s'Magazin usm Ländle, 27. November 2016

vorarlbergkrone

VERZAUBERND

Naschkatzen sind bei

Martina Homann-

Dellantonio

richtig.

VERBINDEND

Yener Polat baut

im LändleBrücken

zwischen den

Kulturen.


SONNTAG, 27. NOVEMBER 2016

KUNSTHISTORIKERIN

GRAND DAME

DER KUNST

Seitacht Jahren leitet Sabine Haag

das KunsthistorischeMuseuminWien.

Fotos: Kristian Bissuti, Mathis

Fotografie, Lisa Mathis


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Foto: Sonymusic, Adobe Stock Melinda Nagy

Das neue „Kiddy Contest Vol. 22“-

Album aus der großen TV-Show.

Ab sofort im Fachhandel erhältlich.


4

Unendliche Geschichten

Diese Projekte warten auf

ihre Realisierung

27. NOVEMBER 2016 | INHALT

17

Fotos: PrismaPrisma, MathisFotografie (2),Konrad Amann

Foodblog

Backen zur Entspannung

9

SchneidersBrille

Über Bettler und

Latte Macchiatos

Am Erfolg beteiligt

Konrad Amann betreute über

80 Spitzensportler

18

4 AKTUELL

Gut Ding braucht Weile: Projekte

in der Warteschlange

6 INTERVIEW

Sabine Haag leitet seit acht Jahren

das kunsthistorische Museum Wien

9 SCHNEIDERS BRILLE

Robert Schneider ärgert sich über

die kleinliche MentalitätimLändle

10 GSIBERGER Z’WIAN

Carola Purtscher trifft

Unternehmer Bernd Burtscher

11 ORIGINAL

Yener Polatengagiert für ein

Miteinander der Kulturen

12 SÜSSEVERSUCHUNG

XocolatinBregenz versüßt den Tag

14 HISTORISCHES BILD

Kaiser Karl I. und seineGattinZita

zu Besuch in Bregenz, anno 1917

15 VÖGELS LEXIKON

„Nöblige Lüt“ fallen im Ländle

nach wie vor auf

16 EVENTS

Was Sie auf keinenFall verpassen

sollten!

17 KULINARIK

Nadin Hieblerzaubert

Chocolate Chip Cookies

18 WAS WURDE AUS...

...Konrad Amann?

s’Magazin 3


AKTUELL

Unendliche Geschichten

Seestadt, Bodensee-Schnellstraße, Rhesi: In Vorarlberg befinden

sich viele wichtige Großprojekte seit vielen Jahren in der Pipeline.

Und kaum zeichnet sich ein Schritt in Richtung Realisierung ab,

wird aus mehreren Ecken wieder Kritik laut. Doch woran liegt es?

Sind die Zeiten der Großprojekte im Ländle vorbei, oder wird man

doch noch in naher Zukunft durch ein modernes Bregenz spazieren

oder auf der S18durch Vogelschutzgebiete fahren?

Jahrhundert

veränderte sich

Imvergangenen

das AntlitzVorarlbergs

grundlegend.

Projekte wurden angedacht

und meist ohne zu Zögern umgesetzt.

Es folgteMeilenstein auf Meilenstein:

Nach fünf JahrenBauzeit wurde 1900

in Fußach der Durchstich des Rheins

in den Bodensee eröffnet, 1923 wurde

der Fluss im Zuge der Rheinregulierung

in Diepoldsau in sein neues Bett

umgeleitet. 1965 wurde der erste Teilabschnitt

der heutigen Rheintalautobahn

A14errichtet. Bekanntlich wurde

für die Umsetzungdieses Projektes

sogar ein Berg in zwei Hälften gesprengt.

1980 wurde zudem der Pfändertunnel

–ein wahres Mammutprojekt

–eröffnet, und 1985 wurde der

Ambergtunnel fertiggestellt. Mit dem

Bau der S16Arlbergschnellstraße ab

1969 bestandeine direkte Verbindung

von der deutschen Grenze im Norden

Vorarlbergs bis ins Nachbarbundesland

Tirol. Jedeseinzelne Projekt war

ein Quantensprung in der Entwicklung

Vorarlbergs –doch diese Zeiten

scheinenvorüber.

Sorgenkinder

Dennmanch hochgepriesenes Projekt

will einfach nicht in die Gänge

kommen –soetwa die Rheinregulierungsmaßnahme

Rhesi, die 2005 auf

der Basis des Entwicklungskonzeptes

Alpenrhein beruht und seither eher

schleppend Gestalt annimmt. Doch

zwei Projekte im Ländlesorgen bereits

seit Jahrzehnten fürDebatten: Diegeplante

Seestadt in Bregenz sowie die

Bodensee-Schnellstraße S 18. Für

Letztere wurden zweiVarianten angedacht

–eine davon führt quer durch eine

belebte Riedlandschaft. Beide Projekte

sind seit wenigen Tagen wieder

regelmäßig in den Medien vertreten,

das öffentliche Interesse an den Vorhaben

ist entsprechend groß.

Schon imJahr 1983 wurde darüber

nachgedacht, wie man die Landeshauptstadt

für die Zukunft wappnen

könnte. Zahlreiche Vorschläge und

Pläne folgten, alle wurden verworfen.

2008 erwarb die Prisma-Unternehmensgruppe

das Areal in der Bregen-

Zankapfel S18: Seit vielen

Jahren wirdüber die

Schnellstraße im Unteren

Rheintal, die mitten durchs Ried

führen soll, diskutiert.Kürzlich

hat der Ministerrat dem Projekt

zugestimmt.Obesrealisiert

wird, ist aber weiterhin fraglich.

zer Innenstadt von den bisherigen BesitzernIllwerke,Hypo

undStadt Bregenz.

Erneut wurde geplant, verworfen,

geplant, verworfen –ein möglicher

Beginn der Bauarbeiten immer

weiter verschoben. Dieses Jahr sollte

aber endlich der Baubescheid folgen

und mit der Realisierung begonnen

werden. Doch vorwenigen Tagen wurde

der Widerstand gegen das Projekt

wiedergrößer, die Architekten-Initiative

„seeundstadtundbregenz“ warf

dem Projekt vor, zu eindimensional zu

sein, die Pläne nicht ausgereift. Der

Baustart rückteerneut in weite Ferne,

dasverschlingtweiterhinvielGeld,ohne,

dass auch nur ein Bagger angerollt

ist.

Wie auch die Bodensee-Schnellstraße

S18: Die ursprünglichenPläne aus

den 1980ern, quer durchs Lauteracher

Ried eineAutobahnzubauen,wurden

–für Mensch und Tiergleichermaßen

erfreulich–wiederverworfen.Zustark

wehte der Gegenwind seitens des Naturschutzes

und der Bürger. Doch die

Direktverbindungvon der Rheintalautobahn

nach St. Margrethen in der

4

s’Magazin


AKTUELL

Fotos: Prisma, Land Vorarlberg, Dietmar Stiplovsek, Harald Küng

Bitte warten: Nachdem die Seestadt in Bregenz eigentlich bereits

beschlossene Sache war und die Bauarbeiten längst hätten beginnen sollen,

steht das Projekt seit Kurzem erneut in der Kritik. Apropos Kritik: Die hagelt

es auch in regelmäßigen Abständenzur Rheinregulierung Rhesi. Auch das

Hochwasserschutzprojekt für den Alpenrhein vomIllspitz bis zum Bodensee

tröpfelt mehr vorsich hin, als dass es plätschert.

Schweizist dennoch nicht vom Tisch.Zwei

Varianten stehen zur Diskussion, eine davon

führt weiterhin durch die Riedlandschaft.Kostenfür

das Projekt: Je nach Variante

zwischen 527 und 893 Mio. Euro.

Der Ministerrat stimmte kürzlich für das

Projekt, die gesetzlichen Grundlagen zum

Bau sind damit geschaffen. Doch es gilt:

Baustart frühestens 2024/25 –wenn überhaupt.

Blaue Bananenrepublik

Auch wenn sich manche Projekte Zeit

lassen, die Weiterentwicklung Vorarlberg

lässt sich nicht aufhalten. Vorarlberg liegt

innerhalb der sogenannten „Blauen Banane“,

eineRegion in Europa, die sich besonders

gut entwickelt, wie Manfred Hellrigl

vom Bürofür Zukunftsfragen erklärt: „Wir

leben ineiner sehr wohlhabenden Region,

die sich bestens entwickelt undäußerst positive

Zukunftsperspektiven hat. Doch Entwicklung

braucht Zeit.Viele Großprojekte

–man nehme hiernur den Energiesektor–

werden gar nicht mehr umgesetzt, weil sie

nicht rentabel sind.“

Ob das auch für die oben genannten Projektegilt,wirddie

Zeit zeigen.

Harald Küng

Das Gesicht des Rheintals

veränderte sich im 20.

Jhdt.zusehends. Die

Weichen für die Zukunft

wären gestellt,nur an

einer Umsetzung scheitert

es


vielerorts bislang.

Wir leben in

einer sehr

prosperierenden

Region, die sich

bestens entwickelt.

DochEntwicklung

braucht Zeit.

Manfred

Hellrigl,

Bürofür

Zukunftsfragen,

Bregenz

InfozuGroßprojekten

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Seestadt Bregenz:Genau genommen wird

das Projekt Seestadt bereits seit 1983 besprochen,

allmählich Form angenommen

hat es jedoch erst im Jahr 2008 mit dem Ankauf

des Areals durch Prisma. Der Baubeginn

wurde immer wieder verschoben –eine Architekten-Initiative

stellt das Projekt seit

Kurzem nun wieder komplett in Frage. Wann

die Neugestaltung der Bregenzer Innenstadt

angegangen wird, steht in den Sternen.

Bodensee Schnellstraße S18: Ursprünglich

als Bodensee-Autobahn A15 geplant,

geistert die S18 ebenfalls seit den 1980ern

herum. Nach endlosen Diskussionen einigte

man sich 1997 auf eine Verbindung vonLauterach

nach St. Margrethen, welche jedoch

mitten durchs Lauteracher Ried führen sollte.

2007 sollten die Bauarbeiten beginnen –

bekanntlich kam es aber nicht dazu. Nun

wurde die Debatte erneut entfacht: Erst

kürzlich wurde im Ministerrat die gesetzliche

Grundlage für die Vorplanungen geschaffen.

s’Magazin 5


KUNSTHISTORISCHES MUSEUM

Gibt es in Ihrem Leben

auch Trash, Frau Haag?

INTER

VIEW

Die gebürtige Bregenzerin Sabine Haag leitet sich mittlerweile acht Jahren das

Kunsthistorische Museum Wien. Im Interview mit Angelika Drnek erzählt die

Kunsthistorikerin, warum in der Kuppelhalle des Museums nun DJs auflegen und was der

Schriftsteller Michael Köhlmeier zur hauseigenen Kunstvermittlung beiträgt. Darüber

hinaus verrät sie, dass sie noch niemals „Nachts im Museum“ war und dass sich ihre Welt

keineswegs nur um Kunst und Kultur dreht –auch wenn das anderen nicht passt.

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Prunkvoller geht es

kaum: Das Interview

mit Sabine Haag findet

in der Wiener Karlskirche

statt –kurz vor einer

Charity-Veranstaltungzugunsten

migrantischer Künstler. Zwischen

barocken Engeln wird eines

schnell klar: Haag ist auf dem Boden

geblieben. Freundlich, offen

und bestimmt grüßt sie alle, die

kurz auf der Orgelempore vorbeischauen.

Wirklich alle.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie

das Wort Kunsthistorisches Museum

(KHM) hören?

Da istimmer nochdieses Wow-Gefühl:

ein großartiges Haus, ein

großartiges Museum, meine berufliche

Heimat seit ganz vielen Jahren.

Sehr viel Emotion steckt da

drinnen!

Sie haben vorIhremAntritt als Direktorin

gesagt,dass Sie sich von„nichts

beeindrucken lassen werden“. Hat

sich das bewahrheitet?

Ichglaube, dass ich das –nach acht

Jahren mittlerweile – tatsächlich

für mich in Anspruch nehmen

kann. Eswar wohl ein Vorteil für

mich, als relativunbekannte Kunsthistorikerin

in diese Position zu

kommen. Und es warklar, dass ich

diese Position nur dann gut bewältigen

kann, wenn ich diese aus meinen

eigenen Vorstellungen heraus

gestalte undnicht versuche, ein besserer

Vorgänger zu sein.Wobei das

nicht bedeutet hat, das alles vom

Tisch zu wischen. Aber unbeeindruckt

von Querschüssenbin ich bis

zum heutigen Tag. Das mag manche

erstaunen oder verunsichern,

aberich stehe dazu.

Damals waren Sie „relativ unbekannt“,

heute sind Sie das keineswegs

mehr.Wie gehen Sie mit dieser

Art der Popularität um?

Den plötzlichen Schritt in die permanente

Öffentlichkeit habe ich

tatsächlich unterschätzt. Auf der

anderen Seite war klar, dass das Teil

des Jobprofils ist und dass sich das

auch nutzen lässt, um die Anliegen

des Museums bekannter zu machen

und zu erklären -mit einer gewissen

Notwendigkeit. Deswegen investiere

ich auch einen großen Teil meiner

Zeit inMedienarbeit –imWissen,

dass das sehr anstrengend ist,

weil man sich permanent zur Disposition

stellt. Dasist nicht immer

angenehm, und für meine Familie

und Freunde ist es eine große Herausforderung.

Ich bin sehrdankbar,

dass sie das mittragen.

Wirführen das Interview in der Karlskirche,

in der eine Kunstlounge mit

Migranten stattfindet, an der das

KHM beteiligt ist.Welche Rolle spielt

das Thema Flüchtlinge im Museum?

Das KHM ist ein Haus mit Kunstwerken,

die von internationalen

Künstlern geschaffen wurden. Gesammelt

wurden diese Arbeiten in

einer Zeit, als Österreich geografisch

noch mehrwar, als es das heute

ist. Museen haben einen gesellschaftlichen

Auftrag, der sich nicht

in Aktionismus erschöpft. Wir

bringen unsere Kernkompetenzein

undzeigen unseren internationalen

Anspruch auch auf dieser Ebene.

Im Zuge der Veränderungen durch

Migrationswellen müssen wir uns

einbringen -indem wir unsere Vermittlungsschiene

ausbauen.Wir arbeiten

mit den Menschen, die hier

ankommen, kreativ zusammen.

Mit den Mitteln der

6

s’Magazin


KUNSTHISTORISCHES MUSEUM

Sabine Haag ist

Kunsthistorikerin

durch und durch. Ihre

Dissertation schrieb

sie über die

Elfenbein-Plastik des

17.Jahrhunderts.

s’Magazin 7


KUNSTHISTORISCHES MUSEUM

FORTSETZUNG

Kunst geben wirinschwierigen Zeiten

ein bisschen Ruhe, vielleicht auch

Heimat.

Gab es in diesem Prozess etwas, das Sie

in dieser Situation gelernt haben?

Ja,die Erkenntnis von der eigenen Sicherheit.

Mir ist einmalmehrklar geworden,

in welch privilegierter Situation

ich arbeite und lebe, auch meine

Kinder. Und diesenSchritt auf die anderen

zu braucht es einfach.Das wird

einem sofort klar, wenn einem unbegleitete

Minderjährige gegenüberstehen,

die in einer Situation sind, die

man seinen eigenen Kindern nicht

wünscht. ImMuseum haben wir die

Möglichkeit, phasenweise ein wenig

Unbeschwertheit in diese Leben zu

bringen, wo es sonst immer nur um

existenzielleNöte geht.

Wie sehr hat sich das Museum als Ort in

den vergangenen Jahren verändert?

Besonders im deutschsprachigen

Raum hat ein Paradigmenwechsel

stattgefunden in der Art und Weise,

wie ein Museum auftritt,wie es die Beziehung

zumPublikum aufbaut. Lange

Zeit waren Museen hermetische

Musentempel, die zwar die Gäste

durchdieGaleriengelassenhaben,ohne

aber besondereInformation zu geben.

Das musste sich natürlich ändern.

Heute wird viel mehr Augenmerk

auf die Besucher und die unterschiedlichenBesuchergruppen

gelegt.

Daseine Publikum gibt es janicht.

Welche Besuchergruppe ist denn die herausforderndste?

Am wenigsten erreichen wir Menschen

direkt nach der Schulzeit. Junge

Menschen für ein Haus mit alter

Kunst zu verführen, ist schwierig.

Aber esgibtauchdaersteErfolge. Und

ganz klar ist:Bildungsferne Schichten

– egal welchen Alters – sind auch

schwer zu erreichen.

Muss man sich nicht vonder Idee verabschieden,

dass man alle ins Museum

bringen kann?

STECK

BRIEF

Alle Schichten konnte man nie erreichen,

erreichen wir heute nicht und

werden wir auch nie erreichen. Das

mag im Widerspruch zu unserem

Motto imheurigen Jubiläumsjahr stehen,

nämlich:„Ein Museum für alle“.

Im Grunde ist das aber eine Weiterentwicklung

des Gründungsgedanken.

Alsdas Museum eröffnete, gabes

noch Einschränkungen. Kleidervorschriften

zum Beispiel. Füruns bedeutetdas,

die Barrieren möglichst niedrig

zu halten, physisch aber auch was

die Angebote betrifft -zum Beispiel

mit „Kunstschatzi“, wo Führungen

durchs Haus mit Partys in der Kuppelhalle

zusammengebracht werden.

Aber man muss einfach zur Kenntnis

nehmen, dass niealle erreicht werden

können. Trotzdem muss man sich bemühen,

möglichst für alle offen zu

sein.

Wie sehr muss sichein Museum anderen

Formaten als Ausstellungen im ganz

klassischen Sinne widmen? Ich denke

hier etwa an Ihr Ganymed-Projekt,das

performativen Charakter hat.

Es ist zwingend,dass wir ständig darüber

nachdenken, wer wir eigentlich

sein und welchen Beitrag wir für die

Gesellschaft leistenwollen.Diese Fragen

müssen wir aus der Jetztzeit heraus

stellen. Ineiner klugen Programmierung

muss man sich auch mit moderner

Kunst beschäftigen. Unsere

Aktivitäten können nur inunserem

Geboren 1962 in Bregenz,Studium

der Kunstgeschichte in Innsbruck

und Wien. Seit 2009 Generaldirektorin

des KHM. Verheiratet,dreiSöhne,

lebt in Wien.

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Haus stattfinden, weilwir mit unseren

Sammlungen arbeiten. Und ausgehend

von der zeitgenössischen Kunst

machenwir unsüber die altenMeister

Gedanken. Dasist eine Sichtweise, die

wirklich gut angenommen wird -aber

nurein kleiner Teil unseresAngebots.

Ganymed ist da ein Signaturprojekt,

das bereits von anderen nachgeahmt

wird. Die Diskussion über Kunst darf

nicht nur mit den eigenen Objekten

enden. Auch sollten sich nicht nur

Maler mit Malern austauschen. Viele

Künstler,nicht nurbildende Künstler,

gehen bei uns ein und aus und schöpfen

daraus Inspiration für das eigene

Schaffen.

Für die Verschränkung der Disziplinen

holenSie sich ja auch immer wiederVerstärkung

aus Vorarlberg.

Ja, das Projekt „100 Meisterwerke“

isteine Neuauflage des TV-Klassikers

aus den 80er Jahren. Dieses Format

hat mich damals wahnsinnig begeistert

und sogar in meiner Studienwahl

bestärkt. Das wollten wir als KHM

auch machen. Und seit vielen Jahren

bin ich ein großer Fan von Michael

Köhlmeier –ich bin in seine Sprache

verliebt. So erzähltereineGeschichte

über das jeweilige Meisterwerk und

dannkommen die Experten zu Wort.

WarenSie schon mal „Nachts im Museum“?

Dasist eine romantische Vorstellung,

der ich Gott sie dank nicht nachhän-

8

s’Magazin


KUNSTHISTORISCHES MUSEUM


Sabina Haag auf der

Orgelemporeder

Wiener Karlskirche.

IhreKarriereführte

sie hoch hinaus.

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gen muss. Wenn es tatsächlich so wäre wie

im Film mit Ben Stiller, dann wäreeswohl

nureine halb so tolle Erfahrung, dennim

Großen und Ganzen ist das ein Sicherheitsrisiko:

Man würde wohl über gewisse

Dinge stolpern, das macht es wohl etwas

unerfreulicher. Und man hat vor allem

nicht das, was die besondere Faszination

des Hauses ausmacht. Wir sind ja kein

hässliches White-Cube-Museum, sondern

haben die allerschönsten Räumlichkeiten,

die man sich nur vorstellen kann.

Allein das ist ein Erlebnisfür sich.

Sie leiten das KHM, gehen zum Ausgleich

joggen und trinken zur Entspannung gerne

Champagner in der Badewanne. Gibt es in

Ihrem Leben auch ein wenig Trash?

Oh ja! Ich lese wahnsinnig gerne die

Klatschblätter, die sogenannten Frauenzeitschriften.Nicht

nur beim Friseur!Am

Sonntagauch alle österreichischenTageszeitungen.

UndimFernsehen seheich mir

wohl auch nichtimmer nur die High-Quality-Formate

an. Dazu stehe ich auch.

Manche sind ja immer etwas überrascht,

wennman mich bei Rockkonzerten trifft.

Daheißtesdann oft: „Aber Sieleiten doch

das KHM!“

Das heißt, Sie dürften eigentlich nur Barockmusik

hören?

Ja, das tueich auch leidenschaftlichgern,

aber esgeht um ganzheitliches Erleben.

Mein Leben wäre definitiv ärmer, wenn

ich mich nur in einem schmalenSegment

bewegen dürfte. Inmeinem Leben gibt

Platz für sehrvieles!

Fotos: KRISTIANBISSUTI

Latte Macchiato

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Es ist kalt,regnerisch. Die Wolken hängen tief.Ein

Novembermorgen. Vordem Bankgebäudegegenüber

der Bäckerei, wo ich die Brötchen kaufe, steht

ein junger Rom, ein Zigeuner,wie man sagt.Erversucht,die

„Marie“anden Mann zu bringen, die hiesige

Straßenzeitung. Wir kennen uns vomvielen Neinsagen

und Abwimmeln. Er ist hartnäckig. Wenn ich

Kleingeld habe, gebe ich es ihm. Heute habe ich gerade

einen Euround ein paar Cents in der Tasche. Er

sagt,das reiche nicht für einen Latte Macchiato. Das

sehe ich ein. Ich mag stolzeBettler,aber den Zehn-

Euro-Schein rückeich nicht raus. Er macht ein verdrießliches

Gesicht,zeigt auf seine rechte Wange.

Schreckliches Zahnweh habe er.„Komm mit“,sage

ich. Er zögert.„Na, komm schon mit!“

Ich gehe mit ihm zur Bäckerei, die auch ein kleines

Caféunterhält.Esist ein Laden, der gut läuft und gesalzene

Preise hat.Eine Laune fällt mich an: „Was

denken Sie“, spreche ich die Verkäuferin an, „spendiert

die Bäckerei diesem Mann einen Latte?“ Die

junge Frau verzieht ihr Gesicht,aber nicht,weil sie

Zahnweh hat.Sofort steht eine zweite Verkäuferin

da. Auch die Gäste wenden sich uns zu. „Also,meine

Damen“, wiederhole ich meine Frage, „spendiert die

Bäckerei diesem Mann ...?“ Irritation. Das dürfen sie

nicht,wegen der Chefin, eiern die Verkäuferinnen

herum. „Woist die Chefin?“ frage ich. „Überall“,sagt

die eine, nicht um eine schnippische Antwort verlegen.

„Gut,dann beteilige ich mich mit der Hälfte“,

werfeich ein. Nein, das gehe nicht.Dann müssten sie

den Rest aus der eigenenTasche bezahlen, entgegnet

die Schnippische.

Die Irritation schlägt jetzt in das Gefühl um, belästigt

zu sein. Ich nehme meinen Zehn-Euro-Schein aus

der Geldbörse und klatsche ihn auf denTresen. „Bitte

einen Latte Macchiato für den Herrn.“Dann lasse ich

mir herauszählen, gebe den Verkäuferinnen zwei Euro

Trinkgeld.

Man kann das durchaus zynisch nennen. Ist mir

egal. Aber eines ist mir nicht egal: Diese kleinliche

Mentalität in unserem Land.

s’Magazin 9


GESELLSCHAFT



Brückenbauer

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Eigentlich hat Bernd Burtscher (42) davon geträumt,Konditor

zu werden. Heute versüßt er seinen

Kunden das Leben mit Schmuck, Sexspielzeug

und erotischen Dessous. Weil damals im Unterland

keine passende Lehrstelle frei war,gab wieder einmal

der Zufall den Wegfür den gebürtigen Laternser

vor. Bernd absolvierte die Lehreals Schilderhersteller

und Siebdrucker in Rankweil. Mit diversen

Jobs in der Gastronomie begann wenig später eine

Phase des Pendelns zwischen Wien und Vorarlberg.

„Aber dort war mir einfach zu langweilig“,erklärt er

mit einem verschmitztenLächeln. Vor16Jahren

verlegte er seinen Wohnsitz fix in die Großstadt.Eine

Freundin verschaffte Bernd den Job im Verkauf in

der Erotikbranche, wo er sich ins Management

hocharbeitete. „Ordentlich ,schaff’ist cool, wenn es

mich fordert“,berichtet der leidenschaftliche Single

–und so gründete er vorwenigen Wochen unter der

Marke„Herzbube“sein eigenes Unternehmen. Er

verkauft hochwertigen Modeschmuck, Erotikartikel

und Dessous im Rahmen vonHome-Parties in ganz

Österreich und bald auch über seinen Online-Shop.

Bernd reist viel und ist auch oft im Ländle –aus beruflichen

wie auch privaten

Gründen. Ein Besuch

bei seinen ehemaligen

Chefsim

„Rankweiler Hof“darf

da auf keinen Fall fehlen.

Die Vorarlberger Kommunikationsberaterin

Carola Purtscher

(PR-Agentur Purtscher

Relations) lebt seit über 30

Jahren in Wien. Als Netzwerkerin

lädt sie regelmäßig zu

ihrer exklusiven „Tafelrunde“.

twitter.com/

CarolaPurtscher

Bernd Burtscher

Jungunternehmer aufTour

Der „Herzbube“Bernd

Burtscher vorseiner

Kollektion

Wenn man Aufführungen freier

Theatergruppen mit teilweise

radikalen Inhalten besucht,

erwartet man zuallerletzt

türkische Jugendliche im

Ensemble. Dass dem in

Vorarlberg nicht so ist, verdankt

das Land Yener Polat. Mit seiner

interkulturellen Gruppe „Motif“

versucht er seit über einem

Jahrzehnt, religiöse Grenzen zu

sprengen und Brücken zwischen

den Volksgruppen zu bauen.

Gleich mit seiner ersten Aussage

überrascht der 1988 der Liebe wegen

nach Österreich eingewanderte Yener:

„Der Bregenzerwald ist meiner

Heimat ähnlich, und die Menschen

haben dieselbe Mentalität; deshalb

fühle ich mich hier wohl.“ Schon das

entspricht nicht dem Klischee von

übervölkerten Millionenstädten und

steppenartigen Landschaften, das viele

von der Türkei haben –und es ist

nicht das letzte Vorurteil, das auf den

53- jährigen so gar nicht zutreffen

will. Auch nicht jenes der „Gastarbeiter“,

die einst hierher kamen, um Arbeiten,

für die sich Einheimische zu

gut waren, zu verrichten. Schon in seiner

Geburtsstadt Artvin, punkto Größe

und Klima mit Bregenz vergleichbar,

arbeitete er als Lehrer und tut das

auch hier. „Ich unterrichte Türkisch

in Lauterach und Wolfurt; dies ist

wichtig, weil man nicht Deutsch lernen

kann, wenn man nicht einmal die

Muttersprache perfekt beherrscht.“

Was er ebenfalls schon in der Türkei

liebte und praktizierte: Theater. Aber

es war ein recht steiniger Weg, die Akzeptanz

der türkischen Kommune für

seine Kulturprojekte zu gewinnen.

10

s’Magazin


ORIGINALE

Erfolge und Probleme

„In der Türkei ist vieles möglich,

auch kritische Themen. Werden aber

ähnliche Inhalte in einer anderen

Sprache und einem anderen Land

umgesetzt, empfinden das manche

Türken als beleidigend“, erläutert

Polat, der auch schon viele Stars aus

seiner Heimat nach Bregenz brachte,

das Dilemma. Also begann er 1998

erst mit einer Folklore-Tanztruppe;

der entscheidende Umschwung kam

2005, als „Motif“ von Martin

Grubers Aktionstheater zur Mitarbeit

beim kontroversen Stück

„Schlachtfest“ eingeladen wurde, bei

dem die türkischen Jugendlichenneben

einer Blasmusik und Transvestiten

agierten. „Die Reaktion war

enorm, und die Darsteller hatten viel

Spaß. Wir bewiesen, dass ein Miteinander

auch im kulturellen Bereich

möglich ist“, freut sich der Theaterleiter,

„hier haben wir wirklich Brücken

gebaut!“ Das Miteinanderwurde

ausgeweitet, vor allem die Zusammenarbeit

mit dem Theater Kosmos,

ohne dessen Hilfe es „Motif“ laut Yener

wohl gar nicht mehr gäbe, ist sehr

intensiv. „Natürlich gab es auch Probleme.

Beim Stück ,Gast oder Arbeiter’

wurde über Verhütung und Abtreibung

gesprochen, was selbst in

der Moschee und im Konsulat diskutiert

wurde und den Austritt einiger

Mitglieder auf Druck der Eltern zur

Folge hatte“, so der Vater zweier erwachsener

Kinder, der aber keinesfalls

aufgeben will. „Leider ist festzustellen,

dass Türken und Österreicher

eher wieder weiter auseinanderdriften;

mehr Moschee, weniger Integration“,

bedauert Polat und hat dennoch

oder deshalb schon ein neues

Projekt im Visier: „Monsieur Ibrahim

und die Blumen des Koran.“ Das

klingt nach weiteren Diskussionen.

Und das ist gut so!

Raimund Jäger

Foto: lisamathis.at

s’Magazin 11


SCHOKOLADE

Fotos: MathisFotografie

Martina

Homann-Dellantonio in ihrer

Schokolade-Werkstatt:

Neben Schokoladetafeln aus

aller Welt gibt es auch die

hauseigenen Kreationen von

Xocolat in Bregenz zu

erstehen. Das Konfekt stellt

die Konditorin in Handarbeit

her.Nougat,Marzipan und

Nüsse zählen zu den

klassischen Zutaten.

Homann-Dellantonio hat

aber auch Ungewöhnlicheres

zu bieten: etwa eine

Kir-Royal-Praline oder

Marillenknödel in

Konfektform –übrigens ihr

Lieblingsprodukt.

12

s’Magazin


SCHOKOLADE

DieKunstderVerführung

Gute Nachrichten für Schokolade-Geübte: Wer in der Bregenzer

Kirchstraße unterwegs ist, kann sich nun mit Schokolade höchster

Güte eindecken. Ob internationale Marken oder die hauseigenen

Kreationen:Das Xocolat bietet vielfältige süße Verführungen an. Für

Ungeübte gilt: Achtung vor Kontrollverlust!

Seien es die Olmeken, Mayas

oder die Azteken: Das

Potenzial der Kakaobohne

zum Genussmittel wurde

schon vor langer Zeit erkannt.

Und nicht nur das, selbst als

Zahlungsmittel dienten die Bohnen

zumindest einige Jahrhunderte lang.

Eine ruinöse Vorstellung für Liebhaber

jenes Stoffs, durch den Heißhunger-Attacken

erst sorichtig genüsslich

werden und –imgleichen Ausm

–katastrophal enden. Nur eines

istindiesenSituationen nochschlimmer:

Wenn keine Schokolade im

Haus ist. Eher selten wird Martina

Homann-Dellantonio in diese Verlegenheit

kommen. Die Chocolatiere

eröffnete in Bregenz vor Kurzem einen

Ableger der Xocolat Manufaktur,

die im Wiener Palais Ferstel untergebrachtist

und bei Genussmenschenin

der Bundeshauptstadt stetig fürFreude

und auch Dankbarkeit sorgt.Freude

über die große Auswahl an hochqualitativen

Schokoladen aus aller

Welt und hauseigenem Konfekt,

Dankbarkeit für den Umstand, nicht

mehr länger auf Supermarktware angewiesen

zu sein. Und nun also auch

Bregenz.

Was das Geschäftslokal von Homann-Dellantonio

so reizvoll macht,

ist der einsehbare Arbeitsbereich der

gelernten Konditorin –und natürlich

der Schokobrunnen, in dem rund um

die Uhr 25 Kilogramm geschmolzene

Schokolade vor sich hinplätschern –

nichts für schwache Nerven. Coram

publico verstreicht die Konditorin

dort warmes Haselnuss-Nougat auf

der Granitplatte, um es ein wenig abzukühlen,bevoresinhalbe

Nussschalen

aus knackiger Milchschokolade

gefüllt wird. Aus einem ganzen Berg

von Walnüssen sucht die gebürtige

Lochauerin die schönsten herausund

setzt sie dem glänzenden Konfekt

obenauf. Eineeinfache Komposition,

aber keineswegs simpel.

Rauchfreie Zigarren

Komplexere Kreationen bietet Homann-Dellantonio

natürlich auch an.

Etwa Powidltascherln, Kir Royal

oder Marillenknödel–interpretiert in

Schokolade. Bis esein solches Konfekt

in die Verkaufsvitrine schafft, um

dort einen Verführungsakt zu vollbringen,durchläuft

die Süßigkeit erst

einmal ein paar Dutzend Stadien.

Schmeckt es bessermit Milchschokolade

oder mit dunkler? Ist zuviel Zucker

in derFüllung?Gibt es nocheine

bessere Idee für die Dekoration? Wie

lange behält das Konfekt seinen Geschmack?

Erst wennalle diese Fragen

bestmöglich beantwortet sind, ist für

Homann-Dellantonio so etwas wie

Perfektion erreicht.

Nach ihrer Konditorenausbildung

wechselte sie nach Wien indie Produktentwicklung

von Xocolat. Dort

tüftelte sie gemeinsam mit ihren Kollegen

an den hauseigenen Kreationen

–nahezu ein Labor. Ausdiesem stammen

auch die Schokoladezigarren, die

Homann-Dellantonio zu hundert

Prozent selbst entwickelte.Esgibt sie

sowohl alkoholisch als auch alkoholfreiund

siebestechen durch ihre optische

Ähnlichkeit zu echten Zigarren.

Diese mittlerweile ausgezeichnete

und oft kopierteNascherei spricht vor

allem Männer an, sagt die Chocolatiere.

Oder zumindest Menschen, die

Männern etwas schenken wollen,

denn vor allem zum Vatertag wandern

die rauchfreien Zigarren über

den Ladentisch. Wovon Homann-

Dellantonio noch träumt, ist, eigene

Schokolade herzustellen, denn die

Kuvertüre wird bei Xocolat aus Spanien

und Frankreich zugekauft und

dann weiterverarbeitet. Wie auch in

nahezu allen anderen Schokolademanufakturen,nur

vier Firmenstellen in

Österreich ihre eigene Schokolade

her. Doch die Konditorin weiß, dass

es vorerst beim Traum bleiben wird.

Glück für uns: So hat sie mehr Zeit,

neue Rezepte zu entwickeln und zumindest

unsere lukullischen Träume

wahrzumachen.

Angelika Drnek

s’Magazin 13


Kaiserlicher Besuch, anno1917

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Während ihrer Frontreise

im Juni 1917 machten Kaiser

Karl I. und seiner, Gattin Kaiserin

Zita auch Station im

Ländle. Das Herrscherpaar

begrüßte am Bregenzer

Bahnhof den damaligen Bürgermeister

der Stadt Ferdinand

Kinz sowie die zahlreichen

anwesenden Bürger und

Militärs. Die Kaiserin trug zu

diesem festlichen Anlass in

Zeiten des Krieges ein dunkles,

modisches Kostüm und

einen breitkrempigen Hut mit

weißem Pelzband. Der Herrscher

selbst war in kaiserliche

Uniform gewandet. Auf dem

Balkon des Bregenzer Rathauses

zeigten sich Karl und Zita

der Menschenmenge,die dem

kaiserlichen Paar mit Taschentüchern

zuwinkte. Bei

ihrem Besuch in Vorarlberg

besuchten, der Herrscher

auch das Bregenzer Kloster

Mehrerau (Bild) und unternahm

eine Ausfahrt auf dem

Bodensee mit dem Dampfer

„Kaiser Franz Joseph“. Das

Schiff machte unter anderem

Halt in Lochau, wo die Roya-

14

s’Magazin


MUNDART















len das damalige Lazarett in

Schloss Hofen besuchten.

Haben Sie auch historische Fotoschätze

zuhause, dann schicken

Sie sie uns per E-Mail an vorarlberg@kronenzeitung.at.

Die besten

Bilder werden veröffentlicht.

Foto: Sammlung Risch-Lau,Landesbibliothek Vorarlberg


Nöbl(ig)e nobel noblig

Haupt-und Eigenschaftswort

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Die Vornehmheitgroßer Städte und ihrer Bewohner ist

dem ländlichen Vorarlberger seit jeher suspekt. Umso

mehr fällt ein Bürger im Ländle auch heute noch auf,

wenn er sich bewusst nach der aktuellen Mode aus Rom,

Paris und New York kleidet und nicht wie sein Nachbar

aus Sibratsgfäll. Sobald die Kleidung des gemeinen Voradelbergers

(sage: si Häs) über das Alltägliche hinausgeht,

wird dies von der Umwelt kommentiert mit den

Worten: „Bischt du hüt wieder nobel!“ Soll die Noblesse

des Mitbürgers stärker betont werden, so wird der Gemeinte

gar mit ihr gleichgesetzt:„Bischt du hüt aNöble!“

Sprich: Der Angesprochene wird zur Nobelheit in Person.

(Dasselbe ist –mit anderen Wörtern –auch in

negativer Hinsicht möglich: „Bischt du

hüt wieder a Löade!“). Statt nobel

wird in unnobleren Haushalten

„Ganahlerdütsch

reda –tuat der

wieder aNöble!“

bisweilen das Eigenschaftswort

noblig verwendet,worauf die ihr

zugrunde liegende Nöble zur

Nöblige mutiert. Während der

wahrhaftig Noble die leibhaftige

Nöble ist,gibt einer,der nur a Nöble

tuat (oder auch: nobel tuat), dieselbe lediglich

vor, ohne sie tatsächlich zu besitzen: Er ist daher

ein anmaßender Angeber,der vornehmer tut als es seiner

Herkunft entspricht. Seine vorgetäuschte Nobilität beschränkt

sich meist nicht nur auf seine Kleidung,sondern

gipfelt zudem oft in einer gestelzten Ausdrucksweise,

welche er aber nicht fehlerfrei beherrscht, weswegen er

damit stets lächerlicher wirkt als in seiner natürlichen

Muttersprache.

s’Magazin 15


EVENTS

Foto: Molinavisuals

Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 216

BregenzerMeisterkonzert

„OttoDix –Alles muss ich sehen!“

Ausstellung in Friedrichshafen

Zum Abschluss des Jubiläumsjahrs, mit dem das Zeppelin

Museum seiner Gründung vor 20Jahren gedenkt,

zeigt das Museum im Dreiländereck erstmals in einer

großen Überblicksausstellung seinen eigenen kompletten,

eindrucksvollen

Werkbestand

des deutschen

Ausnahmekünstlers

Otto Dix. Eröffnung

ist am

Donnerstag,

dem 1. 12., um

19 Uhr. Dauer

der Ausstellung

ist bis 17.April.

Konzert mit dem „Orchestra &Choir

of The Sixteen“ amMittwoch, dem 30.

November, um19.30 Uhr im Festspielhaus

in Bregenz.Das Ensemble „The Sixteen“

besteht aus Orchester und Chor

und gilt als einer der weltweit bedeutendsten

Klang- und Vokalkörper.Esgenießt

einen besonderen Ruf für die Interpretation

früher englischer Polyphonie

sowie der Werkevon GeorgFriedrich

Händel. Händels „Messias“ wird am30.

November zur Aufführung gelangen.

Tickets: Bregenz Tourismus und

www.v-ticket.at

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„Wanda“

spielen im

Event.Center

in Hohenems

Im Rahmen

ihrer

Hallentour

macht die

Wiener

Band Wanda

rund

um Marco

Michael

Wanda,

Manuel Christoph Poppe,

Christian Hummer, Reinhold

Weber und Lukas Hasitschka

am Donnerstag,

dem 1. Dezember, um20

Uhr im Event.Center in Hohenems

halt. Tickets:

www.oeticket.com, Musikladen

Kartenbüros,

www.laendleticket.com

„Ich bin noch lange nicht müde“

Konzertmit Mockemalör

Konzert mit der deutschen Band Mockemalör rund um

Magdalena Gantner, Gesang, Martin Bach, Schlagzeug,

und Simon Steger,Keyboard, am Mittwoch, dem 30. November,

ab21Uhr im Spielboden in Dornbirn. Tickets:

Dornbirn Tourismus, Musikladen, www.v-ticket.at,

www.laendleticket.at

Foto: Soundevent

Foto: Spielboden

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Impressum

Medieninhaber: KRONE-Verlag GmbH &Co. KG .Herausgeber und Chefredakteur: Dr.Christoph Dichand

Verleger: Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag GmbH &CoKG, Alle: 1190 Wien, Muthgasse 2

Redaktionsleitung: EmanuelWalser, Redaktion: Harald Küng, Sandra Nemetschke, Angelika Drnek, Sekretariat: Nicole Kinzel, Quellenstr.16, 6900 Bregenz, Tel. 057060-59300

vorarlberg@kronenzeitung.at, emanuel.walser@kronenzeitung.at, harald.kueng@kronenzeitung.at, sandra.nemetschke@kronenzeitung.at, angelika.drnek@kronenzeitung.at

Herstellung:Druckzentrum Salzburg Betriebsges. m. b. H. ,5020 Salzburg; Offenlegung gem. §25 MedienG online unter www.krone.at/krone-offenlegung

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s’Magazin


KULINARIK

Chocolate Chip Cookies

Zubereitung:

1 Ofen auf 180° vorheizen.

2 Butter und Zucker mixen, bis die Massesehr

hell ist.

3 Ei zugebenund gut vermixen. Salz,Natron

und Mehl zugeben und auf niedriger Stufeweitermixen.

(DerTeig wirdrecht trocken und krümelig

aussehen.)

4 Mit einemGummispatel die Schokoladenstückeindie

Masse einarbeiten.

5 Mit einemEisportionierer Teigkugeln auf

zwei mit Backpapier ausgelegte Bleche geben.

6 Die Cookies 11 bis 14 Minutengoldbraun

backen.

Foto: Nadin Hiebler

Fotos: Mathis Fotografie, Nadin Hiebler


Wenn es besonders hektisch ist,

entspanneich am bestenbeim

Backen. Vor allem, wennesSchokolade-

Cookies sind...

Noch mehr

schmackhafte

Rezepte von

Nadin findet man

auf ihrem

Foodblog.

Zutaten:

110 gButter

50 gZucker

150 gbrauner Zucker

1Ei

3/4TL Natron

1ordentliche PriseSalz

220 gMehl

225 gdunkle Schokolade,grobgehackt

Jeder kennt das –man ist total imStress, und auch am Abend

ist keine Zeit für Erholung. Insolchen Momenten liebe ich

es, zu backen. Amliebsten etwas, das Wohlfühlatmosphäre

verströmt. Dazu gehören zum Beispiel Zimtschnecken oder

Pizza –und ab sofort auch Cookies. Ich habe einige Zeit gebraucht,

aber jetzt habe ich es, das allerbeste Cookie-Rezept! Diese

Kekse schmecken nicht nur köstlich, sie sind auch unheimlich flott

gemacht, ein weiterer Pluspunkt. Und ineiner nach Cookies duftendenWohnunglässt

es sichgleich vielbesser entspannen.

www.diegluecklichmacherei.com

s’Magazin


WAS WURDE EIGENTLICH AUS ...

... Konrad Amann

Über Jahrzehnte hinweg sorgte der Feldkircher Sporttherapeut

Konrad Amann für gesunde Knie, Muskeln und Rücken –unter

anderem bei zahlreichen Spitzensportlern. Mit 65 Jahren betreut der

Pensionist noch die Amateure des SCR Altach, seine große

Leidenschaft gilt heute dem täglichen Golfspiel mit seinen Freunden.

Konrad Amann und der

langjährige Kapitän des SCR

Altach, Alexander Guem.

sportler unter seine Fittiche. Mit ihnen

feierte er große Erfolge. Unteranderem

bei Weltmeisterschaften und Paralympischen

Spielen. Einen Ehrenplatz in

seinem Haus in Gisingenhat heute noch

der Pokal „Versehrtensportler des Jahres

1995“, den ervom Steirer Norbert

Zettlerbekommen hat.Mit derBegründung:

„Den hast du dir verdient, ohne

dich wäre ich nie Sportlerdes Jahres geworden.“

Stolz ist Amann vor allem auf seine

Behandlungen nach Kreuzbandrissen:

„Mehrals 80 Sportler habeich auf dem

Weg zurück zum Sportunterstützt“, erzählt

der Feldkircher, „man muss sich

aber im Klarensein, dass es auch Grenzen

in der Therapie gibt.“ Mit ein Erfolgsgarant

war das Schwimmbad im

LKH Feldkirch, das für die Behandlung

vor allem von Knie-und Schulterpatienten

eine wertvolle Unterstützung war.

Als das Schwimmbad 2010 aufgelassen

wurde, hatte Amannauch das Pensionsaltererreicht

und zog sich zurück.

Seither haben sich seine Lebensinhalte

verlagert.Fast täglich findet man den

Pensionistenauf dem RankweilerGolfplatz,

wo er mit Kollegen eine Runde

dreht.Und dabei um einen Schmäh nie

verlegen ist. Seineredselige Art war zeitlebensTüröffner

zuseinen Patienten. EF

Skiass Rainer Salzgeber,

Olympia-Rodler Franz Wilhelmer,

die Radasse Helmut

Wechselberger und Harald

Morscher, Altach-Ikone Alexander

Guemund viele andere mehr: In

der Praxis von Konrad Amann gaben

sich die Sportler die Klinke in die Hand.

„Ursprünglich habe ich Automechaniker

gelernt“, erzählt Amann. Dann aber

begann der Sport in seinem Leben eine

wichtigere Rolle zu spielen. Schließlich

schloss er die Ausbildung zum Sportlehrerab.

Erst mit 29 wechselteder Feldkircher

in die Sporttherapie, beginnend mit

der Ausbildungzum Masseur. 27 Jahre

lang war „Conny“ im Landeskrankenhaus

Feldkirch in der Elektrotherapie

tätig.„Das schönste Erlebnis war eigentlich

jedes Mal, wennein Sportler wieder

so weit hergestellt war, dass erwieder

Leistungssport betreiben konnte“, berichtetAmann

von seinenErfolgen.Zudem

nahm er auch die Versehrtenski-

Über 80 Athleten hat Konrad

Amann betreut.2010 zogersich

schließlich in die Pension zurück.

Fotos: privat

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s’Magazin


Spenden Sie Wärme

für Menschen in Not.

Mehr als 220.000 Menschen in unserem Land

können sich die Heizkosten für ihr Zuhause

nicht leisten. Helfen auch Sie.

Caritas-Konto, Kennwort: Ein Funken Wärme

AT23 2011 1000 0123 4560

BIC: GIBAATWWXXX

www.krone.at/funkenwaerme In Zusammenarbeit mit der

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