s'Positive Magazin 12.2016

onexmagazin

AUSGABE 12 DEZEMBER 2016

Schlauer

BAUER

Bernhard Allemann

Der Landwirt erklärt, was es

heisst, in der Schweiz einen

modernen Betrieb zu führen.

GELEHRTENSTREIT

Warum feiern wir

Weihnachten am 24.

und 25. Dezember?

INNOVATIVE BAUERN

Die Entwicklung der

Landwirtschaft im

Oberaargau

DER HOCKEYGOTT

Der ehemalige Coach

und Sportchef des

EHC Biel im Interview


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EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

4

Landwirtschaft spielt im Oberaargau schon

seit jeher eine wichtige Rolle. Deshalb

schauen wir in einem Artikel von Klaus

Zaugg in der Zeit zurück, um herauszufinden,

wie sich die bäuerliche Kultur über

die Jahrtausende und Jahrhunderte entwickelt

hat.

Und wir befragen mit Bernhard Allemann

einen, der weiss, was es heute

braucht, um als Landwirt erfolgreich zu

sein. Wir achteten dabei darauf, dass wir

einen echten Vollblut-Landwirt befragen

konnten – also einen, der seinen Beruf zu

hundert oder noch mehr ausübt, und der

nicht nebenbei noch als Politiker amtet. Einen,

der uns sagen kann und darf, was ist,

und der nicht zuerst in der Parteizentrale

nachfragen muss, was er sagen darf.

Selbstredend gelingt es auch in einem ausführlichen

Interview nicht, sämtliche

Aspekte der Landwirtschaft auszuleuchten.

Dafür ist die Branche viel zu umfangreich

und zu komplex. Interessante Einblicke in

Teilbereiche sind jedoch garantiert.

Interessant ist auch die Frage, weshalb

die Weihnachtstage auf den 24. und den

25. Dezember fallen. Denn: Wann Jesus

Christus tatsächlich geboren wurde, weiss

niemand genau. Auch die Bibel gibt darüber

keine Auskunft. Vielleicht auch deshalb,

weil Jesus und seine Jünger Geburtstage

nicht gefeiert haben.

Dann haben wir zum bereits dritten

Mal Kevin Schläpfer zum Gespräch geladen.

Speziell dabei: Der ehemalige Coach des

EHC Biel befand sich jedesmal in einer völlig

anderen Situation.

Viel Spass beim Lesen

Ihr Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: one X Services

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Layout: tnt-graphics AG,

8305 Dietlikon,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 69 000 Exemplare

Druck: LZ Print,

Luzerner Zeitung AG

Versand: Die Post

Inserate-Annahme und Redaktion:

inserate@spositive.ch

12

4 LANDWIRTSCHAFT HEUTE

Der Oberaargauer Bauer

Bernhard Allemann erklärt,

wie man heute erfolgreich

einen Betrieb führt und

was die moderne Landwirtschaft

ausmacht.

12 DIE TERMINFRAGE

Wurde Jesus Christus tatsächlich

am 24. Dezember

geboren? Wissenschaftler

sind sich über das wahre

Geburtsdatum uneinig.

18 EROTISCHE KLÄNGE

Eine Wissenschaftlerin will

herausgefunden haben,

welche musikalischen

Merkmale (fast) zum Orgasmus

führen.

20 GESCHICHTE DER BAUERN

Innovative Landwirte

machten den Oberaargau

schon vor Jahrhunderten

zu einem «Silicon Valley

der Landwirtschaft».

28 KEVIN SCHLÄPFER

Der ehemalige Trainer und

Sportchef des EHC Biel sagt

im Interview, wie er seine

Entlassung erlebt hat und

wie er seine Zukunft sieht.

34 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe, Impressum

und Veranstaltunren in

der Region.

18

28

20

s’Positive 12 / 2016 3


LANDWIRT BERNHARD ALLEMANN

«Bauern und Kühe sind wie

Spitzensportler»

Die Milch kommt aus dem Tetrapack, das Fleisch aus dem

Kühlregal. Doch für unsere Ernährung ist die

Landwirtschaft zuständig. Was es bedeutet, Bauer in der

Schweiz zu sein, schildert einer, der es wissen muss.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH, KLAUS ZAUGG

FOTOS: MARCEL BIERI, BRUNO WÜTHRICH

4 s’Positive 12 / 2016


ZUR PERSON

Bernhard

Allemann

Ein Chip am Hals der

Kühe gewährt Ihnen

Zugang zu unterschiedlichen

Futterarten.

Der Landwirt Bernhard Allemann

(56) bewirtschaftet an

seinem Wohnort Wangen an

der Aare und in Wanzwil

zwei Höfe. Auf insgesamt 35

Hektaren produziert er mit

60 Kühen jährlich 530 000

Kilo Milch.

Begonnen hat alles mit der

Übernahme des 14 Hektar-

Hofes in Wanzwil von seinem

Vater. Bei der Aufzucht seiner

Tiere setzt er auf den Muni,

und nicht auf künstliche

Besamung.

Bernhard Allemann ist verheiratet

mit Kathrin. Die

Beiden sind Eltern von drei

erwachsenen Kinden. Die

Übergabe in ein paar Jahren

an die nächste Generation ist

geregelt.

Im Durchschnitt gibt eine Kuh

8000 bis 10 000 Kilogramm

Milch pro Jahr.

Es stimmt: Letztendlich kommt die

Milch (auch) aus dem Tetrapack.

Fleisch und Würste nehmen wir

aus den entsprechenden Gestellen

im Supermarkt oder lassen es uns

vom Händler einpacken. Doch bevor die Ware

in die Läden gelangt, hat sie oft einen

langen Weg hinter sich – oder auch einen

etwas kürzeren, wenn es sich um einheimische

Produkte handelt. Es ist nicht das Geld,

das uns ernährt. Wenn die Gestelle leer sind,

lässt sich auch mit Geld nicht viel ausrichten.

Es sind die Landwirte, die Getreide und Gemüse

anbauen, uns mit Obst, Milch, Fleisch

und vielem mehr versorgen. Bernhard Allemann

bewirtschaftet in Wangen und Wanzwil

zwei Höfe, liefert Fleisch und Milch.

s’Positive sprach mit ihm darüber, was es

bedeutet, heute Landwirt zu sein.

s’Positive: Uns fällt auf, Sie jammern

nicht.

Bernhard Allemann: Ich weiss schon, dass

die Leute sagen, die Bauern würden ständig

jammern, gleichzeitig würden sie aber mit

grossen Traktoren herumfahren. Doch ich

habe es nicht mit dem Jammern. Ich habe

immer gearbeitet und versucht, weiterzukommen.

Also haben Sie eine andere Strategie?

Bauer zu sein, heisst Unternehmer zu sein.

Wer am Montag bereits ans Wochenende

denkt und am Donnerstag die Woche abschliesst,

wird es nicht weit bringen. Wir sind

an sieben Tagen in der Woche für unseren

Betrieb und unsere Tiere da, oder sorgen

zumindest dafür, dass eine kompetente Vertretung

da ist.

Ist dies auch die Einstellung Ihrer Berufskollegen?

Dafür kann ich nicht garantieren. Vermutlich

nicht bei jedem. Aber ich äussere mich nicht

über Berufskollegen. Es ist als Unternehmer

ähnlich wie im Sport. Wer weiterkommen

will, muss wie ein Spitzensportler alles geben.

Mein Wunsch war es immer, weiterzukommen

und zu wachsen. Dafür braucht es

Land.

Etwas ist uns aufgefallen: Ihre Ställe sind

offen und es ist kalt. Das hat uns irritiert.

Vor 50 Jahren war es im Stall warm, die

s’Positive 12 / 2016 5


LANDWIRT BERNHARD ALLEMANN

Stalltüren mussten gerade im Winter immer

zu sein, alle Schlitze wurden verstopft,

um jeden Durchzug zu vermeiden.

Ja, das war früher tatsächlich so. Aber die

Kälte macht den Kühen nichts aus. Kühe geben

mehr Milch, wenn die Ställe hell sind

und viel frische Luft hereinkommt.

Mehr Licht und mehr Sauerstoff ergeben

mehr Milch?

So ungefähr.

Mit welcher Betriebsgrösse haben Sie in

Wanzwil begonnen?

Mit 13, 14 Hektaren im Nebenerwerb. Ich

habe am Anfang noch als Chauffeur gearbeitet

und das verdiente Geld in den Betrieb

investiert.

Reichen 13 oder 14 Hektaren heute noch

als Existenzgrundlage?

Mit reiner Milchwirtschaft nicht. Nur wenn

man sich spezialisiert. Es gibt viele verschiedene

Varianten, wie man das machen kann.

Es gibt viele Betriebe in dieser Grösse, die

rund laufen.

Wie viel Milch haben Sie anfänglich in

Wanzwil produziert?

Mit 13 oder 14 Kühen rund 47 000 Kilo im

Jahr.

Wäre das heute noch eine Existenzgrundlage?

Nein, nicht mehr. Ich habe immer wieder

nach Möglichkeiten zur Erweiterung Ausschau

gehalten. Dann haben wir den Betrieb

Mal Silofutter, mal Heu. Kühe bekommen

auch Getreide, Gras, Mais,

Rübenschnitzel und Mineralsalze.

Das Futter für die Kühe wird vom

Bauer optimiert.

hier in Wangen gefunden und hatten das

Glück, als Pächter zum Zuge zu kommen.

Dabei machte ich zur Bedingung, dass ich

die Möglichkeit habe, den Betrieb baulich

verändern zu können.

Wie viel Milch produzieren Sie heute?

Wir liefern rund 480 000 Kilo Konsummilch.

Und mit der Milch, die wir auf dem Betrieb

für die Aufzucht verwenden, produzieren

wir pro Jahr insgesamt rund 530 000 Kilo

mit 60 Kühen.

Das bedeutet, dass die Kühe heute viel

mehr Milch geben als früher.

Ja. Früher war es üblich, Kühe mit einer

Milchleistung von 5000 bis 6000 Kilo pro

Jahr zu halten. Heute sind durchschnittlich

8000 bis 10 000 Kilo pro Tier das Ziel.

Wie ist diese Qualitätsverbesserung möglich

geworden?

Die Genetik ist heute besser als früher. Es

geht auf unserem Betrieb nicht darum, Hochleistungskühe

heranzuzüchten. Wir konzentrieren

uns auf robuste Zweinutzungskühe,

die viel Milch geben und am Ende auch einen

guten Schlachtpreis erzielen. Solche Tiere

sind robuster.

Wir haben ganz hinten in der Box einen

mächtigen Stier gesehen. Sie setzen nicht

auf künstliche Besamung?

Ja, wir verzichten praktisch ganz auf künstliche

Besamung. Der Muni schreibt nicht

jedes Mal eine Rechnung. Ich will ja keine

Statt auf künstliche

Besamung setzt

Bauer Allemann auf

seinen Stier, den er

schon als Kalb

gekauft hat.

6 s’Positive 12 / 2016


Ausstellungskühe, sondern wirtschaftliche

Kühe.

60 Kühe, ein Stier – da hat er aber viel

Arbeit.

Er soll etwas zu tun haben. Die Arbeit verteilt

sich ja übers ganze Jahr. Er kommt mit seinen

Pflichten gut nach.

Dieses Tier ist wirklich imposant. Werden

solche mächtigen Stiere nicht gefährlich?

Doch, sie sind unberechenbar und im Umgang

ist immer höchste Vorsicht geboten. In

der Regel werden sie nach zwei oder drei

Jahren zu böse und müssen geschlachtet

werden.

Kaufen Sie die Stiere schon als Kälber?

Ja, direkt vom Züchter. Dann sehe ich, was

ich bekomme. Den Muni, den Sie gesehen

haben, stammt von einem sehr guten Betrieb

aus Augsburg. Nach einmonatiger Quarantäne

auf unserem Betrieb in Wanzwil ist er

nun hier in Wangen.

Sie kaufen Stierkälber im Ausland?

Das war eine Ausnahme. Wir haben zum

grossen Teil Montbeliard-Kühe. Mein Sohn

kreuzt diese mit deutschem Fleckvieh.

Wie viel bekommen Sie heute für ein Kilo

Milch?

Der Preis variiert saisonal und je nach Nachfrage.

48,75 Rappen war 2016 der tiefste

Preis. Es soll aber nun etwas besser werden,

es heisst, man dürfe mit über 50 und vielleicht

sogar mit 60 Rappen rechnen.

Bestehen zwischen der Milch, die der Konsument

trinkt, und der Milch, aus welcher

der Käser Käse macht, Unterschiede?

Bei den Zell- und Keimzahlen gelten die gleichen

Richtwerte. Doch der Käser macht noch

weitere Kontrollen.

Geht es bei diesen Kontrollen um Qualität?

Die Qualität spielt bei allen landwirtschaftlichen

Produkten eine grosse Rolle. Vor allem

bei den im Inland produzierten. Auf was

der Käser bei der Milch sonst noch achtet,

weiss ich nicht genau. Ich produziere keine

Käsereimilch mehr. Doch ein hoher Eiweissgehalt

wird besser bezahlt als ein hoher

Fettanteil.

Lassen sich die Inhaltsstoffe der Milch

steuern?

Die Inhaltsstoffe der Milch sind bis zu einem

gewissen Grad genetisch bedingt. Aber mit

der Fütterung lässt sich die Qualität schon

ein wenig steuern. Dabei spielen viele Faktoren

eine Rolle. Es kommt drauf an, ob ich

mein Futter an Sonnen- oder Schattenlage

produziere, und auch, wie das Wetter ist.

Das alles spielt eine Rolle?

Ja, es spielt eine Rolle, ob Sie das Futter auf

der Sonnen- oder Schattenseite ernten und

wie viel es regnet. Um es vereinfacht zu sagen:

Je mehr Sonne, desto nahrhafter ist das

Futter – und je nahrhafter das Futter, desto

höher der Eiweissgehalt der Mich. Eine

Bernhard Allemann

rechnet 2017 mit

einem höheren

Milchpreis als im

Tiefpreisjahr 2016.

«Wir züchten keine Hochleistungskühe,

sondern

robuste Zweinutzungskühe,

die viel Milch geben

und am Ende einen guten

Schlachtpreis erzielen.

s’Positive 12 / 2016 7


LANDWIRT BERNHARD ALLEMANN

«Die ideale Fütterung ist

wichtig. Bei einer Kuh

muss man wie bei einem

Spitzensportler auf optimale

Ernährung achten.

Allemann: Es geht

nicht ohne staatliche

Unterstützung,

weil die Preise die

Produktionskosten

nicht abdecken.»

Kuh muss wie ein Spitzensportler auf eine

optimale Ernährung achten. Die ideale Fütterung

ist wichtig.

Ist die ideale Futtermischung ein Betriebsgeheimnis?

So würde ich das nicht sagen. Unsere Futtermischung

besteht aus Mais, Gras, Heu, Getreide,

Rübenschnitzel, Raps-Kuchenmehl,

Soja und Mineralsalzen. Natürlich alles genetisch

unverändert.

Wie viel Futter verbrauchen Sie auf Ihrem

Betrieb?

Jeden Tag etwa drei Tonnen.

Und diese Menge produzieren Sie selber?

Ja, zum grössten Teil.

Werden die Kühe auch nach ihren individuellen

Bedürfnissen gefüttert?

In gewisser Weise schon. Wir erfassen die

Milchleistung jeder Kuh mit dem Computer.

Die Tiere, die durchschnittlich so um die 27,

28 Liter pro Tag geben, kommen mit unserem

Standartfutter aus. Die Kühe, die mehr

Milch produzieren, erhalten Kraftfutter aus

der Kraftfutterstation. Der Zutritt zur dieser

Station wird über ein elektronisches Halsband

so gesteuert, dass die anderen Kühe

nicht daran herankommen.

Sie haben treffende Vergleiche zum Sport

gebracht. Gibt es auch bei der Milchproduktion

Doping für die Tiere?

Nein. Es ist zwar bekannt, dass im Ausland

Tiere gepusht werden. Doch das wollen wir

in der Schweiz nicht. Ich achtete schon immer

auf Tiere, die eine gute Persistenz haben.

Was versteht man unter Persistenz?

Darunter verstehen wir eine möglichst ausgeglichene

Leistung über das Jahr. Oder

anders ausgedrückt, dass die Kuh nicht von

ihrer Leistung abfällt.

Sie haben erwähnt, dass Sie stets nach

einer Betriebsvergrösserung gestrebt haben.

Sind Sie, um die erforderliche Milchmenge

liefern zu können, dazu verurteilt,

immer grösser zu werden?

Stillstand bedeutet jedenfalls Rückschritt.

Was bedeutet das konkret?

Wir haben jetzt einen Betrieb mit 35 Hektaren.

Aber wir wissen nicht, wie es weitergeht

und ob das auch in Zukunft reichen wird.

Geht es überhaupt ohne staatliche Unterstützung?

Nein. Weil die Preise die Produktionskosten

nicht abdecken. Wir erfüllen in der Schweiz

Auflagen, die im Ausland zum Teil nicht erfüllt

werden müssen. Dabei handelt es sich

um Auflagen, die wir uns (die Politik, die

Bevölkerung) selbst gegeben haben – und

die kosten halt.

Welcher Anteil an den Gesamteinnahmen

muss heute durch Subventionen beigesteuert

werden?

Hmm, das ist eine gute Frage.

8 s’Positive 12 / 2016


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LANDWIRT BERNHARD ALLEMANN

Mehr als die Hälfte?

Teilweise schon. Wir sind hier im Mittelland

fast am schlechtesten dran. Wir haben kaum

mehr Möglichkeiten, die Betriebe zu vergrössern.

Aber am meisten Subventionen gibt es

entweder durch ganz grosse Flächen auf

einer bestimmen Höhenlage, beispielsweise

auf den Jurahöhen, oder aber für Betriebe

mit möglichst vielen Sträuchern, Bäumen

und Blüemliwiesen.

Sie sollten also bei der Ausrichtung des

Betriebes darauf achten, die höchstmöglichen

Subventionen zu bekommen?

Eigentlich müsste ich das. Aber das ist nicht

meine Strategie. Wie ich vorhin sagte, bekomme

ich am meisten Zuschüsse dann,

wenn ich Hochstammbäume pflanze oder

Buntbrachen anlege, also möglichst ökologische

Landwirtschaft betreibe. Die Landwirtschaftspolitik

zielt darauf ab, die Bauern

«Was ist, wenn die Importe

aus irgendeinem Grund zurückgehen?

Wir sollten die

zur Verfügung stehende

Fläche für möglichst hohe

Produktion nutzen.»

dazu zu bringen, möglichst wenig zu produzieren.

Aber ich bin nicht sicher, ob das langfristig

die richtige Strategie ist.

Wo sehen Sie das Problem?

Solange wir per Telefon jede gewünschte

Menge Lebensmittel im Ausland bestellen

können, gibt es kein Problem. Aber was passiert

in einem Land mit einem so tiefen

Selbstversorgungsgrad wie der Schweiz,

wenn die Importe aus irgendeinem Grund

zurückgehen? Ohne Importe kommt es bei

einem schlechten Sommer wie in diesem

Jahr schnell zu einer Hungersnot. Ich will ja

nicht den Teufel an die Wand malen. Aber

die Frage ist schon, ob es nicht besser wäre,

die noch zur Verfügung stehende Fläche für

eine möglichst hohe Produktion zu nützen.

Ich sehe den Landwirt als Unternehmer, der

aus der ihm zur Verfügung stehenden Fläche

im Interesse der Versorgung nach der grössten

und qualitativ besten Produktion streben

sollte.

Uns ist aufgefallen, dass auf Ihrem Hof

verhältnismässig wenig Maschinen herumstehen,

und wir haben auch keinen

dieser modernen, grossen, vollautomatisierten

Monstertraktoren entdeckt.

Ohne Mechanisierung geht es nicht, wir sind

gut mechanisiert. Aber für mich sind Maschinen

ein notwendiges Übel. Ich kaufte erst

Die Kühe auf Allemanns Betrieb

fressen täglich rund drei Tonnen Futter.

vor kurzem zum ersten Mal einen neuen

Traktor. Aber einen ohne Computer. Also

einen komplett mechanischen. Es geht mir

darum, den Kapitaleinsatz für Maschinen zu

minimieren. So ist es möglich, viel Geld zu

sparen. Ich habe das Geld schon immer lieber

in bauliche Verbesserungen des Betriebes

investiert. Ich baue lieber, als mit dem neusten

Traktor herumzufahren.

Mit wie vielen Personen bewirtschaften

Sie Ihren Betrieb?

Mit meinem Sohn und einem Lehrling. Meine

Frau hat auswärts eine 30-Prozent-Stelle.

Sie haben zu Beginn unseres Gesprächs

den Vergleich zum Spitzensport gezogen.

Der Vergleich ist wirklich treffend: Ihre

Leidenschaft für das, was Sie tun, mahnt

an die Leidenschaft, die ein Spitzensportler

braucht, um überdurchschnittliche

Leistungen zu erbringen.

Schön, wie Sie das sagen. Was wir tun, ist

nicht einfach Arbeit. Bauer zu sein, ist eine

Leidenschaft! Dazu gehört beispielsweise

auch, dass ich jeden Abend noch einmal einen

Rundgang durch den Stall mache und

nach meinen Tieren sehe. Auch dann, wenn

ich ausnahmsweise erst nach 23 Uhr nach

Hause komme.

Früher nannte man dieses Ritual

«d’Schtröi mache», was so viel bedeutete

wie den Kühen das Nachtlager zu richten.

Das ist so. Ohne den Gang durch den Stall,

um in aller Ruhe noch einmal nach den Tieren

zu sehen, geht es nicht, und ich könnte

so auch nicht ruhig schlafen. Nur so sehe ich,

wie es meinen Tieren geht.

10 s’Positive 12 / 2016


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BIBLISCHE TERMINE

24. und 25. Dezember:

Wie kommen wir auf diese

Weihnachts-

Wie sich die Geburt von Jesus

daten?

Christus zugetragen hat, lesen

wir im Lukas-Evangelium. Doch

das Datum ist reine Spekulation.

12 s’Positive 12 / 2016


In der Bibel steht nichts

darüber, wann Jesus

Christus geboren wurde,

und auch sonst ist dies

nirgendwo überliefert.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

Die Bibel sagt uns vieles. Aber eben

nicht alles. Was jedes Kind zu

wissen scheint, ist nicht gesichert.

Heilig Abend und Weihnachten

werden erst seit dem 4.

Jahrhundert am 24. und 25. Dezember gefeiert,

weil Papst Liberius im Jahre 353 die Geburt

Christi verbindlich auf den 25. Dezember

datierte. Doch wie kommt er auf diese Daten?

EIN GRUND ZUM FEIERN

Geburtstage zu feiern, galt früher im Christentum

als heidnisch. Das ging eigentlich gar

nicht. Im frühen Christentum war das Feiern

War es draussen

gar nicht kalt,

als Jesus im Stall

zur Welt kam?

von Geburtstagen nicht das Richtige. Mit

Sicherheit feierten weder Jesus noch seine

Jünger je einen Geburtstag. In das Reich

Gottes ging man ja erst ein, wenn man starb.

Der höchste christliche Feiertag ist deshalb

der Karfreitag, also die Kreuzigung Christi,

und dementsprechend auch das Osterfest.

Diese beiden Feste haben, theologisch

gesehen, den höheren Wert als Weihnachten.

Da geht es nämlich um das Leben nach

dem Tod, um die Auferstehung von Gottes

Sohn. Doch auch wenn die Christen das Feiern

von Geburtstagen nicht auf dem Schirm

hatten, so wurde doch gefeiert. Wenn die

römischen Kaiser Geburtstag hatten, wurde

über Tage gefeiert, getrunken, Wettkämpfe

veranstaltet und vieles mehr. Als dann aber

aus dem Staatsfeind Christentum eine

Staatsreligion wurde, galt es, die beiden

Kulturen zusammen zu bringen. Doch steht

in der Bibel gar nichts darüber, wann Jesus

Christus geboren wurde, und auch sonst ist

dies nirgendwo überliefert. Aus dem Lukas-

Evangelium, das von der Geburt erzählt,

wissen wir nicht einmal, dass es kalt war.

Dafür gibt es Hinweise zum Geburtsjahr,

denn «es begab sich aber zu der Zeit, dass

ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging,

alle Welt solle sich einer Zählung unterwerfen»,

und zwar «als Quirinus Landpfleger

von Syrien war» (Lk 2, 1-6).

Damit aber beginnen die Schwierigkeiten.

Publius Sulpicius Quirinus war nämlich

von 6 bis 7 n. Chr. römischer Statthalter in

Syrien. Dass Christus nicht im Jahr 6 oder 7

geboren worden sein kann, ist klar. Die Philologie

des Neuen Testaments hat längst den

Schluss gezogen, dass die angebliche Volkszählung

nur als Grund herhalten musste, um

Christus nicht in Nazareth, wo seine Familie

lebte, sondern in Bethlehem, der Stadt König

Davids, zur Welt kommen zu lassen.

Lukas gibt noch ein zweites Datum an.

Dem Zacharias, also dem Vater des Täufers

Johannes, sei «zur Zeit, als Herodes König

von Judäa war», ein Engel erschienen, um

ihm die Schwangerschaft seiner Frau Elisabeth

mitzuteilen. Das macht alles noch verworrener.

Denn Johannes war fast gleich alt

wie Jesus; er hüpft im Leib seiner Mutter, als

diese der schwangeren Maria begegnet. Aber

Herodes starb bereits im Jahr 4 vor Christus!

Die Berechnung des Geburtsjahres von

Christus scheint anhand solcher Widersprüche

ziemlich aussichtslos. Noch viel schwieriger

ist demnach die Findung des genauen

Datums. Das Gleiche gilt übrigens für den

Todestag. Schon vor gut hundert Jahren stellte

ein Neutestamentler resigniert fest, es gebe

innerhalb der zehnjährigen Amtszeit des

Pontius Pilatus kein einziges Jahr, das nicht

schon einmal als Todesjahr Christi vorgeschlagen

worden sei. Irgendwann zwischen

29 und 33 nach Christus müsse es gewesen

sein, am wahrscheinlichsten sei der 7. April

Foto: shutterstock.com/PFMphotostock

s’Positive 12 / 2016 13


BIBLISCHE TERMINE

30 – nach unserem Kalender ein Freitag.

Doch was hilft uns das für Weihnachten? In

spätantiken Texten wurde angenommen,

Christus sei im Frühling geboren, und zwar

am 28. März. Begründet wurde dies damit,

Eine Lehrmeinung sagt, Jesus

sei wie alle vollkommenen

Menschen nicht irgendwann

im Jahr, sondern exakt am Tag

seiner Geburt gestorben.

dass der 28. März der Schöpfungstag der

Sonne, und Christus die «Sonne der Gerechtigkeit»

sei. Der Gott der Genesis habe am

ersten Schöpfungstag den Tag von der Nacht

unterschieden. Dies müsse am 25. März gewesen

sein, als Tag und Nacht gleich lang

waren (Frühlingsäquinoktium). Die Sonne

wurde drei Tage später geschaffen.

DAS DATUM DER EMPFÄNGNIS

Angesichts solcher allegorisch-astronomischer

Berechnungen hätten auch eine Reihe

anderer Geburtstage ausgerechnet werden

können. Der Wiener Kirchengeschichtler

Hans Förster hat gleich zwei Untersuchungen

zu den Anfängen von Weihnachten vorgelegt.

Ihnen können wir neben den schon

angeführten Hinweisen auch unser erstaunliches

Unwissen über das Weihnachtsdatum

entnehmen. Es ist eine Detektivgeschichte.

Bislang gab es Förster zufolge

zwei Lehrmeinungen zum Datum

des Weihnachtsfests. Beide sind

falsch!

Die eine nimmt an, dass Jesus

wie alle vollkommenen Menschen

nicht irgendwann im Jahr,

sondern exakt am Tag seiner Geburt

gestorben sei. Dieser antikjüdischen

Ansicht hängt auch

Joseph Ratzinger (Papst Benedikt

XVI.) in seinem Buch «Der Geist der

Liturgie» an. Irgendwann, so die These, sei

man von der Geburt zur Empfängnis als dem

symbolischen Datum übergegangen. Weil

Christus am vierten Tag nach der Frühlings-

Tagundnachtgleiche gekreuzigt worden sei

– am 25. März nach dem julianischen Kalender

–, galt dieser Tag auch als der seiner

Empfängnis. Und neun Monate später ist –

voilà – der 25. Dezember, der Tag seiner

Geburt!

Diese Theorie ist vor allem in England

beliebt. Dort galt den Puritanern das Weihnachtsfest

als zweifelhafte Angelegenheit.

Erst nach der religiösen Diktatur Oliver

Cromwells (1599–1658) durfte es wieder

gefeiert werden. Angelsächsische Theologen

und Kirchengeschichtler bevorzugen eine

rein christliche Begründung des Weihnachtsfestes.

Sie ziehen die haarsträubende Akrobatik

jenes Übergangs von «Geburt» zu

«Empfängnis» und die anachronistische Vorstellung,

schon in der Antike habe man Geburtstermine

exakt neun Monate nach der

Empfängnis zu datieren gewusst, einer nicht

rein christlichen Begründung des Festes vor.

EINFLUSS DER SONNENWENDE

Diese «unreine» Begründung ist die beliebteste.

Ihr zufolge wurde der 25. Dezember

von der Kirche als Geburtstag Christi gewählt,

weil an diesem Tag traditionell heidnische

Sonnwendfeiern stattgefunden hätten. Im 4.

Jahrhundert, als das Weihnachtsfest etabliert

wurde, hatte sich das Christentum auf den

Weg zur Staatsreligion gemacht. Deshalb habe

man versucht, die oft nur oberflächlich

christianisierten Massen (wie man heute sagen

würde) dort abzuholen, wo sie standen:

bei ihren Kulten. Wo seit 247 nach Christus

der «Sol invictus» gefeiert wurde, sollte nun

der Geburt einer noch grös seren Lichtquelle

gedacht werden. Das Weihnachtsfest wäre,

so verstanden, ein umgedeuteter Sonnenkult.

Dieser religionsgeschichtlichen These

widerspricht Hans Förster in seinem Buch

Foto: Berthold Werner

Die Geburtskirche in Bethlehem

wurde über dem vermuteten Geburtsort

Jesu Christi errichtet.


BIBLISCHE TERMINE

Christus

Pantokrator:

Ikone im

Katharinenkloster

auf

Sinai (6. Jh.).

Altar in der Geburtsgrotte der Kirche. Der Stern

markiert die traditionelle Geburtsstelle.

«Die Anfänge von Weihnachten». Demnach

ist das angeblich so beliebte heidnische

Sonnwendfest schlecht belegt. Viel mehr

wird am 25. Dezember als Weihnachtsdatum

gelobt, dass es da keine heidnischen

Parallelfeste gebe. Ausserdem kam in den

heftigen Kontroversen um den Termin von

Weihnachten – viele Christen favorisierten

lange den 6. Januar – das Argument «heidnischer

Festtag» nie vor.

Die Beziehung Christi Geburt

zur Sonnenwende liegt nahe.

Der Termin im Frühling ist

unpraktisch, denn da feiert

man ja schon Ostern.

Für Augustinus thematisiert das Datum 25.

Dezember die Offenbarung Christi an die

Juden, repräsentiert durch die Hirten in

Bethlehem. Der 6. Januar thematisiert seine

Offenbarung an die Heiden, repräsentiert

durch die Heiligen Drei Könige. Und er nennt

den 25. Dezember den kürzesten Tag des

Jahres, von dem an das Licht wieder zu

wachsen beginne. Es sei der «Geburtstag des

Tages», und nicht der Sonne.

DER UNPRAKTISCHE FRÜHLING

Es sind Dutzende spätantiker Predigten und

Traktate, die Hans Förster ausgewertet hat,

um schlussendlich zu dem Befund zu kommen,

dass es wenig Anhaltspunkte dafür

gibt, Weihnachten sei die christliche Version

einer antiken Sonnwendfeier. Die

Feier sei ein «Forschungsmythos»,

die Wintersonnenwende

kein bedeutsamer Tag im heidnischen

Kalender der Spätantike.

Was aber war dann der Grund

für den 25. Dezember als Tag der

Geburt? Förster lässt das Fest aus

dem Geist des Tourismus entstehen.

In der ersten Hälfte des 4.

Jahrhunderts haben die Pilgerströme

nach Bethlehem stark

zugenommen. Gregor von Nyssa warnte

bereits, körperliche Anwesenheit garantiere

keine Geistesgegenwart. Und dennoch:

«Man kennt den Ort seiner Geburt, man hat

dort eine Kirche, muss man dann nicht auch

das Fest seiner Geburt feiern?» Die Beziehung

zur Sonnenwende liegt nahe, der Ter-

min im Frühling ist unpraktisch, denn da

feiert man ja schon Ostern. Auch ohne ein

heidnisches Fest, das zu Ersetzen gewesen

wäre, leuchtet das Datum ein, ab dem die

Tage im Jahr wieder länger werden. Dazu

trägt gewiss bei, dass der Gott hier von Anfang

an kein Held ist, sondern ein Wesen,

das nicht sofort mit voller Kraft leuchtet.

Man nimmt die Winterwende auf, aber nicht,

um eine römische Riesenparty zu ersetzen.

Weihnachten ist nicht die Veredelung einer

Euphorie. Auf die Behauptung, das Fest sei

eine Art Sonnenanbetung, hat Gilbert K.

Chesterton einmal geantwortet: «Es fühlt

sich anders an. Es wird am 25. Dezember

gefeiert, nicht, weil das Ende des Winters

etwas Triumphales wäre und Christus ein

Lichtgott, sondern weil es draussen kalt ist,

und die Hoffnung etwas Schwaches, Kleines

und Christus ein Kind».

GESCHENKE DANK MARTIN LUTHER

Die Tradition, sich am Weihnachtsfest zu

beschenken, führte im 16. Jahrhundert Martin

Luther ein. Er setzte sich dafür ein, die

Geschenksitte vom Nikolaustag auch auf

den Weihnachtstag zu übertragen. Damit

wollte er das Interesse der Kinder mehr auf

Christus lenken.

Fotos: Darko Tepert Donatus/Anonym

16 s’Positive 12 / 2016


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WUSSTEN SIE SCHON?

HOCHKOMPLEX UND AUSGETÜFTELT:

Wozu brauchen

Bienen Zeitgefühl?

Riesige soziale Netzwerke, hochkomplexe

Arbeitsteilung, ausgeklügelte Kommunikation.

Die Rede ist nicht von Menschen und

auch nicht von Mobiltelefonen, Internet oder

Sozialen Medien, sondern von Bienen. Die

Tierchen verfügen zudem auch über eine

innere Uhr als Zeitgeber für Rhythmen wie

Stoffwechsel oder Müdigkeit. Forscher der

Hebräischen Universität in Jerusalem arbeiteten

vier Jahre an der Entschlüsselung der

Gene von Honigbienen und fanden heraus,

dass deren innere Uhr eher der hochentwickelten

Chronobiologie von Säugetieren als

von Insekten entspricht.

Nicht alle Blüten bieten zu jeder Tageszeit

gleich viel Nahrung. Morgens den Sauerklee

anzufliegen, macht wenig Sinn: Er öffnet

sich erst im Laufe des Vormittags. Hält man

sich diesen Umstand vor Augen, wird schnell

klar, wofür die

Bienen ihr Zeitgefühl

brauchen. Damit

können sie sich

nämlich ihren Flugplan

zurechtlegen. Forscher

gehen davon aus, dass

Bienen bis zu neun Uhrzeiten

unterscheiden können.

Die hochentwickelte

innere Uhr hilft den Tieren

auch bei der Orientierung

während ihrer Nahrungssuche.

Da sie die Sonne als Navigationshilfe

nutzen, merken sie sich, wie hoch oder wie

tief die Sonne beim Losfliegen steht, und

finden dank ihres genauen Zeitgefühls und

ihrem inneren Sonnenkompass problemlos

zum Bienenstock zurück. Wieder daheim,

1

können sie ihren Artgenossinnen mit einer

Art Tanz mitteilen, in welchem Winkel sie

zur Sonne fliegen müssen, um an den besten

Nektar zu gelangen.

KANN DAS SEIN?

Dank Musik zum Orgasmus

Rolling-Stones-Sänger und Womanizer Mick

Jagger empfahl die Sitarklänge indischer

Raga-Musik als Erotik-kompatible akustische

Begleitung. Und nachdem sich Kurvenstar

Bo Derek 1979 im Film «Zehn – die Traumfrau»

zu den Bolero-Klängen rhythmisch an

den Höhepunkt herangearbeitet hatte, galt

der Tonträger lange als ausverkauft. Man

ahnte, was beim Nachbarn abging, wenn

dort Maurice Ravels Crescendo lief. Es gibt

musikalische Kompositionen, die bei manchen

Menschen zum Orgasmus führen. Oder

zumindest fast.

Die Neurowissenschaftlerin und Musikerin

Psyche Loui (die Frau heisst tatsächlich

so) von der Wesleyan-University in Middletown,

USA, berichtet dabei aus eigenem Erleben

und aufgrund der Ergebnisse einer

grossen Studie. Als sie während ihrer Studienzeit

bei einer Freundin im Radio erstmals

das 2. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow

hörte, war sie sofort gefangen. Ihr Herz

raste, ihr Magen flatterte und ein ansteigendes

Kribbeln kroch die Wirbelsäule entlang

– biologische Reaktionen, die mit einem sexuellen

Höhepunkt vergleichbar sind.

Loui beschreibt das Phänomen als «Haut-

Orgasmus» und als «transzendentale psychologische

Erfahrung». Als Professorin hat sie

das Empfinden von Musik zu ihrem Forschungsschwerpunkt

gemacht und fand heraus:

Viele Menschen bekommen beim Hören

von Musik Gänsehaut. Bei manchen reagiert

der Körper so stark, dass sie nicht mehr in

der Lage sind, etwas anderes zu tun. Für die

Erregung verantwortlich seien spezielle musikalische

Besonderheiten wie ein Wechsel

in der Harmonie, plötzliche Sprünge von

leise zu laut sowie Nebentöne, die eine Melodie

verzieren und einem Hauptton vorausgeschickt

werden.

2

18 s’Positive 12 / 2016


WUSSTEN

SIE SCHON?

Fotos: Shutterstock.com/irin-k/patrice6000/SOMKKU

SUCHE NACH ERINNERUNGEN:

Wo befindet sich unser Gedächtnis?

«Nur wenige wissen, wie viel man wissen

muss, um zu wissen, wie wenig wir wissen.»

Dieses Zitat stammt vom Physik-Nobelpreisträger

Werner Heisenberg (1901–1976).

Zum Beispiel wissen wir nicht, wo sich das

Gedächtnis im menschlichen Körper befindet.

Es ist wesentlich mehr als eine Abstellkammer

unserer Erinnerungen. Es ist die

Zentralstelle für Kommunikation, Gedanken

und Gefühle, Erlebtes und Erlerntes,

das ständig ausgetauscht und erneuert

wird. Unterteilt wird es in Ultrakurzzeitgedächtnis

(4 bis 10 Sekunden), Kurzzeitgedächtnis

(bis 20 Sekunden) und Langzeitgedächtnis,

das bis zum Ende des Lebens

abgerufen werden kann.

Doch wo es sich befindet, weiss bis heute

niemand. Hirnforscher, die in den 1950er-

Jahren das Gedächtnis lokalisiert zu haben

glaubten, irrten sich. Nachdem sie einem

Epileptiker operativ einen Teil des Gehirns,

den Hippocampus, entfernt hatten und er

3

nach der OP nichts mehr lernen konnte,

schien die Sache klar. Doch 2012 fanden

Forscher des Max-Plank-Instituts in Heidelberg

heraus, dass der Hippocampus zwar als

Detektor für Informationen eingeschätzt

werden kann, aber dass dort keine Informationen

geformt und abgespeichert werden.

Gemäss aktuellen Hypothesen wird vermutet,

dass das Gedächtnis irgendwo im Kortex,

also in der Hirnrinde liegen könnte. Aber

eben: Wir wissen es nicht!

s’Positive 12 / 2016 19


HISTORISCH

Leibeigenschaft, Kriege,

Überlebenskampf:

Die Entwicklung der

Bauern im Oberaargau

Sie lernten von Römern und Mönchen, führten Krieg

gegen die Obrigkeit und machten den Oberaargau

zeitweise zum «Silicon Valley der Landwirtschaft».

Die erstaunliche Geschichte der bäuerlichen Kultur

des Oberaargaus.

TEXT: KLAUS ZAUGG

Dem aufmerksamen Zeitgenossen mag schon

aufgefallen sein, dass Verkaufsausstellungen

für Autos und landwirtschaftliche Maschinen

im Oberaargau meistens im November und

Dezember stattfinden. Der Grund ist so simpel

wie bemerkenswert: Wenn die Blätter fallen, erhalten

die Bauern die wohlverdienten Direktzahlungen und

haben die Mittel, bei der Mechanisierung und Motorisierung

nachzurüsten.

Womit wir beim Thema sind. Der Oberaargau

ist uraltes Bauernland. Eine der fruchtbarsten

Gegenden Europas. Wenn wir

wissen wollen, warum sich der Staat

heute um die Bauern kümmert und für

Direktzahlungen sorgt, sollten wir die

Geschichte der Landwirtschaft im

Oberaargau kennen.

Die ersten Bauern im Oberaargau waren

die Pfahlbauer, die 3000 bis 1800 Jahre vor

unserer Zeitrechnung im Aeschi- und Inkwilersee,

aber auch auf trockenem Land ihre Spuren hinterliessen.

So fand man in Langenthal an der St.-Urban-Strasse eine

Pfahlbauermühle, in der Getreidekörner zerrieben worden

sind. Wo Getreide gerieben wird, muss es auch gepflanzt

worden sein. Wir wissen heute, dass es damals

bereits Kulturpflanzen gab: Zwergweizen, Einkorn, Emmer,

sechszeilige und zweizeilige Gerste, Hirse, Erbsen,

Linsen, Flachs. Als Haustiere wurden Hunde, Schweine,

Ziegen, Schafe und Rinder gehalten. Schon vor mehr als

4000 Jahren muss die Landwirtschaft in unserer Gegend

also sehr vielseitig gewesen sein.

In der darauf folgenden Bronze- und Eisenzeit, (1800

bis 58 v. Chr.) lässt sich erstmals der Pflug und der ro-

Landwirtschaft im

Oberaargau:

3000 v. Chr. bis

heute.

tierende Mahlstein nachweisen. Zu den Haustieren kamen

das Pferd und das Huhn hinzu. Die Römer, die von

58 vor Christus bis ins Jahr 400 den Oberaargau in ihr

Reich einverleibt hatten, sorgten für den ersten Entwicklungsschub.

Sie gründeten Gutshöfe, auf denen sie eine

für damalige Zeit mustergültige Landwirtschaft betrieben.

Solche Gutshöfe sind durch Funde in Aeschi, Attiswil,

Heimenhausen, Herzogenbuchsee, Langenthal

(Waldhof), Leimiswil, Niederbipp, Roggwil, Steinhof

SO, Wangen a. A., Wangenried und Wiedlisbach

nachgewiesen. Die Viehzucht wurde durch

Einführen leistungsfähigerer Rassen verbessert.

Aus Funden geht hervor, dass der

Ackerbau, insbesondere der Getreidebau,

gefördert wurde. Schliesslich galt es, die im

Land stehenden römischen Legionen zu

nähren und für den Kampf gegen die Barbaren

zu stärken.

Mit dem Eindringen der Alemannen und dem

Abzug der Römer kam es in der Landwirtschaft zu einem

schweren Rückschlag. Wahrscheinlich ging in der

Zeit zwischen 400 und 800 ein grosser Teil der «römischen

Fortschritte» wieder verloren.

MÖNCHE ALS FLEISSIGE BAUERN

Alemannische Herren sorgten für eine Wiederbelebung.

Sie schenkten ab 800 n. Chr. «zu ihrem Seelenheil» dem

Kloster St. Gallen Grund und Boden in Rohrbach, Sossau,

Auswil, Madiswil, Kleindietwil, Leimiswil, Oeschenbach

und Langenthal. In Rohrbach entstand ein Gutshof, der

von beträchtlicher Grösse gewesen sein muss.

Richtig gerockt hat es in der Landwirtschaft des

Oberaargaus aber erst, als 1141 von den Adligen des

Foto: Bruno Wüthrich, GNU Free Documentation

20 s’Positive 12 / 2016


Die Glungge – bekannt aus Gotthelf-Verfilmungen wie

«Ueli der Knecht» – wurde 1681 erbaut und steht noch

heute gut erhalten in Brechershäusern bei Rüedisbach.

Bereits die Pfahlbauer betrieben Landwirtschaft.

Das Bild stammt allerdings nicht aus dem Oberaargau,

sondern vom Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee.

s’Positive 12/ 2016 21


HISTORISCH

Rechts: Im Gebiet der Wässermatten

wird bis heute intensiver

Ackerbau betrieben.

Unten: Das Zisterzienserkloster

St. Urban spielte bei der Entwicklung

der Landwirtschaft im

Oberaargau eine wichtige Rolle.

Oberaargaus das Zisterzienserkloster St. Urban gegründet

und reich mit Ländereien beschenkt wurde. Die

«grauen Brüder» (Mönche) wurden zum eigenen Landwirtschaftsbetrieb

angespornt. Der Zisterzienserorden

war eine kirchliche Institution mit ausgeprägt wirtschaftlichen

Zielen. Mit ihrer Hände Fleiss betrieben die Patres

von St. Urban die klösterliche Eigenwirtschaft – und zwar

mit einer solchen Intensität, dass die gesamte Wiesenkultur

des Langetentals als ihr Werk bezeichnet werden

darf. Die Mönche des Klosters bauten Gutshöfe in Roggwil,

Sängi, Habkerig, Engelsbühl und in Schoren bei

Langenthal. In der damaligen Dreizelgenwirtschaft (bei

der die gesamte Ackerfläche einer Dorfgemeinschaft in

drei Grossfelder aufgeteilt wurde, die im gleichen Rhythmus

bebaut wurden) fehlte es allerdings an Futter für

das Vieh, um genügend Mist als Dünger für die Äcker zu

erzeugen. Es war deshalb ein gewaltiger landwirtschaftlicher

Fortschritt, als die Mönche von St. Urban den Wässermattenbetrieb

grosszügig ausbauten, indem sie um

1240 den Kanal von der Mühle Langenthal bis in die Rot

und ein Wässergrabensystem schufen. Damit war es

möglich, die grosse Ebene zwischen Langenthal und

Roggwil bewässern zu können. Noch heute sind die Wässermatten

der sichere Rückhalt für einen intensiven

Ackerbau. Zweifelsfrei haben die Mönche von St. Urban

die Landwirtschaft im Oberaargau sehr stark gefördert.

Die Wässermatten, die eine Eigenart unserer Gegend

sind, gehen auf die «grauen Brüder» zurück.

1406 kaufte Bern den Oberaargau, und ums Jahr 1500

setzte eine Entwicklung ein, die unserer Landwirtschaft

Foto: GNU Free Documentation, Roland Zumbühl /

Werner Stirnimann, biodiversa.ch

22 s’Positive 12 / 2016


enormen Schub verleihen sollte. Aus Leibeigenen und

Hörigen, die bloss auf dem Land der Adligen und der

Klöster als Leibeigene oder Pächter geschuftet hatten,

wurden Erblehenbauern. Sie wurden freie Besitzer des

Bodens. Sie konnten ihn fortan kaufen und verkaufen.

Damit entstanden die ersten grösseren Bauerngüter und

Bauernhäuser, wie wir sie heute kennen.

BEFREIUNG DER BAUERN

Auf diesen Gütern konnten die Bauern nun einen lebensfähigen,

selbstständigen landwirtschaftlichen Betrieb

frei organisieren; sie konnten eine persönliche Initiative

entwickeln. Die Bauern kamen zu Geld und somit zu

vermehrter Geltung. In dieser Epoche wurden die eigentlichen

Grundlagen und Strukturen unserer Landwirtschaft

geschaffen: Persönliche Freiheit und freies Verfügungsrecht

über den Boden. Nur der Flurzwang blieb.

Die Obrigkeit hatte bei dieser Befreiung der Bauern einen

Hintergedanken: Nur freie Leute konnten für den Kriegsdienst

aufgeboten werden. In dieser Zeit entwickelte sich

Bern durch kriegerische Eroberungen zu einem der

mächtigsten Stadtstaaten Europas.

Der Dreissigjährige Krieg (1618—1648) bescherte den

Bauern im Oberaargau gar einen ersten Boom. Die protestantischen

und katholischen Heere konnten sich aus

dem verwüsteten Deutschland nicht mehr verproviantieren.

Ihre Händler kauften in der Schweiz und ganz

besonders auch im Oberaargau alles Brauchbare zu hohen

Preisen zusammen. Die Preise für landwirtschaftliche

Produkte stiegen um fast 50 Prozent. Weil sich die

Schweiz nicht an diesem Krieg beteiligte, hatten die

Bauern genügend billige Arbeitskräfte und konnten die

Produktion hochfahren. Das Getreide wurde statt zu

fixen Preisen an die obrigkeitlichen Kornhäuser nun zu

Marktpreisen nach Deutschland verkauft. Verbote und

gesetzliche Höchstpreise wurden ignoriert. Diese «goldenen

Zeiten» waren nach Friedensschluss vorbei. Die

Erträge gingen zurück, verschiedene einschränkende

Massnahmen der Regierung sorgten für Unmut. Aber die

Bauern waren jetzt so reich und selbstbewusst geworden,

dass sie es bald wagten, aufzubegehren und die Obrigkeit

herauszufordern – was geradewegs in den Bauernkrieg

führte, bei dem die Bauern aus dem Oberaargau aktiv

mitmischten. Der Oberaargau geriet in den Strudel der

kriegerischen Auseinandersetzung. Beim alten Gasthof

Kreuz in der Marktgasse zu Langenthal – über dem Eingang

zum heutigen Restaurant «Mamma Mia» – befindet

sich eine Gedenktafel, die an das verhängnisvolle Jahr

1653 erinnert. Der Berner Bauernführer Niklaus Leuenberger

versuchte am 18. Mai 1653 bei der Kirche auf dem

Geissberg vergeblich, auf dem Verhandlungsweg mit der

bernischen Obrigkeit eine friedliche Lösung zu finden.

Am 8. Juni 1653 kam es zur Schlacht bei Herzogenbuchsee.

Gegen die kriegserfahrenen Soldaten der gnädigen

Herren von Bern hatten die Bauern keine Chance und

wurden vernichtend geschlagen. Die Rache der Regierung

war grausam. Alle Bauernführer wurden hingerichtet,

unter anderen in Aarwangen auch der Langenthaler

Bernhard Herzog.

Bessere Zeiten kamen, als 1750 der Flurzwang aufgehoben

wurde. Die Bevölkerung des Kantons Bern war

so stark angestiegen, dass sie mit dem bisherigen Feldsystem

(alte Dreizelgenwirtschaft) nicht mehr ernährt

werden konnte. Es mussten mehr Lebensmittel produziert

werden. Für eine intensive Landwirtschaft fehlte

aber (wie seit Jahrhunderten) der nötige Dünger. Kunstdünger

kannte man damals noch nicht. Um mehr Dünger

produzieren zu können, musste mehr Vieh gehalten

werden. Doch um dieses ernähren zu können, war mehr

Viehfutter (Gras und Heu) nötig. Zu dieser Zeit brachte

man aus Südamerika die Kartoffel nach Europa, die in

die Fruchtfolge eingegliedert werden musste. Mit dem

alten, von der Obrigkeit verordneten Flurzwang war das

nicht möglich.

Die Römer gründeten Gutshöfe, auf denen

sie mustergültige Landwirtschaft betrieben.

Schliesslich galt es, die im Land stehenden

Legionen zu nähren.

Die Bauern im Oberaargau setzten als erste in der

Schweiz die Aufhebung des Flurzwanges eigenmächtig

durch. In den folgenden Jahren wurden die Felder und

Äcker des Oberaargaus durch das Ausprobieren verschiedener

Fruchtfolgen zu einem eigentlichen Versuchslabor,

was die Landwirtschaft geradezu revolutionierte. Drei

bis vier Jahre Getreide, dann gleich lang Gras (Aarwangen).

Ein Jahr Getreide, dann Gras, dann Brache (Madiswil).

Fünf Jahre Getreide, dann fünf Jahre Gras (Wynau).

Zwei Jahre Korn, dann zwei Jahre Hafer, dann drei

bis vier Jahre Gras (Ursenbach). Vier bis sechs Jahre

Jeremias

Gotthelf:

Gemälde aus

dem Jahr 1844

von Johann

Friedrich Dietler

(1804-1874).

s’Positive 12/ 2016 23


HISTORISCH

ZUSATZINFOS

Das grosse Wissen

der Bauern

Gerne wird unterschätzt, welches umfassende

Wissen die Bauern im Oberaargau schon seit Jahrhunderten

hegen und pflegen. Es entstanden früh

von Bauern gegründete Vereine und Genossenschaften

zur Förderung der Landwirtschaft. Im

Jahr 1860 wurde die landwirtschaftliche Schule

Rütti bei Zollikofen gegründet. Von Anfang an

wurde sie auch von jungen Landwirten aus dem

Oberaargau besucht. Die landwirtschaftliche Schule

Waldhof öffnete im Herbst 1923 ihre Tore und

schloss sie 1999 wieder. Den besten Einblick in die

Vielfalt der bäuerlichen Bildung gibt der

Stundenplan dieser Landwirtschaftlichen

Schule Waldhof. Dort unterrichtete man

in den 1920er-Jahren im ersten Semester

Deutsch, Rechnen, Geometrie und Feldmessen,

Physik, Geräte- und Maschinenkunde,

anorganische Chemie, Bakteriologie,

Botanik, Pflanzenkrankheiten, Bodenkunde,

Düngerlehre, Meliorationswesen,

Gemüsebau, Obstbau, Bau und Leben der

Haustiere, Allgemeine Tierzucht, Zoologie,

Baukunde, Betriebslehre. Im zweiten Semester

Deutsch, Rechnen, Physik, Maschinenkunde,

organische Chemie, spezieller

Pflanzenbau, Saatgutlehre, Genossenschaftswesen,

Obstverwertung, Waldbau,

spezielle Tierzucht, Fütterungslehre, Milchwirtschaft,

Gesundheitslehre der Haustiere,

Alp- und Weidewirtschaft, Buchhaltung, Betriebslehre,

Rechtslehre und Handfertigkeitsunterricht.

Die Landwirtschaftliche Schule Rütti bei

Zollikofen wurde auch von jungen Bauern

aus dem Oberaargau besucht.

An der landwirtschaftlichen

Schule

lernten angehende

Bäuerinnen und

Bauern ihr Metier.

Der Stundenplan für die angehenden Bäuerinnen

wies folgende Fächer auf: Deutsch,

Kochen, Handarbeiten, Weben, Kleiderreinigen,

Waschen, Glätten, Brot backen, Gartenbau,

Ernährungslehre, Hühnerhaltung,

Schweinehaltung, Milchwirtschaft, Gesundheitslehre,

Haushaltungskunde, Berufskunde,

Betriebslehre, Buchhaltung, Rechtslehre.

Getreide, dann Gras (Langenthal). Damit ging der Getreidebau

zurück, Viehhaltung, Milch und Milchprodukte

gewannen an Bedeutung. Die Landwirte aus dem

Oberaargau setzten sich an die Spitze nicht nur der

schweizerischen, sondern sogar der europäischen Landwirtschaft.

Ende der 1700er- und Anfang der 1800er-

Jahre waren die Oberaargauer Bauern die modernsten

Bauern Europas, der Oberaargau wurde sozusagen zum

«Silicon Valley der Landwirtschaft».

REGLEMENTIERUNG DER LANDWIRTSCHAFT

In dieser Zeit begann sich der Staat stärker für die Bauern

zu interessieren – und hat dieses Interesse bis heute

nicht mehr verloren. Die Erkenntnis, dass die politische

Unabhängigkeit auch von einer gesicherten Ernährungslage

abhängig ist, führte zu konkreten Massnahmen eines

stärker werdenden Staates. Die Vennerkammer – etwa

zu vergleichen mit der heutigen Finanzdirektion – behandelte

die rechtlichen und volkswirtschaftlichen Probleme

des Bauernstandes. 1764 wurde eine Landesökonomie-Kommission

geschaffen. Diese befasste sich auch

mit der Viehzucht und stellte fest, dass im Oberaargau

zu viele geringwertige «Baslerkühe» (aus dem Elsass und

dem Schwarzwald) gehalten wurden. Sie empfahl bessere

Zuchtstiere. 1780 wurde die erste Viehversicherungskasse

gegründet. 1784 begannen die jährlichen

Viehzählungen. Bald kam noch eine Pferdezuchtkommission

dazu. Auf ihr Anraten hin wurden Hengste aus

Deutschland, Dänemark und England eingeführt. Stuten

durften nur bei diesen Hengsten gedeckt werden. Ab

1765 wurden Hengste erstmals prämiert, später auch

Stuten und Fohlen. Der Sanitätsrat – etwa vergleichbar

Fotos: Werner Stirnimann, biodiversa.ch/ZVG

24 s’Positive 12 / 2016


mit der heutigen Gesundheitsdirektion – befasste sich

auch mit den Tierseuchen, und es gelang oft, durch Absperrmassnahmen

den Oberaargau seuchenfrei zu halten,

auch wenn ringsum Viehseuchen auftraten. 1759

trat die Ökonomische Gesellschaft auf den Plan. Sie war

eine Vereinigung wohlmeinender Patrizier, die durch

Wort, Schrift und Mustergüter den landwirtschaftlichen

Fortschritt ins Bernervolk zu bringen suchten. Sie befassten

sich mit betriebswirtschaftlichen und technischen

Problemen der Landwirtschaft, mit Kunstwiesenbau und

Stallfütterung. Auch den ersten «Kunstdüngern» (Gips

und Mergel) wandten sie ihr Interesse zu, ebenso dem

Kartoffelbau, den landwirtschaftlichen Maschinen und

der Milchverwertung. Sie beschafften auch fremdes Saatgut

für Kunstwiesen. Sie taten dies nicht nur uneigennützig:

Die Mächtigen und Reichen des Stadtstaates Bern

steckten viel Geld in die Landwirtschaft (Gutshöfe, Ländereien)

und hatten ein vitales Interesse, dass diese florierte.

Die Ökonomische Gesellschaft war aber unpolitisch.

Aus gutem Grund: Ihre wichtigsten Vertreter gehörten

zur regierenden Elite. Der wirkungsmächtigste

Vertreter der «Ökonomischen» im Oberaargau war der

Landwirt Jakob Käser in Melchnau.

BAUERN ERLEBEN BOOMS UND KRISEN

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts brachte unseren

Bauern eine neue Blütezeit, was heute noch viele währschafte

Bauernhäuser aus dieser Zeit im Oberaargau beweisen.

Als eine mächtige Förderin der Landwirtschaft

erwies sich die Französische Revolution. Sie führte später

zum Untergang des alten Bern (1798). Die Getreidezehnten

und Bodenzinse verschwanden. Damit war die Bahn

zur völlig freien Entwicklung und zu einer neuen «goldenen

Ära» frei. Allerdings wurde die Landwirtschaft nach

wie vor stärker als heute durch die klimatischen Verhältnisse

(lange Winter, verregnete Sommer) beeinflusst. In

dieser Zeit ist der angehende Pfarrer Albert Bitzius bei

seinem Aufenthalt in Herzogenbuchsee durch die bäuerliche

Kultur des Oberaargaus zu Meisterwerken der Weltliteratur

inspiriert worden. Er hat sie unter dem Künstlernamen

Jeremias Gotthelf veröffentlicht.

Als 1848 die moderne Schweiz gegründet wird, sind

die Bauern im Oberaargau frei und selbstbewusst wie

noch nie in ihrer ganzen Geschichte. Aber politisch sind

sie noch nicht organisiert. Sie kümmern sich noch nicht

um die grosse Politik. Die Landwirtschaft kann noch ohne

staatliche Hilfe auskommen.

Doch die neue Zeit mit der Industrialisierung trifft

bald auch die Bauern in Oberaargau. In der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts verursacht die Industrialisierung

und die erste Globalisierung eine schwere Krise in der

Landwirtschaft in Europa, so auch in der Schweiz und

im Oberaargau. Durch die aufkommenden Eisenbahnen

und andere Verkehrsmittel gerät die Landwirtschaft stärker

unter den Einfluss des Weltmarktes. Getreideimporte

aus Gebieten mit günstigeren Produktionsbedingungen

drücken die Preise und gefährden den einheimischen

Getreideanbau. Für die Bauern verschlechtert sich die

wirtschaftliche Lage, und ihr Anteil an der Bevölkerung

geht durch Abwanderung in die Industrie zurück. Bereits

um 1900 machen sie im Oberaargau nur noch rund 30

Prozent der Bevölkerung aus (heute sind es nur noch 7

Prozent). Anders als in den übrigen europäischen Län-

Aare

Solothurn

Bern

Basel

Emme

Rüderswil

Herzogenbuchsee

Signau

Schauplatz des

Schweizerischen

Bauernkriegs

von 1653.

DEUTSCHLAND

Huttwil

Sumiswald

Aarau

Wohlenschwil

Luzern

dern beginnt die Industrialisierung in der der Schweiz nicht

nur in den grossen Städten. Sie setzt früh auch in ländlichen

Regionen ein – auch im Oberaargau. Was nicht nur negative

Folgen hat: In der Schweiz sind auch wegen der besseren

«Verteilung» der Industrialisierung die politischen, wirtschaftlichen,

sozialen und kulturellen Unterschiede zwischen

Stadt und Land kleiner als in anderen europäischen Ländern.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert dominiert

auch im Kanton Bern und im Oberaargau der Freisinn, der

zeitweise sämtliche Bundesräte stellt. Aber in der immer

mehr auseinanderdriftenden Gesellschaft mit Bauern, Beamten

und Industriearbeitern ist es nicht mehr möglich, als

eine umfassende Volkspartei zu agieren. Durch die Sperre

der meisten Zufuhren nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs

im Sommer 1914 tragen die einheimischen Bauern zum

Der Dreissigjährige Krieg bescherte den

Oberaargauer Bauern einen Boom. Händler

aus Deutschland kauften für die Heere alles

Brauchbare zusammen.

Aare

Rhein

Wolhusen

Kleine Emme

Schüpfheim

Escholzmatt

Mellingen

grossen Teil die Landesversorgung. Den Menschen wird bewusst,

wie wichtig auch in Zeiten des stürmischen technischen

Fortschritts und der industriellen Entwicklung die

Landwirtschaft ist und bleibt. Die wirtschaftliche Situation

der Bauern bessert sich zwar, aber die Bauern sind erfüllt

von den Sorgen für die Nachkriegsjahre. Würde man sie

künftig, wenn die kriegerische Bedrohung vorbei ist, wieder

Reuss

Gisikon

Zürich

von den Bauern

kontrollierte

Gebiete

Schlacht

s’Positive 12/ 2016 25


HISTORISCH

Rudolf Minger (1881 – 1955) war

von 1929 bis 1940 Mitglied des

Schweizerischen Bundesrates.

Rudolf Minger, der charismatische Bauer aus

Schüpfen, ist in seiner Wirkung für den

Schweizer Bauernstand, was Fidel Castro für

die kubanische Revolution.

einer Politik der billigen Preise opfern? Konnten sie bei

den Städtern, bei den Beamten und den Arbeitern mit

Dankbarkeit für die während des Krieges geleisteten Anstrengungen

rechnen? Hätte man Verständnis für die

bäuerlichen Anliegen? Würde es zu neuen Krisen und

Preisstürzen wie vor 1914 kommen? Die Bauern erkennen

ihre Unentbehrlichkeit, sie sind selbstbewusst, aber

sie blicken mit berechtigten Sorgen in die Zukunft. Noch

suchen sie ihre Position nicht durch eine politische Einheit

ihres Standes. Die Bauern werden durch persö nliche

Beziehungen, dörfliche Gemeinschaften und die um die

Jahrhundertwende stark aufkommenden landwirtschaftlichen

Genossenschaften zusammengehalten. Sie sprechen

in politischen Angelegenheiten noch nicht eine

Sprache, und der Einfluss auf die grosse, nationale Politik

ist gering.

Am 24. November 1917 findet im «Bierhübeli» in Bern

die Delegiertenversammlung des bernischen Genossenschaftsverbandes

statt. Ein gewisser Rudolf Minger

spricht über «Die wirtschaftliche Lage unseres Landes mit

besonderer Berücksichtigung der Landwirtschaft». Bis

kurz vor Schluss des Vortrages hält er sich eng an das

gestellte Thema. Dann aber nutzt er die Gunst der Stunde

und setzt zu einer Brandrede an, die unsere politische

Landschaft für immer verändern wird. Rudolf Minger ist

in seiner Wirkung für den Bauernstand, was Fidel Castro

für die kubanische Revolution. Der charismatische Bauer

aus Schüpfen ist ein mitreissender Redner (um nicht zu

sagen ein Demagoge) und ruft zur politischen Neuordnung,

zur Gründung einer selbstständigen Bauernpartei

auf. Er erntet im überfüllten Saal gewaltigen Applaus.

Jene, die glauben, dieser Fanfarenstoss eines in der Politik

noch Unbekannten und Unerfahrenen werde ohne

Echo verklingen und bald vergessen sein, irren sich.

Nicht ganz ein Jahr nach Rudolf Mingers Auftritt im

«Bierhübeli» wird am 28. September 1918 die «Bernische

Bauern- und Bürgerpartei» gegründet. Sie wird spätestens

mit dem Beitritt des Gewerbeflügels und der alten

Liberal-konservativen Partei des Kantons Bern als «Bauern-

Gewerbe- und Bürgerpartei» (BGB) von der Opposition

zur «staatstragenden» Kraft im Kanton. Mit Rudolf

Minger zieht die BGB bereits 1929 in den Bundesrat ein

und wird schliesslich 1971 zur Schweizerischen Volkspartei

SVP.

ERFOLGREICHE POLITISIERUNG

In der bäuerlichen Politik, die nun nationalen Einfluss

hat, spielen Vertreter aus dem Oberaargau von allem

Anfang an eine Rolle – von Johann Bösiger (Wanzwil),

Johann König (Madiswil), Jakob Leuenberger (Huttwil),

Paul Rufener (Langenthal), Fritz Meyer (Obersteckholz),

Rudolf Etter (Aarwangen), Walter Egger (Aarwangen),

Hans Will (Richisberg-Ursenbach) bis zu Gottlieb Geissbühler

(Madiswil) – um nur ein paar Herren aus dem

letzten Jahrhundert zu nennen.

Man könnte stundenlang darüber debattieren, ob die

SVP die Interessen der Bauern im Oberaargau und landesweit

heute noch gebührend vertritt oder nicht. Fakt

bleibt: Die Bauern (bzw. die Bäuerinnen und die Bauern)

sind in der Schweiz politisch nach wie vor sehr gut vernetzt

und sehr einflussreich – besser als beispielsweise

der Sport. Diese politische Schlauheit hat auch die Landwirtschaft

im Oberaargau recht gut durch alle Fährnisse

der neuen Zeit, durch den 2. Weltkrieg und durch die

Industrialisierung und die Globalisierung gebracht. Im

Rückblick erkennen wir, wie wichtig diese Politisierung

der Bauern zu Beginn des 20. Jahrhunderts war. Ohne

die Hilfe des Staates wäre ein Überleben in den schwierigen

heutigen Zeiten nicht mehr möglich. Hätte Rudolf

Minger damals im «Bierhübeli» nicht seine flammende

Rede gehalten und das politische Bewusstsein der Bauern

geweckt – wer weiss, ob wir heute im Oberaargau im

November und Dezember Verkaufsausstellungen für

landwirtschaftliche Maschinen hätten. Nach wie vor gilt

ein Sprichwort aus alten Zeiten: «Hat der Bauer Geld,

hat’s die ganze Welt.»

Literatur: u. a. Jahrbuch des Oberaargaus. Verschiedene

Ausgaben. – «Kartoffeln, Klee und kluge Köpfe: Die Geschichte

Ökonomischen Gesellschaft des Kantons Bern»

– «Kampf und Verantwortung: Die bernische BGB 1918

bis 1968».

Fotos: ZVG

26 s’Positive 12 / 2016


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KEVIN SCHLÄPFER

Wie der

HOCKEY-

GOTT

seine Entlassung erlebte

Kevin Schläpfer wurde Mitte

November vom EHC Biel

freigestellt. Wie bringt er nun

seine Welt wieder zum Drehen?

Wie kam es zur Entlassung?

s’Positive fragte nach.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH, KLAUS ZAUGG

FOTOS: MARCEL BIERI

Obwohl er sich als Sportchef des

EHC Biel gleich zweimal selbst

als Nottrainer installiert und

den Klub so jeweils erfolgreich

vor dem Fall in die NLB bewahrt

hatte, trauten ihm viele ein langfristiges,

erfolgreiches Trainerdasein auf höchster

nationaler Stufe nicht zu. Doch die Kritiker

und Zweifler täuschten sich alle. Und zwar

total! Dass er in Biel zum Hockeygott wurde,

verdankt er zwar den beiden mirakulösen

Rettungen der Mannschaft vor dem Abstieg

in die NLB in den Jahren 2009 und 2010.

Doch er trug diese Bezeichnung auch während

seiner sechseinhalbjährigen Tätigkeit

als Headcoach, die ersten drei davon war er

zudem auch noch Sportchef. Er führte die

potenziell limitierte Truppe zudem äusserst

erfolgreich. Dreimal führte Schläpfer den

EHC Biel in dieser Zeit in die Playoffs. Dass

dies beim dritten Mal nicht mehr als Überraschung

gewertet wurde, lag allein am

Coach.

Doch dann kam es zu den Tränen nach

der vom Klub abgelehnten Berufung zum

Nationalcoach. Zudem führte eine Infektionskrankheit

nach einer leichten Sportverletzung

zu einer längeren, starken Beeinträchtigung

seiner Arbeitsfähigkeit. Diese

beiden Ereignisse veränderten alles. Wie ein

Hockeygott seine Entlassung verkraftet, was

genau dazu führte, und wie er seine Zukunft

sieht, verrät uns Kevin Schläpfer im nachfolgenden

Interview.

s’Positive: Nach enorm intensiven Jahren

ist es jetzt so, wie wenn Sie pensioniert

wären. Sie können am Morgen ausschlafen.

Kevin Schläpfer: So einfach ist es nicht. Ich

arbeite jetzt mit Hochdruck daran, dass mein

Knie so schnell wie möglich wieder in Ordnung

kommt. Ich bin täglich in der Therapie.

Doch gleichzeitig ist es notwendig, meine

Batterien mal wieder aufzuladen.

Ihre Batterien waren entladen?

Nach nunmehr 15 Jahren und nach dem

schlechten letzten Jahr war dies so. Nach der

Episode mit der Nationalmannschaft ging es

bergab, und als ich nach der letzten Saison

dachte, es sei nun ausgestanden, sass ich zwei

Monate im Rollstuhl. Danach verschob sich

28 s’Positive 12 / 2016


«Es war falsch, so in die

Saison zu steigen. Bei

den Trainings konnte

ich nicht mehr aufs Eis,

doch ich versuchte zu

zeigen, dass mich das

Handicap nicht stört. »

meine Rückkehr aufs Eis immer wieder. Noch

einen Monat, nochmals zwei, wieder einer,

und so weiter. Wenn wir gewusst hätten, dass

sich die Sache mit meinem Knie derart in die

Länge zieht, hätten der EHC Biel und ich

wohl anders entschieden, und ich hätte die

Saison gar nicht erst angefangen. Im Nachhinein

wissen wir, dass die Voraussetzungen,

das Traineramt erfolgreich ausführen zu können,

durch diese Beeinträchtigung denkbar

schlecht waren. Ich wollte mir nichts anmerken

lassen und trotzdem stark sein.

Aber dann waren Sie nicht mehr authentisch?

Ja, aber das muss man als Trainer gelegentlich

sein. Als Trainer sollten Sie keine Schwächen

zeigen.

Das Leben ist manchmal

eine Baustelle. Kevin

Schläpfer vor seinem

Eigenheim-Neubau in Sissach.

Sie sind jetzt das dritte Mal bei uns im

Interview. Sie haben uns in früheren Interviews

gesagt, Sie würden sich nie eine

Maske anziehen und immer authentisch

sein.

Damals war ich gesund, und jetzt bin ich es

nicht. Ich wollte einfach trotzdem alles geben

und keine Schwäche zeigen.

Sie haben auch immer wieder die Wichtigkeit

der Körpersprache erwähnt. Bringen

Sie eine positive Körpersprache hin,

wenn Sie als Coach an Krücken gehen?

Das kann ich nicht beurteilen. Dafür müsste

ich mich selbst sehen.

Aber es ist doch so, dass Sie eine Schwäche

hatten, die Sie nicht zeigen wollten.

Sie haben sie überspielt.

Ich habe die Schwäche ja gezeigt. Sonst hätte

ich ja die Stöcke weglegen müssen. Aber

wie dies gewirkt hat, müssen andere beurteilen.

Ich versuchte damals einfach zu zeigen,

dass mich dieses Handicap nicht gross

stört.

Es kann ja gar nicht sein, dass Sie so gewirkt

haben, als ob Sie gesund wären. Sie

sassen jeweils auf der Bank, wo Sie früher

gestanden sind.

Es geht sogar noch weiter. Ich bin nicht nur

gestanden, ich ging jeweils auch zur Bande

vor und wieder zurück. Dies war dann wegen

des Knies nicht mehr möglich. Aber das war

noch nicht alles. Ich konnte auch bei den

Trainings nicht mehr aufs Eis. Darum sage

ich ja, dass es falsch war, überhaupt so in die

Saison zu steigen. Doch wir gingen ja alle

davon aus, dass ich viel eher genesen würde.

Schliesslich kam es nach dem Spiel in Zürich

dazu, dass ich zu meinen Vorgesetzten ging

und sagte, dass wir etwas machen müssten.

Aber Sie hatten einen guten Saisonstart.

Ja, wir waren ja trotzdem gut vorbereitet.

So lange es gut läuft, ist eine solche Beeinträchtigung

kein Problem. In dieser Phase

konnte ich den Zug einfach fahren lassen.

Aber den Trainer braucht es vor allem dann,

wenn es schlecht läuft. Als es dann bei uns

schlecht lief, wirkte das Bild, das ich an Krücken

abgab, zusätzlich negativ. Das andere

Ende der Fahnenstange sind die Ligaqualifikationen

in den Jahren 2009 und 2010, als

ich die Mannschaft jeweils in heiklen Situationen

übernahm. Da hat es den Trainer

ebenfalls gebraucht. Aber damals war ich

gesund.

Dann ist also das Pech mit dem Knie verantwortlich

dafür, dass es mit Biel zur

Trennung kam.

Es war einer von zwei Gründen. Der zweite

Grund war, dass nach der Geschichte mit der

Nationalmannschaft, als wir ebenfalls in eine

grosse Krise liefen, alle glaubten, nun

s’Positive 12 / 2016 29


KEVIN SCHLÄPFER

«Ich bin klar der Meinung, dass die

Mannschaft deutlich mehr Potenzial

hat als im Jahr zuvor. Doch ist

es so, dass es schwierig wird, wenn

zwei, drei wichtige Stützen fehlen.

sei es wieder so weit. Die Journalisten stellten

entsprechende Fragen, auch an die Spieler.

Und mit jeder zusätzlichen Niederlage

beginnst du dich etwas mehr zu fragen, ob

die Fragen nicht am Ende sogar berechtigt

sind. Dies hat eine Dynamik entwickelt, aus

der nur sehr schwer wieder herauszufinden

war.

Wie konnte es sein, dass Sie nach dem

guten Saisonstart in diese Krise gerieten?

Wir waren gut vorbereitet. Alle waren gesund

und topmotiviert, und wir kamen gut

aus den Startlöchern. Unsere beste Linie

bestand aus Gaetan Haas, Toni Rajala und

Marco Pedretti. Dann fielen Jacob Micflikier

und etwas später Pedretti aus, die beide ihre

Tore geschossen hatten. Dann begann es mit

der Torproduktion zu harzen. Wir holten

Marc-Antoine Pouliot, einen Spieler, von

dem ich wusste, dass er gut ist. Doch er hatte

zuvor sechs Wochen nicht gespielt und

brauchte erst wieder Spielpraxis. Zudem

geriet Torhüter Jonas Hiller in eine kleine

Baisse. Ich wusste, dass die Mannschaft nicht

dieselbe ist, wie letztes Jahr. Wir haben in

diesem Jahr deutlich mehr Charakter im

Team als letztes Jahr. Hinzu kam, dass Matthias

Rossi wegen seiner Angebote aus Lausanne

und Fribourg ein schlechtes Gewissen

hatte und nicht mehr frei aufspielte. Jetzt,

nach seiner Unterschrift in Fribourg und

nach meinem Abgang, spielt er wieder befreit

auf. Auch Pedretti kam zurück und Pouliot

hat inzwischen genügend Spielpraxis.

Zudem hat Hiller seine Baisse überwunden.

Für mich ist deshalb erklärbar, weshalb der

EHC Biel wieder auf dem Weg nach vorne

ist. Ich bin klar der Meinung, dass die Mannschaft

deutlich mehr Potenzial hat als im

Jahr zuvor. Doch nach wie vor ist es so, dass

es schwierig wird, wenn zwei, drei wichtige

Stützen fehlen. Wir haben nicht die Breite,

wie dies bei den Spitzenteams der Fall ist.

Wir messen sie in diesem Interview etwas

an Ihren Aussagen in unseren früheren

Gesprächen. Sie sprachen damals auch

viel über Energie, die Sie in die Mannschaft

bringen müssen. Konnten Sie dies

zuletzt nicht mehr?

Die Energie fehlte mir zuletzt. Diese Sache

mit dem Knie hat mich mehr gebraucht, als

ich mir eingestehen wollte. Ich beschreibe

Ihnen mal ein Gefühl, das ich an der Bande

hatte: Wenn ich die Schmerzen im Bein spürte,

überlegte ich mir, ob ich wohl nach hinten

sitzen könnte, um etwas zu entlasten. Doch

dagegen sprach, dass dies auf die Mannschaft

wirken könnte, als ob ich resignieren

würde. Mit Verlaub: Ein solches Hin und Her,

solche Gedanken gehören einfach nicht an

ein Spiel. Aber solche Gedanken hatte ich.

Und dies darf nicht sein.

Kevin Schläpfers

Energie war

erschöpft. Jetzt gilt

es, die Batterien

wieder aufzuladen

und zu genesen.

Zumal Sie ja einer sind, bei dem die Körpersprache

so wichtig ist.

Ja, ich spiele ja jeweils fast mit. Und wenn

einer rauskommt, rede ich sofort mit ihm.

Und dann überlegte ich, ob ich wohl lieber

absitze oder nicht. Wenn ich dies jetzt im

Nachhinein analysiere und mir überlege, wie

ich als Sportchef gehandelt hätte, komme ich

auch zu dem Ergebnis, dass gehandelt werden

musste.

Kamen eigentlich aus der Mannschaft Impulse,

dass man mit Ihnen nicht mehr

weiterfahren wollte? Bei vielen Trainerentlassungen

ist es ja so, dass zuvor die

wichtigen Spieler des Teams zusammentreten

und bei der Geschäftsleitung oder

dem Sportchef vorstellig werden.

Dies war in Biel nie der Fall. Und das freut

mich sehr. Das ist umso erstaunlicher, weil

ich in dieser Saison keine Minute mit dem

Team auf dem Eis gestanden bin. Faktisch

war ich ja arbeitsunfähig.

Was war denn so schwierig daran, die

Trainings von der Bande, also von ausserhalb

des Eisfeldes, zu leiten?

Es entsteht eine ganz andere Dynamik, wenn

ich auf dem Eis einen Spielzug unmittelbar

30 s’Positive 12 / 2016


Wie lange seine Pause dauern wird,

weiss Kevin Schläpfer noch nicht.

stoppen und den Fehler gleich kommunizieren

kann. Von der Bande aus muss ich das

Team oder den Spieler immer erst zu mir

rufen. Dann beginnt das Erklären. Dabei

kann es sein, dass der Spieler seinen Laufweg

nicht gleich sah wie ich, und dann kommt es

zu Diskussionen, die es nicht geben würde,

wenn ich auf dem Eis sogleich stoppen kann.

Die Spontaneität und das schnelle Eingreifen

fehlen.

Waren Sie zu sehr Hockeygott, als dass

jemand in Biel sich getraut hätte, Ihnen

zu sagen, dass Sie jetzt mal Pause machen

sollten?

Wie ich schon sagte, rechneten wir alle immer

damit, dass meine Genesung schneller

voranschreiten würde.

Wie ist es für Sie nach all den Jahren, in

denen Sie pausenlos im Eishockey engagiert

waren – zuerst als Spieler, dann als

Sportchef und jetzt als Trainer –, jetzt beschäftigungslos

zu sein?

Am schlimmsten sind die Spieltage. Dann

denke ich jeweils: Jetzt spielt die ganze Nationalliga,

und ich bin daheim. Was mache

ich da? Das stinkt mir, und da spüre ich bereits

wieder das Kribbeln.

«In meinem nächsten Job werde

ich sehr viel Druck haben. Es

wird sehr viel Präsenz auf mich

zukommen und ich werde im

Fokus stehen.»

Wie war es für Sie, entlassen zu werden?

Bisher waren immer Sie es, der entlassen

hat, und zwar jeweils noch in Ihrer Position

als Sportchef.

Es war das erste Mal in meinem Leben, dass

ich entlassen wurde. Und es war hart, obwohl

ich eigentlich wusste, dass es so kommen

würde. Man rief mich an, und ich fuhr

nach Biel im Wissen, ich werde jetzt entweder

entlassen oder man stellt mir ein Ultimatum.

Als mir Sandro Wyssbrod sagte, dass

ich entlassen sei, lief es wie eine Welle durch

meinen Körper hindurch. Das war intensiv.

Aber dann war plötzlich der Druck weg. Und

irgendwie genoss ich dies dann auch ein wenig.

Doch dann kommt der Matchtag, und

du denkst: Druck, hallo, wo bist du? Nervosität,

hallo, wo bist du? Und dann fehlt dir

dies!

Was machen Sie an Spieltagen?

Ich gehe weg. Ich war beispielsweise in

Strassbourg am Weihnachtsmarkt. Für die

Resultate interessierte ich mich erst beim

Zurückfahren.

Nachdem Sie jetzt wissen,

wie sich das Entlassenwerden

anfühlt: Was denken

Sie über die Entlassungen,

die Sie als Sportchef vornehmen

mussten? Würden

Sie nochmals gleich handeln?

Ja. Weil es damals sein musste.

Als ich Heinz Ehlers, den

ich für einen hervorragenden

Trainer halte, entliess, stand

es in der Ligaqualifikation 0:2 gegen uns. Ich

hielt an ihm fest, so lange wie dies irgendwie

verantwortbar war. Das wusste auch Heinz

Ehlers. Ein Jahr später, ebenfalls in der Ligaqualifikation,

fragte ich Kent Ruhnke sogar,

ob er das Gefühl habe, es sei bereits

s’Positive 12 / 2016 31


KEVIN SCHLÄPFER

«Wenn ich wieder ganz

gesund bin, werde ich

offen sein für alles. Dass

die Nationalmannschaft

mein Traumjob ist, hat

sich seit letztem Jahr

nicht verändert.»

Kevin Schläpfer: «Entlassungen

gehören zum Geschäft.»

zwölf, oder erst fünf vor zwölf. Er sagte

selbst, es sei bereits zwölf. Ich habe mit

Heinz Ehlers auch heute noch einen guten

Kontakt. Auch er war mir nie böse wegen

dieser Entlassung. Er weiss, das gehört zum

Geschäft.

Wann wird man Sie wieder an Spielen

sehen?

Ich war bereits in Langenthal, und ich beabsichtige,

an den Spengler Cup zu gehen.

Wie lange halten Sie es aus, keine Mannschaft

zu trainieren?

Das weiss ich nicht, ich bin zum ersten Mal

in dieser Situation. Derzeit gehe ich klar davon

aus, dass ich in dieser Saison keine

Mannschaft mehr übernehmen werde. In

meinem nächsten Job werde ich sehr viel

Druck haben. Es wird sehr viel Präsenz auf

mich zukommen und ich werde im Fokus

stehen. Deshalb muss ich zuerst wieder ganz

gesund werden und meine Batterien füllen.

Sie stehen ja immer noch auf der Lohn liste

des EHC Biel. Was machen Sie, wenn der

EHCB erneut in die Ligaqualifikation muss

und Sie wieder angefragt werden?

Ich werde mich hüten, dazu etwas zu sagen,

obwohl ich dies nach meiner Entlassung zu

den Verantwortlichen in Biel spasseshalber

gesagt habe. Ich hüte mich deshalb, weil ich

bereits einmal – ebenfalls spasseshalber –

gesagt habe, «... ausser, wenn die Nati

kommt.» Und dann kam das Angebot, das

alles veränderte.

Und wenn die Nationalmannschaft wieder

anfragt? Der jetzige Nati-Choach Patrick

Fischer war bisher nicht sonderlich erfolgreich

und war seinerzeit nach Ihnen nur

zweite Wahl.

Dazu äussere ich mich nicht. Aber wenn ich

wieder ganz gesund bin, bin ich offen für

alles. Dass die Nationalmannschaft mein

Traumjob ist, hat sich seit letztem Jahr nicht

verändert.

Sie wurden in der Vergangenheit verschiedentlich

gebeten, an Managementseminaren

Referate zu halten. Würden Sie

diese immer noch gleich halten, oder

müssten Sie diese nach den jüngsten Erfahrungen

umschreiben?

Ich müsste sie nicht umschreiben. Es ging

bei meinen Referaten immer um meinen

Einstieg ins Trainergeschäft, also um meine

Erfahrungen während den Ligaqualifikationen.

Ich würde mich jedoch auf andere Fragen

der Zuhörer einstellen.

Wo liegen eigentlich die Unterschiede

zwischen dem EHC Biel, den Sie in den

beiden Ligaqualifikationen gerettet haben,

und dem EHC Biel, den Sie jetzt verlassen

haben?

Es ist keine Existenzfrage mehr. Und zwar

sowohl für mich nicht als auch für den EHC

Biel. Wäre ich damals gescheitert, hätte dies

für den EHCB ernsthafte Konsequenzen gehabt.

Stellen Sie sich vor, wenn wir damals

wieder abgestiegen wären. Dann gäbe es heute

keine neue Eishalle, und auch sonst wäre

vieles anders. Aber auch meine Laufbahn

wäre völlig anders verlaufen. Vielleicht wäre

ich heute ein Sozialfall. Damals musste ich

ein anderer sein als jetzt. Wenn du um dein

Leben kämpfst, kämpfst du anders. Doch jetzt

sind Organisation und Mannschaft intakt,

und mir selbst geht es ebenfalls gut.

INTERVIEWS

Mehr Schläpfer

Die ersten beiden Interviews mit Kevin

Schläpfer finden Sie in den Ausgaben

6/2015 und 1/2016. Beide Ausgaben

finden Sie auch online unter

www.spositive.ch/archiv

32 s’Positive 12 / 2016


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DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe

Liebes Redaktionsteam

Ich lese das «One-X-Magazin»

bzw «s’Positive» seit seinen

Anfängen. Als SCL-Tigers-Supporter

wurde ich über die Artikel

zum «meinem» Club «angefixt».

Immer wieder erfreut Ihr mich

mit interessanten, verständlich

und süffig geschriebenen Artikeln

zu verschiedensten Themen

aus der Region, Sport, der

Welt oder gar der Philosophie.

Selten bleibt ein Artikel ungelesen,

bevor ich das Heft weglege.

Auch die neue Nummer ist super

mit dem Bericht über

Yvonne Flückiger und ihr Demenzpflegeheim,

das Graphen,

Al Jazeera und das interessante

Ehlers-Interview.

Auch die Rubrik «Wussten Sie

schon» ist immer wieder verblüffend.

Klaus Zaugg zeigt zudem

mit seinen interessanten

und gut geschriebenen «Ausser-Eishockey»-Artikeln,

dass

er auch was anderes kann als

polemisieren ... ;-) (nein, nein,

ich lese auch seine Hockey-Artikel,

bin aber nicht immer einig

mit ihm). Bruno Wüthrich

hat mich von Anfang an mit

guter Schreibe überzeugt.

Ich danke euch vielmals für

diesen monatlichen Input und

hoffe, dass ihr noch lange so

weitermacht!

Über den neuen Namen

«s’Positive» kann man streiten,

aber solange der Inhalt

gut bleibt, ist mir der Name

einerlei.

Markus Blaser Banz,

Oensingen SO

Al Jazeera

Der Bericht über Al Jazeera

war sehr gut! Auch im Übrigen

liegt das Niveau Ihrer Zeitschrift

über dem Durchschnitt.

Dr. phil. I Paul Ehinger,

Oftringen-Küngoldingen

Heimweh-Oberaargauer

Nach dem Lesen eines Stapels

des Magazins bin ich nun begeisterter

Anhänger dieser

Reihe.

Da ich aber im Ausland wohne,

komme ich nicht ohne Weiteres

dazu. Deshalb möchte ich

mich erkundigen, ob es eine

Möglichkeit für Heimweh-

Oberaargauer gibt, das Magazin

im Ausland zu abonnieren.

Christian Leibundgut

Prof. em. am Institut für

Hydrologie IHF - Universität-

Freiburg i. Br.

Ihre Meinung

interessiert uns

Sind Sie mit etwas nicht einverstanden?

Haben Sie Fragen, die auch andere Leser

interessieren könnten? Oder haben Sie eine

Ergänzung zu einem Artikel? Dann schreiben

Sie uns. Ab der kommenden Ausgabe

reservieren wir Platz für Sie.

Oder möchten Sie über ein Thema, das wir

noch nicht gebracht haben, mehr erfahren?

Wir können Ihnen zwar keinen Artikel darüber

garantieren. Aber prüfen werden wir

Ihren Vorschlag ganz bestimmt.

Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt,

wenn wir die Möglichkeit zu Leserreaktionen

bieten. Möglich, dass keine einzige

kommt. Ebenfalls möglich, dass wir

nicht alle Ihre E-Mails und Briefe publizieren

können, und deshalb eine Auswahl treffen

müssen. Werden Sie bitte nicht zu lang.

Sonst müssten wir Ihren Beitrag eventuell

kürzen.

Beiträge mit beleidigenden, diffamierenden,

rassistischen und sexistischen Inhalt werden

nicht veröffentlicht.

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