Kongressjournal Allgemeinmedizin Ausgabe 25. November 2016

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Das Kongressjournal ist eine Live-Berichterstattung für Kongressteilnehmer des Allgemeinmedizinkongresses der stafam in Graz. Da viele Themen auch für Interessierte oder Betroffene wichtig sind, wurde eine eigene Publikumsausgabe hier in digitaler Form zusammengestellt. Hinweis: Aus rechtlichen Gründen wurden sämtliche Werbeeinschaltungen, die nicht für die Allgemeinheit erlaubt sind, herausgenommen.

KONGRESS

JOURNAL

Offizielle Kongresszeitung der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin Graz/25. November 2016

47. Kongress für Allgemeinmedizin

Geben & Nehmen

in der Allgemeinmedizin

Die Jugend von heute

The „New Epidemics“

Was ist los mit der Jugend von heute?

Zunehmend werden Kinder mit Störungen

der seelischen Gesundheit als therapiebedürftig

vorgestellt. Was diese Kinder

jedoch aus der Bahn wirft, ist in erster

Linie ein problematisches Umfeld, dem

sie schutzlos ausgeliefert sind. Seite 10

Alkoholkranke in der Praxis

Sucht ist eine Krankheit

Alkoholismus sollte wie eine chronische

Krankheit behandelt werden. Vor allem

Allgemeinmediziner können maßgeblich

an einer Heilung beteiligt sein. Denn eine

anhaltend gute Arzt-Patient-Beziehung

ist bei Alkoholkranken oft wichtiger als

das beste Medikament. Seite 29

NADA-Akupunktur

Bestechende Wirkung

Die NADA-Akupunktur hat sich zu einer

erfolgreichen komplementären Therapie

entwickelt. Sie ist einfach zu erlernen und

anzuwenden und wird in psychiatrischen

Kliniken, in der Drogentherapie, aber auch

sehr erfolgreich bei ADHS- und PTSD-

Patienten eingesetzt. Seite 20


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Fachkurzinformation auf Seite 26


KONGRESS

JOURNAL

IMPRESSUM

Medieneigentümer & Herausgeber:

Crisafulli & Stodulka

Unlimited Media GmbH

Unlimited Media

Verlag & Redaktion:

Salierigasse 26/4, 1180 Wien

Kontakt:

office@unlimitedmedia.at,

unlimitedmedia.at, zoe.imwebtv.at

Chefredaktion:

Thomas Stodulka, Eliana Crisafulli

Lektorat: Alexandra Lechner

Art Direktion & Layout:

Unlimited Media

Druck:

Druckerei Odysseus

Stavros Vrachoritis GmbH

Haideäckerstraße 1

2325 Himberg

INHALT

4 Interview mit Kongressleiter Dr. Walter Fiala:

Vom Geben & Nehmen in Graz

6 Strukturierter Umgang mit kranken Kindern:

Krank oder nicht krank?

8 Diarrhoe bei Kindern und Jugendlichen:

Wenn‘s rinnt wie Wasser

10 Problemkinder von heute:

The „New Epidemics“

12 Notfallbasis für die ganze Ordination:

Üben für den Notfall

15 Individualisierte COPD-Therapie:

Wie tickt mein Patient?

Aus Gründen der Lesbarkeit wird

auf eine geschlechtsspezifische

Differenzierung verzichtet.

Entsprechende Begriffe gelten

im Sinne der Gleichbehandlung

für beide Geschlechter.

Das KongressJournal dient der

aktuellen Berichterstattung rund

um den jährlichen Kongress für

Allgemeinmedizin in Graz. Alle

Angaben erfolgen trotz sorgfältigster

Bearbeitung ohne Gewähr.

Offizielle Kongresszeitung der

Steirischen Akademie für

Allgemeinmedizin

16 Kongresseröffnung:

Allgemeinmedizinkongress 2016

18 Symptomlinderung am Lebensende:

Leben bis zum Schluss!

20 NADA-Akupunktur:

Bestechend hohe Wirkung

21 Säuglinge auf Entzug:

Von Geburt an süchtig

22 Drei Angebote der STAFAM:

Web-Service für die tägliche Praxis

24 Wirbelsäule und Gelenke:

„Experienced-based-medicine“

29 Alkoholkranke in der Allgemeinpraxis:

Alkoholismus ist eine Krankheit

30 Essstörungen:

Anorexia & Co.

Graz/25. November 2016 KONGRESSJOURNAL 3


KONGRESS

JOURNAL

Interview mit Kongressleiter Dr. Walter Fiala

Vom Geben & Nehmen in Graz

Es ist wieder soweit! Der größte Kongress für Österreichs

Allgemeinmediziner ist wieder voll im Gange. Wie jedes Jahr

stehen spannende Fortbildungsvorträge an der Tagesordnung

und genügend Raum für Erfahrungs- und Informationsaustausch.

Austausch ist auch das Thema des heurigen Jahres, denn das

Kongressmotto lautet „Vom Geben und Nehmen“ . Im Interview

erklärt der langjährige Mastermind des Kongresses, Dr. Walter

Fiala, was dahinter steht und was das Besondere an der Steirischen

Akademie für Allgemein- und Familienmedizin (STAFAM) ist.

Was verstehen Sie persönlich unter

dem Kongressthema „Vom Geben

und Nehmen“?

In der Natur und in unserem Organismus

ist alles ein permanentes Geben

und Nehmen. Wir nehmen ständig

etwas auf und geben etwas ab. Entweder

nach außen oder weiter an den

Stoffwechsel. Sei es die Lunge mit der

Ein- und Ausatmung, die Verdauung

durch Nahrungsaufnahme und

Ausscheidung, aber auch psychisch

oder sexuell gesehen sollten Geben

und Nehmen im Gleichgewicht sein.

Dr. Elia Bragana hält in diesem Sinn

heuer den Vortrag mit dem schönen

Titel „Gib dich mir, nimm mich du“.

Doch das „Geben und Nehmen“ geht

bis hin zur Palliativmedizin. Was kann

man zum Beispiel dem Sterbenden

noch geben, was ihm das Leben noch

einigermaßen erleichtert oder das

Sterben erleichtert – und man bekommt

als Arzt dann auch etwas vom

Patienten zurück. Das ist auch der

Grund, warum trotzdem noch so viele

Ärzte Allgemeinmedizin betreiben,

obwohl sie nicht sehr lukrativ ist – weil

vom Patienten viel zurückkommt.

In den letzten Jahren wurde beim

Kongress Wert darauf gelegt, nicht

nur die Schulmedizin zu präsentieren.

Konnten Sie ein gesteigertes Interesse

seitens der Ärzte beobachten?

Es war schon immer unser Bestreben,

etwas über den Tellerrand hinauszublicken.

Wenn man längere Zeit

mit der Allgemeinmedizin lebt, sieht

man, dass man nicht immer nur mit

der Schulmedizin auskommt. Man

muss auch zu komplementärmedizinischen

Maßnahmen greifen oder

auch der Psyche mehr Raum in der

täglichen Praxis geben. Das Schöne

an der Allgemeinmedizin ist, dass wir

auch immer wieder sehen, wie eine

Therapie anschlägt. Ein Röntgenologe

macht ein Bild und weiß dann nicht

mehr, was mit dem Patienten passiert.

Das gilt auch für andere Fachrichtungen.

Welchen Stellenwert hat für Sie die

Allgemeinmedizin? Was raten Sie

herangehenden Ärzten?

Ich würde jedem jungen Arzt sagen,

wenn er begeisterungsfähig ist und

sein Herz der Medizin verschrieben

hat, dass die Allgemeinmedizin die

schönste Fachrichtung ist, die es gibt.

Weil sie alle Fächer betrifft und der

Patient unmittelbar und im Lebenslängsschnitt

erlebt wird. Man kann

sich ja fachlich als Allgemeinmediziner

verschiedene Hobbys erhalten

– Venen veröden, Schmerztherapie

oder Manualtherapie.

Kongressleiter Dr. Walter Fiala

Wie sieht sich die STAFAM als

Aus- und Fortbildungsinstitution?

Die STAFAM hat einen großen Anteil

an der Aus- und Weiterbildung

von Ärzten. So waren wir als STAFAM

maßgeblich beteiligt an der Organisation

der Studentenfamulatur. Es

ist für ganz Österreich beispielhaft,

wie das bei uns funktioniert. Das garantiert,

dass jeder Arzt – ganz egal

welche Fachrichtung er einschlägt –

einmal in einer Allgemeinpraxis tätig

war. Weiters bildet unser Vorstand

den Lehrkörper für Allgemeinmedizin

an der Klinik in Graz – in Zusammenarbeit

mit dem neuen Institut für

Allgemeinmedizin in Graz. Wir haben

den ganzen Lehrplan erarbeitet. Zudem

organisieren wir den jährlichen

Kongress, der kompakte Fortbildung

für das gesamte Ordinationsteam

anbietet. Das ist auch ein wichtiger

Schwerpunkt.

Eine komplette Kongressnachlese

sowie Infos zum Kongress 2017

finden Sie auch im Internet:

www.stafam.at

Foto: Sissi Furgler

4 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


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KONGRESS

JOURNAL

Strukturierter Umgang mit kranken Kindern

Krank oder nicht krank?

Im Praxisalltag ist es oft

schwierig, rasch und richtig

einzuschätzen, was dem Patienten

fehlt – vor allem, wenn es

um Kinder geht. Dr. Anita Mang,

niedergelassene Fachärztin für

Kinder- und Jugend heilkunde,

Oberwölz, gab gestern beim

Kongress Tipps, wie man auch

in der Allgemeinmedizin-Praxis

einen pädiatrischen Patienten

rasch abklären und die

Behandlung in die richtigen

Bahnen leiten kann.

Oft kommen besorgte Eltern emotional

aufgebracht in die Praxis mit der

Aussage: „Irgendetwas stimmt nicht

mit meinem Kind.“ Ob nun wirklich

eine Erkrankung besteht und um

welchen Schweregrad es sich handelt,

ist oft schwer einzuschätzen.

Dr. Anita Mang: „Um solche Situationen

möglichst zeitsparend sowie

zielführend erfassen zu können, ist

für mich ein strukturierter Zugang

unumgänglich.“ Die günstigste und

zeitsparendste Diagnostik ermöglichen

immer die fünf eigenen Sinne.

Wichtig ist aber, dem Patienten immer

zuzuhören: Was ist passiert?

Gewisse Gefahren sollten dabei

zusätzlich berücksichtigt werden.

Scheinbar unzusammenhängende

Warnzeichen sind ein kritisch krankes

Kind, Atemnot oder Atemgeräusche,

Ausschlag, Fieber oder ein durch Gewalt

oder Gedeihstörung gefährdetes

Kind. Außerdem sind gefährdete

Kinder immer leise.

Als eine wichtige Hilfe für den medizinischen

Alltag stellte Dr. Mang

das AVPU-Schema (siehe Kasten)

vor. Dabei handelt es sich um eine

einfache klinische Klassifikation zur

initialen Beurteilung der Vigilanz eines

Notfallpatienten, die man aber

am Beginn der Ordination einsetzen

kann, um kritisch kranke Kinder sofort

zu erkennen. Das AVPU-Schema

stellt nur eine erste, grob orientierende

Bewertung der Bewusstseinslage

des Patienten dar. Jeder Einordnung

unterhalb von „A“ muss eine eingehendere

Untersuchung folgen.

Dr. Mang empfiehlt zum strukturierten

Vorgehen für die Untersuchung das

ABCDE-Schema (siehe Kasten). Es ist

dies eine Strategie zur Untersuchung

und Versorgung kritisch kranker oder

verletzter Patienten auf der Basis einer

Prioritätenliste. „Wichtig ist aber, immer

Ruhe zu bewahren: beobachten,

auskultieren und ganz entkleiden“, so

die Expertin. Das ABCDE-Schema

wird schnellstmöglich durch eine kurze

Notfallanamnese nach dem SAM-

PLE-Schema (siehe Kasten) ergänzt.

Wenn man diese Merkhilfen und

Übersichten im Kopf hat, gelingt es

rasch, den Patienten einzuschätzen

und die Behandlung in die richtigen

Bahnen zu leiten.

AVPU-Schema

A = ALERT: Der Patient ist wach,

ansprechbar und orientiert. Die

Behandlung kann warten. Cave:

Gefährdete Kinder sind leise!

V = VOICE: Reaktion des

Patienten nur bei lauter Ansprache;

sofort Behandlung

P = PAIN: Reaktion des Patienten

nur durch Schmerzreiz;

sofort Behandlung, 144 +

Notarzt; Atemweg gefährdet!

U = UNRESPONSIVE:

Nicht ansprechbarer, bewusstloser

Patient; sofort Behandlung,

144 + Notarzt + evtl. Rettungs-

Transport-Hubschrauber

ABCDE-Schema

A (Airway): sicher, gefährdet,

obstruiert

B (Breathing): Atemfrequenz,

Atemarbeit, Oxygenierung

C (Circulation): Herzfrequenz,

Haut: Rekap/Farbe (Marmorierung?)/Temperatur/

Pulsqualität (zentral/peripher),

Blutdruck, Vorlast

(Leber, Lungenödem), Harn?

D (Disability = mental status):

AVPU, Motorik, Kraft, Tonus,

Reflexe, Koordination, Sensibilität,

Pupillen

E (Exposure):

Ausschlag?

Verletzungszeichen?

Hinweis auf Misshandlung?

SAMPLE-Schema

S - Symptome

A - Allergie

M - Medikamente

P - Vorerkrankungen

(Past Medical History)

L - Letzte Mahlzeit

E - Events (Was ist passiert?)

6 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


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KONGRESS

JOURNAL

Diarrhoe bei Kindern und Jugendlichen

Wenn‘s rinnt wie Wasser

Diarrhoe bei Kindern und

Jugendlichen gehört zu den

häufigsten Krankheitsbildern,

mit denen Eltern in die Ordination

kommen. „In den meisten

Fällen handelt es sich nicht um

eine Diarrhoe, sondern einfach

um ein anderes Stuhlmuster

als das Erwachsener“, erklärte

Univ.-Prof. Dr. Almuthe Hauer,

FÄ für Kinder- und Jugendheilkunde,

Med. Uni Graz, Klin.

Abt. für Allgemeine Pädiatrie,

gestern beim Kongress.

Wichtig ist, exakt zu definieren, was

eine Diarrhoe ist. „Auch viele Kinderärzte

und Allgemeinmediziner sind

hier unsicher. In der Regel spricht

man von mehr als drei dünnflüssigen

Stühlen pro Tag beim Baby

oder Kleinkind. Das bedeutet, dass

der Stuhl in ein Gefäß rinnen und es

,auskleiden‘ könnte“, erklärte Univ.-

Prof. Dr. Almuthe Hauer. Jeder breiige

Stuhl fällt schon nicht mehr darunter.

Mit anderen Worten, der Stuhl sollte

so dünnflüssig sein wie Wasser aus

der Leitung. „Wenn ich zu so flüssigem

Stuhl die Eltern befrage, verneinen

sie dies meist“, so die Expertin.

Diarrhoe bedeutet aber auch erhöhtes

Stuhlvolumen - im Vergleich zur

Norm des Kindes.

Ursachen einer Diarrhoe

Liegt wirklich eine Diarrhoe vor, unterscheidet

man zwischen der akuten

und der chronischen Durchfallerkrankung.

Bei der akuten Form ist

die akute Gastroenteritis am häufigsten.

Meist handelt es sich um Virusinfektionen

durch Noroviren, seltener

sind Rotaviren, weil Kinder in Österreich

meist geimpft sind. Ein kleiner

Teil der Fälle wird auch durch bakterielle

Erreger hervorgerufen. Die chronische

Diarrhoe ist definiert durch den

dünnflüssigen, wassergleichen Stuhl

und eine Dauer von mehr als zwei

Wochen. „Eine chronische, angeborene

Diarrhoe – diese ist aber extrem

selten – ist ein absolutes Alarmsymptom

und ein Fall für die Spezialklinik“,

warnte die Expertin. Das Problem bei

chronischer Diarrhoe ist, dass es innerhalb

kürzester Zeit zu einer Mangelernährung

kommt, weil die Nährstoffe

nicht mehr über den Dünndarm

aufgenommen werden können.

Fünf betroffene Organsysteme

Das erste Organsystem, das betroffen

sein kann, ist der Dünndarm. Hier

gibt es angeborene anatomische

Fehlbildungen, seltene angeborene

selektive Resorptionsstörungen

und die Gruppe der Schleimhautbeeinträchtigungen.

Die letzte Form

ist auch am häufigsten. Prof. Hauer:

„Ursache kann z.B. eine längere Rotavireninfektion

oder Kuhmilchunverträglichkeit

sein. Am häufigsten ist

aber eine Zöliakie.“ Das zweite betroffene

Organsystem ist der Dickdarm

(Beispiel: Colitis ulcerosa). Ursache

chronischer Diarrhoe können aber

auch Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse

(Cystische Fibrose),

Erkrankungen der Leber oder – sehr

selten – endokrine Erkrankungen sein.

Dazu Prof. Hauer: „Eine chronische

Diarrhoe ist grundsätzlich ein

Alarmsignal. Jeder Kinderarzt oder

Allgemeinmediziner sollte unterscheiden,

ob es sich um eine akute

oder um eine chronische Erkrankung

handelt. Wenn ein Kind ,ausrinnt‘,

gehört es in ein Kinderkrankenhaus.“

Therapeutisch sollte sich

der niedergelassene Arzt mit dem

akuten Durchfall beschäftigen. Der

Flüssigkeitsverlust durch den Stuhl

muss sofort ersetzt werden: durch

Stillen + orale Rehydrationslösung

(ORL) als Sofortmaßnahme oder

bei größeren Kindern durch ORL

alleine. „Akzeptiert das Kind dies

nicht, gehört es ins Spital. Je eher

eine Diarrhoe angeboren oder beim

ganz kleinen Kind, umso besser ins

Spital“, rät Prof. Hauer.

8 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


KONGRESS

JOURNAL

Notfallbasis für die ganze Ordination

Üben für den Notfall

In der Qualitätssicherungsverordnung

gibt es klare

gesetzliche Vorgaben für die

Erbringung der notfallmedizinischen

Aufgaben niedergeassener

Ärzte. Im Mittelpunkt des Seminars

von Dr. Peter Sigmund

stehen Handlungs pläne für die

ärztliche Erstversorgung von

Notfallpatienten in der Praxis

und beim Hausbesuch.

Tatsächlich ruht auf den Hausärzten

ein bedeutender Anteil der notfallmedizinischen

Versorgung, im Ausmaß

abhängig von der Distanz der

Praxis zum nächsten Notarztstützpunkt.

Hinzu kommen Hausbesuche

bei Notfallpatienten sowie auch das

Ersuchen um Hilfeleistung durch die

Rettungsleitstellen, wenn der Einsatzort

so gelegen ist, dass der Hausarzt

den Patienten deutlich rascher

erreichen kann als der Notarzt.

Die Effizienz ergibt sich auch in der

Notfallmedizin in einer abgestuften

Versorgung. Grundlegende Maßnahmen

und Weichenstellungen sollte

jeder Mensch beherrschen, spezialisierte

Maßnahmen sollte derjenige

erbringen, der dafür entsprechend

ausgebildet und ausgerüstet ist und

diese auch regelmäßig anwendet

(ärztliche Qualifikation). Dr. Peter

Sigmund: „Die zur Bewältigung notwendigen

Fertigkeiten können mit

zunehmender Seltenheit nicht von

jedem Arzt im praktischen Einsatz

erworben werden.“ Vorausschauende

Planung und regelmäßiges Üben

der Notfallkonzepte helfen aber, im

Ernstfall dafür gewappnet zu sein.

Der Experte rät dazu, im Notfall nur

die Medikamente einzusetzen, die

man regelmäßig verwendet. Es ist

auf jeden Falll sinnvoll, den Umgang

mit einem Opiat zu beherrschen.

Auch L-Adrenalin sollte immer im

Notfallkoffer einsatzbereit sein.

Stufen der Notfallmedizin

Notfallmedizin beginnt immer mit

einer Versorgungsbasis, die oft nur

wenige, aber grundlegend wichtige

Maßnahmen umfassen kann. Jede

Versorgungsstufe schafft erst das

Fundament für das sichere Gelingen

der nachfolgenden, darauf aufbauenden

medizinischen Maßnahmen.

Auf den Stufen der Versorgung gilt

es für jeden Beteiligten, sich seiner

Kompetenz angemessen einzubringen.

Die „Stufen der Notfallmedizin“

steigern sich von der Basisversorgung

bis hin zu den erweiterten

Maßnahmen durch den Notarzt mit

steigender Spezialisierung. „In jedem

Einsatz schafft die Basisversorgung

erst die solide Grundlage für eine darauf

aufbauende, spezialisierte Therapie“,

so Dr. Sigmund.

Am Beginn der Notfallversorgung

steht das Erkennen der Situation

als medizinischer Notfall: Welche

Hinweise? Welche Befunde? Welche

Gefahren?

Danach erfolgt die strukturierte Untersuchung

des Patienten: erster

Eindruck (ansprechbar/bewusstlos/

ohne Lebenszeichen), ABCDE-Schema

(strukturierter klinischer Status),

SAMPLE-Schema (strukturierte Anamnese).

Als dritte Stufe erfolgt die

Basisversorgung: „Notfall 3er“.

Die weiteren der Situation angepassten

Versorgungen orientieren sich an

von der Symptomatik ausgehenden,

standardisierten Handlungsplänen:

• Reanimation

• Bewusstlosigkeit

• Brustschmerz

• akute Atemnot

• Anaphylaxie

• akute Neurologie

• Analgosedierung

Im Seminar werden vier Notfallszenarien

zum praktischen Notfalltraining

durchgespielt. Zur Vorbereitung

und auch zur Nachlese gibt es

im Internet eine DFP-Arbeit (fünf

DFP-Punkte) von Dr. Sigmund auf

www.meindfp.at (Notfallbasis).

ÄRZTE- & MITARBEITERSEMINAR:

Notfallbasis für die Ordination

Freitag, 25.11., 9.00 – 13.00 Uhr

12 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


KONGRESS

JOURNAL

Allgemeinmedizinkongress 2016

Allgemeinmediziner mit Herz & Seele

Dr. Walter Fiala eröffnete am

Donnerstag Nachmittag den

alljährlichen Kongress für Allgemeinmedizin

wie gewohnt

in seiner sehr persönlichen Art.

Wie immer fand der Kongressleiter

sehr treffende Worte zum

Thema „Geben und Nehmen

in der Allgemeinmedizin“.

„Der Beruf des Allgemeinmediziners

ist sehr schön. Es ist ein sehr bunter

und vielfältiger Beruf. Wir bekommen

vom Patienten Zuneigung, Dank und

Vertrauen“, freut sich der langjährige

Kongressleiter, wies aber zugleich

auch auf die Kehrseite hin: „Leider

rangiert der Allgemeinmediziner beim

Verdienst an der letzten Stelle von allen

medizinischen Sparten.“ Umso

mehr freute sich Dr. Walter Fiala, dass

so viele Teilnehmer in ihrer Freizeit

zum Kongress kommen, obwohl sie

nicht unmittelbar Geld durch diese

Fortbildungsveranstaltung lukrieren.

Dr. Fiala: „Auch das ist eine besondere

Spezialität der Allgemeinmedizin.

Ich bedanke mich im Namen der

ganzen Gesellschaft, dass Sie gekommen

sind.“ Überleitend zum an die

Eröffnung anschließenden Roundtable

sprach Dr. Fiala noch eine weitere

Problematik an: „Dass Allgemeinmedizin

eine Wissenschaft ist, hat sich in

unseren Hochschulen nur sehr mühsam

und zaghaft herumgesprochen.

Außer hier bei uns in Graz. Hier haben

wir ein eigenes Institut. Mit diesem

Roundtable wollen wir zeigen, welche

Bedeutung die allgemeinmedizinische

Forschung hat und welche Auswirkungen

dies auf die tägliche Praxis

hat.“ (Den Bericht zum Roundtable

finden Sie in der Samstag-Ausgabe

des KongressJournals).

16 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


KONGRESS

JOURNAL

Graz/25. November 2016 KONGRESSJOURNAL 17


KONGRESS

JOURNAL

Symptomlinderung am Lebensende

Leben bis zum Schluss!

Sterben und Tod sind Themen,

mit denen man sich notge

drungen irgendwann

aus einandersetzen muss.

Häufig geschieht dies jedoch

zu spät, um noch effizient

gestalterisch und planend

aktiv werden zu können. Ist es

dann aber soweit, sollte der

Hausarzt in diesem Prozess

eine Schlüsselrolle spielen.

„Es gibt mehr Palliativpatienten als

wir vermuten“, meint OA Dr. Kurt

Semmernegg MSc, DESA Facharzt

für Anästhesiologie und Intensivmedizin

LKH Wagna und Wahlarzt

für Allgemein- und Schmerzmedizin

Eibiswald. „Nicht nur Krebs hat

Potential, Lebenszeit zu verkürzen,

sondern auch eine Vielzahl anderer

Erkrankungen, für die, ab einem gewissen

Zeitpunkt, der kurative Behandlungsweg

zu Ende ist. Dann wird

man zu einem Palliativpatienten.

Irgendwann im Laufe einer tödlich

endenden Krankheitskarriere – wie

z.B. terminale Herzinsuffizienz, Endstadium

COPD oder Demenz – beginnt

das Sterben. Zu erkennen,

dass sich ein Mensch im unmittelbaren

Sterbeprozess befindet, ist ein

wesentlicher Schritt auf dem Weg

für ein Leben bis zum Schluss, mit

möglichst großer individualisierter

Lebensqualität!“

Kurativ-palliativ

Dr. Kurt Semmernegg: „Wichtig ist,

dass „Palliative Care kein Gegenpol

zur kurativen Medizin“ ist. Bereits

während kurativer Maßnahmen

treten häufig Beschwerden auf, die

durch ein optimiertes Symptommanagement

gut gelindert werden

könnten. Belastende Symptome

sind nicht nur körperlicher Natur,

sondern betreffen eine Person in

ihrer Gesamtheit – Körper, Seele,

Geist und Soziales. Palliative Care

versucht diesen ganzheitlichen Ansatz

im Symptommanagement

umzusetzen. Die belastenden Symptome

am Lebensende können vielgestaltig

sein. „My personal big five

in the world of palliative care“, so

Dr. Semmernegg. „sind Schmerz,

Atemnot, Übelkeit, Obstipation und

Sprachlosigkeit.“ Im Seminar geht Dr.

Semernegg auf die evidenzbasierten

Empfehlungen ein.

Sterbeplanung ist Lebensplanung

Die „vorausschauende Versorgungsplanung“

(Advance Care Planning,

ACP) beschreibt einen systematischen,

interprofessionell begleiteten

Kommunikations- und Implementierungsprozess

zwischen Patienten,

Angehörigen und relevanten an der

Behandlung des Patienten beteiligten

Personen. Der Prozess umfasst

die bestmögliche Sensibilisierung,

Reflexion, Dokumentation und die

klinische Umsetzung der Behandlungspräferenzen

von Patienten hinsichtlich

künftiger hypothetischer

klinischer Szenarien. Ein vom behandelnden

Team gemeinsam mit dem

Patienten und seinem sozialen Umfeld

entwickelter Notfallbogen kann in

der Krise hilfreich sein. Hier spielt der

Hausarzt als Palliative-Care-Manager

und Therapeut ein wichtige Rolle.

Gemäß dem modularem abgestuften

Hospiz- und Palliativversorgungskonzept

handelt es bei 80 bis 90 % der

Sterbefälle um sogenannte „Einfache

Fälle“. Wobei der Begriff „Einfacher

Sterbefall“ keineswegs fehlinterpretiert

und unterschätzt werden darf. In

diesen Fällen wird die entsprechende

Palliative-Care-Leistung aus durch

den Hausarzt als Schlüsselperson

erbracht. Um diese vielfältigen Anforderungen

erfüllen zu können, braucht

es neben Management-Talent auch

Interesse für Symptomlinderung

und entsprechendes Knowhow. Dr.

Semmernegg: „Palliativmedizin ist

tatsächlich Lebensmedizin und Ausdruck

gelebter Mitmenschlichkeit.“

SEMINAR FÜR ÄRZTE:

Palliativmedizin ist

Lebensmedizin!

Samstag, 26.11., 9.00 – 12.00 Uhr

18 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


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KONGRESS

JOURNAL

NADA-Akupunktur

Bestechend

hohe Wirkung

Die NADA-Akupunktur hat sich in der westlichen Welt zu einer

beliebten komplementären Therapie in psychiatrischen Kliniken

wie psychosozialen Diensten und Einrichtungen der Drogenberatung

und Drogentherapie entwickelt. „Sie wird aber auch

sehr erfolgreich bei psychiatrischen Patienten, bei ADHS- und

PTSD-Patienten eingesetzt“, erklärt DDr. Thomas Ots, Arzt für

Allgemeinmedizin, Lehrbeauftragter für Akupunktur, Graz.

Die positive Wirkung der Ohr-Akupunktur

bei Abhängigkeitserkrankungen

wurde erstmals 1973 von den

Neurochirurgen Wen und Cheung

in Hongkong beschrieben. Diese erfreuliche

Entdeckung beruhte, wie

so vieles andere, auf purem Zufall.

Dr. Wen hatte am Ohr das Lungen-

Areal akupunktiert, um die postoperative

Atemfunktion abhängiger

Patienten zu verbessern. Das Beeindruckende

dabei war, dass sich nicht

nur die Atmungsfunktion besserte,

sondern sich auch das Suchtverlangen

(Craving) und die vegetative Entzugssymptomatik

verringerten. In den

1980er Jahren begann man infolgedessen

am Lincoln Recovery Center,

New York City, diese Erfahrung durch

die Arbeitsgruppe um den Psychiater

Dr. Michael Smith zu einer erfolgreichen

Form der Suchtakupunktur weiterzuentwickeln.

Einfach zu erlernen und anzuwenden

NADA steht für die 1985 gegründete

National Acupuncture Detoxification

Association. Während die

klassische Akupunktur eine individuelle

Diagnostik erfordert, ist die

NADA-Akupunktur Diagnose- und

Suchtstoff-unspezifisch und an zwei

Wochenenden erlernbar. Aufgrund

unterschiedlicher legaler Bestimmungen

in den einzelnen Ländern ist die

Ausführung der Akupunktur nicht

allen Gruppen des medizinischen

Personals erlaubt. So hat sich in den

letzten Jahren – vor allem in Österreich

– neben der Akupunktur auch

die Akupressur des Ohres durchgesetzt.

Diese wird mit Druckpflastern

durchgeführt, besonders bewährt

haben sich hier magnetische Kugeln.

Die NADA-Akupunktur Austria setzt

die Methode der Magnetpflaster seit

2013 breit ein und besitzt hierüber

große Erfahrungen: Es hat sich gezeigt,

dass die Wirkung vergleichbar

ist. Die weniger intensive Wirkung der

Magnetpflaster wird dadurch ausgeglichen,

dass sie nicht nach der Therapiesitzung

entfernt, sondern bis zur

nächsten Sitzung belassen werden.

Die Patienten können darüber hinaus

die Pflaster manuell stimulieren. Die

Magnetpflaster bieten zudem eine

hervorragende Möglichkeit, Kinder zu

behandeln – als Trauma-Opfer oder

bei ADHS.

Hohe Effizienz und Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der NADA-Therapie

basiert auf verschiedenen zusammenspielenden

Faktoren. Einerseits

ist natürlich die Nadelung von fünf

Im Zentrum der NADA-Therapie steht

die Nadelung von fünf Ohr-Punkten.

Sie dienen u.a. der Entgiftung und

verhelfen den Suchtbetroffenen zu

mehr geistiger Klarheit.

bestimmten Ohr-Punkten an beiden

Ohren ausschlaggebend – die

Sitzungen dauern jeweils ca. 30 bis

40 Minuten. Dabei können die vegetativen

Symptome und das Craving

in der Regel durch NADA gemildert,

aber nicht gänzlich aufgehoben werden.

Insofern ist es hilfreich, dass die

NADA-Therapie immer in Gruppensitzungen

stattfindet, da dieser Umstand

eine Fortsetzung der Therapie

begünstigt. Die abhängigen Patienten

unterstützen sich gegenseitig und

helfen einander dabei, nicht vorzeitig

aufzugeben.

Keine Barrieren im Weg

Weitere Elemente der hohen Therapiewirkung

sind die Freiwilligkeit sowie

der nonverbale und auch sehr

niederschwellige Zugang – es wird

niemand nach seiner Abhängigkeit

oder Diagnose befragt. Auch ängstliche

Patienten können auf Wunsch

erst einmal an Gruppensitzungen

teilnehmen, ohne genadelt zu werden.

Da traumatisierte Patienten oft

Fotos: DDr. Thomas Ots

20 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


KONGRESS

JOURNAL

Säuglinge auf Entzug

Von Geburt an süchtig

Schon lange ist das Entzugssyndrom beim Neugeborenen (NAS –

Neonatales Abstinenzsyndrom) als eigenständiges Krankheitsbild

bekannt. Ein NAS tritt bei Neugeborenen auf, deren Mütter in der

Schwangerschaft einen Drogenabusus betrieben haben oder auch

bei Neugeborenen, deren Mütter unter Substitutionstherapie stehen.

Auch die Akupressur des Ohres mit

Magnetpflastern zeigt eine hohe

Wirkung. Der Patient behält sie bis zur

nächsten Sitzung und kann die Punkte

selbst immer wieder stimulieren.

unfähig oder nicht willens sind, sich

verbal zu öffnen, stellt die NADA-

Akupunktur bzw. Akupressur zunehmend

eine komplementäre Therapieoption

für allgemein-psychiatrische

und traumatisierte Patienten dar.

Zum Beispiel wurde NADA verstärkt

in der Trauma-Arbeit in sozialen, politischen

und ökologischen Krisengebieten

in Pakistan, Äthiopien, Kenia,

den Philippinen und Haiti angewandt.

Über die direkte Beeinflussung der

inneren Organe wie Leber, Lunge und

Niere hinaus hilft das NADA-Protokoll

Patienten darin, Selbstvertrauen und

innere Festigkeit zu erlangen bzw.

überhaupt fähig und willens zu sein,

sich auf einen psychotherapeutischen

Prozess einzulassen.

Infos: nada-akupunktur.at

SEMINAR FÜR ÄRZTE:

NADA-Akupunktur/Akupressur –

Therapie bei Sucht und allgemeinen

psychischen Störungen

Freitag, 25.11., 9.00 – 12.00 Uhr

Die optimale Substitutionstherapie

für die schwangere Frau und werdende

Mutter und auch die optimale

Therapie des am NAS leidenden Neugeborenen

sind immer wieder Gegenstand

durchaus kontroverser wissenschaftlicher

Diskussionen. „Zudem

ist das NAS ein medizinisches und

soziales Problem“, erklärt Priv.-Doz.

Dr. Wolfgang Raith, Klinische Abteilung

für Neonatologie, Univ.-Klinik für

Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische

Universität Graz: „Allein 2016

finden sich in der Pub-Med knapp

über 70 neue Manuskripte. Dies zeigt

die Aktualität dieser Problematik.“

NADA senkt Spitalsaufenthaltsdauer

An der Klinischen Abteilung für Neonatologie

an der Universitätsklinik für

Kinder- und Jugendheilkunde Graz

werden pro Jahr durchschnittlich acht

bis zehn Kinder mit einem NAS betreut.

Die Therapie eines NAS folgt

in der Regel einem multimodalen

Regime, basierend auf einer medikamentösen

Therapie mit Morphinlösung,

von denen die Neugeborenen

dann schrittweise entwöhnt werden.

Zusätzlich erhalten die Kinder eine

unterstützende Laserakupunkturtherapie

– eine Kombination aus

NADA-Akupunktur am Ohr und

Körperakupunktur. „Im Rahmen einer

Studie, die an unserer Abteilung

durchgeführt wurde, benötigten Neugeborene

mit NAS, bei denen eine

Laserakupunktur durchgeführt wurde,

eine kürzere medikamentöse Basistherapie

als Neugeborene mit NAS

ohne Laserakupunktur (Vergleichsgruppe

= 39 Tage). Damit konnte

auch die Dauer des Spitalsaufenthaltes

in der Akupunkturgruppe gesenkt

werden und die Kinder der Akupunkturgruppe

deutlich früher entlassen

werden. Der Unterschied zwischen

den Gruppen ist statistisch signifikant

(p


KONGRESS

JOURNAL

Drei Angebote der STAFAM

Web-Service für

die tägliche Praxis

Die Steirische Akademie für Allgemein- und Familien -

medizin (STAFAM) ist aus der medizinischen Fort- und

Weiterbildungsszene nicht wegzudenken. Der jährliche

Kongress in Graz, die Pflichtfamulatur für Studenten oder

die Lehr tätigkeit an der Medizinischen Universität sind

drei Beispiele dafür. Zudem ist die STAFAM immer mehr

bemüht, den Arbeitsalltag der Allgemein mediziner durch

sinnvolle Serviceangebote zu erleichtern.

Der kurze Draht

Vor über zehn Jahren startete die STAFAM das Projekt „Der kurze

Draht“, um die Schnittstellen zwischen den steirischen Allgemeinmedizinern

und den Spitalsambulanzen zu optimieren.

Seit letztem Jahr gibt es davon auch eine digitale, interaktive

Version auf der Webseite stafam.at. Dadurch soll der Übergang

von der Praxis in die diversen Ambulanzen für niedergelassene

Allgemeinmediziner einfacher und überschaubarer werden. Alle

Ambulanzen sind in der Mappe – und jetzt auch im Internet –

thematisch und geographisch übersichtlich aufgelistet, mit wichtigen

Informationen und Kenndaten versehen – Kontaktnummern,

Adressen, Ambulanzzeiten und nötige oder gewünschte

Voruntersuchungen bzw. spezielle Anmeldeformulare. Ein weiterer

Vorteil der digitalen Version: Detaillierte Patienteninformationen

können direkt von den Firmen angefordert werden. Dieser

Service ist sogar für alle Ärzte in ganz Österreich abrufbar.

Forum „Wer weiß weiter“

Plattform für Fortbildung

Bereits zum vierten Mal hat die

Steirische Akademie für Allgemeinmedizin

alle Vorträge des jährlichen

Kongresses in Bild und Ton aufgezeichnet

und auf ihrer Homepage

stafam.at zur Verfügung gestellt.

Jede Ärztin, jeder Arzt hat die Möglichkeit,

mit einem persönlichen

Kennwort alle Vorträge beliebig oft

anzusehen. Die Dokumentation

ermöglicht einen schnellen und

lebhaft gestalteten Zugriff auf interessante

Vorträge, die man vielleicht

beim Kongress versäumt hat

oder die man sich nochmals anhören

und ansehen möchte. Derzeit

sind alle Vorträge des 46. Kongresses

für Allgemeinmedizin 2015

aufgezeichnet (Folien, Ton und

Video) und können gebührenfrei

von jedem Arzt abgerufen werden.

Insgesamt können 19 DFP-Punkte

erreicht werden. Info an alle Kongressteilnehmer

des 47. Kongresses

für Allgemeinmedizin 2016: Auch

Sie können diese 19 DFP-Punkte

zusätzlich noch bekommen.

Oft tritt im medizinischen Alltag ein komplizierter Fall auf, den

man besprechen möchte. Oder ein Arzt möchte neueste Tipps

in Diagnostik und Therapie diskutieren. Manchmal ist man auch nur auf der Suche nach einem gebrauchten

EKG-Gerät oder möchte seinen Ärger in der Standespolitik teilen. Auf jeden Fall gibt es jetzt dafür das Forum

„Wer weiß weiter“ auf stafam.at. In der Menüleiste (mit der Arztnummer) registrieren und los geht‘s. Derzeit

sind bereits über 50 Ärzte dabei. Jede Frage wird via E-Mail an alle Forumsteilnehmer verschickt - mit Namen

und E-Mail-Adresse oder auch anonym. Im Optimalfall sind innerhalb einer Stunde die ersten Antworten da.

Zumindest in Deutschland funktioniert das schon ausgezeichnet. Dr. Walter Fiala ist sich aber sicher, dass

eigentlich alle Ärzte - nicht nur Allgemeinmediziner in ganz Österreich - dabei sein sollten. Je mehr Ärzte mitmachen,

desto rascher und wertvoller werden auch die Antworten sein.

22 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


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KONGRESS

JOURNAL

Wirbelsäule und Gelenke in der Allgemeinpraxis

„Experienced-based-medicine“

Die Wichtigkeit der klinischen

Untersuchung von Patienten mit

Gelenks- oder Wirbelsäulenbeschwerden

ist das Hauptthema

des Seminars von Dr. Martin

Steiner. Denn oftmals wird aus

Zeitmangel auf diese Untersuchung

in Allgemeinpraxen viel

zu wenig Wert gelegt. Im Sinne

des Kongressmottos „Geben und

Nehmen“ ist Dr. Steiner überzeugt,

dass es für die Zukunft

der Heilkunst ausschlaggebend

ist, Menschen wieder mehr und

besser zu be-greifen.

„Neben der „Evidence-based-medicine“

gibt es auch eine „Experiencedbased-medicine“,

betont Dr. Martin

Steiner, Ordinationsgemeinschaft für

Allgemeinmedizin Carneri in Graz,

seine Philosophie. „Wir sollten unter

Gebrauch unserer fünf Sinne und Erfahrung

und unseres gesunden Menschenverstandes

als sechstem Sinn

vertrauen, um damit aus der Medizin

wieder eine Heilkunst zu machen. Unsere

Patienten werden es uns danken.“

In erster Linie zeigt Dr. Steiner in

seinem Seminar, wie man einfach

und effizient innerhalb weniger Minuten

Patienten untersuchen kann

und dabei Differentialdiagnosen bei

Nacken-/Schulter-/Armbeschwerden

oder Kreuz-/Hüft- und Knieschmerzen

stellen kann. Eine exakte

Anamnese davor ist absolut wichtig.

„Man kann mit wenigen, aber gezielten

Fragen sehr gute Hinweise auf

Ursachen von Schmerzen bekommen.“

Doch der erste Schritt ist, dem

Patienten die Möglichkeit zu geben,

selbst zu erzählen, zum Beispiel seit

wann er Schmerzen hat, wodurch

VORTRAG FÜR ÄRZTE:

Die Untersuchung von WS und

Gelenken in der Allgemeinpraxis

Freitag, 25.11., 14.30 – 17.30 Uhr

es besser oder schlechter wird, was

schon untersucht wurde und welche

Behandlungen ihm geholfen oder

nicht geholfen haben. „So gelingt

es mir meist, innerhalb kurzer Zeit

durch Anamnese und klinische Untersuchung,

eine Verdachtsdiagnose

zu stellen“, so Dr. Steiner.

Erst nach der darauffolgenden körperlichen

Untersuchung sieht sich

der Experte Befunde und Röntgenoder

MR-Bilder an und danach liest

er die Befunde. „Viele Patienten sind

überrascht, wenn ich ihre Befunde

zunächst zur Seite schiebe und von

ihnen ihre Geschichte hören möchte.

Nicht selten bekomme ich dann

zu hören, dass sie noch nie so genau

untersucht wurden, dass sie noch

nie wenigstens die schmerzende

Stelle oder zur Gesamtbeurteilung

der Wirbelsäule alles bis auf die Unterwäsche

entkleiden mussten.“

Die Therapeutische Lokalanästhesie

Ein weiteres Thema dieses Ärzteseminars

ist die „Therapeutische

Lokalanästhesie“. Dr. Steiner hat damit

gute Erfahrungen gemacht und

möchte mit diesbezüglichen Vorurteilen

aufräumen. „Mit guten anatomischen

Kenntnissen und ausreichender

Übung gelingt es leicht,

mit einer Infiltration das wirksame

Medikament direkt an den Ort einer

Störung zu bringen“, so Dr. Steiner.

„Ich erreiche damit mit der kleinsten

Menge eines Medikaments die

größtmögliche Wirkung. Dem wird

oft entgegengehalten, dass es gefährlich

sei und zu Infektionen oder

Blutungen führen könne. Dieses Risiko

ist unter sachgemäßer Durchführung

der Infiltration minimal, ich

habe diesbezüglich noch keine Komplikationen

bei meiner Arbeit erlebt.

Zudem sollte man auch bedenken,

dass es durch den dauerhaften Einsatz

von NSAR zu Magenblutungen,

Niereninsuffizienz, Herz-Keislauf-Erkrankungen

oder anderen Nebenwirkungen

kommen kann.“

24 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


KONGRESS

JOURNAL

Alkoholkranke in der Allgemeinpraxis

Alkoholismus ist eine Krankheit

Alkohol ist in Österreich Teil des

kulturellen und gesellschaftlichen

Alltags. Die Grenzen zwischen

Genuss, Missbrauch und

Abhängigkeit sind fließend und

oftmals nur schwer wahrnehmbar.

Aus diesem Grund spielen

Allgemeinmediziner in der

Früherkennung, der Intervention

und in der Nachbetreuung von

Menschen mit einer Alkoholerkrankung

eine wesentliche Rolle.

Alkoholismus wird meist nicht als

Krankheit wahrgenommen. Tatsache

ist jedoch, dass Alkoholsucht wie eine

chronische Krankheit zu behandeln

ist, um nachhaltig Erfolg zu haben.

„Wenn wir die gleiche Sorgfalt und Geduld

für diese Personengruppe aufbringen

wie für einen Diabetiker, dann

werden sich viel mehr alkoholkranke

Menschen in der Allgemeinmedizinpraxis

gut aufgehoben fühlen“, weiß

MR Dr. Uwe Pachmajer, Arzt für Allgemeinmedizin

und Psychotherapeut

in Langenwang, aus Erfahrung.

„Durch eine gute Beziehung zum

Patienten ist die Langzeitbetreuung

von Alkoholkranken möglich und erfolgreich.

Alkoholsüchtige Menschen

müssen das Gefühl haben, akzeptiert,

verstanden und mit den besten Mitteln

der Medizin betreut zu werden.“

Eine gute Arzt-Patient-Beziehung

ist dabei oft wichtiger als das beste

Medikament, ist der Experte überzeugt.

Alkoholiker sind oft Außenseiter

und froh, wenn sich jemand ihrer

annimmt. Darin sieht Dr. Pachmajer

auch die Stärke des Allgemeinmediziners.

Er hat einen Bezug zum Patienten

und das ist sein großer Vorteil.

Er behandelt den Menschen jahrelang

und hat mit ihm viele verschiedene

Themen – das ergibt immer wieder

Anknüpfungspunkte auch zum Thema

Alkohol. „In einem Spital liegt

das Hauptaugenmerk vor allem auf

Entgiftung und Entzug“, erklärt Dr.

Pachmajer. „Nach dem Aufenthalt

kommen die Menschen in zwei Jahren

wieder – zum Entzug. Das heißt,

in der Zeit dawzischen muss sich der

Allgemeinmediziner um ihn kümmern“,

schildert Dr. Pachmajer.

Sich Zeit nehmen und Zeit geben

Der Zeitfaktor ist ein Punkt, der nicht

außer Acht gelassen werden darf. Der

Arzt muss sich Zeit nehmen sowie

dem Patienten Zeit geben. Die drei

Säulen und gleichzeitig die Hauptaufgaben

der Allgemeinmedizin

sind nach Dr. Pachmajer „Erkennen,

Motivieren und Halten“. Jedes für

sich braucht Zeit und Geduld, denn

Rückfälle kommen vor. Allein das Erkennen

des Alkoholproblems kann

für den Patienten selbst und für den

Arzt Jahre dauern. Wenn es soweit ist,

braucht auch die Motivation ihre Zeit

– denn mit Druck erreicht man wenig.

Vorrangiges Ziel ist, mit Empathie,

Respekt und den „richtigen“ Fragen

Suchtmittelabhängige in ihrer Motivation

zu einer Verhaltensänderung zu

unterstützen. Suchtmittelkonsumenten

sind nicht unmotiviert, ihre Sucht

aufzugeben, sondern ambivalent.

Erkennen, Motivieren, Halten

Wenn die Motivation erfolgreich war,

steht der Entwöhnungsphase nichts

im Wege. Diese kann je nach Arzt und

Lebensumstände des Patienten ambulant

oder stationär durchgeführt

werden. „Ob ambulant oder stationär

hängt auch davon ab, was der Allgemeinmediziner

sich zutraut. Man

muss die ersten 14 Tage ununterbrochen

da sein, kontrollieren, überwachen

und betreuen sowie mit Entzugserscheinungen

rechnen“, weist Dr.

Pachmajer auf die Herausforderung

hin. Umso schöner, dass sich der persönliche

Einsatz lohnt, denn immerhin

beträgt die dynamische Rehabilitationsquote

in der Allgemeinpraxis

beachtliche 71 %, inklusive erfolgreicher

Rückfallsbewältigung.

Der dritte Schritt ist, den Erfolg langfristig

zu halten. „Nachbetreuung bedeutet

eine lebenslange Begleitung“,

betont Dr. Pachmajer eindringlich.

„Nehmen Sie den Wunsch der Patienten

nach einem selbstbestimmten

Leben ernst, unterstützen Sie die Patienten

im Kampf gegen die Abhängigkeit

und erleben Sie, wie lohnend

das für Ihre Patienten und wie befriedigend

es für Sie ist.“

VORTRAG FÜR ÄRZTE:

Alkoholkranke in der Allgemein praxis:

Erkennen, Motivieren, Halten

Freitag, 25.11., 16.40 Uhr

Graz/25. November 2016 KONGRESSJOURNAL 29


KONGRESS

JOURNAL

Essstörungen

Anorexia & Co.

200.000 Österreicher waren laut Gesundheitsministerium

zumindest einmal in ihrem Leben an einer Essstörung erkrankt.

Betroffen sind vor allem 15- bis 20-jährige Mädchen. Die Zahl

der Erkrankten hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch

erhöht - innerhalb von 20 Jahren verzehnfacht.

1989 wurden 269 Personen mit Essstörungen

registriert – schon damals

waren 89 % davon Frauen. Im Jahr

2000 waren es bereits 1.471 registrierte

Spitalsaufenthalte – 2008

verzeichnete man schon 2.734 Spitalsaufenthalte

aufgrund von Essstörungen.

Von allen 15- bis 20-jährigen

Mädchen in Österreich leiden 2.500

an Magersucht und über 5.000 an einer

subklinischen Essstörung, also an

einer leichteren Verlaufsform. „Diese

Zahlen stellen jedoch nur die Spitze

des Eisberges dar, da sie nur die

wirklich schwer Erkrankten widerspiegelt.

Die Dunkelziffer dürfte noch viel

höher sein“, erläurtert Dr. med. Aida

Kuljuh, Klin. Abt. für allgemeine Pädiatrie

Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde

Med. Universität Graz,

bei ihrem Vortrag.

Je früher, desto besser

Je früher eine Essstörung erkannt

wird, desto erfolgreicher kann sie behandelt

werden. Hier einige Merkmale,

die helfen, auf eine Essstörung

rechtzeitig aufmerksam zu werden:

• Das nähere Umfeld macht sich Sorgen

wegen des Essverhaltens.

• Es besteht Angst vor dem Essen,

gekoppelt mit einer panikartigen

Furcht vor Gewichtszunahme.

• Mädchen und Burschen können

von einem asketischen Stolz erfüllt

sein, überlegen zu sein und „nicht

so schwach wie die anderen“.

• Das Überlegenheitsgefühl geht oft

einher mit einem starken Ehrgeiz

und einer erstaunlichen Leistungsfähigkeit

in der Schule, im Beruf

oder im Sport. Dabei haben sie einen

ausgeprägten Willen, ihren Körper

zu beherrschen.

•Es besteht übertriebene Angst, zu

dick zu sein oder Angst zuzunehmen,

auch wenn untergewichtig.

Maßstäbe zur Erkennung

Zusätzlich helfen verschiedene Definitionen,

Schweregrad und Art der Störung

festzustellen. In erster Linie gilt,

wenn das tatsächliche Körpergewicht

mindestens 15 % unter dem erwarteten

Gewicht oder Quetel ets-Indes von

17,5 oder weniger liegt. Zudem, wenn

der Gewichtsverlust durch selbstinduziertes

Erbrechen bzw. Abführen oder

auch durch übertriebene körperliche

Aktivität herbeigeführt wurde. Zweitens

stellt sich die Frage nach einer

Körperschematastörung. Das heißt:

Wird die eigene Gewichtsschwelle sehr

niedrig angelegt? Besteht die überwertige

Angst, dick zu werden? Empfindet

sich die Betroffene trotz Untergewicht

als „zu fett“? Zu guter Letzt können

auch endokrine Störungen gute Hinweise

auf eine Essensstörung geben.

Wenn z.B. die Hypothalamus-Hypophysen-Gondaden-Achse

betroffen

ist, wenn persistierende Blutungen

bei Kontrazeptionsgabe auftreten

oder bei Männern ein Libido- und Potenzverlust

besteht. Aber auch erhöhte

Wachstums- und Cortisolspiegel,

Änderungen des Schilddrüsenhormonmetabolismus

und der Insulinsekretion

können bei Essensstörungen

vorliegen.

Therapie: Case-Manager über Jahre

Neben der unbedingt notwendigen

allgemeinmedizinischen bzw. pädiatrischen

Diagnostik und den regelmäßigen

fachärztlichen Kontrolle

ist in allen Fällen unbedingt eine

Psychotherapie indiziert. Für den

Erfolg wichtig ist die Erstellung eines

Gesamtbehandlungsplanes und

die Definition eines für die Therapie

verantwortlichen „Case-Managers“.

Da die Therapie oft über viele Jahre

und im Rahmen verschiedener Settings

stattfindet, ist Case-Management

besonders bei Magersucht und

Bulimie sehr wichtig. Cave: An den

Übergängen der Settings kann es im

ungünstigsten Fall zum Abbruch der

Behandlung kommen.

Die Körpergewichtsnormalisierung

durch Etablierung eines geregelten

Essverhaltensplanes ist unabhängig

vom Setting essentiell, um das durch

Mangelernährung funktionell beeinträchtigte

Gehirn wieder ausreichend

mit essentiellen Nahrungsmitteln zu

versorgen.

30 KONGRESSJOURNALGraz/25. November 2016


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konzeption . kreation . redaktion . produktion:

vom interaktiven online-magazin bis zum live bericht

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