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interesse 04/2016

In der Ausgabe 4/2016 widmet sich inter|esse folgenden Schwerpunkten: •Was muss, was kann Schule leisten? •Zu „Schule und Bildung“ streiten sich die Geister •Planspiel SCHUL/BANKER •Neues Kapitel bei „Geld im Unterricht“ •PISA-Finanzwissen: ohne Deutschland

Umfrage: Zu „Schule

Umfrage: Zu „Schule und Bildung“ streiten sich die Geister Bildungspolitik ist ein Thema, das in Deutschland schon manche Landtagswahl (mit)entschieden hat. Zur Mobilisierung der Bürger trägt bei, dass nahezu jeder über seine eigenen Schulerfahrungen verfügt. Als eines der wenigen fast vollständig im Kompetenzbereich der Länder befindlichen Politikfelder dienen die Schulen aber oft auch als Spielwiese für Bildungsreformen, die regelmäßig die Gemüter erhitzen. Doch wie werden Schule und Bildung hierzulande überhaupt wahrgenommen? Eine aktuelle Umfrage zeigt ein geteiltes Bild. Die meisten Deutschen stellen den Schulen mit Blick auf die Bildung, die die Schülerinnen und Schüler dort erhalten, kein gutes Zeugnis aus. So hält etwas mehr als die Hälfte der Befragten (51%) die Schulbildung in Deutschland nur für durchschnittlich, jeder Zehnte sogar für schlecht. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken, die im November von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchgeführt wurde. Die anlässlich des Deutschland-Dialogs der privaten Banken, REFLEXI- ONEN, erhobene Umfrage zeigt insgesamt ein ambivalentes Bild. Während die Qualität der Schulbildung eher kritisch gesehen wird, fällt das Urteil der Befrag- ten mit Blick auf den internationalen Vergleich erheblich positiver aus. Fast zwei Drittel der Befragten (63%) meinen, dass Deutschland bei der Qualität von Bildung und Ausbildung sogar zu den führenden Ländern in Europa gehöre. Noch – wäre an dieser Stelle wohl zu ergänzen. Denn eine relative Mehrheit der Deutschen sieht das Land in Sachen Bildung auf einem absteigenden Ast. So findet mit 46 Prozent fast die Hälfte der Befragten, dass die Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungssystems in den letzten Jahren abgenommen habe; nur ein Fünftel erkennt einen positiven Trend, ein weiteres Drittel keine größeren Veränderungen. Dass die Bürger Möglichkeiten für bildungspolitische Verbesserungen sehen, darauf deutet nicht nur ihre kritische Beurteilung zur Qualität der Schulbildung hin. Auch mit der konkreten Bildungspolitik in ihrem jeweiligen Bundesland ist nur rund die Hälfte der Befragten (52%) zufrieden (45%) oder sehr zufrieden (7%). Dabei sind sich die Deutschen ganz und gar nicht einig, wie sie die weitgehende Zuständigkeit der Länder in der Bildungspolitik beurteilen sollen. Zwar begrüßt die Hälfte der Befragten (50%) diese Kompetenzzuweisung, mit 48%, die das nicht gut finden, halten sich aber die Befürworter und die Kritiker eines „Die Schulbildung in Deutschland ist...“ schlecht 51 % durchschnittlich weiß nicht 1 % 10 % 351% 38 % gut „Deutschland gehört bei der Qualität von Bildung und Ausbildung in Europa...“ zu den führenden Ländern 63 % nicht zu den führenden Ländern 34 % „Dass die Bundesländer in der Bildungspolitik weitgehende Kompetenzen haben, finde ich...“ sehr gut weiß nicht 2 % sehr 8 % schlecht schlecht 15 % 33 % 42 % gut Quelle: Bundesverband deutscher Banken/GfK, Oktober 2016. 6 inter|esse 4 ◆ 2016

ankenverband ausgeprägten Bildungsföderalismus in etwa die Waage. Etwas widersprüchlich erscheint vor diesem Hintergrund die Meinung von drei Vierteln der Befragten (76%), der Bund solle künftig mehr Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen. Möglicherweise drückt sich hierin aber auch nur der Wunsch vieler Bürger nach bundesweit vergleichbaren (Bildungs-)Standards und möglichst einheitlichen Lebensverhältnissen in Deutschland aus. Zur Umfrage Die Repräsentativbefragung „Bildung in Deutschland“ wurde im Auftrag des Bankenverbandes von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) Mitte Oktober unter 1.003 Personen ab 16 Jahre in Deutschland telefonisch erhoben. Alle Ergebnisse unter: bankenverband.de/was-wir-tun/meinungsumfragen/ Was auch immer die Deutschen am Bildungssystem und der Bildungspolitik auszusetzen haben, an der Schule vor Ort scheint das nicht in erster Linie zu liegen. Denn Eltern schulpflichtiger Kinder oder junge Befragte, die selbst noch die Schulbank drücken, zeichnen „ihre“ Schule mehrheitlich in einem positiven Licht. 80 Prozent sind mit ihr im Großen und Ganzen zufrieden (51%) oder sehr zufrieden (29%). Eine genauso hohe Zustimmung erfahren die an den Schulen unterrichtenden Lehrkräfte. Immerhin zeigt sich aber jeweils rund ein Drittel der Befragten (35 und 29%) in Hinblick auf die technische Ausstattung mit modernen Medien und dem baulichen Zustand der Schulen unzufrieden; Kritik an den vermittelten Lerninhalten wird von einem Viertel der befragten Eltern und Schüler/innen (24%) geäußert. Zu den Bereichen, zu denen sich die Befragten mehr Aufmerksamkeit und verstärkte Vermittlungsbemühungen in den Schulen wünschen, gehören insbesondere die berufsorientierte und die ökonomische Bildung. Sechs von zehn Befragten (59%) sind der Auffassung, dass die Schüler/innen in der Schule nicht ausreichend auf ihre spätere Studien- und Berufswahl vorbereitet werden. Drei Viertel (76%) sprechen sich deshalb für die Stärkung berufsorientierter Inhalte an den Schulen aus. Mit Blick auf Wirtschafts- und Finanzbildung sind es sogar acht von zehn Befragten (80%), die meinen, dass die Vermittlung wirtschaftlicher Zusammenhänge in der Schule einen höheren Stellenwert als bisher bekommen sollte. Und drei Viertel (75%) sprechen sich dafür aus, in allen Bundesländern ein eigenes Schulfach Wirtschaft einzuführen. Das ist eine Forderung, die auch der Bankenverband seit vielen Jahren erhebt. Denn die systematische und kontinuierliche Vermittlung von Wirtschaftswissen an der Schule ist am besten geeignet, um junge Leute mit dem heute notwendigen ökonomischen Rüstzeug auszustatten „Der Bund sollte mehr Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen.“ „Auf berufsorientierte Inhalte sollte in der Schule...“ „Eine stärkere Vermittlung wirtschaftlicher Zusammenhänge in der Schule finde ich gut.“ nein 23 % weiß nicht 1 % ja mehr Wert gelegt werden nein 18 % keine Angabe 2 % ja 76 % 76 % 80 % nicht mehr Wert gelegt werden 23 % Quelle: Bundesverband deutscher Banken/GfK, Oktober 2016. inter|esse 4 ◆ 2016 7