Taxi Times International - Juni 2015 - Deutsch

taxitimes

JUNI 2015 4,80€

www.taxi-times.com

INTERNATIONAL MAGAZINE

DER WUNSCH DES KUNDEN

FLEXIBLE

TAXITARIFE

TAXIINTELL­UPDATE

AMSTERDAM

Gemeinsam in harten Zeiten

EIN JURIST

WARNT

Behörden auf schmalem Grat

WASSERSTOFF­TAXI

ROTTERDAM

Noch besser als Elektro-Lader


www.taxi-times.com

Das Beste oder nichts.

DIE TAXIMESSE MIT HERZ UND TRADITION

MALLORCA2015

DAS EVENT DES JAHRES FÜR TAXI-

UND MIETWAGENUNTERNEHMER!

www.taxi-times.com

EXKLUSIV-SEMINAR „DER GROSSE UMBRUCH“

Das internationale Magazin Taxi Times wird beim Taxitreff auf Mallorca ein Seminar zu aktuellen

Themen des Taxigewerbes durchführen. Dabei werden verschiedene Experten sprechen und

für Diskussionen zur Verfügung stehen.

SEHR GEEHRTE TAXIFREUNDE,

obwohl es – aus internationaler Sicht – immer noch den

Anschein hat, als gäbe es nur eine Sache zu diskutieren,

bleiben wir unserer Linie treu und informieren Sie über

eine Vielfalt an Taxithemen. Einfach deshalb, weil wir

glauben, dass viele Aspekte, die vor fünf Jahren noch aktuell

waren, es heute immer noch sind. Die Ideen und Beispiele

kommen aus vielen verschiedenen Ländern – das

ist das, was Taxi Times von den nationalen Titeln unterscheidet.

Begleiten Sie uns deshalb bei unserer Suche nach Beispielen

diverser Modelle für Kooperationen und Wettbewerb,

für Zusammenarbeit und Teilen, für neue Regeldefinitionen

und Veränderungen, für flexible Preis­ und neue Marketing­Ideen,

für Minibusse und andere innovative Formen

der Beförderung, für Umweltlösungen und Möglichkeiten

zur Behindertenbeförderung. Und ja, zu guter Letzt sogar

für Taxi und Musik.

– die Redaktion –

INHALT

TAXI-TARIFE

10–11 Schweden hat flexible Fahrpreise,

aber einen begrenzten Wettbewerb

12–13 Die Türkei hat flexible Minibus-Linien

und agiert damit zwischen Taxi und

öffentlichen Bussen

14–15 Deutschland hat eine Tarifpflicht und die

Politik findet das auch gut so – noch

TAXI IM WANDEL

18–21 Taxiberater Axel Ulmer beurteilt die

Genehmigungsverfahren bei den Behörden

TAXI-VERMITTLUNG

22 Uber in Niederlande: Höhere Strafen,

leichterer Markteintritt

Termin:

23 MyTaxi in Deutschland: Rabatt-Aktion

Donnerstag, 29.10.2015 15.30 – 18.30 Uhr

optionaler Zusatztermin: Freitag, 30.10.2015, 09.30 – 12.30 Uhr;

Teilnehmerzahl pro Seminar: ca. 80 Personen

TERMINE

mit Bumerang-Effekt

GLOBAL TAXI NETWORK

Themen: u.a.

- Das PBefG – ein „alter Zopf“ oder notwendige Regelung? Oder brauchen wir eine Deregulierung des

Marktes wie Uber und Co. immer behaupten?

- Verlängerung und Wiedererteilung von Konzessionen – Behördenpraxis anhand von Fallbeispielen

und Lösungsansätze

Referent: Ass. jur. Axel Ulmer – Ulmer Consulting UG

- Einführung Fiskaltaxameter in Deutschland

- Personalmanagement und Abrechnung im Jahr Eins des Mindestlohns

- Macht + Ohnmacht gegenüber Großkunden

Namhafte Referenten (angefragt)

4. Norddeutscher Taxi- und Mietwagentag

13.6.2015 – Hamburg

www.taxitag.de

TLPA Mid-Year International Leadership Conference

15.–18.7.2015 – Hiatt Regency Maui,

Hawaii, USA; www.tlpa.org

2015 IATR Conference

27.–30.9.2015 – Montreal Marriott Chateau

Champlain, Canada; www.iatr.global

24–25 Das GTN nimmt Fahrt auf

TAXI-KONFERENZ

26–28 Bei der TAXIintell Update wird Zusammenarbeit

in harten Zeiten gefordert

TAXIS DER ZUKUNFT

30–31 In Rotterdam fährt das erste Wasserstoff-Taxi

KOMMENTARE

Moderation: Jürgen Hartmann, Chefredakteur Taxi Times

Preis pro Teilnehmer: 99,- EUR incl. MWST

(im Preis enthalten ist ein kostenloses Abonnement der Taxi Times für 2016)

Aktuelle Aussteller - Stand 04/15

Eurocab Anwendertreffen der FMS/

Austrosoft-Zentralen

14.–16.10.2015 – Ramada Plaza,

Antwerpen, Belgien

www.eurocab.info

6 Die Meinung der Chefredakteure:

Der Preis und das Monopol

33 Ein Sharing-Experte:

2015 Annual Convention & Trade Show

26.–30.10.2015 – Caesars Palace

Las Vegas, USA; www.tlpa.org

Keine Angst vor dem Elefanten

www.mpc-software.de

Buchung online unter: www.taxitreff.de

TITELFOTO: ldprod / Fotolia

7. Taxitreff 2015

inklusive Taxi Times-Seminar

„Der große Umbruch“ (deutschsprachig)

29.–31.10.2015 – Mallorca, Spanien

www.taxitreff.de

TAXI JUNI / 2015

3

STÄNDIGE RUBRIKEN

4 News in Kürze

34 Das Letzte: Wunderbare Taxi-Songs

34 Impressum


PERSONEN

UBER HAT EINE

NEUE KOMMUNIKA­

TIONSCHEFIN

Vor mehr als einem Jahr hat

Uber den politischen Meisterstrategen

David Plouffe, den ehemaligen

Wahlkampfleiter von

Präsident Obama, eingestellt,

um die Kommunikationsstrategie

des Unternehmens zu leiten.

Vor einigen Wochen hat das

Unternehmen Rachel Whetstone

abgeworben, die langjährige Leiterin

der Kommunikationsabteilung

von Goo gle, die neuer

Senior Vice President für Politik

und Kommunikation wurde.

Laut Uber wird Plouffe „eine

Stelle als Hauptberater des

Unternehmens und von Travis

Kalanick, dem Chef von Uber,

sowie einen Sitz im Vorstand von

Uber übernehmen“.

wf

Rachel Whetstone (links) half dabei,

Google durch kartellrechtliche

Streitigkeiten auf zwei Kontinenten

zu führen und leitet nun die Politikund

die Kommunikationsabteilung

von Uber. Genau das, was von David

Plouffe verlangt wurde.

Bei der Eröffnungsveranstaltung des beratenden

Ausschusses des GTN (von links):

Daniel Makay (HOTREC), Pierre Steenberghen

(GTL, Belgien), Wim Faber* (leitender

Taxi Times-Redakteur), Oleg Kamberski*

(IRU), Mary Crass* (IFT), Sonila Metushi

(IRU), Thomas Grätz (BZP, Deutschland),

Mac Urata* (ITF), Hubert Andela (KNV,

Niederlande). Auf dem Foto fehlen:

Matt Daus* (IATR), Ray Mundy* (UMSL)

und Christian de Barrin* (HOTREC).

* Mitglieder des beratenden Ausschusses

GTN ERNENNT BERATENDEN AUSSCHUSS

Anfang März haben führende internationale

Akteure bei der Auftaktsitzung des

beratenden Ausschusses für das Global

Taxi Network (GTN) der International Road

Transport Union (IRU) die Qualität von

Taxidiensten und künftige Herausforderungen

erörtert. Die Gruppe hat insbesondere

ihre Unterstützung bezüglich der

Brancheninitiative zur Einführung des

GTN zum Ausdruck gebracht. Sie setzt sich

aus führenden, internationalen öffentlichen

und privaten Akteuren zusammen

und hat ihre Hauptaufgabe in der Leitung

und Beratung des GTN bei seiner künftigen

Entwicklung. Frau Mary Crass, Leiterin

der Abteilung Politik und der

Vorbereitung von Gipfeltreffen für das

International Transport Forum (ITF) [Weltverkehrsforum],

wurde zur Vorsitzenden

gewählt. „Das ITF freut sich sehr, den Vorsitz

in diesem unabhängigen, internationalen

beratenden Ausschuss zu führen.

Taxis stellen in aller Welt ein wichtiges

Element der urbanen Mobilität dar, auch

wenn wesentliche Unterschiede bezüglich

der rechtlichen Rahmenbedingungen und

der angebotenen Dienste bestehen. Neue

Technologien bieten ein breites Spektrum

an Möglichkeiten für Innovation und verbesserte

Dienste. An dieser Stelle wird eine

Betrachtung der Verkehrspolitik in Bezug

auf die Frage, welche Ansätze im besten

Interesse der Öffentlichkeit liegen, sinnvoll.

Wir sind der Ansicht, dass alle Akteure

in diesen Dialog einbezogen werden

sollten“, sagte Frau Crass.

Crass wird begleitet von: Matthew

Daus, International Association of Transportation

Regulators (IATR); Christian de

Barrin, HOTREC, Wim Faber, leitender

Redakteur der Taxi Times und unabhängiger

Taxi­Experte; Ray Mundy, University

of Missouri­St. Louis (UMSL); Oleg Kamberski,

International Road Transport Union

(IRU); Mac Urata, Internationale Transportarbeiter­Föderation

(ITF).

wf

HALLO TAXI 3811:

HANNOVERS NEUER GESCHÄFTSFÜHRER KOMMT VOM GÜTERTRANSPORT

Einen bemerkenswerten Personalwechsel

vollzog die Taxizentrale 3811 in Hannover.

Sven­Marcus Fürst (46) löst Reinhard Bellmann

(66) ab, der seinen Ruhestand angetreten

hat. Fürst wird gleichberechtigt mit

Wolfgang Pettau die Geschäfte von Hannovers

größter Taxizentrale leiten. Bemerkenswert

ist dieser Wechsel deshalb, weil

der verheiratete Vater zweier bereits

erwachsener Söhne nicht etwa – wie das

bei Vorstandsposten etlicher Taxizentralen

sonst üblich ist – nicht aus den eigenen

Reihen stammt, sondern von außen kommt.

Fürst war bisher nicht in der Personenbeförderungsbranche,

sondern in der Transportbranche

tätig. Unter anderem war er

geschäftsführender Gesellschafter einer

Spedition mit Schwerpunkt Kurier­,

Express­ und Paketdienste und 75 Mitarbeitern.

„Mich hat unter anderem die Herausforderung

bei 3811 gereizt, nach vielen Jahren

im Transportwesen mit festen Gütern nun

eine Branche mit zu leiten, in der es um die

Beförderung von Menschen geht, erläutert

Fürst die Beweggründe seines Wechsels

und zählt anschließend die Ziele auf: „Die

Qualitätssicherung der 3811 GmbH ist eine

der großen Herausforderungen, gerade vor

dem Hintergrund des Mindestlohns, der

jetzt in unserer Branche gezahlt wird. Dazu

müssen Service und das Image des Taxigewerbes

weiter gesteigert werden.“

„Ich bin von allen Unternehmern und

Mitarbeitern überaus herzlich empfangen

worden und freue mich auf die anstehenden

Aufgaben. Dabei ist es mir ganz besonders

wichtig, dass die gute Zusammenarbeit,

die bisher zwischen den rund 220 Unternehmen,

die unter der GmbH organisiert

sind, sowie deren knapp 3 000 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern, die die etwa

600 hannoversche Taxen fahren, weiter

verbessert wird. Dazu gehören auch ausgewogene

und faire Dienstpläne und Konditionen,

die verhandelt werden.“ jh

FOTOS: Google, ITF, IRU, Hallo Taxi 3811

FOTO: Martin Waalboer

INTERNATIONALES

NETZWERK

Taxi­Experten aus Europa und Nordamerika haben

sich Mitte April in Amsterdam zur Konferenz

TAXIintell Update 2015 getroffen. Nach interessanten

Vorträgen im Konferenzsaal nutzten viele

von ihnen eine anschließende Bootsfahrt durch die

Amster damer Grachten, um sich untereinander auszutauschen

und im Kampf gegen externe Wettbewerber

noch besser zu vernetzen. Wir berichten

über die Konferenz ab Seite 26.

4


UNSERE MEINUNG

UNSERE MEINUNG

GTN UND TAXI TIMES –

PARALLELE ENTWICKLUNGEN

Als der Taxi Times Verlag Anfang

2014 gegründet wurde, hatten kurz

vorher und unabhängig davon mit

der IRU erste Gespräche zur Schaffung

eines globalen Taxinetzwerks

stattgefunden. Mittlerweile gibt es

sowohl das Magazin Taxi Times (mit

Newsletter-Update) als auch das

von der IRU gegründete Global Taxi

Network (GTN). Beide mit dem Ziel,

das Taxigewerbe bei der internationalen

Vernetzung zu stärken. Für

Taxi Times ist es daher selbstverständlich,

dass wir in jeder Ausgabe

über die Entwicklungen des GTN

berichten. Diesmal auf Seite 24.

Jürgen Hartmann

und Wim Faber.

DER PREIS UND

DAS MONOPOL

Aus Sicht mancher Kunden, Journalisten und

Politiker ist das Taxigewerbe immer noch

ein teures und antiquiertes Produkt. Es wird Zeit,

an dieser Stellschraube zu drehen.

„Die Taxibranche muss verstehen, dass sie

sich den Wettbewerbern auf dem Markt

stellen sollte, indem sie Service verbessern

und Preise senken.“ Diese Ansicht eines

Bloggers auf dem Online­Portal der

„Huffing ton Post“ ist keine Einzelmeinung.

Sie spiegelt das wider, was viele Kunden

denken, etliche Journalisten mit ihrem

Halbwissen verbreiten und manche Politiker

in ihrem Hang zur plumpen Polarisierung

ungeprüft nachplappern. Man denke

nur an die Worte der früheren EU­Wettbewerbskommissarin

Neelie Kroes, die im

April 2014 die ersten Verbote einer US­Fahrtenvermittlungs­App

als verrückt abstempelte.

„Es geht darum, das Taxi­Kartell zu

schützen“, schimpfte sie damals. Auch die

Monopolkommission in Deutschland prangerte

in ihrem Jahresbericht letztes Jahr

„Wettbewerbsdefizite im Taximarkt“ an.

Der Marktzugang werde durch ein Konzessionssystem

stark beschränkt und der

Preiswettbewerb durch eine Tarifpflicht

unterbunden, konnte man dort nachlesen.

Doch rechtfertigt ein beschränkter Preiswettbewerb

tatsächlich schon die Definition

als Monopol? Taxitarife werden in vielen

Regionen dieser Erde von staatlicher Seite

festgelegt und gelten dann für alle innerhalb

eines definierten Gebietes. In anderen Ländern,

dort, wo sich der Staat seiner Regulierungsverantwortung

entzogen hat und den

Taximarkt de regulierte, schlüpften nach

einer teilweise anarchischen Übergangsphase

Taxiverbände und ­zentralen in die

Rolle des Preisregulierers. Das war auch

dringend notwendig, denn das Taxi muss

als fester Bestandteil des öffentlichen Verkehrs

die Mobilität einer möglichst breiten

Bevölkerungsschicht gewährleisten.

Deshalb muss ein Taxi an 365 Tagen im

Jahr, an sieben Tagen in der Woche über

FOTO: Gudrun Hartmann

24 Stunden erhältlich und bezahlbar sein.

Da gibt es durchaus große Unterschiede

zum freien Wettbewerb. Wenn ein heftiges

Unwetter die komplette Spargel ernte zerstört,

hat der Verbraucher die Freiheit,

anstelle des dann sündhaft teuren Spargels

Blumenkohl zu kaufen. Doch wenn ein Fahrgast

während eines Unwetters aufgrund

eines welcher Art auch immer gestalteten

Notfalls schnell irgendwohin gefahren werden

muss, bekommt er eben keine Alternative

zu einem in solchen Momenten

hoffnungslos überteuerten Taxi geboten.

Die freie Tarifgestaltung, wie sie der

„monopolfeindliche“ Wirtschaftsliberalist

so gerne auch für das Taxigewerbe fordert,

muss also Grenzen haben, zumindest nach

oben. Doch wer eine Preisgrenze nach oben

setzt, nach unten aber offen lässt, fördert in

einem kleinteiligen Markt, wie ihn die Taxibranche

mit ihren vielen selbstständig agierenden

Unternehmen nun mal darstellt,

ruinösen Wettbewerb.

KEINE COLA IM TAXI

Dumpingpreise in Form von Lockvogelangeboten

funktionieren nur dann, wenn

man entgangene Umsätze durch die

„Mischkalkulation“ wieder kompensieren

kann. Der Supermarkt kann den Blumenkohl

„sensationell günstig“ anbieten, weil

der Kunde auf dem Weg zur Kasse auch

das Fleisch und die Kartoffeln zum wirtschaftlich

kalkulierten Preis kauft. Das

Hotel kann das Doppelzimmer am Wochenende

zum günstigen Familienpreis vermieten,

weil der Geschäftskunde und

Messegast unter der Woche durch den vierfachen

Preis die Gewinnmarge längst

bezahlt hat.

Wie soll das Taxi eine Fahrt für die

Hälfte kompensieren? Der Fahrer verkauft

während der Fahrt keine Cola für vier Euro,

die er selbst für zwei Euro eingekauft hat.

Und er darf an Silvester auch nur die definierte

Höchstgrenze verlangen, was – siehe

oben – auch gut ist.

DER KUNDE WIRD

ZUM SÜNDENBOCK

Und doch rechtfertigt diese Argumentation

kein „weiter so wie bisher“. Schließlich

muss sich jede Branche nach den Wünschen

der Kunden richten und – wenn

diese im Zuge gesellschaftlicher Änderungen

andere Bedürfnisse entwickeln – neue

Angebotsformen schaffen. Der Journalist,

den wir zu Beginn dieses Beitrags zitierten,

macht es sich allerdings zu einfach.

Seine Forderung, die Taxibranche

müsse den Service verbessern und gleichzeitig

den Preis senken, ist eigentlich ein

Widerspruch. Wer guten Service bietet, hat

auch das Recht, dafür einen höheren Preis

TUE GUTES UND SPRICH DARÜBER

Nachfolgend zitieren wir einen Journalisten der „WirtschaftsWoche“, der

in einem Kommentar ein eigenes Negativ erlebnis zum Anlass nimmt, die

Abschaffung des Taxi-Monopols zu fordern. Dabei hätte er sich eine Menge

Ärger und Frust sparen können, wenn er einige Regeln und Bestimmungen

gekannt hätte. Doch dazu später mehr. Zunächst einmal wollen wir aus dem

Kommentar zitieren: „Neulich in Berlin. Ich brach zu einem Termin in Mitte auf.

Der Veranstaltungsort lag keine zwei Kilometer von der Redaktion entfernt.

Doch es regnete in Strömen. Zum Glück gibt es um die Ecke einen Taxistand,

an dem mehrere Taxen warteten. Ich stieg in das erste in der Reihe ein und

nannte dem Fahrer mein Ziel.

Er schüttelte daraufhin den Kopf und raunte, dass sich die Fahrt nicht lohne.

(…) So weit ist es also schon gekommen. Der Kunde wird zum Sündenbock,

weil der Fahrer nicht einverstanden ist. Solche oder ähnliche Erfahrungen

haben schon viele gemacht. Es ist die Folge eines regulierten Marktes, der

keinen Wettbewerb zulässt. Das Taxi-Monopol gehört daher dringend abgeschafft.“

Eine gewagte Schlussfolgerung des Journalisten. Doch so reguliert,

wie es hier dargestellt wird, ist der Taximarkt gar nicht – nicht einmal der

in Deutschland. Es steht jeden Fahrgast frei, das Taxi seiner Wahl auszusuchen.

Das sauberste, das größte, das mit dem freundlichsten Fahrer. Das ist

Wettbewerb. Dazu kommt noch, dass speziell in Berlin ein Kurzstreckentarif

gilt. Fahrten unter zwei Kilometer kosten deutlich weniger, wenn der Fahrgast

das Taxi von der Straße abwinkt. Beides hat der Journalist nicht gewusst und

der Fahrer hat die Chance vertan, es ihm zu sagen. Taxigewerbe und Kunden

haben manchmal auch ein Kommunikationsproblem …

jh

zu verlangen. Soll eine Airline, bei der im

Flugpreis das Gepäck und die Verköstigung

an Bord enthalten sind, billiger fliegen

als der Wettbewerber, der pro Koffer

zusätzliche Gebühren verlangt und für das

Glas Wasser im Flieger drei Euro kassiert?

Zugegeben, es gibt in der Taxibranche

leider genügend Kollegen, die ihre Taxidienstleistung

unter dem Niveau von Ryanair

anbieten, für ihre Fahrten aufgrund der

festgelegten Tarife aber Lufthansa­Preise

eines Montagmorgen ­ acht­Uhr­Fluges verlangen.

Doch das Gewerbe darf sein Preis­

Leistungs­Verhältnis nicht am schlech testen

aller Fahrer ausrichten, sondern muss den

Willen und auch den Mut aufbringen, die

schlechten Dienstleister in seinen Reihen

schleunigst auf Lufthansa­Niveau zu trimmen.

DAS RAD MUSS MAN

NICHT NEU ERFINDEN

Gleichzeitig muss es aber auch kreative Ideen

entwickeln, um die Kunden als Fahrgäste zu

gewinnen, denen eine Taxifahrt bisher zu

teuer war. Es muss sich den Kommunen als

effektivere Alternative zum Betrieb teurer

gemeindefinanzierter Bus linien anbieten. Es

muss einheitliche Buchungs­ und Abrechnungstools

entwickeln.

Nur eines muss das Taxigewerbe nicht: Es

muss das Rad nicht neu erfinden, denn gute

Ideen gibt es bereits überall auf der Welt.

In Wien wird eine Sharing­App angeboten:

Mehrere Fahrgäste teilen sich ein Taxi,

dadurch wird es billiger. Überall verfügen

Taxibetriebe und ­zentralen über eine jahrzehntelange

Erfahrung in der zeitnahen

Fahrzeugdisposition. Warum hier nicht als

Dienstleister für die Kommunen agieren

und bei der Vermittlung auch die anderen

Verkehrsarten integrieren? In Stockholm

und Holland fahren diverse Elektro­Taxis,

in Rotterdam sogar schon das erste Wasserstoff­Taxi.

Die Politik und die Industrie

belohnen dieses Umwelt­Engagement mit

Vorfahrtsspuren am Flughafen.

Über einige dieser Ideen berichten wir

auch in dieser Ausgabe. Und ist Ihnen etwas

aufgefallen? Bisher haben wir kein einziges

Mal in dieser Kolumne das Wort „Uber“ verwendet.

Brauchten wir auch nicht, denn

diese Branche kann mehr als nur „App“.

Jürgen Hartmann

CHEFREDAKTEUR

Wim Faber

CHEFREDAKTEUR

6 TAXI JUNI / 2015

7


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Deutschland.

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TAXI-TARIF

TAXI-TARIF

Auf schwedischen

Taxis müssen Preisaufkleber

angebracht

sein, auf denen

steht, wie viel eine

Standardfahrt von

10 Kilometern und

15 Minuten an den

jeweiligen Tageszeiten

und Wochentagen

kostet (gelb).

Buchungsmethode (die meisten Unternehmen haben Buchungs­

Apps zum festen Preis), Straßennetz, Entfernung, geografischen

Faktoren, der Zeit und dem Tag (Spitzenverkehrszeiten). Außerdem

macht der Aufkleber Preise transparent und vergleichbar.

Es ist, als würde man den Kilopreis von Kartoffeln im Supermarkt

vergleichen. In gewisser Weise kann man sagen, dass die Richtpreisgestaltung

den Preiswettbewerb gebremst hat. In ihrer

Gesamtheit zieht die Branche Transparenz gegenüber Wildwestmethoden

und schlechter Publicity vor.“

FLEXIBLE FAHRPREISE,

BEGRENZTER WETTBEWERB

Flexible Preise sind möglicherweise die Zukunft der Taxibranche.

Zu diesem Thema lässt sich sowohl Gutes als auch Schlechtes von

Schweden lernen.

Seitdem Schweden 1990 seinen Taximarkt liberalisiert hat,

gilt in dem Land die freie Preisgestaltung für Taxifahrten.

Fortan war Schweden bekannt für gänzlich ungeregelte

Fahrtkosten, die es so manchen skrupellosen Geschäftemachern

ermöglichten, unverschämte Preise zu verlangen. Reisezeitschriften

und Reiseführer warnten Touristen, und sogar die BBC widmete

sich Schwedens Taxiproblem.

LIBERALISIERUNG INS GEGENTEIL VERKEHRT

Nach der Liberalisierung von 1990 tauchten in der schwedischen

Taxibranche einige zweifelhafte Anbieter auf, die die Preise in die

Höhe schnellen ließen. Diese Entwicklung lief der ursprünglichen

Absicht entgegen, dass sich Taxiunternehmen frei etablieren und

die Preise niedrig halten sollten. Seither waren die Behörden

damit beschäftigt, wieder eine gewisse Marktkontrolle durchzusetzen.

Das Ergebnis waren Preisaufkleber, die seit 2011 verpflichtend

sind. Der entsprechenden Vorschrift zufolge muss an jedem

Taxi ein gut sichtbarer Preisaufkleber angebracht sein, auf dem

die unterschiedlichen Preisstufen und Höchstpreise vermerkt

sind. Um Kunden den Preisvergleich zu erleichtern, muss jedes

Taxi angeben, wie viel eine Standardfahrt von 10 Kilometern und

15 Minuten kostet. Der Aufkleber wird von der Polizei geprüft.

Fehlt er, so droht der Entzug der Taxilizenz.

Laut Anders Berge, Rechtsanwalt beim Schwedischen Taxiverband

(STF), in dem 70 Prozent der Taxiunternehmen des Landes

vertreten sind, verlangen die größten Unternehmen etwa 300 bis

325 Kronen (30 bis 35 Euro) als Richtpreis. Auch er ist der Meinung,

dass viele Taxifahrer zu hohe Fahrtkosten veranschlagen:

„Natürlich fühlen sich viele Leute betrogen, wenn sie im Nachhinein

feststellen, dass sie die gleiche Fahrt für 50 Euro statt der

300 Euro hätten haben können. Gleichzeitig muss man betonen,

dass sie keinem Betrug zum Opfer gefallen sind, schließlich gilt

die freie Preisgestaltung. So funktioniert es hier. Gut ist es deswegen

aber noch lange nicht.“

Laut schwedischem Statistikamt stieg die Anzahl der Taxis in

der Folge der Liberalisierung des Taximarktes durch die Regulierungsreform

von 1990 um 22 Prozent an. Im selben Zeitraum

stiegen die Taxifahrtkosten stärker als der Verbraucherpreisindex.

Gleichwohl haben sich die Taxiangebote an sich verändert, was

sich hauptsächlich durch eine leichtere Verfügbarkeit und verkürzte

Wartezeiten bemerkbar macht.

RICHTPREISE SIND WIE KILOPREISE

VON KARTOFFELN

Lars­Ingvar Johansson, ein Beobachter der Taxibranche, erläutert,

was flexible Fahrtkosten im schwedischen Kontext bedeuten: „In

Schweden sind zwei Kräfte am Werk: ein liberales Geschäftsklima,

daher die Liberalisierung, und Verbraucherschutz, daher die

Richtpreise. Es mag zwar eine freie Preisgestaltung geben, dennoch

müssen die Preise transparent sein und sich innerhalb gewisser

Grenzen bewegen. Das macht sie in Wirklichkeit eher variabel

als flexibel. Die meisten großen Unternehmen bieten einigermaßen

vergleichbare Preisstrukturen und einige Festpreise an. Nur

lange Fahrten und Fahrten von und zum Stockholmer Flughafen

sind echten Wettbewerbsinitiativen ausgesetzt.“

Aus Marketingperspektive könnte man annehmen, Taxiunternehmen

würden die Flexibilität ausnutzen, um ihre eigenen Preise

durchzusetzen und die Preise zu manipulieren. Laut Johansson

trifft dies jedoch nicht zu: „Taxiunternehmen nutzen den Spielraum

innerhalb eines Systems gebundener Preise, je nach

FOTO: Thomas Brinch

PREISTRANSPARENZ

In einer Gesellschaft, die hohe Preise gewohnt ist, dreht sich die

Taxipreisdebatte vielmehr um Fairness als um Flexibilität: „Flexible

Taxipreise sind für die Taxibranche genauso wichtig wie für

jeden anderen liberalen Geschäftszweig, der von guten Preisen

abhängig ist. Dabei spielen in Schweden Wettbewerbsneutralität,

Qualität, Sicherheit und Verfügbarkeit eine ebenso große Rolle.

Zudem hat die Markenbildung einen höheren Stellenwert als die

Preisgestaltung. Schwedische Taxiunternehmen sind darauf

bedacht, das Image ihrer Marken mit Qualität, Sicherheit und

Umweltbewusstsein zu verknüpfen. Die fehlende Regulierung

innerhalb der Taxibranche hat dazu geführt, dass viele Kunden

bereit sind, einen Aufschlag auf einen Festpreis zu zahlen, den

sie bereits im Vorhinein kennen“, so Johansson.

Noch vor Kurzem meldete die Polizei Aufkleber, die unglaubliche

Preise von bis zu 40 000 Kronen (4 000 Euro) für eine

30­minütige Fahrt vom Stockholmer Flughafen in die Innenstadt

angaben. Jedoch ist man dem Problem neulich durch eine ordnungspolitische

Ergänzung des Gesetzes beigekommen, das die

Preisaufkleber regelt. Seither sind die Wucherpreise aus den

meisten größeren Städten Schwedens verschwunden. Das neue

Gesetz, das Anfang des Jahres eingeführt wurde, sieht vor, dass

Kunden im Vorfeld zwingend einen gebundenen Preis erhalten,

falls das Taxiunternehmen einen Richtpreis von über 500 Kronen

(537 Euro) anbietet.

„Daraufhin sind fast alle Wucherunternehmen auf einen Richtpreis

von 499 Kronen heruntergegangen. Allgemein nehmen die

Leute die Entwicklung so wahr, dass es keine Wucherpreise mehr

gibt“, sagt Per Juth, Leiter des Schwedischen Taxiverbands STF.

Magnus Klintback, Geschäftsführer von TaxiKurir Stockholm,

erklärt weiterhin: „Das Problem der Wucherpreise ist erheblich

In Stockholm beginnt der Preis für Taxifahrten bei 40

Kronen (4 Euro), auf die der Taxameter je nach Uhrzeit

etwa 11 Kronen (1 Euro) pro Kilometer aufrechnet.

In Schweden gibt es keine Preisbindung für Taxifahrten.

Jeder Anbieter legt seinen eigenen Preis fest. Die sechs

oder sieben größten Taxiunternehmer wenden untereinander

ähnliche Preisstrategien an. Es gibt kleinere

Unternehmen, die tendenziell um einiges teurer sind,

manchmal um bis zu 100 bis 300 Prozent.

zurückgegangen. Es ist eine sehr positive Entwicklung, dass die

Gesetzesergänzung diese Wirkung zeigt. Die Wucherpreise gewisser

zweifelhafter Anbieter haben Stockholm einen schlechten Ruf

eingehandelt.“

Berge: „Wir haben veranlasst, dass alle Taxifahrer den Zählerstand

ihrer Fahrpreisanzeiger an zentrale Abrechnungsstellen

übermitteln, zu denen die Steuerbehörden Zugang haben. Das

wird ab dem nächsten Jahr (2016) so gehandhabt.“ Laut Berge

befürwortete eine Vielzahl der Behörden den Vorschlag einer

zentralisierten Steuerkontrolle. „Als nationaler Verband der Taxiunternehmer

setzen wir uns für einen fairen Wettbewerb ein. Die

Branche muss von skrupellosen Praktiken in der Preisbildung

freigehalten werden. Die Umsetzung dieser Verbesserungen bringt

nicht nur den Kunden Vorteile, sondern auch der Taxibranche,

dem Tourismus und der Gesellschaft im Allgemeinen. Führt man

sie nicht durch, so profitieren nur die Unternehmer, die der Branche

schaden.“

thb

10


TAXI-TARIF

TAXI-TARIF

Stolze

Dolmus-Fahrer

in Istanbul.

FLEXIBLE MINIBUS-LINIEN

ALS GESCHÄFTSMODELL

FOTOS: Karsan

22 Uhr fahren die Minibusse mit Sitzplätzen für bis zu 16 Personen

(und Stehplätzen bei hoher Auslastung) nach Bedarf. Eine

etwas teurere und luxuriösere Variante sind die Mini­Dolmus, in

denen bis zu acht Personen mitfahren können (Stehplätze sind

hier nicht erlaubt). Je mehr Fahrgäste während einer Tour zusteigen,

desto lukrativer wird die Fahrt. Der Vorteil in Istanbul: Mit

dem rasanten Bevölkerungswachstum der Stadt konnte das ÖPNV­

Angebot nicht mithalten. Dolmus ist deshalb kein Konkurrent,

sondern ein notwendiges Angebot zwischen Metrobus und Taxi.

Diese Notwendigkeit scheint in vielen europäischen Städten

und Gemeinden zunächst einmal nicht gegeben. Fast alle verfügen

über ein dichtes ÖPNV­Netz, doch deren Kosten sind allerdings

nur durch teure Subventionen der Kommunen gedeckt.

Warum also nicht die teuren und starren Verkehrslinien reduzieren

und stattdessen flexible Minibuslinien (unter der Auflage,

nur Fahrzeuge mit umweltschonenden Antrieben einzusetzen)

definieren und genehmigen, die vom Taxigewerbe verwaltet und

betrieben werden?

Das hätte den Vorteil, dass bei schwacher Auslastung die Fahrzeuge

und deren Personal als Taxi oder für andere Sonderfahrten

(Schülerbeförderung, Krankenfahrten etc.) genutzt werden könnten.

Durch diese variable Auslastung und die damit mögliche

Mischkalkulation lassen sich für die Minibus­Linien attraktive

Preise kalkulieren, die von finanzschwachen Kommunen nicht

subventioniert werden müssen.

jh

DER JEST IST BEHINDERTENFREUNDLICH

Die meisten Dolmus-Fahrzeuge in Istanbul tragen

das Logo des Herstellers „Karsan“. Mit der neuesten

Generation seines Minibusses, dem „Jest“, will das

türkische Unternehmen nun auch den europäischen

Markt erobern. Zu diesem Zweck wird sogar in

Italien eine Vertriebsniederlassung gegründet. Dank

einer integrierten Rollstuhlrampe sowie einer Befestigungsvorrichtung

im Innenraum kann man im Jest

auch Rollstuhlfahrer befördern. Darüber hinaus ist

auch ein WiFi-Empfang möglich.

In der Türkei gibt es neben den öffentlichen Bussen und

den Taxis noch eine weitere Verkehrsform: die Dolmus-Linien.

Deren Grundkonzept wäre auch auf andere Länder

übertragbar – als neues Geschäftsfeld für Taxiunternehmen.

Ü

bersetzt bedeutet der türkische Begriff „Dolmus“: „Es

ist gefüllt.“ Wobei das eine gewisse Doppeldeutigkeit

hat, denn die Minibusse der Dolmus­Linien sind in der

Tat zumeist gut gefüllt – und sie fungieren als Lückenfüller zwischen

den herkömmlichen Taxis und den Metrobussen. Sie bedienen

meist kleinere Streckenabschnitte und bleiben in einem

Stadtviertel. Der Fahrpreis ist höher als bei Bus und Bahn, aber

niedriger als eine Taxifahrt.

Der entscheidende Vorteil aber ist: Dolmus ist äußerst flexibel.

Zwar ist genau definiert, welche Fahrtstrecke eine Linie abfährt,

doch der Einstieg und Ausstieg ist jederzeit möglich. Wer mitfahren

will, winkt am Straßenrand den Minibus heran. Wer aussteigen

will, teilt dies dem Fahrer mit. Bezahlt wird direkt beim Fahrer.

Dolmus­Linien gibt es überall in der Türkei, alleine in Istanbul

(ca. 18 Millionen Einwohner) sind es 137 Linien. Diese Linien

werden von der Istanbuler Transportbehörde genehmigt, die Vergabe

erfolgt sogar per Ausschreibung. Besitzer solcher Linien sind

meist genossenschaftsähnlich strukturierte Unternehmensvereinigungen.

Jeder der dort eingesetzten Busse hat wiederum eine

eigene Konzession, von denen man pro Person eine besitzen darf.

6 361 Minibus­Konzessionen sind in Istanbul genehmigt. Feste

Fahrzeiten gibt es bei diesen Linien nicht. Zwischen 5.30 Uhr und

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WO TAXI ÖPNV IST

In vielen Regionen dieser Erde ist Taxi

DAS öffentliche Verkehrsmittel. In

weiten Teilen von Afrika, Südamerika

und Asien ist das halb öffentliche

Sammeltaxi-System das Rückgrat des

öffentlichen Verkehrs. Dabei kommen

inhabergeführte Fahrzeuge vom 4- bis

6-Sitzer bis zum Minivan für 21 Personen

zum Einsatz. Die Fahrten können bar

oder per Kreditkarte bezahlt werden.

Systeme wie Marshrutkas, Jeepneys,

Taxi Colectivo, Sherut und Shuttle gibt

es seit dem Beginn des motorisierten

Taxis, und sie haben in Amerika und

Europa bereits ihre Ebenbilder (Shared

Taxi, Jitneys, Traintaxi, Paratransit usw.).

Sie zeigen mittlerweile den Weg auf,

wie ländliche Gebiete bedient werden

können, in denen die Bedienung mit

öffentlichen Verkehrsmitteln zu teuer

geworden ist.

wf

FOTO: Taxi TImes

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Sonderheft 1/2015

GS 300h Grundversion: Benzintriebwerk, 133 kW (181 PS), und Elektromotor, 105 kW (143 PS), Systemleistung 164 kW (223 PS), Kraftstoffverbrauch innerorts/

außerorts/kombiniert 4,8/4,5/4,7 l/100 km, CO 2-Emissionen kombiniert 109 g/km. Kraftstoffverbrauch GS 300h Luxury Line innerorts/außerorts/kombiniert

5,0/4,8/4,9 l/100 km, CO 2 -Emissionen kombiniert 113 g/km. Abb. zeigt GS 300h Luxury Line mit Taxi-Paket.

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12


TAXI-TARIF

TAXI-TARIF

Bei Taxibestellungen

über eine bestimmte

Smart phone-App

wurden im Mai

50 Prozent des Fahrpreises

erstattet.

Teile des etablier ten

Taxi gewerbes halten

dies für Verbrauchertäuschung

und für

rechtlich angreifbar.

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TAXITARIF

SICHERT DIE

GRUND VERSORGUNG

Vertreter von Taxiverbänden und -zentralen bei der Versammlung des BZP,

bei der auch eine Resolution an Daimler verabschiedet wurde.

Der BZP hält weiterhin an einer Tarifpflicht für das deutsche

Taxigewerbe fest und hat das Gesetz auf seiner Seite – noch.

A

nfang Mai purzelten in den

Großstädten die Taxi preise.

Rund zwei Wochen lang

konnten Bürger in Frankfurt, Mailand,

München, Wien und anderen Citys für

die Hälfte Taxi fahren. Initiator dieser

Aktion war MyTaxi, über deren App allen

Kunden 50 Prozent des Taxipreises wiedererstattet

wurden, wenn diese die

gebuchte fahrt bargeldlos bezahlten. Für

die Taxikunden wurde das Taxi so zu

einer lukrativen Trans port alter native,

RAUS AUS DER KUSCHELECKE – BZP RÜGT DEN DAIMLER-KONZERN

Der Deutsche Taxiverband BZP fordert

in einer Resolution den Autokonzern

Daimler auf, auf den mit seinem Tochterunternehmen

MyTaxi praktizierten

finanziellen Verdrängungswettbewerb

in Form von Rabattaktionen auf reguläre

Taxitarife zu verzichten. Die Resolution

im Wortlaut: „Der Erweiterte Vorstand

des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes

(BZP) sieht die seit Jahrzehnten

bewährte Partner schaft des deutschen

Taxigewerbes mit Mercedes erheblich

gefährdet. Die jüngsten Marktaktivitäten

der Daimler-Tochter MyTaxi,

insbesondere die wettbewerbsrechtlich

mehr als zweifelhaften wiederholten

Rabattaktionen, bedrohen die wichtigen

Eigenorganisa tionen der Taxiunternehmen,

die Taxizentralen, in ihrer

wirtschaftlichen Existenz. Der Erweiterte

Vorstand des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes

(BZP) fordert deshalb

den Daimler-Konzern auf, die bisher

verfolgte Marktstrategie des Tochterunternehmens

MyTaxi zu überdenken

und zukünftig auf einen finanziellen

Verdrängungswettbewerb zu Lasten der

Taxizentralen, wie z. B. Rabattaktionen

noch dazu, weil während der ersten

Aktions woche auch noch die Lokführer

der Bahn streikten. Auch für die angeschlossenen

Fahrer war dies ein lohnendes

Geschäft, bekamen sie doch mehr

Fahrten als sonst.

auf reguläre Taxitarife, zu verzichten.

Der Erweiterte Vorstand des Deutschen

Taxi- und Mietwagenverbandes (BZP) ist

überzeugt davon, dass die Fortführung

der Partnerschaft des deutschen Taxigewerbes

mit Mercedes möglich und für

beide Partner sinnvoll ist. Das setzt allerdings

voraus, dass beide Partner gegenseitige

Rücksicht auf die wirtschaftlichen

Notwendigkeiten und grundlegenden

Rahmenbedingungen des Partners

nehmen und keine Aktivitäten fortführen,

die darauf abzielen, den wirtschaftlichen

Kernbereich eines Partners zu zerstören.“

FOTO: Tony Hegewald / pixelio.de

FOTO: Taxi Times

Betroffen waren davon die Taxizentralen,

weil etliche ihrer Kunden – zumindest

während des Aktionszeitraumes – den

Anbieter wechselten. Dieter Schlenker

von Taxi Deutschland, dem Verbund etlicher

Taxizentralen, sprach von einer Verbrauchertäuschung:

„Die vermeintlich

billigen Taxifahrten gaukeln der Bevölkerung

vor, Taxifahren könne billiger sein.“

Dabei bleibe der Fahrpreis der gleiche.

„Der Rabatt wird lediglich von finanzstarken

globalen Unternehmen subventio

niert.“ Dazu zählt auch der Daimler-

Konzern mit seiner Mobilitätsplattform

moovel, der vor einiger Zeit MyTaxi übernommen

hat. Mercedes hat in Deutschland

einen Taxi-Marktanteil von etwa

60 Prozent und ist seit Jahrzehnten auch

Fördermitglied im BZP. Diese Partnerschaft

sei nun aber gefährdet, heißt es in

einer BZP-Resolution (siehe nebenstehender

Kasten).

Der BZP sieht in der Rabatt aktion einen

„Verdrängungswettbewerb“ und lässt nun

auch anwaltlich überprüfen, ob solche

Rabatt aktionen nicht doch einen Verstoß

gegen die Tarifpflicht darstellen. Sollte

diese umgangen oder gar gesetzlich

gekippt werden, drohen nicht nur dem

Taxigewerbe, sondern auch der Bevölkerung

massive Nachteile, prophezeit BZP-

Präsident Michael Müller: „Ein flächen-

deckendes und weitgehend verfügbares

Beförderungs angebot mit bezahl baren

Preisen muss als notwendige Ergänzung

des Linienverkehrs bereitstehen. Das ist

mit einem rein wettbewerblich ausgerichteten

Angebot nicht zu schaffen. Während

sich bei einer unterstellten Tariffreigabe

in Ballungs räumen Anbieter einen vermutlichen

ruinösen Preis kampf liefern,

würden ländliche Gegenden als wirtschaftlich

unattraktiv abgestempelt – und

vom Verkehr abgeschnitten.“

Noch greifen solche Argumente. Der

Vorstoß der deutschen Monopol kommission,

den Taxitarif in Deutschland abzuschaffen,

würde kürzlich von der

Bundesregierung abgelehnt. Doch MyTaxi

und Uber werden nicht lockerlassen, den

Kampf um Markt anteile im Beförderungssegment

auch über den Preis führen zu

dürfen. Unterstützung erhofft man sich

dabei von der EU. Dort hat Uber Beschwerde

gegen Deutschland wegen dessen durch

Land- und Verwaltungsgerichte ausgesprochener

Verbote eingereicht. Was die zuständige

EU-Transportkommissarin dazu

bewogen hat, in einer ersten Stellungnahme

die Möglichkeit in Betracht zu ziehen,

die Beförderungsregularien europäisch zu

regeln. In Deutschland würden dann die

Taxipreise dauerhaft purzeln – nicht nur

für zwei Wochen.

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TAXI IM WANDEL

TAXI IM WANDEL

UNTERNEHMENSBERATER

UND VOLLJURIST AXEL ULMER

„40 PROZENT

UNPLAUSIBLE TAXIBETRIEBE

HALTEN WIR FÜR VERFEHLT.“

Darf eine Straßenverkehrsbehörde

in die Zuständig keiten

des Finanzamts eingreifen

oder ist sie auf Evidenzfälle

beschränkt? Laut unserem Interviewpartner

Axel Ulmer gibt

es zu dieser Frage vor allem im

Süden ein „Rechtsprechungsloch“.

Es zählt zu den gesetzlichen Aufgaben

einer Genehmigungsbehörde, die Funktionsfähigkeit

des Taxigewerbes zu bewahren.

Doch immer mehr Gutachten

bescheinigen, dass ein funktionierendes

Gewerbe gefährdet bzw. nur noch

durch unplausible Umsatzzahlen gewährleistet

ist. Die dadurch unter Druck

geratenen Behörden versuchen gegenzusteuern.

Beliebtes Mittel: Vergleich

der vorgelegten Betriebszahlen nach

standardisierten Plausibilitätsgrenzen

und Verweigerung der Konzessionsverlängerung

bei Verdacht auf Unplausibilität.

Der Volljurist und Unternehmensberater

Axel Ulmer sieht diese Vorgehensweise

sehr kritisch und teilweise

mit geltendem Recht und definierten

Kontrollbefugnissen nicht vereinbar.

TAXI TIMES: Herr Ulmer, Sie sind

Berater für das Taxigewerbe und für

Taxizentralen. Leistet Ihre Consulting­

Agentur in Zeiten von Uber und

MyTaxi-Rabattaktionen, von Mindestlohn

und baldiger Einführung des

Fiskal taxameters aktive Sterbehilfe?

AXEL ULMER: „Ich glaube nicht, dass

man das Taxigewerbe schon auf dem

Totenbett sehen muss. Das marktwirtschaftliche

Umfeld ist allerdings sehr

viel schwieriger geworden – auch für die

Taxiunternehmen. Uber verfolgt derzeit

ein rechtlich nicht zulässiges Geschäftsmodell

und die Rabattaktionen von MyTaxi

werden Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen,

da sie zumindest rechtlich

sehr fragwürdig sind. Es können nur diejenigen

bestehen, die ihre Betriebe ordnungsgemäß

aufgestellt haben und nicht

befürchten müssen, bei Plausibilitätsprüfungen

der Behörden durchzufallen.“

Was sind dafür die Gradmesser?

„Die Zahlen müssen stimmen und es

muss eine Betriebsführung gewährleistet

sein, die sich mit dem Personenbeförderungsgesetz

(PBefG) vereinbaren lässt.“

Ist das Taxi noch kon ­

kurrenz fähig?

„Ja, es muss sich nicht vor anderen Angebotsformen

verstecken. Es ist eine Branche,

die im individuellen Bereich als Teil

des Öffentlichen Personennahverkehrs

(ÖPNV) überwiegend sehr gute und wichtige

Dienstleistungen erbringt.“

Die von Ihnen angesprochenen Plausi

bili täts überprüfungen sind oft

das unmittelbare Ergebnis von Gutachten

über die Funktionsfähigkeit des

Taxi gewerbes. Können Sie uns kurz die

rechtliche Grundlage erläutern?

„Die von den Behörden beauftragten

Unternehmen übernehmen eine gutachterliche

Aufgabe auf Basis des § 13

Absatz 4 PBefG und ziehen daraus be ­

stimmte Schlüsse. Die Schwierigkeit für

die Behörden liegt nun darin, die Empfehlungen

des Gutachtens mit unterschiedlichen

Aspekten des örtlichen Gewerbes

in Einklang zu bringen.“

FOTO: Taxi Times

Zum Beispiel?

„Erstens mit dem Bestandschutz des

jeweiligen Unternehmers und seinem

Grundrecht auf Berufsausübungsfreiheit,

zweitens mit der Tatsache, dass es in der

Branche Verluste bei der Funktionsfähigkeit

gibt und dies öffentliche Verkehrsinteressen

beeinträchtigt.“

Auf das Grundrecht auf freie Berufswahl

nach Artikel 12 des Grundgesetzes

(GG) kann man sich aber bei

einem Antrag auf Konzessions erteilung

nicht berufen. Das hat das höchste

Gericht schon vor Jahrzehnten eindeutig

klargestellt.

„Stimmt, im Bereich der Neu erteilung ist

die Rechtsprechung eindeutig, die objektiven

Zugangsvoraussetzungen sind rechtmäßig.

Aber in der Frage, wann eine

Behörde

eine Konzession

einziehen

darf, ist die

Rechtslage bei Weitem

schwie riger und streitig.“

Aber genau hier setzen Behörden im

Moment an, wenn Ihnen Gutachten

eine Reduzierung der Taxigenehmigungen

empfehlen. Bis vor Kurzem genügte

es, bei einer Konzessionsverlängerung

die gesetzlich vorgeschriebenen

Unbedenklichkeitsbescheinigungen

vorzulegen.

„Inzwischen sind die Verwaltungen, von

der Zuständigkeit meist den Straßenverkehrsbehörden

unterstellt, dazu übergegangen,

Plausibilitätsüberprüfungen

durchzuführen, in deren Zusammenhang

alle steuerlichen Belege eines Unternehmers

überprüft werden. Die Frage ist

aber: Darf eine Straßenverkehrsbehörde

so einfach in die Zuständigkeiten des

Finanzamts eingreifen oder ist sie auf

Evidenz fälle beschränkt?“

Müssen sie es nicht sogar, wenn die

Gutachten zu dem Ergebnis kommen,

dass wie beispielsweise in Stuttgart

42 Prozent der Taxibetriebe unplausible

Umsätze haben?

„Was uns an den Gutachten stört, ist der

Generalverdacht, unter den eine ganze

Branche gestellt wird. Man spricht von

40 Prozent der Unternehmen, die unplausibel

arbeiten. Das halte ich für verfehlt

und es wird der Branche nicht gerecht.“

Also gibt es Unterschiede zwischen

unplausibel und unplausibel?

„Es gibt nie nur Schwarz oder Weiß. Es

gibt jede Menge Grauabstufungen. Nehmen

sie doch die Taxiunternehmer, die

ihren Job nur nebenberuflich ausüben.

Deren Unternehmensumsätze sind mit

standardisierten Durchschnittszahlen

nicht vergleichbar. In den Gutachten lesen

sie darüber aber nichts.“

Taxiunternehmer, die Umsätze verschwinden

lassen, verschaffen sich

einen Wettbewerbsvorteil gegenüber

den ehrlichen Betrieben. Unter diesem

Aspekt müsste es doch sehr zu

begrüßen sein, wenn die Behörden

endlich genauer hinsehen. Wo sehen

Sie das Problem?

18 TAXI JUNI / 2015

19


TAXI IM WANDEL

TAXI IM WANDEL

»Uns stört der

Generalverdacht,

unter den eine

ganze Branche

gestellt wird.«

„Über die krassen Fälle brauchen wir

gar nicht zu diskutieren. Wenn einer mit

einer S-Klasse 200 000 Kilometer fährt,

aber nur 25 000 Euro Umsatz im Jahr

angibt, dann ist die mangelnde Plausibilität

offensichtlich und evident. Hinsehen

ist gut, aber bitte nicht immer

nur die gleiche Schablone ansetzen. Wir

sprechen hier von beruflichen Existenzen,

die von einem Tag auf den anderen

zerstört werden, wenn eine Taxikonzession

nicht verlängert wird.“

Dagegen haben Betriebe geklagt und

verloren …

„Sie sprechen von Fällen in Hamburg,

Berlin oder auch Düsseldorf. Bei den dort

verhandelten Fällen war es offensichtlich,

dass die betrieblichen Daten unplausibel

waren. Es waren Evidenzfälle, welche die

Behörden dort geprüft haben. Im Süden

der Republik gibt es dagegen kaum wirklich

vergleichbare Entscheidungen in der

Rechtsprechung der Obergerichte.“

Gilt nicht der Grundsatz „gleiches

Recht für alle“?

„Das Problem sind die unterschiedlichen

Interpretationen der Behörden.

Was sind beispielsweise Einnahme-

Ursprungs aufzeichnungen? Trotz klarer

Rechtsprechungen dazu hat die Oberfinanzdirektion

Karlsruhe eine andere

Sichtweise. Oder das Beispiel mit den

Schichtzetteln. Eine Behörde hat den

Schichtzettelausdruck nicht akzeptiert,

weil dort der Begriff ,Schichtkontrollzähler‘

auftauchte. Das Verwaltungsgericht

Neustadt war kürzlich der Meinung, dass

auf dem Schichtzettel auch Angaben über

die Entlohnung des Fahrers aufgeführt

sein müssen. Aus solchen nicht standardisierten

Nachweisen in Kombination

mit den Abweichungen von den Durchschnittswerten

des Gutachtens auf persönliche

Unzuverlässigkeit zu schließen,

schießt über das Ziel hinaus. Man geht

mit dem Unzuverlässigkeitsurteil teilweise

viel zu salopp um. Persönliche Unzuverlässigkeit

ist der Todesstoß für jeden

Taxiunternehmer, weil es gleichbedeutend

mit dem Entzug seiner Konzession

ist.“

Aus Sicht der Behörden scheint

eine Reduzierung der Taxilizenzen

die einzige Waffe im Kampf gegen

eine bedrohte Funktionsfähigkeit

zu sein.

„Dies ist nicht die einzige Ursache. Man

lässt auch den Mietwagensektor im rechtsfreien

Raum schweben. Ich lese in jedem

Gutachten, dass die Funktionsfähig keit

des Taxigewerbes auch durch die hohe

Zahl der Mietwagen gefährdet ist. Die

meisten dieser Mietwagen betreiben Taxiverkehr

und werben auch unverhohlen

damit. Sie bezeichnen sich als günstigere

Alternative zum Taxi und stellen damit

klar, dass sie die gleiche Dienstleistung

wie ein Taxi ausführen. Nur eben zum

sensationell günstigen Preis.“

AXEL ULMER

Axel Ulmer, 57, verheiratet,

aus gebildeter Volljurist mit Schwerpunkt

Verwaltungsrecht – insbesondere

Personenbeförderungsgesetz

PBefG, fungiert als Unternehmensberater

für die Ulmer Consulting

UG in Kaisers lautern. Den

Schwerpunkt seiner Kunden bilden

Taxi unternehmer und -zentralen.

„Es ist ein Bedarf dafür entstanden,

Taxiunternehmen in Fragen der

Plau sibilität ihrer Betriebs führung

zu beraten.“

Günstigere Preise, die noch dazu mit

19 Prozent versteuert werden müssen.

Das kann sich doch nicht rechnen, erst

recht nicht, wenn man die Rückkehrpflicht

einhält?

„Aber die wird eben geschickt ,umgangen‘,

indem man die Aufträge über eine

24/7-Zentrale koordiniert. Das ist eine

Bedrohung des Taxigewerbes und, nebenbei

bemerkt, ein klarer Gesetzesverstoß.

Ich kenne keine Behörde, die das nachverfolgt

hat, obgleich der § 54a PBefG

auch für den Mietwagen gilt.“

Mangels Personal und Kompetenz?

„Bei den meisten Behörden ist in den

letzten 20 Jahren ein gewisses Vollzugsdefizit

aufgetreten. Das Hamburger

Modell hatte deswegen Erfolg, weil man

die Behörde mit neuem und kompetenten

Personal besetzt hat. In den Genehmigungsabteilungen

müssen ausgebildete

Betriebs wirtschaftler sitzen. Am besten

»Das Taxigewerbe

muss

begreifen, dass

es im Markt

nur gemeinsam

funktioniert.«

Finanzbeamte oder ein ehemaliger Mitarbeiter

der Steuerfahndung, wenn man

gleiche Kompetenzen wie die Finanzverwaltung

für sich reklamiert. Wichtig

ist, dass das Gewerbe klar ausgesprochene

und zu beachtende Regeln

FOTO: Taxi Times

FOTO: Taxi Times, Thomas Lachemund / froxx / Fotolia

bekommt. Ohne bürokratischen Aufwand.

Ein Gerät, bei dem man nur noch auf den

Knopf drücken muss – und nicht wie

derzeit 20 Zettel, um alle möglichen Zeiten

und Sachverhalte zu dokumentieren.“

»Den

Mietwagensektor

lässt man im

rechtsfreien Raum

schweben.«

Worauf müssen Taxiunternehmer

zukünftig achten, damit sie nicht

unverschuldet in die Plausibilitäts falle

tappen?

„Es kommt darauf an, dass Taxiunternehmen

ihre Einnahmensituation schlüssig

darlegen können. Wann ist das

Fahrzeug eingesetzt worden, wie viele

Kilometer wurden gefahren, welche Fahrer

waren eingesetzt und was haben sie

eingenommen und verdient? Das wird

von den Genehmigungsbehörden bei den

Anträgen auf Konzessionsverlängerung

verstärkt überprüft – und das ist auch

grundsätzlich richtig und wichtig. Viele

Unternehmen sind sich dessen noch

nicht bewusst. Sie sollten auf jeden Fall

ihre Betriebsführung auf Plausibilität

überprüfen lassen, bevor sie den Antrag

auf Konzessionsverlängerung stellen. Das

ist genau die Dienstleistung, die wir als

Unternehmensberatung anbieten.“

Ist das Taxigewerbe ein Monopolist?

„Das ist Unsinn und wird nur von den

neuen Mitbewerbern so gesehen. Taxiunternehmen

haben eine gute Marktstellung,

weil sie auf einem lokal

eingegrenzten Markt tätig sind und eine

Der neue EKO-Umbau zum

Rollstuhlbeförderungsfahrzeug

Aufgabe ausführen, die der Gesetzgeber

als Teil der Da seinsvorsorge definiert, und

zwar mit vielen spezifischen Einschränkungen

gerade für den Unternehmer.

Das Taxigewerbe muss allerdings begreifen,

dass es in einem solchen Markt nur

gemeinsam funktioniert. Das, was man

anzu bieten hat, muss man zusammen

anbieten. Da darf es keine 100 unterschiedlichen

Strömungen geben, egal ob auf der

örtlichen oder der bundesweiten Ebene.“

Braucht es nicht sogar auch überregional

gemeinsame Angebote?

„Die Konzentration auf den lokalen

Markt muss an vorderster Stelle stehen.

Bevor ich mich ans große Ganze mache,

muss ich zunächst einmal das Kleine

ordentlich geregelt haben und dort einheitliche

Standards definieren. Allerdings

wäre ein einheitlicher Auftritt im

gesamten Bundesgebiet von Vorteil, denn

Mitbewerber zeigen ja die Vorteile eindrucksvoll

auf.“

Zum Beispiel bei der Fahrerausbildung?

„Ja. Das zählt aber leider zum Verantwortungsbereich

der Behörden. Die heutige

Ortskundeprüfung läuft doch nur so

nebenbei. Es ist zu leicht, den Personenbeförderungsschein

zu bekommen.

Darunter leidet die Qualität der Fahrer

und der Dienstleistung. Fragen Sie doch

mal einen Taxiunternehmer, wer sich bei

ihm so alles mit gültigem P-Schein vorstellt

und Taxi fahren möchte.“

Muss da nicht auch das Gewerbe

aus sich heraus Angebote machen,

ganz speziell die Taxizentralen?

„Viele machen das ja bereits in Form von

eigenen Schulungen. Man koordiniert es

nur nicht einheitlich.“

Herr Ulmer, herzlichen Dank für dieses

Interview.

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PAUSEN BEIM MINDESTLOHN

„Die Wartezeit am Halteplatz als

arbeitsrechtliche Pause zu bezeichnen

ist nicht der Weisheit letzter

Schluss. Wenn das in arbeitsrechtlichen

Pro zessen auf den Prüfstand

kommt, wird es spannend.“ Axel

Ulmer sieht die seit Einführung des

Mindestlohns in vielen Betrieben

eingeführte Pausenregelung als juristisch

angreifbar an. „Bereitschaftszeiten

sind Arbeitszeiten.“

MYTAXI UND DAS PBEFG

Zur aktuellen Diskussion über

die Recht mäßigkeit der MyTaxi-

Rabatt aktion hat Axel Ulmer eine

klare Meinung: „Rechtswidrig. Das ist

ein Fall, in dem auch die Behörden

einschreiten müssten. § 39 des

Personenbeförde rungsgesetzes

(PBefG) definiert den Taxitarif. Das

ist eine gesetzlich gewollte Preisbindung,

damit die Versorgungsfunktion

des Taxis nicht verloren geht.

Daran muss sich auch der Wettbewerber

MyTaxi halten.“

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VERMITTLUNG

VERMITTLUNG

DRASTISCH

ERHÖHTE

STRAFEN FÜR

UBERPOP

In den Niederlanden werden

die Strafen für Uber erhöht,

doch gleichzeitig wird ihnen

der Markteintritt erleichtert.

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Mansveld liefert eine gute Taxibeurteilung und

lässt keine Ausnahme für UberPOP zu.

Im sowieso schon liberalisierten Taxigewerbe wird es für die

neuen Anbieter künftig leichter, in den Markt zu kommen.

Mit einer lange erwarteten Neubewertung der Taxivorschriften

lockert die Ministerin Wilma Mansveld (Ministerin für Infrastruktur

und Umwelt) viele Verwaltungsvorschriften. Allerdings gilt

dies nicht für UberPOP, denn dieser Dienst bleibt verboten. Fahrer

müssen beim ersten Verstoß mit einer Geldstrafe von 4.200 Euro

und für den zweiten mit 10.000 Euro rechnen. Uber zahlt jetzt

50.000 Euro für jeden neuen Verstoß, jedoch maximal eine Million.

Laut Mansveld bleibt Uber POP verboten, weil „dieser Dienst

nicht alle Qualitätsanforderungen erfüllt und somit für unfairen

Wettbewerb und Marktverzerrungen sorgt.“

Mansveld hält an den Vorschriften zum Schutz der Taxinutzer

fest, insbesondere im Bereich nicht vorbestellte Taxis in den größeren

Städten. Ihre Erklärung: „Vorschriften sind und bleiben

vorläufig für eine sichere, zuverlässige und bezahlbare Taxifahrt

erforderlich. Es kommt immer noch zu Umwegen, Ablehnung von

Fahrten, unrealistisch hohen Fahrpreisen und gefährlichen Verkehrssituationen

und Störungen der öffentlichen Ordnung.“ Gleichzeitig

lockert Mansveld sieben Vorschriften, da ihrer Ansicht nach

neue Marktteilnehmer und innovative Leistungen auf dem Taximarkt

zur erhöhten Bequemlichkeit der Reisenden beitragen.

Taxibetreiber müssen bei der Beantragung einer Zulassung

keine fachliche Kompetenz mehr nachweisen. Fahrer müssen nicht

mehr automatisch Quittungen drucken und ausstellen. Sie müssen

ihre Zulassung nicht mehr in Papierform mitführen. Taxis,

die für Auftragsfahrten eingesetzt werden oder für Fahrten, deren

Fahrpreis vor Fahrtbeginn festgesetzt wird, müssen nicht mehr

über ein Taxameter verfügen (die meisten Taxis im Land sind

bereits mit einem Steuertaxameter ausgerüstet, dem BCT, das die

Arbeits- und Fahrtzeiten aufzeichnet).

Ab dem Jahr 2016 oder 2017 müssen Taxifahrer und Betreiber

kein Führungszeugnis mehr vorlegen. Mit der Zeit wird die Zulassung

für Betreiber wohl gänzlich verschwinden und nur Taxifahrer

werden eine Zulassung benötigen. Das Strafregister wird

automatisch durch die Verbindung der Datenbanken des Justizministeriums

mit denen des Infrastrukturministeriums geprüft.

Die Ministerin möchte Raum für Experimente schaffen. Durch

die Kombination aus öffentlichem Verkehr, Fahrrad und Taxi kann

die Fahrt von Tür zu Tür nur gewinnen. Beispielsweise in wenig

dicht besiedelten Gegenden, in denen der planmäßige öffentliche

Personenverkehr nur unter Schwierigkeiten richtig funktioniert.

Mansveld möchte die lokalen Behörden und andere Beteiligte

ermuntern, neue Mobilitätslösungen unter Einbeziehung von

Taxidiensten zu finden. Der nationale Taxiverband KNV Taxi ist

mit dieser Einschätzung zufrieden und sieht seine Lobbyarbeit

zum größten Teil belohnt.

In den kommenden Jahren will man sich auch mit der Frage

beschäftigen, ob es (noch) mehr Fahrpreisflexibilität für Taxibetreiber

geben kann.

wf

ERSTER UBER-FAHRER

VOR DEUTSCHEM GERICHT

Weil er trotz des Verbots

der App UberPOP mit

dem geliehenen Auto des

Vaters von Uber vermittelte

Personen beförderte, stand

ein 24-jähriger Student

in Hamburg vor Gericht.

Er bekam ein mildes Urteil:

1.350 Euro Bußgeld. Die

Staatsanwaltschaft hatte

über 7.000 Euro gefordert.

FOTO: Ministerium für Infrastruktur und Umwelt Niederlande

FOTO: name name

RABATTAKTION

MIT BUMERANG-EFFEKT

Mit einer weltweiten Marketing-Aktion hat die

App MyTaxi einen Sturm der Entrüstung ausgelöst –

vor allem im Heimatmarkt Deutschland.

Dort gingen vor allen Dingen die

Taxizentralen auf die Barrikaden.

Sie sprachen von einem

Verdrängungs wettbewerb. Dieter Schlenker,

Geschäftsführer von Taxi Deutschland,

einer Vereinigung vieler Taxizentralen,

bezeichnete die Rabatt aktion als „Marktriesen-Preiskampf

auf dem Rücken von

Kleinst unternehmen“.

MyTaxi hatte im Mai zwei

Wochen lang allen Fahrgästen,

die über deren App

eine Fahrt bestellt und bargeldlos

über das Mobile

Payment bezahlt hatten,

die Hälfte des Fahrpreises

zurück erstattet. Der Fahrer bzw. Taxiunternehmer,

der die Fahrten ausführte,

wurde vom Fahrgast nach dem jeweils gültigen

Fahrpreis bezahlt. Man wolle mit dieser

50-Prozent­ Aktion in erster Line den

Nutzern „ein attraktives Angebot machen,

damit sie das beliebte Feature ‚Bezahlen

per App‘ ausprobieren“, rechtfertigte

MyTaxi-Pressesprecher Stefan Keuchel das

Vorgehen gegenüber Taxi Times.

Schlenker sieht das anders, er spricht

von einer Verbraucher täuschung: „Der

Rabatt wird lediglich von finanzstarken

Dieter Schlenker,

Vorstand von Taxi Deutschland

»Das ist

Verbrauchertäuschung«

globalen Unternehmen subventioniert.

Konzerne wie Daimler mit Tochter MyTaxi

sowie UberTAXI rabattieren mit dem Kalkül,

die Tarifpflicht zu kippen. Ist dies

erreicht, sind Wucherpreise zu Stoßzeiten

die Regel.“ Diese Befürchtung hat auch

Präsident Michael Müller, dessen Verband

BZP sowohl die Taxizentralen als auch die

Landesverbände vertritt,

bei denen wiederum etliche

Mitgliedsunternehmen

auch MyTaxi nutzen.

Speziell an diese richtete

Müller seinen Appell:

„Ich bitte diejenigen Unternehmer,

die MyTaxi-Aufträge

durchführen oder zulassen, um ein

kurzes Nachdenken. Setzt euch nicht dem

Preis diktat von MyTaxi aus!“ Er habe die

App bisher mit Distanz betrachtet, schreibt

der Präsident auf der BZP Homepage, letztlich

aber auch den positiven Aspekt gesehen,

dass diese App „den rechtlichen

Rahmen anders als Uber nicht infrage stellte,

sondern die Vermittlung von ordnungsgemäßen

Taxifahrten betrieb“.

Mittlerweile sei allerdings eine neue

Situation entstanden, denn das Unternehmen

habe im Dezember bei seiner damals

ersten Rabatt aktion damit begonnen, „den

Vermittlungs wettbewerb mit unfairen und

rechtlich zweifelhaften Mitteln zu führen“.

Rechtliche Zweifel sah auch die Stuttgarter

Taxizentrale TAZ: Weil das Vorgehen von

MyTaxi wettbewerbswidrig sei und gegen

das Personenbeförderungsgesetz verstoße,

hatte man vor Gericht eine einstweilige

Verfügung erwirkt. MyTaxi musste seine

Rabatt aktion in Stuttgart nach nur wenigen

Tagen einstellen. Wenige Tage später

folgte ein Verbot in Hamburg. „Im Deutschen

Personenbeförderungsgesetz ist eindeutig

festgelegt, dass die festgesetzten

Taxitarife nicht über- oder unterschritten

werden dürfen“, erläuterte Axel Ulmer die

Gerichts entscheidung. Ulmer agiert als

Berater und hatte die juristischen Schritte

gemeinsam mit der TAZ und einem Rechtsanwalt

eingeleitet. In Hamburg war eine

Anwaltskanzlei im Auftrag des BZP tätig

geworden. Für das Hamburger Unternehmen

hatte diese Aktion also einen ungeahnten

Bumerang-Effekt. Man hat gegen

die Entscheidung bereits Widerspruch eingelegt.

Die Rabatt aktion ist mittlerweile

beendet. Ob sie wiederholt wird, steht derzeit

in den Sternen. jh

NEWSTICKER

MYTAXI STELLT

AUFTRAGSVERGABE UM

Ab 1. Juli gilt bei allen Fahrten, die

über die App MyTaxi vermittelt werden,

eine Vermittlungsgebühr von

sieben Prozent des Fahrpreises.

Damit verlässt das Unternehmen

das bisherige und sehr umstrittene

Modell der flexiblen Provisionseinstellung.

Die Fahrer bzw. Unternehmer

mussten seit Anfang 2014

selbst bestimmen, wie viel Prozent

(zwischen 3 und 15) des Tour-

Umsatzes sie als Gebühren bezahlen.

Je höher der Provisions satz

eingestellt war, desto wahrscheinlicher

wurde es, eine Fahrt vermittelt

zu bekommen. „Die Vermittlung

erfolgt nun nach Nähe zum Fahrgast

– nicht mehr nach Bewertung,

Zahlungs bereitschaft und Außenwerbung“,

heißt es in einer Mitteilung

des Unternehmens an seine

angeschlossenen Fahrer.

22 TAXI JUNI / 2015

23


GLOBAL TAXI NETWORK

GLOBAL TAXI NETWORK

EIN NETZWERK

NIMMT FAHRT AUF

Sechs Monate nach der Einführung kommt das Global Taxi Service

Quality Network (GTN) in Schwung.

Das GTN wurde am 8. November

2014 während des 6. Internationalen

Taxiforums der International

Road Transport Union (IRU) in Köln

aus der Taufe gehoben. Seitdem hat es richtiggehend

Fahrt aufgenommen und sich

rasend schnell weiterentwickelt. Mit neuen

Partnern in den USA (TLPA), Australien

(ATIA) und Russland sowie Taxi Deutschland

und mit weiteren Zuwächsen der

Gründungsmitglieder Taxi 40 100, eCab

(Italien, Indien) und taxi.eu (Türkei und

Serbien) erstreckt sich das Netzwerk mit

200 000 Taxis über vier Kontinente.

EXPANSION IN RUSSLAND

Mit den drei neuen russischen Partnern –

Taxi Semerochka, Taxi Petersburg 068 und

Taxi 777 – bildet das GTN der IRU eine

breite Verbindung innerhalb der verschiedenen

Zonen. „Mit diesen drei weiteren

Apps sind wir mit unseren Ambitionen

einen großen Schritt vorangekommen“,

sagt Hubert Andela, Präsident der IRU­Taxi

Gruppe. „GTN soll ein Taxi­Netzwerk sein,

an dem sich qualitativ hochwertige und

legale Taxidienste anschließen. Ich begrüße

den Beitrag unserer neuen russischen

Partner zu unserem Netzwerk.“

Regeln bestehen

aus berechtigten

Gründen und

müssen für alle

gelten.

Alexey V. Gusev, Generaldirektor von

Semerochka, Sergey Kashirsky, Direktor

der Geschäftsentwicklung bei Taxi 777,

und Soloviev Victor Gennadievic, Vizegeneraldirektor

bei Taxi Petersburg 068,

haben alle betont, wie notwendig Qualitätsstandards

und Qualitätsverbesserung in

der Taxibranche, mehr internationale

Dem GTN dürfen

nur legal agierende

Taxibetriebe und

Institutionen

beitreten. Viele

Taxifirmen sind

neuer Partner im

GTN.

Geschäftsmöglichkeiten, der Kampf gegen

verbotene Taxi­Apps und ein sicherheitsbasierter

Ansatz sind.“

Vor den russischen Apps ist der Verbund

deutscher Taxizentralen, Taxi

Deutschland, der Gruppe beigetreten sowie

zwei große Mobilitätsorganisationen von

Übersee. Die US Taxicab Limousine and

Paratransit Association (TLPA) – Nordamerikas

führender Verband in der Taxi­,

Limousinen­, Minicab­ und Behindertentransportbranche

– und der einzige australische

Verband, Australian Taxi

Industry Association (ATIA), vereinen

durch ihren Beitritt nicht nur die wesentlichen

Interessen der verschiedenen Arten

der Taximobilität in einer App. Vielmehr

ist das GTN neben einer technischen Verbindung

auch – so ihre Entwickler – „ein

Netzwerk von Verbänden der Taxibranche

und Anbietern von Taxi­Apps, dessen Ziel

die Förderung legal agierender, verlässlicher,

hochqualitativer und sicherer Taxi­

Dienstleister ist, bei denen die neuesten

FOTO: Wim Faber

FOTO: Edwin Schaule

Smartphone­Technologien ausschließlich

unter strikter Beachtung der geltenden

Vorschriften genutzt werden“.

VIER POLITISCHE SÄULEN

„Seit einem Jahrzehnt haben regulierte

Taxis und Mietwagen neue Technologien

und Geschäftsmodelle für den öffentlichen

Personenverkehr eingeführt und somit die

reibungslose Beförderung von Tür zu Tür

und die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit

der Mobilitätskette verbessert“, zählt

der Leiter der IRU­Personenbeförderungsgruppe,

Oleg Kamberski, die Vorzüge auf.

„Das globale Taxinetzwerk ist die Antwort

der professionellen Taxibranche auf die

Bedürfnisse der Kunden und auf aktuelle

und künftige Mobilitätsherausforderungen.“

Ende April beschrieb Kamberski

während der TAXIintell Konferenz in Amsterdam

das GTN als eine der vier Säulen

der Politik seiner Organisation. Die drei

anderen sind: politische Lobbyarbeit im

Bemühen um ausgeglichene Wettbewerbsbedingungen,

eine globale Allianz unterstützender

Organisationen und Stellen

plus die Wiederbelebung der weltweiten

Kampagne „Taxi – Anytime, Anywhere“.

Taxis sind fester Teil des öffentlichen Personenverkehrs“,

betont er, „und wahrscheinlich

der innovativste.“

Bei ihrer politischen Lobbyarbeit vertritt

die IRU den Standpunkt, dass Regeln

aus berechtigten Gründen bestehen und

deshalb für alle gelten sollen. Deshalb

müssen Regelungen und Gerichtsentscheidungen

durchgesetzt werden. Die Lobbyarbeit

für einen EU­weiten Berufszugang in

eine Branche, die üblicherweise auf nationaler

Ebene reguliert wird, führt die IRU

bis in die Brüsseler Amtsstuben. „Wir

erwarten ein deutliches Signal der EU“,

sagt Kamberski.

wf

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Rechtsanwalt Benjamin Sokolovic wird beim Norddeutschen Taxitag

Referent zum Thema „Fallen für den Unternehmer beim Mindestlohn“ sein.

TAXIMESSE UND

WORKSHOP IN HAMBURG

Am Samstag, dem 13. Juni 2015 findet in der Hamburger MagnusHall

der Norddeutsche Taxitag statt. Knapp 40 Aussteller von Fahrzeugherstellern

über Anbieter bis Dienstleistern von Taxiprodukten werden

bei dieser Messe vor Ort sein. Parallel zum Messebesuch

organisiert der Veranstalter, die Taxen­Union Hamburg, einen Workshop,

in dem am Vormittag eine Podiumsdiskussion zum Thema

Taxi 2020“ stattfindet. Der Nachmittag steht dann ganz im Blickfeld

des gesetzlichen Mindestlohns. Ein Experte wird über die „Fallen für

den Unternehmer“ berichten, anschließend gibt ein Mitarbeiter der

Finanzdirektion Einblicke, wie die Einhaltung des Mindestlohns von

seiner Seite geprüft wird. Die Anmeldung zum Norddeutschen Taxitag,

bei dem auch Taxiunternehmer aus dem Ausland sowie dem östlichen,

westlichen und südlichen Teil Deutschlands herzlich

willkommen sind, erfolgt über die Homepage www.taxitag.de. jh

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24 TAXI JUNI / 2015

25


TAXI-KONFERENZ

„Bleiben Sie stark. Qualität setzt sich stets durch.“

ZUSAMMENARBEIT

IN HARTEN ZEITEN

Bei der internationalen Taxi-Konferenz in Amsterdam, der TAXIintell

Update 2015, ging es ebenso sehr um Zusammenarbeit wie auch um

den Wettbewerb.

Jedes Jahr trifft sich eine kleine Gruppe von Taxifachleuten

aus der ganzen Welt (dieses Mal waren es 85 aus 12 Ländern)

und aus sämtlichen Bereichen der Taxi- und Mietwagenbranche,

Lieferanten, Aufsichtsbehörden, Berater und

andere in Amsterdam, um heiße Themen aus der Taxi- und Mietwagenbranche

zu diskutieren.

Mit der „Neuen Mobilität“ als zentralem Thema haben es sich

die Organisatoren nicht gerade leicht gemacht. Insbesondere, weil

sie drei separate Diskussions-Foren für die Anbieter der geteilten

Mobilität organisiert haben: eine davon über Apps oder/und deren

»Uber hat uns unsere

Marketingarbeit abgenommen.

Nun weiß jeder über

die Taxibranche Bescheid.«

Jeremy Butler

Transportation Network Companies (TNC), eine über die Taxi- und

Mietwagenbranche und eine über Aufsichtsbehörden. „Eines unserer

Ziele lautet, die gesamte Branche zusammenzubringen, sämtliche

Interessengruppen, und wir hofften, dass die Anbieter von

Tarek Mallah zeigte auf, dass Uber den Markt

in New York bereits übernommen hat.

Apps einen offenen Informationsaustausch mit den anderen beiden

Gruppen, insbesondere den Aufsichtsbehörden, begrüßen

würden“, sagte Wim Faber von Challans & Faber. „Aber es stellte

sich heraus, dass die Regulatoren extrem zurückhaltend sind,

wenn sie öffentlich über ihre Verfahrensweisen und ihre Ansichten

über Neue Mobilität sprechen sollen, obwohl sie doch eigentlich

gute Fallbeispiele aufweisen. Die Aufsichtsbehörden der nicht

gerade wenigen europäischen Großstädte, die wir eingeladen hatten,

waren mit ihren eigenen Beurteilungen der rechtlichen Lage

im Zusammenhang mit TNCs beschäftigt oder in Rechtsstreitigkeiten

verwickelt, daher waren sie nicht gerade eifrig darauf

bedacht, ihre Ergebnisse zu präsentieren.“

Dieser Ausfall wurde jedoch durch die hochkarätigen Redner,

die den Weg in die niederländische Hauptstadt gefunden hatten,

mehr als wettgemacht. Sie boten einige faszinierende Einblicke

in die Branche und die aufsichtsrechtliche Landschaft.

„GERETTET DURCH DEN TAXIFAHRER“

Als Beweis für die (deutlich verbesserte) Qualität der Amsterdamer

Taxis begann der Hauptredner und unabhängige Berater

Jeremy Butler seine Präsentation mit der Anmerkung, dass er

sich am Vorabend total verlaufen hatte und von einem Amsterdamer

Taxifahrer gerettet wurde, als er von jemandem angesprochen

wurde, der versuchte, ihm alles Mögliche zu verkaufen … Der

Taxifahrer behielt Butler im Auge und öffnete seine Tür genau

rechtzeitig, um einen dankbaren Fahrgast aufzunehmen.

FOTOS: Martin Waalboer

In seiner Grundsatzrede schöpfte Butler aus seiner 15-jährigen

Erfahrung in den Bereichen Taxi und Mietwagen, die mittlerweile

ganz anders wahrgenommen werden. Während sich früher

niemand für seine Arbeit sonderlich interessierte, rückt er heute

in den Mittelpunkt einer jeden Party: „Was passiert gerade mit

Uber?“, erzählt Butler. „Die Dinge haben sich rasend schnell verändert.

Die Branche wird mit viel Leidenschaft betrieben. Es ist

eine sehr emotionale Branche.“

Butler beschrieb zunächst am Londoner Beispiel, wie die

schwarzen Taxis die Branche ca. 200 Jahre lang dominierten, und

umriss dann, wie die Mietwagen vor etwa zehn Jahren die bestimmende

Kraft in der Branche wurden (25 000 Fahrzeuge im Vergleich

zu 65 000) und wie die örtliche Aufsichtsbehörde schließlich

für ausgeglichene Verhältnisse innerhalb des Wettbewerbsumfelds

sorgen musste. „Und jetzt kommen erneute Veränderungen“, landete

Butler schließlich in der Gegenwart. „Der e-Ruf ist im Kommen.

Uber fordert die Taxi- und Mietwagenbranche heraus. Und

es ist nicht schwer, sich von Ubers Marketingsprache davon überzeugen

zu lassen, dass sie nicht zu stoppen sind. Aber ist ihr

Geschäftsmodell auch nachhaltig? Ist es ein Firmenprodukt? Uber

hat kein Produkt für den Firmenmarkt. Zumindest nicht im Vereinigten

Königreich. Aber es ist immer Platz für ein billiges Produkt

mit geringer Qualität.“

QUALITÄT SETZT SICH STETS DURCH

Beim Wechsel von einem Clip seiner Präsentation („Rennen an

die Spitze“) zum nächsten („Rennen ins Tal“) erinnerte Butler

seine Zuhörer daran, dass Monopole nicht funktionieren und

Kunden eine Auswahl verlangen. „Uber hat Unmengen an Geld

ausgegeben und sie haben uns unsere Marketingarbeit abgenommen.

Nun weiß jeder über die Taxibranche Bescheid. Es liegt an

uns, das zu nutzen. Nach Jahren, in denen wir zu wenig investiert

haben, haben wir jetzt aufgeholt. Service ist der Schlüssel.

Aber wir müssen auch Veränderungen akzeptieren. Unsere

Branche ist nicht vor Veränderungen gefeit, nur weil es eine sehr

alte Branche ist. Wir müssen mit den Veränderungen Schritt halten.

Jetzt geht es um Konsolidierung, um Zusammenschlüsse.“

Butler ist zuversichtlich, dass diese Botschaft beim Taxiunternehmer

mittlerweile angekommen ist. „Letzte Woche in London gab

ich ein Frühstück für ungefähr 30 Anbieter in der Taxi- und Mietwagenbranche.

Vorher hätten sie sich mit großem Vergnügen

gegenseitig ein Messer in den Rücken gestoßen, aber jetzt haben

sie verstanden, dass sie zusammenarbeiten müssen.“

Mit Blick auf die Verbraucher erwähnt Butler die Sharing Economy,

die Ökonomie des Teilens. Allerdings ohne große Hoff­

AMSTERDAMS

NEUER ANSATZ

Noortje Smit, Leiterin des Taxi Teams Amsterdam,

übermittelte ein herzliches Willkommen

der Stadt, die eine Zeit lang den Begriff

Taxikriege“ geprägt hatte. Um die Amsterdamer

Taxis und Fahrer „sicher, zuverlässig und

ehrlich“ zu machen, wurden vor einiger Zeit

zwölf einzelne TTOs (autonome Taxiorganisationen

nach dem Beispiel von Neuseeland)

gebildet, die um die Aufmerksamkeit der

Amsterdamer Taxikunden konkurrieren. Jeder

Amsterdamer TTO hat mindestens 100 Fahrer

und 50 Taxis und jede Organisation ist selbst für

ihre Verwaltung, ihren Betrieb und die Disziplin

ihrer Fahrer verantwortlich. Diese sollten weniger

anonym, dafür aber verantwortungsbewusster

werden. Allerdings ist der Wettbewerb unter den

TTOs immer noch recht schwach, solange Taxis

traditionell auf der Straße angehalten werden

oder an Taxiständen stehen. Die Taxinutzer

nehmen eine allmähliche Qua litätssteigerung

wahr und der neue Ansatz hat auch zur Verbesserung

der Beziehungen zwischen der Stadt

und ihren Taxifahrern beigetragen.

wf

Noortje Smit:

„Durch TTOs

werden sämtliche

Taxis und Fahrer

in Amsterdam

sicher, zuverlässig

und ehrlich.“

26


TAXI-KONFERENZ

TAXI-KONFERENZ

Mikael Hedlöff: „Seien Sie immer auf verschiedene

Zahlungsmethoden vorbereitet.“

Niels Kaae: „Hat die Taxibranche ihren

schlechten Ruf wirklich verdient?“

„ZUGÄNGLICH UND/ODER

UMWELTFREUNDLICH?“

Nach einem kurzen Ausflug in

die Geschichte der Taxikonstruktion

mit dem Designer Niels van

Roij brachte Marcel Bobeldijk

(Europäisches Behindertenforum)

starke Argumente für

ganzheitliches Denken bei der

Konstruktion von Taximodellen

und Leistungen. Allzu häufig sind

Taxis gar nicht oder nur in sehr

geringem Maße an die Bedürfnisse

von Menschen mit eingeschränkter

Mobilität angepasst.

Arjan Schenk (Nissan Niederlande)

und Taylan Torin (Karsan)

stellten die Umweltschutzfrage

direkt ins Scheinwerferlicht,

sowohl für die Taximodelle von

Nissan (Leaf, NV200, e-NV200)

als auch für die von Karsan,

und spielten den Bedarf nach

zugänglichen Transportmöglichkeiten

ein wenig herunter, was

zu einigen scharfen Kommentaren

aus dem Publikum führte. Es

scheint, dass bei den Herstellern

der Umweltaspekt eine deutlich

höhere Priorität hat.

nungen. „In London haben gerade zwei Plattformen eröffnet, die

gemeinsames Fahren und die Zusammenlegung von Fahrgästen

beabsichtigen. Aber Teilen liegt nun einmal nicht in der menschlichen

Natur. Zumindest nicht in Großbritannien. Wir hatten diese

Software bereits, als ich noch bei Addison Lee beschäftigt war.

Die Menschen wollen sich keine Taxis teilen. Das heißt, es gibt

weltweit mehr als nur einen Markt.“

„Die Sahne schwimmt immer oben“, fasste Butler zusammen.

„Als Branche halte ich uns für stark genug. Meine Botschaft lautet:

Bleiben Sie stark als Anbieter und als Branche, denn Qualität

setzt sich stets durch.“

Nicht nur Butlers Rede war voller solcher Einsichten. Viele

weitere Redner übermittelten den 85 Teilnehmern, selbst Spezialisten

aus allen Teilen der Welt, wertvolle Hintergrund­ und Netzwerkinformationen.

Die Moderatoren James Cooper (Taxi Research

Network), Peter Schenkman und Niels van Roij (Independent

Automotive Designer – Aufbau und Zugänglichkeit) leiteten die

teilnehmenden Fachleute reibungslos durch 17(!) separate Präsentationen

in zwei Tagen.

SHARED ECONOMY – GEMEINSAM GENUTZTE

MOBILITÄT?

Pieter van de Glind (Share.nl) umriss die verschiedenen Ansätze

in der (wachsenden) Sharing Economy, in der alles geteilt wird,

von Waren und Dienstleistungen bis hin zu Haustieren und Geld

(mehr darüber auf Seite 33).

Oleg Kamberski (IRU) erwähnte den neuen Ansatz seiner Organisation

und die ersten Erfolge des Global Taxi Service Quality

Network (GTN) (siehe Seite 24).

Die Gründungspartner des GTN, eCab (Niels Kaae) und taxi.eu

(Hermann Waldner) sprachen über den Fortschritt in verschiedenen

Bereichen und bestimmten Städten. Kaae für eCab (64 Städte

in 9 Ländern, auf 3 Kontinenten und mit 40 000 Taxis) untermauerte

die meisten Aussagen von Butler: Ja, die Taxibranche habe

keinen besonders guten Ruf. Aber habe sie den schlechten Ruf

verdient? Kaae zählte die unverwechselbaren Stärken der Taxibranche

auf (Ortskenntnisse, Multi­Plattform­Ansatz, Vorbestellungsmöglichkeiten,

geschult, sicher, versichert, bewandert und

keine Überraschungen) und rief die Branche auf, „zusammenzuarbeiten

und gemeinsam nach Verbesserung zu streben“. Welche

Verbesserungsmöglichkeiten gibt es? „Gemeinsame weltweite

Bei der Veranstaltung über Zugänglichkeit

und Umweltschutz stand Umweltschutz

klar an erster Stelle. Zugänglichkeit schien

im Zuge der Diskussionen als Thema zu

verschwinden.

FOTOS: Martin Waalboer

Mit taxi.eu hoffen Zehra Bozanoglu (Türkei)

und Milan Stankovic (Serbien), die Qualität

der nationalen Taxibranche zu verbessern.

Marke, Nutzung sozialer Medien, besseres Auftragsmanagement,

Flottenaufteilung, volle Transparenz beim Auftragsverfahren,

Erfüllung von Leistungsstandards, Feedback einholen und entsprechend

reagieren.“

In einer kurzen Einleitung hielt Hermann Waldner die „Ansprache

zur Lage der Nation“ für taxi.eu. 11 Länder, 100 Städte,

62000 Taxis, 200000 Fahrer. Anschließend überließ er einen Teil

seiner Redezeit seinen neuen Partnern: Zehra Bozanoglu für die

Türkei (Istanbul) und Milan Stankovic für Serbien (Belgrad). Genau

wie eCab fügt auch taxi.eu seiner Kette neue Perlen hinzu, wobei

sich die neuen Partner besonders für lokale Veränderungen und

die Verbesserung der Taxibranche vor Ort einsetzen. Bozanoglu

erwähnte Pläne in Istanbul und im Rest des Landes, während Stankovic

insbesondere den Verbesserungsbedarf der Taxibranche und

den Modernisierungsbedarf der Fahrzeuge und Infrastruktur in

Serbien benannte. Später war er überglücklich

zu hören, dass Uber in seinem Heimatland

verboten wurde.

NEW YORK: UBER REGIERT

Matt Daus (IATR) bot per Videobotschaft

einen Überblick über die Situation der

Taxi­ und Mietwagenbranche und der TNCs

vor Ort. In fast allen Städten und Bundesstaaten

wird noch immer darum gekämpft,

dass die TNCs dieselben Regeln befolgen

sollen, wie sie für die Taxibranche gelten.

In vielen Fällen wenden sich die TNCs an die Aufsichtsbehörden

auf bundesstaatlicher statt auf lokaler Ebene (auf der die Zulassungen

für Taxis und Mietwagen vergeben werden). Ihr Argument:

Es handle sich bei TNCs um eine andere Betriebsform, für welche

die bundesstaatlichen Aufsichtsbehörden der richtige Ansprechpartner

seien. In Wirklichkeit verstärken TNCs ihre Lobbyarbeit

immer dann in den Hauptstädten der Bundesstaaten, in denen sie

vorher auf städtischer Ebene abgelehnt wurden.

Gemeinsam mit Daus’ Präsentation öffnete der Beitrag von

Tarek Mallah vielen die Augen: Uber (mit über 62 000 Fahrzeugen)

stelle durch die Übernahme der Limousinenbranche nun die

Yellow Cabs in New York City in den Schatten. Mallah versorgte

die Zuhörer mit den neuesten Informationen darüber, wie Uber

Viele Fragen. Wegen lebhafter Diskussionen wurde die Zeit vieler Veranstaltungen überzogen.

»Lassen Sie uns

zusammenarbeiten

und gemeinsam

nach Verbesserung

streben.«

Nils Kaae

den Mietwagenmarkt überlistet hatte. Zunächst hatte Uber angeboten,

seinen üblichen 20­prozentigen Anteil zu gleichen Teilen

mit den Mietwagen zu teilen (um an die Fahrer zu kommen), und

dieses Angebot dann später wieder zurückgezogen.

So arbeitet Uber zwar unter Einhaltung der in New York City

geltenden Regelungen, hat aber ein großes Stück vom Kuchen der

schwarzen Taxis und Limousinen übernommen. Diese Informationen

waren so explosiv, dass die geplante Diskussionszeit keinesfalls

zu reichlich bemessen war. Die Gespräche wurden

während des Netzwerkens auf einem Boot auf Amsterdams Grachten

und bei einer großartigen Bierverkostung fortgeführt.

TECHNOLOGIE, ZUGÄNGLICHKEIT

Die Themen des zweiten Tages waren etwas weniger explosiv und

futuristisch, boten aber immer noch genug Stoff für Gespräche.

Mikael Hedlöf (CEO Samport) wurde im Vorfeld

von den Organisatoren um eine Voraussage

zur künftigen Bezahlung im Taxi

gebeten. Er beschrieb einige Möglichkeiten

für die künftige Entwicklung von Zahlungssystemen

und unterstrich, wie wichtig es

sein wird, dass im Taxi verschiedene Zahlungsformen

angeboten werden.

Leon van Lier (CEO Euphoria) lieferte

Argumente sowohl für den Taxameter als

auch für die App (zuzüglich weiterer Geräte)

als Mess­ und Abrechnungsgerät. Wie

wird das ausgehen? Das Publikum war hinsichtlich der Frage, wie

die Qualität der Mess­ und Fahrpreisverarbeitungsgeräte geschützt

und gesichert werden sollte, geteilter Meinung.

In einem Sondervortrag stellte George Laszlo (TLRC) die Verbindung

zwischen Musik und 20 Jahren Taxigeschichte her. Im

nächsten Jahr bei der TAXIintell Update wird er dies vielleicht für

Taxis und Filme wiederholen. Diese findet im März 2016 statt.

Wo? Dieser Punkt ist noch offen. Aber Sie sind alle herzlich zur

Teilnahme an diesem offenen Informationsaustausch aller Interessengruppen

der Mobilitätsbranche eingeladen. jh /wf

Die Konferenzpräsentationen sind unter

www.taxiintelligence.com abrufbar.

28 TAXI JUNI / 2015

29


TAXI DER ZUKUNFT

TAXI DER ZUKUNFT

NIEDERLÄNDER TESTET DAS

ERSTE WASSERSTOFF-TAXI

Mit Kris Mohan hat Rotterdams Taxizentrale RTC einen besonderen

Testfahrer für umweltfreundliche Taxis. Im Moment ist er der erste

kommerzielle Nutzer eines Wasserstoff-Taxis.

Kris Mohan hat nichts mit dem Stig

von „Top Gear“ zu tun. Kein strahlend

weißer, feuerbeständiger Overall

mit Rennsporthelm, sondern ein

vornehmer schwarzer Anzug mit einem

kleinen, aber sehr speziellen grünen Logo

auf der Brusttasche: ein Taxi mit einem

Elektrostecker. Dennoch ist Mohan ein echter

Testfahrer. Als wir vor zwei Monaten

miteinander sprachen, wartete sein neuestes,

ganz besonderes Taximodell bereits

auf ihn: der Hyundai ix35 FCEV. Ein Taxi

mit Brennstoffzellenantrieb.

DER GRÜNE TESTPILOT VON RTC

Am 8. April hat Hyundai seine ersten sieben

Wasserstoffautos in den Niederlanden

auf den Markt gebracht, unmittelbar nach

der Eröffnung der ersten Wasserstofftankstelle

von Air Liquide in der Nähe von Rotterdam.

Eines dieser sieben Modelle ging

an die Rotterdamse Taxi Centrale (RTC),

mit 500 Taxis die zweitgrößte Taxizentrale

des Landes. Hyundai bietet in den Niederlanden

seinen ersten kommerziellen

FCEV für 55 000 Euro (ohne MwSt.) zum

Verkauf an und ist auf der Suche nach lokalen

Regierungen in ganz Europa, die daran

interessiert sind, die Einführung dieser

Autos aktiv zu unterstützen.

„Wir sind das erste Unternehmen in Europa,

das dieses Auto nutzt. Ich habe es

bereits gefahren und es ist wirklich etwas

Besonderes, sehr grün“, sagt Mohan und

lächelt. Dieser grüne Aspekt ist nichts

Neues für RTC, bei denen der Geschäftsführer

einen Tesla S fährt und Auftragsarbeiten

mit 100 erdgasangetriebenen

»Es fährt sich

wirklich gut,

beschleunigt richtig

und zeigt ein gutes

Verhalten auf der

Straße.«

In weniger als

zwei Minuten

ist das mit

Brennstoffzellen

angetriebene

Taxi vollständig

aufgetankt.

Minibussen durchgeführt werden. Als wir

gesprochen haben, fuhr Mohan noch das

Elektroauto BYD E6, welches er während

seiner Pause – und unseres Interviews – vor

dem Hauptsitz des Unternehmens auflud.

Doch jetzt, sechs Wochen nachdem er

das Taxi mit Brennstoffzellenantrieb erhalten

hat, ist Mohan begeistert: „Es fährt sich

wirklich gut, beschleunigt richtig und zeigt

ein gutes Verhalten auf der Straße. Im

Kris Mohan („Stig“) von

RTC freut sich, ein

grüner Pionier zu sein.

Innenraum ist es besonders ruhig und die

Verarbeitung und die Qualität sind etwas

besser als die des BYD. Es bietet eine luxuriösere

Atmosphäre – das ist gut für unsere

Business-Class-Kunden. Aus diesem

Grund kennzeichnen wir das Taxi mit Magnetaufklebern

an der Seite, auf denen ,Ich

verwende Wasserstoff‘ steht, da diese Kunden

ein neutraleres Fahrzeug bevorzugen.“

E-TAXIS

Mohan begann vor drei Jahren als „Stig“

von RTC. Sowohl RTC als auch Mohan hatten

die gleiche Idee: Sie wollten das grüne

Taxi populär machen. Und Mohan hat eine

echte Leidenschaft dafür. Er begann seine

Testfahrer-Karriere in dem einzigen Elektromodell,

das zu der Zeit verfügbar war:

dem Nissan Leaf. „Dieses war jedoch nicht

wirklich als Taxi geeignet“, sagt er. „Man

musste es mindestens eine Stunde aufladen

und die Reichweite war sehr gering.“

Was haben Sie aus dieser Erfahrung

gelernt? „Planung, sehr effiziente Planung.

Von Zeit zu Zeit musste man eine Fahrt

auslassen, da das Taxi nicht ausreichend

aufgeladen war.“

Mit seinem nächsten Modell, dem E6

von BYD, hatte er damit weniger Probleme.

„Ich habe meine regulären, vertraglich

FOTO: RTC

FOTO: Hyundai

festgelegten Strecken, Schülerfahrten

sowie Beförderungen sozial Schwächerer.

Zur Mittagszeit hatte ich meine Pause und

habe das Taxi im Unternehmen aufgeladen.

Dies brachte mir eine Reichweite von

weiteren 200 Kilometern ein. Viele Kollegen

bevorzugen einen Mercedes. Sie tanken

auf und können 600 Kilometer fahren.

Ihre Reaktionen auf die E-Taxis (bei RTC

gibt es 3 BYDs E6) fallen unterschiedlich

aus. Sie glauben nicht, dass die Arbeit auf

diese Weise praktisch ist. Es sollte mehr

Ladestationen in der Stadt für E-Taxis geben.

„Mit diesen Taxis können sie keine langen

Krankenfahrten machen. Sie sind für

die Stadt konzipiert. Wenn ich mir

anschaue, wie verschmutzt die Innenstadt

in Rotterdam sein kann, bin ich wirklich

froh, dass ich etwas zur Verbesserung der

Situation beitragen kann. Gegenwärtig

erhalten Sie zwei Daimler für den gleichen

Preis wie ein Elektrotaxi. Das ist nicht richtig.

Wir könnten auch mit einer größeren

Anzahl an Hybridautos als Taxis arbeiten.“

AUFTANKEN

Einige der Minuspunkte des Leaf und des

BYD wurden durch den Hyundai mit

Brennstoffzellenantrieb beseitigt: „Das

Auftanken dauert nur zwei Minuten, wenn

der Tank fast leer ist – anderenfalls dauert

es eineinhalb Minuten. Ich tanke auf, wenn

es in meine Planung passt. Der Anzeiger

gibt mir genau an, wie viel noch verblieben

ist. Und nach dem Auftanken kann ich weitere

400 Kilometer fahren; dies ist deutlich

mehr als mit den E-Taxis. Ich muss nicht

mehr so genau planen“, freut sich Mohan.

Als wir über den BYD gesprochen

haben, sagte Mohan: „Die Menschen freuen

sich immer, wenn sie ein Elektrotaxi

sehen. Und sie machen Fotos.“ Hat sich

dies geändert? „Nein, überhaupt nicht. Die

Menschen staunen immer noch. ,Wird dieses

Auto wirklich mit Wasserstoff angetrieben?‘,

fragen sie mich immer. Und sie

machen Fotos.“

Kris Mohan hat einen großen Wunsch

(neben dem Wunsch, den ix35 weitere fünf

Jahre zu fahren): „Der Verbrauchspreis,

den wir für den Wasserstoff bezahlen. Er

beläuft sich auf 10 Euro pro Kilo und das

Fahrzeug wird mit etwa 4 Kilo beladen.

Dadurch wird der Wasserstoff fast so teuer,

als würde man Diesel verwenden. Auf

diese Weise wird man bestraft, wenn man

an die Umwelt denkt. Daher ist es wirklich

notwendig, dass die Regierung sich damit

befasst, wann sie die Nutzung dieser Fahrzeuge

als Taxis fördern möchte.“ wf

WASSERSTOFF-NEWS

Toyota Mirai:

ab Herbst

auch in Europa

erhältlich.

TOYOTA MIRAI IN GROSSSERIE

Bei der Entwicklung alltagstauglicher Wasserstoff-Fahrzeuge

haben derzeit die Asiaten die Nase vorn. Neben Hyundai mit seinem

ix35 FCEV hat auch Toyota mit dem Mirai ein Wasserstoff-

Brennstoffzellenfahrzeug der oberen Mittelklasse für den Verkauf

freigegeben. Der Mirai ist sogar das erste Modell, das in Großserie

produziert wird. Der Toyota Mirai erzielt eine Reichweite von

500 km. Der Wagen wird mit einer System-Leistung von 154 PS

angetrieben. Das Drehmoment liegt bei 335 Nm. Damit hat das

Modell eine in etwa identische Reichweite und Leistung wie konventionell

angetriebene Fahrzeuge. Der Wasserstoff wird in zwei

getrennten Wasserstofftanks gespeichert.

Der Verkaufsstart des Fahrzeugs war Mitte Dezember in Japan.

Bereits im ersten Monat gingen 1 500 Bestellungen ein. Gerechnet

hatte man mit 400 Einheiten. 60 Prozent der Nutzer kommen aus

dem gewerblichen bzw. behördlichen Bereich. In Europa soll der

Mirai ab Herbst erhältlich sein. Dann will Toyota den Kauf mit

einem attraktiven Leasingmodell schmackhaft machen. In

Deutschland beispielsweise wird der Mirai für eine monatliche

Netto-Leasingrate von 1 219 Euro erhältlich sein, in der die Kosten

für Versicherung, Service, Hauptuntersuchung sowie Sommerund

Winterreifen bereits enthalten sind.

AUFBAU DER INFRASTRUKTUR

Mercedes-B-

Klasse: Erste

Prototypen

fahren mit

Wasserstoff.

Mit der Marktreife der ersten Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeuge

wächst allmählich auch die Infrastruktur. In Deutschland

wurde beispielsweise die erste Wasserstoff Tankstelle an einer

Autobahn eröffnet. Bis Jahresende sollen 50 Stationen in den Metropoloregionen

und entlang der Hauptverkehrsachsen entstehen.

Derzeit sind 18 H2-Tankstellen öffentlich zugänglich, von denen

TOTAL alleine sieben betreibt. Die Baukosten betragen etwa eine

Viertel Million Euro.

Zu den führenden Herstellern im Bereich der Wasserstoff-Technologie

zählt das Unternehmen „Linde AG“. Man habe bereits 90

Tankstellen in 15 Ländern errichtet, betonte ein Pressesprecher

des Unternehmens. In Wien betreibe man die weltweit erste Serienfertigung

für H2-Tankstellen.

jh

30 TAXI JUNI / 2015


Die Charme-Offensive in über 70 Sprachen:

GASTKOMMENTAR

Der Taxi-Sprachführer

Einfach zeigen und verstehen!

● 21 Sätze die der Taxifahrer

braucht!

● Verständigung in 74 Sprachen,

ohne die Sprachen zu

beherrschen.

● Einfach drauftippen, und

den Fahrgast lesen lassen.

Nicken oder Kopfschütteln

reicht aus.

Mit diesem Sprachführer kann sich ein Taxifahrer mit ausländischen Fahrgästen leichter

oder überhaupt verständigen. Die Broschüre enthält alle Sätze, die man im Taxi so

braucht von „Bitte schnallen Sie sich an“ bis „Möchten Sie mit Kreditkarte bezahlen?“

Von Japanisch bis Spanisch, von Finnisch bis Russisch, von Farsi bis Urdu sind alle

wichtigen Redewendungen enthalten.

Einfach darauf tippen (deuten) und den Fahrgast lesen lassen. Er braucht dann nur mit

Nicken oder Kopfschütteln zu antworten.

So wird Gastfreundschaft

ganz schnell ganz einfach!

Als kleine lustige Zugabe, kann man den Sprachführer auch mit einer zusätzlichen 75. Sprache erhalten – dem Dialekt der jeweiligen

Region und dem entsprechenden Cover der Stadt dazu. Bereits erhältlich sind Berlin, Frankfurt, München, Köln, Leipzig und Dresden.

WILLKOMMEN,

WELCOME,

BIENVENUE!

Wenn die Welt zu Gast in Köln ist –

der Taxi-Sprachführer.

Gabriele Kröber (Hrsg.)

Autorin Gabi Kröber, Der Taxi-Sprachführer, 179 Seiten, Ringbuchbindung, ISBN 978-3-955008-02-7

Bestellung unter: taxi-Times-Verlag Verlag München

Telefon: 089/215 48 30 75; Mail: info@taxi-times.com; www.taxi-times-shop.com

19.80 €

(inkl. MwSt

+ Versand)

FOTO: Share NL

ÜBER DEN

ELEFANTEN IM RAUM

HINAUSGEHEN

„Ich mag Airbnb, es ist fantastisch! Was für eine

großartige Möglichkeit.“ Dies sagte einer der

Redner auf der TAXIintell-Konferenz mit großem

Enthusiasmus. Ich war schockiert, als ich die

gleiche Person sagen hörte: „Komm schon, Uber

ist etwas völlig anderes.“.

TAXI JUNI / 2015

Ein Elefant ist in den Bereich der

Personenbeförderung einmarschiert

und hat die Erde, den

Ertrag und die Art und Weise, wie die Menschen

das Feld lange Zeit gepflügt und

abgeerntet haben, durchgeschüttelt. Unternehmen

wie Uber haben Callcenter durch

Algorithmen ersetzt, Vertrauen durch

Reputationssysteme und Online-Bezahlung

geweckt und verschiedene öffentliche

Anstrengungen zur Verbesserung der Qualität

der Personenbeförderung tatsächlich

irrelevant werden lassen, auch wenn dies

noch nicht überall realisiert wurde.

So weit erzähle ich Ihnen nichts Neues.

Es ist klar, dass viele der vorhandenen

Akteure den herannahenden Elefanten

nicht erkannt haben, die App-Technologie

wird jedoch schnell übernommen. Ich

mache mir Sorgen darüber, dass sich die

vorhandenen Akteure zu stark auf „den

Elefanten im Raum“ konzentrieren, wobei

sie alle illegalen Tätigkeiten des Elefanten

einseitig hervorheben und nicht erkennen,

dass der Elefant in der Welt der Personenbeförderung

nicht einzigartig, sondern Teil

einer deutlich größeren Veränderung ist.

Als Mitbegründer von shareNL, der niederländischen

Netzwerk- und Wissensorganisation

für die kollaborative Wirtschaft

und die Sharing Economy, habe ich das

Privileg, mit Unternehmen aus vielen verschiedenen

Branchen zusammenzuarbeiten.

Ich wundere mich immer wieder, dass

die Menschen den Elefanten in einem

anderen Konferenzraum lieben und ihn auf

ihrem eigenen Markt ganz anders sehen.

Ich kann Ihnen versichern, dass ähnliche

Elefanten in Banken, Krankenhäuser, Universitäten,

Versorgungsunternehmen,

Hotels und viele andere Bereiche einmarschieren.

In allen Branchen erhalten die Menschen

„die Extra-Option“: Statt einen Bohrer

im Laden zu kaufen, können sie einen

vom Nachbarn leihen, statt in einem Hotel

»Haben Sie den Mut,

über den Tellerrand

hinauszuschauen!«

können sie im Haus einer anderen Person

übernachten, statt Strom von einem Versorgungsunternehmen

zu kaufen, haben

wir nun die Wahl, direkt von einem Erzeuger

zu kaufen. Ich könnte noch sehr lange

so fortfahren, aber Sie verstehen, was ich

sagen will. Die Verbraucher werden schnell

unabhängiger von herkömmlichen Einrichtungen

und stärker voneinander abhängig.

Dies wird durch Technologie und zweiseitige

Marktplätze ermöglicht, die durch Vertrauensmechanismen

gesichert und durch

Algorithmen effizient gemacht werden.

33

PIETER VAN DE GLIND

Pieter van de Glind ist

Mitbegründer von shareNL,

Urheber von SHARE, Forscher,

Berater von Regierung

und Industrie in Bezug auf

Angelegenheiten hinsichtlich

kollaborativer Wirtschaft

(Sharing Economy).

Folglich kann jeder unverzüglich Hotelier,

Bankier, Hausverwalter, Lehrer etc. und,

ja, auch persönlicher Fahrer werden.

Ich empfehle Ihnen dringend, Ihre

rechtmäßige/rechtswidrige Brille abzulegen,

da sich Berufe, die in den vergangenen

Jahrhunderten definiert und geregelt

wurden, grundlegend ändern. Aus diesem

Grund besteht der echte Wert darin, sich

darauf zu konzentrieren, wie die Personenbeförderung

oder die persönliche Mobilität

in fünf Jahren aussehen wird und wie sich

Ihre Marke in das Bild einfügt. Haben Sie

den Mut, über den Tellerrand hinauszuschauen!

Was kann ein Fahrer neben dem

Fahren noch anbieten? Auf der TAXIintell-

Konferenz habe ich erfahren, wie Fahrer

als Visitenkarte einer Stadt aber auch als

Psychologen tätig sein können. Tauchen

Sie tief in die Bedürfnisse der Verbraucher

ein und vergessen Sie dabei ein es nicht:

Sie waren für sehr lange Zeit ein zweiseitiger

Marktplatz und während Sie möglicherweise

auf der Rückseite, auf der Seite

der Verbraucher, stehen, stehen Sie wahrscheinlich

auf der Vorderseite, der Seite

der Anbieter (Fahrer), des Marktplatzes.

Dies ist von wesentlicher Bedeutung, da

nur diejenigen, die beide Seiten des Marktes

gut versorgen, bestimmen werden, wie

das Feld der Personenbeförderung in den

nächsten Jahrzehnten gepflügt wird.


Pieter van de Glind


DAS LETZTE

TAXI-SONGS BEI EINER

TAXIKONFERENZ

Der letzte Punkt der Tagesordnung der

Konferenz TAXIintell Update in Amsterdam

war zwar ungewöhnlich, aber passend.

Natürlich gibt es viele Verbindungen zwischen

Kultur und Taxis in Filmen (nein,

nicht nur „Taxi Driver“, sondern auch

andere wie z. B. „Night on Earth“ von Jim

Jarmusch) und in der Kunst, aber George

Laszlo wollte die Geschichte des Taxis mit

der Musik der jeweiligen Zeit verbinden

– eine eher ungewöhnliche Idee.

Noch vor ein paar Jahren beschränkten

sich die Kontakte des in New York geborenen

George mit der Taxibranche darauf,

dass er gelegentlich ihre Dienste in

Anspruch nahm. Aber nachdem er sich aus

der pharmazeutischen/biotechnischen

Branche zurückgezogen hatte, fing er sich

den stärksten der Menschheit bekannten

Virus ein: den Taxivirus. Die Ansteckung

begann, als er einen 1973er Checker Aerobus

erwarb, ein Fahrzeug, das für Flughafendienste

entworfen wurde. Dieses

7,5 Meter lange Taxi hat acht Türen und

Sitze für zwölf Fahrgäste.

George und sein Neffe Patrick fuhren

den Checker von Kalifornien nach New

York. Es war die Überlandfahrt ihres

Lebens, überall drehten sich alle Köpfe

nach ihnen um. „Ich war dankbar, dass

Patrick mich wenigstens ab und zu mal ans

Steuer ließ“, kommentierte Laszlo die

Reise. „Ich glaube nicht, dass ich in den

Seine Präsentation finden Sie

bei der TLRC-Schwesterpublikation:

ganzen sechs Wochen mehr als zwei Stunden

gefahren bin.“

KÜNSTLERISCHES THEMA

Wieder zurück in New York begannen

Laszlo und die anderen Checker-Fans mit

der Planung des Checker-Treffens in

Brooklyn 2014 (wir berichteten bereits in

einer früheren Ausgabe), bei dem 51 der

schönsten Checker-Taxis und -Fahrzeuge

aus den gesamten USA zusammenkamen.

Kurz darauf startete Laszlo seinen Blog

Taxi & Limousine Research Center“ (www.

TLCentury.org), um sowohl die Geschichte

als auch die Veränderungen in der Taxiund

Mietwagenbranche zu dokumentieren.

Die Zeitbeschränkung von 30 Minuten

für seine Präsentation war eine große

He rausforderung für George, normalerweise

dauert sie nämlich 90 Minuten. Aber

dies war das erste Mal, dass ein künstlerisches

Thema wie dieses Eingang in eine

Geschäftskonferenz wie die TAXIintell

Update fand. Auch bei der nächsten Taxikonferenz

wird er wieder dabei sein.

„Obwohl ich mich eigentlich mit der Verbindung

von Musik mit der Geschichte der

Checker-Fahrzeuge beschäftige, könnte es

interessant sein, etwas Ähnliches mit

Taxithemen in Filmen zu machen.“ wf

34

IMPRESSUM

George Laszlo

führte das Publikum

der TAXIintell

auf die Spuren der

Vergangenheit.

Verlag

taxi-times Verlags GmbH,

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Handelsregister: Amtsgericht München

HRB 209524

Redaktion

Chefredakteur: Jürgen Hartmann

j.hartmann@taxi-times.com

Managing Editor (International)

Wim Faber, w.faber@taxi-times.com

Mitarbeiter dieser Ausgabe

Thomas Brinch (thb), Pieter Van de Gliend

Übersetzung

Probicon

Grafik & Produktion

Lotte Rosa Buchholz (verantwortlich),

Jasper Ehl, Daniella Heil, Liane Heinze,

Henrike Uthe

Raufeld Medien GmbH,

Paul-Lincke-Ufer 42/43, 10999 Berlin

Telefon: +49 (0) 30 / 69 56 65 89

Anzeigenleitung, Online-Verkauf

und Vertrieb

Elke Gersdorf, e.gersdorf@taxi-times.com

Telefon: +49 (0) 89 / 14 83 87 92

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Druck

Chroma Druckerei, Przemyslowa 5,

68-200 Zary, Polen

Erscheinungsweise 6 x pro Jahr

Heftpreis 4,80 €

ISSN-Nr.: 2199-4048

Veröffentlichung gemäß § 8 Abs. 3 des

Gesetzes über die Presse vom 1.4.2000:

Gesellschafter der taxi-times Verlags GmbH,

München ist Jürgen Hartmann 100 %

FOTO: Martin Waalboer

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