AGP Mitteilungen 2016

agpkassel

Das Jahresmagazin des Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung. Fach- und Expertenbeiträge, Fallbeispiele, Neues und Wissenswertes aus der Welt der Mitarbeiterbeteiligung .

Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland

Standpunkt

Mehr Teilhabe am Kapital der Wirtschaft -

Warum Politik jetzt endlich handeln muss

von Dr. Heinrich Beyer

Vermögensbildung, eine gleichmäßige Vermögensverteilung

und die Teilhabe breiter Bevölkerungskreise am Erfolg und

am Wachstum der Unternehmen sind zentrale Grundpfeiler

der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Mit Blick auf die

Vermögensbildung und die Vermögensverteilung im Heimatland

des Rheinischen Kapitalismus ist jedoch festzustellen, dass es

im Euroraum kein anderes Land gibt, in dem die Kluft zwischen

Arbeit und Kapital so groß ist. Die unteren 40 % der Bevölkerung

verfügen praktisch über kein Nettovermögen, während die

reichsten 10 % fast zwei Drittel des gesamten Privatvermögens

besitzen.

Fakt ist: Die Deutschen bilden nur wenig Vermögen und legen

ihr Geld bevorzugt in Spareinlagen und Tagesgeld an. Diese

Anlageformen leiden jedoch im Vergleich zu Beteiligungen am

Kapital der Unternehmen unter einem klaren Renditenachteil,

der durch die Niedrigzinspolitik weiter verstärkt wird. Es fehlt

in Deutschland an einer Aktien- und Beteiligungskultur, die die

Vermögensbildung der Arbeitnehmer und damit auch die Bildung

von Altersvorsorgekapital nachhaltig stärkt. Zu dieser Entwicklung

hat nicht zuletzt auch die Politik beigetragen.

„Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand”, eines der großen

sozialpolitischen Projekte der siebziger und achtziger Jahre, ndet

heute fast nicht mehr statt. Dabei zielte das Gesetz nicht nur auf

die Förderung der Gering- und Durchschnittsverdiener, es bot

zudem hochrentierliche Anlageformen für die Einlagen der Sparer:

vom Aktiensparplan bis hin zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung.

An die Stelle einer aktiven Vermögensbildungspolitik ist die

Förderung der Altersvorsorge (Riester und bAV) getreten. Dabei

ießen die Einlagen aber fast ausschließlich in niedrigrentierliche

Anlageformen. Das derart erwirtschaftete Altersvorsorgekapital

bleibt im Vergleich zu kapitalmarktbasierten Produkten weit

zurück.

Schließlich hat das Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz von

2009 kaum Wirkung gezeigt. Das Gesetz kam zur falschen Zeit

(Finanzkrise) und hat die steuerlichen Rahmenbedingungen nur

ansatzweise verbessert.

Angesichts der ungleichen Vermögensverteilung sehen immer

mehr Deutsche hier gravierende Dezite, die das Vertrauen in

unsere Wirtschaftsordnung schwächen. Es ist Aufgabe der Politik

und der Sozialpartner, die Bedingungen für eine nachhaltige

Vermögensbildung durch Mitarbeiterkapitalbeteiligung deutlich

zu verbessern.

Wir als Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung sind überzeugt,

dass durch eine weitergehende Förderung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung

wesentlich mehr Arbeitnehmer zu

Anteilseignern werden, weite Teile der Bevölkerung am Erfolg

und am Wachstum der Unternehmen partizipieren und derart

die auseinandergehende Schere zwischen Arbeit und Kapital

begrenzt werden kann.

Darüber hinaus ist die Mitarbeiterkapitalbeteiligung ein

unternehmerisches Thema ersten Ranges. Die Unternehmen

schaffen sich durch die Ausgabe von Aktien oder – im

4 AGP Mitteillungen 2016

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