LP Hope

Coverly

Hope verschränkt die Arme vor der Brust, als

er die Brille abnimmt und ihr in die Augen

sieht.»Hast du kurz Zeit?« Farhan lächelt nicht,

er redet fast genauso wie auf seinem Kongress.

Hope nickt und er hält ihr die Beifahrertür auf.

Es ist eine unangenehme Stille zwischen ihnen,

als sie losfahren, Farhan fährt einfach, Hope weiß

nicht mal,ob er ein Ziel hat. »Was machst du in

München?«

Farhan sieht weiter auf die Straße. »Wir sind

nur für ein paar Stunden hier, wir fliegen heute

Abend noch nach Zürich. Hast du Hunger? Willst

du etwas essen?« Hope schüttelt den Kopf. »Nein

danke.« Farhan räuspert sich »ich will dich nicht

nerven Hope aber ..« Hope unterbricht ihn »du

nervst nicht, Farhan!« Hope merkt, dass er etwas

sucht, wo man anhalten kann. Sie zeigt ihm den

Weg zu einem Gelände, das manchmal als Freikino

benutzt wird und wo sie ungestört halten und

aussteigen können.Sobald sie halten, steigt Hope

aus und sieht auf die große Rasenfläche, die sich

vor ihnen erstreckt, es liegen vereinzelt Blätter

drauf.

Man spürt, dass sich langsam der Herbst

ankündigt. Farhan steigt ebenfalls aus, und als sie

sich gegen die Motorhaube lehnt, stellt er sich vor

sie. »Wie gesagt, Hope, ich will dich nicht nerven,

aber ich verstehe nicht oder ich frage mich, wieso

du den Kontakt abbrechen wolltest? Habe ich

etwas falsch gemacht?« Hope weiß nicht, was das

jetzt soll. »Ich den Kontakt abbrechen? Ich hatte

das Gefühl, du hast dich nur noch aus Mitleid

oder vielleicht, weil es sich so gehört, hin und

wieder gemeldet und ich wollte uns das einfach

ersparen.«Man sieht, dass Farhan sauer wird, seine

Augen verraten ihn. »Wie kommst du auf so eine

Idee? Wieso aus Mitleid, habe ich mich in Paris so

verhalten, als hätte ich kein Interesse?«

Hope stockt und spürt, wie ihr das Blut in die

Wangen steigt. Jetzt zu sagen ja, weil er sie nicht

geküsst hat, wäre nicht gut. »Nein, das nicht,

aber es war auch nicht so, dass wir auseinander

gegangen sind mit den Plänen uns wiederzusehen

oder was genau mit uns ist. Und dann hast du

2 3


dich nicht mehr wie vorher gemeldet, und ich

habe eins und eins zusammengezählt!« Farhans

Gesichtsausdruck verändert sich von sauer in frech,

er kann sich ein Grinsen nur schwer verkneifen.

»Dann hättest du das vielleicht besser nicht tun

sollen!« Nun wird Hope sauer. »Wieso hast du dich

dann plötzlich nicht mehr so viel gemeldet? Was

sollte ich denken? Das ist nicht lustig, ich habe es

nicht verstanden, du machst mich gerade wirklich

sauer, Farhan!«

Er lächelt zwar nicht mehr, aber er wirkt

erleichtert und tritt nah an Hope heran. Farhan

öffnet ihre verschränkte Arme und nimmt

ihreHände in seine. »Ich bin ein Prinz, du kannst

nicht sauer auf mich sein!« Auch Hope ist glücklich

ihn wieder so nah bei sich zu haben, doch sie sieht

ihm trotzdem ernst in seine Augen.»Es ist mir egal,

was du bist, ich muss wissen, woran ich bei dir bin!«

Farhan nickt und umfasst ihre Hände fester. »Ich

weiß, dass es dir egal ist. Wenn ich ehrlich bin, ich

war mir die ersten Tage auch unsicher... vielleicht

ist das falsch ausgedrückt...«

Hope will ihre Hände aus seinen lösen, doch

Farhan hält an ihr fest. »Warte, ich versuche es dir

zu erklären, Hope. Wieviel weißt du über unsere

Religion?« Hope zuckt die Schultern. »Schon

einiges, was man halt so hört.« Farhan schüttelt

den Kopf.»Das ist ja das Problem, was man hört

ist nicht, was es ist. Sieh mal, normalerweise gibt

es so etwas wie Beziehungen bei uns nicht. Was

heißt normalerweise, es sollte es nicht geben.

Du sollst dich für die Ehe aufheben. Dass man,

wie es hier normal ist, Monate oder Jahre mit

jemandem zusammenlebt ohne zu heiraten,

ist eine Sünde. Es gilt für Männer und Frauen,

aber zugegebenermaßen ist es bei den Männern

meistens nicht mehr so. Wir studieren im Ausland

und sündigen in der Jugend das ein oder andere

Mal, leider. Ich selber habe schon einige Sünden

begannen, die ich heute bereue.

Aber es ist etwas anderes als das, was du vielleicht

kennst. Wenn ich etwas mit jemandem hatte, dann

war es nur eine einmalige Sache, die ich sehr

bereue, ansonsten gibt es nur die Hochzeit, doch

4 5


jetzt mit dir... Ich weiß, dass du das nicht kennst,

jemanden so schnell zu heiraten, und dich nur für

eine Nacht, die ich irgendwann bereuen werde zu

nehmen, konnte ich auch nicht. Als wir in Paris

waren, habe ich gemerkt, dass es mit dir anders ist.

Um ehrlich zu sein, ist es mir sehr schwer gefallen

dich gehen zu lassen, deswegen war ich danach

auch etwas auf Abstand, weil ich nicht weiß, wie

das funktionieren soll.« Hope nickt, sie versteht,

was er meint. »Und was ist jetzt? Wenn du denkst,

es ist besser das nicht zu vertiefen, wieso wolltest

du mich sehen?«

Farhan sieht sie an, aber sagt nichts und Hope

spürt, dass sie jetzt einen Schritt machen muss.

Farhan ist sicher noch nicht so auf eine Frau

zugegangen, das hatte er bisher sicherlich noch

nie nötig, deswegen schätzt sie es umso mehr. Sie

zieht leicht an seinen Händen, damit er ganz bei

ihr ist. Sofort spürt sie seinen schnellen Herzschlag

wieder. »Farhan, bitte rede mit mir, damit ich es

verstehen kann.« Sie liebt es, wenn er sie mit seinen

dunklen Augen so intensiv ansieht.

»Ich kriege dich nicht mehr aus meinen

Gedanken. Hänge dich nicht an solchen westlichen

Standards fest, wie ihr Frauen es von den Männern

hier gewohnt seid. Dass ich nicht das Recht habe

hier in deiner Nähe zu sein und dass ich auf dem

Weg nach Zürich den Piloten gezwungen habe hier

zu landen und der ganze Ablaufplan durcheinander

ist, sagt mehr aus, als es dieses klischeehafte ‚wir

gehen zusammen ins Bett und sind von da an ein

Paar‘ könnte. Ich wollte wissen, wieso du mich

auf einmal abgewiesen hast, ich dachte, dass du

vielleicht jemand anderen....«

Hope ist gerührt von seinen aufrichtigen

Worten und eben genau, weil sie weiß, dass es ihm

so schwer fällt diese zu sagen. Sie unterbricht ihn

»denk du auch nicht so klischeehaft, ich konnte

dich genauso wenig aus meinem Kopf bekommen

und war so schlecht gelaunt wegen all dem. Das

hat nichts mit einem anderen Mann zu tun, ich

bin nicht so eine Frau. Ich bin auch gläubig Farhan

und wenn es sich für dich nur etwas so richtig und

schön anfühlt, wenn ich bei dir bin,wie es sich für

6 7


mich anfühlt, kann es nicht falsch sein!« Farhan

küsst sie. Die Wärme seines Kusses ist wie eine

Flamme, die das kalte Gefühl, was seit ihren letzten

Treffen in ihrer Brust war, zum schmelzen bringt.

Er fährt mit seinen Fingern durch ihr Haar, hält sie

fest an sich, während er den Kuss immer intensiver

werden lässt.

Sie öffnet sich ihn und genießt das Gefühl von

ihn gehalten zu werden. Als sich Farhan von ihr

löst, was ihm sichtlich schwer fällt, so oft wie er

ihre Lippen noch viele kleine Male mit seinen

bedeckt, sagt er etwas auf arabisch und küsst ihre

Stirn. »Was mache ich bloß mit dir, Hope?« Auch

wenn er lächelt und sie leise lacht, sieht sie seine

Sorgen in den Augen. »Bin ich so schlimm?«

Farhan schüttelt den Kopf. »Nein, du bist etwas

Besonderes!« Hope steht auf und nimmt ihn mit

zur Wiese. Als er sich setzt, kuschelt sie sich in

seine Mitte und an ihn. Egal was ist, was kommen

mag. sie ist jetzt glücklich.

Farhan muss gleich wieder los und beide

überlegen, wie sie sich das nächste Mal sehen

können, nach den letzten Tagen wollen sie das

sicherheitshalber nicht mehr offen im Raum lassen.

Hope fällt ein, dass ihre Mutter in zwei Wochen mit

Liam auf ihre jährliche Oma-Enkel-Bauernhofreise

geht. Normalerweise nutzt Hope diese 10 Tage um

Überstunden zu machen. Als sie Farhan sagt, dass

sie zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich frei hat und

er in seinem Handy sieht, dass er zu der Zeit in

Dubai einige wichtige Termine hat, scheint es auch

dieses Jahr so zu bleiben. »Komm nach Dubai!«

Hope zieht die Augenbrauen hoch »du musst

doch arbeiten.« Farhan beugt sich zu ihr und küsst

sie erneut. Dann lächelt er. »Ja, aber ich werde mir

schon etwas Zeit nehmen können. Mein Cousin ist

mit mir dort, ich werde ihn bitten seine Frau zu

bringen, damit du dich nicht langweilst. Außerdem

gibt es dort für Frauen viele tolle Geschäfte und

was ihr alles so gerne macht.« Hope weiß nicht

so recht. »Aber wenn du sagst, dass du eigentlich

nicht mit mir ...wie willst du?«

Farhan hält sie im Arm. »Das ist Dubai Hope,

nicht das arabische Königreich. Außerdem bin

8 9


ich ein Prinz, es gibt nicht viele, die sich wagen

etwas zu mir zu sagen.« Hope muss lachen und

sieht Farhan frech an. »Vielleicht sollte ich mich

doch langsam daran gewöhnen, wer du bist.«

Farhan beugt sich wieder zu ihr hinunter.»Etwas,

aber bewerte es nicht über!«Farhan fährt sie nach

Hause, nun gibt auch Hope mehr von sich preis,

indem sie ihm zeigt, wo sie wohnt.

Er fragt auch nach ihrem Nachnamen, Hope

sagt es ihm. Sie öffnet sich so, wie er es tut, auch

wenn sie verschweigt, dass dort zu Hause ein

kleiner Mann auf sie wartet. Es geht nicht um Liam,

es geht ihr um die Geschichte, diedahinter steht

und sie will nicht, dass er weiß, wie dumm und

naiv sie damals war, sich so viel und lange alles von

Jerry gefallen zu lassen. Bevor sie aussteigt, rutscht

sie noch einmal auf seinen Schoß. Sie braucht sich

bei Farhan keine Gedanken zu machen, dass er so

etwas falsch verstehen und es ausnutzen würde.

Sie küsst ihn das letzte Mal für die nächste Zeit

und muss ihm hoch und heilig versprechen, nicht

wieder etwas falsch zu verstehen, während er ihr

verspricht sich nicht abzuwenden. Sie einigen

sich darauf, alles weitere in Dubai zu sehen und

abzuwarten. Hope geht nur widerwillig und auch

Farhan fällt es nicht leicht sie gehen zu lassen, aber

dieses Mal zeigt er ihr das auch.

Er bringt sie zur Haustür und sein Handy

klingelt schon, weil er los muss.»Pass auf dich

auf, ya albi.« Hope lächelt »was bedeutet ya albi?«

Farhan gibt ihr einen letzten Kuss auf die Stirn,

bevor er geht.

»Das erfährst du in Dubai!«

10 11

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine