Leseprobe: Kein Herz ohne Splitter

annasusannebastian
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Lesen Sie das erste Kapitel dieses ungewöhnlichen Liebesromans und lernen Sie die Splitterherzen kennen.

Amelie heimlich Pest und Cholera genannt. Das hysterische

Geschrei, welches während Sonjas hastiger Verabschiedung den

Weg durch den Hörer fand, gab dieser Namensgebung ein weiteres

Mal recht. Zerknirscht betrachtete Cora die Zahlen, die sie auf das

Deckblatt der Fernsehzeitung gekritzelt hatte. Konfirmation! Das

fehlte ihr gerade noch. Sie dachte darüber nach, wie viel Geld die

Feier verschlingen würde, und ob es ihrer Tochter bei dieser

ganzen Sache wohl nur um die Geschenke ging. Außerdem fragte

sie sich, was Christoph von dieser Neuigkeit hielt. Wenn es für ihn

überhaupt eine Neuigkeit war. Vielleicht hatte Amelie bereits alles

mit ihrem Vater geklärt? Seitdem sie getrennt lebten, lief ihre

Kommunikation nach Möglichkeit über die Kinder. War nun ein

Anruf nötig, bevor sie die Anmeldung in die Wege leitete? Das

würde ihm wahrscheinlich gut gefallen. Deswegen entschied Cora

sich für das Gegenteil. Stattdessen wählte sie spontan die Nummer

der Kirchengemeinde. Es war zwar schon halb sechs, aber

bestimmt verriet ein professionell besprochener Anrufbeantworter

die genauen Öffnungszeiten des Gemeindebüros. Vielleicht konnte

sie am nächsten Morgen noch vor der Arbeit dort vorbeigehen und

alles regeln. Dann würde sie Christoph einfach vor vollendete Tatsachen

stellen. Bei dieser Vorstellung spürte sie ein wenig Genugtuung.

Gerne hätte sie diesem angenehmen Gefühl noch länger nachgespürt,

doch schon nach zwei Rufzeichen meldete sich statt des

erwarteten Anrufbeantworters eine männliche Stimme.

»Ströter.«

»Oh, Entschuldigung.« Cora war überrascht zusammengezuckt

und räusperte sich. »Da hab ich mich wohl verwählt.«

»Kommt ganz drauf an, wo Sie hin wollen.«

»Ich dachte, ich hätte die Nummer des Gemeindebüros gewählt.«

Cora klang unsicher.

»Dann sind sie richtig. Ich bin Julius Ströter, ... der Gemeindepfarrer.

Und Sie sind?«

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