aerokurier 12/2016
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<strong>12</strong>/<strong>2016</strong> Deutschland € 5,50 / Schweiz sfr 10 / Österreich € 6,30 / Benelux € 6,40 / Finnland € 8,30 www.<strong>aerokurier</strong>.de / 60. Jahrgang<br />
<strong>aerokurier</strong><br />
DAS MAGAZIN FÜR PILOTEN<br />
Frankreich<br />
• Reise in den Süden<br />
• plus Praxis-Tipps<br />
IM ARCUS<br />
ÜBER SÜDAFRIKA<br />
Me 262<br />
Im Cockpit<br />
des Jetjägers<br />
Enteisung<br />
Neue Technik für<br />
Props und Flächen<br />
Remos GXiS<br />
Ostsee-Einsatz<br />
Forschung<br />
mit Stemme<br />
und Zeppelin<br />
EINFACH-<br />
FLIEGER<br />
Ventus Generation 3<br />
Sportlicher Renner<br />
Einmotten<br />
Pflege für den<br />
Winterschlaf<br />
Trixy Spirit<br />
Das offene<br />
Nebeneinander
Fliegende<br />
Legenden<br />
www.klassiker-der-luftfahrt.de<br />
Jetzt neu im Handel
[ EDITORIAL Dezember ]<br />
ALLES FREIZEITFLIEGER?<br />
Wenn es um die General Aviation geht, haben Öffentlichkeit und<br />
Politik oft ein ziemlich verzerrtes Bild und denken nur an Sport- und<br />
Freizeitflieger. Aber die Allgemeine Luftfahrt ist und kann viel mehr.<br />
Wie leistungsfähig die „kleine“ Luftfahrt ist, hat nicht zuletzt das Forschungsprojekt „Uhrwerk<br />
Ozean“ gezeigt. Im Juni waren eine Stemme S10VTX und ein Zeppelin NT mehrere Tage über der<br />
Ostsee unterwegs und dienten Wissenschaftlern bei der Untersuchung von Meereswirbeln als<br />
Arbeitsplattform. Die Reportage von Jürgen Schelling in diesem Heft zeigt eindrucksvoll, wie<br />
vielseitig unsere Fluggeräte eingesetzt werden können und dass es sich dabei eben nicht nur um<br />
Sport- und Freizeitgeräte für Gutbetuchte handelt. Auch den Innovationen, die die Hersteller und<br />
Entwickler der Allgemeinen Luftfahrt leisten, wird das öffentliche Bild oft nicht gerecht. Seien es<br />
interessante Flugzeugkonzepte wie die ECO4 – entworfen von einem Team junger Luftfahrtingenieure<br />
an der Universität Stuttgart und jüngst mit dem Berblinger-Preis ausgezeichnet – oder<br />
neue Enteisungstechnologien, wie sie Frank Martini ab Seite 24 vorstellt: Die General Aviation geht<br />
oft voran, und am Ende profitiert immer auch die kommerzielle Luftfahrt. Das sollten sich Amtsträger<br />
vor Augen führen, wenn wieder einmal über Einschnitte – welcher Art auch immer – debattiert wird.<br />
Lars Reinhold,<br />
Redaktionsleiter <strong>aerokurier</strong><br />
Apropos Innovation: Zwei besonders innovative Flugzeugmuster konnten wir für diese Ausgabe<br />
testen. Remos hat mit der GXiS, die wahlweise als UL oder LSA zu haben sein wird, alles dafür<br />
getan, dem Piloten so viel wie möglich abzunehmen. Einfach einsteigen und losfliegen lautet hier<br />
das Motto, und diesem Anspruch kommen die Pasewalker so nahe wie kaum ein anderer Hersteller.<br />
Auch im Segelflug wird die Messlatte einmal mehr höhergelegt. Die dritte Generation des Ventus von<br />
Schempp-Hirth ist konsequent auf Höchstleistung ausgelegt und überzeugte beim Testflug durch ein<br />
hervorragendes Handling. Damit dürfte sich das Unternehmen aus Kirchheim/Teck gegen die<br />
erstarkende Konkurrenz in der 18-Meter-Klasse gut behaupten.<br />
Selbst in unserer Auftaktgeschichte spielt eine Innovation – wenngleich eine historische – die<br />
Hauptrolle: Die Messerschmitt Me 262 gilt als erster einsatzfähiger Strahljäger der Welt. Aber wie<br />
fliegt sich das, was 1944 als Höhepunkt des Flugzeugbaus galt? Pilotenlegende Wolfgang Czaia<br />
berichtet für den <strong>aerokurier</strong> aus dem Cockpit der „Schwalbe“. Steigen Sie ein und fliegen Sie mit!<br />
Diskutieren Sie mit! Wir freuen uns über eine E-Mail (redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de), ein Fax (+49 711 182-1781)<br />
oder einen Brief (Redaktion <strong>aerokurier</strong>, Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart) für unser Leserforum. Bitte vergessen<br />
Sie nicht, Ihre Adresse und Telefonnummer für eventuelle Rückfragen anzugeben.<br />
Fotos: Ralf Athen, Thorsten Fischer/Helmholtz-Zentrum Geesthacht<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 3
104<br />
Motorfliegen<br />
8 Pilot Report Me 262<br />
Wolfgang Czaia ist eine Pilotenlegende.<br />
Für den <strong>aerokurier</strong><br />
berichtet er aus dem Cockpit<br />
des legendären Jet-Jägers<br />
18 Reise: Südwest-Frankreich<br />
Mit der Mooney zu den<br />
westlichen Nachbarn: David<br />
Kromka berichtet über sein<br />
Winterabenteuer<br />
Magazin<br />
24 Enteisung<br />
Eine Firma im Stubaital arbeitet<br />
an der Deicing-Revolution<br />
28 Tipps für Trips<br />
Über Rostock zum Rittergut<br />
Groß Potrems<br />
31 Berblinger-Preis für ECO4<br />
Das Viersitzer-Konzept mit<br />
Hybridantrieb überzeugt die Jury<br />
32 Firmenporträt Knorr KG<br />
Erfolgreich mit Training, Hangarausstattung<br />
und Luftwerbung<br />
35 Kolumne<br />
Dr. Spornrad gibt Tipps für<br />
den „Fliegerwinter“<br />
Flying<br />
36 Uhrwerk Ozean<br />
Mit Stemme und Zeppelin NT<br />
Meereswirbeln auf der Spur<br />
UL/LSA<br />
42 Pilot Report: Remos GXiS<br />
Der neueste Spross aus Pasewalk<br />
ist ein wahrer „Selbstflieger“<br />
Inhalt Nr. <strong>12</strong> <br />
Dezember <strong>2016</strong> I 60. Jahrgang<br />
70<br />
4 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong><br />
<strong>aerokurier</strong> gibt es auch als E-Paper.<br />
Mehr Infos: www.<strong>aerokurier</strong>.de/epaper
48 Trixy Spirit<br />
Trixys jüngster Gyro-Coup bietet<br />
offenes Nebeneinander<br />
52 Projektbericht VD-100<br />
Valerian Design will mit seinem<br />
UL-Helikopter Maßstäbe setzen<br />
Business Aviation<br />
54 Pilatus PC-24<br />
Die Erprobung des ersten Schweizer<br />
Business Jets liegt im Plan.<br />
Die Auslieferung beginnt Ende 2017<br />
60 NBAA <strong>2016</strong><br />
News von der größten Business-<br />
Aviation-Messe<br />
Titelthemen<br />
im Abo<br />
Coupons auf den Seiten 53 und 81<br />
Praxis<br />
63 Grundkurs Französisch<br />
Was man bei einem Ausflug zu<br />
den Nachbarn wissen sollte<br />
66 Einmotten<br />
Wie man für einen guten<br />
Winterschlaf vorsorgt<br />
68 Expertentipp<br />
Frostschutz<br />
Segelfliegen<br />
70 Ventus Generation 3<br />
Mit dem Wölbklappenrenner<br />
will Schempp-Hirth vor allem<br />
Leistungsflieger begeistern<br />
77 OLC-Finale<br />
Die Flugstatistik zeigt keinen<br />
guten Trend<br />
78 Segelfliegertag in Berlin<br />
Mehr Aufmerksamkeit<br />
für den Breitensport<br />
80 Projekt Bergfalke<br />
Waldorfschüler restaurieren<br />
ein Segelflugzeug<br />
82 Segelfliegen-News<br />
Mit Mini-Flaps zu besseren<br />
Langsamflugleistungen<br />
83 Meteo-Rückblick<br />
Hochsommer im September<br />
84 Fliegen über der Kalahari<br />
Kuruman – ein neues Streckenflugzentrum<br />
in Südafrika<br />
Porträt<br />
104 Gerhard Waibel<br />
Ein Konstrukteursleben von<br />
der D-36 Circe bis zum Offene-<br />
Klasse-Renner Concordia<br />
8<br />
Rubriken<br />
3 Editorial<br />
6 Leserforum<br />
16 News<br />
87 <strong>aerokurier</strong>-Markt<br />
96 Jobbörse<br />
103 Termine<br />
103 Impressum<br />
106 Vorschau<br />
48<br />
54<br />
18<br />
Titelfotos: Toni Ganzmann, Gerhard Marzinzik, Remos<br />
Fotos: Toni Ganzmann, Uwe Glaser, David Kromka, Gerhard Marzinzik, Pilatus<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 5
Leserforum<br />
<strong>aerokurier</strong> 10/<strong>2016</strong><br />
Segelfliegen: Unfallanalyse<br />
Könnte ein Sonnenstich<br />
Ursache gewesen sein?<br />
Immer noch macht es betroffen, sobald<br />
an diesem besonderen Unfall erinnert<br />
wird. Mir scheint, als ob die Schülerin im<br />
Übungsraum überhaupt nicht mehr gesteuert<br />
hat. Hier auf formale Mängel hinzuweisen<br />
ist sicher bei der Unfalluntersuchung<br />
korrekt, aber durch ein Blatt Papier<br />
ist noch kein Unfall wirklich verhindert<br />
worden. Es sind immer die Menschen,<br />
welche etwas zulassen oder verhindern.<br />
Bei allem, was ich von diesem Unfall<br />
gehört habe, fehlt mir die Vermutung, es<br />
könnte ein Sonnenstich gewesen sein –<br />
vielleicht nur, weil dieses in der Pathologie<br />
kaum nachweisbar ist. Denn die Sonneneinstrahlung<br />
war an diesen Tagen<br />
sehr stark, und mir ist kein zuverlässiges<br />
Symptom bekannt, an dem man selbst vor<br />
dem Eintritt eines Sonnenstichs bemerken<br />
könnte, dass man betroffen ist. Dies<br />
ist vielleicht ähnlich dem Eintreten eines<br />
Sauerstoffmangels zu sehen (auch wenn<br />
mir klar ist, wie viele jetzt aufschreien, sie<br />
würden das vorher merken). Letztlich<br />
bleibt dieser Unfall sowohl tragisch und<br />
ungeklärt.<br />
Weiterhin viel Erfolg Ihrer Zeitschrift,<br />
für die es keinen Vergleich im deutschsprachigen<br />
Raum gibt.<br />
Burkhard Wittje, Oldenburg<br />
<strong>aerokurier</strong> 09/<strong>2016</strong><br />
Editorial<br />
Versöhnliche Töne<br />
angeklungen<br />
<strong>aerokurier</strong>-Leser Jannik Albers gelang dieses schöne Sonnenuntergangsfoto.<br />
Das Editorial kann ich so nicht stehen<br />
lassen: Eine Befehdung wird von niemandem<br />
geführt oder gewünscht. Auch das<br />
gezeichnete Bild über die außerordentliche<br />
Sitzung der BuKo Segelflug vom 23.<br />
Juli in Kassel möchte ich vervollständigen:<br />
Dort waren sowohl Anhänger des<br />
neuen Verbandes als auch des DAeC-Präsidiums<br />
anwesend. In konstruktiven Gesprächen<br />
klangen versöhnliche Töne an.<br />
Ein von mir seit November 2015 angeregtes<br />
Mediationsverfahren wurde erneut<br />
vorgeschlagen und diesmal von den Beteiligten<br />
– auch denen des DSV – als ein<br />
gangbarer Weg gesehen.<br />
Der zuvor publizierte offene Brief des<br />
DAeC-Präsidenten stellt dessen berechtigte<br />
persönliche Meinung dar, ist aber<br />
kein Resultat einer abgestimmten Vorgehensweise<br />
im Verband. Was ich und andere<br />
selbstkritisch anerkennen müssen:<br />
Das Gros der Segelflieger weiß bislang zu<br />
wenig über die Hintergründe:<br />
Der AUL war schon seit Beginn im Interesse<br />
aller Luftsportler tätig, auch wenn<br />
die Segelflieger dominierten. Vor der<br />
Wahl des neuen Vorstandes der BuKo hat<br />
Schreiben lohnt sich!<br />
Unter allen Leserbrief-Autoren des vergangenen<br />
Monats hat die Redaktion das Buch „Faszination<br />
Ultraleichtfliegen“ von Hellmut Penner und Frank<br />
Herzog verlost. Von Konstruktionen über Antriebe<br />
bis hin zur historischen Entwicklung der Ultraleichtfliegerei<br />
reicht der Inhalt des Buches, abgerundet<br />
wird er durch die Vorstellung zahlreicher Flugzeugmuster.<br />
Als Gewinner wurde Burkhard Wittje gezogen.<br />
der damalige Vorstand kritisiert, die Kosten<br />
für die Luftraumarbeit würden zu<br />
etwa 95 Prozent von den Segelfliegern<br />
finanziert. Das sei ungerecht, da auch alle<br />
anderen Luftsportarten von der Luftraumarbeit<br />
profitierten. Diesen Missstand abzuschaffen<br />
und finanziell vom DAeC unabhängig<br />
zu werden, war das Hauptargument,<br />
das auf dem Segelfliegertag 2015<br />
zur Gründung des DSV angeführt wurde.<br />
Mit der Erweiterung des Luftraumgremiums<br />
des DAeC zum Bundes-AUL haben<br />
wir die berechtigte Kritik angenommen.<br />
Innerhalb des DAeC haben wir eine<br />
gleichmäßige Beteiligung aller Luftsportarten<br />
an den Kosten und an der Sachar-<br />
Die in Leserbriefen geäußerte Meinung muss nicht mit der Redaktionsmeinung übereinstimmen.<br />
Wir behalten uns die Kürzung von Leserbriefen aus redaktionellen Gründen vor.<br />
Foto: Motorbuch Verlag Foto: Jannik Albers<br />
6 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
FRÜHER WAR<br />
(FAST) ALLES BESSER<br />
Gerne veröffentlichen<br />
wir Ihre Meinung. Schicken<br />
Sie uns Ihren Leserbrief<br />
(für Rückfragen bitte<br />
unbedingt mit Adresse<br />
und Telefonnummer) an<br />
E-Mail: redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Fax: +49 711 182-1781<br />
beit zum Thema Luftraum geschaffen. Also bitte<br />
werft den Ehrenamt lichen im DAeC nicht vor, genau<br />
die Veränderung geschaffen zu haben, die zuvor<br />
auch von den ehemaligen Vorständen der BuKo und<br />
Gründern des neuen Segelflugverbandes selbst gefordert<br />
wurde.<br />
Bei allem, was klarzustellen ist: Vermutlich haben<br />
wir für den Luftsport in Deutschland die beste Luftraumarbeit<br />
in ganz Europa. Die gute Zusammenarbeit<br />
wird von der DFS sehr geschätzt. Das alles ist seit über<br />
25 Jahren im DAeC gewachsen und wird auch so bleiben.<br />
Trotz des im Verband nicht gewollten personellen<br />
Wechsels ist der zum BAUL erweiterte DAeC-Luftraumausschuss<br />
komplett und nimmt seine Aufgaben<br />
ohne Unterbrechung weiterhin war. Segelflieger brauchen<br />
Lufträume ganz besonders. Aber eben nicht nur<br />
Segelflieger.<br />
Martin Kader, stv. Vorsitzender der Bundeskommission<br />
Segelflug im DAeC<br />
Dieser Bildband von Lothar Schäfer zeigt die außerordentlich spannende Geschichte<br />
der deutschen Luftfahrttechnik im Zeitraum von 1891 bis 1945. Von den ersten flugversuchen Otto Lilienthals über den Aufstieg der Zeppeline bis hin zur stürmischen<br />
Gleit-<br />
Entwicklung der Luftfahrt- und Waffentechnik während der beiden Weltkriege.<br />
336 Seiten, 331 Bilder<br />
ISBN 978-3-613-03895-0 c 39,90<br />
Anmerkung: Der Leserbrief erreichte den <strong>aerokurier</strong><br />
bereits am 30. August, konnte aber aus redaktionellen Gründen<br />
erst jetzt veröffentlicht werden.<br />
<strong>aerokurier</strong> 08/<strong>2016</strong><br />
Ultraleicht: Reise nach Schweden<br />
Ganz ohne Bürokratie<br />
geht es nicht<br />
Der Aussage „Mal den Sprung wagen“ kann ich nur<br />
zustimmen, denn das Fliegen in Schweden ist in der<br />
Tat traumhaft. Aber in der Infobox zur Reiseroute<br />
schreiben Sie: „Für den Einflug nach Schweden sind<br />
keine Vorabfreigaben erforderlich.“ Dies ist meines<br />
Wissens leider so nicht richtig – zumindest wenn man<br />
mit einem Ultraleichtflugzeug einreisen möchte. Die<br />
Anträge auf Einflugerlaubnis für Luftsportgeräte und<br />
andere, nicht ICAO/EASA-konforme Luftfahrzeuge in<br />
den schwedischen Luftraum findet man unter<br />
www.transportstyrelsen.se/en/Forms/Aviation/.<br />
Für unsere UL-Schwedenreise 2015 wurde der Einflug<br />
kostenlos für zwölf Monate genehmigt.<br />
Bernd Seeger, Braunfels<br />
Bis in die 60er-Jahre hinein stellten die »Propliner« das Rückgrat der Passagierluftfahrt<br />
dar und noch bis heute hängt ihnen der Nimbus der »guten alten Zeit« an. Der Luftfahrt-Journalist<br />
Wolfgang Borgmann bietet in diesem Buch eine spannende Mischung<br />
aus zeitgenössischem, seltenen Bildmaterial und technischen Informationen zu diesen<br />
faszinierenden Maschinen.<br />
176 Seiten, 154 Bilder<br />
ISBN 978-3-613-03896-7<br />
c 29,90<br />
Überall, wo es Bücher gibt, oder unter<br />
WWW.MOTORBUCH-VERSAND.DE<br />
Service-Hotline: 0711 / 78 99 21 51
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report ]<br />
DIE Messerschmitt Me 262<br />
EISERNE<br />
SCHWALBE<br />
Die Me 262 gilt als erster einsatzfähiger Strahljäger<br />
der Welt, und noch heute faszinieren ihr Design und<br />
ihre Leistung. Aber wie fliegt sich dieser Vogel? Pilotenlegende<br />
Wolfgang Czaia berichtet aus dem Cockpit.<br />
8 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
AUTOREN: Wolfgang Czaia, Uwe Glaser<br />
FOTOS: Uwe Glaser<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 9
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report ]<br />
Die originalen Junkers-Jumo-004-Triebwerke waren kein zuverlässiger Antrieb. Ausgestattet mit<br />
modernen GE 610 wie der Learjet aber, ist die Schwalbe perfekt motorisiert.<br />
Klare Ansage fürs<br />
Bodenpersonal: Schleppstange<br />
bitte woanders<br />
ansetzen!<br />
Die Zeit vergeht wie im Fluge<br />
– besonders für mich,<br />
wenn ich daran denke, dass<br />
bereits fast 14 Jahre vergangen<br />
sind, seit ich mit dem ersten<br />
der drei Me-262-Nachbauten zum<br />
Jungfernflug startete. Zu dem Zeitpunkt<br />
hatte ich dieses Projekt schon<br />
zehn Jahre als Testpilot begleitet –<br />
zuerst bei der Texas Airplane Factory<br />
des deutschstämmigen Herbert<br />
Tischler und ab 1999 bei Legend Flyers<br />
in Paine Field im Staat Washington.<br />
Über den Nachbau von ursprünglich<br />
fünf authentischen Maschinen<br />
und den vielen Hürden, die es zu<br />
meistern galt, habe ich ausführlich<br />
in meinem Buch „Projekt 262 – Tagebuch<br />
des Testpiloten“ berichtet.<br />
Zurzeit fliegen drei Maschinen:<br />
die „Weiße 1“, ein Doppelsitzer, der<br />
für die Collings Foundation in den<br />
USA in die Luft geht. Die nach ihrem<br />
Kennzeichen D-IMTT benannte „Tango<br />
Tango“ gehört der Messerschmitt-<br />
Stiftung und ist ein sogenanntes<br />
Convertible, das innerhalb von ein<br />
paar Stunden von einem Einsitzer auf<br />
einen Zweisitzer umgerüstet werden<br />
kann. Schließlich fliegt die „Weiße 3“,<br />
ebenfalls eine Version mit Umrüstmöglichkeit,<br />
die der Sammler Jerry<br />
Yagen für sein Military Aviation Museum<br />
in Virginia Beach in Auftrag<br />
gab. Ein viertes Flugzeug, die „Gelbe<br />
5“, wurde als statisches Exemplar<br />
gebaut. Sie steht heute im Evergreen<br />
Museum in Oregon. Nachdem sich<br />
für das fünfte kein Käufer fand, wurden<br />
Rumpf, Leitwerk und alle bis<br />
dato fertiggestellten Teile an die<br />
Messerschmitt-Stiftung zurückgegeben.<br />
Nach dem Tod von Steve Snyder,<br />
der das Projekt gestartet hatte, und<br />
dem Ausstieg von Lou Werner, erster<br />
Besitzer der „Weißen 1“ als Partner<br />
in dem Unterfangen übernahm die<br />
Messerschmitt-Stiftung das gesamte<br />
Projekt und finanzierte den Bau der<br />
restlichen Messerschmitts.<br />
Als Jerry Yagen seine Me 262 bauen<br />
ließ, war für ihn klar, dass seine<br />
„Schwalbe“ die Maschine des Oberfähnrichs<br />
Guido Muttke „Weiße 3 III/<br />
JG7“ repräsentieren sollte, denn er<br />
hatte Muttke während eines Besuchs<br />
in Deutschland kennengelernt, und<br />
die beiden Männer wurden Freunde.<br />
Die originale „Weiße 3“, mit der Muttke<br />
am 25. April 1945 in Dübendorf in<br />
der Schweiz unter mysteriösen Umständen<br />
landete, steht heute im Deutschen<br />
Museum in München. Im Herbst<br />
2011 überführte ich die „Weiße 3“<br />
von Paine Field, nördlich von Seattle,<br />
nach Suffolk, Virginia. Es war der wohl<br />
längste Überlandflug einer 262 seit<br />
Ende des Zweiten Weltkriegs.<br />
Weil unsere von der FAA vorgeschriebenen<br />
Operating Limits nur<br />
VFR-Flüge bei Tage und bis 18 000<br />
Fuß zulassen, sind wir mit dem Einsatz<br />
der Maschine eingeschränkt. Den<br />
4700 Kilometer langen Flug von der<br />
West- an die Ostküste mit unserem<br />
Chefmechaniker Mike Anderson im<br />
hinteren Cockpit schafften wir in vier<br />
Tagen mit sechs Stopps ohne Schwierigkeiten.<br />
Seither bin ich in der glücklichen<br />
Situation, die „Weiße 3“ regelmäßig<br />
auf Flugtagen in den USA und<br />
Kanada vorfliegen zu dürfen.<br />
Wo immer ich mit der Schwalbe<br />
auftauche, kommt stets dieselbe Frage:<br />
„Wie fliegt der Vogel?“ Während<br />
meiner Vorbereitungen für das Flugtestprogramm<br />
stellte ich genau diese<br />
Frage an alle ehemaligen Me-262-<br />
Piloten, die ich in dieser langen Zeit<br />
kennenlernte. In der Literatur und im<br />
äußerst dürftigen Flughandbuch war<br />
wenig Aufschlussreiches über Flugeigenschaften,<br />
Besonderheiten und<br />
Handlungsempfehlungen zu finden,<br />
und die Erinnerung der alten Kameraden<br />
ging auch nicht über Allge-<br />
10 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Unter den Löchern oben im Rumpfbug trug die Me 262 vier<br />
30-mm-Maschinenkanonen vom Typ MK 108.<br />
WO IMMER SIE AUFTAUCHT,<br />
KOMMT DIE EINE FRAGE:<br />
„WIE FLIEGT DER VOGEL?“<br />
meinheiten hinaus, geschweige denn<br />
ins technisch Eingemachte. Alle waren<br />
sich jedoch einig: „Es ist eine<br />
hervorragende Maschine, und sie<br />
fliegt so gut wie sie aussieht.“<br />
Das Cockpit ist zwar eng und kurz<br />
– selbst mit ganz nach vorn gestellten<br />
Seitenruderpedalen muss ich meine<br />
Knie anziehen –, aber ergonomisch<br />
zufriedenstellend. Es ist logisch ausgelegt,<br />
mit einem traditionellen Layout<br />
des übersichtlichen Instrumentenbretts.<br />
Lediglich die beiden Anlasser<br />
auf der rechten Konsole sind<br />
etwas schwierig zu bedienen, aber<br />
mit verdrehtem Handgelenk und Ellbogen<br />
geht’s. Abweichend von den<br />
Originalen, änderten wir die Funktion<br />
des Hebels für die Höhenflossentrimmung.<br />
Dieser Hebel befindet<br />
sich auf der linken Konsole neben den<br />
beiden Schubhebeln. In Vollschubstellung<br />
wäre es leicht, aus Versehen<br />
die Trimmung zu betätigen und sich<br />
unmittelbar danach in einer kritischen<br />
Situation wiederzufinden. In den<br />
Nachbauten wird dieser Hebel dazu<br />
benutzt, eine weglaufende Trimmung<br />
auszuschalten.<br />
Die Me-262-Nachbauten sind vollkommen<br />
authentisch. Sie wurden<br />
genauso gebaut wie die Originale,<br />
allerdings mit modernen Triebwerken<br />
vom Typ GE 610, wie sie im Learjet<br />
23/24/25 verwendet werden. Die Aggregate<br />
liefern etwa 60 Prozent mehr<br />
Schub (3100 lbs) als<br />
das Jumo 004 (1900<br />
lbs). Weil die Struktur<br />
und das Steuersystem<br />
nicht<br />
geändert wurden,<br />
war klar, dass die<br />
ursprünglich festgelegten Grenzwerte<br />
für Geschwindigkeit und g-Limits<br />
auch für die Nachbauten zutreffend<br />
sein würden. So wünschenswert es<br />
für einen Piloten auch ist, mehr Schub<br />
zur Verfügung zu haben, so problematisch<br />
wirkt sich der Ausfall eines<br />
Triebwerks beim Start oder in der<br />
Luft auf die Kontrollierbarkeit der<br />
Maschine aus. Die resultierende Schubasymmetrie,<br />
am Boden mit Seitenruder,<br />
in der Luft mit Seiten- und Querruder<br />
ausgleichbar, verlangt bei<br />
höherem Schub natürlich höhere<br />
Wolfgang Czaia hat alle Nachbauten des strahlgetriebenen Jägers<br />
eingeflogen. Jetzt genießt er das Privileg, die „Weiße 3“ regelmäßig<br />
auf Flugschauen in den Vereinigten Staaten vorfliegen zu dürfen.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 11
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report ]<br />
Das Cockpit der Me 262 wirkt aufgeräumt und logisch. Rechts thronen die beiden Leistungsanzeigen über<br />
allen anderen Triebwerksinstrumenten, links sind die Fluglageinstrumente konzentriert.<br />
Mindestgeschwindigkeiten. Intuitiv<br />
war mir klar, dass die Mindestgeschwindigkeit<br />
am Boden (VMCG) über<br />
der normalen Abhebegeschwindigkeit<br />
der Me 262 liegen würde und deshalb<br />
ein Start mit Vollschub nicht ratsam<br />
sein konnte. Weil uns der Triebwerkshersteller<br />
keine Daten liefern wollte,<br />
aus denen wir einen Vergleich mit<br />
den Jumos hätten ziehen können,<br />
MIT EINER ANFANGSGESCHWINDIGKEIT VON 250 KNOTEN<br />
STEIGT DIE SCHWALBE MIT 6500 BIS 7000 FUSS PRO MINUTE<br />
<strong>12</strong> <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong><br />
mussten wir empirisch vorgehen:<br />
mittels Rollversuchen mit verschiedenen<br />
Schubwerten, um die Abhebegeschwindigkeit<br />
nach einer Rollstrecke<br />
von etwa 1000 Metern zu<br />
erreichen. Das resultierte in einer<br />
äquivalenten Drehzahl von 94 Prozent,<br />
das heißt, vom Loslassen der Bremsen<br />
bis zum Erreichen der Mindestkontrollgeschwindigkeit<br />
in der Luft<br />
(VMCA) nach dem Abheben gehe ich<br />
mit dem Schub nicht über 94 Prozent<br />
hinaus. Danach kann ich Vollschub<br />
für Beschleunigung und Steigflug<br />
nutzen. Die Startprozedur im Einzelnen:<br />
Zündung „Ein“, Generatorschalter<br />
„Ein“, Startschalter „Ein“ – bei<br />
zehn Prozent Drehzahl Schubhebel<br />
auf Leerlauf. Bei Leerlauf (49,5 Prozent)<br />
Zündung „Aus“. Höchstdrehzahl 100<br />
Prozent. Die Drehzahlinstrumente<br />
zeigen Prozent an. Die Höchsttemperatur<br />
beim Anlassen liegt bei 872<br />
Grad Celsius für fünf Sekunden, die<br />
normale Betriebstemperatur – abhängig<br />
von der Drehzahl – zwischen 400<br />
und 700 Grad.<br />
Da die Me keine Bugradsteuerung<br />
hat, geschieht das Rollen und Manövrieren<br />
am Boden sowohl mit asymmetrischem<br />
Bremsen als auch mit<br />
asymmetrischem Schub. Beim Anrollen<br />
zum Start muss man insbesondere<br />
bei Seitenwind eine der Bremsen<br />
kurz antippen, um die Richtung zu<br />
halten. Ab 45 Knoten genügen Korrekturen<br />
mit dem Seitenruder.<br />
Mit einer Triebwerksleistung von<br />
94 Prozent wird man beim Lösen der<br />
Bremsen spürbar in den Sitz gedrückt.<br />
Die Beschleunigung ist selbst bei<br />
reduziertem Schub beeindruckend,<br />
und 90 Knoten liegen schnell an. Ein<br />
geringer Höhenruderausschlag bringt<br />
das Bugrad in die Luft, und bei etwa<br />
110 Knoten hebt das Flugzeug im<br />
Bodeneffekt ab. Das Fahrwerk wird<br />
sofort eingefahren, die maximale<br />
Geschwindigkeit dafür ist 188 Knoten.<br />
Da das schwere Bugrad nach<br />
hinten einfährt,<br />
verlagert sich der<br />
Schwerpunkt, was<br />
ein geringes Aufbäumen<br />
zur Folge<br />
hat, das aber leicht mit Höhenruder<br />
und Trimmung ausgeglichen werden<br />
kann. Bei 160 Knoten werden die für<br />
den Start auf 20 Grad gestellten Landeklappen<br />
eingefahren. Schon beim<br />
Einfahren des Fahrwerks wird die<br />
Mindestkontroll-Geschwindigkeit<br />
(VMCA) für den Einmotorenflug von 143<br />
Knoten erreicht, und die Triebwerke<br />
können auf volle Leistung gebracht<br />
werden. Mit einer Anfangsgeschwindigkeit<br />
von 250 Knoten liegt die Steigrate<br />
zwischen 6500 und 7000 ft/min.<br />
Beim Erstflug – noch mit ausgefahrenem<br />
Fahrwerk – war ich von der
Auch ein robustes Kampfflugzeug muss an den richtigen Stellen angepackt<br />
werden. Wie im Fall des Bugrades helfen Hinweise dem Bodenpersonal.<br />
Ein bisschen Bequemlichkeit im<br />
harten Militäralltag.<br />
Am Boden kann eine externe<br />
Energiequelle angeschlossen werden.<br />
Stabilität der Maschine sofort beeindruckt.<br />
Voll ausgetrimmt liegt sie wie<br />
ein Brett in der Luft und lässt sich<br />
bei Geschwindigkeiten unter 280<br />
Knoten leicht um alle drei Achsen<br />
bewegen. Allerdings steigen die<br />
Steuerdrücke mit zunehmender Fahrt<br />
erheblich an, und das rein mechanisch<br />
wirkende Steuersystem verlangt einiges<br />
an Muskelkraft – besonders für<br />
die Querruder. Ursprünglich hatte<br />
Messerschmitt Flettner-Hilfsruder für<br />
alle Steuerflächen vorgesehen, um<br />
die notwendige Kraft zu mindern.<br />
Aber diese Ruder führten zu Flattererscheinungen<br />
und wurden deshalb<br />
mit der Steuerfläche vernietet oder<br />
mit Spannschrauben festgestellt.<br />
Eine besondere Eigenart der an<br />
der 262 verbauten sogenannten<br />
Frise-Querruder überraschte mich:<br />
Bis zum halben Ausschlag steigt der<br />
Steuerdruck an und fällt dann plötzlich<br />
völlig weg! Als es mir das erste<br />
Mal passierte, fühlte es sich zunächst<br />
so an, als ob mir der Knüppel aus der<br />
Hand gerissen würde. Die Rollrate<br />
erhöhte sich auf das Vierfache und<br />
mit ihr mein Adrenalinausstoß! In<br />
alten Flugtestberichten war nichts<br />
Genaues über dieses Phänomen zu<br />
finden, aber meine Erfahrung mit<br />
allen Maschinen zeigt, dass die Messerschmitt<br />
diese Charakteristik im<br />
gesamten Geschwindigkeitsbereich<br />
aufweist. Mit etwas Übung ist das<br />
jedoch leicht zu meistern.<br />
Beim Fliegen im Grenzbereich zeigt<br />
die Schwalbe in jeder Konfiguration,<br />
ob mit oder ohne Landeklappen, Fahrwerk<br />
ein- oder ausgefahren, ein gutmütiges<br />
Verhalten bis zum Strömungsabriss.<br />
Etwa fünf bis zehn Knoten<br />
vorher spürt man ein sehr mildes<br />
Schütteln, und etwa drei Knoten vor<br />
dem Stall reduziert sich der Höhenruder-Steuerdruck<br />
spürbar. Dann nickt<br />
die Maschine kurz und fliegt nach<br />
minimalem Höhenverlust sofort wieder.<br />
Die Querruder bleiben bis zum<br />
Strömungsabriss effektiv, was sich<br />
besonders gut beobachten ließ, als<br />
wir beide Tragflächen mit Wollfäden<br />
bestückten. Der Strömungsabriss läuft<br />
praktisch lehrbuchartig ab: von der<br />
Tragflächenhinterkante am Rumpf<br />
nach vorne und dann nach außen auf<br />
die Flügelspitze zu. Aufgrund von<br />
FAA-Beschränkungen, die uns vor<br />
dem Flugtestprogramm auferlegt<br />
Schubhebel, Trimmung, Brandhähne und Fahrwerksbedienung<br />
befinden sich auf der linken Seitenkonsole ...<br />
... während Anlassschalter und Sauerstoffversorgung auf der rechten<br />
Cockpitseite angeordnet sind.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 13
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report ]<br />
Der Aufkleber am Tankstutzen vor dem Cockpit ist historisch bedingt. B4 stand<br />
für 87-Oktoan-Kraftstoff. Heute wird normales Jetfuel getankt.<br />
Daten Messerschmitt Me 262<br />
Hersteller: Messerschmitt AG Zulassung: N-registriert Sitzplätze: 1<br />
Bauweise: Metall Verwendung: Abfangjäger<br />
Die Me 262 verfügt über sogenannte Frise-Querruder, die das negative<br />
Wendemoment deutlich reduzieren.<br />
Antrieb (Original)<br />
HerstellerJunkers<br />
ArtStrahltriebwerk<br />
Typ Jumo 004<br />
Standschub<br />
8,5 kN<br />
Antrieb (Nachbauten)<br />
Hersteller General Electric<br />
ArtStrahltriebwerk<br />
Typ GE 610<br />
Standschub<br />
13,7 kN<br />
Abmessungen<br />
Länge<br />
10,60 m<br />
Spannweite<br />
<strong>12</strong>,65 m<br />
Flügelfläche 21,70 m²<br />
Massen und Mengen<br />
Leermasse<br />
3800 kg<br />
MTOW (Original) 6100 kg<br />
MTOW (Nachbauten) 5670 kg<br />
Tankinhalt<br />
2400 l<br />
Flugleistungen<br />
Startrollstrecke<br />
1000 m<br />
bestes Steigen > 7000 ft/min<br />
Vmax (Nachbauten) 400 KIAS<br />
V NE <br />
470 KIAS<br />
Überziehgeschwindigkeit mit voll ausgefahrenen<br />
Klappen 88 KIAS<br />
Reichweite 400 NM/740 km<br />
Lastvielfache (Nachbauten) +4 / -1 g<br />
wurden, konnten wir den Rahmen<br />
der Flugleistungen nicht auf die wirklichen<br />
Limits der Maschine ausdehnen.<br />
So mussten wir uns mit einer Höchstgeschwindigkeit<br />
von 400 Knoten (rund<br />
740 km/h) zufriedengeben. Aber das<br />
tat der Freude keinen Abbruch: Airshows<br />
werden normalerweise mit<br />
250 bis 300 Knoten geflogen, und in<br />
diesem Geschwindigkeitsbereich ist<br />
der Strahljäger gut zu manövrieren.<br />
Der Landeanflug wird mit 250<br />
Knoten und einem typischen 360-<br />
Grad-Overhead-Pattern eingeleitet.<br />
Man kommt in 1500 Fuß über dem<br />
Aufsetzpunkt an, nimmt die Triebwerke<br />
auf Leerlauf zurück und leitet<br />
eine 180-Grad-Kurve zum Gegenanflug<br />
mit 60 Grad Querlage ein. Nach<br />
dem Ausrichten sollte die Fahrt auf<br />
DIE SCHWALBE WAR IHRER ZEIT UM VIELE JAHRE VORAUS<br />
180 Knoten reduziert sein, sodass das<br />
Fahrwerk ausgefahren werden kann.<br />
Beim Einkurven auf den Endanflug<br />
und bei 165 Knoten werden die Landeklappen<br />
auf 20 Grad und im Endanflug<br />
auf 50 Grad gefahren. Idealerweise<br />
hält man einen Gleitpfad von<br />
drei Grad mit konstanter Geschwindigkeit<br />
und Schubkorrekturen ein.<br />
Die Anfluggeschwindigkeit bei<br />
einem typischen Landegewicht von<br />
10 000 lbs (4500 kg) beträgt 118 Knoten<br />
– plus Korrekturen für Seitenwind<br />
oder Böen, was einer Sinkrate auf<br />
einem Drei-Grad-Gleitpfad von 600<br />
ft/min entspricht. Beim Abfangen im<br />
Bodeneffekt nimmt man die Triebwerke<br />
langsam auf Leerlauf zurück,<br />
und kompensiert das Nicken mit zunehmendem<br />
Höhenruderausschlag,<br />
um mit etwa 95 Knoten aufzusetzen.<br />
Für den sicheren Betrieb der Me 262<br />
benötigt man eine Bahnlänge von<br />
mindestens 1500 Metern.<br />
Nach nunmehr gut <strong>12</strong>0 Stunden<br />
Flugzeit auf diesem legendären Strahljäger<br />
kann ich ohne Vorbehalt sagen,<br />
dass dieser Vogel allein aufgrund<br />
seiner Flugeigenschaften<br />
und -leistungen<br />
seiner Zeit um Jahre<br />
voraus war. Auch wenn<br />
ich der Vergangenheit dieses Flugzeugs<br />
eher nüchtern und unpathetisch<br />
gegenüberstehe, so lässt es mich<br />
dennoch nicht kalt.<br />
Dass ich als Deutscher das Privileg<br />
habe, diese zur Legende gewordene<br />
Maschine heute in Friedenszeiten<br />
in Amerika fliegen zu dürfen<br />
und dazu beitragen kann, ein Stück<br />
deutscher Luftfahrtgeschichte am<br />
Leben zu erhalten, erfüllt mich mit<br />
Stolz und Dankbarkeit.<br />
ae<br />
14 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Ein Blick in den Fahrwerkschacht zeigt deutsche Gründlichkeit: Die Leitungen<br />
der Hydraulik und Elektrik sind sauber und ordentlich verlegt.<br />
Auch bei den Antennen wurde auf<br />
Authentizität großer Wert gelegt.<br />
Im Rollen wird durch asymmetrisches<br />
Bremsen der Haupträder gelenkt.<br />
Zu groß darf der Pilot nicht sein. Selbst mit ganz nach vorne<br />
gestellten Pedalen muss Wolfgang Czaia die Knie leicht anwinkeln.<br />
Der Pilot Wolfgang Czaia<br />
28 000 Flugstunden auf 150 Mustern<br />
Wolfgang „Wolf“<br />
Czaia wurde am<br />
8. Dezember 1940<br />
in Andernach<br />
geboren. Noch vor<br />
seiner Einschulung<br />
stand für ihn fest,<br />
dass er Pilot werden<br />
wollte. Mit 14<br />
Jahren begann er<br />
mit dem Segelflug,<br />
nach dem Abitur<br />
1959 trat er in die Luftwaffe ein. 1961 folgte<br />
die Flugausbildung in den USA in Craig<br />
AFB, Alabama, auf T-37 und T-33 und später<br />
auf F-84 in Luke AFB, Arizona, die er als<br />
„Top Gun“ und „Outstanding Student“ abschloss.<br />
Wieder in Deutschland, flog er für<br />
zwei Jahre die F-84, bevor er im Herbst<br />
1964 in Jever auf den Starfighter umschulte.<br />
Czaia blieb als Fluglehrer und Testpilot in<br />
Jever und entwickelte das „zero airspeed<br />
and vertical recovery“-Programm für den<br />
Starfighter. 1970 trat er aus der Luftwaffe<br />
aus, um als Testpilot für Lockheed am<br />
Nachfolgemodell des Starfighters, der<br />
CL-<strong>12</strong>00 Lancer, zu arbeiten. Danach folgte<br />
eine Zeit als Fluglehrer in einer Flugschule<br />
und als Charterpilot, bevor er 1979 für<br />
AirCal und später American Airlines als<br />
Checker auf Boeing 757 und 767 Karriere<br />
machte. Nach seiner Pensionierung im Jahr<br />
2000 flog er die Boeing 757 des Microsoft-<br />
Mitbegründers Paul Allen. Nach wie vor ist<br />
Czaia FAA-Beauftragter und seit 1989 Test-,<br />
Ausbildungs- und Airshow-Pilot auf zivilem<br />
F-104 Starfighter sowie Fluglehrer an der<br />
Test Pilot School in Edwards AFB und an<br />
der International Test Pilot School in CFB<br />
Cold Lake. Er hat mehr als 2800 Stunden<br />
auf dem Starfighter und insgesamt 28 000<br />
Flugstunden auf mehr als 150 verschiedenen<br />
Mustern absolviert.<br />
Wolfgang Czaia ist Mitglied der Classic Jet<br />
Aircraft Association, Cascade Warbirds,<br />
der Gemeinschaft der Jagdflieger sowie der<br />
Society of Experimental Test Pilots. Er lebt<br />
nahe Seattle und shuttelt alle 14 Tage nach<br />
Florida, um für Projekte der Luft- und<br />
Raumfahrtindustrie F-104 der „Starfighters<br />
Aerospace“ zu fliegen.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 15
[ NEWS ]<br />
Bob Hoover<br />
LETZTER FLUG<br />
EINER LEGENDE<br />
Bob Hoovers Pilotenkarriere liefert mehr als genug Stoff für einen<br />
Roman: Seine Flugausbildung in Nashville finanziert sich Hoover mit<br />
Gelegenheitsjobs in Supermärkten. Schon früh steuert er seine Maschine<br />
in Rollen und Loops und bringt sich die Aerobatic-Fliegerei<br />
selbst bei. Mit einer Fluglizenz in der Tasche ist sein Weg klar, als er<br />
zur National Guard eingezogen wird: Man entsendet ihn zum Pilotentraining<br />
in der US-Army. Im Zweiten Weltkrieg ist Hoover zunächst<br />
Testpilot, der neue Flugzeuge auf ihre Einsatztauglichkeit prüft. Später<br />
fliegt er selbst mit einer Spitfire Kampfeinsätze. Bei seinem 59.<br />
Feindflug wird er über Frankreich von einer Fw 190 abgeschossen und<br />
gerät in deutsche Kriegsgefangenschaft. 16 Monate verbringt er in<br />
Gefangenenlagern, zuletzt im Außenlager Barth des KZ Ravensbrück.<br />
Hier gelingt ihm das Husarenstück, aus dem Lager auszubrechen, auf<br />
dem angrenzenden Fliegerhorst eine Fw 190 zu stehlen und mit dem<br />
Flugzeug bis in die inzwischen befreiten Niederlande zu flüchten.<br />
Nach dem Krieg wird Hoover Mitglied der Flight Evaluation Group in<br />
Dayton, Ohio und testet Beuteflugzeuge aus Japan und Deutschland.<br />
Weitere Stationen seiner Karriere sind General Motors, wo er Hochleistungsflugzeuge<br />
und Allison-Turbinen testet. Später verpflichtet<br />
ihn Rockwell, hier fliegt er die FJ-2, die F-86D und die F-100 und bildet<br />
andere Piloten aus.<br />
Später macht er vor allem durch Rekorde von sich reden. So stellt er<br />
1978 bei der ILA in Hannover mehrere Steigflugrekorde auf, und 1985<br />
fegt er in einer P-51 von Daytona Beach aus innerhalb von fünf Stunden<br />
und 20 Minuten nach Los Angeles. Seine gelbe Mustang wird der Star<br />
auf vielen Flugshows, seine spektakulären Kunstflugprogramme – in<br />
denen er sich nebenbei schon mal Getränke einschenkt – sind legendär.<br />
Für seine Leistungen wird Bob Hoover vielfach ausgezeichnet,<br />
General James Doolittle soll ihn gar als „the greatest stick-and-rudderman<br />
who ever lived“ bezeichnet haben. 2014 wird sein Leben im Dokumentarfilm<br />
„Flying the Feathered Eagle: The Bob Hoover Project“<br />
auf Zelluloid gebannt. Die EAA reagierte am 25. Oktober bestürzt auf<br />
die Meldung von Hoovers Tod. „We lost a true, one-of-a-kind aviation<br />
hero today“, sagte EAA-CEO Jack Pelton.<br />
Zeppelin NT<br />
REIFENRIESE ERNEUERT SEINE FLOTTE<br />
Goodyear bestellte bei der ZLT Zeppelin Luftschifftechnik in Friedrichshafen vor fünf Jahren drei Zeppelin NT,<br />
um seine Werbeflotte zu erneuern. Vor Kurzem stellten die Amerikaner das zweite Exemplar unter dem Namen<br />
„Wingfoot Two“ in Dienst. Die Entwicklung sowie der Aufbau aller großen Bauteile erfolgt bei ZLT, die Endmontage<br />
unter deutscher Aufsicht bei Goodyear in Ohio. Beim Zeppelin NT handelt es sich um das größte und einzige<br />
für den kommerziellen Passagierbetrieb zugelassene Luftschiff der Welt. Es verfügt über eine starre Innenstruktur:<br />
Antriebe, Leitwerke und Kabine sind direkt an das Traggerüst montiert.<br />
AutoGyro plant neues Modell<br />
Details, Preise oder Name<br />
des Tragschraubers sind<br />
noch geheim. Die Szene<br />
kann sich über die Neuigkeit<br />
dennoch freuen: Nach Auto-<br />
Gyros letztem Coup, dem<br />
2011 vorgestellten Cavalon,<br />
war es um die norddeutsche<br />
Manufaktur ruhiger geworden.<br />
Der Einstieg eines Investors<br />
im Jahr 2013 und der folgende<br />
Abgang einiger führender<br />
AutoGyro-Mitarbeiter verunsicherten<br />
zusätzlich. Somit<br />
kommen die News zum neuen<br />
Tragschrauber genau zur<br />
richtigen Zeit. Dem 1999<br />
gegründeten Unternehmen<br />
gelang nicht zuletzt mit dem<br />
Modell MTOsport der Sprung<br />
zum Marktführer bei Tragschraubern.<br />
16 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Ultraleicht-DM 2017<br />
STARTSCHUSS ZUR ANMELDUNG<br />
Cessnas neuer Business Jet<br />
ERSTFLUG DER CITATION LONGITUDE<br />
Am 8. Oktober startete Cessnas Prototyp der Citation Longitude mit<br />
den Testpiloten Ed Wenninger und Stuart Rogerson am Steuer vom<br />
firmeneigenen Beechfield-Flugplatz in Wichita, USA. Während des<br />
knapp zweistündigen Erstfluges testete die Crew Klappen, Fahrwerk,<br />
Kabinendrucksysteme sowie die Belastbarkeit und das Ansprechverhalten<br />
des Flugzeuges. In der Logitude kommen FADEC-gesteuerte<br />
Honeywell-HTF7700L-Turbofan-Aggregate mit Auto-Throttle-System<br />
zum Einsatz. Die Avionik steuert Garmin mit dem G5000 bei, das mit<br />
Touchscreen-Monitoren arbeitet. Die Reichweite liegt bei 3400 NM<br />
und die Höchstgeschwindigkeit bei 476 Knoten.<br />
15.0<br />
ist die neueste Version von Dynons<br />
SkyView. Wichtigste Neuerung<br />
ist die Highway-in-the-Sky-Funktionalität<br />
(HITS). Die Landebahn-<br />
Mittellinien werden jetzt in der Direct-to-Funktion als<br />
Anflug hilfen bis zu fünf Meilen über die Runway hinaus erweitert.<br />
Ebenfalls neu: Ladeplan- und Schwerpunktrechner,<br />
Luftraumwarnungen und die vertikale Navigation zum Ziel.<br />
Anspruchsvolle Präzisionsflugmanöver wie Ziellandungen mit und ohne<br />
Motorkraft und Navigation wie in Zeiten, als es noch kein GPS gab: Mit<br />
diesen und weiteren Disziplinen dürfen die Teilnehmer der Deutschen<br />
Meisterschaft im Ultraleichtfliegen nächstes Jahr rechnen. Der Wettbewerb<br />
wird vom 25. bis 28. Mai 2017 zum 28. Mal stattfinden. Austragungsort<br />
ist der Flugplatz Goch-Asperden (EDLG), etwa fünf Kilometer<br />
südlich von Kleve an der holländischen Grenze. Die Meisterschaft wird in<br />
fünf Klassen ausgerichtet: Dreiachser einsitzig (AL1), Dreiachser doppelsitzig<br />
(AL2), Trike einsitzig (WL1), Trike doppelsitzig (WL2) und Tragschrauber<br />
(GL). Zweisitzige ULs dürfen in den Klassen AL1 und WL1 starten, wenn<br />
sie einsitzig geflogen werden. Piloten müssen jedoch eine Flugerfahrung<br />
von mindestens 40 Stunden nach Scheinerhalt für das Muster nachweisen,<br />
mit dem sie starten. Anmeldeschluss ist der 23. April 2017. Wer mitmachen<br />
will, sollte mit der Anmeldung jedoch nicht zu lange warten, denn<br />
die maximale Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Die Meldegebühr beträgt<br />
110 Euro für Einsitzer beziehungsweise 140 Euro für Doppelsitzer. Copiloten<br />
zahlen für die Teilnahme 70 Euro.<br />
Um bei Ziellandungen<br />
mit und ohne<br />
Motorkraft<br />
keine Punkte<br />
zu verschenken,<br />
ist Präzision<br />
nötig.<br />
Neue Triebwerke<br />
KING-AIR-UPGRADE FÜR MEHR POWER<br />
Blackhawk beginnt im November mit den Tests zum Upgrade-Programm<br />
XP67A Engine+ für die Beechcraft King Air 350. Das Supplemental Type<br />
Certificate (STC) erwartet Blackhawk für Mai 2017. Danach ist es möglich,<br />
die serienmäßigen Pratt & Whitney-PT6A-60A-Triebwerke mit 1050 Wellen-PS<br />
der King Air 350 durch P&W PT6A-67A zu ersetzen, die <strong>12</strong>00<br />
Wellen-PS leisten. Da die stärkeren Triebwerke auch robustere Luftschrauben<br />
benötigen, arbeitet Blackhawk mit MT-Propeller zusammen, die<br />
gegen eine geringe Gebühr die nötigen Umbauarbeiten vornehmen und<br />
darauf sogar zwei Jahre Garantie geben. Die Leistungssteigerung sorgt<br />
für ein um 37 Knoten größeres Reisetempo.<br />
FAI-Präsident gewählt<br />
FRITS BRINK ÜBERNIMMT DAS STEUER<br />
Die FAI hat auf ihrer 110. Generalkonferenz am 16. Oktober den<br />
Niederländer Frits Brink zum neuen Präsidenten gewählt. Brink folgt<br />
auf den Schweden John Grubbström, der nach den maximal drei<br />
möglichen Legislaturen sein Amt abgab. Brink, 70, ist aktiver Privatpilot<br />
und hat seit 1986 mehrere hochrangige Positionen in verschiedenen<br />
Sportorganisationen innegehabt. Er war Präsident der Royal<br />
Netherlands Aeronautical Association, Vizepräsident des Olympischen<br />
Komitees der Niederlande sowie FAI-Vorstandsmitglied.<br />
Fotos: Blackhawk Inc., Textron, Goodyear, Bron Reismedia, DULV, EAA Archiv, Tyson van Rininger<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 17
[ MOTORFLIEGEN Reise ]<br />
Genussreise nach Südfrankreich<br />
SAVOIR-VIVRE<br />
In der kalten Jahreszeit aufs Fliegen verzichten? Das kommt für David Kromka<br />
und seine Frau Britta nicht in Frage. Zumindest nicht, wenn das Nachbarland<br />
Frankreich lockt und kalte Luft ihre Turbo-Mooney zu neuen Speed rekorden<br />
treibt. Dabei gilt es natürlich auch Herausforderungen zu meistern.<br />
TEXT UND FOTOS: David Kromka<br />
Prächtige Châteaus<br />
und kleinere Burgen<br />
aus der Zeit der<br />
Renaissance<br />
schmücken Frankreichs<br />
Südwesten.<br />
18 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
IM SÜDEN<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 19
[ MOTORFLIEGEN Reise ]<br />
Die mittelalterliche<br />
Altstadt von Cahors<br />
liegt malerisch in<br />
einer Schleife des<br />
Lot und ist Hauptstadt<br />
der gleichnamigen<br />
Weinregion.<br />
Was haben die Freunde<br />
nicht immer gelästert:<br />
So lange wir unseren<br />
Käse mit dem Flieger<br />
aus Frankreich importieren, können<br />
die Spritpreise ja nicht so dramatisch<br />
sein. Diesmal ist es weniger der Käse,<br />
sondern mein bevorstehender Geburtstag<br />
und ein leerer Weinkeller,<br />
der einen winterlichen Frankreichflug<br />
zur Beinahe-Notwendigkeit<br />
erhebt. Meinen Freund Sébastien Lestrade,<br />
ein Air-France-Pilot, konnten<br />
wir vergangenes Jahr nicht besuchen,<br />
UNS BEGEISTERT DIE KOMBINATION AUS FLIEGERISCHER<br />
EINFACHHEIT, GÜNSTIGEN PREISEN, SÜDLICHEM LAISSEZ-FAIRE,<br />
VERLOCKENDEN ZIELORTEN UND DER FEINEN KÜCHE<br />
20 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong><br />
sodass der Entschluss Mitte Januar<br />
schnell steht: Kommende Woche brauchen<br />
wir akzeptables Flugwetter für<br />
einen Fünf-Tage-Trip in den Südwesten<br />
Frankreichs.<br />
Seit knapp acht Jahren betreiben<br />
wir eine Mooney M20K 252, unseren<br />
geliebten „Silberschnabel“. Frankreich<br />
ist ihm zur zweiten Heimat geworden.<br />
Es ist die Kombination aus fliegerischer<br />
Einfachheit, günstigen Preisen, südlichem<br />
Laissez-faire, verlockenden<br />
Zielorten und der feinen Küche, die<br />
uns jedes Mal von Neuem begeistert.<br />
Und es gibt so viel zu entdecken zwischen<br />
Normandie und Côte d’Azur,<br />
zwischen Elsass und Bordelais.<br />
Diesmal also wieder Südwesten,<br />
die weite Gegend zwischen Zentralmassiv<br />
und Atlantikküste. Die Deutschen<br />
zieht es weniger dorthin, Briten<br />
und Holländer haben die Region<br />
unter sich aufgeteilt – neben den<br />
Franzosen natürlich, die im Sommer<br />
an den Flüssen Tarn, Dordogne und<br />
Garonne Urlaub machen. Im Winter<br />
ist es eine einsame Gegend. Die wenigen<br />
größeren Orte zwischen Limoges<br />
und Toulouse lassen nur schwer<br />
erahnen, wie sehr hier von Juni bis<br />
September das Leben brummt.<br />
Wie überall in Frankreich gibt es<br />
auch im Südwesten eine gute fliegerische<br />
Infrastruktur. Und meine Freundschaft<br />
zu Sébastien eröffnet uns noch<br />
weitere Möglichkeiten, die in keiner<br />
AIP zu finden sind. An einem Montagmittag<br />
ziehen wir den Silberschnabel<br />
aus der Halle unter einen grauen<br />
Winterhimmel. Das GAFOR war zwar<br />
komplett grün, dennoch haben wir<br />
uns für einen IFR-Flugplan entschlossen.<br />
Dies soll uns die Durchquerung<br />
der militärischen Sperrgebiete erleichtern<br />
und außerdem ein Durchstoßen<br />
der Wolkendecke ermöglichen, die<br />
über Teilen Südwestdeutschlands<br />
hängt.<br />
Kurz nach 13 Uhr heben wir ab:<br />
2000 Fuß höher ist der Autopilot aktiviert,<br />
und der Funkkontakt mit Langen<br />
Departure steht. Immer wieder<br />
bin ich beeindruckt,<br />
mit welcher Professionalität<br />
die Lotsen<br />
auch kleine Maschinen<br />
behandeln. Aktuell<br />
scheint im<br />
militärischen Luftraum über Ramstein<br />
nicht viel los zu sein, sodass wir schnell<br />
über FL 100 steigen dürfen. Wir entscheiden<br />
uns für Reiseflughöhe FL<br />
<strong>12</strong>0, mehr ist heute wegen der Wind-<br />
TAS-Relation nicht sinnvoll. Basel<br />
reicht uns weiter nach Clermont, kurz<br />
vor Rodez gehen wir in den anfänglichen<br />
Sinkflug über. Eine Puderzuckerschicht<br />
von Schnee bedeckt die<br />
Spitzen der Vulkane der Auvergne<br />
und Teile der Causse-Hochflächen.
Drei Generationen Flieger: Christian Crouzel, David Kromka sowie André<br />
und Sebastien Lestrade teilen die Leidenschaft fürs Fliegen. Selbst Hund<br />
Dick ist an Bonanza und Mooney gewohnt.<br />
Mehr Käsesorten als Tage im Jahr: Auf dem Markt<br />
in Cahors finden sich genug Beweise für de Gaulles<br />
berühmten Ausspruch.<br />
Dunkles Wintergrün empfängt uns<br />
in der Gegend des östlichen Lot-Tals.<br />
Rodez gibt uns weiter an den Türmer<br />
von Cahors, doch vor unserer Landung<br />
drehen wir noch ein paar Runden über<br />
der historischen Altstadt und dem<br />
imposanten Château de Mercuès,<br />
ehemals Sommersitz der Erzbischöfe.<br />
Nach knapp zweieinhalb Stunden<br />
Flugzeit setzen wir auf der Piste 13<br />
in Cahors auf. Viel ist nicht los, neben<br />
uns nur ein einsamer Motorsegler,<br />
der zu einem benachbarten Platz<br />
startet. Weit und breit niemand, der<br />
uns in die nicht gerade nebenan liegende<br />
Stadt mitnehmen könnte. Uns<br />
bleibt nichts, als ein Taxi zu rufen.<br />
Unser Hotel „Terminus“ hatten<br />
wir vorgebucht, es entpuppt sich als<br />
ein freundliches Etablissement mit<br />
familiärem Charme. Zeit für eine kleine<br />
Stadterkundung: Vor etlichen<br />
Jahren waren wir im besucherreichen<br />
Sommer dort, jetzt haben wir Cahors<br />
fast für uns.<br />
Den nächsten Tag verbringen wir<br />
ganz entspannt: Frühstück mit Croissant<br />
und Pain Chocolat, Besuch<br />
einiger Weingeschäfte und des Trüffelgroßhändlers.<br />
Der Südwesten liebt<br />
es bodenständig: eine üppige Küche,<br />
die aber mit exquisiten Aromen verblüfft.<br />
Am Abend gibt es ein Vier-<br />
Gänge-Menü in unserem Hotelrestaurant,<br />
das es sogar in den berühmten<br />
Guide Michelin geschafft hat.<br />
Jeder Streckenflieger kennt ihn:<br />
den morgendlichen Blick aus dem<br />
Fenster. Wenn das Tal voll im Nebel<br />
liegt, verschieben sich Pläne um Stunden,<br />
manchmal sogar um Tage. Wir<br />
trinken erstmal Kaffee, bevor wir das<br />
Taxi zum Flughafen bestellen. Dort<br />
ist die Sicht noch schlechter. Mein<br />
Freund Seb meldet hingegen Sonnenschein<br />
im 20 Meilen entfernten Lacave<br />
– das kann doch nicht möglich<br />
sein! Unser Schicksal: warten. Das<br />
teilen wir mit einer Hubschrauberbesatzung,<br />
auch der Drehflügler kann<br />
nicht abheben. Nach 30 Minuten ist<br />
Besserung in Sicht, und plötzlich geht<br />
alles schnell: Lücken in der Nebeldecke<br />
und über uns der blaue Himmel.<br />
Wir warten gar nicht erst auf die<br />
Aktivierung des aufgegebenen IFR-<br />
Plans, „Décollage en VFR“ lautet die<br />
Devise. Drei Meilen nördlich des Platzes<br />
sind alle Wolken und Nebelbänke<br />
vollends verschwunden.<br />
Die 13 Minuten nach Lacave vergehen<br />
schnell, und man kann sich<br />
gar nicht sattsehen an der Szenerie<br />
zwischen Lot und Dordogne. Lacave<br />
(LF4623) ist der verrückteste Flugplatz<br />
im an aeronautischen Kuriositäten<br />
nicht armen Frankreich. Ende der 70er<br />
Jahre verwirklichte André Lestrade,<br />
Bauunternehmer und Bürgermeister<br />
des 250-Seelen-Dorfes, seine Vision<br />
vom eigenen Landefeld. Ein Mann<br />
und seine Planierraupe: So muss man<br />
sich die Aktion vorstellen, in der Lestrade<br />
den Wald auf einer ziemlich<br />
schiefen Ebene, hoch über der Dordogne,<br />
rodete und eine krumme Piste<br />
anlegte.<br />
Diese Geschichte machte die Runde,<br />
und schon bald konnte der Aviateur<br />
einen Fliegerclub gründen, der<br />
auf dem „Aérodrome du Frau“ seine<br />
Heimat fand. Moranes, Robins und<br />
andere französische Klassiker waren<br />
fortan hier zuhause. Irgendwann kam<br />
dann nicht nur Lestrades Sohn Sébastien<br />
zur Fliegerei, sondern auch<br />
der Mann auf den Platz, der in ganz<br />
Frankreich eine Legende ist: „Le<br />
Général“ Christian Crouzel. Um den<br />
einarmigen Ex-Kampfpiloten, der im<br />
Algerienkrieg verunglückte und dann<br />
als Fluglotse in Lahr seine Liebe zum<br />
Schwarzwald entdeckte, ranken sich<br />
viele Geschichten. Fakt ist, dass er<br />
trotz seines hohen Alters von über<br />
80 Jahren und nur einem Arm ULs<br />
Die Restaurants in<br />
Frankreichs Südwesten<br />
sind oft gleich von<br />
mehreren Gastronomieführern<br />
ausgezeichnet.<br />
Tipps für das Fliegen<br />
im Luftraum über<br />
Frankreich gibt es im<br />
Praxisteil ab Seite 63.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 21
[ MOTORFLIEGEN Reise ]<br />
Put on after flight: Das Pitot-Cover<br />
gehört für die Mooney des Autors zum<br />
Einschlafen dazu.<br />
pilotiert. Ob seine Freude am scharfen<br />
Schuss Besucher vom Flugplatz<br />
fernhält, kann man nur vermuten.<br />
Vor über zehn Jahren landeten wir<br />
durch puren Zufall mit einer TB10 auf<br />
dieser privaten Piste, die nur von<br />
einer Seite anfliegbar ist. Der Empfang<br />
Die Reiseroute Frankreichs Südwesten<br />
Kartenmaterial: Jeppesen VFR/GPS-<br />
Karten ED-3, ED-4, LF-3, LF-4, LF-5; für<br />
die IFR-Strecken die Lido-IFR-Charts EU-3L<br />
und 4L. VFR- und IFR-Karten aus der französischen<br />
AIP kostenlos herunterladen bei<br />
www.sia.aviation-civile.gouv.fr.<br />
und das Drumherum waren so herzlich,<br />
dass wir seitdem immer wiederkommen.<br />
Mit dem gleichaltrigen Seb<br />
entwickelte sich eine deutsch-französische<br />
Freundschaft. Die gemeinsame<br />
Liebe zu den schönen Dingen<br />
des Lebens hat geholfen. Cham-<br />
Lande- und Abstellgebühren:<br />
Cahors: 24 Euro inkl. zweier Übernachtungen.<br />
Gratis in Lacave; dort<br />
vorherige Erlaubnis von Sebastien<br />
Lestrade einholen. Kontaktdaten<br />
auf www.navigeo.org.<br />
Treibstoff: Avgas ist in Frankreich<br />
bis zu 70 Cent/Liter günstiger. Auf<br />
den Plätzen kann man meist mit<br />
Karte zahlen. Wer öfter kommt,<br />
beantragt bei Air Total eine Automatenkarte;<br />
die gibt’s auch für deutsche Girokontos.<br />
Hotels: Cahors: 60 bis 75 Euro, Lacave:<br />
„Brasserie de Lacave“, 55 Euro; jeweils pro<br />
Doppelzimmer in der Nebensaison<br />
pagner, Wein, Foie Gras, Entenbrust<br />
und sonstige Spezialitäten kommen<br />
dort nicht zu knapp auf den Tisch.<br />
Mir gefällt die Einstellung dieser<br />
Franzosen: Natürlich haben sie jede<br />
Menge Regeln, die Bürokratie mutet<br />
mitunter absurder an als bei uns. Doch<br />
die Worte „Paris, c’est loin – Paris ist<br />
weit weg“ drücken passend aus, dass<br />
in genügender Entfernung von den<br />
zentralen Amtsstuben die Dinge doch<br />
etwas lockerer gelebt werden. Wie<br />
anders wäre zu erklären, dass ohne<br />
große Vorplanung der kleine Flugplatz<br />
Lacave plötzlich über eine Asphaltbahn<br />
verfügt? Vor drei Jahren war<br />
ich sehr überrascht über den nur acht<br />
Meter schmalen, aber 700 Meter langen<br />
Streifen auf dem Plateau. Bürgermeister<br />
Lestrade schmunzelte:<br />
„Die Asphaltierer fuhren durch unser<br />
Dorf. Die müssen wohl einen Abstecher<br />
über den Flugplatz gemacht<br />
haben.“ Seitdem schweben King Air<br />
und Jetprop über der Dordogne ein.<br />
Und der Silberschnabel, denn die<br />
alte Grasbahn hatte ich mit der Mooney<br />
immer gemieden. Nun gelingt<br />
der Start nach zwei Tagen Frankreich-<br />
Vollprogramm problemlos – und mit<br />
sieben Kisten Rotwein an Bord kann<br />
der Geburtstag kommen!<br />
ae<br />
22 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Never too dark to be cool: Copilotin Britta hat eine Vorahnung,<br />
dass nur wenige hundert Fuß entfernt im Südwesten Frankreichs<br />
die Sonne hell scheint.<br />
THE GLOBAL<br />
SHOW FOR<br />
GENERAL<br />
AVIATION<br />
Wo kam denn plötzlich der Asphalt her? Seit einigen Jahren ist die<br />
schmale Piste von LF4623 dank Hartbelag auch für Davids Mooney<br />
problemlos anfliegbar.<br />
Friedrichshafen | Germany<br />
April 05 – 08, 2017<br />
www.aero-expo.com<br />
Das Maison Hérétié stammt aus dem 13. Jahrhundert und<br />
zeugt noch heute von der herausgehobenen Stellung Cahors<br />
im Mittelalter.<br />
Supported by
[ MAGAZIN ]<br />
Neue Deicing-Technologie<br />
Die Einheizer<br />
aus Tirol<br />
Wer rund ums Jahr auch längere Stre cken<br />
fliegt, weiß: Eisansatz ist ein ernstes<br />
Thema, und das nicht nur in der<br />
Verkehrs fliegerei. Ein neues Deicing-<br />
Verfahren drängt nun auf den Markt.<br />
Mit Eisansatz beim Fliegen<br />
hatte der Innsbrucker<br />
Markus Villinger eigentlich<br />
nie viel zu tun. Denn bekannt<br />
sein dürfte sein Name vor allem<br />
bei Gleitschirm- und Drachenpiloten.<br />
Bereits zwei Jahre nach seinem<br />
Einstieg in diese Art der Fliegerei<br />
gründete er 1976 seine erste<br />
Firma, die Wills Wing GmbH,<br />
mit der er sein Fluggerät selbst<br />
baute. Ziemlich gut offenbar, die<br />
Drachen des Österreichers liefen<br />
in den späten 70ern wie „geschnitten<br />
Brot“. Im Schnitt verkaufte das<br />
Unternehmen weit mehr als 400<br />
der Fluggeräte jährlich. Anfang<br />
der 80er Jahre ließ ihm der Erfolg<br />
keine Zeit mehr, sein Studium der<br />
Chemie und Physik fortzusetzen<br />
– er gründete lieber die Villinger<br />
GmbH, die nicht nur Wills Wing<br />
als Marke weiterführte, sondern<br />
1997 sogar den schärfsten Wettbewerber<br />
Airwave übernahm.<br />
In der Zwischenzeit hatte sich<br />
Firmengründer Markus Villinger<br />
auch der Motorfliegerei zugewandt,<br />
1982 zunächst mit dem Erwerb des<br />
österreichischen PPL. Im Jahr 2000<br />
machte er bei einem Florida-Aufenthalt<br />
auch den FAA-PPL, den er<br />
2004 um das Instrument Rating<br />
erweiterte. Spätestens nach seiner<br />
Rückkehr von dieser Reise wurde<br />
das Thema Deicing für ihn dann<br />
unumgänglich: „Wenn du bei uns<br />
in den Alpen im Winter fliegen<br />
willst und auch noch IFR, geht<br />
ohne Deicing fast nix mehr“, sagt<br />
er und wühlt auf seiner Festplatte<br />
nach eindrucksvollen Fotos vom<br />
winterlichen Innsbrucker Flughafen.<br />
Der ist die Homebase seiner<br />
N-registrierten Mooney M20K, mit<br />
der der Firmengründer 80 bis 100<br />
Stunden im Jahr in der Luft ist –<br />
auch für Geschäftsreisen zu Kunden<br />
wie Airbus in Hamburg.<br />
Heizbare Lacke anstatt<br />
geklebter Gummilappen<br />
Das klassische Deicing-Verfahren<br />
an Kleinflugzeugen empfand<br />
der Vielflieger als extrem unbefriedigend,<br />
weil aerodynamisch ungünstig,<br />
schwer und störanfällig.<br />
Bei der Prop-Enteisung sind Rubber<br />
Pads Standard, zum Beispiel<br />
von Goodrich oder Hartzell – Gummilappen<br />
mit eingebetteten, elektrisch<br />
beheizbaren Drahtschleifen,<br />
die auf die Blätter aufgeklebt werden.<br />
„Die kosten Fahrt, verabschieden<br />
sich auch mal gern; und wenn<br />
der Prop ein Steinchen zieht, das<br />
die Heizlitze durchschlägt, wird’s<br />
gleich teuer“, erklärt der Entwickler.<br />
Seit 2005 befasst sich die Villinger<br />
Research & Development<br />
GmbH im Gewerbegebiet von<br />
Mieders, einem kleinen Ort im<br />
Stubaital, deshalb mit der Erforschung<br />
und Entwicklung heizbarer<br />
Lacke. Die Idee: Wenn es gelingt,<br />
eine komplett unter elektrischen<br />
Strom gesetzte Fläche zu<br />
Fotos: Frank Martini, Markus Villinger<br />
Phänomenal: Im Wiener<br />
Eiskanal konnte man dem<br />
Abtauen einer vollständig<br />
vereisten Testfläche zuschauen.<br />
Der Firmengründer mit zwei seiner Mitarbeiter beim Check eines Air Intake.
Winterstimmung am Airport Innsbruck.<br />
Ohne Deicing und IFR geht<br />
dort in der GA kaum mehr etwas.<br />
Deicing-Entwickler Markus Villinger<br />
in großer Höhe in seiner Mooney.<br />
erwärmen, wäre das gegenüber<br />
den Pads extrem ausfallsicher. Denn<br />
durchschlüge ein Steinchen den<br />
Lack, wäre der heizende Stromfluss<br />
eben nur auf der Oberfläche des<br />
Einschlags unterbrochen, würde<br />
in der übrigen Fläche jedoch weiterfließen.<br />
Riesenproblem dieser Idee: Hot<br />
Spots, die das System „durchbrennen“<br />
lassen oder gar Hitzeschäden<br />
an der Trägersubstanz verursachen.<br />
„Das hast du eigentlich überall,<br />
wo du eine elektrisch leitfähige<br />
Oberfläche mit Strom aufheizt“,<br />
erklärt Villinger. „An einzelnen<br />
Stellen kumuliert materialbedingt<br />
die Temperaturentwicklung.“ Al-<br />
le zuvor erprobten Materialien<br />
reagierten auf solche Hitzekumulationen<br />
mit einem Sinken<br />
des elektrischen Widerstands. Die<br />
Folge: Ausgerechnet an der zu<br />
heißen Stelle fließt noch mehr Strom,<br />
entsteht noch größere Hitze, bis<br />
zum Ausfall des Systems. An diesem<br />
Punkt seien auch die Versuche<br />
beim Fraunhofer-Institut gescheitert,<br />
die eine seiner Idee ähnliche<br />
Lösung bereits zu entwickeln versucht<br />
hätten, erzählt er. „Und das<br />
sind technisch ja nun wirklich<br />
keine Amateure“, zollt er der Forschungsgemeinschaft<br />
Respekt.<br />
Fortan konzentrierte sich sein<br />
Betrieb darauf, einen Materialmix<br />
zu entwickeln, der sich elektrisch<br />
genau umgekehrt verhält und den<br />
Ohm’schen Widerstand mit zunehmender<br />
Temperatur ansteigen lässt.<br />
Widerstandsumkehr als<br />
Lösung des Problems<br />
Denn weil Strom nun mal immer<br />
über den geringsten Widerstandsweg<br />
fließt, wäre mit einer solchen<br />
Mischung nicht nur das Hot-Spot-<br />
Problem in Schach gehalten, sondern<br />
gleichsam die Basis für ein<br />
selbstregulierendes System geschaffen.<br />
Wann genau er erstmals<br />
eine Mischung mit diesem Verhalten<br />
vor sich hatte, vermag der<br />
Tüftler ebenso wenig genau zu<br />
datieren, wie er sich heute natürlich<br />
nur sehr eingeschränkt in die<br />
Karten schauen lassen mag. Bloß,<br />
dass es Halbleiterpolymere seien,<br />
die der Entwicklung den entscheidenden<br />
Schub gegeben hätten,<br />
verrät er. Jedenfalls muss es recht<br />
fix gegangen sein.<br />
Heute arbeitet der Tüftler mit<br />
zwölf Angestellten, die beheizbare<br />
Oberflächenbeschichtungen für<br />
alle möglichen Anwendungen<br />
produzieren und weiterentwickeln,<br />
von Flugzeugpropellern und Tragflächen<br />
bis hin zu Helikopter- und<br />
sogar Windkraftrotoren, von Innenraumverkleidungen<br />
in Fahr- und<br />
Flugzeugen bis hin zu Heizpaneelen<br />
für den Außenbereich, beispielsweise<br />
für die Gastronomie. 2009<br />
knüpfte er erste Kontakte zu Boeing,<br />
und er rief eine Zusammenarbeit<br />
mit Gerd Mühlbauer von der<br />
Deicing für Heli-Rotoren der US Army entwickeln die Tiroler ebenso ...<br />
... wie Honeycomb-Heizpaneele für Airbus-Flugzeuge.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 25
[ MAGAZIN ]<br />
Ob Prop oder Fläche – die neue<br />
Technik funktioniert zuverlässig und<br />
harrt nun der sukzessiven Zulassung.<br />
Klein, aber fein: der Firmensitz im<br />
Miederer Gewerbegebiet in Tirol.<br />
Straubinger MT-Propeller ins Leben.<br />
Inzwischen finden sich auf seiner<br />
Kundenliste fast ein Dutzend klingender<br />
Namen, die sich wie das<br />
Who‘s Who der zivilen und militärischen<br />
Luftfahrt lesen. Die Villinger<br />
GmbH hat er deshalb längst<br />
in eine Holding umgewandelt; sie<br />
fungiert als Dach für verschiedene,<br />
anwendungsbezogene Firmen.<br />
Am gemeinsamen Sitz entsteht<br />
momentan die Heizbeschichtung<br />
für ein Air-Intake-Deicing einer<br />
militärischen Turbinendrohne aus<br />
Deutschland und Heli-Rotorblätter<br />
für die US Army.<br />
Zu viel Schwatzhaftigkeit könnte<br />
den Tiroler daher durchaus in<br />
den Fokus militärischer Dienste<br />
rücken. Die zivilen Anwendungen<br />
für die Allgemeine und die Verkehrsluftfahrt<br />
kann er inzwischen<br />
teilweise offenlegen. Etwa die für<br />
Airbus in Hamburg, für deren Maschinen<br />
er das leidige Problem der<br />
Kältebrücken in der Kabine an den<br />
Türen und Notausstiegen löst. Die<br />
dort verwendeten Heizdrahtmatten<br />
kranken an mechanischer Anfälligkeit<br />
gegen die Rollen der<br />
Boardtrolleys oder die Absätze der<br />
sie herumschubsenden Stewardessen.<br />
„Wir haben unsere flüssig<br />
auftragbaren Heizleitbeschichtungen<br />
deswegen mit Honeycomb als<br />
Träger kombiniert und damit eine<br />
deutlich höhere Resistenz gegen<br />
punktuelle Drucklasten erreicht“,<br />
erklärt Markus Villinger die Leistungen<br />
seines Betriebes für das<br />
europäische Konsortium.<br />
Im Außenbereich von Kleinflugzeugen<br />
kommt seine Heizbeschichtung<br />
bereits an Propellern und den<br />
Nasen von Leit- und Tragwerksflächen<br />
zum Einsatz. Zusammen<br />
mit Mühlbauer hat er sein Verfahren<br />
an den Dreiblatt-CS-Propellern<br />
der Bayern getestet, von denen<br />
früher auch einer mit den konventionellen<br />
Deicer Pads an seiner<br />
eigenen Mooney lief. Die Resultate<br />
überzeugten: „Vor sechs Jahren<br />
haben wir an einem Tag innerhalb<br />
von drei Stunden bei konstanten<br />
Klimabedingungen Testflüge mit<br />
zwei MT-<strong>12</strong>-D erflogen und bei drei<br />
verschiedenen Powersettings in<br />
6000 Fuß mit unserer Beschichtung<br />
einen Fahrtgewinn von sechs bis<br />
neun Knoten IAS erreicht. Bei wirtschaftlichster<br />
Reiseleistung mit<br />
147 Knoten IAS konnten wir wegen<br />
der bei unserem System wegfallenden<br />
aerodynamischen Beeinträchtigung<br />
der Propellerblätter<br />
eine Treibstoffersparnis von bis<br />
zu 15 Prozent nachweisen.“<br />
Seit diesen Tests haben Villinger<br />
und Mühlbauer zehn Kleinflugzeuge<br />
mit dem neuen Prop-Deicing<br />
ausgestattet, mehrere tausend<br />
ausfallfreie Flugstunden sind dabei<br />
zusammengekommen. Noch<br />
in diesem Jahr wird die erste Lancair<br />
mit dem neuen System auch<br />
an den Flächen in die Luft gehen.<br />
Weitere sollen bald folgen, wie<br />
Villinger uns dazu vor seiner Abreise<br />
Anfang November in die USA<br />
erzählt und Fotos vom Einsatz der<br />
neuen Flugzeuge verspricht. „Viele<br />
amerikanische Lancairs kommen<br />
als Homebuilts in die Luft, das bot<br />
den Einsatz an diesen Maschinen<br />
natürlich zulassungsrechtlich an“,<br />
erklärt er die Zusammenarbeit.<br />
Verlängerte Werkbank<br />
der großen Hersteller<br />
In der Zulassung sieht er deshalb<br />
auch keine unüberwindbare Hürde,<br />
setzt dazu aber auf solche Kooperationen<br />
mit Flugzeug- und<br />
Propellerherstellern: „Für uns als<br />
kleiner Zwölf-Mann-Entwicklungsbetrieb<br />
ist so eine Part-21-Zertifizierung<br />
kaum zu stemmen, deshalb<br />
ist es sinnvoller, quasi als verlängerte<br />
Werkbank der Systemhersteller<br />
als OEM-Betriebe zu fungieren.“<br />
Denn die Original Equip-<br />
Sensoren zur Eiserkennung an den Flächen von Villingers Mooney.<br />
Die Messelektronik innen dokumentiert die Enteisungstests im Flugbetrieb.<br />
26 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
ment Manufacturers in der GA und<br />
besonders in der Verkehrsluftfahrt<br />
haben für die Zulassungsverfahren<br />
bei EASA und FAA natürlich ganz<br />
andere Ressourcen.<br />
Längst haben Markus Villinger<br />
und seine Truppe deswegen Airbus<br />
und Boeing am Haken. Für<br />
beide sind im Wiener Klima-Wind-<br />
Kanal und einem US-Kältelabor<br />
schon ausgiebige Tests gelaufen.<br />
Die Laminarheizungen aus Tirol<br />
haben dabei alle Herausforderungen<br />
der einschlägigen Luftfahrtanforderungen<br />
einschließlich CS<br />
25 DO-160 bestanden. Gerade für<br />
die Verkehrsluftfahrt ist die neue<br />
Technologie daher eine reizvolle<br />
Perspektive, denn die Airlines arbeiten<br />
unter hohem Kostendruck.<br />
Für sie hat Villinger, basierend auf<br />
seinen Versuchen, die mögliche<br />
Spritersparnis durch sein System<br />
an den Propellern der alten Tyrolean-Dash-8-400-Flotte<br />
hochgerechnet:<br />
Bei deren jährlichen 2500<br />
Flugstunden wäre der heimische<br />
Carrier mit 205 Tonnen weniger<br />
Jet fuel zurechtgekommen.<br />
Noch größere Effizienzgewinne<br />
sieht der Entwickler bei den Jets,<br />
die einen Eisansatz bislang mit<br />
„bleed air“ verhindern, dem Einströmen<br />
von heißer Zapfluft aus<br />
den Triebwerken unter gefährdete<br />
Oberflächen. Weil das für die<br />
Zulassung auch unter Notfallbedingungen<br />
– zum Beispiel dem<br />
Ausfall eines Triebwerks – funktionieren<br />
müsse, seien über den<br />
Antrieb hinaus deutlich höhere<br />
Turbinenleistungen nötig.<br />
Spritersparnis und<br />
ein Plus an Sicherheit<br />
Mit dem Spritsparpotenzial seines<br />
Verfahrens geht somit auch<br />
ein Sicherheitsgewinn einher. Denn<br />
während für Zapfluft vereisungsprophylaktische<br />
Verfahren die<br />
Regel sind, ließen sich in Eiskanalversuchen<br />
sogar schon dickere<br />
Eisschichten schnell von Flügelnasen<br />
abschmelzen. Und weil die<br />
Leistungsaufnahme der Laminarheizungen<br />
im Vergleich zu konventioneller<br />
elektrischer Beheizung<br />
deutlich geringer ist, ergeben sich<br />
auch für das Deicing bei Kleinflugzeugen<br />
mit ihren schwächer ausgelegten<br />
Bordnetzen völlig neue<br />
Perspektiven. Selbst unter massiver<br />
mechanischer Belastung zeigte<br />
das System keine Leistungseinbußen,<br />
wie durch Anbohrversuche<br />
der Laminarheizflächen bereits<br />
nachgewiesen wurde.<br />
Die Überlegenheit seines Systems<br />
musste der Tiroler zuletzt<br />
dem amerikanischen Militär nachweisen.<br />
Das verlangte für die Sicherheit<br />
einer Rotorheizung zum<br />
Einsatz in großen Flughöhen eine<br />
maximale Leistungsaufnahme von<br />
vier Watt je Quadratzentimeter bei<br />
möglichst geringem Gewicht. Die<br />
getestete maximale Leistung auf<br />
dieser Fläche beträgt zwölf Watt.<br />
Damit die Beschichtung dabei nicht<br />
schmilzt, bedarf es allerdings eines<br />
0,1 Millimeter starken Auftrags,<br />
der je Quadratzentimeter dann<br />
0,015 Gramm wöge – 150 g/m 2<br />
also. Für die von den Amerikanern<br />
geforderten maximalen vier Watt<br />
ging Villinger aber nur auf einen<br />
halben Zehntel Millimeter herunter,<br />
um noch genügend Leistungsreserven<br />
zu haben. Mit nur 0,008<br />
g/cm 2 Materialauftrag, 80 g/m 2<br />
also, ging der Rotor deswegen in<br />
eine Kältekammer – und sprengte<br />
alles Eis im Nu ab. Die Militärs in<br />
den USA waren begeistert.<br />
Auch zivil lässt er deswegen<br />
jetzt einen Testballon dort mit den<br />
Lancairs steigen, denn mit 75 Prozent<br />
des Weltmarktes im Kleinflugzeugabsatz<br />
sind die entscheidenden<br />
Impulse zur Verbreitung<br />
seines Systems in den USA zu<br />
erwarten.<br />
Daheim konnte sein System<br />
schon im Kabinenboden einer gewerblich<br />
betriebenen Piper Malibu<br />
mit angenehmen Temperaturen<br />
überzeugen, und in den USA hat<br />
der Stubaier mit der Invercon LLC<br />
aus Pennsylvania auch schon einen<br />
Vertriebspartner für seine Marke<br />
„Laminar De-Ice“ für die Tragflächenanwendung<br />
gefunden. Bis<br />
eine neue Entwicklung auch auf<br />
den Markt diesseits des großen<br />
Teiches schwappt, vergehen meist<br />
nur wenige Jahre.<br />
ae<br />
Frank Martini<br />
Vorher (l.) und nachher: Umstellung auf den MT-Propeller mit neuem Deicing.<br />
Rotortests im US-<br />
Kältelabor. Die Amerikaner<br />
waren mit dem<br />
Ergebnis hochzufrieden.<br />
Fotos: Frank Martini, Markus Villinger
[ MAGAZIN ]<br />
Flieger, Moore und ein bisschen<br />
Tipps für Trips:<br />
Groß<br />
Potrems<br />
Groß Potrems ist ein verstecktes Rittergut südlich von<br />
Rostock. Wer es ansteuert, trifft auf ein charmantes<br />
Schlosshotel, das einige Überraschungen bereit hält.<br />
Fotos: Frank Martini, Hansestadt Rostock | Fotoagentur Nordlicht<br />
Rostock-Laage<br />
(ETNL)<br />
Lage:<br />
etwa 20 km südöstlich<br />
von Rostock<br />
Turm: 118.425 MHz<br />
Pisten:<br />
10/28: 2520 x 45 m Asphalt<br />
Treibstoff:<br />
Avgas 100LL, Jet A-1<br />
Öffnungszeiten:<br />
ganzjährig 24 h/PPR<br />
Telefon: +49 38454 321300<br />
Web: www.rostock-airport.de<br />
Hinweis: Weil der Platz<br />
militärisch wie auch zivil genutzt<br />
wird, verweist der Betreiber auf<br />
die NOTAMs und hält für Flüge<br />
der GA insbesondere ohne<br />
Flugplan ein Kontaktformular auf<br />
seiner Website bereit. Bei<br />
entsprechend empfohlener<br />
vorheriger Kontaktaufnahme<br />
lassen sich trotz ganzjährig<br />
regelmäßiger Linienflüge<br />
Einflugverzögerungen und<br />
längere Holdings vermeiden.<br />
Wer sich dem Verkehrsflughafen<br />
Rostock-Laage<br />
aus nördlicher Richtung<br />
nähert, braucht unmittelbar nach<br />
Einflug in die Kontrollzone via<br />
November nur seinen Blick in<br />
südöstliche Richtung zu lenken.<br />
Dort ist in Verlängerung der nördlichen<br />
Spitze des Dolgener Sees<br />
ein kleines Waldstück inmitten<br />
einer großen Ackerbaufläche zu<br />
entdecken. Direkt vom Waldrand<br />
beschirmt, liegt darin ein an den<br />
Klassizismus angelehnter, prunkvoller<br />
Bau aus dem späten 19. Jahrhundert<br />
– das erst vor wenigen<br />
Jahren neu eröffnete Schlosshotel<br />
Nordland. Das Gebäude, nach<br />
einem Großbrand 1889 neu errichtet,<br />
geht auf ein bis ins Spätmittelalter<br />
unter dem Namen Potremetze<br />
nachweisbares Rittergut<br />
Rostock-Laage: ein moderner Airport mit ziviler und militärischer Nutzung, der Ferienfliegern<br />
wie Freizeitpiloten und dem Lufthansa-Nachwuchs eine tolle Basis bietet.<br />
zurück, das für drei Jahrhunderte<br />
im Eigentum derer von Bülow stand,<br />
ehe es nach mehreren Besitzerwechseln<br />
Anfang des 19. Jahrhunderts<br />
von Fritz von Gadow erworben<br />
wurde.<br />
Der Spross dieser märkischen<br />
Adelsfamilie muss Jahrzehnte um<br />
die landwirtschaftliche Konsolidierung<br />
seiner neuen Heimat gerungen<br />
haben, denn erst seine Nach-<br />
28 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Das vormalige Herrenhaus des<br />
Gutshofs wurde vor 20 Jahren als<br />
Schlosshotel Nordland eröffnet.<br />
Blick auf die Marina „Hohe Düne“ in<br />
Rostock-Warnemünde. Ein Ausflug<br />
dorthin lohnt auch auf dem Landweg.<br />
Spuk<br />
fahren konnten den Bau eines<br />
Herrenhauses in den 1870er Jahren<br />
in Angriff nehmen. Nach zwei<br />
Weltkriegen und der Enteignung<br />
des sich zu einem prosperierenden<br />
Landwirtschaftsbetrieb entwickelten<br />
Besitzes diente das als Schloss<br />
bezeichnete Gutshaus zunächst<br />
der Unterbringung von Flüchtlingen,<br />
ehe es zu einem Dorfzentrum<br />
wurde, in das schließlich auch ein<br />
Konsum Einzug hielt. Dem anschließenden<br />
Verfall konnte erst durch<br />
die sukzessive Entwicklung zum<br />
Hotelbetrieb nach der Wende Einhalt<br />
geboten werden.<br />
Domizil für Linienpiloten<br />
Vom Flughafen Laage sind es<br />
nur sieben Kilometer bis dorthin.<br />
Folgt man der Bundesstraße 103<br />
Richtung Rostock, macht etwa auf<br />
der Hälfte der Strecke zwischen<br />
Flughafen und Hansestadt ein<br />
großes Schild auf den Abzweig<br />
zum Schloss aufmerksam. Nach<br />
zweifachem Abbiegen liegt rechts<br />
vor dem Hauptbau der alte Marstall.<br />
Hier bringt das Pilot Training Network<br />
angehende Verkehrspiloten<br />
unter. Laage ist einer von drei<br />
Standorten der Lufthansa-Tochter,<br />
an dem der Kranich-Nachwuchs<br />
auch für reale ILS-Anflüge trainiert<br />
wird. Da dort trotz sowohl ziviler<br />
als auch militärischer Nutzung kein<br />
überbordender Verkehr tobt, können<br />
auch Piloten der General Aviation<br />
nach Voranmeldung eine<br />
zügige Anflug- und Landefreigabe<br />
erwarten. Wegen der Bedeutung<br />
Laages als zentralem Airport<br />
Mecklenburg-Vorpommerns kommt<br />
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[ MAGAZIN ]<br />
Die malerische Altstadt Rostocks ist vom Schlosshotel Nordland gut<br />
zu erreichen und lädt zum Flanieren, Shoppen und Staunen ein.<br />
Fassaden im Stil nordischer Backsteingotik<br />
sind allgegenwärtig ist.<br />
Die Marienkirche: eines der sieben<br />
Wahrzeichen der Hansestadt.<br />
Fotos: Frank Martini<br />
man nach der Landung jederzeit<br />
problemlos weiter, ob per Taxi oder<br />
per Leihwagen. Für Reisende, die<br />
mehr als nur eine Nacht bleiben<br />
und nicht nur die Natur genießen<br />
wollen, lohnt sich das Mietwagenangebot<br />
besonders, um kurzweilige<br />
Ausflüge nicht nur in die nahe<br />
Hansestadt und Warnemünde,<br />
sondern auch in die weitere Umgebung<br />
zu unternehmen.<br />
Natur- und Gartenliebhaber<br />
kommen aber auch bei Anfahrt mit<br />
dem Taxi auf ihre Kosten. Nur 200<br />
Meter vom Schloss entfernt unterhält<br />
das Ehepaar Wegener den<br />
„Staudengarten Groß Potrems“<br />
mit rund 500 verschiedenen Pflanzenarten,<br />
den Gäste nach vorheriger<br />
Rücksprache gern in Augenschein<br />
nehmen können. Und<br />
unmittelbar an den malerischen<br />
Schlossgarten mit seinem idyllischen<br />
Teich grenzt der kleine<br />
Schlosswald an. Hier liegt im Schatten<br />
mehr als 100 Jahre alter Bäume<br />
der ummauerte Familienfriedhof<br />
der Gutsherren von Gadow.<br />
Über einen Pfad um die Ruhestätte<br />
herum gelangt man im Osten<br />
auf einen Feldweg, der nach nur<br />
100 Metern an die Bundesstraße<br />
führt. Auf der anderen Seite liegt<br />
das Moor Groß Potrems, ein früherer<br />
Torfstich und heute bewaldetes<br />
Naturschutzgebiet.<br />
Wer in Gegenrichtung, also<br />
südlich des Schlosses, der Kastanienallee<br />
vorbei am Staudengarten<br />
folgt, kann nach wenigen hundert<br />
Metern rechts in ein Landschaftsschutzgebiet<br />
abbiegen oder der<br />
Allee weiter Richtung Wendorf und<br />
Dolgener Berg folgen. Spätestens<br />
dort muss man dann eine Richtungsentscheidung<br />
treffen – entweder<br />
weiter nach Süden zum<br />
Dolgener See oder Richtung Westen<br />
ins „Bülowmoor“. Der rein aus<br />
jungen Stieleichen bestehende,<br />
Der Waldfriedhof hinter dem Schlossgarten: An der letzten Ruhestätte<br />
früherer Gutsherren beginnt ein romantischer Rundweg.<br />
geschützte Bruchwald beherbergt<br />
zahllose Rote-Liste-Arten, die heute<br />
selbst in Brüchen eine Seltenheit<br />
sind. „Fußkranke“, die von der<br />
Allee zuvor in das kleine Landschaftsschutzgebiet<br />
abgebogen<br />
sind, gelangen nun über einen nur<br />
knappe fünf Kilometer langen<br />
Rundwanderweg wieder zum<br />
Schloss zurück.<br />
Zu Gast im Spukschloss<br />
Dort angekommen, hat man die<br />
Wahl: Entweder man checkt in<br />
eines der komfortablen Doppelzimmer<br />
oder gleich in die „Katharinensuite“<br />
ein. Alleinreisenden<br />
mit Hang zum Gruseln sei indes<br />
das „Spukzimmer“ empfohlen. In<br />
der Einzelkemenate kam seinerzeit<br />
bei dem eingangs erwähnten Großbrand<br />
ein Hausmädchen ums Leben,<br />
dessen Geist seither durch<br />
das Schlafgemach spuken soll. Die<br />
freundliche Dienstbarkeit sei dem<br />
Geist des Brandopfers indes erhalten<br />
geblieben – großen Schrecken<br />
verbreite das Schlossgespenst<br />
nicht, wie das heutige Personal<br />
glaubhaft versichert.<br />
Das herrschaftliche Ambiente<br />
des im klassizistischen Stil erbauten<br />
Gebäudes setzt sich auch im<br />
Innern fort. Die Gästezimmer sind<br />
in zeitgenössischem Stil möbliert,<br />
überall finden sich üppige Stuckelemente<br />
mit teils prunkvollen<br />
Deckenfresken. Im Ostflügel sind<br />
die drei Etagen des Baus durch<br />
eine weite Wendeltreppe miteinander<br />
verbunden, deren Überdachung<br />
als kunstvolle Buntglaskuppel<br />
ausgeführt ist. In der<br />
erkennbar liebevoll gestalteten<br />
Ausstattung des Hauses finden<br />
sich auch Accessoires, die eine<br />
Reminiszenz an die Zeit des<br />
Jugendstils bis in die „Roaring<br />
Twenties“ hinein bieten.<br />
Passend dazu lädt der Schlossherr<br />
mehrmals im Jahr zur „20er-<br />
Jahre-Nacht“ ein – einer Party im<br />
Flair der 20er und 30er Jahre, die<br />
musikalisch von dem im Norden<br />
bekannten „Duo Federleicht“ begleitet<br />
wird. Wer also eine termingerechte<br />
Reise im Oldtimer, gar<br />
im Doppeldecker plant, möge auch<br />
außerhalb des Cockpits an zeitgenössische<br />
Garderobe denken.<br />
Auf die Preise hat die edle<br />
Unterbringung übrigens höchst<br />
moderaten Einfluss, sie liegen je<br />
nach Saison und Zimmer oder<br />
Suite zwischen 60 und 190 Euro<br />
je Nacht. Außerdem bietet das<br />
Schlosshotel ganzjährig vergünstigte<br />
Arrangements an, in denen<br />
neben zwei oder drei Übernachtungen<br />
auch verschiedene Menüs<br />
enthalten sind.<br />
Aber auch à la carte sei zumindest<br />
eine Verköstigung aus der<br />
Schlossküche schon wegen des<br />
Speisesaals empfohlen, dessen<br />
zentrale Lage im Haus und prunkvolle<br />
Ausgestaltung mit bemalten,<br />
aufwendig gestalteten Stuckdecken<br />
nebst einem als Kachelofen ausgeführten<br />
offenen Kamin vermuten<br />
lässt, dass es sich im ausgehenden<br />
19. Jahrhundert um das Herzstück<br />
gutsherrschaftlichen Landlebens<br />
gehandelt hat.<br />
ae<br />
<br />
Frank Martini<br />
30 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Berblinger-Preis<br />
ECO4 zum<br />
Sieger gekürt<br />
Mit dem Konzept des viersitzigen<br />
Hybrid-Reiseflugzeugs ECO4<br />
haben Ingmar Geiß und sein Team<br />
vom Institut für Flugzeugbau der<br />
Uni Stuttgart die Jury überzeugt.<br />
Foto: Institut für Flugzeugbau<br />
Die ECO4 ist ein viersitziger<br />
Tiefdecker mit<br />
Propeller am oberen Ende<br />
des Seitenleitwerks. Das Flugzeug<br />
verfügt über einen hocheffizienten<br />
dieselelektrischen Antrieb. Dieser<br />
zeichnet sich durch einen im Vergleich<br />
zu herkömmlichen Luftfahrtantrieben<br />
deutlich geringeren Verbrauch<br />
und reduzierte Lärmemissionen<br />
aus.<br />
„Mit einem innovativen Flugzeugentwurf<br />
und moderner Systemtechnik<br />
konnten wir für den<br />
Wettbewerb ein Flugzeug konzipieren,<br />
das im Vergleich zu fortschrittlichsten<br />
konventionellen<br />
Modellen eine Senkung des Energieverbrauchs<br />
um rund 40 Prozent<br />
erwarten lässt – bei einer Reisegeschwindigkeit<br />
von 220 km/h“,<br />
sagt Ingmar Geiß, Diplom-Ingenieur<br />
für Flugzeugbau und Kopf des<br />
ECO4-Teams, zu dem auch Len<br />
Schumann, Jonas Lay und Andreas<br />
Strohmayer gehören. Weiterhin<br />
würden durch einen rein batteriebetriebenen<br />
Start und Steigflug die<br />
Lärmemissionen in Bodennähe<br />
deutlich reduziert, so Geiß.<br />
Neben der Leistungsfähigkeit<br />
des Entwurfs honorierte die Jury<br />
auch, dass das IFB mit der ECO4<br />
die langjährige Tradition bei der<br />
Forschung und Entwicklung des<br />
Projektes e-Genius konsequent<br />
fortgesetzt hat. „Mit vier Personen<br />
an Bord besitzt das Flugzeug eine<br />
Reichweite von 2000 Kilometern.<br />
Es könnte von der Quelle der<br />
Donau im Schwarzwald bis an die<br />
Mündung im Schwarzen Meer an<br />
einem Tag nonstop fliegen“, unterstreicht<br />
Geiß die Leistungsfähigkeit.<br />
Gleichzeitig nimmt er<br />
damit Bezug auf den Ansatz des<br />
Berblinger-Preises. Das ECO4-<br />
Projektteam kann sich über ein<br />
Preisgeld von 23 000 Euro freuen.<br />
Zwei weitere Projekte veranlassten<br />
die Fachjury – 16 hochkarätige<br />
Vertreter aus der Luft- und<br />
Raumfahrtindustrie sowie Hochschulen,<br />
Forschungseinrichtungen<br />
und der Stadt Ulm –, das Gesamtpreisgeld<br />
von 25 000 Euro in diesem<br />
Jahr aufzuteilen und zwei Sonderpreise<br />
zu vergeben. So gehen je<br />
1000 Euro an Karl-Heinz Helling<br />
mit seinem Projekt „Flugzeug mit<br />
Hubflügelantrieb“ sowie an Thomas<br />
Strieker und Thomas Senkel<br />
für ihr Projekt „Elektro Flywhale“.<br />
Während Helling ein neuartiges<br />
Antriebskonzept für Flugzeuge<br />
entwickelt hat, beschreiben Strieker<br />
und Senkel ein vielversprechendes<br />
Gesamtkonzept mit akkubetriebenem<br />
Elektroantrieb in Kombination<br />
mit Solarzellen und<br />
Range Extender.<br />
Erinnerung an den<br />
„Schneider von Ulm“<br />
Albrecht Ludwig Berblinger<br />
(1770 – 1829) hatte 1811 die Vision,<br />
mit Hilfe seines Hängegleiters die<br />
Donau von einem Ufer zum anderen<br />
zu überqueren. Im Geiste Berblingers<br />
verfolgt die Stadt Ulm mit<br />
dem Wettbewerb nun das Ziel,<br />
jene Entwicklungen der Allgemeinen<br />
Luftfahrt zu fördern, die den<br />
Überflug des Flusslaufes der Donau<br />
in der gesamten Distanz von der<br />
Quelle bis zur Mündung möglichst<br />
geräuschlos und emissionsfrei mit<br />
Hilfe von innovativen, Umwelt und<br />
Ressourcen schonenden Flugzeugen<br />
ermöglichen. Theoretische<br />
Beiträge sollen auf der Grundlage<br />
neuester Forschungsergebnisse,<br />
Erkenntnisse und Entwicklungen<br />
aus der Luftfahrt aufzeigen, mit<br />
welchen Ansätzen man dem geschilderten<br />
Fernziel Donauflug<br />
näherkommen kann. Gesucht werden<br />
Ideen für ein innovatives<br />
personentragendes Flugzeug oder<br />
einzelne Komponenten dafür. ae<br />
<br />
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[ MAGAZIN ]<br />
Firmenporträt<br />
Mit Sven Knorr<br />
sicher auf Kurs<br />
Bei der Knorr Service KG am Flugplatz<br />
Schwäbisch Hall lernen Piloten,<br />
wie sie ihr Flugzeug in Ausnahmesituationen<br />
souverän wieder unter<br />
Kontrolle bringen. Mit diesem Angebot<br />
begann 2007 eine erfolgreiche<br />
Unternehmensgeschichte.<br />
[ 1 ]<br />
Fotos: Tashi Dolma Hinz, Sven Knorr<br />
Die Zlín schüttelt und wehrt<br />
sich, doch Sven Knorr ist<br />
unnachgiebig. Mit festem<br />
Griff nimmt er ihr jegliche Dynamik<br />
und bringt sie mit einem kräftigen<br />
Tritt ins Seitenruderpedal<br />
endgültig aus dem Gleichgewicht.<br />
Die Maschine kippt über den linken<br />
Flügel ab und stürzt in beängstigender<br />
Geschwindigkeit der Erde<br />
entgegen. Ein bedrohliches<br />
Szenario, wäre Knorr nicht ein erfahrener<br />
Fluglehrer, der gerade<br />
ein Sicherheitstraining durchführt.<br />
Der hinter ihm sitzende, einzuweisende<br />
Pilot übernimmt nun das<br />
Steuer. Zielgerichtet wandert die<br />
linke Hand zum Gaszug und drosselt<br />
den Motor auf Leerlauf. Das<br />
Querruder bleibt neutral, bis der<br />
rechte Fuß die Drehung beendet.<br />
Dann drückt der Pilot nach. Als<br />
die Strömung wieder anliegt und<br />
Druck auf den Rudern spürbar ist,<br />
fängt er den Sturzflug so sanft wie<br />
möglich ab.<br />
Die Trudeleinweisung wird im<br />
Theorieunterricht besprochen, doch<br />
in der praktischen Ausbildung ist<br />
sie offiziell nicht vorgesehen. Der<br />
EASA-Lehrplan schreibt lediglich<br />
die Spin Avoidance Exercise vor.<br />
Bei Sven Knorr stößt das auf Unverständnis:<br />
„Gerät ein Flugzeug<br />
[ 2 ]<br />
ins Trudeln, ist schnelles und diszipliniertes<br />
Eingreifen vonnöten.<br />
Das kann einen ungeübten Piloten<br />
durchaus überfordern. Eine rein<br />
theoretische Einführung reicht<br />
meiner Meinung nach nicht aus,<br />
um einer solchen Situation gewachsen<br />
zu sein.“ Aus diesem Grund<br />
entwickelte der Fluglehrer im<br />
Frühjahr 2007 ein Sicherheitstraining.<br />
Nach gründlicher Absprache<br />
mit Gregor Stahnke, Inhaber der<br />
renommierten Flugschule Stahnke,<br />
fungiert die Knorr Service KG seither<br />
als ATO-Außenstelle der Flugschule<br />
Stahnke. Piloten aus ganz<br />
Deutschland pilgern zum Firmensitz<br />
am Flugplatz Schwäbisch Hall,<br />
um sich weiterzubilden und sich<br />
unter professioneller Aufsicht auf<br />
potenzielle Gefahrensituationen<br />
vorzubereiten – oder direkt eine<br />
Kunstfluglizenz zu erwerben. Gregor<br />
Stahnke schätzt Knorr als kompetenten<br />
und loyalen Geschäftspartner,<br />
der das Konzept der ATO-<br />
Außenstelle gewissenhaft umsetzt.<br />
Im Einzelunterricht oder in<br />
überschaubaren Gruppen arbeiten<br />
sich die Teilnehmer theoretisch<br />
ein und lernen während der<br />
Übungsflüge, eine abnormale Lage<br />
ihrer Maschine im Raum zu<br />
erkennen und das Flugzeug wieder<br />
in die Normalfluglage zu bringen.<br />
Als Grundlage für das Sicherheitstraining<br />
dient das „Visualized<br />
Flight Maneuvers Handbook“. Es<br />
ist das Lehrbuch für amerikanische<br />
CPL-Anwärter und beschreibt unter<br />
anderem Basisübungen wie<br />
„Chandelle“ oder „Lazy Eight“.<br />
Nur Piloten, die exakt und mit Fingerspitzengefühl<br />
fliegen, sind in<br />
der Lage, diese Manöver korrekt<br />
auszuführen. Die Übungen verraten<br />
viel über persönliche Schwächen<br />
und zwingen den Piloten, sich mit<br />
ihnen auseinanderzusetzen. Das<br />
Angebot ist bei Privat- wie Berufspiloten<br />
gleichermaßen beliebt und<br />
stößt mittlerweile auch im angrenzenden<br />
Ausland zunehmend auf<br />
Interesse.<br />
Vom Trainingskonzept<br />
zum Servicebetrieb<br />
Was mit der Idee eines Sicherheitstrainings<br />
seinen Anfang nahm,<br />
ist inzwischen zu einem ansehnlichen<br />
Unternehmen gewachsen,<br />
das in unterschiedlichsten Bereichen<br />
der Luftfahrt Fuß fassen<br />
konnte. Unter dem Motto „ein<br />
Service von Fliegern für Flieger<br />
32 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
[ 1 ] Bernhard Stooß und Sven Knorr<br />
sind auch in der Luft ein eingespieltes<br />
Team. [ 2 ] Sven Knorr am<br />
Telefon. Organisation ist alles.<br />
[ 3 ] Erlebnistage auf dem Flugplatz.<br />
[ 4 ] Schulmaschine Suchoi Su-29.<br />
[ 5 ] Die Zlín – ob groß oder klein –<br />
ist überall. [ 6 ] Das Vorwärmgerät<br />
hat Knorr selbst entwickelt.<br />
[ 5 ]<br />
[ 6 ]<br />
[ 3 ]<br />
[ 4 ]<br />
und Luftsportbegeisterte“ vertreibt<br />
der erfinderische Maschinenbaumeister<br />
ein selbst entwickeltes<br />
elektrisches Vorwärmgerät in zwei<br />
Ausführungen und fertigt maßgeschneiderte<br />
Unterstellwannen für<br />
Luftfahrzeuge an. Er vertreibt<br />
weiterhin Flugzeug-Drehteller –<br />
sogenannte Rundparkdeck-Systeme<br />
auf Nachrüstbasis für Hangars<br />
–, entwirft Modellmotoren, organisiert<br />
Erlebnistage auf dem Flugplatz<br />
und bietet in Zusammenarbeit<br />
mit dem Künzelsauer Kardiologen<br />
Christoph Karle Seminare zur Bekämpfung<br />
von Flugangst an.<br />
Zudem betreibt er ein erfolgreiches<br />
Unternehmen im Bereich<br />
Luftwerbung. Peggy Krainz, die<br />
unerschrockene Wingwalkerin,<br />
zählt zu seinen ehemaligen Schülern,<br />
Großkonzerne wie Airbus und<br />
Daimler zu seinen Kunden. Das<br />
Dienstleistungs- und Produktspektrum<br />
ist mittlerweile so umfangreich,<br />
dass Sven Knorr im Ausbildungsbereich<br />
mit mehreren Partnern<br />
kooperiert.<br />
Bernhard Stooß ist freiberuflicher<br />
Fluglehrer und betreut nebst Flugschülern<br />
in Erstausbildung auch<br />
fortgeschrittene Piloten bei der<br />
Nachtsicht- und Instrumentenflugausbildung.<br />
„Es macht Spaß,<br />
für Sven Knorr zu arbeiten. Er ist<br />
ein phänomenal guter Lehrer mit<br />
einem großen Erfahrungsschatz“,<br />
lobt Stooß bewundernd. „Er ist<br />
ehrlich, direkt und durch nichts<br />
aus der Ruhe zu bringen.“ Diplom-<br />
Ingenieur Lutz-Eberhard Starke ist<br />
ebenfalls für Sven Knorr im Einsatz<br />
und intensiv im Theorieunterricht<br />
involviert. Immer wieder hat er<br />
neue Ideen, was er seinen Schützlingen<br />
im Unterricht noch vermitteln<br />
könnte: „Mein nächstes Projekt<br />
dreht sich um Treibstoffkunde<br />
und Vereisungsgefahren“, erklärt<br />
er. Der Fachmann war einst für<br />
Messerschmitt-Bölkow-Blohm<br />
(MBB) sowie VFW-Fokker tätig und<br />
hat ein ausgeprägtes Faible für<br />
Motoren. Er fachsimpelt gerne und<br />
erklärt interessierten Zuschauern<br />
bereitwillig die Funktionsweise<br />
des Sternmotor-Lehrmodells Moki<br />
250/7.<br />
Sven Knorr entdeckte als Schüler<br />
des Zlín-Experten Paul Erhardt<br />
schon früh seine Leidenschaft für<br />
Sportflugzeuge der tschechoslowakischen<br />
Marke Moravan. Die<br />
doppelsitzige Zlín 526F, die im<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 33
[ MAGAZIN ]<br />
[ 1 ] Mit dem Zlín 526F (r.) führt<br />
Sven Knorr das Sicherheitstraining<br />
durch. Die Su-29<br />
kommt für die fortgeschrittene<br />
Kunstflugausbildung zum<br />
Einsatz. [ 2 ] Ingenieur<br />
Lutz-Eberhard Starke am<br />
Motorenmodell. [ 3 ] Ein<br />
Hangar zum Wohlfühlen.<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 3 ]<br />
Fotos: Tashi Dolma Hinz<br />
Sicherheitstraining zum Einsatz<br />
kommt, stammt aus der Trenér-<br />
Reihe, die schon so manch ein<br />
siegreiches Kunstflugzeug hervorgebracht<br />
hat. Angetrieben wird<br />
die Maschine mit der markant rotweiß-schwarzen<br />
Lackierung von<br />
einem 180 PS starken Sechszylinder-Reihenmotor<br />
und zählt mit<br />
einer Spannweite von 10,59 Metern<br />
zu den verhältnismäßig großen<br />
Kunstflugzeugen. Knorr bedauert,<br />
dass die Produktion 1974 endete,<br />
denn für ihn stellt die Zlín das ideale<br />
Arbeitsgerät dar. Sie ist agil,<br />
aber nicht nervös; stark, aber nicht<br />
brachial; anspruchsvoll, aber nicht<br />
zu schwierig für die Piloten, die<br />
am Sicherheitstraining teilnehmen<br />
oder eine Kunstflugausbildung<br />
beginnen. Außerdem eignet sie<br />
sich zur Unterschiedsschulung auf<br />
Spornrad, Verstellpropeller und<br />
Einziehfahrwerk. Zur Flotte gehören<br />
zudem eine Cessna 172 für die<br />
Grundschulung und die Instrumentenflugausbildung,<br />
eine Suchoi<br />
Su-29 für die fortgeschrittene<br />
Kunstflugausbildung und eine<br />
Piper PA-18 Super Cub für Bannerflüge<br />
und die F-Schlepp-Ausbildung.<br />
Die Grundschulung absolvieren<br />
im Durchschnitt drei Schüler pro<br />
Jahr. Aufgrund der überschaubaren<br />
Zahl von angehenden Piloten<br />
kann Sven Knorr den Unterricht<br />
sehr individuell gestalten. „Wenn’s<br />
der Schüler nicht verstanden hat,<br />
lag’s am Lehrer“, lautet seine Devise.<br />
Die Rechnung geht auf. Der<br />
Fluglehrer, der bereits seit seinem<br />
25. Lebensjahr schult und mehr<br />
als 22 000 Flugstunden vorweisen<br />
kann, hat bereits <strong>12</strong>4 Schüler erfolgreich<br />
durch die Ausbildung<br />
begleitet. In vielen Fällen pflegt<br />
er auch nach ihrem Abschluss ein<br />
freundschaftliches Verhältnis zu<br />
seinen einstigen Schützlingen,<br />
denn Fliegerkameradschaften misst<br />
er einen hohen Stellenwert bei.<br />
„Es ist mir wichtig, dass man<br />
sich hier wohlfühlt“, erklärt der<br />
Unternehmer mit Blick auf den<br />
450-Quadratmeter-Hangar am Adolf<br />
Würth Airport. Die Fliegerstube<br />
thront als offene Galerie über den<br />
Flugzeugen. Sie ist geschmackvoll<br />
möbliert und beherbergt Schulungsraum,<br />
Büro und Küche.<br />
Gemütliche Einrichtung<br />
und familiäres Ambiente<br />
An der Wand prangen Bruchpilot<br />
Quax und das Piper-Bärchen, vor<br />
der Polstergruppe funkelt ein<br />
Sternmotor-Glastisch, Schnittmodelle<br />
von Motoren und Pin-up-Girls<br />
zieren die Verkaufstheke, Pilotenaccessoires<br />
warten in der Vitrine<br />
auf ihre Käufer. In der Ecke verspricht<br />
ein Flipperautomat kurzweilige<br />
Unterhaltung, und die<br />
Kaffeemaschine sorgt für den<br />
nötigen Koffein-Nachschub. Ein<br />
detailgetreues Zlín-Modell schwebt<br />
über dem großen, runden Tisch,<br />
an dem normalerweise der Theorieunterricht<br />
stattfindet. Die gemütliche<br />
Einrichtung sorgt für ein<br />
familiäres Ambiente, und die Aussicht<br />
über die im Hangar stationierten<br />
Flugzeuge ist ein wahrer<br />
Genuss.<br />
So umfangreich das Angebot<br />
bereits zu sein scheint, die Ideen<br />
gehen Sven Knorr vorerst nicht<br />
aus: „Ich könnte mir vorstellen,<br />
ein Veteranenflugprogramm einzuführen.<br />
Piloten, die den medizinischen<br />
Anforderungen nicht mehr<br />
genügen, sollen die Chance erhalten,<br />
ein Flugzeug wieder selbst<br />
zu steuern – selbstverständlich<br />
unter sachverständiger Aufsicht.“<br />
Und nächstes Jahr, wenn das Unternehmen<br />
sein zehnjähriges Bestehen<br />
feiert, lädt der Fluglehrer<br />
all seine ehemaligen Schüler nach<br />
Schwäbisch Hall zu einer großen<br />
Hangarparty ein.<br />
ae<br />
Tashi Dolma Hinz<br />
34 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
[ KOLUMNE ]<br />
Als Dr. Spornrad beleuchtet ein Kenner der Szene exklusiv für den <strong>aerokurier</strong> die großen und kleinen Geheimnisse der GA<br />
Piloten unterm Baum<br />
Weihnachtswetter grau in grau ist für unseren Kolumnisten kein Grund, gleich in Fliegerdepressionen<br />
zu versinken. Vielmehr sollte man die besinnliche Zeit nutzen, sich theoretisch und<br />
praktisch fit zu halten. Dann kann es in den ersten wärmeren Tagen gleich wieder losgehen.<br />
Nun ist sie wieder da, die besinnliche<br />
Zeit. Ich sehe nur grau in grau, kalt,<br />
nass und igitt. Wann wird es endlich<br />
wieder heller und vor allem wärmer? Der Pfeffer<br />
juckt, ich will wieder fliegen!<br />
Nun – nein, mir tut es immer ziemlich gut,<br />
auch mal etwas anderes zu tun, als nur zu<br />
fliegen. Aber spätestens nach dem Besuch des<br />
zweiten Weihnachtsmarktes – nicht nur unter<br />
Einfluss von Glühwein – erwacht wieder die<br />
Lust, sich den Dingen der angewandten Aerodynamik<br />
zuzuwenden.<br />
Da sitze ich nun in meinem Wohnzimmersessel<br />
und überlege, wie denn das vergangene<br />
Jahr verlaufen ist. Da erinnere ich mich<br />
leider an den einen oder anderen Unfall mit<br />
oft wirklich fürchterlichem Ausgang. Da waren<br />
Freunde beteiligt, Bekannte und auch Größen,<br />
die immer am Limit flogen und sich dann bei<br />
vermeintlich harmlosen Dingen vertan haben.<br />
Was war da los <strong>2016</strong>? Gefühlt mehr als in den<br />
Jahren zuvor. Wirklich, oder lag das Jahr doch<br />
im Durchschnitt? Oder waren es nur die Presseleute,<br />
die in Ermangelung anderer Themen<br />
wieder mal uns Piloten als Headline bevorzugt<br />
haben? Keine Ahnung, aber ich nehme mir<br />
die Zeit, um über das eine oder andere Malheur<br />
nachzudenken.<br />
Als Lehrer predigst du deinen Schülern<br />
Dinge vor und bemerkst schon bald, wie deine<br />
ehemaligen Eleven nach Erhalt der Lizenz<br />
ihre eigenen Wege gehen und alles anders<br />
machen als einst gelernt. Das beginnt mit dem<br />
Weglassen des morgendlichen Drainens, geht<br />
weiter über das zu kurze Warmlaufenlassen<br />
Illustrationen: Harald Hornig<br />
und führt bis hinein ins Cockpit, wo gerade<br />
in Herbst und Winter immer ein frischer CO-<br />
Detektor hängen sollte, um vor Auspuffabgasen<br />
zu warnen, falls der Krümmer<br />
inkontinent ist. Trifft das nur<br />
für Jungpiloten zu? Nein!<br />
Vieles gerät in Vergessenheit<br />
oder verschwindet<br />
in Eigenerfahrung<br />
und Routine.<br />
So also sehe<br />
ich mir Vorfall um<br />
Vorfall an und kann<br />
so richtig keinen<br />
technischen Grund<br />
dafür finden. In diesem<br />
Jahr lag es wohl<br />
wirklich mal wieder fast<br />
ausschließlich an dem, was<br />
sich so zwischen linker und<br />
rechter Ohrmuschel des Headsets befindet.<br />
Also dem Faktor Mensch.<br />
Was aber tun, um nicht selbst in die Falle<br />
des „Mir wäre das ja nie passiert …!“ zu rauschen?<br />
Mal wieder Theoriekurse oder Fluglehrerauffrischungsseminare<br />
(früher Fluglehrerfortbildungen)<br />
besuchen – auch als Nichtfluglehrer!<br />
Bücher lesen, darunter auch mal<br />
das Ding, was unterjährig meist im Kofferraum<br />
einer jeden Maschine zu finden ist. Hä? Was<br />
meint der Spornrad jetzt? Das Flugbetriebshandbuch!<br />
Standard- und Notverfahren auffrischen<br />
und mal die Checklisten vergleichen.<br />
Und dann gibt<br />
es ja auch noch die „theoretische Praxis“ in<br />
Form eines Flugsimulators. Was? „So ein Ding<br />
besteige ich nicht, da kann mir ja jeder zusehen!“,<br />
mag mancher denken.<br />
Quatsch! Die Geräte sind heute<br />
so gut, dass ich mich fühle wie<br />
im richtigen Cockpit. Und warum<br />
dann damit nicht auch mal<br />
den Einflug in mieses Wetter<br />
bis hin zu IMC üben? Vielleicht<br />
kommt ja auch noch der<br />
Appetit auf etwas Nachtflug<br />
oder Enroute-IFR auf? Dann<br />
gibt es oben im Norden ja<br />
auch noch so einen herrlichen<br />
Seitenwindsimulator. Ja, der<br />
Wind kommt eben nicht immer<br />
von vorne!<br />
Mir fallen so viele Dinge ein, die<br />
graue Winterzeit sinnvoll für den Relaunch<br />
der Flugsaison zu gestalten. Nicht zu vergessen<br />
der Griff in die Kiste mit alten VHS-Kassetten,<br />
DVDs oder Blue Rays. Egal ob Waldo<br />
Pepper, die tollkühnen Männer oder die zwei<br />
Himmelhunde – aus jedem Film kann man auch<br />
'ne Menge To-dos oder besser Not-to-dos rausziehen.<br />
Ja, und kaum, dass die letzte Filmminute<br />
durchgeflimmert ist, beginnt sie auch<br />
schon wieder, die neue Flugsaison!<br />
Also nichts wie rein in die Kiste – und auf<br />
geht’s! Rauf auf FL 100 und gleich überland<br />
ins Nachbarland. Nein – gemach, gemach, denn<br />
unsere fliegerische Gelenkigkeit setzt leider<br />
über den Winter ziemlich schnell Flugrost<br />
an. Daher zunächst (bestenfalls mit<br />
einem Fluglehrer) ein schönes<br />
Stündchen warmfliegen<br />
und danach<br />
wieder ein gutes<br />
Dutzend Landungen<br />
mit unterschiedlichen<br />
Ausgangspositionen<br />
trainieren. Und dann<br />
kann die neue Flugsaison<br />
tatsächlich beginnen.<br />
Besinnliche Stunden unter dem<br />
Weihnachtsbaum bei Spekulatius,<br />
POH und VMC und natürlich ein<br />
gesundes und zwischenfallfreies<br />
2017 wünscht Ihnen Ihr<br />
Doktor Spornrad!<br />
ae<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 35
[ FLYING ]<br />
Mit Stemme und Zeppelin NT über die Ostsee<br />
SCHWEBEN<br />
Foto: HZG | Dr. Torsten Fischer<br />
FÜR DIE<br />
AUTOR: Jürgen Schelling<br />
FORSCHUNG<br />
Der Zeppelin NT, normalerweise am Bodensee zu Hause, schwebte im Sommer<br />
zehn Tage über der Ostsee. Forscher nutzten ihn als wissenschaftliche Plattform,<br />
um Wasserwirbel zu untersuchen. Eine Stemme flog als Scout voraus.<br />
Auf dem weitläufigen Gelände des<br />
ehemaligen Militärflugplatzes<br />
Peenemünde im Norden der Ostsee-Insel<br />
Usedom herrscht<br />
bereits frühmorgens eifrige Geschäftigkeit.<br />
Wissenschaftler präparieren oder kontrollieren<br />
ihre Geräte in der Kabine des 75<br />
Meter langen Luftschiffs, die Piloten Fritz<br />
Günther und Kate Board sprechen noch einmal<br />
die ungefähre Flugroute über dem Meer<br />
und die Wetterprognosen durch. Einige Meter<br />
weiter bereitet das Team ein Spezialflugzeug<br />
vom Typ Stemme S10 VTX des<br />
Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik<br />
der Fachhochschule Aachen vor. In dem zum<br />
Forschungsflugzeug hochgerüsteten Motorsegler,<br />
der schon den Mount Everest überflog,<br />
sitzen zwei Wissenschaftler, einer<br />
36 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
davon mit Privatpilotenlizenz. Unter den<br />
Tragflügeln hängen Spezialkameras. Die<br />
mehr als <strong>12</strong>0 Knoten schnelle Stemme fungiert<br />
quasi als Scout. Ihre Crew lotst anhand<br />
aktueller Messungen aus etwa 9000 Fuß Höhe<br />
den deutlich langsameren und tiefer fliegenden<br />
Zeppelin ins Zielgebiet, das der Segler<br />
jeden Tag aufs Neue auskundschaftet.<br />
Der ganze Standort strotzt vor Historie,<br />
hat Peenemünde doch im Zweiten Weltkrieg<br />
mit der Raketenversuchsanstalt sowie als<br />
Abschussbasis und später in der DDR als<br />
Luftwaffenstandort eine bewegte und nicht<br />
unumstrittene Geschichte. Gleichzeitig ist<br />
Peenemünde aber auch ein ganz normaler<br />
General-Aviation-Sonderlandeplatz, der alles<br />
vom UL bis zur Mehrmotorigen und vom<br />
Gyrocopter bis zum Hubschrauber aufneh<strong>aerokurier</strong><br />
<strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 37
[ FLYING ]<br />
Fotos: Uwe Stohrer<br />
[ 1 ]<br />
men kann. Dazu gibt es einen fantastischen<br />
Landeanflug vom Meer<br />
her. 2400 Meter Betonpiste stehen<br />
üblicherweise für Luftfahrzeuge bis<br />
5,7 Tonnen MTOW zur Verfügung.<br />
Mit PPR darf im Sonderfall sogar ein<br />
200 Tonnen schwerer Antonow-<br />
Transporter hier landen.<br />
Zuerst startet jeden Morgen die<br />
Stemme S10. Motorseglerpilot Martin<br />
Theis oder sein Fliegerkollege Nicolas<br />
Huhn gehen immer zusammen<br />
mit einem Wissenschaftler auf dem<br />
Copilotensitz der S10 in die Luft. „Wir<br />
fliegen jeweils ein vorgegebenes<br />
Gebiet über der Ostsee ab, das etwa<br />
30 mal 30 Kilometer groß ist“, erklärt<br />
Theis. Dieses Areal sucht die Stemme<br />
in FL 95 nach einem groben Raster<br />
ab, um mit Hilfe der Spezialkameras<br />
einen Wasserwirbel zu entdecken.<br />
Ist das der Fall, beginnt der Einsatz<br />
des Zeppelin NT, NT steht für „Neue<br />
Technologie“. Dieser ist inzwischen<br />
abflugbereit, und die Crew der Bodenmannschaft<br />
gibt das Zeichen zum<br />
Abheben. Mit Lösen einer Verbindungsleine<br />
trennt sich das Luftschiff<br />
von seinem auf einem Lkw befestigten<br />
Ankermast. Pilotin Kate Board<br />
schiebt die Gashebel nach vorn. Fast<br />
senkrecht steigt der Zeppelin brummend<br />
in den Himmel. Statt der sonst<br />
üblichen Rundfluggäste befinden sich<br />
mehrere Wissenschaftler an Bord. Für<br />
sie ist der Zeppelin die optimale Plattform,<br />
um kleinere Wasserwirbel in der<br />
Ostsee aufzuspüren und zu erforschen.<br />
PILOTIN KATE BOARD SCHIEBT DIE GASHEBEL NACH VORN.<br />
DER ZEPPELIN STEIGT FAST SENKRECHT IN DEN HIMMEL.<br />
38 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong><br />
Diese von etwa hundert Meter bis<br />
einige Kilometer großen Wirbel im<br />
Meer beeinflussen wahrscheinlich<br />
das Klima, sie haben zudem mit der<br />
Algenentstehung und damit auch der<br />
Nahrungsverteilung in den Weltmeeren<br />
zu tun. Ihre Erforschung steht<br />
allerdings erst ganz am Anfang. Die<br />
Spezialisten wählten deshalb die<br />
Ostsee als Einsatzgebiet aus, weil in<br />
diesem Binnenmeer der Einfluss von<br />
Gezeiten vernachlässigbar ist. Und<br />
da die kleinen Wasserwirbel immer<br />
nur einige Stunden bis maximal einen<br />
Tag existieren, sind sie schwer zu<br />
entdecken. Auch sind sie mit bloßem<br />
Auge nicht erkennbar. Die Wissenschaftler<br />
des Helmholtz-Zentrums für<br />
Küstenforschung in Geesthacht kommen<br />
ihnen allerdings mit speziellen<br />
Geräten auf die Spur. Das geschieht<br />
mit Hilfe hochempfindlicher Kameras<br />
im Zeppelin und in der Stemme S10,<br />
aber auch durch drei Begleitschiffe<br />
direkt in der Ostsee, die jeden Tag<br />
vom dänischen Bornholm aus starten.<br />
Sie werden vom Luftschiff aus dirigiert<br />
und nehmen mit<br />
geschleppten Unterwassersonden<br />
weitere Messungen<br />
vor. Die Wasserwirbel,<br />
so die Forscher, seien vergleichbar<br />
mit kleinen Zahnrädern in einem<br />
großen Getriebe des maritimen Wassertransports.<br />
Da sie wie ein Uhrwerk<br />
ineinander greifen, trägt das Forschungsprojekt<br />
auch den Titel „Uhrwerk<br />
Ozean“.<br />
Die Genauigkeit der Messungen<br />
mit Hilfe des Zeppelins ist um bis zu<br />
eine Million Mal höher als die Daten,<br />
die Satelliten liefern könnten. Aber<br />
nicht nur dadurch ist der normalerweise<br />
am Bodensee fliegende Zeppelin<br />
für diesen Forschungsauftrag<br />
prädestiniert. So kann er direkt über<br />
den Wasserwirbeln in der Luft stehen
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Die Stemme S10 VTX und der Zeppelin NT ergänzen sich gut. Da die Stemme<br />
eine Endurance von fünf Stunden besitzt, muss sie einmal am Tag zum Tanken und<br />
Pilotenwechsel nach Peenemünde zurückkehren. [ 2 ] Die Wissenschaftler des<br />
Helmholtz-Zentrums Geesthacht präparieren frühmorgens ihre Geräte und die<br />
Spezialkameras. [ 3 ] Der Zeppelin NT besitzt auch außen spezielle Messgeräte, um<br />
die Wasserwirbel zu dokumentieren.<br />
[ 3 ]<br />
bleiben und diese bis zu zehn Stunden<br />
nonstop verfolgen. Ein Hubschrauber<br />
hätte nicht so viel Platz an Bord für<br />
die Messgeräte und müsste nach<br />
wenigen Stunden Flug ständig zum<br />
Tanken zurück auf das Festland. Das<br />
Luftschiff kann stundenlang über dem<br />
entdeckten Phänomen schweben.<br />
Das gelingt während der Mission<br />
auch mehrere Male perfekt. Die Crew<br />
dirigiert nach Ausrichtung des Zeppelins<br />
auch die drei begleitenden<br />
Forschungsschiffe mitten in die Wasserwirbel<br />
hinein. Eine extrem empfindliche<br />
Infrarotkamera an Bord<br />
erstellt Temperaturkarten der Wasseroberfläche<br />
und macht dabei etwa<br />
100 Bilder pro Sekunde.<br />
Die zweite Thermalkamera misst<br />
Temperaturunterschiede mit einer<br />
Genauigkeit von 0,03 Grad. Nur durch<br />
diese Wärmeunterschiede im Wasser<br />
können die Wissenschaftler die<br />
Wirbel überhaupt aufspüren. Eine<br />
weitere Kamera bestimmt bis zu 1000<br />
verschiedene Bereiche des Lichtspektrums<br />
und dadurch die Färbung des<br />
Wassers. Mit dieser Untersuchung<br />
kommen die Forscher der Entstehung<br />
und dem Wachstum der Algen auf<br />
die Spur, die wiederum Meerestieren<br />
als Nahrung dienen.<br />
Den bis zu sechs Wissenschaftlern<br />
an Bord bleibt angesichts ihrer<br />
vielfältigen Aufgaben zwar wenig<br />
Zeit, sich für das Zeppelinfliegen zu<br />
begeistern, dennoch schätzen sie<br />
diese besondere Form der Fortbewegung.<br />
Die Sicht aus den großen<br />
Fenstern ist hervorragend, die Mannschaft<br />
muss während des Fluges auch<br />
nicht angeschnallt sein. Eine vollwertige<br />
Toilette steht der Crew bei mehrstündigen<br />
Einsätzen zur Verfügung.<br />
Abwechslungsreich für<br />
Mensch und Maschine<br />
Auch für die beiden Luftschiff-<br />
Führer, Zeppelin-Chefpilot Fritz Günther<br />
und seine Kollegin Kate Board,<br />
sind diese Flüge etwas Besonderes.<br />
Zwar kennen sie sich mit dem Fliegen<br />
über Wasser aus, doch hier an der<br />
Ostsee heißt es über offenes Meer<br />
zu schweben und statt einer vorgegebenen<br />
Flugroute spontan auf<br />
möglich vorkommende Wasserwirbel<br />
zu reagieren. So betont Fritz Günther:<br />
„Solche Forschungseinsätze sind für<br />
uns Piloten eine hochinteressante<br />
Abwechslung zu den Passagierflügen<br />
am Bodensee. Die geforderte Präzisionsfliegerei<br />
während einer Forschungsmission<br />
unterscheidet sich<br />
doch sehr stark von den touristischen<br />
Flügen.“ Die entdeckten Wasserwirbel<br />
zeigt ein zusätzliches Display im<br />
Panel separat an. So wissen die<br />
Piloten sofort, in welche Richtung die<br />
Forscher als Nächstes wollen.<br />
Normalerweise genügt im Zeppelin<br />
ein Pilot – man fliegt nach VFR<br />
und Single-hand. Da die Forschungsmissionen<br />
aber bis zu zehn Stunden<br />
nonstop dauern können, wechseln<br />
sich Kate Board und Fritz Günther<br />
öfter ab. Sie erklären: „Die physischen<br />
und psychischen Herausforderungen<br />
sind bei diesen wissenschaftlichen<br />
Einsätzen andere als bei einem Passagierflug,<br />
der nur zwischen 30 und<br />
<strong>12</strong>0 Minuten dauert. Ein Schwebeflug<br />
über Land fordert den Piloten deutlich<br />
weniger als ein punktgenauer Schwebeflug<br />
über dem offenen Meer.“<br />
Eine Hand bedient während des<br />
Fluges den Sidestick für die Steuerung,<br />
die andere die Hebel für Leistung und<br />
Schubrichtung der drei Motoren. Dazu<br />
kommt die eigens entwickelte<br />
Schubvektorsteuerung. Mit deren<br />
Hilfe erhöhen zwei Propeller am Heck<br />
die Manövrierbarkeit. Mit einer<br />
Reisegeschwindigkeit von rund 40<br />
Knoten kommen beim Zeppelin NT<br />
Sogar auf dem Handy<br />
eines Wissenschaftlers<br />
lassen sich die gesuchten<br />
Wirbel anzeigen.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 39
[ FLYING ]<br />
Fotos: Deutsche Zeppelin-Reederei, HZG | Dr. Torsten Fischer, Uwe Stohrer<br />
Der Flugplatz Peenemünde, links die Piste, atmet Luftfahrtgeschichte<br />
und bietet einen herrlichen An- oder Abflug.<br />
wie bei einem Flugzeug Seiten- und<br />
Höhenruder zum Einsatz. Diese lassen<br />
aber bei Geschwindigkeiten unter<br />
25 Knoten deutlich in ihrer Wirkung<br />
nach. Durch Schwenken eines Propellers<br />
im Heck nach unten kann man<br />
Von den Begleitschiffen geschleppte Spezialsonden ermitteln<br />
Daten mitten aus dem Wirbel.<br />
Die Wissenschaftler auf dem Zeppelin dirigieren das größte der<br />
drei beteiligten Forschungsschiffe bei „Uhrwerk Ozean“.<br />
die Nickbewegung des Luftschiffs<br />
verstärken oder verringern, ein zweiter<br />
Propeller dort wirkt ähnlich wie<br />
der Heckrotor eines Helikopters in<br />
lateraler Richtung. Beide Luftschrauben<br />
kompensieren im Langsamflug<br />
die nachlassende Wirkung der<br />
Ruderflächen und werden ebenso wie<br />
diese durch einen Sidestick vom<br />
Piloten angesteuert.<br />
Zudem sind die beiden seitlich am<br />
Rumpf angebrachten Motorgondeln<br />
mit ihren je 200 PS starken Lycomings<br />
so stark schwenkbar, dass der<br />
Zeppelin wie ein Hubschrauber oder<br />
Senkrechtstarter stehen bleiben oder<br />
notfalls sogar rückwärts fliegen kann.<br />
Dazu ist aber umfangreiche Flugerfahrung<br />
notwendig. Wohl auch<br />
deshalb gibt es weltweit mehr Astronauten<br />
als Zeppelinpiloten. Und<br />
wer vorne links im Luftschiff sitzen<br />
will, kann das auch nicht wie beim<br />
Segel-, Motor- oder Helikopterflug von<br />
der Pike auf lernen. Man muss schon<br />
einen CPL für Fläche oder Helikopter<br />
und einiges an Flugerfahrung<br />
mitbringen, um sich bewerben zu<br />
können. Dann findet bei Eignung und<br />
Bedarf eine Umschulung durch die<br />
Zeppelin-Reederei statt. Das dauert<br />
etwa ein Jahr, ein weiteres Jahr ist<br />
ein erfahrener Pilot immer noch mit<br />
an Bord, bevor der neue Luftschiffführer<br />
allein mit Passagieren auf<br />
Strecke darf. Derzeit gibt es bei der<br />
Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen<br />
sechs angestellte Piloten. Beim<br />
Verkauf eines neuen Luftschiffes findet<br />
auch das Einlernen neuer<br />
Piloten je nach Bedarf statt.<br />
Die Besonderheiten<br />
der Luftschiff-Fliegerei<br />
Helikopterpiloten tun sich nach<br />
Auskunft von Fritz Günther etwas<br />
leichter mit der Umschulung auf das<br />
Luftschiff als Umsteiger von der<br />
Fläche, weil sie mit Hovern oder<br />
sogar Rückwärtsfliegen bereits vom<br />
Hubschrauber her vertraut sind. Allerdings<br />
hat der 75 Meter lange und<br />
fast 18 Meter hohe Zeppelin ohnehin<br />
seine eigenen fliegerischen Besonderheiten.<br />
Er ist weniger wendig als<br />
andere Fluggeräte, weshalb man sehr<br />
vorausschauend fliegen muss.<br />
„In der Fliegerei ist es immer gut,<br />
einen Plan B zu haben. Beim Zeppelin<br />
ist es besser, auch einen Plan C<br />
und notfalls D zu haben“, betont<br />
Günther. Er vergleicht den Zeppelin<br />
NT mit seinen insgesamt 7400 Kubikmetern<br />
Helium zur Auftriebserzeugung<br />
deshalb auch scherzhaft mit<br />
einem Öltanker, der nach dem Befehl<br />
zum Stopp noch viele Kilometer weiter<br />
fährt, bis er tatsächlich stillsteht.<br />
Und anders als bei einem Prallluftschiff,<br />
40 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Für Urlauber auf den kleinen Ostsee-Inseln ist der Zeppelin<br />
wegen seiner langsamen Fahrt ein spektakulärer Anblick.<br />
Ob Bodensee oder Ostsee: Kate Board<br />
ist Fliegen über Wasser gewöhnt.<br />
das beim Passagierwechsel von bis<br />
zu einem Dutzend Mann mit Hilfe<br />
herunterhängender Seile „eingefangen“<br />
und damit stabilisiert wird, muss<br />
der Zeppelin-Kapitän mit nur vier<br />
Helfern auskommen und sein Schiff<br />
deshalb auch am Boden unter ständiger<br />
Kontrolle halten. Dafür senkt<br />
die kleine Bodencrew des Zeppelins<br />
die direkten Betriebskosten.<br />
Zwar fliegen die beiden deutschen<br />
Bodensee-Zeppeline NT nur nach VFR.<br />
Manchmal wird zu<br />
Übungszwecken auch<br />
ein ILS abgeflogen.<br />
Deshalb kommt es<br />
gut an, wenn sich auf<br />
eine Stelle bewerbende Piloten bereits<br />
ein Instrumentenflug-Rating vorliegen<br />
haben.<br />
Die drei für den Konzern Goodyear<br />
vorgesehenen Zeppeline, von<br />
denen sich bereits zwei in den USA<br />
im Einsatz befinden, sind sogar für<br />
Betrieb in IMC zugelassen und zertifiziert.<br />
Sie operieren dort bei den<br />
oft sehr langen Überführungsflügen<br />
auch unter IFR-Bedingungen. Das<br />
einzige No-go für den Zeppelin:<br />
Schnee. Denn der bleibt auf der Hülle<br />
liegen und könnte die empfindliche<br />
Balance möglicherweise außer Kontrolle<br />
bringen.<br />
Die Wissenschaftler versuchten<br />
während der fast zweiwöchigen Mission<br />
auf Usedom möglichst jeden Tag<br />
zu fliegen. Lediglich bei drohenden<br />
Unwettern und zu hohen Windgeschwindigkeiten<br />
musste der Zeppelin<br />
an seinem Ankermast in Peenemünde<br />
bleiben. Auch eine zu starke<br />
Bewölkung verfälscht die Messergebnisse.<br />
Der eine oder andere<br />
vorgesehene Flug fiel aus diesem<br />
Grund aus. Dennoch kamen mit Anund<br />
Abflug mehr als 77 Flugstunden<br />
zusammen.<br />
Für die beiden Piloten bedeutete<br />
das Fliegen über der Ostsee vor allem,<br />
sich noch genauer als sonst mit den<br />
Wetterprognosen zu beschäftigen.<br />
Während man am Bodensee in einem<br />
bekannten und relativ kleinräumigen<br />
Gebiet agiert, konnten die Ostsee-<br />
Einsätze nicht exakt im Voraus geplant<br />
werden. Man musste stets mit aufkommendem<br />
Sturm oder dem hier<br />
selbst im Sommer plötzlich auftretenden<br />
Seenebel rechnen. Der kann dazu<br />
führen, dass der Landeplatz in der<br />
dichten Suppe versinkt, während<br />
einige Meter höher strahlender Sonnenschein<br />
herrscht. Wachsamkeit von<br />
der Cockpitcrew ist also jederzeit<br />
gefordert.<br />
In Peenemünde diente die Kabine<br />
des Zeppelins nicht nur den Wissenschaftlern<br />
als Arbeits- und Forschungsplatz,<br />
sondern jede Nacht auch als<br />
Schlafstätte. Jemand aus der Bodencrew<br />
musste nämlich stets im Luftschiff<br />
übernachten und Wache halten.<br />
Der Zeppelin kann sich zwar flexibel<br />
rings um seinen Ankermast jeweils<br />
genau in den Wind drehen, um diesem<br />
möglichst wenig Angriffsfläche zu<br />
bieten, falls aber ein Unwetter droht<br />
WÄHREND DER GESAMTEN MISSION KAMEN MIT<br />
AN- UND ABFLUG MEHR ALS 77 FLUGSTUNDEN ZUSAMMEN<br />
oder plötzlich sehr starker Wind<br />
aufkommt, muss dieser Mitarbeiter<br />
die anderen Crewmitarbeiter und die<br />
Piloten alarmieren, um das riesige<br />
Luftschiff zusätzlich zu sichern. Dies<br />
war glücklicherweise nie nötig, auch<br />
wenn ein heftiges Gewitter ziemlich<br />
knapp am Flugplatz Peenemünde<br />
vorbeizog.<br />
Die Forscher haben die Vorzüge<br />
des Zeppelin NT für ihre Arbeit während<br />
der Mission zu schätzen gelernt.<br />
Ein Comeback des Luftschiffes als<br />
wissenschaftliche Plattform ist daher<br />
nicht ausgeschlossen. Piloten und<br />
Bodencrew fänden es ohnehin reizvoll,<br />
wieder über der offenen See in die<br />
Luft zu steigen.<br />
ae<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 41
[ UL/LSA Pilot Report ]<br />
Remos GxiS<br />
MÜHE LOS<br />
Fliegen leicht gemacht, das verspricht<br />
Remos für das Light Sport Aircraft GXiS.<br />
Wir haben das Versprechen mit dem Prototyp<br />
beim Hersteller in Pasewalk geprüft.<br />
AUTOR: Gerhard Marzinzik<br />
FOTOS: Remos<br />
42 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 43
[ UL/LSA Pilot Report ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
Es gibt Piloten, für die ein<br />
Motorflug erst dann zum<br />
Genuss wird, wenn sie sich<br />
intensiv als Maschinist einbringen<br />
können. Das heißt, für die<br />
jeweilige Flughöhe das Gemisch anpassen,<br />
für Start, Steig- und Reiseflug<br />
jeweils die Drehzahl des Propellers<br />
regulieren und zur Vergaservorwärmung<br />
greifen, wenn es mit reduzierter<br />
Leistung in den Sinkflug gehen<br />
soll. Ein Spornradfahrwerk darf es<br />
auch gerne sein, weil das ja viel mehr<br />
Können erfordert. Für Motorpiloten,<br />
die all diese Dinge nicht als Beitrag<br />
zum Flugvergnügen betrachten, arbeitet<br />
Remos in Pasewalk an der Zulassung<br />
der Remos GXiS, eines Schulterdeckers<br />
in Faserverbundbauweise,<br />
in der LSA-Kategorie.<br />
Der aus der Remos GXNXT, dem<br />
UL und LSA nach US-Bestimmungen,<br />
abgeleitete Zweisitzer GXiS nimmt<br />
dem PPL(A)-Piloten so gut wie alles<br />
ab, was vom Fliegen ablenken oder<br />
schon vor dem Start mit umständlichen<br />
Checkprozeduren nerven könnte. Nach<br />
dem Testflug für diesen Pilot Report<br />
kann die <strong>aerokurier</strong>-Redaktion das<br />
Fazit ziehen: Mit der GXiS ist in der<br />
Tat Fliegen pur angesagt. Böse Überraschungen<br />
hält sie nicht bereit. Soviel<br />
schon vorweg: In Start, Steig- und<br />
Reiseflug sowie im Anflug und bei<br />
der Landung ist die Neue aus dem<br />
Hause Remos ein völlig unproblematisches<br />
Flugzeug.<br />
Mit seiner wuchtigen Cowling mit<br />
dem großen Lufteinlass unterhalb des<br />
Propellers hebt sich das LSA von den<br />
UL-Schwestermodellen deutlich ab<br />
und signalisiert: „Seht her, ich bin<br />
ein vollwertiges Motorflugzeug!“ Die<br />
kantigere Motorverkleidung ist dem<br />
Rotax 9<strong>12</strong> iS Sport und seinem Kühlsystem<br />
geschuldet. Der Motor leistet<br />
zwar, wie sein Pendant mit Vergaser,<br />
100 PS, braucht aber dank elektronisch<br />
gesteuerter Einspritzung keine vom<br />
Piloten gehegte Gemischaufbereitung<br />
mit Vorwärmung oder Anpassung an<br />
die Dichtehöhe.<br />
Die Checkprozedur des Rotax 9<strong>12</strong><br />
iS hat es allerdings in sich. Da sind<br />
sehr viele Schritte abzuarbeiten. Remos<br />
wollte das den Piloten der GXiS<br />
nicht zumuten und entwickelte das<br />
„SMARTstart-System“. Der Anlassvorgang<br />
ist damit so einfach wie beim<br />
Auto. Sämtliche Systemchecks, um<br />
die sich sonst der Pilot kümmern<br />
müsste, laufen automatisiert ab.<br />
Das Cockpit hält sich denn auch<br />
mit Bedienelementen für das Trieb-<br />
44 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
[ 3 ]<br />
[ 1 ] Edles Interieur und Glascockpit: Auf der Mittelkonsole der Gasgriff, mit dem auch<br />
gebremst wird, und der Hebel für die Feststellbremse. [ 2 ] Der Mittelsteg beherbergt<br />
die wenigen notwendigen Bedienelemente für das Triebwerk. [ 3 ] Der Rotax iS Sport<br />
ist verantwortlich für die kantige Cowling. Dank der elektronisch gesteuerten Einspritzung<br />
ist er sparsamer als das gleich starke Schwestermodell mit Vergaser. [ 4 ] Die<br />
Remos GXiS mit eingefahrenen Spaltklappen im Steigflug.<br />
[ 4 ]<br />
werk zurück. Der Mittelsteg des<br />
Instrumentenpanels weist gerade mal<br />
das Zündschloss, den Starter- sowie<br />
Testknopf und die Warnanzeigen für<br />
die beiden Bordnetze auf. Die Triebwerksüberwachung<br />
erfolgt auf den<br />
großen Dynon-Bildschirmen. Mechanische<br />
Backup-Instrumente gibt es<br />
in dieser Ausstattung nur noch für<br />
Fahrt und Höhe.<br />
Für die Avionikausstattung des<br />
Prototyps hat Remos ganz hoch ins<br />
Regal gegriffen. Ein Garmin GTN 750,<br />
zentral zwischen den beiden 10-Zoll-<br />
Touchscreens des Dynon SV-D1000T/B<br />
platziert, dient als Flugmanagementsystem<br />
mit integrierter GPS-Navigation,<br />
Funkgerät, gegebenenfalls<br />
Funknavigation und Transponder.<br />
Über das GTN 750 wird in der Konfiguration<br />
auch der Dynon-Autopilot<br />
gesteuert. Die Stromversorgung dieses<br />
Avionikpakets stellen zwei Generatoren<br />
sicher. Mit optionaler Lederausstattung<br />
ist das Cockpit wertig<br />
gestaltet. Wer mit einem Pkw der<br />
Premiumklasse zum Flugplatz kommt,<br />
steigt nicht ab beim Einstieg in die<br />
GXiS. Zum Platznehmen öffnen einladend<br />
die Flügeltüren. Zuvor müssen<br />
aber die Sitze körpergerecht eingestellt<br />
werden, das ist nur am Boden möglich.<br />
Reisegepäck wird hinter dem<br />
Pilotensitz verstaut, auf der rechten<br />
Seite sitzt der Tank. Das Gepäckfach<br />
fasst 33 Kilogramm.<br />
Beim Einstieg die Beine um den<br />
Steuerknüppel fädeln, anschnallen<br />
MIT DEM SMART-START-SYSTEM WERDEN<br />
HANDHABUNG DES ROTAX IS SPORT UND DAS<br />
FLIEGEN MIT DER GXIS FAST ZUM KINDERSPIEL<br />
– und schon kann die GXiS in Betrieb<br />
genommen werden. Zunächst aber<br />
überrascht das Raumangebot. Im<br />
Schulterbereich misst das LSA 119<br />
Zentimeter und übertrifft damit manches<br />
ausgewachsene E-Klasse-Flugzeug.<br />
Allerdings sitzt man recht hoch,<br />
höher, als die Seitenfenster der Türen<br />
reichen. Für den Blick zur Seite muss<br />
sich etwas vorgebeugt werden. Nach<br />
vorn ist die Sicht ausgezeichnet. Zum<br />
hohen Komfort der GXiS gehört das<br />
gesteuerte Bugrad, mit dem auch<br />
engere Wenden möglich sind. Gebremst<br />
wird zentral über das Hauptfahrwerk<br />
mittels Gashebel! Zieht man<br />
das Gas ganz zurück, treten nach<br />
einem Widerstand die hydraulischen<br />
Scheibenbremsen in Aktion. Der erhöhte<br />
Kraftaufwand zum Bremseinsatz<br />
dürfte es auch ungeübten Flugschülern<br />
ermöglichen, mit Leerlaufleistung<br />
anzufliegen und ungebremst<br />
aufzusetzen. Für das Arretieren der<br />
Bremsen zum Parken dient der Feststellhebel<br />
auf der<br />
Mittelkonsole.<br />
Für den Start<br />
fahren die Spaltklappen<br />
elektrisch<br />
in die erste Stufe.<br />
Die Grenzgeschwindigkeiten<br />
werden an den Markierungen<br />
für die verschiedenen Stellungen<br />
angezeigt. Mit der Landestellung<br />
2 sind immerhin noch 78 Knoten<br />
möglich.<br />
Dass der Südwind, der an diesem<br />
Septembertag noch einmal Warmluft<br />
in den Norden schaufelt und für richtig<br />
sommerliche Temperaturen sorgt,<br />
böig und genau quer zur Piste 09/27<br />
in Pasewalk steht, ist für die GXiS<br />
kein Problem. Mit dosiertem Seiten-<br />
Auslösegriff unterm Dach:<br />
Sowohl die UL- als auch<br />
die LSA-Version haben ein<br />
Gesamtrettungssystem.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 45
[ UL/LSA Pilot Report ]<br />
[ 1 ]<br />
Daten Remos GXiS<br />
Hersteller: Remos AG, Franzfelde 31, 17309 Pasewalk, Zulassung: EASA<br />
CS-LSA, Sitzplätze: 1 + 1, Bauweise: Composite<br />
Antrieb<br />
HerstellerRotax<br />
Typ<br />
9<strong>12</strong> iS Sport<br />
Leistung<br />
74 kW / 100 PS<br />
Propeller DUC Hélices Flash<br />
Typ<br />
Dreiblatt, starr<br />
Durchmesser<br />
1,73 m<br />
Abmessungen<br />
Spannweite<br />
9,32 m<br />
Länge<br />
6,60 m<br />
Höhe<br />
2,28 m<br />
Flügelfläche 10,97 m 2<br />
Kabinenbreite <br />
1,19 m<br />
Massen und Mengen<br />
Leermasse<br />
Tankinhalt <br />
ab 340 kg<br />
84 l<br />
MTOM<br />
600 kg<br />
Flugleistungen<br />
Startrollstrecke<br />
93 m<br />
Startstrecke<br />
137 m<br />
Landerollstrecke<br />
77 m<br />
Landestrecke<br />
234 m<br />
V Reise bei 5000 U/min<br />
<br />
167 km/h (90 KTAS)<br />
Verbrauch<br />
18 l/h<br />
bei 5500 U/min 204 km/h (110 KTAS)<br />
Verbrauch<br />
25 l/h<br />
V NE <br />
249 km/h (134 KIAS)<br />
V S0 <br />
78 km/h (42 KIAS)<br />
V A <br />
163 km/h (88 KIAS)<br />
Preis<br />
LSA<br />
ab 196 500 Euro<br />
käme die GXiS über 1300 Kilometer<br />
weit. Der Griff zum Autopiloten erübrigt<br />
sich. Das Flugzeug behält<br />
stabil Kurs und Level bei.<br />
Wendig ist die GXiS trotzdem.<br />
Nahezu ohne Kraftaufwand lässt sie<br />
sich mit dem Querruder behände in<br />
einen Steilkreis rollen. Für das Ändern<br />
der Drehrichtung von Steilkreis zu<br />
Steilkreis wirft man sie mit einem<br />
Knüppelvollausschlag ganz einfach<br />
herum.<br />
Im Langsamflug zeigt sich das neue<br />
LSA ohne und mit Klappeneinsatz<br />
äußerst gutmütig. Bis lange nach dem<br />
Auftreten der ersten Warnsignale für<br />
den überzogenen Flugzustand lässt<br />
es sich steuern, ohne heftige Reaktionen<br />
zu zeigen. In der Konfiguration<br />
unseres Testflugs mit vorderer<br />
Schwerpunktlage zeigt es beim einsetzenden<br />
Strömungsabriss nur ein<br />
gemäßigtes Nicken. Mit einfachem<br />
Nachlassen des Höhenruders ist das<br />
Flugzeug schnell wieder unter Kontrolle.<br />
Mit den Boliden der UL-Szene muss<br />
sich der abgestrebte Schulterdecker<br />
allerdings nicht vergleichen. Reisen,<br />
nicht rasen ist hier – wie auch für<br />
manches altbekannte E-Klasse-Flugsteuer<br />
spurt sie im Startlauf exakt<br />
über die Bahnmitte bis zum Abhebepunkt,<br />
der auch bei Ausnutzung des<br />
maximalen Startgewichts von 600<br />
Kilogramm – die UL-Herkunft lässt<br />
grüßen – nach kurzer Beschleunigungsstrecke<br />
erreicht ist. Mit 60<br />
Knoten klettern wir mit rund 700 ft/<br />
min auf Reiseflughöhe. Die Klappen<br />
sind wieder eingefahren, und bei 5500<br />
U/min der Kurbelwelle, der maximalen<br />
Dauerleistung (98 PS) des Rotax<br />
9<strong>12</strong> iS, befinden sich alle Triebwerksparameter<br />
im grünen Bereich. Der<br />
starre CFK-Dreiblattpropeller von DUC<br />
schnurrt im Verhältnis 1:2,43 untersetzt<br />
mit 2260 Touren. Der aus dem<br />
UL-Bereich stammende Propeller hat<br />
sich in der Flugerprobung als beste<br />
Allround-Lösung gegenüber der ursprünglich<br />
vorgesehenen Constant-<br />
Speed-Luftschraube durchgesetzt –<br />
zudem ist der Propeller EASA-zertifiziert.<br />
Gut für die Besatzung, sie muss<br />
einen Hebel weniger bedienen.<br />
In 4500 Fuß levele ich aus und<br />
lasse die GXiS erst einmal sparsam<br />
cruisen. Bei rund 90 Knoten (TAS)<br />
zeigt das Dynon einen Spritverbrauch<br />
von zirka 10 l/h. Der Motor verträgt<br />
Avgas und Mogas. Bei vollem Tank<br />
46 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
[ 3 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Die Remos GXiS in der Rotation. Sie lässt sich ohne gesetzte Klappen fast<br />
ebenso gut starten wie mit gefahrenen Flaps. Wird beim Start beziehungsweise<br />
bei der Landung zu stark gezogen, verhindert ein Schleifsporn Beschädigungen.<br />
[ 2 ] Vier Arme halten die Spaltklappen, die deutlich den Widerstand erhöhen und<br />
steile Anflüge ermöglichen. [ 3 ] Beim Landescheinwerfer in der Flügelvorderkante<br />
setzt Remos auf stromsparende LEDs. [ 4 ] Auch in den Flügelrandbögen wird<br />
für die Positionslichter LED-Technik genutzt.<br />
[ 4 ]<br />
zeug – angesagt. In 4500 Fuß schafft<br />
die GXiS mit 5000 U/min immerhin<br />
etwas über 100 KTAS (rund 190 km/h).<br />
Passables Vorankommen ist dann<br />
auch noch mit einem Verbrauch von<br />
17 l/h gewährleistet.<br />
Bei nicht allzu üppiger Avionikausstattung<br />
kann auch noch richtig<br />
zugeladen werden. Leer bringt die<br />
GXiS dann 340 Kilogramm auf die<br />
Waage, bleiben bei vollem Tank (60<br />
kg) 200 Kilogramm für Besatzung und<br />
Gepäck. Das ist ein gutes Argument<br />
für die LSA-Version der GXiS, die auch<br />
mit einer UL-Zulassung angeboten<br />
werden soll, dann aber auf 472,5 Kilogramm<br />
Maximalmasse beschränkt<br />
ist. Das Gesamtrettungssystem<br />
von BRS gibt es<br />
im Übrigen für beide Zulassungsvarianten.<br />
Das Ende des Testflugs<br />
setze ich mit ein paar Landeübungen<br />
auf der 27 und<br />
der 09, der Wind kommt<br />
ja exakt quer. Dass er sich<br />
böig gibt, ist für die GXiS<br />
kein Problem. Exakt lässt<br />
sie sich auf der Anfluggrundlinie<br />
halten und dann<br />
sanft hinsetzen. Die voll<br />
Fazit<br />
ausgefahrenen Spaltklappen ermöglichen<br />
steile Anflüge, selbst slippen<br />
lässt sie sich damit. Verkorkste Anflüge<br />
lassen sich somit noch retten.<br />
Mein Fazit: Warum sollte Motorfliegen<br />
schwerer sein? Die Remos<br />
GXiS ist ein einfach zu handhabendes<br />
Hightech-Gerät mit passabler Reiseleistung.<br />
Seinen Preis hat das allerdings.<br />
Remos ruft für das LSA in der<br />
Basiskonfiguration mit dem 10-Zoll-<br />
Dynon HDX (ohne GTN 750) 196 000<br />
Euro inklusive Steuern auf. Sparen<br />
lässt sich im Flugbetrieb mit dem<br />
niedrigen Verbrauch und bei der Unterstellung<br />
dank des anklappbaren<br />
Flügels.<br />
ae<br />
• einfaches Handling<br />
• Motorchecks automatisiert<br />
• anklappbare Tragflächen<br />
• Sitze nur am Boden verstellbar<br />
• Sicht zu den Seiten hin etwas<br />
eingeschränkt<br />
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[ UL/LSA Pilot Report ]<br />
Offenes<br />
Nebeneinander<br />
Trixy Spirit<br />
Foto: Toni Ganzmann<br />
48 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Tragschrauber mit<br />
offenem Cockpit gibt<br />
es einige, bislang<br />
aber nur als Tandem.<br />
Mit dem Spirit macht<br />
Trixy nun den Weg<br />
frei für das luftige<br />
Nebeneinander.<br />
Wenn man eine Weltneuheit<br />
präsentiert, dann<br />
braucht das auch einen<br />
entsprechenden Rahmen, erklärt<br />
Rainer Farrag, Inhaber von Trixy<br />
Aviation. Und der „Spirit“ ist in<br />
der Tat solch ein Novum. Zweisitzige<br />
Tragschrauber mit offenem<br />
oder geschlossenem Cockpit, in<br />
denen man hintereinander sitzt,<br />
gibt es schon lange. Auch geschlossene<br />
Side-by-side-Sitzer sind keine<br />
Seltenheit mehr. Doch einen<br />
offenen Tragschrauber, in dem man<br />
nebeneinander sitzt, gibt es mit<br />
offizieller Zulassung erst seit dem<br />
8. Oktober. Damit das offizielle<br />
Roll-out auch eine adäquate Vorstellung<br />
bekommt, lud der Unternehmenschef<br />
über 300 honorige<br />
Gäste aus Luftfahrt, Wirtschaft und<br />
Politik an den Flugplatz Slovenske<br />
Konjice, 75 Kilometer nordöstlich<br />
von Ljubljana, ein.<br />
Rassiger Sportwagen<br />
mit Rotorblättern<br />
Weniger ist manchmal mehr:<br />
Der Spirit kommt mit<br />
offenem Maschinenraum<br />
sehr puristisch daher.<br />
Im Gegensatz zu den Tragschraubermodellen<br />
der Mitbewerber<br />
kann man das Design des<br />
Spirit mit dem eines rassigen<br />
Sportwagens vergleichen. Er ist<br />
sehr flach und hat vor jedem Sitzplatz<br />
eine separate Windschutzscheibe.<br />
Der dreiseitig abgestrebte<br />
Mast trägt auf halber Höhe einen<br />
mit einem Zusatzgebläse gekühlten,<br />
<strong>12</strong>0 PS starken Zweizylinder-<br />
Boxermotor mit BMW-Technologie<br />
und das von Trixy erprobte und<br />
ausgereifte Rotorsystem mit fester<br />
Vorrotationswelle. Push-Pull-Kabelzüge,<br />
die mit einem Steuerknüppel<br />
auf der Mittelarmlehne verbunden<br />
sind, ersetzen das sonst übliche<br />
Steuergestänge.<br />
Das Platzangebot ist bei beiden<br />
Sitzen enorm, und selbst große<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 49
[ UL/LSA Pilot Report ]<br />
Fotos: Toni Ganzmann, Peter Zanetti (1)<br />
Side-by-Side im Lauf der Zeit<br />
Auch wenn der Spirit der erste zugelassene Tragschrauber mit<br />
offenem Cockpit und Side-by-Side-Anordnung ist, gab es die<br />
Idee des luftigen Nebeneinanders schon früher. So baute und<br />
vermarktete die VPM Company, das Vorgängerunternehmen<br />
des italienischen Tragschrauberherstellers Magni Gyro, Anfang<br />
der 90er Jahre einen entsprechenden Gyro. Rund 50 dieser<br />
Geräte gingen nach Italien, Frankreich, Großbritannien, Spanien,<br />
Deutschland und Südafrika. Da es seinerzeit keine Zulassungsbestimmungen<br />
für Tragschrauber gab, verkaufte die VPM Company<br />
dieses Muster als Entwurf. Die lokalen Händler erhielten<br />
ein Permit to fly auf Basis der luftrechtlichen Bestimmungen der<br />
jeweiligen Staaten.<br />
Menschen bekommen ihre Beine<br />
problemlos unter das Panel. Sitzt<br />
man zu zweit im Flieger, gibt es<br />
keine Berührung mit der Nachbarschulter.<br />
Der rechte Arm des Piloten<br />
kann entspannt auf der Mittelarmlehne<br />
liegen und den Steuerknüppel<br />
führen, ohne beim<br />
Ziehen mit dem Ellbogen an die<br />
Rückwand zu geraten. Am Stick<br />
selbst befindet sich neben der<br />
elektrischen Trimmung auch der<br />
Handhebel für die hydraulische<br />
Bremse des Hauptfahrwerks.<br />
Die Motorleistung regelt man<br />
über ein Drehgas an der linken<br />
Seite des Panels. Auf der Instrumententafel<br />
sind standardmäßig<br />
Kombiinstrumente für Flugbetriebsdaten<br />
und das Funkgerät platziert.<br />
In der Mitte befinden sich die Sicherungen<br />
sowie ein Farbdisplay<br />
mit Anzeigen für Motorbetriebsdaten.<br />
Im hinteren Bereich der<br />
Mittelkonsole liegt der Tankwahlschalter<br />
und an der Rückwand das<br />
Schaurohr für den Tankinhalt.<br />
Die Gewichtsbilanz des mit 560<br />
Kilogramm zugelassenen Tragschraubers<br />
ist bemerkenswert: Die<br />
Leermasse beträgt 264 Kilogramm.<br />
Rechnet man für zwei schwergewichtige<br />
Insassen 200 Kilogramm<br />
und addiert für den vollen 80-Liter-<br />
Tank 60 Kilo, verbleiben ungefähr<br />
30 Kilogramm für Gepäck. Dafür<br />
ist reichlich Platz vorhanden: Unter<br />
der Schnauze gibt es ein leicht<br />
zugängliches Staufach, außerdem<br />
je eines hinter den beiden Rückenlehnen<br />
und hinter den Sitzen noch<br />
einen aufklappbaren Kofferraum.<br />
Rekordzeit bis zur<br />
Zulassung<br />
Der Trixy Spirit erfüllt nicht nur<br />
die Bedingungen der deutschen<br />
Bauvorschrift (BUT), sondern auch<br />
die Regeln der englischen Section<br />
T. Alle Belastungstests hat er problemlos<br />
bestanden. Selbst mit<br />
etwa zehn Prozent Überschreitung<br />
der Lastforderungen entstanden<br />
keine Deformierungen oder Beschädigungen.<br />
Wie bei den anderen Trixy-<br />
Entwicklungen schafften Rainer<br />
50 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
[ 1 ]<br />
[ 1 ] Das Rumpfboot erinnert ein<br />
bisschen an einen Autoscooter, die<br />
Lackierung verstärkt diesen<br />
Eindruck. [ 2 ] Der Besucherandrang<br />
beim Erstflug beweist, dass<br />
das Interesse am offenen Side-by-<br />
Side-Tragschrauber groß ist.<br />
[ 3 ] Modenschau mit Trixy-Chef:<br />
Rainer Farrag zeigt einen speziellen<br />
Poncho, der am Cockpit angezippt<br />
werden kann. So ist die Spirit-<br />
Besatzung bei schlechtem Wetter<br />
vor Nässe geschützt. [ 4 ] Der Spirit<br />
verfügt im Bug und im Heck über<br />
reichlich Stauraum für Gepäck.<br />
[ 2 ] [ 3 ]<br />
[ 4 ]<br />
Farrag und seine Crew auch beim<br />
Spirit wieder eine Rekordzeit bis<br />
zur Erteilung der vorläufigen Verkehrszulassung.<br />
„Wir haben vor<br />
genau einem Monat mit dem Bau<br />
der Form begonnen, und jetzt, nach<br />
nur vier Wochen, fliegt die Maschine!“,<br />
stellt Davorin Podpecan, der<br />
Betriebsleiter des Unternehmens,<br />
stolz fest. Denn in dieser kurzen<br />
Zeit ein Luftfahrzeug durch das<br />
umfangreiche Zulassungsverfahren<br />
bis zum Erstflug zu bringen, ist<br />
eine ungeheure Leistung. Die ersten<br />
Rollversuche führte der Werkspilot<br />
Dr. Michael Ullrich am Nachmittag<br />
vor dem feierlichen Roll-out<br />
durch. Gegen Abend waren dann<br />
schon kurze Flüge entlang der<br />
Startbahn in niedriger Höhe möglich,<br />
und am nächsten Vormittag<br />
gestattete das Feintuning bereits<br />
ausgiebige Platzrundenflüge. Nachmittags<br />
konnten die Gäste den Trixy<br />
Spirit schließlich im endgültigen<br />
Outfit bei Demonstrationsflügen<br />
bewundern. Auch der wolkenlose<br />
Himmel begünstigte ein optimales<br />
Gelingen der Veranstaltung.<br />
Damit der Gyro bei schlechten<br />
Wetterlagen nicht am Boden bleiben<br />
muss, ist als Zusatzausstattung<br />
neben einer Heizung auch ein<br />
speziell entwickelter Mantel erhältlich,<br />
der sich mittels Klettbandsaum<br />
mit der Zelle verbinden<br />
lässt. So bleiben Innenraum und<br />
Besatzung warm und trocken.<br />
Bemerkenswert am neuen Trixy<br />
ist auch der avisierte Preis: Der<br />
Spirit soll in der flugfertigen Basisausstattung<br />
netto weniger als 40000<br />
Euro kosten.<br />
ae<br />
Toni Ganzmann<br />
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[ UL/LSA Helikopter ]<br />
Die VD-100 soll sich auch als<br />
leichter Beobachtungshelikopter<br />
und für den Polizeieinsatz eignen.<br />
Foto: Valerian Design<br />
Projektbericht VD-100<br />
Leicht, schnell, innovativ<br />
Mit der VD-100 will Valerian Design nicht nur im neuen Markt -<br />
segment der Ultraleichthubschrauber mitmischen, sondern<br />
vorweg gehen. Zwölf Patente hat der Hersteller angemeldet.<br />
Die größte Hürde steht allerdings noch aus: der Erstflug.<br />
Die Firma Valerian Design<br />
aus Lichtenfels, Oberfranken,<br />
hat gerade die äußerst<br />
interessante Hightech-Konstruktion<br />
VD-100 vorgestellt, die vom<br />
Entwurf und der Leistung her nicht<br />
nur als Spaßflieger gedacht ist. Die<br />
komplett aus Carbon gefertigte,<br />
zweisitzige und mit Doppelsteuer<br />
ausgerüstete VD-100 wird unter<br />
anderem als leichter Beobachtungshubschrauber<br />
deklariert und soll<br />
auch für Polizeieinsätze und weiterführende<br />
Aufgaben geeignet<br />
sein. Die avisierte Kunstflugtauglichkeit<br />
sei nur am Rande erwähnt.<br />
Komplett in Lichtenfels entworfen,<br />
konstruiert und gebaut, wird<br />
der Helikopter mit neuesten Technologien<br />
bestückt, und allein die<br />
zwölf angemeldeten Patente für<br />
dieses Fluggerät lassen Rückschlüsse<br />
auf den hohen Status der Entwicklung<br />
zu. Ein Vierzylinder-V-<br />
Motor mit 210 PS, einem Hubraum<br />
von 1400 Kubikzentimetern und<br />
einem Gewicht von nur 59 Kilogramm<br />
treibt den Hauptrotor an.<br />
Dazu sorgen an den Stummelflügeln<br />
zwei Jettriebwerke der Firma Jetcat<br />
für zusätzlichen Vortrieb. Bei<br />
73 Prozent Leistungseingabe soll<br />
das Haupttriebwerk nicht mehr als<br />
6,5 l/h verbrauchen, die beiden<br />
Jetmotoren zusammen etwa 4,5<br />
l/h. Die Besonderheit: Im Flug lässt<br />
sich der Motor in den Leerlauf<br />
runterfahren, und die beiden Jets<br />
bewegen den VD-100 wie einen<br />
Gyrocopter im Sparflug weiter. Die<br />
rechnerische Reichweite: 1400<br />
Kilometer. Bei Kopplung beider<br />
Antriebssysteme wird laut Hersteller<br />
eine Reisegeschwindigkeit<br />
von mehr als 170 Knoten erreicht<br />
werden, die Dienstgipfelhöhe wird<br />
mit 7500 Meter angegeben. Vier<br />
Computer übernehmen das gesamte<br />
Motormanagement, die Fly-by-<br />
Wire-Steuerung, die Navigation<br />
und die Flugregelung. Dadurch<br />
sollen vollautomatische Flüge vom<br />
Abheben bis zum Aufsetzen möglich<br />
werden. Der Pilot wird zum<br />
Programmierer. Wer nun die Erwähnung<br />
des Heckrotorgetriebes<br />
vermisst – es gibt gar keins.<br />
Elektroantrieb für<br />
den Heckrotor<br />
Der Heckrotor wird direkt über<br />
einen Elektromotor angetrieben<br />
und via Datenleitung angesteuert.<br />
Wie beim gelenklosen und ungedämpften<br />
Hauptrotor auch leiten<br />
Servomotoren die Steuerimpulse<br />
für die Blattverstellung an die Taumelscheibe.<br />
Das spart überflüssige<br />
Mechanik und dadurch Gewicht.<br />
Der Rettungsfallschirm auf dem<br />
Rotorkopf dreht sich im Flug nicht<br />
mit, sondern ist auf einem starren<br />
Rohr montiert, welches durch Rotorwelle<br />
und Getriebe am unteren<br />
Rumpfsegment zusammen mit den<br />
Sicherungsleinen verankert ist. Die<br />
Gestaltung von Cockpit und Panel<br />
lässt viel Spielraum für Käuferwünsche.<br />
Zwischen einem und drei<br />
elektronischen Fluginstrumenten<br />
(EFI), inklusive Notinstrumentierung,<br />
sind möglich. Wer aber lieber mit<br />
einem Uhrenladen fliegen möchte<br />
– auch das ist machbar. Im Übrigen<br />
können je nach Kundenvorstellungen<br />
viele Wünsche erfüllt werden.<br />
So kann man zum Beispiel zwischen<br />
einem Kufenlandegestell und einem<br />
Radfahrwerk wählen und bei der<br />
Innenausstattung seinen Farbvorstellungen<br />
freien Lauf lassen.<br />
Viele innovative Ideen wurden<br />
mit der VD-100 verwirklicht und<br />
eine aufwendige Entwicklungsarbeit<br />
geleistet. Hier soll ein Hightech-Leichthubschrauber<br />
auf den<br />
Markt kommen, der den Traum<br />
vom Helikopterfliegen zu erschwinglichen<br />
Konditionen möglich<br />
machen könnte. Die Betriebskosten<br />
werden mit 150 Euro pro<br />
Flugstunde und der Kaufpreis mit<br />
150 000 Euro veranschlagt.<br />
Aber auch die Konkurrenz schläft<br />
nicht, und man darf gespannt sein,<br />
was die UL-Helikopterszene in<br />
Zukunft noch zu bieten hat. Der<br />
<strong>aerokurier</strong> wird die ersten Testflüge<br />
der VD-100 verfolgen und<br />
darüber berichten, ob die hochgesteckten<br />
Ziele tatsächlich auch<br />
erreicht werden.<br />
ae<br />
Rainer Herzberg<br />
52 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
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[ BUSINESS AVIATION Flugzeugreport ]<br />
Pilatus PC-24<br />
SCHWEIZER<br />
Die PC-24, der erste Business Jet aus der Schweiz, liegt in der<br />
Erprobung im Plan. Die Übergabe der ersten Exemplare des<br />
„Super Versatile Jet“ an die Kunden soll Ende 2017 erfolgen.<br />
AUTOR: Max Kühnl<br />
FOTOS: Pilatus<br />
Der erste Prototyp der PC-24 beim<br />
Jungfernflug mit ausgefahrenen Landeklappen<br />
über den Schweizer Alpen.<br />
54 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
UHRWERK<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 55
[ BUSINESS AVIATION Flugzeugreport ]<br />
Die Ausstattungslinien<br />
der Kabine heißen<br />
„Zermatt“, „St Moritz“<br />
oder „Aspen“ und<br />
sollen Geborgenheit<br />
vermitteln.<br />
Der Zähler in der Pilatus<br />
PC-24, dem ersten Business<br />
Jet aus Schweizer Produktion,<br />
steht bei etwas über<br />
700 Flugstunden in 400 Flügen. Damit<br />
liegen die Eidgenossen, die bisher<br />
vor allem durch ihre robuste Turboprop<br />
PC-<strong>12</strong> bekannt sind, exakt im<br />
Zeitplan der Erprobung.<br />
Seit dem Erstflug des Prototyps<br />
im Mai 2015 läuft das Erprobungsund<br />
Zulassungsprogramm wie am<br />
Schnürchen. Bereits nach der Premiere<br />
jubelte Paul Mulcahy, einer der<br />
sechs Testpiloten: „Der Jet ist ein<br />
typisches Pilatus-Flugzeug.“ So ist<br />
die Testmannschaft bislang auch noch<br />
auf keine eklatanten Probleme gestoßen.<br />
„Natürlich haben wir einzelne<br />
Punkte bemerkt“, berichtet Verwaltungsratspräsident<br />
Oscar Schwenk.<br />
PILATUS RUFT MIT DER PC-24<br />
EINE EIGENE KLASSE INS LEBEN<br />
„Aber der Sinn eines Prototyps ist ja,<br />
diese Dinge zu erkennen und anschließend<br />
abzustellen.“<br />
Pilatus spart nicht an vollmundigen<br />
Ankündigungen, wenn es um den<br />
ersten eigenen Jet geht. Er sei einmalig,<br />
da er die Vielseitigkeit einer<br />
Turboprop mit der Kabinengröße<br />
eines Medium-Light-Jets und den<br />
Leistungsdaten eines Light-Jets kombiniere.<br />
Daher passe die PC-24 nicht<br />
in die bestehenden Kategorien. So<br />
kreierte Pilatus für die PC-24 kurzerhand<br />
die Kategorie „Super Versatile<br />
Jet“. Auf Deutsch bedeutet das „super<br />
vielseitiger Business Jet“.<br />
Fakt ist, dass die PC-24 mit ihrer<br />
Länge von knapp 17 Metern exakt<br />
zwischen einer Cessna Citation XLS<br />
(16 Meter) aus dem Light-Jet-Sektor<br />
und der Citation Latitude (19 Meter)<br />
aus der Medium-Kategorie liegt. Auch<br />
den Bestseller aus der Marktmitte,<br />
die Embraer Phenom 300, überragt<br />
der Schweizer Newcomer um gute<br />
eineinhalb Meter. In der Kabine ist<br />
Platz für sechs Passagiere in einer<br />
Clubanordnung mit einer dahinterliegenden<br />
Zweier-Sitzreihe. In der<br />
Phenom 300 finden die Fluggäste<br />
exakt das gleiche Layout vor. Das<br />
kann die XLS mit ihrem ausgeklügelten<br />
Raumkonzept und einer vorn längs<br />
montierten Sitzbank allerdings besser:<br />
[ 1 ]<br />
56 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Am 1. August 2014 wurde die erste PC-24 im Rahmen einer großen<br />
Feier aus der Produktionshalle am Heimatflughafen in Stans gerollt.<br />
[ 2 ] Das Cockpit folgt mit dem Honeywell Primus System dem aktuellen<br />
Standard mit konfigurierbaren Displays. [ 3 ] Die PC-24 liegt mit ihrer<br />
Länge von 17 Metern genau zwischen einer Cessna XLS (16 Meter) und<br />
einer Citation Latitude (19 Meter).<br />
[ 3 ]<br />
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Platz, die aber nicht alle in<br />
großzügig verstellbaren Einzelsesseln<br />
entspannen können.<br />
Alleinstellungsmerkmal der<br />
PC-24 ist der große Frachtraum<br />
hinter der Kabine. Er ist über ein<br />
eigenes Frachttor (1,25 x 1,30 m)<br />
zugänglich und erstreckt sich über<br />
den gesamten Rumpfquerschnitt.<br />
Im Cockpit treffen die beiden<br />
Piloten auf neueste, zusammen<br />
mit Honeywell entwickelte Avionik,<br />
wobei der Jet auch für Single-Pilot-Betrieb<br />
zugelassen ist,.<br />
Das Pilatus „Advanced Cockpit<br />
Environment“ (ACE) basiert auf<br />
dem Primus Apex und verfügt<br />
über vier große Displays, die mit<br />
ihren Einblendungsfunktionen<br />
dem Klassenstandard entsprechen.<br />
Highlights sind ein boden- und<br />
satellitenunabhängiges, internes<br />
Navigationssystem (IRS) sowie<br />
das serienmäßige Synthetic-Vision-System<br />
und die automatische<br />
Schubregelung. Das maximale<br />
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[ BUSINESS AVIATION Flugzeugreport ]<br />
entspricht nahezu exakt dem Wert<br />
der Phenom. Die amerikanische Konkurrenz<br />
übertrifft die PC-24 allerdings<br />
um eine (XLS) beziehungsweise fünf<br />
Tonnen (Latitude). Da die Pilatus auch<br />
mit einem begrenzten Kraftstoffvorrat<br />
von 2,7 Tonnen auskommen muss,<br />
liegt ihre Reichweite bei voller Beladung<br />
bei 3300 Kilometern. Die<br />
Embraer Phenom 300 kommt 300 Kilometer<br />
weiter, während die XLS noch<br />
einmal 200 Kilometer mehr zu fliegen<br />
DIE ERSTEN DREI PRODUKTIONS-<br />
JAHRE SIND AUSVERKAUFT<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Auf Naturpisten kann<br />
die PC-24 ebenfalls landen,<br />
was sie für den Einsatz in<br />
raueren Gefilden prädestiniert.<br />
Mit dieser Fähigkeit<br />
setzt sie sich von der<br />
Konkurrenz ab. [ 2 ] Der<br />
Erstflug der Pilatus PC-24<br />
HB-VXA fand am 11. Mai<br />
2015 in Buochs statt.<br />
vermag. Ihre große Schwester ist<br />
gleichwohl mit einem Aktionsradius<br />
von 5200 Kilometern ungeschlagen.<br />
Interessant ist dabei, dass die<br />
kleine PC-24 mit einer maximalen<br />
Nutzlast von 1135 Kilogramm auf dem<br />
Niveau der deutlich größeren Citation<br />
Latitude liegt. Doch hier kann<br />
die Phenom 300 noch tapfer mithalten.<br />
Bei der großgeschriebenen Vielseitigkeit<br />
fährt die Pilatus neben dem<br />
Frachttor dann noch einen weiteren<br />
Trumpf auf: Als einziger Business Jet<br />
ist sie für den Einsatz auf unbefestigten<br />
Naturpisten geeignet! Damit<br />
wird die PC-24 auch für Einsätze<br />
beispielsweise der „Flying Doctors“<br />
in Australien und Afrika interessant.<br />
Zusammen mit einer Startstrecke von<br />
820 Metern unter Standardbedingungen<br />
eröffnen sich für den Besitzer des<br />
„Super Versatile Jet“ rund doppelt<br />
so viele ansteuerbare Flughäfen wie<br />
für die Konkurrenzmodelle. Möglich<br />
machen diese Fähigkeiten die beiden<br />
FJ-44-4A-Triebwerke von Williams<br />
International mit jeweils 15,<strong>12</strong> Kilonewton<br />
Schubleistung.<br />
Im November 2017 soll es dann so<br />
weit sein: Ziemlich genau zwei Jahre<br />
nach Beginn des Testprogramms<br />
[ 1 ]<br />
will Pilatus den ersten Jet an einen<br />
Kunden übergeben, und zwar an<br />
PlaneSense in den USA. Die Produktion<br />
über die ersten drei Jahre – in<br />
Zahlen sind das 84 Flugzeuge – konnte<br />
der Hersteller innerhalb weniger<br />
Tage nach der Vorstellung auf der<br />
EBACE 2014 verkaufen. Darunter<br />
seien neben Flottenkunden auch Privatleute<br />
wie der ehemalige Nestlé-<br />
Chef und Privatpilot Peter Brabeck-<br />
Letmathe. In einem Interview mit dem<br />
Schweizer Magazin „Blick“ sagte er,<br />
er wolle den Jet künftig zum Pendeln<br />
zwischen seiner Heimat und seinem<br />
Domizil auf Ibiza nutzen.<br />
Doch bis es so weit ist, muss die<br />
PC-24 für die Zulassung durch die<br />
EASA rund 1700 Flugstunden absolvieren.<br />
Nachdem im November 2015<br />
ein zweiter Prototyp zum ersten Testflugzeug<br />
hinzugestoßen ist, soll bis<br />
Ende dieses Jahres noch ein dritter<br />
folgen. Die Hälfte des Programms<br />
findet dabei in der Schweiz statt, die<br />
andere Hälfte in Spanien (Granada-<br />
Jaén, mit Lufträumen auch über dem<br />
Mittelmeer), Schottland und den USA.<br />
So war der Prototyp P02 im Sommer<br />
für Systemtests bei Honeywell in<br />
Phoenix und zuvor in der Klimakammer<br />
der US Air Force auf der Eglin<br />
AFB in Florida.<br />
Die Zeichen stehen also gut, dass<br />
die PC-24 ihren Weg zur Zulassung<br />
so zuverlässig und reibungslos abspult<br />
wie ein Schweizer Uhrwerk. ae<br />
58 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
WONSAN AIR FESTIVAL<br />
Nordkoreas erste Airshow<br />
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[ BUSINESS AVIATION Messe ]<br />
NBAA in Orlando<br />
Evolution statt Revolution<br />
Eine richtige Sensation gab es auf der diesjährigen NBAA<br />
in Orlando nicht. Viele Hersteller zeigten Updates ihrer Muster.<br />
Bei der Vermarktung allerdings will die Branche neue Wege gehen<br />
und sich an Sharing-Konzepten wie dem von Uber orientieren.<br />
Tausende Besucher und Aussteller<br />
aus mehr als 90<br />
Ländern fanden sich Anfang<br />
November in den Hallen des Convention<br />
Center in Orlando, Florida,<br />
zum Branchentreff, der NBAA‘s<br />
Business Aviation Convention &<br />
Exhibition, ein. Das Außengelände<br />
auf dem Executive Airport war<br />
mit 114 ausgestellten Mustern<br />
vollständig ausgebucht. „In der<br />
Messehalle und am Flugplatz be-<br />
zeugte die Anzahl der Besucher<br />
und Aussteller den Erfolg der<br />
NBAA-BACE“, verkündete NBAA-<br />
Vorstand und CEO Ed Bolen. „Mindestens<br />
genauso wichtig ist, dass<br />
dadurch deutlich wurde, wie<br />
umfangreich die Industrie ist und<br />
welchen Stellenwert sie nach wie<br />
vor am US- und Weltmarkt besitzt.<br />
Der Schweizer Hersteller Pilatus<br />
war mit seinen beiden Neuheiten<br />
am Start: Der zweite PC-24 Prototyp,<br />
P02, hatte sein aktuell laufendes<br />
Testflugprogramm unterbrochen<br />
und war am Mittwoch am<br />
Messestand der Schweizer ausgestellt.<br />
Während der letzten Monaten<br />
hatte er Tests der Avionik und<br />
des Autopiloten und sogenannte<br />
Hot- and Cold-Weather-Trials durchlaufen.<br />
Gleichzeitig stellte Pilatus Aircraft<br />
die zur PC-<strong>12</strong>NG überarbeitete<br />
Version des Dauerbrenners<br />
PC-<strong>12</strong> vor. Die Verbesserungen<br />
umfassen einen Fünfblattpropeller<br />
aus Verbundwerkstoff sowie<br />
aerodynamische Optimierungen,<br />
welche die maximale Reisegeschwindigkeit<br />
auf 285 Knoten (528<br />
km/h) erhöhen. Auch eine neue<br />
Avionik-Software ist an Bord. Die<br />
Schweizer rechnen mit der Auslieferung<br />
von rund 90 Exemplaren<br />
bis Ende <strong>2016</strong>, was einem Anstieg<br />
von über 20 Prozent gegenüber<br />
2015 entspricht. Somit ist die PC-<strong>12</strong><br />
nach Angaben von Pilatus Aircraft<br />
das meistverkaufte einmotorige<br />
Turbopropflugzeug der Welt.<br />
Embraer gab eine Überarbeitung<br />
der Legacy 650 bekannt. Der Medium-Jet<br />
mit Platz für 14 Passagie-<br />
Fotos: Embraer (1), Alexandros Mitropoulos<br />
Bei Cessna war die Citation<br />
Longitude zu sehen. Sie<br />
hatte erst kürzlich den Erstflug<br />
absolviert.<br />
60 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Embraer führt mit der<br />
Legacy 650E ein neues<br />
Cockpit und eine längere<br />
Garantie ein.<br />
re tritt künftig als Legacy 650E (E<br />
für Evolution) an. Der Innenraum<br />
präsentiert sich mit neu gestalteten<br />
Sitzbezügen, drei Kabinenbereichen<br />
und bietet den größten Gepäckraum<br />
dieser Flugzeugklasse. Die wichtigsten<br />
Änderungen aber gibt es<br />
im Cockpit: So ist das Autothrust-<br />
System künftig Standard. Die vom<br />
Passagiermodell ERJ-145 abgeleitete<br />
VIP-Variante verfügt künftig<br />
über ein Cockpit mit dem modernen<br />
Honeywell-Primus-Elite-Avioniksystem.<br />
Es verfügt über ein Synthetic<br />
Vision System, das ein TCAS<br />
und in Echtzeit die per Satellitenkommunikation<br />
empfangenen Wetterberichte<br />
in den aktuellen Flugplan<br />
einarbeitet. Die Auslieferungen der<br />
verbesserten Variante sollen bereits<br />
im kommenden Jahr beginnen. Der<br />
Listenpreis beträgt 25,9 Millionen<br />
Dollar (etwa 23,4 Mio. Euro).<br />
Der CEO der Embraer Executive<br />
Jets, Marco Túlio, brachte zudem<br />
noch eine Vision mit nach Orlando:<br />
„Viele Jets unserer privaten Kunden<br />
sind durchschnittlich nur 300<br />
Der US-Kinoerfolg<br />
Am 15. Januar 2009 erlebte die Welt das „Wunder auf dem Hudson“,<br />
als Captain „Sully“ Sullenberger sein defektes Flugzeug im Gleitflug auf<br />
dem eisigen Wasser des Hudson River notlandete und das Leben<br />
aller 155 Menschen an Bord rettete. Doch während Sully noch von der<br />
Öffentlichkeit und in den Medien für seine beispiellose flugtechnische<br />
Meisterleistung gefeiert wurde, begann man bereits mit der Untersuchung<br />
des Falls, der fast seinen Ruf und seine Laufbahn ruiniert hätte.
[ BUSINESS AVIATION Messe ]<br />
Gulfstream brachte<br />
ihre erste G500 ohne<br />
Testequipment nach<br />
Orlando.<br />
Gesteuert wird die G500 über<br />
Sidesticks und Fly-by-Wire. Das<br />
Cockpit ist komplett symmetrisch.<br />
Stunden im Jahr in der Luft“, sagte<br />
er. „Unsere Flugzeuge sind aber<br />
für 30 000 Betriebsstunden ausgelegt.“<br />
Warum also nicht die Idee<br />
von Uber übertragen? Bei der in<br />
den USA populären App können<br />
die Nutzer Fahrdienste von Privatpersonen<br />
buchen und damit das<br />
teurere Taxi umgehen. „Damit<br />
können wir den Luxus und die<br />
Zeitersparnis eines Privatflugzeugs<br />
einer breiten Masse zugänglich<br />
machen“, so Túlio. Der Aufpreis<br />
gegenüber einem Linienflug im<br />
mittleren dreistelligen Bereich<br />
würde von vielen Geschäftsreisen-<br />
den gezahlt werden, für die sich<br />
die Anschaffung eines kompletten<br />
Jets nicht lohne. Die Firma Daher<br />
hat mit der Turboprop TBM900<br />
ähnliche Pläne und könnte die Jets<br />
im Hinblick auf die Betriebskosten<br />
sogar noch unterbieten.<br />
Dassault liftet die<br />
Falcon 900LX<br />
Dassault stellte ein Upgrade für<br />
ihre dreistrahlige Legacy-650-Konkurrenz,<br />
die Falcon 900LX, vor. Die<br />
2010 zugelassene LX erhielt ein<br />
zeitgemäßes, stylishes Innendesign,<br />
im Cockpit Dassaults FalconEye<br />
Combined Vision System sowie<br />
eine neue elektronische Bordbibliothek.<br />
Cirrus feierte die Zulassung<br />
ihres Vision-Jets nach einer über<br />
zehnjährigen Entwicklungs- und<br />
Erprobungsphase. Die SF50 ist<br />
das erste zertifizierte Flugzeug,<br />
das von nur einem Turbofan,dem<br />
FJ33-4A-19 von Williams International,<br />
angetrieben wird. Im Dezember<br />
sollen bereits die ersten<br />
Lieferungen des knapp zwei Millionen<br />
Euro teuren Minijets beginnen.<br />
Auf dem Weg zur Zulassung<br />
liegt Gulfstream mit der G500 im<br />
Zeitplan. Der Hersteller rechnet<br />
mit der Behördenerlaubnis für das<br />
kommende Jahr. In Orlando konnten<br />
die Besucher erstmals die Kabine<br />
und das Cockpit der G500<br />
besichtigen. Ausgestellt war der<br />
fünfte Prototyp; er verfügte über<br />
eine vollständige Kabinenausstattung.<br />
Seine etwas größere Schwester,<br />
die G650, soll Ende des Jahres<br />
zum Erstflug starten. Wann sie ihr<br />
Messedebüt gibt, ist hingegen noch<br />
nicht klar.<br />
ae<br />
Alexandros Mitropoulos<br />
Zur Feier der<br />
FAA-Zulassung<br />
stellte Cirrus<br />
eine SF50 aus.<br />
Fotos: Max Kühnl (2), Alexandros Mitropoulos (2)<br />
62 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Praxis<br />
Know-how<br />
Dezember <strong>2016</strong><br />
für<br />
Einsteiger und<br />
Fortgeschrittene<br />
So tief wird es kaum über<br />
Paris gehen. Aber auch<br />
andere Regionen in<br />
Frankreich sind reizvoll.<br />
Fotomontage: Fotolia/Didier Salou<br />
Fliegen in Frankreich<br />
Partez à l´aventure!<br />
Wirre Luftraumstruktur, Plätze ohne Flugleiter und das Problem<br />
mit der Sprache: Frankreich schreckt viele Privatpiloten ab.<br />
Wir verraten, wie man problemlos über die Grande Nation fliegt.<br />
Oft ist es das Unbekannte, das dich<br />
zaudern lässt. Selbst Piloten kennen<br />
das: Lieber zu einem Platz fliegen, der<br />
dir vertraut ist und den du magst, als sich auf<br />
etwas Neues einzulassen. Auf der anderen<br />
Seite sind es gerade die unbekannten Dinge,<br />
die den fliegerischen Horizont erweitern. Unser<br />
westliches Nachbarland Frankreich hat<br />
fliegerisch enorm viel zu bieten. Manches ist<br />
neu, einiges anders, aber alles ist problemlos<br />
zu schaffen. Dieser kleine Frankreich-Guide<br />
hilft VFR- und IFR-Piloten, die nächste Reise<br />
mit Westkurs erfolgreich zu planen.<br />
Wer sich die VFR-Karten zu Frankreich ansieht,<br />
dem fällt eines sofort auf: eine andere Luftraumstruktur<br />
als in der Heimat. Aus Deutschland<br />
kommend wird meist in einem Bereich<br />
von Basel bis zur Mosel südlich von Trier nach<br />
Frankreich eingeflogen. Dieser Bereich ist auf<br />
französischer Seite von einem kaum zu durchblickenden<br />
Wirrwarr militärischer Sperr- und<br />
Beschränkungsgebiete (LF-D und LF-R) sowie<br />
unterschiedlicher Kontrollzonen und beschränkter<br />
Lufträume gekennzeichnet. Dies schreckt<br />
zunächst einmal ab.<br />
Wer hier durch möchte, sollte sich gar nicht<br />
erst die Mühe machen, jede einzelne LF-R<br />
eingehend zu analysieren. Die Mehrzahl dieser<br />
Sperrgebiete ist nur wenige Tage, manche<br />
sogar nur wenige Stunden pro Jahr aktiv. In<br />
Frankreich ist daher eines noch wichtiger als<br />
in Deutschland: rechtzeitiger und konstanter<br />
Funkkontakt. Deutsche Piloten kennen meist<br />
den Fluginformationsdienst, FIS, dieser heißt<br />
auch in Frankreich „Info“, beim Grenzübertritt<br />
ruft man meistens Reims Info. Den Kollegen<br />
kann man dann in aller Ausführlichkeit seine<br />
Position und sein Vorhaben schildern. Es spricht<br />
aber auch nichts dagegen, sich im Raum Basel<br />
oder etwas nördlicher bei Strasbourg,<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 63
[ PRAXIS Dezember <strong>2016</strong> ]<br />
Keine Sorge wegen der Luftraumstruktur: Viele der Gebiete sind nur wenige Tage im Jahr aktiv, oft wird der Durchflug problemlos gewährt.<br />
Screenshot: Lars Reinhold, mit freundlicher Genehmigung von ifos/Flight Planner<br />
direkt an die Kontrolllotsen zu wenden. Dies<br />
ist für französische Piloten Standard; besonders<br />
in den schwach beflogenen Gebieten<br />
Zentralfrankreichs bedient derselbe Lotse oft<br />
beide Frequenzen. Man nennt sein Rufzeichen,<br />
Höhe, Position, Strecke von/nach und seine<br />
Absicht. Als Absicht genügt oft „Request<br />
transit on direct heading XYZ“ zu sagen. Dies<br />
wird nach übereinstimmender Erfahrung in<br />
den meisten Lufträumen problemlos gewährt,<br />
nachdem ein Transpondercode zugewiesen<br />
worden ist.<br />
Unicom an kleinen Plätzen<br />
Keine Regel ohne Ausnahme: Die Lufträume<br />
von Paris, Lyon und der Côte d’Azur sind<br />
deutlich restriktiver. Man muss meist besonderen<br />
Transitstrecken folgen; in Paris ist ein<br />
genaues Beachten der Maximalhöhen unabdingbar.<br />
Dennoch lohnt es sich hin und wieder,<br />
nach individuellen Freigaben zu fragen.<br />
Wenn nicht allzu viel los ist und das Anliegen<br />
durchdacht kommuniziert wird, ist vieles<br />
möglich, was man sich in Deutschland nicht<br />
vorzustellen vermag.<br />
Piloten mit IFR-Rating können aufatmen: Der<br />
Flugregelwechsel wird in der „Grande Nation“<br />
deutlich entspannter gehandhabt als bei uns.<br />
Wer aus Wetter- oder sonstigen Gründen nach<br />
IFR wechseln möchte, muss keine langen<br />
Ermahnungen befürchten. „I want to become<br />
an IFR-flight“ genügt. Natürlich sollte man<br />
wissen, was man vorhat, und auf eine gewisse<br />
Bearbeitungszeit eingestellt sein. Alles<br />
Weitere regeln die Lotsen dann unter sich,<br />
was auch an der Struktur des französischen<br />
Luftraums mit einem einzigen großen Knoten<br />
über Paris liegt. Im Raum Paris muss man als<br />
Privatflieger auf Beschränkungen eingestellt<br />
sein, selbst ein geplanter Flugregelwechsel<br />
nach IFR mit Flugplan kann recht lange dauern<br />
oder größere Umwege nach sich ziehen.<br />
Die Beherrschung der französischen Sprache<br />
ist auf den größeren Plätzen und den Info- und<br />
Radarfrequenzen absolut nicht erforderlich,<br />
Englischkenntnisse sind überall vorhanden.<br />
Ein Bonjour, Merci oder Au-revoir hinterlässt<br />
jedoch einen positiven Eindruck.<br />
Anders sieht es auf den kleineren Plätzen aus,<br />
die über das ganze Land verstreut und mitunter<br />
top ausgestattet sind. Hier bedient man<br />
sich oft des Unicom-Verfahrens, das manchem<br />
Piloten aus den USA bekannt ist. Die Franzosen<br />
nennen das „Auto-Information“, es ist<br />
ein Fliegen ohne Flugleiter. Der ist in Frankreich<br />
nicht vorgesehen, und mit wenigen<br />
Ausnahmen haben alle Plätze grundsätzlich<br />
immer geöffnet. Hier sollte auf Französisch<br />
gefunkt werden, wenige Standardphrasen<br />
(siehe Kasten) genügen für eine sichere Integration<br />
in den Platzrundenverkehr. Die meisten<br />
französischen Piloten werden eventuelle<br />
Schwächen im Funk erkennen und sich entsprechend<br />
darauf einstellen. Bevor man gar<br />
nicht funkt, tut es natürlich auch Englisch,<br />
was aber nicht unbedingt von jedem verstanden<br />
wird.<br />
Die kleinen Plätze sind für Frankreichflieger<br />
oft das Highlight ihrer Reisen: Frühmorgens<br />
zu starten oder am späten Abend zu landen<br />
ist vielen aus Deutschland unbekannt. Zudem<br />
erlebt man dort echte Fliegerkameradschaft.<br />
Gut für die Reisekasse sind sie ohnehin: An<br />
über der Hälfte dieser Aérodromes kennt man<br />
weder Lande- noch Abstellgebühren.<br />
Bei häufigeren Frankreichbesuchen lohnt sich<br />
der Besitz einer Tankkarte von Air Total. Damit<br />
kann man an zahlreichen Selbstbedienungsautomaten<br />
rund um die Uhr tanken, die<br />
Preise liegen oft 30 Prozent unter deutschem<br />
Niveau. Die Karte kann aber bislang nur bei<br />
Air Total in Paris beantragt werden, und man<br />
muss vorab eine Kaution überweisen.<br />
[ Autor David Kromka<br />
... fliegt hauptberuflich<br />
als Kapitän auf Boeing<br />
757 und 767 bei einer<br />
deutschen Fluggesellschaft.<br />
In seiner Freizeit<br />
ist er VFR und IFR mit<br />
einer Mooney 252 in ganz<br />
Europa unterwegs.<br />
Er ist außerdem Präsident des europäischen<br />
Mooney-Clubs EMPOA.<br />
64 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
An kleineren Plätzen ist der Einflug in die Platzrunde mit den entsprechenden Positionsmeldungen der<br />
Schlüssel für eine sichere Landung. Aber auch die wichtigsten Sprechgruppen für kontrollierte Plätze stellen<br />
wir vor. An Plätzen mit Auto-Information wird immer der Name des Flugplatzes zu Beginn und Ende eines<br />
Funkspruchs genannt, da oftmals mehrere Plätze auf derselben Frequenz funken.<br />
Ankunft am Flugplatz<br />
Vesoul (Platzname), D-EABC, eine Mooney<br />
M20, VFR aus EDML zu Ihrem Platz, fünf<br />
Minuten südlich des Platzes, zur Landung,<br />
Vesoul – Vesoul, D-EABC, un Mooney M20,<br />
VFR de EDML vers votre terrain, cinq minutes<br />
au sud des installations, pour une atterissage,<br />
Vesoul<br />
Vesoul, D-EABC, direkt über dem Platz,<br />
fliege in den linken/rechten Gegenanflug<br />
zur 28 ein, Vesoul – Vesoul, D-EABC, verticale<br />
du terrain, je m’intègre pour une vente<br />
arrière main gauche/droite pour la 28,<br />
Vesoul<br />
Vesoul, D-EABC, linker Gegenanflug zur 28,<br />
Vesoul – Vesoul, D-EABC, vente arrière<br />
main gauche pour la 28, Vesoul<br />
Vesoul, D-EABC, linker Queranflug zur 28,<br />
Vesoul – Vesoul, D-EABC, étape de base<br />
main gauche pour la 28, Vesoul<br />
Vesoul, D-EABC, Endteil zur 28, Vesoul –<br />
Vesoul, D-EABC, en finale pour la 28,<br />
Vesoul<br />
Vesoul, D-EABC, haben Piste 28 verlassen,<br />
Vesoul – Vesoul, D-EABC, la piste 28 degagée,<br />
Vesoul<br />
Beim Abflug gilt analog:<br />
Vesoul, D-EABC, auf der Parkfläche, rollen zum<br />
Rollhalt der Piste 28, Vesoul – Vesoul, D-EABC,<br />
sur le parking, roulage pour le point d’arrêt de<br />
la 28, Vesoul<br />
Vesoul, D-EABC, am Rollhalt 28, rollen auf die<br />
Piste 28 und starten, Vesoul – Vesoul, D-EABC,<br />
point d’arrêt 28, je m’aligne et je décolle sur la<br />
28, Vesoul<br />
Vesoul, D-EABC, auf Piste 28 gestartet, wir<br />
verlassen Platzrunde und Frequenz, Vesoul –<br />
Vesoul, D-EABC, décollé sur la 28, nous quittons<br />
le circuit et la fréquence, Vesoul<br />
An kontrollierten Plätzen ist es<br />
ganz ähnlich:<br />
D-EABC, erbitte direkten Durchflug – D-EABC,<br />
demande d’un transit direct, s’il vous plaît<br />
Durchflug genehmigt –<br />
Transit approuvé<br />
Stellen Sie Transponder auf 4431 –<br />
Affichez transpondeur 4431<br />
Landung frei Piste 13 –<br />
Autorisé pour atterissage sur la 13<br />
D-EABC, erbitte Rollen – D-EABC,<br />
pour roulage s’il vous plaît<br />
Rollen Sie zum Rollhalt 13 und<br />
melden Sie abflugbereit –<br />
Roulez au point d’attente 13 et<br />
rappelez prêt<br />
Start frei Piste 13 –<br />
Autorisé pour décollage sur la 13<br />
Im Französischen werden die<br />
Zahlen immer komplett gesprochen,<br />
also „fünfzehn“ oder<br />
„sechsundzwanzig“<br />
(quinze/vingt-six) anstatt<br />
des sonst im<br />
Flugfunk üblichen<br />
eins-fünf oder zwosechs.<br />
Gerade bei<br />
vielstelligen Funkfrequenzen<br />
kann<br />
dies gewöhnungsbedürftig<br />
sein.<br />
Man sollte sich daher<br />
nicht scheuen, nach<br />
einer Wiederholung<br />
oder einzelnen Ziffern<br />
zu fragen.<br />
Foto: ICOM<br />
Praxis-Quiz Testen Sie Ihr Wissen<br />
1. 2. 3.<br />
Wie hängen Deklination, Variation<br />
und Missweisung zusammen?<br />
a) Die Variation ist in Polnähe größer als<br />
die Deklination; in Äquatornähe ist es<br />
umgekehrt.<br />
b) Die Missweisung ist 0,707-mal so groß<br />
wie die Variation.<br />
c) Missweisung und Deklination sind auf<br />
der Nordhalbkugel gleichgerichtet, auf<br />
der Südhalbkugel entgegengesetzt.<br />
d) Missweisung, Variation und Deklination<br />
haben die gleiche Bedeutung.<br />
Die Lösungen finden Sie auf Seite 102.<br />
Die Ablenkung des Magnetkompasses<br />
durch Metallteile und<br />
elektrische Geräte wird bis auf<br />
einen zulässigen Restwert kompensiert.<br />
Wie bezeichnet man diese<br />
verbleibende Abweichung?<br />
a) lnklination<br />
b) Deviation<br />
c) Variation<br />
d) Nordfehler<br />
Warum nimmt man den Karten -<br />
kurs in der ICAO-Luftfahrtkarte am<br />
Mittelmeridian ab?<br />
a) weil die eingetragene Kurslinie der<br />
Loxodrome entspricht und in ihrer Mitte<br />
die geringste Missweisung aufweist<br />
b) weil es hier den Kursmittelwert gibt<br />
c) weil es wichtig ist, zwischen Abflug- und<br />
Zielort auf dem richtigen Kurs zu sein<br />
d) weil nur die Längengrade in der Mitte<br />
eines Kartenausschnitts dem wirklichen<br />
Meridianverlauf entsprechen<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 65
[ PRAXIS Dezember <strong>2016</strong> ]<br />
Ob für das Cockpit oder gleich für das<br />
ganze Flugzeug: Das Material der<br />
Abdeckung muss atmungsaktiv sein.<br />
Einmotten<br />
Klar zum Winterschlaf<br />
Nicht jedes Flugzeug wird in der kalten Jahreszeit regelmäßig geflogen. Einmotten heißt dann die<br />
Devise. Mit den folgenden Tipps kommt die Maschine gut durch die Winterruhe.<br />
Wir haben uns also entschieden, unseren<br />
geliebten und randvoll getankten<br />
Flugapparat über die Wintermonate<br />
nicht zu bewegen. Vollgetankt? Ja,<br />
um Kondenswasser und Korrosion in den Tanks<br />
zu vermeiden, auch wenn das Kapital bindet.<br />
Ausgehend von einem weder isolierten noch<br />
beheizten Hangar, würde ich an erster Stelle<br />
für das Wohl des Motors, des Innenraums,<br />
der Scheiben und der Pneus sorgen.<br />
Fangen wir unten an. Die Reifen danken es<br />
einem, wenn das Fahrwerk an der dafür vorgesehenen<br />
Stelle aufgebockt wird. So vermeidet<br />
man, dass sie im Frühjahr eckig sind und<br />
beim Starten unrund laufen. Es kann nur<br />
gefährlich werden, wenn Vereinskameraden<br />
die Maschine umräumen, ohne sie zuvor wieder<br />
zu Boden gelassen zu haben. Schön auch,<br />
wenn die Fahrwerke mit etwa 30 bis 50 Zentimeter<br />
hohen Metallformen à la Springform<br />
Das Schild mit dem Warnhinweis befestigt man gut sichtbar, am besten direkt am Propeller.<br />
aus Mutters Backstube versehen werden. Das<br />
bewahrt den Flieger vor nagenden Untermietern.<br />
Im Idealfall muss man im Frühjahr nur<br />
noch den Luftdruck der Reifen messen.<br />
Weiter mit der Kabine: Im Baumarkt gibt es<br />
schon für kleines Geld Luftentfeuchter –<br />
erstaunlich, was da so an Feuchtigkeit im<br />
Innenraum entsteht. Eine Entleerung des<br />
Behälters alle acht bis 14 Tage ist empfehlenswert.<br />
Durch die Entfeuchtung beugt man<br />
vor allem bei der Avionik einer Oxidation und<br />
Korrosion vor. Je nachdem, wo verbaut, befindet<br />
sich die Batterie in, vor oder hinter der<br />
Kabine. Ein fachgerechter Ausbau und die<br />
Einlagerung in wohltemperierten Räumen<br />
unter Nutzung eines Ladegeräts zur Spannungserhaltung<br />
verlängert das Leben des<br />
Energiebündels. Wenn nicht wartungsfrei, ist<br />
zuvor eventuell noch destilliertes Wasser<br />
gemäß Füllstand zu ergänzen.<br />
Wir gehen weiter in Richtung Motor und landen<br />
zuvor bei der Windschutzscheibe. Einmal<br />
noch ordentlich mit viel Wasser und geeignetem<br />
Reinigungsmittel geputzt, sollte diese<br />
zumindest mit einem zuvor von Knöpfen<br />
66 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Fotos: Alexandros Mitropoulos<br />
Das Aufbocken des Fahrwerks verhindert<br />
Standplatten und deformierte Reifen.<br />
befreiten Bettlaken aus Omas Beständen<br />
abgedeckt sein. Durch die Baumwolle kann<br />
etwaige Feuchtigkeit wieder abtrocknen, und<br />
Vogelkot und sonstiger Schmutz wird von der<br />
Scheibe ferngehalten. Die Flächen und den<br />
Rumpf sollte man nur dann abdecken, wenn<br />
man auch hier atmungsaktives Material<br />
benutzt. Andernfalls kann zwischen Plane<br />
und Flugzeughülle materialschädigendes<br />
Schwitzwasser entstehen.<br />
Wenden wir uns nun dem Motor zu. Wichtig<br />
ist vor allem, dass man ihn in den Wintermonaten<br />
auf gar keinen Fall durchdreht. Andernfalls<br />
streifen die Kolben noch an den Zylinderwänden<br />
haftendes Schmieröl ab, wodurch<br />
blanke, akut korrosionsgefährdete Flächen<br />
entstehen. Der Rost führt nach Wiederinbetriebnahme<br />
zu Riefen an den Laufflächen und<br />
zu Kompressions- und Leistungsverlust. Eine<br />
Überholung des Zylinders ist dann oft unumgänglich.<br />
Um das Durchdrehen des Propellers<br />
zu vermeiden, sollte an selbigem ein Warnschild<br />
befestigt sein: Motor ist konserviert, nicht<br />
durchdrehen!<br />
Konservierungsöl schützt<br />
eingelagerte Motoren vor Rost<br />
Zur vollständigen Motoreinlagerung entfernt<br />
man die oberen Zündkerzen und versieht den<br />
Innenraum mit Konservierungsöl. Auch über<br />
andere Öffnungen, beispielsweise die Motorentlüftung<br />
oder den Öleinfüllstutzen, sollte<br />
das Mittel zum Einsatz kommen. Das Einnebeln<br />
mit der Sprühdüse vermeidet Rostbefall.<br />
Im Frühjahr muss allerdings ein Spüllauf<br />
stattfinden, um das Öl wieder aus dem Motor<br />
zu bekommen. Hierbei sind die Herstellerhinweise<br />
zu beachten. Zumindest bei den ersten<br />
Motorkonservierungen in Eigenregie ist es<br />
ratsam, einen Fachmann hinzuzuziehen.<br />
Nach Entfernen der Zündkerzen sprüht man die Öffnungen mit Konservierungsöl ein. Im Frühjahr<br />
muss es in einem Spüllauf nach Herstellerangaben wieder entfernt werden.<br />
Ein im Baumarkt erhältlicher Luftentfeuchter eignet sich hervorragend, um den Kabinenraum im<br />
Winter zu schützen. Die Batterie sollte man abklemmen und mit einem Entladungsschutz sichern.<br />
Weniger technisch, aber nicht minder wichtig,<br />
ist die Abdichtung des Flugzeugs. Tiere kommen<br />
nicht nur von unten an das Flugzeug,<br />
sondern oft auch von oben. Insofern ist es<br />
sinnvoll, alle Einlässe, etwa den Lufteinlass<br />
vorne am Motorraum, gegebenenfalls den am<br />
Flügel und das Pitotrohr zu verschließen. Wichtig<br />
ist hierbei nur, dass man die Stopfen im<br />
Frühjahr sorgfältig wieder entfernt!<br />
Sollte das gute Stück über die kalte Jahreszeit<br />
im Freien stehen, gelten verschärfte Maßnahmen.<br />
Ein windgeschützter Bereich und eine<br />
dem Sturm trotzende Verankerung mittels<br />
Seilen oder Spanngurten, die man von Zeit<br />
zu Zeit kontrolliert, ist essenziell. Die Maschine<br />
ist in diesem Fall nicht aufgebockt. Die<br />
Reifen würde ich mittels geeigneter Mittel<br />
vor UV-Strahlung schützen. Oft reicht schon<br />
ein hochwertiger, schwarzer Plastebeutel aus<br />
dem Baumarkt. Die Kabine sollte zumindest<br />
von innen gegen Sonneneinstrahlung geschützt<br />
sein. So bleibt das Kunststoffinterieur frisch<br />
und die Weichmacher an ihrem Ort.<br />
Steht etwas mehr Geld zur Verfügung, empfehle<br />
ich dringend den Erwerb einer profes-<br />
sionellen Abdeckung für die Kabine von außen.<br />
Es gibt verschiedene Hersteller am Markt,<br />
Qualität kostet auch hier erfahrungsgemäß<br />
etwas mehr, und so relativiert sich eine alternative<br />
Hallenmiete oft wieder.<br />
Beachtet man diese wenigen wichtigen<br />
Maßnahmen beim Einmotten für den Winter,<br />
kann man sicher sein, dass man bei der Wiederinbetriebnahme<br />
seines Schätzchens keine<br />
bösen Überraschungen erlebt.<br />
[ Autor Thomas Schüttoff<br />
... ist Fluglehrer und<br />
Prüfer. Er sammelte<br />
Erfahrung beim Betrieb<br />
von Flugzeugen in<br />
Vereinen und Flugschulen<br />
und war Gründer der<br />
Tempelhof Aviators. Dort<br />
betreute er bis zu 24<br />
Flugzeuge in Subcharter. Seine Liebe gilt vor<br />
allem histo rischen Flugzeugen, und gerne weist<br />
er andere Piloten auf diese Schätze ein.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 67
[ PRAXIS Dezember <strong>2016</strong> ]<br />
Manche Flugzeugmuster werden mit sogenannten<br />
Winterization Kits auf die kalte Jahreszeit vorbereitet.<br />
DER<br />
EXPERTEN-<br />
TIPP<br />
Frostschutz<br />
Die Sommer-Flugsaison ist zu Ende. Das<br />
Wetter wird unbeständiger, und die<br />
Temperaturen sinken deutlich. Das hat<br />
zunächst Einfluss auf das praktische Fliegen,<br />
denn es ist zunehmend mit Regen, Nebel und<br />
Vereisung zu rechnen. Aber auch bezüglich<br />
der Technik in unseren Flugzeugen gibt es<br />
einiges beim Übergang in die kalte Jahreszeit<br />
zu beachten.<br />
Hersteller der in der General Aviation am meisten<br />
verbreiteten Motoren wie Continental oder<br />
Textron (Lycoming) geben den Betreibern zwei<br />
grundsätzliche Ölsorten zur Auswahl, unabhängig<br />
von der Marke. Das sind das sogenannte<br />
Einbereichsöl und das Mehrbereichsöl.<br />
Der Unterschied in der Verwendung besteht<br />
darin, dass Einbereichsöl entweder für den<br />
Winter gedacht ist (z. B. W80) oder für den<br />
Sommerbetrieb (W100), nicht für beides gleichzeitig.<br />
Grob gesagt, ist das Winteröl dünnflüssiger<br />
als das Sommeröl, um bei niedrigen<br />
Temperaturen leichter zu fließen, also schneller<br />
an die Schmierstellen im Motor zu gelangen.<br />
Das Sommeröl ist hingegen etwas dickflüssiger,<br />
damit der Schmierfilm bei hohen Temperaturen<br />
nicht so schnell abreißt.<br />
Das heißt, zum Wechsel der Jahreszeit sollte<br />
ein Ölwechsel stattfinden. Der vorgesehene<br />
Temperaturbereich der beiden Ölvarianten<br />
überschneidet sich relativ stark, man kann<br />
also im Frühjahr und Herbst beide nutzen.<br />
Kühlflüssigkeiten gibt es bei diesen Motoren<br />
aufgrund der Luftkühlung nicht.<br />
Für Dieselmotoren von Thielert oder Austro<br />
Engine findet ein hochwertiges Mehrbereichsöl<br />
Verwendung, welches ganzjährig nutzbar<br />
ist. Diese Triebwerke sind mit einer Flüssigkeitskühlung<br />
ausgerüstet. Als Frostschutzmittel<br />
wird dort, ähnlich wie im Kfz-Bereich,<br />
Glysantin (G48) eingesetzt. Glysantin kann<br />
dem Kühlwasser ganzjährig zugesetzt bleiben,<br />
da es auch vor Korrosion im Kühlsystem schützt.<br />
Von der Verwendung anderer als von den<br />
Motorenherstellern zugelassener Mittel ist<br />
dringend abzuraten. In den Motoren von Rotax<br />
werden das Öl und der Kühlwasserzusatz<br />
<strong>12</strong><br />
Torsten Matz<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
[ 1+2 ] Beim Check vor dem Winter ist nicht<br />
nur auf den richtigen Stand des Kühlmittels zu<br />
achten, sondern auch auf den Frostschutz.<br />
[ 3 ] Auch die Ölsorte muss im Winter stimmen.<br />
ebenfalls ganzjährig genutzt. Übrigens sieht<br />
Rotax den Einsatz wasserfreier Kühlflüssigkeiten<br />
von Evans nicht mehr vor.<br />
Einige Flugzeughersteller sehen die Umstellung<br />
der Kühlung des Motoröls auf Sommer<br />
oder Winter vor, z. B. Piper bei der Arrow und<br />
Beechcraft bei der Duke. Dort wird die Wirksamkeit<br />
des Ölkühlers durch ein „Winterization<br />
Kit“ eingeschränkt, indem ein Abdeckblech<br />
den Kühlluftstrom verringert. Bei steigenden<br />
Temperaturen sollten diese Abdeckungen<br />
unbedingt wieder entfernt werden, damit der<br />
Motor nicht überhitzt.<br />
Beim Anlassen im Winter ist bei sehr tiefen<br />
Temperaturen zu beachten, dass der Motor<br />
zunächst genauso kalt ist wie die Umgebung.<br />
Das Öl ist relativ dickflüssig und verteilt sich<br />
nur langsam an die Schmierstellen, und die<br />
Temperatur im Zylinder ist sehr niedrig, was<br />
den Zündvorgang erschwert. Problematisch<br />
kann auch ein schwacher Bordakku sein, der<br />
den Anlasser nicht mit genügend Strom versorgen<br />
kann. Eine Außenbord-Stromversorgung<br />
kann hier helfen.<br />
Wer schonend starten will,<br />
wärmt das Triebwerk vor<br />
Um der Zündung die Arbeit zu erleichtern<br />
und den Schmierstoffkreislauf schneller in<br />
Gang zu bringen, ist es bei wirklich tiefen<br />
Temperaturen durchaus sinnvoll, den Motor<br />
vorzuwärmen. Das schont das Aggregat, den<br />
Bordakku, den Anlasser und nicht zuletzt die<br />
Nerven des Piloten. Für die Vorwärmung haben<br />
sich spezielle Warmluftgebläse bewährt.<br />
Mit einem Schlauch wird zumeist über die<br />
vorderen Kühllufteinlässe Warmluft durch den<br />
Motorraum geleitet und vorsichtig das gesamte<br />
Triebwerk erwärmt. Das dauert mitunter<br />
einige Stunden, weil die Luft nur lauwarm ist.<br />
Aus den USA sind auch Systeme bekannt, die<br />
aus elektrischen Heizmatten bestehen, welche<br />
beispielsweise an die Ölwanne geklebt werden,<br />
um das Öl aufzuheizen. Auch hier erfolgt<br />
die Erwärmung langsam, um Spannungen im<br />
Motorgehäuse durch Temperaturunterschiede<br />
zu minimieren. Da dieses System inklusive<br />
Verkabelung und Stecker dauerhaft am<br />
Flugzeug montiert wird, besteht natürlich die<br />
Notwendigkeit der amtlichen Zulassung durch<br />
STC und EMZ.<br />
[ Autor Torsten Matz<br />
... ist Technischer Leiter<br />
beim Porta Air Service<br />
in Porta Westfalica.<br />
Er hat viele Jahre<br />
Er fahrung in der Wartung<br />
von Flugzeugen<br />
der Allgemeinen Luftfahrt<br />
und ist lizenziert<br />
von der EASA (B1) und der amerikanischen<br />
Luftfahrtbehörde FAA als A&P.<br />
68 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong><br />
Fotos: Melih Ömür | Porta Air Service, Peter Eckmeier
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[ SEGELFLIEGEN Pilot Report ]<br />
Der neue Ventus<br />
SPORT<br />
EDITION<br />
An den neuen Ventus knüpft Schempp-Hirth<br />
hohe Erwartungen. Besser steigen und<br />
besser gleiten soll er und dazu ein schöneres<br />
Handling bieten als der Vorgänger. Von den<br />
Flugeigenschaften konnte sich die <strong>aerokurier</strong>-<br />
Redaktion jetzt selbst überzeugen.<br />
TEXT UND FOTOS: Gerhard Marzinzik<br />
70 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 71
[ SEGELFLIEGEN Pilot Report ]<br />
[ 1 ]<br />
72 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong><br />
Der September, der sich in<br />
diesem Jahr zum Hochsommer<br />
aufgeschwungen hat,<br />
liegt in den letzten Zügen.<br />
Über der Schwäbischen Alb treiben<br />
die Luftmassen die Thermik noch einmal<br />
bis auf Höhen über 2000 Meter,<br />
während das Sturmtief im Norden die<br />
Hänge mit heftigem Westwind bürstet.<br />
Nicht jede Wolke zieht, aber Besorgnis<br />
macht sich deshalb im Cockpit<br />
des neuen Ventus noch lange nicht<br />
breit – auch nicht, nachdem selbst<br />
die zweite Wolke enttäuscht und die<br />
Höhenreserve schwindet.<br />
Das Flugzeug sitzt wie ein guter<br />
Anzug, reagiert präzise auf kleinste<br />
Steuereingaben und schafft auch bei<br />
schnellerem Vorflug mit dem tief liegenden<br />
Horizont auf Anhieb Vertrauen<br />
in gute Gleitleistungen. Die dritte<br />
Dunstballung tut’s. Der Flügel lässt<br />
keinen Zweifel, wohin einzudrehen<br />
ist. Und schon liegt der neue Ventus<br />
stabil im Kern des Aufwinds.<br />
Mit geringen Korrekturen hat er<br />
sich leichtfüßig und zielsicher ins<br />
Steigzentrum dirigieren lassen. Mit<br />
der Klappenstellung L dreht er jetzt<br />
eng und langsam auf. Etwas wendiger<br />
ist er mit der Wölbklappenstellung<br />
+2 beziehungsweise +1 bis 0 schon.<br />
Der Unterschied fällt aber nicht so<br />
deutlich aus wie beim Vorgänger 2cx,<br />
bei dem die Anstellwinkeländerungen<br />
mit den unterschiedlichen Klappenstellungen<br />
größer sind. Aufs Umwölben<br />
zwecks Korrekturen, wie sie beim<br />
2cx beim Ausloten der Grenzbereiche<br />
notwendig sind, sollte beim Neuen<br />
verzichtet werden können.<br />
Dabei bleibt er bis in den Stall<br />
gutmütig. Mir gelingt es – bei leicht<br />
vorderer Schwerpunktlage – nicht,<br />
WENDIG FAST WIE EIN RENNKLASSE-FLUGZEUG<br />
den Ventus mit stetig verzögerter<br />
Fahrt zur Aufgabe des Fliegens zu<br />
bewegen. Bis ins unmissverständlich<br />
angezeigte Überziehen und in den<br />
Sackflug ist er im Geradeaus- und<br />
Kurvenflug steuerbar.<br />
Bevor ich dieses Vertrauen schaffende<br />
Verhalten für das Hangwindfliegen<br />
am Teckberg nutze, kurbele<br />
ich nach schnellen Vorflügen noch<br />
ein paar der kräftigen Wolkenaufwinde<br />
auf der Südseite der Alb aus. Der<br />
gesamte Fahrtbereich lässt sich eintrimmen.<br />
Dass sich bei Wölbklappenstellung<br />
0, die bei der unteren Flächenbelastung<br />
des Turbos bis 150<br />
km/h ausreicht, und bei zugleich ganz<br />
zurückgezogener Trimmung <strong>12</strong>0 km/h<br />
einstellen, hängt wohl mit meiner<br />
gering vorlastigen Schwerpunktlage<br />
zusammen – etwas für ganz vorsichtiges<br />
Vorfliegen mit der Geschwindigkeit<br />
im Bereich des besten Gleitens.<br />
Für das Ausnutzen eines ruhigen<br />
Hangaufwinds ist das etwas zu schnell.<br />
Das soll aber noch korrigiert werden.<br />
Egal ob Fliegen von Wolke zu Wolke,<br />
Ausleiten in den Geradeausflug<br />
mit faszinierend schneller Fahrtaufnahme<br />
oder Hochziehen<br />
und erneutes<br />
Eindrehen in die<br />
Thermik – ich fühle mich mit dem<br />
neuen Ventus auf Anhieb vertraut.<br />
Schlechte Charaktermerkmale? Fehlanzeige!<br />
Aber wie heißt nun der Neue? Da<br />
gab es den Einser-Ventus, der offiziell<br />
nie diese Bezeichnung erhielt, dann<br />
den Zweier mit immer wieder neuen<br />
Namenszusätzen. Der Nachfolger heißt<br />
jetzt – seit seiner ersten Vorstellung<br />
auf der AERO 2015 – einfach „der<br />
neue Ventus“. Im Januar flog der Neue<br />
zum ersten Mal. Inzwischen hat er<br />
mehr als 200 Stunden Flugerprobung
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Gut 180 Liter Ballastwasser kann der neue Ventus schleppen, die Abflugmasse<br />
beträgt dann 600 Kilogramm. Die inneren der beiden Flächentanks lassen sich öffnen,<br />
ohne dass der Hecktank entleert wird. [ 2 ] Im Hangflug beweist die Sport Edition ihre<br />
Wendigkeit. Man könnte glauben, in einem 15-m-Flugzeug zu sitzen. [ 3 ] Aufgeräumtes<br />
Panel in einem wertig ausgestatteten Cockpit. Die Bediengriffe sind innerhalb ihres<br />
Bewegungsraums gut zu betätigen. Nur der Ausklinkgriff ist ungünstig platziert.<br />
[ 3 ]<br />
absolviert. Erste Serienflugzeuge gibt<br />
es auch schon. Sie werden wohl ausnahmslos<br />
bei der Segelflug-Weltmeisterschaft<br />
im Januar in Benalla, Australien,<br />
im Einsatz sein. Dipl.-Ing.<br />
Andy Lutz aus dem Entwicklungsteam<br />
von Schempp-Hirth wird dort den<br />
Prototyp fliegen.<br />
Auch vom neuen Ventus wird es<br />
verschiedene Varianten geben. Die<br />
auf Höchstleistung ausgelegte Version<br />
kommt als Sport Edition. Mehr<br />
Komfort und Platz im Cockpit sowie<br />
die Möglichkeit zum Eigenstart wird<br />
die Performance Edition bieten, die<br />
im Laufe des nächsten Jahres erstmals<br />
fliegen soll.<br />
Beide Versionen werden über das<br />
gleiche Tragwerk verfügen. Und dafür<br />
wurde von den Ingenieuren bei<br />
Schempp-Hirth viel Forschungsarbeit<br />
geleistet. Im Fokus stand eine Leistungssteigerung<br />
über den gesamten<br />
Bereich der Geschwindigkeitspolare.<br />
Die Basis bildeten Untersuchungen<br />
von Wettbewerbs- und Rekordflügen,<br />
die in Zusammenarbeit mit Dr. Werner<br />
Würz erfolgten. Sie haben gezeigt,<br />
dass das Thermikmodell von Horstmann/Quast,<br />
das bislang zur Auslegung<br />
von Segelflugzeugen genutzt<br />
wurde, modifiziert werden musste.<br />
Eine weitere wichtige Erkenntnis<br />
dieser Fluganalysen war: Es wird nur<br />
zu einem sehr geringen Anteil mit<br />
der Geschwindigkeit für das beste<br />
Gleiten geflogen. Für die Auslegung<br />
des neuen Ventus wurde deshalb ein<br />
neues Überlandflugmodell entwickelt,<br />
ähnlich dem, wie es inzwischen auch<br />
für die Bestimmung der Leistungsbeurteilung<br />
für die Indexliste genutzt<br />
wird. Zur Optimierung wurden viele<br />
Varianten mit unterschiedlichen Profilen<br />
von Dr. Werner Würz durchgespielt.<br />
Variiert wurden die Verteilung<br />
der Trapeze des Flügelgrundrisses,<br />
die Winglets, die Umstraak-Positionen<br />
zu den unterschiedlichen Profilierungen<br />
und die Klappenstellungen.<br />
Dazu wurde eine Programmkette<br />
von Jan Himisch vom DLR Braunschweig<br />
verwendet. Als Ergebnis<br />
haben sich zwei Konfigurationen<br />
herauskristallisiert, die für das neue,<br />
der Wettbewerbsrealität besser angepasste<br />
Überlandflugmodell eine<br />
Verbesserung der Reisegeschwindigkeit<br />
von rund fünf Prozent versprechen.<br />
Die Entscheidung fiel schließlich auf<br />
die Auslegung, mit der auch die Ausnutzung<br />
enger und schwacher Thermik<br />
möglich ist. Dipl.-Ing. Christoph<br />
Wannenmacher, Entwicklungsleiter<br />
bei Schempp-Hirth: „Es gibt bei Überlandflügen<br />
immer wieder Situationen,<br />
in denen es darauf ankommt, in der<br />
Luft zu bleiben, um besseres Wetter<br />
abzuwarten oder um in absterbender<br />
Thermik noch möglichst nach Hause<br />
zu kommen.“<br />
Aus der bisherigen Designlinie von<br />
Schempp-Hirth bricht der neue Ventus<br />
mit seinem Flügel nicht aus,<br />
konkretisiert sie sogar noch etwas<br />
extremer. Die Flügelvorderkante<br />
schwenkt jetzt mehrfach zurück, und<br />
außen biegt sich der Flügel imposant<br />
in die Winglets auf, deren Auslegung<br />
durch Professor Mark Maughmer erfolgte.<br />
Diese senkrecht stehenden<br />
Flügelchen sind hier nicht mehr fester<br />
Bestandteil des Außenflügels, sie<br />
werden aufgesteckt. Im Vergleich zu<br />
den bisher sperrigen Außenflügeln<br />
erleichtert das die Unterbringung im<br />
Anhänger.<br />
Die auch beim neuen Ventus weit<br />
innen gewählte Flügelteilung des<br />
vierteiligen Tragwerks führt zu tragbaren<br />
Einzelteilen, was die Montage<br />
erleichtert. Dass es für die Montage<br />
keine losen Teile gibt, macht sie sicher.<br />
Dazu koppeln die Ruder zwangsweise.<br />
Der Flügel fällt insgesamt etwas<br />
leichter aus als der des Vorgängers.<br />
Die Einfüllstopfen für die<br />
Wassertanks enthalten<br />
jetzt eine Entlüftung mit<br />
Auslaufschutz.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 73
[ SEGELFLIEGEN Pilot Report ]<br />
[ 1 ] [ 2 ]<br />
Aufgrund erhöhter Anforderungen<br />
an die Crashsicherheit ist aber der<br />
Rumpf schwerer geworden, sodass<br />
der neue Ventus über die gleiche<br />
Leermasse wie der 2cx verfügt.<br />
Damit der Neue auch mit der maximal<br />
möglichen Flächenbelastung<br />
von 55 kg/m 2 , das heißt mit 600 Kilogramm,<br />
geflogen werden kann, fassen<br />
die Flügeltanks 180 Liter Wasser, der<br />
Hecktank noch einmal rund sechs<br />
Liter. In den Flügeln gibt es zwei<br />
separate Wassertanks, wobei der<br />
äußere der beiden Tanks bis in den<br />
Außenflügel reicht. Die Kopplung des<br />
äußeren Tanks erfolgt automatisch<br />
bei der Montage des Außenflügels.<br />
Die Wassertanks werden separat<br />
entleert, sodass der Pilot noch in der<br />
Luft die Möglichkeit hat, die Flächenbelastung<br />
an die tatsächlichen Verhältnisse<br />
anzupassen. Die inneren<br />
Tanks (50 Liter) können dabei unabhängig<br />
vom Hecktank entleert werden.<br />
Erst mit Öffnung des äußeren Tanks<br />
öffnet auch der Hecktank.<br />
Auch die Auslässe wurden neu<br />
konstruiert, sie schließen nicht mehr<br />
mit den bekannten störanfälligen<br />
Kippdeckeln, sondern in einer Linearbewegung<br />
mit einem Hubkolben. Die<br />
Entlüftung der Tanks wurde in die<br />
Einlassstopfen integriert, die jetzt in<br />
74 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
[ 3 ]<br />
[ 1 ] In die enge Rumpfröhre der Sport Edition passt tatsächlich ein Turbo. Der Ausklappmechanismus<br />
musste für die beschränkten Platzverhältnisse völlig neu konstruiert werden.<br />
[ 2 ] Dipl.-Ing. Andy Lutz bei der Flügelmontage. Klappen- und Ballasttankverbindung<br />
erfolgen automatisch. [ 3 ] Die Winglets machen den Flügel sechsteilig, sie werden jetzt auf<br />
den Außenflügel aufgesteckt. Diese Auslegung spart Platz im Hänger.<br />
den Flügel eingeschraubt werden.<br />
Schwimmer in Form von Kugeln in<br />
diesen Einfüllstopfen verhindern bei<br />
abgelegtem Flügel, dass das Ballastwasser<br />
aus den Entlüftungslöchern<br />
sprudelt – bisher stets ein Ärgernis.<br />
Bei der schlanken Sport Edition<br />
schnürt der Rumpf gleich hinter dem<br />
Cockpit im Ansatz des Tragwerks<br />
sehr stark ein und trägt<br />
so bereits einen Großteil<br />
des Flügel-Rumpf-Übergangs.<br />
Der Flügel wächst hier fast<br />
schon aus dem Rücken heraus. Mit<br />
seiner festen Profilierung setzt sich<br />
der Flügel-Rumpf-Übergang ein Stück<br />
in die Tragfläche zur als Flaperon<br />
ausgeführten Hinterkantenklappe<br />
fort. Im äußersten aufgebogenen Flügelabschnitt<br />
sind die Klappen für<br />
eine optimale Differenzierung der<br />
Querruderwirkung teilentkoppelt. Sie<br />
schlagen dort mit nach oben, aber<br />
nicht mit nach unten aus.<br />
Auf dem Seitenleitwerk, das mit<br />
mit einem Ausgleichstank gegen<br />
Schwerpunktverschiebungen versehen<br />
ist, sitzt ein überraschend kleines<br />
Höhenleitwerk. Hier entspricht alles<br />
dem üblichen Schempp-Hirth-Standard.<br />
Aerodynamisch gut verkleidet, ragt<br />
das kleine Heckrad nur wenig aus<br />
der Leitwerkskontur heraus.<br />
Im Laufe des Jahres wurde der<br />
Erprobungsträger des neuen Ventus<br />
auch mit einer Heimkehrhilfe, dem<br />
bekannten Turbo, ausgestattet. Um<br />
das System mit Fünfblatt-Faltpropeller<br />
und dem 15,3 Kilowatt starken<br />
SOLO-Motor in die enge Rumpfröhre<br />
einpassen zu können, wurde der gesamte<br />
Ausklappmechanismus mit<br />
elektrischem Spindeltrieb von Joachim<br />
Krauter und Robert Braune neu konstruiert.<br />
Die inzwischen für die Turbos<br />
realisierte Automatik zum Ausfahren<br />
und Anlassen sowie Verstauen<br />
erleichtert auch hier die Bedienung<br />
wesentlich und macht den Betrieb<br />
sicherer.<br />
Das schlank gehaltene Cockpit der<br />
Sport Edition nimmt Piloten bis zu<br />
einer Körpergröße von 1,90 Meter auf.<br />
Für den Einstieg klappt die Haube<br />
zur Seite, der Instrumentenpilz nach<br />
oben. Sichtcarbon an den Bordwänden,<br />
der Sitzwanne und der Instrumententafel<br />
gibt dem Arbeitsplatz<br />
eine edle Anmutung. Grau-rote Lederkissen<br />
unterstreichen die Wertigkeit<br />
der Ausstattung.<br />
Für kleinere Piloten soll es noch<br />
eine vollwertige Rückenlehne geben.<br />
PASST AUCH 1,90 METER GROSSEN PILOTEN<br />
Derzeit ist nur der obere Teil der hinteren<br />
Sitzwanne mit integrierter<br />
Kopfstütze nach vorn klappbar – für<br />
die Montage des Flügels.<br />
Reinschlüpfen – oder besser gesagt:<br />
sich das Flugzeug anziehen? Mit<br />
meinen 1,75 Meter passte mir der<br />
neue Ventus gut, bei den Pedalen<br />
blieb sogar reichlich Platz in die Bugspitze.<br />
Einmal reingerutscht in die<br />
Sitzwanne, scheinen einem die Flügel<br />
förmlich aus den Schultern herauszuwachsen.<br />
Die Bedienelemente auf<br />
den schmalen Seitenkonsolen, links<br />
der Klappenhebel mit Trimmung,<br />
darüber der Bremsklappenhebel und<br />
Daten Der neue Ventus – Sport Edition<br />
Hersteller: Schempp-Hirth, Kirchheim/Teck Sitzplätze: 1<br />
Verwendung: 18-m-Klasse-Wettbewerbe Bauweise: Faserverbund<br />
Abmessungen<br />
Spannweite<br />
18 m<br />
Flügelfläche 10,84 m²<br />
Flügelstreckung 29,9<br />
Rumpflänge<br />
6,63 m<br />
Massen und Mengen<br />
Leergewicht<br />
300 kg<br />
Höchstgewicht<br />
Flügeltanks (je 3)<br />
Hecktank<br />
600 kg<br />
180 l<br />
ca. 6 l<br />
Flugleistungen<br />
min. Flächenbelastung 34 kg/m²<br />
max. Flächenbelastung 55 kg/m²<br />
höchstzul. Geschwindigkeit 280 km/h<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 75
[ SEGELFLIEGEN Pilot Report ]<br />
Die neu konstruierte Haubenbelüftung<br />
erwies sich im Schnellflug als leise.<br />
Mit dem mehrfach zurückgefeilten und aufgebogenen Flügel<br />
folgt der neue Ventus der aktuellen Schempp-Hirth-Linie.<br />
Spartanisch: Für kleine Piloten soll es<br />
eine einstellbare Rückenlehne geben.<br />
Wirkungsvoll verzögert wird mit<br />
hydraulischer Tost-Scheibenbremse.<br />
Fazit<br />
• hervorragende<br />
Flugeigenschaften<br />
• dickes Plus für<br />
die Reisegeschwindigkeit<br />
• ungünstige Position des<br />
Ausklinkknopfes<br />
rechts der Fahrwerkshebel, liegen<br />
mit ihrem Bewegungsspielraum in<br />
bequemer Reichweite, lassen sich<br />
bedienen, ohne dass man irgendwo<br />
mit dem Ellbogen aneckt.<br />
Das Fahrwerk mit dem großen<br />
gefederten Rad mit Scheibenbremse<br />
lässt sich trotz des eng an der Seitenwand<br />
anliegenden Bediengriffs<br />
zu meiner Überraschung ohne großen<br />
Kraftaufwand und umständliches<br />
Umgreifen aus- und einfahren. Dank<br />
der Unterstützung einer Gasdruckfeder<br />
kann das Ganze mit einer gleichmäßigen<br />
Bewegung erfolgen. Bei ein<br />
paar Ein-/Ausfahrversuchen in der<br />
Luft zeigte sich: Schwungholen ist<br />
eher kontraproduktiv. Der Bediengriff<br />
für die hydraulisch betätigte Bremse<br />
sitzt am Steuerknüppel. Schon bei<br />
geringem Kraftaufwand beißen die<br />
Bremsklötze sehr effektiv zu.<br />
Zum Komfort, was Raumklima und<br />
Lärm im Cockpit angeht, tragen die<br />
neu gestaltete Verstellung der Belüftungsdüse<br />
vorn im<br />
Ansatz der Haube<br />
und die seitliche<br />
Frischluftzuführung<br />
bei. Auch bei hohen<br />
Vorfluggeschwindigkeiten<br />
bleibt es<br />
im Cockpit leise.<br />
Das Panel war<br />
beim Prototyp großzügig<br />
mit einem LX<br />
9070 bestückt. Schon<br />
BEI SCHNELLEM WETTER MIT 180 LITER WASSER<br />
beim Start erwies sich hier die Anzeige<br />
der Wölbklappenstellung als<br />
sehr nützlich. Für das Umwölben im<br />
Startlauf aus den negativen Stellungen<br />
mit ihren in der ersten Beschleunigungsphase<br />
wichtigen hohen Querruderwirksamkeit<br />
braucht damit kein<br />
Augenmerk ins Cockpitinnere gerichtet<br />
zu werden. Mit dieser Starttechnik<br />
lässt sich die Lage des Flugzeugs vom<br />
Anrollen an gut kontrollieren. Auch<br />
für die Bedienung im Flug ist der<br />
Vorteil der immer im Blickfeld befindlichen<br />
Anzeige ein wichtiger Beitrag<br />
zu einem optimalen Handling.<br />
Der Ausklinkknopf sitzt ganz prominent<br />
oben links im Panel. Mit dieser<br />
Anbringung verdeckt er ungünstig<br />
das ILEC-Steuer- und Überwachungsgerät<br />
für den Turbo.<br />
Für den Motorbetrieb lässt sich<br />
im Übrigen die Gesamtdruckabnahme<br />
umschalten. Gemessen wird dann<br />
statt mit der Kombisonde im Heck in<br />
der Bugspitze, wo die F-Schlepp-<br />
Kupplung sitzt und Frischluft fürs<br />
Cockpit aufgenommen wird. Die Batterien<br />
für Avionik und Triebwerk sind<br />
im Gepäck- und im Fußraum sowie<br />
im Seitenleitwerk untergebracht.<br />
Auf einen Test des Turbos verzichte<br />
ich bei meinem Flug mit dem<br />
neuen Ventus, dafür darf er sich noch<br />
im Hangwind an der Teck beweisen,<br />
bevor es nach dem ersten Kennenlernen<br />
in der frühherbstlichen Thermik<br />
wieder zur Landung geht. Der<br />
dynamische Aufwind funktioniert vor<br />
dem Relief richtig gut. Nur bewege<br />
ich mich dort – wenig angenehm –<br />
durch Pulks von Modellflugzeugen.<br />
Das Achtenfliegen findet deshalb über<br />
der Hangkante statt. Weiter zur Albfläche<br />
hin laden in Einschnitten auch<br />
immer wieder Ablösungen zum Einkreisen<br />
ein. Ganz ohne Beklemmungen<br />
lasse ich den Ventus hier fast<br />
schon in einer Art Urvertrauen relativ<br />
dicht über Grund drehen. Die<br />
Lobeshymnen von Firmenchef Tilo<br />
Holighaus auf den<br />
neuen Ventus erscheinen<br />
im Abgleich<br />
mit den Erfahrungen dieser<br />
Hangflugübungen dann auch gar nicht<br />
übertrieben. Fast wie ein 15-m-Flugzeug<br />
lässt sich hier der neue 18-m-<br />
Flieger von Schempp-Hirth bewegen.<br />
Ja, und landen lässt sich der neue<br />
Ventus dank der großen Bremsklappen<br />
punktgenau. Für die erforderliche<br />
Verzögerung im Bodenlauf sorgt die<br />
hydraulische Scheibenbremse.<br />
Im Handling und was die Flugeigenschaften<br />
angeht, ist der neue<br />
Ventus in der Sport Edition gut gelungen.<br />
Ob die Auslegung auch leistungsmäßig<br />
ein Schritt nach vorn ist,<br />
werden die Ergebnisse bei den Weltmeisterschaften<br />
im Januar in Benalla<br />
zeigen.<br />
Und was muss man nun anlegen<br />
für den neuen Ventus? Die Segelflugversion<br />
gibt es in einer Basisausstattung<br />
für knapp unter 100 000 Euro,<br />
Steuer, Instrumentierung, Hänger und<br />
Zubehör kommen hinzu.<br />
ae<br />
76 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
OLC-Finale <strong>2016</strong><br />
Streckenflug im<br />
Abwärtstrend?<br />
Die Bundesliga hält den sportlichen<br />
Segelflug über die gesamte Saison<br />
spannend. Klar, dass sich das OLC-<br />
Finale um dieses Speedfliegen drehte.<br />
Im Norden war es in den vergangen<br />
Jahren eher ruhig, was<br />
das Bundesliga-Fliegen angeht.<br />
Eine Ausnahme, und zwar eine<br />
ganz besondere, bildete der LSV<br />
Burgdorf. Nach drei Meisterschaften<br />
hat der Verein in der OLC-<br />
Saison <strong>2016</strong> zum vierten Mal den<br />
Titel gewonnen! Von 20<strong>12</strong> bis 2014<br />
hat dem Club kein Konkurrent die<br />
Meisterschale streitig machen<br />
können. Einzig im vergangenen<br />
Jahr war Bayreuth erfolgreicher.<br />
Ganz vorn mischte dieses Mal<br />
auch der AC Braunschweig mit<br />
und eroberte sich Platz zwei. Und<br />
hinter der SFG Donauwörth auf<br />
Platz drei platzierten sich der FK<br />
Brandenburg und der FCC Berlin<br />
unter die besten Fünf, während<br />
der LSV Rinteln auf Platz neun<br />
abrutschte. Von den Nordvereinen<br />
holte die FG Oerlinghausen Platz<br />
13, ansonsten traten die Vereine<br />
aus dem Norden der Republik in<br />
der 30-stelligen Liste der Bundesliga<br />
nicht in Erscheinung.<br />
Die Analyse zum Ligageschehen<br />
lieferte beim OLC-Finale wieder<br />
Heiko Hertrich von der LSG Bayreuth.<br />
Die LSG schwächelte nach<br />
dem Titelgewinn 2015 und rettete<br />
sich mit Platz 18 gerade noch vor<br />
dem Abstieg in die 2. Liga. Nach<br />
Hertrichs Statistik sind immer weniger<br />
Vereine präsent. Beim Start<br />
dieses Wettbewerbs mischten noch<br />
576 Clubs mit. Mittlerweile werden<br />
in der Wertung nur noch 513 von<br />
einst 732 im OLC Deutschland<br />
registrierten Vereinen aufgelistet.<br />
Auch die U25-Liga wird nicht<br />
so angenommen wie erhofft. In der<br />
eigens für die Junioren geschaffenen<br />
Wertung – ihre Leistungen<br />
sollten in den Vereinen mit starken<br />
Senioren-Mannschaften nicht untergehen<br />
– waren <strong>2016</strong> nur 286<br />
Vereine dabei. Fast jeder zweite<br />
hatte demnach kein Junioren-Team<br />
aufstellen können.<br />
Dass das Speedfliegen, die Konzentration<br />
auf nur zweieinhalb<br />
Flugstunden, nicht so richtig verfängt,<br />
dürfte kein Argument sein.<br />
Wer in dieser kurzen Zeitspanne<br />
schnell unterwegs sein will, muss<br />
seine Flüge zwar anders anlegen<br />
als jemand, der den Tag für eine<br />
möglichst lange Strecke nutzen<br />
will. Allerdings landet auch der<br />
große Flug, sofern nicht drei Vereinskollegen<br />
schneller sind, in der<br />
Ligawertung.<br />
Läuft in der Ausbildung zum<br />
sportlichen Fliegen etwas falsch?<br />
Es sieht in der Tat danach aus,<br />
dass das Streckenfliegen in den<br />
Vereinen an Zuspruch verliert. So<br />
hat in dieser OLC-Saison die Beteiligung<br />
im weltweiten Vergleich<br />
zum Vorjahr um mehr als 400 Teilnehmer<br />
abgenommen. 14 632 Piloten<br />
meldeten mit 116 510 Flügen<br />
rund 1000 weniger als im Jahr<br />
zuvor. Die Zahl der Streckenkilometer<br />
fiel gleich um eine Million<br />
auf 31 101 044 Kilometer zurück.<br />
Allein mit schlechteren Streckenflugbedingungen<br />
lässt sich das<br />
wohl nicht erklären.<br />
Eine bemerkenswerte Ausnahme<br />
in der Nachwuchsfrage bildet<br />
das Segelflugzentrum Königsdorf.<br />
Hier beteiligten sich 22 Piloten in<br />
der U25-Liga – und gewannen den<br />
Titel. Von der Segelflugszene, dem<br />
Trägerverein des OLC, wird der<br />
Juniorensport jedenfalls nach Kräften<br />
gefördert. Für den Preisträger<br />
der Junior Challenge gibt es für<br />
ein ganzes Jahr ein Förderflugzeug,<br />
den Discus 2cT „OLC“, gesponsert<br />
von Wilfried Großkinsky. Matthias<br />
Arnold nutzte das Flugzeug in der<br />
vergangenen Saison für mehr als<br />
500 Flugstunden. Seine Streckenflüge<br />
summierten sich auf fast<br />
eine Erdumrundung. Für die kommende<br />
Saison übernahm Clemens<br />
Pape vom FSV Unterjesingen den<br />
„OLC“.<br />
Die Platzierten in der Junior<br />
Challenge erhielten wertvolle Geldpreise,<br />
und für Robin Förster, knapp<br />
von Clemens Pape geschlagen, gab<br />
es als Trostpflaster die Einladung<br />
nach Bitterwasser, Namibia. Der<br />
jetzt jährlich ausgetragene Bitterwasser<br />
Cup ging mit einer Einladung<br />
in das Segelflugzentrum an<br />
Matthias Arnold. Im Young Eagles<br />
Speed Cup, der von Bruno Gantenbrink<br />
und Ralph Bürklin gesponsert<br />
wird, gab es Geldpreise und<br />
für Max Böswald ebenfalls eine<br />
Einladung nach Bitterwasser. ae<br />
Gerhard Marzinzik<br />
[ 1 ] [ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
[ 1 ] Sponsor Wilfried<br />
Großkinsky und<br />
Matthias Arnold<br />
übergaben den Discus<br />
2cT beim OLC-Finale an<br />
Clemens Pape vom FSV<br />
Unterjesingen.<br />
[ 2 ] Die Königsdorfer<br />
Junioren holten sich den<br />
Sieg in der U25-Liga.<br />
[ 3 ] Zum vierten Mal mit<br />
Meister schale: der LSV<br />
Burgdorf, hier mit<br />
OLC-Initiator Reiner<br />
Rose (l.).<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 77<br />
Fotos: Holger Weitzel
[ SEGELFLIEGEN Konferenz ]<br />
75. Deutscher Segelfliegertag<br />
„Wir<br />
schaffen<br />
das!“<br />
Der Deutsche Segelfliegertag ist immer eine Bestandsaufnahme des Luftsports. Diesmal<br />
bilanzierte in Berlin der komplett neue BuKo-Segelflug-Vorstand das zurückliegende Jahr.<br />
Für das Motto des 75. Deutschen<br />
Segelfliegertags „<strong>12</strong>5<br />
Jahre „Menschenflug“ hatte<br />
der Luftfahrtverband Berlin am<br />
letzten Oktoberwochenende weit<br />
zurückgeblickt. Festredner Gerhard<br />
Waibel wandelte es mit Sprachwitz<br />
in „Menschensegelflug“ ab und<br />
ließ als „Einwechselspieler“ die<br />
„zweite Halbzeit“ Revue passieren.<br />
Der 78-Jährige spannte den Bogen<br />
vom Beginn des Kunststoffzeitalters<br />
Anfang der 60er Jahre mit<br />
Konstruktion und Bau der D-36<br />
über seine Flugzeugentwicklungen<br />
bei Alexander Schleicher Segelflugzeugbau<br />
bis zur Concordia.<br />
Seine gesamte Berufserfahrung<br />
hatte Waibel in dieses Projekt von<br />
Dick Butler gesteckt. Er sah es als<br />
krönenden Abschluss seiner Konstrukteurslaufbahn.<br />
Heute ist die<br />
Concordia ist das mit Abstand<br />
beste Offene-Klasse-Flugzeug.<br />
Der 75. Deutsche Segelfliegertag<br />
war wieder ein Superlativ in<br />
dieser Reihe: eine Messe mit Ausstellungsständen<br />
über zwei Etagen,<br />
mit Flugzeugpräsentationen im<br />
Außenbereich und zwei parallel<br />
laufenden Vortragsreihen. Der<br />
Vormittag mit Festakt gehörte dem<br />
Jahresrückblick des Vorsitzenden<br />
der Bundeskommission Segelflug,<br />
Walter Eisele, und den Sportlerehrungen.<br />
Neue Struktur für<br />
die Sportorganisation<br />
Am Vortag hatte sich die Sparte<br />
Segelflug im Deutschen Aero<br />
Club zur Mitgliederversammlung<br />
getroffen. Walter Eisele zollte dort<br />
seiner Vorgängerin Dr. Meike Müller<br />
„tiefsten Respekt“. Ein Jahr<br />
Kommissionsarbeit hatte gezeigt,<br />
was in diesem Amt alles zu leisten<br />
ist. Eisele hatte sich zudem in seinem<br />
Baden-Württembergischen<br />
Luftfahrtverband als Vizepräsident<br />
und Segelflugreferent noch weitere<br />
Ämter aufgelastet. Für die<br />
Geschäftsstelle wünschte er sich<br />
eine weitere Professionalisierung.<br />
Sein Fazit und Appell: Noch<br />
mehr Spezialisten hauptamtlich<br />
einbinden!<br />
Das Referat Sport soll jetzt mit<br />
einer neuen Struktur effektiver<br />
werden. Ein Ausschuss Regelwerke<br />
wird künftig Überschneidungen<br />
und Koordinierungsaufwand zwischen<br />
Breiten- und Spitzensport<br />
Sibylle Andresen erflog in Nevada<br />
Welt- und deutsche Rekorde über<br />
das 300- und 500-km-Dreieck.<br />
vermeiden. Unter dem Titel „Training“<br />
wird sich eine weitere Arbeitsgruppe<br />
verstärkt dem Breitensport<br />
widmen, der Hinführung<br />
zum Sport nach dem Lizenzerwerb.<br />
Hier will die BuKo intensiv mit den<br />
DAeC-Landesverbänden zusammenarbeiten.<br />
Die Einbindung und Zusammenarbeit<br />
mit den Landesverbänden<br />
war in Berlin das Mantra von Walter<br />
Eisele. Ein Monoluftsportverband,<br />
der den Landesverbänden<br />
Beiträge entzieht, warnte er, würde<br />
die finanzielle Grundlage der<br />
Landesverbände und damit des<br />
Deutschen Aero Clubs gefährden.<br />
Die Abgrenzung zum allerdings<br />
nicht namentlich genannten Deutschen<br />
Segelflugverbandes (DSV)<br />
schwang bei allem mit. Rückendeckung<br />
für diese Einstellung gab<br />
Rekordpilotin Anja Kohlrausch war<br />
im Januar in Bitterwasser, Namibia,<br />
mit einer Antares 23E erfolgreich.<br />
78 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Volle Bühne: Weltmeister, Rekordpilotinnen und -piloten und Deutsche Meister mit dem BuKo-Vorstand (rechts hinten) bei der Siegerehrung.<br />
Fotos: Holger Weitzel<br />
es bei der Mitgliederversammlung<br />
mit der demonstrativen Präsenz<br />
des gesamten DAeC-Vorstands.<br />
Alles in den Griff zu bekommen,<br />
zeigte sich Walter Eisele zuversichtlich.<br />
Mit „Wir schaffen das!“,<br />
machte er sich dafür das Statement<br />
der Kanzlerin in der Flüchtlingsfrage<br />
zu Eigen.<br />
Erreicht hat man schon eine<br />
Zusage des Bundesverkehrsministeriums<br />
(BMVI) in Sachen Wolkenflug.<br />
Das Ministerium beauftragte<br />
die Deutsche Flugsicherung, die<br />
Möglichkeiten dafür zu prüfen.<br />
Aber – was ist wichtig, was weniger<br />
wichtig? Bei eingeschränkten<br />
Ressourcen ist das eine ganz<br />
dringliche Frage, will man sich<br />
nicht verzetteln. Große Bedeutung<br />
hat sicherlich die Überarbeitung<br />
des Prüfungsfragenkatalogs. Hier<br />
ist man von der Neuauflage 2017<br />
weit entfernt. Die notwendige<br />
deutsche Übersetzung der „Ap-<br />
„Wir schaffen das!“, erklärte Walter<br />
Eisele beim Segelfliegertag zum<br />
Aufgabenpaket der BuKo Segelflug.<br />
proved Means of Compliance (AMC)<br />
and Guidance Material (GM)“,<br />
anhand derer erst der FCL-Verordnung<br />
getreue Prüfungsfragen erstellt<br />
werden können, fehlt bislang.<br />
Eine Neuausgabe des Katalogs ist<br />
deshalb vor 2018 nicht zu erwarten,<br />
seit Einführung von SERA sind dort<br />
viele Fragen zu Luftraumregelungen<br />
veraltet und falsch.<br />
Wichtige Themen für die künftige<br />
Arbeit der BuKo Segelflug sieht<br />
Walter Eisele in der Sicherung des<br />
Luftraums gegen die Interessen<br />
von gewerblichen Drohnenbetreibern<br />
und in einer segelfluggerechten<br />
Einführung einer 600-kg-Klasse.<br />
Für den UL-Bereich klassifizierte<br />
er diese angestrebte Zulassungskategorie<br />
als gerechtfertigt und<br />
notwendig. Im Segelflugbereich<br />
könnte sie bei den Lizenzen zur<br />
Zersplitterung führen. Am Ende<br />
könnte es einen nationalen Segelflugschein<br />
für Einsitzer bis zur<br />
Hohe Auszeichnung für Rainer<br />
Wienzek: Er nahm in Berlin die „FAI<br />
Lilienthal Gliding Medal“ entgegen.<br />
18-m-Klasse und einen europäischen<br />
für schwere Doppelsitzer, die Offene<br />
Klasse und Motorsegler geben.<br />
Das soll unbedingt vermieden werden,<br />
wenn tatsächlich eine entsprechende<br />
Gesetzesänderung durchkommt<br />
und eine Anhebung des<br />
Gewichtslimits bringt.<br />
Zielsicher in die<br />
Medaillenränge<br />
Wettbewerbsleiter, Bundestrainer<br />
und Betreuer der Sportsoldaten<br />
– über Jahrzehnte hat sich Rainer<br />
Wienzek in diesen Funktionen<br />
selbstlos für den Segelflug eingesetzt.<br />
Der Internationalen Segelflugkommission<br />
war das eine ihrer<br />
höchsten Auszeichnungen wert:<br />
die „Lilienthal Gliding Medal“. Zum<br />
Segelfliegertag überreichten DAeC-<br />
Präsident Wolfgang Müther und<br />
Walter Eisele Rainer Wienzek die<br />
Medaille.<br />
Klaus Engelhardt, Präsident des LV<br />
Berlin, hatte den Tag zusammen<br />
mit seinen Segelfliegern organisiert.<br />
Der Stand des Sports zeichnete<br />
sich in Berlin im Ehrungsteil ab.<br />
Sibylle Andresen erhielt für ihre<br />
in diesem Jahr erflogenen Geschwindigkeitsweltrekorde<br />
über<br />
das 300- und 500-km-Dreieck den<br />
Ehrenteller des Deutschen Aero<br />
Clubs. Mit ihrem 163,11 km/h<br />
schnellen Flug über 500 Kilometer<br />
in Nevada im Sommer überbot sie<br />
zugleich den erst im Januar von<br />
Anja Kohlrausch mit 147,99 km/h<br />
aufgestellten Rekord.<br />
Erfolgreich war der deutsche<br />
Segelflug auch bei den Weltmeisterschaften.<br />
In der Clubklasse<br />
kletterte Jan Rothhardt als Weltmeister<br />
aufs Siegerpodest, in der<br />
Standard-Klasse wurde Felipe<br />
Levin Vizeweltmeister. Bei der<br />
Junioren-Weltmeisterschaft im<br />
Januar in Australien wurde Philipp<br />
Schulz in der Clubklasse Vizeweltmeister,<br />
Sebastian Nägel erreichte<br />
den dritten Platz in der Standard-<br />
Klasse.<br />
Die mit jeweils 1000 Euro dotierten<br />
Förderpreise der Traditionsgemeinschaft<br />
Alte Adler überreichte<br />
ihr neuer Präsident Uwe<br />
Stüben den Gewinnern der Juniorenkonkurrenzen<br />
der Deutschen<br />
Meisterschaft im Streckensegelflug:<br />
Stefan Langer (Standard-Klasse),<br />
Clemens Pape (Clubklasse) und<br />
die Juniorenmannschaft der SFG<br />
Donauwörth. Julia Wanninger vom<br />
FSC Schwandorf erhielt von Uwe<br />
Stüben und der Initiatorin dieses<br />
Preises, Ingrid Blecher, den Förderpreis<br />
als Juniorin <strong>2016</strong>.<br />
Die DMSt soll nun auch modernisiert<br />
werden: Nur 1100 vollendete<br />
angemeldete Flüge in dieser<br />
Saison sind ein Warnsignal. ae<br />
Gerhard Marzinzik<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 79
[ SEGELFLIEGEN Oldtimer ]<br />
Fotos: Lars Reinhold, Christian Hülsheger<br />
Restauration Bergfalke<br />
Flug-Schule mal anders<br />
In Braunschweig restaurieren Waldorfschüler einen Segelflug-Oldtimer.<br />
Das Ziel der Initiatoren: junge Menschen für die Fliegerei zu interessieren.<br />
Für Laien hat das Rohrgerippe,<br />
das im Werkraum der<br />
Freien Waldorfschule Braunschweig<br />
an einem Kran von der<br />
Decke hängt, nicht wirklich etwas<br />
mit einem Flugzeug zu tun. Julian,<br />
Norman und Rico wissen es besser.<br />
Die drei Schüler sind im vergangenen<br />
Schuljahr auf Tuchfühlung<br />
gegangen mit dem, was mal ein<br />
Bergfalke war und wieder werden<br />
soll. Drei bis fünf Stunden pro Woche<br />
haben sie Hand angelegt, haben<br />
Steuerungselemente ausgebaut,<br />
das Rohrskelett mit Abbeizer und<br />
Schleifpapier vom alten Anstrich<br />
befreit und nebenbei eine ganze<br />
Menge über Aufbau und Funktion<br />
eines Segelflugzeugs in Gemischtbauweise<br />
gelernt.<br />
Mastermind hinter der Aktion<br />
ist Bernd Junker, Alter Herr der<br />
Akaflieg Braunschweig, Mitglied<br />
im Bundesausschuss Kultur des<br />
DAeC und Mitautor der international<br />
anerkannten „Charta von<br />
Braunschweig“, bei der es um den<br />
fliegerischen Erhalt von historischen<br />
Luftfahrzeugen geht.<br />
Junker will im Sinne der Charta<br />
und gemeinsam mit den Schülern<br />
dafür sorgen, dass das Flugzeug<br />
mit der wechselvollen Geschichte<br />
wieder in altem Glanz<br />
erstrahlt – und wieder fliegt.<br />
„Der Bergfalke II ist Baujahr<br />
1955“, berichtet er. „30 Jahre ist<br />
er im Aero-Club Braunschweig<br />
geflogen, Klaus Ohlmann hat auf<br />
genau diesem Flugzeug das Fliegen<br />
gelernt.“ Nach tausenden<br />
Stunden hatte der Aeroclub den<br />
ziemlich abgerockten Oldie ausgemustert.<br />
Zwei Vereinsmitglieder<br />
kauften ihn, um ihn zu restaurieren.<br />
Danach erging es dem Flugzeug<br />
leider wie vielen anderen Restaurationsobjekten:<br />
mit Elan begonnen,<br />
dann weniger Zeit gehabt und – in<br />
der Hoffnung auf bessere Zeiten<br />
– liegengeblieben, schließlich nahezu<br />
in Vergessenheit geraten. „30<br />
Jahre lang hing das Flugzeug unter<br />
der Decke der Werkstatt. Im<br />
Herbst 2015 wurde wärmetechnisch<br />
saniert, und es stand die Verschrottung<br />
an“, sagt Junker. Als Mitautor<br />
der Charta konnte er das<br />
freilich nicht übers Herz bringen.<br />
„Früher haben Schüler auch in<br />
Schulprojekten am Bau von Segelflugzeugen<br />
mitgewirkt und beispielsweise<br />
Rippen für die Ka 8<br />
gebaut. In der Jugendbildungsstätte<br />
in Ratzeburg wird das heute<br />
noch gelehrt und gemacht.<br />
Warum sollte man so was nicht<br />
auch in Braunschweig auf die Beine<br />
gestellt bekommen?“<br />
Junker fragte bei mehreren<br />
Schulen in Braunschweig an, ob<br />
Interesse an einem solchen Projekt<br />
bestünde. Mit der Waldorfschule,<br />
die planmäßig praktische Projektarbeit<br />
von ihren Jugendlichen<br />
verlangt, fand er den richtigen<br />
Partner. Zudem unterstützt die<br />
Heinrich-Büssing-Berufsschule in<br />
Braunschweig die Restaurierung.<br />
Metallteile des Flugzeuges werden<br />
hier repariert oder neu gebaut.<br />
Praktische Einführung<br />
in den Flugzeugbau<br />
Im Januar <strong>2016</strong> fiel der Startschuss<br />
für die Restaurierung. Zunächst<br />
wurde ein Kran zum Anheben<br />
des Bergfalken gebaut, um<br />
ihn auf einer Wandkonsole lagern<br />
zu können, damit der Werkraum<br />
der Schule nicht dauernd durch<br />
80 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
So schön wie<br />
dieses Modell<br />
soll auch der<br />
Braunschweiger<br />
Bergfalke bald<br />
wieder aussehen.<br />
Teilnehmer des<br />
Schulprojekts und<br />
Bernd Junker mit<br />
dem entlackten und<br />
grundierten Rumpf.<br />
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den rund acht Meter langen Rumpf<br />
blockiert wird. Dann wurden die<br />
Steuerungsteile und Verkleidungsteile<br />
ausgebaut, alles entlackt und<br />
mit Grundierung geschützt. „Wenn<br />
man die fünfte Lackschicht<br />
mit Zahnarztwerkzeug aus den<br />
Schweißknoten herauskratzt, dann<br />
fragt man sich schon manchmal,<br />
was mache ich hier eigentlich“,<br />
kommentiert Julian die harte Arbeit.<br />
Allerdings, so sind sich die Schüler<br />
einig, lerne man dabei auch<br />
wirklich was fürs Leben. Handwerkliches<br />
Geschick, Problemlösungsstrategien<br />
und nicht zuletzt<br />
echtes Durchhaltevermögen. Neben<br />
der Demontage und Entlackung<br />
wurde mit dem Bau von Übungsrippen<br />
und dem Schäften von<br />
Sperrholz die Technik des Holzflugzeugbaus<br />
vermittelt. Mit einer<br />
selbst gebauten Messvorrichtung<br />
untersuchten die Schüler zudem<br />
die Festigkeit von Holzwerkstoffen.<br />
Die Tragflügel werden aus Platzgründen<br />
in der Werkstatt des<br />
Aero-Clubs Braunschweig überholt.<br />
Hier galt es unter anderem, Rippen<br />
zu reparieren und Endleisten neu<br />
anzufertigen. „Klares Ziel ist, dass<br />
der Bergfalke wieder fliegen soll,<br />
möglichst ab Frühjahr 2018“, blickt<br />
Junker voraus. Auf der AERO in<br />
Friedrichshafen soll der Rumpf<br />
lackiert und ausgerüstet präsentiert<br />
werden. Außerdem will Junker mit<br />
dem Scheibe-Bergfalken auf dem<br />
gemeinsamen Stand von DAeC und<br />
Wasserkuppen-Museum unter dem<br />
Titel „Vom Hobby zum Beruf – Der<br />
Leichtflugzeugbauer und Restaurator“<br />
junge Menschen für die<br />
Fliegerei und für diese Berufswahl<br />
ansprechen.<br />
Natürlich ist das Projekt für die<br />
Schüler nicht nur Arbeit. Jeder<br />
Teilnehmer bekommt die Chance,<br />
beim Aero-Club Braunschweig<br />
selbst ins Flugzeug zu steigen.<br />
Immerhin einer der Beteiligten hat<br />
sich schon getraut.<br />
Um den Flieger noch interessanter<br />
zu machen, soll auch eine<br />
zweiteilige Cabriohaube angefertigt<br />
werden. „Unser Bergfalke hat<br />
noch eine kleine Besonderheit“,<br />
sagt Bernd Junker zum Abschluss.<br />
„Es dürfen damit Fallschirmspringer<br />
abgesetzt werden. Es gibt nicht<br />
viele Segelflugzeuge, bei denen<br />
das möglich ist …“<br />
Wer den Fortgang der Restauration<br />
verfolgen will, findet auf dem<br />
Blog https://braunschweigerschulprojektbergfalke.wordpress.com<br />
alle Informationen.<br />
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Lars Reinhold<br />
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Fotos: Stefano Ghiorzo, Kollman Composites, Peek Lauk , Peter Ocker, Susanne Schödel<br />
[ SEGELFLIEGEN News ]<br />
Die Weihe von Peter Ocker fliegt wieder<br />
SCHMUCKSTÜCK<br />
Auf der Schwäbischen Alb könnte es 2017 Verwirrung geben. Kreist unter<br />
mir ein Segelflugzeug aus den 1940er Jahren? Diese Frage wird sich mancher<br />
Streckenflieger verdutzt stellen. Nach sechs Jahren Grundüberholung fliegt dann<br />
dort tatsächlich eine Weihe – das Leistungsflugzeug von 1943. Das ursprüngliche,<br />
lange Kennzeichen D-15-1406 weist auf den Luftgau 15, also Württemberg, hin,<br />
wo diese Weihe zum ersten Mal registriert wurde. Entstanden ist das heute bis<br />
hin zum Instrumentenbrett original restaurierte Schmuckstück zwischen 1948<br />
und 1951 im schweizerischen Grenchen in Heimarbeit. Ihr Erbauer Bernhard<br />
Müller nahm mit der Weihe 1960 bei den Segelflug-Weltmeisterschaften<br />
in Köln auf dem Butzweilerhof teil. Später kam sie nach Blumberg<br />
und flog dort noch lange mit HB-Kennzeichen. Heute ist der<br />
denkmalgeschützte Segler eine Rarität. In den Jahren 1938<br />
bis 1955 wurde er in größeren Stückzahlen gebaut.<br />
Ausfahrbare Miniflaps<br />
FÜR DEN LANGSAMFLUG<br />
Die ersten Testflüge mit ausfahrbaren Miniklappen<br />
an einer LAK-17b, die die Flügelfläche vergrößern,<br />
haben sich als sehr vielversprechend<br />
erwiesen. Schon Dr. Josef Mertens (†) von der<br />
Fachhochschule Aachen hatte mit Miniflaps zur<br />
Verbesserung der Langsamflugleistungen experimentiert<br />
und Vorteile festgestellt. Er hatte<br />
sie für erste Abschätzungen der Leistungsverbesserung<br />
nur an die Hinterkante angeklebt.<br />
Peek Lauk von der Luftfahrt-Akademie Estland<br />
hat nun das Konzept mit ein-/ausfahrbaren<br />
Miniklappen zur Anpassung an Schnell- und<br />
Langsamflug verfeinert. Mit den Klappen kann<br />
die Flügelfläche um bis zu 6,5 Prozent vergrößert<br />
werden, zugleich wird die Wölbung des<br />
Flügels damit vergrößert.<br />
Mit den<br />
über die gesamte<br />
Spannweite ausgefahrenen<br />
Miniflaps<br />
wurde für<br />
die LAK-17b im<br />
Langsamflug unter<br />
83,5 km/h nun<br />
eine signifikante<br />
Verringerung des<br />
Eigensinkens gemessen.<br />
Treffen in Lausanne<br />
GESPRÄCHE MIT PRÄSIDENT BACH<br />
Die Fliegerärzte des Weltluftsportverbandes treffen sich einmal im<br />
Jahr. Diesmal nutzten sie die Zusammenkunft zu Gesprächen mit<br />
dem Internationalen Olympischen Komitee. Im Olympia-Museum in<br />
Lausanne trafen der neue CIMP-Präsident Richard T. Garrison (l.) und<br />
Jürgen Knüppel vom DAeC (r.) IOC-Präsident Thomas Bach, denn<br />
das IOC nimmt inzwischen auch<br />
Aufgaben für die nicht-olympischen<br />
Disziplinen wahr. Richard T.<br />
Garrison stammt aus Dayton,<br />
USA. Er ist Motor-und Segelflieger<br />
und Senior Aeromedical<br />
Examiner. Jürgen Knüppel wurde<br />
in den Rang eines CIMP-Ehrenpräsidenten<br />
erhoben.<br />
Seine Mini-Diana „Versus“ hat Alisport-<br />
Geschäftsführer Stefano Ghiorzo mit<br />
dem FES-System jetzt als eigenstartfähiges<br />
Segelflugzeug vorgestellt.<br />
Bei der ersten WM der 13,5-m-Klasse<br />
2015 in Litauen wurder Ghiorzo mit<br />
der Versus Weltmeister.<br />
Kollman Pioneer 4<br />
NURFLÜGLER FÜR DEN SELBSTBAU<br />
Pioneer 4 heißt der neue, 15 Meter Spannweite messende Nurflügler<br />
von Kollman Composites aus Ohio. Mit Jim Marske wurde der Flügel des<br />
Vorgängers, Pioneer 3, überarbeitet; er erhielt einen Zweifach-Trapez-<br />
Grundriss, um bessere Flugeigenschaften und -leistungen zu erzielen. Das<br />
Profil des Innenflügels wurde dabei für eine möglichst lange laminare Laufstrecke<br />
der Strömung ausgelegt. Gebaut wird der Flügel in Faserverbundbauweise.<br />
Die beste Gleitzahl des Nurflüglers wird mit 48 bei rund 115 km/h<br />
angegeben. Inzwischen sind die ersten Erprobungsflüge erfolgt und haben<br />
die erwarteten Leistungen bestätigt, teilte Kollman Composites mit.<br />
Angeboten wird die Pioneer 4 wie der Vorgänger auch als Baukasten;<br />
die Flügel werden allerdings komplett vom US-Unternehmen gefertigt.<br />
82 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
[ SEGELFLIEGEN Meteo ]<br />
Meteo September<br />
Herbst-Überraschung<br />
Von wegen Altweibersommer:<br />
Der September bescherte richtig gutes<br />
Streckenwetter. Knapp 3000 Flüge<br />
wurden im Online Contest gemeldet.<br />
Es ist schon ungewöhnlich,<br />
dass sich die Streckenflugsaison<br />
bis weit in den September<br />
und teilweise sogar bis in<br />
den Oktober zieht. Dass sich zu<br />
dieser Zeit eine länger anhaltende<br />
Schönwetterperiode einstellt,<br />
kommt duchaus vor. Auch in den<br />
Vorjahren gab es im frühen Herbst<br />
durchaus gute Tage, aber nicht in<br />
der Menge wie in diesem Jahr. Mit<br />
mehr als drei Grad Celsius über<br />
der Durchschnittstemperatur stellt<br />
der September nahezu alle seine<br />
Vorgänger in den Schatten, nur der<br />
September 2006 konnte da noch<br />
mithalten. Auch die Werte für den<br />
Sonnenschein lagen mehr als deutlich<br />
über dem Mittel. Grund dafür<br />
waren zwei längere Hochdruckperioden,<br />
die zwar keine klassische<br />
Omega-Lage bildeten, es aber<br />
trotzdem schafften, zyklonale Einflüsse<br />
weitgehend fernzuhalten.<br />
Nur etwa zur Monatsmitte zog ein<br />
störender Kaltlufttropfen über<br />
Deutschland und beeinflusste vor<br />
allem den Süden.<br />
Interessantes offenbart der Blick<br />
auf die involvierten Luftmassen.<br />
Man mag denken: Der Monat war<br />
deutlich zu warm – alles klar:<br />
Warmluft! Doch ganz so pauschal<br />
kann man den September dann<br />
doch nicht beschreiben. Trotz Temperaturen,<br />
die 30 Grad Celsius<br />
erreichten, war meist keine Warmluft<br />
im Spiel, die ihren Ursprung<br />
im Mittelmeerraum hatte und sich<br />
auch durch Feuchte und einen<br />
gewissen Hang zur Labilität auszeichnete.<br />
Stattdessen war es vor<br />
allem in der zweiten Monatshälfte<br />
immer wieder trockene Ost- oder<br />
Nordostluft, die durch die Hochdruckgebiete<br />
über Skandinavien<br />
zu uns geführt wurde. Und das war<br />
letztendlich einer der entscheidenden<br />
Faktoren – nicht nur für die<br />
lang anhaltende Trockenperiode,<br />
sondern mit der qualitativ guten<br />
Luftmasse auch für die guten<br />
Segelflugperioden.<br />
Super Wetter an<br />
leider zu kurzen Tagen<br />
Nur schade, dass der September<br />
der Monat ist, in dem sich die Tageslänge<br />
am schnellsten verkürzt:<br />
Satellitenbild vom 11.9.<strong>2016</strong>, <strong>12</strong> Uhr<br />
Rund drei bis vier Minuten pro Tag<br />
sind es um die Zeit der Sonnenwende,<br />
und so sind die Tage zum<br />
Monatsende bereits knapp zwei<br />
Stunden kürzer als die zu Monatsbeginn.<br />
Die Tageslänge entspricht<br />
ungefähr der zwischen Mitte März<br />
und Mitte April.<br />
Dies macht sich natürlich auch<br />
bei der Thermikzeit bemerkbar. Es<br />
fehlen einfach ein paar Stunden<br />
für die ganz großen Flüge. Aber<br />
es gab ja noch einen entscheidenden<br />
zweiten Faktor für die guten<br />
Streckenflugbedingungen: die<br />
trockenen Böden, die trotz fortgeschrittener<br />
Jahreszeit noch den<br />
einen oder anderen erwähnenswerten<br />
Flug ermöglichten. Ähnlich<br />
wie auch in den Frühjahrsmonaten<br />
springt das Wetter nach Frontdurchgängen<br />
gleich wieder an,<br />
wenn die Fronten kaum oder gar<br />
keinen Regen hinterlassen.<br />
Eine solche Lage gab es direkt<br />
zu Monatsbeginn: Eine schwache<br />
Kaltfront lag am 1. September schon<br />
fast an der Donau, und rückseitig<br />
sorgte der Hochkeil für die richtige<br />
Mischung aus Cumuli und Stabilität.<br />
Julian Klemm (ASH 26)<br />
nutzte den Tag vom Hagensteinerhof<br />
aus für 750 Kilometer über<br />
Winzeln, Ansbach und Marpingen.<br />
Immerhin brachte die Luftmasse<br />
für gut acht Stunden Thermik und<br />
Basishöhen über 2000 Meter. „Ein<br />
toller Tag für die Jahreszeit!“,<br />
kommentierte Flo Theisinger, der<br />
von Landau aus 670 Kilometer flog.<br />
In etwas mehr als sechseinhalb<br />
Stunden war er sogar noch etwas<br />
schneller als Julian Klemm. Auch<br />
die beiden Folgetage waren vor<br />
allem im Südosten noch gut fliegbar,<br />
wobei man aber schon die<br />
rasche Alterung der Luftmasse und<br />
den Einfluss der Cirren spürte. Es<br />
konnte erst später gestartet werden<br />
und die Strecken fielen kürzer aus.<br />
Ab dem 9. September kam dann<br />
nach einer kürzeren Phase schlechteren<br />
Wetters, in der die einzigen<br />
nennenswerten Niederschläge des<br />
Monats fielen, der Sommer zurück.<br />
Der Tag war vor allem über<br />
Schwarzwald und Alb, wo bei nahezu<br />
Windstille die Cumuli über<br />
den Kämmen standen, ein sehr<br />
schneller. Kurt Renner flog von<br />
Hilzingen aus knapp 680 Kilometer<br />
mit einem 107er-Schnitt, Mike<br />
Bauer war von Eichstätt aus mit<br />
1<strong>12</strong> km/h noch schneller. Von dort<br />
aus schaffte Tobias Pachowsky am<br />
11. den weitesten Flug des Monats<br />
mit 715 Kilometern. Noch hielt sich<br />
die Luftmasse mit Cumuli über der<br />
Alb, während im Westen bereits<br />
eine Front und über dem Bayerischen<br />
Wald schon Überentwicklungen<br />
störten – ein typischer<br />
Sommertag, mag man meinen.<br />
Das Ostsee-/Skandinavien-Hoch<br />
hielt noch etwas, und zwischen<br />
dem <strong>12</strong>. und 14. gelangen einige<br />
Flüge über die 600-km-Marke hinaus.<br />
Die besten Bedingungen<br />
boten die Alpen. Hier flog Andreas<br />
Hüttlinger von Agathazell aus<br />
in rund siebeneinhalb Stunden über<br />
680 Kilometer. Auch die Kämme<br />
der östlichen und südöstlichen<br />
Mittelgebirge gaben noch einmal<br />
alles: Stephan Stöcklein erreichte<br />
vom Feuerstein aus 550 Kilometer<br />
mit einem <strong>12</strong>0er-Schnitt.<br />
500-km-Strecken sind<br />
bis in den Oktober drin<br />
Damit hatte der Monat seinen<br />
thermischen Atem noch nicht ausgehaucht.<br />
Am 18. ermöglichten<br />
Reihungen und Konvergenzen an<br />
der Ostsee Holger Weitzel einen<br />
Flug über 543 Kilometer von Boberg<br />
aus. Matthias Arnold war wohl<br />
etwas von den letzten Tagen der<br />
Saison überrascht worden, denn<br />
nach seinem Flug über 525 Kilometer<br />
am 21. bedankte er sich<br />
bereits für das Jahr mit dem OLC-<br />
Discus, um dann zwei Tage später<br />
doch noch einmal 550 Kilometer<br />
nachzulegen. Und es ging immer<br />
noch weiter: Das Hoch zog nach<br />
Südosten, und zwischen ihm und<br />
einem Tief über Finnland drehte<br />
der Wind auf Nordwest, ließ die<br />
Luftmasse aber vorerst unangetastet<br />
und trocken. Dies ermöglichte<br />
am 24. Martin Werner von<br />
Wittstock aus einen 630-km-Flug.<br />
Die Basishöhen lagen zwar in rund<br />
1400 Metern, der Wind sorgte aber<br />
für die nötigen Reihungen, um<br />
diese Strecke in sechs Stunden<br />
abzuspulen.<br />
Selbst bis in den Oktober hinein<br />
gab es noch Thermiklagen. Teils<br />
mit über 2000 Metern Basis über<br />
dem Schwarzwald wie am 3. oder<br />
Wolkenstraßen wie am 5. über<br />
weiten Teilen des Westens. ae<br />
Bernd Fischer<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 83
[ SEGELFLIEGEN Reise ]<br />
Segelfliegen über der Kalahari<br />
Starten in Kuruman<br />
Afrika ist, wenn auf der Nordhalbkugel der Winter herrscht,<br />
ein beliebtes Reiseziel für Segelflieger. Wie vom Zentrum<br />
Kuruman ganz im Nordwesten von Südafrika geflogen wird,<br />
berichten Markus Geisen und Karin Wiesenthal.<br />
Anders als Namibia, das sich<br />
bei deutschen Segelfliegern<br />
besonderer Beliebtheit erfreut,<br />
hat Südafrika eine lange<br />
Segelflugtradition. Viele der lokalen<br />
Vereine organisieren Sommercamps,<br />
und die meisten Besucher<br />
aus Europa kennen Gariep Gliding<br />
und das seit einigen Jahren bestehende<br />
Douglas Gliding Camp.<br />
Die Idee, Kuruman als Basis zu<br />
nutzen, wurde während einer sehr<br />
verregneten Saison in Gariep Dam<br />
geboren. Die in Südafrika wetterbestimmende<br />
Troglinie scheint<br />
langfristig zu wandern, und auf<br />
der schlechten Seite überwiegen<br />
leider nur Regen und Gewitter.<br />
Kuruman, etwa 130 Kilometer südlich<br />
der Grenze zu Botswana und<br />
von Gariep aus im Nordwesten<br />
gelegen, erschien als eine gute<br />
Option, nicht zuletzt hat die südafrikanische<br />
Nationalmannschaft<br />
dort schon mehrfach trainiert.<br />
Ein Ausflug in die Stadt bestätigte<br />
die generelle Eignung als<br />
Basis für Streckenflüge. Kontakte<br />
wurden geknüpft, und in der Saison<br />
2010/2011 wurde die Region<br />
mehrere Wochen lang fliegerisch<br />
erkundet. Seitdem findet in Kuruman<br />
von Anfang November bis<br />
Ende Januar Segelflugbetrieb statt.<br />
Das Potenzial für Streckenflüge ist<br />
enorm und wird durch die guten<br />
Platzierungen der dort fliegenden<br />
Piloten im Online Contest belegt.<br />
Kuruman: Gute<br />
Infrastruktur fürs Camp<br />
Der Flugplatz in Kuruman heißt<br />
Johan Pienaar Airfield und liegt<br />
etwa einen Kilometer westlich der<br />
Stadt auf einer Höhe von 1300<br />
Metern. Die Asphaltbahn 02/20 hat<br />
eine komfortable Länge von 1700<br />
Metern, was für den Start in dieser<br />
Höhe und erst recht bei hohen<br />
Temperaturen sehr von Vorteil ist.<br />
Der Flugplatz wird auch für den<br />
Charterflugbetrieb für die Gesellschaften<br />
der Eisen- und Manganerzminen<br />
in der Nähe genutzt. Es<br />
gibt keine Flugleitung, und die<br />
Piloten koordinieren den Verkehr<br />
untereinander. Englisch im Funk<br />
ist hier Pflicht.<br />
Während des Camps kann ein<br />
Hangar eines ortsansässigen Piloten<br />
mitgenutzt werden, er dient<br />
als Basis und bietet neben sanitären<br />
Einrichtungen einen kleinen<br />
Aufenthaltsraum und eine Terrasse<br />
mit Grillgelegenheit, dem hier<br />
typischen Braai. Die Flugzeuge<br />
stehen normalerweise unter Bezügen<br />
entlang der asphaltierten<br />
Rollwege. Der Zugang zum Gelände<br />
wird durch ein Rolltor gesichert.<br />
Kuruman ist eine lebendige,<br />
ehemals britische Missionsstadt<br />
mit heute etwa 13 000 Einwohnern<br />
und so etwas wie ein lokales Zen-<br />
84 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
Barogramm des 1370-km-Flugs<br />
mit integriertem 1100-km-<br />
Dreieck am 2. Januar <strong>2016</strong> mit<br />
einem Arcus M. Gleich beim<br />
Start um 9:40 Uhr trägt die<br />
erste Thermik auf 3800 Meter,<br />
entsprechend 2500 Meter über<br />
dem Flugplatz Kuruman. Auch<br />
für Südafrika ein Superlativ!<br />
Fotos: Markus Geisen<br />
Fliegen unterm Regenbogen.<br />
Das Gute und das Überschäumende<br />
liegen in Afrika<br />
oft dicht beieinander.<br />
Mit abendlicher Verlängerung unter einer Konvergenz werden<br />
am 2. Januar von Kuruman 1370 Kilometer geflogen.<br />
Die Segelflugsaison im südlichen Afrika spielt sich in der Nähe einer sehr<br />
wetterwirksamen Troglinie ab. Da heißt es, auf der richtigen Seite zu sein.<br />
ren Geländes kaum möglich, es<br />
gibt aber eine Reihe von Landemöglichkeiten<br />
auf Farmstrips und<br />
kleinen Flugplätzen. Die für die<br />
üblichen Flughöhen notwendige<br />
Sauerstoffversorgung wird durch<br />
die Campleitung sichergestellt.<br />
Auch kleinere Reparaturen können<br />
vor Ort erledigt werden.<br />
Das Camp ist eine nichtkommerzielle<br />
Veranstaltung, die Campleitung<br />
berechnet aber eine moderate<br />
Gebühr, um mit dieser<br />
Umlage die Miete für Hangar und<br />
Briefingraum aufzubringen. Doppelsitzer<br />
können auf Anfrage gechartert<br />
werden. Nähere Informationen<br />
und Berichte sind auf http://<br />
kuruman-gliding-camp.de zu finden.<br />
Bisher wurde Kuruman von Gästen<br />
mit fünf Flugzeugen, meist Doppelsitzern,<br />
genutzt.<br />
Ein guter Tag ermöglicht<br />
1370 Streckenkilometer<br />
Die Anreise – besonders aus<br />
Europa – ist recht komfortabel. Von<br />
Frankfurt sind es gerade zehn<br />
Stunden Flugzeit nach Johannesburg.<br />
Da Südafrika in der gleichen<br />
Zeitzone liegt, gibt es keinen Jetlag.<br />
Nur die Jacke muss man bei<br />
der Ankunft ausziehen. Von Johannesburg<br />
ist es dann mit den – günstigen<br />
– Mietwagen eine Fünf-<br />
Stunden-Reise nach Kuruman. Oder<br />
man wählt einen Anschlussflug<br />
nach Kimberley und hat dann nur<br />
noch zwei Autostunden bis zum<br />
Zielort. Außerhalb der Städte ist<br />
wenig Verkehr, und es empfiehlt<br />
sich, bei Tageslicht zu reisen.<br />
Und so sieht ein guter Flugtag<br />
in Kuruman aus: Am Vorabend<br />
zeigt sich noch mit breitgelaufenen<br />
trum. Die Stadt wird auch „Oase<br />
der Kalahari“ genannt, da in ihrer<br />
Mitte eine Süßwasserquelle täglich<br />
etwa 20 Millionen Liter Wasser<br />
liefert.<br />
Die Eisenerz- und Manganerz-<br />
Minen in der Umgebung haben in<br />
Kuruman viele spezialisierte Geschäfte<br />
entstehen lassen; es gibt<br />
Supermärkte und seit 2015 auch<br />
ein großes Einkaufszentrum. Selbstversorgung<br />
ist also einfach, aber<br />
auch die lokale Gastronomie ist<br />
einladend, vielfältig und preisgünstig.<br />
Die Lodges bieten hervorragendes<br />
Essen mit spektakulären<br />
Aussichten und afrikanischem Flair,<br />
man kann dort als Selbstversorger<br />
wohnen. In der Stadt gibt es Hotels.<br />
Alle Piloten, die in Kuruman<br />
fliegen wollen, benötigen eine<br />
validierte Lizenz – ein Verwaltungsakt,<br />
der vor Ort erledigt werden<br />
kann. Es gibt hier weder Windenstart<br />
noch F-Schlepp, nur Eigenstart<br />
ist möglich. Außenlandungen sind<br />
wegen des weitgehend unlandba<strong>aerokurier</strong><br />
<strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 85
[ SEGELFLIEGEN Reise ]<br />
Fruchtbares Land, wo<br />
Bewässerung möglich ist.<br />
Ringsum herrscht in der<br />
Kalahari Buschsteppe vor.<br />
Foto: Markus Geisen<br />
Statistik<br />
Saison 20<strong>12</strong>/2013 – 2015/<strong>2016</strong><br />
Gesamt km<br />
107 872<br />
229 460<br />
Douglas<br />
216 239<br />
66 554<br />
237 875<br />
298 601<br />
Gariep<br />
303 649<br />
234 909<br />
80 097<br />
78 564<br />
Kuruman<br />
66 589<br />
68 490<br />
169 554<br />
91 8<strong>12</strong><br />
New Tempe<br />
<strong>12</strong>9 946<br />
97 029<br />
0 100 000 200 000 300 000<br />
Cumuli ein vollständig bedeckter<br />
Himmel. Wir glauben der Vorhersage<br />
deshalb nicht ganz. Am Morgen<br />
des 2. Januar ist allerdings<br />
die komplette Bewölkung des<br />
Vortages verschwunden.<br />
Nach einem frühen Start um<br />
9.40 Uhr bringt uns die erste Thermik<br />
gleich auf 3800 Meter NN bei<br />
einer Geländehöhe von etwa 1300<br />
Metern. Die ersten 260 Streckenkilometer<br />
führen unter Cumulus<br />
nach Süden zur ersten Wende in<br />
Prieska, die wir um <strong>12</strong> Uhr errei-<br />
Saison<br />
Anzahl<br />
Piloten<br />
Anzahl<br />
Flüge<br />
Flüge<br />
>1000 km<br />
längste<br />
Distanz<br />
mittl. km<br />
pro Pilot<br />
mittl. km<br />
pro Flug<br />
2015/<strong>2016</strong> 37 171 21 (<strong>12</strong>%) <strong>12</strong>81 2915 631<br />
2014/2015 58 368 34 (9%) <strong>12</strong>71 3956 624<br />
2013/2014 47 341 43 (13%) <strong>12</strong>56 4601 634<br />
20<strong>12</strong>/2013 18 <strong>12</strong>7 2 (2%) 1117 3697 524<br />
2015/<strong>2016</strong> 61 374 32 (9%) <strong>12</strong>57 3900 636<br />
2014/2015 61 519 15 (3%) 1084 4895 575<br />
2013/2014 45 502 21 (4%) 1109 6748 605<br />
20<strong>12</strong>/2013 42 394 10 (3%) 1097 5593 596<br />
2015/<strong>2016</strong> 17 97 27 (28%) 1370 47<strong>12</strong> 826<br />
2014/2015 13 98 27 (28%) <strong>12</strong>37 6043 802<br />
2013/2014 13 80 25 (31%) 1179 5<strong>12</strong>2 832<br />
20<strong>12</strong>/2013 11 90 19 (21%) <strong>12</strong>63 6226 761<br />
2015/<strong>2016</strong> 42 348 7 (2%) 1076 4037 487<br />
2014/2015 31 221 0 (0%) 859 2962 415<br />
2013/2014 38 273 1 (0,4%) 1050 3420 476<br />
20<strong>12</strong>/2013 28 237 0 (0%) 941 3465 409<br />
chen. Die Schnittgeschwindigkeit<br />
auf diesem Schenkel liegt bei <strong>12</strong>0<br />
km/h. Wende zwei liegt knapp<br />
hinter Vryburg im Nordwesten.<br />
Wir planen jetzt ein 1100-km-FAI-<br />
Dreieck mit Start auf dem Schenkel.<br />
Für die knapp 400 Kilometer bis<br />
hinter Vryburg brauchen wir 2:37<br />
Stunden, was einen Schnitt von<br />
149 km/h ergibt. Wir haben damit<br />
schon mehr als die Hälfte der Strecke<br />
zurückgelegt, und es ist gerade<br />
mal 14:37 Uhr. Die nächsten<br />
280 Kilometer führen uns weit nach<br />
Segelflugzentren<br />
in Südafrika im<br />
statistischen<br />
Vergleich. Bisher<br />
haben wenige<br />
Piloten Kuruman<br />
genutzt, umso<br />
mehr stechen<br />
ihre Streckenerfolge<br />
heraus.<br />
Hier sind unter<br />
Nutzung von<br />
Botswana besonders<br />
große<br />
Flüge möglich.<br />
Botswana über fast unbewohntes<br />
Buschland. Um 16:30 Uhr wenden<br />
wir. Unser Schnitt auf diesem<br />
Schenkel: 155 km/h. Nach Kuruman<br />
zurück sind es noch knapp 200<br />
Kilometer, Sonnenuntergang ist in<br />
drei Stunden. Wir nutzen die Zeit<br />
und fliegen unter einer Konvergenzlinie<br />
über unseren Zielpunkt<br />
hinaus, bis uns der Sonnenuntergang<br />
zur Landung zwingt. Am<br />
Flugplatz stehen letztlich 1370<br />
Kilometer auf dem Zähler und ein<br />
FAI-Dreieck über 1100 Kilometer.<br />
Solche Flüge sind selbst von den<br />
Segelflugzentren in Namibia aus<br />
selten. Für Südafrika ist dieser Flug<br />
ein Spitzenergebnis.<br />
Viele touristische Ziele<br />
im Umland von Kuruman<br />
Wenn in Kuruman mal nicht<br />
geflogen werden kann, bietet sich<br />
ein Ausflug ins Umland an. Die<br />
Kalahari ist eine Halbwüste mit<br />
reichlich Buschland. Hier gibt es<br />
viele Safarifarmen, die einen Besuch<br />
wert sind. Die meisten bieten geführte<br />
Safaris, komfortable Übernachtungsmöglichkeiten<br />
und natürlich<br />
gutes Essen in traditionell<br />
gastfreundlicher Atmosphäre.<br />
Kimberley, eine Bergbaustadt und<br />
namensgebend für die Kimberlite<br />
– aus Vulkanschloten abgebaute<br />
Diamanten –, ist zweieinhalb Stunden<br />
entfernt; dort kann man in<br />
einem Museum die Lebensbedingungen<br />
während des „Diamond<br />
Rush“ um 1900 nacherleben. Ganz<br />
in der Nähe von Kuruman sind die<br />
Felshöhlen der Buschmänner und<br />
archäologische Ausgrabungen zu<br />
besichtigen.<br />
ae<br />
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86 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
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www.arrow-copter.ch<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 673749<br />
Magni Gyro M24, Standort<br />
EDRY, Bj. 2013, TT 980 Std., 2<br />
Sitzpl., Preis VS. 1000 Std. Wartung<br />
durchgeführt. Inkl. Transponder,<br />
Flarm Kollisionsvermeidung,<br />
2x Headset. Ständig hangariert.<br />
gw@mail-buero.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 675663<br />
92 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> Firmenanzeigen sind mit "F" gekennzeichnet www.<strong>aerokurier</strong>.de
Fax 0711/182-1027 oder www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de<br />
Pipistrel Alpha Trainer, Bj. 2013,<br />
mit geschlossenem Anhänger. Tel.<br />
07336/920325<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 673056<br />
Oldtimer<br />
Oldie, Standort Kempten, Bj. 1952,<br />
TT 2180 Std., 2 Sitzpl., 14.900,– €<br />
VB, grundüberholt 20<strong>12</strong>, Motor 25<br />
Std., Prop 25 Std., Com/Transponder.<br />
wertach@praxis-dr-bruns.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 675995<br />
Scheibe, Standort EHTX, Bj.<br />
1997, TT 4335 Std., 2 Sitzpl.,<br />
108.500,– € VB. 100 HP Rotax<br />
Schlepp Falke. Aircraft in top<br />
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Engine, 0 hrs. Overhauled MT3<br />
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Mode S Transponder. New ELT.<br />
New Tyres. Life Jackets. Contact<br />
us for photos and information.<br />
pstandaart@kpnplanet.nl<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 674266<br />
Piccolo B Motorsegler, Bj. 1989,<br />
TT 1181 Std., Motor 971 Std. seit<br />
Grundüberh. 113 Std., gr. Tank,<br />
Anhänger, 1-Mann-Aufbauhilfe, alle<br />
Std.kontrollen, JNP 04.2017,<br />
18.500,- €. e-mail: klaus.volker@<br />
t-online.de<br />
Rolladen-Schneider, Bj. 2000, TT<br />
684 Std., 1 Sitzpl., 130.000,– €.<br />
LS9, sehr gepfl., zu verk., ltz.Luft<br />
TüK 16.06.<strong>2016</strong>, 47:31h MotorLZ,<br />
Anschau Hänger. Tel. 0511/5478795<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 672109<br />
DG-400 Eigenstarter, Standort<br />
EDRX, Bj. 1987, TT 3495 Std., 1<br />
Sitzpl., 52.000,– €. Super Angebot<br />
inkl. Transponder und Cobra-<br />
Anhänger. Tel. 0151-75006757,<br />
armin.sutter@t-online.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 672011<br />
Kaufgesuche<br />
Suche Bücker 131 Jungmann.<br />
Ich suche eine flugfähige Bücker<br />
131 Jungmann (orig. oder CASA).<br />
Das Flugzeug sollte deutsch registriert<br />
sein. Kontaktaufnahme bitte<br />
über E-Mail: Benjamin.razii@web.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 669374<br />
BIETE "Flugzeuge der DDR" Band<br />
1 SUCHE "Flugzeuge der DDR"<br />
Band 2. u.efr@arcor.de oder Tel.<br />
0172/4490777<br />
Suche alle alten Hefte „Klassiker<br />
der Luftfahrt" von 1999 bis einschl. Nr.<br />
8/20<strong>12</strong>. Erbitte Angebote per Tel. 0231-281488,<br />
E-Mail: barschfoxi@gmail.com, oder Mobil<br />
0175/6 03 42 61 (ggf. auf Mobilbox sprechen).<br />
Hagelflugzeug gesucht. Suche<br />
einmotoriges Hagelabwehrflugzeug,<br />
gerne komplett umgerüstet,<br />
auch N-registriert.<br />
Tel. 07046/930236, johannes.<br />
wendnagel@t-online.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 673080<br />
C172 ab Bj. 1997 und A211 gesucht!<br />
BWLV Motorflugschule<br />
Hr. Krüger. Tel. +49(0)7021/54051,<br />
krueger@bwlv.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 675633<br />
Cessna 182 gesucht. Suche<br />
Cessna 182, gerne auch N-registriert.<br />
Tel. 07046/930236, johannes.<br />
wendnagel@t-online.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 673081<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 672463<br />
Reise-<br />
Motorsegler<br />
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Sitzpl., 30.000,– € VB. RF 5, gepflegt,<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 673669<br />
Katana DA 20, Standort EDBK, Bj.<br />
1995, TT 2815 Std., 2 Sitzpl.,<br />
37.000,– € VB. Rotax 9<strong>12</strong> (80 hp),<br />
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02241/924977, H. Birkmann, info@<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 674248<br />
Segelflug<br />
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Tel. 04331/92419<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 676865<br />
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SR22T Bj. 2010, N-reg, Full IFR,<br />
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Tel. 0171/4101671<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 675019<br />
Charterangebote<br />
Cirrus SR20 G3 IFR<br />
ab Schönhagen EDAZ<br />
Preis auf Anfrage<br />
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GTN 750 (neu), ADL <strong>12</strong>0 weather data link inkl. iPad, alle Instrumente doppelt, O² Anlage,<br />
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an anderen Flugplätzen nach Absprache.<br />
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Kontakt: Scott Kottwitz | gs.kottwitz@akrus.de | 0171 352<strong>12</strong>98<br />
www.<strong>aerokurier</strong>.de<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong><br />
93
-Markt<br />
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0179/7611875, paolo@marcolini.<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 672293<br />
-Markt<br />
Gewerbliche Anzeigen<br />
Fax 0711/182-1027<br />
Tecnam P2006T Charter ab<br />
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Chartern ab Eggenfelden EDME.<br />
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Nacht ausgestattet. Für 385,00€<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 675957<br />
WeFly: Größter DA-42<br />
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DA40 IFR -155 PS- ab EDMQ,<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 669131<br />
Cessna T303 Crusader IFR, ab<br />
EDAZ, 630,-€ Nass. incl. MWSt.,<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 676291<br />
Chartergesuche<br />
IFR 6-Sitzer Charter ges.LOAV/<br />
LOAN/LOWW. Fluglehrer/Examiner<br />
sucht Chartermöglichkeit für<br />
6sitziges IFR-Flugzeug für Flugreisen<br />
mit Familie mit guter Zuladung.<br />
Ideal C206/210, PA32, PA46, P68<br />
im Raum LOAN/LOAV/LOWW.<br />
Tel. 0043/664/3364508,<br />
thomas.menzel@sueddruck.at<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 668878<br />
Haltergemeinschaften<br />
Haltergemeinschaft Cirrus SR<br />
22T. Suche 1 bis 2 Piloten für eine<br />
zu gründende Haltergemeinschaft<br />
an einer Cirrus SR 22T.<br />
Raum EDME oder EDML. Gerne<br />
auch Einstieg in eine bestehende<br />
Haltergemeinschaft oder Charter.<br />
Tel. 0170/1864640,<br />
jp-blauwal@web.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 673419<br />
Seneca III 220T Haltergemeinschaft.<br />
Biete HG an D-reg. Seneca<br />
III, Bj. 83, sehr gut erhalten,<br />
full IFR, neue Motoren, longrange<br />
Tanks, nur privat geflogen, nie<br />
Schulung, Raum München.<br />
Tel. 0177-7115555,<br />
www.flyseneca.com<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 674480<br />
Haltergemeinschaft Raum Köln-<br />
Bonn. Suche gute funktionierende<br />
Haltergemeinschaft für Motorflugzeug<br />
oder Touring Motorsegler bis<br />
ca. 15.000,- Euro Anteilsshare im<br />
Raum Köln-Bonn. bernd.pilot@<br />
gmx.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 675640<br />
1/2 Mooney EDMA, M20E, N-<br />
Reg., EDMA (inkl. Hangar), IFR,<br />
S-TEC30, EDM700, GTX330,<br />
Trimble2000, KX155/KI204CDI,<br />
KY197A, Narco <strong>12</strong>2, Stormscope<br />
- kostengünstiges, schnel1<br />
les Reiseflugzeug, EUR 17.500,-.<br />
denissenmail@yahoo.com<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 672954<br />
Suche Haltergemeinschaft oder<br />
Partner für Flugzeugkauf. Performance<br />
Class: Mooney M20J, Piper<br />
PA28-201 Turbo Arrow IV o. Ä.<br />
Raum EDFE. Tel. 0177/7705025<br />
1/2 Anteil an Cirrus SR20 zu<br />
verkaufen, geplanter Standort<br />
Raum Dresden/Leipzig/Bautzen.<br />
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werden. Anteil EUR 50.000,-<br />
(auch in Raten) Weitere Infos<br />
unter Tel. 0170/4885228, info@<br />
modernphone.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 673614<br />
HG Piper Seneca III o.ä. Tel.<br />
01520/5666664, mfgmdt@aol.com<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 676310<br />
Suche für Haltergemeinschaft<br />
am Standort Neubrandenburg<br />
EDBN 1 bis 2 Miteigentümer für<br />
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TT 2140 Std., Major Inspektion<br />
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hauled in 06/2015, neuer 3 Blad<br />
Prop, Power Flarm und Flymap,<br />
IFR ausgerüstet, sehr gepflegter<br />
Zustand, ich bin der zweite Besit1<br />
zer seit 2000. Mehr Infos unter: Tel.<br />
0172/8721444, karl.witt@icloud.com<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 676027<br />
1/4 Anteil an IFR TB20 in Bonn-<br />
Hangelar, Socata TB 20 Trinidad,<br />
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IO-540-C4C5D, TSOH 550h Hartzell<br />
Prop, TSOH 180h Full IFR/Autopilot/WAAS/Traffic<br />
Warning/Fuel<br />
Totalizer, Hangar, sehr guter Zustand,<br />
sehr hohe Zuladung, langjährige<br />
und gut funktionierende<br />
Haltergemeinschaft, 1/4 Anteil =<br />
€ 28.500,-. tb20@online.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 674291<br />
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Arrow IV, Biete HG oder Std.<br />
Pak. für Piper Turbo Arrow IV<br />
Standort: EDMV (Drehteller, 1st<br />
row); IFR; GNS530; Leder; Preis<br />
VB je nach Nutzungswunsch;<br />
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00491718732307<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 671313<br />
Haltergemeinschaft "Rentnerjet".<br />
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Gründung einer Haltergemeinschaft<br />
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Klasse oder UL), Raum Freiburg<br />
im Breisgau. clfam@gmx.de<br />
mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 677005<br />
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96 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> Firmenanzeigen sind mit "F" gekennzeichnet www.<strong>aerokurier</strong>.de
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Praxis-Quiz<br />
Lösungen von Seite 65<br />
1.<br />
2.<br />
3.<br />
Frage 1: d) Missweisung, Variation und<br />
Deklination haben die gleiche Bedeutung.<br />
Frage 2: b) Die noch verbleibende zulässige<br />
Abweichung des Kompasses<br />
durch Metallteile oder elektrische Geräte<br />
bezeichnet man als Deviation.<br />
Frage 3: b) Den Kartenkurs in der<br />
ICAO-Luftfahrtkarte nimmt am Mittel -<br />
me ridian ab, weil hier der Kursmittelwert<br />
für die Strecke gemessen werden kann.<br />
102 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> Firmenanzeigen sind mit "F" gekennzeichnet www.<strong>aerokurier</strong>.de
[ Termine ]<br />
präsentiert<br />
von<br />
OO<br />
26. November<br />
Tag der AOPA-Vereine,<br />
Egelsbach<br />
Flugplatz, 62239 Egelsbach,<br />
E-Mail: info@aopa.de, www.aopa.de<br />
OO<br />
3. Dezember<br />
Quax-Winterzauber,<br />
Paderborn/Lippstadt<br />
Quax, Verein zur Förderung von<br />
historischem Fluggerät e.V.,<br />
Heessener Dorfstr. 46, 59073 Hamm<br />
Tel.: +49 2381 488842,<br />
E-Mail: info@quax-flieger.de<br />
Termine 2017<br />
OO<br />
27. – 29. Januar<br />
Hexentreffen<br />
Rheinsteig-Jugendherberge Kaub,<br />
Zollstraße 46, 56349 Kaub,<br />
Sabine Theis, Tel.: +49 6772 2437,<br />
E-Mail: frauen@lsvrp.de,<br />
www.hexentreffen2017.de<br />
✘✘<br />
5. – 8. April<br />
AERO, Friedrichshafen<br />
Messe Friedrichshafen, Neue<br />
Messe 1, 88046 Friedrichshafen,<br />
Tel.: +49 7541 708404,<br />
E-Mail: info@messe-fn.de,<br />
www.aero-expo.com<br />
OO<br />
20./21. Mai<br />
Flugtage, Gera-Leumnitz<br />
Ronneburger Str. 74, 07546 Gera,<br />
www.grossflugtage.com/<br />
flugtage-gera<br />
✘✘<br />
22. – 24. Mai<br />
17. EBACE, Genf, Schweiz<br />
European Business Aviation<br />
Association, Avenue de Tervuren<br />
13 a-b/Box 5, 1040 Brüssel, Belgien,<br />
Tel.: +32 2 7660070,<br />
E-Mail: info-eu@ebace.aero,<br />
www.ebace.aero<br />
OO<br />
9. – 11. Juni<br />
Flugplatzkerb, Gelnhausen<br />
Aero-Club Gelnhausen,<br />
Am Flugplatz 1, 63571 Gelnhausen,<br />
Tel.: +49 6051 92170, E-Mail:<br />
buero@aeroclub-gelnhausen.de,<br />
www.flugplatzkerb-gelnhausen.de<br />
OO<br />
19. – 25. Juni<br />
International Paris Airshow,<br />
Paris, Frankreich<br />
www.siae.fr/en/<br />
OO<br />
1./2. Juli<br />
Coburg Airshow<br />
Zur Brandensteinsebene,<br />
96450 Coburg,<br />
E-Mail: info@aeroclub-coburg.de,<br />
www.aeroclub-coburg.de/airshow<br />
OO<br />
7. – 9. Juli<br />
Int. Airliner-Treffen (Modelle),<br />
Giengen/Fils<br />
Fliegergruppe Gingen/Fils, Daniel<br />
Häfele, Tel.: +49 176 95565032,<br />
www.airlinertreffen.com<br />
OO<br />
9./10. Juli<br />
Flying Legends, Duxford,<br />
Großbritannien<br />
Imperial War Museum, Duxford<br />
www.flyinglegends.com<br />
OO<br />
14. – 16. Juli<br />
Royal International Air Tattoo,<br />
Fairford, Großbritannien<br />
RAF Fairford, Gloucestershire<br />
www.airtattoo.com<br />
OO<br />
24. – 30. Juli<br />
EAA AirVenture Oshkosh,<br />
USA<br />
EAA Aviation Center,<br />
3000 Poberezny Road,<br />
Oshkosh, Wisconsin 54902, USA<br />
www.eaa.org/en/airventure<br />
OO<br />
5./6. August<br />
Flugtag, Uslar<br />
Luftsportvereinigung „Solling“ e.V.<br />
Flugplatz Uslar, 37170 Uslar,<br />
Tel.: +49 5571-4989<br />
✘✘<br />
Terminankündigungen<br />
Weitere Termine finden Sie bei uns auf der Website<br />
www.<strong>aerokurier</strong>.de. Bitte schicken Sie Ihre Ankündigungen für<br />
den Termin-Service an redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Veranstaltungen mit <strong>aerokurier</strong>-Stand<br />
E-Mail: info@flugtag-uslar.de,<br />
www.flugtag-uslar.de<br />
OO<br />
26./27. August<br />
Flugtag, Bensheim<br />
Segelfluggruppe Bensheim e. V.,<br />
www.sfg-bensheim.com<br />
OO<br />
26./27. August<br />
Flugplatzfest, Degerfeld<br />
Luftsportverein Degerfeld e.V.,<br />
Beethovenstr. 19, 72458 Albstadt,<br />
www.lsv-degerfeld.de<br />
OO<br />
9./10. September<br />
Fliegerfest, Ammerbuch,<br />
Flugplatz Poltringen<br />
Flugsportverein Ammerbuch e.V. ,<br />
Postfach 1102, 71070 Herrenberg,<br />
Tel.: +49 7032 28602,<br />
E-Mail: info@fsv-herrenberg.de,<br />
www.fsv-herrenberg.de<br />
Die Flugplatzkerb in Gelnhausen mausert sich immer mehr zum<br />
Großevent für aktive Piloten und Flugzeugenthusiasten.<br />
Foto: Aero-Club Gelnhausen<br />
IMPRESSUM<br />
REDAKTION: Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart, Telefon: +49 711<br />
182-2800, Fax: +49 711 182-1781, E-Mail: redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de,<br />
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(verantw. i. S. d. Presserechts) Stellv. Chefredakteur: Gerhard<br />
Marzinzik Redaktion: Maximilian Kühnl, Alexandros Mitropoulos<br />
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MOTORRAD-Grafik, Ralf Athen, Tobias Rall, Katrin Sdun Repro:<br />
MOTORRAD-Medienproduktion, Stefan Widmann (Ltg.), Catherine<br />
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Schaber Ständige freie Mitarbeiter: Jörg Adam, Bernd Fischer,<br />
Toni Ganzmann, Frank Herzog, Mark Juhrig, Frank Martini, Egon-<br />
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VERLAG: Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG Leitung Geschäftsbereich<br />
Motorrad/Luft- und Raumfahrt: Peter-Paul<br />
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Braunschweig, www.daec.de Offizielles Organ: DAeC, AOPA<br />
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ANZEIGENVERTRETUNGEN IM AUSLAND: USA: International<br />
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FL 33156, Tel.: 001 305-666-2055, E-Mail: ed.hirsch@iamgrp.<br />
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Tel.: 001 786-223-1852, E-Mail: lorrie.balding@iamgrp.com<br />
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Altair, ul. Fabry czna 16-22/23, PL-00-446 Warschau, Tel.: +48 22<br />
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Studenten erhalten gegen Vorlage einer Immatrikulationsbescheinigung<br />
das Abo mit einem Preisvorteil von 40 % gegenüber<br />
dem Kioskkauf zum Preis von € 39,60 (A: € 45,36; CH: sfr<br />
72,– ; weitere Auslandspreise auf Anfrage). Persönliche Mitglieder<br />
der Bundeskommission Motorflug des Deutschen Aero Club e.V.<br />
(DAeC) erhalten den Titel aero kurier im Rahmen eines gesonderten<br />
Mitgliederbezugspreises.<br />
Der <strong>aerokurier</strong> erscheint monatlich (mit den DAeC-Nachrichten<br />
in der Abonnement-Auflage). Es gilt die Anzeigenpreisliste <strong>2016</strong>.<br />
Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdrucks und der<br />
fotomechanischen, elektronischen oder digitalen Wiedergabe<br />
von Teilen der Zeitschrift oder im Ganzen sind<br />
vorbehalten. Für unverlangt eingesandte Manuskripte,<br />
Fotos, Zeichnun gen und Datenträger wird keine Haftung<br />
übernommen. (ISSN 0341-<strong>12</strong>81)<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 103
[ PORTRÄT ]<br />
Von der Circe<br />
Das Interview führte<br />
Gerhard Marzinzik<br />
bis zur Concordia<br />
Die moderne Faserverbundbauweise<br />
hat<br />
Gerhard Waibel von<br />
der D-36 Circe an<br />
mitgeprägt. Er war<br />
als Pilot erfolgreich<br />
und wirkte – bereits im<br />
Ruhestand – am Überflieger<br />
Concordia mit.<br />
Viele Flugzeugmuster tragen<br />
dein Initial, von der<br />
ASW <strong>12</strong> bis zur ASW 28.<br />
Wo ordnest du die Concordia<br />
ein?<br />
Rückblickend habe ich die meiste<br />
Arbeitszeit bei Schleicher in Offene-<br />
Klasse-Flugzeugen investiert. Da<br />
wurden immer neue Materialien und<br />
auch neue Technologien eingebracht.<br />
Dann, zum Abschluss, noch einmal<br />
einen ‚Rennwagen‘ bauen zu können,<br />
alles zusammenzubringen, was gut<br />
ist, das war für mich das schönste<br />
Ruhestandsgeschenk.<br />
Im Konstruktionsteam der D-36<br />
hast du daran mitgewirkt, die<br />
Faserverbundbauweise zu etablieren.<br />
Wo lagen da die Herausforderungen?<br />
Die D-36 haben Wolf Lemke und ich<br />
bei einem gemeinsamen Praktikum<br />
bei British Steel in Sheffield verabredet.<br />
Erst sollte es ein kleiner Flieger<br />
werden. Aber nachdem wir die BS-1<br />
von Björn Stender mit 18 Meter Spannweite<br />
gesehen hatten, wollten wir<br />
da nicht nachstehen. Wolf Lemke hat<br />
dann nachgerechnet, was die schon<br />
fertiggestellten Leitwerke der D-36<br />
noch hergaben, und so sind wir auf<br />
17,80 Meter Spannweite gegangen.<br />
Für den Flügel konntet ihr ein<br />
ganz neues Profil von Professor<br />
Wortmann verwenden.<br />
Björn Stender hatte uns darauf aufmerksam<br />
gemacht, dass Professor<br />
Wortmann ein neues, ganz dünnes<br />
Laminarprofil mit einem hohen maximalen<br />
Auftriebsbeiwert entwickelt<br />
hatte, das Björn selbst gerne genommen<br />
hätte.<br />
Das erste Flugzeug in Faserverbundbauweise<br />
war die D-36 nicht.<br />
Welche Vorbilder gab es damals,<br />
Anfang der 60er Jahre?<br />
Von der einfachen Bauweise der SB-<br />
6 und SB-7 der Akaflieg Braunschweig<br />
104 <strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong>
haben wir uns schon inspirieren lassen.<br />
Da wurde im Wesentlichen außer<br />
einem Glasfaserholm eine Balsastruktur<br />
gebaut, die man mit GFK überzogen<br />
hat. Um Verwitterung haben wir<br />
uns nicht so sehr gekümmert. Die V2<br />
der D-36, die jetzt im Museum auf<br />
der Wasserkuppe steht, zeigt ja, dass<br />
das bei sachgerechter Behandlung<br />
geht. Die D-36 hat viel offenes Balsa.<br />
Innen ist sie gerade mal mit ein bisschen<br />
Harz gestrichen, sie hat dort<br />
nicht überall eine Glasfaserschicht.<br />
Flossen bei der ASW <strong>12</strong>, dem ersten<br />
GFK-Flugzeug von Schleicher,<br />
wieder neue Erkenntnisse zur<br />
aerodynamischen Auslegung ein?<br />
Die D-36 hatte schon eine vergleichsweise<br />
kleine Flügelfläche und damit<br />
eine höhere Streckung. Wir wissen<br />
heute, dass dies gute Steigleistungen<br />
bringt. Von der Thermik wusste man<br />
damals, dass ein um einen Meter<br />
kleinerer Kreisradius eine Verbesserung<br />
der Steigleistung um 2 cm/s<br />
ergibt. Eine Querneigung von 40 Grad<br />
galt deshalb als optimal. Die Ka 6 war<br />
in dem Sinne gut ausgelegt für diesen<br />
„Bartgradienten“ und in gewisser<br />
Weise richtungsgebend. Ihre<br />
schwereren Konkurrenten Foka und<br />
Standard Austria stiegen schlechter.<br />
Bei den Segelflug-Weltmeisterschaften<br />
1970 in Marfa, Texas, haben wir<br />
dann erfahren, dass es sehr viel weitere<br />
Thermik gibt mit guten Steigwerten.<br />
In Marfa bist du mit der ASW 15<br />
Sechster geworden. Hat es dir<br />
als Konstrukteur geholfen, dass<br />
du selbst bei Meisterschaften<br />
geflogen bist?<br />
Nach drei Deutschen Meisterschaften,<br />
1964 hatte ich ja gleich mit der D-36<br />
in der Offenen Klasse den Titel geholt,<br />
war ich im WM-Team. Dass ich mich<br />
dann in Marfa gleich vor dem amtie-<br />
Anfänge und Moderne:<br />
Gerhard Waibel vor dem<br />
Lilienthal-Gleiter.<br />
renden Weltmeister platzieren konnte,<br />
hat mich schon sehr gefreut. 25<br />
Jahre war ich insgesamt in der Nationalmannschaft<br />
und als Helfer bei<br />
vielen Weltmeisterschaften dabei. Die<br />
Erfahrungen der Piloten haben schon<br />
sehr geholfen. Ich habe ja immer nur<br />
Flugzeuge konstruiert, die sich im<br />
Wettbewerb bewähren mussten.<br />
Die Forderung nach sehr gutmütigen<br />
Langsamflugeigenschaften<br />
hat die Entwicklung etwas eingebremst.<br />
Was ist da passiert?<br />
Die Konzentration auf sehr gutmütige<br />
Flugeigenschaften hat Flügelprofile<br />
gebracht, die im Bereich des maximalen<br />
Auftriebsbeiwerts ein großes Plateau<br />
im Geschwindigkeitsbereich<br />
hatten. Die Piloten konnten mit diesen<br />
Flugzeugen sehr langsam kurbeln,<br />
ohne zu merken, dass sie sich in einem<br />
Bereich mit stark anwachsendem Widerstand<br />
bewegten. Man hat sich da<br />
mit einem Seitenfaden oder Drucksonden<br />
zur Kontrolle des Anstellwinkels<br />
beholfen. In der neueren Profilentwicklung<br />
wird dieses Plateau im Polardiagramm<br />
vermieden. Die Flugzeuge<br />
werden heute wieder schärfer ausgelegt,<br />
aber unter Erhalt harmloser<br />
Überzieheigenschaften.<br />
Und wie haben die Erkenntnisse<br />
zur Thermikstruktur die aerodynamische<br />
Auslegung beeinflusst?<br />
Die ASW 22 hat sich schon deutlich<br />
von der ASW 17 unterschieden. Auf<br />
das Ausnutzen engster, schwacher<br />
Thermik wurde verzichtet. In solch<br />
einer Thermik könnte eine Ka 8 in den<br />
unteren turbulenten Höhen eine 22<br />
auskurbeln.<br />
An das Funktionieren der jüngsten<br />
Profile hat so mancher<br />
Aerodynamiker erst einmal nicht<br />
geglaubt ...<br />
Ja, Professor Eppler hat lange nicht<br />
wahrhaben wollen, dass sich die<br />
laminare Grenzschicht bis über den<br />
Klappenspalt erhalten lässt. Für die<br />
ASW 27 und die ASH 26 hat Professor<br />
Loek Boermans solche Profile entwickelt.<br />
Sie haben im Windkanal funktioniert<br />
– und sie funktionieren noch<br />
besser in der freien Atmosphäre!<br />
Professor Boermans ist mit der<br />
Entwicklung von Profilen mit<br />
Absaugung sehr weit. Wie steht<br />
es mit der Realisierung?<br />
Ich denke, dass es Segelflugzeuge mit<br />
diesen Profilen – mit Gleitzahl 100 –<br />
frühestens in rund 30 Jahren geben<br />
wird. Loek Boermans möchte sie natürlich<br />
viel früher haben. Die technologischen<br />
Schwierigkeiten, die dazu<br />
notwendigen perforierten Oberflächen<br />
und Strukturen herzustellen, sind immens.<br />
Aber die Windkanalmodelle<br />
funktionieren ja bereits.<br />
ae<br />
Beim Segelfliegertag in<br />
Berlin wurde Gerhard<br />
Waibel mit der Ehrenmedaille<br />
des Deutschen<br />
Aero Clubs in Gold<br />
ausgezeichnet.<br />
In dieser Serie stellt<br />
der <strong>aerokurier</strong><br />
außergewöhnliche<br />
Persönlichkeiten<br />
aus der Luftfahrt<br />
im Interview vor.<br />
Fotos: Maria Szemplinska, Holger Weitzel<br />
Überflieger Concordia<br />
Die Concordia ist das Traumflugzeug geworden, das sich der amerikanische<br />
Wettbewerbspilot Dick Butler erhoffte. Bei 210 km/h gleitet sie noch mit<br />
1:50! Gerhard Waibel: „Das muss man erst einmal begreifen!“ So richtig vorstellbar<br />
ist das für Piloten nicht, mit deren Flugzeugen es bei 200 km/h vor<br />
allem abwärts geht. Das errechnete beste Gleiten von 1:75 hält Waibel für<br />
durchaus realistisch. Um das zu erreichen, hatte Dick Butler für Entwicklung,<br />
Konstruktion und Bau die besten Köpfe in sein Team geholt: Gerhard Waibel<br />
mit seiner großen Erfahrung, Johannes Dillinger für die aerodynamische und<br />
strukturelle Auslegung mit den modernsten Profilen von Loek Boermans. Die<br />
Bauformen entstanden bei Glasfaser Flugzeug-Service. Viele, auch die Firma<br />
Schleicher, ließen sich dann von dem Projekt begeistern und haben mitgebaut.<br />
<strong>aerokurier</strong> <strong>12</strong>/<strong>2016</strong> 105
[ VORSCHAU ]<br />
Das lesen Sie im Januar<br />
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28. Dezember<br />
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entwickelt, wie diese erkannt und mit welchen Aufgabenstellungen<br />
sie am besten genutzt werden können.<br />
Wir bitten um Verständnis, wenn angekündigte Beiträge aus aktuellen Gründen in eine andere Ausgabe verschoben werden.<br />
Fotos: Holger Weitzel, Melih Ömür, Sebastian Thoma, Martin Schulz<br />
Praxis<br />
Im Winter in die Luft<br />
Schnee und Eis sind kein Grund, das<br />
Flugzeug stehen zu lassen. Wer weiß, wie’s<br />
geht, kann auch in der kalten Jahreszeit<br />
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Reise<br />
Endstation Wüste<br />
Faszinierend und traurig zugleich ist<br />
der Anblick hunderter Flugzeuge, die in<br />
der Wüste auf ihr Ende warten. Eine Reise<br />
zu Flugzeugfriedhöfen in den USA.<br />
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