Friedenswettbewerb 2016

frauenkirche

Begleitend zu den Reden von Friedensnobelpreisträgern in der Frauenkirche Dresden findet ein Schülerwettbewerb statt. 2016 stellte der Generaldirektor der OPCW, Ahmet Üzümü, die Wettbewerbsaufgabe und traf am Tag seiner Rede drei Preisträgergruppen. Diese lud er im Mai 2016 nach Den Haag ein.

»Die Botschaft weitertragen«

Der Friedenswettbewerb »Schüler treffen Friedensnobelpreisträger«

Die Botschaft der Friedensnobelpreisträgerreden an der

Frauenkirche richtet sich in besonderer Weise an die

nachfolgende Generation und nimmt diese in ihrer

Verantwortung für eine friedliche Zukunft unserer Welt

ernst. Bereits zum zweiten Mal wurden junge Menschen

eingeladen, nicht nur zu hören, wofür ein Friedensnobelpreisträger

eintritt, sondern sich aktiv mit dessen Wirken

auseinanderzusetzen und darüber hinaus selbst Ideen zu entwickeln,

wie solches Engagement fortgeführt werden kann.

Ein innerhalb des Freistaates Sachsen ausgeschriebener

Friedenswettbewerb regte Schülerinnen und Schüler von der

9. bis zur 12. Klasse an, sich mit dem Thema Frieden und

Versöhnung zu beschäftigen unter der Fragestellung

»Achieving a chemical weapons-free world: How can we

ensure chemical weapons never remerge?«. So lautete

die diesmal vom eingeladenen Friedensnobelpreisträger,

Ahmet Üzümcü, vorgenommene Konkretisierung der für die

Friedenswettbewerbe an der Frauenkirche allgemein geltenden,

leitmotivischen Fragestellung »Was können wir heute

tun, damit die Welt in zwanzig Jahren friedlicher ist?«.

In der Wettbewerbsausschreibung wurden die Jugendlichen

aufgefordert, sich in kleineren Arbeitsgruppen unter

Einbeziehung unterschiedlicher Sichtweisen und Argumente

intensiv zum Thema kundig zu machen und selbst

zu positionieren. Wettbewerbsbeiträge waren in unterschiedlichen

Formaten zugelassen, was die Schülerinnen

und Schüler ermutigen sollte, ihre Talente und Fähigkeiten

vielfältig einzubringen: als Essay, Kurzfilm oder Hörspiel,

multimedial gestaltet bis hin zur Website. Die eingereichten

Arbeiten bezeugen eindrücklich, mit welch hoher Mo-

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Junge Friedensvisionäre

Zum zweiten Mal hatte die Stiftung Frauenkirche Dresden

zu einem sachsenweiten Schülerwettbewerb aufgerufen.

59 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten dem Ruf nach

kreativen Lösungsansätzen für eine friedlichere Welt. Mit

jugendgemäßen Darstellungsformen widmeten sie sich

dem von Generaldirektor Ahmet Üzümcü gestellten Wettbewerbsthema

»Für eine chemiewaffenfreie Welt: Wie können

wir erreichen, dass Chemiewaffen nie wieder zum Einsatz

kommen?« und reichten u.a. Blogs, Webseiten, Videos und

künstlerische Bearbeitungen ein.

Eine Jury aus Experten (Botschafter Dr. Christoph Israng

von der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik

Deutschland bei der OVCW in Den Haag, Staatssekretär

Dr. Frank Pfeil vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus

sowie Dr. Oliver Meier von der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik

der Stiftung Wissenschaft und Politik), Studierenden

und Schülern, die am letzten Wettbewerb teilgenommen

hatten, benannte drei Preisträger. Sie bekamen die Möglichkeit,

einen thematisch gestalteten Tag in der Frauenkirche

zu erleben, mit Generaldirektor Üzümcü ins Gespräch zu

kommen und als Ehrengäste seiner Rede beizuwohnen.

tivation und Kompetenz die Schülerinnen und Schüler,

vermittelt über ihre Lehrer, sich der Aufgabenstellung

widmeten. Die Auswahl der drei Preisträger oblag

einer Jury, für die hochrangige Vertreter aus Wissenschaft

und Politik gewonnen werden konnten. Hinzu kam eine

studentische Stimme, die gemeinsam von drei jungen Frauen

abgegeben wurde, deren bisherige projektbezogene

Mitwirkung in der Friedensarbeit an der Frauenkirche

sie als Jury-Mitglieder qualifizierte. Dass sich zudem vier

Schülerinnen und Schüler, die zu den Preisträgern des

letzten Friedenswettbewerbs gehörten, in die Jury-

Entscheidung einbrachten, setzte im fortlaufend angelegten

Wettbewerbsgeschehen einen nachhaltigen Akzent.

Der ausgelobte Wettbewerbspreis eröffnete den jugendlichen

Gewinnern die einzigartige Gelegenheit, in der persönlichen

Begegnung mit Ahmet Üzümcü in der Unterkirche der

Frauenkirche die Ergebnisse ihre Arbeit vorzustellen und

ihn im Rahmen eines nichtöffentlichen Gesprächs zu seiner

Tätigkeit als Generaldirektor der Organisation für das

Verbot chemischer Waffen (OVCW) aber auch zu seiner ganz

alltäglichen Lebenswirklichkeit zu befragen. Im Rahmen

dieser exklusiven Begegnung wurden die drei Preisträgergruppen

durch die Überreichung der Siegerurkunden

geehrt, an die sich eindrücklich der Gesang eines eigens

für den Friedenswettbewerb von Schülern komponierten

Liedes anschloss. Die besondere Ehre, einen verdienstvollen

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»Politiker hautnah zu erleben« und im Austausch mit ihm

»die Wichtigkeit des Friedens neu kennenzulernen und zu

erfahren«, blieb den Schülerinnen und Schülern in »unvergesslicher

Erinnerung«. Wie sehr die jungen Menschen in der

ihnen durch diese Begegnung entgegengebrachten Wertschätzung

sich auch in die Pflicht genommen fühlten, zukünftig

weltweit für Frieden und Versöhnung einzutreten, zeigten

die vielen erhobenen Hände auf die an sie gerichtete Frage,

wer sich später einmal eine Tätigkeit im diplomatischen Dienst

vorstellen könne. Die von Ahmet Üzümcü völlig überraschend

ausgesprochene Einladung an die frisch gekürten Preisträger,

nach Den Haag zu kommen, die OVCW näher kennenzulernen

und ihre Wettbewerbsbeiträge einer internationalen

Öffentlichkeit vorzustellen, wird sich sicher bekräftigend auf

den Vorsatz einer solchen beruflichen Laufbahn auswirken.

Dass die Friedensnobelpreisträgerrede in der Frauenkirche

ihren richtigen Ort hat, erfuhren die Schülerinnen und

Schülern in einer der persönlichen Begegnung mit Ahmet

Üzümcü zeitlich vorgeschalteten, ganzheitlich angelegten

Erkundung des Gotteshauses. Von der Unterkirche

bis zur Aussichtsplattform führte der Weg und stellte an

ausgewählten Stationen die Frauenkirche als Lernort des

Friedens vor. »Schweige und höre. Neige deines Herzens

Ohr. Suche den Frieden.« – Nach kurzem Vorsingen fielen

viele junge Stimmen nach und nach in den eingängigen

Benediktinergesang ein und ließen die Unterkirche als

Klangraum erfahrbar werden: im dialogischen Singen,

zuschreitend auf den Altarstein in der Raummitte. Welche

Funktionen dem Raum in vormaliger Zeit eigneten: als

Begräbnisstätte, Kirchenkeller, Schutzraum im Zweiten

Weltkrieg und Ort erfüllten kirchlichen Lebens während

des Wiederaufbaus, vermittelte sich im Erzählen, gelenkten

Wahrnehmen und Betrachten. Entlang der sichtbaren Spuren

von Krieg und Zerstörung, Verwundung und Heilung führte

der Lernweg in den Kirchenraum, wo Beispiele der während

des Wiederaufbaus geleisteten Versöhnungsarbeit genauer

in den Blick genommen wurden: das neue Turmkreuz, die

Flammenvase aus Gostyn und das Nagelkreuz auf dem Altartisch.

Die thematische Setzung der Kirchenerkundung orientierte

sich an der den unterschiedlichen, baulichen Ebenen

des Gotteshauses innewohnenden inhaltlichen Ausrichtung.

Regen existenzielle Themen wie Tod und Auferstehung,

Zerstörung und Neubeginn in der Unterkirche zur historischen

Besinnung an, liegt im Kirchenraum darüber der

Akzent vorrangig auf der Gestaltung von Gegenwart:

Hier ist der Hauptort des heutigen Lebens in der Frauenkirche.

Der weitere Weg nach oben legt die Ausrichtung auf

Zukunft nahe. So wie die Kuppel der Frauenkirche weithin

sichtbar ist und der Blick von der Aussichtsplattform sich

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in die Weite richtet, weist die Botschaft der Frauenkirche in

eine kommende Welt des Friedens, die aus einer erneuerten

Beziehung der Menschen zu Gott, zu einander und zur

Schöpfung hervorgeht.

Im Hauptkuppelraum befindet sich die »Wunschwelt«.

Wer den Wendelgang zur Aussichtsplattform hinaufgeht

und durch die Verglasung nach innen schaut, sieht

die in einem Aufsteller dauerhaft platzierte, transparente

Erdkugel, in der sich neben orangen Papierkranichen nun

auch Würfel, bedruckt mit der Angabe einzelner chemischer

Elemente aus dem Periodensystem (PSE) befinden.

Die Kraniche wurden von den Preisträgern des 2013

ausgelobten Schülerwettbewerbs gefaltet, als Friedensnobelpreisträger

Dr. Mohamed ElBaradei, ehemaliger Generaldirektor

der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), in

der Frauenkirche zu Gast war, mit den Schülern ins Gespräch

kam und abends eine öffentliche Friedensrede hielt. Innen

oder außen auf das Papier, aus dem die Kraniche gefaltet

sind, haben die vormaligen Preisträgerinnen und Preisträger

ihre Wünsche für eine friedlichere Welt geschrieben. In

Anlehnung an die Ausrichtung des Friedensengagements

des diesjährigen Gastes für das Verbot chemischer Waffen,

fertigten die Jugendlichen diesmal Würfel aus Papier,

auf denen chemische Elemente in PSE-Form dargestellt

waren und notierten darauf ihre Friedenswünsche. Welche

konkreten Möglichkeiten Generaldirektor Ahmet Üzümcü

für das Eintreten für eine friedlichere Welt sieht, erläuterte

er ausführlich in seiner öffentlichen abendlichen Friedensnobelpreisträgerrede,

die für die Schülerinnen und Schüler

den Abschluss eines erlebnisreichen Tages in der Frauenkirche

bildete.

Zu wissen, »dass der eigene Wunsch nun durch die Wunschwelt

in der Frauenkirche aufbewahrt wird«, bestärkte die jungen

Menschen in ihrer Verantwortung für die Zukunft und

mündete in der Erkenntnis, »dass dieser Tag zu neuen Projekten

für eine friedliche Welt anspornt«.

Dr. Anja Häse

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»Die Idee, an einem Friedenswettbewerb teilzunehmen,

begeisterte unsere ganze Klasse auf Anhieb. Wir erstellten

einen Blog, um vor allem junge Menschen auf das Thema

aufmerksam zu machen und freuten uns darüber,

dass wir gewonnen hatten. Der Tag der Preisverleihung

war schön. Die Möglichkeit, uns zu Beginn zu Fragen

zu positionieren, war eine tolle Art, einander kennen zu

lernen und unser Wissen zu testen. Wir haben gesungen

und uns besonnen, viel Neues erlebt und die Frauenkirche

kennen gelernt. Dass wir uns in der Wunschwelt verewigen

konnten, ist ein schönes Gefühl. Der Tag war sehr

informativ und ich konnte viel über Chemiewaffen lernen.«

Marie-Louise Abolmaali

»Ich fand den Tag interessant und aufschlussreich.

Er erinnerte aber auch daran, was wir tun sollten und können,

um einen Beitrag zum Frieden dieser Welt zu leisten.

Die Geschichte der Frauenkirche mahnt uns alle und der

Tag gab mir die Möglichkeit, die Frauenkirche anders zu

betrachten: als Zeichen für den Willen, die Welt ein Stück

besser zu machen. Am besten fand ich das Gespräch mit

Generaldirektor Üzümcü, weil ich viel über seine Arbeit und

die Organisation erfahren habe. Ich bin froh, dass ich an

diesem Projekt teilgenommen habe, da es mir die Gelegenheit

gab, die Wichtigkeit des Friedens neu kennen zu lernen.«

Magnus-Benedikt Zühlke

»Der Tag in der Frauenkirche war ein spannendes Erlebnis.

Wir haben viel über den Ort als Symbol des Friedens erfahren,

was faszinierend war. Ich habe mich intensiv mit dem

Thema »Krieg und Frieden« beschäftigt und wurde dazu

inspiriert, mir ein eigenes Bild zu schaffen. Ich denke, es

ist sehr wichtig, Jugendliche wie uns auf dieses Thema aufmerksam

zu machen, weshalb ich die Aktion der Frauenkirche

richtig gut finde. Natürlich war auch das Gespräch mit

Generaldirektor Ahmet Üzümcü sehr interessant. Alles in

allem hatte ich einen spannenden, lustigen, aber auch

nachdenklichen Tag, den ich nicht so schnell nicht vergessen

werde.« Carolin Maßloch

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Die Siegerbeiträge des Schülerwettbewerbs

Drei Einreichungen wurden von der Jury ausgewählt, weil sie in der Bearbeitung des

Themas und der Wahl der Darstellungsform als besonders gelungen herausstachen.

»Welt mit Chemiewaffen«

Einreichung von 10 Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 10

des Evangelischen Kreuzgymnasiums Dresden

Blog, der sich u. a. künstlerisch durch Fotos und Lyrik mit dem

Vorhandensein von Chemiewaffen auseinandersetzt

worldwith-out-chemicalweapons.tumblr.com

»Welt ohne Chemiewaffen«

Einreichung von 22 Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 10

des Semper Gymnasiums Dresden

Informations- und Diskussionsportal mit Beiträgen zur Geschichte,

zur rechtlichen Lage und zu Folgen des Einsatzes von Chemiewaffen

weltohnechemiewaffen.wordpress.com

Mit einer eindrucksvollen Kombination aus literarischen und

selbstverfassten Texten sowie bewegend inszenierten schwarzweiß

Fotografien bearbeitete eine zehnköpfige Dresdner

Schülergruppe das gestellte Wettbewerbsthema. Jugend- und

zeitgemäß wählte sie als Präsentationsform die Blogging-Plattform

Tumblr, auf der Nutzer ihre Texte und Bilder in einem

Weblog eigenständig veröffentlichen können.

Die Schüler selbst beschreiben ihre Einreichung als den Versuch,

ihre eigenen Assoziationen zu Chemiewaffen bildlich

darzustellen. Die Fotos zeigen junge Menschen in Situationen

der Verunsicherung, des Schmerzes und der Angst. Literarische

Texte und eigene Statements vertiefen die visuellen Botschaften

weiter. Der Blog kulminiert in der Selbsterkenntnis, dass die

Auseinandersetzung mit dem Thema den Schülern verdeutlicht

habe, wie fern ihnen einerseits das Thema in ihrem Alltagsleben

sei und andererseits ein Bewusstsein dafür geschaffen werden

müsse, das dies eben keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Jury würdigte insbesondere die »ästhetisch hochwertig

gestalteten Fotografien, die in ihrer Trostlosigkeit das Entsetzen

über den Einsatz chemischer Waffen überzeugend

ausdrücken«. Die sehr authentische und

kreative Auseinandersetzung mit dem Thema

hinterlasse einen bleibenden Eindruck.

Für den zweiten prämierten Beitrag hatte eine ganze Klasse

zusammengearbeitet. Die 15- bis 16-jährigen Schülerinnen

und Schüler erstellten eine umfangreiche Materialsammlung,

die multimedial aufbereitet und in Form eines Online-

Informationsportals mit deutschen und englischen Beiträgen

präsentiert wurde.

Kritisch setzten sich die Autorinnen und Autoren mit dem

Status quo auseinander, diskutierten Wege zu einer chemiewaffenfreien

Welt und setzten sich zudem mit der Geschichte

und den Folgen der Verwendung chemischer Waffen

auseinander. Sogar ein selbsterstelltes Erklärvideo wurde eingebunden

und ein Song geschrieben, eingespielt und präsentiert,

sodass die Beschäftigung mit dem Wettbewerbsthema in

bemerkenswerter Breite erfolgte.

Die Jury hob die umfangreiche Rechercheleistung und die tiefgründige

Auseinandersetzung mit der Wettbewerbsthematik

hervor. So wurden die Erkenntnisse nicht nur aneinandergereiht,

sondern mit verschiedenen Stilmitteln hervorragend

aufbereitet. »Bemerkenswert sind dabei die Kreativität und

künstlerische Qualität. Es gibt Videos, Texte und ein eigenes

Lied, sogar an ein Essay haben sich die Schüler

gewagt. Der Blog vermittelt damit ein umfassendes

Bild zum Thema, ist abwechslungsreich

und spannend zu lesen.«

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»Keine Lösung – kein Problem?«

Einreichung von 10 Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 10

des Evangelischen Kreuzgymnasiums Dresden

Webseite, die anhand einer Straßenumfrage zeigt, wie wenig über

Chemiewaffen bekannt ist und dies mit Informationen kontrastiert

site.kreuzgymnasium.de/site/gk_wbs/index

Jugendlich provokant führen die Autorinnen und Autoren

dieses Beitrages die geringe öffentliche Beachtung der

Chemiewaffenthematik vor Augen. Mittels einer spontanen

Straßenumfrage decken sie auf, wie unzulänglich das

Wissen über den Einsatz, die Wirkungskraft und die

Folgen der Verwendung chemischer Kampfstoffe in der

allgemeinen Bevölkerung ist. Dem stellen die Schüler

eigenrecherchierte Informationen zu den abgefragten

Bereichen gegenüber und präsentieren dies auf einer

Webseite.

worldwith-out-chemicalweapons.tumblr.com

Selbstkritisch kommen die Schüler zu dem Schluss, dass

Einzelpersonen gegen Chemiewaffen zwar nur wenig

ausrichten können, andererseits durch Information und

Engagement zumindest »ein kleines aber deutliches

Ausrufezeichen gesetzt werden kann«.

Prämiert wurde die Einreichung u.a. aufgrund ihres kontrastiven

Ansatzes. Dieser stellt zunächst die begrenzte Beachtung

des Themas heraus, bleibt aber dabei nicht stehen und

trägt relevante Fakten zusammen. »Der Beitrag verdeutlicht

den Mangel an gesellschaftlicher und politischer Aufmerksamkeit,

die dem Thema Chemiewaffen entgegengebracht

wird«, so die Jury. Den Beitrag mache wertvoll, dass er »den

Widerspruch zwischen Bedrohung und mangelndem

Bewusstsein in den Mittelpunkt stellt

und klarmacht, dass es für dieses Problem

keine einfachen Antworten gibt.«

weltohnechemiewaffen.wordpress.com

site.kreuzgymnasium.de/site/gk_wbs/index

AHMET ÜZÜMCÜ | 01.02.2016 | FRAUENKIRCHE DRESDEN | 27


Sächsische Schüler beim OVCW-Tag in Den Haag

Den Preisträgern des Friedenswettbewerbs wurde nachträglich

noch eine besondere Ehre zuteil. Auf Initiative und

Einladung von Generaldirektor Üzümcü durften die drei

Schülergruppen am 1. OVCW-Tag in Den Haag teilnehmen.

Dort waren sie aktiv ins Programm eingebunden und konnten

ihre Wettbewerbsbeiträge einem internationalen Publikum

vorstellen, mit Diplomaten ins Gespräch kommen und ihren

Song »One mistake« vor 100 Delegierten aufführen.

Die Reise wurde unterstützt durch die Ständige Vertretung der

Bundesrepublik bei der OVCW, die ein hochwertiges Rahmenprogramm

für die Schülerinnen und Schüler zusammengestellt

hatte. Es bot Einblicke in die Welt der Diplomatie, in den

Forschungsalltag und in die internationale Gerichtsbarkeit.

Im Laufe der zweitägigen Reise erfuhren die Schülerinnen und

Schüler sehr viel über das internationale Ringen um Abrüstung

und Frieden auf unterschiedlichsten Ebenen.

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Zwei Tage als Special Guests in Den Haag – Ein Schülerbericht

»Morgens Teilnahme an einer internationalen Konferenz

zum Verbot von Chemiewaffen ... schneller Transfer zum

Empfang in die Deutsche Botschaft ... am nächsten Tag auf

einen Schwatz im Internationalen Strafgerichtshof mit dem

deutschen Richter dort, dem ehemaligen Vorsitzenden des

Bundesgerichtshofes. Das klingt wie ein Tag im Leben eines

europäischen Diplomaten, doch für uns war es das Programm

einer Reise nach Den Haag.

Aber der Reihe nach! Im Januar hatten wir am Friedenswettbewerb

der Frauenkirche Dresden teilgenommen. Friedensnobelpreisträger

Ahmet Üzümcü, der den Preis 2103 für die

Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons entgegengenommen

hatte, hatte aufgerufen, über die Möglichkeit

einer chemiewaffenfreien Welt nachzudenken. Unsere Beiträge

überzeugten die Jury und wir trafen Ahmet Üzümcü.

Was dann folgte, hatten wir aber nicht erwartet. Generaldirektor

Üzümcü lud uns in das OVCW-Hauptquartier ein.

Jetzt fing die internationale Politik erst richtig für uns an!

Beim OVCW Day, einer mehrtägigen Konferenz zur Verhinderung

des Einsatzes von Chemiewaffen, nahmen wir als Gäste

teil und versuchten, Dresden und den Freistaat Sachsen

würdig zu vertreten. Nach der Übergabe eines Grußes von

Ministerpräsident Stanislaw Tillich erzählten Praktiker von

ihrem Einsatz gegen Chemiewaffen. Immer wieder kamen

wir dabei auf das Thema Syrien zu sprechen. Ein ehemaliger

Oberst der belgischen Armee berichtete von seinen Untersuchungen

vor Ort. Besonders spannend wurde es immer dann,

wenn es um Dinge ging, die sonst nicht in die Öffentlichkeit

dringen. Auch sonst fühlten wir uns wie »special guests«,

besonders dank der Begleitung durch die deutsche Ständige

Vertretung bei der OVCW und Botschafter Dr. Israng.

Wie werden Chemiewaffen eigentlich deaktiviert, wie wird

nach ihnen gefahndet? Im OVCW-Labor erfuhren wir es praktisch

und bekamen einen Einblick in den Werkzeugkoffer der

Organisation – von Detektoren über Schutzanzüge bis zu kugelsicheren

Westen. Gänsehaut brachte der erste Abend zum

Glück wegen etwas Schönem: Zusammen mit den Schülern

des Semper Gymnasiums sangen wir deren Song »One Mistake«

vor über 100 Delegierten im Hauptquartier der OVCW.

Der zweite Vormittag begann mit blauem Himmel und

endete trotzdem mit bedrückten Gesichtern. Wir besuchten

den neu eingeweihten Sitz des Internationalen Strafgerichtshofes.

Richter Dr. Bertram Schmitt erzählte von seiner Arbeit.

Selten haben wir das internationale Recht so anschaulich und

sympathisch vorgestellt bekommen. Als wir anschließend als

Zuhörer einer Verhandlung bewohnten, ließ es keinen kalt:

Bosco Ntaganda, ein kongolesischer Militär, musste sich gerade

für Grausamkeiten im dortigen Bürgerkrieg verantworten.

In den Zeugenaussagen kamen fürchterliche Details zur

Sprache. Danach zurück in die Frühlingsluft zu treten, war

ein ziemlicher Kontrast.

Zurück in der Innenstadt wartete wieder ziemlich leckere

Diplomatie auf uns: In der Residenz des deutschen Botschafters

waren wir zum Mittagessen eingeladen und konnten

unter dem Blick – oder wenigstes dem Bild – von Bundespräsident

Gauck auf dem Sofa sitzen. Eine überraschende

Erkenntnis aus Den Haag: Der deutsche Botschafter hat einen

Kickertisch im Garten!

Das waren nur ausgewählte Highlights aus gerade einmal

zwei Tagen. Unser Lehrer Dr. Nicht hat gezählt, dass das

Programm insgesamt 14 Punkte und die Begegnung mit 11

Politikern, Diplomaten, Wissenschaftlern und technischen

Experten beinhaltete.

Vielleicht motiviert es jetzt einige von uns zur Arbeit als Chemikerinnen,

zur Laufbahn in den diplomatischen Dienst oder

zieht uns einfach hinaus ins bunte Europa.«

Rahel Gebhard, Evangelisches Kreuzgymnasium Dresden

AHMET ÜZÜMCÜ | 01.02.2016 | FRAUENKIRCHE DRESDEN | 29


Ahmet Üzümcü

Seine Exzellenz Herr Ahmet Üzümcü wurde im Dezember 2009

durch die Konferenz der Vertragsstaaten auf ihrer 14. Tagung

zum Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer

Waffen (OVCW) ernannt und begann seine erste Amtszeit am

25. Juli 2010. Bei ihrer 18. Tagung im Dezember 2013 bestätigte

ihn die Konferenz der Vertragsstaaten für eine zweite Amtszeit.

Unmittelbar vor seiner Ernennung zum Generaldirektor der

OVCW war er ständiger Vertreter der Republik Türkei am Büro

der Vereinten Nationen in Genf.

Herr Botschafter Üzümcü ist ein Berufsdiplomat mit umfangreicher

Erfahrung in multiateraler Diplomatie. In den zurückliegenden

zehn Jahren hat er die Türkei beim Nordatlantikrat,

der UN-Konferenz für Abrüstung, den Vereinten Nationen

und anderen internationalen Organisationen in Genf

vertreten. Botschafter Üzümcü saß im März 2008 vier

Wochen lang der UN-Konferenz für Abrüstung vor und besuchte

verschiedene Tagungen und Konferenzen zum Thema

Abrüstung, unter anderem in Genf und Brüssel. Er besitzt ein

tiefgreifendes Verständnis und beträchtliche Sachkenntnis bezüglich

politisch-militärischer Angelegenheiten und Fragen der

Abrüstung und Weiterverbreitung.

Zuvor war Herr Botschafter Üzümcü stellvertretender Unterstaatssekretär

für bilaterale politische Angelegenheiten beim

Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Türkei. Von

Juni 2002 bis August 2004 war er ständiger Vertreter der Türkei

beim Nordatlantikrat in Brüssel. Den Posten des Botschafters

der Türkei in Israel hatte er von 1999 bis 2002 inne. Von 1996

bis 1999 leitete er die Personalabteilung beim Ministerium für

Auswärtige Angelegenheiten in Ankara. Davor hatte er verschiedene

Stellungen beim Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten

sowie in der türkischen Delegation bei der NATO

(1986 – 1989), der türkischen Botschaft in Wien (1979 – 1982)

und als Konsul in Aleppo (1982 – 1984) inne.

Neben seiner Tätigkeit als Diplomat gehörte Herr Botschafter

Üzümcü auf internationaler Ebene von 1989 bis 1994 zum Personal

der politischen Generaldirektion der NATO, wo er an der

NATO-Initiative Partnerschaft für den Frieden unmittelbar nach

dem Kalten Krieg mitarbeitete und viele Reisen in die osteuropäischen

Länder und die ehemalige Sowjetunion unternahm.

Herr Botschafter Üzümcü wurde am 30. August 1951 in Armutlu

in der Türkei geboren und erwarb an der Fakultät Politikwissenschaften

der Universität Ankara einen Bachelorgrad für

Internationale Beziehungen mit Spezialisierung auf öffentliche

Verwaltung. Er spricht fließend englisch und französisch, ist verheiratet

und hat eine Tochter.

Im Dezember 2013 nahm Herr Botschafter Üzümcü den

Friedensnobelpreis 2013 für die OVCW entgegen. Im Januar

2014 zeichnete ihn die Universität Bologna, Italien, mit

der Medaglia d’Onore und dem Sigillum Magnum aus. Im

Dezember 2015 verlieh Seine Exzellenz Herr Laurent Fabius, der

französische Minister für Auswärtige Angelegenheiten und

Internationale Entwicklung, Herrn Generaldirektor Üzümcü

den Rang eines Offiziers in die Ehrenlegion.

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Friedensnobel preisträger 2005 – 2015

2015 »Tunesisches Dialogquartett« Quartet du dialogue national

»für seinen entscheidenden Beitrag zum Aufbau einer

pluralistischen Demokratie in Tunesien infolge der

Jasminrevolution des Jahres 2011«

2009 Barack H. Obama

»für seine außergewöhnlichen Anstrengungen zur

Stärkung der internationalen Diplomatie und der

Zusammenarbeit zwischen den Völkern«

2014 Kailash Satyarthi und Malala Yousafzai

»für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern

und für das Recht aller Kinder auf Bildung«

2008 Martti Ahtisaari

»für seinen bedeutenden, mehrere Kontinente und

mehr als drei Jahrzehnte umspannenden Einsatz für

die Lösung internationaler Konflikte«

2013 Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW)

»für ihre umfangreichen Bemühungen für die Abschaffung

chemischer Waffen«

2012 Europäische Union (EU)

»für über sechs Jahrzehnte, die zur Entwicklung von

Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten

in Europa beitrugen«

2011 Ellen Johnson Sirleaf, Leymah Gbowee

und Tawakkol Karman

»für ihren gewaltlosen Kampf für die Sicherheit von

Frauen und für das Recht der Frauen zu voller Teilhabe

an der Friedensarbeit«

2010 Liu Xiaobo

»für seinen langen und gewaltlosen Kampf für grundlegende

Menschenrechte in China«

2007 Zwischenstaatlicher Ausschuss über Klimaveränderung

(IPCC) und Albert Arnold (Al) Gore Jr.

»für ihre Bemühungen, das Wissen über die vom

Menschen verursachte Klimaveränderung zu erweitern

und zu verbreiten und die nötigen Grundlagen für

Maßnahmen gegen diese Veränderung zu legen«

2006 Muhammad Yunus und Grameen Bank

»für ihr Engagement für eine wirtschaftliche und

soziale Entwicklung von unten«

2005 Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und

Mohamed ElBaradei

»für ihr Engagement, die Anwendung der Kernenergie

für militärische Zwecke zu verhindern und sicherzustellen,

dass Kernenergie für friedliche Zwecke auf

möglichst sichere Weise genutzt wird«

AHMET ÜZÜMCÜ | 01.02.2016 | FRAUENKIRCHE DRESDEN | 37


Die Stiftung Frauenkirche Dresden

dankt für die freundliche Unterstützung:

Ein besonderer Dank gilt zudem allen beteiligten Mitarbeitenden und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der Frauenkirche,

die diese Veranstaltung durch ihren Einsatz maßgeblich ermöglicht haben.

Stiftung Frauenkirche Dresden

Georg-Treu-Platz 3 | 01067 Dresden

Telefon 0351.65606-100 | Telefax 0351.65606-112

stiftung@frauenkirche-dresden.de

www.frauenkirche-dresden.de

Impressum

Herausgeber: Stiftung Frauenkirche Dresden | Georg-Treu-Platz 3 | 01067 Dresden | stiftung@frauenkirche-dresden.de

Geschäftsführung: Pfarrer Sebastian Feydt | Dipl. rer. pol. Christine Gräfin von Kageneck

Herstellungsleitung: Linda Lederhus

Text: Grit Jandura (sofern nicht anders ausgewiesen)

Grafisches Konzept | Umsetzung: THORN werbeagentur Leipzig

Druckerei: Druckerei Thieme Meißen GmbH

Fotos: Steffen Füssel

38 | AHMET ÜZÜMCÜ | 01.02.2016 | FRAUENKIRCHE DRESDEN


Friedensnobelpreisträger

in der Frauenkirche Dresden

1. Februar 2016

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