Balderschwang in historischen Aufnahmen

LandhausAmSiplinger

Alte Bilder erzählen Geschichten.

Jedem Betrachter eine andere.

Daten und Informationen

zu den Bildern

finden sich erst im Anhang

des Buches.

Gemeinsam mit historischen

Texten und Dokumenten

beschreiben sie Ausschnitte

aus der Geschichte

von Balderschwang.

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Balderschwang liegt in den Allgäuer Alpen, unweit

des Bregenzer waldes, der für den Ort auf Grund des deutlich

leichteren Zugangs über Jahrhunderte mehr prägend war,

als das Allgäu. Die Grenze zu Österreich verläuft entlang

der gesamten westlichen Gemeindegrenze bis an den Ortsrand.

Im Osten erhebt sich das Riedberger Horn (1787 m),

die höchste Erhebung der zentral-allgäuer Hörner gruppe.

Balderschwang ist Mitglied des deutsch- österreichischen

Gemeinschaftsprojekts Naturpark Nagelfluhkette.

www.wikipedia.de, 2015

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Balderschwang ist die

Gemeinde mit dem am

höchsten gelegenen Ortskern

(1044 m) innerhalb Deutschlands.

Sie besitzt eine Fläche

von 41,56 km². Mit durchschnittlich

2.450 Litern pro

Quadratmetern im Jahr ist

Balderschwang der Ort mit

den meisten Niederschlägen

innerhalb Deutschlands.

Dennoch scheint die Sonne

im Schnitt an 4,66 Stunden

jeden Tag.

www.wikipedia.de, 2015

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Das Thal Balderschwang war bis in das 13. Jahrhundert eine ganze

Wildnis und Wüstenei. Erst in diesem benannten 13. Jahrhundert,

als Hittisauer Bauern ihre ebenen Landgüter als solche zu gebrauchen

anfieng, fieng man an für das Galtvieh zur Sommerszeit

einen Ort tiefer im Thal zu suchen.

Daher kam es, daß man dieses Thal ausschwendete, die ungeheuren

Holzwaldungen niederhaute und selbe gegen großes Geld

auf Bregenz und an die dortigen Eisenwerke verkaufte und

durch die Ach hinausflößte.

Dadurch wurde das Thal leichter, heller und fruchtbarer,

wo das Galtvieh zur Sommerzeit von einigen Hirten gehütet wurde.

Aus der Chronik des Kaplan Herburger von Lingenau, 1818

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Da nun in diesem Thal eine besonders gute

Weide war für das Galtvieh, so geschah es,

daß das Kloster Weingarten anno 1679

den 22. August den Riedberg oder den

sogenannten Schwabenhof an sich kaufte und

zwar für 4300 fl., wohin es im Frühjahr

einen ganzen Zug Ochsen trieb und nebst einem

Schaffner noch andere Hirten herschickte.

Das Kloster Mönchroth kaufte anno 1738 das

Gschwend mit 48 Weiden, dann aber 1740 im

unteren Balderschwang 158 Weiden.

Alle übrigen Güter wurden von Landsleuten

gemeinsam gebraucht bis anno 1772,

wo alles vereinödet wurde.

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Erst von dieser Zeit fieng man recht an, dieses Thal

zu cultiviren, auszuschwenden und auszureuten.

Es gab jetzt mehrere Thalbewohner, auch solche, die das

ganze Jahr verblieben. Die Hirten und

Schaffner am Schwabenhof blieben schon anno 1684 das

ganze Jahr, so auch der Schaffner

auf dem Mönchsrotherhof seit dem Ankauf samt

seiner Familie und Knechten.

Unter den Bauern war Joh. Peter Schwärzler der erste,

welcher 1767 das ganze Jahr wohnhaft blieb.

Dieser Peter Schwärzler war aber auch der erste,

welcher in der 1796 neue errichteten Pfarrei

Balderschwang in dem neuen Kirchhof begraben wurde.

Kaplan Herburger, 1818

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Da Balderschwang, drei Stunden von Hittisau im rauhen Gebirge, dem die Bolgenach entquillt, entfernt, nach seiner Lage

und seinen Bewohnern zum Vorderwald gehört, dürfen wir es nicht übergehen.

Dieses winterliche Thal, reich an Waldungen und Gewild, zur Reichsgrafschaft Rothenfels gehörig, ward mit dieser und

der Herrschaft Staufen von Ulrich, dem letzten Grafen von Montfort-Tettnang älterer Linie am 21. März 1567 an seinen

Schwager Johann Jakob Freiherrn von Königsegg verkauft und kam mit der Grafschaft durch den Pressburger Frieden,

26. Dec. 1805 an Bayern. Im Jahr 1659 ward in Balderschwang eine Kapelle erbaut, wohin seit 1740 während des Sommers

an etlichen Sonntagen der Hilfspriester von Hittisau excurrirte.

Im Jahr 1679 kaufte die Reichsabtei Weingarten um 4300 fl. die Alpe Riedberg und später noch zwei andere, und 1738

das Gotteshaus Mönchsroth die Alpe Gschwend, welche Alpengüter nach der Auflösung dieser Klöster von einigen

Vorderwäldern billig gekauft und getheilt wurden. Durch die rastlosen Bemühungen des Hittisauer Pfarrers Feuerstein

erstand 1795 eine selbstständige Pfarre, zählt in 13 Familien 94 und im Sommer wegen seiner Weiden bei 400 Einwohner.

Dr. Joseph Ritter von Bergmann, Landeskunde von Vorarlberg, 1868

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Im Jahre 1808 gründete König Max I. die königliche Steuervermessungskommission und

ordnete erstmals die Vermessung sämtlicher Grundstücke in Bayern an.

Ziel war eine gerechte und einheitliche Besteuerung des Grundbesitzes. Bei der Gründung

des Königreichs Bayern 1805 bestanden über 114 verschiedene Grundsteuersysteme.

Die Grundsteuer bildete damals die Haupteinnahmequelle des Staates. Die Erfassung der

Besitzstände geschah nicht zur Freude der Eigentümer, kam diese Maßnahme doch

einer Steuererklärung gleich. Als Ordnungsfaktor diente die Hausnummerierung, d.h.

Flächen des gleichen Besitzers wurden mit seiner Hausnummer bezeichnet.

Den Umfang ihres beanspruchten Bodens mussten die Eigentümer selbst, z.B. mit Pflöcken

markieren. Wer sich weigerte wurde bestraft.

Landesamt für Vermessung und Geoinformationen, 2015

Balderschwang

Balderschwang

in

in

historischen

historischen

Aufnahmen

Aufnahmen 11

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Als erster Pfarrer von Balderschwang wurde Hr. J. Stadelmann von Sulzberg in Vorarlberg aufgestellt.

Bis zur Vollendung der Kirche hielt er noch in einem Bauernhaus den Gottesdienst.

Im Jahre 1797 wurde neben dem Pfarrhof die Holzkirche errichtet. Die geregelte Seelsorge erwies

sich bald als sehr vortheilhaft. Die hölzerne Kirche wurde bald zu klein und man begann mit

dem Bau der gegenwärtigen sehr freundlichen Kirche. Dieselbe mußte nach dem Willen der

Baukommission in einen Sumpf gebaut werden und zwar deßwegen, weil dieses Grundstück sehr

wohlfeil war. Die schöne Kirche hat drei herrliche Altarblätter und macht auf den Besuchenden

einen günstigen Eindruck.

Wochenblatt für das christliche Volk, 14.Mai 1876

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„Die Pfarrei Balderschwang ist wieder erledigt!“ Das ist jedesmal ein Schrei des Schreckens und

Entsetzens durch’s ganze Schwabenland, vom obersten Allgäu an bis in’s Ries herunter

und bis über den Lech hinüber, so weit das Bistum Augsburg sich erstreckt – ein Schrei des Schreckens

und Entsetzens unter den Pfarramts=Candidaten, die der Concursreihe nach eben jetzt

eine Pfarrei erhalten sollen, und unter Allen, die sich um die Gefährdeten kümmern. Wer wird der

Unglückliche seyn und etliche Jahre in „bayerisch Sibirien“ zu leben genötigt seyn?

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Bisher sind die daselbst angestellten Pfarrer, wenn sie ihre Pflichten

erfüllten, sowohl von der Seite der weltlichen als auch

der geistlichen Obrigkeit bei ihren Bittgesuchen um andere Pfründe

besonders berücksichtigt worden.

Die in Balderschwang verlebten Jahre wurden doppelt und dreifach

angerechnet. Und das mit vollem Rechte; denn es gehört Muth

und Kraft dazu, dahinein zu ziehen, und da auszuhalten.

Es gehört eine ausgezeichnete Vollkommenheit dazu, in diesem Orte

fortwährender Entbehrungen sich allein mit der Hoffnung des

Himmels zu vertrösten.

Sulzbacher Kalender für katholische Christen, 1851

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Von Gunzesried bis zu den Stubenbacher Alphütten wird man ohne Führer gelangen können;

von da geleitet ein Senne oder Gehilfe über die Wilhelmene nach Balderschwang.

Dieses abgeschiedene Alpdörfchen, nur mit dem vorderen Bregenzer wald durch ein Sträßchen

verbunden, wird wegen seiner hohen „winterhäftigen“ Lage gewöhnlich

das bayerische Sibirien genannt.

Das Thal, rings von hohen Bergen umgeben, gewährt, wenn man von den den Höhen der

Wilhelmene herunter steigt, einen nicht unfreundlichen Anblick; freilich im Winter,

wenn die Dächer kaum aus den Schneewänden hervor stehen, und man nicht einmal die

Gestorbenen begraben kann, sondern sie oft bis zum Frühjahr in den Häusern bewahren

muß, da mag es ganz anders aussehen.

Handbuch für Reisende im Algäu, Lechthal und Bregenzerwald, 1856

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Im Winter sind nur etwa 16–18 Häuser

bewohnt, im Sommer aber kommen

die Bregenzerwälder und beziehen ihre

Vorsässen, dann ihre Alpen, so daß nun

52 Wohnhäuser und 30 Alphütten bewohnt sind.

Gegenwärtig sind die bayerischen Bewohner

so gering an der Zahl, daß nicht einmal

die Gemeindeverwaltung vollzählig ist;

dazu sind zwei Mitglieder derselben „Halbjährige“,

darunter der Gemeindekassier,

so daß im Winter der Bürgermeister dessen

Geschäfte besorgen muß. Diesen Verhältnissen

entspricht es, daß vor dem Pfarrhaus zwei

Fahnenstangen aufgestellt sind:

eine in bayerischen, die andere in österreichischen

Landesfarben.

Die Allgäuer Alpen, Land und Leute

Max Förderreuther, 1907

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Balderschwang, kleines Almdörfchen mit eigener Pfarrei, wird erreicht von Hittisau aus

auf teilweise steinigem Sträßchen über Dorbündt und Sippersegg in 3 Std.

Ernst Zettler, Allgäuer Alpen, 1925

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Nach Balderschwang:

Fahrweg am Fusse des Hittisbergs

nach Genobel (Whs.), über die Bolgenach und

im einsamen Tal 3 Std.

nach Balderschwang, 1045 m

(Gh. Adler und Alpenrose),

diesseits des Kammes gelegen,

aber zu Bayern gehörend,

in einförmigen Bergkessel.

Über Wilhelmen-Alpe nach Gunzesried

und Immenstadt.

Das Bayrische Hochland mit dem Allgäu

Th. Trautwein, 1912

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Die neugebaute, helle Kirche, das Schul- und Wirtshaus bilden

den Kern des Ortes; die übrigen Wohnungen,

meist ärmlich aussehend, stehen da und dort in den Wiesen.

Erwähnenswerth ist der Schwabenhof, ein Senngut,

früher zum Kloster Roth gehörig.

Versuche, den Kirschbaum zu pflanzen, sind bisher mißglückt;

selbst der Hafer reift nicht immer, und so muß

alles Getreide durch den Bregenzerwald herein gebracht oder

über den mühsamen Alpenweg getragen werden.

Handbuch für Reisende im Allgäu,

Lechtal und Bregenzerwald, 1856

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Der Vorarlberger Kreishauptmann Johann von Ebner schlug 1835 vor,

die Gemeinde Jungholz, sofern sie es wünsche, an Bayern abzutreten und dafür Balderschwang

„Siz der Armuth“ und ein Teil des Rohrmoostals einzutauschen,

womit es der Gemeinde Mittelberg ermöglicht würde, vom „Bertholdengut“ (beim Hörnlepass)

über österreichisches Gebiet einen Fahrweg nach Sibratsgfäll herzustellen.

Die Grenzregulierungsbehörde nahm diese Anregung auf und wollte Bayern noch die

Sulzberger Parzelle Bröger als Tauschobjekt anbieten. Dieser Abtausch wurde im Grenzberichtigungsvertrag

von 1844 ausdrücklich offen gelassen und erst 1850 verworfen.

Vorarlberger Territorialfragen, 1945 bis 1948

Ein Beitrag zur Geschichte der Vorarlberger Landesgrenzen seit 1805

Ulrich Nachbaur, 2007

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Balderschwang

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Der Balderschwanger ist eigentlich nicht Viehzüchter, sondern nur Schmalz- und Käse-Produzent. Ich glaube nicht,

daß eine Ortschaft in ganz Bayern so viel und so guten Käse liefert, als Balderschwang. Während der 2 Jahre

meines Hierseyns wurden 2800 Zentner Käse gemacht. Unter aller Kritik schlecht ist die Pferdezucht. Geflügel kennt man

außer Hennen kaum dem Namen nach. Zu Betten nimmt man statt Federn Buchenlaub.

Pfarrer Josef Hofgärtner, 1836

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Von Ende Mai bis Mitte September 2013 weideten

1270 Rinder, 466 Kühe, 23 Pferde

auf den Balderschwanger Alpen und

130 Schweine wurden gefüttert.

Alpwirtschaftlicher Verein, Immenstadt, 2014

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Die wenigsten Balderschwanger haben eigene Kühe.

Die Melkkühe werden auf Sommerdauer aus der Umgegend gemietet.

Selbst die eigenen Kühe werden bis auf ein oder zwei Stücke

auf den berühmten Sonthofener oder Dornbirner Viehmärkten

wieder verkauft.

Nur ein großer Bauer vermag den Winter durch 4 Kühe zu ernähren.

Es gibt auch keine Balderschwanger Viehrace, es kommen

verschiedene Racen vor, die beste und schönste ist die Montafoner Race,

genannt die Oberländer Art. Die Allgäuer Race wird als Melkvieh

nicht sehr gerühmt.

Pfarrer Josef Hofgärtner, 1836

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Die Nahrung der Bezirkseinwohner ist im Durchschnitte einfach, beseht jedoch meistens in nahrhaften Speisen, Milch,

Schmalz, Käse, Butter, Kartoffeln, Bohnen nebst Sauerkraut u. anderen Gemüsen, mitunter auch Fleisch, Mehl, u. etwas Brod

machen die Nahrung aus. Das Brod ist hier zu Lande nicht wie in andern Orts ein Bedürfniß eines jeden Hauses.

Bei den hohen Getreidepreisen in den jüngst verwichenen Jahren gab es Dörfer, wo ich nicht in einem Haus Brod oder Mehl

antraf. Die Mehlspeisen auch die Bohnen werden sehr fett gekocht, besonders pflegen die Sennen während ihres

Aufenthaltes in den Alpen zur Sommerszeit außerordentlich fett zu essen, indem überhaupt der Ansicht gehuldigt wird,

daß nur Butter u. Schmalz die Leibeskraft geben.

Durch den reichlichen Genuß der fetten Speisen werden viele Gastricismen erzeugt. Das Kaffeetrinken hat sich bei uns

sehr häufig gemacht, gleichfalls nicht zum Vortheile für Gesundheit u. Körperstärke.

aus dem Physikats-Bericht des Bezirks Immenstadt, königl. Gerichtsarzt D. Heindl, 1860

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Da oben im bayerischen Hochgebirge, an der Grenze von Vorarlberg, liegt das Thal Balderschwang. Dieses Thal hat für die

Zufuhr nur eine und zwar rauhe Straße, welche durch österreichisches Gebiet nach Oberstaufen führt und wohl nahezu

acht Stunden lang ist. Sämtlich Bewohner dieses Thales sind also genötigt, ihre Lebensmittel von dieser Seite her zu beziehen,

und auch die Postverbindung ist nur auf diesem Wege möglich. Ist nun der Verkehr durch die natürliche Lage, besonders

im Winter bei metertiefem Schnee, äußerst schwierig, so wird er durch Ausnahmemaßregeln von Seite der österreichischen

Finanz behörde fast unmöglich gemacht. Dieselbe hat nämlich vor einigen Jahren diesen Thalbewohnern genau vorgeschrieben,

wieviel Waare jährlich durch österreichisches Gebiet geführt werden darf, und was nicht vorgemerkt ist auf dieser

Liste, wird einfach nicht durchgelassen. Das Quantum der einzelnen Gegenstände war aber bisher so knapp zugemessen,

daß manche nur für das halbe Jahr hinreichten. Vor circa zwei Jahren ist nun die österreichische Finanzbehörde einen Schritt

weiter gegangen. Sie verlangte, daß für alle Gegenstände, welche nach Balderschwang gelangen sollten, auch für jedes

Poststück - einzig Briefe ausgenommen - der schriftliche Bedürfnisnachweis erbracht werde. Abgesehen von den Unkosten

für die Scheine, erleidet nun jedes Poststück eine Verzögerung von 10 bis 14 oder noch mehr Tagen. Daß bei einer solchen

Beschränkung und Bedrückung - und dies zur Friedenszeit - fortwährend Klagen laut werden, ist gewiß begreiflich, aber alle

Bittgesuche an die Finanzdirection um Milderung blieben bisher erfolglos.

Augsburger Postzeitung, 30. Januar 1896

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Balderschwang

in

in

historischen

historischen

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Zwei Kubikmeter Holz wurden

auf dem Pferdeschlitten

transportiert. Bei guten

Bedingungen waren drei

Fahrten von den hintersten

Winkeln des Tals bis zur

Balderschwanger Säge

möglich und über die Wintermonate

erreichten so um

die 4000 Fest meter ihr Ziel.

Konrad Herburger,

Jahrgang 1929,

Landwirt aus Balderschwang,

2014

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Die Waldfläche in der Gemeinde Balderschwang beträgt 2390 ha,

das ist etwas mehr als die Hälfte der Gesamtfläche.

Den Zuwachs schätze ich auf etwa 5 Festmeter je Hektar und Jahr

- vorsichtig gerechnet. Die sehr produktiven Waldflächen im

Salamoos haben sicherlich einen Zuwachs von 10 fm, anderseits

gibt es auch große Flächen wie im Rindbäch oder am Piesenkopf mit

sehr geringen Zuwächsen. Insgesamt produziert die Gemeinde

damit etwa 12.000 fm Holz im Jahr.

Dies entspricht knapp 500 beladenen Holzzügen. Rechnet man

die Menge auf einen Holzwürfel um, so hätte dieser eine Kantlänge von knapp

23 m. Ein Einfamilienhaus mit einer Grundfläche von 144 m²

und einer Höhe von 8 m hat ein Volumen 1152 m³ . Der Holzzuwachs in

Balderschwang misst damit das Volumen von 10 Einfamilienhäusern.

Andreas Fisel, Forstrevier Hörnergruppe, 2015

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Gemsen und Hirsche gab es in

Menge und von den Hirschen kannte

ich manche sozusagen persönlich,

da ich oft welchen auf meinen

Spaziergängen begegnete und durch

meinen großen Tubus sie immer

wieder beobachtete, wenn sie auf

den Waldblößen zum Äsen standen.

Auch Füchse gab es eine Menge.

Ein Jäger sagte mir einmal im

Februar, er habe schon 54 Füchse

im Eisen gefangen.

Georg Schneider, 1928-31

Pfarrer in Balderschwang

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Balderschwang, aus einzeln liegenden Alpenhütten und Häusern bestehend,

in abgelegener unwirtlicher Landschaft; die Gegend ist so verrufen, daß angeblich ein

Schmerzensschrei durch die Diözese Augsburg geht, wenn die Pfarrei verwaist ist,

weil jeder Geistliche sich fürchtet, dieselbe zu bekommen.*)

Indes ist vieles übertrieben, und der denkende Naturfreund wird auch dem

verschrieenen Balderschwang eine sympathische Erinnerung weihen, schon wegen

des Riedbergerhorns, das von hier in bloß 2 1/2 Std. erstiegen wird.

*) So war es bis in das neueste Jahrhundert hinein. Jetzt aber lassen es sich auch in Balderschwang Sommerfrischler

wohl sein, und der dortige Pfarrer bekommt, wie von glaubhaftester Stelle mitgeteilt wird,

von Zeit zu Zeit Anfragen von Amtsbrüdern aus dem schwäbischen Flachland, ob er nicht mit ihnen tauschen

möchte; er will aber nicht.

Oberstdorf und Umgebung: Führer im Allgäu, Kaiserl. und KgL. Hofverlagshandlung, 1909

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