Made in Bern D

dudli

Made in Bern

SonntagsZeitung — Nr. 1 — 20. November 2016

Hotels zum Träumen

Vom Märchenschloss aus der Belle Epoque

bis zum Boutique-Hotel am Pistenrand

Die schönsten Fondue-Beizli

Wo das Schweizer Nationalgericht

am besten schmeckt

Hinein ins

Wintervergnügen

Das Berner Oberland lockt mit herrlichen

Pisten, Schlittelwegen und Loipen

Eine Zusammenarbeit der

BE! Tourismus AG mit der

SonntagsZeitung

Schlittelspass vor

dem Wetterhorn

bei Grindelwald


INSERAT


EDITORIAL

Der Kanton Bern ist

eine Schweiz

im Kleinformat

Einer der berühmtesten Berner ist Alt-Bundesrat Adolf Ogi. Der gebürtige Kandersteger

glaubt an die Zukunft seiner Heimat, fordert aber auch ein Umdenken

Liebe Leserinnen

Liebe Leser

Vielfalt in der Einheit, Einheit in der Vielfalt

– das ist es, was den Kanton Bern so einzigartig

macht. Mit seinen sechs unterschiedlichen

Regionen oder Stuben, wie wir hier sagen,

mit seinen Bergen, Seen, Gletschern,

Matten, Wäldern, den wunderbaren Dörfern

und Städten ist er eine Schweiz im Kleinformat.

Zudem verfügt er mit dem Jungfraugebiet

über eine Landschaft, die von der

Unesco in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen

wurde – dem Nobelpreis für Naturschönheit

sozusagen. Und über eine Hauptstadt,

die ebenfalls zum Weltkulturerbe zählt.

Das Berner Oberland ist denn auch seit Jahrhunderten

ein Magnet für Gäste aus aller

Welt. Und ein Pionier im Bau von Bergbahnen.

Am bekanntesten ist die Jungfraubahn,

die jährlich eine Million Gäste transportiert.

Doch auch die Bern-Lötschberg-Simplon-

Bahn, die Montreux-Berner-Oberland-Bahn,

die Brienzer-Rothorn- oder die Harderbahn

sind touristische Anziehungspunkte und zeugen

von der Meisterleistung der Ingenieure.

Zahnrad- oder Standseilbahnen hinauf auf

die Berggipfel sind das eine, die prachtvollen

Hotels aus dem 19. Jahrhundert das andere.

Das Palace in Gstaad, das Victoria-Jungfrau in

Interlaken, das Grandhotel Giessbach oder

das Hotel Victoria in Kandersteg sind ebenfalls

Pioniertaten der Hotellerie. Der Kanton

Bern mit seinen Bergen zieht aber auch viele

Sportler an. Am bekanntesten sind die Lauberhornrennen

oder die Weltcuprennen in

Adelboden. Das sind internationale Anlässe,

die Tausende von Besuchern anziehen, am

Fernsehen übertragen werden und so der ganzen

Welt die Schönheit unserer Region näherbringen

– und als eine Art Appetizer Lust machen,

das ganze Menü zu geniessen.

Eine wesentliche Rolle spielen zudem Brauchtum

und Kultur. Im Kanton Bern ist jedes

Dorf anders geartet. Jedes Dorf hat eine andere

Kultur, einen anderen Dialekt. Das eine

zeichnet sich durch seine Musik aus, ein anderes

durch kulturelle Veranstaltungen wie etwa

Kandersteg mit seiner Belle-Epoque-Woche.

Das führt immer wieder zu einer Rückbesinnung.

Sind wir auf dem rechten Weg? Oder

könnten wir vielleicht noch besser werden?

Das ist wichtig im Tourismus. Wir müssen

den Willen haben, besser zu sein als die andern.

Das vielleicht wichtigste Wort heisst

Gastfreundschaft. Sie muss gelebt werden.

Der Gast muss sich von der ersten Sekunde an

wohlfühlen, nach dem Prinzip: Man muss

Menschen mögen. Stillstand im Tourismus ist

Rückstand. Und deshalb braucht es immer

wieder neue Ideen, neue Überlegungen, neue

Realisationen. Der Erfolg bestätigt die Bemühungen,

aber er verpflichtet auch – jede Sekunde

– zu neuer Leidenschaft und Bereitschaft,

besser zu werden.

Wir haben diese einzigartige Vielfalt, dazu

die schönsten Berge der Welt. Das sind ungeheure

Magnete. Und diese Chance müssen

wir nutzen.


Wir müssen

den Willen

haben, besser

zu sein als

die andern

Adolf Ogi war von 1988 bis

2000 Bundesrat

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INHALT

Nostalgie und Lifestyle

Das Berner Oberland gilt als Wiege der Schweizer Hotellerie.

Doch nicht nur in den Grandhotels, auch in den neuen

Boutique-Resorts lässt es sich wunderbar träumen

Seite 12

Weltcup-Party in Adelboden und Wengen

Seit Jahrzehnten messen sich die besten

Skirennfahrer der Welt am Chuenisbärgli und am legendären

Lauberhorn, der längsten Weltcup-Abfahrt

Seite 20

Der Schokoladen-König

Berner Produkte erobern die Welt. Eines der bekanntesten ist

Ragusa, das von Daniel Bloch noch immer nach dem

Originalrezept im Jura-Dörfchen Courtelary hergestellt wird

Seite 26

Leben auf der Sphinx

Seit 15 Jahren wohnen und arbeiten Joan und Martin Fischer auf

dem Jungfraujoch, wo sich die Sphinx, die auf 3454 Metern

höchstgelegene Forschungsstation Europas, befindet

Seite 30

Langlaufparadies im Naturpark

Direkt vor den Toren Berns liegt das Gantrischgebiet mit seinen

400 Quadratmetern unberührter Natur. Es bietet traumhafte

Voraussetzungen für Langlauf und Schneeschuhwandern

Seite 34

Tropische Nächte in Frutigen

Seit 2007 werden im warmen Wasser, das aus dem Innern

des Lötschbergs fliesst, Störe gezüchtet und Kaviar produziert.

Diniert wird im Tropenhaus Frutigen unter Palmen

Seite 36

Die 10 schönsten Abfahrten

Snowboard-Olympiasiegerin Tanja Frieden und

Riesenslalom-Weltmeister Michael von Grünigen verraten

ihre Geheimtipps im Berner Oberland

Seite 40

Fondue-Rezept vom Starkoch

Der Berner Spitzenkoch Ivo Adam kreiert sein Lieblingsfondue.

Und gibt Tipps, wie das Schweizer Nationalgericht noch

besser schmeckt. Dazu: die schönsten Berner Fondue-Beizli

Seite 44

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TITEL KLEI HIER ASDF SDFSD

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1 MIT DEM FATBIKE ÜBER

DIE PISTEN FLITZEN

Die Zweiräder mit den überdimensionalen

Reifen erobern im Berner Oberland die

Schneepisten. In Kandersteg-Sunnbüel

dürfen die coolen Fatbikes neu auch mit

dem Skilift Spittelmatte transportiert

werden. Und auf dem Sparenmoos bei

Gstaad kann man mit den Schnee-Velos

auf allen Schlittelwegen zu Tale flitzen.

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Hinein ins

winterliche

Vergnügen

Coole Abfahrten mit dem Fatbike, Schlittenhunderennen

durch verschneite Landschaften, Nervenkitzel auf dem

Thrill Walk oder romantische Übernachtungen im

Iglu-Dorf. Der Winter im Berner Oberland bietet unzählige

Attraktionen und Events, viel Spass und Erholung


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3

3 IM GEHEIMDIENST

IHRER MAJESTÄT

Nächstes Jahr wird auf dem Schilthorn

gefeiert: Vor genau fünfzig Jahren

wurde der Gipfel erstmals dem

Publikum zugänglich gemacht. Ab dem

9. Dezember erstrahlen das aus dem

Bond-Film «Im Geheimdienst Ihrer

Majestät» bekannte Drehrestaurant in

neuem Glanz. Ein Ausflug aufs

Schilthorn lohnt sich aber auch

abgesehen vom Jubiläum. Die Aussicht

ist phänomenal, und der 007 WALK OF

FAME sowie die Ausstellung BOND

WORLD 007 (Bild) lassen die Herzen

von Fans des berühmtesten Agenten

der Welt höher schlagen. Neu gibts

zudem den Thrill Walk – ein atemberaubender

Felsenweg hoch über

dem Abgrund. schilthorn.ch

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2

2 MIT DER BAHN

ZUM WINTERSPASS

Das Berner Oberland ist ein Pionier in

Sachen Bahnen. Dutzende von Schwebebahnen,

Zahnradbahnen und Gondelbahnen

führen hinauf auf die schönsten Gipfel. Zum

einen sind es über hundert Jahre alte

Nostalgie-Bahnen, wie die legendäre

Jungfraubahn, zum andern modernste

Hightech-Anlagen, die die Gäste in die

Bergwelt bringen. Oben gibts nicht nur

Ruhe und eine atemberaubende Natur,

sondern auch viele gemütliche Restaurants,

traumhafte Pisten und unzählige Attraktionen.

madeinbern.com/bergbahnen

5

4

4 FRISCHE FISCHE AUS DEM BERGSEE

Nichts für Warmduscher. Vom 1. Januar bis Mitte März 2017 kann man im

Oeschinensee ob Kandersteg Eisfischen, dann nämlich, wenn der See von

einer bis zu fünfzig Zentimeter dicken Eisschicht überzogen ist. Tages- oder

Wochenpatente können im Restaurant Oeschinensee gekauft werden, wo die

leckeren Forellen aus dem See auch serviert werden. oeschinensee.ch

5 SCHLAFEN, WO EINST

DER KÄSE LAGERTE

Dort, wo die legendären Gerber-Käsli und

das Fertigfondue erfunden wurden, kann

man auch schlafen und essen. Im ehemaligen

Speditionsgebäude der Gerberkäse

AG in Thun bietet das Boutique-Hotel

Spedition fünfzehn Zimmer, die alle mit

verschiedenen Farbkonzepten gestaltet

wurden. Trotz Renovation ist die 120-jährige

Geschichte im ganzen Haus noch immer

spür- und erlebbar. speditionthun.ch

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HIGHLIGHTS

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6 HOCH HINAUS IN KANDERSTEG

Das Dorf Kandersteg ist durch die Eröffnung der neuen

Nordic Arena mit drei Skisprungschanzen um eine

Attraktion reicher geworden. Die Anlage ersetzt die alte

Schanze, die über dreissig Jahre lang in Betrieb war, den

Anforderungen der FIS aber nicht mehr genügte. Die

grosse Schanze Lötschberg und die beiden kleinen Bire

und Blüemlisalp erfüllen nun wieder die

Bedingungen für internationale

Wettkämpfe. Zudem ist die Anlage als

einzige in der Schweiz das ganze Jahr hindurch

geöffnet. nordicarena.ch

7 ROMANTISCHE

NÄCHTE IM IGLU-DORF

Sternenhimmel, Vollmond und rundherum eine weisse

Winterwelt. Eine Nacht in einem der Iglu-Dörfer im

Kanton Bern ist ein wunderbares Erlebnis. In Kemmeriboden-Bad

(Bild) wird man vor dem Schlafen noch mit

einem wärmenden Fondue im Iglu-Restaurant verwöhnt.

Und im Iglu-Dorf am Hinterstockensee am Fuss des

Thuner Hausbergs Stockhorn gibt es zusätzliche

Aktivitäten wie Eisfischen, Snow-Tubing oder Schneeschuhlaufen.

Und wer es etwas gemütlicher mag,

kann im Liegestuhl mit hausgemachtem Glühwein

die Natur geniessen. madeinbern.com/iglu

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8 EXKLUSIVE ANGEBOTE FÜR

DIE KUNDEN VON TICKETCORNER

Die BE! Tourismus AG geht mit Ticketcorner eine

Partnerschaft für die Wintersaison 2016/17 ein.

Wer einen Skipass über die Buchungsplattform

ski.ticketcorner.ch kauft, profitiert zwischen November

2016 und April 2017 von zahlreichen, monatlich

wechselnden Sonderangeboten im ganzen Berner

Oberland. Dabei handelt es sich um exklusive

Angebote für diverse Skigebiete wie zum Beispiel

das Haslital (Bild). madeinbern.com/ticketcorner

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9 ES LÄCHELT DER SEE, ER LADET

ZUM KAJAK-ABENTEUER

Der Brienzersee gilt als einer der beliebtesten Seen

für Kajak-Fahrer. Besonders schön aber ist eine Fahrt

über das Wasser im Winter, wenn leichter Nebel

über dem See liegt. Hochwertige Trockenanzüge und

eine Schwimmweste sind das einzige, was es dazu

braucht, da Kajak-Fahren weder besondere körperliche

Fitness noch Risikobereitschaft voraussetzt. Bei den

Kajak-Schulen in Interlaken und Umgebung können

Halbtages-, Tages- oder auch Abendtouren gebucht

werden. hightide.ch

10 IM HUNDESCHLITTEN

DURCH DIE WEISSE LANDSCHAFT

Wenn die Huskys und Grönlandhunde am Fuss des

Sustenpasses aufheulen, dann ist es Zeit für das

legendäre Schlittenhunderennen von Gadmen. Weit

über hundert Gespanne nehmen jeweils an diesem

spektakulären Anlass durch die verschneite Landschaft

teil. Am Wochenende vom 25. und 26. Februar 2017

findet das Internationale Schlittenhunderennen bereits

zum 35. Mal statt. Höhepunkt neben den regulären

Rennen ist die jährliche Gadmer-Trophy. shr-gadmen.ch

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HIGHLIGHTS

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HIGHLIGHTS

Schlafen wie

die Könige

Das Berner Oberland gilt als Wiege der Schweizer

Hotellerie. In den luxuriösen Grandhotels wie dem Gstaad

Palace wohnten Könige, Adlige und die Mächtigen dieser

Welt. Doch auch viele kleinere Hotels überzeugen mit

Charme und gelebter Gastfreundschaft

VON MARIUS LEUTENEGGER

GSTAAD PALACE

Das 1913 eröffnete

Grandhotel ist eine

der Hotelikonen

der Schweiz

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LUXUS UND STIL

Das Gstaad Palace

verbindet Tradition

und Moderne


Fast fünf Millionen Logiernächte verzeichnete

die Berner Hotellerie letztes Jahr. Drei Viertel

davon entfielen auf das Berner Oberland.

Derart beliebt ist die Destination allerdings

noch nicht so lange. Denn früher galten die

Alpen als brandgefährlich, dämonisch verseucht

und todlangweilig. Erst im 18. Jahrhundert

wuchs das Interesse an der Natur.

Verantwortlich dafür war auch ein Berner:

Der Universalgelehrte Albrecht von Haller

reiste ab 1728 mehrmals ins Oberland und

verfasste die vielfach übersetzte Dichtung

«Die Alpen». Mit seinem Werk rannte er beim

europäischen Adel offene Türen ein.

Der Genfer Aufklärer Jean-Jacques Rousseau

propagierte darauf die Rückkehr zur Natur,

Künstler vertieften die Vorstellung, in den

Bergen fände der Mensch noch zu seinem

wahren Sein, und schliesslich gab es kein Halten

mehr: Wer es sich leisten konnte, machte

sich auf den Weg, die Terra incognita zu erkunden.

Dass sich die Entwicklung zu Beginn

des 19. Jahrhunderts stark beschleunigte, hat

vor allem zwei Gründe. Zum einen führten

gesellschaftliche Umwälzungen dazu, dass

sich immer mehr Menschen Reisen leisten

konnten. Zum anderen entstand eine touristische

Infrastruktur: Die Eisenbahn brachte

Menschen in immer entlegenere Gebiete, und

überall schossen Hotels aus dem Boden.

Eines der ersten Berggasthäuser

entstand bereits 1820 auf dem Faulhorn

Das Bergvolk erkannte schnell, wie es seine

landschaftlichen und kulturellen Schätze nutzen

konnte. Die Unspunnenfeste von 1805

und 1808 waren wohl die ersten touristischen

Grossveranstaltungen im Berner Oberland.

Sie zogen so viele Engländer zur Ruine Unspunnen

bei Interlaken, dass die Gegend als

englische Kolonie bezeichnet wurde. Die vielen

Gäste benötigten natürlich auch eine adäquate

Unterkunft. Bald wurden überall Hotels

eröffnet. Eines der ersten Berggasthäuser

entstand 1820 auf dem Faulhorn und ist bis

heute in Betrieb.

Oder das legendäre, ja sagenhafte Palace in

Gstaad. Seine Existenz verdankt das Fünfstern-Superior-Haus

einem Lehrer aus dem

Dorf, der nach einem Englandaufenthalt den

Plan verfolgte, auf seinem Land ein Luxushotel

für die Briten zu erstellen. Eröffnet wurde

das Palace 1913, seither thront es wie ein

Märchenschloss über dem Ort. Der Betrieb

startete fulminant, doch bald folgten magere

Jahre. Anhaltender Erfolg stellte sich erst ein,

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HOTELS ZUM TRÄUMEN

«Hier

können wir

als echte

Gastgeber

wirken»

Caroline Ogi,

Tochter von

Alt-Bundesrat

Adolf Ogi, führt

zusammen

mit ihrem Mann das

Hotel Schönegg in Wengen

als Ernst und Silvia Scherz das Haus 1947

übernahmen und zum Anziehungspunkt für

die Prominenz machten. Heute wird das Palace

von Andrea Scherz in dritter Generation

geführt. Dabei reicht es nicht, das Erbe zu verwalten.

Die internationale Klientel ist überaus

anspruchsvoll. Eben wurde der legendäre

Baccarat-Saal, in dem schon Louis Armstrong

und Maurice Chevalier auftraten, rundum

aufgefrischt. Doch protzen will man nicht.

Scherz: «Das Palace ist keine Bühne, sondern

ein Ort, an dem man entspannt geniesst.»

Sind es heute die Reichen und Schönen,

die die Luxushotels bewohnen, waren es früher

Künstler und Literaten, die viel reisten

und den besonderen Reiz des Berner Oberlandes

beschrieben: Goethe, Lord Byron,

Mark Twain, Charles Dickens oder Arthur

Conan Doyle. Der Schöpfer von Sherlock

Holmes weilte oft in der Schweiz und liess seinen

weltberühmten Detektiv hoch dramatisch

im Reichenbachfall bei Meiringen sterben. Bis

heute ist das Dorf am Brünigpass Holmes-

City geblieben, es gibt ein Denkmal und ein

Museum. «Viele Gäste kommen nur deswegen

hierher», sagt Simon Anderegg, der mit

seiner Frau Franziska das Dreisternhotel Victoria

Meiringen führt. Dabei hat die Region

extrem viel zu bieten: Grimselwelt und Hasliberg,

Aareschlucht, Brienzer Rothorn, Ballenberg,

Rosenlaui und natürlich den Reichenbachfall.

Kehrt man dann ins Victoria zurück,

betritt man ein modernes Hotel mit viel Geschichte.

Die Eltern von Simon Anderegg, die

den Betrieb lange Zeit führten, entschieden

sich 1966, das bisherige Gebäude zu ersetzen.

Der Entwurf des Neubaus stammte von Ernst

Anderegg, dem Onkel des heutigen Besitzers.


Warum sind Sie ins Berner

Oberland gekommen?

Weil wir uns in dieses Hotel

verliebt haben, ein kleines

Haus, in dem wir als echte

Gastgeber wirken können.

Was fasziniert Sie an

Wengen am meisten?

Dass es authentisch ist – ein

typisches Bergdorf! Hier ist

Landwirtschaft keine Show

für Touristen. Mich beeindruckt

am Berner Oberland

aber auch die enorme Vielfalt.

Im Winter gibt es ein riesiges

Angebot an Bergbahnen, und

auch Nichtskifahrer kommen

voll auf ihre Kosten.

Ihr Hotel gilt als eines der

schönsten Dreisternhäuser

der Schweiz. Lässt sich ein

solches Hotel finanzieren?

Natürlich kann man sich nicht

zu viel erlauben, wir müssen

oft selber Hand anlegen.

Wir beherbergen auch keine

Gruppen. Dafür kann man

auf jeden Gast eingehen. Ein

solcher Betrieb muss eine

Herzensangelegenheit sein.

Ein Viertel Ihrer Gäste

stammt aus Grossbritannien.

Warum ist das Berner

Oberland bei den Briten

so beliebt?

Die Engländer spielten bei der

Entwicklung des Wintersports

eine wichtige Rolle. Und da

Briten Traditionen schätzen,

kommen viele englische

Familien seit Generationen

jeden Winter nach Wengen.

Hier oben fühlen sie sich

wie zu Hause.

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HOTELS ZUM TRÄUMEN

VICTORIA, MEIRINGEN Die Familie Anderegg führt das Hotel in zweiter Generation


Der berühmte Architekt hatte bei Frank Lloyd

Wright in den USA gearbeitet und den

Wright-Stil in die Schweiz gebracht.

Neben der Hotellerie war aber auch der

Bau von Bahnen ein bedeutender Treiber des

Tourismus im Berner Oberland. 1906 begannen

in Kandersteg die Arbeiten am Lötschbergtunnel.

Ausserhalb des Dorfs, zwischen

Felswänden und satten Matten, wurde für die

Ingenieure eine Unterkunft erstellt. Nach Eröffnung

des Tunnels übernahm der Personalverband

der reformierten Kirche das Gebäude

und richtete darin das Doldenhorn ein, eine

einfache Pension für seine Mitglieder. «Meine

Eltern führten das Haus», erzählt René Maeder,

der hier aufwuchs. «Die Gäste machten

die Zimmer selber, und das Essen wurde mit

einem Gongschlag angekündigt.»

Als die Eltern vor der Pensionierung standen,

kaufte René Maeder die Pension Doldenhorn,

baute sie vom Einstern- zum grosszügigen

Vierstern-Superior-Haus aus und machte

daraus eine Oase, in die man immer wieder

gern für eine kurze Verschnaufpause zurückkehrt.

«Die Menschen sind heute im Beruf

dermassen gefordert, dass sie Entschleunigung

suchen», erklärt René Maeder den Erfolg

seines Hauses. Folgerichtig ist das Doldenhorn

komplett stressfrei. Frühstück gibt

es, bis der letzte Gast ausgeschlafen hat.

Das Ruedihus ist ein 250-jähriges Bijoux

mit nur gerade zwölf Zimmern

WALDHOTEL DOLDENHORN, KANDERSTEG Die Pension wurde zum Luxushotel

SCHÖNEGG, WENGEN Das 1903 erbaute Traditionshaus steht mitten im Dorf

Der Erfolg des Hotels hat aber auch mit einem

Freund des Hauses zu tun: Der berühmteste

Kandersteger, Alt-Bundesrat Adolf Ogi, hat

hier immer wieder Gäste untergebracht. Er

kam mit dem Gesamtbundesrat her, mit Kofi

Annan und Prinz Charles. Bis heute ist René

Maeder regelmässig fürs Catering des Von-

Wattenwyl-Hauses zuständig, in dem der

Bundesrat Empfänge abhält, und er beliefert

auch das Bundesratsflugzeug. Und als wäre

das alles noch nicht genug, besitzt René Maeder

heute auch noch ein höchst attraktives

zweites Hotel, das ein paar Hundert Meter

entfernt gelegene, 250 Jahre alte Ruedihus.

René Maeder und seine Frau Anne übernahmen

das herrschaftliche Holzhaus 1990 und

konnten es zu einem Bijoux mit nur gerade

zwölf Zimmern weiterentwickeln. Mehr

Swissness geht nicht: Im hauseigenen Restaurant

werden nur Schweizer Produkte angeboten,

nicht einmal Pommes frites kommen auf

die Teller, weil sie zu unschweizerisch sind.

Traditionshäuser gibt es aber nicht nur in

den Bergen. Das Jugendstil-Hotel Carlton-

Europe in Interlaken blickt ebenfalls auf eine

über 100-jährige Geschichte zurück und kombiniert

den Charme der Jahrhundertwende

mit dem Komfort von heute. Mitten im Dorf

gelegen verfügt es über individuell ausgestattete

Zimmer und grosszügige Appartements

in der neu eröffneten Dependance. Im Winter

kann man sich nach einem Tag auf der Piste in


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HUUS HOTEL, GSTAAD–SAANEN

CARLTON-EUROPE, INTERLAKEN

DELTAPARK VITALRESORT, GWATT

HOTEL SCHWEIZERHOF, BERN

PARKHOTEL BELLEVUE & SPA, ADELBODEN


IN A NUTSHELL

Royal nights

The Bernese Oberland is

seen as the birthplace of

Swiss hospitality. Its grand

hotels, such as the Gstaad

Palace, welcomed kings and

noblemen as well as the

powerful of this world. Oddly

enough, the Alps were

considered to be demonic but

also boring. It was only in the

18th century that the interest

in nature emerged. The man

who kindled it was a Bernese

polymath, Albrecht von Haller.

He visited the Oberland

several times from 1728 and

his work «The Alps» became a

favourite among aristocrats.

The locals quickly recognized

the potential and soon hotels

opened all over the place,

from the lofty lodge on Mount

Faulhorn to the legendary

Palace in Gstaad, which has

dominated the landscape like

a fairy-tale castle since 1913.

ASPEN, GRINDELWALD Das alpin geprägte Lifestyle-Hotel liegt direkt an der Skipiste

The luxury hotels still cater

to the rich and beautiful, but

once upon a time it was the

poets and writers who made

the Bernese Oberland

famous: Goethe, Lord Byron,

Mark Twain, Charles Dickens,

Arthur Conan Doyle. The

creator of Sherlock Holmes

chose the Reichenbach Falls

near Meiringen as the scene

for the dramatic demise of his

world-famous detective. To

this day, the village at the foot

of the Brünig Pass is known as

Holmes-City, featuring a

monument and a museum.

Not just the mountain areas

boast their historic hotels,

however; so does the

capital, the City of Bern.

Peter Ustinov and Grace

Kelly were just two of the

many stars that stayed at the

luxury hotel Schweizerhof.

Increasingly, the

establishments from the Belle

Epoque are now being joined

by modern boutique hotels,

such as the lifestyle hotel

Aspen, located right next to

the ski slopes of Grindelwald.


der Kaminbar oder in einer der Saunen aufwärmen.

Im Sommer sorgt der Naturbadeteich

im Hotelpark für Abkühlung.

Aber auch der Schweizerhof, das Fünfstern-Superior-Haus

im Herzen Berns, gehört

zu den berühmten Grandhotels der Schweiz.

99 Zimmer auf fünf Etagen – vom Standard-

Einzelzimmer bis zur Presidential Suite – lassen

keine Wohnwünsche offen. 130 Angestellte

kümmern sich unter der Führung von

Iris Flückiger um die Bedürfnisse der Gäste.

Peter Ustinov, Grace Kelly oder Albert

Schweitzer waren hier schon zu Gast und liessen

es sich auch kulinarisch gut gehen: Jack’s

Brasserie mit ihrem Fin-de-Siècle-Ambiente

und dem Wienerschnitzel sind legendär.

Viele Hotels sind in den letzten Jahren

aufwendig renoviert worden

Doch nicht nur die Traditionshäuser feiern

ein Revival. Auch viele neue Hotels entstehen

oder sind durch Modernisierungen in die

neue Zeit überführt worden. Das Parkhotel

Bellevue & Spa in Adelboden etwa, 1931 als

Steinhaus im Stil der klassischen Moderne gebaut,

ist in den letzten Jahren aufwendig renoviert

worden. In Gstaad ist es das Vierstern-

Superior-Hotel Huus, das ebenfall komplett

umgebaut wurde und diesen Dezember seine

Neueröffnung feiert. Mit über 130 Zimmern

ist es das grösste Hotel in der Region und bietet

seinen Gästen neben einem grossen Wellnessbereich

auch ein einmaliges Angebot an

Outdoor-Aktivitäten an. Oder das Aspen Alpin

Lifestyle Hotel am Rande der Tschuggen-

Piste in Grindelwald, das hält, was der Name

verspricht: ein alpin geprägtes Lifestyle-Hotel,

ausgestattet mit Designermöbeln, viel Arvenholz

sowie Doppelzimmern und Suiten

der Extraklasse. Der 300 Quadratmeter grosse

Wellnessbereich bietet Dampf- und Kräuterbad,

Erlebnisduschen mit Tropenregen und

Fusssprudelbecken mit Aromen.

Das dieses Jahr neu eröffnete Deltapark

Vitalresort in Gwatt zwischen Spiez und Thun

gehört ebenfalls zu den innovativen Hotels im

Berner Oberland. Die Hauenstein-Gruppe,

die in der Region bereits mehrere Betriebe besitzt,

entwickelte dafür ein ungewöhnliches

Konzept. Entstanden ist eine Art Präventionshotel.

So kann man im Deltapark ein Belastungs-EKG

machen, sich ein Trainingsprogramm

zusammenstellen lassen oder von

einer Ernährungsberatung profitieren. Das

Deltapark ist aber keineswegs ein Kurhaus, in

dem nur stilles Wasser und Salat serviert wird.

«Zu unserem ganzheitlichen Wellness-Ansatz

gehört zentral der Genuss», sagt Direktor

Mirco Plozza. Fünfzig Millionen Franken hat

die Hauenstein-Gruppe in Gwatt investiert.

Nun kommen noch einmal dreissig Millionen

Franken für Wohnbauten hinzu. Das finanzielle

Engagement beweist: Das Berner Oberland

hat nicht nur eine grosse touristische

Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft.


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MADE IN BERN 1/2016


HOTELS ZUM TRÄUMEN

Von bronzenen Kühen,

Trüffel-Fondue und Eissuiten

Gstaad hat mehr zu bieten als Jetset und traumhafte Pisten. Renata Libal,

Lifestyle-Journalistin und Gstaad-Kennerin, hat hinter die Kulissen geschaut und verrät

ihre zehn Geheimtipps für das weltberühmte Berner Oberländer Dorf

1. Liebe

Ein ganz besonderes Zimmer ist

die Suite Nummer 111 im Grandhotel

Alpina in Gstaad. Sie verfügt

über Bettwäsche aus reiner

Seide und einen Bettüberwurf

aus schwarzem Fell. Auf einem

eleganten Glasregal wartet zudem

niedliches Spielzeug darauf,

von einem Paar erprobt zu werden:

schwarze Masken und

Handschellen. Die einzigartige

«Love Suite» kostet ab 2450 Franken

pro Nacht.

2. Fondue

Wer glaubt, schon alles über das

wahre Fondue zu wissen, sollte

die Mischung der Molkerei

Gstaad versuchen, kreiert aus

Greyerzer, lokalem Alpkäse und

Halbhartkäse – gewürzt mit

schwarzem Trüffel.

3. Heisse Schokolade

Das Café Charly’s mit seinen

Schnitzereien ist eine Institution

in Gstaad. Es wurde

von Grund auf neu

im alpinen Stil eingerichtet,

und die blauen

Herzen im Logo durch

eine stilisierte Comic-

Kuh ersetzt – passend zu

den Desserts, die hier

serviert werden.

4. Stammtisch

Das Posthotel Rössli, 1845 erbaut,

ist zweifellos die einzige

Adresse in Gstaad, um die niemand

herumkommt. Oder, wie

das lokale Sprichwort sagt: Wer

noch nie ein Zürcher Geschnetzeltes

mit knuspriger Rösti im

Stübli gegessen hat, der war noch

nie in Gstaad. Doch es gibt noch

eine andere Besonderheit in diesem

Haus, das als eines der wenigen

die Feuersbrunst von 1898

heil überstanden hat: Der

Stammtisch wird nie fürs Essen

gedeckt, sondern steht auch Reisenden

zur Verfügung, die nicht

reserviert haben.

5. Iglu

Das Iglu-Dorf von Gstaad mit

seinen Lüstern aus Eis wird jedes

Jahr neu aufgebaut. Ein besonderes

Erlebnis aber bietet das Palace

seinen Gästen an: Das

Spezialangebot umfasst

zwei Übernachtungen

mit Halbpension im

Grandhotel und eine

Nacht in einer romantischen

Eissuite

mit privatem Jacuzzi.

6. Ente

Das Tier wirkt etwas

unpassend in der alpinen

Landschaft. Vielleicht ist

das die Botschaft dieser

Bronzestatue, die Julie

Andrews 2014 der Gemeinde

schenkte, als

Dank, dass sie zur Ehrenbürgerin

ernannt

wurde. «The Sitting

Duck» gehörte zur Privatsammlung

der Schauspielerin

und wurde von ihrem Mann,

dem Regisseur Blake Edwards,

geschaffen. Ab den 70er-Jahren

hat sich Julie Andrews oft in diesem

«letzten Paradies auf einer

Erde voller Verrückten», wie sie

sagt, aufgehalten und damit zahlreiche

andere Hollywoodstars

angezogen.

7. Kühe

Noch ein Geschenk gibt es in

Gstaad zu bewundern: «Rosie

Für Julie

Andrews ist

Gstaad das

«letzte Pardies

auf einer

Erde voller

Verrückten»

Renata Libal ist Chefredaktorin

des Lifestyle-Magazins

encore!

the Calf» (Rosie, das Kalb). Die

Gemeinde erhielt die Statue 1999

von Liz Taylors Tochter Liza

Todd Tivey geschenkt. Und sie

scheint auch den realen Alpkühen

zu gefallen: Beim Alpabzug

machen die Herden oft

einen Umweg, um ihre unbewegliche

Artgenossin in ihrem

Bronze körper zu beschnuppern.

8. Kirchenfenster

Die St.-Niklaus-Kapelle mitten

im Dorf war ursprünglich eine

der zahlreichen Kapellen, die an

den Wegkreuzungen standen,

um die Reisenden zu segnen.

Nachdem sie mehrere Jahre als

Schule genutzt wurde, rief die

Gemeinde 1926 die Familien des

Dorfes auf, neue Kirchenfenster

zu spenden. Aus dieser Zeit stammen

die Fenster aus farbigen Flaschenböden.

9. Chesterfield Sofa

Unter der gewölbten Decke der

Bar des Hotels Bellevue steht das

längste Chesterfield-Sofa der

Schweiz: 17 Meter gepolstertes

Kamelleder! Am schönsten ist es

hier bei Einbruch der Dämmerung,

wenn die Bar mit ihrem

Ambiente an die 30er-Jahre und

Hemingway erinnert.

10. Innerer Spaziergang

Die Saanenland-Region ist erschlossen

durch mehrere Themenwege.

Besonders pittoresk ist

der gut zwei Kilometer lange Yehudi-Menuhin-Weg.

Auf zwölf

Tafeln finden sich Zitate von verschiedenen

Philosophen. Der berühmte

Violinist war Ehrenbürger

von Saanen. Sein Spazierweg

erinnert an die Inspiration, die er

aus der Macht der Berge schöpfte.


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20

MADE IN BERN 1/2016


HIGHLIGHTS

Ein Dorf im

Ausnahmezustand

Anfang Januar steigt in Adelboden die grosse Weltcup-Party. Die Bevölkerung

weiss genau, wie sie mit dem Rummel umgehen muss – und ihn nutzen kann

ERIK BRÜHLMANN (TEXT)

UND LEHEL KOVACS (ILLUSTRATION)

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WELTCUP 2017


In Adelboden leben etwa 3600 Einwohner.

Am ersten Wochenende

im Januar steigt die Zahl aber um

das Zehnfache an, wenn hier der

FIS-Weltcup haltmacht. Ein solches

Rennen verlangt vor allem viel Verständnis

von den Adelbodnern. Denn

was man bei den TV-Übertragungen

nicht sieht: Rund um das Zielgelände

im «Boden», wo die Tribüne und die

Festzelte aufgebaut werden, wohnen

Menschen – auch während des Rennwochenendes.

Eine von ihnen ist die

89-jährige Berta Aellig. «Die letzten

Jahre stand ein riesiges Zelt gleich vor

meiner Haustür», sagt sie. Wenn die

120 Sattelschlepper mit dem Material

aufs Gelände fahren, schaue sie, dass

sie nicht so oft raus müsse. Genervt

von dem Trubel ist Berta Aellig aber

nicht. «Wir sind das ja gewohnt und

tragen gern einen Teil dazu bei, dass

der Grossanlass ein Erfolg wird.»

Bode Miller parkierte den Camper

gleich hinter dem Restaurant

Am Wochenende selbst gilt Ausnahmezustand.

Die Schwestern Therese

und Christine Aellig erleben ihn, seit

sie 1993 das Restaurant Wildstrubel

im «Boden» von ihren Eltern übernommen

haben. Am Rennwochenende

arbeiten 25 bis 30 Personen

schichtweise in ihrem Betrieb. Als

Trinkgeld gibt es schöne Erinnerungen,

etwa an Bode Miller, der seinen

Camper gleich hinter dem Restaurant

parkierte, oder an Marc Girardelli,

der am Morgen vor dem Rennen im

Wildstrubel eine Ovomaltine trank.

Urs Gerber arbeitet seit über drei

Jahrzehnten im Restaurant Bodehüttli,

gleich neben der Zuschauertribüne

– erst als Koch, seit diesem Juni

als Wirt. «Früher kam Michael von

Grünigen nach dem Rennen mit seiner

Familie immer zu uns», erinnert

sich der 51-Jährige, «oder auch Marc

Girardelli und Pirmin Zurbriggen.»

Heute würden die Sportler viel mehr

abgeschottet und reisten nach dem

Rennen meist gleich weiter. «Dass

Sportler wie Alberto Tomba oder

Hermann Maier vor dem Rennen

Fussball spielen, erlebt man jedenfalls

nicht mehr.» Dennoch schauen

Adelboden

2017

Dieses Jahr gastiert der

Weltcup-Zirkus am

7. Januar (Riesenslalom)

und 8. Januar (Slalom)

in Adelboden. Erwartet

werden rund 40 000

Zuschauerinnen und

Zuschauer.

FREITAG, 6. JANUAR

Ab 16 Uhr

Abendprogramm mit

Boxenstrasse und

Startnummernauslosung

auf dem

Märitplatz

SAMSTAG, 7. JANUAR

Ab 8 Uhr

Skichilbi im Zielgelände

10.30 Uhr

Start 1. Lauf Riesenslalom

13.30 Uhr

Start 2. Lauf Riesenslalom,

anschliessend Unterhaltung

im Weltcup-Dorf

Ab 18 Uhr

Abendprogramm mit

Siegerehrung Riesenslalom

und Startnummernauslosung

Slalom auf

dem Märitplatz

SONNTAG, 8. JANUAR

Ab 8 Uhr

Skichilbi im Zielgelände

10.30 Uhr

Start 1. Lauf Slalom

13.30 Uhr

Start 2. Lauf Slalom,

anschliessend

Siegerehrung Slalom

Bis 18 Uhr

Unterhaltung im

Weltcup-Dorf

auch heute noch viele Prominente

während der Rennen im Bodehüttli

vorbei. Auch wenn Urs Gerber

am Weltcup-Wochenende auf etwa

zwanzig Hilfskräfte zurückgreifen

muss, stimmt die Kasse. «Nicht auszudenken,

wenn uns die FIS die

Rennen wegnähme», resümiert der

Gastronom. «Aber nicht nur vom finanziellen

Standpunkt aus, sondern

auch, weil es eine tolle Veranstaltung

mit grossartiger Stimmung ist.»

«Während des Weltcups liegt das

Geld auf der Strasse», bestätigt auch

Metzger Fritz Gemperle, der sein Geschäft

im Dorf selbst hat. «Man muss

zwar hart arbeiten, aber es lohnt sich.»

Gemperle und sein Team können

zweigleisig fahren. Einerseits liefern

sie Fleisch und Wurstwaren in das

Weltcup-Dorf, andererseits betreiben

sie Bratwurststände im Dorf, wo die

Auslosungen der Startnummern und

die Siegerehrungen stattfinden.

«Uns als Veranstalter ist es sehr

wichtig, dass die lokalen Geschäfte

etwas vom Weltcup haben», sagt

Kathrin Hager, Geschäftsführerin der

Ski-Weltcup Adelboden AG. Konkret

heisst das, dass jedes Hotel in Adelboden

und Umgebung für die Athleten,

Medienvertreter oder Sponsoren gebucht

ist. Zuschauer, die übernachten

wollen, müssen bis nach Spiez ausweichen

oder versuchen, eins der privat

vermieteten Zimmer zu ergattern.

Die regionale Wertschöpfung

beträgt 5,3 Millionen Franken

Ortsansässige übernehmen aber auch

die Leitung der Auf- und Abbauarbeiten.

Der örtliche Weinhändler

und die Bäckereien liefern Speis und

Trank, Blumengeschäfte sorgen für

Dekorationen. Eine Studie von 2009

ergab eine regionale Wertschöpfung

von 5,3 Millionen Franken – bei

einem Budget von etwa drei Millionen

Franken. «Bei normalen Skiverhältnissen

stopft der Weltcup unser

Januarloch», so Kathrin Hager.

Damit die Organisatoren weiterhin

auf das Verständnis der Bevölkerung

zählen können, investieren sie

viel in die Kommunikation. Schon im

September gehen sie zu den Landbe-


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MADE IN BERN 1/2016


Fest in Schweizer Hand: Über

40 000 Zuschauer feuern die

Ski-Cracks bei den Weltcup-

Rennen in Adelboden an

1/2016 MADE IN BERN

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WELTCUP 2017


«Wir tragen

gern einen Teil

dazu bei, dass

der Grossanlass

ein Erfolg wird.»

Berta Aellig mit

ihren Töchtern Christine

und Therese

«Es ist eine

tolle Veranstaltung

mit

grossartiger

Stimmung.»

Wirt Urs Gerber

«Während des

Weltcups liegt

das Geld auf

der Strasse.»

Metzger Fritz Gemperle

«Uns ist es sehr wichtig,

dass die lokalen

Geschäfte etwas vom

Weltcup haben.»

Geschäftsführerin

Kathrin Hager


sitzern im «Boden» und zeigen ihnen,

was sich ändern wird. Über allem

steht ein Gesamtkonzept. Es gilt, Beschallung

und Brandschutz zu regeln

oder die Hygiene der Gastrobetriebe

sicherzustellen. 3300 Arbeitsplätze

müssen über das Event-Wochenende

besetzt werden. Aber auch Profis

stellen in gewissen Bereichen einen

reibungslosen Ablauf sicher. 120 bis

150 «Broncos» übernehmen die neuralgischen

Punkte der Security, ein

Sanitätsteam ist vor Ort, Ambulanzen

und Rettungshelikopter stehen in

ständiger Bereitschaft.

Freiwillige Helfer sammeln den

liegen gebliebenen Abfall ein

Mehr als hundert Sattelschlepper

Material werden nach Adelboden

gefahren. Kann das nachhaltig sein?

«Vermutlich lässt sich ein solcher

Gross-Event nicht im engeren Sinn

nachhaltig durchführen», räumt Geschäftsführerin

Kathrin Hager ein.

«Als Veranstalter können wir aber

unser Möglichstes versuchen.» Dazu

gehört etwa, dass nur kompostierbares

Geschirr verwendet oder auf Glasflaschen

Depot erhoben wird. «Schon

während des Weltcup-Fests sammeln

rund zwanzig Freiwillige liegen gebliebenen

Abfall ein», sagt Kathrin

Hager. In der Woche darauf folgt

eine weitere Güselrunde. «Und ist der

Schnee im Frühling weg, gehen das

OK und seine Helfer zwei Tage lang

über das Festgelände, um auch noch

die letzten Reste aufzusammeln.»


IN A NUTSHELL

World Cup fever

3300 Freiwillige gesucht

Each year the international Ski World Cup

descends on the Bernese Oberland. So

on the weekend of 6–8 January 2017,

when Adelboden will host the big World

Cup Party with the men’s giant slalom and

slalom on the legendary Chuenisbärgli

mountain. More than 40,000 people are

expected to line the slopes to cheer on

their favourite skiers. After the races, the

party continues in the so-called pit lane

well into the night. A week later, on 13–15

January, Wengen will be the centre of the

World Cup universe. The highlight is the

Lauberhorn downhill race on Saturday,

which will be staged for the 87th time.

With a length of 4,500 metres it is also the

World Cup’s longest run.

Die Organisatoren der Weltcup-Rennen in

Adelboden setzen auf ein innovatives System,

um die rund 3300 Arbeitsplätze zu besetzen.

«Wir suchen die Leute nicht über Plattformen,

sondern über Vereine», sagt Martin Hari, Projektleiter

Unterkunft und Staff. Der Clou: Entschädigt

werden nicht die Volunteers selber,

sondern die jeweiligen Vereine.

Einer dieser Volunteers ist Adrian Goetschi.

Der 33-jährige Berner ist Projektleiter

bei Adelboden Tourismus und betreut die

rund 200 Fotografen und Medienvertreter.

Gemeindeschreiberin Jolanda Lauber ist noch

näher am Geschehen. Die 34-jährige Adelbodnerin

hilft seit fast zehn Jahren beim Starthäuschen.

«Bei meinem Beruf fühle ich mich

fast schon verpflichtet zu helfen – schliesslich

nützt der Anlass dem ganzen Dorf», sagt sie.

Es sei interessant, wie unterschiedlich sich

die Athleten kurz vor dem Start verhalten.

«Benjamin Raich und Didier Cuche waren

immer so fokussiert, dass man sie gar nicht

ansprechen durfte. Andere wiederum machen

Witze, bis sich das Starttor öffnet.»

Christoph Weissmüller ist seit zwanzig

Jahren Kassier am Weltcup-Wochenende – logisch,

der 54-jährige Adelbodner arbeitet bei

der Berner Kantonalbank als Kundenberater.

«Der Weltcup ist für Adelboden ein einmaliges

Erlebnis, da muss man einfach mitmachen!»,

sagt er. Einen Nachteil hat sein Weltcup-Engagement

allerdings. «Ich habe noch

nie einen zweiten Lauf gesehen!», lacht der

Skifan. «Wenn es spannend wird, packen wir

im ‹Boden› zusammen. Wer gewonnen hat,

erzählen mir dann die Kollegen.»

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MADE IN BERN 1/2016


Nervenkitzel am Lauberhorn

Mitte Januar findet im Berner Oberland auch der zweite internationale Ski-Event mit grosser

Tradition statt. Die Rennen in Wengen werden bereits zum 87. Mal durchgeführt

VON ERIK BRÜHLMANN

Eiger, Mönch und Jungfrau als Traumkulisse: Die längste Weltcup-Abfahrt führt vom Lauberhorn hinunter nach Wengen

Wenn im autofreien Bergdorf Wengen

plötzlich Hochbetrieb herrscht

– dann ist Rennwochenende. Bereits

zum 87. Mal kämpfen vom 13. bis

zum 15. Januar 2017 die weltbesten

Skirennfahrer am Lauberhorn um

FIS-Punkte – und hohe Preisgelder.

Zum ersten Mal in der Geschichte

werden pro Disziplin 120 000 Franken

für den Sieg ausgeschüttet.

Zum Übernachten müssen Gäste

bis nach Interlaken ausweichen

Bis zu 30 000 Skifans verfolgen jeweils

die Abfahrt am Samstag, etwas

weniger, aber immer noch über

10 000 Zuschauer sorgen am Freitag

bei der Alpinen Kombination und am

Sonntag beim Slalom für Stimmung.

Sie alle müssen mit der Bahn anreisen.

Denn obwohl Wengen über eine

bestens funktionierende Infrastruktur

verfügt, ist diese am Rennwochenende

bis zum Äussersten ausgelastet.

Praktisch alle Zimmer sind durch die

Sportler, Betreuer, Techniker und

Journalisten besetzt. Wer das ganze

Rennwochenende miterleben will,

Wengen

2017

FREITAG, 13. JANUAR

10.30 Uhr

Abfahrt Alpine Kombination

13.20 Uhr

Flugshow Patrouille Suisse

14.00 Uhr

Slalom Alpine Kombination

SAMSTAG, 14. JANUAR

11.40 Uhr

Flugshow Patrouille Suisse

12.30 Uhr

Lauberhornabfahrt

SONNTAG, 15. JANUAR

10.30 Uhr

Slalom 1. Lauf

13.30 Uhr

Slalom 2. Lauf

anschl. Siegerehrung

muss zum Übernachten oft bis nach

Interlaken ausweichen.

Mindestens ebenso wichtig wie die

legendären Sprünge über den Hundschopf

ist aber das Drumherum. Und

das beginnt schon am Donnerstagabend

mit der offiziellen Eröffnung

und der Startnummernauslosung.

Dann geht es Schlag auf Schlag: Rennen,

Flugshows der Patrouille Suisse,

Siegerehrungen und Unterhaltung im

Festzelt sorgen dafür, dass es einem

das ganze Wochenende lang garantiert

nicht langweilig wird. Und im

Schnee übernachten muss auch niemand:

Extrazüge sorgen bis 2.30 Uhr

dafür, dass man zumindest bis hinunter

nach Lauterbrunnen kommt.

Übrigens: Der wilde Ritt über die

Lauberhornpiste ist nicht nur den

Profis vorbehalten. Auch Amateure

können sich an der längsten Abfahrt

der Welt versuchen. Sogar die Berner

Musiklegende Polo Hofer packte

vor vielen Jahren die Gelegenheit

beim Schopf und versuchte sich als

Vorfahrer. Doch Vorsicht: Die rund

4500 Meter lange Piste weist ein

Gefälle von bis zu 42 Prozent auf.


1/2016 MADE IN BERN

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Will seine Firma im

Ausland stärker

positionieren: Daniel

Bloch auf Säcken mit

Kakao in seiner Fabrik

in Courtelary


INTERVIEW

«Für viele

Leute ist Ragusa ein

Stück Heimat»

Bereits in dritter Generation leitet Daniel Bloch jenes Familienunternehmen, das

den Schokolade-Klassiker Ragusa herstellt. Er sagt, warum seine Fabrik im Berner Jura

steht, wie sich Chocolats Camille Bloch SA auf die Zukunft ausrichtet – und warum es

in Bern so viele Traditionsmarken gibt

VON MARIUS LEUTENEGGER (TEXT) UND TANJA DEMARMELS (FOTO)

1/2016 MADE IN BERN

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INTERVIEW

Weltberühmte

Produkte

Made in Bern

TOBLERONE

Der Name der weltberühmten

Schokolade setzt sich

zusammen aus Tobler und

Torrone, italienisch für Nougat.

Die dreieckige Form hat nichts

mit dem Matterhorn zu tun.

Erfinder Theodor Tobler liess

sich von einer Pyramide

inspirieren, die Revuetänzerinnen

in Paris zeigten.

Toblerone gehört heute zum

US-Giganten Mondelēz

International.

OVOMALTINE

Entwickelt wurde das Malzgetränk

von Albert Wander, der

in Bern ein Labor führte, um

«geistig und

körperlich

Erschöpfte» zu

nähren.

Tatsächlich

enthält das in

Milch einrührbare

Pulver

neben viel Malz

auch einige

Mineralstoffe und Vitamine. Die

europäische Produktion findet

in Neuenegg bei Bern statt, die

Firma gehört aber zum Konzern

Associated British Foods.

KAMBLY

Der Guetzlihersteller hat seinen

Sitz in Trubschachen im

Emmental, gegründet 1910 von

Oscar R. Kambly. Das legendäre

Bretzeli stellte Kambly erstmals

1906 nach einem Rezept seiner

Grossmutter her.

Sie zählen zu den Schweizer Schokoladenkönigen.

Wie viel Schokolade essen Sie?

Ich betrachte mich nicht als König, denn Schokolade

ist etwas sehr Demokratisches. Jeder

kann nach seinem Geschmack wählen. Mein

Schokoladenkonsum liegt etwas über dem

Durchschnitt: Täglich esse ich etwa fünfzig

Gramm, das entspricht einem Ragusa.

Ihr Grossvater Camille Bloch gründete das

Unternehmen 1926 und baute dafür eine

Papierfabrik in Courtelary um. Warum ist

das Unternehmen im Berner Jura gelandet?

Zunächst produzierte mein Grossvater an mehreren

Standorten in der Stadt Bern. Weil er

seine Firma vergrössern wollte, suchte er einen

günstigen Produktionsstandort. Ein Politiker

wies ihn auf eine stillgelegte

Papierfabrik in Courtelary

hin. Mein Grossvater sah das

Potenzial dieses Standorts,

suchte dann aber noch das

Gespräch mit dem Bürgermeister,

weil es für ihn wichtig

war, von den Einheimischen

akzeptiert zu werden.

Und?

Das Wohlwollen war von

Beginn weg gross. Für Courtelary

entschied sich mein

Grossvater allerdings nur als

Firmenstandort. Er lebte weiterhin

in Bern und liess sich

jeden Tag hierherfahren.

Camille Bloch ist dem

Standort seither treu

geblieben. Was zeichnet

diesen aus?

Er ist sehr gut erschlossen,

wir haben Platz, und die Natur

ist herrlich. Der wichtigste

Vorteil aber sind die Menschen.

Zum einen sind hier

viele mehrsprachig, was sich

für ein international tätiges

Unternehmen wie unseres

auszahlt. Zum anderen ist die

Loyalität gross. Es ist zwar

nicht gerade leicht, Leute

hierherzubringen, aber wer

einmal hier ist, geht kaum

mehr weg.

Was schätzen Sie am

Kanton Bern und an der Region?

Die Diversität. Es gibt hier einfach alles, Städte,

ländliche Gegenden, eine sehr eindrückliche

Natur. Das sprichwörtliche Langsame der Berner

kann manchmal etwas nervig sein, aber es

passt mir sehr, dass die Menschen hier nicht so

aufgeregt sind wie anderswo.

Neben Camille Bloch gibt es eine

ganze Reihe von Berner Marken mit

internationalem Renommee: Toblerone,

Ovomaltine, Emmentaler, Swatch oder USM.

Tradition spielt in Bern eine grosse Rolle, deshalb

bietet die Region einen guten Boden für

traditionsreiche Marken. Gleichzeitig erlaubt

IN A NUTSHELL

Bernese products

conquer the world

It has been produced for

over 800 years and surely

is the most famous

product from the Canton of

Bern – the Emmental

cheese. Although this hard

cheese is now being

produced globally, the real

Emmental is only available

in 132 controlled dairies of

the region. Worldwide

sales and recognition are

typical of another Bernese

product: the Swatch. The

inexpensive but highquality

watch was invented

in Biel in 1983. Other

Bernese products are the

chocolate bar Ragusa, the

legendary Toblerone with

its triangular shape, the

breakfast beverage

Ovomaltine, and the

furniture line USM Haller.

die offene gesellschaftliche Atmosphäre, dass

sich kreative Geister ausleben können. Dafür

gibt es viele Beispiele aus Kultur und Literatur

– etwa Friedrich Dürrenmatt.

Sie übernahmen den Traditionsbetrieb 1997

von Ihrem Vater. Welche bewährten Werte

haben Sie hochgehalten?

Vieles fand ich gut: die Marke, die Produkte,

die Leute, die Werte. Ich realisierte aber, dass

meinem Vater mit viel Respekt begegnet wurde,

was bei Innovationsprozessen eher hinderlich

ist. Es war mir ein Anliegen, dass die Mitarbeitenden

sich stärker einbringen konnten.

Drei Viertel der Produktion setzen Sie

im Inland ab. Wie entwickelt sich der Markt?

Der Absatz pro Kopf stagniert auf hohem

Niveau, gleichzeitig gibt

es immer mehr importierte

Marken. Daher wird der

Markt für Schweizer Produzenten

tendenziell kleiner.

Das bedeutet für uns: Wir

konzentrieren uns auf unsere

Stärken, vertrauen auf unsere

drei Produktefamilien Ragusa,

Torino sowie Liqueur-

Schokoladen und bauen diese

aus. In den letzten zehn Jahren

konnten wir den Umsatz

von Ragusa verdoppeln.

Ihr Erfolg beruht auf

wenigen Produkten. Sind

Sie Ragusa ausgeliefert?

Klar, die grösste Chance ist

auch das grösste Risiko. Eine

schwache Marke zu haben, ist

jedoch keine Alternative.

Befürchten Sie nicht, Ragusa

könnte kopiert werden?

Es hat viele Versuche gegeben,

ein vergleichbares

Produkt auf den Markt zu

bringen, Ragusa ist allerdings

schwierig zu kopieren,

denn die Details sind entscheidend.

Letztlich ist aber

auch die Ausstrahlung eines

Produkts wichtig, und da vertrauen

wir auf unsere Marken.

Sie sind eigenständig

und authentisch, ein Stück

Heimat für viele Leute.

In den kommenden Jahren investieren Sie

35 Millionen Franken in ein Besucherzentrum

und neue Büros. Und sie verdoppeln

die Produktion auf 8000 Tonnen jährlich.

Ist das nicht etwas gar optimistisch?

Man sagt, die Grenze zwischen Mut und

Dummheit sei fliessend. Aber ich glaube, wir

sind in diesem Fall nicht übermütig. Wir bereiten

uns darauf vor, uns auch im Ausland stärker

zu positionieren.

Haben Sie als kleiner Anbieter mit einem

Jahresumsatz von rund 60 Millionen

Franken überhaupt eine Chance, in neue

ausländische Märkte vorzustossen?

28

MADE IN BERN 1/2016


Markenbotschafterin:

Seit 2012 wirbt Skistar

Lara Gut für Ragusa

EMMENTALER

Die Hartkäsesorte wird nachweislich

seit mindestens 800

Jahren in der gleichnamigen

Region hergestellt, ursprünglich

für den Selbstgebrauch, seit

1815 auch für den Verkauf.

Ein echter Emmentaler AOP

nach Originalrezeptur stammt

aus einer von 132 kontrollierten

Käsereien. Heute produzieren

aber auch unzählige Fabriken

rund um den Globus den

Emmentaler Käse.

«Lara Gut passt sehr gut zu

uns. Wie Ragusa hat sie

Ecken und Kanten. Und sie liebt

Schokolade!»

Wir gehen ja nicht gleichzeitig nach China, in

die USA und auf die Dark Side of the Moon.

Globale Aspirationen haben wir nicht, ich

möchte aber sozusagen die Schweiz etwas vergrössern.

In diesem Zusammenhang spreche

ich gern von den United States of The Alps.

Das neue Besucherzentrum ist auf 100 000

Eintritte im Jahr ausgelegt. Auch das ist

sehr ambitioniert.

Wir starten ja nicht bei null, heute wollen jedes

Jahr etwa 20 000 Menschen unsere Fabrik

besuchen. Schokolade ist ein Thema, das viele

interessiert. Das neue Besucherzentrum kann

auch dem Tourismus in der Region Impulse

verleihen. Unser Pays de Chasseral hat sehr

viel zu bieten, vor allem eine sehr eindrückliche

Landschaft.

Ragusa entstand 1942 aus der Not heraus:

Schokolade war wegen des Krieges knapp.

Die Nüsse sorgten dafür, dass pro Riegel

weniger Schokolade gebraucht wurde.

Wurde das Rezept je angepasst?

Nein, Ragusa hat sich nie verändert. Nur bei

der Produktion haben wir ein paar Prozesse

angepasst. Die Innovation bei Ragusa war

übrigens nicht allein die Zusammensetzung,

mein Grossvater erfand mit dem Riegel auch

ein neues Format.

Ausgerechnet bei diesem Klassiker setzen

Sie nicht auf ein Bärner Meitschi, sondern

mit Lara Gut auf eine Tessinerin!

Wir sehen uns als Schweizer Hersteller im

Kanton Bern und nicht als Berner Hersteller

in der Schweiz. Lara Gut passt sehr gut zu uns.

Wie Ragusa hat sie Ecken und Kanten, sie ist

eine Persönlichkeit mit Charakter. Und sie

liebt Schokolade!

Fahren Sie Ski?

Ich bin vielleicht nicht der sportlichste Skifahrer,

aber ich fahre sehr gern Ski, und wir

veranstalten mit der Geschäftsleitung regelmässig

Skiwochenenden.

Wo fahren Sie am liebsten?

Mit gefällt es in Schönried oder auf der Kleinen

Scheidegg. Die letzten Skiferien verbrachten

wir in der Hamilton Lodge in Zweisimmen

– mitten auf der Piste des Rinderbergs!

*Daniel Bloch trat 1994 ins Familienunternehmen

ein, 1997 übernahm er den Vorsitz

der Geschäftsleitung. Die Chocolats Camille

Bloch SA beschäftigt 180 Mitarbeitende,

produziert 3400 Tonnen Schokoladenprodukte

und erzielt einen Jahresumsatz von

über 60 Millionen Franken. Daniel Bloch lebt

in Bern, ist verheiratet und hat drei Kinder.


USM HALLER

Design und Qualität zeichnen

den Berner Möbelhersteller

USM U. Schärer Söhne AG aus.

Gäbe es das vom Münsinger

Unternehmen 1963 entwickelte

Möbelbausystem USM Haller

nicht, würden Arztpraxen und

Vorzimmer auf der ganzen

Welt anders aussehen. Das

unverwüstliche, modular

aufgebaute System ist so

schlicht wie raffiniert – ein

Geniestreich.

SWATCH

Eine der neuesten

Erfindungen aus dem

Kanton Bern ist die

Swatch, deren Heimat in

Biel liegt. Entwickelt wurde

sie von zwei Ingenieuren

beim Uhrwerkhersteller

ETA. Der Unternehmer

Nicolas Hayek erkannte das

Potenzial der qualitativ hochstehenden

Billiguhr – und

lancierte sie im Jahr 1983

mit Pauken und Trompeten.

1/2016 MADE IN BERN

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JUNGFRAUJOCH

Der schönste

Arbeitsplatz

der Welt

Auf dem Jungfraujoch befindet sich eine der weltweit bedeutendsten

Forschungsstationen im Hochgebirge. Unterhalten wird sie abwechselnd von

zwei Betriebsleiterpaaren, den einzigen Bewohnern des «Top of Europe»

VON MARIUS LEUTENEGGER (TEXT) UND TANJA DEMARMELS (FOTOS)

Es war in der Schweiz nie leicht, visionäre

Grossprojekte zu verwirklichen.

Auch die Pläne des Unternehmers

Adolf Guyer-Zeller, eine Bahn auf die

Jungfrau zu bauen, stiessen zunächst

auf massive Opposition. Der Zürcher

zog schliesslich alle Register, um

seinen Traum zu verwirklichen, und

versprach in seinem Konzessionsgesuch,

auf dem Jungfraujoch eine

Forschungsstation zu unterstützen,

wenn das Schweizer Parlament in den

Bau einwilligte. Die Räte sagten Ja,

die Bauarbeiten konnten beginnen.

Ab 1912 fuhr die Bahn aufs Jungfraujoch.

Damit wurde auch die Planung

der Forschungsstation auf dem

«Top of Europe» konkret. Hier sollten

Forscher aus der ganzen Welt Experimente

in der Höhenluft durchführen.

Zu den Gründungsmitgliedern der

Stiftung, welche die Station bis heute

betreibt, gehörten Institutionen aus

der Schweiz, Deutschland, Frankreich,

England und Österreich, später

kamen noch Einrichtungen aus Belgien

und Italien hinzu. 1931 wurde

die Station mit fünf Laboratorien auf

3454 Metern über Meer eröffnet,

1937 nahm das Observatorium mit

der markanten Kuppel seinen Betrieb

auf. Die Station zählt heute zu den

weltweit wichtigsten ihrer Art.

«Das hat damit zu tun, dass sie so

hoch liegt», sagt Professor Markus

Leuenberger. Der Umweltphysiker an

der Universität Bern ist Direktor der

Internationalen Stiftung Hochalpine

Forschungsstationen Jungfraujoch

und Gornergrat (HFSJG). «Das Jungfraujoch

befindet sich in der freien

Troposphäre. Hier lassen sich zum

Beispiel generelle Aussagen über die

Luftqualität in Kontinentaleuropa

machen.» Von den jeweils 50 bis 60

wissenschaftlichen Projekten, die auf

dem Jungfraujoch gleichzeitig laufen,

haben 80 Prozent mit Klima- und

Umweltforschung zu tun. Grundsätzlich

kann sich jeder Forscher, jede Forscherin

bei der Stiftung melden und

sich mit einem Projekt um einen Platz

auf dem Jungfraujoch bewerben.

Auf der Station gibt es ein Dutzend

Zimmer für die Forscher

In der Forschungsstation herrscht reger

Betrieb. Projektleiter kommen,

um Instrumente für Langzeiterhebungen

einzurichten, andere führen

Messungen an Probanden durch. Die

Station verfügt deshalb über eine

eigene Unterkunft mit einem Dutzend

Zimmern. Jährlich verzeichnet

das Wissenschaftlerhotel rund tau-


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MADE IN BERN 1/2016


XXXXX

Seit 15 Jahren

auf dem

Jungfraujoch:

Das Ehepaar

Joan und Martin

Fischer mit Hund

■ Sherpa

1/2016 MADE IN BERN

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Arbeiten auf 3454 Metern über Meer: Das Observatorium auf dem Jungfraujoch ist seit 1937 in Betrieb


send Aufenthalte. Betreut werden die

Gäste von den einzigen Menschen,

die auf dem Jungfraujoch wohnen,

den Betriebsleitern der Forschungsstation.

Zwei Paare wechseln sich ab.

Seit 15 Jahren bestreiten die 47-jährige

Joan Fischer und ihr vier Jahre älterer

Mann Martin das grössere Pensum.

Die beiden leben und arbeiten

jeweils zwanzig Tage in der Forschungsstation,

dann geniessen sie elf

freie Tage in ihrem Haus in Brienz.

Joan betreut die Forscher, Martin

kümmert sich um die Einrichtungen

Aufgewachsen ist Joan in der Nähe

von Rotterdam. Als junge Frau kam

sie ins Berner Oberland und verliebte

sich in den einheimischen Zimmermann

Martin. «Ich kam sieben Meter

unterhalb des Meeresspiegels zur

Welt und hatte überhaupt keinen Bezug

zu den Bergen», erzählt sie. «Jetzt

bin ich wohl mehr Bergler als die

meisten Schweizer.» Drei Jahre lang

arbeitete das Paar vorher als Gipfelwart

auf dem Schilthorn. Der grosse

Traum war aber das Jungfraujoch,

denn Martin hat eine ganz besondere

Beziehung zu diesem Ort: Hier lernten

sich seine Eltern kennen. Der Vater

arbeitete als Koch auf dem Joch,

die Mutter als Serviererin.

Als dann ein Betriebsleiterpaar für

die Forschungsstation gesucht wurde,

packten die Fischers ihre Chance.

«Man muss sich schon sehr gut verstehen,

wenn man zusammen eine solche

Aufgabe wahrnimmt», sagt Joan.

Ein Vorteil sei, dass die Arbeitsbereiche

strikt getrennt seien. Joan betreut

die Unterkunft und die Wissenschaftler,

Martin kümmert sich um den

Unterhalt der Gebäude und Instrumente.

Wissenschaftliche Kenntnisse

brauche es nicht, sagt er. «Es gibt sowieso

niemanden, der alle Instrumente

versteht.» Liefert ein Gerät mal

keine Daten mehr, versucht Martin,

den Schaden zu beheben. Messinstrumente

weisen hier oben häufiger Störungen

auf als im Tal: «Das hat mit

der kosmischen Strahlung zu tun, die

hier zwölfmal stärker ist.»

Neben dem Unterhalt der hochempfindlichen

Instrumente gehört

viel Knochenarbeit zu Martins Pflichtenheft.

Etwa das Schneeräumen

frühmorgens bei minus 20 Grad.

Fünfmal täglich muss er zudem Wetterbeobachtungen

rapportieren: «Ich

schaue aus dem Fenster, bestimme die

Sichtweite und die Wolkensituation.»

Das klingt nicht gerade wissenschaftlich,

tatsächlich gebe es aber noch immer

Parameter, die sich nicht mit

Geräten erfassen liessen.

IN A NUTSHELL

High-altitude research

The research lab atop the

Jungfraujoch, at 3,454 metres

above sea level, was opened in

1931 and has since carried out

numerous experiments

involving high-altitude air. A few

years later, the Observatory with

its striking cupola started operations.

Together they form one

of the world’s most important

scientific stations of their kind.

They are able to make general

assessments of the air quality

across continental Europe.

At any time, 50 to 60 scientific

research projects are going on

concurrently, of which 80 per

cent deal with climate and

environmental matters. In

principle, any researcher can

apply for a place on the Jungfraujoch.

The station features its

own accommodation for researchers

and staff with a dozen guest

rooms that clock up about 1,000

stays each year. The guests are

being looked after by the only four

people who permanently live on

the Jungfraujoch: two alternating

managing couples.

32

MADE IN BERN 1/2016


KULTUR

«Raucht

ein Tourist,

beeinflusst

das unsere

Messungen»

Forschungsstation: Der alte Lift ist nur für das Betriebsleiterpaar (oben.)

Der berufliche Alltag der Betriebsleiter

ist klar strukturiert, die Möglichkeiten

für Aktivitäten neben dem Beruf

bleiben äusserst limitiert. Wird es

den Fischers nie langweilig? Martin

lacht. «Nie! Es gibt immer wieder

neue Geräte, ich lerne unentwegt

dazu.» Und das Sozialleben sei nicht

dermassen beschränkt, wie man vielleicht

annehme. Tagsüber arbeiteten

viele Leute hier. «Und im Sommer besuchen

wir regelmässig die Hüttenwarte

der Mönchsjochhütte.»

Die Abende in der Privatwohnung

oberhalb des Wissenschaftlerhotels

sind ruhig. Neben den Betriebsleitern

übernachtet nur noch ein Bahnangestellter

auf dem Jungfraujoch. «Am

Abend tun wir das, was auch die meisten

Menschen im Tal tun», sagt Joan,

«wir essen, lesen, schauen fern.» Der

grosse Vorteil ihres Arbeitslebens sei

die elftägige Pause nach jedem

Arbeitseinsatz. «Das ist wie Ferien.

Wir führen praktisch zwei Leben.»

Martin bestätigt: «Vieles mache ich

nur hier, anderes nur, wenn wir in

Brienz sind. Unten setze ich mich

überhaupt nie an den Computer –

stattdessen steige ich oft aufs Velo.»

Interessant sei, wie sich die beiden Leben

auf die Wahrnehmung auswirkten,

meint Joan: «Wenn ich ins Tal

fahre, bin ich jedes Mal überwältigt

von den Farben – das Auge gewöhnt

sich hier oben an das viele Weiss.»

Die klimatischen Veränderungen

sind hier oben sicht- und spürbar

Allerdings: Vom Weiss gibt es immer

weniger. Wie dramatisch sich das Klima

verändert, zeigen Langzeitmessungen

auf dem Jungfraujoch. Die Fischers

brauchen allerdings keine

hochsensiblen Instrumente, um über

den Klimawandel Bescheid zu wissen.

«Wir haben hier zwar garantiert noch

jedes Jahr weisse Weihnachten, aber

die Veränderungen sind sicht- und

spürbar», sagt Martin. «Im ersten Jahr

kam es eigentlich nie vor, dass es regnete,

heute haben wir im Sommer

mehr Regen als Schnee.» Ist es eigentlich

gesund, so viel Zeit in der Höhe

zu verbringen? «Schädlich ist die starke

kosmische Strahlung vermutlich

schon, aber dafür geniessen wir hier

oben saubere Luft», sagt Martin.

«Und das Herz muss stärker pumpen,

das hält die Adern sauber. Alle unsere

Vorgänger wurden jedenfalls uralt.»

An einem so schönen Ort zu arbeiten,

das tue einfach gut. Auch nach 15 Jahren

ist Joan immer wieder hingerissen

von der Aussicht auf dem Jungfraujoch.

«Für uns ist das der schönste

Arbeitsplatz der Welt.»


Hinter der Forschung auf dem

Jungfraujoch steht die Internationale

Stiftung Hochalpine Forschungsstationen

Jungfraujoch und Gornergrat (HFSJG).

Direktor ist Professor Markus Leuenberger,

Umweltphysiker an der Universität Bern.

Wie bedeutend ist die Forschungsstation

auf dem Jungfraujoch?

Sie belegt fraglos eine Ausnahmeposition.

Auf dem Jungfraujoch können wir messen,

wie sich die Luft in Kontinentaleuropa

zusammensetzt, und prüfen, wie sich das

Kyoto-Protokoll oder das Pariser Abkommen

auf die Konzentration bestimmter

Schadstoffe auswirken. Unsere Station ist

zudem in die wichtigsten Netzwerke der

Klima- und Umweltforschung integriert.

Wie gross ist die

Nachfrage nach

Forschungen auf dem

Jungfraujoch?

Es laufen stets etwa 50 bis

60 Projekte. Bei vielen geht

Professor

Leuenberger

es um das Monitoring von

Luftschadstoffen oder um

klimatische

Veränderungen.

Wer finanziert die Station?

Wir erhalten Gelder von Institutionen, die

unserer Stiftung angeschlossen sind, und

für die Nutzung der Infrastruktur. Etwa die

Hälfte des Budgets trägt der

Schweizerische Nationalfonds.

Wie gross ist das Budget?

Rund eine Million Franken im Jahr.

Das scheint nicht viel ...

Nein, vor allem, wenn man bedenkt, dass

die Station 365 Tage im Jahr betreut wird

und unsere Stiftung auf dem Gornergrat

noch eine zweite Station betreibt.

«Top of Europe» lockt jährlich rund eine

Million Besucher an. Stören diese nicht?

Doch. Das Problem ist die hohe Empfindlichkeit

der wissenschaftlichen Geräte.

Raucht jemand auf der Terrasse, verändert

das die Messresultate umgehend.

So fein sind die Geräte?

Ich würde behaupten, wir könnten sogar

feststellen, ob die Rauchpartikel von einer

Zigarre oder einer Zigarette stammen!


Marius Leutenegger

1/2016 MADE IN BERN

33


LANGLAUF

Ruhe und

reine Natur

Der Naturpark Gantrisch ist ein ideales Ziel für Kurzurlauber und

alle, die dem grossen Trubel entfliehen wollen

VON ERIK BRÜHLMANN

Wer unverhofft einen freien Nachmittag hat

und Lust bekommt, ein paar Langlaufkilometer

unter die Bretter zu nehmen, ist im Langlaufzentrum

Gantrisch am richtigen Ort. Das

Langlaufparadies mit seinen je 45 Kilometern

perfekt präparierten klassischen und Skating-

Loipen ist von Bern aus in weniger als einer

Stunde erreichbar – und somit ideales Naherholungsgebiet

für einen Kurztripp.

«Tatsächlich haben wir viele Besucher

und Besucherinnen, die nach einem frühen

Feierabend oder für ein paar Stunden am

Wochenende zum Langlaufen hierherkommen»,

weiss Ramona Gloor, Leiterin Marketing

und Tourismus im Naturpark Gantrisch.

Manche seien zuweilen sogar nach Einbruch

der Dunkelheit unterwegs – mit Stirnlampen.

Sie profitieren davon, dass die Loipen dank

dem Verein Langlaufzentrum Gantrisch jeden

Tag frisch gespurt werden und sich stets

in tadellosem Zustand befinden. Ein weiteres

Merkmal des Langlaufparadieses: Hier gibt es

keine Beschneiungsanlagen, alle Loipen bestehen

zu hundert Prozent aus Naturschnee.

«Damit macht sich die Region zwar vom Wetter

abhängig», sagt Ramona Gloor, «aber als

Naturpark haben wir eine grosse ökologische

Verantwortung.» Dass die Loipen trotzdem

höchsten Ansprüchen genügen, wird etwa

dadurch belegt, dass sich immer wieder Rennläufer

aus aller Welt zum Training im Langlaufzentrum

Gantrisch einfinden.

Der «Gäntu»-Pass ist die ganze

Wintersaison lang gültig

Im Langlaufzentrum kommen aber Sportlerinnen

und Sportler aller Fähigkeitsstufen auf

ihre Kosten. Und wer auf den Langlaufbrettern

noch ein kompletter Neuling ist, kann

in der Langlaufschule Gantrisch erst einmal

Das Paradies

vor den

Toren Berns

Rüti

Gantrisch

2175 m

Ottenleuebad

Riffenmatt

Heubach

Schwarzenburg

BERN (35 km)

Der Naturpark Gantrisch

zwischen Bern, Thun und

Freiburg verfügt

über mehrere Skilifte und

40 Kilometer Loipen

Unterricht nehmen. Selbstverständlich kann

man Skis auch mieten. Für Gelegenheitslangläufer

empfehlen sich die bei den Kontrolleuren

erhältlichen Loipentickets. Wer häufiger

im Langlaufzentrum unterwegs ist, sollte den

die ganze Saison gültigen «Gäntu»-Pass erstehen.

Und für Fans, die überall in der Schweiz

über die Loipen flitzen, ist der national gültige

Langlaufpass Schweiz die beste Wahl.

Eines der Highlights ist der

Gantrisch-Panorama-Trail

Etwas gemächlicher geht es beim Schneeschuhwandern

zu und her. «Für die Region

Gantrisch ist das Schneeschuhwandern von

grosser Bedeutung», sagt Ramona Gloor. Der

Naturpark Gantrisch bietet Schneeschuh- und

Winterwanderwege von insgesamt rund 70

Kilometern Länge. Was die Gantrisch region

ausmacht? «Einerseits die grandiose Aussicht

auf die Alpen», sagt Ramona Gloor, «andererseits

die Tatsache, dass hier keine Menschenmassen

unterwegs sind.» Familien schätzen

die Ruhe ebenso wie Wandergruppen und

Naturfreunde. Die Highlights der Region sind

aber ohne Zweifel der Gantrisch-Panorama-

Trail, der auf dem Gurnigel pass beginnt, und

der Panorama-Trail Schwarzenbühl im Selital.

Wer keine eigenen Schneeschuhe hat, mietet

sie zum Beispiel im Berghaus Gurnigel oder

in der Skihütte Selital. Und wer keine Lust

hat, allein zu laufen, kann eine der geführten

Touren buchen, die unter anderem von «Snow

Patrol» und «Berg-Event» angeboten werden.

Übrigens: Zwar kann man mit den Schneeschuhen

wunderbar querfeldein wandern.

«Aber wir schätzen es, wenn Schneeschuhwanderer

auf den markierten Trails bleiben»,

sagt Ramona Gloor. «Aus Rücksicht auf die

Tiere und die Natur.»


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MADE IN BERN 1/2016


HIGHLIGHTS

Weniger als eine

Stunde von Bern: Das

Langlaufparadies im

regionalen Naturpark

Gantrisch

1/2016 MADE IN BERN

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XXXXX

Dem Stör auf

der Spur

Wenn es draussen «hudlet», wie die Berner sagen, lohnt sich ein Besuch im

weltweit einzigartigen Tropenhaus in Frutigen. Hier dreht sich alles um die

Wärme liebende Fische, inklusive interaktiver Ausstellung und Kaviarzucht

VON MARIUS LEUTENEGGER

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MADE IN BERN 1/2016


XXXXX

Neue Ausstellung: In fünf Themenwelten wird

gezeigt, wie mit dem warmen Wasser aus dem

Lötschberg-Tunnel Kaviar produziert wird


1/2016 MADE IN BERN

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Das weltweit einzigartige Tropenhaus in

Frutigen ist vieles in einem: Bildungsinstitution,

Tourismusattraktion und Erlebnisgastronomie.

«Es gibt aber übergeordnete

Aspekte, die alle Besucher faszinieren»,

sagt Beate Makowsky,

die stellvertretende Geschäftsführerin.

«Etwa die

Nachhaltigkeit, die hinter

dem ganzen Konzept steht.»

Als ökologisches und

ökonomisches Vorzeigeprojekt

hat das Tropenhaus aus

einer Not eine blühende Tugend

gemacht. Seine Existenz

verdankt es dem

Lötschberg-Basistunnel, der

durch Wasser enthaltende

Gesteinsschichten führt.

Jede Sekunde leitet er siebzig

Liter Bergwasser nach

Frutigen. Dieses Wasser ist

etwa 18 Grad Celsius warm

und darf nicht in die Engstli

geleitet werden, denn der

Fluss würde dadurch so

stark erwärmt, dass sich die

IN A NUTSHELL

Swiss

caviar

empfindlichen Seeforellen

nicht mehr fortpflanzen.

Man könnte das Wasser

einfach abkühlen, dann

würden aber zusätzliche

Kosten anfallen und über

vier Megawatt an thermischer

Leistung verpuffen. So

entschied man sich, das Wasser sinnvoll

zu nutzen – und zwar für die Aufzucht

von Störfischen, die es gern erwas wärmer

haben. Der Frutiger Stör liefert übrigens

den einzigen Schweizer Kaviar.

A tropical greenhouse

can be

found in Frutigen.

The Tropenhaus

owes its

existence to the

Lötschberg base

tunnel and the

18°C water that

flows out of it. The

resultant

geothermal

energy is used to

cultivate plants

– and roe, which

supply the only

caviar produced

in Switzerland.

2009 wurde das Tropenhaus eröffnet.

Mittlerweile produziert es jährlich eine

Tonne Kaviar der Marke Oona, 24 Tonnen

Stör sowie 70 Tonnen Egli und Zander.

Diese Menge geht vor allem in die

Schweizer Gastronomie und

deckt fast den ganzen Bedarf

von Coop, dem das Tropenhaus

gehört. Ein kleiner Teil

der Produktion wird auch

vor Ort verkauft, im Shop

oder über das hauseigene

Restaurant. «Unsere Stärke

ist die Kombination von einheimischen

Produkten und

tropischen Spezialitäten»,

sagt Chefkoch Martin Strehle.

In den Gewächshäusern

werden jährlich etwa zwei

Tonnen exotische Früchte

produziert, die direkt in die

Gastronomie gehen. «Jedes

unserer Gerichte enthält

mindestens eine Komponente

aus dem Garten oder aus

der Fischzucht», so Strehle.

Am beliebtesten ist natürlich

der Stör, vor allem der

Stör Tandoori, für den dreissig

Gewürze fein aufeinander

abgestimmt werden. Das

kulinarische Erlebnis wird

zusätzlich durch das einmalige

Ambiente aufgewertet:

Das soeben erweiterte und

aufgefrischte Restaurant erstreckt sich

über den Tropengarten. Serviert wird also

unter Palmen, Bananenstauden und Papayabäumen

– selbst dann, wenn draussen

meterhoch Schnee liegt.


1

2

1 KUNSTMUSEUM BERN

Unter dem Titel «Berns verlorener

Altar» zeigt das ältestes

Kunstmuseum der Schweiz

mehrere Tafeln des Berner Malers

Niklaus Manuel. Die Bilder

waren Bestandteil des heute

nicht mehr existierenden Altars

in der Französischen Kirche in

Bern und gelten als Meisterwerke

der Berner Kunst um 1500.

Daneben bietet das Kunstmuseum

Bern eine riesige Sammlung

von über 3000 Gemälden,

Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien

und Videos von der

Gotik bis zur Gegenwart.

Kultur-Highlights für

2 ELEVATION 1049 GSTAAD

Unter dem Titel «Between

Heaven and Hell» fand diese

einzigartige Openair-Ausstellung

mit verschiedenen, im ganzen

Dorf verteilten Kunstinstallationen

von Fischli/Weiss bis

zu Pipilotti Rist ein begeistertes

Echo weit über die Grenzen hinaus.

Dieses Jahr ist Elevation ins

Saanenland zurückgekehrt. In

der Winterausstellung «Avalanche»,

die vom 3. Februar bis

19. März dauert, stehen die

Themen Lawinen und deren

Unvorhersehbarkeit, Kraft und

Dynamik im Zentrum.

38

MADE IN BERN 1/2016


KULTUR

Erlebniswelt

Tropenhaus

Neben der neuen, interaktiven

Ausstellung mit ihren fünf

Themenwelten bietet das

Tropenhaus Frutigen auch

Führung und Events an. So kann

man jeden letzten Mittwoch im

Monat (30. November, 28.

Dezember) unter fachkundiger

Leitung die Pflanzen aus der

exotischen Schatzkammer

entdecken und bekommt gleich

noch ein paar Tipps für die

Hausapotheke. Oder man lässt

sich die Kunst der Fischzucht

erklären oder die Technik der

Energiegewinnung. Und an

Silvester wird unter Palmen im

Tropengarten gefeiert.

tropenhaus-frutigen.ch

Dinieren im

tropischen

Garten: Das

Restaurant ist

Teil des

Gesamterlebnisses

Schlechtwetter-Tage

3

3 ZENTRUM PAUL KLEE

Das bekannteste Museum von

Bern befindet sich in dem vom

italienischen Stararchitekten

Renzo Piano konzipierten, wellenartigen

Bau am Stadtrand. Es

zeigt aber nicht nur das Schaffen

des weltberühmten deutschen

Malers, sondern sieht sich auch

als Kompetenzzentrum für die

Erforschung, Vermittlung und

Präsentation seines Lebens und

Werks. So thematisiert die aktuelle

Ausstellung die Bewegungen

in Paul Klees Schaffen, die

grundlegend für sein Verständnis

von Natur und Kunst waren.

4 KUNSTMUSEUM THUN

Vor allem Liebhaber von zeitgenössischer

Kunst kommen in

diesem im ehemaligen Grandhotel

Thunerhof untergebrachten

Museum auf ihre Kosten.

Neben der grossen Sammlung

mit Werken von Hodler, Varlin

oder Meret Oppenheim sowie

Schweizer Pop-Art und Fotorealismus

zeigt das Kunstmuseum

Thun jährlich mehrere Wechselausstellungen.

Bis zum 22. Januar

zum Beispiel die «Schnupperschau

≠4», die sich experimentell

mit dem Duft in und

um die Kunst auseinandersetzt.

4

1/2016 MADE IN BERN

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ABFAHRTEN

Tanja Friedens

Lieblingspisten

Aufgewachsen ist die Snowboard-Olympiasiegerin von 2006 in Thun.

Und kennt die Pisten im Berner Oberland seit ihrer Jugend. Eine ihrer liebsten

Abfahrten führt frühmorgens bei Sonnenaufgang vom knapp 3000 Meter

hohen Schilthorn hinunter nach Mürren

1. Adelboden–Engstligenalp

Dieses Wintersportgebiet ist für mich immer

noch ein Geheimtipp. Hier habe ich mit meiner

Snowboard-Karriere angefangen. Vor allem

im Frühling ist die auf 2000 Metern über

Meer gelegene Engstligenalp ein Muss: Das

Gebiet ist zwar eher klein und übersichtlich –

aber trotzdem gehört die schwarze Piste vom

Dossen herunter zu den geilsten Abfahrten

im Berner Oberland überhaupt. Sie ist schön

breit und steil, erlaubt aber keinen Patzer,

denn unten schauen alle vom Restaurant zu!

2. Grindelwald–First

Beim Skilift Bärgel egg befindet sich der

Snowpark «White Elements», der mit seiner

neuen Superpipe einer der besten im

ganzen Oberland ist. Seit Jahren trifft sich

hier die Snowboard- und Freeski-Szene.

Wer genug hat von der Piste, setzt sich auf

die Sonnenterrasse des Bergrestaurants

Schreckfeld gleich neben der First-Bahn,

schaut den Köchen bei ihrer Arbeit in der

Outdoor-Küche zu oder geniesst die Aussicht

auf den mächtigen Eigergletscher.

3. Lenk–Betelberg

Ich liebe die lange und abwechslungsreiche

Wallegg- Piste, die schon früh im Jahr

in einem Topzustand ist. Nonstop am frühen

Morgen im Herbst «top down» runter

Schiltgrat

Schilthorn

2970m

Birg

Allmendhubel

MÜRREN

Obere Hubel

Traumhafte Abfahrt. Bei Sonnenaufgang vom

Piz Gloria hinunter nach Mürren

zu fetzen, war früher immer einer der

Fixpunkte in meiner Trainingsplanung.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich heute

während der längeren Abfahrten hin und

wieder eine Pause einlege ... Aber die Piste

fägt, auch heute noch!

4. Mürren–Schilthorn

Wenn es frisch geschneit hat, ist der Piz Gloria

mit der ersten Bahn schon am frühen Morgen

zu attackieren. Der obere, enorm steile

Teil ist dann von den Pistenfahrzeugen noch

nicht ganz fertig präpariert und bietet so ein

ganz besonderes Vergnügen. Hier gilt das

Motto: Wer als Erster in der Bindung steht,

hat gewonnen! Bei der letzten Abfahrt lohnt

sich dann ein Stopp in der urchigen Hütte

Suppenalp, wo es verschiedene Käsespezialitäten

vom Holzfeuer und leckere Suppen gibt.

5. Saanenland–Saanenmöser

Die originell coupierte Piste vom Saanerslochgrat

hinunter nach Saanenmöser lädt zum

Spielen ein. Sie bietet genügend Platz und ist

nicht zu steil, sodass ich nicht an meinen Freestyle-Tricks

feilen muss. Im Restaurant Kübeli

kann man anschliessend den Tag ausklingen

lassen oder «Ädi» zuhören, der immer ein

paar Sprüche auf Lager hat und die wildesten

Geschichten aus den goldenen Anfangszeiten

des Snowboard-Zirkus erzählt.


40

MADE IN BERN 1/2016


XXXXX

«Heute lege ich bei den

Abfahrten oftmals eine

Pause ein»: Die ehemalige

Spitzensportlerin und

Profi-Snowboarderin

Tanja Frieden

1/2016 MADE IN BERN

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Was für eine Aussicht!

Carven vor Eiger,

Mönch und Jungfrau

Die Tipps vom

Weltmeister

Er gehörte zu den besten Skirennfahrern der Schweiz, war zweifacher Weltmeister

und Olympia-Bronze-Gewinner im Riesenslalom. Und noch immer liebt

Mike von Grünigen die traumhaften Pisten im Berner Oberland. Seine Geheimtipps für

den anspruchsvollen Sportler, aber auch für den naturliebenden Genussfahrer

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MADE IN BERN 1/2016


Heimatverbunden:

Riesenslalom-

Spezialist Mike

von Grünigen


1. Schönried–Horneggli

Am allerbesten gefällt mir natürlich der Mike-von-Grünigen-Run

am Horneggli. Nicht nur, weil diese Strecke meinen

Namen trägt, sondern auch weil es eine anspruchsvolle

und abwechslungsreiche Piste ist. Am Morgen ist sie

am schönsten, relativ hart, aber von den Pistenfahrzeugen

optimal präpariert. Ab Mittag präsentiert sie sich dann im

schönstem Sonnenlicht. Nach der letzten Fahrt sollte man

unbedingt noch im legendären Restaurant Kuhstall, kurz

vor dem Talboden, einkehren.

2. Adelboden–Lenk

Die breite, toppräparierte Piste vom Sillerenbühl zum

Aebi runter ist für jeden Carving-Freak ein absolutes

Muss! Hier gibt es genügend Platz, um jede Schräglage

auszuprobieren und das optimale Feeling zu finden.

Wer nicht viel Zeit hat, findet im Bergrestaurant

Sillerenbühl schnell etwas Feines zum Essen und Trinken.

Wer es lieber etwas gemütlicher und urchiger mag, dem

empfiehlt sich das Restaurant Aebi am Ende der Piste.

3. Grindelwald–Kleine Scheidegg

Wer sich in diesem Gebiet aufhält, darf die Piste vom

Eigergletscher zum Arven hi nunter nicht verpassen. Nach

der anfänglich etwas engeren Passage kann man sich auf

eine superbreite Piste freuen. Genau richtig, um sich auszutoben

oder auch einfach gemütlich die Natur zu geniessen.

Wer nicht zurück auf die Kleine Scheidegg möchte,

begibt sich auf die lange, anfangs wenig spektakuläre Piste

bis zum Talboden von Grindelwald und kehrt auf halber

Strecke noch im Restaurant Alpiglen zu einem feinen Fondue

ein.

4. Meiringen–Hasliberg

Der «Alpen Tower» darf an einem Skitag auf dem Hasliberg

nicht fehlen. Wer den Tag in der herrlichen Bergwelt

mit Blick auf die östlichen Berner Oberländer Alpen

starten möchte, ist hier im Panoramarestaurant zum Frühstücks-Buffet

gerade richtig, bevor er die abwechslungsreiche

Abfahrt über den Südflügel der Gummenalp hinunter

Richtung Bidmi oder bis zur Reuti in Angriff nimmt.

5. Gstaad–Wasserngrat

Ein Geheimtipp für alle, die nicht den grossen Rummel

suchen, dafür eine anspruchsvolle Piste bevorzugen, ist

der Wasserngrat im Gstaad. Besonders attraktiv ist es bei

schönem Wetter unter der Woche. Dann ist man praktisch

allein auf der Piste. Pulverschnee-Freaks kommen zudem

an den schönen Hängen an einem frisch verschneiten

Wintermorgen auf ihre Rechnung. Anschliessend kann

man sich im Bergrestaurant mit herrlicher Aussicht auf das

Saanenland verwöhnen lassen.


43


GENUSS

Entscheidend für

ein gutes Fondue

ist der Wein

Der Berner Starkoch Ivo Adam sagt, worauf man beim weltbekannten

Schweizer Nationalgericht achten muss. Und verrät sein Lieblingsrezept

VON MYRIAM ZUMBÜHL (TEXT) UND RUBEN WYTTENBACH

Das Fondue hat schon mancher Kanton

für sich beansprucht. Von Ausländern

als die Schweizer Nationalspeise

schlechthin betrachtet, reklamieren die

Neuenburger das Gericht als ihre Erfindung.

Womit wiederum die Walliser

und vor allem die Berner mit ihrem feinen

Käse nicht einverstanden sind. Der

Berner Spitzenkoch Ivo Adam freut

sich über die Vielfalt, will sich aber

nicht auf ein Rezept festlegen. «Röstigraben-Fondue»

nennt er darum seine

Kreation, die aus einer Mischung aus

Vacherin fribourgeois, Berner Greyerzer,

jungem Appenzeller und etwas

Raclettekäse besteht. «Der Raclettekäse

gibt dem Fondue eine schöne Cremigkeit,

gerade bei räsen Hartkäsen

hilft das sehr», erklärt er. Er sorgt damit

für mehr Elastizität. Wer möchte, dass

sein Fondue Fäden zieht, gibt noch etwas

Emmentaler unter die Mischung.

Das perfekte Fondue fängt beim

39-jährigen Koch aber schon beim Ein-

Tipps fürs

perfekte

Gelingen

1 BEILAGEN

La-Ratte-Kartoffeln eignen

sich sehr gut, aber auch

rohe Apfelschnitze.

2 VERFEINERN

Fonduewürfeli schmecken

noch besser, wenn sie in

gerösteten Pinienkernen

und gehackten Piemonteser

Haselnüssen oder

Rapskerne getunkt werden.

Der Käse kann mit

Morcheln, Steinpilzen,

Tomaten oder schwarzem

Trüffel verfeinert werden.

3 WEIN

Gut gealterte Weine sind am

besten. Sie dürfen herb und

spritzig sein (z. B. Chasselas,

aber auch Champagner).

kaufen an. Das war schon damals so,

als ihn die Mutter als Dreikäsehoch bei

der Hand zum Käser in Lyss mitnahm.

«Dort gab es meist ein kleines Versüecherli,

während an der Theke die

Mischung fürs Familienfondue besprochen

wurde. Dann hat der Käser alle

Käsestücke durch die grosse Raffelmaschine

gegeben.» Er rümpft kurz die

Nase: «Aber auf keinen Fall ein Fertigfondue

kaufen», winkt er ab.

Das Fondue wird jedes Mal aufs

Neue gemischt und so zu einem spannenden

Gericht komponiert. «Meist

habe ich schon eine Idee, welchen Käse

ich verwenden möchte, wenn ich zum

Käser gehe.» Einmal an der Theke, hat

der Käser oft noch eine andere Idee,

wie die Aromen zusammengestellt

werden können. «Gemeinsam kreieren

wir dann eine Art Cuvée – das ist ein

bisschen, wie wenn der Maler seine

Farben neu mischt.» So packt ihm der

Käser seines Vertrauens für sein «Rös-


44


KULINARIK

«Jedes Fondue

ist eine neue

Komposition»:

Starkoch Ivo

Adam mit einem

Stück Berner

Greyerzer, der

nicht fehlen darf

1/2016 MADE IN BERN

45


Die besten Berner

Fondue-Beizli

IGLU-DORF, ENGSTLIGENALP

Der Fondue-Plausch für Freunde

CHEMISTUBE, ST. STEPHAN

Ein Bergbeizli wie aus dem

Bilderbuch. Es liegt mitten

im traumhaften Skigebiet

Lenk-Simmental

JÄGERSTÜBLI, LOMBACHALP

In diesem urchigen Alpbeizli

gibts neben Holzerfondue

auch leckeren Chäsbrätel

RIKSCHA-TAXI, BERN

Fondükscha nennt sich das

fahrende Sightseeing-

Restaurant auf drei Rädern

tigraben-Fondue» mehrere Stücke

vom Appenzeller, Greyerzer, Vacherin

und noch etwas vom reifen

Raclettekäse ins Käsepapier. Und legt

immer noch ein paar Gramm dazu.

«Ich schnause während des Kochens

gerne vom Käse», sagt Ivo Adam verschmitzt.

Wenn er die Aromen auf

der Zunge schmecke, komme er in die

richtige Stimmung für die perfekte

Mischung, die er dann zu Hause aus

den grossen Stücken raffelt.

Statt Wein kann man auch einen

Spritzer Apfelessig verwenden

Entscheidend für ein gutes Fondue sei

der Wein. Nicht nur für den Fall, dass

IN A NUTSHELL

Typically Swiss

The fondue is one of the

best-known Swiss national

dishes. It basically consists

of various shredded cheeses

that are being melted in a

special pan (the caquelon)

right at the table, into which

the eaters dunk pieces of

bread. This convivial and

heart-warming meal is

served in numerous cosy

restaurants across the

Bernese Oberland.

es zu dick geraten ist, hilft ein Schluck

guter Weisswein, sondern vor allem

auch fürs Aroma. «Vergessene Weissweinflaschen

im Keller aus Chasselas-

Trauben eignen sich perfekt», rät

Adam. «Wenn diese Weine etwas älter

sind, bekommen sie eine schöne

Aprikosen-Safran-Note. Das verleiht

dem Fondue einen schönen Geschmack

und hilft, dass es nicht gerinnt.»

Alternativ kann hier auch ein

Spritzer Zitronensaft, Apfelessig oder

etwas Saft vom Sauerkraut verwendet

werden. «Der Saft von fermentiertem

Gemüse ist fürs Fondue genial, denn

er hat neben der Säure immer noch

Eigengeschmack und aromatisiert so

das Fondue perfekt», empfiehlt er.

46

MADE IN BERN 1/2016


GENUSS

Fondue-

Rezept vom

Starkoch

«Fürs Fondue brauchts den Käser,

Winzer und Bäcker», bringt es der

Spitzenkoch auf den Punkt. Beim

Brot schwört er auf ein Ruchbrot aus

dem Holzofen. «Am besten eins vom

Vortag, denn frisches Weissbrot saugt

zu viel Käse auf.» Das bringe das Verhältnis

50 zu 50 – halb Käse, halb

Brot – aus der Balance, und die Gäste

würden vor lauter Brotessen zu

schnell satt. Beim Fondue mag es der

Koch gern traditionell, trotzdem hat

er Freude an verschiedenen Beilagen.

«Die kleinen, knorrigen Bergkartoffeln

haben ein ausgezeichnetes Aroma

und sind ideal für ein Fondue.

Auch Apfelschnitze mit schöner Säure

harmonieren mit dem Käse.»

Alle Einkäufe getätigt und das Mise

en place parat, geht es ans Kochen.

Das Caquelon reibt Adam für sein

«Röstigraben-Fondue» mit Knoblauch

aus, bevor er den Weisswein

und sauren Apfelmost aufkocht. In

diesem Fonds wird der geriebene

Käse dann auf kleiner Flamme durch

stetes Umrühren geschmolzen. Ist der

Käse cremig, wird er mit aufgelöster

Maizena gebunden, mit Sauerkrautfonds

verfeinert und etwas Piment-

Pfeffer und Piment d’Espelette abgeschmeckt.

Einen kleinen Trick hat

Adam zum Schluss noch parat: «Eine

Messerspitze Natron unter den Käse

gerührt, gibt dem Fondue einen schönen

Schaumeffekt.»

FONDUE-

LAND,

SCHÖNRIED

Im Schlittmoos

sitzt

man in einem

hölzernen

Riesen-

Caquelon

und geniesst

den heissen

Käse in

freier Natur


Zutaten:

250 g Vacherin fribourgeois

250 g Berner Greyerzer

200 g Appenzeller (6 Monate

gereift)

100 g reifer Raclette Käse

3 dl alter Chasselas

1 dl saurer Apfelsaft

3 TL Maizena

4 cl Vieux Marc

3 Knoblauchzehen

4 EL Sauerkrautsaft (oder

1 EL Apfelessig)

frischer Piment-Pfeffer und

Piment d’Espelette

Beilagen:

800 g Ruchbrot aus dem

Holzofen, ein Tag alt, in Würfeli

geschnitten

Zubereitung:

Alle Zutaten auf Zimmertemperatur

bringen. Käse mit

der Röstiraffel reiben, Vieux

Marc in Maizena auflösen.

Die Knoblauchzehen vierteln

und das Caquelon damit

ausreiben, Knoblauchzehen

danach ins Caquelon geben.

Den Wein und Apfelsaft

dazugeben und aufkochen.

Den geriebenen Käse ins

Caquelon geben, auf kleiner

Flamme 10 Minuten langsam

schmelzen lassen. Dabei mit

einem Holzlöffel kontinuierlich

in der Form einer 8 durch den

Käse rühren. Sauerkrautsaft

zur verrührten Maizena geben

und in den geschmolzenen

Käse einrühren. Fondue zwei

Minuten auf hoher Flamme

sämig weiterkochen und dabei

ständig umrühren. Zum

Schluss mit Pfeffer und

Piment d’Espelette

abschmecken.

Mit den Brotwürfeli servieren.

1/2016 MADE IN BERN

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1

1 SnowpenAir

Top-Bands spielen

auf der Kleinen

Scheidegg

2

2 Top of Europe

ICE MAGIC

Schlittschuherlebnis

in Interlaken

3

3 Snow Bike

Festival

In Gstaad trifft

sich die Elite der

Biker

Weihnachtsmärkte

und Weltcup-Partys

Events, Feste und Bräuche – was man im Kanton Bern diesen Winter auf keinen Fall verpassen darf

ADELBODEN

31. Dezember Legendäre Silvester-Party

an der Eisbar vom Eishockey-Club

7. und 8. Januar Ski-Weltcuprennen

mit Riesenslalom und Slalom

und grossem Rahmenprogramm

18. und 19. März 6. Iglu-Festival

BERN

3. bis 24. Dezember Weihnachtsmärkte auf

dem Waisenhaus- und auf dem Münsterplatz

21. Dezember bis 19. Februar

Eisbahn auf dem Bundesplatz

2. bis 4. März Berner Fasnacht

BERNER JURA

5. Februar Snowup interjurassien – mit den

Schneeschuhen von Ort zu Ort wandern

BRIENZ

26. und 27. November Grosser

Erlebnisweihnachtsmarkt

GSTAAD

15. Dezember bis 7. Januar

Winterzauber mit Erlebniswelt

31. Dezember Silvesterpartys

in mehreren Berghäusern

19. bis 22. Januar Snow Bike Festival

HASLITAL

31. Dezember Schlittelweg mit

Fondue-Plausch von der Käserstatt

bis ins Bidmi

48

MADE IN BERN 1/2016


AGENDA

Winterzauber.

In vielen Berner

Städten gibts die

traditionellen

Weihnachtsmärkte,

wie hier

auf dem dem

Zentralplatz in Biel

Der längste

Silvester

der Schweiz

In Interlaken wird der Jahreswechsel

drei Tage lang gefeiert

HUTTWIL

23. bis 27. November Grosser

Weihnachtsmarkt

INTERLAKEN

17. Dezember bis 25. Februar

Top of Europe ICE MAGIC bietet ein

einzigartiges Schlittschuherlebnis

17. bis 24. Dezember Weihnachtsmarkt

1. Januar Touch the Mountains –

Openair-Konzert mit Topbands wie

77 Bombay Street, Dabu Fantastic,

Nickless und Trauffer,

anschliessend grosses Feuerwerk

KLEINE SCHEIDEGG

8. April 20. SnowpenAir mit nationalen

und internationalen Top-Acts

KANDERSTEG

25. Dezember und 1. Januar Die

Pelzmartiga ziehen mit Treicheln und

Fellen durchs Dorf

22. bis 29. Januar 8. Belle-Epoque-Woche,

während der sich das ganze Dorf im Stil der

Jahrhundertwende verkleidet

4. und 5. Februar Nordic Days

LAUPEN

31. Dezember Achetringele – traditioneller

Silvesterbrauch

LENK

10. Dezember Grosser Weihnachtsmarkt

11. und 12. Februar Internationale

Schlittenhunderennen

19. März Audi Snowboard Series

MÜRREN

18. bis 21. Januar 74. Internationales

Inferno-Rennen

SAANEN

6. bis 17. Dezember

Weihnachtsmarkt

THUN

8. bis 23. Dezember

Weihnachtsmarkt

4

WENGEN

13. bis 15. Januar Ski-Weltcuprennen

Alpine Kombination und Lauberhornabfahrt

mit grossem Rahmenprogramm und

Flugshow der Patrouille Suisse

Nach der traditionellen Silvesterfeier

geht es in Interlaken erst richtig

los. Auftakt macht am 1. Januar

ein Open-Air-Konzert mit Nickless,

Dabu Fantastic, 77 Bombay

Street und Trauffer. Um 19.45 Uhr

wird dann das grosse Feuerwerk

gezündet. Doch damit nicht genug:

Am 2. Januar gibts einen grossen

Umzug mit der legendären Harder-

Potschete. interlaken.ch/silvester

Luxus-Wochenende zu gewinnen

Machen Sie mit beim grossen

Wettbewerb und gewinnen Sie ein

Wochenende für 1080 Franken:

— 2 Nächte im ****Hotel Bellevue

— Silvesterdinner im Grand Café

Rest. Schuh (exkl. Getränke)

— Champagner auf dem Zimmer

— 30-minütige Kutschenfahrt

— Tageseintritt zu Top of Europe

ICE MAGIC

Senden Sie ein Mail mit dem Betreff

«Längster Silvester», Na men

und Adresse an pm@interlakentourism.ch

oder eine Postkarte an:

Interlaken Tourismus, Höheweg 37,

3800 Interlaken. Einsen de schluss

ist der 10. Dezember 2016.

Impressum

MADE IN BERN ist eine Sonderbeilage

der SonntagsZeitung und Le Matin

Dimanche in Zusammenarbeit mit

der BE! Tourismus AG

Leitung: Dominic Geisseler

Redaktion: Erik Brühlmann, Denise Erni,

Dominic Geisseler, Marius Leutenegger,

Renata Libal, Zeno van Essel, Myriam

Zumbühl

Produktion: Dominic Geisseler

Fotoredaktion: Suse Heinz

Übersetzungen: Rosemarie Graffagnini

Titelfoto: Stephan Schacher

Leitung Verlag: Marcel Tappeiner

Verkaufsleitung: Adriano Valeri,

Werdstrasse 21, 8021 Zürich

1/2016 MADE IN BERN

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DIGITAL

Anita Brechbühl hat ihre Kamera immer

dabei und veröffentlicht die schönsten

Bilder auf ihrem Blog: Stockhorn (gross),

Oeschinensee (links). Blick von Mürren

auf Eiger, Mönch und Jungfrau

Bloggerin aus Leidenschaft

Sie reist gern und schreibt darüber. Anita Brechbühl verrät auf Travelita.ch jede Woche die besten Reisetipps

VON ZENO VAN ESSEL

Diese Frau lebt aus dem Koffer,

könnte man meinen. Denn

taucht man auf ihrem Blog Travelita.ch

ein in ihre Welt der

Reisen, so pendelt man zwischen

Floridas Stränden und

einem Eishotel in Finnland,

versinkt in einen

orientalischen Traum

in Marrakesch, um wenige

Klicks später im

«Kerzenhotel» Obersteinberg

aufzuwachen.

Anita Brechbühl hat

sie alle besucht, diese

Anita

Brechbühl

schönen Flecken der Erde. Und

beschreibt sie in einer Sprache,

die geprägt ist von persönlichen

Erlebnissen. Das macht ihre Berichte

so lebendig, ihre Reisen

nachvollziehbar. Und immer mit

dabei hat sie ihre Kamera.

Ein traumhaftes Leben. Doch

hinter den vielen Berichten steckt

eine Menge Arbeit. Anita ist keine

Profibloggerin. Im richtigen

Gesucht:

Das schönste

Winterbild

Unter dem Motto «Mein

Winter – Made in Bern» sucht

die BE! Tourismus AG die

schönsten Winterfotos aus

dem ganzen Kanton. Reiche

dein Lieblingsbild mit dem

Hashtag #wintermadeinbern

auf den Social-Media-Kanälen

Instagram, Twitter und

Facebook ein oder sende es

an: win@madeinbern.com.

Weitere Informatione unter:

madeinbern.com/mein-winter

Leben arbeitet sie in Zürich als

Raum- und Verkehrsplanerin.

Auf Travelita.ch aber widmet sich

die 28-Jährige ihren Leidenschaften:

dem Reisen, Fotografieren,

Berichten. Mit Erfolg: Ihr

Blog erreicht jeden Monat

mehr als 15 000 Leserinnen

und Leser. Kurztrips

sind ihre Spezialität:

«Ideen für Wochenendoder

Tagesausflüge kommen

beim Publikum am

besten an.»

Über mangelndes Interesse

kann sich die Bloggerin

nicht beklagen: Auch Touristikorganisationen

oder Reiseveranstalter

klopfen inzwischen bei ihr

an und bitten sie um eine Reportage

– gegen Bezahlung. Mit diesen

Aufträgen refinanziert Anita

und ihr Freund Nicolas Glauser,

Blogpartner und Fotograf, den

Aufwand für die vielen Reisen.

Doch die Freiheit, selbst bestimmen

zu können, über welche

Themen sie schreibt, ist ihr wichtiger

als der Kommerz. «Mehr als

touristische Hotspots faszinieren

mich Orte, die im Verborgenen

liegen», sagt Anita. «Der Kanton

Bern hat so viele schöne Winkel.»

Anita Brechbühl muss es wissen.

Sie wuchs im Gürbetal auf,

mitten im Naturpark Gantrisch.

Und immer wieder zieht es sie in

diese Region: «Das ist für mich

ein Stück Heimat. Einer der

wunderbarsten Orte ist das Gantrischseeli,

wo man den schönsten

Sternenhimmel sehen kann.»

Aber auch in Sachen Kulinarik

oder Wellness erweist sich Anita

Brechbühl als gute Tipp-Geberin:

«Das Hotel The Cambrian in

Adelboden hat einen herrlichen

Spa, schön gelegen ist auch das

Solbad Beatus in Merligen. Und

wer es ganz exklusiv mag, sollte

sich den Hammam im Gstaad

Palace nicht entgehen lassen.»


50 MADE IN BERN

1/2016


SOUVENIRS

Lachsforelle

Das mineralreiche

Bergquellwasser des

Blausees eignet sich

hervorragend für die

Aufzucht von Fischen

Tête de Moine

Der «Mönchskopf» ist

ein Halbhartkäse und

stammt aus dem Kloster

Bellelay im Berner Jura

Das Beste

aus Bern

Der Kanton Bern ist bekannt für seine

natürlichen und hervorragenden Produkte. Viele

davon haben schon längst Kultstatus

Whisky

Der Swiss Highland

Single Malt reift im

ewigen Eis des

Jungfrau-Massivs

Mandelbärli

Das Gebäck gibts seit

125 Jahren, heute auch

mit trendigen Aromen

Meringues

Das süsse Eiweissgebäck

kommt

ursprünglich aus

Meiringen

Scherenschnitte

Die Tradition lebt weiter,

zum Teil mit modernen

Motiven wie dem Swiss

Open in Gstaad

Alpenkräuter

In Därstetten werden

die Swiss Alpine Herbs

zu Tee und

Gewürzen verarbeitet

1/2016 MADE IN BERN

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