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Konstruktion der Stille

Stahlplastik von Christiane Pott-Schlager

Stahlplastik von Christiane Pott-Schlager

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Konstruktion der Stille

Meditationen in Stahl

Christiane Pott-Schlager

1


Konstruktion der Stille

Meditationen in Stahl

Christiane Pott-Schlager

Frauenzimmer-Update, 2007

Edelstahl

diverse Größen, H: bis 150 cm


Editorial

Inhalt

Editorial und Inhalt

Seit 20 Jahren arbeite ich als Stahlobjektkünstlerin

am Konzept und an der

Realisierung von monumentalen, puristischen

Stahlobjekten, die von kontemplativer

Abstraktion geprägt und durch

formale Prinzipien wie Reduktion und

Minimalismus gekennzeichnet sind.

Skulptur, insbesondere Stahlplastik ist

für mich eine raumerweiternde Droge!

Dieser Katalog macht es dem Lesenden

möglich, auch ohne den aufwendigen

Transport die tonnenschweren Arbeiten

zu erleben.

Der poetische Titel des Katalogs KON-

STRUKTION DER STILLE entspricht dem

Charakter der präsentierten Werke.

Durch die Begriffe „Stille“ und „Meditation“,

losgelöst aus dem religiösen

Umfeld und transferiert in den Bereich

der Skulptur, erhalten die Stahlobjekte

die poetische Aufladung, die nicht nur

ein Reden über sie ermöglicht, sondern

mehr noch einen Vollzug von Raumerweiterung,

Bewusstseinserweiterung

und damit ganzheitlichem Erleben.

Programmatisch in meinen Werken sind

die Auseinandersetzung mit der monumentalen

Dimension, das Experiment

mit der Materie und die Klarheit der

Formgebung. Das Hauptkonzept kann

mit Reinheit der Idee, Ruhe, Verlangsamung

und Reduktion bis zur Essenz

umrissen werden. Die sinnlich erfahrbare

und meditativ erlebbare Gegenwart

der Stahlobjekte wird damit zu

einer Gegenwelt des Spektakels und der

täglichen Bilderfluten.

Konventionelle Methoden der Stahlbearbeitung

versuche ich durch experimentelle

oder unübliche Methoden und

Werkprozesse zu erweitern.

Die Sichtbarkeit der Bearbeitung, z.B.

nicht entfernte Spuren der Werkzeuge,

extra betonte Schweißnähte, Flexspuren

und die Verweigerung der Oberflächenpolitur

erlauben, dass die Konstruktion

des Werkes in großen Zügen

transparent bleibt. Die Arbeiten erhalten

dadurch etwas Paradoxes, denn zugleich

wirken sie schwer und massiv und doch

gleichzeitig sensibel, handmade und in

besonderer Art zerbrechlich, ja manchmal

sogar instabil.

Die wechselnden Naturstimmungen und

Jahreszeiten, das Licht, aber auch die

Umgebung sind wichtige Komponenten

für das Erleben der dreidimensionalen

Objekte. Nicht zuletzt ist dieser Katalog

ein Plädoyer für Stahlplastik heute, die

nachhaltig in der Umgebung eingebettet,

uns immer wieder überrascht, fasziniert

und neue Perspektiven eröffnet.

Mein herausragender Dank für diesen

Katalog gilt Prof. Alfred Winter und Dr.

Elisabeth Resmann, die den Hauptimpuls

für diesen Katalog gegeben haben.

Ich danke der Energie AG Oberösterreich

(Kraftwerk Riedersbach) und

ihrem Team für die jahrzehntelange

Unterstützung der Realisierung vieler

dieser Skulpturen und für zahlreiche

Ausstellungstransporte.

Mein herzlicher Dank gilt der Firma

Schmelzer (Burgkirchen), die meine

Stahlkunst und ihre besonderen Belange

seit einigen Jahren mitträgt.

Persönlich möchte ich auch den vielen

Helfern, die mich in den letzten 20 Jahren

bei meinen Projekten unterstützt

haben, danken, insbesondere meinem

Ehemann Wolfgang Schlager.

Christiane Pott-Schlager

Frauenzimmer-Update, 2006, Stahl, diverse Größen, H: bis 150 cm, Gipslagerhalle Riedersbach

4 5

4

6

8

20

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52

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70

Editorial

Vorwort

Dr. Peter Assmann: Gegenständliche Bewegungsformen

Urformen

Liegeobjekte

Archetypen, Schoten

Keil und Stele, Urform Halblinse

Jahrhundert-Eck, Jahrtausend-Eck

Würfel, Be-Eindruckt, Stelen

Stapelung, Wand

Zelebrierte Bewegung

Elfmeter

Selfsupporting, Moving-Object, Schaukelobjekt, Balance-Akt, Kinetisches Objekt

Skydance

Weichteile Monolog und Dialog, Modelle

In Suspence/„Force“, ChengDu, Modelle

„In Spannung“/Riedersbach

Weichgespült

Chill out completely, Kleine Stele, Sedimentation

Tragbahren, Get lost, Windhauch

Omega positiv-negativ, Das Sein und das Nichts

Landschaftslinien/Haigermoos

Wind-Whirl/Foshan

Die Verbeugung

Centre of Motion, Torsion

Moments of Rotation, Wings of Fantasy, Fragments of Wrapping

Musikalische Analogien

Symphonische Landschaft, Melodie, Zweistimmige Invention

Alles Walzer, Kaisermarsch, Tonleiter, Duett

Geometrie der Natur

One Touch, Halme, Pylon, Gräser

Seerosen-Garten

Farnblätter, Gingkoblätter

Spirituelle Stille

Kreuze, Friedenskreuz der Gemeinde Burgkirchen

Künstlersarg „Drucksache“

Altarraumgestaltung Christophorus-Kapelle Ostermiething

Altarraumgestaltung Pfarrkirche Hl. Maximilian Burgkirchen

Denkmal

Robert Jungk, Leopold Kohr, Heinz Tetzner

Dr. Josef Klaus

Zur Person

Vita

Ausstellungen und Projekte


Fünfklee-Kreisel, 2001

Stahlobjekt 120 x 120 x 210 cm, Bodenzeichnung ca. 7m DM

mit roter Farbe, Gipslagerhalle Riedersbach

Liegeobjekt, 2004

70 x 175 x 60 cm

„Große Kunstausstellung“ im Haus der Kunst,

München 2005

Gegenständliche

Bewegungsformen

Zu den neuen Stahlobjekten von Christiane Pott-Schlager

Moving - Object, 2005

110 x 260 x 86 cm

Stahlsymposion 2005,

Gipslagerhalle Riedersbach

Vorwort

Um es nochmals zu betonen: Keine

andere künstlerische Gattung ist im

Laufe des 20. Jahrhunderts so in Frage

gestellt worden wie die klassische

Skulptur. Aus der Auseinandersetzung

mit der Figur, vor allem orientiert am

menschlichen Körper, ist ein künstlerisches

Erörterungsfeld des Volumens,

des Materials, des Wachstums, der Ballung,

vor allem jedoch eine prozessorientierte

Kunstarbeit an den zwischen

den großen Bereichen des Raumes und

der Fläche angesiedelten „Gegen-ständen“

geworden.

Nicht zuletzt auf Grund ihrer ausgreifenden

Studien agiert die Skulpturkünstlerin

Christiane Pott-Schlager im

absoluten Bewusstsein dieser großen

Entwicklungsbewegungen der Kunst.

Die Künstlerin stellt ihre Stahlobjekte

als individuelle, zeichenhafte Weiterentwicklung

dieser umfassenden Entwicklungsfelder

vor: einerseits aufs

intensivste verbunden mit der Kunstgeschichte

der Skulptur, andererseits

im Sinne persönlicher Schwerpunktsetzungen

mit dem erkennbaren Bemühen,

hier eine individuelle Position zu

bestimmen.

In diesem Sinne agieren die von ihr

entwickelten Körperformen dezidiert

zwischen der Suche nach einer permanenten

Verbindung zum Grundlegenden

jedes Erscheinungsphänomens des

Körperlichen, auf der anderen Seite

aber als individuelle Überraschung im

Sinne einer durchaus auch intellektuellen

Herausforderung in diesem

Körpererörterungsfeld.

Zentrales Moment der künstlerischen

Auseinandersetzung ist hier die Bewegung:

die Frage nach Wachstumsstrukturen,

nach Entwicklungsgestaltungen,

nach Formungsprozessen, die zwar zu

einem Produkt führen, dennoch aber

als Prozessspuren erhalten bleiben.

Besonders bemerkenswert in diesem

Zusammenhang sind die linsen- und

mandelförmigen Skulpturelemente der

Künstlerin mit ihren vielfach bewusst

gesetzten Oberflächenspuren, die einen

Naturprozess des Geschiebes aufgreifen

und präzisieren. Es ist nicht alles abgeflacht,

abgerundet, sondern in gleicher

Weise auch zu präzisen, strategisch

gesetzten, linearen Formen geführt.

Der Gegenstand zeigt sich durchaus

als menschlich geformter Widerstand,

als ein Widerstandsobjekt gegen die

große Bewegung der Abnützung, der

Abformung. Er bekennt sich zur großen

Veränderungsbewegung, behauptet

aber seinen individuellen Platz in dieser

Bewegung.

Markante Bewegungszusammenhänge

6 7

werden insbesondere auch in den

Kreiselskulpturen der Künstlerin deutlich

gemacht. Gleichsam an Stelle eines

Sockels befindet sich eine Bodenzeichnung,

welche die mögliche Bewegungsabfolge

des in Stahl geformten dynamischen

Körpers vorstellt. Bewegungsspur

und Bewegungskörper verbinden sich

solchermaßen zu einem faszinierenden

permanent zwischen Körper, Raum und

Fläche changierenden Wahrnehmungskonzept.

Ursache und Wirkung werden

hier konsequent miteinander verschränkt,

sodass der Betrachter in einer

speziell ausgreifenden Formulierung

mit dem Phänomen des Körperlichen

konfrontiert ist: einem Körperlichen, das

nicht nur aus einer Materialballung heraus

entstehbar gemacht wird, sondern

in gleicher Weise aus der Ballung von

Bewegungsenergie.

Eine so prominent von Albert Einstein

vorgestellte Energiegleichung der Relation

aus Masse und Geschwindigkeit

wird hier in prägnantester künstlerischer

Form diskutiert. Immer wieder

bekennt sich die Künstlerin aber auch

zu einem analytisch sezierenden Blick

in diese vorgestellten Wachstumsbzw.

allgemein gesprochen Körperformungsentwicklungen.

Sie schneidet die

pflanzliche Urform des Schachtelhalms

auf. Sie lässt den Betrachterblick in

Positiv/negativ-Entwicklungen

ihrer

Körperformen gleichsam Eingriff und

Ausgriff mitdenken, sie zeigt sich fasziniert

von den großen synthetisch

zusammenfassenden Möglichkeiten und

möchte doch - dem Forschergeist des

Menschen entsprechend - hier möglichst

tief in die analytischen Strukturfragen

eindringen.

Und schließlich gibt sie die Objekte

selbst dem Betrachter zur Bewegung.

Der Betrachter greift sie an, betastet

die Gegenstände, wie sich jede gute

Skulptur ja erst durch den Tastsinn

vollständig erschließt, und der Betrachter

setzt die Skulptur in Bewegung. Er

schaukelt gleichsam sich und den von

der Künstlerin gestalteten Gegenstand

zu einer gemeinsamen Erkenntnisbewegung

- durchaus im Sinne eines Zitates

hermeneutischer Erkenntnisgewinnung.

Und es ist einmal mehr die Bewegung,

die diesen Körpern schließlich ihre Körperlichkeit

gibt.

Kein Körper existiert (heute) für sich

alleine. Jeder ist Teil intensivster

Bewegungen, und die Skulpturen von

Christiane Pott-Schlager helfen dem

Betrachter, mehr von diesen großen

Bewegungen - wie auch mehr vom Phänomen

des Körperlichen insgesamt - zu

verstehen.

Dr. Peter Assmann

Balance-Akt

(Kinetische Klangskulptur), 2006

192 x 302 x 152 cm

Standort Stahlpark Riedersbach

Omega, 2011

300 x 150 x 40 cm

Bodenplatte 100 x 100 cm

Freies Zeichen, 2011

280 x 82 x 40 cm (ohne Bodenplatte)

Ausstellung in der Galerie der Künstler,

München 2012

Loop, 2008

90 x 250 x 130 cm

Standort Stahlpark Riedersbach


Liegeobjekt, 2004

70 x 175 x 70 cm

„Große Kunstausstellung“ im Haus der Kunst, München 2005

Urformen

Liegeobjekte

Auf der Suche nach einer universell

verstehbaren Form sind seit 1997 zahlreiche

URFORMEN entstanden, die aus

nur einer einzigen geschlossenen Form

bestehen.

Haben mich bis zu diesem Zeitpunkt

die menschliche Figur, der Torso und

die Stele interessiert, so war in Folge

die konkrete Urform ein gedanklicher

Meilenstein, ein definierter Nullpunkt

für die Entwicklung meiner eigenen

Formensprache.

In diesem großen Spannungsfeld von

Geometrie und organischer Form, von

exakter Konstruktion und lebendigen

Strukturen der Natur bewegen sich die

zahlreichen Varianten dieser sogenannten

Liegeobjekte, die sich jeder weiteren

Definition durch Titelgebung entziehen,

aber konkret in ihrem Dasein sind.

Urformen, 1997-2010

in verschiedenen Varianten,

unterschiedliche Dimensionen

8 9


Schote 1, 2001 (liegend)

10,5 x 86,5 x 9 cm + Sockel

Schote 2, 2001

9,5 x 86 x 10 cm + Sockel

Archetypen

In engem formalen Zusammenhang

mit den URFORMEN (1997) stehen die

DREI ARCHETYPEN, die puristisch klar

gestaltet und in sich abgeschlossen

sind. Sie bilden Spannungsfelder von

positiver und negativer Form, von Innen

und Außen, von gewölbter oder ebener

Fläche. In radikaler formaler Reduktion

sind drei Grundprinzipien der Bildhauerei

in den Archetypen symbolisiert: Stehen,

Liegen, Durchblicken.

Die geschlossene Form und die Flächenbildungen

machen sie zu Objekten

der Meditation oder kontemplativer

Abstraktion, das eigentliche Thema des

Ensembles.

Die Objekte, die wie SCHOTEN anmuten,

sind im Raum menschlicher Begegnungen

und Naturkultivierung beheimatet.

Ihre Bedeutung erschließt sich in diesem

Kontext von Mensch und seiner

Umwelt wie von selbst.

Urformen

Drei Archetypen, 1998

Liegen

38 x 64 x 27 cm

Durchblicken

63 x 40 x 27 cm

Stehen

102 x 30 x 22 cm

10 11


Stele

235 x 34 x 35 cm

Bodenplatte: 65 x 65 cm

Keil

101 x 160 x 198 cm

Bodenplatte: 102 x 198 cm

Ausstellung Chiemseehof Salzburg, 2000

Urform (Halblinse), 1998

280 x 100 x 90 cm

Bodenplatte: 250 x 125 x 3 cm

Aufstellungsort Stahlpark Riedersbach

Urformen

12 13


Jahrtausend-Eck, 2000

400 x 280 x 125 cm

Bodenplatte: 250 x 250 cm

Standort Stahlpark Riedersbach

Jahrhundert-Eck, 2000

200 x 125 x 110 cm

Urformen

Das Ende des Jahrtausends enthielt

für mich die unbestimmte Erwartung,

dass sich im neuen Jahrtausend etwas

ändern müsse. Ja geradezu im rechten

Winkel zum Bisherigen solle es weitergehen!

Nur der Lauf der Zeit würde

den Strom des Durchblicks ganz glatt

ohne Ecke schaffen! Wie eine Sperre

oder ein Hindernis steht die Raumecke

in der Landschaft. Sie verlangt

nach Umdenken und nach Richtungswechsel

des Denkens! Die versteckte,

fast unmerkliche Bewegung entlang

der Hohlraumgrenzen knüpft an die

URFORMEN (1997) an und gibt der

Form eine feine Linienführung zwischen

allen gewölbten Flächen.

Durch die Polarität von Offenheit

und Begrenzung entstehen Momente

von Schutz und Ausgeliefertsein, als

Metapher menschlichen Denkens und

Handelns. Nicht zuletzt das Spiel mit

der Dimension erweitert die Grenzen

von vertrauten Bereichen und neuen

14 15

Raumerfahrungen.


Be-Eindruckt, 2001

100 x 100 x 115 cm

lackiert

Stelen

Würfel, 2008

80 x 80 x 80 cm

Würfel

Eingekerbt, aufgebrochen, gewaltsam

deformiert, präsentiert sich der Kubus

auf den ersten Blick als filigranes

Gitterwerk.

Die strenge Form eines stereometrischen

Grundelements, des Würfels, wird

zum herausgeschnittenen Stück Wirklichkeit,

zeigt ein Fragment von organischem

Dasein und ihrer Deformierung:

ein Zeilen- und Spaltenlineament, das

Verborgendes offenbart und Offenbares

verbirgt.

In ihrer strengen aufragenden Form ist

die Stele seit der Antike eine ästhetische

Ausdrucksform in der Bildhauerei. Charakteristisch

ist die freistehende, aufragende

Form, die früher als Grabstein

oder Mahnmal fungiert hat.

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts

bekommt die Stele inhaltlich neue

Impulse und kann rein abstrakt - ungegenständlich

gesehen werden, manchmal

geometrischen Ordnungen unterworfen,

manchmal freier Verformung.

Die Stele als besondere Form der Skulptur

ist wesenhaft mit dem menschlichen

Stele II, 1999

280 x 18 x 3 cm (massiv)

Bodenplatte: 100 x 100 cm

Körper als Bezugsfeld, Bezugsgröße und

Raumwahrnehmung verbunden. Meine

Werkgruppe der Stelen beginnt sehr

früh, 1994, und mein Gestaltungswille

findet seither immer neue Varianten

dieser „Archiskulptur“.

Diese Gruppe von Stelen aus verschiedenen

Jahren bleibt klar in der Abstraktion

und Gegenstandslosigkeit verhaftet,

sucht die formale Reinheit ohne der

Versuchung einer Figuration zu erliegen.

Proportionen, Rhythmus der Einzelteile

und spannungsvolle Linien sind entscheidende

Fragen der Gestaltung und

stellen musikalische Bezüge her.

Himmelsachse, 2011

270 x 35 x 12 cm

Bodenplatte: 100 x 100 x 8,5 cm

Nachschlag, 1994

256 x 29 x 11 cm

Bodenplatte: 50 x 50 cm

(links)

Wirbelsäule, 1998

Höhe 307 cm

Bodenplatte: 102 x 102 cm

2-teilig auf

einer Bodenplatte

(rechts)

Urformen

16 17


Wand, 1998

40 gleichartige Module in 4mm starken Metallplatten

Gesamtaufbau: 260 x 400 x 40 cm

Höhe und Breite sind im Aufbau variabel, Standort Stahlpark Riedersbach

Stapelung, 2006

39 x 148 x 21 cm

16-teilig mit Sockel

Urformen

Ordnung bringe die Schönheit der

Welt zutage, schreibt Platon.

Gebilde, die aus gleichen Elementen

bestehen und nach gewissen Regeln

gestapelt, gesteckt oder aufeinandergeschichtet

sind, reflektieren die Ordnung

als ästhetische Qualität, aber auch als

universales Denkmuster.

STAPELUNG sind bandartig geschnittene

und geschichtete Metallplatten, die

in sich instabil geworden sind.

Eine ausgediente Stahlplatte aus

der Kohlemühle des Kraftwerks Riedersbach

war Basismaterial dieser

Arbeit. Der neu entdeckte Querschnitt

zelebriert in extrem sanfter Bewegung

und Linienführung einerseits sichtbare

Geschichte des Kraftwerks, also

Vergänglichkeit und Zeitbewusstsein,

andererseits universales Ordnungsdenken

und damit Schönheit.

Die WAND, die scheinbar geschlossen ist

und damit Grenzen und Begrenzungen

schafft, läßt dennoch Durchblicke zu

und weist Möglichkeiten der Kommunikation

durch die Wand selbst auf.

Dieses Stecksystem aus 38 gleichen

Modulen bildet ein doppelwandiges

System und kann variabel aufgebaut

werden. Hier ist es auf einer Bodenplatte

(4 m Länge) montiert.

18 19


Konstruktion der Stille

Auf der Suche nach der zelebrierten

kontemplativen Bewegung im Raum

entwickle ich Strategien, um die stählerne

widerständige Materie in Bewegung

zu bringen, die Linien zu spannen,

die Flächen zu wölben und den Raum

auf diese Weise sanft zu erobern.

ELFMETER ist eine weiche, große Geste

im Raum, frei von jeder Funktion, nur

mit dem Ziel, unsere Seele zu bewegen

und sie tief zu berühren. Der Titel bringt

allerdings eine ironische Brechung in

die allzu mystische Deutung der Arbeit

hinein: ELFMETER, das ist genau der

Strafstoßabstand im Fußball. Die Arbeit

kann auch gelesen werden als eine

Bewegungslinie eines Balles, die von der

direkten Luftlinie abweicht.

Elfmeter, 2008

100 x 1180 x 30 cm

Zelebrierte Bewegung

20 21


Selfsupporting, 2009

90 x 250 x 120 cm

„Große Kunstausstellung“ Haus der Kunst,

München 2009

Moving-Object, 2005

110 x 260 x 86 cm

Schaukelobjekt, 2006

85 x 210 x 86 cm

Kunstmeile Trostberg 2007

Kinetisches Stahlobjekt, 2002

150 x 220 x 150 cm

Bodenplatte: 250 x 125 x 3 cm

Stahlpark Riedersbach

Balance-Akt (Kinetische Klangskulptur), 2006

192 x 302 x 152 cm

Ausstellung Europäische Festwochen Passau

Zelebrierte Bewegung

Moving-Objects

Die Werkgruppe der MOVING-OBJECTS

reflektiert meine Begeisterung für die

Kinetik und nutzt dazu die raumgeomtrischen

Mantelformen und Kreissegmente

in vielen Variationen.

Die Formen suggerieren klare Bewegungsmuster:

sehr einfache, ursprüngliche

Schaukel- und Schwingbewegungen,

die den Spieltrieb auslösen und

damit auch den kommunikativen Prozess

mit dem Betrachter. Diese Objekte

sehe ich tatsächlich als Spielzeuge für

Erwachsene, zumindest als bewegbare

Objekte, die in überdimensionaler

Größe erlebbar sind. MOVING-OBJECTS

sind sowohl durch Benutzung als auch

durch Betrachtung intensive Meditationen

über Linien, Flächen, Raumbezüge

und elementare Bewegungen. Sie

sprengen die klassischen Ansprüche an

Skulptur und erweitern den Begriff der

Objektkunst um Gestaltungsprozesse

im Bereich menschlicher Kommunikation

und Interaktion.

22 23


„Kuscheln im KOHR“ Schafe hüten im Skulpturenpark der Berchtoldvilla

Skydance, 2012

550 x 100 x 200 cm

Bodenplatte: 240 x 250 cm

Zelebrierte Bewegung

Kuscheln

im KOHR

Interaktive Kunstaktion

vom 17.-28. Mai 2013

zur Ausstellung „Der andere Blick:

Robert Jungk und Leopold Kohr“

Berchtoldvilla Salzburg

Die Kunstaktion, eine Schafherde zu

hüten im Skulpturenpark der Berchtoldvilla,

verdankt ihre Anregungen Leopold

Kohr und Robert Jungk, nach neuen

urbanen Gestaltungen zu suchen und

Mitmenschen am Geschehen auf vielen

Ebenen zu beteiligen. Nicht aus dem

Aspekt der ökonomischen Effizienz „tierischer

Rasenmäher“ wird eine Schafherde

im Grünareal der BV angesiedelt,

sondern aus dem Wunsch neue, sinnliche

und transformatorische Momente

im urbanen Zusammenleben mit eigenwilligen

„ländlichen Bewohnern“ zu

erfahren. Kontemplation und Imagination

sind mit der Natur und ihrem Erleben

verknüpft und sollen nachhaltige

ästhetische Erfahrungen ermöglichen.

Skydance

Das allumfassende Thema dieser monumentalen

Bewegung in Stahl ist der

Tanz. SKYDANCE ist ein Materialexperiment,

das bis an die Grenzen der

Materialeigenschaften der fast 6 m

hohen Stahlplatten geht. Alle Achsen

sind gebogen und gedreht. Außer dem

rechteckigen Fuß dieser Arbeit gibt es

keinen rechten Winkel: alles ist in Bewegung.

Die Torsion der riesigen Flächen

führt zu einer sanften Bewegung aller

angrenzenden Flächen, ja zum Tanzen

des Materials auf jedem cm ² .

Tanz als Ausdruck der Leichtigkeit und

der beschwingten menschlichen Seele.

24 25


Weichteile

Riesige, scheinbar massive Stahlkolosse,

die Schnitte, Spalten, Verwindungen

und Verletzungen aufweisen und auf

gewisse Weise instabil wirken, tragen

den ironischen Titel WEICHTEILE.

Die widerständigen 4-8 mm starken

Stahlplatten, die Grundelementeder

Hohlkörper sind, lassen sich mit

der puren Hand nicht mehr biegen.

Umso mehr enthält der sichtbare Akt

der Verformung bis zur scheinbaren

Materialumwandlung zu Gummi nicht

nur enorm viel energetische Kraft, sondern

sogar subversives, ja revolutionäres

Potential!

Diese sogenannten WEICHTEILE sind

sichtbar gemachte Kraftakte, die die

Unbezwingbarkeit von vermeintlich

harter Materie in Frage stellen, mehr

noch, die die zugeordnete Eigenschaften

konterkarieren, indem sie diese

sensibel und verletzbar wirken lassen.

Damit kommen Charakteristika des

Stahls zum Vorschein, die dem Material

erst in zweiter Linie zugeschrieben

werden.

Die formalen Überraschungen und

die innewohnende Dynamik dieser

konkreten, sehr reduzierten Formen

beschreiben allgemeingültige, auch

gesellschaftliche Prozesse und lassen

Reflexionen über Vorgänge menschlichen

Denkens und Handelns zu.

Weichteile Dialog, 2007

zweiteilig, je 280 x 200 x 100 cm

Stahlpark Riedersbach

Zelebrierte Bewegung

Weichteil Monolog, 2008

350 x 150 x 100 cm

Bodenplatte: 250 x 125 cm

Ausstellung Kunstmeile Trostberg 2009

Modelle Weichteile, 2008

verschiedene Dimensionen

26 27


Zelebrierte Bewegung

In Suspence ChengDu

Die 8 m hohe weiß lackierte Stahlplastik

steht im räumlichen Kontext des

Technischen Instituts der Southwest

Jiaotong Universität ChengDu und ist

in diesem Themenfeld als Reflexion über

universitäre Bildung und Kommunikationsprozesse,

sowie technische Phänomene

angesiedelt.

IN SUSPENCE thematisiert das universale

Thema SPANNUNG auf vielen Ebenen:

Spannung ist in diesem Stahlobjekt im

Arbeitsprozess als mechanische Spannung

und Verspannung angewandt, als

gespannte Linienführung auch in der

Gestaltung erstrebt und wahrnehmbar,

aber auch als universaler Gesellschaftsprozess

und ihren Reaktionen abstrakt

lesbar.

Die 8 m hohe Form scheint von einer

Kraft angetrieben in den Himmel empor

zu wachsen, andererseits von gegenläufigen

Kräften in 3 Stränge geteilt

und gegeneinander verformt zu werden.

Mit dieser Verspannungsenergie,

die an einem einzigen Punkt mit enormer

Energie angesetzt wurde, gerät die

gesamte Fläche in eine Wölbung, eine

monumentale Bewegung, die jeden

Quadratzentimeter der Ausgangsplatte

erfasst, ähnlich einem Slow-Motion-Effekt.

Puristisch an den Werkstoff Stahl

gebunden, konzentriert sich dieses

Experiment auf die Möglichkeiten des

Stahls und geht empirisch bis an die

Grenzen der technischen Machbarkeit

der Verspannung. Einerseits offenbart

sich durch das Verspannen eine Innenschau

an Zerbrechlichkeit und Labilität

des Stahls, andererseits werden Körpereigenschaften

wie Weichheit und Elastizität

intensiviert und die Gesetze der

stahlharten Materie erscheinen aufgehoben

zu sein.

So entsteht in diesem minimalistischen

Werk ein kontrastreiches System von

organischer und strenger Wirkung. Die

Arbeit steht als Metapher für gruppendynamische,

aber auch gesellschaftliche

Prozesse: Druck, der auf eine kleine (sei

es noch so kleine) Gesellschaftsgruppe

ausgeübt wird, erzeugt Spannung und

Gegenspannung in der gesamten Gruppe

oder Gesellschaft.

In Suspence (Modell), 2009

strukturiert, mit Sockel

72 x 11 x 11 cm

Weichteil III, 2008

75 x 18 x 37 cm, mit Sockel

In Suspence/ „Force“, 2009

800 x 125 x 80 cm, Betonsockel

Standort: New Campus of Southwest Jiaotong University ChengDu, China

28 29


Dies ist eine Variante der chinesischen

Skulptur IN SUSPENCE, ChengDu,

mit anderer Proportionierung und einer

Intensivierung der Grundidee. Noch

mehr als in der vorherigen Arbeit wird

hier die massive Ausweichbewegung

der gebogenen Stränge sichtbar, die

eine Reaktion auf einen einmalig einwirkenden

Druck an einem definierten

Punkt darstellt. Weniger leicht und zerbrechlich

wirkt diese Arbeit, aber in der

massigen Bewegung wird der monumentale

Kraftakt der enormen Verspannungsenergie

sichtbar.

Das Zitat von Gilles Deleuze findet in

diesen Werken seine Umsetzung: „In der

Kunst geht es nicht um Reproduktion

oder Erfindung von Formen, sondern

um das Einfangen von Kräften.“

Zelebrierte Bewegung

In Spannung, 2009

600 x 150 x 100 cm

Bodenplatte: 200 x 200 x 3 cm

Stahlpark Riedersbach und Berchtoldvilla

30 31


Zelebrierte Bewegung

Sedimentationen

Druck und Deformation sind die eigentlichen

Themen dieser übergreifenden

Werkgruppe SEDIMENTATIONEN. Diese

Werkgruppe verbindet sich mit den vorhergehenden

Arbeiten durch das Element

der Materialtransformation durch

Druck und Verformungsprozesse.

In WEICHGESPÜLT ist die zelebrierte

Bewegung ein wichtiger konstituierender

Faktor, diesmal sowohl in der

Gesamtanlage der großen, übergreifenden

Wellenbewegung, wie auch im

Detail: Bewegung entsteht in jedem

einzelnen Weichteil, die sich Schicht für

Schicht, wie Gedanke für Gedanke in

einem sedimentierenden Haufen über

einen monumentalen Sockel ablagert.

Der Zeitfaktor ist eine zusätzliche

inhaltliche Komponente. Im Sedimentieren

vergeht die Zeit, verdichtet sich

die fließende Bewegung und der Sockel

wird gleichsam von den Weichteilen

umspült und schließlich belagert.

Der Sockel ist zwar als ein Bestandteil

des Werkes unübersehbar vorhanden,

dient aber nicht mehr der Erhöhung,

wie in der langen Geschichte der

Skulptur, sondern ist ohne Funktion

wie ein Relikt aus der Vergangenheit.

Die zahllosen, weich geformten Teile

sind für diese Arbeit aus Rohren

geschnitten und dann mit Hilfe von 25 t

Gewicht und Druckausübung eines

Radladers im Kohlekraftwerk Stück für

Stück verformt worden. Jeweils aus

6-8 mm Stahl bestehend, lassen sie

keine Verformung mit der Hand mehr

zu! Umso mehr wirkt der Titel WEICH-

GESPÜLT wie eine Ironie und spielt mit

der Materialtransformation von Stahl

zu Weichteilen!

Verformungsprozesse dieser Art finden

andauernd in der Gesellschaft und in

der Geschichte jedes einzelnen Menschen

statt: jeder Mensch wird durch

seinen Vorgänger, seinen Nachbarn und

seine Nachfolger verändert, verformt,

beeinflusst und der Druck der Verformung

nimmt mit der Zeit zu. So kann

man diese Arbeit als universale Metapher

für die Formung einer Gesellschaft

sehen, in der jeder ein Teil des Ganzen

ist und die Zeit das Gefüge verdichtet

und verändert.

Weichgespült, 2010

250 x 540 x 150 cm

Ausstellung Berchtoldvilla Salzburg 2010

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Chill out completely, 2010

36 x 79 x 26 cm

Stahl lackiert

Kleine Stele, 2010

95 x 25 x 25 cm

Eine Aufforderung zum Entspannen,

zu Lebensfreude, zum Spielen, zum

Schaukeln ist CHILL OUT COMPLETELY.

Und sei es nur in der Vorstellung.

Die aus Stahl gestaltete Hohlform weist

tiefe Bearbeitungsspuren und Schriftgravuren

auf, in denen Worte aus dem

assoziativen Feld des Entspannens die

Idee unterstützen: Balance, Spielen,

Schaukeln, chill out . . .

Intensiviert wird die Leichtigkeit und

Lebensfreude durch changierende Rot–

Lacke und silbrige Farbtöne des Metalls.

Sedimentation, 2010

Bodeninstallation in der Berchtoldvilla

Salzburg, 2010

Zelebrierte Bewegung

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Windhauch 5, 2006

153 x 30 x 39 cm Windhauch 1, 2003 Windhauch 2, 2003 Windhauch 3, 2003

87 x 25 x 15 cm

90 cm

Ca. 120 cm

Zelebrierte Bewegung

Tragbahren

Die Werkgruppen WINDHAUCH und

TRAGBAHREN weisen gemeinsame

Arbeitsstechniken auf: nur durch das

Phänomen des Schweißraupenauftrags

entsteht die sanfte, kalkulierte Biegung

in den Stahlplatten. Der Schweißverzug

ist Experiment und System zugleich

und wird als Mittel der Verformung

angewendet, um auf unübliche Weise

zu einer Bewegung oder Wölbung im

Material zu kommen. Die sichtbar gelassenen

Schweißraupen sind zugleich

konstruktive wie auch dekorative Elemente

und machen durch entstehende

Strukturen die Sinnlichkeit zu einem

wichtigen Thema.

Im Titel der Arbeiten verbirgt sich hintergründiger

Humor: die TRAGBAHREN

für die Kunst, auf denen die Kunst verdichtet

und in einem Ritual zu Grabe

getragen werden soll.

4 Tragbahren für die Kunst, 2003

Lehnobjekte, je 300 x 50 x ca. 25-40 cm

Get lost, 2009

88 x 19 x 16 cm

Chengdu/China

Windhauch

Mit schweren, oft 8-10 mm starken

Stahlplatten und dem Naturelement

Wind spielt diese Werkgruppe WIND-

HAUCH. Der starken formalen Reduktion

steht auf inhaltlicher Ebene die

Überwindung der Schwerkraft gegenüber.

Dieses alte Anliegen der Skulptur

wird mit augenzwinkerischer Leichtigkeit

erreicht.

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Omega_positiv, 2012

100 x 150 x 40 cm

Sockel: DM 90 cm

Omega_negativ, 2012

100 x 200 x 40 cm

Das Sein und das Nichts, 2011, 3 Objekte

Standort Deutschvilla, Stobl am Wolfgangsee

Alpha

104 x 205 x 40 cm

Omega

150 x 300 x 40 cm, Bodenplatte: 100 x 100 cm

Freies Zeichen

82 x 280 x 40 cm

Zelebrierte Bewegung

Lebenszeichen

Die „Ritualisierung des Sinnlosen“, das

bloße Sein als Kunstideal, das von Walter

de Maria konstatiert wurde, ist in

diesen Arbeiten offensichtlich und signifikant.

Für Augenblicke des Betrachtens

setzen die rätselhaften Objekte die

Zweckrationalität und die Regularien im

öffentlichen Raum außer Kraft. Skulptur

wird zum Akteur in Stadt oder Land,

liefert Momente der Erkenntnis und lädt

ein zu Verhaltensexperimenten. Erst

im Umherschweifen des Betrachters

wird das Objekt wirksam und kann das

Gefühlsleben des Betrachters aktivieren.

Diese drei Objekte ALPHA, OMEGA und

FREIES ZEICHEN beschreiben in ausladenden

Wellen große Raumgesten, die

an Schriftzeichen erinnern. Sie bergen

jedoch keine übersetzbare Bedeutung,

sondern sind pure Lebenszeichen, also

erzählen über das Dasein an sich, über

Bewegung und Bewegtwerden. Eine

Meditation über DAS SEIN UND DAS

NICHTS (Titel nach J.P. Sartre).

Das OMEGA, ist der 24. und letzte

Buchstabe des griechischen Alphabets,

eine Rückbesinnung auf die Wiege der

gesamten europäischen Kultur. In positiver

und negativer Form, wie ein Spiel,

lädt es ein zum Nachdenken über das

Ziel des Lebens. Diese Arbeit ist eine

Vorarbeit für die CHRISTOPHORUS-KA-

PELLE (in Ostermiething), in der dieses

Zeichen zum Altar umgeformt wurde

und dadurch christliche Umdeutung

erfahren hat: Christus als das A (Alpha)

und O (Omega) der Welt!

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Landschaftslinien, 2009

Kunst am Bau-Projekt, 1. Preis, Gemeindezentrum Haigermoos, OÖ

Corten-Stahl, 3-teilig

L: 200 + 450 + 680 cm, H: 120 -180 cm, B: 80 -100 cm

Zelebrierte Bewegung

Landschaftslinien

Haigermoos liegt in einer sanften Landschaftsmulde,

umgeben von weich

geformten Hügeln, geschwungenen

Bachläufen und Wegen. Die Lage der

locker gestreut angeordneten Gebäude

und Höfe läßt das Gefühl eines Innen (=

der Ort) und eines Außen (= die Landschaft)

aufkommen.

Die Gebäude fragmentieren den Blick

auf die Landschaft, während sie wiederum

den Rahmen für Landschaftsausschnitte

bieten. Ich nehme Bezug auf

diese Situation von Wänden und Zwischenräumen,

von fragmentarischem

Sehen und das dadurch entstehende

Bewusstsein von innerer Ortsmitte und

äußerer Umgebung.

Entlang der klaren Achse von Gemeindeamt

und Kirche wurden wellenlinienförmige

Stahlobjekte positioniert,

die sich aus dem Innenraum des

40 41

Gemeindeamtes (durch die Glasfassade)

heraus bewegen in Richtung Kirche. Die

durch die Glaswand bestehende Grenze

von Innen- und Außenraum wird durch

die fortführende Bewegung gleichsam

aufgelöst. An der Nahtstelle zur Architektur

stehen Stahlobjekte, die in abstrahierter,

reduzierter und minimalistischer

Form die Linienführung und freien

fließenden Bewegungen der umgebenden

Landschaft neu konstruieren.

Abstraktion und Konstruktion sind formale

Prinzipien und Phänomene, die

durch physische Präsenz des Werkstoffs

Stahl und seiner transformativen Bearbeitung

aufgeladen werden.

Der öffentliche Raum verdichtet sich

durch die lastend schweren Stahlplatten

zu plastisch fühlbarer Stoifflichkeit,

aber wird konterkariert durch schwebende

Leichtigkeit der Bewegung.


Zelebrierte Bewegung

WIND-WHIRL für Foshan, 2013

180 x 200 x 200 cm

weiß lackiert

Bodenplatte: 200 x 200 x 11 cm

Standort: New Media Park, Foshan/China

Wind-Whirl für Foshan

Pionierarbeit auf vielen Ebenen war

gefragt, als mich der Künstlerkollege

Hung Kwok Lau mit zwei weiteren

StahlkünstlerInnen nach Foshan einlud,

um dort ein internationales Stahlsymposion

mit aufzubauen.

Die 7 Millionenstadt Foshan liegt in der

südchinesischen Provinz Guangdong

und ist bedeutendes Handels- und

Industriezentrum mit einer beeindruckenden

Historie im Bereich der 1000

Jahre alten Keramikherstellung. Das

am Rande der Stadt neu entstandene

Gewerbegebiet NEW MEDIA PARK mit

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seinem Inhaber Mr. Li hat sich zum visionären

Ziel gesetzt, mittels Kultur und

neuen Technologien, den chinesischen

Lebensstandard zu prägen und neue

Maßstäbe zu setzen.

So waren vier europäische KünstlerInnen

eingeladen Skulpturen in Metall vor

Ort zu schaffen.

Mein Konzept für den Ort Foshan war

ein Objekt WIND-WHIRL, das sich auf

den strengen geometrischen Grundriss

eines Kreises bezog und durch zwei Einschnitte

und Verspannung eine bewegte

Form beschrieb, die sich mit dem

Naturelement Wind assoziieren ließ.

Arithmetische Symbolik des Daoismus

definiert den Kosmos als die Einheit

aller Teile des Universum und so konnte

dieses Wind-Objekt in seiner minimalistischen

Form und mathematischen

Symbolik eine Brücke zur chinesischen

Philosophie bauen.

Der Bürgermeister von Foshan erläuterte

mir bei der Vernissage, dass es eine

alte, glücksbringende Tradition in Foshan

sei, zu Anfang jeden neuen Jahres

mit einem Windrädchen über die Brücke

des heimischen Flusses zu laufen.


Zelebrierte Bewegung

Die Verbeugung

Weg der Versöhnung

Dieses Denkmal, eine Verbeugung

gegenüber den Exulanten (religiös motivierten

Auswanderern) und Vertriebenen

des 17. und 18. Jahrhunderts, ist ein

Ausdruck des nachträglichen Bedauerns

der oberösterreichischen Stadt Freistadt

und wird als Versöhnungsakt und Annäherungsprozess

gesehen. Der Skulpturenweg

der Versöhnung entstand

aus Anlass der Oberösterreichischen

Landesausstellung 2013 und soll einen

Beitrag dazu leisten, an die wechselvolle

Geschichte der Region um Freistadt zu

erinnern. Als Bild der Versöhnung habe

ich die Verbeugung gewählt und eine

dynamische abstrakte Form entwickelt,

die in zwei Richtungen gebogen ist.

Die Verbeugung ist eine offenbarende

Körperhaltung, die Respekt oder Ehrfurchtbezeugung

ausdrücken soll und

durch kurze Beugung des Oberkörpers,

also des größten Teils des menschlichen

Körpers, gekennzeichnet ist. Die Verformung

durch das Beugen zweier Enden

der zusammenhängenden Stahlplatte

bewirkt eine Reaktion im gesamten

Werk. Durch das Verbeugen, Verbiegen

oder in Spannung versetzen gerät alles

in Bewegung. Die mechanische Ausübung

von Druck lässt sich auch auf

gesellschaftliche Ebenen projizieren:

schon punktuelle Kräfte reichen aus, um

Bewegung in das Netzwerk der menschlichen

Gesellschaft hineinzubringen.

So kann eine initiierte und inhaltlich

begründete Verbeugung vor den Flüchtlingen

der Geschichte zu neuer Auseinandersetzung

führen und einen Neuanfang

ermöglichen, ja gilt als Tat des

Die Verbeugung, 2013

Corten-Stahl

180 x 250 x 125 cm

Bodenplatte: 250 x 125 x 15 cm

Skulpturenweg „ Weg der Versöhnung“ anläßlich der Oberösterreischischen Landesausstellung in Freistadt, 2013

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Friedens.


Centre of Motion, 2010

280 x 50 x 50 cm

Bodenplatte 100 x 100 cm

Torsion, 2010

100 x 60 x 40 cm

Fragments of Wrapping, 2012

170 x 100 x 80 cm

Bodenplatte: 150 x 100 x 11 cm

Wings of Fantasy, 2012

241 x 58 x 35 cm

Bodenplatte: 80 x 92 x 5,5 cm

Ausstellung Salzachhalle Laufen 2012

Moment of Rotation, 2012

245 x 80 x 40 cm

Bodenplatte: 126 x 115 x 5,5 cm

Ausstellung Salzachhalle Laufen 2012

Zelebrierte Bewegung

Torsionen

Auf das Phänomen der Drehung wird

in dieser Werkgruppe besonderes

Augenmerk gelegt. Die Drehung ist ein

erweiterndes Phänomen in der Bewegung,

sei es als Rotation um die gerade

Achse oder als frei konvexe Form um

die gebogene Achse. In der bildhauerischen

Beschäftigung mit diesem Thema

eröffnen sich neue Assoziationsfelder,

die sowohl in der Natur, als auch in der

Musik verhaftet sein können.

Eine Intensivierung der Idee der Drehung

durch einen strukturartigen Aufbau

der Oberfläche erhöht die formale,

ornamentale Spannung ohne die Abstraktion

zu stören.

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Musikalische Analogien

Symphonische Landschaft, 2011

520 cm

Metallophon

Stahlpark Riedersbach

Musik ist eine Kategorie, die in einem

allgemeinen kulturellen Zusammenhang

mit Metall steht: metallene Hohlkörper

eignen sich als hervorragende

Resonanzkörper und Metall, insbesondere

Stahl, als schwingendes und elastisch

vibrierendes Material, wird seit

Jahrhunderten vielfach im Instrumentenbau

eingesetzt.

Für die Titel meiner Stahlobjekte verwende

ich oft musikalische Bezeichnungen,

wie Invention, Melodie, Symphonie,

um universale Grundideen zu

transportieren und Analogien zur Musik

herzustellen.

Originär musikalische Aspekte der Polyphonie,

der Rhythmik und der Melodiebildung

fließen in meine bildnerische

Formensprache hinein.

Ein 5,2 m langes übergroßes Metallophon,

das aus einem rohrartigen

Klangkörper und aus stufenweise

geformten Wellen aus freischwingenden

Metallzungen besteht, ermöglicht

verschiedenste gongförmige Klänge

und wird mit dem Titel SYMPHONISCHE

LANDSCHAFT bezeichnet. Alles scheint

in Bewegung zu geraten. Jede Raumachse

folgt dem Prinzip der sanften

Bewegungen und reibt sich an der

geometrischen Klarheit des Ausgangsmaterials,

eines Rohres, das weiterhin

klar zu erkennen bleibt. Das Auge kann

den wellenartigen Bewegungen des

Gesamtgebildes analog den Stimmen

eines polyphonen Klangstückes entlangwandern

und so zu einem komplexen,

quasi symphonischen Erlebnis

kommen. Die einstimmige MELODIE

bildet als kleines Modell die Vorform für

eine größer dimensionierte Arbeit: die

ZWEISTIMMIGE INVENTION, in der zwei

unabhängig voneinander laufende Wellenlinien

wie zwei Stimmen ein Gesamtgefüge

bilden.

Die aus Formrohren geschnittenen Elemente

fungieren wie ein inneres Metrum

und spannen mit Schwerpunkten

und Höhepunktbildungen einen großen

musikalischen Bogen.

Musikalische Analogien

Melodie, 2011

17 x 81 x 8 cm

Zweistimmige Invention, 2012

122 x 308 x 87 cm

Ausstellung Weidmoos Lamprechtshausen 2013

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3/4 Alles Walzer, 2012

Rot lackiert

200 x 180 x 70 cm

Sockel: 80 x 80 cm

4/4 Kaisermarsch . . .

. . . um den Sieg zu verfehlen, 2012

„Monarchiegelb“ lackiert

Höhe: 520 cm, Sockel: 125 x 125 cm

Tonleiter, 2011

Schwarz und Rot lackiert

360 x 110 x 60 cm

Bodenplatte: 125 x 125 cm

Duett, 2009

Weiß lackiert

290 x 54 x 54 cm

Bodenplatte: 100 x 100 cm

Musikalische Analogien

Walzer, der Inbegriff des Tanzes,

der fließenden weichen Bewegung, des

Schwebens über dem Tanzboden, des

Träumens! Ein Symbol der österreichischen

kulturellen Identität, das seit

über 150 Jahren alljährlich den Wiener

Opernball prägt.

Alles im Walzer erscheint in Bewegung,

in stetiger Veränderung, im Wechsel der

Richtung, des Sehwinkels, des Lichts,

ohne Symmetrie: eine expressive Bewegung,

die dem unbeschwerten, spontanen

geträumten und getanzten Augenblick

gewidmet ist.

Die Verformbarkeit des Stahls ist mein

Ausgangspunkt und wird in exzessiver

Weise bis an den Rand der Materialbearbeitungsmöglichkeiten

getrieben.

Abstrakt, aber dennoch der Bewegung

des Walzertanzes nachempfunden,

entsteht aus dem steifen, funktionalen,

industriegefertigten Rohr eine expressive,

verknotete Raumbewegung, die die

3-Dimensionalität in vielfacher Weise

zelebriert: 3 Raumrichtungen, 3 Rohre,

3 Standbeine.

Die Bewegung im 3er Takt bedeutet

ständige Transformation, bedeutet Veränderung

und tanzende Visionen!

Marsch ist der Inbegriff militärischer

Disziplin und animiert zu strengem

Marschieren im Schritt des 4er Taktes!

Der Dirigent wählt schlagtechnisch vier

Raumrichtungen für die größtmögliche

Klarheit, Straffheit und Präzision aller

Musizierenden und der marschierenden

Soldaten.

Ganz das Gegenteil zeigt dieses Stahlobjekt:

der Marsch wird zwar als freie

Dirigierbewegung in der Luft dargestellt,

erobert den Raum aber in vielen

Richtungen mit ausschweifenden und

immer wieder ablenkenden Bewegungen.

Die Präzision der Richtungen wird

aufgeweicht, die Klarheit aufgelöst und

es erscheint eine fröhliche, beschwingte

Verknotung, die den 4er Takt ironisch

bricht! Sollte man zu diesem Takt überhaupt

marschieren können, dann würde

dieser Marsch wohl jedes Ziel verfehlen!

Die gelbe Farbe spielt auf die Österreichische

Monarchie des 19. Jahrhunderts

an und verstärkt den ironischen Charakter

der Arbeit.

Die Tonleiter als Grundmaterial einer

Komposition und als Basis von Musikstücken

bestimmt die europäische

Musiktradition seit Jahrhunderten und

wird hier transformiert in eine bildhauerische

Sprache.

Die Grundidee der TONLEITER ist es, sieben

Blöcke aufzuschichten, die sich wie

die sieben Töne einer Tonleiter hinaufwinden:

Ganzton für Ganzton, unterbrochen

von zwei Halbtönen in rot, die

nur scheinbar durch geschickte Schichtung

nicht hinabstürzen. Es entsteht

eine Art Ur-Tonleiter. Dabei findet die

Schichtung in einer Torsionsbewegung

statt und bringt die sieben Blöcke in

eine evident instabile Lage.

So fungiert die TONLEITER in verschiedenen

Zusammenhängen und artikuliert

sich im Raum sowohl als irritierendes

Lebenszeichen als auch als kreatives

Potential!

Das DUETT besteht aus zwei gespiegelten,

gleichartigen Elementen, die

sich in verschiedenen Abhängigkeiten

voneinander befinden. Sich gegenseitig

tragend, aber in sich ruhend, bilden sie

eine gemeinsame Form, die sich innen

und außen widerspiegelt. Duale Spannungen

und ihre Wechselwirkungen

bilden das Thema dieser Arbeit und

lassen menschliche, musikalische und

emotionale Interpretationsmöglichkeiten

zu.

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One Touch, 2011

210 x 20 x 16 cm

Bodenplatte: 60 x 42,5 cm

Halme, 2012

202 x 19 x 10 cm

Bodenplatte: 75 x 56 cm

Pylon, 2004

230 x 14 x 14 cm

Bodenplatte: 49 x 64,5 x 1,2 cm

Halme, 2012

Höhe: 250 cm, lackiert

Bodenplatte: 50 x 50 cm

Geometrie der Natur

Gräser

„Je strenger die Kunstwerke der Naturwüchsigkeit

und der Abbildung sich

enthalten, desto mehr nähern die

Gelungensten sich der Natur.“

(Theodor Adorno)

Natur ist Ausgangspunkt für Wahrnehmungen

und Beobachtungen verschiedenster

Art, aber das pure Abbild der

Natur ist nicht Ziel meiner bildhauerischen

Tätigkeit. Durch transformatorische

geistige Prozesse, durch Abstraktion

und Reduktion und durch neue Gestaltungsstrategien

gelange ich zur naturnahen

Form. Besonders in Materialexperimenten

versuche ich Zusammenhänge

thermischer Verformung und

plastischer Verformung zu ergründen

und Eingriffe mit Werkzeugen solange

zu exerzieren, bis das nur bedingt sinnliche

Material Stahl Lebendigkeit und

Individualität bekommen hat.

Zerstückelter Halm, 2004

Höhe: 350 cm

Bodenplatte: 100 x 100 x 1 cm

Junge Gräser, 2004

Höhe: 320 cm

Bodenplatte: 100 x 100 x 1 cm

Halme, 2003

Höhe: 600 cm

Bodenplatte: 250 x 125 cm

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Seerosen-Garten

Rauminstallation mit Stahlobjekten und Farbfolien

in der Berchtoldvilla Salzburg, 2005

Seerosen je 100 cm DM

Geometrie der Natur

Die Kunst beginnt für mich damit,

dass ich die Natur loswerde, bzw. sie

„denaturiere“ und mich ästhetisch neu

an sie heranarbeite.

Der Ausdruck „Garten“ war ursprünglich

seinem Konzept nach ein von Mauern

oder Zäunen umschlossener Raum, der

ein Stück Natur aus dem Zusammenhang

herauslöst und in ein kleines Juwel

verwandelt. Es entsteht ein Paradies, ein

Refugium, ein Ort der Kontemplation

oder gar ein Museum.

Der Seerosen-Garten ist so eine konstruierte

Idylle, ein Ort der Harmonie, ein

Archiv von Formen und Strukturen. Er

verbannt jedoch die wilde und materielle

Natur, ja verweigert sich ihr: die

Natur liefert nur das Gedankenmaterial,

die Ordnungsprinzipien, Formen und

Strukturen. Letztendlich kommt dieser

SEEROSENGARTEN sogar völlig ohne

Naturmaterial aus, um in purer Künstlichkeit

dennoch ein Erlebnis von Natur

zu liefern.

Im Kontext der Berchtoldvilla vervollständigt

sich die Idee des paradiesischen

Gartens durch Ornamente im

Steinboden, die Wasser und zweifarbige

Blüten-Rosetten darstellen.

Seerosen-Garten

Rauminstallation in den Kunstarkaden

Lamprechtshausen, 2004

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Farnblatt, 2004

108 x 27 x 14 cm

Farnblatt, liegend, 2004

28 x 100 x 12 cm

Gingkoblätter, 2005/ 2006

verschiedene Dimensionen

Geometrie der Natur

Blattformen

In den FARN- UND GINGKOBLÄTTERN

greife ich Texturen und Formen der

Natur auf, analysiere und reduziere

sie und übersetze sie in Prozesse der

Metallbearbeitung, die oftmals langsame

Prozesse sind. Das Setzen von

Schweißraupen, Naht für Naht, ist

eine Art bildhauerischer Meditation

und gibt den strengen geometrischen

Formen eine neue, der Natur analoge

Oberflächenstruktur. Damit erfahren

die komprimierten Gebilde Verdichtung

und Intensivierung zugleich, können als

Meditationen in Stahl gesehen werden

und als Konstruktionen der Stille.

Kleine Gingkos I und II, 2006

37 x 48 x 9 cm

Edelstahl

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FRIEDEN

PEACE

VREDE

PACE

SHALOM

PAZ

BARIS

MNP

FRED

deutsch

englisch

niederländisch

italienisch, rumänisch

hebräisch

spanisch, portugiesisch

türkisch

tschechisch, serbokroatisch, russisch

schwedisch, norwegisch, dänisch

Kreuz 4, 2009

57 x 25 cm

Kreuz 5, 2009

50 x 13 cm

Kreuz 1, 2009

34 x 10 cm

Kreuz 3, 2013

47,5 x 18,3 cm

Spirituelle Stille

Friedenskreuz

der Gemeinde Burgkirchen

Das Friedenskreuz der Gemeinde Burgkirchen

entspringt dem Wunsch der

Bürger in einer bewegten Zeit sich zu

wichtigen Werten des Lebens zu bekennen

und ein deutliches Zeichen des Friedens

im öffentlichen Raum zu setzen.

Die damit beauftragte Künstlerin

Christiane Pott-Schlager, die ein Jahr

zuvor den Altar in der Pfarrkirche St.

Maximilian gestaltet hat, errichtete ein

Kreuz aus Stahl, das in einer großen

Bewegung nach oben führt und von

allen Seiten als Kreuz lesbar ist.

Die Achsen des 6 m hohen Kreuzes

weisen durch ihren bewegten Duktus

eine extreme Dynamik auf, was der

Friedenskreuz, 2010

600 x 200 x 150 cm

Betonsockel

Gemeinde Burgkirchen OÖ

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Lebendigkeit der Aussage und der Leidenschaft

des Wunsches entspricht.

Auf der tragenden Senkrechten, die die

Beziehung von Gott zu Mensch symbolisiert,

ist in 9 europäischen Sprachen

das Wort Frieden zu lesen. 9 Sprachen,

die die europäische Gemeinschaft und

Kultur prägen und stellvertretend für

alle anderen europäischen Sprachen

stehen.

Die Querachse, die das Verhältnis der

Menschen untereinander symbolisiert,

weist in alle Richtungen und verweist

damit nochmals auf die Universalität

der Idee des Friedens und des Miteinanders.

Die gerollten Elemente erinnern an

Schriftrollen, aber auch an den Dornenkranz

Jesu und nehmen das Dreieck der

Dreifaltigkeit als Gestaltungsprinzip auf.

Dieses Friedenskreuz stellt ein klares

Bekenntnis zum christlichen Glauben

und zu humanen Werten des Friedens

und der Toleranz in unserer mitteleuropäischen

Gesellschaft dar.

Möge jeder auf seinem eigenen Weg

die Gedanken an den Frieden gestalten

und im Leben so zahlreich wie möglich

umsetzen.

Im Namen der Gemeinde Burgkirchen

Bürgermeister Georg Hofstätter

Oktober 2010


Spirituelle Stille

Künstlersarg „Drucksache“ (Postgebühr beim Empfänger einheben)

Stahlsarg, zweiteilig, 2010,

lackiert

45 x 192 x 60 cm

Künstlersarg

Für das Sargprojekt habe ich die Idee

der Verformung durch Druck verfolgt.

Der Ausgangskörper war ein perfekt

geometrischer, unten offener Kubus aus

3 mm starkem Schwarzblech und als

Sarg allein durch die Proportionierungen

erkennbar. Diese Blechkiste wurde

durch 25 t Gewicht (Radladerschaufel)

in einem Experiment niedergedrückt,

deformiert und dabei unwiederbringlich

verformt.

Für die Aufbewahrung des toten Körpers

sind eine Hängematte und zwei

Haken in der Blechkiste vorgesehen!

60 61

Auf dem verformten Stahlrohr sind

gedankliche Reflexionen eingraviert:

„Der Tod bildet den absoluten Hintergrund,

ist das Urchaos, ist die Zunahme

der Entropie, gibt keine Anweisungen,

folgt keinen Gesetzen, hat keine Konstante

aber ist Konstante, unterbricht

den Alltag, ist der Schlusspunkt mit

anschließender Generalpause“.

Druck manifestiert sich nicht nur als

physikalisches Phänomen, sondern

steht in diesem Fall auch für psychologische

Prozesse und Entwicklungsprozesse

während des Lebens.

Durch Druck von außen, durch Erwartungen,

durch zwischenmenschliches

Verhalten wird mein Ich täglich geformt,

geprägt, gestaucht, deformiert, behandelt,

gestoßen, geschoben, verzogen,

verunstaltet, verletzt, ausgepresst, platt

gedrückt, gezwängt, gequetscht oder

liebkost!

Das so geformte Ich überlebt alle bisherigen

kleinen Druckangriffe, lernt aus

Ihnen, lernt auch, mit Verformungen

umzugehen. Dem dargestellten allerletzten

Druck wird das Ich nicht standhalten

können . . .


Altarraumgestaltung, 2012

Christophorus-Kapelle Ostermiething, Oberösterreich

Spirituelle Stille

Christophorus-Kapelle

Altar als frei schwebendes „Omega“

In der christlichen Symbolik spielen die

griechischen Buchstaben Alpha und

Omega eine starke metaphorische Rolle

und stehen für Anfang und Ende.

Der neue Altar ist als großes freies

Omega-Zeichen in Edelstahl gestaltet,

das eine scheinbar schwebende, rote

Glasplatte balanciert. In der Gestaltung

des Altars spielt der Gedanke des Reisens

eine große Rolle: Der heilige Christophorus

als Patron und Schutzheiliger

der Reisenden hat ein Reiseziel: es ist

Jesus Christus. Der christliche Altar soll

Jesus Christus als das A und O der Welt

symbolisieren. So kann der Altar symbolisch

für das Omega, das Ziel aller Reisenden

und aller Lebenden stehen, die

auf dem christlichen Wege sein wollen.

62 63

Kreuz mit verletztem Korpus

Die Längsachse des Kreuzes symbolisiert

die Beziehung von Gott und den Menschen,

während die zwischenmenschliche

Ebene durch die Querachse symbolisiert

wird.

Aus einer einzigen Edelstahlplatte

geformt, weist das Wandkreuz einen

Längsschnitt auf, der sich durch enorme

Krafteinwirkung zu einem größeren

Spalt öffnet. Diese Deformation bewirkt

eine Lebendigkeit der Fläche und

bewegt jeden Quadratzentimeter der

Platte. Die bewegte Längsachse wird

durch eine aus rotem Glas bestehende

Querachse kontrastiert. Beide Kräfte

greifen ineinander und symbolisieren

das Zusammenspiel der göttlichen und

menschlichen Kräfte.

Rot als Farbe des Blutes Jesu am Kreuz,

aber auch als Farbe von universeller

Bedeutung hat in dieser Kapelle zusätzlich

die Aufgabe, die zwei anderen Farben

der Glasfenster zum Primärfarbenkreis

zu komplettieren.


Altarraumgestaltung 2009

Pfarrkirche Hl. Maximilian Burgkirchen, Oberösterreich

Perspektiven der Gegenwart

von Mag. Dr. Martina Gelsinger, Linz, 2009

Spirituelle Stille

Beim Betreten des Kirchenraumes von

Burgkirchen wird man von einer Bewegung

erfasst und von einer Freude und

Lebenslust umfangen, die sich in der

Architektur und Kunst, in den bunt

gefassten Altaraufbauten aus Holz und

dem rosa-gelben Stuckdekor, der wie

Zuckerguss die Raumschale überzieht,

ausdrückt. Diese Fröhlichkeit und Festlichkeit

des Kirchenraumes ist charakteristisch

für die Barockzeit. Sie soll

den Besuchern des Ortes einen Vorgeschmack

auf die himmlischen Freuden

bieten.

Die in Lamprechtshausen lebende

Bildhauerin und Malerin Christiane

Pott-Schlager hat den Raum, seine Farben

und seine Bewegung in Stuck und

Ausstattung eingehend studiert. Im

Dialog mit dem Bestehenden und aus

der Perspektive der Gegenwart hat sie

mit Altar, Ambo, Sedes und Taufort ein

neues Ensemble geschaffen.

Mit dem Altar nimmt sie die Formensprache

des Schwunges auf und setzt

eine große Geste in den Raum. Mit

der Wahl des Materials, dem polierten

glänzend kühlen Stahl, setzt sie wiederum

einen Kontrapunkt. Die Künstlerin

bricht den widerständig harten Charakter

des Materials und wandelt ihn in

weich fließende Formen. Der Werkstoff

Stahl steht auch für die Möglichkeit, ein

festes Fundament zu bilden und hoch

hinaus zu bauen. Man denke nur an den

Eiffelturm in Paris . . . Kaum ein anderes

Material hat die moderne Architektur so

maßgeblich beeinflusst und eine neue

Zeit eröffnet.

Als würde er die Arme ausbreiten,

wächst auch der geformte Stahlkörper

in Burgkirchen über seinen Ort hinaus.

Sein Schwung verbindet sich mit der

Wölbung der Decke und findet sich

in den Details der Stuckverzierungen

wieder.

Die Berührungsfläche mit dem Boden

ist auf ein Minimum reduziert: In umgekehrter

Form, als Ausnehmung, findet

sich auch hier der Bogen wieder. Damit

gibt die Künstlerin dem Objekt eine

schwebende Leichtigkeit. Der Altar als

zentraler Ort im Kirchenraum setzt zu

einer überdimensionalen Bewegung an,

die über den mächtigen Kirchenraum

hinaus an dieser Stelle in der Feier der

Eucharistie Himmel und Erde verbindet.

Der Werkstoff Stahl steht für ein Material,

das lebt und ein tragendes Fundament

bildet, um hoch hinaus zu wachsen.

Der Kirchenraum und der Altar

haben ihre Bedeutung als Ort, an dem in

der frohen Botschaft und in der Eucharistiefeier

dem Leben ein Fundament

gegeben wird.

Über Jahrhunderte haben Künstler

und Künstlerinnen auf der Höhe ihrer

Zeit dem fundamentalen Ereignis, dem

Zusammentreffen von Himmel und

Erde mit großen Gesten Ausdruck verliehen.

Im Jahr 2009 ist dies Christiane

Pott-Schlager mit dem Altar in der

Pfarrkirche Burgkirchen eindrucksvoll

64 65

gelungen.


Robert Jungk (geb. 1913 in Berlin, gest.

1994 in Salzburg) war Publizist, Journalist,

Historiker und Zukunftsforscher. Er

gilt als engagierter Atomkraftgegner und

Pionier der internationalen Umwelt- und

Friedensbewegung, war 1985 Begründer

der Robert Jungk-Bibliothek für

Zukunftsfragen in Salzburg und 1986

Empfänger des Right Livelihood Award.

1992 trat er als Bundespräsidentschaftskandidat

der Grünen Alternative an. Er

wurde auf dem Jüdischen Friedhof in

Salzburg begraben.

Denkmal Robert Jungk, 2013,

180 x 125 x 90 cm

Leopold Kohr (geb. 1909 in Oberndorf

bei Salzburg, gest. 1994 in Gloucester/

England) war Nationalökonom, Jurist,

Staatswissenschaftler und Wirtschaftsphilosoph,

gilt als Anarchist und Vordenker

der Umweltbewegung. 1983

wurde er mit dem Alternativen Nobelpreises

geehrt und der Stadtstaat

Bremen ehrte ihn als »Schutzheiligen

des Föderalismus«. Kohr unterstützte

die Unabhängigkeitsbewegungen vieler

kleiner Staaten und Inseln und half

u.a. 1967 mit, Anguilla als unabhängigen

Staat zu gründen. Er lehrte als

Professor an verschiedenen Universitäten

und kämpfte gegen Atomrüstung,

Kernkraftwerke und Vorherrschaft der

Großmächte. Die Leopold Kohr-Akademie

wurde 1986 gegründet und

ebenso der Kulturverein Tauriska, der

sich um die Umsetzung seiner Theorien

der regionalen Eigenständigkeit in der

Praxis bemüht.

Die Beisetzung von Kohrs Urne erfolgte

1994 im Grab der Familie auf dem

Friedhof in Oberndorf.

Denkmal Leopold Kohr, 2012

125 x 250 x 50 cm

Ausstellung „Der andere Blick“

Berchtoldvilla Salzburg 2013

Fassade des Tetzner-Museums Gersdorf

Das Porträt als Denkmal

Vor der Fassade „365 Tage Kunstbaustelle“

(Podium 13) Berchtoldvilla

Salzburg 2013

Denkmal

Ein Denkmal, das zur Erinnerung und

Wahrnehmung des Andenkens an eine

Person aufgestellt wird, ist heute mehr

denn je umstritten, da es immer Ausdruck

des Zeitgeistes und gleichzeitig

fortwirkende Vergangenheit in die

Zukunft bedeutet.

Es gilt jedoch, diesen ausgewählten

außergewöhnlichen Persönlichkeiten

einen besonderen Stellenwert in der

Gesellschaft dauerhaft einzuräumen

und somit gegen das Vergessen zu

agieren.

Ein neuer Umgang mit dem Thema

Denkmal wird durch diese Arbeiten aus

mehreren Gründen gefordert: weil sie

das monumentale Porträt unorthodox

ohne Sockel präsentieren, damit aber auf

Augenhöhe zum lebenden Menschen,

Heinz Tetzner (geb. 1920 in Gersdorf/

Sachsen, gest. 2007 ebenda)

war deutscher Maler und Grafiker des

Expressionismus. Nach seiner Lehre

als Musterzeichner trat er 1939 den

Wehrdienst an, besuchte jedoch 1941

als Gastschüler die Kunstakademie in

Königsberg. Nach Kriegsgefangenschaft

in Südfrankreich studierte er 1946 an

der Hochschule für Bau und Bildende

Kunst in Weimar (Meisterschüler bei

Otto Herbig), wurde später Dozent an

derselben Hochschule und an der Fachhochschule

für angewandte Kunst in

Schneeberg. Seit 1954 arbeitete er als

freischaffender Maler und Grafiker in

seinem Heimatort Gersdorf, wo er 1995

die Ehrenbürgerschaft erhielt. Neben

zahlreichen Preisen und Ehrungen

erhielt er 1996 den Grafikpreis der

Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz,

1999 den Kultur- und Kunstpreis des

Freistaates Sachsen und das Bundesverdienstkreuz

erster Klasse. 2001

wurde das Tetzner-Museum in Gersdorf

eröffnet, das seitdem wechselnde Ausstellungen

mit Werken des Künstlers

zeigt.

Ich persönlich habe Heinz Tetzner erst

ein Jahr vor seinem Tod kennengelernt.

Dieses Porträt ist nach einem holzgeschnittenen

Selbstporträt von ihm

von 1982 entstanden und versucht die

Expressivität seines Holzschnitts beizubehalten

bei freier Umsetzung in Stahl.

Denkmal Heinz Tetzner, 2013

116 x 125 cm

66 67

und weil das Material Stahl in seiner

oxidierten Form lange Zeit als negativ

und „arm“ konnotiert wurde, jedoch in

diesem Falle rostend belassen wurde

und damit eine Aufwertung erfährt.

Ein Porträt jedoch erlaubt als Denkmalidee

die klarste Wiedererkennung einer

Person, wobei selbst Unschärfen oder

Weglassungen die Individualität nicht

negieren können. Unschärfe ist ein

Prinzip, das mit der Denkmalidee und

der vergehenden Zeit auch deshalb

einhergeht, weil bei der Erinnerung

einer Person das naturalistische Detail

unschärfer wird, aber wesenstypische

Gesichts- und Charakterzüge erkennbar

bleiben.

Die Umsetzung der von mir ausgewählten

Porträts erfolgt in schrittweiser

Abfolge vom fotografischen Vorbild,

über formale Reduktionen bis zur

linearen grafischen Auflösung in Manier

alter Holzschnitttechniken, die ich wiederum

in handgefertigten Stahlschnitt

übersetze.

Aus Anlass einer Kunstausstellung „Der

andere Blick“ zum 100. Geburtstag

von Robert Jungk in der Berchtoldvilla

Salzburg im Mai 2013 sind die Porträts

von Robert Jungk und Leopold Kohr

entstanden.

Sie erinnern daran, dass es zu jeder

Zeit Individuen und einzelne Persönlichkeiten

sind, die die Welt verändern.

In der von mir initiierten und kuratierten

Ausstellung wirken Robert Jungk

und Leopold Kohr als Katalysatoren für

künstlerische Prozesse und Ideengeber

für bildnerische Werke: z.B. die interaktive

Kunstaktion KUSCHELN IM KOHR

(Schafe hüten im Skulpturenpark).


Denkmal

Porträt Dr. Josef Klaus, 2012

150 x 300 x 80 cm

Corten-Stahl

Aufstellungsort: Neue Universität, Uni-Park Nonntal,

Erzabt Klotz Straße 1, Salzburg

Bundeskanzler Dr. Josef Klaus

(LK) „Die Idee war, ein Denkmal zu

gestalten, das mehr ist als eine Gedenktafel,

an der man vorübergeht. Es ist

sehr aussagekräftig, fügt sich gut in das

neue Ensemble Unipark ein und ehrt

eine Persönlichkeit, die sich große Verdienste

um Salzburg, um die Salzburger

Festspiele und insbesondere um die Universität

Salzburg erworben hat“, betonte

Landeshauptmann-Stellvertreter Dr.

Wilfried Haslauer heute, Donnerstag,

18. April, bei der Enthüllung eines Denkmals

zu Ehren des früheren Salzburger

Landeshauptmannes Dr. Josef Klaus im

Unipark Nonntal in Salzburg in Anwesenheit

der Künstlerin Mag. Christiane

Pott-Schlager, von Vertreterinnen und

Vertretern der Universität Salzburg und

Angehörigen der Familie Klaus.

Salzburgs Kultur hat Josef Klaus Großes

zu verdanken: den Neubau des

Großen Festspielhauses (Eröffnung

1960), die Erhebung des Mozarteums

zur Musikakademie 1953, die Gründung

der „Schule des Sehens“ durch

den Maler Oskar Kokoschka, woraus

später die Internationale Sommerakademie

der Bildenden Künste hervorging,

sowie die Wiedereröffnung der

Residenzgalerie (1952). In seine Zeit

fielen auch große Straßenbauvorhaben,

der Bau des Unfallkrankenhauses,

der Ausbau des Salzburger Flughafens,

die energiemäßige Erschließung des

Landes, das erste Raumordnungsgesetz

Österreichs und das erste Wohnbauförderungsgesetz

Österreichs. „Als Landeshauptmann

von Salzburg kämpfte Klaus

jahrelang um die Wiedererrichtung der

Universität Salzburg, die 1622 als Benediktiner

Universität gegründet und 1810

unter bayerischer Landeshoheit aufgelöst

worden war.

Erst 1962 gelang diese Wiedererrichtung

mit vorerst zwei Fakultäten für

Katholische Theologie und Philosophie

durch das enge Zusammenspiel von

Finanzminister Josef Klaus und Landeshauptmann

DDr. Hans Lechner. Ohne

den großen persönlichen und politischen

Einsatz von Josef Klaus, der auch

Vorsitzender des Vereines zur Wiedererrichtung

der Salzburger Universität war,

wäre dies nicht gelungen“, so Haslauer.

Haslauer bedankte sich bei der Universität

Salzburg, vertreten durch Univ.-Prof.

Dr. Ingrid Paus-Hasebrink, Dekanin der

Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen

Fakultät, und Hofrätin Dr. Elisabeth

Werner, für die Bereitschaft, dieses

Denkmal auf dem Gelände des Uniparks

Nonntal aufzustellen. Stellvertretend

für die Familie Klaus sprach Haslauer

seine Anerkennung dem ältesten Sohn

von Josef Klaus, Generalleutnant a.D.

68 69

Michael Klaus, aus.

Die Intention der Künstlerin

Das Denkmal wurde von der freischaffenden

Salzburger Künstlerin Mag.

Christiane Pott-Schlager gestaltet: „Für

mich war es eine besondere Freude und

Ehre, für diesen großen Visionär und

kulturellen Vordenker im Bereich Kunst,

Musik und Bildung dieses Denkmal zu

schaffen. Wichtig war mir die klare Wiedererkennbarkeit

der Persönlichkeit bei

gleichzeitig markanter Individualität der

Persönlichkeit“, betonte die Künstlerin.

Das überlebensgroße Porträt in feinrostendem

Cortenstahl bietet direkten

Blickkontakt auf Augenhöhe. Unorthodox

ist die Präsentation ohne Podest,

direkt auf dem Grün des Rasens. „Der

filigrane handgefertigte Metallschnitt

steht im großen Kontrast zum rein körperlichen

Potenzial des Objekts in Stahlplatten,

vergleichbar einer Panzersperre“,

erläuterte Pott-Schlager ihr Werk.

Biografie von Josef Klaus

Josef Klaus (geboren am 15. August

1910 in Mauthen in Kärnten; gestorben

am 25. Juli 2001 in Wien) war von 1.

Dezember 1949 bis 17. April 1961 Landeshauptmann

von Salzburg, anschließend

Finanzminister in der Regierung

Alfons Gorbach (1961 bis 1963). Von

1964 bis 1970 war er schließlich österreichischer

Bundeskanzler.


Welcome to the Future, 2012

450 x 280 x 150 cm

Bodenplatte: 150 x 150 cm

Ausstellungen und Projekte (Auswahl)

Pott-Schlager Christiane

Freischaffende Stahlbildhauerin und Malerin

1965 geboren in Bremen, Deutschland

lebt und arbeitet seit 1989 im Salzburger Land,

Österreich

1984-1993 pianistische und musikpädagogische

Ausbildungen an der Hochschule für Musik Köln

und an der Hochschule „Mozarteum“ Salzburg;

Abschluss als staatlich gepüfte

Instrumentalpädagogin

1993-2001 Studium der Kunst- und Werkerziehung an der

Universität „Mozarteum“ Salzburg,

Klasse Prof. Dieter Kleinpeter,

Abschluss als Magistra artium

2002 3-monatiges Atelierstipendium in ChengDu,

China

1993-2012 alljährliche Teilnahme am Internationalen

Stahlsymposion Riedersbach

2006-2012 Leiterin des Internationalen Stahlsymposions

Riedersbach, Oberösterreich

2007 Lehrauftrag für Malerei an der South West

Jiaotong University und dem Visual Art College

der Sichuan Normal University in ChengDu,

China

2008 Gast-Professorin an der Guangxi Normal

University in Guilin, China

2009 Teamleiterin eines Großskulpturen-Projekts

an der Southwest Jiaotong Universität

ChengDu, China

2010 Atelierstipendium in Budapest

2011 Gastdozentin an der Central Academy for Fine

Arts in Peking, China

2013 Mitbegründerin des ersten Stahlsymposions in

Foshan, China

Förderpreis des Land Salzburg, 2014

Karl-Weiser-Preis 2010, Salzburg,

1. Preis Kunst am Bau-Wettbewerb Haigermoos, 2009

Seit 2012 Präsidentin der artbv Berchtoldvilla Salzburg,

Berufsvereinigung der Bildenden Künstler, Landesverband

Salzburg

Mitglied der Münchener Secession, der GEDOK-München,

des Sculpture Network.

2013 Rauminstallation „365 Tage Kunstbaustelle“ für Podium 2013, Berchtoldvilla Salzburg (A)

Teilnahme mit „Die Verbeugung“ am Skulpturenweg „Weg der Versöhnung“, Freistadt (A)

Teilnahme mit Whirl-Wind am 1. Internationalen Stahlsymposion Foshan (China)

Teilnahme und Kuratorenschaft von „Der andere Blick“, Berchtoldvilla Salzburg (A)

Einzelausstellung „Nur zufällig Frau“, Kunstraum St. Virgil Salzburg (A)

Einzelausstellung „Frauenzimmer-Update“, Tetzner-Museum Gersdorf (DE)

Denkmal für Bundeskanzler Dr. Josef Klaus, Uni-Park der neuen Universität Salzburg (A)

2012 Ausstellungsbeteiligung „ON TO RED“, Galerie der Künstler München (DE)

Ausstellung „expressiv-neoexpressiv-exzessiv“, Deutschvilla Strobl (A)

Einzelausstellung „Frauenzimmer-Update“, Sacellum Salzburg (A)

Altarraumgestaltung der Christophorus-Kapelle, Ostermiething (A)

2011 Einzelausstellung an der Central Academy of Fine Arts Peking (China)

Einzelausstellung „Construction of Silence“, Kunsthalle Sölvesborg (Schweden)

2010 Einzelausstellung zum „Karl-Weiser-Preis“, Berchtoldvilla Salzburg (A)

„Friedenskreuz“ der Gemeinde Burgkirchen (A)

Teilnahme „58. Festspiele Europäische Wochen Passau“, Universität Passau (DE)

2009 Altarraumgestaltung der Pfarrkirche St. Maximilian, Burgkirchen (A)

Teilnahme mit „In Suspence“, Skulpturenweg der Southwest Jiaotong University ChengDu (China)

Kunst-am-Bau-Projekt „Landschaftslinien“, Gemeindeamt Haigermoos (A)

Teilnahme an der „Großen Kunstausstellung“, Haus der Kunst München (DE)

2008 Teilnahme an „ARTMIX“, Nationalbibliothek Tallinn (Estland)

Einzelausstellung, Münchener Künstlerhaus, München (DE)

2007 Einzelausstellung, Art College der Guangxi Normal University Guilin (China)

Einzelausstellung „Meditationen in Stahl“, Kirchenraum Marcel Callo Linz (A)

Ausstellungsbeteiligung zum Qi Bai She-Festival, Xiantang (China)

Doppelausstellung, Deutsches Patent-und Markenamt München (DE)

Einzelausstellung im Visual Art College der Sichuan University, ChengDu (China)

2006 Einzelausstellung „Stählerne Momente“, Kleine Galerie Hohenstein-Ernstthal (DE)

Teilnahme und Kuratorin „Frauenzimmer-Update“, Liebenweinturm Burghausen (DE)

Teilnahme und Kuratorin „Frauenzimmer-Update“, Berchtoldvilla Salzburg (A)

Doppelausstellung „Dialoge“ mit Fangyi Tang, Afro-Asiatisches-Institut Salzburg (A)

2005 Teilnahme an der „Großen Kunstausstellung“, Haus der Kunst München (DE)

Teilnahme an der Jahresausstellung des Salzburger Kunstvereins, Salzburg (A)

2004 Ausstellung von Stahlplastik und Malerei, Design-Center Linz (A)

2003 Wandgestaltungsprojekt „Der Spaziergang“, Lamprechtshausen (A)

2002 Wandgestaltungsprojekt „Der Spaziergang“, Southwest Jiaotong Universität ChengDu (China)

Teilnahme an der „Großen Kunstausstellung“, Haus der Kunst München (DE)

Einzelausstellung in der Galerie der Energie AG Oberösterreich, Kraftwerk Riedersbach (A)

2000 Einzelausstellung „Metallplastiken“, Chiemseehof Salzburg (A)

ÖFFENTLICHE ANKÄUFE UND KUNST AM BAU-PROJEKTE:

• ChengDu, Foshan (China)

• Burghausen, Hohenstein-Ernstthal, Gersdorf (Deutschland)

• Salzburg, Strobl am Wolfgangsee, Burgkirchen,

Haigermoos, Ostermiething, Lamprechtshausen (Österreich)

1999 Rauminstallation, Kunststation KNIE Oberndorf (A)

1997 Ausstellung im Elektrizitätswerk der Energie AG Oberösterreich, Wels (A)

70 71

1996 Einzelausstellung, Galerie Forum West, Salzburg (A)


Impressum

Partner und Sponsoren:

Herausgeberin: Mag. art. Christiane Pott-Schlager

Texte: Dr. Peter Assmann, Mag. Renate Oberbeck, Mag. Martina Gelsinger, Georg Hofstätter, Mag. art. Christiane Pott-Schlager

Fotos: Heinz Bayer, Kurt O. Leininger, Karen Macaw, Christian Treweller, Christiane Pott-Schlager

Layout und Gestaltung: Zweiblatt, Sabine Heide, www.zweiblatt.at

© 2014, Fotos und Texte unterliegen dem Urheberrecht.

Verlag Münchener Secession

ISBN 978-3-943106-10-7

Kontakt:

Mag. art. Christiane Pott-Schlager

Hauptstrasse 47

5112 Lamprechtshausen

Mobil: +43 650 44 34 741

E-mail: christiane.pott@artasyl.at

www.artasyl.at

Titelseite:

In Spannung, 2009

600 x 150 x 100 cm

Elfmeter, 2008

100 x 1180 x 30 cm

Standort Stahlpark Riedersbach

Frauenzimmer-Update, 2013

Frottagen von Stahlobjekten, Graphit auf Leinwand

Höhe je 155 cm

72 73


Meditationen

in Stahl

Christiane Pott-Schlagers multipler künstlerischer Ausdruckswille

und dezidierter Wille zur gestalteten Form

spiegeln sich in ihren monumentalen Stahlobjekten und

Installationen auf mehrfache Weise wieder und lassen

sich in den in diesem Katalog vorgestellten Themengruppen

bestens nachvollziehen.

Stets gelingt es ihr nämlich, den oftmals großdimensionierten

Objekten aus sprödem Metall mit Hilfe ihres

zeichnerisch geschulten Auges nicht nur räumliche

Prägnanz zu verleihen, sondern mit Hilfe einer subtilen

Linearität auch die nötige Fragilität und Beweglichkeit,

ja Poesie zu geben, die den Betrachter herausfordert,

länger zu verweilen und innewohnende Bewegungen

nicht nur mit den Augen und geistig nachzuvollziehen,

sondern so manches Kunstwerk auch manuell zu

erobern oder als zelebrierte Körperbewegung nachzuvollziehen.

Als weitere Zutat wohnt ihren Werken eine

Rhythmik inne, die sich als bewusste Annäherung an

musikalische Prozesse deuten lässt und selbst jenen

Objekten innewohnt, die als abstrakte Urformen vorgestellt

werden. Konfuzius Zitat: „In der Ruhe liegt die

Kraft“ trifft auf so manche dieser Objekte zu, gerade

weil diese Ruhe immer wieder durch feine dynamische

Elemente konterkariert wird und damit auf jedem cm²

die Lebenskraft signalisiert.

Dieser Katalog zeigt die wichtigsten Stahlobjekte von

Christiane Pott-Schlager aus den letzten zwei Jahrzehnten

von 1993 bis 2013.

Die letzte Werkgruppe, die in diesem Katalog vorgestellt

wird, führt die Künstlerin auf neue Bahnen. Man

darf gespannt sein, wohin sie ihre Experimentierfreude

und ihr ungebrochener Ausdruckswille in der Stahlplastik

führen werden.

Mag. Renate Oberbeck

(Kunsthistorikerin, Salzburg)

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