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Gartenstadt Karlshorst_Baukatalog

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Gartenstadt Karlshorst

Baukatalog

Klaus theo brenner

Stadtarchitektur


Gerwin Zohlen

Vielfältige Einheit

einheitliche Vielfalt

Den Begriff Gartenstadt umschwirrt eine Aura, die sich aus Idylle, Ruhe, Entspannung, Erholung und all dem

nährt, was zum Vergnügen des Lebens zählt. Natürlich lässt der Garten vor allem elysische Gefilde und die

paradiesischen Zustände assoziieren, aus denen der Mensch vertrieben wurde, als er sich seiner selbst bewusst

wurde. Folglich sehnt er sich danach zurück, solange er lebt; trunkenes Vergessen der Welt, könnte man sagen.

Grüne Pflanzen, Blumen, Düfte, Büsche, der Schatten mächtiger Bäume, in denen es sich träumen und lieben

lässt, flunkern und flirten – all das schwingt mit, wenn vom Garten die Rede geht. Und das ist schön, es ist auch

unvermeidlich und zählt zur seelischen Grundausstattung eines jeden.

Gewiss, bei genauerer Besichtigung des Gartens und seiner Geschichte treten auch Kehrseiten hervor. Denkt

man etwa an Voltaires Candide, so versammeln sich im Garten auch Enttäuschungen dessen, der sich durch

das Weltgeschehen ernüchtert sieht. Candide durchstreift die Wirklichkeit seiner Zeit und findet überall Lüge,

Heuchelei, Gewalt, Verrat und Rohheit, keine Liebe, keinen Frieden, kein Glück. Eben deswegen beschwört er am

Ende seiner Erzählung das Ideal des Gartens mit dem wunderbaren Satz: il faut cultiver notre jardin – wir müssen

unseren Garten bestellen!

Aber nicht nur der Garten, unverbrüchlich gehört zur Gartenstadt natürlich auch die Stadt. Nicht von ungefähr

lässt Voltaires Satz daher durch Klang und Formulierung an einen anderen denken, der zu den berühmtesten

Sätzen der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts zählt. Eine Hauptdevise des schweizerisch-französischen

Architekten Le Corbusier mündete im drastischen Ausruf: Il faut tuer la rue corridor – wir müssen die Stadtstraße

vernichten! Das ist buchstäblich das Gegenteil von Voltaires Gartenempfehlung und hat doch miteinander zu tun.

Le Corbusier meinte mit seiner Attacke nämlich das entscheidende Strukturelement der historischen Stadt, die

von Wohn- und Geschäftshäusern geformte Straße mit Läden und Cafés, Büros und Boutiquen. Er setzte ihr die

Idee des Neuen Bauens der Moderne entgegen, den Freiraum: freistehende Haustürme in einer kontinuierlichen

Parklandschaft, die offene Stadt mit unbegrenzter Raumfreiheit bis über den Horizont hinaus. In solch einer Stadt

hätte ein Garten keinen Ort mehr, weil die Stadt selbst in den Park, sozusagen in einen Riesengarten aufgelöst

wäre. Le Corbusier war nicht der einzige, alle führenden Architekten des frühen 20. Jahrhunderts teilten in diesem

Punkt seine Auffassung, ob Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius, Hans Scharoun oder der amerikanische

Architekt Frank Lloyd Wright und andere mehr. Heute, neun Dekaden später, wissen wir, dass diese Ideen damals

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zwar avantgardistisch waren, aber zum Glück und Gelingen der Gesellschaft in den Städten nicht beigetragen

haben. In den französischen – aber auch einigen deutschen – Großsiedlungen am Stadtrand haben sie gar das

Gegenteil bewirkt.

Zwischen 1880 und 1920 entstand aber auch die Gartenstadtidee als Reformmodell und als Antwort auf die

Kollateralschäden der Industrialisierung, die das Großstadtwachstum zur Blüte – ach, zur Explosion – gebracht

und dabei außerordentliches soziales Elend ausgelöst hatte. Die historischen Gartenstädte wurden damals bis

auf wenige Ausnahmen in der Regel von großen Konzernen wie Siemens und Krupp oder mittelständischen

Unternehmen wie den Deutschen Werkstätten Hellerau errichtet. Sie sollten den Angestellten und Arbeitern

der Fabriken eine menschenwürdige, gesunde und schöne Wohnalternative bieten, was auf manchmal rührende

Weise auch gelungen ist.

Heute stehen wir erneut in einer technologischen Revolution, die letztlich das ganze System unserer westlichen

Gemeinwesen transformieren wird, nämlich in den Umbrüchen und Verwerfungen der Digitalisierung. Sie haben

bereits und werden unseren Alltag noch weiter kräftig umkrempeln. Die digitale Revolution ist analog zur Industrialisierung

eine ebensolche epochale Kraft, aber keinesfalls mit ihr gleich. Doch bringt sie ebenfalls ein enormes

Stadtwachstum mit sich, wenn es auch nicht von einem vergleichbaren sozialen Elend begleitet wird – jedenfalls

nicht in den mitteleuropäischen Großstädten. Und anders als vor gut hundert Jahren sind die Auftraggeber der

heutigen Gartenstädte nicht mehr Großunternehmen der Industrie, sondern im Grunde ist es die Gesellschaft

selbst und ihre Bauherren. So ist der Name zwar noch der gleiche, aber die interne Struktur der heutigen Gartenstädte

hat sich gewandelt.

Die Gartenstadt Karlshorst ist für diesen Transformationsprozess ein herausragendes Beispiel, ja sie könnte sogar

zum exemplarischen Ort werden. Sie ist nämlich nicht in dem zur Zeit häufig anzutreffenden Sinn beliebig, dass bei

ihr alles schon deswegen Garten genannt wird, weil es außerhalb des Innenstadtringes liegt und der Landschaft

um die Stadt daher näher rückt. Im Gegenteil, die Gartenstadt Karlshorst nimmt ihr städtebauliches Anliegen und

den gesellschaftlich-kulturellen Auftrag einer zwischen Gartenraum und Stadt austarierenden Mischung und Lage

sehr ernst. In den Samtmantel des historischen Namens gehüllt, handelt es sich um eine ebenso gepflegte wie

reflektierte Stadterweiterung im Sinne der Gartenstadtidee. Sie knüpft an den historischen Bestand der Villenkolonie

Karlshorst an, dieses Dahlem des Ostens, wie der Bezirk im Volksmund genannt wird. Bei einer Vielzahl

architektonischer Hausvariationen moderater Dimension findet sie doch die nötige Einheitlichkeit als Stadtgebiet

und in der Einheitlichkeit des Areals gewährt sie die Vielfalt individueller Ausprägungen. Die einzelnen Häuser

stehen so in einer Art Schutzraum, der von den öffentlichen Räumen der Grünflächen und Vorgärten harmonisch

geformt und umhüllt wird. Die Gartenstadt Karlshorst setzt auf das Gesamtbild, in welches das einzelne Haus

integriert ist. Dieserart sucht sie die Schönheit in der übergreifenden und integrierenden Ordnung. Das ist so

vielversprechend wie erwartungsstark.

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Klaus Theo Brenner

Baukatalog

Bauen heißt Häuser errichten auf der Grundlage

konkreter architektonischer und technischer Planungen,

orientiert an den Ansprüchen und Bedürfnissen

zukünftiger Nutzer und Käufer. Ein

Katalog ist die zusammengefasste Darstellung

von Objekten zur Auswahl für einen potenziellen Käufer; gleichzeitig ist ein Katalog (auch unabhängig vom Markt

– etwa bei Museumskatalogen) eine Ansammlung von Objekten mit dem Anspruch einer übersichtlichen und

ästhetisch anspruchsvollen Darstellung, wobei jeder Katalog (das ist sozusagen seine Existenzberechtigung) ein

Thema hat, also eine bestimmte Objektauswahl zeigt.

Der vorliegende Baukatalog hat das Thema »Gartenstadt Karlshorst« (deren Konzeption und Entwurf in einem

anderen Rahmen bereits publiziert wurden), und er zeigt alle Haustypen mit ihren architektonischen Eigenschaften,

die ab sofort zur Realisierung anstehen. Die bereits realisierten oder sich in Realisierung befindenden

Haustypen, die auch im ersten Buch zur »Gartenstadt« publiziert wurden, sind in Form zusammenfassender

räumlicher Darstellungen durch Perspektiven und Fotos dokumentiert. Der vorliegende Baukatalog fasst also

das gesamte aktuelle Bauprogramm zusammen und zeigt alle Haustypen, die das Bauprogramm der »Gartenstadt

Karlshorst« vollenden.

Die im Baukatalog versammelten Bautypen sind im Detail und in ihren wesentlichen Elementen (vorbehaltlich der

Ersatzbauten für die ehemaligen Flugzeughallen) in Grundriss, Fassade, Dachform und Farbe mit allen Beteiligten

(Architekt, Stadtpolitik, Bauherr) abgestimmt und bilden die Grundlage für die Realisierung durch einen oder

mehrere Bauherren. Den Unternehmensgruppen Schwaar und Eisen ist zu verdanken, dass das Konzept der

»Gartenstadt« als eine ganzheitliche Stadtvision umgesetzt werden kann. Die wichtigste Begründung für dieses

Konzept mit dem Anspruch einer harmonischen Erscheinungsform im Ganzen und im Detail ist die Idee der »Gartenstadt

Karlshorst« als einer Stadt mit einem charakteristischen Erscheinungsbild in einer besonderen Lage.

Die wichtigsten Elemente dieser Gartenstadtidee sind (neben einer abgestimmten Haustypologie):

· Die kultivierten Grünflächen mit Straßen, Bäumen, Vorgärten und privaten Gärten.

· Die insgesamt moderate Gebäudehöhe mit ausgeprägten Dachgeschossen.

· Das übersichtlich-ruhige Fassadenkonzept, das sich als eine Art architektonischer

Leitfaden im Zusammenspiel mit Grün und Bepflanzung durch die ganze Gartenstadt zieht.

· das Farb- und Materialkonzept (in Fassade, Fenster, Sockel und Dach), das die Gartenstadt atmosphärisch prägt.

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Über den konkreten Bezug zur »Gartenstadt« hinaus hat der »Baukatalog« und seine Veröffentlichung in Ergänzung

zu der bereits erschienenen Publikation eine grundsätzliche Bedeutung mit Blick auf die aktuelle Stadtpolitik.

Er zeigt und entwickelt im Haustyp und in der Gesamtheit der städtischen Erscheinung eine über das Einzelhaus

(mit all seinen denkbaren »Eskapaden«) hinausgehende Idee von Stadt, die einmal getragen wird von der

Qualität und Ordnung der öffentlichen Räume, aber eben auch von der Konsequenz und architektonischen Disziplin

der Häuser in ihrem Zusammenspiel.

Diese Idee von Stadt – übertragbar auf völlig unterschiedliche Dimensionen – ist eine der wesentlichen Voraussetzungen

für die Wohnqualität, also für das, was für die Stadtbewohner Atmosphäre und Identität schafft. Die

»Gartenstadt Karlshorst« als Ganzes und der »Baukatalog« im Besonderen stehen exemplarisch für diesen Qualitätsanspruch

an den Stadt-Bau.

Am Biesenhorster Sand – Nord – Seite 14

Am Biesenhorster Sand – Süd – Seite 30

Am Stadtgarten – Seite 38

An der Promenade – Seite 48

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masterplan

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Am Biesenhorster Sand – Nord

Bunker

Einfamilien-Reihenhäuser

Einfamilienhäuser freistehend

Doppelhäuser

Eckhäuser

Villen

Am Biesenhorster Sand – Süd

Am Stadtgarten

Ehemalige Festungspionierschule

Stadtvillen

Hofhäuser

Deutsch-Russisches Museum

An der Promenade

Ehemalige Flugzeughallen

Einfamilien-Reihenhäuser

Einfamilienhäuser freistehend

Doppelhäuser

Eckhäuser

Stadtvillen

Stadthäuser

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Einzelhaus giebelständig

S18

18


Dachgeschoss

1. OG

EG

19


Einzelhaus Staffelgeschoss

S18

S22

22


Dachgeschoss

1. OG

EG

23


S68

S18

Doppelhaus traufständig

S26

26


Dachgeschoss

1. OG

EG

27


32


33


40


41


50


51


S18

S22

S68

S26

S56

S

Einzelhaus traufständig

S62

S64

62


Dachgeschoss

1. OG

EG

63


S18

S22

S68

S52

S26

S56

S58

S60

Mehrfamilienhaus B

S62

S64

S66

68


Dachgeschoss

1. OG

EG

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