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29 - Kölner Philharmonie

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ZU DEN WERKEN DES

ZU DEN WERKEN DES HEUTIGEN KONZERTS Maurice Ravel: Le Tombeau de Couperin »Ihm gefällt alles, was Dichtung und Phantasie, kostbar und selten, paradox und raffiniert ist. Noch dazu ist er sehr kompliziert, er stellt eine Mischung dar aus mittelalterlichem Katholizismus und satanischer Gottlosigkeit, verbunden aber mit der Liebe zur Kunst und zum Schönen«, bemerkte der Pianist Ricardo Vines über seinen Freund und Studienkollegen Maurice Ravel (1875 – 1937). Klassizistische Formstrenge und klangliche Brillanz werden in seiner Musik von der Neigung zum Feinsinnigen und Verträumten flankiert. Pointiert thematisierte Ravel den Verlust der »alten Welt«, die unter dem Einfluss der »Moderne« in Auflösung begriffen war. Zwar beschwor er in seinen Werken oftmals Traditionelles herauf, aber dies geschah nicht unreflektiert. Vielmehr projizierte er wehmütige Erinnerungen wie verblichene Fotografien auf die Oberfläche des Bewusstseins. In metaphorischer Umschreibung begab sich Ravel auf die »Suche nach der verlorenen Zeit.« Im Gegenzug waren seine zart behüteten Traum- und Innenwelten stets von äußeren Bedrängnissen, ja von Katastrophen bedroht. Eine sehr reale »Katastrophe« war der Erste Weltkrieg, wenngleich Ravel, wie so viele andere (Künstler), anfänglich begeistert war. Kurz vor Beginn des Krieges hatte er mit der Arbeit an der Klaviersuite Le Tombeau de Couperin begonnen, für die er von einem Artikel in der Zeitschrift Revue musicale über die barocke Tanzform der Forlane mit Notenbeispielen von François Couperin (1668 – 1733) angeregt wurde. Im März 1915 wurde Ravel dann eingezogen, und als der Krieg ihm sein wahres Gesicht zeigte, wich seine Euphorie bitterer Ernüchterung. Nach seiner Entlassung im Frühjahr 1917 nahm er die Arbeit an Le Tombeau de Couperin wieder auf, das er noch im gleichen Jahr vollendete. Jeder der sechs Sätze ist einem gefallenen Kriegskameraden und die finale Toccata dem Musikwissenschaftler Joseph de Marliave gewidmet, dessen Witwe Marguerite Long im April 1919 die Uraufführung spielte. Der Bedeutung von »Tombeau« als Grabmahl und klingende Würdigung Verstorbener zum Trotz ist Le Tombeau de Couperin keine Trauermusik im engeren Sinne. Ravel fokussierte vielmehr gezielt Formen und Stile des Barock, und er betonte, 4

»weniger eine Hommage an Couperin allein als an die gesamte französische Musik des 18. Jahrhunderts« komponiert zu haben. Gerade dieser Aspekt kommt in den vier Sätzen, die er 1919 für Orchester einrichtete, eindringlich zur Geltung. Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert für Violine und Orchester Nr. 3 G-Dur KV 216 Im Gegensatz zu Ravel, der immer wieder von Schaffenskrisen heimgesucht wurde, schien sich Wolfgang Amadeus Mozart im permanenten Schaffensrausch zu befinden. Allein 1775, im Entstehungsjahr des Konzerts für Violine und Orchester Nr. 3 G-Dur KV 216, schrieb er zwei Opern – La finta giardiniera und Il Rè pastore –, drei weitere Violinkonzerte und einige andere Werke. Hervorzuheben ist aber ebenso der im eng begrenzten Zeitraum von sechs Monaten und innerhalb einer Gattung vollzogene Quantensprung in Mozarts künstlerischer Entwicklung, der zumal zwischen den Konzerten in D-Dur (KV 211) und der Nummer 3 in G-Dur auszumachen ist. Für wen Mozart die Violinkonzerte komponierte, ob für die fürsterzbischöfliche Hofkapelle in Salzburg, der er seit 1769 als Konzertmeister vorstand, oder gar für einen unbekannten Auftraggeber, ist indes nach wie vor offen. Auch in der ansonsten äußerst informativen Korrespondenz mit seinem Vater und Violinlehrer Leopold Mozart ist dazu nichts zu finden. Was Mozart hingegen von seinen Interpreten – und mithin von sich selbst – erwartete, lässt sich indirekt seinem Brief aus Mannheim vom 22. November 1777 entnehmen: »ich hatte das vergnügen den H. fränzl […] auf der violin ein Concert spiellen zu hören. er gefält mir sehr; sie wissen daß ich kein grosser liebhaber von schwierigkeiten bin. er spiellt schwer, aber man kennt nicht daß es schwer ist, man glaubt, man kann es gleich nachmachen. und das ist das wahre. er hat auch einen sehr schönen runden thon; es fählt keine Note, man hört alles; es ist alles Marquirt […] mit einem wort: er ist meinthalben kein hexenmeister, aber ein sehr solider geiger.« 5

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