FORUM_3_2015

sorant

Geodätisch.

Frei.

Beruflich.

41. Jahrgang

2015

ISSN 0342-6165

Zeitschrift des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e.V. | www.bdvi-forum.de HEFT 3/2015

Flurbereinigung

Neues vom Lande

und vom Wasser

Digital Natives

E-Learning –

die schlaue Art, zu lernen.

»Generation Y«

Germanys next

Top-ÖbVIs

DPAG PVSt G 50591 »Entgelt bezahlt« BDVI Berlin


FORUM

41. Jahrgang, 2015, Heft 3

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn man mit der Erstellung einer Zeitschrift beschäftigt ist – ohne Journalist zu sein –, hinterfragt

man von Zeit zu Zeit die eigene Arbeit äußerst kritisch. Ist das, was man schreibt, für die Leser von

Interesse? Transportiert man die Idee des Berufsverbandes in ausreichendem Maße, denn schließlich

ist man ja eine berufsständische Veröffentlichung? Ist die grafische Darreichungsform ansprechend,

kommt jeder, der möchte, zu Wort, wird keiner hervorgehoben und, und und …

Letztlich findet man zwar auf alles eine Antwort, aber ob diese der Realität entspricht, ist nicht immer gewiss. Zum

einen, wie schon geschrieben, ist man kein ausgebildeter Journalist und zum anderen steckt man tief im Produktionsprozess,

neigt also zur Betriebsblindheit. Aus genau diesen zwei Gründen können auch die Redaktionskollegen

nur in begrenztem Umfang weiterhel fen. Aber wen fragt man? Es benötigte einen externen Experten um auf recht

Naheliegendes zu kommen: Fragen wir doch den Leser! Nicht, dass der FORUM-Redaktion diese Idee nicht selbst

schon einmal gekommen wäre, die nun vorgeschlagene Form ist es. Denn: wir berufen einen Leserbeirat ein. Eine be -

grenzte Zahl von Lesern erklärt sich bereit, jedes der kommenden vier Hefte in aller Tiefe zu lesen und anhand eines

Fragebogens auszuwerten. Auf der Mitgliederversammlung im Rahmen der DACH 2015 und in den anschließenden

Tagen konnten folgende Leserinnen und Leser »überredet« werden, diese Jahresaufgabe zu übernehmen: Sabine Lipp,

Frank Maraite, Jens Gabler, Jens Roschke, Martin Petry, Dieter Seitz und Heinrich Tilly. In Heft 4/2015 werden die

Kollegen in einem eigenen Beitrag vorgestellt und der Fragebogen veröffentlicht. Vielleicht gibt es ja noch den

einen oder anderen fakultativen Teilnehmer. Den Leserbeiräten sei an dieser Stelle schon jetzt herzlich für ihre

Bereitschaft gedankt, das FORUM zu sezieren. Wir sind sehr gespannt auf die ersten Rückmeldungen.

Eine andere Frage, die man sich als autodidaktischer Fachjournalist stellt, ist die, ob einen die großen Plagen der

gelernten Zeitungsmacher auch treffen können. Falschmeldungen, Wegbruch der Annoncenkunden oder gar …

tadaaa! das Sommerloch! Wikipedia schreibt hierzu, das Sommerloch sei eine Bezeichnung, »(…) für eine nachrichten -

arme Zeit, die vor allem durch die Sommerpause der politischen Institutionen und Sportligen, ferner auch der kulturellen

Einrichtungen bedingt ist (…).« Aha. Dann kann man beruhigt sein. Denn die FORUM-Berichterstattung

hängt nicht an der Nadel irgendwelcher Sportligen oder kultu reller Einrichtungen. Und das Maß der Korrelation zu

den politischen Institutionen und der daraus resultierende Veröffentlichungs bedarf ist jahreskonstant beherrsch bar.

Insofern sind die Themen des vorliegenden Heftes so vielfältig wie die Anforderungen an den Freien Beruf eben

sein können: Flurbereinigung in verschiedenen Zusammenhängen mit H 2 O, eine Charakterstudie der künftigen

ÖbVI-Generation, Beiträge zu neuen Ausbildungsverfahren, eine Kongressnachlese, der obligate Beitrag der Justi -

ziare und viele mehr.

Wir wünschen kritische Freude an der Lektüre und verweisen, nicht ohne Stolz darauf, dass dieses Heft vollständig

ohne ein Sommerlochtier auskommt.

Wer braucht schon einen Problembären »Bruno«?

Wir nicht!

Wir haben ja schließlich ALKIS®.

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3


IN DIESEM HEFT

IN DIESEM HEFT

41. Jahrgang, 2015, Heft 3

FORUM

Editorial

Andreas Bandow 1

LSA VERM

Zeitschrift für das Öffentliche Vermessungswesen

in Sachsen-Anhalt

Karin Schultze 52

Buchbesprechung: Bewertung von Grundstücken

mit Anlagen erneuerbarer Energien

Windenergieanlagen, Photovoltaikanlagen, Biogasanlagen

unter Berücksichtigung aller EEG bis 2014

Walter Schwenk 54

Nachruf 54

Veranstaltungskalender 57

Jobbörse 60

Impressum 64

TECHNIK

Vom Schutz vor dem Wasser und

dem Schutz für Gewässer

Aktuelle Aufgaben der Flurbereinigung in der Praxis

Christoph König | FORUM-Redaktion 4

Das Flurbereinigungsverfahren

Große Grabenniederung im Land Brandenburg

Flurbereinigung und Naturschutz

Tobias Wienand 6

Flurbereinigung zur Unterstützung

des Hochwasserschutzes

im Regierungsbezirk Düsseldorf

Ralf Wilden 10

Flurbereinigung

und Wasser

Jetzt aber. In Heft 3 gewinnt das Jahresthema an Fahrt und kommt

umfangreich und vielschichtig daher. König versammelt Wienand

und Wilden, um über Flurbereinigung und Wasser zu referieren.

Einmal als Bedrohung und dessen Abwehr und einmal als Rast- und

Brutgebiet für Wasservögel. Lesenswert und informativ. Jetzt im

Fluss bleiben. Meer davon!

Nachwuchssorgen

16

Wir werden immer weniger. Nicht der Einzelne – der wird in einigen

Fällen sogar immer mehr – nein, der geodätische Beruf fin det

so recht keinen Nachwuchs mehr. Daher ist es wichtig, dass man

die jungen Menschen da abholt, wo sie sind und wo sie einen verstehen.

Bzw. wo sie einen verstehen wollen. Wittig beschreibt nun

das Lernen, z. B. von geodätischem Lehrstoff auf der Grundlage von

webbasierten Inhalten. E-Learning als Instrument der Zukunft.

Spannend und voller Möglichkeiten. Cool! Bzw. E-Cool!

»Generation Y« 22

»Generation Y«? Was mag das wohl sein? »Generation Golf« hat man

schon gehört, »Generation X« und »Generation doof« auch. Aber Y?

Wikipedia sagt: Zur »Generation Y« gehören all diejenigen, die zwi -

schen 1977 und 1998 geboren wurden. Ach

so? Traunfelder und Keddo-Kilian ha ben,

vermutlich unter Zuhilfe nah me von

Versuchspersonen, heraus gear bei tet,

was passiert, wenn ein An gehö ri ger

der »Generation Y« versehentlich

oder mit Absicht mit der Geodäsie in

Be rüh rung kommt. Man lernt Erstaun -

liches. Tipps für Umgang, Aufzucht,

Haltung und Pflege eines Yps inklusive.

Aber ohne Gimmick.

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IN DIESEM HEFT

Rechnungen

Jeder, der schon einmal einen Steuerberater konsultiert hat, kennt

das Problem: Wie hat eine richtige Rechnung auszusehen? Was kann

ich in Rechnung stellen, was darf ich nicht in Rechnung stel len?

Und was verstößt wohl gar gegen die guten Sitten? Holthausen

stellt klar, wie eine richtige Rechnung auszusehen hat, wie die

Leistung zu beschreiben ist und hilft auch sonst im Dschungel der

offenen Forderungen. Weiterhin fraglich bleibt, ob Sie auf einem

Restaurantbeleg wirklich den Papst und Dagmar Berghoff als bewirtete

Personen angeben sollten. Mehrmals im Jahr. Da hilft dann

doch wohl wieder nur der Steuerberater.

DACH 2015

Nein, wenn Sie auf dem

dies jährigen BDVI-Kon -

gress, der gleich zeitig auch

eine Drei ländertagung be -

inhaltete nicht anwesend

waren, dann hilft Ihnen der

Text von Ullner auch nicht,

die vielfältigen Eindrücke

eins zu eins nachzuvoll -

ziehen. Aber er kann an -

re gen, darüber nach zu -

denken, das nächste Jahr

zum Kongress zu kommen.

Kollege Ludin kommt zu

Wort – und ihm hat es

gefallen. Mi chael Zurhorst

kommt auch zu Wort –

und sieht auf den Fotos so

aus, als hätte es ihm auch

gefallen. Kommen Sie doch

das nächste Mal auch!

Nicht nur zu Wort, sondern

nach Potsdam, zum

BDVI-Kongress 2016. Es

wird Ihnen auch gefallen.

ALKIS-Einführung

28

44

39

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. So weit, so bekannt. Doch

es stellt sich die Frage, ob eine Wurst ein gutes und ein schlech -

tes Ende haben kann. Gleichzeitig. Man substituiere nun »Wurst«

mit »ALKIS-Einführung« und lasse diejenigen zu Wort kommen,

die es gerade erleben. Lesen Sie die Erfahrungen von Wehmeyer

und Rose und vergleichen Sie. Ist es in Ihrem Bundesland besser?

Oder schlechter? Und: nein, es geht schon seit 41 Wörtern nicht

mehr wirklich um Wurst. Das haben Sie falsch verstanden.

BILDUNG

Ausbildung zum Vermessungstechniker –

eine neue Herausforderung?

Nachwuchssorgen ernst nehmen!

Jürgen Wittig 16

Geodäsie im Spiegel des DQR

Hubertus Brauer 19

Von Kirschkernen, gestohlenen Schatzkarten

und Sprüngen mit dem Daumen

Nachwuchswerbung mit dem VDIni-Club

Jörg Burchardt | FORUM-Redaktion 56

MANAGEMENT

Die »Generation Y« und die Vermesserwelt

Der GenYler als Nachfolger eines ÖbVI-Büros

Miriam Traunfelder, Lisa Keddo-Kilian 22

RECHT

Das kleine 1x1 der Rechnung oder: Was ich schon

immer über Rechnungen wissen wollte

Rüdiger Holthausen 28

VERBAND

Eine Karriere. Viele Möglichkeiten.

Für außergewöhnliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Positionspapier von BDVI, DVW und VDV 34

DACH 2015 in Kempten (Allgäu)

Grenzen überschreiten (wir)

Martin Ullner | FORUM-Redaktion 44

KATASTER

Der Ausstieg vom Einstieg

Rudolf Wehmeyer, Andreas Rose 39

REPORT

Zukunftsthemen in Mecklenburg-Vorpommern

Frank Reichert 42

IMMOBILIEN

Die Welt zu Gast bei Freunden …

TEGoVA General Assembly Spring 2015 in Berlin

Wolfgang Glunz 50

MOSAIK 64

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TECHNIK

Vom Schutz vor

dem Wasser und

dem Schutz für

Gewässer

Die bisherigen Berichte und Stellungnahmen im Rahmen des Jahresthemas rund um die Flur -

bereinigung haben es schon deutlich gezeigt: Es geht bei der Flurbereinigung nicht mehr

nur um die Landwirtschaft. Im Fokus aktueller Verfahren steht häufig die Lösung von Landnutzungskonflikten

rund um verschiedenste Maßnahmen zur Schaffung von Infrastrukturen und

zur Unterstützung von Vorhaben aus dem Umwelt- und Naturschutz. Dies zeigen stellvertretend

auch zwei Verfahren, die in der aktuellen FORUM-Ausgabe vorgestellt werden.

Ralf Wilden von der Bezirksregierung Düsseldorf beschreibt, in welcher Form die Flurbereinigung

den Hochwasserschutz am Rhein effektiv unterstützen kann, sodass zukünftig vergleich bare

Schäden wie bei zuletzt vermehrt auftretenden sogenannten Jahrhundertfluten reduziert werden

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TECHNIK

Aktuelle Aufgaben der

Flurbereinigung in der Praxis

CHRISTOPH KÖNIG | FORUM-REDAKTION

können. Deutlich unterstreicht Wilden dabei auch die Bedeutung der Moderation zwi schen den

Beteiligten über die eigentlichen Aufgaben der Flurbereinigung hinaus.

Dem Hochwasserschutz steht nicht entgegen, dass den Gewässern an anderer Stelle wieder größe -

rer Raum gegeben wird, um sich auszubreiten und so beispielsweise bedrohte Vogelarten geschützt

werden können. Dies erläutert Tobias Wienand von der Obersten Flurbereinigungsbehörde in

Brandenburg anhand eines Flurbereinigungsverfahrens zur Unterstützung des Naturschutzes entlang

der Unteren Havelniederung im westlichen Brandenburg. Besonders hebt Wienand hervor,

dass die Neuordnung im Zuge von Naturschutzmaßnahmen auch für die betroffenen Landwirte

positive Effekte haben kann.

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TECHNIK

Das Flurbereinigungs verfahren

Große Grabenniederung

im Land Brandenburg

Flurbereinigung und Naturschutz

TOBIAS WIENAND | POTSDAM

Die Untere Havelniederung bildet das größte zusammenhängende Feuchtgebiet im Binnen land Mittel -

europas. 1.500 km² der Niederung wurden einst bei den jährlichen Hochwässern regelmäßig überflutet

und boten ideale Rast- und Brutgebiete für Wasservögel. Auch wenn heute weite Teile durch Ein -

deichung von der Überflutung abgeschnitten sind, nutzen weiterhin große Schwärme nordischer Gänse,

zahlreiche Enten arten und Watvögel das Gebiet auf dem Durchzug.

Die Niederung der Unteren Havel ist heute charakterisiert durch eine Vielzahl fließender, stehender, zeitweilig

durchströmter und temporärer Gewässer. Die großen Flachwasserseen sind von vielgestal tigen Verlandungs -

zonen umgeben, an die sich ausgedehnte Wiesen und Weiden unterschiedlichster Art anschließen. Die Tierund

Pflanzenwelt der Unteren Havelniederung beeindruckt durch bislang über 1.000 nachgewiesene ge -

fährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten. Grundlage für diese Artenvielfalt ist die hohe Dichte an

unterschiedlichen Lebensräumen. Die auch für den erholungs suchenden Menschen sowohl vom Wasser

wie vom Lande aus sehr attraktive Landschaft bietet Arten wie Biber und Fischotter, Seeadler und Weiß -

storch ideale Lebensbedingun gen. Während des Vogelzuges rasten hier bis zu 90.000 nordische Bless- und

Saatgänse.

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3


TECHNIK

Große Grabenniederung

AUSGANGSLAGE IN DER

GROSSEN GRABENNIEDERUNG

Die Große Grabenniederung liegt in der Niederung der Unteren

Havel im Westen des Landes Brandenburg und dort im Natur -

schutzgebiet »Untere Havel-Nord«, ist Bestandteil des Feuchtge -

bietes von internationaler Bedeutung (FIB) und gehört zum euro -

päischen Vogelschutzgebiet »Niederung der unteren Havel« (SPA).

Langfristig wurden in diesem Gebiet zur Verhinderung der weite -

ren Moorbodenzersetzung und zur Sicherung der überregio nal

bedeutenden Brutbestände einer Vielzahl geschützter Arten der

EU-Vogelschutzrichtlinie Vernässungsmaßnahmen durch ge führt,

die in tiefer liegenden Bereichen die landwirtschaft liche Nut -

zung stark beschränken und zu Nutzungskonflikten zwi schen den

Interessen des Naturschutzes und der Landwirt schaft führen.

Die ehemals intensive Bewirtschaftung der Großen Gra ben nie -

derung wurde durch die eingeschränkte Nutzung der Schöpf -

werke nach 1990 aufgegeben. Seit diesem Zeitpunkt werden

aus den genannten Gründen die Wasserstände in den Winterund

Frühjahrsmonaten hochgehalten, um eine halbjährliche

Vernässung weiter Teile der Niederung zu erreichen. Aus betriebs -

wirtschaftlichen Gründen passten die Landwirt schafts betriebe

ihre Bewirtschaftung den hydrologischen Verhältnissen an. Eine

Extensivierung der Flächen setzte ein. Im Rah men des Vertrags -

naturschutzes erfolgen zwar Entschädigungszahlungen an die

betroffenen Nutzer. Schon heute be finden sich im Gebiet jedoch

Bereiche, die dauerhaft bzw. temporär vernässt sind und

landwirtschaftlich nicht mehr genutzt werden können.

Die Wasserstandsregelung soll mit dem Ziel des Moorbodenschutzes

weiter optimiert werden, sodass perspektivisch eine

landwirtschaftliche Nutzung der noch weiter zu vernässenden

Flächen sowohl aus landwirtschaftlicher als auch aus na tur -

schutzfachlicher Sicht nicht zielführend ist. Die daraus resultierenden

unterschiedlichen Nutzungsansprüche können nur

mit dem Instrument der Flurbereinigung zu einem nachhaltigen

bodenordnerischen Ausgleich gebracht werden.

Im Zusammenhang mit dem Planfeststellungsverfahren »Ge -

wässerrandstreifenprojekt Untere Havelniederung zwischen

Pritzerbe und Gnevsdorf in den Ländern Sachsen-Anhalt und

Brandenburg« sind zudem umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen

geplant.

FLURBEREINIGUNGSVERFAHREN

GROSSE GRABENNIEDERUNG

Vor diesem Hintergrund hat das Landesumweltamt Brandenburg

am 6. Mai 2009 die Einleitung eines vereinfachten Flur be reini -

gungs verfahrens nach § 86 Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) für

den Bereich der Großen Grabenniederung im Naturpark West -

havelland beantragt. Mit Beschluss des Landesamtes für Länd -

liche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Neurup -

pin vom 11. Juni 2009 erfolgte die Anordnung eines Flur bereini -

gungsverfahren gemäß § 86 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 2 FlurbG und

den Bestimmungen des Brandenburgischen Landent wick lungs -

gesetzes (BbgLEG) auf einer Fläche von 3.188 ha. Im Verfahrens -

gebiet werden ca. 65 % der Fläche als Acker und ca. 33 % als

Grünland genutzt. Ca. 4 % der Fläche werden von Wald und

Gewässer eingenommen.

Das vereinfachte Verfahren nach § 86 FlurbG ermöglicht neben

dem Zusammenlegungsverfahren (§§ 91 ff. FlurbG) und dem

freiwilligen Landtausch (§ 103 a ff.) ein beschleunigtes Verfah -

Große Grabenniederung

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3


TECHNIK

ren. Mit dem vereinfachten Verfahren nach § 86 FlurbG kann

neben der Stabilisierung wettbewerbsfähiger land- und forst -

wirtschaftlicher Betriebe insbesondere den Belangen des Natur -

schutzes und der Landschaftspflege Rechnung getragen werden.

Die Anordnung eines Verfahrens nach § 86 FlurbG setzt aber

ebenso wie die Anordnung einer Regelflurbereinigung voraus,

dass das Verfahren in erster Linie privatnützigen Zwecken dient,

hinter denen fremdnützige Zwecke im Konfliktfall zurücktreten,

und dass ein objektives Interesse der Teilnehmer im Sinne des

§ 4 FlurbG gegeben ist.

Hauptziel des Verfahrens ist es, mit den Instrumenten der Flur -

bereinigung alle konfliktträchtigen Flächen im Zielbereich in

Landeseigentum bzw. Eigentum des Naturschutzbunds Deutsch -

land e. V. zu überführen. Hierfür stehen umfangreiche Austausch -

flächen des Landes Brandenburg und des Naturschutz bundes

Deutschland e. V. (rund 1.043 ha) zur Verfügung. Davon liegen

rund zwei Drittel bereits in und rund ein Drittel außerhalb der

Zielkulisse. Weiterhin besteht die Möglichkeit im Rahmen des

Verfahrens für den Naturschutz Flächen nach § 52 FlurbG zu

erwerben. Diese können dann in die naturschutzrelevanten bzw.

für den Landschaftswasserhaushalt besonders wertvollen Flä -

chen gelegt werden und entsprechend der naturschutzfach -

lichen Ziele weiterentwickelt werden. Im Gegenzug werden alle

privaten Eigentümer aus der Zielkulisse des Vernässungsge bietes

herausgetauscht. Auf diese Weise bekommt die Naturparkverwaltung

die Chance ihre Ziele

Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes mit dem Ziel

des Wasserrückhaltes und einer moorschonenden extensi -

ven Nutzung,

Neuordnung der Landesflächen in dauerhafte und temporäre

Vernässungsbereiche und in naturschutzfachlich wertvolle

Bereiche,

Nutzungsaufgabe von dauerhaft vernässten Flächen,

Aufrechterhaltung einer abgestuft extensiven Nutzung und

Pflege gemäß Schutzzielen sowie Herstellung eines ausgewogenen

Interessenausgleichs zwischen den einzelnen Nut -

zungsansprüchen

im Gebiet zu realisieren und die gegenwärtigen und zukünftigen

Konflikte minimieren zu können.

In diesem Zusammenhang wurden gemeinsam mit dem Land

Brandenburg (Naturpark Westhavelland) sowie den Vertretern

des Naturschutzbunds Deutschland e. V. entsprechende Zielbereiche

definiert:

Tausch aller Flächen des Landes in das definierte Kernge biet/

Zielgebiet (Bereich A)

Bereitstellung von Flächen für Maßnahmen an der Havel

(Bereich B)

Zielbereiche

Zuteilung der Eigentümer aus dem Kerngebiet in An lehnung

an die vorhandenen Bewirtschaftungs strukturen (Bereich C)

Von großer Bedeutung sind auch die Interessen der im Gebiet

wirtschaftenden Landwirte, denen durch die Planung des Na -

turparkes Westhavelland ein erheblicher Teil der landwirt schaft -

lichen Nutzfläche entzogen wird.

Weitere Gründe für ein Flurbereinigungsverfahren sind Erschließungsdefizite,

die durch großflächige Meliorationsmaßnahmen

und mit dem Bau von Wegen unbeachtlich der Eigentumsstruktur

verursacht wurden. Für 287 Flurstücke mit einer

Fläche von rund 350 ha ist die rechtliche Erschließung nicht

gewährleistet. Neben diesem Erschließungsmangel wurden in

einem erheblichen Umfang Anlagen mit öffentlicher Zweckbe -

stimmung auf fremden Grund und Boden errichtet. Insgesamt

verlaufen rund 80 km Gräben über fremden Grund und Boden.

Das sind 64 % des gesamten Grabensystems mit einer Länge

von 125 km. Von den vorhandenen Wegen verlaufen ca. 30 km

über fremde Grundstücke. Das sind bei einem Umfang von ins -

gesamt 66 km Wegen 45 %. Darüber hinaus besteht aus agrar -

struktureller Sicht und aus Interessen des Landes zur Umsetzung

der Naturschutzmaßnahmen auch ein erheblicher Arron -

dierungsbedarf der jetzt zersplitterten Eigentumsflächen.

Weitere Ziele im Verfahrensgebiet sind somit insbesondere:

Neuordnung des Eigentums in Übereinstimmung mit den

natürlichen Grenzen

Zusammenlegung von Splitterbesitz, möglichst unter Beachtung

der Pachtverhältnisse zur Schaffung arrondierter Bewirtschaftungseinheiten

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3


TECHNIK

Altbestand

Neubestand

Erschließung der neu zu bildenden Flurstücke durch Wege

Beseitigung von Zerschneidungsschäden

In der künftigen Eigentumsstruktur wird sich zudem die Zo nie -

rung des Naturschutzgebietes widerspiegeln.

Im Ergebnis der in den Jahren 2010 und 2011 erfolgten Ge sprä -

che mit den Eigentümern (sogenannter Planwunschtermin)

konnte auf Basis der am 30. Juli 2010 festgestellten Wertermitt -

lung die Neuzuteilung im Verfahrensgebiet erfolgen. Da im Verfahrensgebiet

Böden unterschiedlicher Qualitäten vorkommen

und viele Eigentümer mit ihren Flächen im Kerngebiet (Be reich

A) liegen, konnte im Rahmen der Zuteilung nicht immer eine

Ausweisung in der gleichen Nutzungsklasse erfolgen.

Zur beschleunigten Durchführung des Verfahrens wurde im Er -

gebnis der Zuteilung am 17. Juni 2014 die vorläufige Besitz wei -

sung gemäß § 65 FlurbG erlassen. Mit den in den Überlei tungs -

bestimmungen definierten Zeitpunkten haben die Beteiligten

den Besitz, die Verwaltung und Nutzung der neuen Grundstücke

erhalten und den Besitz, die Verwaltung und Nutzung der alten

Grundstücke verloren. Insbesondere treten die Erzeugnisse

der neuen Grundstücke in rechtlicher Beziehung an die Stelle

der Erzeugnisse der alten Grundstücke. Im Ergebnis konnte die

Anzahl der Flurstücke von rund 1.600 auf 613 reduziert werden.

Zurzeit wird der Flurbereinigungsplan nach § 58 FlurbG er -

arbeitet. Der Flurbereinigungsplan fasst die Ergebnisse des Verfahrens

zusammen, bestimmt wie das Flurbereinigungsgebiet

tatsächlich und rechtlich neu gestaltet wird und ist Grundlage

für die Berichtung des Grundbuchs und der sonstigen öffent -

lichen Bücher.

ERGEBNIS

Neben der Ausweisung der Eigentumsflächen des Natur schutz -

bunds Deutschland e. V. in naturschutzfachlich bedeutsame

Bereiche der Havelniederung, die auch für die Umsetzung des

Gewässerrandstreifenprojektes »Untere Havelniederung zwi -

schen Pritzerbe und Gnevsdorf in den Ländern Sachsen-Anhalt

und Brandenburg« von Bedeutung sind, konnten ca. 1.107 ha

Fläche für das Land Brandenburg hauptsächlich in der Kernzo -

ne der Großen Grabenniederung eigentumsrechtlich ge sichert

werden. Darüber hinaus konnten auf einer Länge von zwölf km

Deichanlagen erstmalig dem Eigentum des Landes Brandenburg

(Landesgewässerverwaltung) zugeordnet werden.

Mit der Neuordnung einhergegangen ist eine Verbesserung der

Bewirtschaftungsstruktur der Landwirtschaftsbetriebe insbe -

sondere dadurch, dass die Eigentums- und Pachtflächen hauptsächlich

aus der Kernzone (Bereich der größten Vernässung) herausgetauscht

wurden.

Aufgrund ihres umfassenden Neuordnungsauftrages für länd -

lichen Grundbesitz ist das Instrument der Flurbereinigung mit

vielfältigen Möglichkeiten ausgestattet, die raumbedeutsamen

Planungen des Naturschutzes zu unterstützen.

Tobias Wienand

Ministerium für ländliche Entwicklung,

Umwelt und Landwirtschaft des Landes

Brandenburg

tobias.wienand@mlul.brandenburg.de

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3


TECHNIK

Flurbereinigung

zur Unterstützung

des Hochwasserschutzes

im

Regierungsbezirk

Düsseldorf

RALF WILDEN | MÖNCHENGLADBACH

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3


TECHNIK

Im FORUM 2/2015 wurde das Instrument der Flurbereinigung aus der Sicht der ÖbVI be -

leuchtet. Die hierzu befragten ÖbVI haben betont, dass die Flurbereinigung heute und auch

in der Zu kunft eine große Bedeutung hat. Dabei wurde auch das breite Spektrum der Einsatz -

bereiche aufgezeigt, das in den Bundesländern unterschiedlich ausgeprägt ist. In dem vorliegenden

Artikel wird ein Einsatzbereich der Flurbereinigung beleuchtet, der für die nächsten Jahre

einen Schwer punkt im Regierungsbezirk Düsseldorf bildet: Flurbereinigungsverfahren zur Unterstützung

des Technischen Hochwasserschutzes.

Zuerst werden Grundzüge des Hochwasserrisikomanagements, wie es seit 2007 durch die EU vor -

geschrieben ist, beschrieben. Danach wird auf den Zeitplan für die Umsetzung des technischen

Hochwasserschutzes am Rhein im Regierungsbezirk Düsseldorf und den Beitrag der Flurbereinigung

hierzu eingegangen.

11

3


TECHNIK

BEDEUTUNG DES HOCHWASSERSCHUTZES

Das Thema Hochwasserschutz rückt im wahrsten Sinne des Wor -

tes in Wellen ins öffentliche Bewusstsein, zuletzt während des

verheerenden Frühjahrshochwassers 2013 an Donau, Elbe und

Saale mit Schäden in Milliardenhöhe.

Während die Bedeutung des Themas auf medialer Ebene schnell

wieder verebbt und aus dem Bewusstsein weiter Teile der Be völ -

kerung – nämlich derer, die nicht unmittelbar betroffen sind –

schwindet, hat der Hochwasserschutz auf politischer und administrativer

Ebene eine gleichbleibend – wenn nicht sogar zu -

nehmend – hohe Bedeutung. Aufgrund der infolge des Klima -

wandels prognostizierten zunehmenden Niederschläge werden

Hochwasserereignisse mit steigenden Wassermengen erwartet

(MKULNV, 2010).

HOCHWASSERRISIKO-MANAGEMENT

Hochwasserschutz hat am Rhein eine lange Tradition. Jedoch

waren Bau, Unterhaltung und Verteidigung der Deiche lange

Zeit heterogen organisiert. Erst in jüngerer Zeit wurden Kon -

zep te zu einem abgestimmten Vorgehen entwickelt, z. B. in NRW

das 1996 vorgelegte und mehrfach fortgeschriebene Hoch -

wasserschutzkonzept. Die Europäische Union hat 2007 mit der

Hochwasserrisiko-Management-Richtlinie (EG-HWRM-RL) den

gesetzlichen Rahmen für den Hochwasserschutz in den Mitgliedstaaten

erstmals einheitlich vorgegeben und den Begriff

des »Hochwasserrisiko-Managements« verbindlich eingeführt.

Die Bundesrepublik Deutschland hat die Regelungen der EU-Richt -

linie 2010 in das Wasserhaushaltsgesetz (Kapitel 6, §§ 72 – 81)

übernommen. Es ist ein dreistufiges Verfahren vorge schrie ben:

1|In der bis Ende 2011 durchzuführenden Vorläufigen Bewertung

(Art. 4,5 EG-HWRM-RL und § 73 WHG) wurden Ge -

wäs ser mit signifikantem Hochwasserrisiko herausgefiltert.

In NRW hat das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft,

Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV) ge mein -

sam mit den Bezirksregierungen den »Bericht zur vorläufigen

Bewertung nach der EG-Hochwasserrisiko-Manage ment-

Richtlinie in NRW« (MKULNV 2011) vorgelegt. Hierin sind für

die Flussgebiete und Teileinzugsgebiete Information hinter -

legt zu den einzelnen Gewässern, zu Flächennut zung, Topo -

grafie, Geologie und Klima, zu Hydrologie und Ab flussge -

sche hen und zu vorhandenen Hochwasserschutzplanungen.

2|Bis Ende 2013 waren die Mitgliedstaaten verpflichtet, Hoch -

wassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten zu erstellen

(Art. 6 EG-HWRM-RL und § 74 WHG).

Die Hochwassergefahrenkarten zeigen das Ausmaß (mög -

liche Ausdehnung und Tiefe) einer Überflutung für die drei

Hochwasserszenarien

Hochwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit –

HQ häufig

Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit –

HQ 100

Hochwasser mit niedriger Wahrscheinlichkeit –

HQ extrem.

Die Hochwasserrisikokarten stellen – ebenfalls für die drei

Sze narien – die durch Hochwasser bedrohten Nutzungen

farb lich dar (s. Abbildung 1).

3|Bis Ende 2015 müssen Hochwasserrisiko-Managementpläne

erstellt werden (Art. 7,8 EG-HWRM-RL und § 75 WHG). Hie -

Landseite

In der Hochwassergefahrenkarte (links) erkennt man in blauer Färbung, dass bei einem Hochwasserereignis mit mittlerer Wahrscheinlichkeit

– HQ 100 – die linksrheinisch im Rheinvorland gelegenen Rheinwiesen überflutet werden (Farbton zeigt die Wassertiefe). Für den Fall eines

Schadensereignisses zeigt die gelbe Färbung, dass der linksrheinische Stadtteil Oberkassel sowie ein Bereich der rechtsrheinisch gelegenen

Altstadt überflutet werden können. Die Hochwasserrisikokarte (rechts) stellt für diese Bereiche die jeweiligen Nutzungen in unterschiedlichen

Farben sowie die Anzahl der gefährdeten Einwohner im ungeschützten Bereich dar.

gepl. Zaun

OK vorh. Gelände

vorh. Boden

0,30

30 cm Oberbodenabdeckung

mit Raseneinsaat

1:3,5

Dränkörper

Abbildung 1 | Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten

für den Bereich der Düsseldorfer Innenstadt

Abbildung 3 | Regelquerschnitt eines

modernen Deiches

12

3


TECHNIK

rin werden Ziele und Maßnahmen zum Hochwasserschutz

festgelegt. In den Managementplänen sind Maßnahmen –

gegliedert nach Maßnahmentypen (Flächenvorsorge, Natürlicher

Wasserrückhalt, Technischer Hochwasserschutz, Vorsorge,

Nachsorge) – festgelegt. Die Managementpläne werden

für Flussgebietseinheiten aufgestellt und liegen in NRW

im Entwurf vor.

TECHNISCHER HOCHWASSER-

SCHUTZ AM RHEIN IM

REGIERUNGSBEZIRK DÜSSELDORF –

FAHRPLAN DEICHSANIERUNG

Aussagen zu Hochwasserschutzmaßnahmen für den im Regie -

rungsbezirk Düsseldorf gelegenen Teil des Rheins finden sich in

dem im Entwurf vorliegenden »Beitrag zum Hochwasserrisiko-

Managementplan Rhein (NRW) für das Teileinzugsgebiet Rhein -

graben-Nord« (MKULNV 2015) als Maßnahme »T02 Umsetzung

bereits bestehender Konzepte und von Einzelmaßnahmen des

Technischen Hochwasserschutzes«. Dort ist Bezug ge nommen

auf den Fahrplan Deichsanierung. Dahinter verbergen sich ehr -

geizige Ziele des Landes, den Ausbau der Hochwasserschutzmaßnahmen

voran zu treiben und zu beschleunigen, sicherlich

beeinflusst durch den noch präsenten Eindruck der enormen

Schäden des Frühjahrshochwassers 2013. Hierzu hat das Land

NRW am 31. Oktober 2014 mit der Bezirksregierung Düsseldorf

und den Deichverbänden und Kommunen im Re gierungsbezirk

Düsseldorf einen Sanierungsplan für Rhein deiche verabredet.

Ziel des Sanierungsplans ist es, bis 2025 alle Hochwasserschutz -

anlagen am Rhein von Düsseldorf bis Emme rich an die heutigen

technischen Regeln anzupassen. In dem Sanierungsplan sind

40 Planungsabschnitte mit 85 km Deichlänge erfasst, die zwingend

zu sanieren sind.

Abbildung 2 | sanierter Deich bei Wesel-Büderich

UNTERSTÜTZUNG DURCH

FLURBEREINIGUNG

Die Notwendigkeit des Hochwasserschutzes ist gesellschaftlich

weitgehend anerkannt. Der hohe Flächenbedarf für die Sa nie -

rung, Erhöhung und Rückverlegung von Deichen (in der Regel

mit Ver breiterung) steht jedoch meistens in Konkurrenz zu den

Flächenansprüchen der Eigentümer und Bewirtschafter der

Flächen.

Nur selten kann die Flächenverfügbarkeit durch freihändigen

Erwerb sichergestellt werden. Zerschneidungen und Beeinträch -

tigungen von Flächen durch einen veränderten Deichverlauf

sowie durch naturschutzrechtlich notwendige Kompensations -

maßnahmen sind weitere mögliche Konfliktfelder.

Berme mit

Deichverteidigungsweg

5,00

1,00 3,00 1,00

3,0 %

OK DVW

30 cm Oberbodenabdeckung

mit Raseneinsaat

0,30

0,50

1:3,5

Stützkörper

Deichkrone mit

Deichverteidigungsweg

5,00

1,00 3,00 1,00

3,0 %

3,0 % OK DUW 3,0 % OK Deichkrone

1,0 %

1:3,5

Dichtschürze

aus Lehm

2,00 0,30

gepl. Deichkronenhöhe

BHW + 1,00 m

BHW

30 cm Oberbodenabdeckung

mit Raseneinsaat

1:6,0

Wasserseite

gepl. Zaun

OK vorh. Gelände

gepl. Deichlager

Vorh. Auelehmschicht, min. 1,00 m

0,50

min. 1,80

0,60

0,50

13

3


TECHNIK

Deichbau

Genehmigungs -

planung

Planfeststellung

Ausführungsplanung

Baubeginn

Bauende

Frühzeitige

Mitwirkung

Flurbereinigung

Einleitung

Flurbereinigung

örtl. Wert -

ermittlung des

Baufeldes

Bauerlaubniss

ggf. vorl.

Anordnung § 36

ggf. Plan § 41

ggf. Wegebau

ggf. Anpassung Komp.-maßn.

Vermessung

Bodenordnung

Flurbereinigungs

-

plan

Abbildung 4 | Zeitpläne Deichbau und Flurbereinigung

Zur Lösung dieses Landnutzungskonfliktes haben sich die Instrumente

der ländlichen Bodenordnung nach dem Flurbereini -

gungsgesetz (FlurbG) und die Moderationsfunktion der Flur -

bereinigungsbehörde in zahlreichen Verfahren bewährt. Eine

aktuelle Veröffentlichung der Bund-Länder Arbeitsgemeinschaft

Landentwicklung greift dieses Thema in der Schriftenreihe 22

»Strategische Lösungsansätze und Best-Practice-Beispiele« auf

(ArgeLandentwicklung 2014). Darin wird ausführlich auf die

Möglichkeiten der Landentwicklung zur Unterstützung des

Technischen Hochwasserschutzes und des Natürlichen Wasserrückhalts

eingegangen.

Eine Planfeststellung gemäß § 68 WHG als notwendige recht -

liche Grundlage für die Durchführung von Deichbaumaßnahmen

schafft in aller Regel Enteignungsrecht, da die Maßnahmen dem

Wohl der Allgemeinheit dienen. Somit sind die Voraussetzungen

zur Einleitung von Unternehmensflurbereinigungsverfahren

nach § 87 FlurbG gegeben. Die Besonderheiten dieser Verfah -

rensart sind die Möglichkeit, den durch die Maßnahme entstehenden

Landverlust auf einen größeren Kreis von Eigentümern

zu verteilen sowie mithilfe einer vorläufigen Anordnung nach

§ 36 FlurbG dem Deichverband die für die Baumaßnahme be -

nötigten Flächen – notfalls auch gegen den Willen eines Betei -

lig ten – rechtzeitig zur Verfügung zu stellen. Neben dem Unternehmensflurbereinigungsverfahren

hat sich auch das Ver -

einfachte Flurbereinigungsverfahren nach § 86 FlurbG in vielen

Fällen bewährt. Hierbei muss der Deichverband jedoch über

ausreichend Ersatzland verfügen, da eine wertgleiche Landabfindung

nach § 44 FlurbG für alle Teilnehmer garantiert werden

muss und die rechtzeitige Bereitstellung der für den Bau

benötigten Flächen kann nur im Einvernehmen mit den Eigentümern

und Bewirtschaftern erfolgen. Auf die Grundzüge von

Bodenordnungsverfahren zur Realisierung von Deichprojek -

ten sowie die unterschiedlichen Möglichkeiten der beiden Verfahrensarten

geht Stoffels in seinem Aufsatz ausführlich ein

(Stoffels 2013).

Die Zeitplanung eines Flurbereinigungsverfahrens ist auf den

Zeitplan der Deichbaumaßnahme abzustimmen. Die nachfolgende

Abbildung 4 zeigt dies für einige wichtige Meilensteine

im Ablauf der beiden Verfahren.

Eine frühzeitige Einbeziehung der Flurbereinigungsbehörde in

den Planungsprozess des Deichbauvorhabens ist ratsam, damit

der von der Flurbereinigungsbehörde zu vertretende Belang der

Agrarstruktur von Anfang an bei der Planung Berücksichtigung

findet (z. B. bei der Planung notwendiger Überfahrten zur Si -

cher stellung der Erschließung aller Grundstücke). Damit lassen

sich spätere Umplanungen vermeiden. Dringend notwendig ist

die Wertermittlung in der Flurbereinigung für die von der Baumaßnahme

betroffenen Flächen vor Beginn der Baumaßnahmen

(und aller vorbereitenden Arbeiten wie Kampfmittelräumung),

damit eine Beweissicherung für die Einlageflächen mög lich ist.

Die Bestimmung von Sollkoordinaten für den Flurbereinigungs -

plan erfolgt bei der Bezirksregierung Düsseldorf in der Regel pho -

to grammetrisch nach Beendigung der Baumaßnahme. Erst da -

nach kann der Flurbereinigungsplan aufgestellt und bekannt

gegeben werden.

BODENORDNUNGSBEDARF –

RÜCKBLICK UND AUSBLICK

Seit 1999 unterstützt die Flurbereinigungsbehörde im Regie -

rungsbezirk Düsseldorf die Umsetzung von Deichbaumaßnahmen

im Rahmen von Flurbereinigungsverfahren. Bislang wurden

17 Verfahren zu diesem Zweck eingeleitet, von denen neun

noch anhängig sind.

Untersuchungen zum Erfordernis der Flurbereinigung für die

noch zu erneuernde/sanierende Deichlänge von etwa 85 km,

die sich aus dem Fahrplan Deichsanierung ergeben, kommen

zu folgenden Ergebnissen:

14

3


TECHNIK

Von den im Fahrplan Deichsanierung genannten 40 Planungs -

abschnitten werden bereits zwei durch Flurbereinigung begleitet.

Für weitere elf Abschnitte ist die Einleitung von

Flurbereinigungsverfahren beabsichtigt. Für fünf dieser Verfahren

laufen bereits vorbereitende Arbeiten.

Die Länge dieser Planungsabschnitte beträgt mit 40 km fast

50 % der zu erneuernden/sanierenden Bereiche.

Damit sind in den nächsten fünf bis sechs Jahren mindestens

zwei Flurbereinigungsverfahren für den Hoch was ser schutz

pro Jahr einzuleiten und zeitnah (vgl. Abbildung 3) abzuarbeiten.

Die Verfahren verlangen eine prioritäre Behandlung, damit

rechtzeitig vor Baubeginn Bauerlaubnisverhandlungen und

notwendige Arbeiten der Wertermittlung durchgeführt

werden können.

Einen Überblick über die bereits durchgeführten und geplanten

Flurbereinigungsverfahren zur Unterstützung des Hochwasserschutzes

im Regierungsbezirk Düsseldorf zeigt Abbildung 5.

ZUSAMMENFASSUNG

Abgeschlossene Verfahren

Laufende Verfahren

Verfahren in Vorbereitung

Verfahren mittelfristig

einzuleiten (unbeschriftet)

Abbildung 5 | Flurbereinigungsverfahren zur Unterstützung

des Deichbaus im Regierungsbezirk Düsseldorf

Der Technische Hochwasserschutz ist wichtiger Handlungsbe -

reich des Hochwasserrisiko-Managements, das zum Jahres ende

EU-weit in Hochwasserrisiko-Managementplänen fixiert sein

wird. Im Regierungsbezirk Düsseldorf werden seit 1999 Deich -

bau vorhaben durch Flurbereinigungsverfahren unterstützt. Zur -

zeit sind neun Flurbereinigungsverfahren zur Unterstützung des

Hochwasserschutzes in Bearbeitung. Der Fahrplan Deich sanie -

rung des Landes NRW von 2014 koordiniert die Deich bauvor -

haben entlang des Rheins und zielt auf Fertigstellung aller noch

notwendigen Maßnahmen bis 2025. Zum Gelingen dieses Ziels

werden in den nächsten Jahren voraussichtlich weitere elf Flur -

bereinigungsverfahren eingeleitet. Aufgrund der Dringlichkeit

der Deichbaumaßnahmen haben die Flurbereinigungen zur Unterstützung

des Hochwasserschutzes in den nächsten Jahren

eine sehr hohe Priorität bei der Arbeitsplanung der Flurberei -

nigungsbehörde im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Dipl.-Ing. Ralf Wilden

Bezirksregierung Düsseldorf,

Dezernat 33

ralf.wilden@brd.nrw.de

Literatur

Richtlinie 2007/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom

23. Oktober 2007 über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken,

Abl. L 288/27 (Hochwasserrisiko-Management-Richtlinie, HWRM-RL)

Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz – WHG) vom

31. Juli 2009 (BGBl. I S. 2585), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes

vom 15. November 2014 (BGBl. I S. 1724)

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirt schaft, Natur- und Verbraucherschutz

des Landes Nord rhein-Westfalen (2011): Bericht zur vorläufigen Be -

wertung nach der EG-Hochwasser risiko -Management-Richtlinie (EG-HWRM-RL)

in NRW, www.flussgebiete.nrw.de/img_auth.php/6/6b/Schlussbericht_

vorläufige_Bewertung_August2011.pdf

Bezirksregierung Düsseldorf: Hochwassergefahren karten und Hochwasserrisikokarten

für das Teil einzugsgebiet: Rheingraben-Nord, digital abrufbar

unter www.flussgebiete.nrw.de/index.php/HWRMRL/Gebietsansicht/TEZG_

Rheingraben-Nord

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

des Landes Nordrhein-Westfalen (2015): Die Hochwasserrisiko-Managementpläne

für NRW, Entwurf, Stand März 2015, www.flussgebiete.nrw.de/

index.php/HWRMRL/Hochwasserrisikomanagementplan/2015

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

des Landes Nord rhein-Westfalen (2010): Hochwasserrisiken gemeinsam

meistern, Die europäische Richtlinie zum Hochwasserrisiko-Management in

Nordrhein-Westfalen; Düsseldorf, www.flussgebiete.nrw.de/img_auth.php/

4/4c/Brosch%C3%BCre_Hochwasserrisiken_gemeinsam_meistern.pdf

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

des Landes Nord rhein-Westfalen (2013): Hochwasserrisiko-Management,

Schritte zum zukunftsfähigen Umgang mit den Risiken durch Hochwasser in

Nordrhein-Westfalen; Düsseldorf, www.flussgebiete.nrw.de/img_auth.php/b/b5/

Brosch%C3%BCre_Schritte_zum_zukunftsf%C3%A4higen_Umgang_mit_den_

Risiken_durch_Hochwasser_in_Nordrhein-Westfalen.pdf

Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Landentwicklung (2014):

Strategische Lösungs ansätze und Best-Practise-Beispiele zum Thema

Hochwasservorsorge, Schriftenreihe, Heft 22; Mainz

Stoffels (2013): Flächenmanagement für den Hochwasserschutz am Rhein durch

ländliche Bodenordnung, Der Rhein im Raum Neuss – Düsseldorf – Meerbusch:

Festschrift des Deichverbandes Neue Deichschau Heerdt zum Abschluss der

Deichsanierung in Meerbusch-Büderich / hrsg. von Stefan Kronsbein im Auftr.

des Deichverbandes Neue Deichschau Heerdt, Düsseldorf

15

3


BILDUNG

Nachwuchssorgen ernst nehmen!

Ausbildung zum

Vermessungstechniker –

eine neue Herausforderung?

JÜRGEN WITTIG | BAD HOMBURG v. d. H.

Die Zeitung »Die Welt« hat sich am 15. Juli 2015 mit den Problemen der dualen Ausbildung

auseinandergesetzt: »Sinkende Schülerzahlen und der Trend zum Studium setzen das duale

System unter Druck. Berufsschulen müssen schließen, die Wege für Azubis werden länger. Die

Wirtschaft ist alarmiert. Eigentlich gilt das duale System der deutschen Berufsausbildung als

international vorbildlich. Die Kombination von Praxis im Betrieb und Theorie in der Berufsschule

wird weltweit als Erfolgsmodell gegen Jugendarbeitslosigkeit und zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses

gepriesen. Doch jetzt gerät es in zweierlei Hinsicht in die Zange. Der ungebremste

Trend zum Studium und der Bevölkerungsrückgang lassen die Lehrlingszahlen sinken. Die Folge:

Berufsschulen schließen die Pforten. Für die Ausbildungsbetriebe und ihre Schützlinge stellt das

eine große Belastung dar.«

16

3


BILDUNG

Die Vermittlung der gesamten und ständig steigenden

Stoffpalette stellt insbesondere die vielen kleinen

Aus bildungsbetriebe in der Regel vor ständig neue

Aufgaben und lässt sie nicht selten kapitulieren.

Die Bundesregierung trägt zur Unattraktivität des Vermessungstechnikerberufs

bei, indem sie die Vermessungs -

honorare in der HOAI für unverbindlich erklärt und

damit einem ruinösen Preiswettbewerb Vorschub leistet,

während sie anderen Fachdisziplinen eine 17%-ige

Honorarsteigerung ihrer verbindlichen Honorare verordnet.

Die daraus folgende Kenntnis niedrigerer Verdienstmöglichkeiten,

hinterlässt bei der Berufswahl Spuren.

Die Ingenieurkammer Hessen und der BDVI Hessen haben ver -

abredet, die Ausbildung von Vermessungstechnikerinnen und

Vermessungstechnikern künftig zu modernisieren. Statistische

Zahlen zeigen, dass in den künftigen Jahren mehr Mitarbeiter

aus den Vermessungsbüros ausscheiden werden, als junge Kräfte

nachwachsen. Wenn im Bereich der Ausbildung nicht recht zei -

tig umgedacht wird, werden Fachkräfte im Vermessungs be reich

künftig zur Mangelware.

Nicht nur Berufsschullehrer bestätigen, dass die Ausbildung zur

Vermessungstechnikerin oder zum Vermessungstechniker auf ho -

hem Niveau stattfindet. Um als Ausbildungsbetrieb den mo der -

nen Anforderungen in allen Fachdisziplinen gerecht werden zu

können, bedarf es großer Anstrengungen des Ausbildungspersonals.

Auch hier geht in den kommenden Jahren viel Fachwis -

sen und praktische Erfahrung durch Pensionierungen verloren.

Die Vermessungsbranche beobachtet diese Entwicklung schon

seit mehreren Jahren und kämpft über die genannten Argumen -

ten hinaus mit zusätzlichen Problemen:

Die staatlichen Ausbildungsstellen haben sich aus der

Vermessungstechnikerausbildung stark zurückgezogen.

In der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und

Geoinformation (HVBG) werden nur noch Geomatiker

ausgebildet. Für die Vermessungstechnikerausbildung sind

die sonstigen Ausbildungsstellen zuständig.

Die Zahl der Auszubildenden im Bereich der Vermessungs -

techniker ist auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten

gefallen (In Hessen haben am 23. Juli 2015 lediglich

fünf Vermessungstechniker ein Zeugnis erhalten.).

Altersabgänge und offene Stellen fordern zum

dringenden Handeln auf.

Die Schließung von Berufsschulstandorten mindert

die Attraktivität der Vermessungstechnikerausbildung

zusätzlich.

Gute Ausbildung kostet viel Zeit, ist jedoch absolut alternativlos.

Daher bedarf es neuer Wege, gute Ausbildung zu wirt schaft -

lichen Bedingungen anbieten zu können.

Der Vizepräsident der Ingenieurkammer Hessen und Öffentlich

bestellte Vermessungsingenieur Dipl.-Ing. Jürgen Wittig aus Bad

Homburg hat daher die Idee ins Spiel eingebracht, den Ausbildungsstoff

– soweit sinnvoll und möglich – über eine E-Learning

Plattform zu vermitteln. Hierbei geht es ausschließlich um die

theoretische Wissensvermittlung. Eine praktische Ausbildung,

wie der Umgang mit Messgeräten oder das Analysieren und Bewerten

der Katasternachweise vor Ort, das Benutzen von CAD-

Programmen für Berechnungen und Pläne aller Art etc. kann

durch E-Learning nicht ersetzt werden.

WAS IST E-LEARNING?

Als E-Learning bezeichnet man das Lernen auf Basis von webbasierten

Inhalten. Dabei werden die Informationen für das

Selbststudium mittels unterschiedlichester Informations- und

Kommunikationsmedien – z. B. Text, Bild und Animation – be reit -

17

3


BILDUNG

gestellt. Das individuelle Lernen ist zeit- und ortsunabhängig,

wodurch Ausfallzeiten im Büro sowie Reisekosten entfallen. Das

Lernpensum sowie das Lerntempo sind frei wählbar. Dadurch

wird eine zügige Wissensaufnahme durch multimedial aufberei -

tete Informationen gewährleistet. Durch vernetzte Informationen

kann auf alle vorgehaltenen Informationen einfach und

schnell zugegriffen werden.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit der individuellen Lernerfolgskontrolle

durch zugeordnete Administratoren, Trainer

und Ansprechpartner der jeweiligen Online-Module. Am Ende

jedes Lernpfades sind Kontrollfragen in Form von Lücken texten,

Single- oder Multiple-Choice-Abfragen sowie der freien Ein -

gabe möglich.

Die Teilnehmer können sich innerhalb des Netzwerkes unter -

einander austauschen, Fragen stellen und beantworten sowie

Diskussionsbeiträge bearbeiten.

Der Zugriff erfolgt über jeden gängigen Internet-Browser und

ist systemunabhängig. Die Nutzung ist sogar über die meisten

Smartphones und Tablets möglich.

Die Ingenieurkammer Hessen und die angegliederte Ingenieur-

Akademie Hessen GmbH sind Eigentümer einer E-Learning Platt -

form, die seit mehreren Jahren für die Fort- und Weiterbildung

von Ingenieuren erfolgreich eingesetzt wird. Daher sollte sie

sich auch gut für die Vermessungstechnikerausbildung eignen.

Mit der Bereitstellung der Lehrinhalte auf der E-Learning Platt -

form soll ermöglicht werden, dass

allen Auszubildenden der gleiche Lernstoff

angeboten wird, unabhängig davon in welchem Betrieb

die Ausbildung stattfindet,

das Fachwissen der derzeit noch aktiven Ausbilder vor

deren Pensionierung in die E-Learning Plattform einfließt

und für die Zukunft zur Verfügung steht,

die Dienstreisen der Auszubildenden bei Ausbildungs -

kooperationen reduziert werden können,

die Betreuungszeiten der Auszubildenden in den Aus -

bildungsbetrieben deutlich geringer ausfallen werden,

das Lernen nicht an die Verfügbarkeit des Ausbilders

gebunden ist,

die jungen Leute Freude an der Ausbildung haben,

da bei dieser Generation eine hohe Affinität zur

digitalen Welt gegeben ist,

die Ausbildung besser auf den Stoff der Berufsschulen

abgestimmt werden kann.

Der BDVI-Hessen hat in seiner Mitgliederversammlung am

13. März 2015 in Rotenburg einen einstimmigen Beschluss ge -

fasst, das Projekt umzusetzen. Die für die Ausbildung im BDVI

zu ständigen Kollegen Dipl.-Ing. Frank Hofmann und Dipl.-Ing.

Hagen Wehrmann haben daraufhin alle hessischen ÖbVI-Kollegen

auf gefordert, jeweils einen von 51 Lernbeiträgen für die

Aufnahme in die E-Learning Plattform zu liefern. Die Hälfte

des Stoffs liegt bereits ausgearbeitet vor und muss nun von

Fachleuten in die Plattform aufgenommen werden. Es ist das

Ziel, für die in den Startlöchern stehenden Auszubildenden des

Jahres 2015 die Plattform zum Herbst 2015 aktiv zu schalten.

Eine wesentliche Hürde stellt jedoch die Finanzierung des Projekts

dar. Neben einer großen Anschubfinanzierung, um die

Plattform mit den Inhalten füllen zu können und die nur über

eine Sonderumlage oder durch Sponsoren aufgebracht werden

kann, bedarf es auch der Festlegung einer Nutzungsgebühr, die

die laufenden Kosten decken muss. Der BDVI-Bund hat einen

Zuschuss von 3 x 5.000 Euro in den kommenden drei Jahren

zugesagt. Die Akteure des Projekts sind zurzeit damit be schäf -

tigt, das Geld aufzutreiben.

Wenn sich das hessische Modell bewähren sollte, ist beabsich -

tigt, diese E-Learning Plattform auch für weitere interessierte

Bundesländer zu öffnen.

Da die hessischen Berufsschulstandorte auf einen Standort in

Wetzlar reduziert wurden, führt diese Entwicklung zu mehr

Reise tätigkeit für die Auszubildenden. Inwieweit der Präsenz -

unterricht mithilfe einer E-Learning Plattform reduziert werden

könnte, ist durch das Kultusministerium zu entscheiden.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat sich

hierzu in den o. g. Artikel in der »Welt« schon positioniert: »Und

der DIHK sieht noch eine weitere Möglichkeit: In ländlichen

Regionen könnten Teile des Fachunterrichts mithilfe digitaler

Medien auch dezentral und über das Internet angeboten werden.«

Die Ingenieurkammer Hessen und der BDVI-Hessen stehen

einer gemeinsamen Nutzung der Plattform durch Berufs -

schule und Ausbildungsbetriebe offen gegenüber. Bleibt zu hoffen,

dass die zuständige Berufsschule und das Kultusministe -

rium dieser Technik aufgeschlossen gegenüber stehen.

Die Vermessungsbranche steht vor einer schwierigen Aufgabe,

die mit gutem Willen, überschaubaren Kosten und ehren amt -

lichem Engagement lösbar ist.

Dipl.-Ing. Jürgen Wittig

Öffentlich bestellter

Vermessungsingenieur

jwittig@wittig-kirchner.de

18

3


BILDUNG

Geodäsie im Spiegel

des DQR

HUBERTUS BRAUER | RATINGEN

In Deutschland wurde 1998 durch die 4. Novelle des Hochschulrahmengesetzes (HRG) die

probeweise Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen ermöglicht. Vier Jahre

später endete die Probephase. Mit der 6. Novelle des HRG wurde festgelegt, dass alle deutschen

Studiengänge bis 2010 in ein zweiphasiges Studiensystem (Bachelor und Master) überführt

werden müssen.

Um die wechselseitige Anerkennung von Qualifikationssystemen

in Europa zu vereinheitlichen und die Mobilität von Arbeit neh -

mern in Europa zu fördern, verabschiedeten das EU-Parlament

und der EU-Rat im April 2008 Empfehlungen zur Einrich tung

eines Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen

(EQF). Diese »Übersetzungshilfe« für Bildungsabschlüsse

um fasst acht Niveaustufen. Die Einstufung der im Berufsleben

gesammelten Kenntnisse und Fähigkeiten erfolgt anhand for -

meller Ausbildungsleistungen und informell erworbener Kompetenzen.

Die acht Stufen reichen von grundlegenden allgemeinen

Kenntnissen und Fertigkeiten bis hin zur Beherrschung

von hoch spezialisierten Wissensgebieten.

Für die Einordnung von Qualifikationen innerhalb des deut schen

Bildungssystems wurde der Deutsche Qualifikationsrahmen für

lebenslanges Lernen (DQR) entwickelt und im September 2013

der Öffentlichkeit vorgestellt. Er regelt die Umsetzung des EQF

auf nationaler Ebene und hat ebenfalls acht Niveaustufen. Die

drei höchsten Niveaus entsprechen dem deutschen Hochschul -

qualifikationsrahmen (HQR) der im Zuge des Bologna-Prozess

geschaffen wurde. Sie umfassen den Bachelor, den Master und

die Promotion.

Damit der EQR bzw. der DQR auf unterschiedliche Bildungs -

verläufe anwendbar ist, basieren die Qualifikationsbeschreibun -

gen ausschließlich auf Lernergebnissen. Lernergebnisse werden

neutral beschrieben. Bildungswege spielen also eine untergeordnete

Rolle. Kein Bildungssystem soll bevorzugt oder diskriminiert

werden. Sowohl der EQR wie auch der DQR stellen damit

einen Metarahmen für Lernprozesse dar. Das kann zur Folge

ha ben, dass auf einer Niveaustufe mehre Bildungsabschlüsse

gleich wertig nebeneinander stehen; auch dann, wenn sie in

ihren Lernprozessen nicht gleichartig sind.

Das ist der Grund dafür, dass im DQR auf der Niveaustufe 6 der

akademischen Abschluss »Bachelor« neben dem Qualifikations -

ergebnis »Meister« und anderen Abschlüssen steht. Dieser vermeintliche

»Systemfehler« im DQR ist dem Anspruch geschuldet,

einen Rahmen zu schaffen, der Lernergebnisse unterschiedlicher

Bildungsgänge in neutraler Form beschreibt.

Auf der Stufe 6 steht der Abschluss des ersten Studienzyklus

(Bachelor) neben den Abschlüssen mit fortgeschrittenen Fertigkeiten

eines Faches (wie z. B. Meister oder Techniker).

Erst wenn aus dem Metarahmen der Anspruch abgeleitet wird,

dass ein »Meister« mit einem »Bachelor-Professional« gleich zu

setzen sei, dann entsteht ein Systembruch.

Der DQR definiert berufliche Qualifikationen in acht Niveau -

stufen. Dabei sind für die Ingenieurstudiengänge die Stufen 6

(Bachelor), 7 (Master) und 8 (Promotion) von Bedeutung.

Die Einstufung erfolgt auf der Grundlage von Beschreibungen

von Lernergebnissen der gesamten Ausbildung, basierend auf

der Zusammenfassung von Lernergebnissen einzelner Module.

Die zentralen Begriffe Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenz

sind wie folgt definiert:

KENNTNISSE

Das Ergebnis der Verarbeitung von Informationen durch Lernen

sind Kenntnisse. Sie umfassen die Gesamtheit von Fakten und

Grundsätzen in Theorie und Praxis in Arbeitsbereichen (Theo rieund/oder

Faktenwissen). Auf der Niveaustufe 6 (Bachelor) sind

19

3


BILDUNG

fortgeschrittene Kenntnisse unter Einsatz eines kritischen Verständnisses

von Theorien und Grundsätzen im Fachbereich zu

erwarten.

FERTIGKEITEN

Kognitive Fertigkeiten sind logisches, intuitives und kreatives

Denken.

Praktische Fertigkeiten sind Geschicklichkeit und Verwendung

von Methoden, Materialien, Werkzeugen und Instrumenten.

Fertigkeit ist die umfassende Fähigkeit Kenntnisse anzuwenden,

um Aufgaben auszuführen und Probleme zu lösen.

Auf der Niveaustufe 6 sind fortgeschrittene Fertigkeiten zu erwarten,

die die Beherrschung des Faches sowie Innovationsfähigkeit

erkennen lassen, und die zur Lösung komplexer und

nicht vorhersehbarer Probleme im Arbeitsbereich nötig sind.

KOMPETENZ

Kompetenz ist die nachgewiesene Fähigkeit die erworbenen

Kenntnisse und Fertigkeiten, sowie die persönlichen, sozialen

und methodischen Fähigkeiten in Arbeitssituationen im Sinne

der Übernahme von Verantwortung und Selbstständigkeit zu

nutzen.

Mit Erreichen der Niveaustufe 6 (Bachelor) sollte der Absolvent

die Leitung komplexer fachlicher Tätigkeiten oder Projekte und

die Übernahme von Entscheidungsverantwortung in nicht vor -

hersehbaren Arbeitskontexten übernehmen können einschließ -

lich der beruflichen Verantwortung für Einzelpersonen oder

Gruppen.

Die beschriebenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen

bilden sich aus der Summe der einzelnen Module im Studium

und werden erst mit dem Abschluss des Studiums vollständig

erreicht.

So ist das vier Säulen Modell im DQR gestaltet:

FACHKOMPETENZ

PERSÖNLICHE KOMPETENZ

Wissen Fertigkeiten Sozial -

kompetenz

Selbstständigkeit

Breite

und

Tiefe

instrumentelle

und

systemische

Fertigkeiten

Teamund

Führungsfähigkeit,

Kommunikation

Eigenständigkeit

Lern -

kompetenz

Der akademische Abschluss ist heute nicht mehr zwingendes

Zeugnis für inhaltliche Lernziele und Kompetenzen, die für die

Ingenieurberufe erforderlich sind. Der künftige Träger der Be -

rufsbezeichnung »Ingenieur« muss zurzeit lediglich den erfolg -

reichen Abschluss eines technischen oder naturwissenschaft -

lichen Studiums mit der Dauer von drei Jahren nachweisen.

Dafür muss der Studierende einen bestimmten »workload« meistern

und ausreichend ECTS-Punkte sammeln (z. B. 180 Punkte

für 6 Semester). Eine inhaltliche Beschreibung der Ingenieur -

berufe fehlt bis heute. Dabei sollte die Berufsbezeichnung nicht

allein von der Studiendauer abhängen. Die Ausbildung eines

Ingenieurs erfordert präzisere inhaltliche Vorgaben.

Um Fehlentwicklungen entgegen zu wirken, ist es dringend ge -

boten die Ingenieurgesetze in den Ländern den Gegebenhei -

ten der Bologna-Reform anzupassen. Eine Vergleichbarkeit von

Hochschulabschlüssen in Europa zu schaffen, ist grundsätzlich

zu begrüßen und sollte von den Hochschulen nicht konterkariert

werden, indem für ingenieurwissenschaftliche Abschlüsse die

Lernziele so »verwässert« oder so gestaltet werden, dass eine

Wei terqualifikation in einer Ingenieurlaufbahn verhindert wird.

Der Wettbewerb unter den Hochschulen hat eine Vielzahl neuer

Bachelor-Studiengänge hervorgebracht. Insbesondere die viel -

fältigen Angebote sogenannter »hybrider« Studiengänge haben

zu einer Unübersichtlichkeit der akademischen Angebote ge -

führt. Jenseits aller Veränderungen und kritischer Reaktionen

auf die akademischen Veränderungen muss jedoch ein Sachverhalt

gesichert bleiben: Hochschulabschlüsse und Qualifikations -

profile von Ingenieuren müssen in ihrer Qualität erkennbar blei -

ben. Nur so erhalten wir die aussagekräftige und gesellschaftlich

anerkannte Berufsbezeichnung »Ingenieur«.

Der Bruch zwischen dem akademischen Abschluss und der Be -

rufsbezeichnung »Ingenieur« stellt insbesondere die Ingenieur -

kammern vor ein Problem. Ob im Studium auch vorwiegend

ingenieur- und/oder naturwissenschaftliche Inhalte vermittelt

wurden und der Absolvent in der Lage ist, den Beruf in allen

Fa cetten auszuüben, ist Voraussetzung für Weiterqualifizie run -

gen z. B. im Bau-, Vermessungs- und Geoinformationswesen.

So sind Bauvorlageberechtigungen und das Sachverständigen -

wesen Beispiele für Tätigkeiten mit inhaltlichen Ansprüchen an

Studienabschlüsse, sind sogar Voraussetzung für diese Tätig keiten.

Deshalb besteht die Forderung der Ingenieurkammern der Länder

auch die Ingenieurgesetze (IngG) in den Bundesländer den

veränderten Rahmenbedingen anzupassen. In dieser Hinsicht

ist für Klarheit zu sorgen. Es muss eine gesetzliche Definition d -

afür geben, welche Qualifikationen vorliegen müssen, damit ein

Hochschulabsolvent die Berufsbezeichnung »Ingenieur« füh ren

darf. Mit der Führung der Berufsbezeichnung ist nicht nur das

Vertrauen der Gesell schaft in den Berufsträ ger an gespro chen,

20

3


BILDUNG

sondern auch Rech te für

die Be rufsaus übung im

Freien Beruf.

Der Ausschuss »Berufsrecht«

der Bundesingenieurkammer

e. V. hat

sich in seiner Sitzung von

En de November 2013 auf

eine Definition des Inge -

nieurs geeinigt, die helfen soll eine Entscheidungsgrundlage für

innerdeutsche aber auch für die Anerkennung internationaler

Abschlüsse zu bilden. Demnach soll zu künftig die Berufsbe zeich -

nung »Ingenieur« führen dürfen, wer das Studium einer technisch-ingenieurwissenschaftlichen

Fach richtung »mit mindes -

tens sechs theoretischen Studiensemestern an einer deutschen,

staatlichen oder staatlich anerkann ten Hoch schule oder Berufs -

akademie oder Bergakademie mit Erfolg abgeschlossen hat« und

dessen Studiengang ȟberwie gend von ingenieurrelevanten

MINT-Fächern« geprägt ist.

Ingenieure (nicht nur im Bauwesen) übernehmen mit ihrer Arbeit

eine große Verantwortung für Menschen und deren Leben.

Aus Gründen der Transparenz und des Verbraucherschutzes

müssen ihre akademischen Qualifikationen deshalb eindeutig

und klar nachvollziehbar sein. Wer die Berufsbezeichnung »Ingenieur«

führt, der muss auch den Beruf in seinen Facetten

ausüben können.

Um Missverständnissen vorzubeugen bedarf es auch konkretere

Ausführungen im Sinne des DQR zu einem »gleichwertigen« Ne -

beneinander von Lernergebnissen, obwohl die Bildungsgänge

der Berufe nicht »gleichartig« sein können. Nichts ist schlimmer,

als bei Studierenden falsche Erwartungen zu wecken, die

dann im weiteren Berufsleben nicht erfüllt werden können oder

zu Irrwegen führen.

Dieses war Anlass genug für die Bundesingenieurkammer e. V.

Ziele der Ingenieurausbildung zu definieren und in einem Po -

sitions papier im Juli 2015 zu veröffentlichen. Hinzugekommen

ist ein zeitlicher Druck auf die Novellierung der Ingenieurgesetze

der Länder aus europarechtlichen Gründen, die bis zum

Januar 2016 erfolgt sein muss.

Im ersten Abschnitt des Positionspapiers werden die allgemei -

nen Ziele beschrieben. In den nächsten Abschnitten werden die

Ziele für das Bauingenieurwesen und für das Vermessungs- und

Geoinformationswesen beschrieben. Weitere Fachbereiche können

angefügt werden.

Das Positionspapier steht als PDF-Dokument zum downloaden

auf der Internetseite www.bingk.de zur Verfügung.

Das Positionspapier der Bundesingenieurkammer e. V. ist für das

Vermessungs- und Geoinformationswesen mit maßgeblicher

Be teiligung des BDVI entstanden, der wiederum innerhalb der

Interessengemeinschaft Geodäsie (IGG) der Verbände BDVI, DVW

und VDV in dieser Angelegenheit federführend ist. Insofern ist

der Entwurf der Geodäsieverbände in vielen Teilen identisch mit

dem Positionspapier der Bundesingenieurkammer e. V. Letzteres

ent hält im Gegensatz zu dem Verbändepapier allerdings keine

Definitionen für den Masterstudiengang, weil der Qualifika tions -

rahmen für den Titel »Ingenieur« sich auf der Ebene »Bachelor«

bewegt.

Der Fachbereichstag Geoinformation, Vermessung und Karto -

graphie hat einen Qualifikationsrahmen Geodäsie und Geoinformatik

entworfen. Die Deutsche Geodätische Kommission

(DGK) hat keinen bisher bekannten Entwurf vorgelegt.

Es muss im Interesse aller Beteiligten liegen, zumindest für die

Geodäsie einen einzigen abgestimmten Qualifikationsrahmen

zu implementieren. Insofern hat der BDVI dem Fachbereichstag

und der DGK den Entwurf der Verbände vorgelegt und um inhaltliche

Abstimmung gebeten.

Danksagung:

Dem Kollegen Torsten Hentschel danke ich für die inhaltliche

Zuarbeit bei der Verfassung der geodätischen Ziele, die in die Po -

sitionspapiere des BDVI und der Bundesingenieurkammer e. V.

ein geflossen sind.

Quellen

Anerkennungsgesetz Nordrhein-Westfalen, vom 28. Mai 2013,

https://recht.nrw.de

FBTbau, Fachbereichstag Bauingenieurwesen, November 2013

Bundesingenieurkammer, Ziele der Ingenieurausbildung,

Positionspapier, 2015

Brauer, H.: Der Bologna-Prozess und seine Folgen für die Ausbildung

von Ingenieuren, AVN 2/2015

DQR-Handbuch. Stand: 1. August 2013

Handbuch zum Deutschen Qualifikationsrahmen, Struktur – Zuordnungen –

Verfahren – Zuständigkeiten, www.kmk.org/…/130823

Grützmacher, J. u. a., HIS: Forum Hochschule, 7/2011, Studien- und

Berufsperspektiven von Bachelorstudierenden in Deutschland,

www.deutscherqualifikationsrahmen.de

Dr.-Ing. Hubertus Brauer

BDVI-Ehrenmitglied

bdvi@brauer-glunz.de

21

3


MANAGEMENT

Die »Generation Y«

und die Vermesserwelt

Der GenYler als Nachfolger eines ÖbVI-Büros

MIRIAM TRAUNFELDER | BONN

LISA KEDDO-KILIAN | KÖLN

22

3


MANAGEMENT

Als »Generation Y« wird diejenige Bevölkerungsgruppe bezeichnet, die ab 1980 geboren wurde.

Unter anderen Bedingungen als die Vorgängergeneration (»Generation X«) aufgewachsen,

treten sie mit veränderten Erwartungen an ihr berufliches Umfeld, so auch an die Nachfolge eines

ÖbVI-Büros, heran. Die Charaktereigenschaften, die den Mitgliedern dieser Generation zuge schrie -

ben werden, werden kontrovers diskutiert. Die Generation »Y« (englisch ausgesprochen wie why)

leitet so manches aus ihrem häufig gestellten »Warum?« ab.

Lässt sich ein ÖbVI auf Vertrags verhandlungen mit den »GenYlern« ein,

so sollte er wissen, worauf diese Generation Wert legt, um

die Gespräche zu einem erfolgrei chen

Abschluss zu bringen.

A. EINFÜHRUNG

Da die »Generation Y« im Zusammenhang mit dem demografi -

schen Wandel als knappe Ressource »gehandelt« wird, ist es wich -

tig, zu verstehen, worauf sie Wert legen und wie sie »ticken«.

Auch die Welt der Vermesser muss sich dieser Thematik anneh -

men, nicht zuletzt deshalb, weil es diese Generation sein wird,

die die Vermessungsbüros von heute übernehmen.

Aus dem Versuch der Typisierung der »Generation Y« ergibt sich

die Frage, auf was der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur

achten muss, wenn er mit dem GenYler als potenziellen Büro -

nachfolger »verhandelt«. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, hat

sich der Markt gewandelt. Das Durchschnittsalter der ÖbVI –

allein im BDVI e. V. – liegt bei 55 Jahren. Derzeit spricht man

von einem sogenannten »Verkäufermarkt«, es gibt also vielmehr

Ver käufer als Käufer eines Vermessungsbüros. Der GenYler hat

die freie Wahl zwischen einer Vielzahl von ÖbVI-Büros. Jeder

ÖbVI, der beabsichtigt, sein Büro zu veräußern, muss sich mög -

lichst frühzeitig mit dem Thema der Büronachfolge auseinander -

setzen. Denn jede Verhandlung zur Büroübergabe ist ein lang -

wie riger Prozess – sowohl rechtlich, als auch emotional – mit

offe nem Ausgang. Nur wer es schafft, den GenYler als po ten -

ziellen Büronachfolger an sich bzw. an sein Vermessungsbüro

zu bin den, setzt die Weichen für eine erfolgreiche Büro über gabe.

Ziel dieses Beitrages ist es, einerseits Handlungsempfehlungen

aus psychologischer Sicht im Umgang mit der »Generation Y« an

die Hand zu geben, um diese – bestenfalls bereits im Studium –

an sich zu binden. Gleichzeitig zeigt dieser Beitrag auch recht -

liche Gestaltungsmöglichkeiten auf, wie das Geben und Neh -

men in einem partnerschaftlichen Austausch stattfinden kann,

sodass jeder Vertragspartner um den Vorteil der Interaktion weiß.

Ein Vertragsabschluss setzt schließlich voraus, dass beide Par -

teien mit dem »Deal« leben können.

B. DIE »GENERATION Y«

Die »Generation Y« ist im Informationszeitalter groß geworden –

frei nach dem Motto »We spend half of our lifes online …« – und

agieren als expressive, kommunikative Teamplayer. Die GenYler

gestalten ihr Netzwerk und ihre Karriere in einer globalen Welt –

sie sind ehrgeizig, technikaffin, weltoffen und vernetzt.

Die »Vorgängergeneration X« (geboren vor 1980) sieht sich durch

Karriereanreize motiviert (Position, Selbstständigkeit, Verdienst).

Im Unterschied dazu hat die »Generation Y« den Anspruch, be -

ruf liche Leistung, individuelle Selbstbestimmtheit und Lebens -

integration in Einklang zu bringen. Bedürfnisorientierung ge -

hört bei ihnen zum Selbstverständnis.

23

3


MANAGEMENT

C. PSYCHOLOGISCHE KOMPONENTE

EINER BÜRONACHFOLGE

Häufig wird bei Büronachfolgen die psychologische Komponen -

te unterschätzt. Das liegt zum einen daran, dass es schwer ist,

einen Nachfolger zu finden. Der ÖbVI-Senior ist froh, wenn sich

überhaupt ein potenzieller Nachfolger findet, mit dem er in Vertragsverhandlungen

treten kann. Zum anderen ist es für den

ÖbVI schwer, sich von seinem Lebenswerk zu trennen. Er muss

seine Führungsposition an einen zumeist jüngeren Nachfolger –

den GenYler – abgeben. Der Generationenwechsel kann zu Differenzen

und Konflikten zwischen den Vertragspartnern führen.

Die »Generation Y« birgt Veränderungspotenzial für die Unter -

nehmenskultur, da sie etablierte Strukturen mit der Vorgängergeneration

in Frage stellt.

5|Modernisieren Sie gegebenenfalls Ihr Unter neh -

men mit Blick auf Technologien und Medien. Beziehen

Sie dazu die GenYler als Impulsgeber mit ein.

II | Was hilft ÖbVI ihr Verhalten

auf GenYler auszurichten?

Ein professionelles Coaching kann ÖbVI helfen, ihre Feedbackkompetenz

zu erweitern sowie seine Wahrneh mungs -

fähigkeit von Bedürfnissen zu schärfen.

Auch Teambuildingprozesse sind sinnvoll, um die unterschiedlichen

kulturellen Erwartungen bei generations über -

greifenden Teams zu thematisieren und Synergien zu de -

finieren. Voneinander lernen ist immer ein guter Weg.

I | Was müssen ÖbVI tun,

um GenYler für sich zu gewinnen?

Um GenYler als künftige Büronachfolger für sich zu ge -

winnen, sei es auch im Vorfeld einer Büroübernahme, etwa

durch eine studienbegleitende Ausbildung im Vermessungsbüro,

gibt es folgende

Empfehlungen aus psychologischer Sicht:

1|Geben Sie Handlungsspielräume anstatt Handlungs an -

weisungen. Verdeutlichen Sie dabei den Beitrag zum Unternehmenserfolg,

aber auch zur persönlichen Wei ter ent -

wicklung. GenYler sind in hohem Maße leistungs bereit,

wenn sie sich mit einer Gestaltungsmöglichkeit identifizieren.

Kombiniert mit regelmäßigem, hochwer tigem

Feedback und einem gemeinsam erstellten Ent wick lungs -

plan steigt ihre Bindungsbereitschaft (die »Ge neration Y«

ist wechselbereiter als ihre Vorgänger gene ration!).

2|Wollen Sie Anwesenheit oder Ergebnis? Freiräume im

Sinne von flexiblen Arbeitszeiten und Home-Office-

Mög lichkeiten bei klarer Zielvereinbarung können Erwartungen

auf beiden Seiten erfüllen.

3|Schaffen Sie flache Hierarchien und ein informelles Ar -

beitsumfeld (z. B. Couchecke für Brainstorming, Kicker

etc.). Hiermit fördern Sie ein positives Arbeitsklima, ei -

nen starken Zusammenhalt unter Kollegen und eine

pro duktive Teamarbeit.

4|Prüfen Sie, inwieweit Angebote an verschiedene Le bens -

phasen (z. B. Auslandsaufenthalte, Kinder-Betreuung,

Jobrotation) Ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern.

III | Was muss der ÖbVI beachten,

wenn er sein Unternehmen

an einen GenYler

übergeben möchte?

Grundsätzlich ist eine Nachfolgeplanung

mit Übergabe des Vermessungsbüros immer

auch ein emotionaler Verhand lungsprozess.

Habe ich als Gründer das Gefühl, dass mei ner Aufbauarbeit

neben dem finanziellen Gegenwert Res pekt entgegengebracht

wird? Bin ich bereit, einer neuen Generation,

die andere Prioritäten setzt, Vertrauen zu schenken?

In eine Selbstständigkeit bzw. Unternehmensführung hi -

nein zuwachsen, wird erfahrungsgemäß als durchaus attrak -

tiv für die »Generation Y« empfunden, weil diese Form von

Kar riere für selbstbestimmtes Gestalten steht. Dem Sicherheitsbedürfnis

der GenYler kann dabei durch eine Übergabezeit

Rechnung getragen werden. Diese reduziert in der

emotionalen Bewertung das Risiko, das mit einer sofortigen

Übernahme oder gar Neugründung einhergehen

würde.

Ein weiteres Bedürfnis der GenYler bezieht

sich – wie be reits zuvor beschrieben – auf

die Flexibilität der Arbeits zeit gestaltung.

Derjenige ÖbVI, der den potenziellen Nach -

fol ger bereits im eigenen Büro angestellt hat:

Gerade hier dürfte die Perspektive der selbst -

bestimmten Arbeitszeit attraktiv sein. Vorausgesetzt,

der ÖbVI vermarktet die Gestaltungsgrade und nicht

die Überzeugung, dass er als selbstständiger Unternehmer

quasi immer im Einsatz ist. Frei nach dem Motto »selbst«

und »ständig«.

24

3


MANAGEMENT

Für die ÖbVI: Wenn Sie Ihre Büroübergabe mit einer ge mein -

samen Phase der systematischen Übergabe verbinden, ist

es wichtig, dass Sie die Gestaltungsimpulse der GenYler

(z. B. zur Digitalisierung des Geschäftes) ernst nehmen. Jemand,

der Bestehendes übernimmt, muss keine Gründer -

persönlichkeit haben, wohl aber die Anschluss fähig keit an

den Markt der Zukunft garantieren.

Auf den Punkt gebracht heißt das: GenYler als

Nachfolge kandidaten sind – einmal gewonnen –

Überzeugungs tä ter und mit dem Herzen da bei.

Aber: Nicht die Sache überzeugt, sondern der Sinn,

dann aber langfristig und nicht unbedingt mo netär

ge trieben. Für Sie als Verkäufer einer Unternehmung be -

deu tet das, dass Sie in der Vermarktung Ihres »Produktes«

auch die Idee hinter den Zahlen vermitteln sollten. Arbeits -

zeit ist Lebens zeit – womit können Sie begeistern?

D. RECHTLICHE ASPEKTE

EINER BÜRONACHFOLGE

I | Welche rechtliche Gestaltungs -

möglichkeiten bieten sich an,

um GenYler für sich zu gewinnen?

Um GenYler als künftige Büronachfolger für sich zu gewinnen,

gibt es eine Reihe von rechtlichen Gestaltungs mög -

lich keiten. Welche rechtliche Ausgestaltung im Einzelfall

gewünscht ist, orientiert sich immer an den Bedürfnissen

der Vertragsparteien. Eine generalisierende Vertragsge stal -

tung verbietet sich insoweit, weil der Übergabevertrag ein

»maßgeschneidertes Werk« ist. Dennoch haben sich in

der Praxis der Büronachfolge einige Punkte herausgebildet,

die sich als nützlich erwiesen haben.

Empfehlungen aus rechtlicher Sicht:

1|Eine frühzeitige Planung der Nachfolge mit ausreich -

end Vorlauf für die Gewinnung des Büronachfolgers ist

unerlässlich.

2 | Ausreichenden »Einarbeitungszeitraum« für den Büro -

nachfolger in Anwesenheit des Vorgängers. Mitunter wird

ein schrittweiser Übergang vereinbart. Hierzu schließen

sich der Büronachfolger und der ÖbVI zu einer zeitlich

befristeten Sozietät zusammen. Dies hat für beide Akteure

Vorteile. Der Büronachfolger empfindet die Büro -

übernahme nicht als Neugründung, er wird von dem

ÖbVI bei den Mitarbeitern und Kunden eingeführt und

profitiert von seiner Berufserfahrung.

3|Missverständnisse und Unklarheiten lassen sich oft vermeiden,

indem Vereinbarungen und Gesprächsergebnisse

im Vorfeld der Vertragsverhandlungen schrift -

lich fixiert werden.

4|Beziehen Sie Ihre Aufsichtsbehörde rechtzeitig mit

ein. Es bedarf einer zeitlichen Abstimmung, wenn der

GenYler die Bestellung als ÖbVI noch beantragen muss

oder eine Amtssitzverlegung angestrebt wird. Darüber

hinaus muss bei einem beruflichen Zusammenschluss

regel mäßig auch der Sozietätsvertrag zwecks Zustimmung

vorgelegt werden.

5|Soll eine Büroübergabe im Ganzen erfolgen, besteht die

Möglichkeit, dass Sie mit dem Büronachfolger einen Beratervertrag

abschließen. Damit der Nachfolger aber ein

eigenes Profil im Vermessungsbüro entwickeln kann, soll -

te die beratende Mitarbeit des ausgeschiedenen ÖbVI

zeitlich befristet und gegebenenfalls mit einer Option

auf Verlän gerung versehen werden.

II | Voraussetzungen einer

erfolgreichen Büronachfolge

Mit der Vorbereitung und Planung der Büronachfolge sollte

rechtzeitig, am besten ab dem 55. Lebensjahr, begonnen

wer den. In der Regel sollten fünf Jahre für die Gestaltung

einer Nachfolgeregelung eingeplant werden. Sie müssen

sich umfassend informieren, die verschiedenen Alternativen

prüfen und die notwendigen Entscheidungen treffen.

Es kostet viel Überwindung, sich von seinem Lebens -

werk zu lösen.

In dieser Phase wird ein Nachfolger gesucht und ausgesucht.

Steht ein Nachfolger aus der Familie nicht zur Verfügung,

bietet sich eine Person aus dem Mitarbeiterkreis an?

Wenn Ihnen kein potenzieller Nachfolger bekannt ist, müs -

sen Sie nichts dem Zufall überlassen. In der Praxis gibt es

nunmehr des Öfteren Fälle, in denen ein ÖbVI einem Stu -

die renden eine finanzielle Unterstützungszusage anbietet.

Es wird ein Stipendienvertrag zwischen den Parteien abge -

schlossen: Der Kandidat verpflichtet sich, die Praxisphasen –

gegebenenfalls auch darüber hinaus wöchentlich – im Betrieb

tätig zu sein. Der ÖbVI verpflichtet sich im Gegenzug,

den Studierenden finanziell zu unterstützen. Sofern der

Kan didat das Studium abbricht, sich gegen den Berufsstart

im ÖbVI-Büro entscheidet oder sich gleich nach Aufnahme

der Tätigkeit anders entscheidet, kann eine Rückzahlungs -

vereinbarung schriftlich fixiert werden. Dieser Vorberei -

tungsphase schließt sich die Umsetzungsphase an.

25

3


MANAGEMENT

Interessiert sich ein potenzieller Nachfolger für das Vermes -

sungsbüro, so erfolgt eine umfassende rechtliche, betriebs -

wirtschaftliche und steuerliche Analyse des Vermessungs -

büros. Oftmals werden hier Absichtserklärungen (sogenannter

»Letter of intent«) abgeschlossen, bis der Kaufvertrag

unterzeichnet und die Finanzierung gesichert ist.

Zeichnet sich ab, dass die Vertragsverhandlungen positiv

verlaufen sind, kommt es im besten Fall zum Vertragsabschluss

(vgl. Stichpunkte eines Übergabevertrages BDVI-

Sonderheft Bürobewertung Seite 47 f).

Bei den verschiedenen Phasen der Planung einer Büronachfolge

sollte die Aufsichtsbehörde des ÖbVI miteinbezogen

werden. Vielfach ist der potenzielle Büronachfolger noch

kein ÖbVI, er muss seine öffentliche Bestellung noch be -

antragen. In diesem Fall müsste der Übergabevertrag unter

der aufschiebenden Bedingung der Bestellung des Käufers

zum ÖbVI geschlossen werden. Die Wirksamkeit des Vertra -

ges hängt also davon ab, dass der Käufer auch zum ÖbVI

bestellt wird. Bis auf einige Bundesländer, in denen die Aufsichtsbehörde

dem ÖbVI einen Amtssitz zuweist, kann der

Käufer frei wählen, wo er sich niederlässt, also auch von

wem er das Vermessungsbüro (mitsamt Amtssitz) erwirbt.

III | Was muss der ÖbVI rechtlich

beachten, wenn er sein Unternehmen

an einen GenYler übergeben möchte?

Bevor es zu einem Vertragsabschluss kommt, will der Büro -

erwerber möglichst viel an Informationen über Umsatz, Ertrag,

Kunden, Mitarbeiter, Ausstattung des Vermessungsbü -

ros erhalten. Der ÖbVI als Verkäufer möchte hingegen noch

nicht so viele Informationen zu den Interna seines Ver mes -

sungsbüros preisgeben. Es liegt ein Interessenkonflikt vor.

In diesem vorvertraglichen Stadium treffen den potenziellen

Erwerber bereits gewisse Pflichten. Er ist zur Ver -

schwie genheitspflicht über die Tatsache der Vertrags ver -

handlun gen überhaupt, deren Inhalt und deren eventuelles

Schei tern verpflichtet. Des Weiteren trifft ihn eine Verschwiegenheitspflicht

über die Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse

des Vermessungsbüros. Nach dem Scheitern

der Vertragsverhandlungen darf der Kaufinteressent quali -

fizierte Mitarbeiter des Vermessungsbüros nicht gezielt abwerben.

Der Käufer ist zur Aufklärung über alle Umstände

verpflichtet, die für den Entschluss des Verkäufers von we -

sentlicher Bedeutung sind, sofern der Verkäufer eine Mitteilung

erwarten darf. Dies ist beispielsweise dann der Fall,

wenn der Erwerber noch die ÖbVI-Zulassung beantragen

muss oder er muss Umstände mitteilen, die der Zulassung

entgegenstehen könnten.

Zu den Pflichten des ÖbVI als Verkäufer zählen wiederum

die Aufklärung über alle Umstände, die für den Entschluss

des Käufers von wesentlicher Bedeutung sind, sofern der

Käufer eine Mitteilung erwarten darf. Hierzu zählt beispiels -

weise der Umstand, dass ein großer Auftraggeber mit erheblichem

Umsatzanteil erklärt hat, dass er sich nach dem

Ausscheiden des ÖbVI ein anderes ÖbVI-Büro suchen wird.

26

3


MANAGEMENT

Bei schuldhafter Verletzung der Pflichten hat der ge schä -

digte Verhandlungspartner einen Schadensersatzanspruch.

Keine Sorgfalts pflichtverletzung stellt allerdings der Abbruch

von Vertrags verhandlungen dar. So können auch längere

und ernst hafte Verhandlungen ohne nähere Begründung

abgebrochen werden.

Eine Sorgfaltspflichtverletzung ist aber dann gegeben, wenn

der abbrechende Verhandlungspartner bei dem anderen Vertragspartner

schuldhaft ein besonderes Vertrauen in den spä -

teren Vertragsabschluss erweckt hat, indem er Verhand lun -

gen fortführt, aber zum Vertragsabschluss schon gar nicht

mehr bereit ist, oder von vornherein die Verhandlungen nur

zum Schein führt. Die Rechtsfolge des Abbruchs von Ver -

trags verhandlungen unter Verstoß gegen Sorg falts -

pflich ten begründet zugunsten des geschädigten Verhandlungspartners

einen Schadensersatzanspruch. Zu

ersetzen ist der Vertrauensschaden, also in der Regel

die vom Geschädigten für den vermeintlichen Vertrags -

abschluss ge tätigten vergeblichen Auf wen dun gen.

E. FAZIT UND AUSBLICK

Je früher Sie das Vermessungsbüro auf die Nachfolge vorbe -

reiten, desto besser. Die Nachfolgefrage sollte frühzeitig offen

abgeklärt werden. Die Übergabe eines Vermessungsbüros ist ein

emotionaler Prozess sowohl für den Übergeber, als auch für

den Übernehmer. Dem Senior-ÖbVI fällt es verständlicherweise

schwer, sein mühevoll aufgebautes Vermessungsbüro an einen

Büronachfolger, der der »Generation Y« angehört, zu übergeben.

Klare und schriftliche Regelungen für eine strategische Büro -

nachfolge helfen, die Details und den Zeitplan für eine Büro -

nachfolge gemeinsam festzulegen. Für die Umsetzung der Büro -

übergabe hat es sich bewährt, externe Berater hinzuzuziehen.

Es gibt verschiedene Szenarien für eine strategische Neuausrichtung

des Vermessungsbüros, die sowohl dem ÖbVI als auch

dem GenYler das Gefühl geben, den Weg für die Büronachfolge

ge ebnet zu haben.

Im vorvertraglichen Stadium sind verschiedene Mittel

denk bar, mit denen sich die Rechtsbeziehungen der

Par teien vor Abschluss des eigentlichen Übergabevertrages

– teils ver bindlich, teils unverbindlich – formal

regeln lassen. Das ist natürlich nicht zwingend notwendig,

wer jedoch be reits in diesem Stadium für die Verhand -

lungs phase sichere Verhältnisse schaffen will, sollte

der artige Regelungen erwägen.

Der Übergeber oder der Übernehmer (oder beide gemeinsam)

können schriftlich Absichtserklärungen formulieren

(»Letter of intent«). Typischerweise handelt es sich um die

Erklärung des Verkäufers oder des Käufers in Form eines

Schreibens mit der Bekundung des Interesses und der Absicht

zum Kauf bzw. Verkauf und mit der Bitte um Bestätigung

an den Verhandlungspartner. Möglich ist auch eine

gemeinsame schriftliche Erklärung. Der richtige Zeitpunkt

dieser Absichtserklärung liegt nach ersten Vorgesprächen,

spätestens aber vor dem eigentlichen Verhandlungsbeginn.

Inhalt der Absichtserklärung kann in aller Regel sein, die

Bestätigung der Verschwiegenheitspflicht über die Tatsache

der Verhandlungen überhaupt und deren Inhalt, die

Bestätigung der Verschwiegenheitspflicht über bestimmte

Mitteilungen, die Festlegung des Inhalts einer Analyse des

Vermessungsbüros sowie die Rechtsfolgen für den Fall des

Scheiterns der Verhandlungen.

Die gemeinsame Absichtserklärung begründet allerdings

keine rechtliche Bindung in Bezug auf den Vertragsabschluss,

schafft aber rechtliche Bindungen im Hinblick auf

Sorgfaltspflichten der Verhandlungspartner.

Dipl.-Psych. Miriam Traunfelder

Coach und Partner bei 3k

traunfelder@3k.de

Dr. Lisa Keddo-Kilian, LL.M.

BDVI-Justiziarin

l.keddo-kilian@ehk-rechtsanwaelte.de

27

3


Das kleine 1x1 der Rechnung

oder:

Was ich schon immer über

Rechnungen wissen wollte

RÜDIGER HOLTHAUSEN | KÖLN

In aller Regel findet mit der Erstellung und Versendung der Rechnung die Leistung des Ver -

messungsingenieurs ihren Abschluss. Gemeint ist hierbei ausdrücklich eine Rechnung, nicht

der Kostenbescheid als Verwaltungsakt. Diese Ausführungen beziehen sich also ausschließlich auf

Rechnungen für Ingenieurvermessungen oder auch auf Rechnungen für hoheitliche Tätig keiten in

den Bundesländern, in denen die ÖbVI ihre Vergütung für die Erledigung hoheitlicher Leistungen

nicht durch einen Kostenbescheid als Verwaltungsakt erheben können, sondern auf die Erstellung

einer Rechnung beschränkt sind.

Im Folgenden wird nicht der Inhalt der Rechnung in Bezug auf die eigentliche Leistung des Vermessungsingenieurs

behandelt, im Vordergrund stehen vielmehr relevante praktische Fragen über

die Leistungsbeschreibung hinaus.

28

3


RECHT

1. MUSS ICH ÜBERHAUPT EINE

RECHNUNG ERSTELLEN?

Merkwürdige Frage, ließe sich zunächst sagen, da natürlich je -

der Auftragnehmer nach Beendigung seiner Leistung daran interessiert

ist, seine Vergütung geltend zu machen. Das geschieht

aber längst nicht in jedem Fall zeitnah nach Fertigstellung der

Leistung des Vermessungsingenieurs. So reicht allein die Abnahme

bereits für den Beginn der Verjährungsfrist der Ge währ -

leistungsansprüche des Auftraggebers (§ 634a BGB) und auch

für den Beginn der dreijährigen Verjährungsfrist des Ver gü -

tungs anspruches des Vermessungsingenieurs (§ 195 BGB). Das

Unterlassen der Rechnungserteilung ändert also nichts an den

bereits für diese Ansprüche laufenden Verjährungsfristen.

Die Frage nach dem Erfordernis einer Rechnung betrifft zivilrechtliche

und steuerrechtliche Aspekte. In zivilrechtlicher Hinsicht

ist umstritten, ob die Fälligkeit der Werkvergütung neben

der in § 641 BGB geregelten Abnahme auch die Erstellung ei -

ner (prüfbaren) Abrechnung erfordert. Die VOB/B regelt das für

Bauleistungen in § 16 Abs. 3 Nr. 1 ausdrücklich. Vermessungs -

leistungen fallen hierunter aber nicht. Dennoch wird man auch

beim BGB-Werkvertrag die Fälligkeit der Vergütung neben der

Abnahme von der Erstellung einer prüfbaren Rechnung abhängig

machen müssen.

In steuerrechtlicher Hinsicht beurteilt sich die Pflicht zur Aufstellung

von Rechnungen nach § 14 Umsatzsteuergesetz (UStG).

Nach § 14 Abs. 2 Nr. 1 ist eine Rechnung innerhalb von sechs

Monaten nach Ausführung der Leistung auszustellen, wenn eine

Leistung »im Zusammenhang mit einem Grundstück« ausge -

führt wird. Diese Verpflichtung besteht auch dann, wenn es sich

beim Leistungsempfänger nicht um einen Unternehmer handelt,

der die Leistung für sein Unternehmen bezieht. Zu den Leistun -

gen nach Nr. 1 gehören zunächst alle Bauleistungen, aber auch

sonstige Leistungen, die der Erschließung von Grundstücken oder

der Vorbereitung von Bauleistungen dienen, also auch plane -

rische Leistungen von Vermessungsingenieuren. Nach Nr. 2

ist der Unternehmer dazu berechtigt, für andere Leistungen eine

Rechnung auszustellen. Soweit er den Umsatz an einen anderen

Unternehmer für dessen Unternehmen oder an eine juristische

Person, die nicht Unternehmer ist, ausführt, ist er verpflichtet,

die Rechnung innerhalb von sechs Monaten nach Ausführung

der Leistung auszustellen.

2. WELCHE ANGABEN MUSS ICH

IN DIE RECHNUNG AUFNEHMEN?

Das hängt davon ab, ob es sich um eine Kleinbetragsrechnung

über einen Gesamtbetrag bis 150,00 Euro handelt oder um eine

Rechnung mit einem darüber hinausgehenden Gesamtbetrag.

Kleinbetragsrechnungen müssen Name und Anschrift des leistenden

Unternehmers, das Ausstellungsdatum, die Art der Leistung

und das Entgelt sowie den darauf entfallenden Steuerbe -

trag enthalten (§ 33 Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung).

Umsatzsteuer wird für den Fall der Kleinunternehmerregelung

dann nicht erhoben, wenn der Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden

Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500,00

Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr

50.000,00 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird (§ 19

Abs. 1 UStG).

Bei Rechnungen über 150,00 Euro muss die Rechnung die in

§ 14 Abs. 4 UStG genannten weiteren Angaben enthalten (insbesondere

Steuernummer oder USt-Identifikationsnummer,

Rechnungsnummer, Zeitpunkt der Leistung).

3. AN WEN MUSS ICH DIE

RECHNUNG ADRESSIEREN?

Simple Frage, könnte man meinen, dennoch scheitert daran man -

che Honorarklage. Bei der Adressierung der Rechnung ist zur Vermeidung

späterer Überraschungen höchste Sorgfalt erfor der -

lich. Das gilt insbesondere bei Beauftragung durch Unter neh -

men. Hier muss genau geprüft werden, welche Rechtsform der

Auftraggeber hat, etwa GmbH oder GmbH & Co. KG, GbR, OHG

usw. Präzise derjenige, der Auftraggeber ist, ist dann auch in

der Rechnung zu benennen.

Hier unterlaufen immer wieder Flüchtigkeitsfehler, indem ge -

rade die Bezeichnung des Schuldners unvollständig oder falsch

erfolgt. Schon bei der Auf tragserteilung sind etwaige Unklar -

heiten unbedingt zu beseitigen. Das gilt gerade für Vertretungs -

fälle, z. B. wenn der Architekt den Lageplan in Auftrag gibt, Architekt

oder Bau unternehmer die Absteckung usw. Dabei muss

klar sein, ob die Beauftragung im eigenen Namen des Archi tek -

ten, Bauunter nehmers usw. erfolgt oder in Vertretung für den

Bau herrn. Ist Letzteres der Fall, muss der Vertreter vom Bauherrn

auch ent sprechend bevollmächtigt sein. Das gilt vor allem für

den Architekten, denn die originäre Vollmacht des Architekten

be inhaltet nicht die für den Bauherrn kostenpflichtige Beauf -

tragung von Sonderfachleuten wie dem Vermessungsingenieur,

sondern bedarf einer gerade darauf bezogenen Vollmacht.

4. MUSS ODER KANN ICH EINE

RECHNUNG AUF EINEN ANDEREN

ADRESSATEN UMSCHREIBEN?

Auf den Zugang einer Rechnung reagiert der Rechnungs emp -

fänger mitunter mit der Bitte an den Rechnungsersteller, die

Rechnung doch auf eine andere Person/Firma umzuschreiben,

29

3


RECHT

verbunden mit der treuherzigen Versicherung, dann werde die

Rechnung umgehend bezahlt.

Der Auftragnehmer ist zu einer derartigen Umschreibung der

Rechnung auf einen anderen Adressaten als den Auftraggeber

nicht verpflichtet. Sollte sich der Vermessungsingenieur dennoch

zur Umschreibung bereitfinden, sollte das nur nach ei ner

vorherigen Bestätigung des neuen Adressaten geschehen, dass

er mit der Umadressierung einverstanden ist und er sich zur

Begleichung der Rechnung verpflichtet. Das wird häufig vernachlässigt

und eine Umadressierung allein auf den Zuruf des

Auftraggebers vorgenommen, ohne dass sich der neue Adressat

hierzu irgendwie geäußert hat. Die erfolgreiche Durchsetzung

der Rechnungsforderung gegen den neuen Adressaten

setzt aber dessen rechtlich wirksame Verpflichtung zur Begleichung

der Rechnung voraus – rechtlich betrachtet liegt in

dieser Verpflichtungserklärung des neuen Adressaten in aller

Regel ein Schuldbeitritt, also ein Beitritt zur bereits bestehenden

Zahlungsverpflichtung des Auftraggebers.

Erklärt sich der Auftragnehmer mit einer Umschreibung der

Rechnung einverstanden und storniert er die zunächst dem Auftraggeber

erteilte Rechnung, bedeutet das natürlich nicht, dass

er damit auch auf seine Forderung gegenüber dem Auftrag geber

verzichtet. Jeder, der der Bitte um Umschreibung der Rechnung

schon einmal gefolgt ist, weiß, dass auch der neue Rechnungs -

adressat dann durchaus nicht die Rechnung in jedem Fall ausgleicht.

Ist das so, ist der Auftragnehmer dann nicht daran

ge hindert, seine Forderung wieder gegenüber dem Auftrag -

geber aufleben zu lassen und diesem erneut eine Rechnung

zu stellen.

5. WAS MACHE ICH, WENN DER

RECHNUNGSADRESSAT EINE

BEGLEICHUNG DER RECHNUNG

ABLEHNT, DA SIE NICHT DEN

GESETZLICHEN VORGABEN

ENTSPRICHT?

Widerspenstige Rechnungsempfänger flüchten sich nach Zugang

der Rechnung auch schon einmal in die Behauptung, die

Rechnung entspreche ja nicht den gesetzlichen Vorgaben des

§ 14 UStG und müsse deshalb auch nicht bezahlt werden.

Richtig ist, dass dann, wenn ein Unternehmer im Inland gegen

Entgelt im Rahmen seines Unternehmens eine – nach § 1 Abs. 1

Nr. 1 UStG steuerpflichtige – Leistung an einen anderen Unter -

nehmer für dessen Unternehmen ausführt – oder die Leistung

in Zusammenhang mit einem Grundstück erfolgt −, der Unter -

nehmer nach § 14 Abs. 2 verpflichtet ist, eine den Anforde run -

gen des UStG entsprechende Rechnung auszustellen. Besteht

ein solcher Anspruch des Leistungs empfängers auf Erteilung

einer Rechnung, kann der Emp fän ger die Zahlung nach § 273

Abs. 1 BGB zurückhalten, bis der Leistende die Rechnung er -

teilt (BGH, Urteil vom 27. Oktober 2011 – I ZR 125/10).

Ist zweifelhaft, ob die Leistung der Umsatzsteuer unterliegt,

kann der Leistungsempfänger aber die Erteilung einer Rechnung

nach § 14 UStG mit gesondert ausgewiesener Steuer nur

verlangen, wenn die zuständige Finanzbehörde den Vorgang

bestandskräftig der Umsatzsteuer unterworfen hat (BGH, Urteil

vom 26. Juni 2014 – VII ZR 247/13). Hat der Auftraggeber also

keinen Anspruch auf Erteilung ei ner Rechnung nach § 14 UStG,

um seinerseits einen Vorsteuerabzug nach § 15 Abs. 1 UStG geltend

machen zu können, steht ihm kein Zurückbehaltungsrecht

bis zur Erteilung einer Rechnung mit den Angaben nach § 14 UStG

zu. Eine Nebenpflicht des Gläubigers auf Ausstellung einer

umsatzsteuerlich geforder ten Rechnung besteht nicht grundsätzlich

gegenüber jedem Schuldner und für jede Rechnung,

sondern nur dann, wenn der Schuldner ein berechtigtes Interesse

an der Ausstellung einer Rechnung mit diesen Bestandteilen

hat (Landgericht Potsdam, Beschluss vom 22. März

2009 – 13 T 9/09).

6. MUSS ICH EINE RECHNUNG ALS

BRIEF VERSENDEN ODER KANN

ICH SIE DEM ADRESSATEN AUCH

FAXEN ODER MAILEN?

Nach § 14 Abs. 1 Satz 7 UStG sind Rechnungen auf Papier oder

vorbehaltlich der Zustimmung des Empfängers elektronisch

zu übermitteln. Eine elektronische Rechnung ist nach Nr. 14.4

Abs. 2 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses eine Rechnung,

die in einem elektronischen Format ausgestellt und empfangen

wird. Hiernach können elektronische Rechnungen vor allem

per E-Mail oder DeMail, per Computer-Fax oder Fax-Server

übermit telt werden. Eine von einem Standard-Faxgerät an ein

Standard-Faxgerät oder vom Computer-Fax/Fax-Server an ein

Standard-Fax gerät übermittelte Rechnung gilt hiernach als Papierrechnung.

Die Zustimmung des Empfängers der per E-Mail übersandten

Rechnung bedarf keiner besonderen Form. Es muss nur Einvernehmen

zwischen Rechnungsaussteller und Rechnungs -

empfänger darüber bestehen, dass die Rechnung elektronisch

übermittelt werden soll. Nach Nr. 14.4 Abs. 1 Umsatzsteuer-

Anwendungserlass kann die Zustimmung z. B. in Form einer

Rahmenvereinbarung (etwa in allgemeinen Geschäftsbedingungen)

erklärt werden. Sie kann aber auch nachträglich er -

klärt werden. Es genügt sogar, dass die Beteiligten dieses Verfahren

tatsächlich praktizieren und damit stillschweigend billigen.

Das kann bereits bei erstmaligem Rechnungsversand per

30

3


RECHT

E-Mail vom Auftragnehmer an den Rechnungsempfänger der

Fall sein, wenn dieser der Übermittlung per E-Mail nicht widerspricht.

7. WIE LANGE MUSS ICH DIE

RECHNUNG AUFBEWAHREN?

Der Unternehmer hat nach § 14b Abs. 1 Satz 1 UStG Rechnungen

zehn Jahre aufzubewahren. Das gilt nach Nr. 14 b.1

Abs. 1 Umsatzsteuer-Anwendungserlass zum einen für ein Doppel

der Rechnung, die der Unternehmer selbst ausgestellt hat,

und zum anderen für alle Rechnungen, die er erhalten hat. Die

Zehnjahresfrist beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem

die Rechnung ausgestellt wird. Nach Nr. 14 b.1 Abs. 5 müssen

die Rechnungen über den gesamten Aufbewahrungszeitraum

hin weg die Anforderungen der Echtheit der Herkunft, Unver -

sehrtheit des Inhalts und Lesbarkeit der Rechnung erfüllen.

Für elektronische Rechnungen bedeutet das, dass die Rechnun -

gen während der Dauer der Aufbewahrungsfrist auf ei nem

Datenträger aufbewahrt werden müssen, der keine Ände run -

gen mehr zulässt.

8. WELCHE FORMALITÄTEN MUSS

ICH BEACHTEN, WENN ICH MEINE

RECHNUNG BERICHTIGEN MUSS?

Muss die dem Adressaten bereits übermittelte Rechnung be -

richtigt werden, muss in der neuen Rechnung darauf hin ge -

wiesen werden, dass diese die bisherige Rechnung er setzt.

Der Adressat muss die ursprüngliche Rechnung nicht an den

Auftragnehmer zurücksenden (BFH, Urteil vom 29. September

1996 – V R 41/94). Nach Nr. 14.11 Abs. 1 Umsatzsteuer-Anwen -

dungserlass ist für die berichtigte Rechnung keine neue Rechnungsnummer

zu vergeben, die Berichtigung kann also unter

derselben Rechnungsnummer erfolgen.

9. KANN DER RECHNUNGSADRESSAT

EINEN SKONTOABZUG VORNEHMEN?

Beliebter Sport nicht weniger Rechnungsadressaten ist, kurzer -

hand einen Skontoabzug vorzunehmen. Zulässig ist das na tür -

lich dann, wenn Auftraggeber und Auftragnehmer hie rüber

eine Vereinbarung getroffen haben und die Voraussetzungen

für den Abzug gegeben sind. Häufig nehmen Rechnungs emp -

fänger aber auch dann einen Skontoabzug vor, wenn er nicht

vereinbart ist, offenbar in der Meinung, dies sei üblich und darauf

bestehe ein Anspruch. Das ist nicht der Fall. Auch in der

Baubranche besteht kein Handelsbrauch und keine Ver kehrs -

sitte für einen Skontoabzug.

31

3


RECHT

Wenn ein Skonto vereinbart wird, fehlt es aber häufig an kon -

kreten Vereinbarungen der Modalitäten des Skontos; zu verein -

baren sind also mindestens die Höhe des Abzuges und die Frist

für den Zahlungseingang beim Auftragnehmer. Nur solche

Zahlungen sind als rechtzeitig und innerhalb der vereinbarten

Zahlungsfrist als erbracht anzusehen, die innerhalb dieser Frist

bei dem Auftragnehmer eingehen. Es reicht also nicht, dass

der Auftraggeber innerhalb der Skontofrist die Überweisung

veranlasst, wenn der Eingang beim Auftragnehmer erst nach

Ablauf der Skontofrist erfolgt.

Verständ nis der Regelung, denn § 48 EStG ist durch das Gesetz

zur Ein dämmung der illegalen Betätigung im Bau gewerbe ein -

geführt worden. Mit der Vorschrift ist eine teilweise Quellen -

besteuerung als besonderes Steuerabzugsverfahren für das Bau -

gewerbe ein geführt worden, das Verfahren ist daher auf diesen

Gewerbe zweig beschränkt. Planungsleistungen von Architekten

und Ingenieuren gehören nicht dazu. Beide Berufsgruppen

ge hören nicht dem Baugewerbe an und sind nicht Teil der

Zielgruppe, deren Steuerhinterziehung die Gesetzesänderung

ver anlasst haben (BGH, Urteil vom 7. Juli 2005 – VII ZR 430/02).

10. KANN DER AUFTRAGGEBER VON

DER RECHNUNG EINEN BETRAG IN

HÖHE VON 15 % UNTER HINWEIS

AUF DIE BAUABZUGSTEUER

ABZIEHEN?

Nach § 48 Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) sind Unter -

nehmer und juristische Personen des öffentlichen Rechts, die

eine Bauleistung erhalten, zu einem Steuereinbehalt in Höhe

von 15 % der zu erbringenden Gegenleistung und zur Ab füh -

rung dieses Betrages an das Finanzamt verpflichtet.

Auch Vermessungsingenieure sehen sich nach dem Versand ihrer

Rechnung mitunter mit der Erklärung des Empfängers konfron -

tiert, dass er unter Hinweis auf die Regelung des EStG 15 % von

der Rechnung abziehen werde, wenn nicht der Auftragnehmer

eine Freistellungsbescheinigung nach § 48 Abs. 2 Satz 1 EStG

vorlege.

Dazu besteht keine Berechtigung. Nach der Definition des § 48

Abs. 1 Satz 2 EStG sind Bauleistungen zwar alle Leistungen, die

der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Ände rung

oder Beseitigung von Bauwerken dienen. Sinn und Zweck

des Gesetzes verlangen aber noch ein deutlich engeres

11. AB WANN KANN ICH VON DEM

RECHNUNGSSCHULDNER

MAHN KOSTEN, VERZUGSZINSEN

ODER AUCH DIE KOSTEN EINES

RECHTSANWALTES, DEN ICH MIT

DER EINTREIBUNG DER RECHNUNG

BEAUFTRAGT HABE, FORDERN?

Mahnkosten, Verzugszinsen und Anwaltsgebühren sind typi -

scher Verzugsschaden. Die Berechtigung zur Geltendmachung

von Verzugszinsen regeln § 286, § 288 Abs. 1 und 2 BGB, Mahn -

kosten und Anwaltsgebühren unterfallen der Scha dens ersatz -

verpflichtung nach § 280 Abs. 2 BGB. Über die gesetz lichen

Zinsen (Verzugszinsen bei Geschäften mit Verbrauchern: fünf

Prozentpunkte über dem Basiszinssatz, bei Entgeltforderungen

gegenüber Unternehmern: neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz)

hinaus kann bei Verzug auch noch ein höherer Zins -

schaden, wenn er denn eingetreten ist, verlangt werden, § 288

Abs. 4 BGB. Das betrifft insbesondere die eigene Belastung des

Unternehmers mit Zinsen seiner Bank für die Inanspruchnahme

eines Dispositionskredites, die in aller Regel deutlich über dem

gesetzlichen Zinssatz liegen. Neben dem Verzugszinsanspruch

hat der Gläubiger einer Entgeltforderung darüber hinaus einen

Anspruch auf eine Schadenspauschale von 40,00 Euro zur

Deck ung seiner Beitreibungskosten, wenn der

Schuldner kein Verbraucher ist, § 288 Abs. 5

BGB. Macht der Auftragnehmer neben die -

ser Pauschale Kosten der Rechtsverfolgung

(insbe son dere also Anwaltsgebühren)

als Verzugsschaden geltend,

muss er sich dann allerdings diese

Pauschale auf die weiteren Kosten

anrechnen lassen.

Außerhalb des Verzuges und vor des -

sen Eintritt kann der Auftragneh -

mer – das wird häufig übersehen –

ebenfalls schon Zinsen fordern, die

sogenannten Fälligkeitszinsen. § 641

Abs. 4 BGB regelt, dass der Auftrag -


:::::: RECHT

geber von der Abnahme des Werkes an die bereits festgesetzte

Vergütung zu verzinsen hat. Dieser Fälligkeitszins beträgt nach

§ 246 BGB 4 %.

Ab wann befindet sich aber nun der Schuldner in Verzug?

Das regelt § 286 BGB. Grundsätzlich ist also eine Mahnung

des Gläubigers erforderlich. Auch ohne Mahnung kommt der

Schuldner nach § 286 Abs. 3 BGB in Verzug, wenn er nicht innerhalb

von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung

leistet. Gegenüber einem Verbraucher gilt das aber nur

unter der Voraussetzung, dass er in der Rechnung auf diese Folgen

besonders hingewiesen worden ist. Ist Rechnungs empfän -

ger also ein Unternehmer, bedarf es dieses Hinweises nicht.

Außerdem regelt § 286 Abs. 2 BGB, in welchen (weiteren)

Fällen eine Mahnung überflüssig ist. Abgesehen von dem Fall,

dass der Schuldner die Begleichung der Rechnung ernsthaft

und endgültig verweigert (Abs. 3 Nr. 3), sind insbesondere die

Nr. 1 und 2 des Abs. 2 praktisch relevant. Nach Nr. 1 ist eine Mah -

nung nicht erforderlich, wenn für die Leistung eine Zeit nach

dem Kalender bestimmt ist. Entgegen landläufigem Irrtum

reicht hierfür nicht aus, dass der Auftragnehmer in der Rechnung

ein Zahlungsziel vorgibt, z. B. mit den Worten: »Zahlbar

bis spätestens 30. September 2015.« Eine Leistungszeit nach

dem Kalender erfordert vielmehr eine vertragliche Vereinba -

rung. Nur dann also, wenn bereits bei Auftragserteilung Auftraggeber

und Auftragnehmer – und sei es durch allgemeine

Geschäftsbedingungen – vereinbart haben, dass die Zahlung

bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erfolgen hat und die

Zahlung innerhalb der Frist nicht erfolgt, ist Verzug gegeben.

Als Leistungszeit muss aber unmittelbar oder mittelbar ein

be stimmter Kalendertag festgelegt sein, also z. B. »Zahlung

im Juli« oder »Zahlung innerhalb des ersten Quartals 2015«.

Das gilt ebenso für die Vereinbarung einer Regelung nach

Abs. 2 Nr. 2, hier könnte also z. B. vereinbart werden »zwei Wo -

chen nach Erhalt des Absteckungsrisses«, »ein Monat nach Abruf

der Absteckung« oder z. B. »zwei Wochen nach Abnahme«.

All das muss aber – das sei wiederholt – vertraglich geregelt

sein, die einseitige Bestimmung dieser Fälligkeit durch den

Auftragnehmer reicht nicht aus.

Ist der Auftraggeber mit der Begleichung der Rechnung in Ver -

zug, kann der Auftragnehmer für jedes Mahnschreiben Mahn -

kosten berechnen (bei Rechnungsforderungen gegenüber Un -

ter nehmern dürfte allerdings eher naheliegen, die Pauschale

von 40,00 Euro nach § 288 Abs. 5 BGB zu erheben). Je Mahn -

schrei ben akzeptieren die Gerichte in der Regel pauschale Ver -

zugs kos ten in Höhe von 2,50 Euro; sind nachweislich höhere

(an gemessene) Kosten – z. B. für Einschreiben – angefallen, kann

der Pauschalbetrag auch überschritten werden.

Anwaltsgebühren (für eine vorgerichtliche anwaltliche Tätig -

keit) kann der Auftragnehmer als Verzugsschaden nur unter

der Voraussetzung vom Rechnungsempfänger ersetzt verlan -

gen, dass sich der Rechnungsempfänger bereits bei der Mandatierung

des Anwaltes in Verzug befunden hat. Beauftragt

also der Auftragnehmer seinen Rechtsanwalt mit der (erst -

maligen) Mahnung des Schuldners, sind die Anwaltskosten für

diese Mahnung kein Verzugsschaden, da der Schuldner erst

durch diese Mahnung in Verzug gerät.

Vor einer Mandatierung seines Rechtsanwaltes sollte der Auftragnehmer

daher durch eine eigene Mahnung einen Verzug

des Schuldners bewirken (es sei denn, eine Mahnung ist aus den

oben genannten Gründen nicht erforderlich). Dann sind die anschließend

entstehen den Anwaltsgebühren (für eine weitere

Mahnung oder die Einleitung z. B. eines gerichtlichen Mahnverfahrens

durch den Anwalt) ersatzfähiger Verzugsschaden.

12. MUSS ICH VOR EINLEITUNG

EINES GERICHTLICHEN MAHN -

VERFAHRENS ODER ERHEBUNG

EINER ZAHLUNGSKLAGE DEN

SCHULDNER MEHRFACH MAHNEN?

Ebenfalls nicht auszurotten ist die Überzeugung von Gäubigern,

vor Einleitung weiterer (vor allem gerichtlicher) Schritte seien

mehrere Mahnstufen einzuhalten, also der Schuldner mehrfach

(häufiger Glaube: drei Mal) zu mahnen. Das ist nicht der Fall.

Es bestehen keine gesetzlichen Regelungen, dass der Gläubi -

ger solche Mahnstufen einzuhalten hat. Zum Eintritt des Ver -

zu ges (und sich eventuell daran anschließender gericht licher

Schritte) reicht eine einmalige Mahnung völlig aus.

In der Praxis ist zwar (Ausnahme natürlich: hartnäckige Total -

verweigerer) üblich, dass einer Mahnung noch eine freundlich

for mu lierte Erinnerung vorangeht, etwa mit dem Inhalt: »Es ist

sicher lich Ihrer Aufmerksamkeit entgangen, dass meine Rechnung

vom … noch offensteht. Ich bitte Sie um Prüfung.« Auch

wenn eine derartige Erklärung nicht den Begriff »Mahnung«

be inhaltet, ist auch diese Erinnerung nichts anderes als eine

Mahnung, sodass auch mit ihrem Zugang schon Verzug eintritt.

Dr. Rüdiger Holthausen

BDVI-Justiziar

r.holthausen@ehk-rechtsanwaelte.de

33

3


VERBAND

EINE KARRIERE.

VIELE MÖGLICHKEITEN.

Für außergewöhnliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

POSITIONSPAPIER VON BDVI, DVW UND VDV

Wer sich heute für eine Ausbildung im Bereich Geodäsie entscheidet, hat in einigen Jahren

beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Denn Geodäten – dazu gehören beispielsweise

Vermessungsingenieure, Vermessungstechniker oder Geomatiker – sind gefragt wie nie.

Geodäten sind überall im Einsatz – und sind oft unersetzlich: Ob in den Bereichen Technik und

Industrie, Klima und Umwelt, Grund und Boden oder Navigation und Mobilität – Geodäten

arbeiten heute in abwechslungsreichen, wichtigen und verantwortungsvollen Positionen. Durch

die Verschiebung vom klassischen Vermessungswesen hin zu neuen, vielfältigen Berufsfeldern

er öffnen sich vielseitige und spannende neue Jobmöglich keiten: Moderne Geoinformationssysteme,

Navigations systeme, Entwicklung von 3-D-Modellen, komplexe Ingenieur vermessungen oder

die forensische Geodäsie erfordern gut ausgebildete Geodäten, die ihr Wissen und Können in spannenden

und wichtigen Projekten einsetzen. Und der Trend zur Entstehung neuer Berufsfelder wird

sich weiter fortsetzen.

34

3


VERBAND

GEODÄSIE –

ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN MIT EINER LANGEN GESCHICHTE.

Geodäsie ist die Wissenschaft von der Vermessung der Erde – vom ganz Großen bis zum Kleinen und

das schon seit tausenden von Jahren. Allein der Blick in das alte Ägypten zeigt die Bandbreite: Nach

der jährlichen Nilüberschwemmung wurden die Feld par zellen der Nilbauern jedes Mal neu in ihren

Grenzen wiederher gestellt. Dieses Beispiel ist noch heute Synonym für die geo dä tischen Anwendungs -

bereiche Eigentum, Kataster, Landnut zung. Die Pyramiden konnten nur mit exakten Vermessungen

gebaut werden: Ohne präzise Winkelmessung hätten die Sei ten sich nicht oben in einer Spitze getroffen;

die Pyramiden mussten auf exakten Ebenen stehen und wurden nach Himmels rich tungen ausge -

richtet etc. Die Vermessungsleistungen beim Bau der Pyramiden sind nach wie vor ein Musterbeispiel

für die Ingenieurgeodäsie und astronomische Geodäsie.

In unserer zunehmend technisierten Welt wird die Verortung von Zuständen, Ereignissen, Planungen

und Vorgängen immer wichtiger. Nicht umsonst gehen Experten davon aus, dass 80 % aller Entscheidungen

einen Ortsbezug haben. Navigationssysteme sind heute aus dem Alltag kaum wegzudenken.

Google Maps und Open Street Map haben die digitale Karte allgegenwärtig gemacht. Digitale Gebäude

und Geländemodelle sind ein Trend. Umweltfragen können ohne Ortsbezug nicht gelöst werden. Planungen

benötigen gutes Kartenmaterial. Verschiedens te Nutzungsszenarien von Grund und Boden

laufen parallel: Bebauung, Umweltschutz, Trinkwasser, Freileitungen, unter irdische Leitungen, Artenschutz,

Abstandsfragen etc. führen zu Flächenkonkurrenzen, die geodätisch in Bezug gebracht werden

müssen. Marode Infrastrukturen müssen erfasst und für die Sanierung räumlich dokumentiert

werden. Industrieroboter be nötigen ein dreidimensionales exaktes Arbeitsumfeld. Tsunamiwarnsysteme

benötigen ebenfalls dreidimensionale Beobachtungssysteme – allerdings in völlig anderen Dimen -

sionen als in der Industrie.

Zwei ganz aktuelle Beispiele für die große Bandbreite der Geo däsie: Im Rahmen der Griechenlandkrise

hat das Kataster als Eigentumssicherungssystem an Bedeutung gewonnen: Denn oh ne das Kataster kann

Griechenland bisher vereinbarte Priva tisierungen nicht realisieren, da kein Investor staatliche Areale

kauft, ohne Wissen und Garantie, wo sich diese genau befin den und wie sie abgegrenzt sind.

Oder die weltweit mit Span nung verfolgte Landung des Welt raumlabors Philae auf dem Kometen 67P/

Tschurjumov-Ge ra si menko. Für Geodäten war eine der spannendsten Auf gaben die Frage: Wie kann

ich die Bahnen berechnen, um den Transporter in die Nähe des Kometen zu bringen und die Lande -

einheit sicher auf dem Kometen zu landen?

Zwischen diesen ganz unterschiedlichen Beispielen liegen unend lich viele spannende Aufgaben zur

Gestaltung unserer Zu kunft mit geodätischer Expertise. Aber nicht jeder assoziiert die se beiden Beispiele

mit dem Fach Geodäsie. Griechenland wird mit Sparen und Schulden zusammen gebracht und Philae

mit ei ner technischen Leistung der Raumfahrt. Dabei zeigen die Bei spiele: Geodäsie ist ein ungemein

spannendes, aktuelles und wichtiges Fach. Und das Berufsfeld für Geodäten weitet sich stän dig aus.

Allein die Einführung des europäischen Satteliten positionie rungs dienstes Galileo soll 160.000 neue

Arbeitsplätze bringen, von denen viele im Bereich Geodäsie zu finden sein werden.

www.ig-geodaesie.de

35

3


VERBAND

Top 10-Engpassberufe fur Personen mit Hochschulabschluss

Relation aus Arbeitslosen und gemeldeten offenen Stellen

Stand: April 2015

Ver- und Entsorgung (o. S.)

Öffentliche Verwaltung (o. S.)

Informatik (o. S.)

Elektrotechnik (o. S.)

Wirtschaftsinformatik

Bauplanung, -überwachung (o. S.)

Vermessungstechnik

Tiefbau (o. S.)

Führung – Krankenpflege, Rettungsdienst

Fachärzte Innere Medizin

0,49

0,51

0,55

0,79

0,85

0,87

0,93

0,94

0,98

1,08

o. S.: ohne Spezialisierung 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2

Abbildung 1 | Quelle: www.kofa.de/datenfakten

Altersstruktur in Top 10-Engpassberufen

für Personen mit Hochschulabschluss

Stand: September 2014

Informatik (o. S.)

Ver- und Entsorgung (o. S.)

Öffentliche Verwaltung (o. S.)

Fachärzte Psychiatrie, Psychotherapie

Elektrotechnik (o. S.)

Tiefbau (o. S.)

Bauplanung, -überwachung (o. S.)

Wirtschaftsinformatik

Vermessungstechnik

Kraftfahrtzeugtechnik

o. S.: ohne Spezialisierung

3 76

1

65

2

62

0

73

1

65

1 56

1

65

6 73

1 55

1

71

21

34

36

27

33

43

34

21

44

27

0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %

Unter 25 Jahre 25 – 49 Jahre Über 50 Jahre | Durchschnitt d. Altersstruktur

Abbildung 2 | Quelle: www.kofa.de/datenfakten

Altersstruktur

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieure 2018

(Prognose)

Jahre

< 35

35 – 39

40 – 44

45 – 49

50 – 54

55 – 59

60 – 65

> 65

Anzahl

1

75

101

98

166

0 50 100 150 200 250 300 350

Abbildung 3 | Quelle: BDVI

196

243

290

ARBEITSKRÄFTEMANGEL – AUSSERGEWÖHN-

LICHE CHANCEN FÜR DEN NACHWUCHS

Gleichzeitig ist die Geodäsie ein Fach, in dem schon heute

ein großer Mangel an qualifiziertem Nachwuchs herrscht.

Dieser Mangel wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen.

Die Karrierechancen für den Nachwuchs sind des -

halb außer gewöhnlich gut.

Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie liegt

»Ver messungstechnik« bei den 615 untersuchten Berufen auf

Platz 7 der Engpassberufe für Hochschulabgänger (s. Abbildung

1). Schon jetzt kommt auf jede gemeldete offene Stelle

nur knapp ein Bewerber. Das mag sich passabel anhö ren, jedoch

sorgt diese Zahl nicht umsonst für ein Ranking auf Platz

7. Nicht jede Stelle passt zu jedem Bewerber und nicht alle

Bewerber interessieren sich für alle Stellen.

Aus diesem Engpass lässt sich ein noch größerer Bedarf für

die Zukunft vorhersagen. Die Alterspyramide sozial versiche -

rungs pflichtig angestellter Vermessungsingenieure zeigt mit

44 % einen überdurchschnittlichen Anteil von über 50-jäh -

rigen Arbeitnehmern (s. Abbildung 2). Wer demnach heute

eine Ausbildungslaufbahn im Bereich Geodäsie beginnt, wird

nicht nur ein Experte in einem Mangelberuf an sich, sondern

trifft alsdann auf einen Arbeitsmarkt, in dem überdurchschnitt -

lich viele Stellen durch Altersabgänge frei werden.

Dieses Bild lässt sich in einem speziellen Sektor geodätischer

Be rufe noch präzisieren. Eine mögliche berufliche Option

für Geodäten mit Masterabschluss ist die Freiberuflichkeit

als Öffent lich bestellter Vermessungsingenieur (ÖbVI). Abbildung

3 zeigt hier die Altersverteilung der heute rund 1.100

im Berufs ver band BDVI organisierten Berufsträger in Deutsch -

land in ei ner zuver lässigen Prognose für 2018, also ein zeit -

liches Zielszenario für jetzige Masterstudenten. In 2018 werden

über 500 Freiberufler älter als 60 Jahre sein und einen

Nachfolger suchen. Doch von rund 200 Universitätsabsolven -

ten (Master) der Geodäsie erwer ben nur rund 70 das Zweite

Staatsexamen. Diese 70 Assessoren ver teilen sich auf dem ge -

samten Arbeitsmarkt. Erfah rungsgemäß streben rund 30 %

der Assessoren an, Freiberufler zu werden, was einem jähr -

lichen Potenzial von etwa 20 Nachwuchskräften entspricht.

Und das bei einem Gesamtbedarf von rund 500 prognosti -

zierten Stellen für das Jahr 2018!

Diese Zahlen sprechen für sich: Universitätsabgänger eines

Geo däsiestudiums werden sich die Arbeitsplätze aussuchen

können.

Auch für Bachelorabsolventen der Hochschulen, die eine geo -

dätische Ausbildung erfahren, sieht der Markt analog aus.

36

3


VERBAND

Beste Perspektiven

für Geodäten

Präzision.

Expertise.

Geodäten.

Eine Karriere. Viele Möglichkeiten.

Für außergewöhnliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt.


www.ig-geodaesie.de

3

37


VERBAND

Leider gibt es hierzu keine zuverlässigen Arbeitsmarktdaten. Von rund 550 geodätisch ausgebildeten

Bachelorabsolventen an den Hochschulen pro Jahr steht nur ein Bruchteil für den Arbeitsmarkt zur

Verfügung, da viele Absolventen einen Masterstu dien gang anschließen. Von den Universitäten kommen

nahezu keine Bachelorabsolventen an den Arbeitsmarkt, weil dort re gelmäßig der Bachelor zwar

formal berufsqualifizierend ist, aber de facto als »Zwischenprüfung« zum angestrebten Master wirkt.

Auf der Ebene der Ausbildungsberufe existieren, dem geodä tischen Beruf zuzuordnen, zwei Ausbildungs -

gänge. Derzeit sind in den kommenden Jahren rund 620 Vermessungstechniker und 130 Geomatiker

jährlich zu erwarten, die nach der Prüfung dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Zwar gibt es keine detaillierten Arbeitsmarktuntersuchungen, die den bundesweiten Bedarf in einzelnen

geodätischen Berufs zweigen aufzeigen. Jedoch zeigt eine überschlägige Analyse die Chancen für

den Nachwuchs deutlich: Aus Erhebungen in Nord rhein-Westfalen hochgerechnet dürften im geodätischen

Sektor in Deutschland insgesamt rund 45.000 Fachkräfte arbei ten. Ohne Berücksichtigung

einer in vielen Bereichen bekannten Überalterung bedeutet dies, dass schon bei einer angenommenen

40-jährigen Berufstätigkeit linear rund 1.100 Fachkräfte jährlich als Nachwuchs benötigt werden.

Jedoch wurde in der Vergangenheit der Bedarf an Fachkräften bei Weitem nicht ge deckt, sodass

heute insgesamt eine Überalterung der Beschäf tigten zu konstatieren ist. Demzufolge scheiden in den

nächs ten Jahren deutlich mehr berufstätige Geodäten aus dem aktiven Beruf aus, als das bei linea rer

Annahme der Fall ist. Dem stehen tatsächliche Zahlen von etwa 750 Vermessungstechni kern/Geo ma -

ti kern, vielleicht 150 Bachelor und 200 Master absolventen gegenüber.

Der Arbeitsmarkt für geodätischen Nachwuchs wird in den kommenden Jahren beste Perspektiven

bieten.

INFORMATIONSMÖGLICHKEITEN

Aktuelle Informationen rund um die spannenden Berufsfelder der Geodäsie bietet das Berufsportal

www.arbeitsplatz-erde.de (www.facebook.com/pages/Arbeitsplatz-Erde). Hier sind inte res sante Berufs -

felder, verschiedene Jobportraits sowie Übersich ten zu Ausbildungsmöglichkeiten zu finden. Ein Online-

Tool hilft auf zuzeigen, ob das Studium der Geodäsie die richtige Wahl ist.

Weitere Informationen bieten darüber hinaus die Internetsei ten des BDVI, des DVW und des VDV.

Die »Interessengemeinschaft Geodäsie« ist eine Allianz der Verbände BDVI, DVW und VDV mit

dem Ziel, gemeinschaftlich gegenüber Gesellschaft und Politik aufzutreten. Damit soll die hohe

gesell schaftliche und wirtschaftliche Bedeutung geo dätischer Expertise von Vermessung über

Geoinfor mation und Wertermittlung bis Landmanagement in den öffent lichen Fokus gerückt

werden. In ge meinsamer Verantwortung soll das Berufsfeld der Geodäsie als Ingenieurdisziplin

zur Lösung wichtiger gesellschaftlicher Fragen zukunftsfähig ent wickelt werden.

www.ig-geodaesie.de

38

3


KATASTER

Der Ausstieg

vom Einstieg

RUDOLF WEHMEYER | MÜNSTER

ANDREAS ROSE | OLPE

Nachdem in Kürze alle Katasterämter in Nordrhein-Westfalen den Umstieg auf ALKIS® ab -

geschlossen haben, könnte der Einstieg in ein neues technologisches Zeitalter beginnen –

auch für die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure. Tatsächlich aber steigt Nordrhein-

Westfalen gleichzeitig aus: auf die Einführung der sogenannten NAS-ERH2 wird bis auf weiteres

ver zichtet, es bleibt bei der NAS-ERH1.

Wie es dazu kam und was die Vertreter des Berufsverbandes bei dieser gerade für die Vermessungs -

stellen wichtigen Frage sagen, lesen Sie bitte in den beiden Statements von Rudolf Wehmeyer und

Dr. Andreas Rose, Vorstand BDVI der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen.

39

3


KATASTER

Die Einführung von ALKIS® ist in Nordrhein-Westfalen weitgehend

abgeschlossen. Zum Jahreswechsel 2014/2015 war

die Migration in 51 von 53 Katasterämtern abgeschlossen und

ALKIS® »am Netz«. Die letzten beiden Ämter stellen in 2015 um,

sodass man heute sagen kann, dass die Umstellung in Nordrhein-

Westfalen abgeschlossen ist.

Bereits 2009 wurde mit dem Liegenschaftskatastererlass Lieg -

Kat Erl geregelt, dass die Einführung der NAS ERH in zwei Stufen

(ERH 1 und ERH 2) erfolgen soll, wobei die Stufe 2 erst drei

Jahre nach Ende der Umstellungsphase verbindlich werden soll.

Im sogenannten »Meilensteinerlass« vom 12. Dezember 2012 wur -

de der Abschluss der flächendeckenden ALKIS® Umstellung zum

31. Dezember 2012 prognostiziert. NAS-ERH2 sollte dement -

spre chend für den 1. Januar 2016 als landeseinheitliches Austauschformat

verpflichtend eingeführt werden. Der eingebaute

Puffer von drei Jahren sollte dazu dienen, den in Arbeit befindlichen

Erhebungserlass zu verabschieden und auf dieser Grundlage

die NAS-ERH2 näher zu spezifizieren.

Nun, im Herbst 2015, wissen wir es besser. Die ALKIS®-Umstellung

war nicht am 31. Dezember 2012 abgeschlossen. Sie wird es aber

zum 31. Dezember 2015 sein. Folgerichtig wäre dann die ver -

bindliche Einführung der NAS-ERH2 zum 1. Januar 2019. Der

Erhebungserlass ist noch nicht verabschiedet, was sicherlich der

anfangs unterschätzten Komplexität des Werkes geschuldet ist,

wobei der Zeitplan hier ausdrücklich nicht kritisiert werden soll.

Jedoch ist gerade dieser Erlass von höchster Wichtigkeit, da er

unsere zukünftigen Arbeitsmethoden unter der neuen Techno -

logie regelt und die Rolle der ÖbVI im amtlichen Vermessungs -

wesen festigt. Das ist zumindest der Anspruch der ÖbVI nach

unserem Selbstverständnis.

Der Erhebungserlass im Sinne einer Plattform für die Spezifi zie -

rung der NAS-ERH2 fehlt also noch und bringt die Arbeiten ins

Stocken. Sollte man meinen, aber seit Anfang Juni ist diese Perspektive

begraben. Die AG NAS 2 kommt zu dem Ergebnis, dass

ein Weg zu einem technisch machbaren und finanzierbaren Umstieg

auf NAS-ERH2 bei Liegenschaftsvermessungen nicht sicht -

bar ist und beschließt die Arbeit auf unbestimmte Zeit einzu -

stellen. Die etablierte Verfahrensweise der NAS-ERH1 soll also

zunächst als das Ende der ALKIS® Fortführung in NRW festge -

schrieben werden. Der anfangs angedachte Weg, über die NAS-

ERH2 zu effizienteren Abläufen bei Liegenschaftsvermessungen

und der Fortführung des amtlichen Nachweises zu kommen, soll

verlassen werden, da von der Kommission an keiner Stelle Effi -

zienzge win ne gesehen werden. Es sind aber auch keine Effi zienz -

verschlech terungen aufgezeigt, auch wenn das immer wie der

behauptet wird.

Aus technischer und insbesondere aus berufspolitischer Sicht

stellt sich der BDVI entschieden gegen diesen Beschluss.

Aus technischer Sicht sehen wir die Machbarkeit der Vermessung

unter der ALKIS®-Architektur als gegeben; wo nicht, müssen wir

alles daran setzen, dass dieser Zustand so schnell wie möglich er -

reicht wird. Auf den Bestand des Meilensteinerlasses vertrauend,

wurden die Werkzeuge in vielen Büros beschafft und war ten auf

den Einsatz. Bis zur Übergabe der Vermessungsergebnisse an den

amtlichen Nachweis werden Vermessungen intern bereits konsequent

ALKIS®-konform erhoben und bearbeitet. Es fehlt aber

der Schritt der landeseinheitlichen standardisierten Schnitt -

stelle.

Wir fordern daher das Land auf, entsprechende verbindliche tech -

nische Anweisungen für alle Beteiligten zu erlassen und – wenn

die gegebenen technischen Ausrüstungen landesweit nicht ge -

eignet sein sollten – auch finanzielle Mittel für die Herstellung

einer dazu benötigten Software bereit zu stellen.

Aus berufspolitischer Sicht steht die rechtliche Stellung der

ÖbVI im Vordergrund. Wir brauchen die NAS-ERH2 dringend,

da wir die uns zugewiesenen Aufgaben nur dann ausfüllen können,

wenn wir die aktuelle Technik beherrschen und nutzen.

Bedauerlicherweise wird die Umstellung auch von einigen Be -

rufskollegen als nicht leistbarer Mehraufwand wahrgenommen,

der in jedem Falle mit einer Anpassung der Gebührensätze zu ver -

binden wäre. Ich sehe hingegen auch erhebliches Einsparpoten -

zial. Der Ruf nach einer Anpassung der Gebühren ist da wohl eher

auf die zu erwartende Erhöhung der Standards als auf die bloße

Einführung von ALKIS® zurückzuführen. Es ist erforderlich, die

Gebührenordnung vor dem Hintergrund neuer Verfahrens wei -

sen und den damit verbundenen Veränderungen aufwandsbezogen

im Auge zu behalten und anzupassen. Nur den Aufwand

bei der Erzeugung der NAS-ERH2 zu bewerten reicht nicht aus,

weil man dann die berühmten »Äpfel mit den Birnen« vergleicht.

Die Gebührenfrage liefert also keine argumentative Grundlage.

Die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure kommen auf

gar keinen Fall dauerhaft an der Mitwirkung der Datenerhebung

unter NAS 2 vorbei, denn: ALKIS® ist GML und GML ist Stand

der Technik! … und wenn wir ÖbVI den Stand der Technik nicht

mehr beherrschen, können wir keinen Anspruch auf technische

Kompetenz erheben. Der ÖbVI vereint sowohl technische als

auch rechtliche Kompetenz. Wenn eine dieser beruflichen Säu -

len wegbricht, wird der Berufsstand untergehen!

Dipl.-Ing. Rudolf Wehmeyer

Landesgruppenvorsitzender NRW

info@vermessungsbuero-wehmeyer.de

40

3


KATASTER

Auf die Einführung der sogenannten NAS-ERH2 wird

bis auf Weiteres verzichtet, es bleibt bei der NAS-ERH1.

Auf den ersten Blick nur eine Kleinigkeit, aber um sie rich -

tig bewerten zu können, muss man sich klar machen, was

das Wichtigste an ALKIS® ist: ALKIS® reali siert eine völlig

neue Sicht auf das Liegenschafts kataster, eine objekt orien -

tier te Sicht, bei der aus einer Ansammlung von Koordi -

na ten und Linien Objekte eines Geo informations systems

ge worden sind. ALKIS® ist ein Geoinformationssystem,

das nach internationalen Normen konzipiert wurde und

den Stand der Technik darstellt.

Die NAS ist die Sprache, mit der zu diesem Informations -

system gesprochen wird. NAS-ERH1 bzw. NAS-ERH2 könn -

te man als Dialekte dieser Sprache bezeichnen. Sie unter -

scheiden sich erheblich; die NAS-ERH1 enthält lediglich

Punktinformationen, die NAS-ERH2 hingegen vollstän -

dige ALKIS®-Objekte. Man könn te auch sagen: mit der

NAS-ERH2 lassen sich vollständige Sätze bilden, mit der

NAS-ERH1 kann man nur Hauptwörter stammeln.

Das ist auch der Grund dafür, dass der BDVI den Verzicht

auf die NAS-ERH2 nicht akzeptieren kann. Der Verzicht

auf die NAS-ERH2 würde die ÖbVI von der funktionalen

Teilhabe an ALKIS® als ei nem modernen Liegenschafts -

informationssystem ausschließen. Der Verzicht auf eine

angemessene Kommunikationsschnitt stelle führt nicht

zu einer Arbeitserleichterung bei den ÖbVI, sondern zu

einem Verlust von Fähigkeiten und Kompetenz – sei es,

weil bereits heute bestehende Fähigkeiten nicht weiter

ge fördert werden, sei es, weil sie gar nicht erst aufgebaut

werden.

Immer wieder wird behauptet, der Verzicht auf die NAS-

ERH2 sei auch im Interesse der ÖbVI. Die NAS-ERH2 sei

für diese mit er heblichem Mehraufwand verbunden –

überflüssigerweise, denn auch die Katasterämter zögen

keinen Vorteil aus ihr. Die Übernahme der NAS-ERH1 mit

den einfachen Punktobjekten sei einfacher und effi zien -

ter als die Übernahme vollständiger Objekte in der NAS-

ERH2. Zudem gäbe es erhebliche techni sche Probleme,

Stichworte sind hier Homogenisierung und Da ten bank -

sperren.

Dies mag den aktuellen Status zutreffend beschreiben,

zeigt aber nur, dass man etwas tun muss. Natürlich kann

man nicht die NAS-ERH2 einführen und alles andere beim

Alten belassen. Es sind nicht nur die Software und die Ar -

beitsprozesse betroffen. Insbesondere die gesamte Schnitt -

stelle zwischen Vermessungsstellen und Katasterämtern

muß angepasst werden, wenn man Effizienzgewinne aus

der NAS-ERH2 ziehen will. Ein Bei spiel: Im Augenblick

ist die Fortführung auf Grundlage der NAS-ERH1 nur mög -

lich, weil die zur Objektbildung nötigen Informa tionen

an anderer Stelle enthalten sind, z. B. im Fortführungsriss.

Mit der NAS-ERH2 ist das anders – sie ent hält an einer

Stelle alle zur Fortführung benötigten Informationen.

Be rücksichtigt man das nicht entsprechend, wird man

das technische Potenzial der NAS-ERH2 nicht nutzen. Wie

will man so die Effizienz verbessern?

Ähnlich verhält es sich mit den anderen technischen Pro -

blemen. Die Schwierigkeiten in Bezug auf die Homo geni -

sierung z. B. kön nen durch die sogenannte »Inverse Homogenisierung«

ge löst werden. Die Fachkonzepte da zu sind

hinlänglich bekannt und müssten lediglich umgesetzt

werden. Und auch die zu Da ten banksperren führenden

Probleme können über entsprech ende Software erweite -

rungen hinlänglich gelöst werden.

Fazit: die NAS-ERH2 ist mehr als eine schlichte Schnitt -

stellendefinition. Mit der NAS-ERH2 wird es notwendig,

sowohl Software als auch Arbeitsweisen bei den Vermes -

sungsstellen und bei den Katasterämtern weiterzuent -

wickeln, denn sonst kann man das Potenzial von ALKIS®

nicht freilegen. Dieser Weiterentwicklungsprozess wird

aber nicht von selbst kommen. Er wird auch nicht ne ben -

bei abzuwickeln sein. Tatsächlich wird er so auf wän dig

sein, dass er von einzelnen Akteuren nicht bewältigt werden

kann. Ohne eine zentrale Koordinierung und ohne

ent sprechende Finanzierung wird er nicht gelingen.

Der BDVI erwartet daher vom Land, dass es diese Aufga -

be an geht und auch Mittel für die Verfahrensentwicklung

und die Herstellung von Werkzeugen bereitstellt. Er

sieht dieses Vor haben als elementar für die Öffentlich

bestellten Vermessungs ingenieure und das gesamte Öffentliche

Vermessungswesen an und wird das Projekt des -

halb nach Kräften unterstützen.

Dr.-Ing. Andreas Rose

Öffentlich bestellter

Vermessungsingenieur

rose@oebvi-rose.de

41

3


REPORT

Zukunftsthemen

in Mecklenburg-

Vorpommern

FRANK REICHERT | MAHLOW

Wenn es um Zukunftsthemen geht, dann ist in Mecklenburg-Vorpommern das Max-Planck-

Institut für Plasmaphysik in Greifswald eine erste Adresse. Grund genug, die diesjährige

Mitgliederversammlung am 8. Mai 2015 nicht in einem x-beliebigen Tagungshotel durchzuführen,

sondern direkt im Forschungszentrum mit der Möglichkeit einer Besichtigung der Fusions anlage

Wendelstein 7-X.

Im Auftaktvortrag der Mitgliederversammlung war zunächst Ge -

legenheit, die physikalischen Grundlagen für ein Fu sions kraft -

werk kennenzulernen und zu erfahren, wie die Ener giequelle

von Sonne und Sternen – die Kernverschmelzung – in einem

Kraftwerk auf der Erde nutzbar gemacht werden soll.

Im anschließenden Fachprogramm ging es dann um ÖbVI-spe -

zifische Zukunftsthemen. Nötig ist dafür zunächst ein Blick zu -

rück. Als im Dezember 2010 das Geoinformations- und Vermessungsgesetz

von Mecklenburg-Vorpommern grundlegend

novelliert worden war, wurden für die ÖbVI bereits die Grundlagen

geschaffen, die abgerufenen Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters

zu nutzen, Auszüge daraus zu erstellen sowie

im Rahmen ihrer Beratungs- und Aufklärungspflicht auch Aus -

künfte aus den Daten zu erteilen. Den rechtlichen Grundlagen

folgte dann aber lange keine landesweit einheitliche techni -

sche Umsetzung, sodass die neue Aufgabenwahrnehmung zu -

nächst nur auf dem Papier stand. Mit der Einführung von ALKIS®

sind aber jetzt die Hürden genommen, die der Realisierung bislang

im Weg standen.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung konnte nun der De -

zernatsleiter im Landesamt für innere Verwaltung Dr.-Ing. Jörg

Rubach mit dem »ÖbVI-Schreibtisch« ein Werkzeug erstmals prä -

sentieren, das den Arbeitsalltag des ÖbVI erheblich erleich tern

wird. Über den gebührenfreien »ÖbVI-Schreibtisch« im Geo-

Portal.MV erfolgt zukünftig der Zugang zum landesweiten Da -

tenbestand der Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters. Ins -

gesamt sind darin drei Komponenten vereint:

Im Geodatenviewer GAIA-MVprofessional stehen die ALKIS®-

Datenbestände mit Eigentümerinformationen und mit Berechtigung

zur Anfertigung von analogen Druckausgaben zur Verfügung.

Die ALKIS®-Auskunftskomponente (APK) bietet Vollzugriff auf

alle ALKIS®-Daten einschließlich umfangreicher Werkzeuge für

die Recherche und zur Fertigung von Präsentationsausgaben.

ÖbVI dürfen damit als abrufberechtigte Stelle Auszüge aus Geo -

basisdaten des Liegenschaftskatasters im Namen der jeweils zu -

ständigen unteren Vermessungs- und Geoinformationsbehörde

42

3


REPORT

erteilen. Die für die Auszugserteilung zu erhebenden Gebühren

sind anteilig an die Katasterbehörden abzuführen.

Schließlich umfasst das automatisierte Abrufverfahren über den

»ÖbVI-Schreibtisch« auch noch die Anwendung LENRIS für die

Recherche von Nachweisen und Dokumenten des Liegenschafts -

katasters.

Neben dem in der Mitgliederversammlung vorgestellten und

mitt lerweile verfügbaren »ÖbVI-Schreibtisch« wurde zudem zwi -

schenzeitlich auch ein ALKIS®-WMS freigeschaltet, der in der

Basisfunktion (ohne Eigentümerinformationen; ohne Berechtigung

zur Anfertigung von analogen Druckausgaben) für jedermann

genehmigungs- und geldleistungsfrei nutzbar ist.

Nach diesem Ausflug in die unmittelbare Zukunft widmeten sich

die weiteren Tagesordnungspunkte der Mitgliederversammlung

dann vorwiegend Themen der Gegenwart, wobei ein Schwerpunkt

auf der im letzten Jahr in Kraft getretenen Verwaltungs vor schrift

zur Durchführung von Liegenschaftsvermessungen sowie auf

ALKIS® lag. Diese Themen waren zum Schluss mit un gewissen

Zukunftsaussichten verbunden, sieht doch die Übergangs rege -

lung zur ALKIS®-Einführung in Mecklenburg-Vorpom mern vor,

dass bereits eingereichte, mit Mängeln behaftete Vermessungs -

schriften vollständig umzuarbeiten sind. Doch da von ließ sich

niemand die Aussichten für die Zukunft trüben. Der Vorstand

erhielt kurzerhand den Auftrag, sich im Innenministerium nachdrücklich

für die Lösung dieses Problems einzusetzen.

Dipl.-Ing. Frank Reichert

BDVI-Geschäftsstellenleiter Brandenburg,

Meckl.-Vorp., Sachsen-Anhalt

reichert@bdvi.de

43

3


VERBAND

Grenzen überschreiten (wir)

DACH 2015

in Kempten (Allgäu)

MARTIN ULLNER | FORUM-REDAKTION

Selbst wenn das Überschreiten der Grenzen

erst in naher Zukunft erfolgt oder sich als

tägliche Arbeit herausstellt: Welche die derzei -

tigen Grenzen sind, konnten vom 10. bis 13. Juni

2015 freiberufliche Kollegen aus Deutschland,

Österreich und der Schweiz auf der 4. Drei länder -

tagung erfahren. Zwei unterschiedliche Vertreter

des BDVI äußern sich zum Kongress.

44

3


VERBAND

Was bleibt von einer derartigen Veranstaltung, wenn man

zur Ruhe kommt, der mögliche Tunnelblick verebbt ist und

die klei nen Probleme des Berufsalltags wieder beginnen?

Erst ist es ein Gefühl: Man war wirklich herzlich willkommen

und persönlich angesprochen, viele Probleme schie -

nen grenzüberschreitend die selben zu sein, man war von

der Organisation und Thematik eingebettet.

Später fragte man sich: Wo liegen eigentlich diese Grenzen,

die es zu überschreiten gilt? Die Art der Grenzen

wurde in vielen Vor trägen, Diskussionen und Erklä run -

gen benannt: wiederholt erklärungsbedürftige Profession,

behäbige Daten, Nachwuchsmangel, staat -

liche Regulierung bzw. Nichtregulierung, knappe

Ressourcen …

oben links: Kempten

mit Strahlkraft I

mitte rechts:

Partner: Unterzeichnung

für arbeitsplatz-erde.de

unten:

bereits überzeugter ÖbVI

Die meisten von ihnen sind nur durch einen starken Verband zu

lösen – mit einer gebündelten Meinung und Herangehens weise.

Dass sich dieser Verband nicht nur auf den BDVI oder die durch

ihn gestützte Interessensgemeinschaft Geodäsie be schränkt,

stellte die Unterzeichnung einer Kooperationsver einbarung dar,

mit der Inhalte des Nachwuchsportals arbeits platz-erde.de an -

gepasst auch in der Schweiz und in Österreich zur Verfügung

stehen werden. Wenn das keine Grenzüberschreitung ist …

Die Keimzelle beim Überschreiten der Grenzen liegt aber in jedem

freiberuflichen Individuum selbst. Der Kongress gab ihm

den Reiz, der dort ankommen muss, wo die Grenzen eigentlich

lokalisiert sind: im Kopf!

Hier beispielgebend stellte der Schweizer Dr. Fridolin Wicki, Direktor

des Bundesamtes für Landestopografie swisstopo, das aus

einem Think Tank entsprungenen Dis -

kussionspapier »Dimension Ca das tre«

vor. Aufgrund einer konser vieren den

Tätigkeit des Geo meters sind Visionen

in diesem Betätigungsfeld

für das Papier essentiell. Die ge -

sellschaftliche Revolution macht

es an der Mög lichkeit fest, dass

jeder vernetzte und sich loka -

lisierende Bürger in naher Zu -

kunft ein kleiner Berufskolle -

ge sei.

Wicki eröffnete weitere Bei -

spiele, bei denen Grenzen

überschrit ten werden: Drei -

45

3


VERBAND

Gedanken von BDVI-Präsident

Michael Zurhorst

(gekürzt der Rede auf dem Kongress entnommen)

Zusammen mit dem BDVI, den ich als Präsident vertreten darf,

haben die beiden Schwestergesellschaften aus Österreich und der

Schweiz seit 30 Jahren eine schöne Tradition, sich im 10-Jah -

res rhythmus zu einer gemeinsamen Tagung zu treffen. Für die

Schwesterverbände stehen stellvertretend Dieter Kollenprat

als Vorsitzender der Bundesfachgruppe Vermessungswesen der

Bun deskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten

Österreich und Maurice Barbieri als Past-Präsident der Ingenieur

Geometer Schweiz (IGS), der gleichzeitig amtierender

Präsident des CLGE ist.

Das Motto der DACH 2015 lautet »Grenzen überschreiten«. In

die sem Sinne kann man auch die Entscheidung sehen, das Be -

rufs nachwuchsportal »arbeitsplatz-erde.de«, das BDVI, DVW und

VDV gemeinsam in Deutschland sehr erfolgreich etabliert haben,

nach Österreich und in die Schweiz zu exportieren. Es ist doch

opportun, mit den Erfahrungen aus Deutschland Nachwuchs -

werbung zu betreiben. So haben die drei deutschen Verbände

schnell und einmütig beschlossen, unseren Nachbarländern die

Inhalte von arbeitsplatz-erde.de kostenfrei zugänglich zu machen.

Daher ist es zum Titel unseres Kongresses höchst passend, dass

wir die Vereinbarung zur Nutzung der Inhalte der Webseite

www.arbeitsplatz-erde.de zwischen unseren drei Ländern unter -

zeichnen.

Das Motto »Grenzen überschreiten« stammt von einem Papier,

das die Schweizer Kollegen in einem Think Tank erarbeitet ha -

ben und das den Titel trägt: Grenzen überschreiten: Gedanken,

Visionen und Vorschläge für eine dynamische Zukunft des

Ka tasters. Es ist auch passend für unseren Kongress in Kempten

und darüber hinaus.

Die Österreicher und die Schweizer haben die Landesgrenzen zu

uns nach Deutschland überschritten. Wir ÖbVI sind in ihre Nähe

nach Bayern gekommen, was zumindest berufspolitisch dem

Überschreiten einer Staatsgrenze gleich kommt. Im Prinzip be -

finden sich hier Freiberufler aus drei Staaten in einem frei beruf -

lichen Entwicklungsland für Geodäten.

In den vergangenen Jahren haben die maßgeblichen Geodäten -

verbände BDVI, DVW und VDV in Deutschland alte Grenzen über -

schritten und sich zur Interessengemeinschaft Geodäsie (IGG)

zusammen getan, um die Interessen der Geodäten in Politik und

Gesellschaft gemeinsam zu vertreten. Und alle haben er -

kannt, dass eine gesellschaftlich eher kleine Gruppe ge mein -

sam viel mehr erreichen kann als die Summe der Einzelnen.

In der Schweiz sind die Freierwerbenden IGS-Mitglieder

eine Gruppe in der geosuisse. So weit ist es nicht mit

dem BDVI und dem DVW in Deutschland, aber den DVW

kann man sicher als Dachverband für die Mitglieder

des BDVI bezeichnen.

Wir Geodäten im Allgemeinen und wir Freiberufler

im Besonderen müssen uns täglich die Frage stellen:

Wer will unsere Produkte, was sind unsere Produkte

und warum will jemand diese haben? Es braucht

einen Markt mit Angebot und Nachfrage. Das gilt

generell, auch wenn ein Teil des Marktes ein re -

gulier ter Markt ist, auf dem Produkte z. B. durch

gesetzliche Vorgaben de finiert sind. Hier stellt

sich aber die Frage, wie lange und welche Produkte

vom Staat definiert werden. Der Staat tut dies auch nicht

aus einem Selbstzweck, sondern aus der Erkenntnis heraus, dass

dies von gesellschaftlicher Relevanz ist.

Im Eigentumssicherungssystem in Deutschland ist der Eigentumsübergang

zumindest eines Teilgrundstückes nur mit Ka -

tastervermessung, Notarvertrag und Grundbucheintrag mög -

lich, weil der Staat das so will und weil es sich bewährt hat. Das

ist aber bei weitem nicht in allen Ländern so. Bei der Umsetzung

der INSPIRE-Richtlinie der EU setzt der Staat nur bestimmte

definitorische Schranken, ebenso wie bei der Verwendung von

bestimmten Geodaten. All das ist nicht selbstverständlich und

muss immer wieder begründet werden.

Dabei spielt die EU eine besondere Bedeutung, indem sie ständig

aus einem gewissen – mir nicht immer eingängigen – Selbst -

46

3


VERBAND

oben links:

Michael Zurhorst:

Gedanken zum Kongress

oben rechts:

Markt der Möglichkeiten

unten mitte:

Bankett im Kornhaus

unten rechts:

Kempten mit Strahlkraft II

verständnis heraus gebetsmühlenartig Deregulierung fordert.

Die EU überschreitet hier Grenzen – und wie ich meine – in

dop pelter Hinsicht. Zum einen wirkt sie grenzübergreifend und

zum anderen schießt sie häufiger über das Ziel hinaus. Sie behauptet,

dass bei einer Deregulierung der Vermessungsleistungen

mehr Leute die Leistungen anbieten würden, dadurch die

Preise fallen, dadurch mehr Vermessungsdienstleistungen nach -

gefragt würden und damit das Bruttoinlandsprodukt gesteigert

würde. Das ist tatsächlich Kern der Aussage. Man kann nicht

al len Ernstes der Meinung sein, dass billigere Grenzvermessun -

gen zu einer so viel höheren Nachfrage führen würden, dass

da durch ein Marktwachstum entstehen würde. So verrückt das

klingen mag, so ernst müssen wir das nehmen.

Die Intentionen der EU sind ein äußerer Anlass, aber wir müssen,

um am Markt dauerhaft bestehen belieben zu können, den Wert

unseres Tuns für die Gesellschaft nachweisen und in Politik und

Gesellschaft propagieren. Die IGG in Deutschland hat dies mit

den Themen Energiewende und Infrastruktur bereits mit Bot -

schaften auf den Weg gebracht, was die Geodäsie in diesen Fel -

dern an gesellschaftlichem Beitrag leistet. Speziell die Leistung

des Katasters im Rahmen eines Eigentumssicherungssystems

und dessen Wirkung für eine prosperierende Wirtschaft transparent

zu machen, ist sicher für uns ÖbVI ein wichtiges Arbeits -

feld, auch wenn es sich nicht so leicht transportieren lässt, wie

bei den Megathemen Infrastruktur, Umwelt oder demo graphi -

scher Wandel.

Ich will einen Punkt deklaratorisch zu diesem Thema benennen:

In den USA ist Grundeigentum zumindest in weiten Teilen

des Landes nicht im Sinne eines Grundbuches gesichert. Dem -

zufolge wird bei Hypotheken verlangt, das Grundeigentum ge -

47

3


VERBAND

gen Verlust zu versichern, weil die Hypothek sonst ungesichert

ist. Die Prämie einer solchen Versicherung ist jährlich höher, als

die gesamten Kosten für den Eintrag in Kataster und Grundbuch

in Deutschland. Da ist unser System doch geradezu ein

Schnäppchen. Hier müssen wir ansetzen.

Ich will an dieser Stelle lediglich versuchen, die Sensibilität da -

für zu wecken, dass wir uns mit gewissen Ausnahmen, was die

Schwerfälligkeit unseres seligen Katasters angeht, in einem

höchst schnelllebigen Beruf engagieren. Dabei müssen wir aufpassen,

dass unsere Kernkompetenzen im Landmanagement

nicht zugunsten einer mathematischen Technisierung verloren

gehen. Ich will nicht technikfeindlich wirken, denn die neuen

Möglichkeiten sind faszinierend. Aber der Kern unseres Berufes

ist nicht eine technische Lösung für ein Messproblem, sondern

Beiträge zu leisten für die Lösung gesellschaftlicher Aufgaben.

Wir müssen Lösungen liefern für ein zeitgemäßes Eigentums -

sicherungssystem, für Eigentumsneuordnung, für Stadtumbau,

für einheitlich verfügbare Geodaten, für nachhaltige Landnut -

zung. Die Beispiele sollten aber ausreichen, um zu verdeutlichen,

dass messtechnische Datenerfassung unser Handwerkszeug und

das Einbringen in gesellschaftliche Prozesse unsere eigentliche

Berufung ist.

Auch in unseren eigenen Köpfen müssen wir Grenzen überschrei -

ten, die noch im Sinne einer gedanklichen Sicherung des Status

Quo vorhanden sind.

Wir müssen weiter über unser Ausbildungssystem nachdenken.

Mit dem Übergang zum Bachelor- und Mastersystem hat sich ei -

ne Tendenz beschleunigt, die Universitäten in den MINT-Fä chern

im Allgemeinen und in der Geodäsie im Besonderen techniklas -

tig werden zu lassen. Professoren werden nur noch nach Credit -

points aus wissenschaftlichen Publikationen berufen. Manage -

ment- und Führungsqualifikationen spielen keine Rolle. Tenden -

ziell wird Lehre zum lästigen Beiwerk forschender Professoren.

Im Sinne eines »Studium Generale« früherer Zeiten, sollte eine

Universitätsausbildung nicht nur Fachexperten, sondern auch

Führungspersönlichkeiten generieren. Wenn wir wollen, dass

Geo däten Führungskräfte sein können, dann muss die Ausbildung

auch diese Kompetenzen vermitteln. Da sehe ich ein zu -

nehmendes Defizit.

Im Sinne des grenzüberschreitenden Mottos haben wir darüber

sinniert, was denn die jeweiligen Nachbarländer haben oder tun,

was im jeweils anderen Land von Interesse sein könnte, also

grenzüberschreitenden Nutzen haben könnte.

In einem Art »Mini« Think Tank sind meine Kollegen und ich zu

dem Schluss gekommen, dass wir von dem Think Tank der Schwei -

zer zur Zukunft des Katasters lernen können und auch von dem

Schweizer Kataster der Öffentlich

Rechtlichen Beschränkungen. Die

Österreicher können uns mit Erfah -

rungen bei der Verwaltung räumlich

begrenzter Dienstbarkeiten

und der digitalen Verfahrens ab -

wicklung bei Grundstückstei lun -

gen be reichern. Im Gegenzug

haben unsere Freunde Interesse

an der deutschen Kompetenz in

Sa chen Bewertungs sachver -

stän diger, dem Katas ter als

Basis der Grundsteuer und an

Begründungshilfen für ein

Ge bührenrecht bei Katas -

ter vermessungen.

Im Sinne meiner obigen

Aus führungen müssen wir beim Thema Kataster auch darüber

nachdenken, wie wir einerseits die essen tielle Bedeutung des

Liegenschaftskatasters als Teil des Eigentumssicherungssystems

bewahren können und gleichzeitig das Kataster für zukünftige

Aufgaben im Sinne eines Mehrzweckkatasters modernisieren

können.

Ja, das Kataster muss konsistent und flächendeckend sein.

Ja, wir müssen Rechtssicherheit gewährleisten.

Ja, wir müssen gewährleisten, dass der beschreibende Teil

des Grundbuches unabhängig von fremden Interessen

geführt und fortgeführt wird.

Aber wir dürfen nicht nur Lord-Siegel-Bewahrer sein. Natürlich

werden wir in Zeiten von GoogleMaps und Bing gefragt, wozu

man überhaupt die teuren Amtlichen Karten und Nachweise

benötigt. Und natürlich können wir gut argumentieren, dass

eine Nation ihre Eigentumssicherung und rechtssichere Planung

nicht auf Basis von GoogleMaps gewährleisten kann. Aber allein

diese Argumentation wird nicht reichen.

Vielmehr müssen wir das Kataster zu einem Mehrzweckkataster

ausbauen, das den in den Gesetzen vielfach verankerten Grundsätzen

genügt, Geobasisinformationssystem entsprechend den

Anforderungen der Bürger und der Nutzer aus Wirtschaft, Ver -

waltung, Recht und Wissenschaft zu sein. Ich frage mich allen

Ernstes, ob das Kataster diesen Ansprüchen heute genügt. Dazu

müssten die Amtlichen Geodaten einschließlich Kataster tatsächlich

in Sachen Verfügbarkeit und Benutzerfreundlichkeit

deutlich mehr Google-like werden.

Gerade diesen Fragen haben sich die Schweizer schon wie an -

gedeutet in einem Think Tank gestellt und jenes Papier vor -

gelegt. Das ist der Pioniergeist, den wir benötigen.

48

3


VERBAND

Erfahrungen auf der

DACH 2015

»Meine Meinung zum DACH Kongress 2015 in Kempten im

Allgäu? Ein gelungenes, verlän ger tes Wochenende mit das

Business bereichernden Inhalten und Spaß für die Familie.

Meine Familie und ich sind beim nächsten Mal wieder dabei

und hoffen bereits jetzt auf eine regere Teilnahme der Kollegen

aus den sich bei diesem Event die Hände reichenden Ländern

Österreich, Schweiz und Deutsch land!

Die Vorträge und die Themen der Sitzungen waren aus der

Arbeits welt gegriffen und alles andere als langweilig, sondern

span nend, inspirierend und voller praxisnaher Informationen für

den eigenen Büroalltag und die Zukunft unserer Branche. Das Rahmenprogramm

war wunderbar abwechslungsreich gewählt und bot

genug Zeit für persönliche Gespräche in angenehmer Atmos phäre.

Auch die Zeit für Verschnaufpausen mit der Familie oder Entdeckungstouren

des schönen Kemptens auf eigene Faust war gegeben,

natürlich immer mit einem unaufdring lichen, perfekt organisierten

Alternativprogramm für alle Interessierten.

Dieser und andere Events unseres Verbandes verdienen einen größeren

Zulauf an Teilnehmern. Um die Branche zu beleben, ge meinsam zu wachsen

und für die Zukunft optimal informiert und gewappnet zu sein, freue

ich mich auf die nächsten so informativen und bereichernden Veranstaltungen.

Ich hoffe, wir sehen uns dort!«

Dipl.-Ing., Dipl. Wirtsch-Ing. (FH) Michael Ludin | ÖbVI in Radolfzell

oben links: Regionale Kultur; oben rechts: Gespräch auf höchster Ebene; unten: Bayerischer Abend in der Scheune

dimensionale Eigentumsrechte, Landschaft als Karte, vir tuelle

Realität, Indoor-Lokalisierung … Michael Zur horst wünschte

regelrecht eine gute Nacht, wenn wir die Gestaltung die ser Herausforderungen

den Juristen und Politikern überlassen sollten.

Nebenstehend äußert sich der BDVI-Präsident zum Kongressthema

und dem Nutzen einer gemeinsamen Veranstaltung im

deutschsprachigen Raum. Außerdem reflektiert der ÖbVI Mi chael

Ludin, ein Teilnehmer jüngeren Jahrgangs, in kurzen Zeilen seine

Eindrücke zur DACH – u. a. grenzüberschrei tend durch die Anwesenheit

seiner kleinen Familie.

Übrigens: Wer Visionen hatte, ging nicht zum Arzt, sondern ent -

spannte den Kopf, der demnächst keine Grenzen mehr kennt,

ländlich sittlich beim Weißwurstfrühstück, hatte seinen Gaudi

beim bayerischen Abend oder goutierte das Festbankett im Korn -

haus.

2016 wird der Kulturkreis gewechselt: Der BDVI lädt nach Potsdam.

Dipl.-Ing. Martin Ullner

FORUM-Redaktion

ullner@bdvi-forum.de

49

3


IMMOBILIEN

TEGoVA General Assembly Spring 2015 in Berlin

Die Welt

zu Gast bei Freunden …

WOLFGANG GLUNZ

RATINGEN

Generalversammlung im

Marriott Hotel am Potsdamer Platz

So oder so ähnlich hätte man es genannt vor der WM 2006. Jetzt ist die Bezeichnung belegt.

Fußball wurde nicht gespielt – es waren auch Amerikaner und Kanadier zugegen, die so

was gar nicht können –, aber die Welt war da und freundlich ging es auch zu beim alljährlichen

Frühjahrstreffen des europäischen Dachverbandes der Bewerterorganisationen TEGoVA. Unter der

Gastgeberschaft der deutschen Delegation wurde im April nach Berlin geladen und es konn ten

zahlreiche Teilnehmer begrüßt werden.

Nach 2007 in Hamburg fand wieder eine TEGoVA-Veranstaltung

in Deutschland statt. Als Gastgeber fungierte die deutsche

Delegation. Den Hauptorganisationsaufwand schulterten dabei

der Bankenverband vdp und der Sachverständigenverband BVS,

unterstützt u. a. vom langjährigen TEGoVA-Mitglied BDVI.

Unsere Hauptstadt ist international scheinbar so beliebt, dass

eine große Anzahl von Delegierten erschien. Diese repräsentier -

ten 46 Verbände aus 26 europäischen Ländern, unterstützt von

»Beobachtern« aus Nordamerika. Die waren jetzt sogar selber

da und die NSA konnte zu Hause bleiben.

Auftakt war die Einladung des Vorstands und seiner Gäste von

HypZert in die französische Botschaft am Brandenburger Tor.

Kein schlechter Begrüßungsort. Herr Kälberer vom vdp übernahm

dabei stellvertretend für die deutsche Delegation die Er -

öffnung des Empfangs.

Wolfgang Kälberer, Verband deutscher Pfandbriefbanken e. V. (vdp),

beim Empfang in der französischen Botschaft am Pariser Platz

Mittlerweile ist es (wieder) Tradition bei TEGoVA, dass anlässlich

der zweimal jährlich stattfindenden Generalversammlungen

50

3


IMMOBILIEN

eine Konferenz vorgeschaltet wird, in Berlin unter

dem Titel »European Banking Union and Cross Border

Valuation«. Eine gute Gelegenheit, als heimi -

scher Sachverständiger »über den Tellerrand« zu

schauen.

Krzysztof Grzesik und Michael MacBrien

mit den Gästen aus Nordamerika

Lothar Jerzembek, Bundesverband Öffentlicher

Banken Deutschlands e. V. (VÖB), erhält die

Auszeichnung »Hon REV« von Krzysztof Grzesik,

Chairman of the Board of Directors

Die Generalversammlung selber fand im Marriott

Hotel am Pots damer Platz statt. Mittlerweile ist es

recht voll und man benötigt große Räume, wie

man unschwer erkennen kann. Nicht zu letzt durch

den Titel »Recognised European Valuer« sind in den

vergangenen Jahren zahlreiche neue Verbände der

TEGoVA bei getreten, überwiegend aus Ländern

vom Balkan, aber auch aus Irland, Belgien und den

Niederlanden.

Flurgespräche

Neben den Hauptthemen Bewertungsstandards

und Quali fikation von Sachverständigen kam es

auch zu Ehrungen, so wurde das langjährige Mitglied der deut -

schen Delegation, Lothar Jerzembek, mit dem Titel »Hon REV«

für seinen Beitrag zur Findung und Etablierung einer euro päi -

schen Wertermittlungs kultur geehrt. Der deutschen Delegation

wurde Gelegenheit ge geben, im Rahmen der Generalversamm -

lung ei nen Einblick in die wundersame deutsche Wertermitt -

lungswelt zu geben, was ich in meinem ebenso wundersamen

Englisch übernahm. Hierbei geht mein Dank an Maximilian Karl,

den Leiter des Arbeits kreises 6 des DVW. Sein Material war sehr

hilf reich, da man ja nicht immer über Gutachterausschüsse in

Eng lisch redet. Ich zumindest nicht.

Das Feedback der Gäste bezüglich der gesamten Veranstaltung

war überaus positiv, wozu die besonderen Reize der Hauptstadt

na türlich auch ihren Beitrag geleistet haben.

über europäische Entwicklungen nicht. Nicht zuletzt durch die

Initiative der TEGoVA kann es jetzt zur Anerkennung von Vermessungsassessoren

durch die RICS gekommen sein, aber das

ist ein ganz anderes Thema.

Last but not least wichtig bei solchen Veranstaltungen sind die

»Flurgespräche« mit Vertretern aus anderen Ländern, um aus

ge genseitigen Erfahrungen zu lernen und – wiederum – den

Wiedererkennungswert der eigenen Organisation und des Be -

rufsstandes zu erhöhen. Mag es letztendlich auch nur der Austausch

darüber sein, was geschmackvoller ist, Barbecue »Texas

Style« oder die Variante aus North Carolina. Zumindest weiß man

dann, dass auf diesem Feld eine noch heftigere Fehde herrscht

als im Fußball zwischen Köln und Mönchengladbach …

Insgesamt sind solche Ereignisse ein guter Rahmen zur Stei -

gerung der eigenen Sichtbarkeit. Damit meine ich nicht mich

selbst, sondern den BDVI und den (Öffentlich bestellten) Vermessungsingenieur

in der europäischen Wertermittlungswelt,

getreu dem Motto »Denn sie wissen nicht, was wir tun …«. Aus

Europa schwappt nun mal sehr viel zurück nach Deutschland.

Auch damit man besser darauf vorbereitet ist, schadet Wissen

Dipl.-Ing. Wolfgang Glunz

Öffentlich bestellter

Vermessungsingenieur

wolfgang.glunz@brauer-glunz.de

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FORUM

Zeitschrift für das Öffentliche Vermessungswesen

in Sachsen-Anhalt

LSA VERM

KARIN SCHULTZE | MAGDEBURG

Gesellschaftliche und technologische Entwicklungen haben das Vermessungs- und

Geoinformationswesen seit jeher dynamisch gefordert. Die »Zeitschrift für das Öffent -

liche Vermessungswesen in Sachsen-Anhalt – LSA VERM – begleitet diese Entwicklungen seit

20 Jahren aus der regionalen Perspektive. Als fachpublizistisches Forum für die Information

und den Austausch über den landesspezifischen Weg hat sie im föderalen Gefüge ihren Platz

neben den globalen und übergeordneten Informationen bundesweiter Fachzeitschriften.

Die Grundidee war entsprechend dem Geleitwort der ersten

Ausgabe, für das Vermessungs- und Geoinformationswesen in

Sachsen-Anhalt »die landesspezifischen Aufgaben und Pro ble -

me darzustellen sowie für Identifikation und Kooperation zu

sor gen«. Von Beginn an hat die LSA VERM aktuelle Entwicklun -

gen in einem möglichst breiten Spektrum des Fachgebietes verfolgt

und praktische Lösungsansätze für die Umsetzung angeboten.

Themenschwerpunkte waren anfangs naturgemäß die besonderen

Herausforderungen in einem neuen Bundesland – wie

z. B. die wandelnde Bedeutung des Liegenschaftskatasters oder

die Auflösung von ungetrennten Hofräumen und Hausgärten.

Gleichermaßen informiert die Zeitschrift kontinuierlich über

Meilensteine der fachlichen Entwicklungen, z. B. den Einsatz

satellitengestützter Verfahren, das Laserscanning oder die

ALKIS®-Einführung. Fast schon traditionell wird die Einführung

grundlegender Rechts- und Verwaltungsvorschriften von Anfang

an durch entsprechende Beiträge begleitet. Eine besonde -

re Bedeutung hat die LSA VERM für die Transparenz der fort -

währenden Modernisierung der Geoinformationsverwaltung,

indem Strategien und Konzepte regelmäßig Gegenstand von

Aufsätzen sind. Mit Priorität werden stets auch aktuelle Ent wick -

lungen in der Ausbildung des Berufsnachwuchses aufge zeigt.

Darüber hinaus reicht die Spannweite der fachlichen Artikel von

aktuellen raumbezogenen Vorhaben – wie z. B. des Hochwasserschutzes

oder der Lärmkartierung – über praktische Sicht weisen

aus verschiedenen Blickwinkeln – z. B. des militärischen Vermessungswesens

oder der Stadtvermessung – bis hin zu vermessungstechnischen

Herausforderungen rund um die 25. Bun -

desgartenschau in Magdeburg oder archäologische Arbeiten.

Auch Randbereiche des Fachgebietes sind immer wieder Gegenstand

von Beiträgen, z. B. Personalentwicklung, IT-Sicherheit

oder Arbeitssicherheit. Dieses inhaltlich breite Spektrum ermöglicht

den Leserinnen und Lesern – mit Blick über den Tellerrand

hinaus –, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen

zu verfolgen. Auch heute ist dieser Anspruch der Gründungs -

väter der LSA VERM oberstes Ziel der Schriftleitung. Dadurch

wollen wir mit unserer Fachzeitschrift nach wie vor die Zusammenarbeit

und die Kommunikation im öffentlichen Vermessungs-

und Geoinformationswesen in Sachsen-Anhalt fördern

und besonders der Aus- und Fortbildung dienen.

Die LSA VERM möchte zum Erfahrungsaustausch anregen sowie

Informationsquelle für den Berufsnachwuchs und Lektüre für

die berufliche Weiterbildung sein. Sie richtet sich vorrangig an

52

3


FORUM

die interessierten Fachleute in Sachsen-Anhalt. Leser

der LSA VERM sind aber auch Fachkollegen anderer

Bundesländer und Studierende der Hochschulen und

Universitäten. Die einzelnen Beiträge widmen sich ei -

nem Fachthema, wobei die Ausfüh run gen durch Abbildungen

anschaulich ergänzt werden. Gelegenheit

zum Vertiefen, Orientieren und Informieren zu den

einzelnen Themen bietet das Literaturverzeichnis, mit

dem jeder Bei trag schließt. Am Ende einer Ausgabe

finden sich in der Rubrik »Informationen aus dem Öffentlichen

Vermessungswesen« er gänzende Sachinformationen

z. B. zu Fachtagungen oder Re zensionen

von Büchern.

Die aktuelle Ausgabe 1/2015 beschäftigt sich mit der

Vernetzung von Geobasis- und Geofachdaten. Sie gibt

die Inhalte ei ner zweitägigen Klausur wieder, in der sich

die Führungskräfte der Geoinformationsverwal tung

des Landes Sachsen-Anhalt mit dem Wert schöp fungs -

potenzial vernetzter Geodaten auseinan dergesetzt

haben. Vortragende aus Wissenschaft, Ver waltung

und Forschung haben das enorme Potenzial der Geo -

datenvernetzung auf der Grundlage von Geobasisdaten

aus verschie de nen Perspektiven beleuchtet und

diskutiert. Die Referenten aus dem Bundesgebiet und

aus Sachsen-Anhalt, die ausgespro chene Experten

für ihr Thema sind, haben die wesentlichen Inhalte

ihrer Vorträge für die LSA VERM aufbereitet und so -

mit ermög licht, das bemerkenswerte Vortragsprogramm

nachhal tig verfügbar zu haben.

Die Redaktion der LSA VERM liegt in den Händen

dreier Bediensteter der Geoinformationsverwaltung.

Angewiesen ist die ses Team auf das Engagement der Autorinnen

und Autoren. Nur durch die aktive Mitwirkung vieler Berufs -

kolleginnen und -kollegen ist es über die Jahre gelungen, die

LSA VERM kon tinuier lich mit interessanten Beiträgen zu füllen.

Seit jeher haben Autorinnen und Autoren aus dem gesamten

Spektrum des öffent lichen Vermessungs- und Geoinformations -

wesens mit ihrem spezifischen Blick die Zeitschrift bereichert.

Besondere Unterstützung erfährt die LSA VERM von der Landesgruppe

Sachsen-Anhalt des Berufsverbandes der Öffentlich

bestellten Vermessungsingenieure.

Die LSA VERM wird vom Landesamt für Vermessung und Geo -

information des Landes Sachsen-Anhalt herausgegeben und

ist dort zu beziehen (ISSN 1435-2338). Sie erscheint zweimal

im Jahr, jeweils im Frühling und im Herbst. Der Bezugspreis be -

trägt 2,56 Euro pro Heft, zuzüglich Versandkosten. Ein Abon -

ne ment service ist eingerichtet. Weitere Informationen sind

im Internet verfügbar: www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de >

Veröffentlichungen > LSA VERM

Die bislang erschienenen Hefte der LSA VERM sind mit ihrem

Inhaltsverzeichnis im Archiv aufgeführt. Eine Auswahl von Bei -

trägen wird als Download bereitgestellt. Sie sind im Inhalts -

verzeichnis besonders gekennzeichnet.

Wir würden uns freuen, wenn Sie die Zeitschrift aus Ihrer

Pra xiserfahrung heraus mit Ihren Anregungen zu den verschiedenen

Themen bereichern würden, die sich Ihnen bei

Ihrer täglichen Arbeit stellen. Manuskripte für eine Veröffent -

lichung können bei der Schriftleitung eingereicht werden:

karin.schultze@mlv.sachsen-anhalt.de

Karin Schultze

Schriftleitung »LSA VERM«

karin.schultze@mlv.sachsen-anhalt.de

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3


FORUM

Nachruf

Die BDVI-Landesgruppe Thüringen

nimmt Abschied von ihrem

hochgeschätzten Kollegen

DIPL.-ING. (FH)

ULRICH GOLLE

ÖFFENTLICH BESTELLTER

VERMESSUNGSINGENIEUR I. R.

GEBOREN AM 10. MAI 1951

VERSTORBEN AM 9. JUNI 2015

Wir sind zutiefst betroffen vom Tod

unseres Kollegen und werden

sein Andenken in Ehren halten.

Landesgruppe Thüringen des Bundes

der Öffentlich bestellten Vermessungs -

ingenieure e. V. (BDVI), der Vorstand

HERBERT TROFF

Bewertung von Grundstücken

mit Anlagen

erneuerbarer Energien

Windenergieanlagen

Photovoltaikanlagen

Biogasanlagen

unter Berücksichtigung aller EEG bis 2014

OLZOG Verlag, 2015, 260 Seiten,

ISBN 978-3-7892-1832-3,

Preis 39,90 Euro

Die Grundsatzfrage, ob Kommentare – gebunden oder als Loseblattsammlung

– den Sachverständigen als wichtigste Infor -

mationsquelle dienen oder ob es nicht praxisnäher ist, Wissens -

komplexe geschlossen in Buchform anzubieten, diese Grundsatz -

frage lässt sich wohl nicht generell beantworten. Im Einzelfall,

wie das vorgelegte Fachbuch beweist, scheint es aber geradezu

erforderlich, einen komplexen Sachverhalt wie den der erneuerbaren

Energien aus der Sicht eines Bewertungssachverständigen

in Buchform und damit unmittelbar les- und verarbeitbar anzubieten.

Man ist versucht zu fragen: Warum erst jetzt?

Von der ersten Seite an wird die profunde Kenntnis des Autors

erkennbar, deren es allerdings bedarf, um Grundstücke mit Wind -

energieanlagen Grundstücken mit Photovoltaik- und Biogas -

anlagen gegenüberzustellen und dabei durch eine sorgfältige

Systematik die Vergleichbarkeit der verschiedenen Energie -

gewinnungsverfahren zu gewährleisten. Wie überhaupt die Thematik

der erneuerbaren Energien erst technisch, aber dann auch

wirtschaftlich relevant aufbereitet werden muss, um sich dem

Energiethema mit Anfragen der Wertermittlung kompetent nä -

hern zu können. Das Buch macht deutlich: Die Gesamtsituation

muss erst erfasst und beschrieben werden, um geeignete Verfahrenswege

für eine marktorientierte Wertermittlung zu fin den.

Herbert Troff nennt Fakten und Ziele: Schon Ende 2013 standen

in Deutschland ca. 23.800 Windenergie anlagen, ca. 1,4 Millionen

Photovoltaikanlagen und ca. 7.900 Biogas anlagen für die

Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien zur Verfügung. Im

EEG 2014 sind die Ausbauziele mit 40 bis 45 % im Jahre 2025

und 55 bis 60 % des jährlichen Energiebedarfs im Jahre 2035

festgelegt.

Dem Autor gelingt die Einführung in die Welt der erneuerbaren

Energien hervorragend. Seine Sprache ist verständlich, fernab

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3


FORUM

verdrillter Professionalität, die Abbildungen und Fotos werden

im besten Sinne unterstützend eingesetzt.

Erst im Anschluss an Auskünfte über Technik, Herstellungs -

kosten, Pachtnutzungsentgelte, Planungsdaten und Stromeinspeisevergütungen

widmet sich der Autor den Wertermittlungs -

aufgaben. Seine Erfahrung auf dem Feld erneuerbarer Energien

wird deutlich, wenn er sowohl objektive »Beziehungen zwi schen

Windenergieanlagen und Grundstückseigentümern« als auch

»Störgefühle«, die durch Windenergieanlagen erzeugt werden,

als wertrelevant erkennt.

Das Spektrum der Wertermittlungsaufgaben ist schon erstaun -

lich: Wertschöpfungsmodelle, Erlöspotenziale, Bodenwerte,

Nut zungsentgelte, Ablösebeträge, Wertermittlung der Anlagen,

Auswirkungen der Anlagen auf die Grundstückswerte. Bei dieser

Bandbreite ist verständlich, dass neben den normierten Wertermittlungsverfahren

der ImmoWertV auch investorenorientierte

Wertermittlungsverfahren hinzugezogen werden. Dass bei

zahlreichen Aufgabenstellungen noch Vergleichswerte fehlen

und daher das Ertragswertverfahren die wesentliche Ermitt -

lungssäule darstellt, ist ebenfalls nachvollziehbar. Hierbei zeigt

sich, wie wichtig für den Wertermittler neben der Beobachtung

des Marktes die Kenntnis der recht -

lichen, wirtschaftlichen und tech -

n ischen Rahmenbedingungen ist.

Herbert Troff hat ein Buch für die

Wertermittlungspraxis vor ge legt,

das diese schnell als unverzichtbar

betrachten wird. Ein Rechtsanwalt,

dem der Unterzeichner das Buch

un längst vor gelegt hat – unver -

däch tig, den Wertermittlern künf -

tig Konkurrenz machen zu wol len –,

war über die Dichte der Informationen

erstaunt. Sein Interesse und

anschließendes Lob galten Inhalt und Diktion der Einführung

in dieses gesellschaftlich so wichtige Feld der erneuerbaren

Energien.

Für den Bewertungsfachmann also ein praxisnaher Orientie -

rungs rahmen, für den interessierten Leser eine gründliche wie

verständliche Einführung.

Walter Schwenk | Berlin

Technikwissen punktgenau:

Beherrschen Sie alle Funktionen

von ArcGIS?

Diese Neuerscheinungen konzentrieren sich auf ganz

unterschiedliche Aspekte der GIS-Softwareprodukte: Koordinatensystemen

und Projektionen, Spatial Analyst, ArcGIS for

Desktop Version 10.3. u.a.

Preisänderungen und Irrtümer vorbehalten. Das Kombiangebot bestehend

aus Buch und E-Book ist ausschließlich auf www.vde-verlag.de erhältlich.

2015. ca. 840 Seiten

Erscheint im

September 2015

ca. 86,– € (Buch/E-Book)

ca. 120,40 € (Kombi)

2., neu bearb. Auflage

2015. ca. 264 Seiten

Erscheint im August 2015

ca. 52,– € (Buch/E-Book)

ca. 72,80 € (Kombi)

3., neu bearb. Auflage

2015. 382 Seiten

68,– € (Buch/E-Book)

95,20 € (Kombi)

Bestellen Sie jetzt: (030) 34 80 01-222 oder www.vde-verlag.de/150798

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BILDUNG

Nachwuchswerbung mit dem VDIni-Club

Von Kirschkernen,

gestohlenen Schatzkarten und

Sprüngen mit dem Daumen

Kennen Sie Louis_14 oder Mr. Gylby? Falls

nein, haben Sie die Chance, sie demnächst

kennenzulernen.

Die beiden Figuren spielen nämlich eine Hauptrolle im »Club-

Magazin«, das der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) für die jungen

Mitglieder seines VDIni-Clubs herausgibt. Im VDIni-Club

lernen Kinder ab fünf Jahren auf unterhaltsame und spielerische

Weise die Welt der Technik

VDIni-Club-Mobil

Seit einiger Zeit gibt es auch ein VDIni-

Club-Mobil. Mit dem Mobil startete ein

bundesweites Technikturnier für alle

VDIni-Club-Mitglieder. Die Kinder

bekommen eine Aufgabe, deren Lösung

vor Ort durch eine Jury bewertet wird.

Ermittelt werden ein Tagessieger und

jährlich ein Toursieger.

In VDIni-Clubs vor Ort entdecken die

Mitglieder tech nische Zusammenhänge,

indem sie Experimente durchführen

oder Ausflüge unternehmen.

TECHNIK ON TOUR – die nächsten

Stationen des VDIni Club-Mobils:

4. Oktober 2015 in Chemnitz

18. Oktober 2015 in Ostwestfalen-Lippe

www.vdini-club.de

kennen. Fast 8.000 Kinder

sind mitt lerweile Mitglied in

dem Club, der sein Angebot

auf die unterschiedlichen

Bedürfnisse und Lernweisen

der Kinder zu geschnitten hat.

Louis_14 und Mr. Gilby begleiten

dabei die jungen Le -

ser durch die Hefte und erleichtern

ihnen mit spiele -

rischen Mitteln den Zugang

zum jeweiligen Thema.

Die nächste Ausgabe des

Magazins dreht sich rund um

das Thema »Vermessung«.

Der BDVI hat die Entstehung

des Heftes von Anfang an

fachlich begleitet; wir konn -

ten deshalb der VDIni-Re dak -

tion etwas über den Bleistift

schauen und verraten schon

jetzt, worauf sich die Leser

freuen dürfen:

Im Heft werden u. a. historische und moderne Mess geräte vor -

gestellt und eine Bastelanleitung für einen Kompass fördert das

Verständnis für technische Themen. Wie funktioniert Geocaching?

Wie sieht eine Drohne von innen aus? Wie funktioniert der Daumensprung

und was hat Kirschkernspucken mit Längenmessung

zu tun? Auf diese und andere Fragen erhalten die jungen Leser

(und sicherlich auch einige Eltern) Antworten.

Das Heft wird von professionellen Textern und Grafikern gestaltet

und die Fachbegriffe kindergerecht dargestellt.

Freuen Sie sich mit uns auf die Abenteuer von Louis_14 und

Mr. Gylby in der Welt der Vermessung! Das Heft erscheint Ende

September 2015.

Und zuletzt: Gerne können auch Sie sich im VDIni-Club einbrin -

gen – die VDIni-Clubs vor Ort freuen sich über jede Idee, siehe

www.vdini-club.de.

Dipl.-Ing. Jörg Burchardt

FORUM-Redaktion

burchardt@bdvi.de

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3


FORUM

V ERANSTALTUNGSKALENDER

Aktuelle Termine

Dienstag, 8. September 2015

BILDUNGSWERK VDV

17. Wertermittlungstag NRW

Ort: Herne-Sodingen

Donnerstag, 10. September 2015

BILDUNGSWERK VDV

Geodatenmanagement und

Deformationsmonitoring

im Braunkohlentagebau

Ort: Groitzsch im Landkreis Leipzig

Donnerstag, 10. September 2015

Bildungsinstitut BDVI

Personal Coaching, Teil 2

Ort: Kassel

Freitag, 11. September 2015

Bildungsinstitut BDVI

Intensivkurs »Haftung und

Haftpflichtversicherung –

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt«

Ort: Berlin

Di.−Do., 15.−17. September 2015

DVW-Seminare

INTERGEO ® 2015

Ort: Stuttgart

Montag, 21. September 2015

Bildungsinstitut BDVI

Erfolgsabhängige Vergütung und

Instrumente zur Mitarbeiterbindung

Ort: Kassel

Montag, 28. September 2015

Bildungsinstitut BDVI

Prozessorientierte Büroführung

Ort: Kassel

Freitag, 23. Oktober 2015

BILDUNGSWERK VDV

Verarbeitung von Punktwolken

Ort: Würzburg

Montag, 26. Oktober 2015

BILDUNGSWERK VDV

Bewertung von Spezialimmobilien

Ort: Köln

Freitag, 30. Oktober 2015

BILDUNGSWERK VDV

Neubau und Abriss der Lennebrücke

auf der A 45 (Sauerlandlinie)

Ort: Hagen

Montag, 9. November 2015

DVW-Seminare

Berücksichtigung der ökologischen

Landwirtschaft in der Flurbereinigung

Ort: Frankfurt am Main

Di.−Do., 10.−12. November 2015

BILDUNGSWERK VDV

Smart IT in der Energiewirtschaft

Ort: Deidesheim

Freitag, 13. November 2015

BILDUNGSWERK VDV

Schienengebundener Verkehr Gebiet

Rhein/Ruhr 2015 – neue Themen 2015

Ort: Köln-Deutz

Dienstag, 24. November 2015

BILDUNGSWERK VDV

Geodäsie & BIM

Ort: Dresden

Mo./Di., 7./8. Dezember 2015

DVW-Seminare

Terrestrisches Laserscanning

(TLS 2015)

Ort: Fulda

Montag, 14. Dezember 2015

Bildungsinstitut BDVI

ÖbVIG NRW –

neue Gestaltungspotenziale?

Ort: Köln

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Bildungsinstitut BDVI

ÖbVIG NRW –

neue Gestaltungspotenziale?

Ort: Dortmund

Stand: 13. August 2015

Die Veranstaltungen werden teilweise

als Kooperationsveranstaltungen

angeboten. Angegeben ist der jeweils

verantwortliche Veranstalter.

Geschäftsstelle der

GEODÄSIE-AKADEMIE

info@GEODÄSIE-AKADEMIE.de

Weitere Infos: www.GEODÄSIE-AKADEMIE.de/Veranstaltungskalender

Bund der Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure e.V.

DVW – Gesellschaft für Geodäsie,

Geoinformation und Landmanagement e.V.

Verband Deutscher

Vermessungsingenieure e.V.

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3


FORUM

BDVI-GREMIEN, -KOMMISSIONEN UND -ARBEITSGRUPPEN

16. September 2015,

Stuttgart

23. Oktober 2015,

Ilmenau

7. Dezember 2015,

Berlin

2. bis 4. Juni 2016,

Potsdam

BDVI-HAUPTVORSTAND

FESTVERANSTALTUNG

25 JAHRE BDVI-LANDESGRUPPE THÜRINGEN

BDVI-PRÄSIDIUM

Save the date!

BDVI-KONGRESS

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

SEMINARE / SYMPOSIEN / WORKSHOPS / TAGUNGEN

INGENIEURVERMESSUNG

24. September 2015,

Düsseldorf

9. November 2015,

Düsseldorf

VERMESSUNG MIT DROHNEN (UAVs)

SATELLITENGESTÜTZTE VERMESSUNG:

GNSS-NUTZUNG IN REFERENZDIENSTEN

www.ikbaunrw.de ➞ Akademie

➞ Seminare ➞ Seminarprogramm

www.ikbaunrw.de ➞ Akademie

➞ Seminare ➞ Seminarprogramm

GEOINFORMATION

29. September 2015,

Innsbruck

UAV/UAS – GRUNDLAGEN, ANWENDUNGEN

www.uibk.ac.at/vermessung

1. Oktober 2015,

Leipzig

12. MITTELDEUTSCHES GEOFORUM www.geoleipzig.de

3./4. November 2015,

Bonn

3./4. Dezember 2015,

Berlin

WORKSHOP 3-D-STADTMODELLE

3-D-NORDOST 2015

www.3d-stadtmodelle.org

➞ Veranstaltungen

www.gfai.de

BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

28. September 2015,

Leipzig

1./2. Oktober 2015,

Dortmund

STÄDTEBAULICHE UMLEGUNG –

GRUNDLAGEN UND AUSGEWÄHLTE SCHWERPUNKTE

VERKEHRSWERTERMITTLUNG FÜR GEWERBEIMMOBILIEN

(GRUNDLAGEN)

www.vhw.de

➞ Fort- und Ausbildung

www.sprengnetter.de

➞ Seminarkalender

58

3


FORUM

SEMINARE / SYMPOSIEN / WORKSHOPS / TAGUNGEN

BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

6. Oktober 2015,

Hamburg

13. Oktober 2015,

Mannheim

BESONDERE OBJEKTSPEZIFISCHE GRUNDSTÜCKSMERKMALE

MARKTKONFORM BEWERTEN!

ERRICHTUNG VON ANLAGEN ERNEUERBARER ENERGIEN –

BEWERTUNGSAUFGABEN

www.sprengnetter.de

➞ Seminarkalender

www.vhw.de

➞ Fort- und Ausbildung

29. Oktober 2015,

Bonn

7. BONNER SYMPOSIUM FÜR IMMOBILIENBEWERTUNG www.nrw.bvs-ev.de

4. November 2015,

Düsseldorf

11. bis 13. November

2015, Berlin

FEHLER IM WERTGUTACHTEN –

ERKENNEN UND VERMEIDEN

WERTERMITTLUNG NACH DEM BauGB

www.ikbaunrw.de ➞ Akademie

➞ Seminare ➞ Seminarprogramm

www.isw.de

➞ Programmübersicht

12./13. November 2015,

Leipzig

DEUTSCHER SACHVERSTÄNDIGENTAG 2015

www.bvs-ev.de ➞ Veranstaltungen

➞ Dt. Sachverstaendigentag

MESSEN / AUSSTELLUNGEN

15. bis 17. September

2015, Stuttgart

5. bis 7. Oktober 2015,

München

INTERGEO®

EXPO REAL

www.intergeo.de

www.exporeal.net

INTERNATIONAL

24. bis 26. September

2015, Moskau

CLGE GENERAL ASSEMBLY

www.clge.eu

STUDIENREISEN

7. bis 17. November

2015, Tibet

1. bis 12. April 2016,

Südafrika

BDVI-FACHEXKURSION NACH TIBET

STÄDTEBAULICHE STUDIENREISE

www.bdvi.de

www.isw-isb.de

➞ Fachexkursionen

Weitere umfangreiche Informationen zu Fort- und Weiterbildungen finden Sie u. a. auch unter den folgenden Links:

www.bdvi.de/de/aktuelles/termine | www.dvw.de/fortbildung | www.bw-vdv.de/bildungswerk-vdv | www.sprengnetter.de |

www.vhw.de | www.staedtebau-berlin.de

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3


FORUM

JOBBÖRSE

ANGEBOTE

PLZ-Bereich 4

EINE NEUE HERAUSFORDERUNG ALS

VERMESSUNGSINGENIEUR (M/W) IM AUSSENDIENST

Wir suchen:

Unterstützung und Ergänzung unserer Außen dienst-Teams (Truppführer)

in Gelsenkirchen (Vollzeitanstellung) ab sofort

Wir bieten Ihnen:

• Professionelles Arbeiten in einem hochinte ressanten, technisch anspruchsvollen Umfeld

• Attraktive Vergütung

• Vielseitige Fort- und Weiterbildungs möglich keiten zur Unterstützung

Ihrer fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung

• Eigenverantwortliches Arbeiten in einem leistungsfähigen Team

Sie bieten uns:

• Eine abgeschlossene Ausbildung zum/zur Vermessungsingenieur/-in

• Idealerweise erste Berufserfahrung und gute Fach kenntnisse in Ingenieurvermessung

der Großindustrie, vorzugsweise chemischen und/oder petrochemischen Industrie

• Ein hohes Maß an Motivation und Arbeitsbereitschaft

• Sicheres und freundliches Auftreten

• Teamfähigkeit

Perspektive und Abwechslung … sind unsere Motivation.

Qualifizierung und Weiterbildung … sind uns ein Bedürfnis.

Faire Vergütungsstrukturen … sind der Anteil am Unter nehmenserfolg.

Konnten wir Ihr Interesse wecken? Senden Sie uns Ihre Bewerbungsunterlagen mit Angabe des

möglichen Eintritts termins und Ihrer Gehalts vorstellung an: bewerbung@oebvi-petersen.de

ÖbVI Petersen | Ansprechpartnerin: Martina Brüne | Hagenstraße 7 | 45894 Gelsenkirchen

PLZ-Bereich 6

VERMESSUNGSINGENIEUR/-IN FÜR DEN INNEN- UND AUSSENDIENST

eines ÖbVI-Büros zum 1. Oktober 2015 gesucht

Sie haben Erfahrung in der Durchführung von Kataster- und Ingenieurvermessungen und möch -

ten nicht nur im Außendienst, sondern auch im Innendienst arbeiten? Dann sind Sie hier richtig –

in meinem Betrieb liegen die Messung im Außendienst und die Auswertung des jeweiligen Auftrags

im Innendienst in einer Hand. Eine zeitge mäße technische Ausstattung und ein moti vier -

tes Team von Ingenieuren und Technikern er warten Sie und helfen Ihnen gerne in der Ein arbei -

tungszeit. Kenntnisse der Programme GEOgraf und KIVID sind von Vorteil. Ein sicheres Auftreten

ge gen über dem Kunden sowohl auf der Bau stelle als auch am Telefon im Betrieb wird erwartet.

Bitte geben Sie in Ihren Bewerbungsunter lagen eine Gehaltsvorstellung an. Wir freuen uns

auf Sie!

Herr Schwotzer | Gartenstraße 15 | 64521 Groß-Gerau | chef@schwotzer-vermessung.de

Anzeigenaufträge für Angebote und Gesuche können Sie online unter

www.bdvi-forum.de auf geben.

_ MODERNISIERUNG

DES VERGABERECHTS

Bundeskabinett

beschließt

Gesetzesentwurf

Das Bundeskabinett hat am 8. Juli 2015

den vom Bundesminister für Wirtschaft

und Ener gie, Sigmar Gabriel, vorgelegten

Gesetz entwurf zur Modernisierung des Ver -

gabe rechts verabschiedet, der mehr Anwen -

derfreundlichkeit und Rechtssicherheit bei

Vergaben wie auch eine wirtschaft li che re

Verwendung öffentlicher Haushaltsmittel

bringen soll.

Der Gesetzentwurf wird wesentliche Rege lun -

gen der drei EU-Vergaberichtlinien (Richtli nie

über die öffentliche Auftragsvergabe; Richt -

linie über die Vergabe von Aufträgen in den

Be reichen Wasser-, Energie und Verkehrs -

versorgung sowie der Postdienste; Richtlinie

über die Vergabe von Konzessionen) bis zum

18. April 2016 in deutsches Recht umsetzen.

Die EU-Vergaberechtsmodernisierung zielt

darauf ab, das Regelwerk für die Vergaben

stärker zu ver einheitlichen. Sie dient als Anlass,

den bis he ri gen Vierten Teil des Gesetzes

gegen Wett be werbsbeschränkungen (GWB)

umfassend zu überarbeiten und neu zu strukturieren.

Das Bundesministerium für Wirt -

schaft und Ener gie hatte Ende April 2015 die

Ressortabstimmung zum Referentenentwurf

eines Gesetzes zur Re form des Vergaberechts

eingeleitet. Gleich zeitig wurden Länder, kom -

munale Spitzenverbände, Fachkreise und Ver -

bände beteiligt. Grundlage des Referenten -

entwurfs sind die Eckpunkte zur Reform des

Vergaberechts, die die Bundesregierung am

7. Januar 2015 be schlossen hatte. Das Ge setz -

gebungsverfahren in Bundestag und Bundes -

rat soll im Herbst 2015 beginnen. Der Gesetz -

entwurf bedarf der Zustimmung des Bundesrats.

Der BDVI hatte zum Entwurf Stel lung ge -

nom men und wird den weiteren Ge setz ge -

bungs prozess aktiv begleiten.

Quellen: BFB/BDVI

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3


MOSAIK

_ GEOBIKER

Die Fläming-Elbe-Elster-Motorradtour

Brandenburgs schönste und motor -

radtaug lichs te Strecken wurde in den

letzten sieben Jahren in Tagestouren

bereits »er fahren«. Was liegt also näher,

auch mal die Nachbarn an der Elbe zu

besuchen? Die Ankün di gung weck te

das Inte res se von vielen GEObike rinnen

und GEO bi kern aus Berlin und Brandenburg

und weiteren Gäs ten.

Mit dem Startpunkt in Niemegk im Flä -

ming am Hotel »Zum alten Ponyhof« ging

die Tour mit 26 Teilnehmern zunächst

über kleine und kurvige Straßen bis an die

Elbe in Pretsch in Sachsen-An halt. Nach

der Überquerung mit der Fähre war der

Golmer Weinberg nicht weit – sodass die

Mit tagspause sehr gut genutzt wurde,

damit ein Gewitterschauer die Luft etwas

abkühlen konn te. Gut gestärkt fuhren die

Biker weiter nach Torgau in Sachsen und

zurück nach Brandenburg in das Elbe-

Elster-Land, um anschließend bei mitt -

lerweile 35 °C im nächsten Eiscafé ein zu -

kehren.

Über Schlieben und Schloss Wiepersdorf

wur de die Schlussetappe durch ehemalige

Flur bereini gungsgebiete zurück

nach Niemegk be gon nen. Zum Schluss

standen »heiße« 255 km auf dem Ta ges -

kilometerzähler. Beim gemüt lichen Aus -

klang im Biergarten wurde auch gleich die

nächste GEObiker-Tour festgelegt: Am

11. Ju ni 2016 geht es in die Uckermark!

Also Termin vor merken und rechtzeitig

anmelden.

Details, Fotos und Anmelde möglich kei -

ten zu den GEObiker-Touren finden Sie

auf www.geobiker.de.

_ GOLDENE EHRENNADEL DES BDVI …

… für Hans Ulrich Esch

_ REFERENDARIAT

Berlin bildet

wieder Vermessungs -

referendare aus

Nach langer Durststrecke stellt die Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin zum 1. November

2015 erstmals nach vielen Jahren wieder zwei

Vermessungsreferendare ein. Bis auf die Bundesländer

Bremen und Saarland bilden derzeit fast alle Bundesländer

Vermessungsreferendare aus.

Rader, Esch, Zurhorst (v. l. n. r.)

Im Rahmen der Dreiländertagung DACH

2015 haben BDVI-Präsident Michael

Zur horst und der Vorsitzende der BDVI-

Landesgruppe Rheinland-Pfalz, Heinz-

Erich Rader, dem früheren langjährigen

Vorsitzenden der BDVI-Landesgruppe Rheinland-Pfalz, Hans

Ulrich Esch, die Goldene Ehrennadel des BDVI verliehen.

Der BDVI würdigt damit die hervorragenden Verdienste Eschs um

den Freien Beruf des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs

in der Bundesrepublik Deutschland, sein verantwortungsvolles, un -

ermüdliches und erfolgreiches Wirken als Vorsitzender der Landes -

gruppe Rheinland-Pfalz (von 1995 bis 2014) und auch die tat -

kräftige Arbeit als BDVI-Vizepräsident und im Hauptvorstand des

BDVI sowie in vielen Fachkommissionen.

_ BDVI-LANDESGRUPPE

NORDRHEIN-WESTFALEN

Azubi-Börse online

Die BDVI-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen

bietet ab sofort eine Online-Azubi-

Börse an.

Interessierte Schülerinnen und Schüler fin -

den dort Informationen über die Ausbildung

zum Vermessungstechniker und Geomatiker

sowie eine Liste von ÖbVI-Büros in NRW, die

noch für dieses oder auch für das kommende

Jahr einen Ausbildungsplatz anbieten.

61

3


MOSAIK

_ ERTRAGSWERTRICHTLINIE

Stellungnahme

zum aktualisierten

Entwurf

Der BDVI hat zum aktualisierten Ent wurf der

Ertrags wertrichtlinie eine Stel lung nahme

erarbeitet.

Eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe der BDVI-Kommis -

sion Wert ermitt lung sieht u. a. noch Ver besse -

rungsbedarf hinsicht lich der Praxistauglichkeit

z. B. bei der Berücksichtigung der be sonderen

objektspezifischen Grundstücksmerkmale.

Die Stellungnahme kann in der BDVI-Ge -

schäftsstelle an gefor dert werden.

_ PIXI-BUCH »ICH HAB EINE

FREUNDIN, DIE IST GEODÄTIN«

Dritte und vorerst letzte Auflage

Auf der Internetseite des DVW ist jetzt das Be stell formular für die Pixis der

dritten Auflage verfügbar, die vorerst die letzte Auflage sein wird.

Der Preis richtet sich nach der Auflagenhöhe und beträgt bei den derzeit geplanten

40.000 Stück maximal 0,56 Euro pro Pixi zzzgl. 7 % MwSt. und zzgl.

Versandkosten. 10.000 Bestellungen liegen bereits vor. Die Mindestbestellmenge

sind 25 Exemplare. Sie können den DVW erheblich entlasten, wenn Sie mindes -

tens 100 Exemplare bestellen – der Versand erfolgt dann direkt durch die Drucke -

rei mit für Sie geringeren Versandkosten.

Vorbestellungen sind bis zum 28. September

2015 möglich, die Lieferung erfolgt

Mitte November, spä tere Bestellungen

kön nen nur ge liefert werden, solange

der Vor rat (20.000 Stk.) reicht.

Quelle: DVW

_ BFB WÄHLT PRÄSIDIUM UND VORSTAND

Namhafte Freiberuflerorganisationen

verstärken den Dachverband

Die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Freien

Berufe (BFB) hat am 24. Juni in Berlin für die kommenden

beiden Jahre sowohl das BFB-Präsidium als auch den neuen

BFB-Vorstand gewählt. Zudem wurden mit der Bundes ärzte -

kammer und der Bundespsychotherapeutenkammer zwei

weitere namhafte Freiberuflerorganisationen als Mitglieder

im BFB aufgenommen.

Mit großer Mehrheit haben die BFB-Mitglieder Dr. Horst Vinken

als Präsident bestätigt. Wiedergewählt als Vizepräsident und

Schatzmeister wurde der Präsident des Deutschen Steuerberater -

verbandes Harald Elster. In ihrem Amt als Vizepräsident bestätigt

wurden auch Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärzte -

kammer, RA Prof. Dr. Wolfgang Ewer, Präsidiumsmitglied des Deut -

schen Anwaltvereins und vBP/StB Gerhard Albrecht, Vizepräsident

der Wirtschaftsprüferkammer.

Neu im BFB-Präsidium sind Dipl.-Ing. Barbara Ettinger-Brinck -

mann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Dr. Andreas

Gas sen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesver -

einigung, Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der Bun -

desingenieurkammer, und RA/StB Dr. Björn Demuth, Präsident

des Landesverbandes der Freien Berufe Baden-Württemberg.

Quelle: BFB, Foto: BFB/Link

62

3

Das neue BFB-Präsidium (von links nach rechts): BFB-Vizepräsident RA Prof. Dr. Wolfgang Ewer, BFB-Vizepräsident

vBP/StB Gerhard Albrecht, BFB-Vizepräsident und Schatzmeister StB/WP Harald Elster, BFB-Vizepräsident Dr. Andreas Gassen,

BFB-Vizepräsident Dr. Peter Engel, BFB-Vizepräsident RA/StB Dr. Björn Demuth, BFB-Vizepräsidentin Dipl.-Ing. Barbara Ettinger-

Brinckmann, BFB-Präsident StB/WP Dr. Horst Vinken, BFB-Vizepräsident Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer


MOSAIK

_ FINDEN & GEFUNDEN WERDEN

Kammer listet Sachverständige

für Absteckung

_ BKIMMO

Workshop und

Mitgliederversammlung

Auf der Jahrestagung des Vereins BKImmo, die Ende

Mai in Fulda stattfand, wurden Themen rund um die

Immobilien bewertung für Praktiker diskutiert, so u. a.:

Wird ein Gebäude an der falschen Stelle errichtet,

kann das sehr teure Folgen haben. Auf der Internetseite

der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz

können künftige Bauherren daher ab sofort nach

Sachverständigen für die Absteckung von Gebäuden

suchen.

Neben Sachverstän di gen anderer Berei che werden

hier jetzt auch Experten gelistet, die Grundfläche und

Höhenlage einer baulichen Anlage vor Baubeginn ver -

messen und festlegen. Diese Absteckung kann ei ne

Bauaufsichtsbehörde verlangen (nach § 77 der Landesbauordnung).

Das Sachverständigenregister der Ingenieurkammer

Rheinland-Pfalz nützt aber nicht nur dem Bau herrn,

sondern auch dem Fachmann, der sich hier möglichen

Kunden präsentieren kann. Bisher sind 16 Sachverständige

für Absteckung eingetragen. Wei te re können

auf Antrag hinzugefügt werden. Voraus setzungen:

eine abgeschlossene Ausbildung als Vermessungs -

ingenieur plus zwei Jahre praktische Erfah rung auf

dem Gebiet der Absteckung von Gebäuden.

Die Liste der Sachverständigen findet man unter

www.ing-rlp.de ➞ Ingenieursuche, das Antragsformular

zur Eintragung unter: www.ing-rlp.de ➞ Service

➞ Eintragung Fachlisten und Verzeichnisse.

Quelle: Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz

Steuerliche Aufteilung des Kaufpreises

in Gebäude und Bodenwert

Wertverlust in Planfeststellungsverfahren

Bewertungsaufgaben rund um die Windkraft

Auch die Diskussion diffiziler Einzelfragen und Lösungs -

wege von vorgestellten Gutachten fand einen breiten

Raum. Die Vereinsmitglieder verabschiedeten zudem eine

neue Beitragsordnung mit attraktiven Tarifen für den

Nachwuchs.

Zum Jahreswechsel wird die BKImmo-Geschäftsstelle

von Ber lin nach Köln verlegt und dort zukünftig von Frau

Harder geführt.

Quelle: BKImmo e. V.

_ BEWÄHRTE STANDARDS ERHALTEN

Bundestag stärkt Freie Berufe und HOAI

Der Bundestag hat am 2. Juli 2015 einen

Antrag der CDU/CSU- und SPD-Fraktion

(18/5217) »Transparenzinitiative der Europäischen

Kommission mitgestalten –

bewährte Standards im Handwerk und in

den Freien Berufen erhalten« beschlos -

sen. Die Regierungsfraktionen heben in

ihrem Antrag die Rolle der Freien Berufe

als wich tige Säule des Mittelstandes hervor

und sprechen sich besonders dafür

aus, im Hinblick auf das hohe Qualifikationsniveau,

den Verbraucherschutz und

das berechtigte Vertrauen in Qualität be -

stehende Standards aufrechtzuerhalten.

Die Bundesregierung solle durch Regelungen

zur Fremdkapitalbe tei ligung sicherstel len,

dass die Unabhängigkeit der Berufsaus übung

der Freien Berufe nicht durch wirt schaft -

liche oder sachfremde Interessen gefährdet

wird, und mit dem bewährten System der

Kosten- und Ho norarordnung der Freien Be -

rufe gewährleisten, dass eine am Gemeinwohl

orientierte Leistungserbringung sicher -

gestellt und ein Preiswett bewerb auf Kosten

der Qualität verhindert wird.

Sabine Poschmann, MdB, unterstrich als

Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion

für den Mittelstand und das Handwerk die

Notwen dig keit, an dem bewährten System

der Kosten- und Honorarordnungen fest -

zuhalten. Es sei wichtig, Rechtssicherheit und

Transparenz her zustellen, ruinösen Preis wett -

bewerb zu verhindern und Verbraucher zu

schützen: »Dass die HOAI, die Honorarordnung

für Architekten und Ingenieure, mit

EU-Recht vereinbar ist, haben uns bereits

2013 meh rere Gutach ten bestätigt. Der Europäische

Gerichtshof ist in eine ähnliche

Richtung gegangen.«

Quelle: Deutscher Bundestag

63

3


MOSAIK

IMPRESSUM

_ HOAI

Vertragsverletzungsverfahren

gegen Deutschland

Die Europäische Kommission hat am 18. Juni 2015 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen

Deutschland wegen der existierenden Bestimmungen zu verbindlichen Mindest preisen bei

Architekten, Ingenieuren und Steuerberatern eröffnet.

Diese verbindlichen Mindestpreise seien mit den Bestimmungen in Artikel 15 Dienstleistungs -

richtlinie nicht vereinbar. Verbindliche Mindestpreise verhinderten, dass die Verbrau cher die Leistungen

zu günstigeren Preisen in Anspruch nehmen könnten. Deutschland hat zwei Monate Zeit,

um auf die Eröffnung des Vertragsverletzungsverfahrens zu reagieren.

Der BDVI hat mehrfach auf die Bedeutung von Gebührenordnungen hingewiesen, die auch

nicht im Widerspruch zu europäischem Recht stehen. Für das Gemeinwohl wichtige Dienst -

leistungen könnten nicht vorrangig unter Marktaspekten betrachtet werden, auch im Sinne des

Verbraucherschutzes dienen sie mit als Qualitätsgaranten.

Der BDVI setzt sich gemeinsam mit anderen betroffenen Berufsgruppen sowohl direkt als

auch über die Dachorganisationen AHO und BFB weiter für den Erhalt der HOAI und die Rückführung

vermessungstechnischer Leistungen in den verbindlichen Teil der Honorarordnung ein.

Quellen: BDVI/BFB/Europäische Kommission

HERAUSGEBER

Bund der Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure e. V. (BDVI)

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Telefon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

SCHRIFTLEITUNG

Dipl.-Ing. Andreas Bandow

Dr.-Ing. Wolfgang Guske

Magdeburger Straße 14,

14806 Bad Belzig

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REDAKTION

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DRUCK

MOTIV OFFSET Druckerei

_ BDVI-MITGLIEDER IM BLICKPUNKT

Runder Geburtstag –

wir gratulieren

//Juni

Björn Ansorge, Neustadt (40)

Jürgen Baumgarten, Burgdorf (60)

Werner Kessel, Weilerswist (60)

Gerhard Klinkhard, Rochlitz (60)

Gunter Lencer, Gotha (60)

Klaus Matthies, Berlin (60)

Andreas Reypka, Riesa (50)

Günter Rieffel, Norderstedt (60)

Jens Schumann, Löhne (Gohfeld) (40)

Meike Stahl, Netphen (50)

Mathias Sjuts, Braunschweig (50)

Markus Thöle, Witten (40)

Thomas Weiß, Freiberg (40)

Herbert Wolf, Ludwigsburg (60)

Heinrich Reimer, Goslar (60)

Gerd Rückert, Leipzig (70)

Eberhard Schmidt, Seddiner See (60)

Ulrich Stieler, Birkenfeld (60)

//August

Hans-Dieter Förste, Beuna (60)

Peter Harland, Bergheim (70)

Dr. Klaus Hilbert, Walluf (80)

Gerold Langer, Bünde (80)

Peter Lückenbach, Bergisch Gladbach (70)

Andreas Mittag, Wusterwitz (40)

Jens Roschke, Berlin (40)

Johannes Schenk, Remscheid (60)

Thorsten Spelter, Erkrath (40)

Otmar Steden, Rheinbach (60)

Frank Vormweg, Gütersloh (50)

MANUSKRIPTE

Bitte an die Schriftleitung rich ten. Ge zeich -

ne te Bei trä ge stellen die Ansicht des Ver fas -

sers dar, nicht aber unbedingt die des BDVI

oder der Schriftleitung.

Mit der Annahme des Manus kriptes und der

Veröffentlichung geht das alleinige Recht

der Vervielfältigung und der Über setzung auf

den BDVI über.

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64

//Juli

Reinhold Ewald, Mechernich (60)

Holger Käfer, Bernburg (60)

Beate Lievertz, Staßfurt (50)

Uwe Meise, Mönchengladbach (60)

Karl-Wolfgang Paulus, Trier (80)

Neue BDVI-Mitglieder

Arno Heinen, Euskirchen

Helge Jürs, Husum

Joachim Teusner, Euskirchen

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