selber etwas einfallen<br />

lassen. Vielleicht rosa T-Shirts zu den rosa<br />

Säuli? Oder lieber über den Hochnebel<br />

jammern?


News<br />

Update<br />

19<br />

NEWS<br />

Brankos neuer Fashion-Shop <strong>im</strong> Viadukt<br />

Vor Kurzem eröffnete unter den angesagten<br />

Viaduktbögen in Zürich die Herrenboutique<br />

BRANKO B. Hinter dem Modeunternehmen<br />

steht ein bekanntes Gesicht:<br />

Stylist, ehemaliger <strong>Cruiser</strong>-Autor und<br />

PR-Profi Branko B. Gabriel. Auf über<br />

160 qm Fläche gibt es viel zu entdecken: bekannte<br />

Designer – national sowie international<br />

–, aber auch Newcomer und Gast-<br />

Designer, <strong>im</strong> Moment zum Beispiel der<br />

Schweizer Shootingstar Adrian Reber. Der<br />

urbane Standort widerspiegelt das ausgesuchte<br />

Warensort<strong>im</strong>ent; hier findet man(n)<br />

alles rund um schöne Bekleidung, funktio-<br />

nale und hochwertige Accessoires sowie ausgesuchte<br />

Schmuckstücke, wo das Zürcher<br />

Juwelier-Label Lesunja mit seiner Chreis<br />

Cheib-Kollektion überzeugt. «Viele Marken<br />

sind nur bei mir exklusiv erhältlich», so<br />

Branko gegenüber dem <strong>Cruiser</strong>. Damit will<br />

Branko ein individuelles und urbanes Zielpublikum<br />

ansprechen, das auf qualitativ<br />

hochstehende Mode und persönliche Beratung<br />

steht. Das geht so weit, dass man sich<br />

auf einen Lieferservice sowie auf Personalund<br />

Homeshopping freuen kann. An Samstagen<br />

gibt es jeweils Neues aus der Schweizer<br />

DJ-Szene zu hören und der offizielle Store-<br />

Partner «Peroni Bier» sorgt für eine Erfrischung.<br />

Monatlich gibt Branko B. Gabriel<br />

am Modeapéro ausserdem Tipps rund um<br />

ein typgerechtes Styling, Neuheiten und einen<br />

Fashionknigge.<br />

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CRUISER november <strong>2016</strong>


20<br />

<strong>Cruiser</strong> zu Besuch bei …<br />

Bodyesthetic<br />

«Ich probiere erst <strong>im</strong>mer alles<br />

selbst an mir aus»<br />

<strong>Cruiser</strong> ist auch <strong>im</strong> Bereich Beauty <strong>im</strong>mer up to date, vor allem wenn es darum<br />

geht, schnell schön zu werden – und möglichst ohne Blutvergiessen.<br />

Robinson Morett ist Inhaber der Bodyesthetic Zürich und probiert erst alles an sich aus. Hier die Fettwegspritze.<br />

Von Team <strong>Cruiser</strong> in Zusammenarbeit mit Bodyesthetic<br />

B<br />

odyesthetic<br />

<strong>im</strong> Zürcher Seefeld ist<br />

seit Jahren die Adresse für Innovationen<br />

<strong>im</strong> Bereich Schönheit. Der<br />

Männeranteil bei Bodyesthetic ist hoch – es<br />

scheint also ganz so, als ob auch wir uns<br />

dem Diktat der Schönheit beugen dürfen<br />

oder müssen. «Wichtig ist für viele – vor allem<br />

auch für Männer –, dass die so genannte<br />

Ausfallzeit möglichst kurz ist», erklärt Thomas<br />

Fre<strong>im</strong>ann, Geschäftsführer von Bodyesthetic.<br />

Er ist seit Jahren an der Front und<br />

daher in Sachen Beauty-Trends in diesem<br />

Bereich bestens informiert.<br />

Rasanter Aufstieg<br />

Was vor über 15 Jahren relativ bescheiden<br />

mit Laser-Haarentfernung begann, ist heute<br />

eines der grössten Behandlungszentren für<br />

nichtinvasive Methoden. Damit man sich <strong>im</strong><br />

hart umkämpften Markt über eine solch lange<br />

Zeit behaupten kann, braucht es ein<br />

Händchen für Trends und Innovationen.<br />

«Da wir uns selbst für die Materie interessiert<br />

haben, wurden wir schnell erfolgreich»,<br />

bilanziert Thomas Fre<strong>im</strong>ann die vergangenen<br />

Jahre. Aber: Gerade bei den so genannten<br />

Neuheiten ist man bei Bodyesthetic vorsichtig:<br />

«Wir prüfen jeweils lange und<br />

intensiv, ob wir eine neue Behandlungsmethode<br />

auch wirklich anbieten wollen. Dabei<br />

steht nie der finanzielle Aspekt <strong>im</strong> Vordergrund,<br />

sondern die Qualität des Produktes<br />

und der Effekt, somit auch die Zufriedenheit<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


<strong>Cruiser</strong> zu Besuch bei …<br />

Bodyesthetic<br />

21<br />

des Kunden. Oft werden vollmundig irgendwelche<br />

Versprechen der Hersteller verkündet<br />

und die Resultate in der Praxis lassen zu<br />

wünschen übrig», erklärt Inhaber Robinson<br />

Morett. «Bei der Kryolipolyse – also der<br />

Fettwegmethode mittels Kälte – waren wir<br />

beispielsweise lange skeptisch», so Morett<br />

weiter. Er habe das Gerät erst selbst lange getestet.<br />

«In Kombination mit anderen Methoden<br />

ist es aber eine effektive und relativ schonende<br />

Methode, um unliebsame Fettpolster<br />

loszuwerden», ergänzt Thomas Fre<strong>im</strong>ann.<br />

Robinson Morett und Thomas Fre<strong>im</strong>ann<br />

sind quasi unfreiwillig auch die Vorzeigegesichter<br />

für die Möglichkeiten, die sich heute<br />

anbieten. Beide haben aus (beruflichen?)<br />

Gründen selbst einiges ausprobiert, sehen<br />

aber dennoch nicht «gemacht» aus. Lediglich<br />

die Altersschätzung fällt etwas schwer …<br />

Weg mit den Falten!<br />

«Fett weg» ist eines der grossen Themen <strong>im</strong><br />

Schönheitszirkus, entsprechend bietet Bodyesthetic<br />

zahlreiche Methoden in diesem Bereich<br />

an. Passenderweise gibt es seit einiger<br />

Zeit die «Fettwegspritze». Bei der so genannten<br />

Lipolyse wird ein spezieller Wirkstoff<br />

direkt in das Fettpölsterchen gespritzt.<br />

Aqualyx nennt sich das und hat <strong>im</strong> Kanton<br />

Zürich als einzige «Fettwegspritze» eine entsprechende<br />

Zulassung. Bei der Anwendung<br />

lösen sich die Wände der Fettzellen auf, das<br />

Fett tritt aus und verursacht eine entzündliche<br />

Reaktion, die die Haut strafft. Gleichzeitig<br />

wird das Fett durch Lymphe und Leber<br />

abgebaut. Das klingt sensationell … Aber:<br />

Wenn man danach nicht auf die Ernährung<br />

schaut, ist das Fett wieder da, bevor der<br />

Sommer überhaupt kommt. Die Behandlung<br />

dauert keine zehn Minuten, ein Erfolg ist mit<br />

Vorbehalt nach wenigen Tagen – sobald die<br />

Schwellung abgeklungen ist – sichtbar. Nach<br />

wie vor ist die relativ neue Penisverdickung<br />

bei Männern gefragt. Dies geschieht mit<br />

«Die Ergebnisse waren<br />

absolut überzeugend und<br />

daher haben wir auch diese<br />

Methode in unser Angebot<br />

aufgenommen.»<br />

Hyaluronsäure. Durch das Einspritzen von<br />

Hyaluronsäure in Gelform gewinnt der Penis<br />

an Umfang, also nicht in erster Linie an<br />

Länge. Die selbe Substanz kommt auch bei<br />

der Aufspritzung der Lippen zum Einsatz.<br />

Wir haben diese Methode <strong>im</strong> Mai in diesem<br />

Jahr getestet (siehe <strong>Cruiser</strong> Ausgabe vom<br />

Mai <strong>2016</strong>, auch online in unserem Archiv).<br />

Abgesehen vom kosmetischen Soforteffekt<br />

ist – so bestätigte <strong>im</strong> Nachhinein auch unsere<br />

Testperson – ein Lustgewinn spürbar. Solche<br />

Eingriffe – auch wenn sie nahezu<br />

schmerzfrei und unblutig sind – sollten nur<br />

von erfahrenen Fachpersonen durchgeführt<br />

werden. Daher hat Bodyesthetic bereits relativ<br />

früh erkannt, dass viele Methoden unter<br />

ärztlicher Leitung durchgeführt werden<br />

sollten. Das gilt auch für das Fadenlifting;<br />

<strong>im</strong> Fachjargon «Silhouette Soft» genannt.<br />

Hier war die Testperson Robinson Moretts<br />

Mutter: «Die Ergebnisse waren absolut überzeugend<br />

und daher haben wir auch diese<br />

Methode in unser Angebot aufgenommen»,<br />

schwärmt Morett. Bei dieser Methode geht<br />

es um die Bindegewebeneubildung und den<br />

Wiederaufbau des Kollagenstützgerüstes<br />

und – anders als be<strong>im</strong> herkömmlichen Lifting<br />

– nicht darum, die Haut in eine andere<br />

Position zu ziehen. Der eigene, natürliche<br />

Gesichtsausdruck bleibt dadurch erhalten,<br />

die Haut wirkt aber wieder straffer und Falten<br />

verschwinden.<br />

Stets neue Geräte<br />

Im Unterschied zu anderen Instituten setzt<br />

Bodyesthetic <strong>im</strong>mer auf Geräte der neuesten<br />

Generation; aus ganz praktischen Gründen:<br />

Denn Robinson Morett ist auch Inhaber von<br />

«Laserwelt Schweiz» – und damit einer der<br />

wichtigsten und grössten Vertriebspartner<br />

von Lasergeräten. Laser kommt bei vielen<br />

Anwendungen zum Zug: ganz klassisch bei<br />

der Haarentfernung, aber auch bei einer Vaginalverjüngung,<br />

bei der Behandlung von<br />

Narben, bei Nagelpilz (!) oder <strong>im</strong> Kampf gegen<br />

die roten Äderchen <strong>im</strong> Gesicht und am<br />

Körper und natürlich zur Verbesserung des<br />

Hautbildes. Die üblichen Schönheitsoperationen<br />

der plastischen Chirurgen haben ernstzunehmende<br />

Konkurrenz erhalten: «Die<br />

Kombination von Fadenlifting, Laser, Faltenunterspritzung<br />

und mehr sind eine nichtinvasive<br />

und kostengünstige Alternative zu<br />

den herkömmlichen Eingriffen», bestätigt<br />

Robinson Morett.<br />

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22<br />

Reportage<br />

Zu Besuch bei Sahak<br />

Ein Goldhändchen<br />

für Schmuck<br />

Wer heute beschliesst zu heiraten, tut dies ohne Zwang. Umso mehr wiegt<br />

dieser Schritt – gleichgeschlechtliche Paare lassen sich hierfür den Schmuck<br />

von Sahak designen.<br />

Von Team <strong>Cruiser</strong><br />

S<br />

innigerweise wählen Paare ihre<br />

Ringe mit einem Anspruch und<br />

einer Best<strong>im</strong>mtheit, die noch vor<br />

einigen Jahren undenkbar waren. Da<br />

muss alles st<strong>im</strong>men. Das weiss auch Sahak<br />

Demirci, der in seinem Beruf Goldschmied<br />

seine Berufung sieht. «Ich berate<br />

unglaublich gerne, ich liebe es, wenn eine<br />

Idee konkretisiert wird, und freue mich,<br />

wenn mein Schmuckstück schliesslich<br />

dem Kunden Freude macht.»<br />

Be<strong>im</strong> Gespräch mit Sahak funkeln seine<br />

Augen, die Leidenschaft für seinen Beruf<br />

blitzt auf: «Ich wollte ursprünglich gar nicht<br />

unbedingt Goldschmied werden – es war<br />

aber in meiner Familie irgendwie «gesetzt»,<br />

dass ich das machen werde. Anfänglich fügte<br />

ich mich meinem Schicksal, merkte dann<br />

aber schnell, dass mir der Beruf unglaublich<br />

Spass macht.» Diese Freude ist spür- und<br />

sichtbar, denn die Leidenschaft überträgt<br />

sich irgendwie auch auf seine Kreationen,<br />

selbstverständlich ist jedes Schmuckstück<br />

einzigartig. Entsprechend auch der Slogon<br />

«Unique pink Jewellery». Wobei «Pink» <strong>im</strong><br />

übertragenen Sinne zu verstehen ist. Apro-<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

pos Steine: «Oft sind es die Gays, die gerne<br />

noch einen Stein <strong>im</strong> Ring verarbeitet haben<br />

möchten. Bei den Lesben ist dies weniger der<br />

Fall», erklärt Sahak.<br />

Schmuck aus Ökogold<br />

Sein Atelier <strong>im</strong> Zürcher Oberdorf hat er vor<br />

einigen Monaten eröffnet, zuvor hat der<br />

32-Jährige bereits in seinem Laden «Faktor S»<br />

in Winterthur Ringe und anderen Schmuck<br />

hergestellt und verkauft. Diesen Laden hat er<br />

<strong>im</strong>mer noch und auch dort kommt sein Konzept<br />

mit den individuell auf die Zielgruppe<br />

ausgerichteten Schmuckstücke sehr gut an. In<br />

Zürich wird <strong>im</strong> unteren Teil des stylish eingerichteten<br />

Lokals beraten, <strong>im</strong> oberen Teil gearbeitet.<br />

An der Wand hängt ein «Ökogold-Siegel».<br />

«Es ist mir wichtig, dass mein Gold nicht<br />

aus Minen in Kriegsgebieten kommt, wo es<br />

meist unter fragwürdigen Umständen gewonnen<br />

wird», erklärt der Goldschmied.<br />

«Und unter welchen Umständen diese Metalle<br />

abgebaut werden, ist ebenfalls oftmals unklar.»<br />

Es gäbe auf dem Markt und vor allem<br />

auch in der Schweiz genügend Gold auf dem<br />

Markt, welches problemlos recycelt werden<br />

könne. Bei Sahak kann eine Beratung gut<br />

auch mal mehr als eine Stunde dauern, denn<br />

von der ersten Skizze bis zum fertigen Stück<br />

möchte Demirci seine Kunden verstehen und<br />

bindet sie stark in die Entstehung der<br />

Schmuckstücke ein.<br />

Der Trauring ist ein jahrtausendealtes<br />

Symbol – stets ging er <strong>im</strong> Aussehen mit der<br />

Zeit. Wo stehen wir heute? «Es lassen sich in<br />

der Tat Trends beobachten», erklärt Sahak.<br />

«Beispielsweise ist seit einiger Zeit das Material<br />

Carbon ziemlich angesagt.» Sahak selbst<br />

trägt ebenfalls einen Ring aus diesem Material<br />

und gibt zu bedenken: «Ich rate aber <strong>im</strong>mer<br />

zu möglichst zeitlosen Materialien,<br />

denn ein Trauring sollte letztendlich noch<br />

<strong>im</strong>mer ein Symbol für die lebenslange<br />

Verbundenheit sein. Ringe sind auch nicht<br />

einfach nur Schmuck, sondern können eine<br />

Geschichte erzählen. Im Idealfall die Geschichte<br />

einer Liebe.»<br />

Sahak Unique Pink Jewellery<br />

Weite Gasse 8<br />

8001 Zürich<br />

www.sahak.ch


Kultur<br />

Buchtipp<br />

23<br />

Ein Sittengemälde à la<br />

Jean Paul Gaultier?<br />

Jeremy Reed, so ein wenig das enfant terrible<br />

der britischen Literatur, schrieb diesen Roman<br />

Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts.<br />

Nun wird er erstmals auf Deutsch be<strong>im</strong> Zürcher<br />

Bilgerverlag aufgelegt.<br />

Von Birgit Kawohl<br />

«<br />

In diesem Sommer war die Hitze ein<br />

blonder Löwe, der unablässig faucht.»<br />

Ein Roman, der so beginnt, weckt <strong>im</strong><br />

Leser die Erwartung eines Abenteuers, an<br />

dem er teilhaben darf. Be<strong>im</strong> Lesen entwickelt<br />

sich jedoch schnell die Erkenntnis, Löwen,<br />

die fauchen, beissen nicht. So hat man bald<br />

das Gefühl, dass der Roman zwar cool sein<br />

will, Drama zeigen, jugendlichen Weltschmerz<br />

vermitteln, dabei aber an ähnliche<br />

Formate wie etwa Welshs «Trainspotting»<br />

nicht herankommt.<br />

Aber der Reihe nach: Vier Jugendliche<br />

in den 80ern, in einem Jahr mit der Schule<br />

fertig, geniessen den letzten Sommer in<br />

Freiheit. Die Freiheit, noch ungebunden zu<br />

sein. Die Freiheit, dass alles noch möglich<br />

scheint. Diese Freiheit verleben sie – verbotenerweise<br />

– am Strand, wo es vor allem<br />

darum geht, in demonstrativer Androgynität<br />

die eigene Sexualität auszuloten und<br />

auszuleben. Anführer der vier ist Dione, er<br />

trägt Frauenkleider, lackiert sich die Nägel,<br />

n<strong>im</strong>mt Drogen und finanziert seine Luxuswünsche<br />

mit bezahltem Sex. Die anderen<br />

drei lassen sich hierhin und dorthin treiben,<br />

schwelgen in Musik, versuchen sich<br />

selbst als Songwriter. Die Texte erinnern an<br />

von R<strong>im</strong>baud und Baudelaire geprägten<br />

Weltschmerz. Hier allerdings wird das Setting<br />

etwas unglaubwürdig, denn entspre-<br />

chen Wortwahl und die Anspielungen an<br />

Dichter und historische Figuren eher dem<br />

Bildungshorizont eines Vierzig-, denn eines<br />

Achtzehnjährigen. In der Handlung geschieht<br />

lange Zeit nichts, der Ich-Erzähler<br />

schwelgt vor allem in Beschreibungen unter<br />

Verwendung einer Überfülle von Adjektiven,<br />

die die Beschreibung zum Teil ebenso<br />

manieriert wirken lassen, wie es das Verhalten<br />

der Jugendlichen ist. Die fast heile<br />

Welt der jungen Männer bricht jedoch<br />

schlagartig auseinander, als einer von ihnen<br />

be<strong>im</strong> Schw<strong>im</strong>men verunglückt und<br />

stirbt. Das Leben erhält eine Zäsur, alle wissen,<br />

jetzt sind sie erwachsen. Die Metamorphose<br />

ist abgeschlossen und zwar nicht <strong>im</strong>mer<br />

so, wie sie von den Protagonisten selbst<br />

wohl erwartet wurde.<br />

Der Roman enthält viele kluge Gedanken.<br />

Überhaupt ist es ein überaus kluger Roman<br />

für eine ebensolche Leserschaft. Leser,<br />

die nicht davor zurückschrecken, dass die<br />

Handlung von tiefsinnigen Gedichten und<br />

Songtexten unterbrochen wird, dass das angeblich<br />

aufregende, von sexuellen Eskapaden<br />

best<strong>im</strong>mte Leben der Protagonisten in<br />

einem schier endlosen inneren Monolog erzählt<br />

wird, bei dem nahezu komplett auf<br />

wörtliche Rede verzichtet wird. Obwohl eher<br />

ein schmaler Band, lässt der Roman viel<br />

Raum zum Nachdenken.<br />

Buchtipp<br />

Jeremy Reed Beach Café<br />

In der Übersetzung von Pociao.<br />

144 Seiten, gebunden, mit Lesebändchen.<br />

Mit 5 Holzschnitten von Jean Cocteau.<br />

Preis CHF 24.–<br />

ISBN 978-3-03762-057-1<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


24<br />

Interview<br />

Kathy Bates<br />

Ich denke, das Böse ist in<br />

jedem von uns<br />

Kathy Bates, eine der renommiertesten Schauspielerinnen ihrer Generation,<br />

hat einen ganzen Schrank voller Tonys, Emmys und Golden Globes.<br />

Jetzt startet die neue Staffel von «American Horror Story» und Bates spielt<br />

wieder so richtig «Gay …».<br />

Von Team <strong>Cruiser</strong><br />

U<br />

nvergesslich ist Karhy Bates als Psychopathin<br />

von nebenan, die uns das<br />

Gruseln lehrt, sei es in Stephen<br />

Kings «Misery» oder eben in der TV-Serie<br />

«American Horror Story», für die sie ebenfalls<br />

mehrere Preise erhielt. Darüber hinaus<br />

war sie in vielen sehr erfolgreichen Filmen<br />

mit von der Partie – «Titanic», «About<br />

Schmidt» oder «Grüne Tomaten», um nur<br />

einige zu nennen.<br />

Mit uns sprach Kathy Bates, 68, über<br />

Dates, Frauen mittleren Alters, warum sie<br />

froh ist, nie Mutter geworden zu sein und<br />

über Film-Mutterliebe – und andere (typische?)<br />

«Gay-Things».<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

INTERVIEW<br />

<strong>Cruiser</strong>: Sie spielen eine Mutter, deren Liebe<br />

für ihren Sohn unerwidert bleibt. Wie haben<br />

Sie sich dieser Figur genähert?<br />

Kathy Bates: Das war schwierig. Normalerweise<br />

sind es die Kostüme, über die ich einen<br />

Zugang zu der Figur bekomme, die ich spiele.<br />

Aber diese Frau hier arbeitet in einem Hotel<br />

und trägt <strong>im</strong>mer eine Hoteluniform. Als<br />

Schauspielerin verkleide ich mich gerne, ich<br />

liebe Perücken, Akzente und all das Zeug.<br />

Aber diese Figur hat das alles nicht, ich habe<br />

mich richtig nackt gefühlt. Das war eine Herausforderung.<br />

Und wie haben Sie es schliesslich geschafft?<br />

Nach einer Weile wurde mir klar, dass sie<br />

eine Frau ist, die wartet. Sie wartet und wartet.<br />

Sie wartet bis zum bitteren Ende, weil sie<br />

ihren Sohn sehen möchte – und sei es nur<br />

einen Augenblick lang. Ich selbst habe ja keine<br />

Kinder, deshalb war es schwierig für<br />

mich, dieses Gefühl nachzuvollziehen. Aber<br />

es geht ja in erster Linie um unerwiderte Liebe,<br />

und ich denke, das ist ein Gefühl, das die<br />

meisten von uns in der einen oder anderen<br />

Form schon einmal erlebt haben. Wir verlieben<br />

uns in eine Person, die uns ganz anders<br />

sieht als wir sie. Im Laufe der Dreharbeiten<br />

für die Staffel habe ich aber auch eine andere


Interview<br />

Kathy Bates<br />

25<br />

Seite der Figur erkannt: Sie ist total frustriert,<br />

weil sie sich fühlt wie eine Fliege, die<br />

in Bernstein gefangen ist.<br />

Können Sie die Frustration einer Frau<br />

mittleren Alters nachvollziehen?<br />

Auf jeden Fall. Ich habe eine 16-jährige<br />

Nichte. Vor Kurzem habe ich sie gefragt, was<br />

«on fleek» bedeutet und sie hat nur gemeint:<br />

«Ach, das sagen wir gar nicht mehr.» Darauf<br />

ich: «Aber du hast mir doch erst vor vier Wochen<br />

oder so erklärt, dass ihr das sagt?»<br />

Sie haben die «Unsichtbarkeit» des Alters<br />

erwähnt. Sind Sie als berühmte Person<br />

überhaupt je unsichtbar?<br />

Natürlich. Ich erinnere mich an eine Situation<br />

vor ein paar Jahren: Ich hatte ein<br />

Date mit einem Mann und wir waren zum<br />

Essen in einem Restaurant. Auf einmal<br />

merkte ich, wie er in aller Ruhe einer jungen<br />

Frau hinterherschaute, die an uns vorbeiging.<br />

Hinterher dachte ich, ich hätte<br />

einfach aufstehen und gehen und ihn mit<br />

der Rechnung sitzen lassen sollen. Ich ärgere<br />

mich heute noch, dass ich das nicht<br />

getan habe.<br />

In «American Horror Story» blicken Sie in<br />

viele menschliche Abgründe. Bringt Sie das<br />

an einen Punkt, an dem Sie eher das Böse <strong>im</strong><br />

Menschen sehen als das Gute?<br />

Nein. Ich denke, das Böse ist in jedem von<br />

uns. Jeder von uns hat eine dunkle Seite.<br />

Vielleicht bin ich misstrauisch, aber ich<br />

meine, dass viele von uns eine Maske tragen.<br />

Wir zeigen nur das Gesicht, von dem<br />

wir wollen, dass die anderen es sehen. Und<br />

dann treffen wir jemanden in einer Bar und<br />

nach ein paar Gläsern Wein fällt die Maske.<br />

In vino veritas! Jeder von uns hat eine traurige<br />

oder dunkle oder tragische Geschichte<br />

erlebt und wir verwenden viel Energie darauf,<br />

diese Geschichte nicht nach aussen<br />

dringen zu lassen, sie niemandem zu erzählen,<br />

denn wir wollen ja nicht als jemand<br />

wahrgenommen werden, der Trübsal bläst.<br />

Was mich <strong>im</strong>mer wieder überrascht, ist die<br />

Tatsache, dass wir denken, wir sind die einzigen<br />

mit diesem Problem, aber in der Tat<br />

kämpfen wir alle damit. Und dann versammeln<br />

wir uns vor einer grossen Leinwand,<br />

um Menschen zu sehen, die alle ähnliche<br />

Probleme haben wie wir.<br />

Sind Sie froh, keine Kinder zu haben?<br />

Und wie. Aber ich nehme an, weil ich nie die<br />

Erfahrung gemacht habe, ist es schwierig,<br />

eine Mutter zu spielen. Ich habe gerne Kinder<br />

um mich – aber nach ein paar Stunden<br />

bin ich froh, sie nach Hause zu meiner Nichte<br />

schicken zu können. ➔<br />

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PROF. DR. MED. CLÉMENT M. L. WERNER<br />

Es freut mich bekannt zu geben, dass ich per 1. September <strong>2016</strong> das Ärzteteam der ORTHO CLINIC ZÜRICH an der Hirslanden Klinik Im Park<br />

ergänzt habe. Als international anerkannter Experte <strong>im</strong> Bereich der Wirbelsäule und des Beckens sowie langjähriger Leiter der Wirbelsäulen-, Becken-<br />

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Prof. Dr. med. Clément M. L. Werner<br />

Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, FMH<br />

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CRUISER november <strong>2016</strong>


26<br />

Interview<br />

Kathy Bates<br />

In der Serie werden explizit auch Gay-Charaktere gezeigt, auch solche mit<br />

unerfülltem Kinderwunsch.<br />

Kathy als Südstaaten-Tyrannin in Staffel 4.<br />

F: Sie haben ein paar ziemlich dämonische<br />

Frauen gespielt – von «Misery» bis zu Ihrer<br />

Figur jetzt in «American Horror Story». Haben<br />

die Menschen Angst vor Ihnen?<br />

Nein. Sie sagen <strong>im</strong>mer halb <strong>im</strong> Scherz: «Oh,<br />

Sie sind aber nett!».<br />

Waren Sie <strong>im</strong>mer gerne Schauspielerin?<br />

Eigentlich bin ich mein Leben lang, besonders<br />

als ich jung war, durch Phasen gegangen, in<br />

denen ich mir nicht sicher war, ob ich mit der<br />

Schauspielerei weitermachen soll. Es kam mir<br />

alles so selbstherrlich vor, und es ist auch<br />

nichts, was der Welt hilft. Oft habe ich Abstand<br />

gesucht, eine Weile etwas anderes gemacht<br />

und bin dann doch zur Schauspielerei<br />

zurückgekehrt. Einer meiner Filme, «Dolores»,<br />

handelt von einer Frau und ihrer Tochter<br />

in einer Beziehung, in der sie misshandelt<br />

werden. Kurz nachdem der Film in den Kinos<br />

war, sass ich in der kleinen Stadt, in der ich<br />

wohne, be<strong>im</strong> Friseur. Auf einmal kommt eine<br />

Frau auf mich zu, packt meine Hand und<br />

sagt: «Ich kann Ihnen gar nicht genug danken.<br />

Ich war auch in einer Beziehung, in der<br />

ich misshandelt wurde, und erst durch Ihren<br />

Film habe ich erkannt, dass es einen Ausweg<br />

gibt.» Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte,<br />

denn ich hatte ja das Drehbuch nicht geschrieben.<br />

Das war Stephen King, ich spielte<br />

lediglich eine Figur. Aber sie hat in der Figur<br />

so viel von sich erkannt, dass ihr klar wurde,<br />

sie muss ihr Leben verändern.<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

Ist es befreiend, in einem Genre zu arbeiten,<br />

das keine Grenzen kennt?<br />

Ja, absolut. Total. Bevor Ryan mir die Rolle<br />

gab, war ich für einen Fernsehfilm vorgesehen<br />

gewesen, der dann abgesagt wurde. Unmittelbar<br />

darauf hatte ich eine beidseitige<br />

Brustamputation. Danach war ich in dieser<br />

«Mach dir keine Illusionen, du bist zu alt –<br />

und Titten hast du auch keine mehr»-St<strong>im</strong>mung<br />

(bezieht sich auf ihre Brustamputation).<br />

Das war eine sehr schwierige Phase. Eines<br />

Tages traf ich meine Freundin Jessica (Lange)<br />

zum Essen und ich war so begeistert von ihrer<br />

Rolle in der Serie (American Horror Story),<br />

dass ich bettelte, «bitte, bitte verschaffe mir<br />

einen Termin mit Ryan (Murphy)». Ich habe<br />

nicht geahnt, wie viel Spass das machen würde<br />

und nach unserem ersten Gespräch fühlte<br />

ich wieder ganz anders über meine Arbeit.<br />

«Mach dir keine Illusionen,<br />

du bist zu alt – und Titten<br />

hast du auch keine mehr.»<br />

Was würden Sie gerne als nächstes für Ryan<br />

Murphy spielen?<br />

Ich würde gerne mal eine Figur spielen, die<br />

kein Tablett herumträgt, denn bisher war ich<br />

in jeder Staffel am Ende die Kellnerin und<br />

habe ein Tablett getragen.<br />

Die Kritiker haben «American Horror Story:<br />

Hotel» die gruseligste Serie genannt, die je <strong>im</strong><br />

Fernsehen lief. Was ist für Sie der dunkelste,<br />

beängstigendste Moment der Serie?<br />

Der Typ, der Analsex mit einem Mann hat,<br />

der eine Blechkappe über seinem Schwanz<br />

hat. Das war schon sehr bizarr. Manchmal<br />

kann ich echt nur noch staunen.<br />

Können Sie sich mit Iris, der Figur, die Sie in<br />

«AHS: Hotel» spielen, identifizieren?<br />

Ich erkenne viel von mir in ihr wieder. Ich<br />

kann mich insofern mir ihr identifizieren,<br />

denn es gibt ja Millionen von Frauen da<br />

draussen, die wie Iris <strong>im</strong> letzten Drittel ihres<br />

Lebens angelangt sind – und was jetzt?<br />

Sie haben wahrscheinlich gesundheitliche<br />

Probleme. Ich hatte zwe<strong>im</strong>al Krebs, habe<br />

Empyeme in den Armen, letzte Woche hatte<br />

ich eine bakterielle Infektion, Zellulitis.<br />

Daher kann ich mich sehr gut mit ihr identifizieren.<br />

(Lacht)<br />

Das Interview in voller Länge gibt es auf<br />

www.cruisermagazin.ch<br />

American Horror Story<br />

Bei «American Horror Story» handelt es sich<br />

um eine Horror-Fernsehserie, die auf einer Idee<br />

von Ryan Murphy und Brad Falchuk basiert.<br />

Den beiden war von Anfang an klar, dass jede<br />

Staffel der Serie eine ganz eigene Geschichte<br />

mit eigenen Charakteren und Handlungssträngen<br />

erzählen soll, sodass jede einzelne<br />

Staffel in sich geschlossen ist und unabhängig<br />

gegenüber den anderen existiert. Jede neue<br />

Staffel erhält demzufolge einen neuen Cast<br />

und eine andere Location sowie Geschichte.<br />

Auffallend in jeder Staffel sind die stark<br />

gezeichneten Gay-Charaktere, welche sonst<br />

bislang in Horror-Filmen eher selten gezeigt<br />

wurden. Die neue Staffel ist eben auf dem<br />

Pay TV Sender «Fox» auf Deutsch gestartet.


Reportage<br />

<strong>Cruiser</strong> zu Besuch bei …<br />

27<br />

Schwule Beratung inklusive:<br />

Leonhards-Apotheke<br />

Die Leonhards-Apotheke be<strong>im</strong> Central ist längst eine Institution – auch für<br />

Gays. «<strong>Cruiser</strong>» hat sich mit Dr. René Jenni getroffen. Der charismatische<br />

Apotheker führt die Leonhards-Apotheke Richtung Zukunft.<br />

Team <strong>Cruiser</strong> in Zusammenarbeit mit Leonhards-Apotheke<br />

E<br />

s brummt in der Leonhards-Apotheke:<br />

Es ist Erkältungszeit und es scheint<br />

ganz so, als ob die halbe Stadt Zürich<br />

momentan lahmgelegt sei. In der Apotheke<br />

wird geniest, gehustet – aber auch gelacht.<br />

Die «Leonhards» ist überschaubar und wirkt<br />

genau dadurch gemütlich und einladend. Bei<br />

so viel guter Laune vor Ort vergisst man fast,<br />

dass eine Apotheke eigentlich für kranke<br />

Menschen gedacht ist. «Wobei das so auch<br />

schon länger nicht mehr st<strong>im</strong>mt», erklärt<br />

René Jenni – Inhaber der Leonhards Apotheke.<br />

«Wir sehen uns mittlerweile als Gesundheitscoaches<br />

und versuchen zu erreichen,<br />

dass unsere Kunden erst gar nicht krank werden.»<br />

Der attraktive Apotheker zitiert hier<br />

nicht einfach Platitüden, sondern weiss, wovon<br />

er spricht, schliesslich steht er hinter dem<br />

«TopPharm» Modell: Im rasant wachsenden<br />

Gesundheitsmarkt ist «TopPharm» die Alternative<br />

zu Apothekenketten – eine Gruppierung,<br />

die auf Qualität, Transparenz, Fairness<br />

und Innovation setzt und den Berufsstand<br />

der selbständigen Offizin-Apotheker stärkt,<br />

ohne diese zu bevormunden.<br />

Innovatives Traditionshaus<br />

Ein Kunde schiebt ein Rezept über den Tresen,<br />

wenig später wird das Medikament per<br />

Roboter aus dem Lager in den unteren Etagen<br />

geliefert. «Wir sind zwar ein Traditionshaus,<br />

aber ich persönlich und damit auch<br />

meine Apotheke stehen Innovationen sehr<br />

offen gegenüber», sagt Jenni. Diese Mischung<br />

aus Traditionsbewusstsein, Innovation<br />

und Neugier macht den Erfolg der<br />

Apotheke wohl auch aus. Tradition, weil<br />

die Apotheke 1889 als «Apotheke zum<br />

Stampfenbach» gegründet wurde, Innovati-<br />

on, weil der Markt <strong>im</strong> Gesundheitswesen<br />

ständig in Bewegung ist und man sich nur<br />

erfolgreich darin behaupten kann, wenn<br />

man sich stets nach neuen Möglichkeiten<br />

und Lösungsansätzen umsieht.<br />

Bis 1950 hiess das Central noch<br />

«Leonhardplatz», ergo erklärt sich auch<br />

so der Name der Apotheke. «Damals war<br />

vieles noch ganz anders als heute», schmunzelt<br />

Jenni. «Sämtliche Rezepturen wurden<br />

noch selbst hergestellt, der Beruf der Apothekenhelferin<br />

war unbekannt. Der damaligen<br />

Rezeptur entsprechend waren mehr<br />

Stösser gefragt – Leute, welche die nötigen<br />

Chemikalien und Drogen in den Mörsern<br />

zerkleinerten, damit diese vom Apotheker<br />

zu den Rezepturen weiterverarbeitet werden<br />

konnten.» Damals wohnte der Apotheker<br />

auch noch direkt <strong>im</strong> Haus, zusammen mit<br />

der Familie und den Angestellten. Heute<br />

scheint es manchmal ganz so, als ob einfach<br />

nur noch Pillen verkauft würden. Dem widerspricht<br />

René Jenni: «Wir bieten seit längerer<br />

Zeit die so genannte Netcare-Beratung<br />

an. Mittels gezielter Fragen können so viele<br />

Beschwerden direkt bei uns vor Ort diagnostiziert<br />

und behandelt werden und machen<br />

einen Arztbesuch überflüssig.» Die Kundschaft<br />

bei René Jenni ist bunt gemischt, aber<br />

natürlich suchen auch Gays die Apotheke<br />

gerne auf (und sei es nur für einen kurzen<br />

Schwatz mit René) – die Anliegen unterscheiden<br />

sich nicht gross von den anderen<br />

Kunden. «Mittlerweile ist auch das Thema<br />

HIV weniger dominant, die neue Medikamente<br />

wirken und man ‹sieht› es niemandem<br />

mehr an».<br />

Es fällt aber auf, dass trotz des hohen<br />

Gay-Faktors in der Apotheke ausschliesslich<br />

weibliches Personal arbeitet. «Weiblich<br />

heisst ja nicht, dass die Frauen nicht nichtgay<br />

sind», lacht René und relativiert: «Bei<br />

mir spielt die Sexualität keine Rolle, ich<br />

schaue auf Fähigkeiten und ob jemand in<br />

unser Team passt. Und es ist halt einfach <strong>im</strong>mer<br />

noch so, dass der Berufe rund um die<br />

Apotheke pr<strong>im</strong>är von Frauen ausgeübt werden.<br />

Natürlich würde ich sofort einen qualifizierten<br />

Mann einstellen!»<br />

Dr. René Jenni ist der charmante Inhaber<br />

der Leonhards-Apotheke be<strong>im</strong> Central.<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


28<br />

Fingerfertig<br />

<strong>Cruiser</strong> kocht<br />

Mit oder<br />

ohne scharf?<br />

Die in Fast-Food-Ketten mittlerweile standardmässig heruntergebetete<br />

Frage ist bei diesem scharfen Suppengericht überflüssig. Denn scharf muss<br />

sie sein, die Linsensuppe. In Kombination mit der Säure der Zitrone reizt sie<br />

das ganze gustatorische Spektrum.<br />

VON Nihat Yasartürk<br />

J<br />

e tiefer die Temperaturen, desto grösser<br />

die Lust auf Scharfes. Jedenfalls<br />

bei mir. Deshalb beginnt jetzt die<br />

Hochkonjunktur der türkischen Linsensuppe,<br />

nicht nur in meiner Küche. Sie ist meine<br />

Lieblingssuppe. Weil sie – als Teil der türkischen<br />

Hausmannskost – so manche Kindheitserinnerung<br />

weckt. Es sind ihre einfache<br />

Zubereitung und ihre geniale Mischung aus<br />

pikant, salzig und sauer. Und dann sind die<br />

Linsen erst noch nahrhaft und gesund – und<br />

rüsten uns so für den Winter.<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

Zutaten<br />

250g rote Linsen, gewaschen<br />

2 Rüebli, geschält und fein geschnitten<br />

1 Kartoffel, geschält und fein geschnitten<br />

1 Zwiebel, geschält und fein geschnitten<br />

50g Butter<br />

1 EL getrocknete Pfefferminze<br />

1–2 TL scharfes Pul biber<br />

(rote, scharfe Paprikaflocken)<br />

Salz, Pfeffer<br />

Zubereitung<br />

Fein geschnittenes Gemüse und Linsen <strong>im</strong><br />

Wasser weichkochen und anschliessend fein<br />

pürieren. Je nach persönlichem Gusto Wasser<br />

nachgiessen, um die gewünschte Dicke<br />

der Suppe zu erreichen. Mit Salz und Pfeffer<br />

abschmecken. Butter in separatem Topf<br />

schmelzen. Pfefferminze und Pul biber dazugeben<br />

und anrösten. Vor dem Servieren<br />

ein bisschen von der flüssigen Gewürzbutter<br />

über die Suppe verteilen. Am Tisch Zitronensaft<br />

darüber geben und die Kombination von<br />

Säure und Schärfe wirken lassen.


29<br />

Nacht<br />

SauNa<br />

<strong>im</strong> maNN-o-maNN<br />

NEu ab November:<br />

Jeden Samstag<br />

bis Sonntagmorgen<br />

um 6 uhr<br />

geöffnet!<br />

Das Meiste davon gibt der Vorratsschrank her:<br />

einfache Zutaten mit max<strong>im</strong>aler Wirkung.<br />

Eine nahrhafte, gesunde Suppe, die Herz und<br />

Magen wärmt.<br />

Info<br />

Nihat organisiert seit gut vier Jahren Kochkurse<br />

für einen guten Zweck, u.a. für Schulkinder in<br />

der Türkei. Und er ist als Störkoch oder als<br />

Caterer an privaten und geschäftlichen<br />

Anlässen unterwegs. «Daneben» drückt er als<br />

angehender Gymnasiallehrer seit Kurzem<br />

wieder die Schulbank.<br />

Nacht<br />

SauNa<br />

SpEcial<br />

bis Ende Februar<br />

2017 bezahlst Du für<br />

den Nacht-Sauna-<br />

Eintritt ab 23 Uhr<br />

nur CHF 25.–!<br />

Die nächsten Kochkurse<br />

– Mittwoch, 16. November türkische Mezze<br />

– Sonntag, 27. November türkische<br />

Wintergerichte<br />

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30<br />

KOLUMNE<br />

MICHI RÜEGG<br />

Der Büezerkönig auf dem<br />

heiligen Kreuzzug<br />

Michi Rüegg hat sich ein paar Interviews mit<br />

Mundart-Rocker «Gölä» zu Gemüte geführt.<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

VON Michi Rüegg<br />

I<br />

ch weiss noch, es war Ende der 90er-<br />

Jahre, als ein gewisser Gölä mit schnulzigen<br />

Balladen die Schweizer Musikwelt<br />

eroberte. Zumindest die Herzen einiger<br />

Damen und gewisser Herren, die seither bei<br />

jedem weissen Schwan an den selbsternannten<br />

Büezerkönig aus Oppligen (Verwaltungskreis<br />

Bern-Mittelland, in der Nähe<br />

von Bleiken bei Oberdiessbach) denken<br />

müssen. Ich machte damals ein Praktikum<br />

in einer PR-Agentur. Dort arbeitete eine<br />

Kollegin, Carole, die hatte zu Hause auch<br />

eine Art Gölä. Doch der verliess sie eines<br />

Tages, worauf sie noch heftiger die Lieder<br />

des Originals hörte. Zumindest, wenn sie<br />

nicht gerade mit dem Kollegen von der<br />

Tochterfirma nebenan <strong>im</strong> Estrich ein Nümmerchen<br />

schob. Man erkannte dies <strong>im</strong>mer<br />

daran, dass an ihrer Jeansjacke weisse Farbpartikel<br />

von der Wand klebten, gegen die sie<br />

gelehnt war.<br />

So gesehen waren meine Erinnerungen<br />

an diesen Gölä irgendwie schön. Es waren<br />

die Erinnerungen an Carole, wie sie wieder<br />

etwas zerzaust, den Schwan so weiss wie<br />

Schnee summend, vom Dachboden kam,<br />

mit rot leuchtenden Wangen.<br />

Nun ist aber nicht nur Carole – sie<br />

soll später einen Polizisten geheiratet haben<br />

– älter geworden, auch Gölä. Und wie<br />

leider so üblich, wird man hierzulande den<br />

einmal aufgedrückt erhaltenen Promi-Stempel<br />

nur noch schwer los. Dieser<br />

Gölä hat nach langem wieder einmal ein<br />

Album aufgenommen. Und wer einmal<br />

Promi war und nun der Vertriebsmaschinerie<br />

der Musikindustrie ein neues Machwerk<br />

zu Verfügung stellt, der darf landauf,<br />

landab Interviews geben.<br />

Bei diesen Interviews geschehen seltsame<br />

Dinge. Gölä zieht darin über Flüchtlinge<br />

her, genauso wie über Randständige, Menschen<br />

mit Studienabschlüssen, Schwule,<br />

Lesben, und vor allem Linke. Wobei man<br />

den Eindruck gewinnt, für ihn sei alles links,<br />

was nicht auf «Mein Kampf» betet. Zudem<br />

gibt er zu bedenken, dass er – der kleine<br />

Steuerzahler – ganz allein für alles bezahlen<br />

müsse, was in unserem Land schief laufe.<br />

Dieser Gölä gibt nun einen jenseitigen Satz<br />

nach dem anderen zu Protokoll, und was<br />

machen die Journalisten, die die Interviews<br />

führen? Nichts. Keine kritische Nachfrage,<br />

keine Einordnung. Sie lassen ihn einfach seinen<br />

verfluchten Mist erzählen.<br />

«In Gölä manifestiert<br />

sich die Sehnsucht einer<br />

gewissen Kaste, die<br />

glaubt, ihr sei alles<br />

genommen worden.»<br />

Das hat damit zu tun, dass sich Gölä<br />

in guten Händen befindet: nämlich in<br />

denjenigen von People-Journalisten. Das<br />

sind Menschen, die keinerlei Meinung haben<br />

müssen. Ihr Job ist es lediglich, jedem<br />

dahergelaufenen Arschloch, das irgendwie<br />

in ihrer Promi-Kartei gelandet ist, eine<br />

Plattform zu geben. Sie bereiten lediglich<br />

die Bühne.<br />

Nun mag dies wie ein gar hartes Urteil<br />

über diese Zunft klingen. Tatsächlich ist es<br />

nicht ganz so einfach. Denn ein guter People-<br />

Journalist verteilt auf einer solchen Bühne<br />

ganz gezielt ein paar Bananenschalen. Auf<br />

diesen darf dann der Promi nach Herzenslust<br />

ausrutschen. Und dass dies geht, hat<br />

Gölä wieder einmal eindrücklich bewiesen.<br />

Nun, selbst in Blättern wie der<br />

«Aargauer Zeitung» sind sich die meisten<br />

der Online-Kommentatoren einig: Was dieser<br />

Gölä da rauslässt, geht auf keine Kuhhaut.<br />

Doch leider gibt es mittlerweile genügend<br />

Nährboden für derlei Gedankengut.<br />

Beispiel gefällig? Neulich sass ein schwules<br />

Zürcher Paar in einer Beiz. Am Nebentisch<br />

sch<strong>im</strong>pften Leute über Juden. Als das Paar<br />

entsetzt rüberschaute, wurde es abgekanzelt:<br />

«Haut doch ab, ihr verdammten Schwulen.»<br />

Gut, war Gölä nicht <strong>im</strong> Lokal. Der hätte best<strong>im</strong>mt<br />

ein Lied darüber geschrieben.<br />

In Gölä manifestiert sich die Sehnsucht<br />

einer gewissen Kaste, die glaubt, ihr sei alles<br />

genommen worden. Sie träumt davon, dass<br />

der Lehrer Ohrfeigen verteilt. Dass in jedem<br />

Baucontainer ein Busenkalender hängt. Dass<br />

man der Buchhalterin be<strong>im</strong> Vorbeigehen ungestraft<br />

den Popo tätscheln darf. Dass <strong>im</strong><br />

Benzin wieder Blei drin ist. Dass Homosexuellen<br />

in Nervenheilanstalten die Hoden abgeschnitten<br />

werden. Dass man Kr<strong>im</strong>inellen<br />

wieder den Kopf abhackt und Hexen auf den<br />

Scheiterhaufen führt, wenn sie sich weigern,<br />

als Frauen am Herd zu stehen. Die gute alte<br />

Zeit eben. Sing mir ein Lied davon, Gölä.


IKONEN<br />

VON DAMALS<br />

31<br />

Ikonen von<br />

Damals<br />

In unserer Serie stellen wir Ikonen aus<br />

vergangenen Dekaden vor, berichten über<br />

gefallene Helden und hoffnungsvolle<br />

Skandalsternchen aus längst vergangenen<br />

(Gay-)Tagen. Rupert Everett ist «gefallen»,<br />

«vergangen» und dann und wann doch<br />

plötzlich wieder da.<br />

Von Moel Maphy<br />

D<br />

as Internat verliess er mit 16 Jahren,<br />

von der Schauspielschule in London<br />

flog er wegen unzähliger Regelverstösse,<br />

sein Geld verdiente er sich eine Zeit<br />

lang als Callboy. Sein Ruf als Aussenseiter<br />

verhalf dem 1959 in England geborenen Rupert<br />

Everett zur Rolle des schwulen Internatszöglings<br />

Guy Bennett in dem Film<br />

«Another Country» (1984), in dem er neben<br />

Colin Firth debütierte. Die darauf folgende<br />

Karriere als Schauspieler, Popsänger, Romanautor<br />

und Model gleicht einer Achterbahnfahrt.<br />

Everett drehte viele sehr schlechte<br />

Filme und einige sehr gute. Den grössten<br />

Kassenerfolg hatte er 1997 als schwuler<br />

Freund von Julia Roberts in «Die Hochzeit<br />

meines besten Freundes». Irgendwie scheint es<br />

ganz so, als ob Rupert beruflich und privat<br />

«dauerschwul» ist. Mehr dazu weiter unten. ➔<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


32<br />

IKONEN<br />

VON DAMALS<br />

Ein Gay-Klassiker: «Ein Freund zum<br />

Verlieben» mit Madonna.<br />

Rupert Everett als Camilla <strong>im</strong> Film «Die Girls von St. Trinian».<br />

Everett ist irgendwie dauerschwul<br />

«Hello, Darling, Are You Working?», ist der<br />

Titel eines Romans von Rupert Everett. Darin<br />

beschreibt Everett, von Beruf Schauspieler,<br />

das Arbeitsleben eines Schauspielers, der<br />

oft nicht arbeitet, weil er keine Rollen hat.<br />

Das ist kein seltener Fall – es gibt deshalb einen<br />

Begriff dafür, ob ein Schauspieler als<br />

Schauspieler arbeitet oder als etwas anderes.<br />

Der eine ist ein «Working Actor», der andere<br />

bloss ein «Actor». Nach besagtem «My Best<br />

Friend’s Wedding» folgte bald darauf «The<br />

Next Best Thing» mit Madonna. <strong>Cruiser</strong> findet,<br />

sowohl der Film als auch Madonna und<br />

Everett sowieso wurden in diesem Film unterschätzt<br />

– er gehört definitiv in jede<br />

Gay-Filmsammlung – das nur so nebenbei.<br />

«Ganz ehrlich, ich würde<br />

keinem Schauspieler,<br />

dem wirklich an seiner<br />

Karriere liegt, dazu raten,<br />

sich zu outen.»<br />

Rupert Everett ist grosser Oscar Wilde-<br />

Fan; 2002 kam die Wilde-Verfilmung<br />

«The Importance of Being Earnest» in die<br />

Kinos, es war nach «An Ideal Husband»<br />

die zweite Oscar Wilde-Verfilmung, in<br />

der er mitwirkte. «Oscar Wildes Leben<br />

Everett bereut es bis heute, dass er sich geoutet hat. Als Hetero würde er mehr Rollen<br />

bekommen, so seine Ansicht.<br />

hat mich sehr berührt. Ich finde es traurig,<br />

dass er wegen seiner Homosexualität<br />

von der Gesellschaft ausgegrenzt wurde»,<br />

sagte Everett einst in der «Süddeutschen<br />

Zeitung». Everett versteht es bis heute<br />

nicht, warum Homosexualität in Hollywood<br />

noch <strong>im</strong>mer ein Tabuthema ist<br />

und sorgte mit der Aussage «Wer Karriere<br />

machen will, sollte sich niemals outen»<br />

für Zündstoff in der LGBT-Community.<br />

«Es ist nicht besonders ratsam sich zu outen,<br />

um ehrlich zu sein. Es ist nicht einfach.<br />

Ganz ehrlich, ich würde keinem<br />

Schauspieler, dem wirklich an seiner Karriere<br />

liegt, dazu raten, sich zu outen.» In<br />

dem berühmten Interview, das Everett<br />

dem britischen «Guardian» gab, geht der<br />

Schauspieler auch auf seine eigene Situation<br />

ein. «Tatsache ist, du konntest und<br />

du kannst es als 25-Jähriger Homosexueller<br />

<strong>im</strong> britischen Filmbusiness oder <strong>im</strong><br />

amerikanischen Filmbusiness oder sogar<br />

<strong>im</strong> italienischen Filmbusiness nicht<br />

schaffen. Es funktioniert einfach nicht,<br />

und an einem best<strong>im</strong>mten Punkt rennst<br />

du gegen die Wand. Für eine Weile schei-<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


IKONEN<br />

VON DAMALS<br />

33<br />

nen die Dinge zu laufen, doch bei dem<br />

ersten kleinen Fehler lassen sie dich sofort<br />

fallen.»<br />

«Mein Sexleben war so<br />

ausschweifend, dass ich<br />

mir überhaupt nicht<br />

vorstellen konnte, nicht<br />

infiziert zu sein. »<br />

Glaubt man Everett, stehen die Dinge<br />

für Schwule in Hollywood zurzeit sogar noch<br />

viel schl<strong>im</strong>mer: «Dieser Tage in Hollywood<br />

zu sein, fühlt sich an, als wäre man bei den<br />

christlichen Fundamentalisten gelandet. Es<br />

ist sehr, sehr rechts, selbst wenn sie alle behaupten,<br />

Anhänger der Demokraten zu sein.»<br />

Er selbst wurde in den Fummel gezwungen» –<br />

ein Bezug auf seine Rolle in «Die Girls von St.<br />

Trinian» Everett spielt dort die abgehalfterte<br />

Schuldirektorin Camilla Fritton. (Allerdings<br />

sagte Everett in einem anderen Interview,<br />

dass er grossen Spass an der Rolle gahbt habe.<br />

Nun ja. Schauspieler halt).<br />

Ob es wirklich an seinem Outing liegt,<br />

dass die Rollen für Everett eher rar geworden<br />

sind? Oder liegt es an seiner Art? Die «Süddeutsche»<br />

n<strong>im</strong>mt in einem Interview kein<br />

Blatt vor den Mund und bezeichnet Everett<br />

als «schwierigen Schauspieler».<br />

Everett gilt als schwieriger Schauspieler<br />

Everett zeigte sich <strong>im</strong> damaligen Gespräch<br />

reumütig: «Ich habe mich geändert. Dass ich<br />

früher ein hysterischer Hypochonder war,<br />

lag daran, dass gleich zu Beginn meiner Karriere<br />

die grosse Aids-Epidemie ausbrach.<br />

Mein Sexleben war so ausschweifend, dass<br />

ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte,<br />

nicht infiziert zu sein. Fast jeder, mit dem ich<br />

geschlafen hatte, lag <strong>im</strong> Sterben. Ich rechnete<br />

täglich damit, die ersten Symptome der<br />

Seuche an mir zu entdecken. Einmal wurde<br />

ich bei Dreharbeiten von einer Mücke gestochen.<br />

Ich dachte: Das ist es jetzt, ein Karposi-<br />

Sarkom, der Anfang vom Ende! Man kann<br />

<strong>im</strong> Film sehen, dass mir von dem Moment<br />

an alles egal war. Meine Angst machte mich<br />

unberechenbar.» Aha. Wir kennen da andere,<br />

die mit der Aids-Krise besser umgegangen<br />

sind. Item: Rupert hat geruhigt und das<br />

ist sicher nicht schlecht. Vielleicht erlebt seine<br />

Karriere ja dadurch wieder etwas Aufschwung<br />

– <strong>im</strong> eben angelaufenen Film von<br />

T<strong>im</strong> Burton «Die Insel der verlorenen Kinder»<br />

spielt Everett einen Ornithologen und<br />

das macht er sogar sehr gut.<br />

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CRUISER november <strong>2016</strong>


34 RATGEBER<br />

Dr. Gay<br />

Dr. Gay<br />

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ARCADOS<br />

schwuler Buchladen<br />

40 Jahre, April 1977 – 2017<br />

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Rheingasse 67 | 4005 Basel<br />

Telefon 061 681 31 32<br />

VON Vinicio Albani<br />

Mein Freund fährt zweigleisig<br />

Seit acht Jahren bin ich in einer<br />

festen Beziehung, die bis jetzt<br />

gut funktioniert hat. Dann das<br />

Unerwartete: Er hat jemanden<br />

kennengelernt und will sich trennen.<br />

Später habe ich erfahren,<br />

dass sie sich bereits lange vor<br />

unserer Trennung kannten. Er fuhr<br />

zweigleisig, erzählte mir, wie sehr<br />

er mich liebt, und tat dann das<br />

Gleiche bei ihm. Wie kann man<br />

zwei Männern gleichzeitig sagen,<br />

dass man sie liebt und innerhalb<br />

von Stunden von einem ins andere<br />

Bett wechseln? Ist das normal?<br />

Alain (23)<br />

Hallo Alain<br />

Es ist möglich, dass dein Freund dir und<br />

sich selber etwas vorgemacht hat und deshalb<br />

nicht ganz ehrlich war. Es kann auch<br />

sein, dass ihm die Entscheidung zur Trennung<br />

nicht leicht gefallen ist und er deshalb<br />

gezögert hat. Acht Jahre sind eine lange<br />

Zeit, die man nicht unüberlegt wegwerfen<br />

möchte. Vielleicht ist er diesbezüglich aber<br />

auch abgebrüht, lügt und sagt Dinge, die<br />

ihm einen persönlichen Vorteil verschaffen.<br />

In mehrere Personen gleichzeitig verliebt<br />

zu sein, ist grundsätzlich möglich. Das<br />

nennt man Polyamorie. Dabei wird offen<br />

kommuniziert und alle Beteiligten sind damit<br />

einverstanden. Warum dein Partner<br />

tatsächlich zweigleisig gefahren ist, kann<br />

nur er beantworten. Darum: rede mit ihm!<br />

Spekulationen bringen dich nicht weiter.<br />

Ob es normal ist oder nicht, ist nicht so<br />

wichtig. Es ticken eben nicht alle gleich.<br />

Ehrlichkeit sollte dabei aber nicht zu kurz<br />

kommen. Wenn du merkst, du wirst weiter<br />

belogen oder das Gespräch fruchtet nicht,<br />

ziehe einen Schlussstrich und schaue nach<br />

vorne. Manchmal sind Menschen, die uns<br />

nahe stehen, leider nicht die, für die wir sie<br />

gehalten haben. Das ist schmerzhaft,<br />

kommt aber nun mal vor. Vergiss nicht,<br />

dass es vor allem dir dabei gut gehen soll.<br />

Alles Gute, Dr. Gay<br />

Ab wann treten Symptome<br />

einer Pr<strong>im</strong>oinfektion auf?<br />

Bei einem Sexkontakt hat mir<br />

mein Partner etwas Glitschiges<br />

auf den Anus gestrichen. Jetzt<br />

weiss ich nicht, ob es Gleitgel,<br />

Spucke oder Sperma war. Kurz<br />

danach hat er abgespritzt,<br />

was wiederum gegen Sperma<br />

sprechen würde. Dennoch bin ich<br />

besorgt. Zwei Tage später hatte<br />

ich Halsweh, Schnupfen und 38<br />

Grad Fieber. Können so bald nach<br />

einer Risikosituation Symptome<br />

einer HIV-Infektion auftauchen?<br />

Kurt (52)<br />

Hallo Kurt<br />

Die Inkubationszeit bei HIV kann einige<br />

Tage bis mehrere Wochen dauern. Symptome<br />

einer Pr<strong>im</strong>oinfektion treten in den meisten<br />

Fällen innerhalb der ersten vierzehn Tage<br />

nach einer Infektion auf. In seltenen Fällen<br />

können sie auch früher auftreten. Vermutlich<br />

war die glitschige Flüssigkeit Gleitgel. Es ist<br />

unwahrscheinlich, dass dein Sexpartner<br />

gleich nach dem Abspritzen erneut einen<br />

Ständer kriegt und gleich nochmal abspritzt.<br />

Deine Beschwerden haben wohl andere Ursachen.<br />

Falls du doch unsicher bist, mache einen<br />

HIV-Test. Diesen kannst du zum Beispiel<br />

bei einem der Checkpoints machen lassen,<br />

inklusive persönlicher Beratung. Kontaktinfos<br />

findest du auf mycheckpoint.ch<br />

Alles Gute, Dr. Gay<br />

DR. GAY<br />

Dr. Gay ist eine Dienstleistung der Aids-Hilfe<br />

Schweiz. Die Fragen werden online auf<br />

www.drgay.ch gestellt. Ein Team von geschulten<br />

Beratern beantwortet dort deine Fragen,<br />

welche in Auszügen und anonymisiert <strong>im</strong><br />

«cruiser» abgedruckt werden.


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35<br />

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Where to go in the little big city<br />

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Badenerstrasse 138<br />

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6<br />

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Gesundheitszentrum<br />

Konradstrasse 1<br />

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LEONHARDS-<br />

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044 252 44 20<br />

8<br />

9<br />

MACHO<br />

City Shop<br />

Häringstrasse 16<br />

www.macho.ch<br />

PARAGONYA<br />

Wellness Club<br />

Mühlegasse 11<br />

www.paragonya.ch<br />

13<br />

CRANBERRY<br />

Bar<br />

Metzgergasse 3<br />

www.cranberry.ch<br />

3<br />

LES GARÇONS<br />

Bar/Tanzbar<br />

Kernstrasse 60<br />

www.garcons.ch<br />

Täglich geöffnet ab 18.30 Uhr<br />

10<br />

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2 Bars – 1 Eingang<br />

Zähringerstrasse 11<br />

www.dynastyclub.ch<br />

4<br />

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Shop & Bar<br />

Kernstrasse 57<br />

www.maennerzone.ch<br />

11<br />

PREDIGERHOF<br />

bistro – bar<br />

Mühlegasse 15<br />

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12<br />

TIP TOP BAR<br />

Die Schlager Bar<br />

Seilergraben 13<br />

www.tip-top-bar.ch<br />

Dienstag – Samstag ab<br />

18.30 Uhr<br />

Interesse in diesem<br />

Inserat aufgeführt zu sein?<br />

Anfragen an:<br />

info@zbiro.ch<br />

CRUISER november <strong>2016</strong>


36<br />

KOLUMNE<br />

Thommen meint<br />

Von der Schwulenbewegung zum<br />

«Stigmafighting»<br />

Wir haben Abschied genommen von der Schwulenbewegung, uns den<br />

«queeren Rock» angezogen und ziehen nun in den Kampf ums Stigmafighting?<br />

VON PETER THOMMEN<br />

E<br />

s gibt interessante Veränderungen<br />

<strong>im</strong> Kontaktieren von Männern, die<br />

mit Männern Sex haben wollen. Mir<br />

fällt auf, dass für jede «persönliche Variante»<br />

ein neuer Begriff gewählt wird. Anstelle<br />

der Anonymität und der vorgeblichen heterosexuellen<br />

Orientierung, wie es bei Normalos<br />

mit ihren Abweichungen üblich ist,<br />

suchen sich viele Männer einfach einen Fetisch<br />

oder eine neue Bezeichnung.<br />

Schon in den 90er Jahren ist mir in den<br />

US-Gaymagazinen aufgefallen, wie Pharma-Firmen<br />

ganzseitige Inserate geschaltet<br />

haben, um auf ihre «heilenden» Produkte<br />

hinzuweisen. Ich mag mich auch noch erinnern<br />

an einen verhängnisvollen Slogan: «Jeder<br />

Siebte in der Szene ist HIV-infiziert.»<br />

Dabei wurde offengelassen, was und wo die<br />

«Szene» eigentlich ist.<br />

Interessant ist auch die in den letzten<br />

Monaten lancierte Diskussion um Ausgrenzungen<br />

innerhalb der «Buchstaben-Gemeinschaft».<br />

Damit wird ein internes Schamgefühl<br />

erzeugt, besonders gegenüber Schwulen<br />

und Männern, die mit Männern Sex haben<br />

(MSM). Ja, gewisse Exponenten gehen sogar<br />

soweit, uns der Heterophobie zu zeihen.<br />

Joach<strong>im</strong> S. Hohmann hat irgendwo geschrieben,<br />

in seinem Feind erkenne man <strong>im</strong>mer<br />

auch ein Stück seiner selbst. Das wäre<br />

verhängnisvoll bei einem abhanden gekommenen<br />

Feind. Sich selbst <strong>im</strong>mer auch <strong>im</strong> He-<br />

CRUISER november <strong>2016</strong><br />

tero zu erkennen, wenigstens stückweise, das<br />

lässt darauf schliessen, dass auch er sich <strong>im</strong><br />

Schwulen stückweise wiedererkennen kann.<br />

Das sollten wir politisch nicht aus den Augen<br />

verlieren. Erreichen wir wirklich durch<br />

Anpassung und Gehorsam die Akzeptanz<br />

bei den Heteros/as? Und ist es die nächste<br />

soziale Umgebung, die der Buchstaben-<br />

Menschen, die uns auch so zum Anpassen<br />

veranlassen wird?<br />

«Erreichen wir wirklich<br />

durch Anpassung und<br />

Gehorsam die Akzeptanz<br />

bei den Heteros/as?»<br />

Mir ist ein kleiner Falt-Flyer in die<br />

Hände gekommen. Direkt aus einem deutschen<br />

Gratis-Gay-Magazin. Grün wie die<br />

Hoffnung und deklariert als «Sonderbeilage».<br />

Auf dem Titelbild der Stigmafighter-Mann<br />

und <strong>im</strong> Hintergrund eine Frau,<br />

die aber in den fünf Seiten innen nicht<br />

mehr auftaucht. Es gibt fünf Comicseiten<br />

über fünf Szenen <strong>im</strong> Leben eines Mannes,<br />

der mit HIV und Hepatitis-C konfrontiert<br />

wird: be<strong>im</strong> Pflastern einer Schramme –<br />

be<strong>im</strong> Verliebtsein in einen HIV-Positiven –<br />

bei einer Depression nach einer Infizierung –<br />

bei der Konfrontation mit einem Gerücht<br />

in der Bar, es sei einer mit Hepatitis-C infiziert<br />

und be<strong>im</strong> Anprobieren einer stylishen<br />

Kleidung für eine Aktion auf dem CSD.<br />

Was wird denn als Problemlösung<br />

empfohlen? Es fehle einfach das nötige Wissen<br />

– Man solle einfach darüber reden – Er<br />

brauche meine Unterstützung – Man könne<br />

sich be<strong>im</strong> Virus pr<strong>im</strong>a schützen – Ein Zeichen<br />

setzen gegen Ausgrenzung.<br />

Aber wie? Mehr Wissen über Hepatitis-C<br />

gibt es dann auf der Seite der Pharmafabrik.<br />

Da braucht einer halt einfach<br />

«den Schubs in die richtige Richtung». «Es<br />

infizieren sich <strong>im</strong>mer häufiger Schwule mit<br />

dem Hepatitis-C. Und weil viele nicht genug<br />

darüber wissen, grenzen sie die Betroffenen<br />

aus. Wie das auch <strong>im</strong>mer mal wieder<br />

bei HIV der Fall ist.» So werden wir also zu<br />

Stigmafightern unter uns selbst.<br />

In dem Flyer ist natürlich nirgendwo<br />

etwas über Kondome oder gar über Safer<br />

Sex zu lesen.<br />

Mir ist natürlich klargeworden, dass<br />

es <strong>im</strong> Interesse der Pharmafabrikanten ist,<br />

uns mit Medikamenten zu versorgen. Da<br />

fragt dann noch einer <strong>im</strong> letzten Comicstrip,<br />

was denn Stigmafighter mit dem Thema<br />

Hepatitis-C zu tun hätten. Nun, wir<br />

hätten doch bei HIV gelernt, dass man gemeinsam<br />

stärker sei. Und jetzt sollten wir<br />

doch alle Stigmafighter werden und<br />

«Teams» bilden.<br />

Jetzt habe ich ganz vergessen, dass<br />

auch bei den Heteros eine Ausgrenzung<br />

stattfindet, dass die auch sehr viel Wissen<br />

erwerben müssten und dass es da eigentlich<br />

gar keine Stigmafighter gibt.


NEWS<br />

Update<br />

37<br />

NEWS<br />

Wahl zum «Mr. Inside»<br />

Der Club «Inside» feiert <strong>im</strong> Dezember das<br />

schöne Leben und die Schönheit an sich –<br />

mit der allerersten «Mr. Inside»-Wahl. Diese<br />

findet am 3. Dezember zwischen 20.00<br />

und 23.00 Uhr statt und wird von Alf<br />

Heller moderiert: «Wahl-moderationserprobt»,<br />

hat er doch schon mit Melanie<br />

Winiger und Jubaira Bachmann die Mr.<br />

Gay-Wahl und die Miss Drag Queen-Wahl<br />

moderiert. Der Stylist, Kolumnist und<br />

Moderator ist ein Mann des Rampenlichts,<br />

wovon sich auch die Gäste dieser Mr. Inside<br />

Wahl überzeugen werden können.<br />

In der Jury sitzen Branko B. Gabriel,<br />

Bur<strong>im</strong> Shala von den Wonderworld Parties,<br />

der Fotograf Shpend Salihu und Organisator<br />

Johann Sollberger.<br />

Potentielle «Mr. Inside» können sich<br />

bis zum 25. November über die Emailadresse<br />

johann@emottion.ch mit Photo anmelden.<br />

Mr. Inside-Wahl <strong>im</strong> «Stairs»<br />

3. Dezember <strong>2016</strong> ab 20.00 Uhr.<br />

www.stairsclub.ch<br />

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Janosch Weyermann<br />

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Liste 11<br />

Kand. Nr. 11.27.4<br />

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geruchsbildende Bakterien und abgestorbene Hautschüppchen auf –<br />

unangenehme Gerüche sind die Folge. Daher hat Gillette den BODY5<br />

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39<br />

Collage by: Patrick Mettreaux<br />

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