Namibia-Urlaub2016

yumpulutz

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Durch die Weiten Namibias

- September 2016 -


Vorbemerkungen zu diesem Bericht:

Dies ist kein professioneller Reisebericht. Er entstand aus einem

kleinen Tagebuch, in dem ich stichwortartig, oft mit 2 Tagen

Verspätung, das aufschrieb, was mir in Erinnerung geblieben war.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich mit unseren beschränkten

zeitlichen, sprachlichen und sozialen Möglichkeiten nicht wirklich guten

Kontakt zu den hier lebenden Menschen habe aufbauen können. Ich

habe mich in meinen Reisenotizen auf die von mir ganz subjektiv

erlebten Geschehnisse konzentriert. Nur, wo es mir sinnvoll und

erfüllbar erschien, habe ich allgemeine Informationen und Andreas

und meine Betrachtungen der Dinge eingeführt. Diese Ausführungen

erheben also weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf die sogenannte

objektive "Wahrheit". Auf Schilderungen von Wanderungen

müssen Leserin und Leser leider verzichten, weil ich auf Grund

körperlicher Probleme leider dazu nicht mehr in der Lage bin.

Im Übrigen soll ein wesentlicher Teil dieses Berichtes aus meinen Fotos

bestehen, die wie ich hoffe, optisch-sinnlich die Schönheit , Faszination

und überwältigende Eindrücklichkeit dieses Landes wiedergeben, ohne

die (zumindest von mir so empfundenen) negativen Seiten zu

verschweigen. Sollte es mir gelingen, den LeserInnen dieses kleinen

"Werkes" Lust auf dieses Land zu machen und, sollten sie dorthin

reisen, sensibel mit seinen Möglichkeiten umzugehen, würde es mich

freuen. Für Kommentare, seien es ergänzende, korrigierende, kritische

und, selbstverständlich auch lobende, bin ich immer dankbar.

Lutz Stegemann, Stuttgart, 2016


Vorwort

Nachdem ich jahrzehntelang keinen besonderen Drang verspürte, in

außereuropäische Länder zu verreisen und diesem Prinzip auch bis auf

3 Ausnahmen - eine Türkeireise mit Freunden in meiner Studienzeit,

einen Städtetripp nach NYC und, vorwiegend aus politischem

Interesse, 2013/14 und 2015 zwei Cubareisen – treu geblieben bin,

äußerte meine Frau Andrea vor einem Jahr den Wunsch, einmal eine

Wüstenlandschaft zu erleben. Ich merkte, dass auch ich sofort davon

begeistert war, und so begannen wir quasi sofort mit der, erst mal

mentalen, Vorbereitung:

Die arabischen Länder kamen für uns aus verschiedenen Gründen nicht

in Frage, und so fiel unsere Wahl sehr rasch auf die älteste Wüste der

Welt, die Namib in Namibia. Nun machten wir eine etwas überraschende

Erfahrung: Einige Freunde und Bekannte, die wir daraufhin

ansprachen, erzählten uns, dass sie, z. T. schon mehrfach, nach und

durch Namibia gereist waren, und sprachen nur begeistert von ihren

Erfahrungen dort. Dazu kommt, dass Afrika bei allen, die dort waren,

trotz vieler Missstände, die in vielen Ländern dort herrschen, einen

tiefen Eindruck hinterlassen hat und eigentlich alle, wenn sich die

Möglichkeit böte, immer wieder gerne dorthin fahren würden. Das

wiederum verstärkte unsere diesbezügliche Absicht.

Nun ist Namibia kein sehr typisches afrikanisches Land, was die internen

Verhältnisse dort angeht - es ist (noch) politisch stabil im Sinne einer

parlamentarischen Demokratie, auch wenn viele Erwartungen der im

alten Südwestafrika massiv unterdrückten schwarzen und farbigen

Bevölkerung bisher noch nicht in erwünschtem Maße umgesetzt

werden konnten - , aber wir wollten auch kein unnötiges persönliches

Risiko eingehen, und so waren wir bald sehr sicher, was unsere

Reisepläne anging.


Wir merkten bald, dass eine Gruppenreise für uns

insofern nicht in Frage kam, als sie uns zu sehr eingeengt

hätte, was Intensität, Reisetempo und persönliche

Interessen angeht. Also sollte es eine Individualreise mit

einem eigenen Leihwagen werden.

So ganz ins Blaue hinein wollten wir aber wegen unserer

mangelnden Erfahrungen auch nicht fahren; durch ein

befreundetes Ehepaar kamen wir in Kontakt mit Iwanowski

und ließen uns dort einen Reiserouten- und Unterkunftsvorschlag

ausarbeiten.

Dieser umfasste zunächst die übliche Rundreise in zwei

Wochen quasi durch ganz Namibia: Windhoek, Namib,

Kalahari, der Süden mit dem Fish-River-Canyon und dann

über Swakopmund nach Etosha.

Nach einigen Diskussionen entschieden wir uns für

folgende Route, entgegen der üblichen, da das von uns

primär ins Auge gefasste Reiseziel und Highlight eben die

Namib war (dass wir später sehr schnell von dem

Tierreichtum fasziniert sein würden, war uns da noch nicht

klar). Wir entschieden uns also für:

– Windhoek

– Waterberg

– Onguma im Osten von und Okakueyo direkt im

Etosha-Nationalpark

– Swakopmund

– Die Dünen der Namib

– Kalahari – Windhoek.

Aus früheren Erfahrungen mit Gruppenreisen wollten wir

überall mindestens zwei Nächte bleiben, um an jeweiligen

Orten auch „anzukommen“ und nicht nur aus dem Koffer

zu leben.

Iwanowski änderte daraufhin seinen Reisevorschlag

unseren Wünschen entsprechend, und so flogen wir

Anfang September 2016 unserem Ziel entgegen.


5./6.9.

Frankfurt - Windhoek:

Heute geht’s los: Der Direktflug nach Windhoek mit der Condor 1 – der

Flughafen dort heißt Hosea Kutako 2 - geht abends vom Rhein-Main-

Flughafen kurz nach 20:00 Uhr los. Wir sind 2 h vor der Boarding-Zeit in

Frankfurt/Main am Flughafen. Zeit ohne Ende, wir kommen schnell

durch die Kofferaufgabe - das Check ist schon online erledigt - und

Sicherheitskontrolle, die noch genauer ist, als wir das bisher gewohnt

waren: Der "Nacktscanner" tritt in Aktion. Anschließend finden wir zum

Warten einen schönen Fensterplatz mit Blick auf unsere Maschine und

erhalten so unverhofft die Gelegenheit, Ablauf und Logistik der

Beladung mit unseren Gepäckstücken – sie werden mit

Spezialfahrzeugen mit Hebebühnen in Containern in den Gepäckraum

der Boeing 767 der Condor Airlines eingepasst – zu beobachten.

Zwischenzeitlich klemmt aber augenscheinlich der Mechanismus, so

dass das Ganze deutlich länger als geplant dauert. Wegen der

Verzögerung beim Gepäckverladen fliegen wir mit 20 Min. Verspätung

los. Die 9 Stunden Flug sind nicht wirklich toll, da ich trotz Beinfreiheit

nicht gut sitzen kann und das nicht kostenpflichtige Unterhaltungsprogramm

neben Musik nur sehr alberne Filme anbietet. So lese ich einen

- natürlich in Namibia spielenden - Krimi.

Ankunft ist 6:08 Uhr. Gerade geht die Sonne auf. Namibia, wir sind da!

Vom Rollfeld geht's in das Empfangsgebäude. Dort erwarten uns

insgesamt 3 h in Warteschlangen:

1: Nach Windhoek fliegt im Direktflug noch die Air Namibia, die anderen Airlines wählen

den Weg über Südafrika. Unsere Entscheidung für Condor fiel aus dem Grund, dass hier,

zwar gegen Aufpreis, dafür aber sicher, Plätze mit größerer Beinfreiheit gewählt werden

können.

2: Hosea Kutako war von 1925 bis zu seinem Tod 1970 Führer der namibischen Herero.


1.) Passkontrolle mit Foto und anschließendem PC-Foto-Abgleich

2.) Geldwechselstelle

3.) Leihwagenschalter mit Vertragsprozedur, anschließend die eigentliche

Leihwagenübernahme eines weißen Toyota Hilux 4x4 mit Automatik.

Die hatten wir zwar nicht bestellt, sie erweist sich aber im Laufe

unseres Urlaubs als doch recht hilfreich, da wir uns während der Fahrt

gut auf den Linksverkehr einstellen können, ohne dabei noch mit

einem links positionierten Schalthebel umgehen zu müssen. Die

Organisation der Verleihfirma ist etwas chaotisch, zudem haben wir

natürlich etliche Fragen zur Bedienung des Wagens, aber so gegen

10:30 Uhr haben wir es dann geschafft. Es ist nur etwas schwierig, aus

dem Gelände Richtung Windhoek heraus zu finden, aber schließlich ist

auch das geschafft.

Windhoek, wir kommen! Glücklicherweise ist die Pension Palmquell leicht

zu finden: an der 1. Ampel in Windhoek li. abbiegen, dann die Jan Jonker

Road 1 zur Nr. 60.

1: Jan Jonker Afrikaner war ein Kaptein der Orlaan-Afrikaner, einer Gruppe der Nama.

Diese wiederum sind eine der Volksgruppen Namibias und machen etwa 5% der

Bevölkerung aus .


Das Fahren im Linksverkehr geht wirklich ohne größere Probleme, man

braucht lediglich etwas Konzentration. Nur Blinker und Scheibenwischer

verwechsle ich immer mal wieder, da diese seitenvertauscht

angebracht sind.

Die Pension ist ein verwinkeltes lauschiges Plätzchen, allerdings ohne

Aus- oder gar Fernsicht. Aber hier wird völlig selbstverständlich ein

süddeutsch-österreichisch klingendes Deutsch gesprochen.

Nachdem wir eingecheckt haben, fahren wir erst mal zum Supermarkt,

um Getränke zu kaufen. Nachdem wir uns ein paar Mal auf dessen

Gelände verfahren haben, bekommen wir einen guten Parkplatz;

rückwärts einparken geht mit dem großen Schlitten zum Erstaunen

Andreas dank beider Außenspiegel und einer Weitwinkel-Heckkamera

hervorragend. Im Supermarkt bekommen wir einen Kulturschock:

erstens ist es eine SPAR- Filiale, zweitens sind viele Waren deutsch

benannt, bis hin zu Landjägern und Maultaschen! Nur die Tatsache,

dass die Bedienung durchgehend schwarz ist, macht uns klar, dass wir

nicht in einem großen deutschen SPAR-Supermarkt sind. Wie in

Deutschland gibt es hier auch einen Restaurantbetrieb, allerdings mit

deutlich mehr Personal als bei uns . Wir entscheiden uns für je ein dick

belegtes und auch gut schmeckendes Stück Pizza.

Die „Heimfahrt“ zur Pension Palmquell gestaltet sich schwierig, weil wir

die Jan Jonker Road 2x in der falschen Richtung fahren.

Obwohl wir – vom Nachtflug und den darauffolgenden vielen neuen

Eindrücken – ziemlich kaputt sind, reagieren wir nur diskret genervt,

unsere Beziehung zeigt wieder einmal, was wir für ein Dreamteam

sind!!!!

Anschließend fallen wir in einen ca. 3 h dauernden tiefen und festen

Mittagsschlaf…

Gegen 17:00 Uhr fahren wir dann nochmal raus in die Landschaft, um

etwas Namibia zu schnuppern und die ersten Fotos in spätem

Nachmittagslicht zu machen. An Tieren sehen wir in der

Stadtrandlandschaft „nur“ Paviane, die sich an der B6, einer der langen

und gut ausgebauten Hauptstraßen des Landes, eingerichtet haben

und zumindest zum Teil von den Abfällen der menschlichen

Großsiedlung leben

. Kurz nach 18:00 sind wir wieder im Palmquell. Dort gibt es dann nach

etwas Warten unser erstes Abendbrot: wahlweise Oryx-Medaillons

oder ein Sirloin-Steak, wohl vom Rind. Dazu gibt’s einen leckeren

Shiraz* aus Südafrika und zum Nachtisch Palacsinta. Danach fallen wir

– um 9:00 Uhr! – todmüde ins Bett.


7.9.: Waterberg

Etwas unruhig geschlafen, aber fit für und neugierig auf den neuen

Tag! Nach dem Frühstück, einem großzügigen Buffet, und den üblichen

Auscheckformalien fahren wir zunächst wieder zum SuperSPAR,

Adapter für die namibischen 3-Pol-Steckdosen sowie noch Getränke

und einen Becher für unterwegs kaufen. Anschließend geht’s auf die

Piste, die B1, die insgesamt von Vioolsdrift 1 an der südafrikanischen

Oshokango 2 an der angolanischen Grenze das ganze Land von Süd

nach Nord durchquert.

Heute wollen wir zur Waterberg Guest Farm am Fuß des gleichnamigen

Tafelberg, heute ein Naturschutzpark.

Waterberg bezeichnet aber auch ein schwarzes Kapitel der deutschen

Kolonialgeschichte: Hier fand die Schlacht am Waterberg zwischen der

deutschen „Schutzmacht“ und den aufständischen Hereros 3 statt.

1: Grenzort zwischen Namibia und der Republik Südafrika am Orange River

2: Grenzort zwischen Namibia und Angola

3: südwestafrikanisches ehemaliges Hirtenvolk von heute etwa 120.000 Menschen.


Die eigentliche Grausamkeit der deutschen Truppen lag nicht einmal

im Schlachtgeschehen selbst, sondern darin, dass diese die besiegten

Hereros, die samt ihren Familien in die Wüste geflohen waren,

konsequent daran hinderten, an die in diesem Gebiet liegenden

Wasserzugänge zu kommen, so dass von 60 000 – 80 000 Hereros nur

geschätzte 16 000 überlebten. Der größte Teil verdurstete elend. Hier

muss ich noch ein paar prinzipielle Gedanken einschieben, die uns während

unseres gesamten Aufenthaltes dauerhaft beschäftigten: Wohl

auf Grund unserer, der deutschen, Geschichte habe ich, neben allem

Wohlbefinden, immer wieder irgendwo auch ein wenig schlechtes

Gewissen gehabt, dass wir hier als Weiße fast ausschließlich von

Schwarzafrikanern bedient werden, zumal im Land immer noch die

Reste der Apartheitspolitik Südafrikas deutlich sind; die Wohngebiete

sind nach wie vor deutlich voneinander abgesetzt, wobei das wohl von

den Einkommensverhältnissen bestimmt wird: Nach wie vor verdienen

die reichsten – fast ausschließlich weißen – 10% der Bevölkerung ca.

65% des nationalen Einkommens, während die ärmsten 20% lediglich

über 1,4% verfügen. Anders ausgedrückt: Ein Weißer verdient pro Jahr

ca. 16 500 US-Dollar, ein Schwarzer mit Job ca. 750 US-Dollar, die

Mehrheit der schwarzen Bevölkerung muss aber mit 85 Dollar auskommen!

Andererseits ist aber der Tourismus eine wichtige Einkommensquelle

und schafft viele Arbeitsplätze, was dann auch das eigene

Unbehagen etwas relativiert. Wichtig wäre für Touristen, das Geld, das

ihre Reise kostet, hauptsächlich im Land zu lassen und nur das Nötigste

an die z. T. internationalen Tourismusunternehmen zu zahlen.

Zurück zu unseren persönlichen Reiseerlebnissen und der B1: Der

Verkehr ist für namibische Verhältnisse recht anständig, erst später

wird’s ruhiger. Parallel der Straße haben wir auf lange Zeit eine Baustelle;

hier wird wohl die Straße 4- oder 6-spurig ausgebaut…

Die erste Zwischenstation zum Tanken ist Okahandja 1 .

Glücklicherweise habe ich mir schon beim Autoverleih die Lokalisation

der Abdeckklappe für den Dieselstutzen gemerkt und den Hebel zum

Öffnen derselben – ganz unten rechts unterm Armaturenbrett – zeigen

lassen, so dass ich mich hier nicht blamiere. Okahandja ist bekannt für

seinen großen Markt für Holzschnitzprodukte; da wir aber noch keine

kaufen wollen, besuchen wir ihn auch nicht, weil wir uns nicht dem

Verkaufsdrang der Leute aussetzen wollen.

Das Fahren im namibischen Linksverkehr geht immer noch problemlos;

jetzt übernimmt Andi das Steuer. Ich fühle mich auf dem Beifahrer-

1: traditionelles Zentrum der Herero, 22.500 Einwohner

sitz links ohne Steuer und Pedale überhaupt nicht deplatziert. Auch bei

Andi geht, abgesehen von dem Immer-mal-wieder-Verwechseln von

Blinker- und Scheibenwischerhebel, alles wunderbar. Die Abfahrt auf

die C 22 zur Waterberg Guest Farm verpassen wir zunächst und

müssen also wenden. Bis dahin war die Fahrt eher eintönig, wenn man

mal von der natürlich grandiosen Weite der Landschaft absieht: Die

Straßen sind ständig beiderseits von breiten, eher karg bewachsenen,

Streifen gesäumt, und das Land links und rechts ist überall wegen der

das ganze Land überziehenden Rinderfarmen abgezäunt. Dreieckige

Warnschilder warnen häufiger mal vor Springböcken und Warzenschweinen;

das erste erweist uns dann auch die Ehre. Es gibt diese

Schilder allerdings auch für einige andere Tierarten bis hin zu

Krokodilen und Elefanten, von Perlhühnern bis Giraffen.


Den Eingang zur Guest Farm finden wir problemlos. Wir werden von einer

freundlich-fröhlichen Afrikanerin mit einem Erfrischungsdrink und der

Frage empfangen, ob wir bestimmte Dinge nicht äßen bzw. vertrügen.

Unser „Nein, wir essen alles“ nimmt sie erleichtert zur Kenntnis. Es

kommen wohl auch Vegetarier hierher. Dann werden wir auf dem Weg

zu unserem ca. 150 m abseits versteckten Bungalow begleitet. Auch die

Koffer müssen wir die letzten 30 m vom Auto nicht selbst schleppen. Der

Bungalow besteht aus einem Raum mit einem großen Doppelbett in der

Mitte und einem Ventilator darüber. Die Dusche ist halb abgetrennt, das

WC befindet sich vom eigentlichen Haus getrennt, im Außenbereich, der

auch noch eine zweite Dusche unter freiem Himmel, die einen wirklich

üppigen Strahl hat, aufweist. Nach der Fahrt, die eigentlich gar nicht so

lange gedauert hat, – für die 260 km haben wir knapp 3 h gebraucht –

gönnen wir uns trotzdem einen Mittagsschlaf. Danach merke ich, dass ich

trotz des schönen Ambientes der Farm irgendwie unzufrieden bin: die

direkte Umgebung der Farm und ihr Ambiente bieten keine wirklich tollen

Fotomotive. Ich fange an, rumzunölen, bis wir uns noch mal ins Auto

setzen und zum Großen Waterberg – es gibt auch einen Kleinen, der direkt

hinter unserer Farm anfängt – fahren. Nach dem Abbiegen von der C

22 verlassen wir das erste Mal die asphaltierte Straße, es geht auf einer

Sand-Schotter- Piste weiter, und das über etliche km. Aus unserem Plan,

oben auf den Waterberg zu fahren, wird leider nichts, da das, was wir

vorher nicht wussten, außerhalb geführter Touren nicht gestattet ist. So

vertreiben wir uns an der Station noch die Zeit, indem wir 2 halbzahme

Steinböckchen beobachten und fotografieren. Dann geht’s zurück zur

Guest Farm. Unterwegs sehen wir noch unseren ersten Kudu, und später

gelingt es mir noch, einen Gelbschnabel-Tuku „auf die Platte“ zu bannen.

Der Abend wird bestimmt von einem „Sundowner“ 1 , einer allgemeinen

Sitte zumindest auf den Guest Farms und Lodges, wie wir bald

mitbekommen, und einem anschließendem Abendessen an einem Tisch

mit unseren Gastgebern und den anderen Gästen in einer sehr netten

und angeregten Atmosphäre. Bald danach schlafen wir in unserem schön

abgelegenen und damit sehr ruhigen Bungalow tief und fest.

1: Gemeinsamer Drink bei Sonnenuntergang


8.10.

Nach einer dank Moskitoschutz in den Fenstern mit Frischluft

versorgten und mückenfreien Nacht sind wir wieder voller Neugier,

was der Tag uns bringen wird. Der Himmel ist, wie nicht anders

erwartet, strahlend blau, und in der Sonne ist es auch schon morgens

um 8:00 angenehm warm. Ich nutze die tollen Bedingungen, um die

Outdoor-Dusche auszuprobieren. Keine Angst, outdoor bedeutet

nicht, dass ich völlig im Freien und von allen Seiten sichtbar dusche;

die Räumlichkeit wird nach einer Seite vom sittlich abgeteilten WC

und an den anderen 3 Wänden von Palisaden eingegrenzt. Aber auch

ohne das wäre es kein Problem, da unser Bungalow, wie schon erwähnt,

von allen Seiten von ziemlich undurchdringlichem Buschwerk

umgeben ist. Und dann wartet die Dusche mit noch einer weiteren

Überraschung auf: Es ist die wasserreichste meiner bisherigen Duscherfahrungen,

von wenigen öffentlichen Sauna-Kaltwasserduschen

mal abgesehen; und hier kommt es wirklich auch noch richtig schön

heiß aus der Leitung! Der Waterberg scheint seinen Namen zu Recht

zu tragen, auch wenn die Umgebung nicht gerade vor Grün strotzt.

Nach der üppigen Dusche erwartet uns ein genauso üppiges Frühstück, und

ich darf schon mal verraten, dass das während des gesamten Urlaubs so

bleibt: Brötchen, Brot mit allen möglichen Belägen, Ei in jeder gewünschten

Form und wahrlich ausreichender Menge: Mit Schinken, Zwiebeln oder

ohne, Rühr-, Setz- oder gekochtes Ei, dazu abwechslungsreiches Müsli mit

jeder Menge Obst, der Kaffee schmeckt wie bei Muttern zu Hause,

Kaltgetränke sind selbstverständlich auch da…. kurz und gut, wir gehen

gestärkt in den Tag. Und so kommen wir auf die Idee, den kleinen

Waterberg, an den sich die Farm direkt anlehnt, zu ersteigen. Man hat uns

gesagt, das dauere so ca. eine Stunde, und so gehen wir die Vormittagstour

fröhlich an. Natürlich haben wir uns mit ausreichend Wasser versorgt, wir

nehmen die Warnungen, die wir in fast jedem Reisebericht gelesen haben,

schon ernst!

Am Anfang des Weges erwartet uns noch eine nette Überraschung: Auf der

Farm leben u. a. 3 Rhodesian Ridgebacks 1 und ein Jack-Russel-Terrier;

einer von den Ridgebacks und der Terrier begleiten uns völlig von sich aus,

was wir recht angenehm finden, auch wenn uns ersterer immer wieder

etwas tollpatschig zwischen die Füße läuft. Egal, sie gefallen uns trotzdem!

Allerdings vollenden wir unsere Wanderung doch nicht wie geplant, da der

Weg mit zunehmender Strecke immer steiler und gerölliger wird, so dass

wir nach ungefähr 2/3 der Strecke finden, dass die Aussicht hier schön

genug ist – und das ist sie auch (s. Foto oben vom 7.10.) - und kehren nach

einer kleinen Erholungs- und Aussichtspause wieder um

1: aus dem früheren Rhodesien stammende Hunderasse; Jagd- und Wachhund


Außerdem erwartet uns schon der nächste Programmpunkt: Wir waren

schon erstaunt, dass hier neben dem Gastgeberpaar auch ein weiterer

Weißer herum lief; dieser stellte sich uns bald vor: Florian aus Deutschland,

der schon zum 2. Mal eine, mehrere Monate dauernde, Art

Praktikum absolviert, nachdem er nach Abschluss seiner Mechanikerausbildung

erst mal in Deutschland keinen Job bekommen hat und es

ihm hier ausnehmend gut gefällt. Er ist heute unser Guide und Fahrer

bei einem Jeep-Ausflug zu einem doch etliche km entfernten Cheetah

Conservation Fund, einer Einrichtung für Geparden (Cheetahs), die aus

unterschiedlichsten Gründen nicht (mehr) jagen können und damit in

der freien Wildbahn keine Überlebenschance haben. Es ist eine Art

Gnadenhof, da den Betreibern die Zucht untersagt ist, weil die Raubkatzen

ihren Nachkommen wiederum das Jagen nicht beibringen könnten

und damit eine neue Generation nicht lebenstauglicher Tiere herangezogen

würde. Wir kommen gerade noch rechtzeitig zur Fütterung

einiger in Zoo-ähnlichen, wenn auch etwas größeren, Gehegen

untergebrachten Katzen – und Katern - und werden anschließend noch

von einem weiteren Guide per Jeep durch sehr große Gehege gefahren,

jetzt ohne von den Raubkatzen durch Zäune getrennt zu sein.

Allerdings bleiben wir schön respektvoll im Wagen; doch sind auch diese

Tiere gerade gefüttert worden und völlig ohne Appetit auf Menschenfleisch.


Nach dem Besuch der Geparden geht es in die „kleine Serengeti“, ein

zum Grundbesitz der Waterbergfarm gehörendes Steppengelände.

Und hier bekommen wir jede Menge verschiedener Antilopen zu

Gesicht: Springböcke, Kudus, Kuhantilopen, Oryxe, Steinböcke,

außerdem Riesentrappen und, wenn auch sehr weit weg, Strauße.

Und irgendwann hält Florian plötzlich an und lässt uns nach links

schauen. Und da stehen tatsächlich, keine 10 m entfernt, 3 Giraffen

und schauen uns völlig entspannt an!

Für Andi und mich ist das erst mal der Höhepunkt des Tages.

Anschließend wird es noch etwas unangenehm, weil es mit

schwindender Sonne doch empfindlich kalt wird und der Fahrtwind in

dem offenen Wagen heftig in den Augen brennt. Und so sind wir

froh, dass wir bald die Lodge erreichen und uns am Lagerfeuer zu den

anderen Gästen zum Sundowner gesellen können. Und zu guter Letzt

gibt’s dann auch noch ein deftiges Abendbrot, zusammen mit

unseren Gastgebern, mit Antilopenfleisch. Danach reicht’s uns, wir

sind in jeder Hinsicht gesättigt. Gute Nacht.


Hereros in Okakarara


9.9.:

Der erste Elefant!

Doch erst mal zurück zum Tagesanfang:

Nach angenehmer Nacht und ausgiebigem und Frühstück brechen wir auf:

Zunächst wollen wir nach Okakarara in das Projekt Steps for Children 1 , welches

wir besichtigen wollen, weil wir überlegen, regelmäßig dafür zu spenden. Bei

diesem Besuch werden wir zunächst von Sonja, der dort mitarbeitenden

Waterberg-Wirtin, begrüßt und dann von einer Praktikantin aus Deutschland,

die ungefähr ein Jahr hier bleibt, begleitet und informiert. Ergebnis: Wir werden

uns am Schutzengelprogramm 1 regelmäßig finanziell beteiligen. Nach dem

Abschied schnuppern wir noch – allerdings aus dem Wagen heraus, da wir das

Gefühl haben, hier nicht herzugehören – die Atmosphäre dieser Kleinstadt: jede

Menge Beton- und Wellblechhäuser, alle eingezäunt, und an der Hauptstraße

ein Verkaufsstand nach dem anderen, an dem alle möglichen Waren des

täglichen Bedarfs sowie Nahrungsmittel angeboten werden. Hier sind auch jede

Menge Leute unterwegs, alles Hereros. Sonja hat uns noch einiges über die

Rivalitäten zwischen Hereros und Ovambos 2 erzählt; hier spielt das Stammesund

Clandenken eine immense

Rolle, und die Hereros fühlen

sich – und sind es vielleicht

auch – von der ausschließlich

aus Ovambos bestehenden

Regierung benachteiligt. Dabei

sind sie auch sehr stolz.

Anschließend geht’s für uns auf

die Pad 3 nach Etosha;

1: s. www.stepsforchildren.de

2: Zahlenmäßig größter und

politisch einflussreichster

Volksstamm Namibias, stellte

und stellt immer noch die

überwältigende Mehrzahl der

SWAPO und damit jetzt der

Regierung und der

Regierungspartei, die 2014 80%

der Parlamentssitze erringen

konnte.

3: Straße

4: Stadt im ehem. Herero

Homeland. Zentrum der Herero

nach Okakarara 4 gibt es nur noch ein ganz kurzes Stück

Teerpiste, danach besteht für den allergrößten Teil des Weges,

nämlich fast 200 km bis Grootfontein, die Pad aus Schotter,

Wellblechrillen und Sand, letzterer allerdings nicht sehr tief.

Andi fährt und macht das souverän. Wildtiere sehen wir

allerdings so gut wie gar nicht, nur jede Menge Ziegen und

Rinder, die hier diesseits der Zäune frei herumlaufen.


Die Dörfer bestehen hier zumeist aus etwa

5-20 Häusern, die verstreut im Gelände

stehen, ohne Straßen dazwischen - wozu

sollten die auch gut sein? – und ab und zu

Verkaufsständen an „unserer“ Pad.


Wir fragen uns, wie die Menschen hier ihre Lebenszeit verbringen….

In Grootfontein 1 tanken wir wieder, dann suchen wir den Weg nach Tsumeb 2 , was wegen einer

Riesenbaustelle erst nach einer Weile des Suchens klappt. Ab da ist die Pad super, ich habe das Steuer

wieder übernommen und rausche problemlos mit 120 Sachen durch die weitere Landschaft, die inzwischen

zeitweise wegen Strom-, Funkmasten und anderen industriellen Gerüsten plötzlich nicht mehr so schön,

sondern ein wenig trostlos erscheint, glücklicherweise aber nur kurzfristig, dann gibt es wieder diese

grandiose stille Weite, die uns so stark anrührt.

1: Stadt südöstlich von Etosha,

16 000 Einwohner, relativ niederschlagsreich, drumherum Landwirtschaft mit Rinderzucht und Anbau von Feldfrüchten,

außerdem Kupferabbau.

2: Stadt nördlich von Grootfontein, 19 000 Einwohner, Mine für Abbau von über 250 verschiedenen wertvollen Mineralien.


Kurz vor dem Eingang zum Etosha-

Nationalpark geht’s rechts zum

Onguma Bush Camp. Auch hier ein

verschlossenes Tor mit einem

Wachhabenden, der uns öffnet,

unsere Personalien erfragt und mit

denen vergleicht, die er auf seiner

Liste hat. Dann dürfen wir rein. Es geht

jetzt noch ein paar km am Grenzzaun

von Etosha entlang auf Schotterpiste,

dann sind wir da. Der Officer am Tor

hat unsere Namen wohl schon

durchgegeben, so dass das Personal

an der Reception uns schon erwartet ,

mit süßem kühlen Fruchtdrink und

den üblichen Anmeldungsformalien.

Das Camp ist, wie übrigens auch die

Waterberg Guest Farm, sehr

geschmackvoll und naturangepasst

aufgebaut und hat ein eigenes

Wasserloch, das abends durch die

Restaurantbeleuchtung diskret

indirekt aufgehellt wird. Wir bekommen

den letzten Bungalow der Reihe

mit direktem Blick aufs Wasserloch,

allerdings durch einen hohen und

elektrisch geladenen Zaun hindurch.

Der Blick geht ansonsten frei in die

Landschaft. Es ist mal wieder traumhaft.

Zunächst folgt die Inbesitznahme

des Bungalows , der auch, wie hier

üblich, sehr geschmackvoll, mit einem

großen Doppelbett in der Mitte, Dusche

und WC und Fliegen-gitter vor

den Fenstern sowie Moskitonetz eingerichtet

ist - die Malariaprophylaxe

haben wir am Vortag sicherheitshalber

begonnen, so dass uns eigentlich

nichts mehr passieren sollte.

Jetzt geht’s zum Abendbrot ins

offene, direkt am Wasserloch

liegende, Restaurant, nachdem wir

bis zum Einbruch der Dämmerung

am Pool relaxt haben…

Während wir speisen, wird es

dunkel. Nachdem wir gegessen

haben und noch ein wenig beim

Shiraz verweilen, kommt die

Überraschung: Plötzlich, ohne dass

etwas zu hören war, steht ein

ausgewachsener alter

Elefantenbulle in der Dunkelheit

am Wasserloch und ermöglicht mir

durch seine sehr langsamen

Bewegungen tatsächlich, ihn trotz

der Dunkelheit abzulichten.

Wahnsinn!

Damit ist der Tag voll genug

geworden, wir sind entsprechend

abgefüllt und gehen schlafen.


Der erste und einzige grüne Elefant der Welt!


10.9.:

Heute lassen wir’s geruhsam angehen: Um

7:30 stehen wir trotzdem schon auf, weil wir für

8:00 am Tisch angemeldet sind, duschen (die

Temperatur ist schwer einzustellen) und frühstücken;

schon während des Frühstücks tauchen

die ersten Springböcke auf. Anschließend legen

wir uns am Pool „auf die Lauer“ – und die lieben

Tierchen enttäuschen uns nicht: jede Menge

Springböcke, 2 Warzenschweine – warthogs, wie

sie hier heißen – und mehrere Kudus beehren

uns, und das in ca. 30 m Entfernung! Toll! Den

Tieren zuzuschauen, hat, wieder einmal, was

Meditatives. Aber es ist schon bemerkenswert,

wie die trotz aller äußerlichen Ruhe auf der Lauer

sind und bei jedem Knacken oder Knistern in

Fluchtbereitschaft gehen.

Am frühen Nachmittag machen wir uns langsam

fertig für die (Foto-)Safari. Wir wollen das auf

eigene Faust machen, nicht im Trupp. Die Permits

müssen wir uns in der ersten Station im Etosha-

Gebiet, im Fort Namutoni 1 , besorgen, werden

aber schon am Gate zum Park von einer ziemlich

barschen Lady in Uniform kontrolliert. Auf dem

Weg nach Namutoni begrüßen uns schon 3

Giraffen, die direkt an der Straße stehen und sich

nicht aus der Ruhe bringen lassen. Diese Tiere

bewegen sich trotz – oder wegen? – ihrer

Körpermaße mit einer Grandezza, die zutiefst

beeindruckt.

1: 1897 ursprünglich als Kontrollpunkt gegen BSE-Seuche

erbaut, ab 1902 Polizeibasis der Deutschen und später

Militärstützpunkt der südafrikanischen Armee.


Nach Auffrischen der Wasser- und Keksreserven im

Shop des Forts machen wir zunächst die Tour rund

um die Fishers Pan 1 ; am ersten Wasserloch treiben

sich 2 Warzenschweine herum, am 2. ist Leere

angesagt, aber unterwegs begegnen uns jede

Menge Springböcke, Perlhühner, 1 Gnu und

mehrere Zebras, allerdings recht weit weg. Später

sitzt noch direkt neben der Pad ein Strauß und

chillt, dann zeigt sich jetzt sehr nah noch ein Gnu,

außerdem begleitet uns noch eine Giraffe für ein

kurzes Stück. Die Krönung erleben wir aber am

Wasserloch von Klein-Otavi: Das ist zwar ein

Umweg, lohnt sich aber kolossal: Als wir

ankommen, trinkt eine Giraffe in der für sie

typischen Haltung mit weit gespreizten Beinen, die

für sie natürlich ein gewisses Risiko bedeutet, weil

sie so relativ schutzlos ist.

1: Kleinere Salzpfanne im Osten Etoshas


G

I

r

a

f

f

e

n


Im Hintergrund steht eine Herde von ca. 10 Gnus und

ein Zebra. Dazu kommen noch 2 Warzenschweine, die

trinken und baden; von wegen „Dreckschwein“!

Aber zu guter Letzt taucht völlig geräuschlos eine Herde

Elefanten – 15 Stück, Andi hat sie gezählt - mit Jungtieren

unter der Leitung ihrer Leitkuh – der ältesten,

erkennbar an ihrer Größe; Elefanten wachsen lebenslang

– auf und nimmt das Wasserloch in Beschlag, zum

Trinken (ein erwachsener Elefant braucht 350 l/Tag!),

Baden und Duschen. Total begeistert schauen wir zu.

Seelisch völlig befriedigt fahren wir dann „nach Hause“,

wo uns, während wir uns vor unserem Bungalow

ausruhen, noch eine Überraschung widerfährt: In der

Dämmerung kommt eine Gruppe von 5 Giraffen

langsam und, man kann es nicht anders beschreiben,

majestätisch zu unserem Camp-Wasserloch. Es hört

nicht auf mit den Naturschauspielen!

So, Schluss für heute!

Gute Nacht!


Ich habe gelesen, dass Zebras deshalb gestreift sind

und oft nah zusammenstehen, damit Raubtiere sich

davon verwirren lassen, weil sie die einzelnen Tiere

so nicht gut auseinanderhalten können.

Kann man nachvollziehen, oder? Links oben ist

übrigens ein Muttertier mit Fohlen – wohl im

„Schulalter“ – zu sehen…


11.9.:

Tiefpunkt meinerseits!

Wie das kommt? Aber von Anfang an:

Heute müssen wir Onguma verlassen und quer durch die halbe Etosha-

Ebene nach Okaukuejo 1 umsiedeln. Deshalb stehen wir brav schon um

6:30 auf, frühstücken bereits um 7:00, packen anschließend,

verabschieden uns und fahren los; wir wollen auf dem Weg nach

Okaukuejo natürlich noch viele Wasserlöcher besuchen und uns dabei

ausreichend Zeit lassen, um in Ruhe das genießen zu können, was uns

so tiermäßig passieren wird. Und da passiert reichlich was! Es ist

eigentlich fast alles dabei: Stein- und Springböcke, Impalas, Gnus,

Zebras in Hülle und Fülle, Strauße, Giraffen, Elefanten und last not least

jede Menge grandiose Landschaft! Bereits am ersten Wasserloch –

Bahia – halten sich einige Zebras und Gnus auf.

Später, an 3 dicht nebeneinander liegenden Wasserlöchern –

besonders Salvadora, aber auch Sueda und Charitsaub – ist im

wahrsten Sinne des Wortes tierisch was los: es ist alles da, was Etosha

zu bieten hat. Einfach traumhaft, und es wird eine tolle Fotoausbeute!

Kurz vor Okaukuejo wird die Straße sehr wellblechartig, so dass ich

Schwierigkeiten mit dem Spurhalten habe, zumal man nicht so schnell

fahren darf, um über die Wellen hinwegzufahren.

In Okaukuejo angekommen, sinkt meine Laune augenblicklich: Das

Ganze ist mir viel zu groß und erinnert mit seinen grauen Steinen und

Beton an die alte preußische Kaserne. Auch die Begrüßung ist nicht so

freundlich wie bisher, auch den Weg zum Bungalow müssen wir uns,

im Gegensatz zu unseren bisherigen Erfahrungen, selber suchen; auf

Grund der Größe des Camps sind die Wege natürlich entsprechend

weit….

Allerdings sind die Bungalows am Wasserloch, von denen wir einen

beziehen, mit Reet bedeckt. Trotzdem steigert sich mein Unbehagen,

als wir das Innere betreten: Hier drin ist es sehr dunkel, eng, es gibt

nicht genug Ablage für die beiden Koffer, und das Bett ist noch nicht

gemacht; alles keine großen Sachen, aber es wirkt im Vergleich zu dem,

was wir bisher erleben durften, einfach irgendwie lieblos;

Massenabfertigung eben. Das am Abend beleuchtete Wasserloch, dass

nur ca. 50 m von unserem Bungalow entfernt ist, entschädigt zwar für

einiges, aber beim Abendbrot geht’s weiter: es dauert, bis endlich ein

Tisch für uns gefunden wird, und das Fleisch, das zumindest ich

bekomme, ist z. T. ungenießbar zäh bzw. sehnig. Tiefpunkt eben…..

1: 1901 ursprünglich als Militär- bzw. Polizeiaußenposten der deutschen „Schutzmacht“

gegründet. Heute Camp von Namibia Wildlife Resorts, einer rein staatlichen, zum

Ministerium für Umwelt und Tourismus gehörenden Lodge- und Hotelkette, die ihre

Einrichtungen hauptsächlich exklusiv in Naturschutzgebieten hat.


Wächter des Wassers …


In Okaukuejo …

… Menschen

und

Tiere


12.9.:

Nach einer Nacht in hervorragendem Schlaf sieht alles schon wieder ganz anders aus; natürlich bestehen die Mängel nach wie vor, aber meine Rektion

darauf ist viel toleranter geworden, außerdem macht die Aussicht auf neue Tierbeobachtungen und –fotografien glücklich. Nach dem Frühstück, zu

dem wir zudem Besuch von wunderschönen tiefblau schillernden Glanzstaren bekommen, die gerne etwas abhaben möchten, geht’s dann auch

ziemlich rasch los. Zunächst geht es mal „untenrum“ , erst zu „Gemsbokvlakte“, wo es einiges zu sehen gibt, dann zu „Olifantsbad“, allerdings ohne

Elefanten oder anderes Wild, über „Aus“ wieder zum Trio „Salvadora“, „Sueda“ und „Charitsaub“; in „Charitsaub“ ist HalliGalli angesagt: Elefanten,

Giraffen, Zebras, Gnus, Springboks, die ganze Palette. Und so geht der Tag weiter, wobei die Abstecher nach Norden und Süden von Okaukuejo

faunamäßig erst mal nicht viel ergeben; aber die grandiose Weite und Leere auf der Fahrt faszinieren und nehmen uns in den Bann – und schließlich

sind wir ja ursprünglich wegen der landschaftlichen Schönheiten nach Namibia gekommen…

Nach Okaukuejo zurückgekehrt, finden wir an „unserem“ Wasserloch, das wir natürlich mit jeder Menge teleobjektivbewaffneter Männer und einigen

mit Kompaktkameras bestückten Leuten teilen, schon mal einen Elefanten und 1, 2 Giraffen vor, die sich aber bald zur Abendmahlzeit wieder in den

Busch verabschieden.


Mittlerweile haben wir übrigens die Erfahrung gemacht, dass gerade Giraffen am Wasserloch lange, manchmal Stunden, brauchen, bevor sie sich ans

Wasser wagen. Auch wir gehen zum Abendbrot, allerdings nicht in den Busch, sondern ganz menschlich ins Camp-Restaurant. Gegen 21:00 geht’s dann

wieder ans Loch. Und es „lohnt sich“: Im Laufe der Zeit besuchen uns 3 Löwen, unsere ersten (und leider auch letzten in diesem Urlaub), ein Elefant, vier

Nashörner, 3 davon übrigens mit abgesägtem Horn 1 , und 5 Giraffen, die sich aber in der Zeit, in der wir da sind, wegen der Nashörner im Hintergrund

halten. Nach ca. 2 bis 2 ½ h kontemplativer Ruhe am Wasserloch, angereichert mit meditativ gefärbter Naturbetrachtung, sind wir seelisch wieder

einmal gesättigt und begeben uns, heute erst um 22:30, zur Ruhe, um am nächsten Tag die weiteste Strecke unseres Urlaubs früh und trotzdem gut

ausgeschlafen in Angriff nehmen zu können. An dieser Stelle möchte ich noch etwas zu dem hier veränderten Tagesablauf und – rhythmus bemerken:

Als wir, seinerzeit noch in Deutschland, erfuhren, dass es in Namibia bereits vor 20:00 dunkel sein würde, waren wir einigermaßen entsetzt, zumal es

auch immer mal Infos gab, dass es mit der Stromversorgung manchmal eng werden könnte; wie sollten wir nur die langen dunklen Abende überstehen?

Inzwischen müssen wir über unsere Ängste schmunzeln; bisher haben wir, abgesehen von diesem Abend, eigentlich immer um 21:00 mehr oder

weniger todmüde im Bettchen gelegen; die Frage, was wir abends tun sollten, stellt sich bisher also eigentlich überhaupt nicht. Und so habe ich auch

ohne iPad- Lektüre die Nächte in Okaukuejo überstanden .

1. Ein Versuch, diese Tiere vor Wilderei zu schützen, da sie nur wegen ihres Horns, dem blöde chinesische Männer eine erektionsförderne Wirkung beimessen und dafür

horrende Summen bezahlen, abgeschossen werden. Allerdings reicht leider einigen Wilderern auch das Reststück, das nach dem Absägen am Kopf verbleibt.


13.9.:

Pünktlich um 6:30 singt Miriam Makeba 1 „Pata Pata“ zum Wecken. Da

bin ich aber schon auf den Beinen und frisch geduscht. Das Packen

geht auch ziemlich zügig, es ist vor allem der Klein-, Foto- und

Elektrokram, der jede Menge Zeit und Konzentration erfordert.

Als alles verstaut ist, nehmen wir noch etwas wehmütig Abschied vom

Wasserloch, den Zebras und den Giraffen, die sich gerade dort

aufhalten, und fahren dann zum Abschiedsfrühstück. Anschließend

sind noch Abmelden, Klo und schöne-blaue-Stare-Fotografieren

angesagt, dann heißt es „Adios Okaukuejo!“. Am Ombekaloch kurz vor

der Ausfahrt aus Etosha sehen wir zum Abschied zwar immer noch

keine Löwen, dafür aber noch mal Zebras, Gnus, Giraffen und verschiedene

Böcke. Unsere Gefühle? Natürlich nehmen wir ungern

Abschied von dieser Art der Tierbeobachtung mit einer für uns ganz

neuen Qualität, nämlich mit einer wunderschönen inneren Ruhe, die

durch die äußere Ruhe der Tiere – alles läuft, zumindest an den

Wasserlöchern, ohne jede Hektik und fast ohne Laute ab – noch

unterstützt wird. Andererseits finden wir es ganz spannend, nach einer

knappen Woche Natur-erfahrung mal wieder Stadtluft zu schnuppern.

1: natürlich von meinem Tablet!


Landleben

….

Gibt es

hier auch

Menschen?


Außerhalb von Etosha ist unser erster Stopp zum Tanken in Outjo 1 . Der auch geprüfte Ölstand ist okay. Die Stadt

verursacht bei uns nach der Stille und Entschleunigung in Etosha einen kleinen Kulturschock; es gibt jede Menge

Leben und damit natürlich auch Krach auf der Straße, hier stehen jede Menge Tankstellen, augenscheinlich ist

hier alles auf Etosha-Touristen eingerichtet.

Dann geht es weiter nach Süden über die M 63, eine in jeder Hinsicht – Landschaft, Straßenbelag – tolle, gut zu

fahrende und breite Schotterpisten-“Neben“straße, Richtung Kalkfeld 2 Hier sehen wir den ersten Slum nach

Windhoek. Unglaublich, wie und worin Menschen existieren und dabei noch so normale Tätigkeiten wie z. B.

Wäsche-Aufhängen ausführen können! Dann auf der C 33 über Omaruru 3 nach Karibib 4 . Andi fährt die ganze

Zeit, locker und easy. Die ersten Berge tauchen auf, Dörfer ziehen vorbei, Rindergruppen, z. T. von Hirten

bewacht, stehen am Straßenrand.

Dann habe ich für Andrea noch ein Schmankerl: Ich hab vor kurzem etwas über „Bull’s Party“ gelesen, eine

durch Erosion wegen des im Laufe der Jahrmillionen immer wieder stattgefundenen Wechsels von Hitze- und

Kälteperioden entstandene sehr skurrile Gesteinsformation: da liegen wie Kieselsteine geformte Riesenfelsen in

der Gegend herum, als ob man sie mit einem Finger wegschnippen könnte. Und das ganze liegt fast auf der

Strecke. Beim Frühstück habe ich Andrea davon überzeugen können, trotz der 510 km, die auf dem Weg nach

Swakopmund vor uns liegen, den dahin führenden Abstecher auf die Ameib Farm, auf deren Grund und Boden

diese Sehenswürdigkeit liegt, noch zu machen .

Von Karibib führt dann die asphaltierte B 2 nach Usakos, wo wir nach Norden über die D1935 und D 1937

Richtung Ameib fahren; am Ortsende von Usakos kommen wir an einer Siedlung vorbei, deren Bewohner, was

wir bisher so nicht gesehen haben, wohl ihren Papier- und Plastikmüll wohl einfach in freier Natur entsorgen.

Jedenfalls sieht es hier, und nur hier, saumäßig aus.

1: 1898 von Major Leutwein gegründet, heute Kreisstadt mit ca. 8500 Einwohnern. Touristischer Durchgangs- und Versorgungsort.

Ca. 30.000 Touristen/Monat.

2: Siedlung, die früher einen wichtigen Verladebahnhof für Rinder enthielt. Jetzt insofern interessant, als 30 km südöstlich

Saurierspuren von vor 190 Millionen Jahren zu sehen sind.

3: 1872 von Rheinischer Mission gegründet, von dort viele Hereros missioniert. Hier entschuldigten sich Nachfahren des Generals

von Trotha, der seinerzeit die Vernichtung der Herero befahl, bei diesen und baten um Vergebung. Heute gilt Omaruru als

Künstlerstädtchen.

4: Kariribib ist eine Ortschaft an der B 2 mit etwas über 5000 Einwohnern und beherbergt den Hauptsitz der Namibischen Luftwaffe.

Hier spielt im Übrigen ein recht interessanter Erlebnisbericht von Peter Erichsen, einem Lehrer, der 3 Jahre an einer privaten

deutschen Schule in Karibib unterrichtete: „Hoffnung auf Regen“ .


Aber auch das lassen wir hinter uns und

rattern weiter durch eine Landschaft, die von

vielen Rivieren 1 durchzogen wird und

dadurch einen recht fruchtbaren Eindruck

macht und auch irgendwie recht einladend

wirkt.

Insgesamt dauert es noch ein Weilchen, bis

wir ans Tor der Ameib kommen und dort von

einem Torwächter, mit einem Passierschein

versehen, zur Rezeption der Farm

weitergeleitet werden. Nach geschätzten

weiteren 3 km Sandpiste werden wir dort

von einer perfekt und akzentfrei hochdeutsch

sprechenden jungen Frau empfangen, der

wir unseren Eintritt von 70 N$/

Person bezahlen und von ihr auf unsere

entsprechende Bitte kühle Getränke und ein

richtig gut schmeckendes Sandwich

bekommen. Sie stellt sich als waschechte

Namibin von der Nachbarfarm heraus, die

hier ganz normal arbeitet. Überhaupt ist es

immer wieder erstaunlich, dass die

deutschstämmigen Einwohner, die wir

treffen, völlig akzent- und fehlerfrei Deutsch

sprechen, und wenn sie doch einen Akzent

haben, dann den der Heimat ihrer Vorfahren!

Irgendwie kaum zu begreifen….

Das Farmgelände um die Rezeption herum ist

wie üblich sehr geschmackvoll und

naturangepasst gestaltet; unseren Imbiss

bekommen wir in einer reetüberdachten

offenen Halle, vor der sich 2

Warzenschweine tummeln.

1: Flussläufe, die meist ausgetrocknet sind, sich nur

nach starken Regenfällen füllen – das nennt man in

Namibia „abkommen“ - , dann aber zu reißenden,

u. U. lebensgefährlichen Strömen werden können.


Nach Stärkung und Gespräch geht’s aber endlich, über nochmal ca. 2 km Sandpiste, auf der wir – vergeblich – versuchen, den 4-Wheel-Drive zu

aktivieren, es aber dann auch mit dem normalen Antrieb gut schaffen, Richtung Bull’s Party. Was wir hier sehen bzw. erleben, ist mit Worten

eigentlich nicht zu beschreiben: jede Menge riesiger, rundgeschliffener Felsbrocken liegen vereinzelt oder in Verbindung miteinander im Sand oder

auf geraden oder sogar schrägen Felsböden, so als ob man sie wegrollen könnte, in einer absolut kargen Landschaft, in der an verschiedensten

Stellen aber auch immer wieder Bäume oder Sträucher aus Felsspalten wachsen. Dazu – wir sind hier völlig allein – eine nur vom Gezwitscher einiger

Vögel durchbrochene Stille: Eine solche vollkommene Einsamkeit haben wir selbst in Namibia noch nicht erfahren. Wir kommen so in eine

meditative Stimmung! Auf dieser Reise erleben wir nun so etwas zum wiederholten Mal! Auch wenn es vielleicht etwas kitschig klingt: Dieses Land

beeindruckt die Sinne und berührt die Seele…..

Auch wenn es uns schwer fällt, uns davon zu lösen, müssen wir zurück in die Welt.


Die asphaltierte B 2, auf die wir in Usakos nach rechts einbiegen, führt von Windhoek nach Swakopmund, bildet somit die die wichtigste West-Ost-

Achse des Landes und ist entsprechend stark befahren, vor allem von Trucks und Bussen, die z. T. augenscheinlich Arbeiter von ihren Arbeitsplätzen –

östlich von Swakopmund liegt übrigens die Rössing-Mine, die größte Uran-Tagebau-Mine der Welt – zu ihren Wohnstätten und umgekehrt bringen. Die

Straße nennt sich übrigens Kalahari-Highway, und die Landschaft, die in ihrem Bewuchs nach Westen zu immer spärlicher wird, macht so diesem Namen

alle Ehre! Hier gibt es lediglich eine Pipeline links und eine kleine Stromtrasse rechts und sonst nur Sand. Kurz vor Swakop 1 , wie es die Einheimischen

nennen, sehen wir noch etwas weiter entfernt auf der linken Seite die sogenannte Mondlandschaft 2 . Irgendwann fahren wir dann in die durch viele

Baustellenlücken relativ hässlich aussehende Gewerbevorstadt in Swakopmund ein.

1: So heißt auch das hier in den Atlantik mündende Rivier.

2: Durch den Swakop vor ca. 450 Mio Jahren geformte zerfurchte Steinwüste


Wir haben dann durch eben diese Baustellen einige Probleme, unser Hotel, das Brigadoon Guesthouse, zu finden, was uns aber irgendwann –

natürlich! – letztendlich doch gelingt. Das Guesthouse ist relativ klein, liegt 2 Straßen vom Strand entfernt, aber recht citynah, in einer ruhigen,

parallel zum Strand liegenden Straße. Parken können wir auf einem vor dem Hotel liegenden hauseigenen Parkplatz, der allerdings offen zugänglich

ist. In unser Zimmer, welches neben 2 anderen ebenerdig, mit Tisch und 2 Stühlen davor, an dem zum Hotelgarten führenden Gang liegt, kommen wir

durch eine konventionell zu verschließende Holztür. Der Garten hat, wie schon unser Guesthouse in Windhoek, leider keine Aussicht nach draußen,

ist aber recht kuschelig und nett eingerichtet, ebenso wie unser Zimmer.

Übrigens können wir hier, wie eigentlich überall bisher, auch unsere Wäsche waschen lassen; so können wir beim nächsten Namibia-Besuch noch

weniger Textilien mitbringen und Platz und Gewicht sparen. In diesem Zusammenhang möchte ich doch noch erwähnen, dass es in diesem Land da,

wo wir übernachten, überhaupt keinen Dresscode gibt, man kommt, auch als Frau, wie ich bei der meinigen sehe, gut mit einem Minimum an

verschiedener Kleidung aus. Allerdings ist es, besonders hier am Atlantik, durchaus sinnvoll, auch etwas Warmes dabei zu haben, Pullover oder Vliesjacke

und Windjacke, zumal wenn man wie wir hier auch aufs Wasser will.


Jetzt ist erst mal Ankommen, dann

Entspannen angesagt. Andrea geht in die

hier tatsächlich vorhandene Badewanne

und genießt das mit hörbar wohligem

Seufzen. Aber leider kommt dann für mich

nach kurzem Warmwasserfluss nur noch

fast kaltes aus der Leitung, so dass ich mich

frustriert nur noch kurz abseife und dann

fröstelnd vorläufig im Bett verschwinde. Da

wir schon einmal gelesen haben, dass man

hier in vielen Restaurants vorher

reservieren sollte, surfen wir – hier gibt es

wieder WLAN! - eine Weile im world wide

web, welche Lokale offen und für uns frei

sein könnten, finden aber keine überzeugende

Lösung, so dass wir ins Blaue in die

City laufen; Diese ist um 9:00 wie ausgestorben,

und eigentlich sehen wir nur 2 Lokalitäten,

die annähernd in Frage kommen, den

„Western Saloon“, der aber keinen allzu

einladenden Eindruck macht, und eine Mini-

Pizzeria mit Lieferservice, mit nur 3 Tischen

und einem Gast außer uns, für die wir uns

dann entscheiden.


Die Pizzen, die wir

bestellen, sind dunkel

(nicht schwarz!)

gebacken – wir sind

schließlich in Afrika

;-) – und gut und

wohlschmeckend

belegt, und ich

bekomme auch noch

einen leckeren

südafrikanischen

Rotwein dazu. Auf

dem anschließenden

Heimweg verlaufen

wir uns erst mal,

landen aber doch

schließlich – ich

heute zum 2. Mal –

in unseren Bettchen.

Noch ein paar Bemerkungen

zu unseren

bisherigen Eindrücken

von der Stadt: Bisher

kann ich nicht so ganz

nachvollziehen, dass

Swakopmund auf viele

andere wie ein altdeutsches

gemütliches

Städtchen wirkt; zwar

sind einzelne Häuser,

wie der Alte Bahnhof,

das Alte Amtsgericht,

das Woermannhaus und

das Hohenzollernhaus,

in altem Stil erbaut,

wirken aber durch

neuen Anstrich irgendwie

nachgemacht. Auch

die übrigen Häuser

wirken bis auf wenige

Ausnahmen neu, so

dass das Ganze,

unterstützt durch die sehr breiten Straßen in der Innenstadt, eher wirkt wie eine amerikanische Filmkulisse bzw. ein künstlicher Baukastenort, so wie

sich Amis eine alte deutsche Stadt vorstellen. Und dass jetzt um diese Zeit hier Tote Hose ist, verstärkt diesen Eindruck noch. Na egal! Jetzt geht’s erst

mal in die Falle; mal sehen, wie sich das alles morgen darstellt…


14.9.:

Nach einer mehrfach

unterbrochenen Nacht –

komisch, wir schlafen hier in

diesem Land überall in der

ersten Nacht unruhig, in der

folgenden dann deutlich

besser – freuen wir uns um

8:30 auf das Frühstück, was

uns zwar nicht ans Bett, aber

auf unsere „Veranda“

gebracht wird. Es ist draußen

zwar ziemlich frisch und der

Himmel grau, aber das

Frühstück ist wie hier üblich

üppig und gut: Kaffee,

verschiedene Toasts, Ei in

gewünschter Zubereitung mit

oder ohne Schinken, Käse und

Wurst, Müsli. Dann wollen

wir ins „Städtle“, shoppen: Ich

möchte mir ein Paar von den

hochgelobten Kuduleder-

Schuhen zulegen, außerdem

ein paar Mitbringsel für

meine 4 Enkel besorgen.

Zunächst suchen wir aber das

Partner-Reisebüro von

Iwanowski in der Sam-

Nujoma 1 - Avenue, über das

wir einen Rundflug über der

Namib und einen Katamaran-

Ausflug in die Walvis Bay

buchen wollen, finden es aber

nicht. Später erfahren wir

nach einigem Herumirren,

dass es schon vor längerem

aus der Innenstadt verzogen

ist. So wollen wir jetzt beides

direkt bei den Anbietern in

der Innenstadt buchen.

Zunächst möchte Andrea

aber zu der neuen Adresse laufen,

wohingegen ich mich lieber dem

Dolce far niente hingeben möchte

und dies auf einer sonnenbeschienen

Bank mit Blick zu dem nun wirklich

sehr deutsch aussehenden rotweißen

Leuchtturm, allerdings vis-àvis

einer üppigen Palmenallee, auch

tue. Überhaupt ist diese Ecke der

Stadt in der Nähe des Meeres jetzt

bei Tageslicht doch wesentlich

ansprechender mit hohem

Wohlfühlfaktor. Altdeutsch wirkt es

aber im Großen und Ganzen nach wie

vor nicht auf mich; ich muss das aber

auch nicht haben. Ich wandele dann

weiter zum Strand und entdecke dort

die Jetty, einen langen Steg ins Meer,

der von den Deutschen, zunächst aus

Holz gebaut, einige Jahre später

durch Eisen ersetzt, ursprünglich als

Beginn einer Hafenanlage geplant 2 ,

letztendlich aber nie gebaut wurde.

Da inzwischen die Sonne

herausgekommen ist, brauche ich

meinen Panamahut, den ich heute

Morgen blöderweise zu Hause

gelassen habe. Andi, die

zwischenzeitlich gemerkt hat, dass

die neue Adresse des Reisebüros zu

weit weg ist, um hinzulaufen, kommt

zurück und bringt ihn gleich mit.

1: Angehöriger des Stammes der Ovambo, Führer

der SWAPO (South-West People‘s

Organisation) in den Unabhängigkeitskämpfen

gegen die Südafrikanische Besatzungsmacht,

später erster Präsident des unabhängigen

Namibia bis 2005; sein Nachfolger ist

Hifikepunye Pohamba.

2. Swakopmund war kein geeigneter Platz für

einen Hafen, aber Walvis Bay stand unter

britischer Herrschaft. Später verlor

Deutschland dann als Ergebnis des 1.

Weltkriegs auch seine afrikanische Kolonie.


Dann geht’s zunächst zusammen auf die Jetty, wo wir auch den Rundflug über Namib buchen. Dann besuchen wir das erste Mal einige Geschäfte;

irgendwie scheint das mit der Kriminalität doch nicht so ganz ohne zu sein, oder die – wieder fast ausschließlich weißen - Inhaber pflegen eine

gewisse Paranoia: Die Eingangstüren der Boutiken und kleineren Läden oder Büros sind zwar offen, oft aber trotzdem durch ein zusätzliches

brusthohes Gitter verschlossen, das sich nur durch Knopfdruck von innen öffnen lässt, so dass nur optisch für ungefährlich eingestufte Personen die

Räume betreten können. Trotzdem fühlen wir uns in keiner Weise bedroht, obwohl man auch hier, in diesem einen gewissen Wohlstand ausstrahlenden

Stadtteil, die hohe Arbeitslosigkeit dadurch registriert, dass auch hier viele schwarze Männer entweder untätig herumstehen oder uns kleine

verzierte Nüsse am Band zum Verkauf anbieten.

Nach einigem Herumwandern suche ich mir ein Paar von den Kudu-Schuhen aus, außerdem erstehe ich noch ein paar nette mit afrikanischen Tieren

verzierten T-Shirts für alle, außerdem eine bunte Glasperlenkette für Tabea und noch eine Holzkette mit Maske für die Jungs. Ob die das wohl

mögen? Ich werde mich überraschen lassen….


Nach Kaufabschluss treffen wir uns im Anton’s Café, einem jetzt wirklich sehr deutsch geratenem Café – man fühlt sich, zumindest im Innern, im

Außenbereich „trüben“ die Palmen und die breite Straße die Illusion, in ein Café einer süddeutschen Kleinstadt versetzt -, in dem man

hervorragenden Apfelstrudel und zu Andis Begeisterung Schwarzwälder Kirschtorte essen kann! Zum Abschluss geht’s noch zum SuperSPAR,

Getränke, Taschentücher und Käse kaufen; heute wollen wir zum Abendessen zu Hause bleiben und uns nur etwas Käse und Rotwein (ich)

einverleiben. Für heute reicht’s.

15.9.:

Das Frühstück findet heute schon um 8:00 statt. Heute steht als besonderer

Programmpunkt der 2-stündige Flug über den Namib-Naukluft-Park in einer

Cessna auf dem Programm, den wir gestern gebucht haben. Vormittags haben wir

erst mal nichts vor, sodass eigentlich zunächst nur Muße ansteht. Den ursprünglich

geplanten 130 km-Tripp zum Cape Cross zur Riesen-Robbenkolonie sparen wir uns,

aber so gar nichts zu tun, finde ich auch doof und schlage deshalb vor, zum Pelikan

Point in Walvisbay zu fahren und dort die Vögel zu beobachten – und

selbstverständlich auch abzulichten - , die wir dort antreffen werden. Wir gondeln

also über die uns schon von anderer Stelle bekannte B 2 in Richtung Walvis Bay.

Schon faszinierend, dass direkt am Stadtrand links der Straße die Wüste anfängt,

die Sanddünen reichen quasi bis an die Straße. Andererseits scheint hier der

Grundwasserspiegel sehr hoch zu sein; wir sehen über eine gewisse Strecke

Brackwasserbecken.


In Walvisbay fahren wir durch bis zum sogenannten Tourist Bureau; dort sitzt ein einzelner Mann, der mir auf meine Frage nach dem Weg zum Pelican

Point klarmacht, dass er mir das gerne beschreiben könne, wir den aber trotzdem sowieso nicht finden würden. Da wir keinen Navi haben, glaube ich

ihm. Also fahren wir jetzt einfach mal am Hafen vorbei wieder ans Meer, und was sehen wir da? Jede Menge Flamingos, über 1000 sicher! Ein Traum in

Rosa! Wir verbringen eine halbe Stunde bei diesen wunderschönen Vögeln, die uns sogar bis auf wenige Meter heranlassen, und machen uns dann auf

den Rückweg. Erst mal verfahren wir uns wieder mal und landen mitten in einem Wohngebiet für Schwarzafrikaner; und da ist es wieder, dieses

Gefühl, nicht hierherzugehören, nicht willkommen zu sein… Natürlich probieren wir es auch nicht aus, sondern fahren weiter, bis wir auf den Highway

Richtung Swakop kommen. So sind wir dann noch rechtzeitig ins Brigadoon Guesthouse, um uns in Ruhe seelisch auf den Flug vorzubereiten.


Um 15:00 werden wir von einem jungen Schwarzen zum Buchungsbüro abgeholt, um die notwendigen finanziellen und sonstigen Formalien abzuwickeln,

und fahren dann weiter zum Swakopmunder Flughafen, der aus mehreren Hangars für Kleinflugzeuge, einem logischerweise auch nicht allzu großen Tower

und einer Sandpiste, die als Start- und Landebahn dient, besteht. Wir sind 10 Leute, die auf 2 Cessna Oberdecker – Flugzeuge mit oberhalb des Rumpfes

angebrachten Tragflächen – verteilt werden; In unserer sitzen wir zu sechst, wir beide in der 2. Reihe. Sobald wir angeschnallt sind, rattert die Maschine

über die Piste und hebt erstaunlich schnell, wie ich finde, ab.


Als wir in der Luft sind, merke ich,

dass das Fotografieren mit meiner

Teleoptik wegen der Turbulenzen,

die häufig während des Fluges

auftreten, und der Enge in der

Maschine gar nicht so einfach ist:

Die Kamera samt Objektiv ruckt

ständig nach oben oder unten,

wobei es zusätzlich das Problem

gibt, dass man nicht, wie ich

naiverweise angenommen habe,

die Fenster öffnen kann; wir fliegen

immerhin mit 300 km/h! Und so

muss man erstens aufpassen, dass

das Objektiv nicht an die Scheibe

knallt, und hat in der Enge der

kleinen Maschine auch kaum

Bewegungsfreiheit. An einen

Objektivwechsel ist unter diesen

Bedingungen sowieso nicht zu

denken. Aber all diesen Problemen

zum Trotz ist das Flugerlebnis und

die damit verbundene Aussicht auf

die Namib unter uns, mit ihren

roten Dünen und dramatisch

aussehenden kahlen Berghügeln

und den dazwischen liegenden, von

den Rivieren gebildeten

Grünstreifen, wieder einmal etwas,

das die Sinne und die Seele betört.

Man verzeihe mir die etwas

melodramatisch wirkende

Ausdrucksweise, aber: „Hier fliege

ich, ich kann nicht anders!“ Dieses

Wahnsinnserlebnis wird nur

unwesentlich dadurch getrübt, dass

ich mich wegen der Turbulenzen

nicht unbedingt 100%ig wohl fühle;

trotzdem möchte ich dieses

Erlebnis auf keinen Fall missen! Und

die Tüte vor mir brauche ich

glücklicherweise nicht.


Der

Flug

über

die

Namib


Die

roten

Dünen

und

ihre

Salzpfannen


Auf

dem

Rückflug

über

Wüste

und

Meer


Zurück

zur

Zivilisation

……


Zum Abendessen geht es heute in „Erich‘s Restaurant“, eine Gaststätte, in dem man alles auf den Teller bekommen kann, was tagsüber draußen – auf

dem Land natürlich! - so rumläuft; Andrea nimmt Oryx-Steak und ich eine Oryx-Keule mit Gnocchi, dazu 2 Bier, da mir heute nicht nach Rotwein ist.

Außerdem ist das Bier hier in Namibia ausgezeichnet und nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut, wie auf jeder Dose stolz vermerkt ist, wobei das

Wort „Reinheitsgebot“ in Deutsch dasteht.

Anschließend geht’s durch die wieder mal fast menschenleere City „nach Hause“. Ab ins Bett; Wir müssen morgen früh raus, weil wir schon um 8:00 zu

unserem Katamaran-Ausflug abgeholt werden sollen.

16.9.:

Nach frühem Aufstehen werden wir von einem Shuttle nach Swakopmund gebracht, wo wir um 9:00 von unserem Käpt‘n empfangen werden, der uns

mit einer launig auf Deutsch gehaltenen Rede an Bord begrüßt, und schon nach ein paar Sekunden Fahrt springt eine Robbe an Deck und lässt sich

fotogen füttern; auch 2 Pelikane wissen, was sie hier erwartet, und genießen die allgemeine Aufmerksamkeit und ein paar Fische, die für sie abfallen.

Wir wollen auf der Fahrt Robben, Delfine und, wenn möglich, auch einen Wal sehen.


Das Wetter ist toll, die Sonne scheint, aber es ist

trotzdem, auch wegen des Seewindes, ziemlich frisch, so

dass meine Vliesjacke absolut nicht überflüssig ist.

Fotografisch bin ich erst mal damit beschäftigt zu

versuchen, eine oder auch zwei oder drei der uns

zahlreich begleitenden Möwen fotografisch im Flug zu

erwischen. Ich glaube, die eine oder andere Aufnahme

gelingt ganz gut…

Die weitere Fahrt führt uns am Hafen vorbei, in dem

einige z. T. ziemlich schrottig aussehende Dampfer liegen,

zunächst zu ein paar Schiffen, die aus Kostengründen

draußen auf Reede liegen, und einem von einigen

Ölbohrtürmen, die z. Zt. aber nicht fördern, weil die

Iraner nach langer Zeit des Wirtschaftsembargos nun ihr

Öl so billig auf den Markt werfen, dass es hier nicht mehr

profitabel gefördert werden kann. So holt uns hier nun

doch einmal die Tagespolitik ein.

Dann geht’s weiter zu einer Landzunge – dem Pelican

Point, den wir gestern nicht finden sollten, konnten, wie

auch immer. Hier tummeln sich jetzt eine große Anzahl

Seebären, wohl weit über 1000, an Land und im Wasser;

manche liegen so wohlig-faul im Wasser, als seien sie an

Land. Der Gestank, über den an verschiedenen Stellen

schon berichtet wurde, erweist sich als stark fischlastig

und wird von mir gar nicht so schlimm empfunden.

Andrea ist mittlerweile von der Kommandobrücke, auf

der ich sitze, an die Frontreling gewechselt, wo sich jetzt

1 – 2 Benguela-Delfine 1 tummeln. Da ich immer noch

oben auf der Kommandobrücke sitze und hier auch nicht

wegwill, muss ich aber auf Delfinfotos verzichten; ich

tröste mich damit, dass meiner Erfahrung nach Fotos von

unter Wasser befindlichen Objekten sowieso nicht

besonders spektakulär sind. So mache ich weiter fleißig

Robbenfotos. Zum Abschluss der Fahrt gibt’s noch

Champagner, Austern und kleine Beilagen; Andi schlürft

zu meinem großen Erstaunen tatsächlich eine Auster;

diese Frau überrascht mich doch immer wieder! Mit dem

Geschmack geht’s ihr wie mir: Nett, aber nichts, wofür

ich meine Großmutter umbringen würde.

1. Kleinere Delfinart, die nach dem kalten Benguelastrom, der aus

der Antarktis an der Westküste Afrikas bis zum Äquator fließt,

benannt ist und nur hier vorkommt.


Nach mehr als 3 Stunden ist der

Turn zu Ende, und wir werden

von Walvisbay wieder nach

Hause gebracht; toller Service!

Andrea geht anschließend

shoppen, ich bleibe erst mal zu

Hause. So treffe ich mich dann

nach einer gewissen Zeit, in der

ich einige Fotos vom Flug

durchsehe, mit Andi in der

Stadt, weil ich noch ein paar

Kleinigkeiten für die Kinder

besorgen will; 3 T-Shirts und

eine Kette habe ich ja schon,

jetzt braucht Tabea noch ein T-

Shirt, und 2 Ketten mit

Anhängern in Form von

afrikanischen Masken kommen

für die beiden Jungs von mir

noch hinzu. Andi kauft für die

Kolleginnen ihrer Abteilung 3

witzig auf einer Kante sitzende

geschnitzte Holztiere, eine

Giraffe, einen Elefanten und ein

Zebra. Dann schlendern wir

noch ein Weilchen herum,

landen dann erst mal wieder im

Café Anton zum Apfelstrudel

und Cappuccino und

anschließend in einer Nobelbar

am Strand. Andi trinkt hier einen

Welwetschia-Cocktail 1 , ich,

völlig unpassend, einen meiner

geliebten Mojitos, der übrigens

hervorragend gemixt ist.

Anschließend geht’s langsam

ins Hotel zurück, Andi will sich

noch frisch machen.

Anschließend lassen wir uns von

einem Hotelangestellten nochmal

einen Tisch bei „Erich“ reservieren.

Andi nimmt diesmal Rind, ich Kudu.

Beides sehr lecker. Fleisch ist hier

übrigens überall und immer „Bio“,

weil die Tiere, ob Rind oder Wild,

lebenslang auf absolut

unbehandeltem Boden leben und

fressen.

Anschließend geht’s – wohin sonst?

– ab nach Hause, wo noch ein

übriggebliebenes Rotweinchen, ein

von mir hier in Namibia bevorzugter

Shiraz, als Schlummertrunk auf

mich wartet, und dann in

Morpheus‘ Arme.

1: Ungewöhnliche Pflanzenart, die z. T.

mehrere tausend Jahre alt werden

kann und nur 2 große Blätter hat, die

sich aber so aufteilen, dass man

denkt, sie hätte viele. Was in dem

Cocktail drin ist, weiß ich nicht.


17.9.:

Heute müssen und wollen wir uns

von Swakopmund verabschieden.

Bis zum Aufstehen lese ich noch

etwas in dem Roman „Hoffnung auf

Regen“ (s.o.) und hüpfe dann unter

die Dusche. Andi fühlt sich von

gestern Abend noch frisch genug.

Um 7:15 gibt’s, wie gestern,

Frühstück, dann ist restliches Packen

angesagt, etwas später,

nachdem Andi noch etwas Geld

umgetauscht hat, geht’s dann

endgültig auf die Piste.

Wir sind mittlerweile, nach 3 Tagen,

stadtgesättigt und freuen uns

wieder auf Natur, Weite und Stille.


Die Strecke nach Walvis Bay

kennen wir ja schon; kurz nach

dem Stadtrand ist es dann mit

dem Asphaltbelag – Teerpad, wie

man hier sagt – allerdings zu Ende,

die gesamte weitere Strecke ist

Schotterpiste; diese ist zunächst

trotzdem recht komfortabel,

später hat sie aber wellblechartige

Verformungen. Hier fühle ich mich

immer wieder mal unsicher, wenn

ich das Gefühl habe, mein Wagen

schwimme und halte nicht die

Spur. Ansonsten ist die Fahrt aber

wunderschön und durchaus auch

abwechslungsreich, da wir

traumhafte Landschaften

durchqueren: Sandwüste,

Steinwüste in Bergen sowie Grasund

Buschsavanne. Wir sehen

sogar einige Tiere, Zebras, Oryxe,

einen Strauß, und kommen

schließlich gegen 16:30 auf dem

Barchan Dune Retreat an. Hier

möchte ich noch einmal

anmerken, dass ich nicht wirklich

verstehe, dass viele über die elend

langen Fahrten klagen; Okay,

zugegeben, wir haben uns ja im

Wesentlichen auf den Norden

beschränkt und sind bisher als

längste Strecke am Tag ca. 500 km

gefahren, aber bisher sind uns die

Fahrten nie langweilig geworden,

sei es durch den

Abwechslungsreichtum oder auch

die von uns als grandios

empfundene Eintönigkeit bzw.

Weite der Landschaft oder auch

die Unterschiedlichkeit des

Straßenbelags, der oft die ganze

Aufmerksamkeit erfordert….


Egal, jetzt sind wir an unserem neuen Ziel

angekommen.

Die Barchan Dune Lodge ist ein burisches

Familienunternehmen und liegt, wieder

einmal wunderschön gelegen, in einem

weiten Tal. Die Anlage ist ebenfalls toll,

unser Bungalow, die unserer Meinung

nach bisher schönste Unterkunft unserer

bisherigen Reise, ist teilweise in eine

Düne hineingebaut und bietet von

unserer Terrasse und sogar vom Bett aus

einen traumhaften Blick in die Weite des

Tals.

Nach der Ankunft und dem Einrichten in

unserem neuen Domizil haben wir noch

etwas „Freizeit“, dann gibt es Abendbrot,

das erwartungsgemäß hervorragend

schmeckt und auch glücklicherweise

mengenmäßig nicht zu üppig ausfällt,

nämlich als Vorspeise Salat mit

Käsesoufflé, dann Oryx mit Spinat und

Kartoffeln und zum Nachtisch dunklen

Kuchen. Wir klönen dann noch mit den

anderen Gästen, über alles Mögliche, das

mit Reisen und/oder Namibia zu tun hat,

und erfahren, dass diese wohl viel Zeit

und auch ausreichend Geld haben, um 8

Wochen hier „unten“ zu bleiben.

Beneidenswert!?

Dann geht’s wie üblich gegen 9:00 in die

Heia; meine Flasche Syrah hat übrigens

den Abend nicht überlebt; mal sehen,

was ich morgen trinke: vielleicht Syrah?….


Ausblick aus Bad …


… und Wohnzimmer


18.9.:

Die Nacht war, um es dezent auszudrücken, durchwachsen: der mittlerweile kräftig aufgefrischte Wind hat einen solchen Krach gemacht und an der

Tür gerüttelt, dass ich nach kurzem Schlaf nicht mehr einschlafen konnte. Erst ab 4:00 bin ich dann immer wieder mal kurz weggetreten. Um 7:00 bin

ich dann glücklicherweise trotzdem ausgeschlafen und bereit zu neuen Taten. Draußen ist’s noch recht frisch, sodass ich erst mal beschließe, zu

duschen und mich anzuziehen. Andi wird jetzt auch wach. Sie hat nichts von dem Krach mitbekommen. Draußen auf dem Tisch der Veranda stehen

Zeichen eines frühen „Besuchs“: Kaffee, Milch, Zucker und 2 Tassen. Nach dem eigentlichen Frühstück – der Kaffee auf der Terrasse war nur eine

Weckhilfe - , das wir diesmal mit holländischen Gästen zusammen einnehmen, beschließen wir, den Berg zu unserer Linken zu besteigen; ich möchte

mir mal die Farm von oben betrachten.


Es geht ein Weg hoch, der aber ziemlich geröllig ist; während Andi diesmal ganz nach oben läuft, bleibe ich nach 2/3 der Strecke sitzen; ich fühle mich

mit dem rutschenden Sand und dem ganzen losen Geröll einfach nicht trittsicher genug, behalte Andi aber im Auge, bis sie oben ist und aus meinem

Blickwinkel verschwindet. Nach einer Weile – ich will gerade doch hinterher – taucht sie aber wieder auf und erzählt mir, dass der Ausblick zu unserer

Seite lohnender ist als der von jenseits des Grats. Nach dem Abstieg, der problemlos vonstattengeht, ist Trinken und Muße angesagt. So verbringen wir

die Zeit bis zur für die Abenddämmerung angesagte Sundowner-Tour in absoluter Aktivitätsabstinenz ;-)


Um 17:00 steigen wir mit Ulf, einem genuinen

„Ossi“, der seit Jahrzehnten hier als Gynäkologe

und Tischler – was für ein Berufsmix! - tätig ist und

Willem, unseren Gastgeber, schon lange kennt, in

dessen Landrover, um durch seine Farm zu fahren

und zum Abschluss an einem Aussichtspunkt mit,

wieder einmal, wunderschönem Weitblick in die

Landschaft den Sonnenuntergang zu genießen und

mithilfe einiger Alkoholika - Andi trinkt, man höre

und staune, einen Gin Tonic und ich ein paar Scotch

Whiskeys – zu zelebrieren. Diese Zeremonie wird in

Namibia auf vielen Farmen und Lodges angeboten

und ist immer wieder toll. Hierbei erfahren wir

übrigens einiges über das Leben und Wirtschaften

der Farmer: etliche reduzieren mittlerweile ihren

Viehbestand und versuchen vielmehr, das Wild auf

ihren Farmen zu halten und sich vermehren zu

lassen, während sie es früher als Konkurrenz für ihr

Vieh angesehen haben; die Gründe sind darin zu

sehen, dass Touristen natürlich lieber Wildtiere als

Rindviecher sehen wollen und heutzutage als gute

Einnahmequelle geschätzt werden, zum anderen ist

die Beweidung dieser Riesenflächen ohnehin

ökologisch nicht optimal, da die Rinder die

Grasnarbe zerstören und somit der Verbuschung

Vorschub leisten. Zusätzlich ist Wild, das früher viel

billiger als Rindfleisch war, inzwischen deutlich auch

über seinen Fleischpreis im Wert deutlich gestiegen.

Willem jedenfalls hat seinen Viehbestand deutlich

reduziert und setzt vermehrt auf Tourismus, und

das machen er und seine Frau Hannetje gut: wir

fühlen uns hier sehr aufgehoben und willkommen.

Die beiden sind waschechte Buren und Leute mit

durchaus vernünftigen Ansichten, mit denen man

gut reden kann.

Unser heutiges Abendbrot: Springbock-

Geschnetzeltes mit Reis und Karotten, zum

„Nachtisch“ für mich einen Grappa, und das nach

einem Windhoek Draught! Ab ins Bett!


19.9.:

Diese Nacht war – wieder einmal, es war ja auch die zweite – wesentlich besser als die erste: Kein Wind. Auch heute Morgen steht schon wieder

Kaffee auf unserem Terrassentisch; die Frau muss schon vor unserem Aufwachen hier gewesen sein…

Die Berge im Osten liegen noch in tiefem Schatten,

aber dahinter färbt sich der Morgenhimmel rotorange-lila-blau,

Grund für erste Sunrise-Fotos. Im

Westen ist es dagegen noch Nacht, und der Mond

scheint. Danach geht es aber mit dem hell Werden

ratz-fatz: nach ½ h ist es taghell und das Tal von

der Sonne voll ausgeleuchtet. Andi ist auch schon

wach geworden, so dass wir nach dem

Kofferpacken um 8:00 zum Frühstück aufbrechen.

Mir ist ganz wehmütig wegen des Abschieds; hier

hat’s mir, obwohl die Lodge als solche nicht

außerordentlich spektakulär ist, sehr gut gefallen,

sowohl wegen des grandiosen Ambientes als auch

wegen der schönen zwischenmenschlichen

Stimmung. Aber irgendwann ist es soweit: wir

fahren los.


Erster Zwischenstopp ist an einer absolut geilen Location,

Solitaire, einem Flecken, der aus Tankstelle, Kneipe, Store

und Backstube besteht, wo angeblich der beste Apfelkuchen

Afrikas gebacken wird bzw. wurde, denn der Gründer und

Besitzer ist leider 2014 gestorben und hier begraben.

Außerdem hatte er noch die witzige Idee, hier einen

Autowrackfriedhof zu gestalten.


Einmal scheuchen wir ungewollt einen

Oryx auf, der sich daraufhin leider in

vollem Galopp im Zaun verfängt und

stürzt, sich aber glücklicherweise

gleich wieder aufrappelt und am Zaun

entlang flüchtet.

Die Strecke ist diesmal übrigens recht

kurz, so dass wir trotz häufiger

Fotopausen schon um 15:00 an der

Einfahrt in den Namib-Naukluft-Park

eintreffen. Hier ist natürlich Hully-

Gully angesagt, da man hier die

Permits für den Park kaufen muss.


Bevor wir in die Sossus Dune Lodge einfahren, statten wir noch dem Sesriem-Canyon, der ziemlich voll mit Touristen ist, einen Besuch ab; klein,

aber fein! Dann geht es in die Lodge, die architektonisch aufregend unaufgeregt in die Landschaft gefügt ist: links und rechts von den

Hauptgebäuden gibt es je 1 Reihe von Bungalows, die alle auf hölzernen Stegen stehen und, abgesehen von Teilen des Inventars – z. B. der sanitären

Anlagen - , ausschließlich aus Holz, Reet und Wänden aus Zeltplane bestehen. Ausblick, wie so oft, frei in die Weite der Wüste. Einzige „Schwächen“

in dieser Perfektion, aber so passt es eigentlich auch für diesen Ort: Kein WLAN, keine Handyverbindung, kein Netz für SMS. Während Andi

zusammen mit einem Angestellten unseren Toyota nach dem Ausladen unseres Gepäcks auf den 200 m hangabwärts liegenden Parkplatz fährt und

mit dem Lodge-eigenen Jeep wieder hochgebracht wird, genehmige ich mir in der Lodge-Bar erst mal ein Radler aus Windhoek Draught und Sprite,

zum Durst Löschen. Andi ist schnell wieder da und will in die Hütte, ankommen, so dass wir diese jetzt in Beschlag nehmen. Innen gibt es, da das

Ganze im Prinzip lediglich ein Zelt, wenn auch ein sehr komfortables, ist und im Boden zwischen den Brettern Luft durch lässt – übrigens ist auch das

Klo nur durch Lücken lassende Holzstangen von den übrigen Räumlichkeiten getrennt, so dass es keine Geruchs- und Geräuschbarriere gibt, was aber

im Alltag auf Grund der allgemeinen Luftigkeit des Bungalows nicht störend wirkt - , keine Klimaanlage, und das bei aktuell 38°C, da die Sonne ab dem

späten Nachmittag voll auf unserer Fensterfront steht! Stattdessen gibt es hier einen Ventilator, mit dem Andi aber auf Kriegsfuß steht, so dass wir uns

für die natürliche Belüftung durch offene Fenster trotz der Warnung vor aggressiven Pavianen entscheiden; den dadurch hereinkommenden Moskitos

hoffen wir, durch Moskitonetz und Einreiben mit Anti-Mücken-Spray begegnen zu können. So gehen wir nach dem Abendessen, wieder einmal Kudu,

in unser neues Domizil und begeben uns zur Ruhe, die ich aber wegen der Wärme lange nicht finde, bis ich endlich auf die glorreiche Idee komme,

meine Decke aus dem Bezug zu ziehen und mich nur mit letzterem zuzudecken…


20.9.:

Um 4:40 dudelt der Wecker, weil wir ja

eigentlich in die Dünen wollen, aber nach

dieser kurzen Nacht habe ich überhaupt

keine Lust zum Aufstehen und kann auch

Andi sehr rasch von meiner Sicht auf die

Dinge überzeugen, zumal wir ja hier

klugerweise 3 Nächte gebucht und damit

noch 2 Nächte, die wir sehr früh beenden

können, vor uns haben. So ist mir dann

doch noch, bis 7:15, eine Mütze Schlaf

vergönnt. Wir holen dann um ca. 8:00,

etwas verschämt, unser am Vorabend

bestelltes Lunchpaket ab und verspeisen

es teilweise sofort. Nach einer gewissen

Zeit des Rumpusselns zuckeln wir dann zu

menschenfreundlicher Zeit langsam los in

Richtung Sossusvlei; wir wollen erst mal so

ganz ohne Zeitdruck die Location und die

sich daraus ergebenden fotografischen

Konsequenzen prüfen, um dann am

nächsten Morgen das ursprünglich

geplante Abenteuer in Angriff zu nehmen.

Auch denken wir, dass sich hier auch

tagsüber durchaus attraktive Fotos

machen lassen. Und so genießen wir die

Fahrt auf einer übrigens gut befahrbaren,

da asphaltierten, Pad, machen etliche

Fotos, oft auch mit Tieren im Vorder- oder

Mittelgrund; Oryx, übrigens auch das

Wappentier Namibias, scheint überall gut

durchzukommen, in Rudeln oder auch als

Einzelgänger. Ich habe gelesen, dass er

eine innere Klimaanlage hat: ein

Adergeflecht am Hals kühlt das Blut in

Zusammenarbeit mit der abgekühlten Luft

aus den Nüstern; so können diese Tiere

auch längere Zeit bei großer Hitze

überleben und behalten das, was wir uns

auch öfter wünschen: einen kühlen Kopf

bei heißem Herzen.


Irgendwann unterwegs bleiben

wir an der Düne 45 hängen.

Später, am Endpunkt der Strecke

für Autos mit Zweiradantrieb,

treiben wir uns noch ein wenig

herum, fotografieren etwas und

kehren dann um.

Jetzt ist wieder Pause im Camp

angesagt. Ist nicht so ganz toll,

weil es überall außer am Pool

ziemlich heiß und in der Hütte

recht stickig ist, aber der

Aufenthalt in diesem grandiosen

Ambiente entschädigt für vieles.

Außerdem: wir sind schließlich in

Namibia! Wenn uns die Hitze so

stört, sollten wir besser zu Hause

geblieben sein, oder?

Zum Abendbrot: Es gibt

Gemüsesuppe und – etwas zäh -

Kudu. Wie auch schon am

Vorabend klappt’s mit der

Rotwein-Bestellung nicht:

Obwohl die Weinkarte voll ist,

gibt es aktuell angeblich nur den

teuersten, für über 490 N$ pro

Flasche. Das Spielchen, nun

schon zum 2. Mal, mach‘ ich aber

nicht mit; dann gibt’s halt wieder

das gute Windhoek Draught, und

Rotwein wird woanders und

notfalls eben zu Hause

getrunken…

Jetzt ist dann – o wie neu! - eben

Bettruhe dran, weil wir am

nächsten Morgen nun wirklich

vor Sonnenaufgang dem

Sossusvlei und dem Deadvlei

unsere Aufwartung machen

wollen.


21.9.:

Heute geht’s wirklich im

Dunkeln los: Bis zur Hälfte

der Strecke ist es

stockdunkel, später deutet

sich hinter uns – wir fahren

in südwestlicher Richtung –

der Sonnenaufgang an. Als

wir am Shuttleplatz

ankommen – wir haben in

harmonischer Übereinkunft

beschlossen, trotz unseres

Allradantriebs, den uns

Willem dankenswerterweise

endlich einmal richtig erklärt

hat und den wir mittlerweile

beherrschen, die gefürchtete

Sandpiste bis zum Sossusvlei

nicht selbst zu fahren

und stattdessen den angebotenen

Shuttledienst zu

nutzen - , gibt es zwar das

erste tolle Sonnenaufgangsfoto,

aber es ist erst mal

weit und breit leider kein

mit einem Fahrer besetzter

Shuttle zu sehen. Während

wir warten, fahren schon

mal 2 mit mehreren Leuten

besetzte Lodge-Jeeps an uns

vorbei. Mist! Jedoch um

6:45 kommt tatsächlich der

erste Shuttle-Jeep, und los

geht’s! Die Strecke ist dann

wirklich so, dass wir ganz

froh über unsere Entscheidung,

nicht selbst zu fahren,

sind.


Am Sossusvlei angekommen,

sehen wir, dass die beiden

Gruppen vor uns tatsächlich schon

die Dünen hochstiefeln, also

nichts wie hinterher! Aber mit nur

einem Stock in der Linken und der

offenen Kamera in der Rechten

läuft es sich zumindest für mich,

Andi hat da weniger Probleme,

nicht gerade toll, und so kehren

wir nach rund einem Drittel des

Aufstiegs wieder um, um direkt in

die kleine Salzpfanne links von uns

zu gehen, um da unser erlebnishungriges

und fotografisches

Glück zu versuchen. Ich nehme

eine Abkürzung seitlich von der

Düne weg und warte dann auf

Andi unter einem wunderschönen

Baum mit kleinen runden

Blüten und teilweise

trockenen, am Boden

kriechenden, knorrigen Ästen,

auf denen es sich hervorragend

sitzt. Nachdem Andi

auch eingetrudelt ist, wird da

dann auch gefrühstückt, und

wieder genießen wir die Stille

und Grandiosität dieser Landschaft,

zumal alle Anderen

schon weit über alle

(Dünen)Berge sind. Außerdem,

und da unterscheide ich mich

natürlich überhaupt nicht

von der großen Mehrzahl der

anderen Touristen, fotografiere

ich - wie immer

eigentlich - wie blöde.


Dann laufen wir um die hohe Düne herum, um

zu sehen, wie es auf der anderen Seite aussieht,

in der Hoffnung, noch das eigentliche, mir von

vielen im Netz angeschauten Fotos schon

vertraute, Deadvlei zu erblicken. Natürlich

werden wir, was die karge und lebensfeindliche

Majestät der Landschaft angeht, nicht

enttäuscht; und auch hier begegnet uns in

dieser Wüste wieder ein Oryx, wie immer in

seiner Ruhe herrlich anzusehen und in seiner

majestätischen Haltung hervorragend in diese

Umgebung passend, der sich tatsächlich hier

sein Futter sucht!

Auf dem weiteren Weg kommen uns dann mehr

und mehr Menschen entgegen; wir sind mittlerweile

wirklich am Deadvlei angekommen!

Nach den üblichen Fotos und einem kurzen

Plausch mit dem ersten schwarzen Touristenpärchen

kehren wir langsam um, weil es uns,

besonders mir, erstens zu voll wird in der

Wüste und damit die erlebte Kontemplation

verlorengeht, zweitens, weil auch meine

Kondition nicht mehr die Beste ist und dem

Ende zugeht. Also nichts wie ab in den Shuttle!

Der Fahrer ist dick eingemummelt ; er wirkt

auch erkältet, und offensichtlich setzt ihm der

Fahrtwind doch ganz schön zu. Als wir wieder

beim Parkplatz ankommen, sind wir heilfroh, so

früh losgefahren zu sein: Hier ballen sich jetzt

Himmel und Menschen, vor den Shuttels hat

sich eine elend lange, 3-reihige Schlange

aufgebaut: Wäre ich jetzt erst gekommen, ich

bin sicher, ich hätte verzichtet und wäre

stehenden Reifens wieder umgekehrt! Auf dem

Rückweg mit dem Toyota erleben wir dann

endlich wieder Einsamkeit und Stille, vom

Brummen unseres braven Packesels mal

abgesehen. Unterwegs sehen wir auch jetzt

immer wieder mal Oryxe und 2 Strauße ;

gestern waren es hier noch 5.


Die weltberühmten Ansichten

von Sossusvlei und Deadvlei



Richtung

und der

Intensität

des Lichts

ihre

Farben

ändern

...

Es ist

einfach

faszinierend,

wie die

Dünen des

Sossusvlei

mit der…


Als wir in der Lodge ankommen, bin ich heilfroh, dass unser lieber Lodgefahrer uns rechtzeitig bemerkt und uns unterwegs vom Parkplatz zur

Rezeption abfängt und einlädt. Mein erster Gang führt zur Bar, während Andi schon mal vor zur Hütte geht, um sich unter der Dusche zu erfrischen.

Als ich nachkomme, erfahre ich, dass das nicht geht, weil es z. Zt. kein Wasser gibt. Also schlüpfe ich in die Badehose, übrigens nach Onguma erst

das zweite Mal, und begebe mich zum Pool, dessen Wasser wirklich sehr erfrischend ist. Nach einer Weile werden die anderen Liegen nach und

nach von Engländern besetzt; Na ja, wo sollen sie denn nach Brexit auch hin? Nach einem zweiten Bad verschwinde ich in die Hütte, wo Andi nach

einem Mittagsschlaf gerade aufgewacht ist. Jetzt setzen wir hier die Siesta gemeinsam fort; der Rest des Tages ist, wieder einmal, dem süßen

Nichtstun gewidmet: Dösen, etwas schreiben, ein bisschen lesen, noch ein paar Fotos auf dem Laptop importieren. Auch später passiert nicht mehr

viel: Wir duschen noch und nehmen dann das Abendessen zu uns, diesmal Impala, geschmacklich super. Anschließend ist, wie immer gegen 21:00,

Bettruhe angesagt.


22.9.:

Die Nacht war diesmal okay. Nach dem

Frühstück, heute ohne Kaffee, da die Maschine

ihren Geist aufgegeben hat und Andi gerade noch

einen Espresso abbekommen hat, bevor auch

diese Technik sich verabschiedet hat, geht sie -

Andi - auschecken, während ich mit Hilfe des

Kofferservices den Gepäcktransport erledige.

Dann geht's, zum vorletzten Mal, auf die Strecke.

Mal sehen, was uns auf der Bagatelle Kalahari

Game Ranch erwartet. Wir merken, mal wieder,

völlig miteinander d’accord, dass wir, bei aller

Melancholie, die uns angesichts des nahenden

Urlaubsendes erfasst hat, andererseits auch voll

sind mit und von Eindrücken und eigentlich kaum

noch Hunger auf weitere Highlights haben.

Zusammengefasst hat uns eine befriedigte

Stimmung erfasst.

Am Tor zum bzw. aus dem Park werden wir

nochmal von einem streng blickenden Posten

kontrolliert- woher, seit wann, Name etc. - , dann

tanken wir, diesmal können wir mit Visa bezahlen

- gut, denn wir haben kaum noch namibisches

Bargeld -, und dann fahren wir unserem letzten

Domizil in diesem Traumland entgegen. Die

Fahrtstrecke ist, wie immer, unter dem Aspekt

der Schönheit der Landschaft wunderschön, das

Fahren, nachdem ich nach Willems Empfehlung

mit 4-Wheel-Drive fahre, problemlos. Trotz

Schotterpiste zeigt der Tacho fast immer

zwischen 80 und 100 km/h an, und es fühlt sich

sicher an. Wenn mir das jemand einige Tage

vorher gesagt hätte, ich hätte ihn ausgelacht.

Trotzdem dauert es bis Maltahöhe, wo wir

eigentlich Rast machen wollen, es aber bleiben

lassen, weil der Ort uns nicht zusagt und wir auch

keine für eine Pause geeignete Location sehen,

über 2 1/2 h, dann geht es bis Mariental , vom

Gründer dieser Stadt zu Ehren seiner Frau so

genannt, über eine super ausgebaute

Asphaltstraße.


Das letzte kurze Stück wird von der B 1 gebildet,

bevor es dann auf die C 20 geht. Von dieser zweigt

dann die eigentliche Straße zur Farm ab; hier geht

es dann nochmal 25 km über Schotter- und

Wellblechpiste, von Sandstücken unterbrochen;

also Namibia pur! Ich bin recht froh, als wir

irgendwann rechts dann das Eingangstor zur Ranch

sehen. Die Auffahrt zur Rezeption führt, nachdem

Moses - so heißt der Kontrollposten - uns,

allerdings mit freundlich-lächelnder Miene,

kontrolliert und dann wohl auch angemeldet hat,

durch roten Kalaharisand, der Andi noch einmal

und in den nächsten Tagen in Begeisterung

versetzt, zu einer Lodge, die, was Ausstattung,

Ambiente sowie Logistik des Betriebes betrifft,

zumindest für mich den Höhepunkt des bisher

genossenen darstellt. Und hier gibt es noch etwas,

was ich bisher den ganzen Urlaub lang vermisst

habe: Erdmännchen! Allerdings bekomme ich nur

2 Fotos auf die Schnelle auf die Platte, dann sind

sie weg.


Nach dem Check-In können wir diesmal unseren

Wagen direkt neben unserem Chalet abstellen. Das

Interieur ist perfekt. Draußen stehen dann noch zu

unserer Begrüßung 4 prächtige Elen-Antilopen in ca.,

10 m Entfernung, ich sollte besser "Nähe" sagen, und

lassen sich durch unsere Anwesenheit überhaupt nicht

stören. Nach einiger Zeit legt sich eine von ihnen

sogar, in ca. 25 m Entfernung, zu einer Verdauungspause,

gerade wie ein Haustier, hin. Im Haus finde ich

eine kleine Begrüßungsflasche Rotwein vor und kann

ihr nicht widerstehen, was mich nun nicht gerade

munterer macht. Andi dagegen strotzt vor Aktivität

und bucht noch für den heutigen Abend einen 3-

stündigen Nature Drive inclusive Sundowner und für

den nächsten Morgen - um 7:00! - einen sogenannten

Bushman Walk, auf dem wir einiges über das frühere,

jetzt leider aussterbende, Leben der San erfahren

sollen, was mich zugegebener Weise auch interessiert.

Aber 7:00 Uhr! Und dann will sie noch eine Premiere

absolvieren: sie will morgen Nachmittag zum ersten

Mal im Leben reiten! Sage da einer, meine Frau wäre

nicht für Überraschungen gut!

Die Teilnahme am Nature Drive erweist sich dann als

Super-Idee von ihr: Wieder einmal eine tolle

Landschaft, und wieder einmal ganz anders: Das Land,

durch das wir fahren, wird in regelmäßigen Abständen

von geschätzt 150-200 m von parallel verlaufenden,

ca. 5-10 m hohen, schier unendlichen, allerdings im

Unterschied zu Namib bewachsenen, Dünen aus rotem

Sand durchzogen, dazwischen gibt es immer wieder

Weite, blauen Himmel, roten Kalaharisand, grüne

Bäume und Büsche und gelbes Gras! Und dazwischen

immer wieder massenhaft Springböcke sowie Oryxe,

viele Gnus, ein Pulk Geier, eine Straußenfamilie mit

kleinen Küken und, nach langem Suchen, noch eine 8-

köpfige(!) Giraffenfamilie. Am Schluss müssen wir uns

sputen, damit wir rechtzeitig am Platz für den

Sundowner eintreffen. Dort führen wir bei Gin Tonic

und Knabberzeug, auch Andi greift wieder zu, noch

recht informative Gespräche über Namibia allgemein

und die Rolle, die der Tourismus heute hier spielt, und

einiges andere.


Unsere Nachbarn


Nach ungefähr 1/2 h geht's, wieder einmal, " nach Hause", zum Abendessen. Das ist toll, überhaupt ist das alles hier recht luxuriös, wir haben wieder

einmal, wenn auch leise, ein bisschen schlechtes Gewissen: Wir leben hier in Saus und Braus angesichts der Armut eines großen Teils der Bevölkerung,

aber andererseits: bringen wir nicht auch Geld ins Land? Aber das habe ich, glaube ich, an anderer Stelle schon mal thematisiert...

Mit "unserem" Ober kommen wir auch gut klar und versuchen relativ erfolgreich, eine irgendwie geartete, wenn auch notwendigerweise sehr

flüchtige, zwischenmenschliche Beziehung entstehen zu lassen. Dann gibt es noch eine neue „Beziehung": Ein zahmer Springbock kommt direkt an

unseren Tisch und will mitessen.

Mit einer Flasche Rotwein- natürlich Shiraz - geht's dann wieder zur Hütte. Andi fällt ins Bett, ich schreibe noch etwas und arbeite ein wenig an den

letzten Bildern, ehe ich auch ins Bett gehe und in Schlaf versinke.


23.9.:

So toll war die Nacht nun auch wieder nicht: kurz vor 1:00

wache ich auf und fasse zu dieser unbequemen Zeit den

spontanen Entschluss, einen richtigen Reisebericht zu

schreiben, und dieser Gedanke hält mich wach bis kurz nach

4:00. Dann gibt's noch mal knapp 2 h Schlaf, bevor ich

endgültig ausgeschlafen habe. Egal, wir wollen ja sowieso den

Bushman-Walk mitmachen, der um 7:30 anfangen soll. Und

das tun wir dann auch. Unser Guide ist ein, selbstverständlich

"zivilisierter", Herero, der die Erklärungen der Buschmänner

ins Englische übersetzt. Die Herero sind übrigens weitestens

mit den Buschmännern verwandt, und er spricht ihre Sprache

mit den für unsere Ohren eigentümlichen Klicklauten. Um 7:30

geht es los. Wir - 3 deutsche Pärchen - werden auch von dem

Haus-Springbock begleitet, der am Beginn des Walks die für

seine Art so typischen, witzig aussehenden, Sprünge mit allen

4en zugleich hinlegt, was er nach Aussage des Guides jeden

Morgen macht. Nach einer Weile gesellen sich 5 verschieden

alte Männer in ihrer traditionellen Kleidung, einem

asymmetrisch getragenen Umhang und einer Art Badehose,

beides aus Leder, bewaffnet mit einem Stock, Pfeilen und

Bogen, zu uns und zeigen uns an mehreren entsprechenden

Stellen Beispiele, wie sie jagen und das Ergebnis einer

erfolgreichen Jagd- Fleisch, Fell, Knochen, Fett und was sonst

noch zu einem toten Tier gehört - mehr oder weniger

komplett verwerten. Zum Schluss geht's dann noch zu einem

kleinen Kral , der aus 3 Rundhütten, in denen 14 Personen

"wohnen". Dieser Kral ist, wen wundert's, ein Fake, die Leute

wohnen in der hauseigenen Siedlung, und die Erwachsenen

arbeiten nach Abschluss der Show als ganz normale Arbeiter

und Arbeiterinnen auf der Farm. Trotzdem finden wir das

Ganze doch sehr informativ, und es ist einerseits eine

Tragödie, dass diese Lebensweise der Bushmen nicht mehr

gelebt werden kann, und dabei erstaunlich, dass die Akteure

der Vorstellung die Kenntnisse ihrer Vorfahren weiter

beherrschen. Im Übrigen finde ich es ganz gut, dass ich hier

einmal ohne Hemmungen Fotos machen kann, auch wenn das

Ganze eine Illusion ist. Die Gesichter sind im Übrigen sehr

ausdrucksstark. Na, und Kinderbilder sind ja sowieso immer

ein Hit.


Nach der rituellen Verabschiedung, ebenso wie die Begrüßung per Handschlag jeder mit jedem, geht's zurück auf die Farm zum Frühstück, wie

immer sehr reichlich in seinen Möglichkeiten, und dann in unsere Hütte, ein wenig Schlaf nachholen.

Nach wie vor finde ich die Farm sehr perfekt, irgendwie fast zu perfekt: irgendwie habe ich immer noch, wie schon während der ganzen Reise und

am Beginn meines Berichts erwähnt, ein schlechtes Gewissen, aber andererseits ist der Tourismus, wie schon erwähnt, eine nicht zu

unterschätzende Einnahmequelle und schafft eine Menge Arbeitsplätze. Und gerade hier, auf Bagatelle, begegnen uns die meisten Angestellten mit

offensichtlich, oft auch humorvollem, Selbstbewusstsein.


Dieser Tag ist für mich dem Süßen Nichtstun gewidmet, ich bin auch noch müde, und so lasse ich ihn mehr oder weniger passiv in unserer Hütte an mir

vorbeiziehen. Gegen 15:00 geht's rüber zum Kaffee und Kuchen, außerdem gibt's hier in den Hauptgebäuden WLAN, was wir in den letzten Tagen in der

Sossus Dune missen mussten, und so kann ich meinen Lesevorrat auf dem Tablet wieder auffüllen. Um 16:30 geht Andi zum ersten Mal in ihrem Leben

reiten, es gibt hier auch für Anfänger ein 2- stündige gemütliche Tour durch die schöne Landschaft. Leider darf ich nicht mit, die Pferde - es sind

Westernponys - sind nur bis 90 kg "ausgelegt". Ich lasse es mir derweil auf der Hauptveranda bei einem Whisky, später noch einem Windhoek Draught

Beer, gut gehen, meine Gedanken schweifen auch schon mal öfter auf Grund des nahen Abschieds nach Deutschland, und kurz bevor Andi begeistert

zurückkommt, versuche ich mich noch mit letzten Sonnenuntergangsfotos. Dann ist Abendbrot angesagt. Charlie - so habe ich für mich den zahmen

Springbock der Farm genannt - kommt an unseren Tisch und versucht, Brötchen zu klauen, und wird dafür auch noch zur Strafe gefüttert. Dann geht's,

wie immer um diese Zeit müde, ins Bett.


24.9.:

Gegen 5:00 ist die Nacht vorbei, aber ich habe für meine Verhältnisse lange geschlafen. Während Andi noch schläft, schreibe ich noch ein wenig

Tagebuch, und darüber vergeht die Zeit. Der Sonnenaufgang, und damit unser letzter Tag in Namibia, kommt. Meine Gefühle? Wehmut natürlich, aber

auch, wie schon in den letzten Tagen, ein Gefühl von gesättigt Sein. Es ist, wie es ist. Und uns ist jetzt schon klar: wenn nichts Blödes dazwischenkommt,

werden wir wiederkommen.

Wir wollen erst mal frühstücken und dann erst richtig packen; kein Stress, alles in optimaler Stimmung angehen. Frühstück ist wie immer reichlich:

Toast, Wurst, Käse, Rührei mit Speck, Müsli, dazu Kaffee, soviel man will. Dann zurück in die Hütte, zum Packen. Da ich erst mal für die Rückfahrt meine

Fotosachen noch griffbereit haben will, können wir erst am Airport 2 schwere Objektive in den Koffer packen.


Dann verabschieden wir uns,

und es geht auf die Piste; ich

fahre, weil Andi nur fahren

würde, weil sie eben auch mal

dran ist, und mir die

Schotterpisten mittlerweile

sogar Spaß machen; wenn sie

nicht gar zu uneben sind, und

das sind sie fast nie, muss man

halt schnell fahren, und das

heißt, mindestens 80, wenn

nicht noch schneller. Immer

wieder erreiche ich sogar 100,

ohne dass es unangenehm

wird. Wir diskutieren die

möglichen Fahrtrouten und

entscheiden uns , nicht die

ganze Zeit auf der B2, die

asphaltiert ist und damit

hervorragend, aber auch

langweilig und somit

ermüdend, zu fahren, sondern

in Rehoboth, der "Hauptstadt"

der gleichnamigen Baster 1 ,

nach dem Tanken nach Osten

abzubiegen, über die D1228

zur C 15 und dann C 23 zu

fahren, damit 1. die Strecke

etwas abwechslungsreicher zu

machen, 2. die Durchfahrt

durch Windhoek zu vermeiden

und 3. noch eine in unserem

Reiseführer erwähnte

Wollweberei zu besuchen.

1: Nachfahren von Kindern

burischer Väter und Nama-

Müttern


Diese stellt sich leider als sehr marode mit einem resignierten Besitzer heraus, so dass wir uns bald wieder verabschieden und jetzt auf direktem

Weg zum Flughafen fahren, um erst mal die Angelegenheit mit den online nicht buchbaren Sitzplätzen (mit Beinfreiheit) zu klären. Die

angesprochene Dame erklärt sich aber nicht kompetent und meint, wir müssten bis zum direkten Einchecken um 16:30 warten. Also müssen wir

bis zu diesem Zeitpunkt warten und die Zeit möglichst angenehm zu verbringen. Der Flughafen scheint uns dafür absolut nicht geeignet zu sein, da

er überhaupt keine auch nur annähernd zum Chillen geeigneten Plätze aufweist. Wir also wieder raus zum Wagen, den wir wohlweislich noch nicht

abgegeben haben, weil wir schauen wollen, ob wir eventuell auf einer der zahlreichen Guest Farms, die es hier in der Gegend gibt, etwas zum

Trinken und Essen bekommen können. Und es kommt auf der B6 nach Windhoek auch sehr schnell eine Einfahrt zu einer Ranch mit einem

Torhüter, der bestätigt, dass wir dort essen und trinken können. Auf dem Gelände verfahren wir uns zwar und kommen an einem weiteren,

verschlossenem, Tor an. Glücklicherweise bemerkt uns ein Arbeiter und zeigt uns den richtigen Weg, den zur Ondekaremba, wo es tatsächlich

gemütlich ist: nette Anlage, 2 Warzenschweine fressen kniend auf dem Rasen, einige Erdhörnchen flitzen herum, und der Toast mit Salat sowie das

Bier ist lecker und erquicket unsere Seele. Anschließend geht's zum Autoverleih, unseren treuen und zuverlässigen Toyota 4x4, der uns auf der

ganzen Strecke nicht einmal auch nur annähernd Kummer gemacht hat, abgeben, was erstaunlich unbürokratisch und schnell geht, und dann zum

Einchecken. Hier erwartet uns das Übliche: eine jetzt schon elend lange 2-reihige Schlange von Wartenden! Also auch anstellen und warten.

Irgendwann ist aber der Schalter für die Business Class unbeschäftigt und fertigt nun auch uns gewöhnliche Economy Class-Sterbliche mit ab, so

dass es nach einer Weile doch überraschend schnell geht. Das Boarding beginnt allerdings 1/2 h verspätet, und im Flugzeug warten wir dann noch

einmal eine 3/4 h, weil ein wichtiges Papier, welches die korrekte Ladung der Maschine bestätigt, noch nicht an Bord ist und auch noch auf sich

warten lässt. Endlich rollt die Boeing 767 in die Startposition und muss da nochmal einige Zeit auf eine landende Maschine warten, bis der Vogel

sich dann mit über 1 h Verspätung in die Luft erhebt..

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