Taxi Times International - März 2015

taxitimes

MÄRZ 2015 4,80 €

www.taxi-times.com

INTERNATIONAL MAGAZINE

EIN GEWERBE IM WANDEL

YES, WE CHANGE!

CHEF DES US-TAXIVERBANDS

NEIDISCH AUF EUROPA

FAHRER UND UNTERNEHMER

KEINER WILL DEN MINDESTLOHN

DAIMLER & UBER

IM SELBEN BOOT


Zeigt im dichten Stadtverkehr

ihre wahre Größe.

Die neue B-Klasse. Außen kompakt, innen geräumig.

Fahrgäste werden anspruchsvoller. So wie die neue B-Klasse. Viele kleine Details

machen sie noch komfortabler, effizienter und sicherer. Und damit auch für Ihre Fahrgäste

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SEHR GEEHRTE TAXIFREUNDE,

waren Sie auch ein wenig erschrocken, als Sie

unser Titelbild sahen? Uns ging es im ersten

Moment genauso, als uns die Grafik-Agentur

diesen Vorschlag präsentierte. Keiner der dortigen

Mitarbeiter ist Taxiunternehmer, es sind

alles Branchenfremde – und es ist ihre Interpretation

des Wandels, den das Taxigewerbe vor

sich hat. Je länger man das Bild betrachtet, desto

ein deutiger wird, wie vielfältig sich die Taxibranche

in den nächsten Monaten und Jahren

verändern muss.

All diese Themen auf einmal einzupacken, ist

unmöglich. Aber die ersten Schritte werden

gemacht, das zeigen diverse Beiträge in dieser

Ausgabe der Taxi Times. Die einen machen

Erfahrungen im Bereich der Elektromobilität,

andere mit dem Einsatz bargeldloser Bezahlsysteme

usw. Von solchen Einzelerfahrungen kann

eine ganze Taxibranche profitieren – wenn man

sich gut untereinander vernetzt.

– die Redaktion –

INHALT

MINDESTLOHN

7 Warum Fahrer nichts ändern wollen

8 Sparmaßnahmen beim Personal

der Telefonzentralen

TAXI IM WANDEL

10 Besuch bei der weltweit größten

Transportkonferenz: App und autonomes

Fahren standen im Fokus

12 Interview mit dem Chef der US-Taxiverbands:

Warum Al LaGasse auf Europa neidisch ist

17 Glückstädter Kreis: Ideen ohne Tabus

TAXIZENTRALEN

19 Das Erfolgsgeheimnis der besten Taxizentralen

22 Der nächste Schritt:

Bei taxi.eu wird mobiles Payment getestet

MESSEN

24 Zuwachs: Der Salon des Taxis in Paris

hatte mehr Aussteller als bisher

25 Geburt: Die Taxi World Turkey konzentrierte

sich auf den heimischen Markt

TAXIS DER ZUKUNFT

Eine Marke der Daimler AG

TERMINE

TAXIintell Update

Internationale Taxi & Mietwagen

Konferenz

23.–24.4.2015 – Amsterdam, H

www.taxiintelligence.com

Internationale Konferenz Modern Taxi II

27.–29.5.2015 – Novosibirsk, Russland

msw@taxilife.ru

4. Norddeutscher Taxi- und Mietwagentag

13.6.2015 – Hamburg

www.taxitag.de

Eurocab Anwendertreffen der

FMS/Austrosoft-Zentralen 2

14.–16.10.2015 – Antwerpen, Belgien

www.eurocab.info

7. Taxitreff 2015

Inklusive Taxi Times Seminar

„Der große Umbruch“ (deutschsprachig)

29.–31.10.2015 – Mallorca Spanien

www.taxitreff.de

28 Serie Elektrotaxis, Teil 3: die ersten Erfahrungen

mit der Mercedes B-Klasse Electric Drive

WETTBEWERB

31 Die Wetten auf den Verprügelten: Ubers

Niederlagen schrecken die Investoren nicht ab

32 Daimler & Uber: Über ein Carpooling-Portal

sind beide nun im selben Boot

33 Falsche Liga: Mit wem Uber finanziell

mittlerweile auf Augenhöhe ist

KOMMENTARE

6 Unsere Meinung zu einem Taxigewerbe,

das aus mehr als nur aus Apps bestehen muss

22 Gastkommentar: Warum die ersten

in Großserie produzierten Wasserstoff-

Fahrzeuge als Taxis fahren sollten

STÄNDIGE RUBRIKEN

4, 26 News in Kürze

26 Impressum

Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart

TAXI MÄRZ / 2015

3


PERSONEN

ISTANBULER

TAXI-GALA

Die Taxiworld Turkey, die

erste Taximesse der Türkei,

hat mit einem Gala-Abend

einen würdigen Rahmen

bekommen.

TAXI.EU

STARTET IN ISTANBUL

Die Türkei ist ein stolzes Volk und ihre Unternehmen

sind nicht weniger stolz. Das Istanbuler Unternehmen

taxi.eu Turkey hatte als Gastgeber des Gala-Abends

zahlreiche Aussteller der Taxiworld Turkey, Funktionäre

der Istanbuler Verbände, Partner des Unternehmens

und natürlich auch Vertreter der IRU und

von taxi.eu eingeladen. Orcan Günmez,

einer der Firmeninhaber, stellte

dabei ausführlich die neue

Kooperation zwischen seinem

Unternehmen und taxi.eu

vor. Die Taxi-Bestell-App,

Gründungsmitglied des

europäischen Netzwerks

GTN, werde ab April in

Istanbul starten,

erläuterte Günmez. In

einer Metropole wie

Istanbul mit einer

Verkehrsdichte, die viele

andere europäische

Großstädte weit übertrifft,

ist dieser Vermittlungsservice

äußerst hilfreich, um

wertvolle Zeit zu sparen und

Tarifsicherheit und -transparenz für

die Fahrgäste zu garantieren. Gleichzeitig

trägt die zielgerichtete Vermittlung dazu

bei, Leerfahrten für Fahrer zu vermeiden und

Spritkosten zu senken. Orcan Günmez warb bei den

Fahrern und Betreibern der Istanbuler Halteplätze, sich

diesem System anzuschließen.

IRU SENKT DIE

MITGLIEDSGEBÜHREN

„Die Globalisierung des Wettbewerbs zählt zu den größten

Herausforderungen des Taxigewerbes.“ Dies betonte Rezzan

Dagistani, Mitarbeiterin des Istanbuler Büros der

International Road Union (IRU), während ihrer Rede beim

Gala-Abend. Ein Taxigewerbe, das es bisher gewohnt war,

als lokale Branche zu agieren und regionalen rechtlichen

Bestimmungen zu unterliegen, sieht sich nun plötzlich

mit neuen, großen und verschwenderisch finanzierten

Vermittlungs-Plattformen konfrontiert, die lokale Bestimmungen

und Gerichtsurteile ignorieren.

Die Taxi-Gruppe der IRU nehme diese Herausforderung

an der Spitze stehend an und gewinne derzeit auf der

ganzen Welt neue Mitglieder, „um uns noch stärker und

repräsentativer aufzustellen“, sagte Dagistani. Dazu wurden

auch die Beiträge für aktive Taxiverbände um die

Hälfte auf 5 000 Schweizer Franken (derzeit

etwa 4 700 Euro) reduziert, um den Taxiverbänden

und Unternehmen den Einstieg

in die IRU-Gruppe

schmackhaft zu machen. Außerordentliche

Mitglieder zahlen

1 000 CHF (ca. 940 Euro) .jh

AUSZEICHNUNG

FÜR ALIŞAN

Der türkische Sänger Alişan ist

in seinem Heimatland ein Star –

ganz besonders unter den Taxifahrern,

von denen er in einer Abstimmung

zum beliebtesten Sänger gewählt wurde.

Dafür wurde er bei der Gala von Ertan Ucar,

Verbandsvorsitzender eines Berliner Taxiverbands und

Organisator des Abends, mit einem großen Modelltaxi ausgezeichnet.

Alişan bedankte sich mit einem Live-Konzert.

Er sang und tanzte mitten unter den Taxikollegen.

FOTOS: taxi.eu Istanbul, Taxi Times

FOTO: picturesborn-Nessler

BESONDERER

DANK

Was haben diese Besucher eines Wiener

Konzertes der österreichischen Tonkünstler

am 5. Januar gemeinsam? Sie alle

be stellen ihr Taxi regelmäßig bei der Taxizentrale

40100 und werden deshalb seit

nunmehr 16 Jahren zur Taxi-40100-Neujahrsgala

in den großen Musikvereinssaal

eingeladen. Ein Konzert nur für die

Stammkunden und guten Freunde der

Wiener Taxizentrale. Schon oft haben wir

das Taxigewerbe für sein lahmes Marketing

gescholten. Diese Aktion von 40100

ist eine interessante Ausnahme und ein

Beispiel für ein exzellentes und außergewöhnliches

Marketing.

jh

4


UNSERE MEINUNG

MINDESTLOHN

Jürgen Hartmann

und Wim Faber.

Über einen Schlüssel werden die

Taxameterdaten in ein Abrechnungsprogramm

übertragen. Dadurch lassen

sich auch Pausenzeiten erfassen.

ES GEHT UM SO VIEL MEHR


ALS NUR UM APPS

TAXIFAHRER WOLLEN

KEINE VERÄNDERUNG

Das Taxigewerbe agiert derzeit hauptsächlich als Feuerlöscher, lässt

sich aber von den Erfolgen und Initiativen inspirieren. Das macht Mut.

Eine kurze Reise in die USA bestätigt:

TNCs (Transportation Network

Companies, was wir normalerweise

als „Apps“ bezeichnen) beherrschen die

Mobilitätsbranche. In den USA vielleicht

sogar mehr noch als in der europäischen

Taxi- und Mietwagenbranche. Die vielen

Gespräche bei der Jahres versammlung des

Transportforschungsgremiums TRB zeigte

die hohe Nachfrage nach Seminaren über

Apps und Taxis, über Apps und autonomes

KREDITKARTEN

Ab 8. Mai werden Berliner Taxifahrer

gesetzlich verpflichtet, Kreditkarten

zu akzeptieren. Es ist bemerkenswert,

dass ein Gesetz etwas vorschreiben

muss, was eigentlich für

ein Dienstleistungsgewerbe selbstverständlich

sein sollte. Während die

Taxibranche immer noch darüber

nachdenkt, ob man überhaupt

bargeldlose Zahlungen annehmen

sollte, geht es aus Sicht der Technik

längst darum, den Vorgang unter

dem Stichwort Mobile Payment so

einfach und schnell wie möglich

abzuwickeln. Wir berichten auf Seite

22 über die Integration des Mobile

Payment in eine Taxi-App. Der Startschuss

ist übrigens in Berlin.

Fahren und vor allem über tiefe Blicke in

die Kristallkugel. Wo werden wir – also die

Taxi- und Mietwagen-Branche – in einem

Jahr, in zwei oder fünf Jahren sein? Was können

wir, die weltweit verbundenen Betreiber

und Kollegen, voneinander lernen und

als Ansatz entwickeln, um unsere Branche

zu verteidigen und weiterzuentwickeln?

Wir von Taxi Times versuchen immer,

am Puls der Zeit zu bleiben, und da kann

eine Woche schon sehr lang sein. Wir

scheinen keine ruhige Minute zu haben,

da wir zu oft damit beschäftigt sind, die

von den TNCs entfachten Feuer zu löschen.

Das gilt auch für die Taxi, Limousine and

Paratransit Association (TLPA), deren CEO

Al LaGasse in einem ungewöhnlich langen

Interview seine Meinung zur Situation in

„seiner“ Branche, zur wachsenden Bedeutung

und Entwicklung der TNCs und über

neue, von der Branche entwickelte und eingesetzte

Strategien erläuterte.

DIE VEREDELUNG DER

TAXIBRANCHE

Es macht Mut zu hören, dass Gerichtsverfahren

im Ausland mit TNCs, Beispiele von

Initiativen der Branche im Ausland und

ein frischer Ansatz wie GTN die Kollegen

in anderen Ländern wirklich inspirieren.

Bemerkenswert ist, dass das Land, das

uns Ende der 1920er-Jahre den „Fordismus“

gebracht hat – eine von Autohersteller

Henry Ford entwickelte Methode,

gemäß welcher jede Aufgabe in der Kfz-

Produktion auf den kleinstmöglichen Teil

heruntergebrochen wird –, gerade die „Veredelung“

der Taxi-Branche erfährt: „Uberisation“.

Wendet man die Uber’schen

Regeln an, wird es für viele von uns keine

Arbeit oder gar Karrieren in der Taxi-Branche

mehr geben, sondern wir werden ein

paar Stunden für Uber und ein paar Stunden

für eine andere App arbeiten usw. Nie

eine normale Arbeitswoche und nie eine

angemessene Bezahlung. Jeder Fahrer

wird mehrere App-Jobs erledigen müssen,

um genügend Zeit zusammenzubekommen,

um genügend Geld zu verdienen.

THEMEN AUF EIS GELEGT

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass

viele Themen im Moment auf Eis gelegt

werden. Themen, die früher im Fokus der

Taxi-Branche standen und die immer mehr

in Vergessenheit geraten: umweltfreundliche

Taxis und Geschäfte oder Taxis als effiziente,

sichere und verlässliche öffentliche

Verkehrsmittel. Nur um ein paar der Themen

zu nennen.

Jürgen Hartmann

CHEFREDAKTEUR

Wim Faber

CHEFREDAKTEUR

FOTO: Gudrun Hartmann

FOTO: Hale

Bei der Umsetzung der Mindestlohn-Vorschriften setzen Taxibetriebe

auf Umrechnungstabellen und unbezahlte Pausenzeiten. Letzteres

sogar auf ausdrücklichen Wunsch der Fahrer!

Aller Anfang ist schwer. Manchmal sogar kompliziert. In

Erfurt, der Hauptstadt von Thüringen, hatten die Genehmigungsbehörden

im Dezember 2014 noch eine Tariferhöhung

für die Taxis beschlossen, damit diese den Mindestlohn

bezahlen können. Erfurt folgte damit dem Beispiel vieler Genehmigungsbezirke.

Dies führte zu einem Programmierungs-Engpass bei den Taxameter-Herstellern.

In Erfurt konnten die neuen Tarife nicht aufgespielt

werden. Also fertigte man Umrechnungstabellen an und

errechnete die Fahrten anhand der gefahrenen Kilometer und der

daraus in der Tabelle aufgeführten Tarife. Die Wartezeit blieb

unberücksichtigt.

Die Genehmigungsbehörde hatte dieses Verfahren genehmigt.

Doch was zunächst wie eine pragmatische Lösung aussah, wurde

immer mehr zum Image-Fiasko. Die Fahrgäste trauten den Tabellen

nicht, die von manchen Fahrern offenbar auch sehr unterschiedlich

„interpretiert“ wurden. Die Presse berichtete von

überteuerten Taxifahrten, manche Lokalpolitiker zweifelten plötzlich

die Rechtmäßigkeit der Tariferhöhung an. Mittlerweile sind

fast alle Taxameter programmiert, doch der Imageschaden bleibt.

Ebenso bleibt in Erfurt die Ungewissheit, ob trotz höherer Tarife

auf Dauer ein Mindestlohn bezahlt werden kann. Wolfgang

Schwuchow, dessen Betrieb in diesem Jahr das 25-jährige Firmenjubiläum

feiern wird, wollte gegenüber Taxi Times noch keine

Prognosen abgeben. Nur eines ist bei ihm ganz sicher: Er wird die

Standzeiten am Halteplatz als zu bezahlende Arbeitszeit berechnen.

Damit agiert der Erfurter Taxiunternehmer ganz anders als

viele Kollegen. Vor allen in den Großstädten wird weiterhin nach

Umsatzbeteiligung entlohnt – auf ausdrücklichen Wunsch der

Fahrer, besonders der umsatzschwächeren Kollegen. „Taxifahren

bedeutet für mich, dass mir niemand vorschreibt, dass ich meine

Schicht um Punkt sechs Uhr zu beginnen habe. Und dass ich am

Standplatz auch mal mit den Kollegen reden kann oder die Zeitung

in Ruhe lese“, bringt es ein Fahrer auf den Punkt. „Es ist für

mich aber auch selbstverständlich, dass mich mein Chef dafür

nicht bezahlen muss.“

Also entsprechen viele Unternehmer in der Republik dem

Wunsch ihrer Fahrer und halten an der Entlohnung nach Umsatz

fest. Dafür werden nun landauf und landab die Pausenzeiten der

Fahrer erfasst. Da und dort handschriftlich, woanders über eine

Zusatzfunktion im Taxameter. Manch einer macht es noch genauer:

Durch das Key-System werden die Daten aus dem Taxameter

in die Abrechnungssoftware übertragen. Somit sind alle Zeiten

erfasst, in denen der Taxameter nicht im Besetzt-Status war.

Übersteigt dieser Zeitraum 15 Minuten, kann das als Pausenzeit

angerechnet werden, wobei ein aufwendig programmierter Algorithmus

eine errechnete An- und Abfahrtszeit zum und vom

Standplatz abzieht.

Bei der Schichtabrechnung bekommt der Fahrer alle diese

Pausenzeiten angezeigt und kann nun selbst definieren, welche

davon tatsächliche Pausen waren oder Bereitstellung. „Die ersten

Auswertungen haben gezeigt, dass die meisten Fahrer aufgrund

der angegeben Pausen bisher mehr als den Mindestlohn verdient

haben“, berichtet ein Unternehmer. Er ist aber nicht sicher, ob

diese ehrliche Selbsteinschätzung seines Personals auch tatsächlich

einer Prüfung standhält, weswegen er in diesem Bericht auch

nicht namentlich genannt werden will.

Wie so viel andere leidet auch dieser Kollege unter den Unsicherheiten

eines Gesetzes, dessen Interpretationsspielraum viel

zu breit gefasst werden kann. •

jh

6 TAXI MÄRZ / 2015

7


MINDESTLOHN

MINDESTLOHN

MINDESTLOHN FÜR

ZENTRALPERSONAL

8,50 Euro müssen in Deutschland seit Januar nicht nur den Fahrern

bezahlt werden, sondern auch den Mitarbeitern in der Telefonannahme.

Wir zeigen zwei unterschiedliche Beispiele, wie Zentralen und

Betriebe dieses Problem gelöst haben.

Frankfurter Taxizentrale. Der Wermutstropfen:

Salimov musste acht Mitarbeiter

entlassen, Holl sechs. Der Vorteil: Die Kostenersparnis

kommt dem Fahrpersonal

zugute. „Das Geld fließt jetzt 1:1 in die

Gehälter der Fahrer. Sie haben monatlich

2 000 Euro sicher“, rechnet Salimov vor.

„Wir hatten ab Januar einen Lohnanstieg

von 30 Prozent zu kompensieren und da

wurde jeder Euro zweimal umgedreht, um

Einsparpotenziale zu finden“, so Dirk Holl,

Prokurist und für die kaufmännische Ausrichtung

verantwortlich. „Es traf letztendlich

unsere Disposition mit ihren sechs

Arbeitsplätzen, da wir ja pro Fahrzeug

immer noch einen Fahrer benötigen und

auch auf diese angewiesen sind.“

Nun können beide Betriebe weiterhin

ihren 24-Stunden-Service bei der Taxibestellung

anbieten. Im Idealfall läuft die

Vermittlung so reibungslos, dass der

Kunde nicht merkt, dass seine Bestellung

gar nicht in seiner Heimatstadt aufgenommen

wurde. n

jh

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Uwe Franz (rechts) und

Rolf Kaden (links) von

Löwentaxi besiegeln die

Zusammen arbeit mit

Hans-Jörg Brauer von

Taxi 4233.

DIE GETEILTEN

MITARBEITER

Leere Funkplätze bei Taxi

Holl in Gaggenau.

Die Anrufer landen bei

einem 175 Kilometer

entfernten Taxi-Service-

Center in Großostheim.

Sie sind eigentlich Konkurrenten und arbeiten mit völlig unterschiedlichen

Vermittlungs systemen. Trotzdem haben zwei

Leipziger Taxizentralen nun einen Weg für eine Zusammenarbeit

gefunden.

DIE ENTLASSENEN

MITARBEITER

Viele größere Taxibetriebe in Deutschland vermitteln ihre Fahrzeugflotte über eine eigene

Zentrale. Zwei von ihnen haben sich nun größeren Callcentern angeschlossen.

Zum einen schreibt es sowieso die Betriebspflicht

vor, zum anderen will man den Kunden

uneingeschränkten Service bieten:

Etliche Taxibetriebe sind an sieben Tagen

pro Woche 24 Stunden lang telefonisch

erreichbar. Für manche von ihnen ist dies

unter Einhaltung der Mindestlohn-Vorgaben

nicht mehr wirtschaftlich. Sie reagieren

deshalb mit der Schließung der eigenen

Vermittlung und leiten ihre Anrufe an ein

Taxi-Service-Center weiter.

FAHRER HABEN MONATLICH

2 000 EURO SICHER

Anrufer bei Taxi Holl beispielsweise landen

künftig nicht mehr in der betriebseigenen

Vermittlungszentrale in Gaggenau,

sondern im 175 Kilometer entfernten

Großostheim – bei einem Callcenter, das

über die nötige Erfahrungswerte bei der

Taxivermittlung verfügt. Auch Elmar Salimov

von Blitz-Taxi in Fulda baut auf die

Erfahrung von Taxiprofis. Bei ihm landen

die Anrufer nun bei Main Taxi, einer

FOTO: Taxi Holl

FOTO: Löwentaxi

Beide haben jeweils einen Arbeitsplatz

eingerichtet, von dem aus Aufträge an die

Fahrzeuge der Wettbewerbszentrale vermittelt

werden können. Nachts und in den

Abendstunden unter der Woche sowie am

Wochenende nimmt eine Zentrale auch

die Be stel lungen der anderen auf. Beide

wechseln sich dabei im wöchentlichen

Rhythmus ab.

Diese Kooperation der Leipziger

Löwentaxi-Genossenschaft, eine von

Deutschlands ältesten Taxivereinigungen,

mit der Zentrale 4233, in Leipzig als „das

Taxi mit der Mütze“ bekannt, ist durch aus

bemerkenswert, denn beide Zentralen

agieren mit unterschiedlichen Vermittlungs

systemen. Eine Zusammenführung

der Soft- und Hardwarekomponenten in

eine Auftragsvermittlung war somit nicht

möglich.

Deswegen musste man den umständlicheren

Weg gehen und die Mitarbeiter

der Zentrale auf das jeweils andere Vermittlungssystem

schulen. Wer also am

doppelten Arbeitsplatz sitzt, kann sowohl

die Aufträge der eigenen Zentrale als auch

die der Partnerzentrale annehmen. Somit

bleibt weiterhin gewährleistet, dass Anrufer

auch garantiert ein Taxi ihrer gewählten

Zentrale vermittelt bekommen.

„Die Eigenständigkeit der beiden

Zen tralen wollten wir unbedingt bewahren“,

erläutert Hans-Jörg Brauer, Ge schäftsführer

beim Taxi mit der Mütze. Der

Synergie effekt entsteht durch die Pe rsonal

einsparung. „Dadurch sind wir als Zentrale

in der Lage, den gesetzlich eingeführten

Mindestlohn umzusetzen“, freut

sich Uwe Franz, Vorstandsmitglied bei

Löwen-Taxi. Für ihn ist dieser Schritt nur

der Anfang. „Vorstellbar wäre auch eine

Zusammen arbeit bei der Werkstatt, beim

Taxameterservice oder bei der Abrechnung

unserer Krankenfahrten.“ n jn

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TAXI IM WANDEL

Dr. Mundy: „Es gibt Gerichtsverhandlungen,

die erst in zwei bis

vier Jahren entschieden werden.“

Mac Urata von der International Transport

Workers’ Federation (ITF), dem Internationalen

Verband der Transportbeschäftigten, warnte,

dass sich TNCs negativ auf die Sicherheit der

Fahrer aus wirken könnten.

In der Diskussion über TNC/Taxis nahm der Ausschuss

„Das Taxi der Zukunft“ sehr viel Raum ein.

IM FOKUS: APPS UND

AUTONOMES FAHREN

In den USA sind Apps schon länger ein Thema als in allen anderen

Ländern. Bei einer Konferenz wurde die Unsicherheit des Taximarktes

deutlich. Prognosen sind völlig unmöglich.

Bei der weltweit größten Transportkonferenz, der Jahreshauptversammlung

des TRB in Washington, D. C. vom 11.

bis 15. Januar, wurde eine nicht unerhebliche Anzahl von

Gesetzgebern, Registrierungsstellen, Fachleuten, Forschern, Lieferanten,

Beratern, Regierungsvertretern und Akademikern in

Diskussionen über Taxis, Taxi-Apps und selbst fahrende Fahrzeuge

hineingezogen.

Bei den zahlreichen Veranstaltungen über mit dem Internet

verbundene und selbst fahrende Fahrzeuge gab es nur noch Stehplätze.

Wenn Sie glauben, dass es bereits morgen selbst fahrende

Fahrzeuge geben wird, dann täuschen Sie sich allerdings. Google,

einer der Hauptentwickler, informierte bei der Konferenz darüber,

dass es noch mindestens fünf Jahre dauern würde, in denen mehr

Tests durchgeführt werden müssten. Denn noch habe die Software

Probleme damit, Vorfälle auf und neben der Straße wie beispielsweise

spielende Kinder richtig einzuordnen.

Die Gesetzgebung ist der tatsächlichen Existenz selbst fahrender

Fahrzeuge in vielen Bereichen weit voraus, obwohl in einem

kleinen Industriegebiet in Singapur bereits Tests mit fahrerlosen

Taxis durchgeführt werden. Bis zum vergangenen Jahr hieß es im

Wiener Übereinkommen zum Straßenverkehr von 1968, dass ein

Auto einen Fahrer am Steuer haben müsse. Eine nur wenig

bemerkte Änderung des Übereinkommens lässt nun zu, dass Fahrer

das Steuer fahrerloser Autos loslassen.

Bisher machten die Themen Taxi und Mietwagen nur einen

geringen Anteil an der Jahreshauptversammlung des TRB aus,

meist im Rahmen des Behindertentransports. Aber die Aktivitäten

von Apps haben das Thema Taxi mehr in den Vordergrund

gerückt. In einer dreistündigen Sitzung („Taxis der Zukunft“)

wurde tapfer versucht, diese dringende Angelegenheit ausführlicher

zu beziffern.

Die sogenannten Transportation Network Companies (TNCs)

verändern die Taxilandschaft mit hoher Geschwindigkeit. Es

wurde viel Bezug genommen auf die Deregulierung der Speditionsbranche

in den USA in den 80er-Jahren. Und auch auf plötzliche

Veränderungen in der Musikindustrie, die noch nicht so

lange her sind. Erinnern Sie sich vielleicht noch an Napster? „Es

gibt verschiedene Märkte mit verschiedenen – stellenweise

beschränkten – Regelungen, verschiedenen Preismodellen und

brandneuen Elementen. Jetzt gibt es mindestens zwei verschiedene

Geschäftsmodelle“, so Dr. Ray Mundy (Taxi-Experte der Universität

von Missouri). „Die Taxibranche wird sich mit

schwindelerregender Geschwindigkeit verändern.“

FLUGHAFEN: TAXIS UND TNCS

„Vergessen Sie nicht, dass diese Änderungen nur gut zwei Jahre

alt sind. Es gibt noch offene Gerichtsfälle in Bezug auf TNCs, die

erst in zwei bis vier Jahren entschieden werden. Und dann wird

Berufung eingelegt.“ Prognosen? „Nein, völlig unmöglich.“ Es

reicht wohl zu sagen, dass die App den Fahrer kontrolliert. Damit

wird ein Arbeitgeber/Arbeitnehmer-Verhältnis geschaffen, wohingegen

der Taxifahrer in den USA ein selbstständiger Betreiber ist.

Dann gibt es noch Versicherungsprobleme, teilweise aus dem

Grund, dass es keine Daten für die TNC-Versicherung gibt. Oder

jedenfalls keine, die die TNCs gerne veröffentlichen würden. Dieser

Datenschutz der TNCs ist ein allgemeines Problem, mit dem

auch die Aufsichtsbehörden zu kämpfen haben. Erst seit Kurzem

scheinen TNCs in Boston und New York bereit zu sein, sich von

FOTOS: Wim Faber

FOTO: Wim Faber

ihren Daten zu trennen. „Und schließlich“, sagte Mundy, „beobachten

die Flughäfen diese Entwicklungen sehr genau und überlegen,

ob sie TNCs in ihre Geschäftsmodelle integrieren.“ Da die

meisten Flughäfen innerhalb und außerhalb der USA diese Punkte

selbst regeln, müssen Taxis vermutlich bald ihre Plätze mit

TNCs teilen.

Den TNCs, die reibungslosen Service mit immer weiter steigender

Qualität anbieten, bereitet die Preissteigerung weiterhin

Kopfzerbrechen. Nach Angaben von Curb, einem weiteren US-

Wettbewerber, können die verschiedenen Mobilitätsmodelle nur

auf einem ausgeglichenen und ebenen Spielfeld vollständig und

fair miteinander konkurrieren. Ubers größer Konkurrent Lyft, der

in 65 Städten in den USA aktiv ist, baut auf den halbherzigen

Fahrgemeinschaftsinitiativen aus den 70ern auf, allerdings mit

anderer Technologie und mehr Effizienz. Die App gibt an, dass

Fahrzeuge und Lebensläufe geprüft werden und für eine angemessene

Versicherung gesorgt wird. Die App ist jetzt 2,5 Jahre

alt und übernimmt nach eigenen Angaben häufig Zubringerfunktionen

zu öffentlichen Transportmöglichkeiten (hauptsächlich in

San Francisco) und stößt in viele Bereiche mit niedrigerem Einkommen

vor. Jüngste Entwicklungen: Lyft Line, ein billigeres

Fahrgemeinschaftssystem für einen oder zwei Fahrgäste und „Fahrerzielort“,

bietet nur Abholungen auf dem Heimweg des Fahrers.

Obwohl Lyft betont, dass „wir uns Regelungen wünschen“, sieht

das Unternehmen die Rahmenbedingungen für die berufliche

Ausbildung der Taxifahrer als eine „Eintrittsbarriere“.

WER KÜMMERT SICH UM DIE UMWELT?

Das Thema Umwelt („Unterstützen TNCs die Umwelt oder schaden

sie ihr vielmehr?“) wurde von Green Tomato Cars, einem vor zehn

Jahren gegründeten, umweltfreundlichen Limousinenunternehmen,

das nun im Eigentum des französischen Unternehmens

Transdev ist, angesprochen. Laut ihm sind in den Bereichen Straßeninfrastruktur

und Technologie umfassende Änderungen im

Gange. „Städte werden vollständig elektrisch betrieben werden.

Ich würde mein Geld auf fahrerlose Elektrofahrzeuge setzen, die

laufend per Induktionsschleifen aufgeladen werden.“ Die Kehrseite

wird sein, dass Apps und Privatfahrzeuge verschwinden und

der flexible öffentliche Personenverkehr die Herrschaft übernimmt.

„Uber und Lyft werden die Lücke umgehend mit mehr

Fahrzeugen füllen und somit zu mehr Staus beitragen.“ Das ist

nicht gerade zum Vorteil der Umwelt. Da Universal-Apps in den

USA gerade der letzte Schrei zu sein scheinen, äußerte Autocab,

ein Zulieferer von Abfertigungssystemen aus dem Vereinigten

Königreich: „Ja, die Taxibranche ist wettbewerbsfähig!“ Sie vereinigt

mittlerweile verschiedene und miteinander konkurrierende

Flotten in einer universalen Auftragssoftware. Washington, D. C.

entwickelt intern seine eigene App. Und seine nun aufgeräumte

Flotte akzeptiert jetzt Kreditkarten und wird in wenigen Jahren

vollständig rollstuhlgeeignet sein.

„Was steht von aufsichtsrechtlicher Seite auf dem Spiel?“,

fragte der Berater Bruce Schaller. „Anpassung der gegenwärtigen

aufsichtsrechtlichen Struktur und außerdem die Schaffung eines

ausgeglichenen Spielfeldes oder Einführung von ,Uber-Regelungen‘

mit einer Abwärtsspirale, in der schließlich der am wenigsten

respektierte Betreiber gewinnt.“ Ihm zufolge wird die

wachsende Taxi- und Mietwagenbranche (plus 42 Prozent zwischen

2002 und 2012) von einer archaischen Vorschriftenstruktur

geregelt, die die Vorschriften für Taxis, Mietwagen und TNCs

in einer Behörde vereinen soll.

Gibt es eigentlich auch gute Neuigkeiten? Laut Matt Daus, ehemals

bei der Aufsichtsbehörde in New York und Präsident der

International Association of Transportation Regulators IATR, findet

gerade eine aufsichtsrechtliche Gegenreaktion statt. „Uber

und Lyft haben verloren, die Aufsichtsbehörden haben gewonnen.“

Innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren werden in einer der

vielen Gerichtsverhandlungen die TNC-Gesetze für nichtig erklärt

und dann liegt die Verantwortung wieder bei den Aufsichtsbehörden,

so Daus. Und die Datenspionage- und Datenschutzfragen,

gegen die Uber so gekämpft hat, werden auch nicht einfach verschwinden.

Auch in diesem Bereich gibt es Gerichtsverhandlungen.

Wir leben in aufregenden Zeiten. •

wf

Die Jahreshauptversammlung des Transportation

Research Board (TRB) in

Washington DC (11.–15. Januar) ist die

weltgrößte Transportkonferenz mit 12 000

Fachleuten, 5 000 Vorträgen, 750 Sitzungen.

Ein riesiger „Wissenssupermarkt“.

Dieses Mal waren Taxis, Apps und selbst

fahrende Fahrzeuge die heißesten Themen.

10 TAXI MÄRZ / 2015

11


TAXI IM WANDEL

TAXI IM WANDEL

ALFRED LAGASSE, CEO DES TLPA:

„ES HAT LANGE GEDAUERT,

BIS DIE BRANCHE

DIE GEFAHR ERKANNT HAT“

Al LaGasse, Geschäftsführer der TLPA,

ist auf die Entscheidungsfreudigkeit ausländischer

Rechtssysteme bei der Ergreifung

strikter Maßnahmen gegen illegale

TNCs sehr neidisch. TNC ist die

Abkürzung für „Transportation Network

Companies“ (Transportnetzwerkunternehmen),

also Vermittler, die eine Verbindung

zwischen Fahrern von nicht gewerblichen

Privatfahrzeugen und Fahrgästen

herstellen. LaGasse wünscht sich,

dass amerikanische Gerichte mehr Stärke

zeigen und dem Beispiel aus dem Ausland

folgen.

Es vergeht kein Tag, an dem nicht eine

der Apps in den Schlagzeilen steht. In

den letzten drei Jahren verbrachte La-

Gasse seine langen Arbeitstage damit,

die Mitglieder im ganzen Land bei ihrem

Kampf gegen die illegalen Apps zu unterstützen.

TAXI TIMES: Begonnen hat alles in

San Francisco …

AL LAGASSE: „Obwohl Uber bereits vor

fünf Jahren in San Francisco seine Anfänge

hatte, blieb das Unternehmen lange

Zeit unbemerkt. Bemerkenswert ist, dass

TaxiMagic, nun Curb, vor Uber auf dem

Markt war, aber diese App stellt die Verbindung

zwischen Taxifahrgästen und

lizenzierten Taxiunternehmen her.“

»Je mehr Konsens

es innerhalb

der Branche gibt,

umso besser

ist es.«

Welches waren die bedeutendsten

Änderungen in den letzten Jahren?

„In letzter Zeit wurden Uber, Lyft und

Sidecar zu wichtigen Akteuren auf Landesebene.

Vorher waren sie nur auf

einigen Märkten wie San Francisco und

Seattle tätig. Mitte 2013 fing Uber damit

an, auch in Washington, D. C., Boston und

Chicago ihren UberBlack-Dienst anzubieten.

Es dauerte nicht lange und UberX

(UberPop) wurde

eingeführt. Danach

stand dem Wachstum

nichts mehr im Wege. Wir

ließen die Alarmglocken sowohl

auf nationaler als auch internationaler

Ebene läuten, aber viele Mitglieder,

insbesondere die in kleineren Bezirken,

waren der Überzeugung, die TNCs würden

sich auf Großstädte beschränken und

nichts mit ihnen zu tun haben.“

Nun sind sogar relativ kleine Städte

betroffen.

„Es hat lange gedauert, bis die Branche

die nationale und internationale Entwicklung

bemerkt hat. Unsere erste Aufgabe

bestand darin, allen klarzumachen, dass

es sich hierbei um ein branchenweites

Problem handelt. Wir waren da nicht weitergekommen

– bis April 2014, als Lyft

plötzlich innerhalb von einer Woche in

24 US-amerikanischen Großstädten seine

Tätigkeit aufnahm und UberX auf dem

Fuß folgte. Das Rennen um die Marktbeherrschung

im TNC-Bereich und die Fahrer

hatte begonnen.“

FOTO: Wim Faber

Die Taxibranche bekam die Auswirkungen

als Erstes zu spüren. In vielen

Gegenden, in denen TNCs seit über

einem Jahr tätig sind, verzeichnete

die Taxibranche einen Einkommensrückgang

von ca. 40 Prozent, in San

Francisco spricht man sogar von 65

Prozent.

„Diese Zahl steht in keinem Verhältnis

zur Realität und ist nicht repräsentativ.

Die Taxiunternehmen reagierten damals

als Erste. Die Limousinen-Branche inklusive

ihrer Behindertendienstleister wacht

erst jetzt auf. Die hatten vorher andere

Probleme.“

Uber möchte einen rollstuhlgerechten

Dienst in San Francisco anbieten.

„Meiner

Meinung

nach eine reine

PR-Maßnahme. Bisher

ist ihr Angebot für

Menschen mit eingeschränkter

Mobilität miserabel.“

Je mehr Konsens es innerhalb der Branche gibt, umso besser ist es.

Die TNCs haben auch bei der Preisgestaltung

massiv in die Taxibranche

eingegriffen.

„Im Allgemeinen liegen ihre Preise

um 20 bis 40 Prozent niedriger, außer

während der kurzfristigen drastischen

Preiserhöhungen, die viel öfter eintreten,

als man denkt. Mehrmals täglich

sind TNCs viel teurer als Taxis. Uber

bietet einen Taxidienst, nennt ihn aber

nicht Taxidienst und denkt somit, die

Regeln, die für Taxis gelten, gelten

nicht für Uber. Das Unternehmen profitiert

von dieser Vorgehensweise und

ihm entstehen auch nicht die Kosten,

die lizenzierten Taxiunternehmen auferlegt

werden.“

Die höchsten Einsparungen werden bei

Versicherungen gemacht. Die meisten

TNCs behaupten, ordnungsgemäß versichert

zu sein. Die Taxibranche widerspricht

dieser Behauptung vehement.

„Dieser Versicherungsschutz weist große

Lücken auf. So viele Lücken, dass 28 Bundesstaaten

bereits vor der TNC-Versicherung

gewarnt haben. Es handelt sich nicht

um eine Vollversicherung, d. h. man muss

zuerst die Versicherung des Fahrers in

Anspruch nehmen. Erst wenn diese den

Schadensfall nicht reguliert, kann man

den Anspruch gegenüber der Versicherung

von Uber geltend machen. Die Versicherungssituation

hat sich seit den

Anfängen durch den Druck der Öffentlichkeit

zwar gebessert, man darf aber

nicht vergessen, dass ein Kunde, der sich

mit den Geschäftsbedingungen von Uber

einverstanden erklärt, auch auf sein Recht

verzichtet, gegen Uber zu klagen. Das gilt

ebenso für die Fahrer: Auch sie verzichten

auf ihre Rechte.“

Warum macht Uber so ein Theater

wegen der richtigen Versicherung?

12 TAXI MÄRZ / 2015

13


TAXI IM WANDEL

„Versicherungsschutz ist ein wesentlicher

Kostenfaktor. Unsere Branche

muss Direktversicherungen abschließen.

Jeder lizenzierte Taxi-, Limousinen-,

UberBlack oder UberSUV-Fahrer

und in New York jeder Minicab-Fahrer

hat gewerblichen Direktversicherungsschutz

und das Fahrzeug

ist 24 Stunden

am Tag, 365 Tage im

Jahr versichert. Bei

unserer Versicherung

handelt es sich

um eine gewerbliche

Direktversicherung

und unsere Kfz-

Haftpflichtversicherung

entschädigt die

Geschädigten und erfüllt die staatlichen

finanziellen Versicherungsvoraussetzungen.

Uber hat Unsummen für Lobbyisten

ausgegeben, um sicherzugehen, dass sie

keine Versicherungen gleicher Art und

Qualität abschließen müssen. Sie haben

vermutlich mehr für Lobbyisten ausgegeben

als für den tatsächlichen Versicherungsschutz.

Langfristig gesehen hoffen

sie, so Geld zu sparen. Dies ist einer

der Hauptgründe, warum sie niedrigere

Preise anbieten können.“

Sie sagten, Sie haben die internationale

Branche gewarnt. Hört niemand zu?

„Wir haben viele, sehr intelligente Mitglieder

überall auf der Welt, aber als diese

Geschäftsmodelle zum ersten Mal aufkamen,

war deren Reaktion genau wie unsere:

,Sie werden sich nicht halten‘ und ,Es

gibt ja schließlich Regelungen.‘ Vor allem

wenn es um die öffentliche Sicherheit

geht. Es ist schwer zu glauben, dass man

mit genügend Investitionskapital den gleichen

Dienst wie wir anbieten kann, ohne

die gleichen Voraussetzungen in Bezug

auf die öffentliche Sicherheit zu erfüllen.

Es gibt Regeln für Versicherung, Fahrzeugprüfungen

und Überprüfung der Fahrer.

Die Verletzung dieser Regeln bedeutet

gleichzeitig Kosteneinsparungen. Was die

öffentliche Sicherheit angeht, ist extremes

Sparen keine gute Idee.“

»Mehrmals

täglich sind TNCs

viel teurer als

Taxis.«

Hatten die Aufsichtsbehörden keine

Bedenken?

„Es ist schon so, dass die Aufsichtsbehörden

den TNCs bis auf wenige nicht gerade

wohlwollend gegenüberstehen. Die Aufsichtsbehörden

kennen die Nuancen der

Branche und der öffentlichen Sicherheit.

Die Politiker hingegen

verstehen die

Branche nicht, sie

haben damit nichts

zu tun. Sie finden das

Marketing der TNCs

interessant, das, was

als ,Fahrgemeinschaft‘

bezeichnet

wird. ,Share Economy‘

– das klingt gut,

probieren wir es mal aus. Aber warum

haben wir wohl seit 100 Jahren die Anforderungen

an die öffentliche Sicherheit?“

Politiker üben Druck auf Aufsichtsbehörden

aus.

„Zweifelsohne neigen die Aufsichtsbehörden

dazu, der öffentlichen Sicherheit

den Vorrang zu geben. Sie hören erst

auf, wenn sie dazu aufgefordert werden.

Wir sind sehr enttäuscht über das mangelnde

Durchgreifen der Aufsichtsbehörden.

Wenn man sich mit deren Vertretern

unterhält, merkt man, dass nicht sie die

Fäden ziehen, sondern die Politiker.“

Hat sich nichts geändert? Uber hatte

ein paar schlechte Monate.

„Ja, TNCs mussten Rückschläge einstecken.

Aber man muss hier differenzieren.

Uber ist der Marktführer. In den USA

und fast überall auf der Welt. Uber ist von

allen am aggressivsten, wenn es um die

Verletzung bestehender Regelungen geht.

Sie akzeptieren keinen Widerspruch,

außer wenn er von einem Gericht kommt.“

Wie kam es zu diesen Rückschlägen?

„Es waren vor allem PR-Rückschläge.

Dezember 2014 war im Allgemeinen der

schlechteste Monat für TNCs. Und zwar

aus verschiedenen Gründen: Ubers arrogante

Aussagen über die Überprüfung

von Reportern und zahlreiche im Fokus

der Öffentlichkeit stehende sexuelle

Übergriffe – im Klartext Vergewaltigungen

– weltweit. Die Medien anzugreifen

war keine besonders gute Idee. Vorher

hatten die Medien nichts gemerkt – und

sie sollten sich dafür schämen! Jetzt sind

sie eher bereit, den Geschichten anderer

zuzuhören.“

War Europas Rolle klar?

„Ja, es hat auch geholfen, dass mehrere

europäische Länder rechtlich dagegen vorgegangen

sind. Die Medien haben genauer

hingesehen und Fehler gefunden. Es gibt

vieles, über das in den Medien berichtet

werden kann. Vor allem wenn die Dinge

nicht so liegen, wie Uber sie darstellt. Was

jetzt geschieht? Uber hatte zwei schlechte

Monate und sie erholen sich wieder.

Sie haben Journalisten zu Cocktails eingeladen,

ihr Personal mit erfahrenen

Fachleuten, die einen Ausweg finden können,

aufgestockt. Meine Botschaft: Haltet

die Gesetze ein, wie es die TNCs in New

York auch tun. Nehmt den Fahrern Fingerabdrücke

ab, lasst die Behörden die

Fahrzeuge überprüfen und zahlt Steuern

und Gebühren in der gleichen Höhe wie

andere Betreiber. Es ist offenbar möglich,

in New York gesetzestreu zu arbeiten.

Warum nicht auch in allen anderen

Städten?“

Waren Sie neidisch auf diese europäischen

Länder?

„Ja, ich war neidisch auf den Rest der

Welt. Ich war über unsere eigenen Politiker

und Gerichtsverfahren enttäuscht.

Uber hat das Recht, das Gesetz zu ändern

und gemäß den Regelungen zu arbeiten.

Aber sie betreiben ihr Geschäft mit der

kaum verhohlenen Ausrede ,Wir sind

anders, die Regeln gelten nicht für uns‘.

Es ermutigt uns, dass andere Länder

ihre Gesetze beachten und anwenden.

Wir hoffen, dass unsere Politiker daraus

lernen.“

Uber-Fahrer nehmen auch am Straßenrand

winkende Fahrgäste mit.

FOTO: Wim Faber

„Die Lage ist heikel. Seit mehreren Jahren

drängt Uber Fahrer dazu, unlizenzierte

Taxidienste zu erbringen und

nun, in einigen wenigen Gemeinden, in

denen sie die Politiker dazu gebracht

haben, UberX gesetzlich zuzulassen, fordert

Uber dieselben Fahrer auf, auf der

Straße keine Fahrgäste mehr aufzunehmen,

die nicht die App benutzt haben.

Sonst bekommt Uber seine Provision von

20 Prozent nicht. Es ist überraschend,

dass Fahrer sich immer noch auf der

Straße in die Reihe stellen und versuchen,

illegal an Arbeit auf der Straße zu

kommen – ohne die App.“

Gibt es Uber-Fahrer, die in der Reihe

warten?

„Natürlich! Uber-Fahrer warten vor großen

Restaurants und Unterhaltungstempeln

in Washington, D. C. ,Kann ich Sie

mitnehmen?‘ Das ist der Standard bei

UberX-Fahrern. Schwer abzustellen. Uber

schränkt auch ihre Haftung ein. Uber gibt

zu, dass derjenige, der den Fahrer nicht

über die App bestellt, nicht versichert ist.“

Wie lautet Ihre Empfehlung an die

Betreiber?

„Es ist schwierig, aber wichtig, die eigenen

Dienste objektiv zu beurteilen. Bieten

Sie einen Dienst an, den die Öffentlichkeit

auch benötigt. Überprüfen Sie Ihre Technologie.

Die großen Unternehmen haben

alle Apps von guter Qualität. Die Botschaft

über die Durchsetzung der Gesetze ist in

den USA nicht angekommen. Nun konzentrieren

wir uns auf die öffentliche Sicherheit.

Außerdem werden Positionspapiere

benötigt, in denen unsere Branche einfach

und direkt beschrieben ist. Weder

die Medien noch die Politiker verstehen

die Branche und ihre Probleme.

Je mehr Konsens es innerhalb der Branche

gibt, umso besser ist es. TNCs haben

für jede neue Stadt einen Plan. Wir sind

nicht nur ein einziges Unternehmen. Jede

Stadt hat andere Anforderungen. Wir

haben keine Patentlösung für deren Vorgehen.

Wir müssen die Betreiber in der

Branche dahingehend informieren, dass

ALFRED LAGASSE

Al LaGasse (60), Geschäftsführer des Verbandes Taxicab Limousine &

Paratransit Association (TLPA) in Rockville, Maryland (USA), trat der

Organisation 1978 mit einem Abschluss in Betriebswirtschaft von der

George Mason Universität bei. LaGasse ist vermutlich der am längsten

amtierende Geschäftsführer eines Taxiverbandes. Durch seine politischen

Fähigkeiten, Führungsqualitäten und seine detaillierten Branchenkenntnisse

in den USA wurde die TLPA zur führenden Autorität in der

US-amerikanischen Taxi-, Limousinen- und Behindertentransportbranche

und er zum Lieblingsmitglied der TLPA.

sie die gleiche starke Botschaft über die

öffentliche Sicherheit verbreiten.“

Ist dies finanziell gesehen nicht ein

sehr unfairer Kampf?

„Wir sind fest entschlossen. Wir müssen

365 Tage im Jahr ständig und unbeirrt

präsent sein. Der Weltverband des Taxigewerbes

(IRU) und die nationalen Verbände

müssen alle Präsenz zeigen. Was

Uber in Dezember passiert ist, hat sich

bereits seit drei Jahren angekündigt: zwei

schlechte Monate 2014. Aber da kommt

mehr auf sie zu. Das Personal der TLPA

nimmt um einen bis sechs Mitarbeiter

zu, aber die Anzahl unserer Berater ist

in den Bereichen Recht, Gesetzgebung,

soziale Medien, Versicherung und PR

14 TAXI MÄRZ / 2015

15


TAXI IM WANDEL

TAXI IM WANDEL

ex trem gestiegen. Es war eine Belastung,

die unsere Mitglieder mitgetragen haben.

Dieses Jahr müssen wir unsere Gebühren

verdoppeln, da wir beträchtliche Kosten

tragen müssen.“

Kann die Branche von den TNCs lernen?

„Wir verlassen uns zu sehr auf unsere Farben,

die Sichtbarkeit unserer Taxis. Das

reicht nicht mehr. Die Leute ziehen es

vor, keine Taxizentrale mehr anzurufen.

Sie drücken lieber einen Knopf auf ihrem

Smartphone. Die Leute mögen das und ich

mag das auch. Richtig gehandhabt erleichtert

die Technologie unser Leben. Wenn

Sie das Fahrzeug, das Sie abholt, auf dem

Smartphone sehen können, schafft das

Vertrauen in den Taxidienst. Eine tolle

Idee. Eine weitere gute Idee ist die Bewertung

der Fahrer. So werden einige der

Fahrer vielleicht kundenfreundlicher.“

All das ist doch eigentlich selbstverständlich


„Die meisten Betreiber in den USA haben

mehr als nur ein Geschäft – die Grenzen

zwischen verschiedenen Diensten sind

2015-01_Lordkiss_210x148.qxp_Anzeige A5 quer 28.01.15 16:38 Seite 1

hier eher verschwommen. In den USA

bahnt sich eine Entspannung vieler Anforderungen

an Lizenzierung und öffentliche

Sicherheit in der Taxibranche an. Ich glaube

fest daran, dass die Anforderungen an

die öffentliche Sicherheit der TNCs strenger

werden müssen, und genauso wie wir

»Weder die Medien

noch die Politiker

verstehen die

Branche und ihre

Probleme.«

Die weltweit erste und einzige individuell anpassbare

Nackenstütze! Die in den 4 Komponenten

• Fahrergröße • Nackentiefe

• Nackenprofil • Kopf-Schulter-Anpassung

verstellbare Nackenstütze ist für jeden Fahrer und jeden

PKW-Typ geeignet.

Zwei Schaumkörper und das Luftpolster der konkav

gearbeiteten Rückseite des Nackenkissens halten Ihre

Halswirbelsäule in Form und dämpfen dort angenehm

die Vibrationen der Sitzlehne während der Fahrt.

müssen auch sie ihre Daten an die Aufsichtsbehörden

weitergeben. Wir hätten

nichts dagegen, weniger Gebühren an die

Städte zu zahlen, um ebenfalls unsere Preise

zu senken und mit den Preisen der TNCs

mithalten zu können. Und wenn die Regeln

für unsere Wettbewerber nicht mehr so

streng sind, dann auch nicht für uns. Wir

müssen neue Geschäftstaktiken wie kurzfristige

Preiserhöhungen in Betracht ziehen.

Es geht nicht darum, deren Vorgehen

nachzumachen und 7- oder 8-mal so viel zu

berechnen, sondern darum, unseren Fahrern,

die bei schlechtem Wetter draußen

sind, einen Anreiz zu geben, auf der Straße

zu bleiben – für die Fahrgäste.“

Eine universelle App für die USA, wäre

das eine Möglichkeit?

„Das ist eine universelle Idee, die umgesetzt

werden kann. Aber unsere Mitglieder

konnten sich bisher noch auf keine

Methode für eine App einigen. Meiner

Meinung nach sollten wir einen Schritt

nach dem anderen machen, wenn wir das

Ziel je erreichen wollen. Der Markt ist

nicht groß genug für 100 Apps in den USA

und mehr als 100 weltweit.“

Wie viele werden es schaffen?

„Ich denke, weniger als fünf Taxi-Apps in

den USA und vielleicht zehn weltweit. Wir

brauchen eine umfassende Deckung. Das

ist ein Ziel, das wir sobald als möglich in

Angriff nehmen sollten. Deshalb glauben

wir, dass GTN eine gute Initiative ist.“ nwf

LORDKISS – das Auto-Nackenkissen

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16 TAXI MÄRZ / 2015

17

FOTOS: Taxi TImes

TABULOSE DISKUSSIONEN

Beim Jahrestreffen des sogenannten Glückstädter Kreises war mal

wieder kein heißes Thema tabu. Ist das Gewerbe bereit für tiefgreifende

Veränderungen – auch jenseits des gesetzlichen Rahmens?

So ganz eindeutig lässt sich diese

Frage nach Abschluss der Tagung

nicht beantworten. Zwar wurde

wunderbar über Themen wie Freigabe der

Taxikonzessionen, flexible Tarife, Taxi-Sharing

oder Kombitickets philosophiert und

kontrovers diskutiert, doch wie viel von

der Theorie wird tatsächlich (gewollt)

umsetzbar sein?

„Man braucht Ideen gar nicht diskutieren,

wenn man diese gleich ablehnt, nur weil

sie derzeit mit dem Rechtsrahmen nicht

vereinbar sind“, wies Michael Müller – in

seiner Funktion als Mitglied des Niedersächsischen

Landesverbands anwesend –

die Bedenken mancher Skeptiker zurück.

Doch beim Jahrestreffen des Glückstädter

Kreises, zu dem sich seit mittlerweile

mehr als zehn Jahren Vertreter der

Nord- und Nordostdeutschen Taxiverbände

und Zentralen zusammenfinden, geht

es genau um das tabulose Entwickeln

neuer Ideen und um Angebote, die vor

allem den Bedürfnissen der Kunden entsprechen.

Wie beispielsweise der Wunsch

nach flexibleren Taxitarifen. Sollte man

nicht denjenigen, die oft mit dem Taxi fahren,

einen Mengenrabatt geben? Wäre es

gerechtfertigt, den Tarif um die Mittagszeit

zu senken, um so die Auslastung zu

erhöhen? Der Kunde würde solche Tarifmodelle

zweifellos begrüßen, das konnte

allen Anwesenden glaubhaft gemacht

werden.

Vielleicht würde der Kunde auch gerne

ein Taxi teilen, auch wenn erste Versuche

diesbezüglich am Münchner Flughafen bisher

wenig Resonanz fanden. Uber & Co

haben in USA längst ein Carpooling-System

entwickelt und es dürfte nur noch eine

Frage der Zeit sein, bis man damit auch in

Europa auf den Markt kommt. Dann müsste

man einem branchenfremden Wettbewerber

abermals das Feld überlassen,

obwohl es ja vereinzelte Lösungen in Hannover

oder Rosenheim gibt. Oder aber man

lässt sich gedanklich auf ganz neue Ansätze

ein: eine Art flexibler Linienverkehr beispielsweise,

bei dem ein Großraumtaxi

immer eine bestimmte Strecke abfährt. Auf

dieser Strecke darf jederzeit und an jeder

Stelle zu- und ausgestiegen werden. Der

Fahrpreis liegt zwischen dem einer Taxifahrt

und dem eines ÖPNV-Tickets. Verdient

wird, wenn genügend Fahrgäste

diese Linie nützen.

Es ist das Wesen des Glückstädter Kreises,

dass solche Ideen angesprochen und

diskutiert werden. Es ist aber auch das

Wesen der Taxibranche, dass sich sofort

zahlreiche Bedenkenträger melden. Sei es,

weil man von einem gescheiterten Versuch

einer „in Ansätzen ähnlichen Idee“ aus

dem Jahre anno dazumal berichten kann

oder auch nur, weil man dazu derzeit keinen

rechtlich möglichen Rahmen sieht

(womit wir wieder beim eingangs erwähnten

Zitat wären).

Dirk Ritter von der Hamburger Genehmigungsbehörde

und langjähriger Gast des

Glückstädter Kreises, kritisierte diese

zögerliche Haltung. Das Gewerbe müsse

sich zwingend mehr auf die Kundenwünsche

einstellen. Die meisten Teilnehmer

des Glückstädter Kreises haben dies verinnerlicht.

Das Jahr 2015 wird zeigen, ob

es nur bei heißen Diskussionen bleibt oder

ob entsprechend gehandelt wird. n jh

Organisator

Thomas Lohse

(stehend) begrüßt

die Teilnehmer

des Glückstädter

Kreises.

DER GLOBE-

TROTTER

Michael Müller (rechts) ist viel

unterwegs. Bei der Tagung

des Glückstädter Kreises in

der beschaulichen Idylle eines

Hamburger Vorortes berichtete

der Präsident des BZP von den

Besonderheiten des Istanbuler

Taxigewerbes. In der Stadt gibt

es rund 17 000 Konzessionen,

aber keine klassische Taxizentrale.

Müller war anlässlich der

Taxiworld Turkey (siehe Seite 25)

in die Stadt am Bosporus gereist

und hatte dort auch gemeinsam

mit BZP-Geschäftsführer Thomas

Grätz und Ben Waldner von taxi.

eu das Istanbuler Büro der IRU

besucht.


Die Charme-Offensive in über 70 Sprachen:

Der Taxi-Sprachführer

Einfach zeigen und verstehen!

● 21 Sätze die der Taxifahrer

braucht!

● Verständigung in 74 Sprachen,

ohne die Sprachen zu

beherrschen.

● Einfach drauftippen, und

den Fahrgast lesen lassen.

Nicken oder Kopfschütteln

reicht aus.

TAXIZENTRALEN

DIE STRATEGIE DER

SIEGER-ZENTRALEN

Mitte Dezember wurden 15 große

Taxizentralen dem „Deutschland-

Test“ unterzogen.

Zentralen aus

Hamburg, Düsseldorf

und München

belegten die ersten

drei Plätze. Welches

Erfolgskonzept haben

die drei Sieger?

Beim Deutschland-Test der

Taxizentralen bewerteten

die Kunden die Bereiche

Taxi- und Kundenservice,

Fahrzeuge, Fahrer sowie

Kundeninformation.

Mit diesem Sprachführer kann sich ein Taxifahrer mit ausländischen Fahrgästen leichter

oder überhaupt verständigen. Die Broschüre enthält alle Sätze, die man im Taxi so

braucht von „Bitte schnallen Sie sich an“ bis „Möchten Sie mit Kreditkarte bezahlen?“

Von Japanisch bis Spanisch, von Finnisch bis Russisch, von Farsi bis Urdu sind alle

wichtigen Redewendungen enthalten.

Einfach darauf tippen (deuten) und den Fahrgast lesen lassen. Er braucht dann nur mit

Nicken oder Kopfschütteln zu antworten.

So wird Gastfreundschaft

ganz schnell ganz einfach!

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+ Versand)

FOTO: Fotolia

Es gibt tatsächlich Tabellen, in

denen auch Hamburg mal an der

Spitze steht. Fußballfans seufzen

darüber, Taxifans dagegen freuen sich,

denn die Hansa-Funk-Zentrale ist die beste

Taxi-Rufzentrale Deutschlands. Das ergab

Mitte Dezember eine viel beachtete Umfrage

von „Deutschland-Test“ gemeinsam mit

dem Kölner Analyse- und Beratungshaus

Service Value sowie dem Wirtschaftsmagazin

„Focus Money“. Insgesamt erreichte

die Genossenschaftszentrale 79,4 Wertungspunkte,

was noch im Bereich der Note

Eins liegt. 0,8 Prozentpunkte dahinter rangiert

die Rhein-Taxi-Zentrale Düsseldorf,

die Münchner IsarFunk-Taxizentrale

belegt mit 76,9 Punkten Rang drei.

Auffällig dabei: Die drei Erstplatzierten

sind allesamt nicht marktbeherrschend.

Hansa vermittelt an 800, Rhein-Taxi an

DAS RANKING AUS SICHT

DER SYSTEMANBIETER

fms / Austrosoft:

Platz 1, 2, 3, 4 und 8

gefos:

Platz 5 und 9

microtec:

Platz 6

DDS:

Platz 6

150 und IsarFunk an 440 Fahrzeuge. Das

sind 25 Prozent, 11 Prozent und 13 Prozent

der gesamten Taxiflotte.

Anstatt auf Quantität setzen alle drei

Zentralen auf Qualität. Nur wer entsprechende

Schulungen durchläuft, darf an der

Funkvermittlung teilnehmen. Bei Hansa ist

diese Schulungsmaßnahme von der DEKRA

zertifiziert worden. Bei Rhein-Taxi hat man

das Siegel durch die Agentur für Arbeit

erhalten. Damit ist die dreimonatige Fahrerausbildung

(180 Zeitstunden) „bildungsgutscheintauglich“,

das heißt, Arbeitslose

bekommen die Kosten (2 280 Euro) auf

Antrag erstattet. Neben der Vorbereitung

auf die Ortskundeprüfung werden bei

Rhein-Taxi auch die Themenspektren

Als kleine lustige Zugabe, kann man den Sprachführer auch mit einer zusätzlichen 75. Sprache erhalten – dem Dialekt der jeweiligen

Region und dem entsprechenden Cover der Stadt dazu. Bereits erhältlich sind Berlin, Frankfurt, München, Köln, Leipzig und Dresden.

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Wenn die Welt zu Gast in Köln ist –

der Taxi-Sprachführer.

Der neue EKO-Umbau zum

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Gabriele Kröber (Hrsg.)

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Bestellung unter: taxi-Times-Verlag Verlag München

Telefon: 089/215 48 30 75; Mail: info@taxi-times.com; www.taxi-times-shop.com

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TAXIZENTRALEN

ADVERTORIAL

Umgang, Service, Fahrer und Autos behandelt.

Wenn die Fahrer dies dann alles

umsetzen, entsteht ein positives Gesamtbild.

„Jeder Rhein-Taxi-Fahrgast ist zufrieden

mit der Beförderung, ohne dies an

Details festmachen zu können“, erläutert

Geschäftsführer Hans Becker die Philosophie.

IsarFunk erlaubt erst dann eine Teilnahme

an der Auftragsvermittlung, wenn

die Fahrer vorher einen viertägigen Qualitätskurs

absolviert haben.

Strenge Maßstäbe gelten bei den Fahrzeugen

der Vertragspartner. Rhein-Taxi

schreibt das Modell und das Alter vor. Es

Mit wohltätigen

Aktionen wie hier

einer kostenlosen

Türwerbung für

eine soziale Hamburger

Einrichtung

erzielt Testsieger

Hansafunk hohe

Sympathiewerte.

müssen E-Klassen von Mercedes sein, die

nicht älter als 48 Monate sein dürfen. Nicht

ganz so streng agieren hier Isar- und Hansafunk,

sie machen den eigenständigen

Unternehmern bei der Markenwahl keine

Vorgaben, führen allerdings jährliche Qualitätsüberprüfungen

durch. Fahrzeuge mit

Beulen oder Verschmutzungen müssen

innerhalb kurzer Zeit repariert bzw. gesäubert

werden, ansonsten droht der Ausschluss

von der Funkvermittlung.

Diese wiederum erfolgt bei allen drei

Zentralen über das gleiche System von

FMS, das vieles kann, was für eine effizi-

»Der Fahrgast soll mit der

Beförderung zufrieden

sein, ohne dies an Details

festmachen zu können.«

Hans Becker, Rhein-Taxi

ente und kundengerechte Auftragsvermittlung

nötig ist, aber auch entsprechend

kostet, weswegen die Funk- und Vermittlungsgebühren

meist höher ausfallen als

bei den unmittelbaren Konkurrenten. Hansa-Funk

verlangt zwischen 265 und 465

Euro monatlich pro Fahrzeug, IsarFunk

zwischen 220 und 290 Euro und bei Rhein-

Taxi sind es sogar 500 Euro netto. Dafür

gibt es aber deutlich mehr Aufträge pro

Schicht, betonen alle drei Zentralen. „Bei

uns kostet die Vermittlung weniger als bei

den Wettbewerbern“, sagt beispielsweise

Dirk Schütte von Hansa-Funk, ohne dabei

konkrete Werte zu nennen. Das macht

dafür Hans Becker aus Düsseldorf. Seine

Teilnehmer müssten 75 Cent pro Auftrag

bezahlen.

Letztlich schließt sich damit wieder der

Kreis. Wer viel investiert, bekommt viele

Fahrtbestellungen durch zufriedene Kunden.

Kunden, die dann bei Umfragen „ihrer“

Zentrale auch die Note Eins geben. n jh

NÄCHSTER TAXITREFF

FINDET AUF MALLORCA STATT

Erstmals wird eine deutschsprachige Taximesse in Spanien

veranstaltet. Aussteller und Besucher treffen sich auf Mallorca.

Mit im Programm: ein Seminar von Taxi Times.

In dieser mediterranen Atmosphäre findet

Ende Oktober der Taxitreff statt.

PLATZ 1 UNTER DEN MEGA-ZENTRALEN

Am Ende fehlte nur ein Punkt hinter dem Komma:

Die Berliner Taxizentrale „TZB“ hat beim nebenstehenden

Vergleichstest den Sprung auf das Siegerpodest

knapp verpasst. Trotzdem war die Freude in der

Hauptstadt groß, denn mit 5.700 angeschlossenen

Taxis ist ein ausgewogenes Qualitäts- und Kontrollmanagement

ungleich schwerer. Man fühlt sich auf

Augenhöhe mit den etablierten Qualitätszentralen:

„Der Aufstieg in die Qualitätsliga ist gelungen“, freut

sich Geschäftsführer Hermann Waldner. Er sieht die

positive Bewertung durch den Kunden als Ergebnis

intensiver Arbeit der letzten Jahre.

Im Mittelpunkt stand dabei die Verbesserung der

Kommunikation zwischen der Zentrale und den Teilnehmern,

Fahrern sowie Fahrgästen. Im Call-Center,

wo pro Schicht rund 8 Millionen Fahrtaufträge im

Jahr 2014 aufgenommen wurden, sind zwei Mitarbeiter

speziell dafür abgestellt, Sonderprobleme wie

Beschwerden, Verlustmeldungen und komplizierte

Vorbestellungen zu bearbeiten.

In der Verwaltung kümmert sich zudem ein fünfköpfiges

Team um die organisatorischen Belange aller

betreiben ist sicherlich ein Luxus, der sich jedoch

durch die hohe Anzahl an Teilnehmern bezahlen

lässt“, bilanziert Waldner.

Als weiteren Erfolgsbaustein für den vierten Platz

(„Platz 1 unter den Mega-Zentralen“, hebt Waldner

hervor) sieht man bei TZB die kontinuierliche

Verbesserung der Dienstleistung Taxi. Innerhalb der

großen Flotte gibt es seit längerem so genannte VIP-

Taxis, also gut gepflegte, saubere Fahrzeuge ohne

Unfallschäden.

Dazu gesellen sich seit 2014 noch die „VIP-B-Fahrer“

– erfahrene Kollegen, die einen zweitägigen Fortbildungskurs

mit Prüfung absolvierten, bei dem sie

Tipps und Hintergrundwissen vermittelt bekommen

haben, um gegenüber den Kunden als das aufzutreten,

was sie auch wirklich sind: Profis am Steuer.

Die ersten VIP-Fahrer und Taxis wurden speziell

an Hotels im hochwertigen Preissegment vermittelt.

Doch da mittlerweile mehr als 1.100 Fahrer die

freiwillige Weiterbildung besucht haben, konnte man

das Garantieversprechen auf einen noch breiteren

Kundenstamm ausbauen. Jetzt können auch schon

Beteiligten. „Einen so hohen Personalaufwand zu „normale“ Kunden bedient werden.

jh

FOTO: Weilandt

FOTOS: Much

Michael Much, Schöpfer und Organisator des Taxitreffs, hatte

schon zum Ende seiner sechsten Veranstaltung angekündigt, sich

für die siebte Auflage etwas Neues einfallen zu lassen. Er hat Wort

gehalten und den Veranstaltungsort von Bad Tölz im Süden

Deutschlands nach Mallorca im Süden Spaniens verlegt. Das Hotel

Lido Park in Paguera wird Ende Oktober 2015 der Schauplatz für

den 7. Taxitreff sein. Teilnehmen können bis zu 50 Aussteller und

500 Besucher.

Etliche Firmen, darunter unter anderem Hale, MPC Software,

taxi.eu, DMRZ oder Opta Data, haben den Frühbucherrabatt

genutzt und sich bereits als Aussteller angemeldet. Bis zu 50

Aussteller können in der Hotellobby und den Tagungsräumen ihre

Produkte und Dienstleistungen präsentieren.

Als Besucher sind Taxi- und Mietwagenunternehmer aus

Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen. Die Pauschalreise

kann für zwei bis vier Tage gebucht werden, Flüge nach

Palma de Mallorca gehen von den wichtigsten Flughäfen ab. Das

Hotel ist etwa 20 Autominuten vom Airport entfernt.

Veranstalter Michael Much hat auf seiner Homepage www.

taxitreff.de verschiedene Pauschalangebote ab 99 Euro inklusive

Mehrwertsteuer pro Person und Nacht veröffentlicht, in denen

der Hoteltransfer, Übernachtung(en) im Einzel-, Doppel- oder

Familienzimmer mit Halbpension, der kostenlose Eintritt zum Taxitreff

sowie die Teilnahme am „Spanischen Abend“ enthalten sind.

In das Rahmenprogramm wird auch ein optional buchbares

Taxi Times-Seminar „Taxi im Wandel“ integriert (70 Euro brutto).

Dabei werden Experten zu verschiedenen Themen sprechen. „Im

letzten Jahr vor der geplanten Einführung des Fiskaltaxameters

informieren Fachleute über den aktuellen Stand“, kündigt Taxi

Times Chefredakteur und Seminar-Moderator Jürgen Hartmann

an. „Wir werden aber auch die Anpassung der Krankenfahrtenentgelte

an die Mindestlohnanforderungen thematisieren und die

Stärken und Schwächen des Personenbeförderungsgesetzes kritisch

hinterfragen.“ Das dreistündige Seminar wird im gleichen

Hotel abgehalten, in dem auch der Taxitreff stattfindet.

„Durch dieses noch nie dagewesene Veranstaltungskonzept

können sich Taxi- und Mietwagenunternehmer in aller Ruhe bei

den Ausstellern über deren Produkte informieren, ein spannendes

Seminar besuchen und dazwischen die Sonne Spaniens bei einem

Meerspaziergang genießen“, erläutert Veranstalter Michael Much

die Besonderheit des diesjährigen Taxitreffs. „Darüber hinaus

besteht während unseres Spanischen Abends die Möglichkeit zum

intensiven Erfahrungsaustausch mit den anderen Unternehmer-

Kollegen.“

20 TAXI MÄRZ / 2015


TAXIZENTRALEN

TAXIZENTRALEN

TAXI.EU STARTET

MOBILES BEZAHLEN

Mit einem Pilotversuch in Berlin will die App taxi.eu eine schnelle

bargeldlose Zahlung über Smartphones ermöglichen. Ein wichtiger

Partner ist der Anbieter PayPal.

Mit plakativer Außenwerbung

machen

Berliner Taxis auf

das Mobile Payment

aufmerksam.

lungsmerkmal verweisen kann: Die bargeldlose Zahlung kann

auch dann erfolgen, wenn der Kunde am Halteplatz ohne vorherige

App-Bestellung zugestiegen ist. „In diesem Fall muss der

Fahrer auf seinem Terminal lediglich einen Aktivierungscode

anfordern“, schildert Stephan Müller von taxi.eu die Vorgehensweise.

„Der Fahrgast muss diesen Code in sein Smartphone eingeben

und anschließend die Zahlung autorisieren.“

Durch die zusätzliche Integration von PayPal konnte mit dem

Unternehmen zum Start des Pilotversuchs eine umfangreiche

Marketing-Kampagne vereinbart werden. PayPal wird den neuen

Dienst an wichtigen Berliner Verkehrspunkten wie Bahnhöfen

und am Flughafen plakativ bewerben. Deshalb fahren rund 900

Berliner Taxis seit einigen Wochen mit einer entsprechenden

Außenwerbung an den Türen.

Der Start des Mobile Payment erfolgt für Berlin übrigens genau

zum richtigen Zeitpunkt. Als erste Stadt in Deutschland hatte die

zuständige Aufsichtsbehörde vor Kurzem eine Verordnung erlassen,

die alle Berliner Taxis zur Akzeptanz von mindestens drei gängigen

Kreditkarten verpflichtet. Spätestens ab Mai dürfen dann Taxis,

deren Fahrer keine Kreditkartenzahlung akzeptieren, keine Fahrgäste

mehr aufnehmen. „Kreditkarten haben die meisten unserer

angeschlossenen Taxis bisher auch schon akzeptiert und die Zahlung

über entsprechende Hilfsgeräte abgewickelt“, stellt Hermann Waldner

klar. „Dass wir mit taxi.eu-Payment nun ein zusätzliches und

sehr unkompliziertes Verfahren anbieten können, ist gegenüber

Wettbewerbern wie Uber, mytaxi und anderen ein deutliches Zeichen

unserer Leistungsfähigkeit.“ n jh

VON BERLIN

NACH EUROPA

5 700 Taxis fahren in der

deutschen Hauptstadt für

die Taxizentrale Berlin TZB.

Schätzungsweise rund ein

Fünftel von ihnen werden

das taxi.eu-Payment testen,

schätzen die Verantwortlichen

der Taxizentrale.

Um mitmachen zu können,

müssen sowohl der Fahrer

als auch das Fahrzeug

registriert sein. Wie immer

bei Taxi Berlin erfolgt die

Teilnahme auf freiwilliger

Basis. Wenn sich der

Pilotversuch bewährt,

sollen auch die anderen

Zentralen, die bisher

an der taxi.eu-Vermittlung

angeschlossen

sind, diese Funktion

integrieren können.

Seit Kurzem können Berliner Fahrgäste ihre Taxifahrt per

Kredit- oder EC-Karte begleichen, ohne dass dafür ein

zusätzliches Terminal nötig ist. Die Zahlung wird über

die taxi.eu-App abgewickelt. Das Unternehmen fms/austrosoft,

über dessen System Taxibestellungen aller Art an die Fahrzeuge

von Zen tralenflotten vermittelt werden,

hat die dazu nötige Schnittstelle programmiert.

Dabei wurde erstmals auch die Zahlungsoption

PayPal integriert. In den

kommenden Wochen wird die Praxistauglichkeit

der neuen App (taxi.eu-Payment)

an den rund 5 700 Taxis der Berliner Zentrale

TZB getestet.

Der Transaktionsvorgang wird ausschließlich

über das Smartphone des Kunden

autorisiert. Der Fahrgast muss seine

Kreditkarte im Vorfeld registriert und

autorisiert haben bzw. über ein Konto bei PayPal verfügen. Auf

Fahrerseite wird die Bezahlung über das Auftragsterminal oder

optional über die Fahrer-App abgewickelt. Konkret: Bei Fahrt ende

aktiviert der Fahrer den Mobile-Payment-Zahlungsmodus und

gibt den Fahrpreis ein. Dieser erscheint nun auf dem Smart phone-

Display des Kunden und wird bestätigt. Anschließend bestätigt

»Ein deutliches

Zeichen für die

Leistungs fähigkeit

des Taxigewerbes.«

Hermann Waldner

22

taxi.eu-Payment läuft

auf den PDA- und

DBGtouch-Geräten

sowie im Menü der

Fahrer-App.

auch der Taxifahrer die Zahlung, die damit abgeschlossen ist.

Die Abrechnung übernimmt die Taxizentrale.

Hermann Waldner, Geschäftsführer von TZB und in Personalunion

Mitbegründer der App taxi.eu, schließt mit dieser zusätzlichen

Zahlungsoption eine Lücke zu den konkurrierenden Apps.

Mytaxi, über deren App Fahrten direkt auf

die Smartphones angeschlossener Taxifahrer

und Unternehmer geleitet werden,

hatte ein ähnlich einfaches Mobile-Payment-System

bereits 2013 eingeführt. Taxi

Deutschland, ein Wettbewerber speziell

auf dem deutschen Markt, bietet seit 2014

eine mobile Zahlungslösung an.

Vor allem bei diversen Vergleichstests

unter den nationalen und internationalen

Taxi-Apps hatte taxi.eu immer wieder

wegen einer bisher fehlenden Payment-

Lösung Minuspunkte bekommen. Zuletzt musste man sich bei

einem Ranking des Verbraucherportals vergleich.org nur knapp

hinter mytaxi geschlagen geben. Künftig hofft man auf bessere

Bewertungen und den Sprung auf Platz eins.

Vor allem auch deshalb, weil taxi.eu mit seiner Mobile-Payment-Lösung

gegenüber dem Wettbewerber auf ein Alleinstel-

FOTOS: TZB

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MESSE

MESSE

Die meisten Taxifahrer

beim Salon zeigten sich

optimistisch bezüglich

des neuen Taxigesetzes.

28 Aussteller

präsentierten sich

auf der Taxiworld

Turkey.

Ein Seminar handelte von der Rolle

von Taxis im Jahr 1914.

FRANKREICHS

OPTIMISMUS

Die letzte Entscheidung zum neuen Gesetz

über Taxis und Limousinen ist noch nicht

gefallen, aber die Atmosphäre bei der alle zwei

Jahre stattfindenden Taximesse Salon de Taxis

in Paris war dennoch optimistisch.

TÜRKEIS

OPTIMISTISCHER

MESSESTART

Ungewöhnliche Hersteller neben

den traditionellen Taximarken.

Es war keine Überraschung, dass sich

die meisten Seminare der Konferenz

Ende Januar um die neuen Gesetze

für Taxis und Limousinen (Mietwagen mit

Chauffeur) drehten und es dort nur noch

Stehplätze gab. Eines der Themen war

typisch französisch: Ein Seminar ehrte die

heroischen Bemühungen der Pariser Taxifahrer

im Ersten Weltkrieg, so viele Soldaten

wie möglich an die Marne-Front in

der Nähe von Paris zu bringen. Die Renault-Taxis

(eines wurde beim Salon ausgestellt)

des Taxi unternehmens G3

transportierten 5 000 Soldaten in zwei

Tagen. (Die Seminare – in französischer

Sprache – können unter www.salondestaxis.com

abgerufen werden.)

STEIGENDES INTERESSE

Mit mehr als 5 000 Besuchern ist der Salon

die Hauptmesse in Frankreich. 1998 ins

Leben gerufen und von Marc Szperling veranstaltet,

ist die diesjährige Messe – die

zwölfte – bisher die größte: um 1 000 Quadrat

meter mehr als 2013. „Dies betont das

steigende Interesse der Zulieferer der Taxibranche,“

so Szperling. „Obwohl Taxifahrer,

die die meisten Besucher des Salon

stellten, sich um ihre Zukunft Sorgen

machen, konnte ein deutlicher Anstieg der

Besucherzahlen beobachtet werden. Ich

bin mir sicher, dass sich die in Frankreich

sehr stark vertretene Taxi branche an die

neuen Anforderungen der Kunden anpassen

wird.“

»Apps dürfen keine

privaten Fahrer

mehr vermitteln.«

Serge Metz

Fast die Hälfte der Ausstellungsfläche war

von der größten Pariser Taxi zentrale und

ihren Partnern besetzt: Group G7. Dieses

Unternehmen fungiert nicht nur als Taxizentrale,

sondern verkauft und vermietet

auch Fahrzeuge (mit und ohne Lizenzen)

und sonstiges Taxi zubehör. Außerdem bietet

es Fahrer schulungen an. „Wir freuen

uns über das neue Gesetz, über das fast

am letzten Tag des Jahres 2014 abgestimmt

wurde. Nun hängt es jedoch davon ab, wie

die Behörden die illegalen Apps stoppen

werden,“ so der CEO von G7, Serge Metz.

„Das Gute ist, dass jede App lizenzierte

Taxi- oder Limousinenfahrer einsetzen

muss. Apps dürfen keine privaten Fahrer

und Fahrzeuge mehr vermitteln.“

SEHR NATIONALER MARKT

Die hohe Anzahl an Branchen verbänden

und Gewerkschaften ist nicht gerade ein

Vorteil für die Branche in Frankreich: Etwa

zehn (!) waren im Eingangs bereich des

Salon vertreten, sie nahmen jedoch bei Weitem

weniger Platz ein als die Fahrzeuglieferanten.

Skoda, VW, Opel, Renault, Citroën

und Mercedes waren unübersehbar, neben

eher ungewöhnlichen Taximarken wie Infiniti

und Suzuki. Neben den führenden Lieferanten

von Dachlichtern und Taxametern

auf dem nun offenen französischen Markt

(ATA, Kienzle und Hale) konzentrierten sich

viele unabhängige und meist französische

Lieferanten auf Taxi-Apps, wobei Offwigo

eines der interessantesten Start-ups ist. In

dieser Hinsicht bleibt Frankreich ein sehr

besonderer und eigenständiger, aber auch

sehr nationaler Markt. •

wf

FOTOS: Wim Faber

FOTOS: Taxi Times

Seit diesem Jahr hat nun auch

die Türkei ihre erste Taximesse.

In Istanbul zeigten knapp 30

Aussteller ihre Produkte auf der

Taxiworld Turkey.

Mit einer feierlichen Ansprache durchschnitt Yahya Uğur,

Präsident des Istanbuler Taxiverbands, das rote Band

und eröffnete damit die erste Taxi-Fachmesse auf türkischem

Boden. Dort zeigten sich Verbände, Fahrergewerkschaften,

zahlreiche Dienstleister und Anbieter diverser Taxizubehör-Produkte.

Fahrzeughersteller waren nicht zu finden, obwohl in der

zu gut zwei Dritteln gefüllten Istanbuler Messehalle noch Platz

gewesen wäre.

Da in Istanbul und anderen türkischen Städten demnächst

neue Taxi-Regelungen in Kraft treten, konzentrierten sich die

Aussteller auf die Bedürfnisse des Heimatmarktes. Die Digitalisierung

schreitet dabei auch im türkischen Taxigewerbe voran.

Diverse App-Anbieter wie Takside, IQ-Taxi, Bitaksi (die türkische

Variante von mytaxi) oder auch taxi.eu ermöglichen der Branche,

die bisher übliche Bestellung an den Halteplätzen um die Ecke

um eine weitaus effizientere Methode zu ergänzen. Das bei Bitaksi

ausgestellte Taximodell eines historischen „Istanbul T 48“ hatte

deshalb einige Symbolkraft: Noch ist der türkische Taximarkt sehr

traditionsbestimmt, doch die Zukunft in Form von Smartphone-

Apps lauert bereits im Hintergrund. •

jh

Großes Interesse an der Bestell-App von taxi.eu.

Eine Delegation aus Ankara knüpft erste Geschäftskontakte.

TAXAMETER-

BOOM

17 000 Taxis fahren in

Istanbul. Kein Wunder,

dass zahlreiche

Taxameter-Hersteller

ihre Produkte anboten.

Neben den

türkischen Platzhirschen

Alberen und

Taksim und dem Neuling ATA auch etliche im

europäischen Raum bekannte Hersteller wie

Digitax, Taxi tronic und Semitron. Der griechische

Hersteller präsentierte als Neuheit den

Thermo-Drucker LP 50, der per Kabel oder

per Bluetooth mit dem Taxameter verbunden

wird.

jh

24 TAXI MÄRZ / 2015

25


NEWS

NEWS

ATHENER TAXIFAHRER LEIDEN

Rauschfreie Übertragung digitaler Töne ins Autoradio.

DIE PERSÖNLICHE PLAY-LIST

IM AUTORADIO

Speziell entwickelte Audio-Anschlüsse

ermöglichen die Übertragung der Smartphone-Daten

auf das Handy. Entsprechende

Produkte präsentierte der

Hersteller Griffin Technology kürzlich

auf einer Fachmesse in Las Vegas.

Unter dem Namen „iTrip AUX Bluetooth“

ist beispielsweise ein Kabel erhältlich,

das eine Bluetooth-Verbindung zu

jedem mit AUX ausgestatteten Autoradio

ermöglicht. Der iTrip AUX Bluetooth

muss lediglich mit dem Stromanschluss

des Autos verbunden werden und im

zweiten Schritt das beigefügte AUX-

Kabel mit der AUX-in-Buchse des Autos.

Anschließend wird dank spezieller Technik

klarer Sound von jedem bluetoothfähigen

Smartphone oder Tablet von der

NEUES FUNKGERÄT BEI INTAX

Der für viele Marken als Taxi-Serien-

Umrüster tätige Betrieb Intax reagiert

auf die Abkündigung der bisher optional

angebotenen analogen Funkgeräte. Man

stelle nun sukzessive auf die Motorola-

MOTOTRBO-Serie um, teilte das Unternehmen

mit. Bei Intax ist es üblich, für

jedes Taximodell auch einen Einbauraum

für Funkgeräte anzubieten, meist eine

Konsole, die bei Ausmusterung eines

Taxis wieder spurlos rückrüstbar ist. Da

die neuen Funkgeräte allerdings über

eine größere Einbautiefe verfügen sowie

über eine kaum sichtbare Änderung der

Frontplatte, sei der Einbau bei je dem

Taximodell mit vielfachen Änderungen

AUX-in-Buchse zum Autoradio drahtlos

übertragen.

Beim zweiten Produkt des Autozubehör-Herstellers

mit Sitz in Nashville/USA

und London – „iTrip AUX AutoPilot“ – ist

das Kabel mit einem All-in-One-Design

ausgestattet und ermöglicht mit einer

Ladekapazität von zwölf Watt das Laden

von iOS-Geräten über den Zigarettenanzünder

des Autos. Während des Ladevorgangs

wird das digitale Tonwiedergabesystem vom

iOS-Gerät des Anwenders in rauschfreie

Töne mit analogem Audioausgang konvertiert

und durch die AUX-in-Buchse zum

Autoradio übertragen. Beide Produkte kosten

rund 50 Dollar (knapp über 40 Euro)

und sind online über die Unternehmenshomepage

zu bestellen.

jh

verbunden gewesen – eine „kleine

Herkules-Aufgabe“, so Marco Kimme

von Intax. Umfangreiche Informationen

sowie Beratungen zu den Geräten

stehen unter www.intax.de oder unter

www.motorolasolutions.com/XC-DE/

Product+Lines/MOTOTRBO zur Verfügung.

jh

SENAT BESCHLIESST

KREDITKARTENPFLICHT

Der Berliner Senat hat Anfang Januar eine

Verordnung erlassen, wonach Taxis der

Hauptstadt künftig verpflichtet sind, mindestens

drei gängige Kreditkarten zu

akzeptieren. Diese gilt ab 8. Mai 2015.

Wörtlich heißt es in der Verordnung unter

anderem: „Die Beförderung von Personen

darf mit der Taxe nicht durchgeführt werden,

wenn ein funktionsfähiges Abrechnungssystem

oder Abrechnungsgerät vor

Fahrtbeginn nicht zur Verfügung steht.“

Berlin ist damit die erste Großstadt in

Deutschland, die eine Kreditkartenakzeptanz

bei Taxis gesetzlich vorschreibt. jh

EICHGEBÜHREN

WERDEN TEURER

Seit 1. Januar 2015 gelten in Deutschland

ein neues Mess- und Eichgesetz sowie eine

neue Verordnung. Dadurch steigen die

Gebühren für eine Nacheichung von bisher

58 auf 76,80 Euro. Noch komplizierter wird

es bei der Ersteichung, die künftig durch

ein sogenanntes Konformitätsbewertungsverfahren

ersetzt wird. Dabei muss der Hersteller

nachweisen, dass er bei Einbau bzw.

bei der Programmierung eines Taxameters

die vorgeschriebenen Sicherheitsanforderungen

eingehalten hat. Als Hersteller des

Messgerätes gilt im Sinne des Eichrechtes

derjenige, der bei Veränderung der Bauart

den letzten messtechnisch relevanten Eingriff

am Messgerät vorgenommen hat. Das

Konformitätsbewertungsverfahren ist kein

hoheitliches, sondern ein privatrechtliches

Handeln, das demnach nicht nach Gebührenverordnung,

sondern nach Zeitaufwand

abgerechnet wird. Experten rechnen

damit, dass die Kosten dafür bei weit über

100 Euro liegen werden. jh

FOTOS: Griffin, Intax / Motorola, Taxi Berlin, Pixelio / Tim Reckmann

FOTOS: Wim Faber, AFP

Athener Verbraucher

wünschen sich neuere und

sauberere Taxis.

Vom wirtschaftlichen Kollaps Griechenlands ist laut einer Studie ganz besonders

das Taxigewerbe betroffen. Infolge der Sparmaßnahmen der griechischen

Regierung arbeiten die 20 000 Taxifahrer in Athen mehr und verdienen weniger.

Das Sinken des BIP um 20 Prozent, der Anstieg der Kraftstoffpreise um

50 Prozent sowie ein extremer Rückgang bei der Taxinachfrage verschlechtern

die Arbeitsbedingungen und die Taxibranche

leidet darunter. Dies ergab eine

Studie der Nationalen Technischen Universität

Athen.

Athener Taxis, mit einer Grundgebühr

von 1,19 Euro, einem Satz von 0,68 Euro pro

km und einem durchschnittlichen Fahrpreis

von nicht gerade teuren 3,16 Euro pro Tour

waren früher eine erschwingliche Möglichkeit

für den Weg zur Arbeit, sogar im Vergleich

zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch

inzwischen sparen die Einwohner sogar an

den Fahrten mit dem ÖPNV und haben die

Taxifahrten teilweise ganz eingestellt. Die Tageseinnahmen in der Taxibranche

nehmen stetig ab, und die Fahrer verbringen mehr Zeit mit Warten (im Durchschnitt

drei bis vier Stunden) und weniger mit Fahren als vorher. Heutzutage

sind in dieser hochregulierten Branche mit einflussreichen Gewerkschaften

und eigenen Parlamentsmitgliedern nicht einmal alle verfügbaren Schichten

besetzt. In vielen Teilen der griechischen Hauptstadt sind illegale Taxidienste

ins Leben gerufen worden. Vor etwa zehn Jahren wurde die Taxiflotte Athens

aufgrund der Olympischen Spiele komplett modernisiert. Infolge der Krise

wurden viele dieser Fahrzeuge jedoch nicht mehr ersetzt.

Laut der Studie nehmen 80 Prozent der Taxifahrgäste seltener das Taxi als

vorher, 20 Prozent gar nicht mehr. 40 Prozent dieser Fahrgäste haben früher sogar

mehrmals pro Woche ein Taxi genommen,

normalerweise für den Weg zur Arbeit und

ÜBRIGENS

zurück. Dieser Fahrtenrückgang hat aber

Ein klein wenig Hoffnung für auch sein „Gutes“. Taxikunden – vor allem Touristen

– sind der Meinung, dass Taxis mittler-

die Athener Taxifahrer kommt

von der neuen griechischen weile schneller verfügbar und die Fahrer

Regierung. Die bisherigen freundlicher als früher sind. Die Qualität der

Luxuslimousinen der Minister Fahrzeuge wird jedoch nur als „in Ordnung“

werden nämlich verkauft. bewertet. Neuere und sauberere Taxis stehen

Dafür sollen die Minister künftig

mehr Taxi fahren.

Taxikunden wie niedrigere Fahrpreise und

genauso ganz oben auf der Wunschliste der

mehr barrierefreie Fahrzeuge.

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JE SUIS TAXI LEGALE

In Turin haben Mitte Februar Taxifahrer

gegen den gesetzwidrigen

Dienst von Uber demonstriert. Auf

dem Protestmarsch, der ungewöhnlicherweise

zu Fuß durch die Innenstadt

führte, wurden Transparente

wie „Uber go home“ und „Je suis

TAXI legale“ gezeigt. „Von den Institutionen,

die nicht gegen illegale Fahrer

vorgehen, verlangen wir, die

Gesetze und unsere Arbeit zu respektieren“,

war auf einem Flugblatt zu

lesen. Über die Anzahl der Teilnehmer

gab es widersprüchliche Aussagen.

Während deutsche Medien von

„einigen Hundert“ berichteten, sprachen

italienische Websites von 2000

Teilnehmern. Auch Taxifahrer aus

Rom, Mailand und anderen Städten

sollen zum Protest marsch nach Turin

gekommen sein. Anlass der Demonstration

war ein Urteil eines italienischen

Gerichts, das Sanktionen

gegen einen Uber-Fahrer wieder aufgehoben

hatte.

jh

Taxi-Demo in Turin.

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26 TAXI MÄRZ / 2015

27


TAXI DER ZUKUNFT

TAXI DER ZUKUNFT

Innen Geschichte,

außen Zukunft: die

ersten Stuttgarter

Elektrotaxis beim

Fototermin vor dem

Mercedes-Benz-

Museum.

FOTOS: GuEST, Dekra, Taxi TImes

EnBW als Stromanbieter oder auch die

Stadt Stuttgart. Letztere traut dem Taxi bei

der Umstellung auf Elektromobilität eine

Vorreiterrolle zu. 2016 will man die

Anschaffung von 100 E-Taxis finanziell fördern.

Sofern aus den Erfahrungen des

GuEST-Projektes die richtigen Schlüsse

gezogen und die passenden politischen

Weichenstellungen vollzogen werden, wäre

dies eine weitere Chance für das Taxigewerbe,

sich als modern und wandlungsfähig

zu präsentieren. •

jh

ELEKTRO-TAXIS, TEIL 3

DER STERN

Schnell und bescheiden: Die Plug-In C-Klasse fährt 250 km/h,

verbraucht aber nur 2,1 Liter.

AN DER STECKDOSE

Fahren künftig nur noch Elektro-Taxis? Und wenn ja, ab wann und

welche Modelle? Unsere Serie zeigt die taxitauglichen Entwicklungen

und berichtet über erste Einsätze im Schichtbetrieb.

In Stuttgart werden seit August innerhalb

des Projekts „GuEST“ vier Mercedes-Benz-B-Klassen

und ein Vito

jeweils mit Elektromotor als Taxis eingesetzt

werden. Das ist alleine deshalb schon

bemerkenswert, weil die europäische Variante

der B-Klasse „Electric Drive“ erst vor

Kurzem auf dem deutschen Markt erhältlich

ist und in den restlichen Ländern

sogar erst noch kommen wird. Folglich

stammen die vier Stuttgarter Elektro-Taxis

aus der US-amerikanischen Produktion,

wo man bereits seit April serientauglich

unterwegs ist.

Für die Zielsetzung des aktuellen Stuttgarter

Projekts spielt dieser Unterschied

eine untergeordnete Rolle. Es geht darum,

ein nachhaltiges Betriebsmodell für Elektro-Taxis

zu entwickeln. Dabei werden

während der gesamten Testphase sowohl

die technischen Faktoren untersucht und

bewertet wie auch die Akzeptanzfaktoren

und die Nutzungsbereitschaft. An dem vom

Staat finanziell unterstützten Projekt sind

zwei wissenschaftliche Institute beteiligt

(Zirius und FKFS), die Unternehmen Bosch

und DEKRA und die Stuttgarter Taxizentrale

TAZ.

Selbstverständlich stehen auch die wirtschaftlichen

Aspekte auf dem Prüfstand.

Ist der Betrieb eines E-Taxis wirklich rentabel?

Entscheidend für die Bewertung dieser

Frage sind hauptsächlich die drei

Faktoren Ladezeit und Reichweite sowie

die Kosten für Anschaffung und den wirtschaftlichen

Betrieb. Die Unternehmer und

deren Fahrer sprechen von rund 120 bis

150 Kilometer, bis die nächste Stromsteckdose

angesteuert werden muss. Ähnlich

wie auch beim herkömmlichen Verbrennungsmotor

hängt der Verbrauch stark von

der Fahrweise und der Nutzung zusätzlicher

Stromquellen wie Heizung, Klimaanlage

und Ähnlichem ab. „Im Winter sinkt

die durchschnittliche Reichweite spürbar“,

berichtet Raffael Pfeil von der FKFS.

Manch einer der beteiligten Fahrer hat

deshalb schon Fernfahrten ablehnen müssen.

„Das hat mich schon geärgert“, sagt

dazu Taxifahrer Marcelo Schellenberg.

Auch am Tag unseres Interviews hatte er

schon eine Auswärtsfahrt. Weil der Akku

am Morgen noch voll war, hat es ge reicht,

aber danach musste er zunächst einmal

eine Ladesäule anfahren. Oder besser

gesagt drei, denn die ersten beiden waren

besetzt.

Nach etwa einer Stunde war der Akku

ausreichend aufgeladen, um die Schicht zu

beenden. Ein Zweischicht-Betrieb ist mit

der B-Klasse Electric Drive nicht praxisnah.

Allerdings hat die Stadt den Feldversuch-Beteiligten

die Sondergenehmigung

für eine Doppelnutzung erteilt. Während

der Ladezeiten darf die Konzession in

einem anderen Taxi genutzt werden.

Das schützt vor Umsatzausfall, zerstört

aber die Wirtschaftlichkeitsbilanz, da Kosten

für das zweite Taxi anfallen. Trotzdem

wäre es falsch, die Tauglichkeit von E-Taxis

nur auf den Faktor Reichweite zu reduzieren.

Dieses Manko nehmen die beteiligten

Taxibetriebe in Kauf (weswegen sie vom

Bosch-Mitarbeiter Ian Faye auch als „die

wahren Helden des Projekts“ bezeichnet

werden), um die Erforschung und Bewertung

vieler zusätzlicher Faktoren zu

ermöglichen. Wie hoch ist die Akzeptanz

in der Bevölkerung („ausnahmslos positiv“)

und welche Schlüsse lassen sich aus

der Kombination der Tracking- mit den

Leistungsdaten der Batterie erzielen (sie

werden über eine Schnittstelle direkt aus

dem FMS-Vermittlungssystem übertragen)?

Gibt es signifikante Abweichungen

beim Materialverschleiß (wird von DEKRA

untersucht)?

„Für die Bewertung der Elektromobilität

ist ein integratives Denken erforderlich“,

fasst Dr. Rüdiger Goldschmidt von

Zirius die Komplexität aller zu beachtenden

Komponenten zusammen.

Deshalb sind auch so viele Projektpartner

aus den unterschiedlichen Bereichen

beteiligt. Dazu noch assoziative Partner

wie Daimler als Lieferant der E-Taxis,

FOTO: Mercedes

Projektpartner DEKRA überprüft die Auswirkungen

auf Reifen und Verschleißteile.

Fahrgäste können über ein Touch-Display

Fragen zur Elektromobilität beantworten.

MERCEDES C-KLASSE

FÄHRT HALBELEKTRISCH

Als wahren Rennboliden hat Mercedes eine C-Klasse C 350 e auf

den Markt gebracht. Das Fahrzeug hat einen 279 PS-starken Benzin-Plug-In-Hybrid

unter der Motorhaube. Das Fahrzeug kombiniert

einen Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb und einem

Hochvolt-Lithium-Ionen Akku mit 6,38 kWh Kapazität, der an einer

externen Stromquelle aufgeladen werden kann. Die Ladezeit soll

zwischen 1,5 bis 2 Stunden betragen. Der Zweiliter-Vierzylinder-

Turbobenziner leistet 211 PS und 350 Nm, der E-Motor steuert 60

kW und 340 Nm bei. Alles zusammen ergibt eine Systemleistung

von 279 PS und 600 Nm. Serienmäßig ist eine 7-Gang-Automatik

integriert. Den Spurt von null auf 100 km/h absolviert die Limousine

in 5,9 Sekunden, das T-Modell benötigt 6,2 Sekunden. Die

Limousine erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h,

das T-Modell ist bis zu 246 km/h schnell. Der Normverbrauch wird

mit jeweils 2,1 Liter pro 100 Kilometer angegeben. • jh

28


GASTKOMMENTAR

WETTBEWERB

ZUR PERSON:

Christoph M. Schwarzer arbeitet und

lebt als freiberuflicher Journalist in

Hamburg. Sein Fachgebiet ist die

Energiewende beim Auto. Beiträge

von ihm finden sich bei „Die Zeit“

und „Zeit online“, in der „Auto-Bild“

sowie bei „heise Autos“. Außerdem

ist er als Berater fürs ZDF tätig.

UNBEGRENZT

ELEKTRISCH

DIE WETTE AUF

EINEN ANGEZÄHLTEN

Ein japanischer Autohersteller hat das erste in Großserie

pro duzierte Fahrzeug mit Wasser stoff antrieb vorgestellt.

Nun sollten die ersten Modelle schleunigst als Taxi ein gesetzt

werden, sagt unser Gast kommentator.

Mirai ist Japanisch und bedeutet Zukunft. So nennt To yota

sein mit Wasserstoff betriebenes Brennstoff zellen auto.

Im Januar wurde das erste Exemplar von Firmenpräsident

Akio Toyoda persönlich an Premierminister Shinzo Abe

übergeben. Dem Heimatmarkt folgen die USA und Europa; zu

Beginn werden nur wenige Hundert Autos im Jahr produziert. Es

wäre schmerzhaft, falls dieses mobile Stück Innovation nur für

einflussreiche Menschen in herausragenden Positionen erfahrbar

wäre. Wenn die breite Öffentlichkeit ein Gefühl für den Mirai

bekommen soll, gäbe es einen idealen Zugang dazu: den Einsatz

als Taxi.

Brennstoffzellenfahrzeuge sind die Königsdisziplin unter den

Elektroautos. Statt den Strom in einer stundenlangen Geduldsprobe

in eine übergewichtige und voluminöse Batterie zu laden,

macht der Mirai ihn an Bord. Aus Wasserstoff und Umgebungs luft

wird elektrische Energie, die den 113 kW (154 PS) starken Motor

antreibt. In drei Minuten sind die Tanks gefüllt. Dann geht es über

500 Kilometer geräuschlos und komfortabel für Fahrer und Passagiere

durch die Straßen.

Es ist eine Spekulation, aber eine mit Sinn: Toyota könnte einige

der frisch gebauten Mirai als Taxi ausliefern. Für die Tour durch

Los Angeles in Kalifornien, Hamburg in Deutschland oder London

in Großbritannien. Voraussetzung für den Verkauf in einem Land,

das lassen die Japaner durchblicken, ist eine funktionierende

Infra struktur. Ohne Wasserstoff-Tankstellen geht es nicht. Und

die werden häufig durch staat liche Institutionen gefördert und

errichtet. In Japan etwa hilft die NEDO (New Energy And Industrial

Technology Development Organization“), und in Deutschland

ist die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie,

kurz NOW, erfolgreich aktiv.

Der Vorteil der Technik ist offensichtlich. Das elektrische Fahren

mit der Brennstoffzelle ist unbegrenzt und damit dem mit Batterie

überlegen: Kein Taxifahrer muss kalkulieren, ob er die gewünschte

Strecke noch schafft. Das Gefühl, immer irgendwie am Kabel

zu hängen, ist Vergangenheit. Genauso wie die Sorge, mit einer

im Winter einbrechenden Reichweite rechnen zu müssen. Brennstoffzellenautos

sind uneingeschränkt flexibel und praxis tauglich.

PARALLELEN ZUM PRIUS

Bei Toyota will man den Kunden außerdem mit einer Tugend

überzeugen, für die das Modell Prius millionen fach bekannt ist,

und das ist die Zuverlässigkeit. So sind weite Teile des Mirai mit

dem Prius identisch. Vereinfacht formuliert wurde der Verbrennungsmotor

durch den Brennstoffzellen-Stack und der Benzinmotor

durch die Druck gas tanks ersetzt. Mit dieser Methode will

man zugleich die Kosten in den Griff bekommen. Denn weil es

noch keine hohen Stückzahlen gibt, kann der Autohersteller keine

Skalen effekte erzielen. Die Preise schwanken regional zwischen

50 000 US-Dollar und 78 000 Euro.

Ob sich das mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen auto

Mirai gegen die Konkurrenz der Batteriefahrzeuge durchsetzen

kann, ist offen. Klar aber ist, dass es im Arbeits alltag eines Taxis

auf die perfekte Kombination aus permanenter Verfügbarkeit und

niedrigen Kosten ankommt. Hier stehen die Chancen also gut.

Sicher ist dazu, dass eine Konkurrenz der Fahrzeugtechnologien

das Geschäft belebt. Und das ist dringend nötig bei einem Markt,

der lokal häufig zu monoton war. Bald stehen die Mercedes-Modelle

mit Dieselmotor, die Toyotas mit Hybrid antrieb und die Batterieelektrischen

Nissans mit einem vierten Konzept im Wettbewerb:

dem Brenn stoff zellen auto. Möge der Beste gewinnen. n cms

FOTOS: Toyota, Schwarzer

ZEICHNUG: R. Löffler

Die letzten Wochen waren welt weit von massiven Uber-Verboten

geprägt. Die Inves toren scheint das nicht zu beeindrucken.

Es ist, als würde Uber mit seinem

Dienst UberPOP einen Boxkampf

führen und dabei jede Runde heftige

Treffer einstecken müssen. Hier ein

Verbot, dort eine Anklage, hier ein Datenskandal,

dort eine Vergewaltigung. In jeder

Runde wird Uber ein wenig mehr angezählt.

Trotzdem steigen nach jedem Gongschlag

die Wetten auf das Unter nehmen.

Investment firmen stecken immer mehr

Geld in Uber. Mittlerweile hat das Unternehmen

einen Wert von 40 Milliarden Dollar

(siehe neben stehender Vergleich).

Steinreich, aber illegal. Vor allem bei

seinem Dienst UberPOP bekommt das US-

Unternehmen die Grenzen aufgezeigt. In

immer mehr Ländern sprechen Regierungen

oder Gerichte eindeutige Verbote aus.

Seit Dezember ist UberPOP in Rio de Janeiro

illegal, aus Europa kam der Stopp unter

anderem in den Niederlanden und in Spanien,

zum Jahreswechsel auch in Frankreich.

In Asien wurde Uber in Indien,

Südkorea und Thailand verboten. Anfang

Januar zog schließlich auch noch China

nach. Das Transportministerium untersagte

mehrere Fahrtenvermittlungs-Apps, die

auf Privatfahrer ohne Taxi-Lizenzen

zurückgreifen.

Selbst im Mutterland des Konzerns

müssen sich Uber und der dortige Wettbewerber

Lyft vereinzelt zurückziehen. Am

26. November verbot der Bundes staat

Nevada den Betrieb, am 21. Dezember

wurde der Betrieb in Portland, Oregon für

drei Monate ausgesetzt.

In vielen anderen Regionen ließen sich

die Uber-Verantwortlichen nicht davon

abhalten, weiterzumachen. Mithilfe der

Milliarden von Dollars, die trotz negativer

Schlagzeilen (in Indien soll beispielsweise

ein Uber-Fahrer eine Frau vergewaltigt

haben) von Investmentbankern nach wie

vor in das Unternehmen gesteckt werden,

bezahlen Travis Kalanick und seine Mitarbeiter

auch die fälligen Bußgelder. Oder

es werden teure Anwälte engagiert, die

gegen solche Bescheide vor Gericht klagen.

Auch hoch bezahlte Lobbyisten arbeiten für

Uber. In Washington sollen allein 100 von

ihnen mit den dortigen Politikern in regem

Kontakt stehen.

Vieler orts hilft selbst das nicht. In

Deutschland wurde bereits im November

die Beschwerde gegen das UberPOP-Verbot

eines Hamburger Verwaltungs gerichts vor

der höchsten Gerichts instanz abgewiesen.

Um den Dienst nicht komplett einstellen

zu müssen, bietet Uber in Hamburg, Berlin

und Düsseldorf nun Fahrten zu Dumpingpreisen

unterhalb der Fahrzeug kosten an,

was nach deutschem Gesetz legal ist. Die

Fahrer sollen zum Ausgleich des geringen

Fahrpreises Zahlungen erhalten, heißt es.

In Spanien hatte das Gericht schon Anfang

Dezember ein Verbot ausgesprochen, doch

Uber hatte UberPOP weiterhin angeboten.

Daraufhin zog Spaniens Oberster Gerichtshof

am 27. Dezember die Reißleine: Nun

bekamen die Telekommunikations dienste

und die Kreditkarten dienstleister die Auflage,

„mit sofortiger Wirkung“ ihre Dienste

Uber nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

Somit wurde dem Unternehmen die technische

Grund lage seiner Geschäfts idee

entzogen. Wenige Tage danach gab Spaniens

Uber-Manager Carles Lloret bekannt,

UberPOP einzustellen.

Womit wir wieder beim Vergleich mit

einem Boxkampf wären. Niederlage durch

technischen Knock-out. Den Inves toren wird

ein solches Ende sicher nicht gefallen. njh

ÜBRIGENS …

Über sämtliche Uber-Entwicklungen

und viele weitere aktuelle Themen

aus der Taxi welt berichtet Taxi

Times zwei mal pro Woche in einem

Newsletter-Update.

Die An meldung ist unter

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jederzeit möglich.

30 TAXI MÄRZ / 2015

31


WETTBEWERB

WETTBEWERB

Verschwindet das Taxigewerbe allmählich

aus dem Fokus der Mercedes-Konzernspitze?

UBER UND

MERCEDES

IM SELBEN

BOOT

Die kürzlich bekannt gewordene

Allianz zwischen einer expandierenden

Mitfahr-App und dem Fahrten

vermittler Uber gefährdet eine

langjährige Partnerschaft zwischen

Mercedes und dem Taxigewerbe.

ZIEMLICH

AUFGEBLASEN

Was als kleines Start-up begann,

hat mittlerweile einen Unternehmenswert

von mehr als

40 Milliarden Dollar (knapp

36 Milliarden Euro). Damit stößt

Uber in Dimensionen vor, in

denen sich große und in vielen

Jahrzehnten gewachsene

Unternehmen tummeln.

40

MILLIARDEN

$

Die Integration von Uber ist ein erster

Schritt auf dem Weg, flächendeckend

Tür-zu-Tür-Mobilität für

mittlere und lange Strecken anzubieten.“

Mit diesem Statement begründete der carpooling-Geschäftsführer

Markus Barnikel

die Kooperation zwischen seiner Plattform

mitfahrgelegenheit.de und Uber. Die App

greift die Idee der Sharing Economy auf:

Derjenige mit eigenem Pkw nimmt denjenigen

ohne Pkw auf seine Mittel- oder

Langstreckenfahrt mit und wird dafür an

den Fahrtkosten beteiligt. Mitfahrgelegenheit.de

dient dabei als Vermittlungsplattform.

Zum Start vor rund zehn Jahren war

die Nutzung kostenlos, bis 2012 Mercedes

in das Unternehmen mit acht Millionen

Euro einstieg und dafür rund 17 Prozent

der Firmenanteile erwarb. Danach wurde

eine Provisionsregelung eingeführt. An der

Kostenbeteiligung verdiente nun auch das

Vermittlungsportal.

Im Jahr 2014 expandierte carpooling

nach Nordamerika und arbeitete dort beim

Aufbau seiner Plattform eng mit Uber

zusammen. Diese Kooperation wird unter

umgekehrten Voraussetzungen nun auch

in Deutschland fortgesetzt. Jetzt hilft carpooling

dem US-Unternehmen bei der

europäischen Vernetzung – und stößt

damit auf große Empörung innerhalb der

Taxibranche.

„ZUM BEIDERSEITIGEN

VORTEIL“

„Die Kooperation von Uber und Daimler

zuungunsten des Taxigewerbes wird beginnen“,

vermutet ein Beobachter. „Entweder

Daimler und Uber einigen sich auf eine

Kooperation zu beiderseitigem Vorteil und

optimalem Ertrag unter dem Mantel des

international tätigen carpooling-Konzerns

oder Uber übernimmt den Anteil von Daimler,

weil Daimler im Kräftemessen um Investitionskapital

langfristig eher nachgibt.“

„Wer sich gemeinsam mit Uber engagiert,

arbeitet gegen unsere Branche“, kritisiert

auch Ertan Ucar, Vorsitzender des

Verbands Taxi Deutschland Berlin e.V., den

Daimler-Konzern. Mercedes steuere mit

diesem Konstrukt „in die direkte Zusammenarbeit

mit Uber, gegen unsere Fahrer

und zugleich mit kräftigen Rabattaktionen

ihrer Tochter myTaxi in einigen Städten

auf die Gegenspur zu unseren Zentralen.

Ucar liefert damit den Grund, warum derzeit

vor allem die Taxizentralen auf die

Marke mit dem Stern nicht besonders gut

zu sprechen sind.

BZP IN DER ZWICKMÜHLE

Der Unmut über die Rolle von Mercedes

bringt auch den Vorstand des Bundesverbands

BZP in die Zwickmühle. Etliche Mitgliedzentralen

und Landesverbände

fordern eine klare Position des BZP gegen

Mercedes – manch einer würde es am liebsten

sehen, wenn dem Konzern die Fördermitgliedschaft

entzogen wird. Andere bezweifeln,

dass man mit solchen Drohgebärden einen

Weltkonzern zu einer Strategieänderung

bringen könnte. „Der jährliche Förderbeitrag

von Mercedes an den BZP beträgt gerade

einmal knapp drei Prozent der Summe,

mit der man 2012 bei carpooling eingestiegen

ist“, vergleicht ein Insider. Das zeige

doch schon, wo der Fahrzeughersteller

seine Prioritäten setze. •

jh

„UNSERE MITGLIEDER SIND

SEHR VERÄRGERT“

Auch in anderen Ländern zeigten sich

Taxiverbände und Unternehmen empört

über die Zusammenarbeit mit Uber. Die

Aktivitäten im Bezug auf myTaxi und

Blacklane hatten da schon eine gewisse

Unruhe verursacht. In Belgien waren die

großen Taxiunternehmer des Landes

– traditionell Mercedes-Nutzer – alle

verärgert über die Zusammenarbeit.

Ein Taxiunternehmen beschloss sogar,

eine Bestellung von 40 neuen Mercedes-Taxis

zu stornieren. Der belgische

Taxiverband GTL beklagte sich in einem

Brief bei Mercedes-Benz Belgien und

bat dringend um Erklärung. „Wir wollen

die Sache nicht verschlimmern“, sagte

Pierre Steenberghen, Generalsekretär

des GTL, „aber wir wollen ein klares

Signal geben, dass unsere Mitglieder

sehr verärgert sind über diese Zusammenarbeit

der ,Taximarke‘ mit Uber.“

Auch in den Niederlanden fragte der

Taxiverband KNV Taxi bei der nationalen

Mercedes-Niederlassung nach,

wie es mit der Uber-Zusammenarbeit

aussehe. Daraufhin kommentierte

Daimler, dass „wir mit der Mobilitätsplattform

moovel intelligente, intermodale

Mobilität neu definieren möchten

und den Kunden den Weg von A nach

B zeigen. (…) Unser Ziel ist es, eng und

partnerschaftlich mit dem Taxigewerbe

zusammenzuarbeiten, um das Potenzial

des mobilen Internets gemeinsam zu

nutzen“.

wf

FOTO: Taxi Times

Stand: Januar 2015, Quellen: Handelsblatt, Wikipedia

FOTOS: DHL, Taxi Times, Unicredit, Delta-Airlines

MERCEDES-BENZ / DAIMLER AG

UNICREDIT

Autokonzern, wandelt sich

derzeit zum Mobilitäts-Allrounder

Börsenwert: 72,2 Milliarden €

Mitarbeiter: ca. 280 000

Bankenkonsortium

Börsenwert: 33 Milliarden €

Mitarbeiter: ca. 130 000

DEUTSCHE POST AG / DHL

Versand- und Logistikkonzern

Börsenwert: 31,8 Milliarden €

Mitarbeiter 2013: ca. 440 000

DELTA AIRLINES

zählt zu den Top 3 aller

Fluggesellschaften

Börsenwert: 31,4 Milliarden €

Mitarbeiter: ca. 80 000

»Nach Ubers Geschäftsmodell

nimmt der Vermittler

ein Fünftel des Fahrpreises.

Um seiner Bewertung gerecht

zu werden, müsste Uber wohl

schon mehr tun, als nur den

globalen Taximarkt komplett zu

übernehmen.«

UNILEVER

Zitat aus dem „Handelsblatt“,

veröffentlicht am 5. 12. 2104

zählt zu den Top 5 der größten Nahrungsmittel

produzierenden Unternehmen

Bilanzsumme 2013: 45,5 Milliarden €

Mitarbeiter 2013: 174 000

32 TAXI MÄRZ / 2015

33


DAS LETZTE

ABONNEMENT

DAS CHECKER CAB,

DAS ZUM GRILL WURDE

Erst diente er in Atlanta als Taxi, dann stand

er 20 Jahre lang auf einem Schrottplatz. Vor

Kurzem begann für den Oldtimer aus dem

Jahr 1979 ein neuer Lebensabschnitt – als

Grill und Räucherofen „The CabaCue“.

Hinter dieser merkwürdigen Idee stecken

die in Amerika bekannten „3 Taxi

Guys“. Vor ein paar Jahren brachte die

Liebe zum Grillen Rick Hewatt (Atlanta

Checker Cab), Jamie Campolongo (Pittsburgh

Yellow Cab) und John Lazar (Luxor

Cab in San Francisco) zusammen.

Sie gingen sogar noch weiter und gründeten

„3 Taxi Guys“. Unter diesem Namen

produzieren und liefern sie köstliche

Grillsoßen und -marinaden. „Wir haben

auch ein professionelles Team für Grillwettbewerbe“,

so Rick Hewatt. „Und wir

nutzen den CabaCue, um ganze Schweine

in Grillwettbewerben überall in den USA

zuzubereiten. Wir waren bei der Grillweltmeisterschaft

in Memphis dabei und beim

„Big Pig Jig“ hier in Georgia, einem der

größten und schwierigsten Grillwettbewerbe

weltweit! Natürlich haben wir sehr viel

Spaß dabei. Wir nehmen an etwa sieben

Die „3 Taxi Guys“: Rick

Hewatt, John Lazar und

Jamie Campolongo (v. l. n. r.).

oder acht Grillwettbewerben pro Jahr teil

und haben für unsere Grillsoßen und unsere

Kochkunst schon viele Auszeichnungen

und Preise gewonnen.

Und der CabaCue? Hewatt lacht: „Es gab

eine Reality Show beim US-Fernsehsender

Food Network, ,The Shed‘ (deutsch: ,die

Scheune‘) über ein Grillrestaurant und

seine Eigentümer, die Familie Orrison, in

Ocean Springs, Mississippi. Eine Folge

heißt ,Smokin Taxi‘ (,Räuchertaxi‘), in der

der Eigentümer Brad und ich diesen Taxi-

Räucherofen bauen. In der Sendung wurden

auch die 3 Taxi Guys gezeigt, die die

Lieferung bei einer Grill- und Blues-Veranstaltung

hier in Atlanta in Empfang nahmen

und auf dem CabaCue für die Besucher

kochten. Eine super Sache!“

„Meine Werkstatt hier in Atlanta hat

das Auto komplett restauriert und gemeinsam

haben wir den CabaCue in den Farben

der 3 Taxi Guys lackiert.“ Auf der Homepage

www.3taxiguys.com werden die Produkte

als „cabilicious“ gepriesen, einem

englischen Wortspiel aus „delicious“

(„köstlich“) und „cab“ („Taxi“).

Auf dem Checker

„CabaCue“ kann man ganze

Schweine zubereiten.

IMPRESSUM

Verlag

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HRB 209524

Redaktion

Chefredakteur: Jürgen Hartmann

j.hartmann@taxi-times.com

Managing Editor (International)

Wim Faber, w.faber@taxi-times.com

Mitarbeiter dieser Ausgabe

Christoph M. Schwarzer

Übersetzung

Probicon

Grafik & Produktion

Cornelia Jäger, Iris Lutterjohann,

Lotte Rosa Buchholz & Juliana Hesse

(verantwortlich),

Raufeld Medien GmbH,

Paul-Lincke-Ufer 42/43, 10999 Berlin

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Anzeigenleitung, Online-Verkauf

und Vertrieb

Elke Gersdorf, e.gersdorf@taxi-times.com

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FOTOS: Wim Faber, Bank of Korea

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EINE MILLION

FÜR EINE

UBER-FAHRT

Die Regierung von Seoul will das Verbot

der Uber-App energisch durchsetzen und

hofft dabei auf die Hilfe der Bevölkerung.

Jeder, der eine Uber-Fahrt meldet und mit

einer Quittung und einem Foto oder Video

beweist, erhält als Belohnung 1 Million

Won, das sind umgerechnet rund 800 Euro.

In der koreanischen Hauptstadt ist die

Fahrtenvermittlung über eine Uber-App

seit Juli 2014 verboten.

jh

34

Druck

Chroma Druckerei, Przemyslowa 5,

68-200 Zary, Polen

Erscheinungsweise 6 x pro Jahr

Heftpreis 4,80 €

ISSN-Nr.: 2199-4048

Veröffentlichung gemäß § 8 Abs. 3 des

Gesetzes über die Presse vom 1.4.2000:

Gesellschafter der taxi-times Verlags GmbH,

München ist Jürgen Hartmann 100 %

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