FORUM_4_2013

sorant

Geodätisch.

Frei.

Beruflich.

39. Jahrgang

2013

ISSN 0342-6165

Zeitschrift des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e.V. | www.bdvi-forum.de

HEFT 4/2013

MBO

Neue

Musterbauordnung

unter der Lupe

LSA

Vorstand der Landesgruppe

Sachsen-Anhalt

im Interview

JWD

Aktivität überall –

Kongresse, Messen,

Tagungen etc.

DPAG PVSt G 50591 »Entgelt bezahlt« BDVI Berlin


FORUM

39. Jahrgang, 2013, Heft 4

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den verschiedensten Gremien des BDVI wird seit einiger Zeit intensiv darüber nachgedacht, ob

der BDVI-Kongress in seiner momentanen Form noch zeitgemäß ist. Anlass für diese Überlegungen

sind die auf niedrigem Niveau stagnierenden Teilnehmerzahlen. Jedes Jahr kommen etwa 100 bis

150 Verbandsmitglieder zur Kongressveranstaltung. Mal ein paar mehr, mal weniger. Glaubt man

einschlägigen Statistiken, so ist der Beteiligungsgrad von etwa 10 % der Gesamtmitgliederzahl bei

vergleichbaren Veranstaltungen in einem Verband, gleich welcher Ausrichtung, etwas absolut

Normales. Doch das, so die Verbandsmeinung, kann und darf nicht dazu verleiten, geringe Beteiligung mit einem schultergezuckten

»Is nu ma so« hinzunehmen. Zumal auf Länderebene die Beteiligung an BDVI-Veranstaltungen deutlich höher ausfällt.

Das FORUM ist seinem Selbstverständnis entsprechend neben dem Präsidium, dem Hauptvorstand, der KommÖ und anderen

Runden mit von der Partie, wenn es darum geht, den BDVI-Kongress attraktiver zu gestalten.

Daher muss zunächst analysiert werden, wo es hakt. Mehrere Kollegen wurden von Wolfgang Guske befragt, aus welchen Gründen

sie zum Kongress fahren oder eben gerade nicht. Es wurde um Verbesserungsvorschläge und um Kritikpunkte gebeten, um Ideen

und Anregungen, um Gos und No-Gos. Die bis zum Redaktionsschluss eingetroffenen Antworten ergeben ein detailliertes Bild

über die unterschiedlichen Beweggründe, das eine zu tun oder das andere zu lassen. Im kommenden Jahr werden diese und alle

noch eintreffenden Antworten im FORUM veröffentlicht. Warum? Ganz einfach: um die Kritik in Beziehung zu den Lösungs -

vorschlägen zu bringen. Um zu verdeutlichen, woher die Ideen zur Umgestaltung des BDVI-Kongresses kommen. Und um die

Mitglieder davon zu überzeugen, dass die Kritik gehört und ernst genommen wird.

Um sich der Thematik zu nähern, richtet das FORUM zunächst den Blick in die Landesgruppen. Daher ist im vorliegenden Heft

der Anteil der Berichte verschiedener Landesgruppenveranstaltungen ungewöhnlich hoch. Und auch die Analysen der INTERGEO®

bzw. der EXPO REAL bekommen ihren Platz. Nur konsequent ist dann auch Ullners – in dieser Art ungewöhnlicher – Blick auf

den vergangenen BDVI-Kongress in Hamburg. Weiteres folgt 2014. Versprochen.

Das Jahresthema 2013 war (und ist) Baurecht. Reichert schreibt ausführlich über die Musterbauordnung und schließt damit den

Jahresreigen, selbstverständlich ohne das Thema grundsätzlich abzuschließen.

Die Landesgruppe Sachsen-Anhalt hat, man las darüber im Mosaik, einen neuen Vorstand. Und dieser meldet sich nun zu Wort.

Ullner fragt Hartmann, Pietsch und Förster und bekommt Antworten aus dem im FORUM bislang recht unterrepräsentierten

Bundesland.

Und sonst so? – Tja. – Lesen Sie selbst.

FORUM gibt sich Mühe, von allem etwas abzubilden. Wenn Ihnen etwas fehlt, melden Sie sich einfach. Per Leserbrief, per eMail

oder per Sönlich.

Gerne möchten wir auch im kommenden Jahr für Sie schreiben und lesen, provozieren und diskutieren, interviewen und bekannt

geben und, und, und. Mit Wort, mit Bild und mit Vergnügen.

Ein paar Tage der Erholung und einen guten Start ins neue Jahr wünscht im Namen der gesamten FORUM-Redaktion

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IN DIESEM HEFT

39. Jahrgang, 2013, Heft 4

IN DIESEM HEFT

MBO

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FORUM

Editorial

Andreas Bandow 1

Der Landmesser in der Volkskunde

und in der Dichtung

Dieter Greve 48

Luxushotel in Braunschweig ehrt

C. F. Gauß hundertfach

Klaus Kertscher 52

Buchbesprechung:

Sachwertrichtlinie und NHK 2010

Kommentar zu der neuen Wertermittlungsrichtlinie

zum Sachwertverfahren

Uwe Ehrhorn 53

Buchbesprechung:

»Kaum vermessen – schon vergessen«

Frank Reichert 53

Leserbriefe 54

Jobbörse 56

Veranstaltungskalender 57

Impressum 64

RECHT

Zum FORUM-Jahresthema

Wolfgang Guske | FORUM-Redaktion 4

Bitte Abstand halten!

Die Musterbauordnung und ihre für die Vermessungspraxis

bedeutsamen Regelungen

Frank Reichert 6

Aus dem Leben eines Kostenbescheids

Bekanntgabe/Zustellung

Lisa Keddo-Kilian 12

Für manchen ist die Abstandsflächenproblematik ein Buch mit

sieben Siegeln. Es besteht jedoch die begründete Annahme, dass

das unter ÖbVI eher nicht der Regel entspricht. Schlimm ist dann

nur, wenn das mühselig angesammelte

Wissen plötzlich droht, in die Obso les -

z enz abzurutschen. Zum Beispiel durch

das Inkrafttreten einer Bauordnung, ent -

sprechend der von Reichert be schrie be -

nen Musterbauordnung. Um dann nicht

aus dem fachkundlichen Mustopf zu

kommen, kann man schon hier nach -

lesen, was sich ändern könnte und was

bleibt. Grundsätzlich gilt aber auch hier:

Bleibt alles anders. Danke, Herbert.

Aus dem Leben

eines Kostenbescheids

So ist der Beitrag von Keddo-Kilian überschrieben. Ein (literarisch

gebildeter) Schelm, wer Böses dabei denkt. Grundsätzlich freut sich

der ÖbVI immer, wenn im eigenen Büro ein neuer Kostenbescheid

das Licht der Welt erblickt. Doch wie wird die Welt davon formrich -

tig in Kenntnis gesetzt? Was, wenn sich jemand über den Kosten -

bescheid nicht ganz so freuen kann wie der ÖbVI? Was, wenn der

Kostenbescheid auf die schiefe Bahn gerät, also fehlerhaft ist? Wie

schickt man den kleinen Kostenbescheid in die ihm unbekann te,

fremde Welt? Wir lesen, lernen und wenden an. Wie bei Joseph

von Eichendorff.

LSA

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Selbstverständlich respektiert das FORUM den

Wunsch der Landesgruppe Sachsen-Anhalt,

nicht pausenlos die zwar auf der Brust recht

schwache, aber trotzdem hoch offizielle Bundesland-Werbefloskel

auf zu greifen. Der Vorstand

im Interview: Ullner stellt die Fragen

und Hartmann, Pietsch und Förster ant wor -

ten. Und wir erleben eine BDVI-Landesgruppe, die es absolut nicht

nötig hat, sich ausschließlich über eine un ge wöhnlich früh beginnende

circadiane Rhythmik zu de fi nieren. Bleibt zu hoffen, dass

dies auch anderswo in diesem Bundesland zumindest ähnlich

aussieht.

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IN DIESEM HEFT

VERBAND

EXPO REAL oder

nicht EXPO REAL …

… das ist hier die Frage. Geht man hin? Lässt man es bleiben? Man

weiß es nicht – was man jedoch mit dem Konsum dieses FORUM-

Heftes ändern kann. Burchardt befragt den Messeneuling Will und

den alten EXPO-Hasen Wittig, Esch meldet sich zu Wort und begründet

die Teilnahme des BDVI in München. Sollte man sich ein

Bild machen wollen, hier ist das Werkzeug dazu!

Ländersachen

Kritik an den Veranstaltungen des BDVI Bund ist schnell geäußert:

Themen und Tagungsorte zu fern, Vorträge zu lang, Grußworte

zu blumig, Stühle zu hart. Aber ist das nur auf Bundesebene so?

Die Landesgruppen Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg

schreiben bezüglich ihrer Jahrestagungen über ihre Sorgen und

Nöte, Jubiläen und Jubilare, Gäste, Themen etc. Auch für die bun -

des internen Ausländer lesenswert. Gerade mit Blick auf das ei -

ge ne Land. In Heft 1/2014 dann die Gegenüberstellung mit dem

Bundes kongress. Ein Anfang.

Vermessung und Kunst

28

40

48

Jeder weiß: Der berühmteste Vermesser der Welt ist Old Shatterhand.

Jeder hat auch mindestens ein Exemplar von Kehlmanns

»Vermessung der Welt« im heimi -

schen Billy-Regal. Und vielleicht hat

sogar der eine oder andere »Vermessung

der Welt« auch im Kino gesehen.

Und dann hört es auf. Greve zeigt,

dass der Vermesser auch früher schon

eine Rolle in Kunst und Dichtung ge -

spielt hat. Eine gute? Nun … wollen

wir einfach zufrieden sein, dass wir

überhaupt Erwähnung fanden.

Ein Interview mit dem Vorstand der

BDVI-Landesgruppe Sachsen-Anhalt

»Müde macht uns die Arbeit, die wir liegen lassen,

nicht die, die wir tun«

Martin Ullner | FORUM-Redaktion 18

INTERNATIONAL

Ingenieure ohne Grenzen

Ein Verein stellt sich vor

Janina Unger 26

IMMOBILIEN

Eine Messe – zwei Perspektiven

EXPO REAL – Interview mit Detlev Will und Jürgen Wittig

Jörg Burchardt | FORUM-Redaktion 28

Was hat der BDVI auf der EXPO REAL zu suchen?

Hans Ulrich Esch 33

REPORT

»Die Messe wird jünger und internationaler«

INTERGEO® 2013

Wolfgang Guske | FORUM-Redaktion 35

BDVI-Kongress 2013 in Hamburg

Mein Reisetagebuch

Martin Ullner | FORUM-Redaktion 38

Jahreshauptversammlung der

BDVI-Landesgruppe Sachsen

Katrin Mißbach 40

Herbsttagung der BDVI-Landesgruppe Thüringen

Katrin Mißbach 42

60 Jahre BDVI-Landesgruppe Baden-Württemberg

Gerd Kurzmann 44

MOSAIK 61

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RECHT

Zum FORUM-Jahresthema

WOLFGANG GUSKE | BERLIN

Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur und Baurecht – dieses komplexe und viel -

schich tige Problem hat sich die Redaktion als FORUM-Jahresthema 2013 auf die Fahne

geschrieben. Adressat sollte nicht oder zumindest nicht vorrangig der ÖbVI sein, sondern der

po tenzielle Auftraggeber, der Architekt oder der Planer. Zum Auftakt ist im Editorial des Heftes 1

der FORUM-Jahrgang 2005 als Maßstab herangezogen worden, in dem die Notare eine Haupt -

rolle spielten. Das Thema war sowohl für die ÖbVI als auch die Notare nützlich, wurde doch

gezeigt, »wie man sich verstehen und miteinander statt nebeneinander arbeiten kann«.

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4


RECHT

Ob die Beiträge des aktuellen Jahresthemas diesen Ansprüchen

auch genügen, wird sich noch herausstellen müssen.

Die behandelten Themen waren breit gestreut. Es begann im

Heft 1 mit dem Überblick über das öffentliche Baurecht durch

RA Prof. Dr. Otto und die Kommentierung eines BGH-Urteils

zu Lageplan und Gebäudeeinmessung durch den Justiziar des

BDVI Dr. Holthausen.

Im Heft 2 hielt Michael Strickling aus Nordrhein-Westfalen

anhand eines praktischen Beispiels der Mitwirkung bei der Be -

arbeitung eines B-Planes ein Plädoyer für den ÖbVI als Bera ter

des Bauherrn und Christoph König stellte mit der XPlanung ein

mögliches neues Aufgabenfeld für ÖbVI bei der Bauleitpla nung

vor. Schließlich wurde der Versuch unternommen, anhand von

Umfragen in den Landesgruppen und durch Auswertung recht -

licher Grundlagen die unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortungen

der ÖbVI im Bauprozess der Länder darzu stel -

len. Dass das nur ein Anfang sein konnte, wurde schnell klar –

es ist lohnenswert, diese Fragen weiter zu beleuchten. Das sollte

aber nicht von »außen« durch die Redaktion, sondern durch

die in den Landesgruppen tätigen Spezialisten getan werden.

Solche Spezialisten – hier speziell für den Lageplan, wie Günter

Noormann/Hartmut Zoll für Berlin oder Gunter Rodemerk für

Brandenburg – kamen in Heft 3 zu Wort. Aber, und das ist be -

sonders erfreulich, zum Amtlichen Lageplan hat sich auch

Markus Beck, der Fachbereichsleiter Bauaufsicht, Denk mal -

pflege, Umwelt und Natur der Landeshauptstadt Potsdam, ge -

äußert – ein Beispiel für »Miteinander statt nebeneinander«

im Sinne der o. g. Feststellung. Gerd Langendonk und Marion

Stappenbeck aus Nordrhein-Westfalen stellten mit ihren Erfahrungen

in der Baulandumlegung ein weiteres Tätigkeitsfeld

der ÖbVI vor.

Abgeschlossen, oder besser vorläufig abgeschlossen, wird das

Jahresthema »ÖbVI und Baurecht« mit dem vorliegenden Heft.

Einen Blick in die Zukunft wirft Frank Reichert in seiner kritischen

Auseinandersetzung mit der Musterbauordnung, insbesondere

mit den in ihr formulierten Abstandsflächenrege -

lungen. Geplant war ein Beitrag zur selben Thematik auch aus

Sicht von Politik und Verwaltung – das ist für dieses Heft jedoch

nicht gelungen. Wir hoffen, dass er in einem der nächs -

ten Hefte erscheinen kann. Wie auch immer – das Thema Abstandsflächen

wird uns sicher weiter beschäftigen.

Weiter beschäftigen wird uns auf jeden Fall auch die Stellung

des ÖbVI im Kontext Baurecht und in der Zusammenarbeit,

dem Miteinander mit Bauherren, Architekten und Planern. In

der Vergangenheit haben ÖbVI unter Beweis gestellt, dass ihre

baurechtlichen Kenntnisse und Erfahrungen für die effektive

Planung und Durchführung von Bauvorhaben unverzichtbar

sind. Zu oft wird ihre Tätigkeit jedoch nur als Zuarbeit be trach -

tet. Das Selbstbewusstsein, als Partner des Architekten oder

Planers aufzutreten, muss entwickelt werden.

Dazu gehört auch, diese Partner zu überzeugen, dass ein gleich -

berechtigtes Miteinander letztlich allen, vor allem aber dem

gemeinsamen Auftraggeber, dem Bauherrn, dient.

Für die Vermittlung der Fähigkeiten und Möglichkeiten der

ÖbVI ist das FORUM eine hervorragende Plattform. Die Bei -

träge zum Jahresthema können als ein Beitrag gewertet werden,

aber das Thema muss weiter bearbeitet werden. Gefragt

sind Beispiele, die diese Fähigkeiten und Möglichkeiten über -

zeugend demonstrieren.

Nehmen Sie das bitte als Appell, das FORUM durch Ihre

Mit arbeit in diese Richtung weiterzuentwickeln.

Dr. Wolfgang Guske

FORUM-Redaktion

guske@bdvi-forum.de

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RECHT

Die Musterbauordnung und ihre für die

Vermessungspraxis bedeutsamen Regelungen

Bitte Abstand halten!

FRANK REICHERT | MAHLOW

Seit reichlich einem Jahr gilt eine aktualisierte Musterbauordnung. Neben zentralen Änderungen

in den Bereichen barrierefreies Bauen, altersgerechtes Wohnen und Energie -

effizienz wurde das Abstandsflächenrecht novelliert. Grund genug, die relevanten Regelungen

der Musterbauordnung näher zu beleuchten und zu hinterfragen. Im Fokus stehen dabei

die neuen Abstandsflächenregelungen sowie Überlegungen zu den noch unverändert gebliebenen

verfahrensrechtlichen Bestimmungen über Baulasten.

Das öffentliche Baurecht ist – soweit es das Bauordnungs recht

betrifft – Landesrecht. Die Musterbauordnung (MBO) soll die dem

Landesrecht unterliegenden Bauordnungen vereinheit li chen

und als Orientierungsrahmen für die Bauordnungsgesetzgebung

der Länder dienen. Bereits 1959 wurde die Musterbauordnung

(MBO 1960) von den Landesbauministern auf den Weg gebracht

und seitdem mehrfach durch die Konferenz der für Städtebau,

Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister der Länder

(ARGEBAU) weiterentwickelt. Nachdem die Musterbauordnung

im November 2002 umfassend überarbeitet worden ist, wurde

sie am 21. September 2012 per Beschluss der Bauministerkonferenz

erneut fortgeschrieben.

Mit dieser zweiten Anpassung seit zehn Jahren wurde insbe -

sondere auf die Herausforderungen des demografischen Wandels

und der Energiewende reagiert. Die Änderungen betreffen

neben der Anpassung an europäische Regelungen wie die EU-

Bauproduktenverordnung vor allem die Zukunftsthemen Barrierefreiheit,

betreutes Wohnen im Alter und Energieeffizienz.

Durch die Präzisierung der Vorschriften zur Barrierefreiheit

soll den Belangen der Menschen mit Behinderung in den bau -

ordnungsrechtlich regelbaren Bereichen entsprochen werden.

Dazu wird der Begriff »barrierefrei« in Anlehnung an das Be-

hindertengleichstellungsgesetz definiert und die DIN 18040

zum barrierefreien Bauen aufgegriffen. Verstärkt wird den Anforderungen

Rechnung getragen, die sich für Einrichtungen für

pflegebedürftige oder behinderte Personen mit eingeschränkter

Selbstrettungsfähigkeit ergeben. Für betreute Wohnformen

ist nun genau geregelt, ab welcher Größe in Sachen Brandschutz

besondere Anforderungen an die Einrichtungen gestellt werden

können. Und im Hinblick auf die wachsende Bedeutung

der Nutzung erneuerbarer Energien sind Erleichterungen für

Solaranlagen und Wärmedämmsysteme vorgesehen.

ABSTANDSFLÄCHENREGELUNGEN

Für den Bereich des Vermessungswesens und damit für die Arbeit

der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure sind das

Abstandsflächenrecht (§ 6 MBO) und das Rechtsinstitut der

Baulast (§ 83 MBO) die zentralen Themen in der Musterbau -

ordnung. Die Betroffenheit in diesen Bereichen ergibt sich zu -

nächst aus § 7 MBO, in dem geregelt ist, dass durch die Teilung

eines Grundstücks keine baurechtswidrigen Zustände entstehen

dürfen. ÖbVI, die durch die Zerlegung von Flurstücken eine

Grundstücksteilung vorbereiten, müssen daher das Abstands-

6

4


RECHT

flächenrecht beachten und beherrschen. Gleiches gilt für die öffentlich-rechtliche

Sicherung der von Grundstückseigentümern

gegenüber der Bauaufsichtsbehörde im Zuge von Zerlegungen

bzw. Grundstücksteilungen übernommenen Baulasten. Ein wei -

terer Anknüpfungspunkt resultiert aus § 7 der Musterbauvor -

lagenverordnung, in dem der Lageplan zur Bauvorlage beschrie -

ben ist. Danach sind in den Lageplan u. a. die Abstandsflächen

sowie die von Baulasten betroffene Flächen einzutragen.

Wegfall der Abstandsflächen

im unbeplanten Innenbereich

Die wesentlichste Neuregelung, auch wenn sie recht unschein -

bar daherkommt, findet sich in § 6 Abs. 1 Satz 3 MBO. Danach

ist eine Abstandsfläche nicht mehr erforderlich, soweit nach

der umgebenden Bebauung im Sinne des § 34 Abs. 1 Satz 1

BauGB abweichende Gebäudeabstände zulässig sind. Auf den

ersten Blick könnte dies so verstanden werden, als ob damit die

in Literatur und Rechtsprechung längst anerkannte Zulässigkeit

grenzständiger Gebäude im unbeplanten Innenbereich nun explizit

geregelt würde. Dem ist aber nicht so. Die Regelung ver -

zichtet im unbeplanten Innenbereich nicht nur auf Abstandsflächen

vor den Außenwänden an Grundstücksgrenzen, sondern

generell auf alle Abstandsflächen vor allen Außenwänden. Die

amtliche Begründung bestätigt, dass es bei der Beurteilung ei -

nes Bauvorhabens nicht auf die in der Umgebung vorhandenen

Abstandsmaße ankommen soll, sondern einzig und allein

darauf, ob sich das Bauvorhaben im Sinne des § 34 Abs. 1 BauGB

insbesondere nach der überbauten Grundstücksfläche in die

Eigenart der näheren Umgebung einfügt. Für Bauvorhaben im

Innenbereich entfällt somit die Abstandsflächenbetrachtung

zugunsten der bauplanungsrechtlichen Prüfung, während im

Gebiet eines Bebauungsplans und im Außenbereich die Abstands -

flächen weiterhin nachgewiesen werden müssen. Der Grundsatz

des § 6 Abs. 1 Satz 1 MBO, dass vor den Außenwänden von

Gebäuden regelmäßig Abstandsflächen freizuhalten sind, wird

mit dieser Zweiteilung des Abstandsflächenrechts zur (seltenen)

Ausnahme.

In den Begründungen der Fassungen 2002 und 2008 wurde zu

§ 6 MBO noch darauf verwiesen, dass das deregulierte Abstands -

flächenrecht ausschließlich einen bauordnungsrechtlich zu si -

chernden Mindeststandard gewährt und keine städtebau lichen

Nebenzwecke (mehr) verfolgt. Dieser Standard wird nun außer

Acht gelassen, wenn die Abschaffung der bauordnungs recht -

lichen Abstandsflächen im unbeplanten Innenbereich mit der

Zurückführung des Abstandsflächenrechts und des Nachbar -

schutzes auf das bauplanungsrechtliche Gebot der Rücksichtnahme

begründet wird.

Dabei müsste der Kompetenzstreit zwischen Bauplanungs- und

Bauordnungsrecht gar nicht geführt werden. Das Abstandsflächenrecht

ist so eng mit dem in § 34 Abs. 1 Satz 1 BauGB

enthaltenen bauplanungsrechtlichen Rücksichtnahmegebot ver -

zahnt, dass selbst in die Prüfung der bauplanungsrechtlichen

Zu lässigkeit eines Vorhabens im Rahmen des Tatbestands merk -

mals des Einfügens über § 34 Abs. 1 BauGB die Frage einfließt,

ob die bauordnungsrechtlichen Anforderungen des § 6 BbgBO

erfüllt sind. Nach ständiger obergerichtlicher Rechtsprechung

ist dann, wenn ein Vorhaben die bauordnungs rechtlich für eine

ausreichende Belichtung, Belüftung und Besonnung sowie den

Wohnfrieden von Nachbargrundstücken gebotenen Abstandsflächen

einhält, im Regelfall gleichzeitig das planungs rechtliche

Rücksichtnahmegebot eingehalten. Die Abstandsflä chen liefern

insofern grundlegende Anhaltspunkte dafür, ob das bauplanungs -

rechtliche Gebot der Rücksichtnahme eingehalten ist, auch wenn

sie die konkret auf das nachbarliche Austausch verhältnis abstellende

Prüfung nicht ersetzen.

Mit Wegfall der Abstandsflächen im unbeplanten Innenbereich

entfällt somit gleichzeitig ein wesentliches Kriterium für die Prü -

fung des Rücksichtnahmegebots nach § 34 Abs. 1 Satz 1 BauGB.

Es müssen dann in jedem Falle »Einfügen« und Rücksichtnahme

beurteilt werden, ohne dass dafür konkrete Abstandsflächen

als Anhaltspunkte vorliegen, auf die zurückgegriffen werden

kann. Bislang fehlen dafür alternative Instrumente. Maßstäbe

gibt es in diesem Neuland, wenn überhaupt, allenfalls aus der

Rechtsprechung. Somit ist zu befürchten, dass hier ein weite -

rer Bedarf an differenzierten Regelungen entsteht.

Die abzusehende erschwerte Handhabung im Vollzug mag eine

der Ursachen sein, warum die fragliche neue Abstandsflä chen -

regelung bislang noch keinen Einzug in die Praxis gehalten hat.

Blickt man auf die Bundesländer, die bereits eine Umsetzung

der Musterbauordnung vorangetrieben haben, fällt die Bilanz

in Bezug auf diese Neuregelung mager aus. Zunächst ist der

Freistaat Bayern bei den Abstandsflächen nicht den aktuellen

Ansätzen der Musterbauordnung gefolgt. In dem parallel zur

Musterbauordnung erarbeiteten und nur zehn Tage vor der

Beschlussfassung der Bauministerkonferenz eingebrachten

Gesetzentwurf wird in der Begründung direkt darauf Bezug ge -

nommen, dass sich dieser bereits an den von der Fachkommission

Bauaufsicht erarbeiteten Vorschlägen orientiert, jedoch mit

der offensichtlich auf das Abstandsflächenrecht zielenden Einschränkung:

»ohne bewährte bayerische Besonderheiten auf -

zugeben«. In Sachsen-Anhalt war es der Landtag, der nach umfangreichen

Anhörungen gegen die Übernahme des § 6 Abs. 1

MBO gestimmt hat, sodass es in der Bauordnung vom 10. September

2013 bei der bewährten Abstandsregelung geblieben

ist. Zuletzt wurde in Baden-Württemberg ein Gesetzentwurf

zur Änderung bauordnungs recht licher Vorschriften vorgestellt.

Mit der im Juli 2013 zur Verbändeanhörung freigegebenen No -

velle beabsichtigt die grün-rote Landesregierung, soziale und

ökologische Aspekte in der Landesbauordnung zu verankern.

So ist vorgesehen, bei der Nutzung regenerativer Energien von

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4


RECHT

Abstandsvorschriften leichter abweichen zu können. Ein teilweiser

Wegfall der Abstandsflächen nach dem Vorbild der Mus -

terbauordnung steht aber nicht zur Debatte.

Man kann gespannt sein, wie die Neuregelung der Musterbau -

ord nung in den anderen Ländern aufgenommen wird. In Bran -

den burg sah ein erster Entwurf in Anlehnung an die Muster -

bau ordnung den Verzicht auf Abstandsflächen für den Fall des

Einfügens im Sinne des § 34 Abs. 1 Satz 1 BauGB vor. Der vorsit -

zen de Richter einer Baurechtskammer bezeichnete das Vor ha -

ben wortwörtlich als Abenteuer. Und die unteren Bauaufsichts -

behörden begründeten ihre Ableh nung damit, dass die Klärung

nachbarlicher Widerstände gegen das Bauvorhaben auf diese

Weise in das Widerspruchs- und Klageverfahren verlagert wür -

de. Der höhere Aufwand bei der vollständigen Berücksichtigung

der tatbestandlichen Voraussetzungen des § 34 BauGB würde

zudem zu einer Mehrbelastung der unteren Bauaufsichtsbehörden

führen, ohne dass dem überwiegende Vorteile für den

Bauherrn gegenüberstünden.

Weitere Problemfelder seien nur angedeutet:

Der Wegfall des Abstandsflächenrechts im unbeplanten Innen -

bereich trägt zu einer Verschlechterung der Rechtsposition des

Nachbarn bei, indem zugleich die nachbarschützende Wirkung

der Abstandsflächen entfällt. Da auch § 34 Abs. 1 BauGB allen -

falls im Merkmal des »Einfügens« drittschützende Wirkung vermittelt,

könnte ein von heranrückender Bebauung betroffe ner

Nachbar lediglich noch einen Verstoß gegen das Rücksichtnah -

megebot geltend machen.

Dass sich ein Bauherr nicht an den Abstandsflächentiefen, sondern

nur noch an den (Gebäude-)Abständen orientieren muss,

die in der das Baugrundstück bauplanungsrechtlich prägenden

Nachbarschaft bestehen, führt ebenfalls zu Verwerfungen nach -

barlicher Betroffenheit, da auf diese Weise § 6 Abs. 4 Satz 1

MBO ausgehebelt wird, wonach sich die Abstandsfläche nach

der Wandhöhe des Vorhabens zu richten hat.

Schließlich eint Bauherrschaft, Entwurfsverfasser und Fachplaner

das gemeinsame Interesse, bei hinreichend bestimmter

Planung eine gewisse Sicherheit über die Zulässigkeit des Vor -

habens zu erhalten. Die Ersetzung des Abstandsflächenrechts

durch einen Rückgriff auf das Einfügen nach der um gebenden

Bebauung im Sinne des § 34 Abs. 1 Satz 1 BauGB ist dafür wenig

hilfreich. Genehmigungsergebnisse werden schlechter abschätz -

bar und das Verfahren für alle Beteiligten aufwen diger.

Festsetzung von Abstandsflächen

in örtlichen Bauvorschriften

Die Novellierung des Abstandsflächenrechts beschränkt sich

nicht auf den ersten Absatz des § 6 der Musterbauordnung. Der

neue Satz 4 in § 6 Abs. 5 MBO sieht eine neue, auf den ersten

Blick komplizierte Ausnahmeregelung zur Bemessung der Abstandsflächentiefe

in § 6 Abs. 5 Satz 1 bis 3 MBO dar: »Werden

von einer städtebaulichen Satzung oder einer Satzung nach

§ 86 Außenwände zugelassen oder vorgeschrieben, vor denen

Abstandsflächen größerer oder geringerer Tiefe als nach den

Sätzen 1 bis 3 liegen müssten, finden die Sätze 1 bis 3 keine

Anwendung, es sei denn, die Satzung ordnet die Geltung dieser

Vorschriften an.«

Anders als in der Begründung zum Gesetzentwurf angegeben,

wird damit nicht bewirkt, dass nun »auch städtebauliche Sat -

zungen oder örtliche Bauvorschriften nach § 86 hinsichtlich

der Bemessung der Abstandsflächentiefe gegenüber § 6 Abs. 5

Satz 1 bis 3 Vorrang haben«. Vielmehr handelt es sich nur um

eine Klarstellung des geltenden Rechts. In Bezug auf städtebau -

liche Satzungen ergibt sich der Vorrang des Bauplanungsrechts

bereits aus § 9 Abs. 1 Nr. 2a BauGB sowie § 6 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1

MBO. Und der Vorrang der örtlichen Bauvorschrift ergibt sich

unmittelbar aus § 86 Abs. 1 Nr. 6 MBO.

Etwas missverständlich ist die Formulierung des § 6 Abs. 5

Satz 4 MBO insofern, als der Eindruck entstehen könnte, mit

je der städtebaulichen Satzung, z. B. einer Außenbereichs-, Sa -

nie rungs- oder Erhaltungssatzung, könnten Abstandsflächen

festgesetzt werden. Abweichende Regelungen über Abstandsflächen

können jedoch nach wie vor nur nach § 9 Abs. 4 BauGB

als Festsetzungen in einen Bebauungsplan oder nach § 34

Abs. 5 Satz 2 BauGB in Innenbereichssatzungen übernommen

werden. Und nicht zuletzt erscheint – mit Blick auf den letzten

Teilsatz der Neuregelung – eine Satzung, die die Geltung der

ge setzlichen Abstandsflächenregelungen anordnet, ohnehin

nicht angezeigt.

Privilegierung von Vor- und Dachaufbauten

Als weitere Neuregelung ist in § 6 Abs. 6 Nr. 3 MBO vorgesehen,

dass bei Gebäuden an der Grundstücksgrenze die Seitenwände

von Vorbauten und Dachaufbauten, auch wenn diese

nicht unmittelbar an der Grundstücksgrenze errichtet werden,

bei der Bemessung von Abstandsflächen außer Betracht bleiben.

Die Regelung hat ausweislich der Begründung das Ziel, in der

ge schlossenen Bauweise die Zulassung von Abweichungen für

Dachaufbauten weitgehend entbehrlich zu machen.

Im Gegensatz zur Begründung der Musterbauordnung erfasst

die Neuregelung nicht nur Dachaufbauten, sondern auch Vorbauten.

Da eine Beschränkung der Regelung auf die ge schlos -

se ne Bauweise bzw. diejenige Grenze fehlt, an die das Gebäude

bereits angebaut ist, braucht ein Vorbau an eine einseitige

grenz ständige Bebauung gleichermaßen auch zu den anderen

(seitlichen) Grenzen des Baugrundstücks keine Abstandsflächen

mehr einzuhalten. Nach dem Wortlaut des § 6 Abs. 6 Nr. 3 MBO

reicht somit ein einseitiger Grenzanbau aus, damit alle Seiten-

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RECHT

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4


RECHT

wände des Vorbaus oder Dachaufbaus bei der Bemessung der

Abstandsflächen außer Betracht bleiben. Für die Seitenwände

von Dachaufbauten ist jedoch der Mindestabstand von 1,25 m

nach § 32 Abs. 5 Satz 2 Nr. 1 MBO zu beachten.

Da die Privilegierung nur für Gebäude greift, die an einer Grundstücksgrenze

angebaut sind, hat die Regelung eine uneinheit -

liche abstandsflächenrechtliche Behandlung von Vorbauten

und Dachaufbauten zur Folge. Bei Gebäuden, die nicht an ei -

ner Grundstücksgrenze errichtet wurden oder werden, sind die

Abstandsflächen der Seitenwände von Dachaufbauten und Vorbauten

weiterhin relevant.

Privilegierung von Wärmedämmung

und Solaranlagen

Nach § 6 Abs. 7 Satz 1 MBO bleiben Maßnahmen zur Energie -

einsparung und Solaranlagen an bestehenden Gebäuden bei der

Bemessung der Abstandsflächen nunmehr außer Betracht, wenn

sie eine Stärke von nicht mehr als 0,25 m auf weisen und mindestens

2,50 m von der Nachbargrenze zurückbleiben. Diese abstandsflächenrechtlichen

Privilegie run gen erfolgen im Hinblick

auf die Energieein spar ver ord nung sowie die zunehmende Bedeutung

der Nutzung erneuerbarer Energien.

Die im Mustertext genannten »Maßnahmen zum Zweck der Ener -

gieeinsparung« umfassen dabei laut Begründung allein Maßnahmen

der Wärmedämmung. Warum dann in der Musterbau -

ordnung nicht explizit auf Wärmedämmmaßnahmen ab ge stellt

wurde, erschließt sich nicht. Die etwas ungewöhnliche Formu -

lierung »an Gebäuden« im Zusammenhang mit Solaranlagen erfasst

schließlich laut Begründung insbesondere Solar anlagen

»an Dachflächen«, nicht jedoch aufgeständerten Solar anlagen

»auf Dachflächen«. Die maximale Stärke einer privile gierten Solaranlage

an einer Dachfläche dürfte aber den gesamten Aufbau

einschließlich Unterkonstruktion umfassen.

Der ebenfalls neue § 6 Abs. 7 Satz 2 MBO, wonach § 67 Abs. 1

Satz 1 MBO unberührt bleibt, stellt klar, dass bei einer Unterschreitung

des geforderten Mindestabstands zur Nachbargrenze

die Erteilung einer Abweichung möglich bleibt. Zu bedauern

ist, dass sich dieser Verweis auf die Abweichungs regelung des

§ 67 Abs. 1 Satz 1 MBO ausschließlich auf § 6 Abs. 7 Satz 1 MBO

bezieht. Angesichts der Auffassung zahlreicher Verwaltungsgerichte,

dass dem Nachbarschutz absoluter Vorrang zukomme

und somit bei Abstandsflächen abgesehen von atypischen Grund -

stückssituationen keine Abweichungen zulässig seien, wäre

ein genereller Verweis auf die Abwei chungs vorschrift des § 67

Abs. 1 MBO zweckmäßig gewesen.

Berechnung der Abstandsflächentiefen

Bedauerlich ist ebenfalls, dass die Berechnungssystematik für

die Tiefe der Abstandsflächen in § 6 Abs. 4 MBO unverändert

geblieben ist. Die unterschiedliche Berechnung der Wandhöhe

von Giebel- und Traufseiten, insbesondere die Zuschläge in Abhängigkeit

von der Dachneigung, können für Gebäude gleicher

Kubatur zu unterschiedlichen und damit ungerechten Ergebnissen

führen. Ein Gebäude mit Staffelgeschoss weist andere

Abstandsflächentiefen auf als ein gleich großes Gebäude mit

Mansarddach. Hier wäre zu wünschen gewesen, dass die Fach -

kommission Bauaufsicht dem in Niedersachsen und Brandenburg

gegenüber der Musterbauordnung konsequent weiterge -

führten Ansatz gefolgt wäre. Sonderregelungen mit festge -

legten Schranken und Anrechnungsbefehlen bestehen in diesen

beiden Bundesländern nicht. Indem für Dächer und Dachaufbauten

dieselben Grundsätze wie für Außenwände gelten, sind

Zuschläge zur Dachhöhe entbehrlich. Die sich für Dächer er ge -

benden Abstandsflächen werden auf einfachere und mathema -

tisch einwandfreie Weise berücksichtigt, indem die jeweiligen

Abstandsflächentiefen z. B. der Firstlinien berechnet werden.

Diese liegen dann bei flach geneigten Dächern innerhalb der Ab -

standsflächen der Gebäudewände, bei stark ge neigten Dä chern

oder Dachaufbauten fallen sie darüber hinaus.

Ansätze dazu sind in der Musterbauordnung schon gegeben.

Dachaufbauten sind bereits gedanklich wie ein selbstständiges

Gebäude zu betrachten. So jedenfalls formuliert es die Begrün -

dung zur Änderung des § 6 Abs. 6 Nr. 3 MBO. Die getrennt ermittelten

Abstandsflächen werden dann übereinanderproji ziert.

Warum gilt dies nicht für das gesamte Dach inklusive aller Aufbauten?

BAULASTEN UND

BAULASTENVERZEICHNIS

Ein weiterer Bereich von besonderer Praxisrelevanz, in dem es

mit der Aktualisierung keine Änderungen gab, sind die eingangs

schon erwähnten Regelungen der Baulasten und des Baulastenverzeichnisses

in § 83 MBO. Dabei bestehen gerade hier in

der ganz überwiegenden Zahl der Bundesländer in einem Punkt

wesentliche und zudem ganz ähnliche Abweichungen vom

Mus tertext. Man vermisst insofern eine integrierende Musterregelung.

Unterschriftsbeglaubigung

§ 83 Abs. 2 MBO sieht vor, dass die Unterschrift für die Erklä rung

zur Eintragung von Baulasten ausschließlich öffentlich beglau -

bigt werden muss, wenn sie nicht vor der Bauaufsichtsbehörde

geleistet oder vor ihr anerkannt wird. Hingegen haben sich die

entsprechenden Ländervorschriften an dieser Stelle seit Langem

davon wegentwickelt. In den meisten Bundesländern ist eine

Formulierung üblich, dass die Unterschrift öffentlich oder von

einer Vermessungsstelle nach dem jeweiligen Vermessungs -

gesetz beglaubigt sein muss (z. B. § 82 Abs. 2 BauO Bln, § 81

10

4


RECHT

Abs. 2 NBauO, § 75 Abs. 2 HBO, § 83 Abs. 2 LBO Saarland usw.).

Die Musterbauordnung sollte sich dieser Entwicklung nicht

länger verschließen und die Formulierung entspre chend anpas -

sen. Gerade der Umstand, dass die Eintragung von Baulasten

wegen der besonderen Anforderungen des § 7 MBO häufig in

Verbindung mit der Teilung von Grundstücken erfolgt, lässt es

geboten erscheinen, die ohnehin mit der die Teilung vorbe rei -

tenden Liegenschaftsvermessung befassten ÖbVI in den Kreis

derjenigen aufzunehmen, die zur Beglaubigung der Unterschriften

gemäß § 83 Abs. 2 MBO befugt sind.

Führung des Baulastenverzeichnisses

Nicht mehr ganz zeitgemäß erscheint die auf das Allernötigste

beschränkte Aussage in § 83 Abs. 4 Satz 1 MBO, dass das Bau -

lastenverzeichnis von der Bauaufsichtsbehörde geführt wird.

Soweit die Musterbauordnung lediglich darauf abstellt, wer die

Baulastenverzeichnisse führt, ist die Regelung zur Einrichtung

und Führung des Baulastenverzeichnisses höchst aktualisie -

rungs bedürftig. In Anlehnung an die bei anderen öffent lichen

Registern mittlerweile üblichen Formulierungen sollte man eine

Festlegung erwarten, dass das Baulastenverzeichnis elektro nisch

geführt und der Öffentlichkeit mit den aktuellen Daten elektronisch

zugänglich gemacht wird. Mit einer solchen Re gelung

könnte garantiert werden, dass Online-Auskünfte aus dem

Baulastenverzeichnis ermöglicht werden. Voraussetzung ist da -

bei die Verpflichtung zur elektronischen Führung. Noch immer

gibt es Bundesländer, in denen die nachrangigen Ausfüh rungs -

vorschriften eine analoge Führung gestatten, indem sie z. B.

festlegen: »Das Baulastenverzeichnis wird in Loseblatt form im

Format DIN A 4 geführt.« In Zeiten von ALKIS® und elektroni -

schem Grundbuch kann dies kein Maßstab mehr sein. Viel fach

sehen die landesrechtlichen Bestimmungen zur Geo daten in -

frastruktur vor, die Geofachdaten der öffentlichen Stel len auf

der Grundlage der Geobasisdaten zu erfassen und zu führen.

Könnte man da nicht auf den Gedanken kommen, die Führung

der Baulasten in ALKIS® zu integrieren?

Einsichtnahme in das Baulastenverzeichnis

Zur Einsicht in das Baulastenverzeichnis sieht § 83 Abs. 5 MBO

vor, dass dafür stets ein berechtigtes Interesse dargelegt werden

muss. Die Musterregelung geht damit deutlich darüber hi naus,

was für spezielle Berufsgruppen für die Einsichtnahme ins Grund -

buch gilt. Gemäß § 43 Abs. 2 Satz 1 der Verordnung zur Durchführung

der Grundbuchordnung (GBV) müssen Notare und

ÖbVI kein berechtigtes Interesse im Einzelnen darlegen. In Sachsen-Anhalt

wurde bereits auf Vorschlag der Notarkammer und

unterstützt von der BDVI-Landesgruppe ein an § 43 GBV orien -

tierter Passus in die Bauordnung aufgenommen, dass u. a. Notare

und ÖbVI befugt sind, das Baulastenverzeichnis einzu sehen

und eine Abschrift zu verlangen, ohne dass es der Darlegung

eines berechtigten Interesses bedarf. Die zugehörige Begründung

im Gesetzentwurf vom 13. Februar 2013 sollte Anlass ge -

nug sein, die Musterbauordnung in gleicher Weise zu ergänzen:

»Dies soll den genannten Personengruppen eine verfahrensmäßige

Erleichterung bei der Einsichtnahme ermöglichen, sodass

diese die Bauherren über eventuelle auf dem Baugrundstück

befindliche Baulasten frühzeitig informieren und dem -

entsprechend beraten können.«

FAZIT

Die oft zitierte Mustertreue kann bei der Umsetzung der Mus -

terbauordnung in Landesrecht kein Selbstzweck sein. Es bedarf

jeweils im Einzelfall der inhaltlichen Prüfung, ob eine Anpassung

erforderlich ist oder davon abgesehen werden sollte. Für

den ÖbVI steht dabei fest: Die fachlich fundierte Beratung der

Bauherren und Entwurfsverfasser wird für die zügige Geneh -

migung eines Bauantrages angesichts zunehmender Sonderfälle

und Ausnahmen im Rahmen der »Flexibilisierung des Abstandsflächenrechts«

noch wichtiger als bisher.

Henning Jäde,

Johanna Hornfeck (Hgg.):

Musterbauordnung

(MBO 2012) – Textsynopse der

Fassungen Dezember 2002

und September 2012 mit

Begründung. 2. Auflage,

München 2013.

ISBN 978-3-406-65115-1.

MBO-Textfassung

und Begründung:

www.bauministerkonferenz.de -> Mustervorschriften /

Mustererlasse -> Bauaufsicht / Bautechnik

Veit Schmelzle: Abstände und Abstandsflächen im Spannungsfeld

von Bauordnungsrecht und Bauplanungsrecht.

München 2009. ISBN 978-3-8316-0887-4.

Dipl.-Ing. Frank Reichert

Geschäftsstellenleiter der

BDVI-Landesgruppe Brandenburg

reichert@bdvi.de

11

4


RECHT

Bekanntgabe/Zustellung

Aus dem Leben

eines Kostenbescheids

LISA KEDDO-KILIAN | KÖLN

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4


RECHT

I.EINLEITUNG

Der folgende Beitrag erörtert die Bekanntgabe und Zustellung von Verwaltungsakten am

Beispiel des Kostenbescheids eines Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs und gibt

Praxistipps für die tägliche Anwendung. Die mit dem Kosten bescheid verbundenen Frage -

stellungen

Bekanntgabe an Personenmehrheiten, Bevollmächtigte etc.

Nachweis der Bekanntgabe sichergestellt? Zugangsvereitelung? Bestreiten des Zugangs?

Welche rechtlichen Folgen hat eine fehlerhafte Bekanntgabe? Heilung möglich?

Wann ist eine Bekanntgabe durch Zustellung erforderlich?

bereiten dem Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur im Bereich des Verwaltungsverfahrens

der Liegenschaftsvermessungen mitunter Schwierigkeiten. Als Ausgangspunkt für

die Darstellung dient § 41 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG).

II. BEKANNTGABE EINES

KOSTENBESCHEIDS

1 | Was ist unter dem Begriff

»Bekanntgabe« zu verstehen

und welche Funktion hat sie?

Die Übermittlung eines Verwaltungsaktes an die von diesem be -

troffene Person bzw. Personen mit Wissen und Willen der Behör -

de wird als »Bekanntgabe eines Verwaltungsaktes« be zeich net.

Die Bekanntgabe ist grundsätzlich formlos möglich, d. h., sie

kann auch mündlich oder per Fax erfolgen, soweit das Gesetz

keine besondere Form bestimmt, vgl. § 37 Abs. 2 VwVfG. Bei

Kostenbescheiden als schriftlichen Verwaltungsakten erfolgt die

Bekanntgabe regelmäßig per Post. Es gibt allerdings auch Verwaltungsakte,

die immer in schriftlicher Form bekannt ge ge ben

werden müssen. Dies ist beispielsweise bei der Zustellung von

Widerspruchsbescheiden der Fall, die den Vorschriften des Zu -

stellungsgesetzes unterliegen, vgl. § 73 Abs. 3 Verwaltungs -

gerichts ordnung (VwGO). Die förmliche Zustellung ist eine be -

sonders formalisierte Form der Bekanntgabe.

Die Bekanntgabe des Kostenbescheids als Verwaltungsakt erfolgt

nach § 41 Abs. 1 VwVfG des Bundes und den entsprechenden

Landesv or schrif ten. Diese Vorschriften bestimmen die for -

mel len Voraussetzungen für die Wirksamkeit eines Verwaltungs -

aktes und regeln, an wen (§ 41 Abs. 1) und in welcher Form

(§ 41 Abs. 2 bis 4) ein Verwaltungs akt bekannt zu geben ist.

Die Bekanntgabe ist grund sätzlich mit dem Zugang in den Macht -

bereich des Emp fän gers vollzogen. Eine tatsächliche Kenntnisnahme

ist nicht erforderlich, aus reichend für die Bekanntgabe

ist die Mög lichkeit der Kenntnisnahme (§ 130 BGB) durch den

Empfänger, z. B. durch Einwurf in seinen Briefkasten.

Erst durch die Bekanntgabe ist der Kostenbescheid als Verwaltungsakt

formell existent. Er verlässt den verwaltungsinternen

Bereich und ist »in der Welt«. Das heißt, erst ab diesem Zeitpunkt

ent faltet er seine Regelungswirkung, erst jetzt muss er beachtet

und befolgt werden. Bis zur Wirkung der Bekanntgabe kann der

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur den Verwal tungs -

akt noch jederzeit ändern. Mit der Bekanntgabe kann der Verwaltungsakt

Gegenstand von Rechtsbehelfen (Widerspruch bzw.

Klage) sein und der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur

13

4


RECHT

Insbesondere wenn der Kostenbescheid gegenüber Ehegatten

erlassen werden soll, werden vielfach in einem Bescheid mehrere

an verschiedene Personen gerichtete Verwaltungsakte zusammengefasst

(sogenannte zusammenfassende Bescheide) und der

Personenmehrheit nur eine Ausfertigung des Kosten be scheids

übermittelt. Während bei der förmlichen Zustellung das Erfor -

dernis einzelner Ausfertigung besteht, ist dies bei der einfachen

Bekanntgabe umstritten. In der Rechtsprechung wird überwie -

gend die Ansicht vertreten, dass die Übermittlung ei ner einzigen

Ausfertigung ausreiche, wenn alle Mitglieder einer Personenmehrheit

die Möglichkeit erhalten, von dem Verwaltungsakt

Kenntnis zu nehmen. Dies soll bei der Begründung von Mitbekann

den Verwaltungsakt nur noch nach der Maßgabe der

§§ 48, 49 oder 51 VwVfG aufheben.

Die Bekanntgabe eines Kostenbescheids als Verwaltungsakt ist

wesentlich für:

die Fälligkeit des Kostenanspruchs (vgl. Gebührengesetze der

Länder)

die Wahrung bzw. den Beginn der Verjährungsfrist

den Lauf von Rechtsbehelfsfristen

2 | Bekanntgabe schriftlicher

Verwaltungsakte/Kostenbescheide

Bei der Bekanntgabe schriftlicher Verwaltungsakte ergeben sich

häufig Probleme, wenn es um die Bekanntgabe an Personenmehr -

heiten als »Empfänger« geht (siehe a.) oder wenn ein Öffentlich

bestellter Vermessungsingenieur in einer Berufs ver bindung mit

einem Kollegen tätig wird und aus dem Bescheid nicht auf den

ersten Blick erkennbar ist, wer eigentlich die erlassende Behörde

ist (siehe b.).

a | Personenmehrheiten

(Eheleute/Erbengemeinschaft/

mehrere Grundstückseigentümer etc.)

Betrifft ein Verwaltungsakt mehrere Personen, so ist der Be scheid

jedem Einzelnen gesondert bekannt zu geben (§ 44 Abs. 1 VwVfG).

Bei den einzelnen Betroffenen wird der Verwaltungs akt erst mit

der jeweiligen Bekanntgabe wirksam, auch wenn dies zu unter -

schiedlichen Zeitpunkten führen sollte (§ 43 Abs. 1 VwVfG).

Stellt der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur den Verwaltungsakt

z. B. nur an eine Person zu, obwohl es sich um eine

Personenmehrheit handelt (z. B. Grundstückseigentümer, Ehe -

leute oder Mitglieder einer Erbengemeinschaft), so ist ein sol cher

Bescheid im Verhältnis zu den nicht genannten Drittbetroffenen

unwirksam, gegebenenfalls sogar nichtig. Durch einen ent -

sprechend fehlerhaft bekannt gemachten Verwaltungsakt beginnt

die Rechtsbehelfsfrist nicht zu laufen.

Anders ist dies zu beurteilen, wenn die Personengemeinschaft

einen Zustellungsbevollmächtigten bestellt hat. Der Bevoll -

mäch tigte ist empfangsberechtigt, in dem Bescheid sollte dann

der Zusatz »Gemeinschaft …, vertreten durch …« vermerkt sein.

Es empfiehlt sich zudem, alle durch den Verwaltungsakt Betroffenen

noch einmal gesondert aufzulisten. Denn nur hierdurch

wird klar, an wen sich der Verwaltungsakt richtet, vgl.

§ 37 VwVfG (Bestimmtheitsgebot).

Lässt sich der Adressat des Verwaltungsakts durch einen Be -

vollmächtigten vertreten, so ergibt sich aus § 41 Abs. 1 Satz 2

VwVfG, dass die Bekanntgabe gegenüber dem Bevoll mäch tigten

vorgenommen werden kann. Der Begriff »kann« weist darauf

hin, dass es im Auswahlermessen der Behörde (§ 40 VwVfG) stehen

soll, ob sie den Kostenbescheid gegenüber dem Beteiligten

selbst bekannt gibt oder gegenüber seinem Bevoll mächtigten.

Dies steht in einem Spannungsverhältnis zu § 14 Abs. 3 Satz 1

VwVfG. Danach »soll« sich die Behörde, sofern für das Verfahren

ein Bevollmächtigter bestellt worden ist, an die sen wenden. Das

heißt, dass sich die Behörde für den Austausch mit dem Be tei -

ligten während des Verfahrens an den Bevoll mächtigten wenden

»muss«, falls keine sachlichen Gründe vorliegen, sich ausnahmsweise

an den Beteiligten selbst zu wenden, während eine

solche Pflicht nicht besteht, wenn es um die Bekanntgabe des

das Verfahren abschließenden Verwaltungs aktes geht. Der Sinn

dieser unterschiedlichen Vorschriften wird darin gesehen, dass

die Behörde bei Zweifeln daran, ob eine wirksame Bestellung

des Bevollmächtigten vorliegt, das Verwaltungsverfahren gleich -

wohl wirksam beenden kann, indem sie die Bekanntgabe des

Verwaltungsaktes gegenüber dem Beteiligten vornimmt.

Für den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur heißt das:

Sofern Zweifel an der ordnungsgemäßen Bestellung besteht,

kann der Kostenbescheid auch dem Betroffenen bekannt ge -

geben werden. Bei der Ausübung des Auswahlermessens dürfte

allerdings maßgeblich sein, ob der Beteiligte aufgrund der Tatsache,

dass sich der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur

während des Liegenschaftsverfahrens immer an den Bevoll mäch -

tigten gewandt hat, damit rechnet, dass auch die Bekannt gabe

des Kostenbescheids gegenüber dem Bevoll mäch tigen vorge -

nommen wird. Maßgeblich ist auch, ob der Beteiligte – etwa

in einer schriftlichen Vollmacht – klar zum Ausdruck gebracht

hat, dass er die Bekanntgabe gegenüber dem Bevoll mächtigten

wünscht. Für die förmliche Zustellung gilt: Sofern für das Verfahren

ein Bevollmächtigter bestellt ist, so ist der Verwaltungs -

akt nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Verwaltungszustellungsgesetz (VwZG)

bzw. nach den entsprechenden landesrechtlichen Vorschriften

allein diesem zuzustellen, wenn eine entspre chen de schriftliche

Vollmacht vorliegt. Eine Zustellung allein an den Betroffenen

ist in diesem Fall nicht wirksam.

14

4


RECHT

sitz (§ 866 BGB, Beispiel: die Eheleute besitzen gemeinschaft -

lich die Ehewohnung) der Fall sein. Bei Eheleuten ist dies unpro -

blematisch, insbesondere, wenn sie sich gegenseitig bevoll mäch -

tigt haben oder wenn der Ehegatte bereits in der Vergangenheit

mit Vollmacht für den Vertretenen aufgetreten ist oder

der Vertretene das vollmachtlose Handeln der Person in nach

außen erkennbarer Weise gebilligt hat (sogenannte Anscheins -

vollmacht). Eine konkludente Bevollmächtigung oder eine Anscheinsvollmacht

soll allerdings im Zweifel nicht be reits in der

Tatsache einer gemeinsamen Antragstellung gesehen werden.

Liegen weder eine konkludente Bevollmächtigung noch eine

Anscheinsvollmacht vor, ist nicht sicher, wer aus der Personen -

mehrheit den Verwaltungsakt letztlich erhalten hat, so ist die

Bekanntgabe des Kostenbescheids gegenüber keinem der Be -

teiligten wirksam. Zur Heilung muss eine neue Bekanntgabe

erfolgen, soweit sich die Betroffenen nicht auf den Verwaltungs -

akt »rügelos einlassen« (siehe hierzu IV.).

Unter diesem Gesichtspunkt könnte es sich empfehlen – auch

wenn sich das Oberverwaltungsgericht (OVG) NRW (Urteil vom

26. November 2004 – 10 A 1898/03) in Vermessungssachen bei

einem Bescheid an Eheleute noch unempfindlich gezeigt hat –,

vorsorglich einen isolierten Be scheid an beide Eheleute zu rich -

ten. Bei einem Kosten be scheid sollte sich dann aber aus den

beiden Bescheiden ergeben, dass der jeweilige Ehegatte als Ge -

samtschuldner neben dem anderen Ehegatten in Anspruch ge -

nommen wird.

b | Erkennbarkeit der erlassenden Behörde

Gemäß § 44 Abs. 2 Nr. 1 VwVfG ist ein Verwaltungsakt nichtig,

der die erlassende Behörde nicht erkennen lässt. Der Verwaltungsakt

muss die ausstellende Behörde grundsätzlich mit ihrer

amtlichen Bezeichnung angeben, damit klar ist, welche Behörde

handelt. Die Behörde ist unzureichend benannt, wenn zwei

unterschiedliche Behörden als erlassende Behörden aus dem

Schrift stück hervorgehen, weil die im Briefkopf angegebene Behörde

beispielsweise von der abweicht, die sich aus der Unterschrift

ergibt. Es reicht nicht aus, dass aus den Gesamtumstän -

den auf die erlassende Behörde geschlossen werden kann.

Das OVG NRW hat sich erstmals in einem Urteil vom 21. Dezember

1990 – 9 A 1884/88 – mit der Frage auseinandergesetzt, wie

ein unter dem Briefkopf einer GbR – bestehend aus zwei Öffent -

lich bestellten Vermessungsingenieuren – erlassener Verwaltungsakt

zu werten ist. In der Entscheidung heißt es:

»Beim Erlass des Bescheides vom 19. August 1986

sind beide Beklagten als den Bescheid erlassende Stelle

und Kos ten gläubiger aufgetreten, und zwar in ihrer

Verbindung als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (BGB-

Gesellschaft). Das folgt aus dem Inhalt des Bescheides

vom 6. September 1985/19. August 1986 und dem

Anschreiben vom 19. August 1986, die beide dem Kläger

unter dem Briefkopf ›Vermessungsbüro H…. Hans H….

Dr. Dieter H…. Öffentlich bestellte Vermessungs -

ingenieure‹ erteilt worden sind. Durch diese Firmierung

wurde zum Ausdruck gebracht, dass die Beklagten

(Anmerkung der Verfasserin: die Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure) die Forderung als einen ihnen

in ihrer Verbindung zum gemeinsamen Betrieb eines

Vermessungsbüros, d. h. als eine auf die Er rei chung

eines gemeinsamen Ziels gerichteten BGB-Ge sell schaft

gesamthänderisch zustehenden Kosten an spruch

geltend machen wollten. Für ein anderes Verständnis

geben die genannten Schriftstücke nichts her. (…)

Die Tatsache, dass sowohl der Bescheid als auch das

Anschreiben vom 19.08.1986 ausschließlich vom

Beklagten zu 2 unterzeichnet sind, rechtfertigt

nicht die Annahme, dass nur er als Kostengläubiger

und den Kostenbescheid erlassende Stelle aufgetreten

wäre. Unter Berücksichtigung der Umstände, die für

sein Handeln namens des ›Vermessungsbüros‹ sprechen,

stellt sich seine Tätigkeit ausschließlich als ein Akt der

Geschäftsführung für die BGB-Gesellschaft dar (…).«

Die in einer Berufsverbindung tätigen Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure müssen im hoheitlichen Bereich der

Lie genschaftsvermessungen ihre Verantwortungsbereiche klar

von einander trennen. Nur so können sie verhindern, dass sich

der Adressat auf die Nichtigkeit des Kostenbescheids nach § 44

Abs. 2 Nr. 1 VwVfG beruft; eine Heilung dieses Fehlers ist nicht

möglich. Das heißt, entweder es wird ein Briefkopf verwendet,

auf dem allein die Erlassbehörde ersichtlich wird, oder sie verwenden

den Briefkopf der Berufsausübungsgesellschaft (GbR),

achten jedoch darauf, dass der jeweilige Öffentlich bestellte

Vermessungsingenieur (allein) als Erlassbehörde in Erscheinung

tritt (Beispiel: Bescheid des Öffentlich bestellten Vermessungs -

ingenieurs X und Rechtsbehelfsbelehrung: »… einzulegen bei

dem Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur X«). Es muss

sich unmissverständlich aus dem Bescheid ergeben, welcher Öffentlich

bestellte Vermessungsingenieur der Sachbearbeiter ist.

3 | Wann gilt ein Kostenbescheid als

bekannt gegeben?

Bei der schriftlichen Übersendung eines Kostenbescheids per

Post gilt die in § 41 Abs. 2 VwVfG geregelte 3-Tages-Frist. Da -

nach gilt ein schriftlicher Verwaltungsakt bei der Übermitt lung

durch die Post im Inland am dritten Tag nach der Aufgabe zur

Post als bekannt gegeben (Beispiel: Aufgabe des Verwaltungs -

aktes zur Post am 1. Januar 2014. Der Verwaltungsakt gilt am

4. Januar 2014 als zugegangen).

15

4


RECHT

Die 3-Tages-Frist findet keine Anwendung, wenn der Verwaltungsakt

nicht oder tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt

zugeht; im Zweifel hat der Öffentlich bestellte Vermessungs -

ingenieur als Erlassbehörde den Zugang des Verwaltungsaktes

und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen, § 41 Abs. 2

Satz 2 a. E. VwVfG.

a | Zugangsvereitelung?

Beispiel: A erwartet bereits länger einen Kostenbescheid. Als

er schließlich ein formell aussehendes Schreiben des Öffentlich

bestellten Vermessungsingenieurs in seinem Briefkasten fin det,

beschließt er, es nach der bekannten »Vogel-Strauß-Taktik« einfach

zu ignorieren und nicht zu öffnen.

Der Zugang des Kostenbescheides und damit seine Bekanntgabe

ist trotz des Verhaltens des A zu bejahen, weil das Schriftstück

in den Machtbereich des A gelangt ist und mit seiner Kennt -

nisnahme unter normalen Umständen und bei gewöhnlichem

Verlauf der Dinge auch gerechnet werden durfte. Es ist nicht

ausreichend, den unterbliebenen oder verspäteten Zugang zu

behaupten; erforderlich ist vielmehr der »substantiierte Vortrag

eines atypischen Geschehensablaufs«. Nur dies kann die Fiktion

widerlegen. Dies gilt allerdings nicht, wenn der Öffent lich be -

stellte Vermessungsingenieur keinen Vermerk über die Aufgabe

des Kostenbescheids gefertigt hat (sogenannter »Ab-Vermerk«);

dann hat der Öffentlich bestellte Vermessungs inge nieur, soweit

A als Empfänger den Zugang bestreitet, selbst den Zugang des

Bescheides oder den Zeitpunkt des Zugangs zu beweisen.

Ist keine der beiden Alternativen gegeben, kann der Adressat mit

dem einfachen Bestreiten des Zugangs die Vermutung des § 41

Abs. 2 VwVfG regelmäßig zerstören. In solchen Fällen kann durch

die Umstände dennoch ein Zugang des Bescheides bewiesen

sein – z. B.: A erhält unstreitig Mahnungen zum Kosten bescheid

und bestreitet zunächst nicht (sondern erst später im Rechts -

streit) den Zugang des Bescheides, wendet sich aber mit keiner -

lei Fragen und Einwendungen zu dem Bescheid an den Öffent -

lich bestellten Vermessungsingenieur (OVG NRW, Urteil vom

7. März 1994 – 22 A 1063/91, siehe auch OVG Berlin-Branden -

burg, Beschluss vom 26. September 2013 – OVG 10 M 2.12).

Abwandlung des o. a. Beispiels: Behauptet A einen spä teren

Zugangszeitpunkt als innerhalb der gesetzlich vermuteten drei

Tage, muss er erschöpfende Auskunft über den tatsäch lichen

Ge schehensablauf geben, z. B. durch Vorlage eines Brief um schla -

ges mit dem Poststempel, selbst gefertigte Ein gangs ver merke,

Benennung von Zeugen, das Angebot eigener Ver neh mung (OVG

Niedersachsen, Beschluss vom 15. März 2007 – 5 LA 136/06; OVG

NRW, Urteil vom

28. März

1995, 15 A

3217/94).

b | Bedeutung des »Ab-Vermerks«

in den Akten

Der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur hat dann den

vollen Nachweis des Zugangs des Kostenbescheids zu führen

(so OVG NRW, Beschluss vom 7. März 2001 – 19 A 4216/99).

Für den »Ab-Vermerk« in den Akten genügt je der in den Akten

befindliche Hinweis, der Aufschluss über den Tag der Aufgabe

des Briefes zur Post gibt. Es ist unerheblich, ob der Vermerk

nachträglich angebracht wurde und wer die Akte durch einen

solchen nachträglich aufgenommenen Vermerk vervollständigt

hat. Der Nachweis der Aufgabe zur Post »in anderer Weise« kann

z. B. durch die eidesstattliche Versicherung des betreffenden

Sachbearbeiters erfolgen, dass er den Bescheid an einem be -

stimmten Tag tatsächlich zur Post gegeben hat oder durch eine

Zeugenaussage dieses Mitarbeiters dazu bzw. einer Eintragung

im Postausgangsbuch.

Ist der Nachweis der Aufgabe des Verwaltungsaktes zur Post ge -

führt, greift dennoch die Zugangsvermutung des § 41 Abs. 2

VwVfG nicht ein, wenn der Adressat substantiiert Tatsachen darlegt,

die Zweifel am Zugang des Bescheides innerhalb von drei

Tagen wecken und diese Angaben nicht unglaubhaft sind. Ob

diese Voraussetzungen gegeben sind, ist Frage des Einzelfalls.

Zu verlangen ist die substantiierte Darlegung des Adressaten,

welche konkreten Vorkehrungen er getroffen hat, um einen zuverlässigen

Eingang der an ihn gerichteten Post und eine hinreichende

Kontrolle der eingehenden Post zu gewährleisten

(OVG NRW, Beschluss vom 7. März 2001 – 19 A 4216/99; OVG

Thüringen, Beschluss vom 7. Februar 2002 – 4 ZKO 1252/97: dem

Gericht reichte aus, dass der Adressat ein konkretes anderes Zugangsdatum

benannt und erläutert hat, aufgrund welcher kon -

kreten Umstände ihm der spätere Zugang des Schreibens er -

innerlich sei).

Zur Entkräftung der Zugangsvermutung des § 41 Abs. 2 VwVfG

reicht (wenn ein »Ab-Vermerk« existiert oder der Tag der Aufgabe

zur Post anderweitig geführt ist) nicht das einfache Bestreiten,

den Brief nicht erhalten zu haben (so die herrschende

Meinung in der Rechtsprechung – anderer Ansicht: OVG NRW,

Urteil vom 7. März 1994, 22 A 1063/91).

III. BEKANNTGABE DURCH

FÖRMLICHE ZUSTELLUNG

1 | Zustellung eines

Widerspruchsbescheides

Die Zustellung nach dem Landeszustellungsgesetz ist eine be -

sonders formalisierte Form der Bekanntgabe. Sie ist nur dann

notwendig, wenn das gesetzlich vorgeschrieben ist (z. B. nach

§ 73 Abs. 3 VwGO für Widerspruchsbescheide). Die förmliche


RECHT

Zustellung kann durch die Behörde aber auch ohne Bestehen

einer besonderen Verpflichtung nach ihrem Ermessen erfolgen

(maßgeblich dann, wenn der Aufenthalt des Adressaten nicht

ermittelt werden kann).

2 | Welche Zustellungsformen gibt es?

Die Zustellung des Verwaltungsaktes durch Öffentlich bestellte

Vermessungsingenieure regelt sich nach den Landes verwal -

tungs zustellungsgesetzen. Diese sind in der Regel identisch mit

dem Bundesverwaltungszustellungsgesetz oder verweisen auf

dieses. Die Zustellung von Widerspruchsbescheiden – in den

Ländern, in denen ein Widerspruchsverfahren noch vorgesehen

ist – erfolgt aufgrund der bundesrechtlichen Rege lung der

Zustellungspflicht in § 73 Abs. 3 Satz 1 VwGO nur nach den

Regelungen des Bundes.

Die Zustellung erfolgt

durch die Post (bzw. jeden Erbringer von Postdienstleistungen)

mit Zustellungsurkunde (trifft der Zusteller den Adressaten

nicht an: Ersatzzustellung gemäß den §§ 177 ff. ZPO)

durch die Post mit Einschreiben (Übergabe-Einschreiben oder

Einschreiben-Rückschein – also nicht Einwurf-Einschreiben)

durch die Behörde (= Öffentlich bestellter Vermessungs -

ingenieur) selbst gegen Empfangsbekenntnis

öffentliche Zustellung

nimmt, die ihm der Kostenbescheid aufgibt, oder wenn er die

gegen den Kostenbescheid vorgesehenen Rechtsbehelfe einlegt,

ohne die fehlerhafte Bekanntgabe zu rügen. Teilweise wird hierin

eine Heilung gesehen (vgl. OVG Münster, Beschluss vom 26. Oktober

1994 – 22 B 997/94). Die herrschende Meinung vertritt die

Ansicht, dass es sich hier um eine Verwirkung des Rechts auf ord -

nungsgemäße Bekanntgabe handelt, der Betroffene daher das

Recht verliert, die fehlerhafte Bekanntgabe zu rügen, sodass der

Verwaltungsakt als von Anfang an wirksam bekannt gegeben gilt.

Zustellungs- und Bekanntgabefehler sind differenziert zu betrachten:

Die Heilung von Zuständigkeitsmängeln erfolgt nach

§ 8 VwZG. Ein Schriftstück gilt danach in dem Zeitpunkt als zu -

gestellt, in dem es der Empfänger tatsächlich erhalten hat, er

es also in die Hand bekommen hat. Geheilt werden insoweit die

Fehler bei der Übergabe, nicht aber die gänzliche Unwirksamkeit

der Zustellung. Erforderlich ist der Nachweis des tatsächlichen

Erhalts des Schriftstücks. Fehlt es an einer Heilung, so führt die

insoweit fehlerhafte Bekanntgabe zwar nicht zur Unwirksam -

keit des Verwaltungsaktes; Rechtsbehelfsfristen gegen den Verwaltungsakt

werden aber nicht in Gang gesetzt. Eine fehlerhafte

Zustellung ist – ungeachtet der Regelung in § 8 VwZG –

unbeachtlich, wenn der Adressat bzw. der Betroffene die ihm

durch den Verwaltungsakt aufgegebenen Handlungen rügelos

vorgenommen hat, er entsprechende Rechtsbehelfe gegen den

Verwaltungsakt eingelegt hat und sich aus der fehlerhaften

Zustellung keine weiteren Nachteile ergeben.

IV. RECHTSFOLGEN

FEHLERHAFTER BEKANNTGABEN –

HEILUNGSMÖGLICHKEIT?

Gelangt der Kostenbescheid nicht so in den Machtbereich des

Empfängers, dass er die Möglichkeit hat, von ihm Kenntnis zu

nehmen, so ist eine Bekanntgabe nicht erfolgt. Der Kosten be -

scheid ist gegenüber diesem Betroffenen unwirksam. Er entfal -

tet keinerlei Wirkung und stellt ein bloßes Verwaltungsinter -

num dar. Hat der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur den

Kostenbescheid hingegen fehlerhaft bekannt gegeben, so kann

die fehlerhafte Bekanntgabe durch Nachholung der Be kannt -

gabe in ordnungsgemäßer Form geheilt werden, aller dings nicht

rückwirkend. Die erneute Bekanntgabe ist der erstmalige Erlass

des zunächst nicht bekannt gegebenen Verwaltungsaktes. Da -

von zu unterscheiden ist der Fall, dass ein Verwaltungsakt doppelt

bekannt gegeben wird. Ist die erste Bekanntgabe wirksam

erfolgt, so ist eine zweite Bekanntgabe ohne rechtliche Re le vanz

und setzt insbesondere auch keine Rechtsbehelfsfristen in Gang.

Der Betroffene soll sein Recht, die fehlerhafte Bekanntgabe zu

rügen, verlieren, wenn er – ohne hinsichtlich der fehlerhaften

Bekanntgabe einen Vorbehalt zu machen – die Handlung vor -

V. ZUSAMMENFASSUNG

Die Bekanntgabe eines Kostenbescheides ist mit Fallstricken verbunden.

Dies wird durch zahlreiche Gerichtsentscheidungen –

siehe zuletzt OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 26. September

2013, OVG 10 M 2.12 – belegt. Die in diesem Beitrag

dar gestellten Problemkreise rund um die Bekanntgabe von Kos -

ten bescheiden bzw. Zustellungen von Widerspruchsbe scheiden

stel len »beliebte« Angriffspunkte dar, den Kosten bescheid nicht

allein unter materiell-rechtlichen Gesichtspunkten (z. B. Be -

rechnung der Gebührenhöhe) anzugreifen, sondern bereits mit

formell-rechtlichen Gesichtspunkten zu Fall zu bringen (z. B.

Be stimmtheitserfordernis hinsichtlich des Adressatenkreises

bei Personenmehrheiten, erlassende Behörde nicht erkennbar

usw.).

Dr. Lisa Keddo-Kilian, LL.M.

BDVI-Justiziarin

l.keddo-kilian@esser-holthausen.de

17

4


VERBAND

»Müde macht uns die Arbeit, die wir liegen lassen,

nicht die, die wir tun«

Ein Interview mit dem

Vorstand der BDVI-Landesgruppe

Sachsen-Anhalt

EIN FORUM-INTERVIEW VON MARTIN ULLNER | FORUM-REDAKTION

Da die Wahrnehmung der Landesgruppen im BDVI sehr unterschiedlich ist, sah sich das

FORUM animiert, Licht auf Köpfe und Inhalte zu lenken, die sonst im Hintergrund bleiben

würden. Am 28. Oktober 2013 standen die Vorstandsmitglieder aus Sachsen-Anhalt in Magdeburg

Rede und Antwort zum alltäglichen Geschäft. Von Müdigkeit ist nichts zu spüren.

FORUM | Seit 16. November 2012 sind Sie der

neue dreiköpfige Vorstand der Landesgruppe des BDVI

in Sachsen-Anhalt. Wie kam es zur kompletten

Umgestaltung des Vorstands? Was ist in diesem Jahr

bisher schon gelaufen?

DIETWALD HARTMANN | Der alte Vorstand war schon sehr

lange aktiv – auch in einem Dreigestirn seit mehr als zehn Jah -

ren. Wir hätten uns gewünscht, dass wenigstens einer der drei

noch dabeigeblieben wäre. Trotzdem stehen sie uns bei Fragen

immer zur Seite. Wir treffen uns alle sechs Wochen hier in

Magdeburg zur Vorstandssitzung. Die Kollegen aus dem alten

Vorstand sind immer dabei, teilweise sogar alle drei. Wir berat -

schlagen uns immer, was in den nächsten Tagen und Wochen

ansteht und wie man auf bestimmte Vorgänge reagiert.

Wir agieren zwar nach außen nur als Dreier-Vorstand, besitzen

aber ein engeres Gremium, zu dem auch die Regionalgruppen

dazustoßen. Die Tätigkeiten, die wir in dem knappen Jahr bewältigt

haben, waren die ALKIS®-Vorbereitung mit Fortbildungs -

veranstaltungen für Mitarbeiter, die wir für die Kollegen organisiert

haben, Gespräche mit Ministerien, dem Landesamt für

Vermessung und Geoinformation (LVermGeo) zur weiteren Be -

rufspolitik und Gespräche mit Bauaufsichtsbehörden zur Lageplansituation.

Das ergab im Großen und Ganzen erst einmal

genug Training zum Einarbeiten. Wir mussten uns ja alle erst

einmal kennenlernen und unsere Ziele setzen.

Stößt man auf offene Ohren als neuer Vorstand?

Gibt es Interesse für die Anliegen eines Landes -

verbandes mit gut 50 Mitgliedern in Sachsen-Anhalt?

Ist man ein kleines Licht oder haben die Worte

Gewicht?

HARTMANN | Also, es geht. Das Verhältnis speziell zum LVerm -

Geo hat sich im Laufe der letzten acht, neun Jahre echt ge -

bessert. Es war einmal erheblich schlechter. Manchmal habe ich

aber auch das Gefühl, man wird nur der Form halber angehört.

Kürzlich hatten wir bei einer BDVI-Fortbildungsveran stal tung

sehr gute Unterstützung seitens des LVermGeo, indem man uns

Referenten zur Verfügung gestellt hat. Das war ein guter Ansatz,

wie man in Zukunft weiterarbeiten kann. Auch seitens des

Mi nis teriums können wir in Bezug auf den Lageplan zum Bau -

antrag den Willen erkennen, sich der Sache anzunehmen.

18

4


VERBAND

Wie ist denn die Verbandsarbeit organisatorisch

aufgebaut, besonders hinsichtlich der Mitglieder?

Einiges klang ja schon an.

SVEN-UWE PIETSCH | Wir haben zwei Mitgliederversamm lun -

gen im Jahr – eine im Frühjahr und eine im Herbst. Die Regio -

nal verbände treffen sich nach Bedarf untereinander. Alle sechs

Wochen gibt es wie gesagt die Vorstandssitzungen mit den Regionalgruppen,

zu denen auch jedes Mitglied hinzukommen

kann.

INGO FÖRSTER | Der Vorstand sitzt nicht für sich allein. Es ist

eine offene Geschichte. Jeder darf teilnehmen, der etwas bei -

tragen möchte. Das passiert auch regelmäßig. In bestimmten

Be reichen haben bestimmte Personen den tieferen Einblick, be -

sonders eben aus dem alten Vorstand. Auf diese Stützen greifen

wir momentan noch gern zurück.

Wie haben Sie drei sich eigentlich gefunden?

Waren Sie die Vorschläge in der Mitgliederversammlung?

Hat man überhaupt Probleme gehabt, Leute zu finden?

PIETSCH | Herr Hartmann und ich waren die Vorschläge der

Kol legen. Herr Förster hat sich in der Mitgliederversammlung

bereit erklärt, im Vorstand mitzuarbeiten.

FÖRSTER | Es gab erst den Wunsch, dass noch einer der Kolle -

gen aus dem alten Vorstand mitmacht, was dann nicht passiert

ist, sodass ich die Lücke ausgefüllt habe.

Wie kommt man mit den Mitgliedern außerhalb

der Strukturen überhaupt ins Gespräch? Ich kann

mir eher schlechter vorstellen, dass Sie während Ihrer

Arbeit im Büro Telefonate von BDVI-Mitgliedern

annehmen, die Probleme mit der Gebührenordnung

haben und detailliert etwas erklärt haben wollen.

HARTMANN | Doch.

Wirklich? Das stellt bestimmt einen erheblichen

Zeitbedarf dar!?

HARTMANN | Es ist schon ein gewisser Zeitfaktor, der da eine

Rolle spielt, der je nach Tag und Anlass zwischen einem halben

und einem Tag in der Woche liegt.

Gibt es eine Aufteilung in Fachgebiete zwischen Ihnen?

HARTMANN | Nein, was anfällt, wird individuell verteilt. Wir

haben in der Landesgruppe aber noch Arbeitsgruppen, z. B.

für die Kostenordnung Wilfried Borchers, für die Ausbildung

Siegfried Wiese bzw. Jens Müller, sodass man den Vorstand bedarfsgemäß

erweitert.

… und Sie haben jetzt Frank Reichert als Geschäfts -

stellen leiter.

HARTMANN | Der gehört natürlich auch dazu.

Wie kam es zu dieser Besetzung, die immerhin

einen Tag in der Woche nur für Ihre Landesgruppe

zur Verfügung steht?

HARTMANN | Die Entscheidung über die gemeinsame Ge schäfts -

stelle ist unter meinem Vorgänger Claudio Ziegler gefallen. Diese

Personalie war für mich definitiv eine der Bedingungen für die

Arbeit als Vorstand. Für die gesamte Verwaltungsarbeit, den

Schrift verkehr, die Koordinierung, Termine, Buchungen usw.

hät te ich ansonsten jemanden beschäftigen müssen, den ich

nicht habe. Außerdem ist Herr Reichert so weit qualifiziert, auch

eine Vorlage für den Landtag zu erarbeiten, in der man fast

nichts ändern muss. Er ist einfach eine große Hilfe, die ich nicht

missen möchte.

19

4


VERBAND

PIETSCH | Dadurch, dass sich die Themen in den einzelnen Landesgruppen

oft überschneiden, passt das perfekt. Die Erfah rung

mit ALKIS® in Brandenburg beispielsweise kann so schnell für

uns verwendet werden.

FÖRSTER | Es ist auf jeden Fall hilfreich gewesen, als es um die

Bauordnung ging. Da hat Herr Reichert sehr viel Fleiß investiert.

Mit der Stellungnahme des Verbands sind wir im Bauausschuss

auf offene Ohren gestoßen. Dort hat dieser Aufwand letzt end -

lich Früchte getragen.

HARTMANN | Wir haben 110 % (lacht) unserer Forderungen

durch bekommen. Das war mehr, als wir erwartet hatten, und

wiederum ein Vorteil, der z. B. in Brandenburg bei der Positio -

nierung zur neuen Bauordnung genutzt werden könnte. Die

Synergieeffekte dabei sind schon groß. Gerade bei dieser Thematik

waren wir schon sehr verbissen, weil wir es aus unserer

täglichen Erfahrung einfach nicht begrüßen können, wenn nur

noch Gebäudeabstände betrachtet werden sollen und Nachbarschaftsschutz

durch Abstandsflächen zumindest nach der

Bauordnung nicht mehr gewünscht ist.

Empfehlen Sie die Institution des Geschäftsstellen -

leiters auch anderen Landesgruppen? Wie oft ist er

im Lande?

PIETSCH | Zu den Vorstandssitzungen alle sechs Wochen, zu

bestimmten Anlässen und wenn der Vorstand ihn braucht. Bei

den Ausbildungsmessen hat er die Standbetreuung ausgeübt.

Viel läuft über Telefon und E-Mail. Ich kann es jeder Landesgruppe

nur wärmstens empfehlen – zumindest die gemeinsame

Nutzung einer Person für kleinere Landesgruppen, wie wir eine

sind.

Wie sieht die Zusammenarbeit der Landesgruppe

mit dem BDVI im Bund aus? Gibt es gemeinsame

Aktivitäten? Existieren Antrittsbesuche? Lädt man

Michael Zurhorst zur Mitgliederversammlung?

HARTMANN | Ich bin ja vorher schon zu Hauptvorstands sitzun -

gen gefahren, sodass der Kontakt bereits vorhanden war. Der

Präsident kommt jetzt im Herbst zur Mitgliederversammlung

nach Halle und auch die BDVI-Justiziarin wird einen Vortrag

halten. Da ich im März nicht zur Hauptvorstandssitzung kommen

konnte, haben auch die beiden anderen Vorstandskollegen

jeder einen Tag im Hauptvorstand verbracht und sich beim

Bund bekannt gemacht. Die Zusammenarbeit an sich ist aber

noch ausbaufähig.

FÖRSTER | Die Welt ist wirklich klein. Es gibt Kollegen, die man

über drei Ecken schon kannte und nun auch als Entscheidungs -

träger im Verband wiedersah.

Im FORUM diskutieren wir zurzeit, warum der

Bundeskongress von den Mitgliedern so mäßig

angenommen wird. In Hamburg wurde extra breit

das Thema »Neue Geschäftsmodelle« lanciert,

zu dem gestandene ÖbVI in vielen kleinen Beiträgen

berichtet haben, nicht nur über Erfolge, sondern

auch über Risiken. Trotzdem lassen sich nur ca. 10 %

der Mitglieder blicken.

HARTMANN | Das ist beim diesjährigen Kongress für Sachsen-

Anhalt nicht zutreffend. Ich habe allein acht Mitglieder getroffen,

also eine überdurchschnittliche Anzahl. In Schwerin waren

definitiv weniger anwesend.

Bauordnungsrecht, Vermessungsrecht und die

Gebührenordnungen sind nun mal Ländersache.

Will man aber nicht auch mit Kollegen anderer

Bundes länder ins Gespräch kommen, um – nennen

wir es wieder so – Synergieeffekte zu nutzen?

Wie kann man dieses Thema den Mitgliedern unter

die Schuhsohlen nageln?

HARTMANN | Wir werden das bei unserer nächsten Mitglie -

der versammlung erneut ansprechen. Ich werde die in meinen

Augen attraktive Veranstaltung in Hamburg noch einmal hervorheben,

sodass wir vielleicht als gutes Dutzend in Wiesbaden

in Erscheinung treten.

FÖRSTER | Ich war zwar noch nie auf dem Bundeskongress, aber

in Berlin bei der Hauptvorstandssitzung. Dort habe ich be son -

ders in den inoffiziellen Runden gemerkt, dass die Themen viel -

falt so groß ist, dass man die ganze Nacht durch sitzen könn te.

Man findet schneller gemeinsame Themen, als es die Unterschiede

zwischen den Bundesländern vermuten lassen.

Auch die Nachwuchsproblematik macht vor

den Türen Sachsen-Anhalts bestimmt nicht halt.

Welche Aktivitäten gibt es diesbezüglich?

HARTMANN | Wir hatten im Januar in Halle und im September

in Magdeburg Ausbildungsmessen, auf denen wir gemeinsam

mit dem LVermGeo, dem VDV und privaten Ingenieurbüros

aufgetreten sind. Es wirkt schon interessanter, wenn jemand

einen Quadrokopter fliegen lässt, als wenn wir nur mit Spaten,

Grenzstein und Tachymeter am Stand stehen. Die Hochschule

Anhalt-Dessau mit dem dualen Studiengang Vermessung und

Geoinformatik war auch vertreten, sodass wir einen großen

Stand mit einer sehr guten technischen Ausstattung unter dem

Motto »Die Geodäten« hatten. Die Resonanz war gut und ich

habe zwei Praktikumsinteressenten gefunden.

… die Sie vielleicht sonst nicht gefunden hätten?

20

4


VERBAND

HARTMANN | Definitiv. Ich hatte im vorletzten Jahr Radio wer -

bung machen lassen. Daraufhin habe ich eine einzige Bewerbung

erhalten. Wir haben wirklich massive Probleme, Azubis

zu finden.

Stimmt denn wenigstens der Organisationsgrad der

ÖbVI im BDVI?

HARTMANN | Ja, noch haben wir einen guten Organisations -

grad. Leider sind in den letzten eineinhalb Jahren vier Leute

aus getreten, davon drei aus rein finanziellen Gründen.

Widmen Sie sich diesen Kollegen?

HARTMANN | Ja, auf alle Fälle. Wir haben jetzt noch einen aktuellen

Fall, in dem wir mit der 3%-Regel laut Beitragsregelung

argumentieren. Es geht oft schlicht um die Höhe der Mitglieds -

beiträge. Wir haben noch mal versichert, dass bei der gewinn -

abgängigen Sonderregelung die Zahlen nur an den Bund gehen

und keiner aus der Landesgruppe Informationen erhält. Die Unzufriedenheit

mit der Verbandsarbeit spielt eher eine unter -

geordnete Rolle.

FÖRSTER | Auch für mich als kleines Büro wiegen die Beiträge

schwerer. Der Wert aber, der mir daraus erwächst, ist gut inves -

tiert. Und je mehr man selber mitmacht, umso höher sind noch -

mals die Vorteile.

DIETWALD HARTMANN

geb. 1963 in Magdeburg

1979-1981 Ausbildung zum Vermessungsfacharbeiter

1981-1992 Vermessungsfacharbeiter

1987-1992 Fernstudium Geodäsie IGK Dresden

1993-1995 Büroleiter ÖbVI Marschner

1993-1995 Fernstudium HTW Dresden

1995-1996 Laufbahnausbildung gehobener Dienst

1996-2009 Büroleiter ÖbVI Marschner

seit 2009 ÖbVI in Magdeburg

(Büroübernahme ÖbVI Marschner)

Liegt dieses Problem auch an den Bürogrößen hier?

PIETSCH | Möglich. Ein- und Zwei-Mann Büros gibt es einige.

Das Gros ist dann in dem Bereich von etwa fünf Mitarbeitern

angesiedelt, über zehn sind es nur vier Büros, also insgesamt

Bundesschnitt.

In der Berufsordnung ist noch die Bedarfsanalyse

bei der Zulassung der ÖbVI verankert, obwohl sie

nicht mehr angewandt wird.

HARTMANN | Das Verwaltungsgericht Dessau war in einem

Pro zess zur Auffassung gelangt, dass die konkreten Kriterien

der Durchführungsverordnung zur potenziellen Auslastung ei -

nes Bewerbers über die gesetzlichen Vorgaben zum geordneten

amtlichen Vermessungswesen hinausgehen. Daraufhin hatte die

Katasterverwaltung damals den Kollegen zugelassen.

FÖRSTER | Ich bin Nutznießer dieser Rechtsanwendung, ganz

klar. Es gibt aber gar keinen Druck durch Antragswillige mehr

und in zehn Jahren wird es noch ganz anders aussehen. Nunmehr

wird meist zugelassen, wer einen Antrag stellt und alle

Voraussetzungen erfüllt. Die Zulassungsbehörde achtet jedoch

auf eine räumliche Verteilung im Land.

Ich wechsle mal zum Thema ALKIS® und erlaube mir

einfach zu fragen: Wann geht’s los?

HARTMANN | Die Benennung eines konkreten Startzeitpunktes

erfolgte Ende des letzten Jahres, sodass die Kollegen im Ja -

nuar 2013 die Nachricht erhielten, dass die Migration Anfang

Oktober beginnen soll. Der Termin ist dann im Sommer auf den

Januar 2014 verschoben worden. Die Softwarehersteller haben

sich gut und schnell eingearbeitet. Die Informationspolitik der

zuständigen technischen Abteilung des LVermGeo ist ganz posi -

tiv, sodass alle Informationen für die Hersteller vorliegen.

Dadurch, dass wir in Sachsen-Anhalt einige Besonderheiten bei

der Bearbeitung von Liegenschaftsvermessungen haben, hatten

wir ohnehin alle relativ spezielle Software. ETRS89 ist schon als

amtliches Bezugssystem für die Festpunkte vorhanden, Liegenschaftsvermessungen

werden in lokaltemporären Systemen ge -

messen und die Liegenschaftskarte wird in Gauß-Krü ger-Ko -

ordinaten geführt. Die NAS-Datei wird zu den ETRS89-Werten

weiterhin auch die lokaltemporären Koordinaten enthalten. Die

Listen zu den Fortführungsrissen werden ihr Antlitz beträchtlich

verändern.

21

4


VERBAND

Und wie sieht die finanzielle Belastung der Büros aus?

HARTMANN | Einige Softwarehersteller erklären, dass es die

ALKIS®-Version ihrer Software kostenfrei im Rahmen der Softwarepflege

oder im Rahmen einiger 100 Euro geben soll und die

Softwarepflegekosten moderat erhöht werden. Dieser Teil der

Umstellung ist gar nicht so schlimm. Höhere Kosten werden im

Hardwarebereich auf uns zu kommen, da wir mit den meisten

in den Büros vohandenen Rechnern größere ALKIS®-Projekte

nicht bearbeiten können. Das sind Kosten, die einem erst einmal

gar nicht so bewusst waren. Hinzu kommen noch die Kosten

für Schulungen, Fortbildungen und die Einarbeitungszeiten.

Ist ALKIS® schon bei denen angekommen, die das

eigentliche Handwerk stemmen müssen?

PIETSCH | Die meisten werden das auf sich zukommen lassen.

Da der Mensch träge ist, wird er so lange wie möglich an alt -

her gebrachten Arbeitsprozessen festhalten wollen. Zumal zur -

zeit noch keine ausgereiften Beta-Versionen zum Testen verfügbar

sind.

FÖRSTER | Es ist so, wie es immer bei Neuerungen ist: Sie werden

den Schalter umlegen müssen. Da wird dann der Chef da -

hinterstehen. Anders wird es nicht gehen.

Wie haben sich die Neuerungen aus dem letzten

Gesetz zum amtlichen Vermessungswesen bewährt?

Ich denke da beispielsweise an die Gebäudeeinmessung.

HARTMANN | 2004 gab es die letzte größere Novellierung des

Vermessungs- und Geoinformationsgesetzes mit der sogenann -

ten Flurstücksbestimmung ohne Vermessung und der Aufwei -

chung der Pflicht zur amtlichen Gebäudeeinmessung bei Vorlage

geeigneter Unterlagen. Es gibt seitdem zwei Versionen: Die

Gebäudevermessung ist die hoheitliche – die findet im städti -

schen Bereich kaum noch statt – und die Gebäudeeinmessung

mit der Erfassung des Gebäudebestandes als reine Ingenieur -

tätigkeit durch einen Vermessungsingenieur. Nur die Fortfüh -

rung ist hier eine hoheitliche Tätigkeit.

Viele Grundstückseigentümer haben aufgrund von Pressemitteilungen

damals gedacht, Gebäude müssen nicht mehr ein ge -

messen werden. Da stand der ÖbVI am Pranger, als wir einmessen

wollten. Für uns war das eine sehr schlechte Zeit. Das führte

auch dazu, dass in den Städten findige Versorgungsunter neh -

men ihre Messtrupps losschickten und Gebäudeeinmessungen

als Zusammenhangstätigkeit mit der Einmessung von Schäch -

ten und Hausanschlüssen durchgeführt haben. Bei der Beantragung

eines Hausanschlusses lag zuvor ein Merkblatt bei, in dem

für 149 Euro netto gleich die Einmessung des Gebäudes mitbe -

auftragt werden konnte.

FÖRSTER | Ich habe in Magdeburg schon seit zwei, drei Jahren

keine Gebäudeeinmessung mehr gemacht. Wenn überhaupt,

dann mehr außerhalb.

Wie viel Prozent des Auftragsvolumens sind denn

dadurch verloren gegangen?

HARTMANN | Im letzten Jahr gab es 5.000 Gebäudeeinmessun -

gen im gesamten Land. Man kann davon ausgehen, dass davon

nur noch ca. 40 % von den ÖbVI erledigt werden.

FÖRSTER | Für die ÖbVI ist damit eine Menge weggebrochen,

andere freiberufliche Vermessungsingenieure konnten sich über

einen Auftragszuwachs freuen. Negativ ist der Preisverfall für

die Gebäudeeinmessungen – damit wird für wenig Geld viel

Arbeit aus der Welt geschafft. Das ist schade.

Sagen Sie doch bitte auch noch etwas zu der

Flurstücksbestimmung ohne Vermessung.

HARTMANN | Diese wird leider häufig vom LVermGeo durchgeführt.

Auf den Punkt gebracht, läuft eine Flurstücksbestimmung

ohne Vermessung – schöne Wortschöpfung – wie folgt ab: Die

Antragsteller zeichnen einen Strich und die gewünschten Maße

in die Liegenschaftskarte ein. Damit gehen sie dann zum LVerm -

Geo oder zu einem ÖbVI. Wenn das Flurstück halbwegs be -

rechenbar ist – ca. 20 cm genau –, können neue Grenzen am

»grünen Tisch« berechnet werden.

Der Nachteil kommt vor allem bei örtlichen Folgemessungen

und der richtigen Ermittlung der gewünschten Grenzen zum

Vor schein. Dann erkennt man erst, dass der Zaun gar nicht auf

der Grenze steht oder der vermeintliche Grenzpunkt nur ein

Kabelstein oder auch ein AP war. Von diesen Punkten gingen

die Antragsteller aber aus. Danach sind wieder neue Zäune er -

richtet worden, in meinem letzten Fall dann eben 4 m neben

der Grenze. Wie sollten das die Leute auch wissen, wenn Ihnen

gesagt wird, dass Abmarkungen überflüssig sind und das Verfahren

genauso gut ist, nur eben preiswerter. Die Tätigkeit ist

vergleichbar mit einer besseren Sonderung nach der Karte zu

DDR-Zeiten, außer dass nun Koordinaten entstehen.

Aber Beteiligte werden schon geladen?

HARTMANN | Nein. Der Verwaltungsakt ist die Übernahme. Es

gibt keine Grenzniederschrift. Es gibt sogar im Zuge der Be an -

tragung Auslegungen, dass der Erwerber, obwohl im notariellen

Vertrag von einer Vermessung die Rede ist, ohne weitere Information

des Verkäufers hier eine »Flurstücksbestimmung ohne

Vermessung« beantragt und der Verkäufer hinterher, wenn er

Grenzmarken haben möchte, auf seine Kosten eine Grenzfeststellung

beauftragen muss.

22

4


VERBAND

FÖRSTER | Es besteht die Frage, ob man dem Bürger damit am

Ende dient. Wegen der genannten Probleme kann es passieren,

dass er für eine spätere Grenzfeststellung noch einmal zahlen

muss, um es richtig zu machen. Im Grunde genommen ist es nur

eine Verlagerung eines bestehenden Problems auf spätere Ge -

nerationen. Die gewünschte Rechtssicherheit und der Rechts -

friede mit den Nachbarn können auch nicht eintreten, solange

die Grenze vor Ort nicht sichtbar gemacht wird.

HARTMANN | Aus Erfahrung schätze ich, dass ein großer Teil

dieser Flurstücksbestimmungen gegen den Baum ging. Ich will

diese Sache nicht verteufeln, es gibt immer mal Fälle, in denen

so gearbeitet werden kann. Aber gerade zur Schaffung von Bauplätzen

ist es die falsche Herangehensweise. Hier wird das Verfahren

oft missbräuchlich benutzt.

Das Geoinformationsgesetz regelt weiterhin die Aufgabenzuweisung

des operativen Geschäfts an die ÖbVI.

Wie nah kommt man diesem Ziel?

HARTMANN | Ach, unser wunder Punkt. Leider gab es einen Ka -

binettsbeschluss, der die gesetzliche Regelung etwas aushebelt.

Sämtliche lang gestreckten Anlagen, bei denen das Land Herr

des Verfahrens ist, sollen vom LVermGeo bearbeitet werden. Das

betrifft alle Bundes- und Landstraßen und die Deiche und Gräben.

Die Kostenverordnung muss zwar eingehalten werden, jedoch

entfällt die Umsatzsteuer. Nur wenn die Katasterbehörde keine

Kapazitäten zur Bearbeitung hat, kommen wir zum Zuge. Für uns

bleiben dann neben dem normalen Antragsgeschäft nur die Vor -

haben der Landkreise und Gemeinden. Das ist schon ein herber

Schlag. 10 km Deich unterscheiden sich beträchtlich von 500 m

kommunalem Radweg. In der Statistik ist es aber je nur ein Antrag.

Zwar wird auch der Zeitaufwand mit erfasst, aber nicht der

Kostenfaktor. Aus diesen Statistiken berechnet sich aber der Anteil

der Messtätigkeiten. Zusammen fassend sind wir statistisch

bei 90 % aller Liegenschaftsvermessungen angekommen.

Wie flüssig ist die Beschaffung von Katasterdaten aller Art?

PIETSCH | Kleinere Sachen per E-Mail, ansonsten eine CD per

Post. Das dauert für Zerlegungen je nach Standort vier bis acht

Wochen.

Man kann nach vier bis acht Wochen überhaupt erst

anfangen?

HARTMANN | Ja! Leider können wir online nur auf die Liegenschaftskarte

und das ALB zugreifen. Wir können auch für Bau -

herren und die Eigentümer online diese Auszüge erstellen. Einen

Zugang zu den Rissen oder auch zu EDBS oder den direkten

Zugang zur Liegenschaftskarte haben wir nicht. Leider, da

sind Bun desländer wie Brandenburg uns meilenweit voraus. Ein

SVEN-UWE PIETSCH

geb. 1968 in Stendal

1985-1987 Ausbildung zum Vermessungsfacharbeiter

1990-1993 Direktstudium an der HTW Dresden

1995-1997 Fernstudium an der HTW Dresden

1997-1998 Laufbahnausbildung gehobener Dienst

1998-2006 Leitungstätigkeit ÖbVI Pietsch (Vater)

seit 2006 ÖbVI in Stendal

(Übernahme des väterlichen Büros)

Haupt problem liegt hier im Datennetz. Zur Verdeutlichung: Ein

Bauherr benötigt eine Liegenschaftskarte, um seinen Bauantrag

zu stellen. Er kommt zu mir ins Büro und möchte die Karte

gleich mitnehmen. Eine Liegenschaftskarte auszudrucken, geht

dann so: die Seite des LVermGeo aufrufen, den Dienst auswählen

und das Passwort eingeben. Je nach Tag und Tageszeit öffnet

sich dann die Eingabemaske in 5 bis 30 Sekunden. Dann werden

die notwendigen Daten eingegeben. Mithilfe eines Viewers

kann die Karte angesehen werden, um zu überprüfen, ob die

Angaben stimmen. Die Angaben des Antragstellers schicken wir

online an das LVermGeo. Eine Ampel springt von Rot auf Gelb.

Ein Mitarbeiter prüft nun im Amt, ob der Antragsteller auch

berechtigt ist, einen amtlichen Kartenauszug zu bekommen. Im

Erfolgsfall springt die Ampel auf Grün und eine PDF-Datei kann

heruntergeladen werden. Die Gebühr landet vollständig beim

Amt. Alles ist wahnsinnig langsam. Wir machen das lediglich,

weil wir hoffen, einen späteren Auftrag zu akquirieren, und

propagieren das nicht. In den schlimmsten Fällen beträgt die

Dauer eine halbe Stunde. Das kostet zusätzlich viel Kaffee.

FÖRSTER | Wünschenswert wäre, dass man ins Rissarchiv Einblick

bekommt. Dann könnte sich der ÖbVI die Daten für eine

Liegenschaftsvermessung allein zusammenstellen. Aber mit die -

sen Geschwindigkeiten ist das nicht möglich. Fazit: Die Online-

23

4


VERBAND

STATISTISCHE ANGABEN

Anzahl der ÖbVI 54

BDVI-Miglieder 44

Durchschnittliche Mitarbeiterzahl

(BDVI-Mitglieder) 4,9

Durchschnittsalter

(BDVI-Mitglieder) 54

ALTERSSTRUKTUR (BDVI-MITGLIEDER)

61-65

> 65

35-40

41-45

Auskunft bleibt derzeit hinter den technischen Mög lich keiten

weit zurück.

HARTMANN | Das ist wohl auch einer der Gründe der ALKIS®-

Verschiebung gewesen. Der Server ist anscheinend nicht pas -

send dimensioniert. Wenn man fünf Minuten vor dem Aufbau

einer Flurkarte sitzt, fünf Mal am Tag, schmeißt man …

FÖRSTER | Mit manchen Sachen beschäftige ich mich daher

spätabends, wenn keiner mehr aktiv ist. Leider sitzt dann kei -

ner mehr am anderen Ende, der die Ampel auf Grün stellt.

PIETSCH | Zustände wie in Brandenburg wären traumhaft: viele

Unterlagen für eine einmalige Gebühr.

56-60

46-50

Schon kleine Brötchen würden demnach für viel

Freude sorgen!?

HARTMANN | Richtig. In der Hinsicht sind wir wirklich ziemlich

hintendran.

FÖRSTER | Es würde auch die Rechtssicherheit des Handelns

erhöhen, weil anfängliche Beratung schon auf das Kataster aufsetzen

könnte – Vorteile beim ÖbVI und beim Antragsteller.

AUFKOMMEN AN KATASTERVERMESSUNGEN

IM LAND SACHSEN-ANHALT (2012)

Antragsaufkommen

gesamt

51-55

ÖbVI-Anteil

Zerlegungen 2.037 92 %

Sonderungen 78 91 %

Lang gestreckte Anlagen 207 83 %

Grenzfeststellungen 376 84 %

Flurstücksbestimmung ohne

Vermessung 319 53 %

Amtl. Gebäudevermessungen 1.994 11 %

Auf jeden einzelnen der 54 ÖbVI entfallen somit,

bezogen auf das Jahr 2012, im Mittel 52 hoheitliche

Katastervermessungen.

Hinzu kommen noch rund 5.000 nicht amtliche Gebäude -

einmessungen nach § 14 Abs. 2 Satz 2 VermGeoG LSA, die

sich auf ÖbVI und andere Vermessungsingenieure verteilen.

Gleiten wir weiter ins Baurecht. Die Verankerung

der Musterbauordnung in den Landesbauordnungen

ist bundesweit im Gange. Sachsen-Anhalt hat diesen

Vorgang bereits abgeschlossen. Wie?

HARTMANN | Wir konnten den Wegfall der Abstandsflächen

in Gebieten nach § 34 BauGB verhindern. Das war ein großer

Erfolg. Auch die Verringerung der Abstandsflächen für Wind -

räder wurde aufgegeben. Gerade gestern sah ich ein schönes

Bild von einem abgebrannten Windrad in der Zeitung, auf dem

ungefähr zu erkennen war, wie weit Teile der Rotorblätter flie -

gen können, nämlich ungefähr in den Bereich der Baulast. Wei -

terhin konnten wir mithilfe der Ingenieurkammer eine Begrenzung

der Dachüberstände von 80 cm einführen, die vorher

überhaupt nicht definiert war. Jede untere Bauaufsichtsbehörde

vertrat ihre eigene Meinung. Nachbarschützende Eigenschaften

haben sich also durchgesetzt.

FÖRSTER | Die Sache ist damit aber nicht zu Ende. Die Erstellung

von Lageplänen ist nicht zufriedenstellend geregelt. Mei -

ner Meinung nach wäre es wünschenswert, dass eine Bauvorlageverordnung

eindeutigere Regeln beinhaltet.

… womit meine nächste Frage soeben obsolet wurde …

HARTMANN | Es gibt untere Bauaufsichtsbehörden, die so weit

gehen, dass sie Grenzfeststellungen für Bauanträge vor schrei -

24

4


VERBAND

ben, obwohl der ÖbVI diese für überflüssig hält. Das ist eine

Kann-Regelung. Wir haben aber auch Ämter, die gar nichts

fordern. Der Entwurfsverfasser lässt sich dabei in der Flurkarte

aus. Das hat vielfach nichts mit der Realität zu tun. Wir haben

hier also Arbeitsbeschaffung und Arbeitslosigkeit. Das ist beides

nicht erfolgversprechend. Eine normierte, einheitlich Fest -

schreibung auch mit Teilinhalten aus Erlassen ist notwendig. In

Zeiten des alten Vorstands haben wir schon Bauordnungsämter

besucht und dargelegt, was alles aufgrund einer ungenauen

Liegenschaftskarte passieren kann.

Unsere Kollegen aus den Landkreisen haben mit einigen Baugenehmigungen

umliegender Ämter aufgezeigt, welche Dis kre -

panz oft zwischen Wunsch und Realität herrscht. Das Beispiel

aus dem letzten FORUM-Heft mit dem Gebäude, das nur im

Plan auf das Flurstück passte, sprach uns aus der Seele.

FÖRSTER | Es ist eigentlich immer notwendig, dass ein Fachmann

prüft, welche Qualität die Grenze besitzt.

HARTMANN | Wir bereinigen mit der Absteckung vieles, was

bei der Planung schon schiefgegangen ist. Unsere Karten sind

durch reine Digitalisierung entstanden. Die Karte sollte schnell

fertig werden und die Verbesserungen durch die späteren Lie -

genschaftsvermessungen erfolgen. Dagegen ist nichts zu sagen.

Dann muss man aber mit allen Konsequenzen leben.

Auf welche Reaktionen sind Sie im privaten Umfeld

gestoßen, als Sie ankündigten, sich mit dem

Vorstandswesen beschäftigen zu wollen? Wurde es

gar verheimlicht?

PIETSCH | Ich sage mal ganz humorfrei: Der Tag fängt früh an

und hört spät auf. Da fällt das mit rein.

HARTMANN | Ich hatte vorher um Erlaubnis gefragt. (lacht)

Mir war schon bewusst, welcher Mehraufwand erforderlich ist.

Man ist einfach länger außerhalb des Büros. Aber das kriegt man

hin. Meine Frau ist ja auch Vermesserin und war in Hamburg

und zur INTERGEO® in Essen mitgefahren. Man muss eben das

Gute mit dem Nützlichen verbinden können.

Welche Auswirkungen hatte das Hochwasser an der

Elbe auf Ihre Geschäftstätigkeit?

PIETSCH | Bei Stendal ist einiges weggebrochen: Deiche und

Aufträge. Ich hatte Bauwillige, die gesagt haben: Dort können

wir definitiv nicht bauen, wir lassen das lieber. Sie haben von

ihrem Vorhaben, ein Haus auf den überfluteten Flächen zu er -

richten, Abstand genommen, weil sie beim nächsten Hoch was -

ser keine nassen Füße bekommen wollten. Selbstverständ lich

haben sich auch etliche Anträge verzögert, wobei die Anfahrt

INGO FÖRSTER

geb. 1973 in Wernigerode

1989-1992 Ausbildung zum Werkzeugmacher

1992-1995 Berufsausübung, Abendgymnasium

1995-1997 Studium Vermessungswesen TU Berlin

(Vordiplom)

1997-2000 Studium Geodäsie TU Dresden (Diplom)

2000-2002 Referendariat in Sachsen-Anhalt

2004-2011 freiberuflicher Vermessungsingenieur

seit 2011 ÖbVI in Magdeburg (Neugründung)

mit bis zu 50 km Umwegen noch das geringste Pro blem war.

Es sind signifikante Umsatzeinbußen zu spüren.

FÖRSTER | Ich habe das Büro für eine ganze Woche komplett

geräumt. Ich war evakuiert, sodass ich praktisch nicht ordent -

lich er reich bar gewesen bin. Das hat mich insgesamt schon zwei

Wochen gekostet. Die örtlichen Messungen waren eher das klei -

nere Problem. Die habe ich nachgeholt.

Man wird demnach in Kürze weniger vom Hochwasser

aus Sachsen-Anhalt hören, sondern mehr von

aktiver Verbandsarbeit. Kollegen Hartmann, Förster

und Pietsch, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Dipl.-Ing. Martin Ullner

FORUM-Redaktion

ullner@bdvi-forum.de

25

4


INTERNATIONAL

Ein Verein stellt sich vor

Ingenieure ohne Grenzen

JANINA UNGER | BERLIN

Vermessung in Äthiopien

Von dem Verein »Ärzte ohne Grenzen« haben die meisten schon gehört. Etwas Ver -

gleich bares gibt es auch bei den Ingenieuren. Der Verein »Ingenieure ohne Grenzen«

führt Projekte der Entwicklungszusammenarbeit durch, insbesondere ingenieurtechnische

Hilfe leistungen und Ausbildungen. Das FORUM möchte dieses gerne unterstützen und gibt

dem Verein die Möglichkeit, sich an dieser Stelle zu präsentieren.

Ingenieure ohne Grenzen wurde 2003 von engagierten Menschen

gegründet, die durch ihr berufliches Engagement, u. a.

für das Technische Hilfswerk und die Vereinten Nationen, zu -

neh mend mit den Problemen anderer Länder konfrontiert

wurden.

Laut UNO leben weltweit noch immer 2,5 Milliarden Menschen

ohne ausreichende sanitäre Versorgung. Aktuelle Zahlen der

UNO sind alarmierend: 80 % aller Erkrankungen und 25 % aller

Todesfälle in Entwicklungsländern sind auf verunreinigtes Was -

ser zurückzuführen. Täglich sterben mehr als 3.000 Kinder an

Durchfallerkrankungen, hervorgerufen durch schlechte hygie -

nische Verhältnisse.

Als eine als gemeinnützig anerkannte Hilfsorganisation leistet

Ingenieure ohne Grenzen internationale Entwicklungszusammenarbeit.

Wir lösen akute Probleme in den Bereichen Was ser-,

Sanitär- und Energieversorgung sowie Brückenbau und ver -

bessern durch die Sicherung der infrastrukturellen Grundversorgung

die Lebensbedingungen der Menschen weltweit. Dies

kann eine Brücke sein, um zu einem Krankenhaus zu gelangen,

oder auch der Aufbau einer Wasserversorgung, um die Kindersterblichkeit

zu verringern.

Erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit bedeutet für uns, in

gemeinsamen Projekten mit lokalen Partnern praktische und

professionelle Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen. Wirksame

Unterstützung heißt, dass ein Projekt erst dann erfolg -

reich abgeschlossen ist, wenn es Menschen vor Ort selbstständig

weiterführen können – Hilfe zur Selbsthilfe. Der Verein stützt

sich hierbei auf seine Mitglieder und Unterstützer aus allen Be -

rufssparten. Dies sind sowohl aktive Ingenieure verschie denster

Bereiche und Studenten des Ingenieurwesens als auch Enga -

gierte mit anderem fachlichen Hintergrund.

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4


INTERNATIONAL

Statement eines ehrenamtlichen

Mitarbeiters von Ingenieure ohne Grenzen

Wie beginnt ein Projekt?

Der Kerngedanke von Ingenieure ohne Grenzen ist Hilfe zur

Selbsthilfe. Dafür ist es wichtig, dass die Menschen im Partner -

land hinter der Arbeit stehen und ihren Teil zum Gelingen des

Projektes beitragen. Schließlich sollen am Ende sie diejenigen

sein, die das Projekt fortführen und das Wissen idealerweise

weiterverbreiten. Deshalb ist es oftmals am besten, wenn die

Idee für ein Projekt von den Menschen vor Ort kommt, denn

das ist ein Grundstein für ihre Einbeziehung in die Lösung.

Fragen über Fragen – die Erkundungsreise

Anfangs werden viele Informationen zu der Situation vor Ort

gesammelt, so z. B. die Verbreitung nötiger Technologien, die

Art und lokale Verfügbarkeit von Baumaterialien sowie Informationen

zu geografischen und klimatischen Bedingungen.

Weitere wichtige Punkte sind aber auch kulturelle, religiöse und

gesellschaftliche Aspekte, die über die spätere Akzeptanz des

Projektes entscheiden. Soll das Projekt gelingen, muss es in den

lokalen Alltag eingebettet werden und in die Lebenssituation

der Menschen passen.

Es wird konkret –

Projektplanung und Durchführung

Ist zusammen mit der Partnerorganisation und den Menschen

vor Ort die Entscheidung gefallen, wie das Projekt im Detail um -

gesetzt werden soll, geht es an die Arbeit. Im Vordergrund steht

u. a. die Einbindung des lokalen Partners, der z. B. Bau über wa -

ch ung, Behördengänge und Verwaltung der Gelder übernimmt

und das Projekt so langfristig vor Ort verankert. Alle diese Faktoren

dienen letztlich dem Ziel, den Partnern alles Wissen und

die praktische Erfahrung zu vermitteln, die für die Fortführung

des Projekts notwendig sind. So soll die Verantwortung für die

Ingenieure ohne Grenzen

ist in seiner Arbeit auf Spenden angewiesen. Eine Fördermitgliedschaft

macht seine Arbeit auch im nächsten Jahr

planbar. Eine Übersicht der Projekte finden Sie unter:

www.ingenieure-ohne-grenzen.org

Spendenkonto

Ingenieure ohne Grenzen e. V.

Sparkasse Marburg Biedenkopf

Konto: 1030 333 337 // BLZ: 533 500 00

IBAN: DE89 5335 0000 1030 3333 37 // BIC: HELADEF1MAR

Verwendungszweck: Wo es am nötigsten gebraucht wird

Engagement für Ingenieure ohne Grenzen: ein Versuch, das

Richtige zu tun.

»Während meines Projekteinsatzes in Kenia Ende 2012 habe

ich vor allem eines lernen dürfen: Achtung vor den Menschen.

Achtung vor der Leichtigkeit, mit der die Menschen dort Problemen

begegnen, welche wir uns hier in Deutschland kaum

vorstellen können. Achtung vor der harten Arbeit, um seinen

Kindern ein besseres, sorgenfreies Leben zu ermöglichen, und

Achtung vor der Bereitschaft, gegen die Widrigkeiten des Alltages

anzulächeln und ohne Klage den Alltag zu meistern.

Ich bin dankbar, diese Menschen in ihren Bemühungen um

ein besseres Leben unterstützen zu können.«

Anton Blanke, Student Maschinenbau

und Mitglied bei »Ingenieure ohne Grenzen«

gemeinsame Arbeit Schritt für Schritt in die Hände der Menschen

vor Ort übergehen.

Beim Bau der Anlagen sind dann Mitglieder der Projektgruppe

für einige Wochen vor Ort, begleiten die Bauarbeiten und bilden

spätere Nutzer aus. Für den Bau selber werden oft lokale Bau -

arbeiter eingesetzt, die so lernen, die neuen Anlagen zu bauen,

zu warten und im Zweifelsfall auch zu reparieren.

Nicht selten ist dann die Fertigstellung einer Brücke oder Was -

serversorgung im Dorf der Anlass zu einem großen Fest, zu dem

viele Menschen kommen und sich gemeinsam freuen, dass der

Weg zum Markt kürzer geworden ist oder das Wasser nicht mehr

von weit her geholt werden muss.

Dokumentation und Evaluierung

Am Ende jedes Projekts steht ein Abschlussbericht, der genau

dokumentiert, welche Probleme es vor Ort gab, welche Lösungs -

maßnahmen ergriffen wurden und welche Kosten entstanden

sind. In einigen Projekten wurden auch bereits Eva lu ie rungen

der installierten Anlagen durchgeführt.

Für die Zukunft ist geplant, möglichst viele Projekte von Ingenieure

ohne Grenzen zu evaluieren. Bei einem erneuten Besuch

im Projektgebiet werden dann der Anlagenzustand, die Nutzung

sowie die Verankerung und Weiterentwicklung des Know-hows

in der Region bewertet.

Janina Unger

Ingenieure ohne Grenzen e.V.

Kommunikation

janina.unger@

ingenieure-ohne-grenzen.org

27

4


MANAGEMENT

IMMOBILIEN

EXPO REAL

Eine Messe ––

zwei Perspektiven

JÖRG BURCHARDT |

BERLIN

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4


IMMOBILIEN

Der BDVI ist seit Langem auf der EXPO REAL präsent, doch nur relativ

wenige ÖbVI finden den Weg dorthin.

Grund genug für das FORUM, in diesem Jahr zwei ÖbVI mit ganz unter -

schiedlichen Perspektiven zu begleiten: Jürgen Wittig als langjährigen Besucher

und Detlev Will, der das erste Mal die EXPO REAL besucht hat. Beide wurden

in Heft 2 bzw. Heft 3 zu ihren Erwartungen befragt. Hier nun ihre Eindrücke

von der EXPO REAL 2013 und Antworten auf die Fragen, warum man zur

EXPO REAL gehen sollte bzw. warum man den Weg nach München bisher ge -

scheut hat.

»DER STAMMGAST« – HERR WITTIG

Herr Wittig bietet in seinem Büro in Bad Homburg

(Hessen) neben den üblichen Vermessungsleistun -

gen vor allem Beratungsleistungen zur Bauland -

entwicklung und Bodenordnung an. Er ist Vize -

präsident der Hessischen Ingenieurkammer.

»DER NEULING« – HERR WILL

Herr Will ist Mitglied der Kommission Öffent lich -

keitsarbeit des BDVI und hat sich bereit erklärt, die

EXPO REAL in München stellvertretend für den

Großteil der ÖbVI einmal unter die Lupe zu neh -

men. Herr Will hat sein ÖbVI-Büro in Ulm (Baden-

Württemberg) und bietet neben der amtlichen

Katastervermessung auch Ingenieur vermessung

so wie Geodatenmanagement an.

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4


IMMOBILIEN

»Kontakte zu Entscheidungsträgern

aus der Immobilienbranche knüpfen«

Die INTERGEO® ist die Messe für Vermessung und Geoinforma -

tion. Hier erhält man alle Informationen über neue technische

Entwicklungen. Man bekommt Anregungen über neue Trends

und Geschäftsfelder und hat die Möglichkeit, sich in Gesprächen

fachlich auszutauschen. Der Kongress mit seinem umfangrei -

chen Vortragsprogramm rundet die Messe ab. Die EXPO REAL

ist die Messe für Immobilien und Investitionen. Sie bietet für

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure die Möglichkeit,

Kontakte zu Entscheidungsträgern aus der Immobilienbranche

zu knüpfen.

Haben sich auf der EXPO REAL

neue Kontakte ergeben?

Durch den Besuch auf einigen Ständen ergaben sich Kontakte

zu Entscheidungsträgern. Ob sich daraus auch neue Aufträge

generieren lassen, wird sich erst noch zeigen.

Hat die EXPO REAL Ihnen Anregungen

hinsichtlich neuer Geschäftsfelder oder

neuer Trends gegeben?

FORUM | Herr Will, Sie waren

zum ersten Mal auf der EXPO REAL.

Wie war Ihr Gesamteindruck?

WILL | Vor meinem ersten Besuch hatte ich mir einen Überblick

über die sechs Messehallen verschafft, was mithilfe der Internet -

seite der EXPO REAL sehr gut funktionierte. In München an ge -

kommen merkte man schon bei der Anfahrt zur Messe, hier

ist viel los. Die Messehallen waren durchweg sehr gut besucht,

dennoch war es jederzeit möglich, mit Vertretern ausstellender

Firmen Gespräche zu führen. Nach einigen Gesprächen so wie

neuen Kontakten potenzieller Auftraggeber ist mein Resümee

nach einem Tag auf der EXPO REAL positiv.

Anregungen für neue Geschäftsfelder oder neue Trends konn -

te ich bei meinem ersten Messebesuch nicht erkennen. Dies war

auch nicht mein Ziel. Im Vordergrund stand, meinem bestehen -

den Leistungsspektrum entsprechend, potenzielle Neukunden

zu akquirieren.

Auf welcher Kundengruppe lag Ihr Fokus?

Für mich waren vor allem Projektentwickler, staatliche Stellen

sowie, bezogen auf meinen Bürostandort, regionale Aussteller

von Interesse. Zusätzlich besuchte ich die Messestände von bundesweit

operierenden Verbrauchermärkten, Drogeriemärkten

und Discountern.

Wo sehen Sie die Unterschiede

zur INTERGEO ® ?

Beide Messen sind aus Sicht eines Inhabers eines Vermessungs -

büros grundverschieden.

Wäre es für Sie denkbar,

mit eigenem Stand aufzutreten?

Nein, dies kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Ich bin mit mei -

nen Dienstleistungen hauptsächlich regional um meinen Büro-

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4


IMMOBILIEN

»Konkreten Mehrwert

vermitteln«

standort tätig und beabsichtige derzeit nicht, meinen Aktions -

radius zu vergrößern. Die EXPO REAL ist daher für mein Büro

keine geeignete Messe, um mit einem eigenen Stand auf zu -

treten.

Ein Satz zum Stand des BDVI

auf der EXPO REAL?

Es ist gut, dass der BDVI auf der EXPO REAL vertreten ist, da es

wichtig ist, die Leistungen Öffentlich bestellter Vermessungs -

ingenieure im Zusammenhang mit Immobilienprojekten zu prä -

sentieren. Man sollte sich jedoch über die Form der Präsentation

Gedanken machen. Einen eigenen Messestand wie bis her halte

ich aus meiner Sicht für überholt. Ein Messestand zusammen

mit weiteren Verbänden oder auf einem Stand einer regionalen

Vertretung könnte zu mehr Aufmerksamkeit führen.

Werden Sie nächstes Jahr die EXPO REAL

erneut besuchen?

Das schließe ich nicht aus. Ob die EXPO REAL für mich und mein

Büro zu einer festen Größe wird, kann ich zu diesem Zeitpunkt

jedoch noch nicht beantworten.

Zum Abschluss: Ein Tipp für

EXPO REAL Newcomer?

Eine gute Vorbereitung des Messebesuchs. Die Aussteller und

Besucher lassen sich über das Internetportal der Messe abrufen.

Ein Messebesuch lässt sich daher gut planen. Wer gezielt einen

Messestand besuchen möchte, sollte am besten einen Bespre -

chungstermin im Voraus vereinbaren.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

FORUM | Auch in diesem Jahr fanden EXPO

REAL und INTERGEO ® (leider) in derselben

Woche statt. Sie haben beide Messen

besucht. Hat sich der Aufwand gelohnt?

WITTIG | Ich bin als Mitautor zur Veröffentlichung eines Bu ches

auf der INTERGEO® eingeladen worden. Da ich bei diesem Termin

gerne anwesend sein wollte, habe ich meine Reiseroute so

gewählt, dass ich beide Messen besuchen konnte. Dieser Auf -

wand ist normalerweise nicht gerechtfertigt. Man muss sich für

den Besuch einer Messe entscheiden. Für mich hat die EXPO

REAL ganz klar den Vorrang.

Die EXPO REAL gilt als Networking-Platt -

form. Gibt es darüber hinausgehend auch

Beispiele für konkrete Kundengewinnung?

Ich habe im Gang einer Messehalle einen Kunden getroffen;

ich konnte den Kontakt zwischen ihm und einer Kommune her-

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4


IMMOBILIEN

stellen, die das passende Grundstück zur Neuansiedlung eines

Gewerbebetriebes anzubieten hatte. Zurzeit laufen die Verhandlungen

zwischen Verkäufer und Investor. Wenn das Projekt

realisiert wird, habe ich die feste Zusage zur Ausführung

der Vermessungsleistungen. Ohne Ausschreibung und aufwen -

In den letzten beiden Jahren gab es einige

Veränderungen am Standkonzept des BDVI:

Vorträge, Beteiligung von Mitausstellern,

ans jeweilige Motto angepasste

Standgestaltung. Wie lautet Ihr Fazit?

Wie bereits erwähnt, wurde von den Besuchern der Stand mit

un seren angebotenen Dienstleistungen nicht erkannt. Die ty pi -

schen EXPO REAL Besucher wollen auf dieser Immobilienmes se

keine Vermessungsleistungen einkaufen. Sie suchen nach neuen

Grundstücken für die Projektentwicklung oder bieten selbst

Grundstücke bzw. fertige Objekte an.

Was sollte man anders/besser machen?

dige Auftragsverhandlungen! Die HOAI ist die Abrechnungsgrundlage;

das wurde vereinbart.

Wir müssen es schaffen, Messebesuchern den Mehrwert dar -

zustellen, den sie durch Inanspruchnahme unseres besonderen

Fachverstandes in den Bereichen Liegenschaftswesen, Bauordnungs-

und Bauplanungsrecht erzielen können. Ich habe auch

kein Patentrezept. Griffige Slogans wie »Wir machen Bauland aus

Ihrem Acker! – Landmanagement« oder »Kennen Sie wirklich die

korrekte Mietfläche Ihres Objektes? – Mietflächenbe rech nung«

könnten eventuell die Messebesucher neugierig machen und

so das Augenmerk auf unseren Berufsstand lenken. Den Vorträgen

auf dem Stand hat so gut wie niemand zugehört. Das lag

mit Sicherheit nicht an der Qualität der Vorträge. Die Messebesucher

haben keine Zeit und keine Geduld. Sie suchen in den ein

bis zwei Tagen auf der Messe möglichst viele Kontakte in ihrem

Kerngeschäft, dem Immobilienhandel. Hilfreiche Dienst leis tun -

gen, die wir zu bieten haben, müssen sie nebenbei schnell erkennen

und in Form einer Gedankenstütze mitnehmen können.

»Nachhaltiges Flächenmanagement«,

das ist eines Ihrer Themen.

Welche Auftraggeber haben Sie getroffen

und hat sich daraus etwas ergeben?

Ich habe viele Vertreter aus Kommunen getroffen. Mit großem

Interesse haben einige meine Ausführungen und Vorschläge zum

»nachhaltigen Flächenmanagement« verfolgt. Konkrete Auf -

träge kann man in der Regel auf der Messe nicht erwarten. Die

Kontakte und Gespräche müssen in den kommenden Wochen

und Monaten fortgeführt werden.

Zum Abschluss: Ein Tipp für EXPO REAL

Newcomer?

Unsere Dienstleistung erbringen wir zum größten Teil in einem

begrenzten Umkreis der Bürostandorte. Daher lohnt sich der

Besuch derjenigen Hallen, in denen die Heimatregion durch

Stände repräsentiert ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Sie waren auch am BDVI-Stand präsent.

Wie hat er Ihnen gefallen?

Es war ein schöner kleiner Messestand, der jedoch von den Be -

suchern kaum zur Kenntnis genommen wurde. Leider!

Dipl.-Ing. Jörg Burchardt

FORUM-Redaktion

burchardt@bdvi.de

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4


IMMOBILIEN

Was hat der BDVI auf der EXPO REAL

zu suchen?

Im Gegensatz zur INTERGEO®, welche zwar

»die Messe« der Geodäten in Europa ist, von

Kollegen und Fachleuten sehr geschätzt und gut

besucht wird, ist die EXPO REAL eine Messe, die

im Wesentlichen von Entscheidern besucht wird.

Das sind die Leute, von denen wir in der Regel

unsere Aufträge erhalten.

Vor mehr als zehn Jahren hat mein Vorgänger

im Amt, Dr. Hubertus Brauer, als »Scout« die

EXPO REAL besucht und dem BDVI eine Teilnahme

dringend empfohlen.

Warum?

Weil auf dieser Messe eben alle vertreten sind, die im Bereich

der Gewerbeimmobilien Rang und Namen haben.

Nahezu jede Kommune ist mit der ersten Garnitur vertreten –

natürlich nicht um Vermessungsaufträge zu vergeben.

Vielmehr werben die Kommunen für ihre Baugebiete und Projekte

und suchen Investoren.

Man findet aber nicht nur Paris, London und Moskau, sondern

auch Berlin, Mönchengladbach und sogar Hahn im Hunsrück!

Des Weiteren sind alle großen öffentlichen und privaten Auftraggeber

aus der Bauwirtschaft, der Immobilienverwaltung,

-planung und -finanzierung anwesend.

Für die Kollegen besteht die Möglichkeit, innerhalb kürzester

Zeit mit Entscheidern ins Gespräch zu kommen, weil gerade dies

gesucht wird.

Zu Hause vor Ort dauert es oft Ewigkeiten, bis man einen Termin

beim »richtigen Mann oder der richtigen Frau« bekommt.

Auf der EXPO REAL ist der Tisch gedeckt, man muss nur zugrei -

fen und seine Chance nutzen.

Nirgendwo sonst findet man eine derartige Vielzahl von Ent -

scheidern, denen man auf der EXPO REAL in München auf ei -

ner ganz anderen Ebene begegnet als üblich.

Was macht der BDVI als Berufsverband konkret auf der EXPO

REAL? Wir zeigen, bei all den »Großkopferten«, wie die Bayern

sagen, Flagge, werden wahrgenommen und versuchen unsere

Messages zu senden.

Dabei haben wir den Stand und das Konzept über die Jahre immer

wieder geändert.

Es gab den Monopoly-Stand mit Verlosung, Mitaussteller und

Vorträge am Stand, Fokussierung auf bestimmte Themen wie

z. B. Stadtumbau oder Podiumsdiskussionen.

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4


IMMOBILIEN

Ende letzten Jahres wurde in einem BDVI-Workshop u. a. die

Präsenz des BDVI auf der EXPO REAL hinterfragt. Grundsätzlich

wurde die Teilnahme des BDVI an der EXPO REAL bejaht. Als

eine Variante sollte versucht werden, mit anderen Ingenieur -

verbänden und Kammern gemeinsam aufzutreten oder als

Tatsache geschuldet, dass uns kurz vor der EXPO REAL unser Zug -

pferd abgesagt hat! Nach dem Motto »Probieren geht über Stu -

dieren« werden wir auch im nächsten Jahr wieder auf der EXPO

REAL Flagge zeigen, etwas anderes probieren und auch wieder

Anlaufstation für Kollegen und deren Gesprächspartner sein.

Mitaussteller bei einem Bundesland. Dies gestaltet sich wegen

der Eigenheit der Verbände und der anteiligen Kosten jedoch

schwierig.

Falls der BDVI mit einem eigenen Stand vor Ort ist, sollten aktuelle

Themen aus der Tagespolitik oder »Leuchtturmprojekte«

des BDVI unter Beteiligung der Mitglieder als Mitaussteller

vorgestellt werden.

Ich appelliere an dieser Stelle nochmals an die Kollegen mit

interessanten Projekten, als Mitaussteller an der EXPO REAL

teilzunehmen!

Zum Schluss ein Sprichwort aus Frankreich:

Selbst der liebe Gott hat es nötig, dass für ihn die Glocken ge -

läutet werden!

Getreu dieser Zielsetzung wurde der BDVI-Stand in diesem Jahr

unter dem Motto »Landmanagement für Investitionen« kreiert.

Im Gegensatz zum letzten Jahr gab es keine Mitaussteller.

Obwohl das Standdesign und der Standort gut waren, trafen

die Themen Windkraft und Solarenergie nicht den Nerv. Auch

die Resonanz bei den Vorträgen war gering. Dies ist aber der

Dipl.-Ing. Hans Ulrich Esch

BDVI-Vizepräsident

esch@bdvi.de

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REPORT

INTERGEO® 2013

»Die Messe wird jünger

und internationaler«

So eine Aussage von DVW-Präsident Prof. Dr.-Ing. Karl F. Thöne auf dem INTERGEO® Presse -

gespräch. Die INTERGEO® entwickele sich immer mehr zur Nachwuchsplattform und

Jobbörse und es zeige sich, dass eines der Schwerpunktthemen der diesjährigen Messe – die

Energiewende – zunehmend attraktiv für junge Leute werde.

Das Thema Energiewende stand auf der INTERGEO® von Beginn

an im Fokus, präsentierte doch die neu gebildete Interessen-

Gemeinschaft Geodäsie (IGG) bereits am ersten Tag das Po si -

tions papier »Die Geodäten und die Energiewende«.

Diese Interessengemeinschaft, bestehend aus den drei Geodäsieverbänden

BDVI, DVW und VDV, hat sich das Ziel gesetzt,

gemeinschaftlich gegenüber Gesellschaft und Politik aufzu -

treten und koordinierte Nachwuchsaktivitäten zu betreiben.

Die hohe gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung

der geo dätischen Expertise von Vermessung über Geoinformation,

Wert ermittlung bis zum Landmanagement soll sichtbar

ge macht und die Geodäsie als Ingenieurdisziplin zur Lösung

wichtiger gesellschaftlicher Fragen zukunftsfähig entwickelt

werden.

Bei der Vorstellung der Interessengemeinschaft und des Positionspapiers

betonten die drei Präsidenten, dass kein neuer

Dach verband gegründet werden soll, sondern dass sich drei

selbst bewusste Verbände abgestimmt an der Lösung aktueller

ge sellschaftlicher Themen beteiligen werden, sich gemeinsam

Zukunftsfragen zuwenden und damit auch eine bessere öffentliche

Wahrnehmung der Geodäsie erreichen werden. Die

bisher schon praktizierte interne Abstimmung der Präsidenten

hat jetzt einen deklaratorischen Rahmen. Natürlich hat jeder

Verband auch weiterhin seine speziellen berufs- und bildungs -

politischen Aufgaben.

Die InteressenGemeinschaft Geodäsie will sich nicht abgrenzen,

sondern sucht den Schulterschluss mit anderen Geoverbänden.

Das Positionspapier »Die Geodäten und die Energiewende« ist

das erste Ergebnis der Zusammenarbeit der drei Verbände im

Rahmen der Interessengemeinschaft. Sie möchte mit ihm

»… die Initiative zu einem intensiven Dialog mit den

Entscheidungsträgern und Akteuren der Energiewende

ergreifen;

bietet sich Bund, Ländern und Kommunen sowie nichtstaatlichen

Organisationen als Partner und Berater zur

erfolgreichen Gestaltung der Energiewende an;

appelliert an die Entscheidungsträger in Politik, Ver -

waltung und Wirtschaft, die geodätische Fachkompetenz

in ihre Beschlüsse und Maßnahmen zur zukünftigen

Energiepolitik einfließen zu lassen«.

Auf der INTERGEO® waren noch vielfältige weitere berufspolitische

Aktivitäten zu verzeichnen, die sich nicht nur auf die Arbeit

»vor Ort« an den Ständen des BDVI und der Landesgruppe

Nordrhein-Westfalen beschränkten, die während der drei Tage

gern genutzte Anlaufpunkte waren.

So präsentierte BDVI-Präsident Michael Zurhorst die neu ge -

staltete Homepage des Verbandes und drückte symbolisch den

Startknopf für ihre Freigabe. Er hob die klare Struktur und die

gute Navigierbarkeit hervor und verwies besonders auf die

neuen Möglichkeiten, die die ÖbVI-Expertensuche bietet.

Vom Vorsitzenden der Landesgruppe NRW, Rudolf Weh meyer,

wurden die Gewinner des gemeinsamen Geocaching-Projektes

von BDVI, DVW und VDV ausgezeichnet. Die Teilnehmer hatten

speziell entworfene Geocoins erworben, die weltweit eine mög -

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4


REPORT

lichst weite Strecke zurücklegen mussten. Der Coin des Ge -

winners Christian Lorang kam bei 21 logs auf eindrucks volle

29.049 km. Der zweite Platz ging mit 12 logs und 24.098 km an

Sigrid Bovelang und der dritte Platz mit 40 logs und 23.666 km

an Michael Gutshause.

Berufspolitischer Höhepunkt war zweifellos das seit Jahren als

fester Bestandteil der INTERGEO® veranstaltete BDVI-Forum.

Unter dem Motto »ALKIS®, am Morgen danach …« stand es 2013

ganz im Zeichen der ALKIS®-Ein- und -Fortführung. Es ging um

die Stellung der ÖbVI in diesem Prozess, die Zusammenarbeit

zwi schen Verwaltung und ÖbVI, Anlaufschwierig keiten und Fort -

führungsstopp, um Investitionen und Qualifi zie rung, Wirt schaft -

lichkeit und Effektivität und um Mög lichkeiten und Chancen,

die sich aus den ALKIS®-Daten ergeben können.

Das Thema ist äußerst aktuell, nicht zuletzt belegt durch die

große Anzahl von Zuhörern. Es dürfte eines der bestbesuchten

BDVI-Foren der letzten Jahre gewesen sein.

Das Podium war hochkarätig besetzt. Die Verwaltung wurde ver -

treten durch Dipl.-Ing. Klaus Mattiseck aus dem Ministe rium für

Inneres und Kommunales Nordrhein-Westfalens und Andreas

Schleyer aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz

Baden-Württembergs. Es kamen aber auch andere

Behördenvertreter aus dem Publikum zu Wort.

Den BDVI vertraten die Öffentlich bestellten Vermessungs inge -

nieure Hagen Wehrmann und Thilo Fischer aus Hessen, Hans-

Erich Rader aus Rheinland-Pfalz und nicht zuletzt Dr. Andreas

Rose aus Nordrhein-Westfalen, der das Forum moderierte und

dem es gelang, eine ausgewogene und lebhafte Diskussion zwi -

schen den Podiumsteilnehmern unter Einbeziehung des Pu bli -

kums in Gang zu bringen.

Wie zu erwarten, waren die Meinungen vielschichtig und teilweise

widersprüchlich. Insbesondere bei der vor allem inte res -

sierenden Frage der Einbeziehung der ÖbVI in den ALKIS®-Pro -

zess sind unterschiedliche Auffassungen vorhanden. Deutlich

wurde in der Diskussion, dass die allgemeine Tendenz dahin geht,

dass zukünftig ALKIS®-Objekte für die Katasterfortführung

be reitzustellen sein werden. Da sich dadurch auch die Arbeits -

anteile zwischen ÖbVI und Verwaltung verschieben, sind Dis -

kus sionen zum Fortführungsprozess insgesamt erforderlich.

Klar wurde auch, dass die Anforderungen an die ÖbVI im Rahmen

der Einführung sehr unterschiedlich sein können. Büros,

die auch bisher schon objektorientiert gearbeitet haben, werden

nur einen Bruchteil des Qualifizierungsaufwandes und we -

sentlich weniger Investitionsbedarf haben als die Büros, die sich

mit solchen Fragen bisher nicht beschäftigt haben und im GIS-

Bereich über keine Erfahrungen verfügen.

Es war alles in allem ein aktuelles, interessantes und notwendiges

Thema, das auf dem diesjährigen BDVI-Forum behandelt

wurde.

Aber natürlich gab es neben diesen berufspolitischen Höhe punk -

ten auch noch anderes auf der INTERGEO® zu sehen. Mit rund

16.000 Fachbesuchern und über 500 Ausstellern aus 30 Ländern

ist sie ihrem Ruf als weltgrößte Kongressmesse für Geo däsie, Geo -

information und Landmanagement erneut ge recht geworden.

Die Ankündigung von DVW-Präsident Thöne, dass auf der

INTERGEO® zentrale gesellschaftliche Themen in den Mittel -

punkt rücken, fand der Besucher bestätigt. Neben dem schon

genann ten Schwerpunkt Energiewende, dem auf dem Kongress

allein vier Vortragsblöcke gewidmet waren, standen z. B. auch

Klima wandel, Smart City und Big Data auf dem Programm.

Aber auch die anderen aktuellen Fragestellungen von Geodäsie

und Nachwuchs über dynamisches GIS, Geoinformation und

Sicherheit, Demografie und Markttransparenz in der Wertermittlung

bis zu den ganz praktischen Fragen von Aufbau und

Nutzung von UAVs, Vermessung als dynamischer Prozess oder

Normung wurde ein breites Vortrags- und Diskussionsan gebot

unterbreitet. Insgesamt gab es rund 140 Fachvorträge in 40 Themenblöcken.

Die Messe zeigte die gewohnte Vielfalt. Noch stärker als in den

Vorjahren waren Aussteller mit unbemannten Flugkörpern (UAVs)

und Aufnahmesensoren vertreten, aber auch mit bemannten

Kleinflugzeugen für Laserscan- oder fotogrammetrische Aufnahmen

bzw. mit der Möglichkeit, beide Systeme simultan ein -

zu setzen. Auffällig war auch das Angebot an den verschiedens -

ten mobi len terrestrischen Laserscansystemen.

Eine starke Entwicklung haben mobile GIS-Anwendungen – das

stützt die Aussage von Prof. Dr. Budziek beim Pressegespräch,

dass WebGIS eine immer stärkere Bedeutung gewinnen wird

und die Geoportale der Verwaltung eine vorübergehende Er -

scheinung sein werden. Es lohnt sich sicher, diese Entwicklun gen

sehr sorgfältig zu verfolgen und in die eigenen Überle gun gen

beim Weiterent wick lung des Berufsfeldes einzu beziehen, im

Übrigen genauso wie die mit der Energiewende zusammenhängenden

Aufga ben, denn, wie Michael Zurhorst betonte, die

Kollegen, die sich heute hier schon engagieren, haben gut zu

tun.

Im Rahmen der INTERGEO® fand die 2. Nationale INSPIRE-Konferenz

statt, die den Schwerpunkt »GIS und Kommunen« zum

Inhalt hatte.

Schließlich wurde bereits zum sechsten Mal der DVW GIS Best

Practice Award verliehen. Preis träger 2013 ist das Konsortium

36

4


REPORT

Vorstellung der IGG und des Positionspapiers

»Die Geodäten und die Energiewende« durch die

drei Präsidenten Prof. Dr.-Ing. Thöne (DVW),

Dipl.-Ing. Zurhorst (BDVI) und Dipl.-Ing. Grunau (VDV)

Prof. Dr. Martina Klärle

Dipl.-Ing. Hagen Graeff, Generalbevollmächtigter der DVW gGmbH,

Dr.-Ing. Frank Friesicke, Leiter des DVW-Arbeitskreises 5 – Landmanagement

des SIMKAS 3-D-Projektes

unter Leitung des Zentrums

Technik und Ge -

sellschaft der TU Ber lin für

eine GIS-ge stützte Ant wort

auf die He raus for de run -

gen rund um die Koordination

von Infra struk tur -

betreibern und Behörden

der öffentlichen Sicherheit

im Krisenfall. Der

zweite Preis ging an die 3D

Content Logis tics GmbH

aus Potsdam für das Projekt

»smartMap Berlin –

Vorstellung der neu gestalteten BDVI-Homepage

durch den Präsidenten Michael Zurhorst

Berliner 3-D-Stadtmodell

auf mobilen Geräten« und

den dritten Preis erhielt die LiveMap GmbH aus Berlin für das

interaktive Meldesystem »Breit bandatlas Deutschland«.

FAZIT: Es lohnt sich, wieder einmal die INTERGEO® zu besuchen.

Die nächste Gelegenheit ist in Berlin, wo die INTERGEO® 2014

vom 7. bis 9. Oktober stattfindet.

Preisträger des Geocaching-Projektes

Dr. Wolfgang Guske

FORUM-Redaktion

guske@bdvi-forum.de

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REPORT

Mein Reisetagebuch

BDVI-Kongress 2013 in Hamburg

Endlich mal wieder weg vom Schreibtisch! Zum BDVI-Kongress. Man bat ÖbVI und Gäste, vom

23. bis 25. Mai nach Hamburg zu kommen. Die Aufmachung des Kongresses sollte sich signifikant

vom Vorjahr unterscheiden. Ich habe das mal getestet. Der kommende Text ist keine Glosse.

Warum war ich eigentlich wieder da?

Zugegeben: Ich hatte es mit 250 km nicht weit und suchte mir

zwei Kollegen für eine Fahrgemeinschaft.

Der Kongress begann quasi auf der Autobahn. Wir wälzten das

Programm: Gute Aufmachung! Da hatte sich jemand etwas

Neues einfallen lassen. Mein Präsident lädt mich also in diese

Hafenstadt. Wir können über Märkte reden oder wenigstens über

Segmente. Über angebotene Optionen und Möglichkeiten.

Aber jetzt kommt’s: Er will auch mir zuhören, es soll kein Fron -

tal unterricht werden. Fein, wir erhöhen die Geschwindigkeit.

Das Get-together haben wir ausgelassen, die freitägliche Abend -

veranstaltung ist jedoch fest eingeplant. Ich weiß genau, dass

ich das freie Gespräch nach der Kongressveranstaltung brauche.

Jetzt sind wir da. Der Fahrstuhl geht auf. Stimmengewirr, der

obligatorische Kaffeegeruch. Ich mache mich etwas kleiner,

Hände schütteln kann ich noch später. Am Stehtisch rechne ich

die Teilnehmerzahl hoch. Mehr als im letzten Jahr, aber überschaubar.

Wo sind die Kollegen aus meiner Landesgruppe? Ach,

dort hinten – immer die Gleichen! Wenige Leute entdecken mich

doch. Ach, die beiden kennen mich noch!? Schön!

Der Präsident läutet. Ich setze mich an den Rand, aber weiter

vorn. Beim Blick aus dem Panoramafenster auf die Elbe denke

ich nicht nur: So hast du Hamburg ja noch nie gesehen – ich

befürchte eher Unkonzentriertheiten.

Ich gewöhne mich aber schnell an den kleinen Luxus, zumal er

dem Landesgruppenvorsitzenden Gerd Grabau passend als Hintergrund

zu seinen Willkommensgrüßen dient.

Anschließend ist mein Präsident an der Reihe. Sein Vergleich

hoheitlicher und nicht hoheitlicher Tätigkeit mit den rezept -

pflichtigen und freien Produkten in Apotheken ist gar nicht so

übel. Wie ich aber, gemäß dem Kongressmotto, einen Koopera -

tionspartner finden kann, erschließt sich mir noch nicht so.

Anschließend spricht Voscherau, der Stargast auf unserem Kon -

gress. Europa sei in einer Reuse. Teure Kompromisse statt klei -

ner starker Entscheidungen. Dieser Mann braucht keine neuen

Freunde mehr, der kann frei von der Leber weg reden. Ich wollt,

ich könnt das auch.

Dann bekommt der Artikel über die Windräder im letzten FORUM

ein Gesicht. Prof. Dr. Martina Klärle erklärt mir noch einmal, dass

die gewonnene Energie exponentiell mit der Höhe des Rotors

steigt und warum wir die Ölmultis werden können – natürlich

ohne Öl, dafür aber mit Wind. Und was ich zur Energiewende

beitragen kann. Bürgerwindräder haben durch ihre Akzeptanz

einen hohen Wert. Betreibt sie etwa auch Wertermittlung?

Einige Herren machen es sich nun in kleinen Sesseln auf dem

Podium bequem. Ich erkenne gestandene ÖbVI, wie man so sagt:

Esch, Wehmeyer, Biermann, Rose. Das ist nun also der neue Programmteil

»Erweiterung von Arbeitsfeldern«, bei dem ich auch

sprechen darf bzw. soll. Erst einmal lausche ich.

Rose schickt für Luftbildfotos aus geringer Höhe Drohnen in

den Himmel. Später habe ich darüber in voller Länge noch einmal

Kluges im FORUM lesen können. Es ist schon bemer kens -

wert, wie viel Zeit man allein für die Vorbereitung braucht.

Als ich höre, dass nach Flugplanung, Genehmigungen, Technik

auch noch Produkte entwickelt und Vertriebspartner gefunden

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4


REPORT

Begehrt: Dr. Henning Voscherau

Örtlicher Gastgeber Gerd Grabau

Geometrie des Kongresssaals

werden sollen, bleibt mir doch der Mund offen stehen

und ich begreife, warum man Kooperations -

partner benötigt.

Auch Wehmeyer ging neben dem Pfad, als er Fertigungsprozesse

im Stahlbau optimieren sollte – Erhellendes

ein iterativer Prozess, der nur durch ständige Kommunikation

mit seinem Auftraggeber mög lich war.

Er berichtet ungeschönt von Sackgassen, aus denen er wie der

herausmusste, von Befürchtungen, vom möglichen Schei tern.

Es war eine Geschichte ohne Ende – die Entwicklung läuft noch.

Biermann berichtet über seinen Geschäftszweig Laserscanning –

ohne Partner für ihn undenkbar! So werden unterschiedliche

Scansysteme getauscht, Mitarbeiter untereinander geschult,

Messung und Auswertung aufgeteilt, je nach Einzelfall. Sogar

Popcorn hat er schon für einen Künstler gescannt. Wahnsinn:

Geodäsie und Kunst!?

Esch legt seine sagenhafte Kondition in Sachen der Impfung

der Kollegen mit dem Wertermittlungsthema an den Tag. Objekte

zum Üben gebe es nun wirklich zur Genüge. Anfangen

kann man erst einmal allein. Bei größeren Objekten und für die

Schnelligkeit wären Partner aber nicht schlecht.

Schon nutzen die ersten Kollegen die Möglichkeiten der Dis -

kussion, ob durch einen eigenen Erfahrungsbericht oder als

Fragestellung. Es geht im besten Sinne bunt durcheinander.

Geo däsie als Wissenschaft und als Markt. Spannend!

Am Ende habe ich doch keine Frage gestellt. Einige meiner Problemchen

erledigten sich von selbst, andere Dinge fand ich zu

profan, um sie in den Raum zu stellen. Erst auf der Rückfahrt

Pioniere neuer Geschäftsfelder

Oben, wo der Wind weht:

Prof. Dr. Martina Klärle

mer ke ich im Gespräch mit meinen Mitfahrern, dass immer eine

gewisse Naivität am Anfang aller Dinge steht. Genau da muss

man durch. Ich habe die Hoffnung, dass mich der Kongress noch

eine Weile kitzelt.

Dipl.-Ing. Martin Ullner

FORUM-Redaktion

ullner@bdvi-forum.de

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4


REPORT

Jahreshauptversammlung der

BDVI-Landesgruppe Sachsen

Mit rund 100 Mitgliedern und Gästen hat am 8. November 2013 die Landesgruppe Sachsen

des BDVI zu ihrer Jahreshauptversammlung im Schlosshotel Dresden-Pillnitz getagt.

Der Vorsitzende der Landesgruppe Sachsen des BDVI Peter Boxberger begrüßte die Mitglieder

und die Gäste aus Politik, Verwaltung, Ingenieurkammer und befreundeten Verbänden.

In den Mittelpunkt seines Grußwortes stellte er die Meilensteine

aus dem zurückliegenden Jahr, insbesondere die Zweite Sächsische

Vermessungskostenverordnung, das angepasste Justiz -

vergütungs- und -entschädigungsgesetz und die HOAI 2013.

Die freiberuflich tätigen Vermessungsingenieure sehen sich mit

stetig wachsender Verantwortung, komplexeren disziplinüber-

v. l. n. r.: Wolfgang Heide,

Peter Boxberger, Dr. Frank Pfeil

v. l. n. r.: MdL Rolf Seidel, Gerold Werner, Steffen Oertelt,

Wolfgang Heide, MdL Jan Hippold

greifenden Ingenieurleistungen einerseits, andererseits und insbesondere

stetig wachsendem Druck auf die Vergütung der

Ingenieurleistungen konfrontiert, resümierte er. Positiv für die

ÖbVI in Sachsen festzuhalten sei, dass das sächsische Berufsrecht

europatauglich sei. Aber auch den ÖbVI fehle der Berufs -

nachwuchs, so Boxberger. Zur Neujustierung des Berufsrechts

unter dem Aspekt der Nachwuchs siche rung laufen zurzeit im

Mi nisterium und im parlamentarischen Raum intensive Ge sprä -

che. Er versicherte, dass sich der BDVI seiner Verantwortung bei

der Nachwuchsgewinnung und Ausbildung bewusst sei. Die

ÖbVI bilden stetig aus, nehmen Auszubildende, Praktikanten

und Laufbahnanwärter in ihre Betriebe und stellen Personal

ehren amtlich in Ausbildungs- und Prüfungsausschüssen. Peter

Boxberger verband dies mit einem Appell an die Landkreise, ihrer

Verantwortung für die Berufsnachwuchsausbildung wie der nach -

zu kommen.

Der Abteilungsleiter des Sächsischen Staatsministeriums des Innern

(SMI) Dr. Frank Pfeil überbrachte die Grußworte des Staats -

ministers des Innern Markus Ulbig, der wegen der Koali tions -

verhand lungen auf Bundesebene verhindert war.

Dr. Pfeil brachte deutlich zum Ausdruck: Der inten -

siven Arbeit des BDVI sei es zu verdanken, dass die

Quali tät des sächsischen Liegenschaftskatasters

hoch ist. Er bedankte sich für die konstruktive Zu -

sammenarbeit, insbesondere bei der Novellierung

der Verwaltungs vor schriften und der ALKIS®-Einführung.

Ein überzeugender Beweis, wie wichtig

qualitativ hochwertige digitale Geoinformationen

des amtlichen Vermessungswesens als Grundlage

für ein effizientes Katastrophenmanagement und

für die Bürgerinformation seien, habe sich im ver -

gan genen Jahr in der harten Zeit der Flutkatastro -

phe gezeigt. Damit das Vermessungs wesen auch

zu künftig den hohen Erwartungen ge recht wer-

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4


REPORT

den könne, müsse es ge meinsam gelingen, dem

herr schen den Fach kräfte man gel in der Geodäsie

durch Siche rung des beruflichen Nachwuchses

ent gegenzu wirken und eine flächendeckende Versorgung

mit Katastervermessungen zu ge währ -

leisten. Dabei soll die Anzahl der Stellen für die

Lauf bahnausbildung zum gehobenen und hö he -

ren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst

erhöht werden, die Bestellung zum ÖbVI unter Ver -

einbarkeit von Beruf und Fami lie so wie eine vor -

gezogene Leistungsfähig keits prü fung zur Vorplanung einer

Betriebsnachfolge ermöglicht werden, aber auch die Außen -

dar stel lung des Be rufsbildes ver bessert werden.

Der emeritierte Prof. Ernst-Dietrich Hoffmeister der HTW Dresden

und Mitglied des Arbeitskreises Beruf im DVW stellte in sei -

nem Grußwort die Nachwuchsplattform »Arbeitsplatz Erde« vor,

die demnächst um den Bereich »Ausbildung zum Vermes sungs -

techniker und Geomatiker« erweitert werden soll. Er gab einen

Überblick über die vielschichtigen Zugangswege zum Be rufs -

feld Geodäsie mit aktuellen Zahlen aus dem gesamten Bundes -

gebiet zur Ausbildung und zum Studium. Prof. Hoffmeister vermittelte

interessante Denkanstöße zur Nachwuchsge win nung.

Dabei motivierte er die Teilnehmer, bereits frühzeitig das Interesse

junger Leute für das Berufsfeld Geodäsie zu wecken und

sowohl Schülern Praktika sowie Ausbildungsplätze anzubieten,

an Projekttagen und an Ausbildungsmessen teilzu neh men als

auch Studenten durch ein praxisintegrierendes dua les Stu dium

oder mit einem Deutschlandstipendium zu unterstützen.

Nach den Grußworten erfolgte der Einstieg in das Vortrags pro -

gramm, den PD Dr. Dietmar Lindenberger vom Energie wirt schaft -

lichen Institut an der Universität zu Köln, das als wissen schaft -

licher Berater der Bundesregierung agiert, gestaltete. Der Vortrag

gab eine Einordnung der Herausforderungen der Ener gie -

wende in Deutschland in der Form von fünf Thesen. Die erste

These formulierte die größer als gedachte Verfügbarkeit fossi -

ler Energierohstoffe sowie grundsätzliche Optionen der Treibhausgasminderung:

Das knappe Gut ist die »Schadstoffaufnah -

mekapazität der Biosphäre«, so Lindenberger. Insbesondere sei

der anthropogene Treibhauseffekt ein ernst zu nehmendes Risi -

ko. Die wesentliche Motivation für die Energiewende liege dabei

im Umweltschutz und dem Klimawandel. In seinen weiteren

Thesen erläuterte er die Vorteilhaftigkeit europäischer Koopera -

tion bei der Entwicklung des Energiesystems, die Integration der

erneuerbaren Energien, insbesondere der fluktuie renden Strom -

einspeisung aus Solar- und Windenergie, sowie die hierfür erforderliche

Systemflexibilisierung. Der Strom aus Sonne und Wind

ersetze Brennstoffe, aber kaum Kraftwerke, schilderte Lindenberger.

Hinsichtlich der Speicherung von Energie gebe es kein

»Marktversagen«, analysierte der Direktor der Anwendungsfor -

schung in seinen Thesen zu der Rolle von Speichern und Netzen.

Prof. Dr. Peter Waldhäusl

PD Dr. Dietmar Lindenberger

Der emeritierte Prof. Dr.

Peter Waldhäusl aus

Wien stellte den derzeit

in Österreich in Vorbe -

reitung be findlichen

An trag für die Aufnahme

von »Grenzen &

Grenz stei nen« in die

UNESCO-Welt erbeliste

vor, der dem Berufsstand

eine gute Reputation Prof. Ernst-Dietrich Hoffmeister

ver schafft. Der Vortrag

zeigte auf sehr anschau -

liche Weise, dass Grundbuch und Ka tas ter aufgrund der langen

Tradition sowie der friedensschaffen den und -erhaltenden

Bedeutung zwischen Menschen, Verwal tungen und Staaten als

potenzielles Weltkulturerbe angesehen werden könne, da sie

viele der UNESCO-Kriterien für eine Aufnahme in die Welterbe -

liste erfüllen. Er be zeich nete »Grenzen & Grenzsteine« als sichtbare

Zeichen von Grundbuch und Ka taster, die damit auch Symbole

sowohl für das geschützte Grund eigentum als auch für

ein gigantisches Gemeinschaftswerk von Rechts- und Ver mes -

sungs kunst seien, ohne wel ches weder demokratische noch

Wirtschaftsentwicklung mög lich sei.

Die Veranstaltung setzte sich nach dem Mittagessen mit der

Mit gliederversammlung fort. Der Vorsitzende und die Vor stands -

mitglieder nutzten den Tag, um sowohl über die wesent lichen

Aktivitäten der Verbandsarbeit zu berichten, insbesondere in

Bezug auf Berufsnachwuchsgewinnung, Berufsrecht und Baurecht

sowie ALKIS®-Pilotierung, als auch über die Novellierung

der Verwaltungsvorschriften zu informieren. Den Abschluss des

Tages bildete die Abendveranstaltung mit einem kabarettistischmusikalischen

Programm.

Dipl.-Ing. Katrin Mißbach

Geschäftsstelle der

BDVI-Landesgruppe Sachsen

bdvi@vermessung-kamenz.de

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4


REPORT

Herbsttagung der

BDVI-Landesgruppe Thüringen

Am 15. November 2013 fand in Erfurt auf Einladung des Vorstandes die Herbst-Mit -

gliederversammlung mit anschließender Vortragsveranstaltung der BDVI-Landesgruppe

Thüringen statt.

Der Vorsitzende Torsten Hentschel konnte zur Mitgliederversammlung

neben den Mitgliedern auch BDVI-Vizepräsident

Wolfgang Heide begrüßen. Wolfgang Heide informierte sowohl

über die derzeitige Überprüfung des Zugangs zu reglementier -

ten Berufen in den Mitgliedstaaten durch die Europäische Kommission,

wovon auch der Beruf des ÖbVI betroffen ist, als auch

über die Aktivitäten des AHO zur Rückführung der ungeregelten

Planungsleistungen der HOAI 2013, insbesondere der Inge nieur -

vermessung, in den verbindlichen Teil. Mit dem Rechen schafts -

bericht informierte der Vorstand über wichtige Themen auf

Bun desebene, die Novellierung der Thüringer Bauordnung, der

Gutachterausschussverordnung und der Verwaltungs vor schrift

für das Liegenschaftskataster wie auch über die Funktional- und

Gebietsreform, die ALKIS®-Einführung, die Online-Auskunft für

das Liegenschaftskataster u. v. m. Vorstands mit glied Rainer

Pen se führte ein für alle Teilnehmer lehrreiches Quiz zu den

Verwaltungskosten für Vermessungs leistungen mit Preisver -

leihung durch.

Nach der Mittagspause, die intensiv für einen weiteren Informa -

tionsaustausch zwischen den Teilnehmern genutzt wurde, begrüßte

Torsten Hentschel das Mitglied des Thü -

ringer Landtags Heinz Untermann (FDP), Vertreter

aus der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung

sowie befreundeter Verbände und die

Mitglieder zur Vortragsveranstaltung. Die erneut

große Resonanz wertete er als Bestätigung und

positives Zeichen, dass der Berufsverband und die

ÖbVI nicht nur wahrgenommen werden, sondern

dass sie als verlässliche und kollegiale Partner im

Thüringer Vermessungs- und Katasterwesen ge -

schätzt werden. In den Mittelpunkt seines Grußwortes

stellte Herr Hentschel das Reform konzept

2020 zur Reform der Thüringer Landes verwaltung.

Er wür dig te, dass die

lang jährige Forderung

nach konsequenter Um -

setzung des 2005 ein -

geführten Auf gaben -

trennungs modells, wo -

nach Vermessungsaufgaben

von den ÖbVI

wahrgenommen werden

sollen, nun Einzug

in das Reform konzept

gefunden hat.

Wolfgang Heide

Der Referatsleiter Kataster- und Vermessungswesen Ulrich

Püß überbrachte in Vertretung des Abteilungsleiters Andreas

Minschke die Grußworte des Thüringer Ministeriums für Bau,

Landesentwicklung und Verkehr (TMBLV). Er sprach den ÖbVI

seinen Dank für die gute Beratung der Bürger über die Kosten

für Vermessungsleistungen aus. Seit dem Inkrafttreten der ge -

änderten Thüringer Verwaltungskostenordnung für das amt -

liche Vermes sungswesen lägen keine Beschwerden oder Petitio -

Die Mitglieder beteiligen sich am Quiz

zu den Verwaltungskosten für Vermessungsleistungen.

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4


REPORT

Ulrich Püß

Torsten Hentschel

nen vor. Demnach gebe es keine Akzeptanzprobleme in Bezug

auf die Erhöhung der Kosten für Vermessungsleistungen. In sei -

nem Grußwort zog Herr Püß eine erfreuliche Bilanz der ALKIS®-

Einführung in Thüringen, die mit Stand 30. September 2013

bereits knapp 50 % erreicht habe und im Bundesvergleich mit

den wenigsten Umstellungsproblemen schneller als geplant

voranschreite, da parallel zur Migration weiterhin die Bereitstellung

von Vermessungsunterlagen und die Übernahme von

Liegenschaftsvermessungen kontinuierlich und reibungslos

bearbeitet würden. Er dankte der Landesgruppe Thüringen des

BDVI für die durch eine fachlich solide Basis geprägte erfolg -

reiche Zusammenarbeit und zeigte sich überzeugt, die anstehenden

Herausforderungen gemeinsam mit dem Berufsverband

als kom petentem Ansprechpartner meistern zu können. Dazu

zählte er auch die notwendige Ausbildung von Nachwuchs -

kräften für das Vermessungswesen. Für Liegenschaftsneuvermessungen

und das Scannen von Katasterunterlagen stellte er

erneut Vergabemittel für Werkverträge in Aussicht. Herr Püß

in formierte über die Motivation und die wesentlichen Ände -

run gen der am 8. November 2013 in Kraft getretenen Gut ach -

teraus schuss verordnung, die sowohl durch eine Bündelung von

Ressourcen und Fachkompetenzen als auch durch eine Fo -

kussierung auf Arbeitsschwerpunkte, wie die Konzentration auf

Marktanalysen und die Veröffentlichung fundierter Immobi -

lienberichte, geprägt seien.

Mit dem anschließenden Fachvortrag entführte Dr.-Ing. Mirko

Scheinert von der TU Dresden die Teilnehmer auf sehr anschau -

liche Weise in die kältesten Gebiete unserer Erde. Nach einem

Überblick über die geodätische Erdsystemforschung, die durch

internationale und interdisziplinäre Kooperation ge kenn zeich -

net sei, stellte er den Kontinent Terra Incognita Antarctica als

Schwerpunktregion dieses Forschungsgebiets vor. Die Antarktis

sei der am meisten isolierte und höchste Kontinent mit nur

ca. 2 % eisfreier Fläche. Dr.-Ing. Scheinert erläuterte die Ent -

stehung und den Abbau kontinentaler Eis schilde, genannt Ak -

kumulation und Ablation, sowie deren Mas sen bilanz, die Aufschluss

darüber gibt, ob die Masse des Eises zu- oder abnimmt.

Er präsentierte den Einsatz terrestrischer und satelliten ge stütz -

ter geodätischer Verfahren zur Bestimmung von Höhenän -

derung und Fließgeschwindigkeit der Eisoberfläche sowie zur

Ableitung der Massenbilanz des antarktischen Eisschildes. Die

Analyse der Eismassenänderung ermögliche Aussagen zur

dadurch verursachten Deformation der Erdoberflä che und zur

globalen Meeresspiegeländerung. Der Eismassenverlust liege in

der Ant ark tis bei rund 130 Gt/Jahr, in Grönland sogar bei rund

200 Gt/Jahr Dr.-Ing. Mirko Scheinert

und der An -

stieg des glo -

balen Meeres spiegels bei rund 3 mm/

Jahr, so Scheinert. Bis zum Jahr 2100

rechnen die Forscher mit einem ma -

ximalen Meeresspiegelanstieg von

rund 1 m.

Andreas Fillmann-Siegel von BURG

Software & Service für die Vermessung

berichtete anschließend, in

welchen Bundesländern die ALKIS®-

Einführung bereits abgeschlossen ist,

wo allein der Punktdatenaustausch Andreas Fillmann-Siegel

per NAS Pflicht ist und wo die vollständige,

objektstrukturierte Erhebung

möglich ist. Er lobte die gute Zu sammenarbeit bei der

ALKIS®-Einführung in Thüringen und ging auf die Besonderheiten

dieses Bundeslandes ein. Während bei Punktdatenabgabe

die Auswirkungen von ALKIS® auf die tägliche Arbeit der

ÖbVI nicht so umfangreich seien, ließen sich mit der Abgabe

von Objektdaten durch das Nutzen und den Konsum der in den

NAS-Daten enthaltenen Objekte viele Vor teile bzw. Mehrwerte

durch effizientere Prozessabläufe errei chen. Seine Demonstration

einer objektstrukturierten Bearbei tung einer Zerlegung mit

der Software KIVID® und GEOgraf® brachte das zum Ausdruck.

»ALKIS® bleibt nicht stehen und geht auch nie zurück«, so Fillmann-Siegel.

Abschließend rief er die ÖbVI auf, jetzt schon die

Vorteile der ALKIS®-NAS-Daten, die Informationen zu Punkten,

Flurstücken, Gebäuden, Nutzung, Eigentümern u. v. m. in

einer Datei enthalten, zu nutzen, mit die sen Daten zu arbei ten

und sich damit einen Wissensvorsprung zu verschaffen.

Rückblickend ist festzustellen, dass die Veranstaltung der BDVI-

Landesgruppe Thüringen ein sehr großer Erfolg war und sich

wiederholt als Plattform für den fachlichen Informationsaustausch

bewährt hat.

Dipl.-Ing. Katrin Mißbach

Geschäftsstelle der

BDVI-Landesgruppe Thüringen

bdvi@vermessung-kamenz.de

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4


REPORT

60 Jahre BDVI-Landesgruppe

Baden-Württemberg

Am 20. April 2013 fand in Freiburg im Breisgau die Festveranstaltung der Landesgruppe

Baden-Württemberg anlässlich ihres 60. Geburtstages statt, die durch den Festvortrag

des Astronauten und Physikers Prof. Dr. Dr.-Ing. E. h. Ernst Messerschmid einen besonderen Glanz

erfuhr. Dieser runde Geburtstag gibt Anlass, sich auf die historischen Wurzeln zu be sinnen und

auf die Veränderungen der letzten 60 Jahre im freiberuflichen Vermessungswesen von Baden-

Württemberg zurückzublicken.

Es war ein langwieriger und mühseliger Weg, der von unseren

Vorgängern zu beschreiten war, um zu dem heute Erreichten

zu gelangen. Ursächlich hierfür sind die Besonderheiten unse -

res Berufsbildes im Spannungsverhältnis zwischen der Wahr -

nehmung von staatlichen Aufgaben und der Basis freiberuf -

lichen Schaffens. Hieraus ergeben sich immer wieder konträre

Standpunkte und Interessenlagen zwischen der staatlichen Vermessungsverwaltung

und den freiberuflich tätigen Öffent lich

bestellten Vermessungsingenieuren.

In den letzten 60 Jahren seit der Gründung der Landesgruppe

Baden-Württemberg hat sich vieles verändert. Heute ist der Öffentlich

bestellte Vermessungsingenieur als eigenständiger

und unverzichtbarer Teil des amtlichen Vermessungswesens fest

verankert.

Die Wurzeln des Freien Berufes im Vermessungswesen in Ba den-

Württemberg gründen tief und reichen bis in die Zeit der württembergischen

und badischen Landesvermessung. Sowohl zum

Erreichen der ehrgeizigen Ziele der württembergischen Landes -

vermessung als auch wenig später durch das Gesetz von 1852

im Großherzogtum Baden wurden die Vermessungen sämt licher

Liegenschaften mit dem Einsatz von privaten Geo metern durch -

geführt.

Im Großherzogtum Baden wurde die praktische Durchführung

der Katastervermessung in den einzelnen Gemarkungen hierfür

verpflichteten Geometern übertragen. Geometer, die sich bei

der Katastervermessung durch »Fleiß, gute und schöne Arbeit

sowie anständiges Betragen in und außer Dienst« aus zeichneten,

konnten bis zum Bezirksgeometer aufsteigen.

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4


REPORT

Vorsitzender Kurzmann mit der »Taschenausgabe«

der neuen ÖbVI-Berufsordnung

Musikalische Untermalung

Die damals genannten Tugenden finden sich auch

heute noch in modernerer Form in der ÖbVI-

Berufsordnung und in den uns selbst auferleg -

ten Standesregeln des BDVI wieder.

In der wirtschaftlich schweren Zeit nach dem

Ersten Weltkrieg wurde das Vermessungswesen

weit gehend verstaatlicht und im Dritten Reich

dann reichseinheitlich neu geordnet.

Die Grundlage für den Freien Beruf wurde 1938

durch die Berufsordnung der ÖbVI neu geregelt,

die Zulassung von Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieuren wurde

jedoch sehr restriktiv gehandhabt.

Prof. Dr. Dr.-Ing. E. h. Messerschmid bei seinem Festvortrag »Vom All in den Alltag«

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren

die ehe maligen Länder Baden und

Württemberg in drei Besatzungs -

zonen unter teilt. In allen drei Besatzungszonen

arbeiteten Öffentlich

bestellte Vermessungsingenieure,

von denen die meisten schon vor dem

Krieg nach der Berufsordnung von

1938 zugelassen waren.

Präsident Schönherr, Landesamt

für Geoinformation und Land -

entwicklung Baden-Württemberg

In Stuttgart hatten sich die Kollegen

in einem Verein der ÖbVI in Nord -

würt temberg e. V. unter dem Vorsitz von Eugen Roller zusammengeschlossen,

in Baden waren die ÖbVI unter dem Vorsitz

von Kollege Fischer in einer Arbeitsgruppe im DVW or gani siert.

1952 schlossen sich die drei süddeutschen Länder Baden, Württemberg-Baden

und Südwürttemberg-Hohenzollern zu dem

neuen Bundesland Baden-Württemberg zusammen.

Im Zuge der Bildung des Südweststaates entschlossen sich auch

die ÖbVI aus den drei Ländern, einen gemeinsamen Landesverband

zu gründen. Am 6. Juni 1953 trafen sich 22 Kollegen aus

ganz Baden-Württemberg im Hotel Schwabenbräu in Stuttgart

Hauptgeschäftsführer Sander,

Ingenieurkammer Baden-Württemberg

zur Gründungsversammlung und traten dem BDVI Bund bei.

Mit den Feierlichkeiten am 7. Juni 1953 begann unter Teilnahme

vieler Berufskollegen und Vertreter staatlicher und städtischer

Institutionen und des DVW die Geschichte der Landesgruppe

Baden-Württemberg im BDVI.

1963 wurden die Rechte der ÖbVI in einem neuen Vermessungs -

gesetz gegen den Widerstand des BDVI vollkommen neu ge -

regelt. Das dem ÖbVI mit seiner Bestellung übertragene öffent -

liche Amt bezog sich nur noch auf die hoheitlichen Katas ter -

vermessungen im Amtsbezirk eines oder mehrerer Vermessungs -

ämter, während er alle anderen Tätigkeiten als frei beruf li cher

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4


REPORT

In Baden-Württemberg hat der Gesetzgeber

hoheitliche Vermessungsaufgaben neu verteilt.

Seit 10. Dezember 2010 gilt in Baden-Württemberg ein neues

Vermessungsgesetz. Darin werden alle Aufgaben des hoheitlichen

Vermessungswesens sowie die jeweiligen Zuständigkeiten vom

Ge setz geber geregelt. Neu ist nun, dass Katastervermessungen zur

Fest legung neuer Flurstücksgrenzen von Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren

(ÖbVI) zu erledigen sind. Seit 1. Juli 2011 gilt

dies für alle Vermessungen, bei denen im Auftrag von Privatpersonen

neue Flurstücksgrenzen (Flurstückszerlegung) vermessen

werden sollen. Ab dem 1. Januar 2014 gilt dies auch für alle durch

Städte und Kommunen veranlassten Vermessungen.

Die wichtigsten Neuerungen der Zuständigkeiten

ab 1. Januar 2014 im Überblick:

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure

Katastervermessungen zur Festlegung neuer

Flurstücksgrenzen (Flurstückszerlegungen)

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure und

untere Vermessungsbehörden

Bodenordnungsverfahren nach dem Baugesetzbuch

(Baulandumlegung)

Vermessung lang gestreckter Anlagen

(z. B. Straßen, Wege, Bahnanlagen, Gewässer)

Aufnahme veränderter und neuer Gebäude

Grenzfeststellungen (mit und ohne Abmarkung)

Ausnahmen von der generellen Zuständigkeit sind im Vermessungs -

gesetz von Baden-Württemberg im §8 (2) geregelt.

Vermessungsingenieur durchführte. Mit dieser Regelung wurde

auf Einwirken des BDB die Existenz der vielen rein freiberuflich

tätigen Vermessungsingenieure in Baden-Württem berg ge sichert.

Für die Zulassung neuer ÖbVI musste ein öffentliches Interesse

vorliegen und die Zulassung in den Städten war nur mit deren

Einverständnis möglich.

Mit dem Vermessungsgesetz von 1961 begann ein langwie riger

Kampf des BDVI darum, das Berufsrecht zugunsten des Freien

Berufes zu verändern und die Zulassungspraxis aufzulockern.

Aus der Liste der verdienten Vorsitzenden und Stellvertreter je -

ner Zeit sind die berufspolitischen Urgesteine Winfried Leber

und Alfred Hils besonders zu erwähnen und die große Bedeutung

ihres Wirkens auf die Entwicklung des Berufsstandes in

Baden-Württemberg zu unterstreichen. Winfried Leber war als

Vorsitzender der Landesgruppe von 1974 bis 1999 ein unermüd -

licher Kämpfer für unsere berufspolitischen Angelegenheiten

und Ziele. Sein unerschütterlicher Optimismus und Glau be an

die Zukunft des privaten Vermessungswesens haben ursächlich

mit dazu beigetragen, dass einige der damals an ge streb ten Ziele

zwischenzeitlich auch erreicht wurden. Untrenn bar an seiner

Seite führte Alfred Hils als stellvertretender Vorsitzender und

Schatzmeister die Geschäftsstelle der Landesgruppe in Stutt -

gart. Beide setzten sich intensiv dafür ein, dass die Rechte und

gesellschaftliche Wahrnehmung der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure

gestärkt und das Spektrum ihrer Aufgaben

erweitert wurde.

Ein Bericht des Rechnungshofes über die Wirtschaftlichkeit im

Jahr 1985 empfahl eine stärkere Privatisierung des Ver mes sungs -

wesens, um die staatlichen Haushalte zu entlasten. Die damit

geschürten Hoffnungen der ÖbVI zerrieben sich jedoch zwischen

den Mühlen der Politik und der Vermessungsverwaltung. Bis

Ende der 90er-Jahre kämpfte der BDVI für eine Ände rung des

Vermessungsgesetzes mit dem Recht auf Zulassung bei gleich -

zeitiger Verbesserung der rechtlichen Stellung des ÖbVI.

Das im Zuge der Verwaltungsreform erstellte Kienbaum-Gut -

achten empfahl wie schon 1985 der Rechnungshof eine Verlagerung

von operativen Vermessungen auf die ÖbVI, was 1995

zu einem Ministerratsbeschluss führte, der als Ziel eine Erhö -

hung der von den ÖbVI erledigten hoheitlichen Tätigkeiten auf

einen Anteil von 80 % vorsah. Im gleichen Jahr wurde trotz

heftiger Gegenwehr des BDVI der Landesbetrieb Vermessung

ge gründet, wodurch sich der Konkurrenzdruck auf die ÖbVI deut -

lich verschärfte.

1999 fand der politische Wunsch nach mehr Privatisierung und

Entbürokratisierung Aufnahme im Vermessungsgesetz, indem

dort die Zulassungsvoraussetzung des öffentlichen Interesses

fallen gelassen wurde und keine Zustimmung der Städte mehr

erforderlich war. Diese Liberalisierung führte zu einem deutlichen

Anstieg der zugelassenen ÖbVI auf 125 im Jahr 2000.

Nach 25 Jahren im Amt wurde Winfried Leber als Vorsitzender

von Dieter Seitz abgelöst und Guido Hils übernahm als

Nachfolger seines Vaters Alfred Hils und neu gewählter stell -

vertretender Vorsitzender die Geschäftsstelle in Stuttgart. Die

schwie rige Situation in dieser Zeit ähnelte einem gordischen

Knoten. Die Liberalisierung der Zulassung und der Ministerratsbeschluss

von 1995 standen im Kontrast zur Umwandlung

der Vermessungsverwaltung in einen Landesbetrieb im Zusammenhang

mit einem starken Rückgang der Katastervermessungen

in Baden-Württemberg. Trotz Personalabbau in der

Vermessungsverwaltung führte in der Zeit von 1999 bis 2009

ein drastischer Rückgang der Katastervermessungen um mehr

als 50 % zu einer an gespannten wirtschaftlichen Situation bei

den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren in Baden-

Württemberg.

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4


REPORT

In dieser schwierigen Phase hat Dieter Seitz mit

diplomatischem Geschick und Fingerspitzengefühl

in unzähligen Gesprächen mit Politik und

Verwaltung für die Interessen der ÖbVI in Ba -

den-Württemberg gekämpft.

Präsident Zurhorst, BDVI

Eine gravierende Änderung ergab sich durch das Verwaltungs -

strukturreformgesetz von 2004, nachdem die staatlichen Vermessungsämter

und die Ämter für Flurneuordnung in die Land -

ratsämter eingegliedert worden waren. Es sollte die Voraus set -

zun gen für Kosteneinsparungen in der Verwaltung und eine ein -

fachere und transparentere Verwaltungsorganisation schaffen.

Eine daraufhin erfolgte Änderung des Vermessungsgesetzes im

Jahr 2005 brachte uns nur »scheinbare« Fortschritte. In diesem

neuen Vermessungsgesetz war zwar erfreulicherweise die Erhöhung

der Privatisierung erstmals festgeschrieben, sie sollte

aber entlang der personellen Fluktuation durch Zielverein -

barungen zwischen dem LGL und den Landratsämtern erreicht

werden. Doch weder dies noch die vorgesehene Effizienz rendite

von 20 % innerhalb von fünf Jahren brachten eine Verbesserung

der Situation der ÖbVI. Der Anteil der von den ÖbVI erledigten

Katastervermessungen stagnierte nahezu bei sinkenden Auftragszahlen.

Durch die hier geregelte Zuständigkeit der ÖbVI für Flurstücks -

zerlegungen (ab 1. Juli 2011 von privaten und ab 1. Januar 2014

auch von kommunalen Auftraggebern) bestehen gute Chancen,

in den Jahren ab 2014 den angestrebten Privatisierungsgrad

von landesdurchschnittlich

80 % der hoheitlichen Vermessun -

gen zu erreichen.

Mit den Änderungen im Vermessungsgesetz

erfahren die ÖbVI in

Baden-Württemberg einen gro ßen

Vertrauensbonus durch die Politik

und gleichzeitig eine ge stiegene

Verantwortung für den Zustand

und die Entwicklung des Vermessungswesens.

Dieser Verantwortung

müssen wir durch unser fach -

liches, ethisches und gesell schaft -

liches Auftreten ge recht werden

und das Vertrauen der Öffent lich -

keit in den Freien Beruf durch un -

ser Handeln rechtfertigen.

MR Steudle, Ministerium für

Ländlichen Raum und Verbraucherschutz

Baden-Württemberg

Der BDVI monierte diese unbefriedigende Situation und for -

der te eine höhere Privatisierungsquote und eine klare Auf -

ga ben trennung zwischen der Vermessungsverwaltung und den

ÖbVI.

2006 ging das Vermessungswesen vom Wirtschaftsministe rium

auf das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum über,

um das Vermessungs- und Flurneuordnungswesen in einer einheitlichen

Verwaltungsstruktur vereinen zu können.

Im Jahr 2009 lag der ÖbVI-Anteil immer noch bei ca. 50 % statt

der vorgegebenen 80 %, die bis zum Jahr 2011 hätten erreicht

sein sollen. Da hier bereits absehbar war, dass auf dem ein ge -

schlagenen Weg der 80%-Anteil nicht zu erreichen war, erarbei -

tete das Ministerium unter Federführung des damaligen Minis -

ters Peter Hauk (CDU) ein Eckpunktepapier, das eine ge setz lich

geregelte Aufgabenzuweisung und eine weitere Li be rali sierung

der Bestellung zum ÖbVI aufgriff. Auf dieser Grundlage trat am

10. Dezember 2010 ein geändertes Vermessungsgesetz in Kraft,

in dem die seit Langem geforderte Aufgabentrennung zwischen

ÖbVI und Vermessungsverwaltung zu großen Teilen realisiert

wurde.

Es ist eine zentrale Herausfor de rung für alle, unser spannendes

Be rufsbild stärker in die Öffent lich keit zu tragen und für eine

posi tive Wahrnehmung zu sorgen. Die Gewinnung von Fach- und

Nachwuchskräften ist ein zentrales Anliegen der nächsten Jahre.

Wir wissen die sehr gute und konstruktive Zusammenarbeit

zwischen dem MLR, dem LGL und dem BDVI zu schätzen. Diese

bewährte sich auch bei der Einführung von ALKIS® in Baden-

Württemberg. Die nächste technische Herausforderung wird die

Umstellung des Lagebezugssystems auf ETRS89/UTM-Koordinaten

sein.

Alle kommenden Herausforderungen lassen sich nur meistern,

wenn alle beteiligten Stellen kooperieren und weiter zusammen -

wachsen. Die positiven Erkenntnisse aus den regelmäßig statt -

findenden Regionalkonferenzen und die gemeinsamen Akti vi -

täten im Bereich der Ausbildung lassen dieses hoffen und damit

auch den Ausblick auf eine gemeinsame und spannende Zu kunft

des Vermessungswesens in Baden-Württemberg wagen.

Dipl.-Ing. Gerd Kurzmann

Vorsitzender BDVI-Landesgruppe

Baden-Württemberg

gkurzmann@kurzmann.de

47

4


FORUM

Der Landmesser

in der Volkskunde und

in der Dichtung

DIETER GREVE | SCHWERIN

Wenn wir zurückgehen in der Geschichte des Berufs des Landmessers, so hat sich das Bild

des mit dem Theodolit, dem Nivellier, der Latte, den Fluchtstäben und dem Messband

durch das Gelände laufenden Landmessers eingeprägt.

Wilhelm Raabe gab in seinem Volksbuch eine im 19. Jahrhundert weitverbreitete Meinung über

einen deutschen Berufsstand wieder, der in den Augen der Bauern immer im Interesse der Obrigkeit

tätig war, nach der die Landmesser, die absichtlich falsch gemessen haben, mit einer glühenden

Messkette in der Dunkelheit messen müssen.

Diese weitverbreitete Volksmeinung hat W. Helms 1928 bezogen

auf Mecklenburg in einem Holzschnitt dargestellt, auf dem

drei leuchtende Punkte die Landmesser darstellen, die gezwungen

sind, in der Dunkelheit als Irrlichter eine glühende Messkette

zu ziehen. Seine Bildunterschrift lautet:

»De Irrlichter sünd Landmäters, de gegen de armen

Buern falsch mäten häm’n un nu tau Straf mit de gläunige

Mätkääd’ rümlopen möten.« Auf Hochdeutsch: »Die

Irrlichter sind die Landmesser, die gegen die armen Bauern

falsch gemessen haben und nun zur Strafe mit einer glühenden

Messkette herumlaufen müssen.«

WORIN LIEGT DIESES VORURTEIL BEGRÜNDET?

Der Landmesser war im 18. und 19. Jahrhundert fast immer im

obrigkeitlichen Auftrag tätig. Die Bauern werden sich oft durch

die Obrigkeit betrogen gefühlt haben. Dabei wird in ihren Augen

der für sie sichtbar tätige Landmesser der Schuldige gewesen

sein. Es wird kaum eine Rolle gespielt haben, dass er kein

festes Anstellungsverhältnis hatte und sogar eidlich ver pflich -

tet war, »richtig und redlich zu Werke (zu) gehen«.

Im 18. Jahrhundert wurden in Mecklenburg wie in anderen

deutschen Regionen die ersten größeren Vermessungen ausgeführt.

Das war insbesondere die umfangreiche Vermessung

des ritterschaftlichen Grundbesitzes ab 1756 – die sogenannte

Direktorialvermessung. Die Ergebnisse dieser als Grundlage für

die Steuererhebung durchgeführten Vermessungen begegnen

uns teilweise noch heute auf den Flurkarten des Liegenschafts -

katasters, wenn auch in modifizierter Form.

Bei den größeren Vermessungen des 18. Jahrhunderts waren

die Landmesser häufig ausgediente Offiziere, die in ihrem Dienst

den Umgang mit Karten und deren Erstellung kennengelernt

48

4


FORUM

Direktorial kom mission

ein ge stellt, die die Vermessungen

zu prüfen

hatten. Bezeichnenderweise

musste als spe zieller

Rechenmeister der Silberwäger

Kahns aus Schwerin

eingestellt werden, der die

für die Bonitie rung erfor -

derliche Bruch rechnung beherrschte.

Diese ersten größeren Vermessungen

für die Steuererhebung

haben für die Bauern aber keine

Vorteile gebracht. Fritz Reuter,

der die mecklenburgi schen landwirtschaftlichen

Verhältnisse sehr

genau kannte, erhebt in seiner »Ur -

geschicht von Meckelnborg« in dem

13. Kapitel, in dem von der Rück kehr

in das Land nach der Sintflut die Rede

ist, die Forderung nach Vermessung und

Neueinteilung des Landes:

hatten. Es

muss ein lustiges Völk chen

gewesen sein. Aus Tor gelow bei Waren

wurde beispiels weise Klage geführt, dass ein Vertreter

der Zunft »wie wild getanzt und den Mädchen die Strumpf -

bänder abgeknöpft« habe. Einer der Notare, die bei den Bonitierungen

der Äcker, Wiesen usw. immer anwesend sein mussten,

führte Klage darüber, dass er im Felde zu den Mahl zeiten

Brannt wein trinken müsse, den er nicht vertragen könne, und

er deshalb von dem rauen Volk verlacht werde.

Die fachlichen Kenntnisse weder der Taxatoren, die die landwirt -

schaftlichen Flächen zu bonitieren hatten, noch der Land messer

waren hoch zu bewerten. So wurden spezielle Revisoren bei der

»Äwer in den Lan’n was dat en groten

Spektakel un Spermang, denn Utverschamtheit

let grüßen, un weck Raff -

katers hadden sich en groten Hümpel

Land tausamen aust’t, un weck hadden

man en lütten Finzel dorvon afkregen, un

de meisten hadden gor nicks. Na des’

mak ten denn nu en groten Larm un säden,

dat wir nich mit Rechten taugahn un dat

ganze müßt vermeten un indeilt un denn

müßt kawelt warden.« Zu Hochdeutsch: »Aber

im Lande war es ein großes Spektakel und Durch -

einander, denn Unverschämtheit ließ grüßen, und

einige Raffkes hatten sich einen großen Haufen

Land zusammengerafft (wört lich: geerntet), und

einige hatten nur einen kleinen Fitzel davon ab -

bekommen, und die meisten hatten gar nichts. Na,

diese machten denn nun großen Lärm und sagten,

das wäre nicht mit rechten Dingen zugegangen und das

Ganze müsste vermessen und eingeteilt und dann verlost

werden.«

Diese Forderung wurde mit den Vermessungen im obrig keit -

lichen Auftrag jedoch nicht erfüllt.

Die Kammeringenieure späterer Zeit hatten eine spezielle Ausbildung

erhalten. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden die An -

49

4


FORUM

sich aus steuerrechtlichen Gründen weder in den Städten noch

auf den ritterschaftlichen Gütern die Notwendigkeit. Mit der

wirtschaftlichen Entwicklung jedoch, die in der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts zur Güteraufteilung und Separation von

bäuerlichen Hufen, vereinzelt auch in der Ritterschaft, führte

und insbesondere in größerem Umfang Drainagen und auch

Straßen-, Eisenbahn- und Wasserbauten mit sich brachte, wuchs

der notwendige Umfang der Vermessungen.

In dieser Zeit wurde die Institution des freiberuflichen »Vermessungs-

und Kulturingenieurs« geschaffen, der zusätzlich zu

seiner geodätischen Ausbildung Kenntnisse des Straßen-, Eisenbahn-,

Wasser- und Tiefbaus erwerben musste.

Dieser war dann prädestiniert für die Durchführung von Feldmarksregulierungen

und Separationen – in anderen Ländern

Verkoppelung ge nannt.

Hermann Löns, der in der Lüneburger Heide lebte, hat in

seinem Gedicht »VERKOPPELUNG« seine Gedanken dazu

zum Ausdruck gebracht:

Es geht ein Mann durch das bunte Land;

Die Messkette hält er in der Hand.

Sieht vor sich hin und sieht sich um;

»Hier ist ja alles schief und krumm!«

Er misst wohl hin und misst wohl her;

»Hier geht ja alles kreuz und quer!«

Er blickt zum Bach im Tale hin;

»Das Buschwerk dort hat keinen Sinn!«

forderungen an die Ausbildung der mecklenburgischen Geometer

sogar vorbildlich für das ganze Deutsche Reich. Die Kammeringenieure

arbeiteten im Auftrag der großherzoglichen

Kammer auf dem domanialen, dem herzoglichen Grundbesitz.

Dort waren sie in dieser Zeit in erster Linie mit der Regulierung

der Feldmarken beschäftigt. Der aus dem Mittelalter stammende

Flurzwang wurde dabei aufgelöst, indem den bäuerlichen

Hufen separierte Schläge oder Koppeln zugeteilt wurden. Dabei

wurde gleichzeitig eine Bonitierung, eine steuerliche Bewertung,

durchgeführt. Wahrscheinlich werden sich viele Bauern

wiederum bei der Ackerzuteilung betrogen gefühlt haben, was

zu der von Raabe wiedergegebenen Meinung über die Land -

messer geführt hat.

Seit der Direktorialvermessung wurde außerhalb des Doma -

niums nahezu keine Vermessung mehr ausgeführt. Dazu ergab

Zum Teiche zeigt er mit der Hand;

»Das gibt ein Stück Kartoffelland!«

Der Weg macht seinen Augen Pein;

»Der muss fortan schnurgerade sein!«

Die Hecke dünket ihm ein Graus;

»Die roden wir natürlich aus!«

Der Wildbirnbaum ist ihm zu krumm;

»Den hauen wir als Ersten um!«

Die Pappel scheint ihm ohne Zweck;

»Die muss da selbstverständlich weg!«

Und also wird mit vieler Kunst

Die Feldmark regelrecht verhunzt.

50

4


FORUM

Ihm antwortete der Regierungslandmesser P. Stephan in

einem Gedicht unter dem Titel »ZUSAMMENLEGUNG«:

O Löns, dein Dichteraug ist schön,

Und doch hat’s einmal schwarz gesehn.

Wie die »Verkoppelung« beweist,

Bist, Großer, einmal du entgleist.

Und dann weiter:

Es geht ein Mann durch dürftig Land,

Messband und Karte in der Hand.

Er blickt auf Blatt und Flur und denkt:

»Wie sind die Felder arg vermengt!«

An Wegen fehlt es im Revier,

Es quält und plagt sich Mensch und Tier.

Kann keiner sich der Arbeit freun;

Die Müh’ ist groß, die Ernte klein.

Das Flurbild stammt aus alter Zeit,

War’s einstmals gut, jetzt schafft es Leid.

Ich komm zum Schluss, es hilft hier nur

Die Neueinteilung dieser Flur.

Ein Wegnetz, das in rechter Wahl

Sich schmiegt an Hang und Berg und Tal.

Fünf Jahre gingen in das Land.

Auf neuem Plan der Bauer stand.

»O, welch ein Segen rings umher,

Kein Zwang hemmt unser Schaffen mehr!«

Und neben ihm sein Weib stimmt zu:

»O Heimatflur, wie schön bist du!«

Und beide rufen froh und frank:

»Dir Mann der Messkunst, dir sei Dank!«

Wir sehen, dass es auch seinerzeit bereits unterschiedliche Positionen

zu der Aufgabe gab, die heute Flurneuordnung oder

Flurbereinigung genannt wird. Das zunehmende ökologische

Denken, das bei Löns – wenn auch anders motiviert – bereits

erkennbar war, wird uns heute überall begegnen und u. a. das

Handeln bei der Neuordnung von Fluren, bei der Dorfentwicklung

usw. bestimmen.

Die wissenschaftlich-technische Entwicklung hat auch auf dem

Gebiet der Messtechnik zu teilweise völlig veränderten Instrumenten

und Messverfahren geführt.

Das führt zur Ablösung traditioneller Verfahren – bis hin zur

Landesvermessung. Diese Entwicklung wird sich sowohl in der

Brei te als auch in der Tiefe fortsetzen.

Die Pläne groß und breit gefügt,

Dass tief und lang der Bauer pflügt.

Der Sumpf wird blühendes Gefild,

Der Steilhang lieblich Gartenbild.

Der Wegebäume grüne Reih’

Beleb’ der Feldmark Einerlei.

Was gut und schön ist, bleib, wie’s war,

Wer anders dächt’, wär’ ein Barbar.

Das Wäldchen mag, das dort zu sehn,

Als Vogelschutzgehölz bestehn.

Unangetastet sollen sein

Der Eichbaum und der Hünenstein.

Ich sage kühn, nicht reicher nur,

Nein, sogar schöner wird die Flur.

Dieter Greve

StVermD i. R.

dpf.greve@gmx.de

51

4


FORUM

Carl Friedrich Gauß (1777-1855) auf dem berühmten

Ölgemälde von Gottlieb Biermann (1887)

nach einer Originalkopie von Christian Albrecht Jensen

(1840), befindlich in der Universität Göttingen

Luxushotel in Braunschweig

ehrt C. F. Gauß hundertfach

Das hätte sich der gleichermaßen geniale wie bescheidene Carl

Friedrich Gauß vor 200 Jahren nicht vorstellen können – ein

Hotel in Braunschweig, in dem er in jedem Zimmer und auf jedem Flur präsent ist! Seine Geburts -

stadt Braunschweig hat ein neues Hotel erhalten, mitten in der Stadt im Bürgerpark, das »Steigenberger

Parkhotel«, 4 Sterne Superior, im August dieses Jahres eröffnet.

Und dieses Hotel ehrt die beiden größten

Söhne der Stadt Braunschweig auf be -

eindruckende Weise: Heinrich der Löwe,

der berühmte Welfenherzog (um 1150),

leiht der Luxussuite seinen Namen. Der

Allroundwissenschaftler Carl Friedrich

Gauß (1777-1855) wird in jedem weite -

ren der 179 Hotelzimmer mit einem Aus -

schnitt seines legendären Triangulations -

netzes »zitiert«. Und auch sonst: Gauß

allerorten. Hier ein Zitat von ihm an der

Wand, da die Prinzipskizze seines Erd ro -

tationsellipsoids im Teppich oder überall die dem dreibeinigen

Vermessungsstativ nachempfundenen Stehlampen. Da rüber

hinaus veredeln symbolisch gaußsche Vermessungslinien die

Flure des Hotels. Ein ganz besonderes Highlight: »Die Edelloun -

ge« trägt die Bezeichnung 1777 – Gauß’ Geburtsjahr in Braunschweig.

Diese Hommage an Gauß in hundertfacher Zahl ist die Ver nei -

gung der Stadt Braunschweig und des »Steigenberger Park hotels«

vor einem der größten Mathematiker, Physiker, Astro nomen und

Geodäten aller Zeiten. Seine Mathematikerkenntnisse sind

zeitlich unbegrenzt fundamental, seine Erfindung – zusammen

mit Prof. Weber – des Telefons epochal, seine astronomischen

Berechnungen phänomenal und seine geodätischen Verdiens -

te in Theorie und Praxis nutzbringend und bewundernswert zugleich.

Der 10-DM-Geldschein zeigte seine Verdienste von 1992 bis

2002 in millionenfacher Auflage. Jetzt ehrt die Welfenstadt

Braunschweig den öffentlichkeitsscheuen Gauß dauerhaft auf

diese Weise – zusätzlich zum Gaußdenkmal, zur Gaußschule,

zur Gaußstraße, zur Gaußbrücke usw.

links | Gaußsche Prinzipskizze: Querschnitt Erdellipsoid

rechts | Hotelzimmer mit Vermessungsstativlampe und einem

Triangulationsnetz-Ausschnitt, ähnlich dem auf dem 10-DM-Geldschein

Bei der Eröffnung des Hotels war C. F. Gauß als Ehrengast ver -

treten (unter der Verkleidung steckte der Verfasser). Viele Gäste

wussten von den Rechenkünsten des seinerzeit Neunjährigen

(die Summe der Zahlen 1 bis 100) und der gaußschen Normal -

ver teilung – der Basis aller Statistik in der Welt –, aber nur we ni -

ge von seinen Verdiensten für die Geodäsie, die Vermessung der

Erde im Großen und im Kleinen. Das »Steigenberger« trägt jetzt

dazu bei, dieses Defizit abzubauen. Geodäten schlägt das Herz

in diesem Hotel automatisch höher. Als Seminarhotel bie tet sich

das »Steigenberger« logischerweise an – zwei Vermessungsveranstaltungen

sind bereits in diesem Hause terminiert.

Prof. Dipl.-Ing. Klaus Kertscher

Ltd. VermD a. D.

klaus.kertscher@ewetel.net

52

4


FORUM

SPRENGNETTER (HRSG.)

Sachwertrichtlinie

und NHK 2010

Kommentar zu der neuen Wertermittlungs -

richtlinie zum Sachwertverfahren

Verlag: Sprengnetter GmbH, Sinzig, 2013,

Hardcover, 224 Seiten,

ISBN 978-3-937513-54-9,

Preis 73,83 Euro (zzgl. MwSt., Porto und Versand)

Nach der Einführung der Immo -

WertV 2010 werden jetzt suk zes -

sive Teile der WertR 2006 aktua lisiert.

Im Anschluss an die Bo den richt wert -

richtlinie ist die neue Sach wert richt -

linie (SW-RL) am 18. Oktober 2012

veröffentlicht worden. Mit der neuen

SW-RL sind wesentliche Neuerungen

auf Immobiliensachverständige und

Gut achterausschüsse zugekommen.

Zwar werden im Vergleich zur WertR

2006 die Normalherstellungskosten

aktualisiert und zahl reiche Verfah -

rensabläufe konkre ti siert, es bleiben

jedoch für die alltägliche Bewertungs -

praxis zahlreiche Fragen offen, z. B. die sachgemäße Berücksichtigung

der Nutzbarkeit eines Dach geschosses.

Hier wie an vielen anderen Stellen setzt der Kommentar von

Sprengnetter an und greift jede der Regelungen der SW-RL auf:

Dem Anwender werden zahlreiche Lösungsvorschläge und Tipps

für Sachverhalte, die in der Richtlinie nur unzureichend abgehandelt

werden, aufgezeigt.

Insgesamt verzichten die Autoren ganz bewusst auf vertie fende

bewertungstheoretische Erläuterungen. Vielmehr wollen sie die

Regelungen der ImmoWertV für Bewertungspraktiker und Bewertungsrechtler

verständlich machen und die notwendige

Hilfestellung bei der Auslegung und Deutung sowie der Anwendung

der Richtlinie geben.

Für Sachverständige und Gutachterausschüsse stellt dieser

Kom mentar ein wichtiges Arbeitsmittel dar, für die beratenden

Berufe eine verlässliche Informationsquelle.

Uwe Ehrhorn | Achim

ANDRÉ MARCHER

Kaum vermessen –

schon vergessen

Engelsdorfer Verlag, 2013,

Taschenbuch, 190 Seiten, ISBN 978-3-95488-132-1,

Preis 12,00 Euro, E-Book (Kindle Edition) 5,99 Euro

Als Vermessungsingenieur im Außendienst kann man eine

Menge erleben. Erst recht, wenn man überwiegend mit

Katastervermessungen zu tun hat und dabei den unterschied -

lichsten Menschen und ihren (Grundstücks-)Geschichten be -

gegnet. Gewiss hat schon der eine oder andere bei sich gedacht:

Das müsste man alles einmal aufschreiben. Der Leipziger Geodät

André Marcher hat dies verwirklicht und eine Sammlung

kurzweiliger Miniaturen aus dem Vermesseralltag vorgelegt.

Spannend und nicht nur für Eingeweihte unterhaltsam be schreibt

der Autor die vielen kleinen Begegnungen mit einfachen und

komplizierten Bürgern, gefrusteten und glücklichen, Underdogs

und Überfliegern. Dabei gelingt ihm eine liebevolle Darstellung

seiner Landsleute mit ihren Schwächen und Macken, aber auch

ihrem Optimismus und Behauptungswillen. Indem er zu Grenz -

steinwanderungen ins Leipziger Rosental, die Dahlener Heide

oder an die Erzgebirgsgrenze einlädt, skizziert Marcher ne benbei

sächsische Landes- und Vermessungsgeschichte. Der wandern -

de Geodät nimmt den Leser mit auf Spaziergänge zu weniger

bekannten Zielen ins Zittauer Gebirge, die Sächsische Schweiz,

ins Erzgebirge oder in das Dreiländereck von Sachsen, Böhmen

und Bayern. Dabei folgt er dem hintersinnigen Motto: »Vermes-

ser haben sich nie Grenzen setzen lassen, wenn es galt, eine

bessere Sicht auf die Dinge zu bekommen.« Unaufdringlich vermittelt

der Autor auf diese Weise Wissenswertes und Hintergründiges

von der historischen Kennzeichnung von Grenzen bis

hin zu den Chancen und Schwierigkeiten bei den Vermessungs -

arbeiten nach der politischen Wende 1989. Er beschreibt die

Anfänge der Geodäsie in Sachsen, die Vermessung der Stadt

Leipzig, die verschiedenen europäischen Höhensysteme und die

sich daraus ergebenden Tücken. Auch von seinen Reisen nach

Paris, Prag oder in die Schweiz bringt er Faszinierendes aus der

Welt der Vermessung mit.

Der Klappentext fragt, ob es denn irgendetwas Interessantes am

Beruf des Geodäten geben kann. Wer beschäftigt sich mit solch

trockener Materie, wie werden Geodäten im Leben wahrgenommen

und welche Auswirkungen hat ihr Tun? Marcher gelingt

es hervorragend, die Fragen zu beantworten. Er unterhält sich

mit seinem Leser, spricht ihn direkt an, stellt Fragen, gibt Ant -

worten. Ein Unterhaltungsbuch im besten Sinne.

Frank Reichert | Mahlow

53

4


FORUM

Leserbrief

Die Angst des Geometers vor den Monopolisten

oder Et hätt noch immer alles jood jejange!

15.

Juli 2013: Sicherlich ist es inzwischen jedem aufgefallen, dass die Vielfalt an An bietern

vermessungstechnischer Hard- und Software in den letzten Jahren deutlich geschwunden

ist. Unter Hardwareanbietern seien hier insbesondere die Hersteller von Vermessungs geräten

und -sensoren verstanden. Mit Softwareherstellern sind die Anbieter von Vermessungs software im

weitesten Sinne gemeint.

Es ist sicherlich auch wahr, dass im Bereich des Vermessungs -

wesens noch nie das Riesenangebot an Firmen bestanden hat,

was ja nun in der Natur eines nicht allzu großen Wirtschafts -

zweiges begründet liegt. Aber in den letzten Jahren haben sich

einige Dinge doch bemerkenswert entwickelt. Gerade im Be -

reich der Gerätehersteller gibt es inzwischen Tendenzen, die zur

Nachdenklichkeit und zum präventiven Handeln Anlass geben.

Jeder, der sich ein Gerät kauft, ist zu diesem Zeitpunkt der Meinung,

dass es nun sein Eigentum sei und er darüber nun nach

Belieben verfügen könne. Weit gefehlt, wird man sehr schnell

feststellen. Es ist zwar richtig, dass die neuen Geräte schneller

und genauer messen als frühere Generationen, aber ob man

die gewünschten Daten auch an den Stellen, an denen man sie

braucht, erhalten kann, das ist eine ganz andere Sache.

Man ist es gewohnt, dass die Messgeräte ihre Daten sammeln

und man sie von dort auf einen Rechner zur weiteren Auswer-

tung übertragen kann. Will man jedoch einen eigenen PC an

diese Geräte anschließen, so sehen die Dinge schon anders aus.

Selbst Microsoft musste nach diversen verlorenen Prozessen seine

Strategie dem Markt anpassen und sich für andere Markt teil neh mer

öffnen, z. B. Virenschutz, Datensicherung und Inter netbrowser.

Open Source generiert Mehrwerte nicht nur für die Anwender,

sondern auch für die Anbieter durch Erschließung neuer Ni schen -

märkte.

Als Begründung wird angegeben, man müsse so sein Wissen

vor Zugriffen von Mitbewerbern schützen, besonders solchen aus

dem asiatischen Raum. Dass aber die Mitbewer ber diese Informationen

offenlegen oder man selbst diesen z. B. Boards zu einem

mehr als günstigen Preis verkauft, wird vergessen zu erwähnen.

Das Recht des Kunden, sein Gerät so zu nutzen, wie er es möchte,

wird mit obskuren Vorwänden negiert.

© Card: François Bournaud, Photo:

© UNICEF/NYHQ2012-0180/ASSELIN

*0,20 € pro Anruf aus dem dt. Festnetz der Telekom/

Mobilfunkpreise abweichend, max. 0,60 € pro Anruf.

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FORUM

Besondere Brisanz erhält das Ganze vor dem

Hintergrund, dass die Gerätehersteller in

immer stärkerem Maße auch die Software

herstellen, die nach der Übertragung der

Daten auf den PC die Auswertung der Da -

ten übernehmen soll.

Denkt man die Gedankengänge des vorigen

Abschnittes zu Ende, so ist es nur noch eine

Frage der Zeit, bis auch die Datenstrukturen

der ab gelegten Messdaten nicht mehr offen

an den Kunden gegeben werden. Dann

bliebe nur noch eine Auswertung mit der

vom Gerätehersteller vorgegebenen Software.

Man wäre dann auf Wohl und Wehe

an diesen gebunden. Insbesondere bei Sonderwünschen,

bei Fehlerkorrekturen oder

Anpassungen aufgrund sich ändernder

recht licher Vorschriften wäre ein Auswei -

chen auf eine andere Software fast ausge -

schlossen. Es ist deshalb von grundlegender

Wichtigkeit, dass der Zugriff auf alle

Daten des Gerätes offen bleibt. Es muss dem

Anwender überlassen bleiben, wie er sein

Gerät nutzen möchte.

Auch der Einwand, man wolle den Anwender

nur davor schützen, dass sein Gerät nach

dem Anschluss von fremder Software oder

fremden, anderen Rechnern nicht mehr rich -

tig funktioniere, ist nicht stichhaltig.

Betrachtet man nun, dass einige Geräteher -

steller sich nicht nur mit Software be schäf -

tigen, sondern auch Vermessungs- oder Befliegungsfirmen

ihr Eigen nennen, so macht

dies die gesamte Situation nicht unbedingt

besser. Es ist sicher nicht schwer, sich vor zu -

stel len wohin solche Tendenzen führen könn -

ten. Deshalb ist die Frage offe ner Schnitt -

stellen, sowohl zur Steuerung eines zu

Eigentum erworbenen Gerätes wie auch bei

einer Software, von grundlegender Bedeutung.

Es ist an den Anwendern, von ihren

Herstellern die Informationen zu fordern,

die ihnen eine umfassende Nut zung ihres

Eigentums ermöglichen. Man kann derzeit

bei den hier möglichen Ent wicklungen nicht

darauf vertrauen, dass alles schon wieder

gut gehen werde!

Hans Ulrich Esch

Leserbrief

Zum Beitrag

von Hoffmann/Gielsdorf

Sicherlich kommt es darauf an, was man unter dem Begriff »Ko-

or di naten kataster« versteht, aber wenn darunter ein System verstanden

werden soll, bei dem eine Koordinate den Katasternachweis

ersetzt, muss der Auffassung der Autoren, Koordinatenkataster sei

durch Ausgleichung herstellbar, energisch widersprochen werden.

Der wichtigste Grund ist die Geometrie der

klassischen, linearen Katastervermessungen.

Die dabei entstehenden Netze sind hie r ar -

chisch aufgebaut und weisen keine oder nur

geringe geometrische Redundanzen auf.

Die innere Kontrolle der Netze ist gering und

ist der Grund dafür, dass die Koordinaten

von Anschlusspunkten in Teilen um erheb -

liche Beträge geändert werden können,

ohne merkliche Widersprüche bei den nachgeordneten

Messungen zu verursachen.

Die an sich banale Erkenntnis, dass das Er -

geb nis einer Ausgleichung von den Eingangs -

werten abhängt, gewinnt im Falle der Ka -

tasterausgleichung besonderes Gewicht,

weil die instabile Geometrie von Katasternetzen

dazu führt, dass sich das Ergebnis

deutlich ändern kann, wenn man die An -

schluss konfiguration ändert. Jede weitere

gemessene Koordinate wird die Koordina -

ten in ihrer Nachbarschaft deutlich beeinflussen.

Die Verfügbarkeit und Lage der koordinierten

Punkte entscheiden also, welche

Koordinaten bei der Ausgleichung heraus -

kommen.

Und das eben ist das Problem: Das vor ge -

schlagene Verfahren liefert keine end gül -

tigen Ergebnisse. Alle Koordinaten haben

vor läufigen Charakter und gelten nur bis zur

nächsten Er gän zungs messung.

Es ist also die Frage, wozu die aus der Ausgleichung

gewonnenen Koordinaten geeig -

net sind. Für eine Grenzuntersuchung sind

sie jedenfalls nicht geeignet.

Zumindest in NRW muss zur Untersuchung

einer Grenze der Katasternachweis in die

Örtlichkeit übertragen und seine Über ein -

stimmung mit der Örtlichkeit untersucht

werden. Dabei müssen selbstverständlich

alle für die jeweilige Vermessung relevanten

und örtlich vorgefundenen Vermessungspunkte

untersucht werden und eine

wesentliche, wenn nicht sogar die wich -

tigste Aufgabe der Vermessungsstelle be -

steht darin, zu entscheiden, wie mit etwaigen

Abweichungen zwischen Katas ter -

nachweis und Örtlichkeit umgegangen werden

soll. Erst dieser gutachterliche Prozess

liefert die Grundlage für Koordinaten, deren

Über einstimmung mit dem Katasternachweis

sicher gestellt ist und bei deren wei terer

Verwendung die Grenz unter suchung auf ei -

nen Koordinatenvergleich verkürzt werden

kann.

Dr. Andreas Rose

55

4


FORUM

JOBBÖRSE

ANGEBOTE

PLZ-Bereich 1

GESUCHE

PLZ-Bereich 1

• Chiffre 6005 A Berliner ÖbVI sucht für sein Büro einen Vermessungsas sessor

(m/w) als Büroleiter. Angestrebt wird für sofort oder später eine Alterssozie tät.

Das Anerkennungsjahr kann im Büro abgeleistet werden. Das Büro hat einen

festen Kundenstamm und verfügt über modernste Geräte- und Software -

ausstattung. Ihre Zukunft liegt in Berlin, kommen Sie in diese herausfordernde,

interessante und liebenswerte Stadt.

• Chiffre 5631 Kooperation/Büro nachfolge (Land Brandenburg):

Vermessungs ingenieur mit vielfältiger Berufserfah rung sucht

ÖbVI-Büro als Kooperations partner mit evtl. Aussicht auf spä -

tere Nachfolge/Übernahme. Bevorzugt Landkreise OHV, HVL, PM

oder TF. Zulassungsvoraussetzungen nach ÖbVI-BO vor handen.

PLZ-Bereich 3

• VERMESSUNGSTECHNIKER/-IN

FÜR INNEN- UND AUSSENDIENST GESUCHT

Erwünschte Kenntnisse: KAFKA, KIVID®, KIVID-Feld, GEOgraf® und NRW-Kataster.

Bewerbungen bitte an Vermessungsbüro Gunnar Möller | Osningstraße 12 |

33605 Bielefeld | moeller@vermessung-bielefeld.de

ANZEIGENAUFTRAG

ZUSCHRIFTEN* erbeten an:

BDVI, »FORUM-Jobbörse«, Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Rückfragen richten Sie bitte an: Frau Wolkowa-Norda, 030/240 83 83

Absender

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENANGEBOT:

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENGESUCH:

[ ] ICH INTERESSIERE MICH FÜR CHIFFRE-NR.:

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[ ] VERRECHNUNGSSCHECK LIEGT BEI.

[ ] BETRAG LIEGT BAR BEI.

* Bewerbungsunterlagen nur ausreichend frankiert mitsenden!

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[ ] Anzeigen je angefangene 300 Zeichen 20,00 E

Zusätzliche Optionen:

[ ] FETTDRUCK MIT EINER ZUSATZFARBE: + 13,00 E

[ ] FARBIGER RAHMEN: + 13,00 E

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4


FORUM

BI-BILDUNGSINSTITUT – Seminarkalender 2014

AKTUELLES AUS DEM BDVI-BILDUNGSINSTITUT E. V.

Das BDVI-Bildungsinstitut wird im kommenden Jahr an die Seminarreihe 2013 anschließen. Einige der Seminare, die wir uns

für dieses Jahr vorgenommen haben, konnten aus verschiedenen Gründen nicht stattfinden, dafür kamen andere hinzu. Auch

im nächsten Jahr möchten wir das Angebot um andere Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten erweitern. Gerne informieren

wir Sie heute mit einer Vorschau über die geplanten Themenbereiche. Haben Sie Anregungen? Verbesserungsvorschläge?

Weitere Themenbereiche, die Sie interessieren? Bitte kontaktieren Sie uns!

Berufsrelevante Themenbereiche:

ALKIS® in NRW, Aufbauseminar

Baurecht in NRW

Baustellen- und Arbeitssicherheit

Beauftragter für Datenschutz – was steckt dahinter? Seminar für Datenschutzbeauftragte

Workshop für Berufsanfänger

Berufsrecht in NRW – was ändert sich mit der neuen Berufsordnung?

Finanz- und Liquiditätsplanung

Flächenermittlung (Wohnflächenermittlung) nach DIN 277

Gerichtsgutachten

Seminarreihe Recht: Worauf muss ich achten …

… bei der Gestaltung von Arbeitsverträgen/Arbeitsrecht?

… bei der Eintreibung von Forderungen?

… bei der Ausarbeitung eines Sozietätsvertrages?

… bei der Schließung des Büros?

Wertermittlung, Immobilien

Andere Themenbereiche:

Burnout: Was ist das und wie kann ich mich und meine Mitarbeiter davor schützen?

Mindmapping – eine Strukturierungsmöglichkeit

Mein Team erfolgreich führen

Techniken des Zeitmanagements

Unsere Kontaktdaten: BDVI-Bildungsinstitut | ddp, Gabriele Grundner | Herderstraße 62 | 40882 Ratingen

Fon 02102/58 86 93 | Fax 02102/58 86 94 | E-Mail gabriele.grundner@arcor.de oder

Geschäftsstelle der BDVI-Landesgruppe NRW | Geschäftsstellenleiterin Nicole Harder

Neuenhöfer Allee 49–51 | 50935 Köln | Fon 0221/406 42 00 | Fax 0221/406 42 30

E-Mail info@bdvi-bildungsinstitut.de | www.bdvi-bildungsinstitut.de

Diese Seminare werden bei der Ingenieurkammer-Bau NRW zur Anerkennung von

Fortbildungsmaßnahmen gemäß § 3 Abs. 2 Fort- und Weiterbildungsordnung eingereicht.

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FORUM

BDVI-GREMIEN, -KOMMISSIONEN UND -ARBEITSGRUPPEN

21. Januar 2014,

Berlin

13./14. Juni 2014,

Wiesbaden

NEUJAHRSEMPFANG

DER BDVI-LANDESGRUPPE BERLIN UND DES BDVI

BDVI-KONGRESS

www.bdvi.de ➞ Aktuelles/Termine

www.bdvi.de ➞ Aktuelles/Termine

FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

28. Januar 2014,

Berlin

30. Januar 2014,

Bonn

23. bis 25. Januar

2014, Fulda

7./8. Februar 2014,

Dresden

WERTSICHERUNGSKLAUSELN IN

ERBBAURECHTS-, MIET- UND PACHTVERTRÄGEN

Geodätisches Kolloquium

AMTLICHE GRUNDSTÜCKSWERTERMITTLUNG

SPRENGNETTER JAHRESKONGRESS

IMMOBILIENBEWERTUNG

VERKEHRSWERTERMITTLUNG

FÜR WOHNUNGS- UND TEILEIGENTUM

www.vhw.de

➞ Fort- und Ausbildung

www.gib.uni-bonn.de

➞ Aktuelles

www.sprengnetter.de

www.sprengnetter.de

GEOINFORMATION

28./29. Januar 2014,

Dresden

11. SÄCHSISCHES GIS-FORUM DES GDI SACHSEN E.V. http://gdi-sachsen.de

4./5. Februar 2014,

Fulda

17. bis 21. Februar

2014, Frankfurt a. M.

20. Februar 2014,

Berlin

12./13. Mai 2014,

Würzburg

11. DWA-Tagung

GIS & GDI IN DER WASSERWIRTSCHAFT

WORKSHOP »BASISWISSEN GDI«

GEODATEN UND OPEN GOVERNMENT –

PERSPEKTIVEN DIGITALER STAATLICHKEIT

134. DVW-Seminar

WALDNEUORDNUNG

www.wupperverband.de

➞ Termine

www.gdi-testplattform.de

www.uni-speyer.de

www.dvw.de/fortbildung

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4


FORUM

FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

INGENIEURVERMESSUNG

23. Januar 2014,

Hamburg

14./15. März 2014,

Berlin

27./28. März 2014,

Würzburg

WIE TEUER SIND FALSCHE ENTSCHEIDUNGEN?

Kosteneffiziente Durchführung und Beurteilung von

Überwachungsmessungen

VDV-Seminar

GLEISBAU 2014

BAUABRECHNUNG: JAHRESTAGUNG 2014

www.hcu-hamburg.de

www.bw-vdv.de

www.bw-vdv.de

KATASTER

25. Februar 2014,

Bochum

EINSTIEGS-/REFRESH-KURS AUSGLEICHUNGSRECHNUNG

www.hochschule-bochum.de

➞ Fachbereich Geodäsie

WEITERE FACHVERANSTALTUNGEN / MESSEN / TAGUNGEN

ab Februar 2014,

Berlin

AUSBILDUNG »FACHMEDIATOR/-IN GROSSGRUPPEN UND

PLANUNGSPROZESSE IM ÖFFENTLICHEN RAUM«

www.akasor.de/vbi

13. März 2014,

Weimar

60 JAHRE GEODÄSIE IN WEIMAR www.uni-weimar.de ➞ Aktuell

➞ Veranstaltungskalender

19. März 2014,

Bochum

INFOTAG DES FACHBEREICHS GEODÄSIE

www.hochschule-bochum.de

➞ Fachbereich Geodäsie

INTERNATIONAL

21. März 2014 DAY OF THE EUROPEAN SURVEYOR AND GEOINFORMATION www.clge.eu

Weitere umfangreiche Informationen zu Fort- und Weiterbildungen finden Sie auch unter den folgenden Links:

www.bdvi.de/de/termine | www.dvw.de/fortbildung | www.bw-vdv.de/bildungswerk-vdv | www.sprengnetter.de |

www.vhw.de | www.staedtebau-berlin.de

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FORUM

Ein neues Jahr! Tritt froh herein,

mit aller Welt in Frieden;

vergiss, wie viel der Plag und Pein

das alte Jahr beschieden!

Du lebst: Sei dankbar, froh und klug,

und wenn drei bösen Tagen

ein guter folgt, sei stark genug,

sie alle vier zu tragen.

Friedrich Wilhelm Weber

60

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_ DIN-TASCHENBUCH 111 –

GEODÄSIE

Aktuelle Normenzusammenstellung

Die siebte Auflage des DIN-Taschenbuchs 111 Geo -

däsie spiegelt die aktuellen Arbeitsergebnisse des

NABau (Fachbereich 03 Vermessungs wesen; Geo -

information) im DIN Deut sches Institut für Normung

e. V. wider.

Federführend waren dabei folgende Arbeitsaus schüs -

se: Geodäsie, Photogrammetrie und Ferner kun dung,

Geodätische Instrumente und Geräte. Die aktuelle

Normenzusammenstellung deckt die Sach gebiete

Geodäsie, Fotogrammetrie, Fernerkundung, Karto -

grafie, Geoinformation sowie geodätische Instrumen -

te und Geräte ab. Er gän zend wurden Normen aus den

Bereichen Mess tech nik allgemein, Modulordnung

und Toleranzen im Bau wesen, Ausgleichsrechnung,

mathemati sche Statistik und Qualitätsmanagement

aufge nom men.

Quelle: Beuth Verlag

_ WOHNIMMOBILIEN IN STÄDTEN

Überbewertet?

_ ÖFFENTLICHE VERSCHWENDUNG

Schwarzbuch 2013

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) pran -

gert in seinem aktuellen Schwarz buch

den sorglosen Umgang der öffent lichen

Hand mit dem Geld der Bürger an.

Parallel zur Präsentation des Schwarz -

buchs ging die neue Internetseite

online. Auf der neu gestalteten

Homepage www.schwarzbuch.de

präsentiert der BdSt ab sofort alle

Fälle aus dem Schwarzbuch und bietet

zusätzliche Features. Die Verschwendungsfälle

können nach Bundesländern sortiert eingesehen

werden und sind geografisch auf dem Verschwendungsatlas, einer interaktiven

Karte, mar kiert. Die Besucher können alle Fälle kommentieren

und bewerten. Außerdem können sie auch selbst Verschwendungsfälle

melden, die von Experten des BdSt geprüft und dann auf der Website aufgeführt

werden.

_ RECOGNISED EURO-

PEAN VALUER (REV)

Titelverleihung

MOSAIK

Wohnimmobilien in deutschen Städten haben sich seit dem

Jahr 2010 so stark verteuert, dass sie mög licherweise überbewertet

sind. Zu die sem Ergebnis kommt die Deutsche

Bundesbank in ihrem Mo natsbericht. Substanzielle Über -

treibungen am Wohnimmobilien markt als Ganzem seien

nicht zu erkennen. Gerade in Bal lungs räumen sei es jedoch

zu Preissteige run gen gekommen, die sich »fundamental nur

noch schwer recht fertigen lassen«, so die Bundesbank.

In den vergangenen drei Jahren seien die Preise für Häuser und

Wohnungen um insgesamt 8,25 % gestiegen. Dahinter verberge

sich ein »ausgeprägtes Stadt-Land-Gefälle«, wie es in dem Be -

richt heißt. In den größ ten Städten hätten sich Geschosswohnungen

in diesem Zeit raum um mehr als ein Viertel

verteuert. Nach Einschätzung der Bundesbank lässt das

»Befürchtungen hinsichtlich eines breit angelegten

Immobilienpreis booms aufkommen«.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Der BDVI gratuliert ÖbVI Burkhard Helms aus Wernigerode

herzlich zum Titel »Recognised European Valuer«. Der Titel

wurde ihm anlässlich des TEGoVA-Herbsttreffens in Lis -

sabon Mitte November verliehen. Seit dem 1. Dezember

2013 darf er als elftes BDVI-Mitglied diesen Titel tragen.

Der BDVI hat im Jahr 2010 die Berechtigung erhalten, sei nen

Mitgliedern den Titel »Recognised European Valuer« (= REV) zu

verleihen. Turnusgemäß stand nach drei Jahren ein sogenann -

tes REV-Audit an. Claude Galpin, Mitglied des Re cog nition

Committee der TEGoVA, prüfte in der BDVI-Ge schäftsstelle

in Berlin die Unterlagen und kam zu dem Schluss, dass der

BDVI die Standards zur REV-Titelführung einhält und somit

weiterhin diesen Titel verleihen darf.

61

4


MOSAIK

_ »KNOW-HOW-TRANSFER« FOR YOUNG SURVEYORS

Internationaler Trainingskurs

50 Teilnehmer aus 20 Nationen trafen

sich vom 9. bis 18. Oktober 2013 in Lissa -

bon zum »Know-how-Transfer«.

Die Voraussetzungen waren klar definiert:

unter 35 Jahre

gute Englischkenntnisse

Erfahrungen in der Feldvermessung

physisch und psychisch in der Lage,

den Anforderungen des Kurses

standzuhalten

Durch die Erfüllung dieser Kriterien war es mir

möglich, Deutschland während des 5. Trai -

ningskurses des CLGE (Council of European

Geodetic Surveyors) in Lissabon zu vertreten.

Einer der Hauptaspekte des Kurses war

da bei das Netzwerken junger Vermes ser aus

den unterschiedlichsten Nationen der gan -

zen Welt. Nicht nur Europäer wie Spa nier,

Italiener, Dänen, Belgier etc. waren ver tre -

ten, sondern auch Berufskollegen aus den

USA, Nepal, China, Moldawien oder Ma rok -

ko. Eine spannende Mischung aus kon trären

Ansätzen über das Berufsbild des Vermessers

an sich, über die Ausbildung und die Auffassung

von Katastersystemen.

In diesem Kurs wurde deutlich, wie unter -

schiedlich allein in den europäischen Ländern

mit dem Eigentumsbegriff und seinen

örtlich sichtbaren Grenzen umgegangen

wird und wie sehr politischer Einfluss zum

Erfolg oder Scheitern einheitlicher Katasterstrukturen

beitragen kann. Am Beispiel Portugals

lässt sich zeigen: Wirklich gut aus -

gebildete Geodäten mit einem Konzept zur

schnellen Umsetzung eines flächendecken -

den Katasters in Portugal scheitern am völligen

Unverständnis für die Notwendigkeit

dieser Eigentumsstrukturen durch die Politik.

Was bleibt, sind erfolgreiche Forschungs -

projekte der Universitäten, die nicht in das

öffentliche Leben integriert werden und in

Aktenschränken verschwinden.

Nach der erfolgreichen Absolvierung des

einwöchigen Kurses trafen sich junge Vermesser

aus Europa an den zwei Abschluss -

tagen zum 1st Young Surveyors European

Meeting, um in Workshops und interakti ven

Vorträgen über ihre Erfahrungen in der Feld -

vermessung zu berichten und neue Kon -

zepte für eine europaweite Anpassung der

Kataster zu erarbeiten. Eine spannende Zeit,

tolle neue Kontakte und aufschlussreiche

Vorträge liegen hinter und große Herausforderungen

liegen noch vor uns. Vielen

Dank für diese Möglichkeit der Teilnahme!

Kirstin Flüssmeyer, ÖbVI, Osnabrück

_ GROSSER PREIS DES MITTELSTANDES

Vermessungsbüro Ehrhorn als

Top-Mittelständler ausgezeichnet

Im fünften Anlauf ist das Vermessungsbüro Ehrhorn als einer der Finalis -

ten im Rennen um den »Großen Preis des Mittelstandes« ausgezeichnet

worden. Kein anderer Wirtschaftswettbewerb in Deutschland erreicht eine

solch große und nun schon über mehrere Jahre anhaltende Resonanz wie

der von der Leipziger Oskar-Patzelt-Stiftung seit 1994 ausgelobte Wett -

bewerb. Dabei ist der Preis nicht dotiert.

Bundesweit hatten sich über 4.000 mittelständische

Unternehmen um die Aus -

zeichnung beworben. Das Büro Ehr -

horn wurde mehrfach zum Wettbewerb

nominiert: von der Stadtverwaltung

Achim, der Stadt Achim und

Detlef Kahrs von der Servicestelle

Bremen.

38 Firmen aus Niedersachsen zogen

letztlich ins Finale ein – nur fünf

davon wurden nominiert. Das Ehrhorn-

Team gehörte dazu. »Über diese Auszeichnung

freue ich mich ganz besonders«, sagt Uwe

Ehrhorn. »Sie zeigt, dass wir alle, Mitarbeiter und Büro -

inhaber, mit unserem Engagement für die Entwicklung des Unternehmens

auf dem richtigen Weg sind. Das macht uns stolz. Denn ohne meine Mitarbeiter

wäre das alles nicht möglich gewesen.«

_ LAND BERLIN

Umsetzung Open-

Data-Initiative

Zum 1. Oktober wurden die bislang geltenden

Preise und Bezugsbedingungen für die amt -

lichen Karten aufgehoben. Die gebührenrecht -

lichen Vorschriften bleiben jedoch bestehen.

Für die Bereitstellung von Daten auf Datenträ -

gern werden marginale Ge bühren erhoben.

Für die Bereitstellung von Geodaten in der Zu stän -

digkeit der für Geoinformation zuständigen Ab tei -

lung der Senatsverwaltung für Stadtent wick lung

und Umwelt sowie der für das Vermessungs wesen

zuständigen Stellen der Bezirksämter für Berlin in

Bezug auf flä chendeckend vorliegende amtliche

Kartenwerke gelten zukünf tig folgende Nutzungsbestimmungen:

Geodaten und Geodatendienste,

einschließlich zugehöriger Metadaten, werden für

alle derzeit bekannten so wie für alle zukünftig

bekann ten Zwecke kommer zieller und nicht kommerzieller

Nutzung geldleistungsfrei zur Verfügung

gestellt, soweit nicht durch besondere Rechts -

vorschrift anderes bestimmt ist oder vertragliche

oder gesetzliche Rechte Dritter dem entgegenstehen.

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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4


MOSAIK

_ CLGE

Students’ Contest 2013

CLGE, das Comité de Liaison des Géomètres Européens, rief

2012 den europäischen »CLGE Students’ Contest« ins Leben,

um jungen Vermessungsstudenten die Möglichkeit zu bie -

ten, ihre Leistungen und Arbeiten der Fachwelt vorzustellen

und sich zu profilieren.

Der Preis wird jährlich in drei Kategorien verliehen: »Geodesy

and Topography«, »GIS, Mapping and Cadastre« und »Students’

and Youngsters’ Engagement«. Das Preisgeld für den Gewinner

beträgt in allen drei Kategorien 1.000 Euro und schließt eine

Einladung zu einem Event des jeweiligen Sponsors ein. Zu -

sätzlich lädt der CLGE die Gewinner der drei Kategorien zur

INTERGEO® ein. Dort werden auch die Preise verliehen.

In diesem Jahr gab es in allen drei Kategorien Preisträger.

In der Kategorie »Geodesy and Topography« erhielt Caroline

Schönberger aus Österreich den ersten Preis für ihre Arbeit

»Simulations of VLBI Observations with the ONSALA Twin Telescope«.

_ DEBÜT

BDVI-Expertensuche

Die BDVI-Expertensuche auf der neuen Internetseite des

BDVI wird gut zwei Monate nach ihrem Start be reits in -

ten siv genutzt.

Die Expertensuche bietet dem Nutzer verschiedene Suchmög -

lichkeiten. So kann sowohl nach Name, Postleitzahl mit Radius,

Ort mit Radius oder Bundesland gesucht werden als auch nach

Leistungsbereichen, Stichworten und besonderen Qualifikationen.

In der Suche enthalten sind sowohl hoheitliche Leistungen

als auch sonstige Vermessungsleistungen wie z. B. die Ingenieurvermessung,

GIS, Bodenordnung, Foto gram metrie etc.

Über Suchmaschinen wird eine schnelle Auffindbarkeit von

ÖbVI, kompetenten Dienstleistern bei geodätischen Problemstellungen,

ermöglicht.

In der Kategorie »GIS, Mapping and Cadastre« gewann die

spanische Studentin Alicia Canizares den Preis mit ihrer Arbeit

»3D Model of Lugo’s Roman Walls (Galicia/Spain) Using a Terrestrial

Laser Scanner and Unmanned Aerial Vehicle«.

In der Kategorie »Students’ and Youngsters’ Engagement«

gewannen Paula Dijkstra (Niederlande) und Eva-Maria Unger

(Österreich) den Preis mit der Arbeit »Joining European Forces –

Nothing about us without us«.

Die preisgekrönten Arbeiten und alle anderen eingereich -

ten Arbeiten können über die Webseite von CLGE www.clge.eu/

news abgerufen und angesehen werden.

Bedauernswert ist, dass sowohl 2012 als auch 2013 keine

einzige Arbeit aus Deutschland eingereicht wurde. Deshalb von

hier aus ein Aufruf an alle Professoren: Animieren Sie Ihre Studenten,

sich an diesem Wettbewerb zu beteiligen. Auf der CLGE-

Webseite wird im Winter die Ausschreibung zu dem »Students’

Contest 2014« veröffentlicht.

Dieter Seitz, CLGE Treasurer

_ BESTANDSAUFNAHME

AdV-Tätigkeitsbericht

2012/2013

Der Tätigkeitsbericht der Arbeitsgemeinschaft

der Vermessungsverwaltungen

der

Länder der Bundesrepublik

Deutschland (AdV) ist erschienen.

Er gibt einen

Überblick über die Tä tig -

keiten der verschiedenen

Behörden und fasst die

Entwicklungen u. a. für

die Bereiche Raumbezug,

Liegenschaftskataster, Geotopografie zusammen

und stellt die Zusammenarbeit unterei -

nand er sowie im internationalen Bereich vor.

Der Bericht kann unter www.adv-online.de/

Veroeffentlichungen/Taetigkeitsberichte heruntergeladen

werden.

Quelle: AdV

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4


MOSAIK

_ AHO E. V.

Neuwahlen

Die Mitgliederver -

samm lung des AHO

(Aus schuss der Verbände

und Kammern

der Ingenieu re und

Ar chitekten für die

Honorarordnung e. V.)

hat Dr.-Ing. Erich Rippert am 17. September

2013 ein stimmig zum Vorstandsvorsitzenden

des AHO ge wählt. Dr. Rippert folgt auf den

lang jährigen Vorsitzenden Ernst Ebert, der

nach zwölf erfolgrei chen Jahren im Amt nicht

wieder kandidiert hatte.

Neu in den Vorstand gewählt wurde u. a. ÖbVI

und BDVI-Vize präsident Wolfgang Heide aus

Dresden mit 82 von 102 Stimmen.

Dr. Rippert erklärte in seiner ersten An spra -

che, dass sich der AHO nach der intensiven Arbeit

an der Umsetzung der HOAI 2013 in der

kommenden Legislaturperiode für eine Stär -

v. l. n. r.: Dr. Erich Rippert (Vorstandsvorsitzender), Sylvia Reyer (Schatzmeisterin),

Eva Schlechtendahl, Rainer Reimers, Ulf Begher, Wolfgang Heide, Marco Ilgeroth,

Klaus-Dieter Abraham. Lutz Heese (stellvertr. Vorsitzender) ist nicht auf dem Bild.

kung der Ak zeptanz von Honorarordnungen für

Architekten und Ingenieure auf europäischer

Ebene einsetzen werde. Der neue AHO-Vorsit zen -

de forderte nachdrücklich, dass die Leistungen

für Um welt verträglichkeitsstudien, Bauphysik,

Geotechnik sowie Ingenieur vermessung (Anla -

ge 1 HOAI 2013) als gleichberechtigte Pla nungs -

leistungen in den verbindlichen Teil der HOAI

zurückgeführt werden. Dr. Rippert kün dig te an,

dass der AHO seine Aktivitäten zur Rückführung

der genannten Planungsleistungen in das ver -

bindliche Preisrecht der HOAI nach der Bundes -

tagswahl sofort wieder aufnehmen werde.

Quelle: Pressemitteilung AHO/BDVI

IMPRESSUM

HERAUSGEBER

Bund der Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure e. V. (BDVI)

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Telefon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

SCHRIFTLEITUNG

Dipl.-Ing. Andreas Bandow

Dr.-Ing. Wolfgang Guske

Magdeburger Straße 14,

14806 Bad Belzig

Telefon 033841/799 779

Fax 033841/799 780

bandow@franzen-bandow.de

bandow@bdvi-forum.de

REDAKTION

Martina Wolkowa-Norda

Dipl.-Ing. Martin Ullner

Dr.-Ing. Walter Schwenk

Dipl.-Ing. Christoph König

Dipl.-Ing. Jörg Burchardt

REDAKTION MOSAIK

Martina Wolkowa-Norda

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Telefon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

KONZEPT + GESTALTUNG

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www.nolte-kommunikation.de

FOTOGRAFIE

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Telefon 0177/378 28 16

www.lichtbilder-berlin.de

DRUCK

MEDIALIS Offsetdruck GmbH

Gedruckt auf Galaxi Keramik

_ BDVI-MITGLIEDER IM BLICKPUNKT

Runder Geburtstag –

wir gratulieren

//Oktober

Dieter Becker, Kerpen (70)

Olaf Bromorzki, Lünen (40)

Stefan Dall, Lünen (40)

Hans-Dirk Janßen, Rotenburg a. d. Fulda (70)

Heike Langer, Bünde (50)

Axel Pfeifer, Plauen (70)

Joachim Robert, Neuenhagen (50)

Bernd Thanert, Plauen (70)

Jan Totzek, Solingen (40)

Erhard Wünsche, Einbeck (60)

Petra Zeise, Pasewalk (50)

//November

Bruno Drees, Köln (50)

Rolf Ehrenstein, Brühl (80)

Christian Geries, Seesen (60)

Jörg Hanzsch, Dresden (50)

Klaus-Dieter Harth, Hannover (60)

Hubertus Kleinbielen, Geldern (60)

Gerd Meißner, Anklam (50)

Wilfried Patzelt, Norderstedt (60)

Merten Radeleff, Neumünster (50)

Holger Reinke, Heide (70)

Andreas Schmidt, Braunschweig (50)

Holger Schmidt, Eisenach (50)

Peter Schmidt, Berlin (70)

Eberhard Wieck,

Ostseebad Kühlungsborn (60)

//Dezember

Wolfgang Häfner, Östringen (60)

Wolfgang Gerhards, Euskirchen (70)

Hans-J. Kühme, Lübbecke (60)

Thomas Liebig, Caputh (60)

Dirk Lohmeier, Berlin (50)

Tilo Naumann, Heidenau (50)

Horst Werschnitzky, Forst (70)

Martina Zerbe, Elsterwerda (50)

Neue BDVI-Mitglieder

Peter Heinrich, Saarbrücken

Andreas Jope, Leipzig

Anne Schmidt, Freiburg

Peter Schmitt, Speyer

MANUSKRIPTE

Bitte an die Schriftleitung rich ten. Ge zeich -

ne te Bei trä ge stellen die Ansicht des Ver fas -

sers dar, nicht aber unbedingt die des BDVI

oder der Schriftleitung.

Mit der Annahme des Manus kriptes und der

Veröffentlichung geht das alleinige Recht

der Vervielfältigung und der Über setzung auf

den BDVI über.

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zugs weisen Nachdrucks, der foto me cha ni -

schen Wiedergabe und Über setzung.

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Rosensteinstraße 9

70191 Stuttgart

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Telefon (089) 891134-0

Telefax (089) 89113426

Gerbermühlstraße 32

60594 Frankfurt

Telefon (069) 605015-0

Telefax (069) 60501526

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