FORUM_3_2014

sorant

Geodätisch.

Frei.

Beruflich.

40. Jahrgang

2014

ISSN 0342-6165

Zeitschrift des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e.V. | www.bdvi-forum.de

HEFT 3/2014

Focus

Neues Gesetz in

Nordrhein-Westfalen

Spiegel

Kongressreflexionen

Bravo

Die Meinungen

der Referendare

DPAG PVSt G 50591 »Entgelt bezahlt« BDVI Berlin


ES GIBT MENSCHEN,

DIE STERBEN FÜR BÜCHER.

In vielen Ländern werden Schriftsteller verfolgt, inhaftiert,

gefoltert oder mit dem Tode bedroht, weil sie ihre Meinung

äußern. Setzen Sie mit uns ein Zeichen für das Recht auf

freie Meinungsäußerung!

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie unsere Menschenrechtsarbeit

und retten Leben: Spendenkonto 8090100, Bank für

Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00.

www.amnesty.de


FORUM

40. Jahrgang, 2014, Heft 3

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser,

Spätsommerhitze. Auf irgendeiner Tagung, irgendwo in Deutschland taumelt ein BDVI-Offizieller nach

etwa acht Stunden Vortragsprogramm aus dem Saal. Kurze Pause, bevor die Abendveranstaltung

beginnt. Der (dem FORUM namentlich bekannte) BDVI-Offizielle zerrt an seiner Garderobe und spricht

leid- und neidvoll zu den etwas legerer gekleideten Landesgruppenkollegen: »Ich möchte auch ger -

ne Basis-ÖbVI sein. Dann könnte ich mir wenigstens den Schlips sparen.« Mitleidig-schadenfrohes

Gemurmel der Kollegen am Tisch. Tauschen möchte von den vier anwesenden Basis-ÖbVI keiner.

Momentan nicht und in Zukunft sicherlich auch nicht. Und da wird es auch auf dieser Fachtagung wieder ganz deutlich: Wir

haben Nachwuchssorgen. Überall Nachwuchssorgen. Egal, wo man geodätisch-berufspolitisch hinhört, immer wird geklagt, dass

es in allen Bereichen des Vermessungswesens in ein paar Jahren schwierig wird, Fachpersonal zur Verfügung zu stellen. Sowohl

bei den Vermessungstechnikern als auch bei den Hochschulabsolventen. Und erst recht bei den ÖbVI und manchmal eben auch

beim Ehrenamt.

Was ist zu tun, um wenigstens diesem drohenden Fachkräftemangel (da ist es wieder, das böse Wort) zu begegnen, den Trend zu

stoppen? Der Beruf muss attraktiver werden, das Ausbildungsgehalt muss höher sein, die Bezahlung muss besser sein, und noch

eine ganze Menge mehr von diesen »Muss«-Thesen wird landauf, landab aufgezählt. Schön ist es daher, wenn man beobach ten

kann, dass sich viele der geodätischen Protagonisten intensiv mit der Umsetzung dieses »Müssens« beschäftigen. Als Erstes fällt

einem momentan dazu sicherlich das Pixi-Buch »Ich hab eine Freundin, die ist Geodätin« ein. Kinder werden mit Vermessung

ver traut gemacht – und das mittels eines ihnen bekannten Mediums.

Weiterhin beschäftigen sich Diskussionsrunden mit der Ausbildung und den damit verbundenen Fragen. Lobenswert ist es dann

zu erwähnen, wenn in diesen Runden auch diejenigen sitzen, die sich noch in Ausbildung befinden. So geschehen in Brandenburg.

Lesen Sie selbst. Dass auch die Referendare sich kritisch mit der Zukunft des Berufs und des Berufsstandes auseinandersetzen,

wird in den Interviews mit Bellon und Kupsch bzw. im Aufsatz von Gudat deutlich.

Und letztlich sind auch neue Gesetze, z. B. das in NRW in Kraft getretene Gesetz über die Öffentlich bestellten Vermessungs -

ingenieurinnen und -ingenieure in Nordrhein-Westfalen, ein Schritt in die Zukunft. Denn, so betonen es alle Beteiligten, Haupt -

anliegen der Vorschrift ist es, den geodätischen Freien Beruf in Nordrhein-Westfalen zukunftssicher zu machen. Und damit kann

eigentlich nur einhergehen, dass der Beruf auch an Attraktivität gewinnt. Sowohl für den potenziellen ÖbVI als auch für den

potenziellen Vermessungstechniker oder Geomatiker im ÖbVI-Büro oder in der Verwaltung.

Es ist fest davon auszugehen, dass die INTERGEO® 2014 ihren Beitrag dazu leisten wird, junge Menschen an die Geodäsie heran -

zuführen. Es ist also noch viel zu tun, die Anfänge sind jedoch gemacht.

PS: Um den potenziellen Nachwuchs für das BDVI-Ehrenamt nicht zu verschrecken: Es ist davon auszugehen, dass die Basis-

ÖbVI die Letzten sind, die auf die berufsständisch getragene Krawatte bestehen. Man kann den Schlips ja auch mal im Schrank

lassen. Bei den Cordhosen und den Gummistiefeln.

1

3


INHALT

IN DIESEM HEFT

FORUM

40. Jahrgang, 2014, Heft 3

Editorial

Andreas Bandow 1

Buchbesprechung: Qualitätsvolle Innenentwicklung

von Städten und Gemeinden

Durch Dialog und Kooperation – Argumentarium und Wegweiser

Walter Schwenk 51

Veranstaltungskalender 53

Die Landesgruppenvorsitzenden

18

Nachrufe 58

Impressum 64

VERBAND

Die Spielräume des gläsernen ÖbVI

oder: Das neue ÖbVI-Gesetz in Nordrhein-Westfalen

Andreas Bandow | FORUM-Schriftleitung 4

Landesgruppenvorsitzende

Neu gewählt oder im Amt bestätigt

Martin Ullner | FORUM-Redaktion 18

RECHT

Haftungsrisiken im Umfeld einer Absteckung

Schadensprävention versus Schadensregulierung

Lisa Keddo-Kilian, Tobias Wiesner 19

REPORT

BDVI-Kongress 2014 in Wiesbaden

Eine Attraktivitätsbetrachtung

Martin Ullner | FORUM-Redaktion 28

Auf den letzten Drücker zum BDVI-Kongress

BDVI-Kongress 2014

Jörg Burchardt | BDVI-Geschäftsstelle 32

Neue Geodäten her

21. Fachtagung in Brandenburg

Martin Ullner | FORUM-Redaktion 42

»Szenen einer Nachbarschaft«

Landesausstellung zur sächsisch-preußischen Geschichte

Niklas Möring | BDVI-Geschäftsstelle 52

Manchmal fragt man sich ja: Wo komme ich her? Woher das

FORUM kommt, wissen wir. Vom BDVI. Und wer ist dieser BDVI?

Wer gehört dazu? Wer sollte noch dazugehören? Und wer passt

auch nachts auf, dass keine BDVI-inkompatiblen Dinge passieren

in der Welt? Die Antwort ist vielschichtig und nicht leicht. Viel

ein facher ist es, denjenigen Gesichter zuzuordnen, die man nur

dem Namen nach kennt. Daher: Wir stellen die Landesgruppen -

vorsit zenden vor. Neue und bestätigte. Wenn also auch Ihr Bild

ins FORUM soll … Sie wissen jetzt, wie es gehen könnte. Wir warten

auf Sie!

Haftung

19

Auf dem diesjährigen BDVI-Kongress waren Fragen rund um die

Haftung eines der Schwerpunktthemen. Rechtsanwalt Wiesner re -

ferierte zunächst frontal und vertiefte anschließend in Workshops

das Wissen des Auditoriums. Im juristi schen Doppel mit Keddo-

Kilian werden die dargebotenen Inhalte nun auch schrift lich für

den FORUM-Leser aufbereitet. Vornehmlich für diejenigen, die auch

beim Kongress waren. Aber auch für die anderen. Dann allerdings

ohne Haftung …

Kongressanalyse

28

Schon wieder BDVI-Kongress. Diesmal allerdings in der Retrospek -

tive. Ullner war vor Ort und berichtet: über das Programm, den

Rahmen, die Besucher und über Wiesbaden. Außerdem: Burchardt

stellt Fragen und Gude antwortet. Ehrlich und mit Hintergrund.

Aber: Ob das alles

stimmt, was ge -

schrieben steht?

Überzeugen Sie

sich doch selbst!

2015 in Kempten.

Gute Anreise!

2

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Neues Gesetz 4

INHALT

Sicherlich ist es ein Klischee, dass aus Düsseldorf nur Altbier und

die Toten Hosen kommen. Umso enttäuschender war es, Campino

beim Flug von Berlin nach Düsseldorf ohne Altbierflasche in der

Hand in das Flugzeug steigen zu sehen. Wenden wir uns also den

real existierenden Dingen in Düsseldorf zu. Dem neuen ÖbVI-Ge -

setz. Macher und Betroffene diskutieren über die stärkere Aufsicht,

die neuen Freiheiten und die Lage im Allgemeinen und im Besonderen.

Der letzte Check vor dem Praxistest. Wir sind ja schließlich

nicht im Wald hier!

Augmented Reality 34

Was ist denn das? Augmented Reality? Hat das was zu tun mit

dem Dschungelcamp oder Frau Katzenberger? Nein, nein und noch -

mals nein. Es ist schließlich nicht überall Unsinn drin, wo Reality

draufsteht. Kreuziger zeigt, wie man mittels Smartphone und ent -

sprechender Software Geodaten dort visualisiert, wo sie herkommen:

in der Geografie. Flurstücksgrenzen werden im Handy auf

Flurstücke projiziert, um vor Ort zu prüfen, wem denn nun der

Kirschbaum gehört, in

dem ein schwarzer Vogel

immerzu laut ruft: »Ich

bin ein Star, holt mich

hier raus!« Dolle Sache.

Auch ohne Witz.

Die Meinung

der Referendare

45

Es ist gut, über den Nachwuchs zu sprechen. Es ist auch gut, den

Nachwuchs anzusprechen. Es ist aber fast noch ein bisschen bes -

ser, den Nachwuchs selbst auch zu Wort kommen zu lassen. So ge -

schehen auf der vergangenen gemeinsamen Fachtagung in Brandenburg.

Und vor etwa anderthalb Jahren beim FORUM. Gudat

(ehemaliger Referendar) sowie Bellon und Kupsch (aktuelle Refe -

rendare) zur Ausbildung, zur inneren und äußeren Wahrnehmung

und zu Berufsaussichten. Mehr davon, bitte!

TECHNIK

Augmented Reality

Eine neue Sicht auf Geodaten

Ulf Kreuziger 34

BILDUNG

Neue Geodäten hier

Meinungen zum Referendariat – ein E-Mail-Interview

Andreas Bandow | FORUM-Schriftleitung 45

Welche Berufsaussichten hat ein Referendar?

Meinungen zum Referendariat – ein Aufsatz

René Gudat 48

IMMOBILIEN

ÖbVI-Grundstücksexperten auf der EXPO REAL

Kooperation mit dem VBI

Jörg Burchardt | BDVI-Geschäftsstelle 50

MOSAIK 60

3

3


VERBAND

DIE SPIELRÄUME

DES GLÄSERNEN

4

3


VERBAND

ÖBVI

ODER || DAS NEUE

ÖBVI-GESETZ IN

NORDRHEIN-WESTFALEN

EIN FORUM-INTERVIEW | VON ANDREAS BANDOW

Mit Art. 1 des Zweiten Gesetzes zur Modernisierung des Vermessungs- und Katasterwesens

vom 1. April 2014 durch das Gesetz über die Öffentlich bestellten Ver messungs -

ingenieurinnen und -ingenieure in Nordrhein-Westfalen wurde die bis dato gültige Berufs ord -

nung der ÖbVI aufgehoben. Die bisherigen Regelungen stammten noch zu einem großen Teil

aus dem Jahr 1965. Die Berufsordnung wurde zwar im Jahr 1992 überarbeitet und in den Jahren

1994 und 2005 geringfügig ergänzt, in wesentlichen Teilen entsprach sie jedoch den Er for der -

nissen der 1960er-Jahre. Über die Öffnung der Berufsausübung der ÖbVI durch die Erweiterung

der zu lässigen nicht hoheitlichen Tätigkeiten, über Werbung, Abwicklung und über die Erforder -

nisse der Stärkung der Aufsichtsbehörde diskutierten am 1. Juli 2014 im Pressesaal des Innen -

ministe riums des Landes Nordrhein-Westfalen Vertreter des Landes und des Freien Berufs. Für

das Ministe rium für Inneres und Kommunales (MIK) stellten sich Klaus Mattiseck und Jochen

Seidel den FORUM-Fragen, die BDVI-Standpunkte wurden vom Landesgruppenvorsitzenden

Rudolf Wehmeyer und von Vorstandsmitglied Dr. Andreas Rose vertreten. Hochsommerliche

Tempe raturen und die im Juli ausgetragene Fußballweltmeisterschaft konnten nicht vom

Thema ablenken; mit großer Leidenschaft auf beiden Seiten wurden die einzelnen Punkte des

neuen ÖbVI-Gesetzes diskutiert. Am Ende steht jedoch stets als großes Ganzes, den Berufs -

stand des ÖbVI in Nordrhein-Westfalen gemeinsam ohne gegenseitige Berührungsängste zu -

kunfts sicher zu machen. Ein Gespräch der Akteure auf halbem Weg dorthin …

5

3


VERBAND

KLAUS MATTISECK, Referatsleiter 36 im MIK

JOCHEN SEIDEL, Referatsleiter 37 im MIK

RUDOLF WEHMEYER, ÖbVI in Münster,

Landesvorsitzender BDVI Nordrhein-Westfalen

DR. ANDREAS ROSE, ÖbVI in Olpe,

Mitglied des Vorstandes des BDVI Nordrhein-Westfalen

FORUM | Der Überbegriff: Erweiterung der Tätig -

keiten des ÖbVI, die nicht der hoheitlichen Aufgabe

unterliegen. In der Begründung zum Gesetz heißt

es dazu: »Die Existenzsicherung der ÖbVI nur durch

öffentlich-rechtliche Tätigkeiten ist nicht gewähr -

leistet. Unter der Voraussetzung, dass seine Berufs -

ausübung als unabhängiger Träger öffentlichrechtlicher

Verwaltung nicht beeinträchtigt wird,

ist es dem ÖbVI gestattet, seine Berufsausübung

auf weitere freiberufliche Felder auszudehnen.«

Ist das so richtig wiedergegeben?

MATTISECK | Ja, aber verkürzt. Der ÖbVI ist unabhängiger Trä -

ger der amtlichen Vermessungsverwaltung und der ÖbVI übt über -

wiegend Amtshandlungen aus. Dies sind öffentlich-recht liche

Verwaltungstätigkeiten einer Behörde im Sinne des Verwaltungs -

verfahrensrechtes. Durch diese beiden Grundsatzaussagen wird

deutlich, dass ausschließlich die überwiegende hoheitliche Tä tig -

keit des ÖbVI im besonderen Interesse des beleihenden Landes

liegt. Dies ist auch vor dem Hintergrund der Diskussionen wich -

tig, die auf europäischer Ebene laufen. Wir sind in NRW jeden -

falls der Auffassung, dass der ÖbVI nicht unter die europäische

Dienstleistungsrichtlinie fällt, sondern unter den Artikel der europäischen

Verfassung, der sich auf die Ausübung öffentlicher

Gewalt bezieht. Und dies haben wir auch im ÖbVI-Gesetz immer

wieder herausgestellt. Das zieht sich wie ein roter Faden durch

die gesamten gesetzlichen Regelungen.

SEIDEL | Das »überwiegend« stand genauso, zwar etwas versteckt

bei den Versagungsgründen, auch in der bisherigen Be -

rufs ordnung. Der Grundsatz ist dementsprechend auch nicht

neu. Wir haben das bewusst in der Begründung so ausgeführt.

Der Hauptschwerpunkt damals und heute ist das Merkmal der

überwiegend hoheitlichen Tätigkeit. Wäre es anders, bräuchte

das Land kein ÖbVI-Gesetz.

Stimmt der BDVI dem zu?

DR. ROSE | Wir sind über diese Begründung gestolpert. Es heißt

dort ja: »Die Existenzsicherung der ÖbVI nur durch öffent lichrechtliche

Tätigkeiten ist nicht gewährleistet.« Die Tatsache, dass

der ÖbVI aufgrund seiner rechtlichen Ausgestaltung als un ab -

hängige Behörde überwiegend öffentlich-rechtliche Tätig kei -

ten durchführen muss, wird ja damit durchaus hinterfragt und

ich hatte erwartet, zu dieser Frage neue Regelungen zu fin den.

Das ist natürlich ein wichtiges Thema für den BDVI, weil wir

durch die Mitglieder getrieben werden. Die sagen: »Wir wol len

raus aus der Klemme, dass wir zwar einerseits überwiegend öffentlich-rechtliche

Tätigkeiten ausüben sollen, aber ande rer seits

davon nicht leben können.« Wir haben da ein ganz massi ves

Dilemma. Was tun? Gebe ich den Beruf auf? Ist die Re ge lung

ein verstecktes Berufsverbot für die Leute, die nicht genug damit

verdienen?

MATTISECK | Als beleihendes Land beleihen wir ja nur jeman -

den, damit er unsere Arbeiten übernimmt, weil wir nicht genügend

Personal haben, um diese Arbeiten selbst aus zu füh ren. So

ist der Ansatz schon von vornherein gewesen. Und an dieser Stel -

le muss ich auch nochmals ganz deutlich sagen, dass wir uns

auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts bewegen, nicht auf dem

Gebiet des Privatrechts. Und öffentliches Recht bedeutet für uns:

Der ÖbVI, wenn er denn beliehen ist, muss auch überwiegend

auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts tätig sein. Sonst sehen

wir nicht unbedingt die Notwendigkeit, einen ÖbVI zu beleihen.

Das ist die grundlegende Aussage.

WEHMEYER | Ja, da stimmen wir natürlich zu. Aber die Dua -

li tät unseres Berufes wird ja auch in § 1 und 2 deutlich. Das

heißt, dass es uns möglich ist, hoheitlich und auch nicht hoheit -

lich tätig zu sein, also um unsere Ausbildung, die im Gesetz und

auch in der Begründung mehrfach hervorge ho ben worden ist,

letztendlich auch dazu einzusetzen, die Wirt schaft lich keit unserer

Büros zu erhalten. Und an einigen Stellen haben wir nun

den Verdacht, dass die Möglichkeit, den § 2 ein bisschen zu be -

leben, gleichzeitig wieder ein ge schränkt wird. Inwieweit diese

Einschränkung vor dem Hintergrund der Beleihung richtig ist,

das ist sicherlich noch einmal zu diskutieren.

DR. ROSE | Zunächst geht es uns als BDVI darum, den Mitglie -

dern eine klare Botschaft zu übermitteln. Deshalb habe ich etwas

zugespitzt und gefragt: Wie verstehe ich denn das eine vor

dem Hintergrund des anderen? Wie gehe ich damit um? Die Ant -

worten haben Sie gerade gegeben. Letztendlich heißt es, wenn

ich als ÖbVI nicht davon leben kann, überwiegend öffentlichrechtliche

oder Amtshandlungen auszuführen, muss ich den Be -

ruf aufgeben. Das heißt es doch, oder?

MATTISECK | Dann kann man vom Land nicht beliehen werden.

Denn der Grund für die Beleihung ist die Ausübung öffent -

lich-recht licher Tätigkeiten, also die Durchführung von Amts -

handlungen.

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3


VERBAND

KLAUS MATTISECK

Ministerialrat

Jahrgang 1951

SEIDEL | Es scheint manchmal eine Gegenposition zu sein: Der

Freie Beruf möchte mehr im wirtschaftlichen Bereich tätig werden,

was man gut nachvollziehen kann; das ist Ihre Existenz.

Wir haben aber auch mit der EU Diskussionen geführt, in denen

es um dieses Thema »überwiegend« ging. Wir wollen diesen

Be ruf erhalten und nicht gefährden. Der hoheitliche Schwerpunkt

sollte erhalten werden, da ansonsten das Gesetz keine

Berechtigung hätte. Andernfalls müsste man, überspitzt, wirklich

über eine strikte Trennung nachdenken, was vollkommen

unpraktikabel wäre.

WEHMEYER | Ich darf mal kurz zitieren: »Das Selbstverständnis

des ÖbVI ist, sich im Rahmen seiner Stellung im Eigentums siche -

rungssystem und freiberuflicher Ethik zu bewegen.« Das ist kein

Zitat aus der Begründung des Gesetzes, sondern das ist ein Zitat

aus den BDVI-Standesregeln, die wir uns selbst gegeben haben.

Wir sind uns dieser Aufgabe und unserer besonderen Stellung

sehr wohl bewusst. Und ich glaube, wir können auch mit diesen

Standesregeln und den berufsethischen Grundsätzen den Beruf

des ÖbVI in dem Sinne auch sehr gut leben und auch nach außen

tragen.

MATTISECK | Das kann ich vonseiten des Landes sehr begrüßen.

Das ist auch unsere Auffassung. Wir sind grundsätzlich der

Meinung, wenn wir als Land jemanden beleihen, dann ist das

alleine unsere eigene Entscheidung. Da kann uns keine Euro -

päische Union hineinreden. Wir haben verfassungsgemäß einen

bestimmten Auftrag und diesen Auftrag führen wir auch aus.

Und da lassen wir uns an dieser Stelle auch nichts von einer

Kommission sagen.

Geodäsiestudium an der Universität Bonn,

Referendariat im Land Nordrhein-Westfalen;

berufliche Stationen in Hannover, Köln,

im Land Brandenburg und in Düsseldorf;

Leiter des Referates 32 »Vermessungs- und

Katasterwesen, Grundsatzangelegenheiten

und Grundstückswertermittlung,

Geoinformationsmanagement, Geodätische

Grundlagen, Geobasisinformationssystem«

des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen;

Leiter des Referates 36 »Grundsatzangelegenheiten

im Vermessungs- und Katasterwesen,

Geodätische Grundlagen, Grundstückswert -

ermittlung« des Ministeriums für Inneres und

Kommunales Nordrhein-Westfalen

In § 2 Satz 2 steht wörtlich: »Die Ausführung von

Amtshandlungen soll überwiegen.«

Dieses »soll« könnte man durchaus strikt verstehen.

Kann das überprüft werden? Wird das überprüft?

SEIDEL | Wir haben in der Arbeitsgruppe über mehrere Jahre

auch mit dem BDVI und den Aufsichtsbehörden darüber diskutiert,

ob wir den Begriff anders wählen. Wir sind aber immer wie -

der dahin zurückgekommen, dass es ein unbestimmter Begriff

sein muss. Es wäre unheimlich schwierig, exakte Parameter an -

zugeben. Das ist auch nicht unsere Absicht. Woran orien tiert man

diese Parameter: Anzahl der Geschäftsfälle, Zeit aufwand, Ge büh -

7

3


VERBAND

renvolumen, Einnahmevolumen? Unser Ziel war es, den Schwer -

punkt auf den hoheitlichen Tätigkeiten zu belassen. Es wurde ge -

meinsam abgestimmt, dass die Aufsichtsbehörde die se Thematik

sensibel handhabt. Es soll bestimmt nicht nach ge zählt werden,

wer in welchem Monat 51 % nicht hoheitliche Tätigkeiten durch -

geführt hat und somit dem Gesetz nicht mehr entspricht. Das

bedeutet, dass ein ÖbVI, wenn er durch wirt schaftliche Bedingungen

weniger hoheitliche Arbeiten leistet, dann nicht sofort

durch eine Klappe fällt. Das wäre Unsinn und nicht tragbar.

WEHMEYER | Also können wir als Berufsverband mitnehmen,

dass eine Konjunkturdelle, die vielleicht temporär zu einem

Rückgang der hoheitlichen Tätigkeiten geführt hat, nicht auto -

matisch sofort zum Entzug der Zulassung führt?

MATTISECK | Ich könnte Ihnen noch andere Fälle nennen, wo

es eigentlich ganz klar wäre, dass den Kollegen die Zulassung

entzogen werden müsste. Aber selbst da ist man vonseiten der

Aufsichtsbehörden sehr sensibel.

SEIDEL | Es gibt natürlich auch Extremfälle. Es gibt ÖbVI, die

haben ihr gesamtes Instrumentarium verkauft und machen nur

noch Gutachten. Das ist ja nicht im Sinne der Beleihung. Der

Schwerpunkt soll wirklich auf die typischen hoheitlichen Aufgaben

des Vermessers ausgerichtet sein. Und auch dabei wird

es einen entsprechenden Spielraum geben. Den muss man einfach

mit Menschenverstand auslegen. Und weil es sich bei die -

sem »überwiegend« um einen unbestimmten Begriff handelt,

kann man sicherlich niemandem einen Strick daraus dre hen,

wenn er kurzzeitig oder aus Zwängen heraus weniger hoheit -

liche Aufträge ausführt.

DR. ROSE | Diese Zusicherung ist ganz elementar. Die Sache

mit den Gutachten ist nur ein Aspekt. Ein anderer Punkt ist unsere

technische Entwicklung. Meine Sorge ist, dass man zurückfällt,

auch gegenüber anderen Ingenieuren, wenn wir uns nicht

auch mit Themen außerhalb der hoheitlichen Vermessung be -

schäftigen. Wir sind immer nur die Leute mit den rot-weißen

Fluchtstäben. Wenn wir als drittklassige Ingenieure empfunden

werden, haben wir ein massives Problem.

WEHMEYER | Die klassischen Aufgaben des Vermessers sind nach

wie vor da. Aber die Methoden der Datenerhebung ändern sich.

Auch die Sensorik ist eine andere geworden. Doch das bedeutet

ja noch lange nicht, dass ich, wenn ich mich beispielsweise mit

Luftbildvermessung und Drohnen beschäftige, nicht mehr hoheitlich

tätig bin. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass

die Sensorik in der Zukunft noch viel vielfältiger wird, als wir

das zurzeit kennen. An den »klassischen Aufgaben« ändert dies

jedoch nicht viel.

Die ÖbVI legen großen Wert darauf, alles, wofür sie

ausgebildet wurden, auch als berufliche Leistung

anbieten zu können. »Sonstige Tätigkeiten« klingt

jedoch eher nach Nebensache. Tatsächlich sind die

sonstigen Tätigkeiten aber meist anspruchsvoll

und fordernd und durchaus dazu geeignet, das

Image des ÖbVI zu befördern. Gleichzeitig erfordert

die Veränderung des Marktes, insbesondere

seine Risiken, diese Geschäftsfelder gesellschafts -

rechtlich von der reinen ÖbVI-Tätigkeit zu trennen.

Welche Spielräume hat der ÖbVI hier?

8

3


VERBAND

SEIDEL | In den Jahresberichten der ÖbVI wird bisher bestätigt,

dass der hoheitliche Schwerpunkt überwiegt.

MATTISECK | Die geodätische Ausbildung ist ja etwas weiter -

gehender als das, was wir im hoheitlichen Bereich machen. Die

Ausbildung erstreckt sich auch auf den Bereich der Ingenieur -

vermessung, auch auf den Bereich der Immobilienbewertung,

das ist also umfassend. Die Ausbildung des ÖbVI ist so breit auf -

gestellt, dass er auf allen Gebieten des Vermessungs wesens tätig

werden kann. Einschließlich Ingenieurvermessung, einschließ -

lich Grundstückswertermittlung etc.

WEHMEYER | Ja, aber diese strikte Trennung zwischen den klas -

si schen Kernkompetenzen im Liegenschaftswesen und den ingenieurtechnischen

Leistungen und Industrievermessungs leis -

tungen, bis hin zur Drohnenbefliegung, Unterwasservermessung,

alle diese technischen Disziplinen verzahnen sich aus meiner

Sicht immer mehr mit den eigentlichen hoheitlichen Leistungen.

Und diese Verzahnung wird immer enger und die strikte

Trennung, wie man sie vielleicht vor einigen Jahrzehnten noch

machen konnte, die gibt es heute nicht mehr. Die technischen

Instrumente, die wir für die Einsätze gebrauchen, neh men auch

zunehmend Einfluss auf unsere hoheitlichen und liegenschafts -

rechtlichen Tätigkeiten.

MATTISECK | So wie das GPS-Verfahren. Als ich hier in das Mi -

nisterium kam, da war davon überhaupt nicht die Rede. Ende

des letzten Jahrhunderts sind wir dann in die Diskussionen ge -

kommen, auch mit dem BDVI, und haben über GPS-Richtlinien

gesprochen und über die Anwendung dieses Verfahrens bei Lie -

genschaftsvermessungen. Ich war froh, dass wir an dieser Stelle

die ÖbVI als Partner hatten, die letztendlich nachweisen konn ten,

dass das GPS-Verfahren nicht allein bezogen ist auf Aufgaben

der Landesvermessung, sondern durchaus auch geeignet ist, im

Bereich der Liegenschaftsvermessung eingesetzt zu werden.

SEIDEL | Das Problem, weshalb man immer wieder über »sons -

tige Tätigkeiten« stolpert, liegt in der falschen Interpretation.

Wir hatten hierfür auch den Arbeitstitel »Nebentätigkeiten« in

Anlehnung an das Beamtengesetz. Es geht aber letztlich da rum,

neben dem hoheitlichen Schwerpunkt zusätzliche Aufgaben nur

zu ergänzen. Das soll aber keine Abwertung dieser Tätigkeiten

sein. Im Gegenteil. Wir haben ins Gesetz bewusst auch die Mög -

lichkeit aufgenommen, dass neue Amtshandlungen nach Landesgesetzen

und Landesverordnungen dem ÖbVI zugeordnet

werden.

Sagen wir nicht »sonstig«, sagen wir »privat recht lich«.

Kommen wir zur Trennung der hoheitlichen und

privatrechtlichen Tätigkeiten. In der Vergangenheit

wurden die Tätigkeiten der ÖbVI immer in einen

hoheitlichen und einen privatrechtlichen Teil zerlegt.

Das Baukammerngesetz zeugt davon. Setzt das

ÖbVI-Gesetz diesen Weg fort?

MATTISECK | Ja, das ÖbVI-Gesetz setzt diesen Weg fort. Das ist

historisch gesehen schon in der Berufsordnung von 1935 so vor -

gesehen gewesen. Insofern hat man hier gar nichts Neues eingeführt.

Wir hatten früher eine Regelung, die verbot die Zusammen -

arbeit mit anderen gewerblichen Vermessungsbüros. Diese Re -

gelung ist jetzt nicht mehr im neuen ÖbVI-Gesetz. Wir haben

lange darüber nachgedacht und diskutiert. Aber wir haben uns

dazu entschlossen, eine Zusammenarbeits mög lich keit zwischen

ÖbVI und privaten Vermessungsbüros durchaus konstruktiv zu

sehen.

SEIDEL | Diese Trennung bzw. die Entstehung des Baukammern -

gesetzes ist ja nicht auf unseren Wunsch hin entstanden. Der

BDVI hatte den Wunsch, eine Kammer mit der entsprechenden

Trennung einzurichten. Wir haben unser ÖbVI-Gesetz, das den

ÖbVI als Gesamtkunstwerk beschreibt. Die Baukammer wird nur

im nicht hoheitlichen Teil tätig. Wir müssen darauf achten, wie

sich dabei die Verknüpfungen zwischen hoheitlichem und nicht

hoheitlichem Bereich auswirken und ob dadurch eventuell die

Souveränität des ÖbVI gefährdet werden könnte. Die Abgrenzung

dieser Doppelfunktion des ÖbVI ist aber oftmals schwierig.

WEHMEYER | Ich würde auch sagen, ja, es ist so gewollt, das

ÖbVI-Gesetz setzt diesen Weg fort, es sollte uns aber die Mög -

lichkeit lassen, auch in weiteren Bereichen Erweiterungen zuzulassen

und trotz dieser Erweiterung in beiden Be reichen diese

beiden Dinge der hoheitlichen und privatrecht lichen Tätigkei -

ten aber auch wieder enger zu verzahnen.

DR. ROSE | In der Kammer tauchte das Thema auch auf. Wir

ha ben darüber diskutiert, was die Kammer ihren Mitgliedern sa -

gen soll: Warum gibt es mich? Wofür bin ich zuständig? Inso fern

sprangen mich die Regelungen des Kammergesetzes und die Re -

gelungen des ÖbVI-Gesetzes förmlich an. Beiden Gesetzen bin

ich unterworfen, beide Gesetze geben mir einen Rahmen, aber

auch Spielräume und Möglichkeiten und tatsächlich muss ich

die Fragen stellen: Wo ist die Grenze, welches Gesetz gilt wann,

wie groß sind diese Spielräume?

MATTISECK | Rein rechtlich betrachtet gilt Folgendes: Das ÖbVI-

Gesetz ist auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts angesiedelt

und das Baukammerngesetz ist eindeutig dem Privatrecht zuge -

ordnet. Diese beiden Rechtsgebiete berühren sich immer dann,

wenn eine Tätigkeit aus dem einen Bereich Einfluss nimmt auf

den anderen. Das kann sowohl vom hoheitlichen zum privat -

recht lichen Bereich sein als auch umgekehrt. An dieser Stelle

ist dann auch die Zusammenarbeit zwischen der staatlichen

Aufsicht bei den Bezirksregelungen angesiedelt und die Auf-

9

3


VERBAND

JOCHEN SEIDEL

Ministerialrat

Jahrgang 1959

Geodäsiestudium an der Universität Bonn;

Referendariat im Land Nordrhein-Westfalen;

berufliche Stationen im Kreis Steinfurt,

in Hessen, in Düsseldorf und in Köln;

Referent im Referat 32 »Vermessungs- und

Katasterwesen, Grundsatzangelegenheiten

und Grundstückswertermittlung,

Geoinformationsmanagement, Geodätische

Grundlagen, Geobasisinformationssystem«

des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen;

Leiter des Referates 37 »Geobasisinformations -

systeme, Geoinformationsmanagement,

Gebührenrecht im Vermessungs- und

Katasterwesen« des Ministeriums für Inneres

und Kommunales Nordrhein-Westfalen

sicht nach dem Baukammerngesetz notwendig. Das war aus

mei ner Erfahrung teilweise immer etwas schwierig. Es gab Fälle,

da hat die privatrechtliche Tätigkeit Auswirkungen auf den hoheitlichen

Bereich gehabt. Die Aufsichtsbehörden verständigten

die Baukammer, dass diese der Angelegenheit nachgehe. Die

An gelegenheit ist vonseiten der Baukammer dann aber leider

nicht immer konsequent verfolgt worden. Ich bin der Auffassung,

dass sich an dieser Stelle in der Zusammenarbeit noch

einiges verbessern kann.

DR. ROSE | Ich hatte auch den Eindruck, dass die Baukammer

sich der Rolle, die sie ja spielen kann oder die ihr aufgrund der

Gesetzesgrundlage zugewiesen ist, gar nicht so richtig bewusst

ist.

SEIDEL | Eine saubere Schnittstelle finden wir nicht, dass wir

sa gen könnten: Das eine gehört hierzu, das andere gehört zu

dem anderen Teil. Das werden wir nie hinbekommen. Typisches

Beispiel sind die Kostenunterbietungen: Wir haben bei hoheit -

lichen Dingen klare Regelungen, aber im nicht hoheitlichen Be -

reich Spielräume, die ausgenutzt werden. Wir könnten uns auf

die Position stellen und sagen: Damit habe ich nichts zu tun.

Das Verhalten des ÖbVI wirkt sich aber auf die Souveränität des

Gesamtkunstwerks ÖbVI aus. Daher haben wir versucht, einige

diesbezügliche Grundsätze im Gesetz zu verankern. Was man

auch nicht vergessen darf, ist, dass dem Bürger oder Kunden

diese Differenzierung bei der Gesamttätigkeit des ÖbVI oftmals

nicht bekannt ist.

WEHMEYER | Und das ist durch die Neugestaltung der HOAI

nicht einfacher geworden.

In der Berufsordnung § 3 Abs. 5 steht, dass der

ÖbVI sich für seine Berufsausübung im erforderlichen

Bereich fortzubilden hat. Ist das vielleicht

schon in Verbindung mit den Kammern geschehen

oder kontrollieren Sie das seitens des Ministeriums?

SEIDEL | Es wurde lange darüber diskutiert, ob wir Vorgaben

machen, ähnlich wie im Baukammerngesetz. Wir haben aber

dann davon Abstand genommen, weil es ja teilweise wirklich nur

zu einem Abhakvorgang führen würde. Daher macht man eine

10

3


VERBAND

angemessene Fortbildung besser direkt an der Berufs ausübung

fest. Wenn sich ein ÖbVI mit absolut keiner neuen Thematik mehr

beschäftigt, hat man einen Ansatz, dort mal nachzufragen.

Aber ist es ein Werkzeug, um gegebenenfalls

reguliert einzugreifen? Wie man es hier in § 8

sieht: Die Qualität muss gewährleistet sein.

Die der Geschäftsstelle wie auch die der Inhaber.

SEIDEL | Es gibt einen Spielraum. Man hätte es sonst fest ma -

chen müssen mit einem Katalog mit Möglichkeiten, Punkten

und Varianten. Aber wir haben in der Arbeitsgruppe beschlossen,

das hier nicht zu machen. Ich glaube, damit würden wir uns

auch nur zusätzlich verwalten.

Dürfen die ÖbVI im privatrechtlichen Bereich alles

machen, was das Baukammerngesetz ihnen erlaubt,

oder sieht das Ministerium Grenzen?

SEIDEL | Im Rahmen der Berufsordnung. Natürlich ist frei be -

ruf lich fast alles möglich. Sobald aber die Unparteilichkeit bei

hoheitlichen Aufgaben angezweifelt werden oder nur der Anschein

erweckt werden könnte, dass unternehmerische Interes -

sen oder wirtschaftliche Verknüpfungen zulasten der hoheit -

lichen Tätigkeiten gehen könnten, dann hat die Freiheit Grenzen.

Es gibt ÖbVI in NRW, die durch das Gesetz

ihre Beurkundungs- und Beglaubigungsbefugnis

eingeschränkt sehen. Wie kommt es zu dieser

Sichtweise?

MATTISECK | Also an Fragen der Beurkundung und Beglaubigung

durch ÖbVI hat sich meines Erachtens durch das neue Ge -

setz nichts geändert. Es gilt nach wie vor das Bundesbe ur kun -

dungsgesetz und das ist maßgeblich auch für die Beurkundung

durch ÖbVI. Insofern kann man durch ein Landesgesetz an dieser

Stelle nichts ändern.

In § 33 des Baukammerngesetzes NRW sind

Regelungen bezüglich der Kooperation zwischen

Kammermitgliedern getroffen worden.

Konkurrieren diese Gesetze? Wie ist das Baukammern -

gesetz gegenüber der Vorschrift für die ÖbVI

abzugrenzen? Und schränkt das ÖbVI-Gesetz das

Baukammerngesetz ein?

SEIDEL | Das sind jetzt keine zwei konkurrierenden Gesetze, die

man mal so, mal so auslegen kann. Wenn es Auswirkungen auf

die hoheitliche Tätigkeit gibt, dann greift auf jeden Fall das Ge -

samtgebilde ÖbVI-Gesetz. Das ist ja ganz speziell für den ÖbVI

konstruiert und formuliert worden. Das Baukammerngesetz ist

ein Gesetz über den Schutz von Berufsbezeichnungen sowie

über die Architektenkammer und die Ingenieurkammer-Bau;

es betrifft keine hoheitlichen Aspekte.

WEHMEYER | Das Spektrum des ÖbVI wird immer größer, so -

wohl im hoheitlichen als auch im nicht hoheitlichen Bereich. Wir

unterliegen allerdings auch gewissen konjunkturellen Schwan -

kungen. Es geht mal hoch, es geht mal runter. Unabhängig da -

von steigen die Anforderungen an Technik, Wissen, Know-how

und damit an das Personal. Wir haben auf der anderen Seite in

NRW 470 ÖbVI. Die durchschnittliche Größe dieser Büros liegt

unter zehn. Speziell für kleinere Büros ist es natürlich schwierig,

sich permanent den erhöhten und ständig steigenden Anfor -

derungen anzupassen und das alles erledigen zu können. Und

deswegen brauchen wir wirksame, vernünftige Instrumente, die

uns die Möglichkeit zur Zusammenarbeit geben, ohne die Eigenverantwortlichkeit

und Eigenständigkeit des ÖbVI infrage zu

stellen.

SEIDEL | Im nicht hoheitlichen Bereich gibt es relativ wenige

Einschränkungen. Wir haben uns bei Kooperationen auf natürliche

Personen beschränkt, um das mögliche Zustandekommen

von Abhängigkeiten bei der Kooperation mit großen Unter neh -

men zu vermeiden. Die zweite Beschränkung der Kooperations -

möglichkeiten: Sie dürfen keine Amtshandlungen beeinflussen.

Ich denke, da sind wir uns auch einig. Die Souveränität des ÖbVI

muss gewahrt bleiben.

Widerspricht sich das Gesetz da nicht? In § 8 Abs. 2

heißt es: »Der ÖbVI muss am Niederlassungsort eine

Geschäftsstelle einrichten und diese so ausstatten,

dass eine ordnungsgemäße Berufsausübung

jederzeit gewährleistet ist.« Und in § 13 Abs. 1 Nr. 4

steht, dass in der Ausstattung der Geschäftsstelle

mit Hard- und Software sowie mit Vermessungs -

instrumenten mit anderen kooperiert werden kann.

Folgendes heruntergebrochene Beispiel:

Zwei ÖbVI leisten sich gemeinsam ein Tachymeter

und ein Stativ. Mal ist es beim einen und mal beim

anderen. Jetzt will ich einen Auftrag auslösen bei

dem, der es gerade nicht hat. Widerspricht das nicht

dem § 8?

SEIDEL | Parallel zum Gesetz haben wir eine Durchführungs -

ver ordnung und einen Erlass gemeinsam erarbeitet. Und dort

wird auch dieser Spielraum ausgefüllt. Wichtig ist , dass der ÖbVI

seinen Beruf auch bei der gemeinsamen Nutzung von Instrumen -

ten ordnungsgemäß ausüben kann. Wenn einer der Koope rie -

11

3


VERBAND

BDVI-LANDESGRUPPE NRW IN ZAHLEN (Stand: Aug. 2014)

385 Mitglieder im BDVI (Gesamtmitgliederzahl BDVI)

441 ÖbVI in Nordrhein-Westfalen

Ca. 2.100 Mitarbeiter/-innen (alle ÖbVI in NRW)

Ca. 220 Auszubildende (alle ÖbVI in NRW)

56 Sozietäten (BDVI-Mitglieder)

72 Sozietäten (alle ÖbVI in NRW)

LANDESGRUPPENVORSTAND

renden das Gerät nur an einem Sonntagabend bekommt, dann

wäre eine ordnungsgemäße Berufsausübung nicht gegeben.

Vom Grundsatz her soll aber gerade die moderne, kosteninten -

sive Technik geteilt werden dürfen. Deshalb gibt es auch bewusst

diese Nr. 4 in § 13 Abs. 1 des Gesetzes.

MATTISECK | Und diese Kooperation ist gelöst von den Bürogemeinschaften.

Rudolf Wehmeyer

Johannes Schenk

Jens Schumann

Ekkehard Jungemann

Peter Karstadt

Ulrike Pennekamp

Dr. Andreas Rose

Björn Semler

Vorsitzender

stv. Vorsitzender

stv. Vorsitzender

Vorstandsmitglied

Vorstandsmitglied

Vorstandsmitglied

Vorstandsmitglied

Vorstandsmitglied

DR. ROSE | An dieser Stelle noch einmal die Bitte, die Koopera -

tion mit natürlichen Personen klarzustellen. Gerade an der Stelle

sehe ich eine andere Formulierung im Baukammerngesetz. Denn

da ist ganz klar die Rede von Kooperationen mit Ge sell schaften.

SEIDEL | In unserem Fall ist eine hoheitliche Stelle der eine Part -

ner. Das ist anders als im Baukammerngesetz. Da sind es zwei

nicht hoheitliche Stellen.

Der Vorstand tagt jeden 2. Monat; der erweiterte Vorstand,

der den Vorstand um den BDVI-Präsidenten, die Bezirks -

obleute und die Kommissionsvorsitzenden erweitert, tagt

2 x jährlich. Die Mitgliederversammlung findet 1 x jährlich

im Rahmen der Jahrestagung im Frühjahr statt.

BEZIRKSOBLEUTE

Markus Thöle

Thomas Hülsmann

Helge Köhncke

Björn Semler

Ekkehard Jungemann

Bezirk Arnsberg

Bezirk Köln

Bezirk Düsseldorf

Bezirk Köln

Bezirk Münster

Die Mitglieder in den Bezirksgruppen werden in unregel -

mäßigen Abständen 1 bis 2 x jährlich zu Bezirksgruppenveranstaltungen

eingeladen.

AUSSCHÜSSE

Rainer Brüggemann Kommission Baurecht

N. N. Kommission Berufsbildung

Peter Karstadt Kommission Berufsrecht

Johannes Schenk Kommission Gebühren/Honorare

Ulrike Pennekamp Kommission Öffentlichkeitsarbeit

Dr. Andreas Rose Kommission Vermessung/

ALKIS®/Technik/Recht

Bernhard Mertens Kommission Flurbereinigung

Dr. Hubertus Brauer Kommission Grundsteuer

Dr. Hubertus Brauer Kommission Vergabe

Die nordrhein-westfälischen Ausschüsse tagen unregel -

mäßig, je nach Erfordernis.

DR. ROSE | Ja, aber da widersprechen sich dann tatsächlich die

Gesetze. Nach dem einen Gesetz darf ich und nach dem ande -

ren nicht. Jetzt ist die Frage: Wo ist die Priorität?

SEIDEL | Das Baukammerngesetz kann keine Regelungen für

hoheitliche Stellen vorgeben. Hier sind Architekten, Ingenieure

usw. untereinander angesprochen. Daher gilt vorrangig die Be -

rufsordnung für den ÖbVI.

Das ÖbVI-Gesetz stärkt sicherlich die eigenständige

Stellung des ÖbVI als Behörde, davon sprachen

wir. Gleichzeitig klärt es die Aufgaben der Aufsicht.

Aber: Zunehmend hat man jedoch in NRW das

Gefühl, dass sich auch die Katasterbehörden als

Aufsicht gerieren und inhaltlich in die Arbeitsweise

der ÖbVI eingreifen. Wie steht das MIK dazu?

MATTISECK | Diese Diskussion kenne ich, seitdem ich im Beruf

praktisch tätig bin. Das Problem ist nicht neu, das gibt es schon

sehr lange, und das wahrscheinlich auch nicht nur in NRW, sondern

auch in anderen Bundesländern. Wichtig ist die Diskussion

über eine mögliche Trennlinie. Dazu sind uns die Begriffe

»Fertigungsaussage« und »Fortführungsentscheidung« eingefallen.

Die Fertigungsaussage schließt den Vorgang beim ÖbVI

ab, die Fortführungsentscheidung steht danach in der Katasterbehörde

an. Fertigungsaussage und Fortführungsentscheidung

sind die beiden Begriffe, die sich gegenüberstehen und die auch

deutlich machen sollen, wo die Trennlinie ist. Aber das war so

um das Jahr 2000 herum. Mittlerweile sind ja einige Jahre ins

Land gegangen und es stellen sich dieselben Fragen immer noch.

Ich denke, dass es eine riesige Aufgabe ist, diese Problematik

end gültig zu klären. Die Diskussion fängt jedenfalls von Gene -

ration zu Generation immer wieder neu an.

12

3


VERBAND

SEIDEL | Wenn es Meinungsverschiedenheiten zwischen zwei

auf Augenhöhe arbeitenden behördlichen Stellen gibt, dann

ent scheidet die Aufsichtsbehörde, das ist auch im Gesetz so ver -

ankert. Das ist das Einzige, was wir als Regularium dort eingebaut

haben. Wichtig ist natürlich, dass man die Aufsichtsbehörde

auch anspricht, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt.

Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die sagen, ich will keinen Är -

ger. Da muss man sich überwinden und die Aufsichtsbehörde

einschalten und die entscheidet dann.

MATTISECK | Das ist ja auch im Sinne des Auftraggebers hinsichtlich

der schnellen Erledigung seiner Arbeiten.

WEHMEYER | Und genau da liegt das Problem. Wir haben in

den ÖbVI-Gesetzen die Augenhöhe zwischen ÖbVI und der ka -

tasterführenden Stelle herausgearbeitet. Und das müssen wir

jetzt mit Leben erfüllen. Diesbezüglich ist es wirklich vonnöten,

der Fertigungsaussage mehr Gewicht zu geben. Denn die Dis kus -

sion über die Richtigkeit einer Vermessung wird überschattet

von dem Druck, den der Auftraggeber auf den ÖbVI ausübt. Der

Antragsteller will ja mit dieser Vermessung etwas bezwecken.

Daher sind viele Kollegen, und unter diesem Druck haben wir

alle schon mal gestanden, geneigt, die Faust in der Tasche zu

ma chen. Irgendeine Arbeit zu machen, um die Übernahme ent -

scheidung zu bekommen. Damit es nur schnell geht. Da wird

nicht mehr sachlich darüber diskutiert, das wird verlagert in

diesen wirtschaftlichen Druck. Daher ist vonnöten, dass wir die

Fertigungsaussage höher bewerten. Auf der anderen Seite: Wenn

dann irgendwann mal etwas danebengegangen sein sollte, muss

dann natürlich die Vermessungsstelle, die die Fertigungsaussa -

ge gestellt hat, auch stärker in die Pflicht genommen werden.

MATTISECK | Wir haben im Jahr 2000 den Fortführungs ver -

mes sungserlass, der ja heute noch gilt und der durch den Erhe -

bungserlass abgelöst werden soll, herausgegeben und eine umfangreiche

Fortbildungsveranstaltung dazu durchgeführt. Die liegt

aber schon 14 Jahre zurück. Ich hatte damals so den Eindruck:

Na ja, vielleicht kommt das jetzt doch in die richtige Richtung.

Aber da habe ich mich offensichtlich getäuscht. Man muss dies

aber auch verstehen. Der, der das Liegenschafts ka tas ter führt,

hat natürlich auch eine Verantwortung für dessen Inhalte. Wenn

diese fehlerhaft sind, kann es schnell zu Scha den sersatz forde run -

gen kommen, die zuerst an das Katas teramt gestellt werden und

nicht an den ÖbVI, der den Fehler begangen hat. Ent spre chen de

Prozesse dazu sind bekannt, aber Gott sei Dank nicht so häufig.

SEIDEL | Der eine sieht das so, der andere so … Man kommt

im mer wieder in Diskussionen. Auch ist zu berücksichtigen, dass

der ÖbVI keinen Rechtsnachfolger hat. Die Frage ist, wie die Kom -

munikation miteinander geführt wird. Das wiederum ist natürlich

vom Menschen abhängig. Der eine guckt sehr genau hin,

viel zu genau, und der andere sieht das viel zu locker.

MATTISECK | Man sieht ja auch, es ist nicht einheitlich, sondern

von Katasterbehörde zu Katasterbehörde unterschiedlich.

WEHMEYER | Absolut.

DR. ROSE | Ich komme gerade aus den Beratungen zum Erhe -

bungs erlass und sehr häufig geht es um die Frage: Kann diese

Formulierung auch anders interpretiert werden? Der Punkt ist,

dass wir als BDVI tatsächlich wollen, dass die Entscheidungen,

die seitens der Vermessungsstellen getroffen werden, hinter-

13

3


VERBAND

her nicht mehr inhaltlich hinterfragt werden können, weil die

Vorschriften anders ausgelegt werden. Das ist ein Problem und

ich glaube, dass wir mit dem Erhebungserlass auf dem richtigen

Wege sind. Aber das muss auch tatsächlich noch mit Leben

erfüllt werden. Wir brauchen objektiv messbare Qualitätskrite -

rien, die auch tatsächlich einen Übernahmeanspruch manifes -

tieren. Ohne das wird es nicht gehen.

Mit dem Zweiten Katastermodernisierungsgesetz

wird das Berufsrecht der ÖbVI an die zwischenzeitliche

höchstrichterliche Rechtsprechung zum

Werbeverbot angepasst. Wie sieht das konkret aus?

Ich kann die Frage auch noch mal vorlesen …

MATTISECK | Nein, nein … Gerade was die Werbung angeht,

bin ich topfit … (alle lachen) Also: Es gibt zur Werbung ein Papier,

das die AdV gemeinsam mit dem BDVI erarbeitet hat. Daraus

geht alles hervor, was man zum Thema Werbung wissen

sollte. Ich darf aber vielleicht auch noch ergänzen: Die Euro päi -

sche Kommission hat in NRW offiziell gefragt: Ihr habt ja eine

Wer bung untersagt, das geht doch nicht. Nun hatten wir an die -

ser Stelle aber schon die höchstrichterliche Rechtspre chung des

Oberverwaltungsgerichts (OVG) und waren auch dabei, das Thema

Werbung in dem damaligen Entwurfsverfahren zum ÖbVI-

Gesetz aufzugrei fen und dort klare Aussagen zu treffen. Und

diese Aussage ist auch wieder recht einfach: Werbung ist erlaubt,

sie darf nur nicht berufswidrig sein. So hat es das Bundesverfassungsgericht

gesagt, das OVG in NRW auch. Es ist auch im

Einzelnen ausgeführt worden, wann Werbung berufswidrig ist.

SEIDEL | Die Details stehen in der Durchführungsverordnung.

WEHMEYER | Werbung war ja bislang für andere Freie Berufe

gar nicht denkbar, z. B. für Rechtsanwälte und Ärzte, die bis -

her überhaupt keine Werbung machen durften. Jetzt findet man

in Stadien und an Banden ja durchaus Werbung dafür. Möglich

gemacht haben das, zumindest im gesundheitlichen Bereich,

die sogenannten »individuellen Gesundheitsleistungen« (IG). Auf

unseren Beruf übertragen: Wenn man die IG als individuelle

geodätische Leistung bewerben könnte, wären wir damit auch

ein Stückchen weiter.

MATTISECK | Also ich kann nur sagen, die Europäische Kommission

hat die Regelungen zur Werbung aus dem ÖbVI-Gesetz

in NRW zugeschickt bekommen und war mit der Formulierung

einverstanden. Gott sei Dank.

SEIDEL | Ich habe mich immer gefragt: Kann man nicht die

Wer bung einfach komplett freigeben? Warum müssen wir so

etwas überhaupt ins Gesetz schreiben? Aber im Endeffekt sind

es ja die Kolleginnen und Kollegen des Freien Berufes, die bei

der Aufsicht bemängeln, dass ein anderer ÖbVI einen Wettbewerbsvorteil

aufgrund unerlaubter werbender Maßnahmen erlangt.

Mir stellt sich auch die Frage: Ist Werbung im hoheitlichen

Bereich wirklich so effektiv? Ich sehe es eher als Nachteil, wenn

der ÖbVI mit einer zu aktiven Werbung zu marktschreierisch

wirkt und damit an Souveränität verliert.

Über folgende Aussage im Gesetz war ich erstaunt:

§ 16. Die Ordnungswidrigkeiten. »Ordnungswidrig

handelt, wer den ÖbVI zur Unterschreitung der durch

Rechtsverordnung vorgeschriebenen Ver gütung

auffordert.« Gibt es dazu Ideen, wie das umgesetzt

werden kann? Oder ob das überhaupt wahrge -

nommen wird? Werden ÖbVI kommen und sagen:

»Der hat mich aufgefordert, zu unterbieten! Das ist

zwar mein Kunde, aber ich zeige ihn trotzdem an«?

WEHMEYER | Wir haben also in solchen Situationen schon

sei tens des Berufsverbandes über unseren Justiziar diesen aus -

schreibenden Firmen Einhalt geboten. Wobei das natürlich ein

stumpfes Schwert ist. Es wird immer gesagt: »Wir haben ja nichts

anderes getan, als die Gebühren mal abzugefragen. Wir haben

nie mals versucht, jemanden zur Unterbietung der Gebüh ren ord -

nung zu ermuntern.« Wenn das aber mal passiert ist, dann geht

der Berufsverband sehr wohl hin und lässt das unterbinden, ja.

SEIDEL | Wir hatten bisher wenig Druckmittel, auch den Verfassern

dieser Ausschreibungen entsprechend zu begegnen. Teilweise

soll es sich dabei sogar um Behörden handeln. Wenn man

dort angerufen und gesagt hat: »Ihr verstoßt gegen Gesetz und

Verordnung«, hatte man bislang wenig in der Hand, dies mit

Druckmitteln zu untermauern. Sicherlich hilft es aber auch schon,

wenn man nun auf entsprechende Strafen hinweisen kann. Da -

durch ist vielleicht auch schon der Zweck erreicht.

MATTISECK | Die Frage ist: Kann eine Behörde ordnungswidrig

handeln? Kann sie eben nicht.

WEHMEYER | Das ist sicherlich ein Spagat, weil wir da wieder

die Dualität unseres Berufsstandes haben. Es kommen Aufträge,

in denen hoheitliche und nicht hoheitliche Arbeiten zusammen

verpackt werden. Und dass dann mit den Gebühren, mit den Ho -

noraren etwas jongliert wird, das ist ein Problem.

Ich habe im Gesetz eine Passage gefunden, die

mir rätselhaft erscheint. § 14 Abs. 7: »Für den

sich aus der Berufsausübung des ÖbVI ergebenden

Aufwand des Landes, der nicht durch Gebühren

abgegolten ist, wird von jedem ÖbVI ein jährlicher

Kostenbeitrag erhoben.« Was verbirgt sich dahinter?

14

3


VERBAND

DR. ANDREAS ROSE

ÖbVI

Jahrgang 1956

SEIDEL | Das Thema Abwicklung. Bisher wurde ein ÖbVI unmit -

tel bar beauftragt, die Abwicklung der Amtshandlungen eines

anderen ÖbVI durchzuführen. Das mag in den 60er-Jahren eine

gute Lösung gewesen sein. Wir haben aber im Laufe der Jahre

festgestellt, dass viele ÖbVI teilweise sogar existenzgefährdet

waren, weil sie eine Abwicklung übernommen haben. Also ha -

ben wir uns Gedanken gemacht, wie wir das neu organisieren

können. Das Land ist zwar nicht Rechtsnachfolger eines ausgeschiedenen

ÖbVI, aber wir sind als Land in der Verantwortung,

weil wir den ÖbVI bestellt haben. Daher übernehmen wir als Land

auch die Abwicklung und bedienen uns dann anderer ÖbVI.

Wenn es z. B. durch an den Ausgeschiedenen bereits ge zahlte

Vorschüsse zu Unterdeckungen kommt, muss das Land dafür ein -

treten und dies später gegenüber dem ausgeschie de nen ÖbVI

verrechnen. Wenn das nicht geht, und das ist mitt ler weile der

Regelfall, wird der Landeshaushalt in Anspruch genommen. Vor

einigen Jahren gab es diesbezüglich zusammen mit dem BDVI

Überlegungen, ob eine Versicherungslösung das geeignete Mittel

sein könnte. Ergebnis war damals die Aussage, dass die Versicherungskosten

bei etwa 150 bis 200 Euro liegen würden, es

aber zudem eine Selbstbeteiligung und eine Beteiligung des

Landes geben müsste, was wir rechtlich nicht machen konnten.

Und da eine Versicherungswirtschaft auch verdienen will, käme

noch ein zusätzlich zu zahlender Gewinn hinzu. Das sollte ab -

gekürzt werden. Daher erheben wir nun, anstelle einer Versiche -

rung, von jedem ÖbVI jährlich einen Beitrag.

MATTISECK | Ich war vor 25 Jahren selbst mal als Abwickler be -

stellt. Wir mussten damals feststellen, dass der ÖbVI, der abge -

wickelt wurde, schon alles Mögliche cash kassiert hatte. Er war

allerdings nicht mehr greifbar. Die Abwicklung wurde damals

Geodäsiestudium an der Universität Bonn;

Referendariat in Nordrhein-Westfalen;

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur;

Vorstandsmitglied der BDVI-Landesgruppe

Nordrhein-Westfalen

mit dem Personal der Bezirksregierung durchgeführt. Dieses Personal

haben wir jetzt nicht mehr zur Verfügung. Insofern war es

auch wichtig, eine andere Möglichkeit der Abwicklung zu fin den.

DR. ROSE | Wie sieht das denn in der Praxis aus? Ich übernehme

jetzt die Abwicklung von jemandem. Woraus ermisst sich meine

finanzielle Unterstützung?

SEIDEL | Die Bezirksregierung ist jetzt der Abwickler. Sie könnte,

wenn 300 Gebäudeeinmessungen im Rückstand liegen, 20 ÖbVI

beauftragen, um die Gebäudeeinmessungen abzuwickeln; sie

kann aber auch nur einen ÖbVI beauftragen. Der einzelne ÖbVI

ist dann hoheitlich tätig und erstellt einen eigenen Kos ten be -

scheid. Differenzen aus Vorschusszahlungen über nimmt das Land.

Dadurch muss der abwickelnde ÖbVI den Nach teil nicht selber

erleiden. Das Land erstellt zum Schluss eine Bilanz und rech net

das dann mit dem abzuwickelnden ÖbVI ab bzw. gleicht dies pau -

schal durch den angesprochenen jährlichen Kostenbeitrag aus.

WEHMEYER | Wenn da kriminell etwas auf die Seite geschafft

worden sein sollte, dann wird das Land sich darum kümmern

müssen, das wiederzuholen, und nicht der ÖbVI.

15

3


VERBAND

RUDOLF WEHMEYER

ÖbVI

Jahrgang 1953

Geodäsiestudium an der Hochschule Bochum;

Vorbereitungsdienst in Nordrhein-Westfalen;

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur;

Vorsitzender der BDVI-Landesgruppe

Nordrhein-Westfalen

MATTISECK | Haben wir getan. Aber wenn nichts da ist, kann

man auch nichts holen.

WEHMEYER | Aber es bleibt der ÖbVI nicht drauf hängen, das

ist entscheidend.

Vorletzte Frage: Was hat es mit dem

gläsernen ÖbVI auf sich?

MATTISECK | Es geht weniger um Gläsernheit. Der Begriff

»gläsern« bedeutet ja: für jedermann gläsern. Das ist hier nicht

der Fall. Wir beziehen uns hier rein auf die Aufsichtsbehörden.

Für die Aufsichtsbehörden ist es wichtig, einen umfassenden

Überblick über die Tätigkeit des ÖbVI zu bekommen. Dabei ist es

selbstverständlich, dass die Mitarbeiter der Aufsichtsbehörden

den Datenschutz wahren und zur Verschwiegenheit ver pflichtet

sind. Sie dürfen entsprechende Informationen natürlich nicht

weitergeben, ist meines Wissens auch noch nie ge schehen.

DR. ROSE | Das ist schon richtig. Aber man kann ja aus so ei nem

Geschäftsbuch eine Menge ableiten. Zum Beispiel auch, wie oft

ich im Urlaub war und wann das war. Dass man aus die sen An -

gaben eine ganze Menge zu den persönlichen Lebensverhältnissen

ableiten kann, besorgt die Kollegen sehr. Verständ licherweise.

MATTISECK | Das ist mit Sicherheit unberechtigt. Ich kenne

ja die Tätigkeit der Aufsichtsbehörde wirklich jahrzehntelang.

Man muss an dieser Stelle keine Angst haben, dass Informatio -

nen, die vielleicht in den privaten Bereich des ÖbVI gehen, wei -

tergegeben werden.

DR. ROSE | Es geht nicht um die Weitergabe, es geht tatsäch -

lich um die Nutzung dieser Informationen.

SEIDEL | Es geht ja nicht darum, private Dinge zusammenzu -

stellen. Es geht darum, Informationen für die Aufsichtsbehörde

zusammenzustellen, um dieser zu ermöglichen, die Be rufs aus -

übung im notwendigen Rahmen zu kontrollieren. Es gibt ÖbVI,

die haben wunderbare Geschäftsbücher, es gibt aber auch Kollegen,

die benötigen selbst vier Wochen, um herauszufin den, wo

welche Amtshandlung in welchem Zustand ist. Also muss man

da etwas reglementieren, was in den Geschäftsbüchern notiert

werden soll und was wir auswerten wollen. Wir müssen als beleihende

Stelle auch die ordnungsgemäße Berufs ausübung überprüfen

können. Das heißt nicht, dass wir die anfallenden Da -

ten irgendwo veröffentlichen.

WEHMEYER | Es stellt sich uns die Frage: Kann die Aufsichts -

behörde verlangen, dass ich eine komplette Kopie meiner Ge -

schäftsbuch-Datenbank der letzten 15 Jahre abgebe oder nur

einen bestimmten zeitlichen oder Themen- bzw. Auftragsbe -

reich?

16

3


VERBAND

SEIDEL | Wir haben genau differenziert, worum es dabei geht.

Die Parameter stehen exakt im Erlass bzw. in der Verordnung.

Mehr interessiert die Aufsichtsbehörde nicht. Sicherlich wird

man in zwei bis drei Jahren mal überlegen, ob nachgebessert

werden muss. Das ist immer so, wenn man ein komplettes Regelwerk

neu erschafft.

Zur Frage, ob nur die hoheitlichen Vermessungen angegeben

wer den oder nicht: Wir hätten das Geschäftsbuch auf den hoheitlichen

Bereich beschränken können. Aber wie soll man dann

prüfen, ob ein Kollege tatsächlich »überwiegend hoheitlich«

tätig ist, wenn das alles im Dunkeln bleibt und der ÖbVI sagt,

das geht euch alles nichts an? Ich weiß nicht, mit wie vielen

Ehepartnern von ÖbVI ich bei Geschäftsprüfungen diskutiert

habe, ob ich den Kontoauszug sehen darf, um zu prüfen, ob die

hoheitliche Amtshandlung denn wirklich mit dem Gebühren -

bescheid abgerechnet wurde.

WEHMEYER | Darum geht es gar nicht. Die Frage, die unsere

Mit glieder umtreibt, ist: Muss die komplette Datenbank ab ge -

ge ben werden, sodass die Aufsicht tatsächlich die Tätig keiten

der was weiß ich wie viel Jahre rasterfahndungsähnlich durchsuchen

kann, um irgendwelche Verstöße oder was auch immer

auf zu decken? Oder ist es nicht besser, wie bislang stichproben -

artig durchzugehen und zu sagen, wir haben da Abgleiche mit

dem Katasteramt, ich würde gerne aus dem und dem Bereich

die und die Auskünfte bekommen? Das ist ein himmelweiter

Un terschied.

MATTISECK | Wir haben ja vor, im nächsten Jahr eine gemeinsame

Besprechung von BDVI und den Aufsichtsbehörden unter

der Federführung des MIK durchzuführen …

WEHMEYER | Wir freuen uns darauf.

MATTISECK | … und da kann man solche Probleme detaillierter

besprechen.

WEHMEYER | Das sehe ich auch so und freue mich darauf.

Wir haben auch um einzelne Formulierungen und Passagen des

neuen Gesetzes inklusive der Durchführungsverordnung intensiv

und manchmal auch emotional und leidenschaftlich

gerungen. Jetzt ist das Ding in der Welt und es gilt, einfach mal

abzuwarten, wie man das mit Leben erfüllt.

SEIDEL | Zur Durchführungsverordnung und zum Erlass hatte

der BDVI eine sehr umfangreiche Stellungnahme abgegeben.

Einen Teil haben wir übernommen, einen Teil nicht.

WEHMEYER | Dass die umfangreichsten Stellungnahmen vom

BDVI kommen, liegt ja in der Natur der Sache. Es ist ja ein ÖbVI-

Gesetz und nicht ein Bezirksregierungsgesetz.

SEIDEL | Aber das Land, insbesondere die Aufsichtsbehörden,

ist ebenso betroffen.

WEHMEYER | Ja, natürlich sind Sie betroffen!

DR. ROSE | Was zurzeit schädlich ist, ist, dass über Teilaspekte

des Gesetzes Gerüchte gestreut werden. Ich sehe die große Chan -

ce dieses Gesprächs, die Dinge richtigzustellen.

MATTISECK | Also das Schöne ist ja, dass gar keine Be rührungs -

ängste mehr da sind zwischen Aufsichtsbehörden und ÖbVI,

finde ich jedenfalls …

WEHMEYER | Richtig.

MATTISECK | … und an dieser Stelle geht es um Erfahrungs -

austausch und darum, den besten Weg zu finden.

Versöhnlicher und konstruktiver kann man ein

Schlusswort nicht gestalten. Bei der Beantwortung

der Abschlussfrage bitte bedenken, dass heute der

1. Juli ist, das Heft aber im Oktober erscheinen wird.

Wer wird Fußballweltmeister?

SEIDEL | Kolumbien.

MATTISECK | Würde ich auch sagen.

SEIDEL | Die schlagen Brasilien und machen dann weiter …

MATTISECK | Kolumbien ist sehr gut …

Der BDVI sagt nichts?

Keiner wird Fußballweltmeister?

WEHMEYER | Deutschland. Im Endspiel gegen Holland!

Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Dipl.-Ing. Andreas Bandow

FORUM-Schriftleitung

bandow@bdvi-forum.de

17

3


VERBAND

Neu gewählt oder im Amt bestätigt

LANDESGRUPPENVORSITZENDE

LV

Nordrhein-Westfalen

Baden-Württemberg

Meck.-Vorpommern

Berlin

Saarland

Name

DIPL.-ING.

RUDOLF WEHMEYER

DIPL.-ING.

GERD KURZMANN

DIPL.-ING.

FRANK WAGNER

DIPL.-ING.

MANFRED RUTH

DIPL.-ING.

HEINZ-ERICH RADER

Jahrgang

1953

1958

1966

1957

1960

ÖbVI in

Münster

Tuttlingen

Schwerin

Berlin

Bad Neuenahr-

Ahrweiler

Wahl am

28. März 2014

17. Mai 2014

23. Mai 2014

3. Juni 2014

6. Juni 2014

im LGvorstand

seit

2002

2009 als Vorsitzender

2005 als Stellvertreter

2011 als Vorsitzender

1994

2002 als Vorsitzender

2007 als Stellvertreter

2007

2008 als Stellvertreter

Handlungs -

bedarf

Vereinheitlichung

der Katasterführung,

einheitliche

Interpretation der

ALKIS®-Vorschriften

Ausbildung und

Förderung des Nachwuchses,

Berufsbild

des ÖbVI in der

Öffent lich keit stärker

bekannt machen

Kompetenzzentrum

Liegenschafts -

vermessung, Nachwuchsgewinnung

Rahmen für das

Einkommens niveau

der Angestellten

(vergleichbar einem

Tarifvertrag) für

Nachwuchswerbung

Mitglieder des

ehemals zweiten

Berufsverbandes im

Land für den BDVI

gewinnen, Erweiterung

des Berufsfeldes

besonderer

Rat an die

Mitglieder

den wunderbaren

Beruf des ÖbVI

selbstbewusst nach

außen vertreten,

neue Techniken und

Verfahren mit Engagement

annehmen

Qualitätssicherung,

ständige Fort- und

Weiterbildung, Austausch

mit Kollegen

Gelassenheit:

der nächste Auftrag

kommt sicher

nachhaltig

wirtschaften durch

auskömmliche

Honorare auch in

nicht gesetzlich

normierten

Tätigkeitsfeldern

über den Tellerrand

der hoheitlichen

Vermessung

hinausschauen

Aktivitäten

außerhalb

der Geodäsie

Fliegen, Motorrad,

Skifahren

Skifahren, Tennis,

Wassersport,

Kunst und Kultur,

gesellschaftliches

Engagement

Familie, Rente

der Ingenieure,

Wohnwagen,

Skifahren

Reisen (derzeit am

liebsten auf dem

afrikanischen

Kontinent), Fußball,

Wandern

Klavier/Orgel, Garten

18

3


RECHT

Haftungsrisiken

im Umfeld einer

Absteckung

LISA KEDDO-KILIAN,

TOBIAS WIESNER | KÖLN

Schadensprävention versus

Schadensregulierung

19

3


RECHT

Die Verwirklichung eines Bauvorhabens bedingt das Zusammenwirken vieler Beteiligter

(Bauherr, Architekt, Fachplaner, Sonderfachmann, Projektsteuerer, Gutachter und Bauunter -

nehmer) mit dem Ziel, ein mangelfreies Bauwerk zu erstellen. Fehler eines Beteiligten wirken sich

dabei auf andere Beteiligte und deren Leistungen aus. Fehler in den Plänen führen zu Fehlern am

Bau. Der Bauüberwacher prüft die ihm überreichten Pläne unzureichend. Oder es wird nicht bemerkt,

dass das bauausführende Unternehmen die Pläne nicht richtig realisiert. Auch Fehler bei

der Absteckung sind in der Praxis nicht selten und führen immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten

zwischen den Beteiligten hinsichtlich ihrer Verursachungsbeiträge. Scheitert eine außergericht -

liche Einigung über ihre Haftungsanteile, so ist eine gerichtliche Klärung unausweichlich. Die

Rechtsprechung hat sich oft mit der Haftungsverteilung in dem Viereck »Bauherr – Architekt –

Sonderfachmann (z. B. Vermessungsingenieur) – Bauunternehmer« befassen müssen.

Der folgende Beitrag gibt einen Überblick zur gesamtschuldnerischen Haftung im Bau- und

Planungsrecht (I.). Darüber hinaus werden die Prüfungs- und Hinweispflichten der Baubeteiligten

insgesamt näher beleuchtet sowie die jüngsten praxisrelevanten Gerichtsentscheidungen dar -

gestellt (II.). Ein weiterer Teil befasst sich mit der Sonderproblematik der

Absteckung und des Absteckungsrisses (III.). Danach werden die Obliegenheiten

des Vermessungsingenieurs gegenüber der Versicherung im Scha -

densfall erörtert (IV.). Ein Ausblick bietet abschließend Vorschläge für

sinnvolle Maßnahmen der Schadensprävention (V.).

20

3


RECHT

I. DIE GESAMTSCHULD IM

BAU- UND PLANUNGSRECHT

1 | Gesamtschuldverhältnis

Fällt ein Baumangel – z. B. die Fehlsituierung der Baugrube und

Bodenplatte – in den Verantwortungsbereich mehrerer Bau be -

teiligter, kommt ihre gesamtschuldnerische Haftung gemäß § 421

BGB in Betracht. Das bedeutet: Jeder Schuldner haftet im Außen -

verhältnis für den gesamten Schaden. Eine geringere Haftungs -

quote des einzelnen Baubeteiligten gegenüber dem Bauherrn gilt

nur dann, wenn sich ein Gesamtschuldner auf ein Mitverschulden

des Auftraggebers gemäß §§ 278, 254 BGB be rufen kann.

Wird einer der Gesamtschuldner vom Auftraggeber in Anspruch

genommen, steht ihm gegen die anderen Gesamtschuldner ein

interner Ausgleichsanspruch zu, soweit er gegenüber dem Auftraggeber

in einem Umfang in Anspruch genommen worden ist,

der über seinen Haftungsanteil hinausgeht. Grundsätzlich haf -

ten die Gesamtschuldner untereinander zu gleichen Teilen, § 426

BGB. Anderes gilt dann, wenn ihr Verschuldensanteil unterschied -

lich zu bewerten ist.

Die Ermittlung der Haftungsquote im Einzelnen entzieht sich ei -

ner Systematisierung. Es muss stets auf die Umstände des Ein zel -

falls abgestellt werden. Hierbei sind Leistungspflichten, Verursachungsanteile

und Verschuldensanteile zu ermitteln und zu

gewichten. Es gibt keine starren Haftungsquoten im Innenverhältnis.

2 | »Der Klassiker«

Der Bauherr beauftragt den Vermessungsingenieur mit einer

Ab steckung. Der Vermessungsingenieur übersieht eine Maß an -

gabe in der Ausführungsplanung des Architekten und steckt

an statt insgesamt 5,285 m nur 4,985 m in der Ört lichkeit ab.

Der Vermessungsingenieur übergibt dem Architekten und dem

Bauunternehmer den Absteckungsriss. Im Absteckungsriss ist

das falsche Maß von 4,985 m dargestellt. Die Arbeiten werden

auf der Grundlage der örtlichen Absteckung fehlerhaft ausgeführt.

Der Bauherr fordert nunmehr die Rückbaukosten. Wie

haften die Beteiligten?

Der Vermessungsingenieur steckte die Planvorgabe unstreitig

falsch ab. Der Architekt unterließ es, den Absteckungsriss da -

hin gehend zu überprüfen, ob die Einmessung nach der dem Vermessungsingenieur

übergebenen Planung erfolgt ist. Bei ei ner

pflichtgemäßen Prüfung hätte der Fehler auffallen müssen. Dem

Architekten ist seinerseits eine Pflichtverletzung vorzuwerfen.

Der Bauunternehmer hätte den Fehler ebenfalls bei einer ordnungsgemäßen

Prüfung feststellen müssen. Ein Abgleich der

Maße der Feinabsteckung mit denen der Ausführungsplanung

auf offenbare Unrichtigkeiten blieb aus. Ein Gesamtschuldverhältnis

liegt vor. Die Beteiligten haben durch ihre jeweilige Pflicht -

verletzung denselben Schaden herbeigeführt, und zwar die feh -

lerhafte Positionierung des Gebäudes auf dem Grundstück, die

Rückbaukosten erforderte.

Der Bauherr kann die Rückbaukosten gesamtschuldnerisch ge -

genüber den Baubeteiligten geltend machen. Er kann sich also

aussuchen, wen er in Anspruch nimmt. Nach der Schadensregu -

lie rung kann der in Anspruch genommene Baubeteiligte gegen -

über den übrigen Gesamtschuldnern Ersatz verlangen, und zwar

entsprechend der Quote der Mitverursachung.

Neben diesem klassischen Ausgangsfall gibt es eine Reihe von

wei teren Entscheidungen aus der Rechtsprechung, die anschau -

lich vor Augen führen, welche vielfältigen Pflichten die am Bau

Beteiligten treffen, d. h. auch, wie es sich mit der Haftungs ab -

gren zung des Vermessungsingenieurs zu den übrigen Be teilig -

ten verhält (s. hierzu II. 3.).

II. PRÜF- UND HINWEISPFLICHTEN

Die (gesamtschuldnerische) Haftung der vom Bauherrn beauftragten

Baubeteiligten ergibt sich aus der Tatsache, dass die

Bau beteiligten nicht nur verpflichtet sind, ihre eigene Leistung

mangelfrei zu erbringen, sondern auch prüfen und anzeigen

müssen, ob andere Baubeteiligte die mit ihrem Werk in Ver bin -

dung stehenden Leistungen mangelfrei erbracht haben. Unter -

lassen sie diese Prüfung, liegt eine eigene schadensursächliche

Pflichtverletzung der am Bau Beteiligten vor.

Im BGB-Werkvertrag folgt diese Verpflichtung unmittelbar aus

der Herstellungs- und Verschaffungspflicht der §§ 631, 633 BGB.

Es handelt sich um eine vertragliche Hauptpflicht, deren Erfül -

lung der Auftragnehmer zu beweisen hat (vgl. Werner/Pastor,

14. Aufl., Der Bauprozess, Rz. 2037). Beim VOB-Bauvertrag ist

die Prüfungs- und Hinweispflicht des Auftragnehmers in den

§§ 4 Nr. 3, 3 Nr. 3 Satz 2 VOB/B ausdrücklich geregelt.

Der Rahmen dieser Verpflichtung und ihre Grenzen ergeben sich

aus dem Grundsatz der Zumutbarkeit. Die Prüfungspflicht fin -

det ihre Grenzen, wenn Kontrollen gefordert werden, die die fach -

liche Kompetenz des Prüfenden übersteigt, oder die Prüfung

nur mit Hilfsmitteln möglich ist, die grundsätzlich nicht zur Verfügung

stehen (vgl. BGH, Urteil vom 23. Oktober 1986 – VII ZR

48/85; OLG Düsseldorf, Urteil vom 15. April 1997 – 21 U 168/96;

Wer ner/Pastor, a. a. O., Rz. 2043 f., 2500 f.).

Die Rechtsprechung hat sich im Rahmen der Prüfung einer ge -

samtschuldnerischen Haftung der am Bau Beteiligten immer

21

3


RECHT

wieder in den verschiedensten Konstellationen mit der Verletzung

von Prüf- und Hinweispflichten beschäftigt.

1 | Bauunternehmer/Architekt

Die Haftungsquote des Bauunternehmers wegen Verletzung

seiner Prüfungspflichten bei unterlassenem Hinweis auf eine

fehlerhafte Planung des Architekten unterliegt keiner einheit -

lichen Regelung. Das OLG Naumburg (Urteil vom 4. März 2009 –

6 U 116/08) und das OLG Koblenz (Beschluss vom 3. Mai 2011 –

5 U 141/11) schließen eine Haftung des Bauunternehmers gänz -

lich aus. Das OLG Saarbrücken (Urteil vom 10. Mai 2011 – 4 U

319/10) und das OLG Karlsruhe (Urteil vom 17. März 2011 – 13 U

86/10) nehmen ein überwiegendes dem Bauherrn zurechenba -

res Planungsverschulden des Architekten von zwei Dritteln an.

Das OLG München (Urteil vom 9. Juni 2011 – 9 U 502/11) stellt

hingegen als Prinzip heraus, die Verantwortlichkeiten seien bei

Erkenn bar keit des Planungsmangels grundsätzlich zu teilen.

Dagegen lässt das OLG Bamberg (Urteil vom 10. Juni 2002 –

4 U 179/01) bei Eindeutigkeit des Planungsfehlers den Mit ver -

schuldensein wand gegenüber dem Bauherrn komplett entfallen.

Der Bauunternehmer hafte in diesen Fällen allein. Eine einheitliche

Recht sprechung liegt dagegen in den Fällen vor, in

de nen der Bauunternehmer den Planungsfehler erkannt hat,

er aber dessen ungeachtet trotzdem mit der Bauausführung

be ginnt. In diesen Fällen soll der Bauunternehmer allein haften

(vgl. OLG Stuttgart, Urteil vom 15. April 2014 – 10 U 127/13;

OLG Brandenburg, Ur teil vom 18. Januar 2007 – 12 U 120/06).

2 | Architekt/Fachplaner/

Sonderfachmann

Die Prüfungspflichten des Architekten können zwar einge -

schränkt sein, wenn der Bauherr für eine bestimmte Leistung

einen Spezialisten beauftragt hat. Das Vertrauen in die Kompe -

tenz des Spezialisten enthebt den Architekten jedoch nicht von

der Verpflichtung zur eigenverantwortlichen Kontrolle; soweit

(Planungs-)Leistungen Dritter zur Ausführung gelangen, darf

er diese nicht kritiklos übernehmen, soweit Kritik möglich und

zumutbar ist (vgl. OLG Köln, Urteil vom 15. Juni 2012 – 19 U

116/11; OLG Celle, Urteil vom 4. Oktober 2012 – 13 U 234/11;

OLG Düssel dorf, Urteil vom 17. November 2011 – 5 U 8/11; OLG

Bremen, Urteil vom 28. November 2006 – 3 U 40/06; OLG Schles -

wig, Urteil vom 11. April 2006 – 3 U 78/03; OLG Nürnberg, Urteil

vom 2. Februar 2005 – 6 U 2921/04).

Die o. g. Grundsätze nebst Rechtsprechungsnachweisen veran -

lassen dazu, dass Verhältnis des Vermessungsingenieurs zu den

anderen Baubeteiligten mit Blick auf die Verletzung von Prüfungspflichten

näher zu untersuchen.

3 | Aktuelle Gerichtsentscheidungen

a. BGH, Beschluss vom 8. Mai 2014

VII ZR 203/12 (OLG Köln,

Urteil vom 15. Juni 2012 – 19 U 116/11)

Der Vermessungsingenieur hat sich bei der Vermessung und Erstellung

des Lage- und Höhenplans einschließlich Abstandsflächenberechnung

an den Vorgaben des Bebauungsplans zu

orientieren. Ist der Bezugspunkt noch nicht hergestellt (öffent -

liche Verkehrsfläche), so trifft den Vermessungsingenieur die

Pflicht zur Nachforschung. Er muss sich erkundigen bzw. darauf

hinweisen, dass er ein anderes Bezugsniveau zugrunde legt, und

insofern seinen Lage- und Höhenplan als vorläufig bezeichnen

müssen. Lediglich ein Hinweis seines Plans als »vorläufiger Lageplan«

ist nicht ausreichend, wenn nicht erkennbar ist, worauf

sich die Vorläufigkeit bezieht.

Die Einmessarbeiten des Vermessungsingenieurs sind die Grundlage

der weiteren Planung. Der Architekt hat daher die Einmes -

sung zu überprüfen. Kommt der Architekt seiner Überprüfungs -

pflicht nicht nach und erkennt deshalb den fehlerhaften Be -

zugs punkt nicht, haften er und der Vermessungsingenieur dem

Bauherrn als Gesamtschuldner auf Schadensersatz. Die Prüfpflicht

trifft den Architekten unabhängig von seiner Funktion

als Bauleiter (Objektüberwachung) bereits während der Pla -

nungs phase.

Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) mit Beschluss vom

8. Mai 2014 die Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil

des OLG Köln vom 15. Juni 212 – 19 U 116/11 – zurückgewiesen

hat, ist das Ur teil des OLG Köln rechtskräftig geworden.

b. OLG Hamm, Hinweis vom 7. April 2014

17 U 165/13

Der Bauunternehmer ist im Rahmen der ihm obliegenden Prüfungs-

und Hinweispflicht gehalten, das Ergebnis der Abste -

ckung des Vermessers zu überprüfen und auf dabei zutage tre -

ten de Mängel hinzuweisen. Zwar muss und kann er nicht die

Mess arbeit des Ingenieurs vollständig nachvollziehen, aber er

muss zumindest die Maße der Feinabsteckung mit denen der

Ausführungsplanung auf offenbare Unrichtigkeiten abgleichen

und sich im Rahmen seiner eigenen bautechnischen Fachkennt -

nisse vergewissern, ob der Sonderfachmann entsprechend den

ört lichen Vorgaben zutreffende bautechnische Vorgaben ge macht

hat. Überdies ist der Bauunternehmer eigenständig für die Be -

achtung des öffentlichen Baurechts, insbesondere des zwingend

einzuhaltenden Grenzabstandes, verantwortlich.

Der Vermessungsingenieur und Bauunternehmer haften dem

Bauherrn gesamtschuldnerisch. Beide haben durch ihre Pflicht -

22

3


RECHT

verletzungen – der Ingenieur durch die fehlerhafte Absteckung

und der Bauunternehmer durch deren ungeprüfte Umsetzung

im Zuge der Bauarbeiten – denselben Schaden herbeigeführt:

die fehlerhafte Positionierung des Gebäudes auf dem Grundstück.

Der Bauunternehmer hätte eine Überprüfung anhand eines Abgleiches

des Absteckungsrisses und der tatsächlich erfolgten

Feinabsteckung mit dem eigenen Lageplan vornehmen können.

Dabei hätte er die fehlerhafte Absteckung erkennen können

(vgl. auch OLG Celle, Urteil vom 23. Mai 2000 – 16 U 208/99; OLG

Hamm, Urteil vom 5. Februar 1991 – 21 U 111/90). Nach Ab wä -

gung der Verursachungsbeiträge war das Gericht der Auffassung,

dass der Vermessungsingenieur zwei Drittel und der Bauunter -

nehmer ein Drittel des Schadens zu tragen habe.

III. SONDERPROBLEM »ABSTECKUNG

UND ABSTECKUNGSRISS«

Die Praxis zeigt, dass gerade bei der Bauwerksabsteckung in erheblichem

Umfang Schäden auftreten. Die Fehlerquellen ei ner

falschen Absteckung sind vielfältig: Berechnungsfehler, Zahlendreher,

veraltete Planunterlagen, mangelnde Kommunikation

etc. Mit Blick auf die Prüfungspflichten der Baubeteiligten er -

geben sich im Zusammenhang mit dem Ablauf der Absteckungs -

arbeiten (Grob- und Feinabsteckung) mehrere Probleme.

Im Normalfall steckt der Vermessungsingenieur auf Grundlage

der überlassenen Planunterlagen des Architekten in der Ört lich -

keit ab und begibt sich sodann in die innendienstliche Kontrol -

le. Die Kontrolle der örtlichen Absteckung findet ihren Abschluss

in der Fertigung des Absteckungsrisses, der dann an den Auf trag -

geber zu übergeben ist (vgl. DIN 18710-3-4.10:2010-09). In der

Realität – insbesondere nach der örtlichen Grobabsteck ung –

werden die Bauarbeiten aber bereits vor der Übergabe des Ris -

ses ausgeführt. Daraus ergibt sich die missliche Situation, dass,

selbst wenn der Vermessungsingenieur einen Fehler der ört -

lichen Absteckung in der innerdienstlichen Kontrolle feststellt,

der Schaden in den meisten Fällen bereits eingetreten ist, für

den er aufgrund der falschen örtlichen Absteckung haftbar ge -

macht werden soll.

Der Vermessungsingenieur tanzt haftungsrechtlich somit sprich -

wörtlich auf der Rasierklinge, da er nach der örtlichen Abste -

ckung und dem Verlassen der Baustelle keinen Einfluss mehr da -

rauf hat, was mit seiner Absteckung in der Örtlichkeit weiter

geschieht.

Aus diesem Sachverhalt ergeben sich mehrere zentrale Fragen:

Wie haften die anderen Baubeteiligten?

Welche Qualität besitzt der Absteckungsriss?

Wie kann der Vermessungsingenieur vorbeugen?

23

3


RECHT

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RECHT

1 | Haftung der Baubeteiligten

Das OLG Nürnberg (Urteil vom 2. Februar 2005 – 6 U 2921/04;

s. a. OLG Köln, Urteil vom 15. Juni 2012 – 19 U 116/11; OLG Düssel -

dorf, Urteil vom 22. Januar 2008 – 21 U 278/06) hat entschie -

den, dass sich der bauüberwachende Architekt den Einmessplan

(gemeint ist ein Absteckungsriss) zu verschaffen und diesen auf

Übereinstimmung mit der genehmigten Planung zu überprüfen

hat. Im Übrigen wird ein sorgfältiger Architekt da für Sorge tragen

und dem Bauunternehmer die Anweisung geben, erst dann

mit den Bauarbeiten zu beginnen, wenn er die Absteckung überprüft

und für richtig befunden hat (LG Frank furt a. M., Urteil vom

13. Januar 1987 – 2/26 O 375/86; vgl. Wer ner/Pastor, a. a. O.,

Rz. 2008). Da sich der Architekt den Riss we der verschafft noch

geprüft, er zudem den Bauunternehmer nicht angewiesen hat,

trifft ihn ein eigener kausaler Verschuldensbeitrag für den ein -

getretenen Schaden.

Mit Hinweis vom 7. April 2014 hat das OLG Hamm – 17 U 165/

13 – ausgeführt, dass der Bauunternehmer verpflichtet ist, das

Ergebnis der Absteckung (Absteckungsriss) zu prüfen und auf

da bei zutage tretende Mängel hinzuweisen (s. a. OLG Celle, Urteil

vom 23. Mai 2000 – 16 U 208/99; OLG Hamm, Urteil vom 5. Fe -

bruar 1991 – 21 U 111/90). Kann der Bauunternehmer den Fehler

bei einem Abgleich des Risses mit der Planung erkennen, dann

trifft ihn ein eigenes kausales Verschulden für den eingetre -

tenen Schaden.

Im o. g. Fall lag dem Bauunternehmer der Riss aber gerade nicht

vor. Der Bauunternehmer hat sofort nach der Absteckung in der

Örtlichkeit und vor Übergabe des Risses seine Arbeiten ausgeführt.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass die meisten

Vermessungsingenieure den Absteckungsriss mit Prüfungs -

aufforderungen in Bezug auf Maße und Höhen versehen. Diese

Prüfungshinweise sind zu begrüßen, sie gehen aber ins Leere,

wenn der Absteckungsriss nicht vor der Bauausführung an den

Bauunternehmer übergeben wurde. Es stellt sich daher die Fra -

ge, ob der Bauunternehmer auch ohne den Absteckungsriss mit

der Ausführung der Bauarbeiten beginnen darf/kann.

2 | Welche Qualität besitzt

der Absteckungsriss?

Handelt es sich um einen Arbeitsnachweis, oder handelt es sich

um eine Ausführungsunterlage? Wenn es sich bei dem Ab ste -

ckungs riss um eine für die Ausführung maßgebliche und nö ti ge

Unterlage handelt, die zu Beginn der Bauarbeiten nicht vorliegt,

dann müsste der Bauunternehmer wegen der Un voll stän dig keit

der Ausführungsunterlagen unverzüglich Bedenken gegen die

Ausführung gegenüber seinem Auftraggeber anmel den (vgl. OLG

Frankfurt a. M., Urteil vom 29. April 2005 – 24 U 115/04).

Es ist festzustellen, dass keine eindeutigen Regelungen in Bezug

auf die Qualität des Risses existieren. Desgleichen bestehen kei -

ne eindeutigen Regelungen mit Blick auf die Übergabe des Ris -

ses und den Ablauf der Absteckungsarbeiten insgesamt. Der Verlauf

der Absteckungsarbeiten wird vielmehr von der gelebten

Praxis bestimmt, die bedauerlicherweise in vielen Fällen dem

o. a. Normalfall gleicht. Dies führt zu erheblichen Diskussionen

mit dem beteiligten Bauunternehmen mit Blick auf die ihm ob -

liegenden Prüf- und Hinweispflichten.

Gegen das Erfordernis der Übergabe und der Prüfung des Ris -

ses spricht, dass der Bauunternehmer bereits auf Grundlage der

örtlichen Absteckung seine Arbeiten beginnen »kann«, vorausgesetzt,

er erhält bereits durch die örtliche Absteckung alle für

die Ausführung notwendigen Angaben. In diesem Fall würde es

sich bei dem Absteckungsriss nicht um eine für die Bauausfüh -

rung notwendige Ausführungsunterlage handeln.

Gegen die Annahme eines reinen Arbeitsnachweises spricht hin -

gegen § 3 Nr. 3 Satz 1 VOB/B. In dieser Vorschrift ist die Absteckung

ausdrücklich als maßgebende Ausführungsunterlage

benannt. Da im Übrigen der Begriff der Ausführungsunterlage

weit zu ver stehen ist – dazu können sogar mündliche Angaben

zählen (Ka pellmann/Messerschmidt, 2003, VOB/B, § 3, Rz. 17) –,

erschließt sich nicht, warum nur die in der Örtlichkeit durchgeführte

Absteckung zu den Ausführungsunterlagen zählen soll.

Dies gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass die DIN 18710-

3-4.10:2010-09 den Vermessungsingenieur dazu verpflichtet,

einen Absteckungsriss zu erstellen und dem Auftraggeber zu

über ge ben.

Für die Qualität einer Ausführungsunterlage spricht zudem der

Sinn und Zweck des Absteckungsrisses. Dieser besteht darin, die

Projektbeteiligten in die Lage zu versetzen, vor der Bau aus füh -

rung zu prüfen, ob der Vermessungsingenieur auf Grund lage der

vom Planverfasser für die Absteckung zur Verfügung ge stellten

Planung die vorgegebenen Vermaßungen richtig in die Ört lich -

keit übertragen hat. Nur so kann sichergestellt werden, dass der

Vermessungsingenieur Unterlagen des aktuellen Planungsstands

seiner Vermessungsleistung zugrunde gelegt hat, ihm keine In -

terpretations- oder Berechnungsfehler unterlaufen sind und so -

mit die planmäßige Bauwerksgeometrie zur Ausführung kommt.

Zuletzt ist darauf hinzuweisen, dass das oben beschriebene Vor -

gehen des Bauunternehmers die innendienstliche Kontrolle und

die Erstellung des Risses, die der Vermessungsingenieur dem

Auf traggeber schuldet, schlichtweg überflüssig macht.

Im Ergebnis ist derweil zu befürchten, dass die Diskussionen mit

den Bauunternehmern andauern werden, jedenfalls so lange,

bis eine einheitliche Regelung in Bezug auf die Qualität des Ris -

ses und den Ablauf der Absteckungsleistungen insgesamt ge -

troffen werden kann.

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3


RECHT

3 | Wie kann der Vermessungsingenieur

vorbeugen?

Im Folgenden soll aufgezeigt werden, wie der Vermessungs -

ingenieur Schäden vermeiden bzw. für einen geregelten Bau -

ablauf sorgen kann.

Der Vermessungsingenieur sollte bereits im Rahmen seines Leistungsangebots,

spätestens jedoch im Rahmen der Auftragsbe -

stätigung, seinen Auftraggeber und die anderen zuständigen

Projektbeteiligten schriftlich darauf hinweisen, dass seine Absteckungsleistung

erst nach der innendienstlichen Kontrolle und

mit der Übergabe des Absteckungsrisses an den Architekten/

Bau unternehmer beendet ist.

Es ist schriftlich darauf hinzuweisen, dass »jede Gewähr für die

örtliche Absteckung« vor der Übergabe des Absteckungsrisses an

die zuständigen Baubeteiligten sowie Prüfung und Freigabe

durch den Architekten abgelehnt wird und die Verwendung der

örtlichen Absteckung somit auf eigenes Risiko erfolgt (vgl. OLG

Düsseldorf, Urteil vom 20. März 1992 – 22 U 188/91).

Zu Beweiszwecken ist ferner schriftlich darauf hinzuweisen, dass

die örtliche Absteckung erst nach der Prüfung und Gegenzeich -

nung des Risses durch den Architekten und somit mit dessen

Zustimmung zur weiteren Verwendung freigegeben ist.

An den Architekten versandte Absteckungsunterlagen sind grund -

sätzlich mit einer Aufforderung zur Prüfung auf Übereinstimmung

mit der (genehmigten) Planung zu versehen. Der Architekt

ist darauf hinzuweisen, dass er den Bauablauf so zu organisieren

hat, dass eine Prüfung des Absteckungsrisses und der örtlichen

Absteckung durch ihn und den zuständigen Bauunternehmer –

vor der Bauausführung – möglich ist.

Der zuständige Bauunternehmer ist nach Übergabe des Risses

darauf hinzuweisen, dass vor Baubeginn sämtliche maßgebli -

chen Ausführungsunterlagen einzusehen und mit dem Riss und

der örtlichen Absteckung abzugleichen sind. Der Bauunter neh -

mer ist darauf hinzuweisen, dass sämtliche angegebenen Maße

und Höhen vor der Nutzung zu prüfen sind, da Veränderungen

durch unbefugte Dritte nicht ausgeschlossen werden können.

Dies gilt insbesondere für die Nutzung von Höhenpunkten und

Achsmaßen. Diese Hinweise sind zu protokollieren – wenn nicht

bereits auf dem Riss vermerkt – und vom zuständigen Vertreter

des Bauunternehmers gegenzuzeichnen.

VORSICHT: Die Rechtsprechung zu den Prüf- und Hinweis pflich -

ten zu den am Bau Beteiligten ist auch auf den Vermessungs -

ingenieur übertragbar. Auch der Vermessungsingenieur ist da -

zu angehalten, ihm zugegangene Plan- und Katasterunterlagen

sowie Gewerke – unter Beachtung der o. a. Grundsätze (Er kenn -

barkeit, Zumutbarkeit etc.) – auf ihre Richtigkeit zu untersuchen

(s. a. Kammergericht, Urteil vom 30. April 1996 – 21 U 8014/95;

LG Kiel, Urteil vom 17. Juni 2014 – 11 O 253/11; OLG Stutt gart,

Urteil vom 15. Juni 2014 – 10 U 127/13).

Im Ergebnis ist es somit unerlässlich, an den entscheidenden

Schnittstellen mit den zuständigen Ansprechpartnern (Auftrag -

geber, Architekt, Bauunternehmer) den Ablauf der Vermessungsund

Folgearbeiten zu kommunizieren und festzulegen. Und dies,

wie immer in Bausachen, schriftlich und mit Bestätigung! Nur

so können Fehler bereits vor der Bauausführung bei Einhaltung

der den Beteiligten obliegenden Prüf- und Hinweispflichten er -

kannt und das gemeinsame Ziel, die Erstellung eines mangelfreien

Bauwerks, erreicht werden.

IV. WELCHE OBLIEGENHEITEN

DES VERMESSUNGSINGENIEURS

BESTEHEN GEGENÜBER DER

HAFTPFLICHTVERSICHERUNG

IM SCHADENSFALL?

Was habe ich im Schadensfall zu tun? Diese Frage stellen sich

vie le Versicherungsnehmer, wenn Schadensersatzansprüche von

Dritten ihnen gegenüber geltend gemacht werden. Die nachfolgenden

Ausführungen geben einen Kurzüberblick darüber,

was der Versicherte im Schadensfall zu beachten hat.

Der Versicherungsnehmer hat im Schadensfall den Versiche -

rer unverzüglich zu informieren, wenn Dritte behaupten, An -

sprüche gegenüber dem Versicherten zu haben. Die Schadensmeldung

kann über den Versicherungsmakler, den Versiche -

rungsagenten oder direkt beim Versicherer erfolgen.

Der Versicherungsnehmer hat dem Versicherer unverzüglich

den Eingang von Mahnbescheiden, Streitverkündungen und

Klagen zu melden.

Der Versicherungsnehmer ist gegenüber dem Versicherer

verpflichtet, durch die Bereitstellung von Informationen und

Unterlagen aktiv an der Sachverhaltsaufklärung mitzu wir ken.

Eine Verletzung dieser Obliegenheiten kann zum Verlust des

Versicherungsschutzes führen.

Ein Sonderproblem stellt der Fall dar, in dem der Versicherte

seine Verantwortung gegenüber dem Anspruchsteller be reits

anerkannt und den Schaden darüber hinaus schon beglichen

hat. Zwar ist das Anerkenntnisverbot durch die Reform des

Versicherungsvertragsgesetzes im Jahre 2008 auf gehoben

worden (vgl. § 105 VVG n. F.), jedoch ist der Versicherer nur

zur Regulierung verpflichtet, wenn der Anspruch auch ohne

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3


RECHT

das Anerkenntnis des Versicherungsnehmers dem Grunde

und der Höhe nach berechtigt gewesen ist. Das kann dazu

führen, dass der Versicherungsnehmer, der ein Aner kennt nis

abgegeben hat oder mit der Regulierung in Vorleistung ge -

treten ist, sich vom Versicherer entgegenhalten lassen muss,

dass der Anspruch entweder bereits dem Grunde nach gar

nicht oder nur teilweise bestanden hat bzw. der Anspruch

der Höhe nach nicht anerkennungsfähig war. Im Ergebnis

führt ein Anerkenntnis oder die Befriedigung des Anspruchs

zu unnötigen Diskussionen mit dem Versicherer.

Die Bewertung der Haftung des Versicherten dem Grunde und

der Höhe nach ist Aufgabe des Versicherers. Um Diskussionen

zu vermeiden, sollte die Bearbeitung der Schadensfälle

allein den Versicherern überlassen werden. Der Versiche rungs -

vertrag verpflichtet die Versicherer nämlich nicht nur zur

Freistellung des Versicherten von berechtigten, sondern auch

zur Abwehr unberechtigter Ansprüche. Die Versicherten sollten

von diesem Anspruch Gebrauch machen.

V. FAZIT UND AUSBLICK

Die Absteckungsarbeiten des Vermessungsingenieurs sind mit

zahlreichen Haftungsrisiken verbunden. Dies spiegelt sich nicht

zuletzt auch in der Schadenspraxis bei den Berufshaft pflicht -

versicherern wider. Um Schadensfälle zu vermeiden, muss der

Vermessungsingenieur die ihm obliegenden Prüf- und Hinweis -

pflichten kennen und beachten. Die obigen Ausführungen zei -

gen, wie wichtig die Kommunikation unter den Baubeteilig ten

für einen reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten insgesamt und

insbesondere der Absteckung ist. Aus Beweisgründen emp fiehlt

es sich, die o. a. Empfehlungen in Bezug auf den Ablauf der Ab -

steckungs arbeiten einzuhalten. Mit Blick auf die Zukunft wäre

es wünschenswert, wenn jedenfalls die Vermessungsingenieure

eine einheitliche Praxis entwickeln bzw. eine solche sich ma -

nifestiert und somit auch für die anderen am Bau Beteiligten

gelebte Praxis wird.

Dr. Lisa Keddo-Kilian, LL.M.

BDVI-Justiziarin

l.keddo-kilian@ehk-rechtsanwaelte.de

Rechtsanwalt Tobias Wiesner

Claims Manager, AXA Versicherung AG

tobias.wiesner@axa.de

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3


REPORT

Eine Attraktivitätsbetrachtung

BDVI-Kongress 2014

in Wiesbaden

MARTIN ULLNER | BERLIN

Kann der BDVI seinen Kongress (noch) attraktiver gestalten? Wo liegt die Zukunft: Aufrüstung,

Bewegung in Nischen, alles auf den Kopf stellen? Vom 12. bis 14. Juni konnte man

unter dem Motto »Befugt und befähigt: Kompetenz ist Mehr.Wert« Antworten finden.

Casino-Gesellschaft Wiesbaden

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3


REPORT

Get-together: Grillbuffet am Tagungshotel

Markt der Möglichkeiten:

Scannen des Scanners

Vielleicht hat der eine oder andere das Thema nicht nur auf

sich als ÖbVI oder besser noch als Bündnis der ÖbVI bezogen,

sondern als Reflexion des Kongresses selber betrachtet. Steigert

sich also die Kompetenz durch den Besuch des Kongresses? Be -

kom me ich Mehrwert? Steigert sich möglicherweise nur das

Wohl befinden oder ist der Kongress nicht mehr wert als das,

was ich in ihn investiert habe?

Befugt und befähigt taten dazu schon Wolfgang Guske und

Andreas Bandow im letzten Heft ihre Meinung kund. Man kann

davon ausgehen, dass sie als erfahrene Kongressteilnehmer eine

sehr gesicherte Vermutung abgaben. Ist das aber alles so ein -

getroffen in diesem Jahr?

ORT

Es kann nicht immer Hannover oder Frankfurt am Main sein.

Wiesbaden liegt relativ zentral, an Deutschlands längstem Fluss,

ist eine Landeshauptstadt. Mehr gibt es nicht zu sagen.

ZEIT

… immer eine Woche nach Pfingsten. Wer diesen Zeitpunkt unattraktiv

findet, kann auch sonst nie! Es ist meist warm genug.

In diesem Jahr hatten nur die Schüler in Baden-Württemberg

Ferien. Die Teilung zwischen Freitag und Sonnabend ist ideal.

Das ist bewährt und leicht zu merken. Der mögliche Zeit auf -

wand für die Anfahrt ist wohl der kritischste Punkt.

KOSTEN

Diese entstehen grundsätzlich für die Unterkunft sowie die Fahrt .

Da der Termin immer bekannt ist und der Ort recht zeitig bekannt

gegeben wird, kann man frühzeitig für 50 Euro ein Zimmer

und für 99 Euro eine Hin- und Rückfahrt mit der Bahn buchen.

Ohne es zu wiederholen: Der Kongress ist nicht umsonst, aber

kostenlos. Die Verköstigung außerhalb des Kongresses verursacht

weitere Kosten, die noch niemanden arm gemacht haben,

aber einige schon mit Verwunderung zurückließen.

KONGRESSTHEMA

Das Thema eines Kongresses kann nur Inspiration sein. Also bitte

lassen Sie sich nicht von Wortungetümen verunsichern. In der

attraktiven Einladungsbroschüre, die jeder persönlich erhält,

kann alles detailliert nachgelesen werden.

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3


REPORT

TREFFPUNKT DER ÖBVI

Außerhalb der Landesgruppen muss man sich fragen: Wo denn

sonst? Das ist der Kern eines jeden Kongresses. Meinungen und

Wissen kann man an jeder Ecke abrufen. Den Angstschweiß oder

die Freude der Anwesenden bzw. die Zweifler oder Überzeugten

kann man nur auf einer derartigen Veranstaltung finden. Ein

Eremitendasein ist nicht zu befürchten. Gestandene Kongress -

teilnehmer sollten mehr auf Neulinge zugehen. Cliquenzugehörigkeit

schreckt ab.

GASTGEBENDE LANDESGRUPPE

Die offizielle Begrüßung der Teilnehmer und Gäste nahm traditionell

der Vorsitzende der gastgebenden Landesgruppe vor.

Es war nun an Bernd Heinen, vom Großen ins Kleine zu führen.

Leider erfuhr man in den letzten Jahren meist nur, wie der Landesverband

sich zur politischen Großwetterlage positioniert:

Landnutzungskonflikte, Verwaltungsreformen …

Viele Kollegen wollen aber die Klassiker (Vermessungsricht linien,

Bauordnung, Gebührenordnung, Berufsrecht) angerissen be -

ORGANISATION

Die Geschäftsstelle hatte mal wieder alles im Griff. Nichts war

langweilig, nichts war gehetzt. Es wurde nicht überzogen. Jeder

konnte am Samstag wieder ab 13 Uhr die Heimreise an tre ten.

Und wenn ein geladener Multiplikator seine Vorgänger ver an stal -

tung überzogen hatte, wurde er offensiv, aber nahtlos an ande -

rer Stelle ins Programm eingeführt. Man konnte sich – im posi -

tiven Sinne des Wortes – treiben lassen.

Über die Angebote im Begleitrahmen durfte man sich erst recht

nicht beschweren. Ein Grillbuffet zum Get-together – wann gab

es das schon mal? Wer es am folgenden Tag mondän mochte,

speiste im Anwesen der Wiesbadener Casino-Gesellschaft. Andere

hingegen nahmen vor einer Leinwand in der Innenstadt den

Anfang vom Ende der fußballerischen Vormacht Spaniens wahr

und schlenderten noch ein wenig beim Wiesbadener Straßenfest

von Stand zu Stand.

Landesvorsitzender Hessen

Bernd Heinen

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3


REPORT

sen heitsbescheinigungen. Das vierte Thema hieß »Haft pflicht -

schäden aus der Versicherungspraxis und Schadensprä vention«

und wurde von einem Rechtsanwalt vorgetragen, der zuvor schon

allgemeiner zum Thema im großen Saal referiert hatte.

Geschäftsstellenarbeit während des Kongresses

Durch die Teilung der Zuhörerschaft in zwei Hälften und die

Verlagerung der Kurzvorträge in kleinere Räume wurde eine Atmosphäre

geschaffen, die direkt und intensiv war. Man fühlte

sich fast persönlich angesprochen, mögliche Hemmnisse wurden

abgebaut. Hier kam sie nun zum Tragen – die gute Balance

zwischen Kongressthema und fachspezifischen Themen.

kom men, um sie mit ihren Landesgegebenheiten zu vergleichen.

Auch das gehört zu einem Bundeskongress. Gleich am Anfang

kann also die Diskussion für die inoffiziellen Runden angestoßen

werden.

KONGRESSPROGRAMM

Schon seit dem letzten Jahr hat sich der BDVI von Grußworten

hinsichtlich der Länge oder Anzahl der Redner verabschiedet. Gut

so, weiter so! Eine herzliche Begrüßung und damit eine Respekts -

bekundung vor den Teilnehmern und Gästen entfällt aber nicht.

Als zentraler Kongressbestandteil spricht der Präsident des BDVI.

Alles andere wäre undenkbar. Sein Manuskript stellt der BDVI

immer im Webauftritt zur Verfügung. Um feine Nuancen in Ton

und Form zu detektieren und nicht niedergeschriebene Inhalte

zu erfassen, muss man natürlich vor Ort gewesen sein.

ABSPANN

Politik: Thorsten Schäfer-Gümbel

und Michael Zurhorst

Den Festvortrag – meist immer von einer berufsfremden Person

vorgetragen – hielt der Wirtschafts- und Internetpublizist Tim

Cole zum Thema »Leben mit der Transparenz des Internets«. Er

wagte mit den Zuhörern zusammen den Blick durch die Seele

des Konsumenten bis in seinen Internet-Kühlschrank hinein und

prüfte dessen Wandel von analogen zu digitalen Wertvorstellungen.

Mit Thorsten Schäfer-Gümbel, dem Landes- und Fraktionsvorsitzenden

der SPD in Hessen, wurde in diesem Jahr ein etwas

dickerer Fisch in Sachen Multiplikatoren an Land gezogen, der

auch bundesweit kein Unbekannter ist. Er wurde nicht nur ho -

fiert, sondern musste sich auch kritischen Fragen stellen.

Aus der jüngsten Tradition des Kongresses, nämlich den indivi -

duellen Vorstellungen neuer Geschäftsfelder in Hamburg 2013,

erwuchs dieses Jahr ein »Panelworkshop mit Kurzvorträgen« zu

Themen, die hauptsächlich durch die faktische und rechtliche

Qua lifikation der ÖbVI gemeistert werden können: Stadtent wick -

lung, Umlegung, Beglaubigung von Baulasten und Abge schlos -

Zu guter Letzt darf die Vermutung geäußert werden: Auch im

nächsten Jahr wird es einen Kongress geben, der vielseitig informiert,

weil er von vielseitig Informierten getragen wird. Auch

Sie gehören dazu, selbst wenn Sie es bisher nicht wussten.

Umgekrempelt wurde seit Hamburg also nichts, aber die Stell -

schraube fein weitergedreht!

Ein wenig aufrüsten will der BDVI dann aber doch: 2015 werden

wir uns in Kempten mit unseren Kollegen aus der Schweiz

und Österreich auf einem gemeinsamen Kongress austauschen

können. Muss man dazu noch etwas sagen?

Dipl.-Ing. Martin Ullner

FORUM-Redaktion

ullner@bdvi-forum.de

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3


REPORT

BDVI-Kongress 2014

Auf den letzten Drücker

zum BDVI-Kongress

JÖRG BURCHARDT | BERLIN

Oft wird der Anmeldecounter des BDVI beim Kongress für Gespräche der Kategorie

»Verschiedenes« genutzt, so auch in diesem Jahr. Herr Gude, ÖbVI aus Niedersachsen,

berichtete von seiner Motivation, nach Wiesbaden zu kommen. Willkommener Anlass für uns,

ihn ausführlich zu befragen.

Herr Gude, Sie sind einer der ältesten aktiven

ÖbVI in Niedersachsen. Sie hatten sich kurz -

fristig entschlossen, den BDVI-Kongress in

Wiesbaden zu besuchen. Wie kam es dazu?

HARTMUT GUDE | Die FORUM-Ausgabe 2/2014 hatte ich kurz

vorher erhalten. Dort sprachen mich zwei Artikel zum Thema

BDVI-Kongress besonders an. Auch das Vortragsprogramm weck -

te meine Aufmerksamkeit, hier insbesondere der Vortrag von

Herrn RA Tobias Wiesner von der AXA Versicherung zum Thema

»Haftpflicht bei Vermessungsleistungen«. Hier kann es im Ernst -

fall um viel Geld gehen, wenn einem die wesentlichen Grundsätze

nicht geläufig sind. Der Vortrag des Kollegen Rohardt zur

»Beglaubigung von Baulasten« machte mich deswegen neu gie -

rig, weil ich in diesem Umfeld bereits sehr oft tätig war. Zu den

beiden Vorträgen stellte sich mir die Frage: Kann ich hier noch

etwas dazulernen?

Da ich Mitarbeiter habe, auf die ich mich verlassen kann, ist es

mir auch möglich, mein Büro auch mal für ein paar Tage »allein

zu lassen«. Außerdem ist die Entfernung von Göttingen nach

Wiesbaden nicht allzu weit.

Haben Sie den Besuch bereut?

Nein, überhaupt nicht! Ich fand den Kongress, vor allem die Fach -

vorträge, hochinteressant. Auch was auf der Mitgliederversamm -

lung am Samstag an Informationen geboten wurde, war für

mich wichtig und teilweise neu. So war mir nicht bewusst, dass

so viele Kollegen Probleme haben, einen Nachfolger zu finden.

Das war in der Zeit, da ich als ÖbVI angefangen habe, noch ganz

anders. Es herrschte geradezu noch eine Aufbruchsstimmung.

Wo sehen Sie die Ursachen?

Der »Kuchen« der zu erledigenden Katastervermessungen wird

kleiner. Die Kostenordnungen für Katastermessungen sind auch

nicht gerade sehr »üppig«. Ein zweites Standbein, z. B. auch noch

auf dem Sektor »Ingenieurvermessung« tätig sein zu können,

ist nicht an jedem Standort eines Vermessungsbüros so ohne

Weiteres gegeben. Ich denke, das hat auch Auswirkungen auf

die Zahl potenzieller Nachfolger.

Zurück zum Kongress: Welcher Vortrag hat

Sie besonders angesprochen und warum?

Ganz eindeutig: der AXA-Vortrag aus der Versicherungs wirt -

schaft! Das ist ein Thema, das mich bei meiner alltäglichen Arbeit

umfangreich beschäftigt. Allgemein finde ich wichtig, dass

berufsbezogene Vorträge bei dem BDVI-Kongress angeboten

wer den sollten, wie dies diesmal auch geschehen ist.

Was fanden Sie besonders gut,

was verbesserungswürdig?

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3


REPORT

HARTMUT GUDE

ÖbVI, geboren am 2. April 1939

In Vorbereitung auf den Kongress freue ich mich schon meist

auf das Berichtsheft und das FORUM, da kann man schmökern.

Es hängt sicherlich auch viel davon ab, welcher Veranstaltungs -

ort ausgewählt worden ist. Mir ist aber auch bewusst, dass die

Ausrichtung des Kongres ses hinsichtlich Programmgestaltung,

Wahl des Austragungs ortes usw. immer ein Kompromiss ist, der

dem BDVI auch gut gelingt. Daher weiter so!

Woran liegt es, dass nicht mehr ÖbVI

den BDVI-Kongress besuchen?

Bei den jüngeren ÖbVI könnte ich mir vorstellen, dass diese im

Büro noch nicht entbehrlich sind und somit das Büro für zwei

Tage nicht allein lassen können. Das hängt natürlich auch von

der Struktur der Büros ab. Und sicherlich spielt die Entfernung

zum Tagungsort eine Rolle. Aber am Ende hängt es an der Moti -

vation des Einzelnen: Will ich dahin? Bin ich neugierig auf Denk -

anstöße? Oder soll ich nicht schon deswegen zum BDVI-Kongress

reisen, um den Verbandsgremien durch Teilnahme zu vermitteln,

dass sie eine tolle Arbeit leisten?

Sie haben schon viele Kongresse erlebt.

Wie hat er sich in den letzten Jahren/

Jahrzehnten geändert?

In meinen Berufsanfängerjahren ging es darum, Kontakte zu

knüp fen, zu lernen, wie ein solcher Berufsverband »tickt«, wel -

che Denkanstöße man für den weiteren Berufsweg verinnerlichen

muss.

An welchen Kongress erinnern

Sie sich besonders gern?

1950–1956 Besuch der Mittelschule in Göttingen,

Abschluss: mittlere Reife

1956–1958 Vermessungstechniker-Lehre beim Katasteramt

in Göttingen, Abschluss: Vermessungstechniker

1958–1961 Studium der Vermessungstechnik an der

Staatlichen Ingenieurschule in Berlin-Neukölln,

Abschluss: Ingenieur für Vermessungstechnik

1961–1967 Studium der Geodäsie an der TU Berlin,

Abschluss: 1. Staatsexamen

1968–1970 Vermessungsreferendarausbildung beim

Regierungspräsidenten in Hildesheim,

Abschluss: 2. Staatsexamen

Seit 1972 Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur

in Göttingen

Den Kongress in Dresden 2010, dort hatte ich mich schon im Vor -

feld darauf gefreut, weil auch eine abendliche Raddampferfahrt

auf der Elbe im Programm war. Das damit verbundene geselli -

ge Zusammensein war sehr schön.

Im nächsten Jahr findet die DACH 2015 in

Kempten statt, werden Sie dabei sein?

Da bin ich dabei. Der Austausch mit den Nachbarländern Österreich

und Schweiz ist enorm wichtig, auch um sich hinsichtlich

politischer Rahmenbedingungen vergleichen zu können.

Herr Gude, vielen Dank für das Interview.

Dipl.-Ing. Jörg Burchardt

BDVI-Geschäftsstelle

burchardt@bdvi.de

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3


TECHNIK

Eine neue Sicht auf Geodaten

ULF KREUZIGER | BERLIN

Moderne Technik ermöglicht es inzwischen, die Geodaten der Landesbehör -

den und kommunalen Stellen sowie eigene interne Geodaten direkt in

der Natur mit einem Mindestmaß an Abstraktionsvermögen zu betrachten und

zu beauskunften. Möglich wird dies durch Techniken der Augmented Reality,

kombiniert mit Datendiensten des Internets. Für die Aufgaben der Flur be rei -

ni gung und ländlichen Entwicklung in Brandenburg befindet sich derzeit ein

mobiles Augmen ted-Reality-System in der Testung und Weiterentwicklung mit

dem Ziel, ein modernes Instrument zur Unterstützung planerischer Außen dienst -

aufgaben zur Verfügung zu stellen. Ein aktuelles Zwischen ergebnis bildet die

Smartphone-App »ARGeo«, mit der georeferenzierte Geometriedaten gemeinsam

mit einem Live-Video-Bild betrachtet werden können.

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3


TECHNIK

ANWENDUNGSBEREICH,

BEGRIFFSKL RUNG UND METHODIK

Eine moderne Möglichkeit der Erstellung und Bearbeitung oder

Weiternutzung von Geofachdaten stellen Anwendungen der

Augmented Reality (kurz: AR, dt. erweiterte Realität) dar. Im Rah -

men der Umsetzung von INSPIRE und der damit entstehen den

Geodateninfrastrukturen sind eine Vielzahl von Geofachdaten

(Bauplanungsgrenzen, Windeignungsgebiete, Natur schutz ge -

biete, Biotope etc.) über das Internet abrufbar. Sie bil den eine

wesentliche Datenquelle für verschiedenste Anwendungsbe rei -

che, u. a. auf dem Gebiet der Planung und Bodenordnung.

Hierbei können amtliche Geofachdaten für die Erkundung und

eigene Planungsdaten, z. B. im Falle der Flurbereinigung die neu -

en selbst produzierten Grundstücksgrenzen und Grenzpunkte,

zur Kontrolle der Planungen direkt vor Ort in ein Live-Video-Bild

auf dem Display moderner Tablet-PCs, Smartphones oder Da ten -

brillen nach dem Video-see-through-Prinzip |1| eingeblen det

werden, vgl. Abbildung 1.

Neben der Darstellung von Geodaten ist es möglich, geplante

Bauwerke (Brücken, Gebäude, Windkraftanlagen) auf sehr anschauliche

Art und Weise zu visualisieren (vgl. Abbildung 3, Mit -

te) und Echtzeitsimulationen und Animationen durch zuführen.

Interessant ist auch, dass Smartphones als eine Art »einfacher

Tachymeter im Taschenformat« genutzt werden können, mit dem

sich einfachste Vermessungsarbeiten, wie Einzelpunktaufnahmen

oder Grobabsteckungen, durchführen lassen und gleich -

zeitig ein georeferenziertes Foto abgespeichert wird, vgl. Abbildung

5.

Augmented Reality wird definiert als eine Form der Mensch-

Technik-Interaktion, bei der dem Anwender verschiedenartige

kontextabhängige Informationen in sein Sichtfeld eingeblendet

werden |2|. Die Displays mobiler Endgeräte können hierbei als

»Fenster in die Welt« benutzt werden.

Augmented Reality ist grundsätzlich keine neue Erscheinung,

denn erste technische Entwicklungen im Kontext der erwei ter -

ten Realität fanden bereits in den 60er-Jahren statt. 1968 ent -

wickelte der Amerikaner Ivan Sutherland das wohl erste Head-

Mounted Display |3|.

Allerdings stehen erst mit der jüngsten Hardware für die Pra -

xis brauchbare Lösungen zur Verfügung.

Der Prozess zur visuellen Erweiterung der Realität verlangt eine

Verschneidung von dreidimensionalen virtuellen Objekten mit

dem Abbild der realen Welt in Echtzeit |4|, wobei die virtuellen

Objekte beispielsweise direkt aus den zweidimensio nalen Karten -

daten der Internet-Geodatendienste gewonnen oder aus lokal

gespeicherten Daten geladen werden.

Essenzielle Grundlage für die vorgenannten Echtzeitprozesse bil -

det die Sensorfusion der im mobilen AR-System enthaltenen

Bild-, Bewegungs- und Positionssensoren.

WAS UNTERSCHEIDET

AUGMENTED?REALITY?ANWENDUNGEN

VON KONVENTIONELLEN

KARTENANWENDUNGEN?

Analoge Karten und digitale Kartenanwendungen auf mobilen

Endgeräten haben bei einem Vor-Ort-Abgleich der Karteninhal -

te mit der Natur (Feldvergleich) die Einschränkung, dass anwen -

derseitig ein notwendiges Abstraktionsvermögen vorausge setzt

wird, da der Anwender entweder nur die Karte lesen oder nur

direkt die Natur betrachten kann. Die Methodik der Augmen -

ted Reality ermöglicht beides gleichzeitig und senkt dadurch die

Abstraktionsstufe für den Anwender erheblich. Im Um kehr schluss

heißt das jedoch nicht, dass Karten oder digitale Kartenanwen -

dungen deswegen obsolet werden, sondern AR vielmehr zusätz -

lich zur gewohnten Kartendarstellung eine weitere großmaß -

stäbige Sicht auf georeferenzierte Geometriedaten ermöglicht,

LIVE-VIDEO-BILD

weitere Sensoren

Kamera-Sensor

REALITÄT

Grenzpunkt

Flurstücksgrenze

Auge

ERWEITERTE

REALITÄT

VIRTUALITÄT

Flurstücksinformationen

Tablet/Smartphone

Seitenansicht

Abbildung 1: Smartphone-App »ARGeo« auf Android-Basis mit Darstellung der Geometrie- und Sachdaten des Datendienstes WFS-ALKIS®

35

3


TECHNIK

vgl. Abbildung 2. Die virtuellen Geodaten werden hierbei in 3-D-

Egoperspektive gemeinsam mit dem Live-Video-Bild der Front -

kamera des jeweiligen Endgerätes verschnitten und auf dem

Display präsentiert.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass eine Kombination von

konventioneller Kartenanwendung und Augmented-Reality-

Anwendung in der Praxis gewünscht ist, weil sich beide Daten -

ansichten im Außendienst sinnvoll ergänzen.

HISTORIE DES

VORGESTELLTEN AR?SYSTEMS

Seit dem ersten Entwicklungsschritt des vorgestellten Geo-AR-

Systems im Jahre 2011 |6|, bei dem das Konzept und System -

design eines für geodätische Zwecke, insbesondere der Planung

und Bodenordnung, nutzbaren Augmented-Reality-Systems auf -

gestellt und ein erster Hard- und Software-Prototyp entwickelt

wurde, hat sich der Hardwaremarkt zweckdienlich weiterent -

wickelt. Während 2011 noch ein robuster, aber auch kostenintensiver

Tablet-PC der Marke Trimble mit entsprechender Sensorik

erweitert werden musste (vgl. Abbildung 3), sind seit Anfang

2013 Windows-8-Tablet-PCs mit integrierter Sensorik erhältlich.

Gleichfalls stehen leistungsfähige Smartphones für den

Einsatz der entwickelten Augmented-Reality-Anwendung zur

Verfügung.

Im Mai 2013 wurde im Rahmen des »GeoLabs – GeolApps« Wett -

bewerbs |7|, gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft

und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg und die

Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und For -

schung, der AR-System-Prototyp als Windows 8 Desktop Mode

App vorgestellt und das Systemkonzept in der zweiten Jahres -

hälfte 2013 auch auf Smartphones mit Android-Betriebssystem

übertragen.

Damit stehen die Funktionalitäten auf zwei wichtigen Betriebs -

systemen zur Verfügung und sollen nun je nach Einsatzzweck

und Anforderung der jeweiligen Fachanwendung angepasst und

weiterentwickelt werden.

ZIELE DER AR?GEOANWENDUNG

Mit der AR-Geoapplikation werden zwei Ziele verfolgt. Die Software

dient als Visualisierungs- und Auskunftswerkzeug einerseits

dazu, Geodaten von verschiedensten Web-Feature-Servi -

ces (WFS) und Web-Map-Services (WMS) – z. B. die bestehenden

Grundstücksgrenzen des Liegenschaftskatasters (WFS-ALKIS®),

aber auch die geplanten Grundstücksgrenzen der Flurbereinigung

(WFS-Neubestand) – direkt vor Ort in 3-D darzustellen und bei

Bedarf weitere Informationen zu den Geoobjekten abzufragen.

Im Falle von Flurstücken des Liegenschaftskatasters können alle

Sachdatenattribute der ALKIS®-Objekte, beispielsweise die Flä -

chengröße oder Eigentümerdaten, schnell und performant am

aktuellen Aufenthaltsort abgerufen werden, vgl. Abbildung 4.

Es ist darüber hinaus möglich, neben den WFS-/WMS-Geoda ten

auch eigene Geofachdaten lokal auf dem mobilen Endgerät zu

speichern und zu verwenden. Ebenfalls können die WFS-/WMS-

Geodaten des Zielgebietes vorab über das Internet herunter -

ge laden und lokal auf dem Endgerät gespeichert werden, da

gera de im ländlichen Raum nicht immer ausreichende mobile

Datenfunkverbindungen vorliegen.

Durch die klare und genormte Strukturierung der WFS-/WMS-

Daten ist es leicht möglich, beliebige Datendienste anderer Daten -

anbieter (Fachbehörden, kommunale Stellen etc.) einzubinden.

Daraus abgeleitet ergibt sich das zweite Ziel: die Erfassung von

Geodaten. Hierbei können mithilfe der Bewegungs- und Posi -

tionssensoren während der örtlichen Planungstätigkeiten Geo -

objekte, z. B. Punkte oder Linien, direkt erzeugt bzw. aufge mes -

Abbildung 2: Sichten auf Geodaten; digitale Kartenanwendung (links) |5| und Augmented-Reality-Anwendung (rechts)

36

3


TECHNIK

2011 2012 1. Halbjahr 2013 2. Halbjahr 2013

ROBUSTER TABLET-PC

MIT EXTERNER SENSORIK

Betriebssystem: Windows Vista

Hardware: Trimble Yuma &

Sensormodul OS5000

TABLET-PC

MIT INTERNER SENSORIK

Betriebssystem: Windows 8

Hardware: Acer Iconia W700

SMARTPHONE

MIT INTERNER SENSORIK

Betriebssystem: Android

Hardware: Google Nexus 4

Abbildung 3: Historie der AR-System-Prototypen


TECHNIK

Abbildung 4: Sachdatenabfrage zu sichtbaren

Flurstücksgeometrien des Geodatendienstes WFS-ALKIS®

am aktuellen Standort des Anwenders

WINDOWS-8-

TABLET

sen und mit entsprechenden Zusatzinformationen (Attributen)

abgespeichert werden, vgl. Abbildung 5. Hierdurch wird ein be -

rührungsloses terrestrisches Aufmaß möglich, das einer ver -

einfachten tachymetrischen Aufnahme ähnelt. Ebenfalls wird

gleich zeitig mit dem aufgemessenen Geoobjekt ein Foto zu

Dokumentationszwecken gespeichert.

Das Aufgabengebiet der Flurbereinigung umfasst neben den

Be reichen Vermessung und Bodenordnung, bei denen die Flur -

vollwertiger

Windows-Rechner

bestehende (ältere)

Windows-Programme

und Fachanwender-

Soft ware können

weiterhin auf dem

Gerät genutzt werden

Einbindung in

bestehen de Firmen netz -

werke, wie herkömmliche

Windows-Computer –

gewohnter

Domänenbeitritt

Auslösung der Datenabfrage

Flurstücksinformationen

ANDROID-

TABLET

optimiert für

mobile Anwendungen

hoher

Verbreitungsgrad

geringerer Preis

stücks- und Eigentums- bzw. Bewirtschaftungsproblematik eine

zentrale Rolle einnimmt, auch die Bereiche Umwelt und Infrastruktur.

Die Planung und Durchführung infrastruktureller Bauvorhaben

im ländlichen Raum sowie deren Kompensationsmaß -

nahmen zum Ausgleich für den Eingriff in Natur und Landschaft

werden maßgeblich von den beiden letztgenannten Bereichen

durchgeführt. Auch hier gilt es, in der Landschaft zu erkunden,

zu planen, zu prüfen und zu dokumentieren. Es ist zukünftig

vor ge sehen, dass das AR-System auch hier zweckdienlich unterstützt.

BETRIEBSSYSTEM BERGREIFENDE

AR?ENTWICKLUNG

Bei Entwicklungen von Anwendersoftware auf mobilen End -

ge räten sind die Anforderungen und Gewohnheiten der Nutzer

un bedingt zu berücksichtigen. Es ist zu hinterfragen, welche

(Fach-) Applikationen zusätzlich auf dem mobilen Endgerät ge -

nutzt werden und wie das Endgerät in das Firmennetzwerk ein -

gebunden werden soll. Es gilt zu unterscheiden, ob mit dem

AR-System lediglich lesender Zugriff über Online-Quellen auf

die Geodaten gewährleistet werden soll oder ob auch lokale

Daten genutzt, erfasst und im Firmennetzwerk transferiert werden

müs sen bzw. eine Einbindung nach den geltenden Sicher -

heits vor schriften notwendig ist. Es wurde oben zur Historie des

ent wickel ten AR-Systems aufgezeigt, dass sich der gewählte

AR-System-Ansatz auf verschiedenen Hardware- und Betriebs -

systemen einsetzen lässt und als betriebssystemunabhängig

bezeichnet werden kann. Einige aktuelle Unterschiede und Ge -

meinsamkeiten der Betriebssysteme Windows 8 und Android

hinsichtlich der vorgenannten Anforderungen sollen nachfolgend

dargestellt werden, vgl. auch Tabelle 1.

Windows-8-Tablets sind Ultrabook-PCs und lassen sich in ge -

wohn ter Weise, wie herkömmliche Laptops, in Firmennetz werke

einbinden. Sie stellen zudem vollwertige und leistungsfähige

Windows-Rechner dar, auf denen sich auch die gewohnten Fach -

applikationen, z. B. der Flurbereinigung, installieren lassen. Android-Geräte

hingegen sind optimiert für mobile Anwendungen,

genießen einen hohen Verbreitungsgrad und sind sehr kosten -

günstig zu beschaffen. Beim Verband für Landentwicklung und

Flurneuordnung befinden sich derzeit beide Varianten in der

Testung.

WINDOWS-

SMARTPHONE

ANDROID-

SMARTPHONE

GENAUIGKEIT

Windows-System-

Kompatibilität

hoher

Verbreitungsgrad

geringerer Preis

Tabelle 1: Vorteile von Windows-8- und Android-Hardware

Die derzeit erreichte Genauigkeit korreliert stark mit dem verwendeten

Gerät, der Güte sowie der Kalibrierung der Sensoren,

den äußeren Umgebungseinflüssen und dem zugrunde liegenden

AR-3-D-Modell.

38

3


TECHNIK

Auslösung der Messung

Aufgemessener Punkt

MESSPUNKTDATEI

Bild-Nr.: 20131117_155239

Koordinaten: 3418635.4, 5807918.3

Orientierung: 4.7°

Attribute: Linde,

d = 0.15 m, h = 3.5 m

Abbildung 5: Erfassung georeferenzierter Daten mit einem Smartphone

Das mobile AR-System beinhaltet eine Reihe verschiedenartiger

Sensoren, die gemeinsam im Rahmen einer Sensorfusion und in

Echtzeit ausgewertet werden müssen: CMOS-Bildsensor, drei -

achsiger Magnetfeldsensor, dreiachsiger Akzelerometer, drei ach -

siger Drehratensensor (Gyroskop), Temperatursensor und GNSS-

Sensor.

Hierbei wirken sich die Magnetfeld- |8| und GNSS-Sensorik be -

son ders stark auf die Messdatenintegrität des AR-Systems aus.

Un ter Verwendung von differenziellen GNSS-Verfahren liegt die

er reichte Georeferenzierungsgenauigkeit derzeit maximal im Sub -

meterbereich. Der Einfluss des verwendeten AR-3-D-Modells ist

umso größer, je bewegter sich die Geländetopografie dar stellt.

Für Erkundungszwecke und zur Grobanzeige von Geodaten ge -

nügt die vorgenannte Genauigkeit – nicht jedoch für die An -

zei ge, Absteckung und Aufnahme diskreter Geoobjekte mit cm-

Genauigkeit, wie es bei Grenzpunkten der Fall wäre.

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TECHNIK

Abbildung 6: Messdaten (Rohdaten) eines in Ruhelage befindlichen Drehratensensors (links) und der Temperatur (rechts)

über einen Zeitraum von 24 Stunden

Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und

Technologie geförderten zweijährigen Forschungsprojektes soll

in Kooperation mit der Beuth Hochschule für Technik Berlin

eine Lösung erarbeitet werden, um höhere Genauigkei ten zu

gewährleisten. Kern des Forschungsprojektes ist es u. a., eine

verlässliche wissenschaftliche Basis für Low-Cost-Sensorik im

Anwendungsbereich der Augmented Reality zu erarbei ten.

Hierzu werden sämtliche eingangs genannten Sensoren untersucht

und auf ihren Einsatz im AR-System abgestimmt. Für ei -

nen kleinen Einblick in die Sensoranalysen soll die Abbildung 6

die nen, in der eine der drei Achsen (Z-Achse) des Dreh raten -

sen sors auf ihr Datenverhalten untersucht wurde.

Der verwendete gerade einmal 4 mm kleine, dreiachsige Inertial -

sensor wertet die Größe der Coriolis-Kraft aus |9|, die auf die -

ses mikroelektromechanische System (MEMS) wirkt. Hierdurch

lassen sich die Winkelgeschwindigkeit bzw. Drehrate [°/s] be -

rechnen, mit der sich ein Objekt um die drei Raumachsen dreht,

und daraus wiederum Lageänderungen (Drehungen) des AR-

Sys tems ableiten. Die Abbildung zeigt hierbei die Drehra ten-

Messwerte der Z-Achse des Drehratensensors. Für die 24-stündige

Testmessung in Abbildung 6 (links) befand sich der Sensor in

absoluter Ruhelage und die erwarteten Messwerte müssten so -

mit genau null sein. Es wird schnell deutlich, dass die Datenaus -

gaben des Gyroskops fehlerbehaftet sind. Ein Daten-Offset (1),

das Messwertrauschen (2), grob fehlerhafte Messwerte (4) und –

mit Abgleich der Abbildung 6 (rechts) – Thermalfehler (3) lassen

sich gut erkennen.

Diese und weitere systematische Fehler gilt es durch Echtzeit -

korrektionen und Filtertechniken »on the fly« zu berichtigen,

um höhere Genauigkeiten, aber auch die notwendige Integrität

der Daten zu erzielen, die letztendlich notwendig werden, um

Position und Ausrichtung von Geoobjekten im AR-System kor -

rekt zu registrieren.

Für die passgenaue Überlagerung des Live-Bildes mit den vir tuel -

len Geoobjekten sind auch die systematischen Fehler der Live-

Bild-Kamera, u. a. Objektiv- und CMOS-Bildsensorfehler, in Form

einer zentralperspektivischen Entzerrung zu korrigieren, vgl.

linken Teil der Abbildung 7. Für die Live-Bild-Entzerrung wurde

im Rahmen der Forschungen ein Echtzeitverfahren entwickelt,

das sich der Rechenkraft des Grafikprozessors mobiler Endgeräte

bedient. Hierzu wurden mittels des an der Hochschule vorhandenen

3-D-Testfeldes die Fehler der Bildkamera nach den bekann -

ten Methoden der Testfeldkalibrierung |10| präzise foto gram -

metrisch ermittelt. Es galt nun, einen Weg zu finden, diese intrinsischen

Parameter (Parameter der inneren Orientierung der

Kamera) auf das Live-Bild anzuwenden und damit insbesonde -

re die auftretenden Verzeichnungen zu korrigieren.

AR-Live-Prozesse sind äußerst rechenintensiv und müssen trotz -

dem performant ablaufen, um ein flüssiges Live-Kamerabild zu

gewährleisten. Während die Datenauswertung der Bewegungsund

Positionssensoren durch den Hauptprozessor (CPU) des mobilen

Endgerätes berechnet wird, werden die bildentzerrenden

Berechnungen des entwickelten Verfahrens auf den Grafik pro -

zes sor abgegeben und somit die Hardware optimal ausgelastet.

Fast alle aktuellen Smartphones oder Tablets besitzen – abzielend

auf performante 3-D-Spiele-Anwendungen – Grafikprozesso ren,

die nun auf diese Weise auch für AR-Zwecke genutzt werden. In

äußerst performanter Weise wird mittels Shader-Technik jedes

Pixel des CMOS-Sensor-Bildes zur Laufzeit – mit den aus der Test -

feldkalibrierung ermittelten Korrekturparametern – verändert,

sodass letztendlich das gewünschte zentralperspektivisch ent -

zerrte Live-Bild entsteht, vgl. rechten Teil der Abbildung 7.

Zusätzlich zu den vorgenannten Ausführungen werden innerhalb

des Forschungsprojektes Verbesserungsmöglichkeiten der

AR-3-D-Modellierung untersucht, um auch starke Gelände unter -

schiede nicht nur lokal, sondern auch global und georefe renziert

berücksichtigen zu können.

40

3


TECHNIK

Abbildung 7: originales Live-Bild der Kamera (links), zentralperspektivisch entzerrtes Live-Bild (rechts)

FAZIT UND AUSBLICK

Das Beispiel zeigt, wie die Adaptation der Augmen ted Reality

im Bereich der Flurbereinigung eingesetzt und kontinuierlich

wei terentwickelt wird, um die anspruchsvollen Planungsaufgaben

im Flächenmangement mit neuen Methoden zu unterstützen.

Es ist geplant, die Software auch mit Funktiona li täten

zum Be arbeiten der Daten mit anschließender Fortfüh rung in

die Da tenhaltungskomponenten sowie Datenanalysefunktio -

nalitäten aus zustatten, um einen geschlossenen Datenfluss im

ge samten Planungsprozess zu gewährleisten.

Die Applikation wurde für viel fältige Einsatzzwecke vorberei -

tet und steht somit auch An wen dungsbereichen anderer Fachbehörden

offen.

Ausdrück liches Ziel der AR-App ist es, eine performante Ap -

plikation – ausgerüstet mit zweckbegrenztem Funktionsumfang

und mit einfachster Bedienung – zu bieten, die zukünftig mit

ho her geodätischer Präzision und einem Höchstmaß an senso -

rischer Datenintegrität aufwarten kann. Das System soll nach

wie vor so aufgestellt sein, dass nicht nur Tablet- oder Smartphone-Dis

plays genutzt werden können, sondern auch neue Vi -

sualisie rungs medien, wie Datenbrillen, nutzbar sind.

Ulf Kreuziger, M. Sc.

Verband für Landentwicklung und

Flurneuordnung Brandenburg

ulf.kreuziger@vlf-brandenburg.de

LITERATUR

|1| Bajura, Michael; Fuchs, Henry; Ohbuchi, Ryutarou:

Merging virtual objects with the real world: seeing ultrasound

imagery within the patient. In: SIGGRAPH’92, S. 203–210, 1992.

|2| Bill, Ralf; Zehner, Marco L.: Lexikon der Geoinformatik.

Heidelberg: Herbert Wichmann, 2001.

|3| Bimber, Oliver; Raskar, Ramesh: Spatial Augmented Reality:

Merging Real and Virtual Worlds. Wellesley: A. K. Peters, Ltd., 2005.

|4| Azuma, Ronald; Baillot, Yohan; Behringer, Reinhold; Feiner, Steven;

Julier, Simon; Macintyre, Blair: Recent Advances in Augmented Reality.

In: IEEE ComputerGraphics 21 No. 6 (2001), S. 34–47, 2001.

|5| LGB: brandenburg-viewer. http://isk.geobasis-bb.de/

BrandenburgViewer/basiskarte.html, letzter Zugriff 11/2013.

|6| Kreuziger, Ulf; Hehl, Klaus: Entwicklung einer AR-Applikation

für die Planung und Bodenordnung. In: zfv – Zeitschrift für

Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, 137 (1),

S. 37–46, Augsburg 2012.

|7| Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des

Landes Brandenburg und Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft,

Technologie und Forschung: Geodaten-Apps stärken

IKT-Region Berlin-Brandenburg, Potsdam 2013.

www.mwe.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.334223.de,

letzter Zugriff 11/2013.

|8| Korte, Monika; Lesur, Vincent; Lühr, Hermann; Helmholtz-Zentrum

Deutsches GeoForschungsZentrum – GFZ (Hrsg.):

Häufig gestellte Fragen zum Thema Erdmagnetismus.

www.gfz-potsdam.de/magservice/faq/, letzter Zugriff 11/2013.

|9| Aggarwal, Priyanka; Syed, Zainab; Noureldin, Aboelmagd;

El-Sheimy, Nasar: MEMS-Based Integrated Navigation.

Boston, London: Artech House, 2010.

|10| Luhmann, Thomas: Nahbereichsphotogrammetrie. Heidelberg:

Herbert Wichmann, S. 49, 2000.

41

3


REPORT

21. Fachtagung in Brandenburg

Neue Geodäten her

Das Thema Ausbildung war ein zentrales Element auf der ge -

meinsa men Fach tagung von Verwaltung und ÖbVI am 5. und

6. September auf dem Landgut Borsig in Groß Beh nitz im Havelland.

Es war Zeit, auch auf ei nem Landes kon gress die ses Thema breit auf -

zunehmen.

Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung! Überall hört man es, überall

liest man es. Der Status des Fachkräftemangels ist mittlerweile

nicht mehr nur eine Prognose, sondern bei Vermessungs -

technikern Realität. Im Falle der Geodäsie wird man wohl nicht

mehr von Wellenbewegungen reden können.

Die LGB (Landesvermessung und Geobasisinformation Branden -

burg) widmet sich verstärkt dem Thema Nachwuchsgewinnung,

indem eine Bestands- und Bedarfsanalyse für Vermessungsfachkräfte

durchgeführt wird. Ein Online-Fragebogen bildet die

Basis der Studie. Alle Anwesenden wurden nochmals aufge -

fordert, die Fragen zu beantworten. Organisiert hatte man extra

eine Podiumsdiskussion. Dorthin wurden die Zuhörer vorab

durch drei kurze Vorträge geführt: ÖbVI Hagen Strese gab

einen Pra xis bericht als Ausbilder, Stephan Bergweiler von der

LGB be richtete von Aktivitäten seiner Behörde, die Referendarin

Wiebke Bellon beleuchtete ihr erstes Jahr.

»Wer heute nicht ausbildet, verschenkt Zukunftschancen«, war

der allgemeine Tenor der gesamten Veranstaltung. Strese, der seit

der Wende 38 Vermessungstechniker ausbildete, bemängelte

vor allem die Qualität der heutigen Schulabgänger und forderte

Ausbildungsabschnitte seiner Azubis beim Katasteramt und andersherum.

Bergweiler berichtete von der Vermittlung der beruflichen Viel -

falt auf Bildungsmessen, Zukunftstagen, Schulinformationen

und von der Zuhilfenahme vielfältiger Institutionen. Die LGB

habe extra eine Projektgruppe für Ausbildung in diesem Jahr

für fünf bis zehn Jahre aufgestellt, die die innere und äußere

Vernetzung vorantreiben soll.

Sydow, Peter, Riehl

Zur grundlegenden Voraussetzung der Diskussion kann man Folgendes

sagen: Weniger junge Menschen stehen zur Verfügung,

Fachkräfte müssen mit anderen Branchen geteilt werden, die

Attraktivität des Berufes scheint zu leiden. Dr. Wächter, ein Geo -

loge vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ), moderierte.

In der berufsfunktionell breit gefächerten Runde gab zuerst Prof.

Matthias Moeller von der Beuth Hochschule für Technik Berlin

seine Einschätzung ab. Trotz rasanter Entwicklung auf dem Geo -

infor ma tiksektor, auf dem er selbst als Dozent nur noch das

große Ganze im Auge behalten kann, ist die Ausbildung im klas -

sischen Geo däsie be reich nach wie vor ge währ leistet. Aber schon

wäh rend der Stu dienzeit werden po tenzielle Absolventen von

42

3


REPORT

Zurhorst, Killiches, Bellon

Podium

Moeller, Ehlers

gro ßen Firmen aufgesaugt, bevor diese überhaupt an einen Mas -

terstu dien gang denken können. Hier hilft es mög licherweise,

die Attraktivität des Re ferenda riats zu steigern, weg von ei ner

reinen Verwaltungs ausbildung.

Auch andere beklagten die fehlende finanzielle Attraktivität für

Berufsanfänger. So sah BDVI-Präsident Michael Zurhorst ein, dass

die Technikbegeister ten lieber eine Mechatronikerausbildung

beginnen oder in die Wirtschaft gehen. Er hoffte zwar auf klare

politische Bekenntnisse, plädier te aber für eigene Anstrengungen,

die gebündelt bei den Menschen vor Ort und im Netz statt -

finden müssen.

Einerseits erinnerte er deshalb an Pakete, die beim BDVI für Werbung

an Schulen bereitstehen – also dort, wo noch reine Seelen

abzuholen sind. Selbst für die ganz kleinen Erdteiler steht brandneu

das Pixi-Buch »Ich hab eine Freundin, die ist Geodätin« zur

Verfügung. Andererseits hob er die hohen Klickzahlen auf der

Plattform www.arbeitsplatz-erde.de heraus, die für eine mitt -

ler weile massive Basis zur Nachwuchsgewinnung sprechen. Eine

Verbundarbeit!

43

3


MANAGEMENT REPORT

Thätner

Killiches, Bellon

Trotz leichten Rückgangs des Messge -

schäfts steht für die Ka tas teramts lei te -

rin Anett Thätner die Berufsausbildung

zum Vermessungstechniker nicht infra -

ge. Schüler sollten z. B. über das Geocaching

und seine Funktionalität Auf -

merksamkeit erhalten. LGB-Präsident

Christian Killiches machte unmiss ver ständ lich klar, wie wichtig

sei ner Behörde die Projektgruppe Ausbildung ist.

Die Referendarin Bellon sprach noch einmal an, wo sehr junge

Menschen angesprochen werden müs sen, nämlich dort, wo sie

sich am längsten aufhalten: in Schulen und im Netz. Ihr Refe ren -

dariat be zeichnete sie als abwechslungs reich, weil es eben auch

Ma nagement- bzw. Füh rungsqualitäten lehrt und örtlich und

perso nell variabel ist (natürliche Netzwerkbildung). Gehört hatte

sie vom Referen dariat aber erst während des Studiums. Wei -

te re Vorschläge waren zu hören: Aufteilung ei nes Azubis auf zwei

Büros, Ausbildung auch ohne Gebrauchsnotwendigkeit nach drei

Jahren, Kinder klubs in Ingenieurvereinen, Eltern von Schülern

mit ins Gespräch nehmen, finanzielle Anreize (heikles Thema),

Teile der Referendarausbildung verpflichtend beim ÖbVI etc.

Einigkeit bestand bei den Zielen und Notwendigkeiten. Es gilt

nun aber, die Arbeit bei gezielten Aktionen im Verbund hoch -

zu fahren. Diese Leistung wird noch höher einzuschätzen sein.

Hinsichtlich der Veranstaltung soll nicht verschwie gen werden,

dass ALKIS® in Brandenburg das andere beherr schende Thema

war, hier besonders die Schwierigkeiten bei der Einheit lichkeit.

Nur offene Kommunikation, ob direkt oder durch den ALKIS®-

Beirat, hilft den Beteiligten weiter, war von Lothar Satt ler, Refe -

ratsleiter im Innenministe rium, zu vernehmen. Die Fortführungs -

entscheidung durch den ÖbVI liegt leider noch in wei ter Ferne.

Die Rückkehr des Sommers am ersten Septem berwochenende

sorgte auch auf dem Antlitz des letz ten Skeptikers für einen

wohl wollenden Ausdruck.

Dipl.-Ing. Martin Ullner

FORUM-Redaktion

ullner@bdvi-forum.de

ÖbVI-Zulassungs -

voraussetzungen:

Anerkennungsjahr und

Bestellungsgebühr

MINDESTDAUER DER

PRAKTISCHEN TÄTIGKEIT –

VORAUSSETZUNG FÜR ZULASSUNG

Mindestdauer Bundesland

nicht erforderlich Hamburg

12 Monate Baden-Württemberg,

Berlin,

Brandenburg,

Bremen,

Mecklenburg-Vorp.

Niedersachsen,

Nordrhein-Westfalen,

Saarland,

Sachsen,

Sachsen-Anhalt

und Thüringen

18 Monate Rheinland-Pfalz und

Schleswig-Holstein

24 Monate Hessen

Stand: August 2014

GEBÜHR FÜR BESTELLUNG

ZUM ÖFFENTLICH BESTELLTEN

VERMESSUNGSINGENIEUR

(für Anwärter mit der Befähigung zum höheren

vermessungstechnischen Verwaltungsdienst)

Bundesland

Baden-Württemberg

Berlin

Brandenburg

Bremen

Hamburg

Hessen

Mecklenburg-Vorp.

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein

Thüringen

Stand: August 2014

Gebühr für

Bestellung/Zulassung

1.000 Euro

490 Euro

1.000 Euro

500 Euro

500 Euro

1.100 Euro

440 Euro

340 Euro

600 Euro

540 Euro

523 Euro

900 Euro

680 Euro

300 Euro

600 Euro

44

3


BILDUNG

Meinungen zum Referendariat – ein E-Mail-Interview

Neue Geodäten hier

Wann und wo haben Sie zum

ersten Mal von der Möglichkeit

erfahren, ein Referen dariat

an Ihr Studium anzuschließen?

WIEBKE BELLON | Bewusst aufmerksam wurde ich zum ersten

Mal auf das Referendariat während meines siebten Semesters

an der TU Dresden. Zu diesem Zeitpunkt fand ein Vortragsabend

unter dem Titel »Perspektive Referendariat – die Chance nach

dem Stu dium« statt. Später folgte noch eine weitere Veranstal -

tung, welche ich besuchte.

MICHAEL KUPSCH | Zum ersten Mal habe ich während mei ner

Ausbildung zum Vermessungstechniker beim damaligen Landes -

vermessungsamt in Sachsen vom Referendariat erfahren.

Warum haben Sie sich für das

Referendariat entschieden und

welche Erwartungen haben Sie

vor dem Referendariat an diese

Ausbildung gehabt?

BELLON | Für mich war die Laufbahnausbildung ganz klar eine

weitere Qualifikation bzw. Berufsausbildung, die es mir ermög -

licht, mich in Bereichen, die das Studium nicht oder nur in ge -

ringem Umfang abdeckte, weiterzubilden. Dazu gehört im Um -

kehrschluss auch, dass ich mit Beendigung der Ausbildung mehr

Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt habe. Auch kann ich die

zwei Jahre nutzen, um Erfahrungen in der Berufswelt zu sammeln

und mich persönlich weiterzuentwickeln. Die unterschied -

lichen Stationen und Perspektiven während der Ausbildungszeit

ermöglichen es mir, meinen eigenen Standpunkt in den einzelnen

Fachbereichen zu festigen.

KUPSCH | Ich möchte mich dadurch beruflich, aber auch persön -

lich weiterentwickeln. In beruflicher Hinsicht möchte ich mir

die Möglichkeit eröffnen, als ÖbVI zugelassen zu werden bzw.

ei ne Führungsposition zu übernehmen. Meine Erwartung an die

Ausbildung war, vertiefte Einblicke in die Vermessungsverwaltung

zu bekommen und erste praktische Erfahrungen zu sammeln.

Weiterhin wollte ich mich in Richtung Rhetorik/Kommu -

Dipl.-Ing. Wiebke Bellon,

Studium der Geodäsie an der

TU Dresden, seit November 2013

Vermessungs referendarin im Land

Brandenburg

wiebke.bellon@geobasis-bb.de

Dipl.-Ing. Michael Kupsch

Studium der Geodäsie an der

TU Dresden, seit November 2013

Vermessungs referendar im Land

Brandenburg

michael.kupsch@geobasis-bb.de

nikation weiterqualifizieren, gerade auch im Hinblick auf die

Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Wie beurteilen Sie die Inhalte des

Referendariats? Nutzen Sie darüber

hinaus Fortbildungsmöglichkeiten?

Wenn ja, welche und warum?

BELLON | Man sollte natürlich immer mit offenen Augen und

Ohren durch das Leben gehen und sich dafür interessieren und

darüber informieren, was in der Fachwelt geschieht. Dazu ge -

hört für mich, z. B. an Fachvorträgen teilzunehmen.

Während der Ausbildung bestehen immer wieder die Mög lich -

keiten, an verschiedenen interessanten und berufsfördernden Ver -

anstaltungen teilzunehmen. Diese werden von mir in Abstim mung

mit dem bestehenden Ausbildungsplan regelmäßig wahr genom -

men, um alle Bereiche meines studierten Berufes zu erkunden.

45

3


BILDUNG

KUPSCH | Diese Ausbildung ist breit aufgestellt. Ich bekomme

sehr viele Informationen vermittelt, die es gilt zu komprimieren

und in einen Zusammenhang zu stellen. Den Bereich Führung/

Management könnte ich mir etwas umfangreicher vorstellen,

da gerade in diesem Bereich die zukünftigen Aufgaben liegen

und dieser Bereich während meiner bisherigen Ausbildung keine

Berücksichtigung fand.

Ja, ich nutze zusätzliche Fortbildungsmöglichkeiten über das

Referendariat hinaus. Ich nehme u. a. an einem GIS-Workshop

und an einer Wertermittlungstagung teil. Ich möchte dadurch

meine Kenntnisse erweitern bzw. über Bereiche, die wäh rend

meiner Ausbildung zu kurz gekommen sind, mehr erfahren.

Wie schätzen Sie Ihre

Berufsaussichten nach dem

Referendariat ein?

BELLON | Ich sehe positiv in die Zukunft. Zu Zeiten, in denen die

Länder sparen müssen, bedarf es etwas Glück und Flexibili tät, um

in der Verwaltung eine Zukunft zu finden. Jedoch im Hin blick

auf den bisherigen Altersdurchschnitt in den unterschiedlichen

Bereichen mache ich mir keine allzu großen Zukunftssorgen.

KUPSCH | Ich schätze meine Berufsaussichten als gut ein, dies

ist allerdings in Bezug auf regionale Abhängigkeit etwas zu rela -

tivieren.

Ist der Beruf des Öffentlich

bestellten Vermessungsingenieurs

Gegenstand der Ausbildung?

Wenn ja, in welcher Form?

BELLON | In der Ausbildung wird der Beruf des ÖbVI nicht voll -

umfänglich berücksichtigt, jedoch erhält man in der Katasterbehörde

und dem Ausbildungsabschnitt der ÖbVI-Aufsicht be -

rufsfördernde Einblicke in die Arbeit des ÖbVI.

KUPSCH | Der Beruf des Öffentlich bestellten Vermessungsinge -

nieurs spielt während der Ausbildung eine eher untergeordnete

Rolle. Während des Abschnittes Liegenschaftsvermessung ha -

ben wir uns im Zusammenhang mit der Aufsicht etwas näher mit

dem Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur be schäftigt.

Angenommen, Sie verfolgen nach dem

Re ferendariat das Ziel, ÖbVI zu werden:

Fühlen Sie sich, neben dem Fachlichen,

auf das Leben als selbstständiger

Unternehmer vorbereitet?

BELLON | Ich stehe noch am Anfang meiner beruflichen Laufbahn

und würde es vorziehen, zuerst noch mehr Erfahrungen bei

einem ÖbVI, gerade im Bereich der unternehmerischen Tätig -

kei ten und zur Vertiefung des Gelernten, zu sammeln. Dies ist

meiner Ansicht nach Voraussetzung, um ein guter und auf Dauer

bestehender ÖbVI zu werden.

KUPSCH | Klare Antwort: nein. Ich würde eher den Weg des

all mählichen Einstiegs vorziehen. Es wäre mir wichtig, zu Beginn

einen kompetenten Ansprechpartner an meiner Seite zu

wissen.

Angenommen, Sie wollen ÖbVI

werden: Wissen Sie, was genau

Sie dafür tun müssen? An welchen

Stellen würden Sie um Rat fragen?

BELLON | Über den BDVI erhält man nützliche Informationen,

um ÖbVI zu werden, jedoch ist für mich die Tätigkeit in der

Selbst ständigkeit als ÖbVI noch nicht spruchreif.

KUPSCH | Dazu müsste ich erst mal ein Anerkennungsjahr absolvieren.

Weiterhin würde ich mich an den BDVI wenden bzw.

auch bei der Aufsichtsbehörde nachfragen.

Sehen Sie nach bestandener

Großer Staats prüfung neben der

Tätigkeit in der Verwaltung

und bei einem bzw. als ÖbVI

noch weitere Möglichkeiten auf

dem geodätischen Arbeitsmarkt?

BELLON | Mein Hauptaugenmerk ist auf die öffentliche Verwal -

tung bzw. ÖbVI gerichtet. Es wird sicherlich Stellen in der freien

Wirtschaft geben, die, entsprechend der Ausbildung, infrage

kommen.

KUPSCH | Nein.

Was müsste getan werden, um den

geodätischen Beruf in der

Öffentlichkeit bekannter zu

machen? Sind Ihnen darüber hinaus

diesbezüglich Maßnahmen bekannt?

Wenn ja, wie beurteilen Sie diese?

BELLON | Der geodätische Beruf wird und ist fachspezifisch be -

kannt, jedoch habe ich erst vor Kurzem von dem Pixi-Buch »Ich

hab eine Freundin, die ist Geodätin« gehört. Das ist eine schöne

46

3


BILDUNG

Möglichkeit, schon die Kleinsten und natürlich auch ihre Vorleser

auf unser Berufsfeld aufmerksam zu machen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Internetpräsenz arbeitsplatzerde.de

– besonders für diejenigen, die vor der Berufswahl stehen.

Ganz wichtig ist zudem eine bessere Präsenz an Schulen.

Denn wie sollen die Jugendlichen ein Interesse für die Geodäsie

ent wickeln, wenn sie noch nie etwas davon gehört haben? Auch

wenn sich sicherlich nicht gleich alle für die Geodäsie interes -

sieren werden, wird doch vielleicht auch davon zu Hause be -

richtet. So vermehrt sich auch auf diesem Wege die Anzahl de -

rer, die schon mal etwas von der Geodäsie gehört haben.

KUPSCH | Hierfür sind vor allem Schulen ein sehr wichtiger Faktor.

Dort könnten AGs mit geodätischem Bezug stattfinden. Ge -

rade im Hinblick auf alltägliche Dinge (Navigation) und Technik

kann hier gepunktet werden. Dadurch könnten eventuell auch

mehr Schüler dazu angeregt werden, ihre Praktikumszeit in einem

Ver messungsbüro zu absolvieren.

Als Maßnahmen sind mir die Webseite arbeitsplatz-erde.de und

ein geodätisches Kinderbuch bekannt. Beides sind sehr gute Va -

rianten, um die breite Öffentlichkeit über den geodätischen Be -

ruf zu informieren.

Noch mal zum Referendariat: Haben

Sie den Eindruck, den Ihnen auf

diesem Weg begegnenden Kollegen

ist diese Ausbildung bekannt?

Werden Sie als Referendar

respektiert bzw. als vollwertiger

Diplom-Ingenieur anerkannt?

BELLON | Das ist sehr unterschiedlich. Ein Teil weiß sofort Be -

scheid, worum es im Referendariat geht, dann gibt es aber auch

einen Teil, der noch nie etwas davon hörte bzw. es nicht einordnen

kann. Im ersten Schritt wäre es sinnvoll, die Mitarbeiter

da rüber zu informieren und aufzuklären, was es bedeutet, wenn

ein Referendar an eine Dienststelle kommt.

KUPSCH | Diese Ausbildung ist nur zum Teil bekannt. Aus diesem

Grund kann es auch vorkommen, dass man als Praktikant abge -

stempelt wird. Dies ist aber nicht überall so.

KUPSCH | Ich denke, es würde schon ausreichen, uns bei allen

Mitarbeitern entsprechend anzukündigen.

Welche Bedeutung haben aus

Ihrer Sicht Veranstaltungen wie

die INTERGEO ® oder die gemeinsame

Fachtagung in Brandenburg?

BELLON | Beide Veranstaltungen sind für den fachlichen Austausch

von großer Bedeutung. Jedoch sind diese Veranstaltungen

fachübergreifend noch nicht weit genug publiziert.

KUPSCH | Solche Veranstaltungen sind wichtig für den Ge -

dankenaustausch und um mit Kollegen in Kontakt zu bleiben.

Probleme und Erfahrungen können angesprochen und diskutiert

werden, um am Ende einen einheitlichen Weg an zustreben.

Gibt es Dinge, die Sie am Referendariat

gerne verändern würden?

BELLON | Zuerst möchte ich sagen, dass ich hier in Brandenburg

eine gute und breit aufgestellte Ausbildung genieße. Doch

die Entwicklungen am Arbeitsmarkt gehen weiter und es ist

sinn voll, an der einen oder anderen Stelle etwas nachzusteuern.

Ich würde den betriebswirtschaftlichen Bereich stärken und

auch den Abschnitt »Personalwirtschaft und Leitungsfunktion«

ausweiten, um auch in der Zukunft gut aufgestellt zu sein. Hilf -

reich wäre ebenfalls ein Abschnitt, der beim ÖbVI abzulegen ist.

KUPSCH | Wie schon unter Punkt 3 genannt, könnte ich mir den

Bereich Führung/Management bzw. rhetorische und kommunikative

Fortbildungen etwas umfangreicher vorstellen. Außerdem

wäre ein Ausbildungsabschnitt beim ÖbVI sehr hilfreich.

Vor allem um einen Einblick in den täglichen Büroablauf zu erhalten.

In Bezug auf unternehmerische Erkenntnisse werden

sicher keine tieferen Einblicke gestattet werden können.

Frau Bellon, Herr Kupsch, ich

danke Ihnen für das Interview und

wünsche Ihnen für Ihren weiteren

Weg viel Erfolg und alles Gute.

Ist es notwendig, und wenn ja:

Wie kann man »Öffentlichkeits -

arbeit nach innen« betreiben?

BELLON | Ich würde die Öffentlichkeitsarbeit nach innen befürworten,

da dies hilfreich für weitere »Praktikanten« wäre.

Dipl.-Ing. Andreas Bandow

FORUM-Schriftleitung

bandow@bdvi-forum.de

47

3


BILDUNG

Meinungen zum Referendariat – ein Aufsatz

Welche Berufsaussichten

hat ein Referendar?

RENÉ GUDAT | OSNABRÜCK-MEPPEN

Die Geodäsiestudentin bzw. der Geodäsiestudent eignet sich im Rahmen ihres bzw. seines

meist fünf Jahre dauernden Studiums Kenntnisse der kompletten Bandbreite der Geodäsie

an. Bereits in den ersten Wochen des Studiums merkt der Student dabei, dass Geodäten viel mehr

sind als die »Leute mit den rot-weißen Stangen am Straßenrand bei Straßenbauarbeiten«, wie

»Vermesser« oft noch im Kopf unbeteiligter Dritter herumschwirren. Das Bild des Berufes in der

Öffentlichkeit zu schärfen, geschieht auf der einen Seite durch Aktivitäten wie die Internetseite

www.arbeitsplatz-erde.de oder »GIS an Schulen«, auf der anderen Seite durch jeden einzelnen

Vertreter des Berufsstandes selbst, und dies ein komplettes Leben lang. Und dieses Bild des Berufes

verdeutlicht später dann auch die potenziellen Beschäftigungsmöglichkeiten von Geodäten und

auch Referendaren.

Das Studium der Geodäsie gibt dem Studenten in seinem Verlauf

verschiedene Möglichkeiten zur Spezialisierung: So bieten die

Hochschulen neben der Geodäsie Vertiefungen etwa in der Geo -

informatik, Fotogrammetrie, Erdmessung sowie dem Flächenund

Immobilienmanagement an. Die Wahl einer oder mehrerer

Vertiefungsrichtungen steht dem Studenten grundsätzlich frei

und ist für das gegebenenfalls später anschließende Referendariat

nachrangig. Geodäten können mit diesen im Studium er -

worbenen Kenntnissen bereits unmittelbar nach dem Studium

ein breites Betätigungsfeld finden.

Das Referendariat, der Vorbereitungsdienst für die Laufbahngruppe

2, 2. Einstiegsamt (den höheren vermessungstechni schen

Verwaltungsdienst), als Voraussetzung für eine Laufbahn als tech -

nischer Verwaltungsbeamter oder eine Tätigkeit als beliehe ner

Träger eines öffentlichen Amtes (Öffentlich bestellte Vermessungsingenieurinnen

und Öffentlich bestellte Vermessungs in -

genieure), ist für Studenten von heute nur noch eine von meh -

re ren Optionen nach dem Studium und für viele Absolventen

nicht mehr die erste Wahl!

So waren im Jahr 2011 knapp 34 % der Vermessungsingenieu -

rin nen und Vermessungsingenieure in der öffentlichen Ver -

waltung, in Ingenieurbüros im weitesten Sinne rund 40 % be -

schäf tigt (Quelle: Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und

Berufs forschung).

48

3


BILDUNG

Das Referendariat vertieft (oder lehrt) innerhalb einer zweijäh -

rigen Ausbildung die Kenntnisse des Liegenschaftskatasters, der

ländlichen Neuordnung, der Landesplanung und des Städtebaus

so wie der Landesvermessung und Kartografie. Darüber hinaus

erlernen Referendare allgemeine Rechts- und Verwaltungsgrundlagen

sowie die Grundzüge der Leitungsaufgaben und der

Wirtschaftlichkeit. Viele Inhalte des Studiums werden aufgefrischt

und in der Praxis verdeutlicht. Die Referendarin bzw. der

Referendar lernt zwar die Besonderheiten seines Ausbildungs -

landes kennen, vernachlässigt damit jedoch nicht bun desweite

Entwicklungen, denn das Große Staatsexamen des Oberprüfungs

amtes für den höheren technischen Verwaltungsdienst ist

in fast allen Bundesländern anerkannt.

Mit dem erfolgreichen Abschluss des Referendariats, der Großen

Staatsprüfung, stehen dem Vermessungsassessor noch mehr be -

rufliche Möglichkeiten zur Verfügung: Neben dem Einstieg in

eine Verwaltungslaufbahn, der nach wie vor primäres Ziel der

Aus bildung von Referendaren ist, denn die Ausbildungsbehörden

sind insbesondere die unteren, oberen und obersten Vermessungs-

und Geoinformationsbehörden, ergeben sich mit

dem Großen Staatsexamen neue Betätigungsfelder, insbesondere

bei den Stellen, die mit den Ausbildungsbehörden tag -

täglich eng zu sammenarbeiten: neben der Nutzung von amt -

lichen Geo infor mationen beispielsweise auch in der städtischen

und länd lichen Bodenordnung. Selbstverständlich ist auch die

Tätigkeit als Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur bei den

Referenda ren nach wie vor attraktiv. Aber selbst damit ist das

Betätigungsfeld bei Weitem nicht ausgeschöpft: Vermessungs -

assessoren fin den regelmäßig einen Berufseinstieg in der Ver -

kehrs- und Beleihungs wertermittlung bei Kreditinstituten, der

Projektentwicklung und auch der Unternehmensberatung. Das

Referendariat ist dann oft sogar hilfreich, denn Assessoren

haben bereits die Verwaltung »von innen kennengelernt« sowie

verschiedene Personal füh rungs konzepte und das Rechnungs -

wesen in der Praxis erlebt.

Nach Abschluss des Referendariats hat sich der Assessor mitt -

ler weile mehr als sieben Jahre mit der Geodäsie beschäftigt.

We der das Studium noch das Referendariat greifen die in di vi -

duel len Vorkenntnisse der Studenten automatisch auf, sondern

vermitteln das Wissen generell. So ist es für das Studium un -

erheblich, welche Leistungskurse in der Schule besucht wurden,

und für das Referendariat sind die Vertiefungsrichtungen

während des Studiums nicht maßgeblich. Aus diesem Grund

liegt es beim Studenten/Referendar, seine eigenen Fähig- und

Fertigkeiten frühzeitig zu erkennen und zu entwickeln, denn

nur so ist eine Profilbildung möglich, mit der man sich abhebt

und auf das spä tere Berufsleben vorbereitet.

Der Fachkräftemangel beschäftigt die deutsche Öffentlichkeit

zunehmend. Wie sehr Geodäten hiervon betroffen sind, rückt

nur wenig in den Fokus der Öffentlichkeit und ist auch in der

Fachwelt wenig bekannt: Viel zu klein ist die Anzahl der Geodäten

im Vergleich zu Elektro- und Maschinenbauingenieuren

oder Informatikern. Aber die Problematik des Fachkräftemangels

betrifft auch die Geodäsie! Verdeutlicht wird dies durch die Statistiken

des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung,

einer Forschungseinrichtung der Agentur für Arbeit: Demnach

lag die Arbeitslosenquote der Geodäten (Berufsordnung 604)

im Jahr 2011 in Westdeutschland bei 2,0 % und in Ostdeutsch -

land bei 5,9 % mit jeweils deutlich rückläufiger Tendenz in den

vorangegangenen Jahren. Regional ist die Grenze zur Voll be -

schäftigung, von der die Volkswirtschaft bei einer Arbeitslosen -

quote unterhalb 2,0 % spricht, bereits erreicht.

Der Fachkräftemangel ist nicht nur Problem, sondern insbeson -

dere für jetzige Berufseinsteiger wie Referendare Chance und

Herausforderung zugleich! Schaut man sich auf der einen Sei -

te den Altersdurchschnitt im Berufskollegium an, so haben gut

qua lifizierte Berufseinsteiger hervorragende Einstiegs- und

Auf stiegsmöglichkeiten und potenzielle Arbeitgeber – seien es

Behörden, private Arbeitgeber oder Freiberufler, die einen Nachfolger

suchen – müssen schon heute aktiv um ihren Nachwuchs

werben und sich attrak tiv prä sentieren. Angesichts der Anzahl

der Studierenden und der be vorstehenden altersbe dingten Ab -

gänge aus dem akti ven Be rufsleben ist hier teilwei se ein Umdenken

dringend erfor derlich. Auf der anderen Seite müssen

aber auch Referendare flexibel blei ben, ein individuel les Profil

entwickeln und sich der Heraus for de rung stellen. Es genügt

nicht, alles mal gehört und ge se hen zu haben, sondern gesucht

sind nach wie vor die Spezialisten.

Anmerkung: Die zitierten Statistiken für das Jahr 2011 (und wei -

tere Jahrgänge) sind auf der Internetseite des Institutes für Ar -

beitsmarkt- und Berufsforschung IAB (www.iab.de) unter »Da ten«

bzw. »Berufe-Daten« abrufbar und beziehen sich auf unterschied -

liche statistische Primärquellen wie die Arbeits losen- und die

Beschäftigtenstatistik. Zwischenzeitlich fand eine Umstellung

der Erfassungssystematik statt, sodass alle Zeit reihen aus tech -

nischen Gründen nicht fortgeschrieben werden können. Ob Geo -

däten künftig statistisch abgebildet werden, ist bislang offen.

Der Aufsatz stammt aus dem Frühjahr 2013. Der Autor, zum

damaligen Zeitpunkt selbst Referendar, hat seine Ausbildung

inzwischen erfolgreich abgeschlossen.

Dipl.-Ing. René Gudat

Landesamt für Geoinformation und

Landesvermessung Niedersachsen (LGLN),

Regionaldirektion Osnabrück-Meppen

r.gudat@web.de

49

3


IMMOBILIEN

Kooperation mit dem VBI

ÖbVI –

Grundstücksexperten

auf der

JÖRG BURCHARDT | BERLIN

Die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure (ÖbVI) sind als

Grund stücksexperten ein starker und kompetenter Partner in

allen Phasen der Immobilienentwicklung: Ob bei der Standort -

suche, der Planung oder Entwicklung von Immobilienprojekten

– ÖbVI unterstützen Projektentwickler mit allen grundstücks -

spezifischen Informationen. Auch bei den vielfältigen Aufgaben

von Kommunen, wie Baulandumlegungen, Erstellung von Geoportalen

oder der Umwandlung von Konversionsflächen, sind

ÖbVI bewährte Partner.

Wie in jedem Jahr trifft sich die Branche vom 6. bis 8. Oktober

auf der EXPO REAL in München, der BDVI wird den Berufsstand

dort als Mitaussteller auf dem Stand des Verbandes der Beraten -

den Ingenieure (VBI) präsentieren. Diese neue Kooperation zwi -

schen BDVI und VBI bietet die Möglichkeit, das breite Ingenieur-

Know-how der ÖbVI gemeinsam mit anderen Ingenieur diszi p -

li nen auf der größten B2B-Messe für Immobilien optimal dar -

zustellen.

Wir laden Sie herzlich ein, mit Projektentwicklern, Investo ren

und Vertretern von Wirtschaftsregionen ins Gespräch zu kommen

und Ihr Leistungsangebot für diese Zielgruppe bekannt(er)

zu machen.

Sie wollen mehr erfahren? Wir freuen uns, Sie auf der EXPO

REAL in der zentralen Halle B2 (Stand B2.022) zu treffen. ÖbVI

stehen Ihnen dort als Ansprechpartner zur Verfügung.

DIE EXPO REAL IN ZAHLEN

FÜR BDVI-MITGLIEDER

Der Gemeinschaftsstand mit dem VBI bietet sich mit sei ner

Lage und Größe für Gespräche mit Kunden und Partnern

an. Nutzen Sie diese Chance! Wie in den Vorjahren be steht

die Möglichkeit, Online-Gutscheine für Eintrittskarten über

den BDVI zu bestellen. Bei Interesse melden Sie sich bitte

in der BDVI-Geschäftsstelle.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch am BDVI-Messestand.

64.000 m² Ausstellungsfläche in 6 Hallen

36.014 Teilnehmer aus 68 Ländern

1.663 ausstellende Unternehmen

1.038 Journalisten und Medienvertreter

400 Topexperten im Konferenzprogramm

Weitere Informationen finden Sie

unter www.expo.bdvi.de

Dipl.-Ing. Jörg Burchardt

BDVI-Geschäftsstelle

burchardt@bdvi.de

Quelle: exporeal.net

50

3


FORUM

HOCHSCHULE LUZERN – KOMPETENZZENTRUM

REGIONALÖKONOMIE (CCRO) U. KOMPETENZZENTRUM

TYPOLOGIE & PLANUNG IN ARCHITEKTUR (CCTP) (HGG.)

Qualitätsvolle Innen -

entwicklung von

Städten und Gemeinden

Durch Dialog und Kooperation –

Argumentarium und Wegweiser

vdf Hochschulverlag, 1. Auflage 2014,

88 Seiten, ISBN 978-3728136220,

Preis: 22,00 Euro

Wenn man der Frage nachgehen will, worauf die Innen -

ent wicklungsnovelle des BauGB 2013 zielt, kann es eine

Hilfe sein, auch über die Landesgrenzen zu schauen. Zum Bei -

spiel in die Schweiz. Auch dort wird die Innenentwicklung von

Städten inzwischen als politischer und planerischer Auftrag ge -

sehen. Für eine konsequente und qualitätsvolle Siedlungsent wick -

lung nach innen ist die Aktivierung innerer Nutzungsreser ven

wie Baulücken, unternutzter Grundstücke oder Brachflä chen

nötig, so heißt es im Vorwort einer kleinen Broschüre der Hoch -

schule Luzern.

Die neue Blickrichtung der Stadtplaner »nach innen« wird begleitet

von Aufrufen zur Zusammenarbeit von Gemeinden, Pla -

nern, Investoren und Eigentümern. Nichts Neues? Von wegen!

Der Lernprozess von Gemeinden und Planern – ob in der Schweiz

oder in Deutschland – hat gerade erst begonnen. »Dialog« und

»Kooperation« müssen vielerorts erst buchstabiert werden. Die

Diktion der Broschüre ist daher auch herausfordernd. Übrigens

immer noch in der altbekannten Stadtplanersprache, die auch

eine Hochschule nicht so schnell ablegen kann: »Der bewusste

und frühzeitige Einbezug der Schlüsselakteure wie Eigentümer,

Investoren und Bauträger und direkt betroffenen Nutzergruppen

trägt gerade bei komplexen Vorhaben zur Innenentwicklung

zu innovativen und mehrheitsfähigen Lösungen bei und

damit auch zur Begrenzung und zur Beschleunigung von Verfahren.«

Die lockere Aufmachung der Broschüre ist es vor allem, die auf -

merken lässt. Zahlreiche grafische Gestaltungsideen machen sie

interessant und laden zur Lektüre ein. Stadtplanung, so die Verfasser,

geschieht am Plan, am Ort, am runden Tisch und am Objekt.

Jeder Arbeitsschritt wird methodisch aufbereitet und mit

Planentwürfen, Tabellen und Diagrammen oder Aktions zeich -

nungen erläutert. Da ist z. B. die Empfehlung, sich zu Beginn

einer Stadtumbaumaßnahme »am Plan« mit allen Be teiligten –

verbindlich – darüber zu verständigen, welche Räu me bewahrt,

erneuert, weiterentwickelt, umstrukturiert oder neu orientiert

werden sollen. Oder die Skizzierung der Arbeit am runden Tisch.

In der Sprache der Stadtplaner: Beschreibung eines Vorgehens -

modells bei der Konkretisierung der Verdichtungsstrategie in

einem Quartier.

Was an der Innenentwicklungsbroschüre beeindruckt, sind die

reiche Bereitstellung von Arbeitshilfen, die ausdrückliche Be -

reitschaft zur Strukturierung der Planungsarbeit und die flotte

Einladung, mitzutun. Ein Ansatz, der nicht nur den Schweizern

beim Wiederkennenlernen ihrer Innenstädte nutzen kann.

Zum Schluss noch die Antwort auf die Frage: Was hat das mit

Vermessung zu tun? Nun, informelle Planung, so notwendig sie

ist, mündet immer in formales und rechtliches Handeln. Stadtplanung

muss »am Grundstück« umgesetzt werden. Darum sollten

auch die Vermessungsfachleute schon rechtzeitig am runden

Stadtplaner-Tisch dabei sein.

Walter Schwenk | Berlin

51

3


REPORT

Landesausstellung zur sächsisch-preußischen Geschichte

»Szenen einer Nachbarschaft«

Wandert man heute durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark, so kann man – für manchen

so weit im Norden überraschend – auf Spuren der sächsischen Vergangenheit dieser Region

stoßen: Sächsische Grenzsteine aus dem 16. Jahrhundert sind steinerne Zeugen der historischen

Ausdehnung Sachsens.

Einer dieser Grenzsteine bildet nun als erstes Exponat den Auftakt

zur Brandenburgischen Landesausstellung »Preußen und

Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft«. Mit Fokus auf die Zeit

vom 17. bis zum 19. Jahrhundert illustriert die Ausstellung im

Schloss Doberlug nicht nur das Gegeneinander, sondern auch

das Miteinander der beiden Länder. Der ausgestellte Grenzstein

zeugt davon, dass die Landesgrenze zwi schen den Kurfürs ten -

tü mern Sach sen und Brandenburg nach dem Frieden von Prag

im Jahr 1635 bis etwa 30 km an Potsdam he ranrückte. Kein Puf -

fer trenn te Preußen danach noch von Sachsen und durch die

neue gemeinsame Grenze kamen sich beide Nachbarn plötz -

lich geografisch sehr nahe. Wie dies den Austausch

von Ideen, Waren und Wissen be -

fruch tete, aber auch zu Rivalität und

Konkurrenz führ te, zei gen meh rere

»Szenen ei ner Nachbarschaft« der

Lan des ausstellung.

Auch kursächsische Postmei len -

säulen in den brandenburgischen

Städten Bad Belzig, Brück und

Niemegk zeugen bis heute von der

historischen Ausdehnung Sachsens,

die bis zum Wiener Kongress

1814/15 Bestand hatte. Als Euro -

pa nach den napoleoni schen Krie -

gen vor 200 Jahren in Wien neu

ge ordnet wurde, fielen fast zwei

Drittel des säch sischen Territo -

riums an Preu ßen, darunter auch

das heu ti ge südliche Brandenburg

mit der Niederlausitz. Von ei nem

Tag auf den an deren wurden die

dort lebenden Menschen von Sach -

PREUSSEN UND SACHSEN.

SZENEN EINER NACHBARSCHAFT

Erste Brandenburgische Landesausstellung,

Schloss Doberlug, noch bis 2. November 2014.

www.brandenburgische-landesausstellung.de

SÄCHSISCHE LANDESGRENZSTEINE IN BRANDENBURG

Grenzsteine aus dem 16. Jahrhundert

(Koordinaten von ÖbVI Gunter Rodemerk):

52,23892°N 52,23753°N

12,63139°E 12,52850°E

WANDERUNG ENTLANG DER GRENZSTEINE VON 1815

www.elbe-elster-land.de/de/kultur-historie/

landesausstellung-2014/touren.html

sen zu Preußen, Sachsen verlor so etwa 40 % seiner Be völ ke -

rung. Diese territoriale Verschiebung lässt sich ebenfalls anhand

der Grenzsteine nachvollziehen, die die Grenze von 1815 im Elbe-

Elster-Land markieren. Sie werden heute von Vereinen betreut

und können bei Wanderungen und Führungen entdeckt werden.

In diesem Sinne: Wandern Sie los in einen »historischen

Herbst«!

Niklas Möring

BDVI-Geschäftsstelle

moering@bdvi.de

52

Grenzstein mit kursächsischem und kurbrandenburgischem Wappen, um 1580,

Stadtverwaltung Beelitz – Hauptamt, »Alte Posthalterei Beelitz«, Beelitzer Heimatmuseum

3


FORUM

GEODÄSIE-AKADEMIE

Seminarangebot 2014/4. Quartal

21. Oktober 2014,

Berlin

Seminar-Nr. 2014-18

10:00 bis 16:00 Uhr

23. Oktober 2014,

Köln

Seminar-Nr. 2014-19

9:30 bis13:30 Uhr

29. Oktober 2014,

Berlin

Seminar-Nr. 2014-11

10:00 bis 16:00 Uhr

5. bis 7. November

2014, Deidesheim

Seminar-Nr. 04114

7. November 2014,

Würzburg

Seminar-Nr. 07114

Seminarreihe Recht 2014

BETRIEBSSTILLLEGUNG

Referent: Dr. Rüdiger Holthausen

Das Seminar behandelt die im Zusammenhang mit der Beendigung

der beruflichen ÖbVI-Tätigkeit relevanten Fragen, soweit es

nicht zu einer Übergabe des Büros kommt und der ÖbVI daher

seinen Betrieb schließt. Dazu zählen vor allem das rechtliche

Schicksal bestehender Vertragsverhältnisse (Arbeitsverträge,

Mietverträge, Leasingverträge usw.) und die Behandlung von

Auftragsverhältnissen sowie Grundzüge der Abwicklung.

Seminarreihe Recht 2014

GRUNDZÜGE DER ABWICKLUNG

Referentin: Dr. Lisa Keddo-Kilian, LL.M.

Das Seminar vermittelt Grundkenntnisse über die Verfahrensweise

der Abwicklung hoheitlicher und nicht hoheitlicher Aufträge eines

Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs. Hierzu werden die

Beendigungsgründe und die Wirkung der Beendigung anhand von

Praxisbeispielen dargestellt. Es wird auf die Vergütung, Haftung,

Kostengläubigerschaft, Rechnungsstellung und Kostenbeitreibung

eingegangen. Ferner wird die Frage diskutiert, welche Punkte in

einer Vereinbarung zwischen dem Abwickler und dem ausgeschiedenen

Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur geregelt

werden können, um Streitigkeiten von vornherein zu vermeiden.

Seminarreihe Recht 2014

VERGÜTUNGSRECHT – BRENNPUNKTE

Referentin: Dr. Lisa Keddo-Kilian, LL.M.

Ziel des Seminars ist es, die wesentlichen Grundlagen im

Vergütungs recht aufzuzeigen und dem Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieur Strategien an die Hand zu geben, wie

er sich im Einzelfall verhalten kann und welche Überlegungen

er zur Durchsetzung seiner Ansprüche anzustellen hat.

42. JAHRESTAGUNG DER FACHGRUPPE

»SMART IT IN DER ENERGIEWIRTSCHAFT«

Seminar des Bildungswerks VDV zum Thema

»GIS, Geodaten, Assetmanagement und Geschäftsprozesse«

ANWENDERFORUM PROJEKTBEZOGENE AUSWERTESTRATEGIEN

BEIM TERRESTRISCHEN LASERSCANNING

VERANTWORTLICH:

BI – BDVI-Bildungsinstitut

VERANTWORTLICH:

BI – BDVI-Bildungsinstitut

VERANTWORTLICH:

BI – BDVI-Bildungsinstitut

VERANTWORTLICH:

Bildungswerk VDV

VERANTWORTLICH:

Bildungswerk VDV

53

3


FORUM

GEODÄSIE-AKADEMIE

Seminarangebot 2014/4. Quartal

13. November 2014,

Dresden

Seminar-Nr. 06214

9:30 bis 17:00 Uhr

14. November 2014,

Köln

Seminar-Nr. 11214

10:00 bis 17:00 Uhr

27. November 2014,

Köln

Seminar-Nr. 2014-07

9:30 bis 13:00 Uhr

11./12. Dezember

2014, Fulda

GEODÄSIE & BIM

Referenten (u. a.): Fred Mitzkatis

Die Methode des Building Information Modeling (BIM) gewinnt

im Bauwesen an Bedeutung. Das zeichnungsorientierte CAD

hat Konkurrenz bekommen. Viele Vermessungsbüros haben

diese Entwicklung aufgegriffen und bieten Produkte und

Dienst leistungen an, die sich an der BIM-Methode orientieren.

Das Bildungswerk VDV und die HTW Dresden bieten deshalb

dieses Jahr zum ersten Mal ein Seminar an, das Praxiswissen und

Grundlagen der BIM-Methode für Geodäten zum Inhalt hat.

SCHIENENGEBUNDENER VERKEHR GEBIET RHEIN/RUHR 2014

Mit diesem Seminar behandelt das Bildungswerk VDV in

Zusammenarbeit mit dem VDEI das o. a. Thema aus der

Planung, dem Bau und der Vermessung mit Fachvorträgen.

Es referieren Fachleute aus Unternehmen, Ingenieurbüros und

der Verwaltung. Außerdem sind ausführliche Diskussionen und

Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern vorgesehen.

Seminarreihe Recht 2014

HOAI – GRUNDZÜGE

Referent: Dr. Rüdiger Holthausen

Das Seminar soll der Vermittlung von Grundkenntnissen der

HOAI im Bereich der Abrechnung von Vermessungsleistungen

dienen. Dabei werden Grundzüge des Ingenieurvertrages in

vergütungs recht licher Hinsicht, die Anwendbarkeit der HOAI

überhaupt, vorrangig die allgemeinen Bestimmungen der

HOAI und auch mögliche andere Vergütungsformen außerhalb

der HOAI behandelt.

139. DVW-Seminar

TERRESTRISCHES LASERSCANNING 2014 (TLS 2014)

Referenten (u. a.): Prof. Dr.-Ing. Heiner Kuhlmann, Universität Bonn

Prof. Dr.-Ing. Thomas A. Wunderlich, TU München

Das terrestrische Laserscanning (TLS) ist inzwischen ein voll etablier -

tes Messverfahren. Es besitzt ein enormes Leistungsspektrum und

eröffnet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten sowohl innerhalb

der klassischen Berufsfelder der Geodäsie als auch in angrenzenden

Bereichen. Nach den großen Erfolgen der vergangenen neun Jahre

bietet der DVW e.V. auch in diesem Jahr eine Weiterbildungs -

veranstaltung zum Thema »Terrestrisches Laserscanning« an.

VERANTWORTLICH:

Bildungswerk VDV

VERANTWORTLICH:

Bildungswerk VDV

VERANTWORTLICH:

BI – BDVI-Bildungsinstitut

VERANTWORTLICH:

DVW

Bund der Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure e.V.

DVW – Gesellschaft für Geodäsie,

Geoinformation und Landmanagement e.V.

Verband Deutscher

Vermessungsingenieure e.V.

Details zu allen Seminaren

von BDVI, DVW und VDV

finden Sie gebündelt auf

www.geodaesie-akademie.de.

54

3


FORUM

BDVI-GREMIEN, -KOMMISSIONEN UND -ARBEITSGRUPPEN

8. Oktober 2014,

Berlin

7. November 2014,

Meißen

14. November 2014,

Erfurt

21. November 2014,

Halle

BDVI-HAUPTVORSTAND

BDVI-Landesgruppe Sachsen

JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG

BDVI-Landesgruppe Thüringen

HERBST-MITGLIEDERVERSAMMLUNG

BDVI-Landesgruppe Sachsen-Anhalt

MITGLIEDERVERSAMMLUNG

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

21./22. November 2014,

Strausberg

BDVI-Landesgruppe Berlin

HERBSTSEMINAR

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

24. November 2014,

Berlin

29. November 2014,

Filderstadt

BDVI-PRÄSIDIUM

BDVI-Landesgruppe Baden-Württemberg

MITGLIEDERVERSAMMLUNG UND FACHTAGUNG

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

SEMINARE / SYMPOSIEN / WORKSHOPS / TAGUNGEN

GEOINFORMATION

4./5. November 2014,

Bonn

6. November 2014,

Aachen

WORKSHOP 3D-STADTMODELLE

OPEN DATA UND DAS GEODATENZUGANGSGESETZ

DES BUNDES

www.3d-stadtmodelle.org

➞ Veranstaltungen

www.gia.rwth-aachen.de

➞ Events

18./19. November 2014,

Koblenz

19./ 20. November 2014,

Frankfurt am Main

WASSERSTRASSENBEZOGENE GEODÄTISCHE

ANWENDUNGEN UND PRODUKTE DER FERNERKUNDUNG

FME (FÜR GEODATENMANAGER)

www.bafg.de

➞ Wissen ➞ Veranstaltungen

www.fortbildung-geodaten.de

4./5. Dezember 2014,

Berlin

3D-NORDOST 2014

www.gfai.de

INGENIEURVERMESSUNG

6. November 2014,

Frankfurt am Main

ANWENDUNGSPOTENZIALE DES TERRESTRISCHEN

LASERSCANNINGS IN DER DEFORMATIONSMESSUNG

www.frankfurt-university.de

➞ Aktuelles

55

3


FORUM

SEMINARE / SYMPOSIEN / WORKSHOPS / TAGUNGEN

BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

30. Oktober 2014,

Bonn

6. BONNER SYMPOSIUM FÜR IMMOBILIENBEWERTUNG www.nrw.bvs-ev.de

➞ Veranstaltungen

5. November 2014, PRAXISSEMINAR BAULANDUMLEGUNG

Leinfelden-Echterdingen

www.vhw.de

➞ Fort- und Ausbildung

12. bis 14. November

2014, Berlin

13. November 2014,

Berlin

18. November 2014,

Berlin

WERTERMITTLUNG NACH DEM BauGB

Fachtagung der Arge Landentwicklung und des BMEL

ERNEUERBARE ENERGIEN UND LANDENTWICKLUNG

GEH-, FAHR- UND LEITUNGSRECHTE BEWERTEN

UND ANGEMESSEN AUSHANDELN

www.isw.de

➞ Programmübersicht

www.bmel.de

➞ Veranstaltungen & Messen

www.vhw.de

➞ Fort- und Ausbildung

21./ 22. November 2014,

Hamburg

BASISWISSEN MARKTKONFORMER

IMMOBILIENBEWERTUNG

www.sprengnetter.de

➞ Seminarkalender

3. Dezember 2014,

Düsseldorf

4. Dezember 2014,

Berlin

SACHKUNDENACHWEIS

Vorbereitung auf die Überprüfung der

besonderen Sachkunde in der Wertermittlung

BAUTECHNISCHE GRUNDLAGEN

FÜR DIE IMMOBILIENBEWERTUNG

www.ikbaunrw.de ➞ Akademie

➞ Seminare ➞ Seminarprogramm

www.vhw.de

➞ Fort- und Ausbildung

WEITERE BEREICHE

8. Oktober 2014,

Berlin

21. November 2014,

Würzburg

BDVI-FORUM »WISSENSMANAGEMENT«

im Rahmen des INTERGEO®-Kongressprogramms

UTM IN BAYERN, WAS GEHT UNS DAS AN?

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

www.fhws.de/vermessung

➞ Veranstaltungen

MESSEN / AUSSTELLUNGEN

6. bis 8. Oktober 2014,

München

7. bis 9. Oktober 2014

Berlin

EXPO REAL

INTERGEO®

www.exporeal.net

www.intergeo.de

56

3


FORUM

INTERNATIONAL

23. bis 25. Oktober 2014,

Riga

TEGOVA-HERBSTTREFFEN

www.tegova.org

➞ news and events

8. bis 14. Februar 2015,

Obergurgl

18. INTERNATIONALE GEODÄTISCHE WOCHE 2015 www.uibk.ac.at/

vermessung/obergurgl.html

STUDIENREISEN

22. bis 30. November

2014, Indien

Mai bis Juni 2015,

USA

BDVI-FACHEXKURSION

STÄDTEBAULICHE STUDIENREISE IN DIE USA

www.bdvi.de

➞ Aktuelles ➞ Termine

www.staedtebau-berlin.de

➞ Fachexkursionen

Weitere umfangreiche Informationen zu Fort- und Weiterbildungen finden Sie auch unter den folgenden Links:

www.bdvi.de/de/aktuelles/termine | www.dvw.de/fortbildung | www.bw-vdv.de/bildungswerk-vdv | www.sprengnetter.de |

www.vhw.de | www.staedtebau-berlin.de

ANZEIGENAUFTRAG JOBBÖRSE

ZUSCHRIFTEN* erbeten an:

BDVI, »FORUM-Jobbörse«, Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Rückfragen richten Sie bitte an: Frau Wolkowa-Norda, 030/240 83 83

Absender

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENANGEBOT:

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENGESUCH:

[ ] ICH INTERESSIERE MICH FÜR CHIFFRE-NR.:

Name

Straße

PLZ / Ort

Telefon / Fax

E-Mail

Datum / Unterschrift

Zahlungsform

[ ] VERRECHNUNGSSCHECK LIEGT BEI.

[ ] BETRAG LIEGT BAR BEI.

* Bewerbungsunterlagen nur ausreichend frankiert mitsenden!

Textanzeigen in der Jobbörse

[ ] Anzeigen je angefangene 300 Zeichen 20,00 E

Zusätzliche Optionen:

[ ] FETTDRUCK MIT EINER ZUSATZFARBE: + 13,00 E

[ ] FARBIGER RAHMEN: + 13,00 E

57

3


FORUM

Nachruf

In großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von

DIPL.-ING.

JÜRGEN PÜST

ÖFFENTLICH BESTELLTER

VERMESSUNGSINGENIEUR A. D.

GEBOREN AM 26. APRIL 1923

VERSTORBEN AM 22. JULI 2014

Mit Jürgen Püst verlieren wir einen liebenswürdigen

Menschen, der sich lebenslang mit seiner stets

verständnis vollen und ausgleichenden Art für den

BDVI wie auch die Sozien und Mitarbeiter in seiner Firma

eingesetzt hat.

Jürgen Püst gehörte jener Generation an, die als Schüler

in den Krieg ziehen musste und nach Kriegsende noch

fünf Jahre in russischer Gefangenschaft verbrachte. Mit

der ihm eigenen Willenskraft holte er das Abitur nach,

studierte Geodäsie und machte sich nach Beendigung

seiner Referendarzeit in Schleswig-Holstein als Öffentlich

bestellter Vermessungsingenieur selbstständig. Seit dem

1. Dezember 1959 war er Mitglied des BDVI. 1964 siedelte

Jürgen Püst nach Hamburg um und wurde hier erster

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur, nachdem er

vorher seine Zulassung auf dem Rechtsweg gegen die

Freie und Hansestadt Hamburg hatte erstreiten müssen.

Als seinerzeit einzig zugelassener ÖbVI war Jürgen Püst

gleichzeitig Mitglied im Bundesvorstand des BDVI und

hatte dieses Amt, auch nachdem sich der Landesverband

vergrößert hatte, rund 20 Jahre inne.

In seiner weitsichtigen Art hat Jürgen Püst neben der umfangreichen

Katastertätigkeit frühzeitig die Fokussierung

seiner Firma auf den Bereich der Ingenieurvermessung

vorangetrieben. Mit großer Ausdauer und Durchhaltekraft

hat er sich bis ins hohe Alter den Anforderungen der

modernen Technik gestellt und an der stetigen Erweite -

rung seiner Firma mitgewirkt.

Wir werden sein Andenken in Ehren halten und mit

großem Respekt an ihn denken.

Gerd Grabau

BDVI-Landesgruppe Hamburg, Vorsitzender

Nachruf

DIPL.-ING.

ARTUR DÖHMEN

ÖFFENTLICH BESTELLTER VERMESSUNGSINGENIEUR I. R.

GEBOREN AM 17. FEBRUAR 1927

VERSTORBEN AM 21. JUNI 2014

Die BDVI-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen trauert um einen

hochgeschätzten Kollegen.

Herr Döhmen war 57 Jahre Mitglied im BDVI. In den 1980er-Jahren

hat er den Berufsstand mit seiner Mitarbeit in der Kommission

Fortführungserlass II lange Jahre unterstützt.

Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

In stillem Gedenken

BDVI-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen,

Dipl.-Ing. Rudolf Wehmeyer, Vorsitzender

Nachruf

Die BDVI-Landesgruppen Baden-Württemberg und Sachsen

nehmen Abschied von ihrem hochgeschätzten Kollegen

DIPL.-ING. (FH)

SIEGFRIED KURZMANN

ÖFFENTLICH BESTELLTER VERMESSUNGSINGENIEUR I. R.

GEBOREN AM 2. JULI 1930

VERSTORBEN AM 19. JULI 2014

Wir betrauern den Tod unseres Kollegen zutiefst und werden ihm

ein ehrendes Andenken bewahren.

In stillem Gedenken

BDVI-Landesgruppe Baden-Württemberg, der Vorstand

BDVI-Landesgruppe Sachsen, der Vorstand

58

3


FORUM

Nachruf

Unser hochverehrter Kollege

DIPL.-ING.

ERWIN KLUTE

ÖFFENTLICH BESTELLTER VERMESSUNGSINGENIEUR

IN SPROCKHÖVEL

TRÄGER DER GOLDENEN EHRENNADEL DES BDVI

IST AM 20. AUGUST 2014 KURZ NACH

VOLLENDUNG SEINES 84. LEBENSJAHRES

VERSTORBEN

Nachruf

Die BDVI-Landesgruppe Sachsen-Anhalt trauert um

DIPL.-ING.

HELMUT GRÜNDER

ÖFFENTLICH BESTELLTER

VERMESSUNGSINGENIEUR IN MAGDEBURG

GRÜNDUNGSVORSITZENDER DER

LANDESGRUPPE 1990–1994

GEBOREN AM 12. OKTOBER 1941

VERSTORBEN AM 10. AUGUST 2014

Wir bedauern den Tod unseres Kollegen zutiefst und

werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Dietwalt Hartmann, Vorsitzender

Erwin Klute. Sein Name, seine Person sind untrennbar

verbunden mit den BDVI-Nachrichten, den »Grünen

Heften«. Von 1981 bis 1996 hat er die BDVI-Mitglieder mit

unermüd lichem Einsatz und Fleiß über die aktuellen

Geschehnisse informiert. In stunden- und tagelanger Arbeit

hat er in regelmäßigen Abständen relevante Papiere

gesichtet, sortiert, zusammengestellt und den BDVI-

Mitgliedern zur Verfügung gestellt. In seiner Funktion als

Schriftleiter war er Mitglied im BDVI-Hauptvorstand.

Auch das Wirken in seinem eigenen Bezirk lag ihm sehr am

Herzen. Von 1979 bis 2005 stand er dem Bezirk Arnsberg

vor und war eingebunden in das Wirken des erweiterten

Vorstandes der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen. Hier

waren insbesondere die Themen Vermessungsrecht und

Gebührenrecht seine Anliegen. Beinahe 20 Jahre hat er

die Landesgruppe NRW in der Kommission Gebührenrecht

unterstützt.

Wir haben Erwin Klute als bescheidenen, ruhigen und

fleißigen Menschen kennengelernt. Wir schätzten ihn

als Menschen mit großem Sachverstand, als Menschen,

der sich für seinen Beruf, seine Kollegen, für den Berufsnachwuchs

interessiert und engagiert hat.

Wir verlieren einen Kollegen, dem wir viel verdanken. Sein

Andenken werden wir in Ehren halten.

Michael Zurhorst,

BDVI-Präsident

Rudolf Wehmeyer

Vorsitzender der

BDVI-Landesgruppe NRW

59

3


MOSAIK

_ RAUMKUNDIGE GESELLSCHAFT

FIG-Report jetzt in Deutsch

Die Veröffentlichung der FIG über die »Spatially Enabled

Society« ist jetzt in Deutsch mit dem Titel »Raumkundige

Gesellschaft« erschienen und abrufbar über die Seite

der FIG www.fig.net/pub/figpub/index.htm. Die deut -

sche Über setzung wurde von Jürg Kaufmann im Auftrag

des Amtes für Raumentwicklung des Kantons Zürich,

Abteilung für Geoinformation, realisiert.

_ ENGINEERING CARD

Europäischer Berufs ausweis

für Ingenieure

Die EU-Kommission hat die modernisierte Berufsanerkennungs richt -

linie 2013/55/EU vorgelegt. Durch transparente, schnelle und zuverlässige

Verfahren der Berufsanerkennung soll die Mobilität von

Arbeitskräften unterstützt und das Zusammenwirken der Mitglied -

staaten bei der Realisierung eines gemeinsamen Binnenmarkts ge -

stärkt werden. Kernstück der Richtlinie ist die Einführung eines

»Europäischen Berufsausweises«.

Als erste Berufsgruppe in Europa können jetzt die Ingenieure einen frei -

willigen Berufsausweis vorweisen, die engineerING card. Die engineer-

ING card ist in elf Mitgliedstaaten bereits eingeführt bzw. anerkannt.

Zahlreiche weitere EU-Mitgliedstaaten arbeiten mit Hochdruck an ihrer

Einführung. Sie vereinfacht den Nachweis beruflicher Qualifikationen

und erleichtert damit das Bewerbungsverfahren nicht nur in Deutschland,

sondern auch innerhalb der Europäischen Union.

Den Berufsausweis für Ingenieure kann in Deutschland jeder be an -

tragen, der über einen Abschluss an einer staatlich anerkannten deut -

schen Hochschule in einem ingenieurwissenschaftlichen Studiengang

verfügt.

Quelle: VDI

FIG-Präsident CheeHai Teo

dazu im Vorwort: »Die ra -

san te Entwicklung und die

Nachfrage nach räum li chen

Infor ma tions infra struk tu -

ren in vielen Ländern ha ben

in den vergangenen Jahren

die räumlichen Informatio -

nen zu einem Werkzeug von

unschätzbarem Wert für die

Politikfor mu lierung und

evi denzbasierte Ent schei -

dungs findung ge macht.

Raumkundigkeit, d. h. die

Fähig keit, Positions para meter zu fast allen vorhandenen

Informatio nen hin zu zufügen, erschließt eine Fülle von

vorhandenen Kenntnissen über die sozialen, wirt schaft -

lichen und ökolo gi schen Fragen und spielt eine wichtige

Rolle für das Verständnis und die Bewältigung der vielen

Herausforde run gen, denen wir ange sichts einer zuneh mend

komplexen und vernetzten Welt be gegnen.«

Die Veröffentlichung der FIG gibt dem Berufsstand und

dem gesellschaftlichen und politischen Umfeld wichtige

Hinweise auf die aktuellen Entwicklungen und deren Konsequenzen

für alle Beteiligten.

60

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Jugendliche, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer können

sich auf dem Internetportal gut-ausgebildet.de und

der YouTube-Plattform youtube.com/berufe zappen

über Ausbildungsberufe informieren. Seit Kurzem

stel len dort auch ein Vermessungstechniker und eine

Geomatikerin ihre Ausbildung und ihren Beruf vor –

die kurzen Filme eignen sich bestens zur eigenen Nach -

wuchswerbung.

Quelle: Ministerium für Finanzen

und Wirtschaft Baden-Württemberg

3


MOSAIK

_ »ICH HAB EINE FREUNDIN, DIE IST GEODÄTIN«

Pixi-Buch erschienen

Das Pixi-Buch ist eine Produktion des

Carlsen Verlages im Auftrag des DVW-

Landesvereins Hamburg/Schleswig-

Holstein.

Die kleine Jule erkundet die Welt der Geo -

däsie und weiß ganz genau: »Wenn ich

groß bin, werde ich auch Geodätin.« Sie

lernt von der Geodätin Gaby, wie mit ei -

nem Tachymeter ein Gebäude abgesteckt

und später eingemessen wird, wie Höhen

nivelliert werden und wie eine Karte ent -

steht. Es ist eine kleine Geschichte, die Spaß

an unserem Beruf vermittelt. Auf einer

Doppelseite wird die Vielseitigkeit der Ver -

messung mit Ingenieurvermessung, Fotogrammetrie

und Hydrografie dar ge -

stellt.

Das Büchlein richtet sich an Kinder im

Alter von ca. vier bis sieben Jahren, doch

primär die El tern werden es in Händen

halten. Damit ist dieses Pixi-Buch ein

wunderbarer Werbeträger z. B. für einen

»Tag der offenen Tür«, im Außendienst, im

Kunden zentrum oder zur Weitergabe an

Kitas und Grundschulen. Neben der Nach -

wuchswer bung bietet dieses Pixi-Buch

auch die Mög lich keit, den Begriff »Geodäsie«

publik zu machen.

Beim DVW sind 7.500 Exemplare ver -

füg bar und können unter hamburgschles

wig-holstein@dvw.de oder telefonisch

bei Gabriele Dasse unter 040/428

40 23 23 zum Preis von 0,73 Euro pro

Büchlein zzgl. 7 % MwSt. und Versandkosten

bestellt werden.

Der BDVI hat

5.000 Exemplare bestellt, die von BDVI-

Mitgliedern in Einheiten von mindestens

20 Stück über die BDVI-Ge schäftsstelle

bezogen werden können, An sprech part -

ner ist Herr Krebs (krebs@bdvi.de, 030/

240 83 83).

_ GEOBIKER

Motorradtour zum

Müritz-Nationalpark

Das war bereits der siebte Streich. Gemeint ist damit die sieb -

te Tour der Motorrad fahrenden Vermesserzunft aus Berlin

und Brandenburg.

Mitte Juni trafen sich 22 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer

im Norden von Berlin. Start und Ziel war das idyllisch ge -

legene Hotel »Preußischer Hof« in der Nähe von Liebenwalde. Die

Tour führte vorwiegend auf schmalen Nebenstraßen über Zeh -

denick und Fürstenberg zum Müritz-Nationalpark. Nach einem

Mittagessen am See in dem kleinen Ort Schwarz ging es durch

die Ruppiner Schweiz zurück zum Hotel. Am Ende standen rund

240 km auf dem Tachometerzähler – bei wechselhaftem Wetter

und einigen Regenschauern. Da alle Teilnehmer mehr oder we -

niger außendiensterprobt sind, tat dies dem gemeinsamen Erlebnis

keinen Abbruch. Nach dem Abendessen im Hotel gab es

neben Beruf und Zweirädern noch ein weiteres ge meinsames

Interesse – die Fußball-WM. Das Public Viewing erwies sich als

genauso abwechslungsreich wie das Wetter. Letzteres wird im

nächsten Jahr hoffentlich wieder besser sein. Der Süden Bran -

den burgs oder das Havelland standen bisher noch nicht im Road -

book der GEObiker – zwei Optionen für die Tour 2015.

Weitere Details, Fotos und Anmeldemöglichkeiten zu den

Touren siehe: www.geobiker.de

61

3


MOSAIK

_ AUSGEZEICHNET

Goldene Ehrennadel des BDVI

für Guido Hils

_ TECHNIK AB VIER JAHRE

Mit dem VDIni-Club

in die Zukunft

Die beste und innovativste Technologie nützt

we nig, wenn es keinen Nachwuchs gibt, der

sie bedienen und weiterentwickeln kann.

Während in Ländern wie China und Indien

jährlich Hunderttausende Ingenieure und

IT-Spezialisten auf den Markt stoßen, fin -

det die deutsche Wirtschaft immer weniger

Nachwuchskräfte.

Wie begeistert man Kinder ab vier

Jah re für Technik und Naturwissen -

schaf ten? Auf diese Frage gibt der VDI

Ver ein Deut scher Ingenieure e. V. eine

kreative Antwort: durch den VDIni-

Club. Hier ler nen Mädchen und Jungen

auf unterhalt same und spiele ri sche

Weise die Welt der Technik kennen. Die

Inhalte des VDIni-Clubs berücksichtigen

die unterschied li chen Lernweisen

und Bedürfnisse der Kin der. Die Mitglie -

der entdecken im VDIni-Club in ihrer Nä -

he technische Zusammenhänge, indem

sie Experimente durchführen oder Ausflüge

unternehmen. Die VDIni-Club-Web -

seite bietet unterhaltende und lehrreiche

Inhalte, die fortlaufend aktualisiert werden: von

VDIni-Club-Magazinen und Club-News bis zu

Technikräumen, in denen auf altersgerech te

Weise technische Gegenstände und Phä no me -

ne erklärt werden. Jedes neue Mitglied erhält

ein Starterpaket, einen VDIni-Club-Ausweis,

das VDIni-Club-Magazin viermal im Jahr per

Post und mehr. Weitere Informationen unter:

www.vdini-club.de.

Quelle: VDI

Guido Hils wurde für sein langjähriges und vielfältiges ehrenamt liches Wirken

im Berufsverband mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet; der BDVI dankt

ihm für sein überaus tatkräftiges und selbstloses Engagement von 1996–2000

im Prüfungsausschuss für Vermessungstechniker und seit 1999 als stellver tre -

tender Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg, als Schatzmeister,

Leiter der Ge schäfts stel le so wie im Hauptvorstand. Bis heute übt er dieses Eh -

renamt in einer hochgra dig engagierten und selbstlosen Art und Weise aus,

die in dieser Form kaum noch zu fin den ist. Seit 2001 ist Gui do Hils Ver tre ter

des BDVI beim Landes ver band der Freien Be rufe Baden-Württem berg, in der

Ingenieurkammer setzt er sich für die Interessen der Vermessung ein. Durch

sei nen unermüdlichen Einsatz und sein eigenes Verhalten als selbstständiger Unternehmer

ist Guido

Hils stets ein positi -

ves großes Vorbild.

Guido Hils hat die

Standpunkte und

Interessen der ÖbVI

im Land in unzähligen

Gesprächen

gegenüber Politik,

Verwaltung und

an deren Gruppie -

rungen vertreten.

Goldene

Ehrennadel

des BDVI

für Thomas

Rickmann

Thomas Rickmann wurde für

seine hervorragenden Verdienste um den

Freien Beruf des Öffent lich bestellten Vermessungsingenieurs in der Bun des -

republik Deutschland, für seine hoch engagierte Tätigkeit zunächst als stellver -

tretender Vorsitzender und dann ab 2005 als Vorsitzender der Landesgruppe

Saarland, für die tatkräftige Mitarbeit im Hauptvorstand des BDVI und in vie len

Fachkommissionen, in Anerkennung seiner vielfältigen Beiträge zur sinn vollen

und zukunftsweisenden Weiterentwicklung des öffentlichen Vermessungs we -

sens zur Erfüllung der gesamtgesellschaftlichen Funktion, vor allem aber für

sein verantwortungs volles und erfolgreiches Wirken als Repräsentant unseres

Berufsstandes mit persön licher Autorität und Integrität sowie hoher fachlicher

Kompetenz gegenüber Parla ment, Regierung, Verwaltung, Kammern und anderen

Verbänden mit der Goldenen Ehrennadel geehrt.

62

3


MOSAIK

_ GOLDENES LOT

Preisverleihung 2014

Professor Dr. Klaus Grewe, Geodät und Buchautor, wurde am

12. September für seine herausragenden wissen schaft li chen

Arbeiten und Publikationen zur Erforschung römi scher

Aquädukte im Rahmen einer großen Festveranstaltung in

Köln vom Verband Deutscher Vermessungsingenieure (VDV)

mit dem GOLDENEN LOT ausgezeichnet.

Bekannt wurde Grewe durch zahlreiche Publikationen von Aus -

grabungen und Vermessungen an verschiedenen römischen

Wasserleitungen, von denen aktuell der Bildband »Aquädukte –

Wasser für Roms Städte« einen empfehlenswerten und sehr

anschaulichen Überblick über das hohe Niveau der römi schen

Ingenieurkunst gibt. Die ebenfalls von Grewe bearbei tete »Bi -

bliographie zur Geschichte des Vermessungswesens« ist ein

Standardwerk der Technikgeschichte. Die Forschungs arbeiten

von Prof. Dr. Klaus Grewe haben international große Beachtung

gefunden und sind keineswegs nur auf das Rheinland be schränkt:

Grewe forschte in ganz Europa, Nordafrika und in Vor derasien

nach den Resten von Wasserleitungen aus der Rö merzeit.

In diesem Jahr wurde das GOLDENE LOT zum 25. Mal verliehen.

Als Vorjahres preisträger hielt der Wissen schafts come -

dian Bernhard Hoëcker die Laudatio auf seinen Nachfolger.

Quelle: VDV

_ BUNDESKABINETT BESCHLIESST

»Digitale Agenda 2014–2017«

Das Bundeskabinett hat in seiner Sit -

zung am 20. August 2014 die vom Bun -

des minister für Wirtschaft und Energie,

vom Bundesminister des Innern und vom

Bundesminister für Verkehr und di gi -

tale Infrastruktur vorgelegte »Digitale

Agenda 2014–2017« beschlossen.

Die Digitale Agenda ist auf drei Kernziele

ausgerichtet: die stärkere Erschließung des

Innovationspotenzials unseres Landes für

weiteres Wachstum und Beschäftigung;

die Unterstützung beim Aufbau flächendeckender

Hochgeschwindigkeitsnetze

und die Förderung digitaler Medien kom -

petenz für alle Generationen, zur Ver -

besserung des Zugangs und der Teilhabe;

die Verbesserung der Sicherheit und den

Schutz der IT-Systeme und Dienste, um

Vertrauen und Sicherheit im Netz für Ge -

sellschaft und Wirtschaft stärker zu ge -

währleisten.

Die Digitale Agenda umfasst Umsetzungs -

maßnahmen in sieben Handlungsfeldern:

1 | Digitale Infrastrukturen

2 | Digitale Wirtschaft und

digitales Arbeiten

3 | Innovativer Staat

4 | Digitale Lebenswelten in der

Gesellschaft gestalten

5 | Bildung, Forschung, Wissenschaft,

Kultur und Medien

6 | Sicherheit, Schutz und Vertrauen

für Gesellschaft und Wirtschaft

7 | Europäische und internationale

Dimension der Digitalen Agenda

Die Umsetzung der Digitalen Agenda

erfolgt im Dialog mit allen

beteiligten Gruppen. Ei -

ne wichtige Rolle bei

der Umsetzung

spielt der

Nationale IT-Gipfel, der auf die Hand -

lungs felder der Digitalen Agenda neu aus -

ge rich tet wird. Erste Ergebnisse zur Umsetzung

der Digitalen Agenda und ein

neues Konzept zur Fortführung des IT-

Gipfels sollen auf dem nächsten IT-Gipfel

am 21. Oktober 2014 in Hamburg vor ge -

stellt werden.

Weitere Informationen zur Digitalen

Agenda finden Sie unter www.digitaleagenda.de.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft

und Energie

63

3


MOSAIK

IMPRESSUM

_ GEOINFORMATION

Leitfaden Mobiles GIS aktualisiert

HERAUSGEBER

Bund der Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure e. V. (BDVI)

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Telefon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

Eine aktualisierte und erweiterte Fassung des

Leitfadens »Mobiles GIS und standortbezo gene

Dienste« des Runder Tisch GIS e.V. steht seit

Mitte Juli für den kostenlosen Download be reit.

Pa ral lel dazu ist eine vollständig überar beitete

und um das wichtige Thema Sicherheit erwei ter -

te Ver sion 2.0 des Leitfadens in Arbeit, die zur

INTER GEO® 2014 erscheinen soll.

Der Leitfaden bietet einen umfassenden Über blick

zu den aktuellen Entwicklungen mobiler Lösungen

von der Erfassung bis hin zur Bereitstellung räumlicher

Daten. Das reicht

von der technischen Einführung

in die Mög lich -

keiten und Grenzen von

Positionierungstechno -

lo gien bis zu Fragen des

Datenschutzes. Der Leitfaden

bietet eine struktu -

rierte Orientierungs- und Ent scheidungshilfe über

die Einzelkomponenten einer mobilen GIS-Lösung

und deren Zusammen spiel.

Quelle: Runder Tisch GIS e.V.

SCHRIFTLEITUNG

Dipl.-Ing. Andreas Bandow

Dr.-Ing. Wolfgang Guske

Magdeburger Straße 14,

14806 Bad Belzig

Telefon 033841/799 779

Fax 033841/799 780

bandow@franzen-bandow.de

bandow@bdvi-forum.de

REDAKTION

Martina Wolkowa-Norda

Dipl.-Ing. Martin Ullner

Dr.-Ing. Walter Schwenk

Dipl.-Ing. Christoph König

Dipl.-Ing. Jörg Burchardt

REDAKTION MOSAIK

Martina Wolkowa-Norda

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Telefon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

_ BDVI-MITGLIEDER IM BLICKPUNKT

Runder Geburtstag –

wir gratulieren

//Juni

Peter Falk, Xanten (80)

Dr. Ekkard Fleischer, Göttingen (70)

Axel Hense, Dresden (50)

Wilhelm Hofmann, Frankenberg (50)

Olaf Horn, Bad Berka (50)

Thomas Mill, Bad Freienwalde (50)

Eckhart Nagel, Krefeld (60)

Dietmar Ochel, Gummersbach (80)

Gerhard Philipp, Troisdorf (70)

Roland Schmitt, Böhlen (60)

Viola Streicher, Nürtingen (50)

Oliver Teichmann, Berlin (40)

Thomas Zein, Gera (60)

//Juli

Florian Bernhard, Argenbühl (40)

Heiko Eckardt, Meiningen (50)

Gert Heide, Petersberg-Margretenhaun (70)

Peter Heinrich, Saarbrücken (40)

Rolf Kampmann, Wesel (60)

Thomas Otte, Bönen (50)

Christoph Pötinger,

Brandenburg a. d. Havel (50)

Thomas Rottmann, Zimmern (50)

Nico Schmidt, Storkow (40)

Dr. Walter Schwenk, Berlin (70)

Bernhard Sieveneck, Telgte (60)

Rudolf Spitthöver, Warendorf (70)

Winfried Volk, Betzdorf (50)

Andreas Zick, Berlin (50)

//August

Bernhard Burghaus, Schmallenberg (60)

Bastian Grimberg, Bochum (40)

Johannes Kros, Brakel (50)

Frank Nienhaus, Stadtlohn (40)

Dieter Seidel, Tanna (60)

//September

Petra Freitag-Ernst, Bottrop (50)

Dieter Heuß, Köln (80)

Wolfgang Jez, Wetter (70)

Carsten Mai, Kassel (50)

Volker Mensing, Bergheim (60)

Walter Pilhatsch, Bonn (80)

Werner Trippler, Senden (60)

Björn Semler, Köln (40)

Thomas Stein, Werder/Havel (50)

Joachim Welte, Buchholz (60)

Neue BDVI-Mitglieder

Dominic Büttner, Limburg

Dieter Hell, Bad Mergentheim

Holger Mengesdorf, Wiesloch

Jan Nagel, Berlin

Christopher Wirths, Waldbröl

KONZEPT + GESTALTUNG

Nolte | Kommunikation

Motzstraße 34, 10777 Berlin

www.nolte-kommunikation.de

FOTOGRAFIE

Robert Lehmann

Telefon 0177/378 28 16

www.lichtbilder-berlin.de

DRUCK

MEDIALIS Offsetdruck GmbH

MANUSKRIPTE

Bitte an die Schriftleitung rich ten. Ge zeich -

ne te Bei trä ge stellen die Ansicht des Ver fas -

sers dar, nicht aber unbedingt die des BDVI

oder der Schriftleitung.

Mit der Annahme des Manus kriptes und der

Veröffentlichung geht das alleinige Recht

der Vervielfältigung und der Über setzung auf

den BDVI über.

Alle Rechte vorbehalten, auch die des aus -

zugs weisen Nachdrucks, der foto me cha ni -

schen Wiedergabe und Über setzung.

Der Abdruck von Originalartikeln ohne vor -

herige Zustimmung der Schrift lei tung ist

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fotolia: diez-artwork, fotodo, green308;

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