Autorin - AStA Universität Kassel

asta.kassel.de

Autorin - AStA Universität Kassel

medium 2

zeitung der studierendenschaft kassel

Mai 2012

+ plus

asta uni kassel - Mai 2012

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Impressum

medium²+plus

Zeitung der Studierendenschaft

Nora-Platiel-Straße 2

34127 Kassel

Kontakt: oeffe@asta-kassel.de

Redaktion: Lucas Christoffer, Filip Heinlein,

Thomas Lindwurm, Eva Wagner, Felix Kirsch,

David Visnadi, Anna-Franziska Pfundstein.

Layout & Illustration: Evelyn Wangui

Auflage: 1000 Stk.

Druckerei: dieumweltdruckerei

Bildnachweise: AStA Kassel

V.i.S.d.P.: Allgemeiner Studierdendenausschuss

der Universität Kassel - Organ der Köperschaft

öffentlichen Rechts.

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asta uni kassel - Mai 2012

Der Neue ASTA

Campus wird Blau gelb Schwarz

“Ich finde Kassel gar nicht hässlich,

nur eben anders”

20 Jahre autonomes Schwulenreferat

an der Uni Kassel

Ein Bauprojekt geht baden

Klimmzug

Kulturkalendar

Nizza

fzs - eine un(ge)schön(t)e Betrachtung

Dorothea Viehmann

Konrad

Zivilklausel

Die Georg-Forster-Straße

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Inhaltsverzeichnis

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Gedruckt auf 100% Recyclingpapier


Am 1. März diesen Jahres hat der

neue AStA unter dem Vorsitz von

Lea Heidbreder (GHK) seine Arbeit

aufgenommen. In den insgesamt

acht Referaten, Ökologie, Daten-

und Verbraucher*innenschutz

(Lea Heidbreder), Hochschulpolitik

(Jonas Eickholl), Studium &

Lehre und Erstsemester (Annegret

Montag), Fachschaften und Vernetzung

(Annika Näder), Soziales

(Christin Eisenbrandt), Kultur (Florian

Tennstedt), Finanzen (Sonja

Bartels) und Öffentlichkeitsarbeit

(Anna-Franziska Pfundstein) arbeitet

der AStA an verschiedenen

Themen. Die Referent*innen werden

von Mitgliedern der Koalition

aus der GRÜNEN Hochschulgruppe

(GHK), Kassels unabhängigen

Studierenden (KUS) und der Liste

Witzenhausen*KAWIAR (Kasseler

Witzenhäuser Aktionsrat) sowie

zwei listenlosen Kandidatinnen gestellt.

Für das kommende Jahr hat sich

Der neue AStA 2012

der AStA unterschiedliche Themenschwerpunkte

gegeben. Im Referat

für Hochschulpolitik wird zum Beispiel

mit Hochdruck an dem Thema

„Zivilklausel“ gearbeitet (Siehe Artikel,

Seite 22). Außerdem möchte

Jonas Eickholl zusammen mit dem

Kulturreferat, die Fußball EM 2012,

die im K19 übertragen wird, kritisch

begleiten. Lea Heidbreder arbeitet

unter anderem an Projekten zum

Datenschutz und zur Nachhaltigkeit

auf dem Campus (siehe Artikel zum

Abfallkonzept, Seite 4). Ihre Sachbearbeiterin

Dina Groetzner, die für

den Bereich Mobilität zuständig ist,

arbeitet an der Mobilitätsumfrage,

die derzeit unter den Studierenden

der Uni Kassel läuft und deren Ergebnis

Verhandlungsbasis für das

Semesterticket sein soll. Christin Eisenbrandt

setzt sich im Referat für

Soziales für die Einrichtung einer

psychosozialen Beratungsstelle ein.

Im Referat für Öffentlichkeitsarbeit

wurde in den vergangenen Wo-

Anna-Franziska Pfundstein ist 24 Jahre alt und studiert im 8. Se-

mester Mathematik und Musik auf Lehramt. Als Mitglied der GRÜNEN

Hochschulgruppe ist sie seit dem 1.03.12 Referentin für Öffentlichkeit-

sarbeit im AStA. Dort setzt sie sich für die Verbesserung der Kommuni-

kation zwischen den Studierenden und dem AStA ein. Denn die schlech-

te Wahlbeteiligung im Januar hat gezeigt, dass der AStA mit seinen

Ideen noch stärker auf die Studierenden zugehen muss.

chen an der Erstellung einer neuen

Homepage gearbeitet, die jetzt

online ist. Unter www.asta-kassel.

de findet ihr alles zur aktuellen Arbeit

des AStA, könnt euch über die

vielen verschiedenen Angebote des

AStA informieren und euch über

die Kontaktformulare auch direkt

an die Referent*innen wenden.

Du hast Stress mit deiner Professorin/

deinem Professor? Komm

in den AStA, wir stehen für deine

Rechte ein!

Du hast Probleme mit der Studienfinanzierung

oder zerbrichst am

Unistress? Komm in den AStA, wir

haben ein offenes Ohr!

Du möchtest eine Veranstaltung

zur politischen Bildung organisieren

und brauchst Hilfe bei der Umsetzung?

Komm in den AStA, wir

stehen dir mit Rat und Tat zur Seite!

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Autorin

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Campus wird blau-gelb-schwarz

Anfang 2013 soll ein neues Abfallkonzept an der Uni Kassel umgesetzt werden

Last but not least zwei AStA-Abfall-Angebote:

Auch im AStA stehen ab sofort Sammelboxen für alte CDs, leere Tonerkartuschen, Handys und

Batterien im Eingangsbereich bereit, sodass du problemlos auch diese Art von Sondermüll entsorgen

kannst. Schau einfach mal vorbei. Die weitergehende Frage zum Abfallkonzept ist zudem, wie der

Müll nicht nur besser getrennt, sondern von vornherein vermieden werden kann. Ein riesiger Berg

von Müll auf dem Campus entsteht täglich durch die Coffee-to-goBecher. Als Alternative verkauft

der AStA bei Infoständen oder im Büro Thermobecher, die in den Cafeterien des Studentenwerks

aufgefüllt werden können. Damit kannst du problemlos von einer zur nächsten Vorlesung gelangen,

ohne nur ein wenig zu verschütten. Und vor allem: Ohne Müll. Bist du dabei?

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Am Unistandort Holländischer Platz

wird es dem Studierenden bisher

nicht leicht gemacht, seinen Müll ökologisch

vorteilhaft zu trennen. In den

öffentlichen Räumen stehen lediglich

Restmüllbehälter zur Abfallentsorgung

bereit. Und so landet alles,

ob Apfelrest, Plastikverpackung oder

Brötchentüte in der nächstliegenden

Restmülltonne. Das wirft kein gutes

Licht auf die sich sonst mit ihrem Umweltprofil

so schmückende Uni. Doch

das soll sich spätestens 2013 ändern.

Seit 2009 wird unter Leitung des Betriebsbeauftragten

für Abfall ein neues

Abfallkonzept erarbeitet, dass ökonomische

und ökologische Vorteile

mit sich bringen soll.

In der ersten Phase des Projekts wurde

eine erste Bestandsaufnahme durchgeführt:

Wie viel Müll welcher Art wird

wann produziert? Von wem? Und wo

ergibt sich Einsparpotential? Schon

nach der ersten Analyse konnten Gelder

im Wert von über 6000 Euro jährlich

allein durch die Verbesserung von

Behältergröße und Abfuhrterminen

eingespart werden.

Rund 180 to Restabfall und 80 to Altpapier

landen der Analyse nach jährlich

auf dem Campus Hopla im Müll.

Viel Müll in den Restmüllbehältern ist

dabei jedoch gar kein Restmüll, son-

dern enthält Stoffe wie Papier oder

Plastik, die getrennt hätten recycelt

werden können.

So soll ab 2013 eine bessere Trennung

möglich werden. Es soll ein erweitertes

Angebot an Sammelbehältern in dreigliedriger

Form zur Verfügung stehen,

sodass nach gelber (Leichtverpackung

mit grünem Punkt), blauer (Altpapier)

und schwarzer Mülltonne (Restmüll)

getrennt werden kann. Durch ein Informationskonzept

und einzelne Aktionen

soll auf das Thema aufmerksam

gemacht werden und damit verstärkt

die Vermeidung und Trennung von

Abfällen gefördert werden.

Dieses Projekt soll für öffentliche Räumen,

zu denen u.a. Hörsäle, Seminarräume,

Flure und WCs zählen und nutzerindividuelle

Räume wie Büros oder

Labore, umgesetzt werden, wobei bei

letzteren in den Teeküchen die Restabfälle

und Leichtverpackungen gesammelt

werden. Hinzu kommt eine

verbesserte Logistik durch die Einführung

von Wertstoffpavillons und

zentralen Containerplätze, welche

die Transportwege verkürzen und die

Aufbewahrung vereinfachen sollen.

Das Ganze ist als Pilotprojekt auf dem

Campus Hopla geplant, und soll bei

erfolgreicher Umsetzung auf andere

Standorte ausgeweitet werden.

Und dann heißt es spätestens ab

Sommer 2013: Eins...zwei...oder drei

Lea Heidbreder (Grüne Hochschulgruppe) ist die Vorsitzende des neuen AStA. Sie

ist Referentin für Ökologie, Mobilität und Verbraucher*innenschutz. Die Psychologiestudentin

setzt sich so für das Thema Nachhaltigkeit auf dem Campus und im

studentischen Alltag ein. Dazu gehören Themen wie der Ausbau des Recyclingpapier-Angebots

an der Uni, Energieeffizienz auf dem Campus und ein erweitertes

Bio-Angebot in der Mensa. Als AStA-Vorsitzende kümmert sie sich um die interne

Koordination und Verwaltung des AStA und plant und leitet die wöchentlich stattfindenden

AStA-Sitzungen. Auch extern ist sie aktiv, setzt sich für die Interessen der

Studierenden ein und vertritt diese politisch nach außen.

– In welche Mülltone wird mein Müll

geworfen?!

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Autorin

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„Ich finde Kassel gar nicht hässlich,

Wer zum Studium nach Kassel zieht, womöglich noch aus einer „echten“

Großstadt, der ist zumeist wenig angetan vom dörflichen Charme

der Stadt und der ganz eigenen Ästhetik von Königsplatz, Stern oder

der Gegend um den Hauptbahnhof. Gerade die Studenten, die täglich

nach Kassel pendeln, sehen auf dem Weg zum Hopla selten mehr als

überfüllte Trams und die triste Kasseler Innenstadt.

Dabei hat Kassel mit seinen unterschiedlichen Stadtteilen viel mehr

zu bieten! Wir haben Euch nach Euren Lieblingsplätzen in der Stadt

gefragt und auch einige kritische Stimmen eingefangen. Lasst Euch

inspirieren und verratet uns Eure Geheimtipps!

Sophie, 23, studiert Englisch und Französisch

auf Lehramt

„Zu meinen Lieblingsplätzen in Kassel gehört

die Mutter in der Nordstadt, weil dort die

beste Musik läuft und auch Rauchen erlaubt

ist. Schade finde ich, dass das Kasseler Fulda-

Ufer nicht besser genutzt wird; dort fehlen

zum Beispiel Cafés und Sitzecken.“

Die Mutter findet Ihr in der Bunsenstr. 15. Sophies

liebste Veranstaltung ist das regelmäßig

stattfindende Kingsize Casino.

asta uni kassel - Mai 2012

Ruth, 23, studiert Landschaftsarchitektur und kommt aus

Estland „Mir gefallen Kassels grüne Flecken, wie z.B. die

Goetheanlage, wo ich gerne spazieren gehe. Im Weinbergkrug,

wo man vor allem Studenten aus der nahegelegenen

Kunsthochschule trifft, kann man sich super unterhalten. An

Kassel nervt mich der viele Verkehr, es könnte ruhiger sein.

Ich finde Kassel gar nicht hässlich, nur eben anders. Es gibt

viele schöne Ecken und hier leben interessante Menschen.“

Der Weinbergkrug in der Frankfurter Str. 54 hat dienstags

bis donnerstags von 20-2 Uhr sowie freitags und samstags

von 20-4 Uhr geöffnet.

Christian, 35, studiert Germanistik und Philosophie

„Wenn ich mich nach Ruhe sehne, gehe ich

in die Karlsaue. Im dortigen Vogelschutzgebiet

kann man ungestört lesen oder einfach nur

träumen. An Kassel stört mich, dass man immer

lange Wege zurücklegen muss, um von A nach

B zu gelangen. Auch eine klassische Innenstadt

fehlt mir.“


nur eben anders“

Alina, 22, studiert Englisch und Spanisch auf Lehramt

„Zu meinen Lieblingsbars in Kassel zählen die Lolibar und das A.R.M - für mich

die einzigen Läden Kassels mit guter Musik. Im Vorderen Westen gehe ich gerne

in den Ulenspiegel. Mich nerven das geringe Selbstbewusstsein der Kasseler und

dass ich als Einheimische die Stadt immer wieder verteidigen muss, meistens

vor Leuten, die sowieso pendeln und sich nicht auf Kassel einlassen. Ich glaube,

dass sich die Stadt in diesem Jahr anlässlich der documenta verändern wird, die

Stimmung wird gut sein.“ Der Club A.R.M. und die Lolitabar sind in der Werner-

Hilpert-Str. 22 ansässig. Alina hat noch einen Geheimtipp: Die Baya Central Bar,

deren Adresse sie lieber nicht verraten möchte…

Dave, 26, studiert Soziologie

„Das coolste und gar nicht spießige Viertel

Kassels ist für mich die Nordstadt. In der Gottschalkstraße,

um den Schlachthof und im Nordstadtpark

trifft man immer interessante Leute.

Da ich aus der Fachwerkstadt Wernigerode komme,

vermisse ich in Kassel vor allem geschichtsträchtige

Gebäude. Andererseits ist das eben der

typisch kühle Charme Kassels.“

Der Schlachthof befindet sich in der Mombachstr.

10-12 und bietet ein abwechslungsreiches

Konzertprogramm.

Eva Wagner ist 23 Jahre alt und studiert English and American Studies mit

Nebenfach Französisch im 6. Semester sowie Kunstwissenschaft und

Germanistik im 4. Semester. Sie ist selbst zugezogen und wohnt erst April

in Kassel. In ihrer freien Zeit ist sie vor allem in der Pralinenwerkstatt

(Friedrich-Ebert-Str. 85) oder in einem der Kasseler Programmkinos

Lilo, 20, Praktikantin

„Ich kann das Frühstück samt Wohnzimmeratmosphäre im Westend

Café empfehlen. Direkt nebenan befindet sich Bashis Delight, wo

man ein leckeres Mangolassi trinken kann. Den besten Espresso gibt

es im Café Gegenüber. Kassels Innenstadt ist leider nicht so schön,

der Vordere Westen gefällt mir besser.

Westend Café: Elfbuchenstr. 19, Bashis Delight: Elfbuchenstr. 18,

Café Gegenüber: Dörnbergstr. 11

anzutreffen.

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Autorin

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Seit 1992 setzt sich das autonome

Schwulenreferat für die Belange

schwuler und bisexueller Menschen

sowohl innerhalb als auch außerhalb

der Uni ein. Unser Anliegen war und

ist es, die Emanzipation von Schwulen

und Bisexuellen in der Gesellschaft

voranzutreiben. Das war nicht

immer leicht, denn die Widerstände,

uns als gleichwertige Mitglieder der

Gesellschaft anzuerkennen, sind groß

und noch heute nicht überwunden.

Dem Startschuss des Referats ging

bereits ein Kampf voraus. Nur mit einer

Raumbesetzung gelang der damaligen

schwulen Arbeitsgruppe die

Gründung des Schwulenreferats. Danach

folgten fast 10 Jahre erfolgreicher

Arbeit. Das autonome Schwulenreferat

hat seitdem auch die Funktion

eines Schutz- und Kennenlernraums

für Homosexuelle und es wurde mit

viel Engagement der damaligen Referenten

Jahr für Jahr eine umfassen-

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20 Jahre Autonomes

Schwulenreferat

an der Uni Kassel

de Bibliothek mit wissenschaftlichen

Werken aufgebaut, die interessierten

Studierenden viele Informationen

über Themen wie z.B. geschlechtliche

Identität für ihre Haus- oder Abschlussarbeiten

liefert. Das autonome

Schwulenreferat überstand dann eine

Krise in der Zeit um 2001, als der damalige

AStA, angeführt von den Jusos,

das autonome Schwulenreferat

abschaffen wollte. Es blieb aber dank

der geschickten Arbeit des damaligen

Referenten nur beim Verlust der Autonomie

gegenüber dem Stupa und wir

konnten unsere Arbeit bis in die Gegenwart

fortsetzen.

Ich kam 2006 als Zeitarbeiter ins

Schwulenreferat und lernte dort interessante

Menschen und Freunde kennen.

Ich bekam die Möglichkeit, mich

zu engagieren, was mir viel Selbstvertrauen

gegeben hat. Auch wurde ich

zu einem zweiten Bildungsweg ermuntert,

weswegen ich nun Student

und zudem auch noch Referent im

autonomen Schwulenreferat bin. Ich

habe dem vieles zu verdanken und

glaube daher, dass das Schwulenre-

Sascha Apazeller ist bereits seit dem 3.12.10 Referent im autonomen Schwulenreferat

und befindet sich jetzt in seiner zweiten Amtszeit. Neben seinem Engagement

im Schwulenreferat studiert er Nanostrukturwissenschaften im 2. Semester.

Das Autonome Schwulenreferat vertritt die Interessen schwuler und bisexueller

Studenten an der Uni Kassel. Neben geselligen Grill- und Spieleabenden ist das

autonome Schwulenreferat geprägt von kultureller und politischer Arbeit, zu deren

Mitgestaltung ihr jeder Zeit herzlich eingeladen seid.

Sprechzeiten: Dienstag 09:00-11:00 Uhr

Queeres Forum: Dienstag 17:00-21:00 Uhr

Spieleabend: Donnerstag 19:30-22:00 Uhr

ferat ein einzigartiger sozialer Ort ist,

den es zu erhalten gilt. Seine Existenz,

wie auch unsere große Bibliothek

steht auf dem Spiel, wenn wir demnächst,

wie vor etwa 4 Jahren vom

damaligen AStA und der Uni geplant,

in ein Minibüro des neuen HCC umziehen

müssen.

Nach vielen interessanten wie auch

schwierigen Jahren und trotz düsterer

Aussichten für die Zukunft gibt es

dieses Jahr einen guten Grund zum

Feiern. Die erste Feier ist eine Queer-

Party im K19 und findet symbolisch

am 19.5. statt, da an diesem Tag das

autonome Schwulenreferat eingeweiht

wurde. Die zweite Veranstaltung

findet am 22.6. im Gießhaus statt. Dort

wird es von 10-16 Uhr eine Ausstellung

geben, die anhand von Fotos

und Dokumenten über die Geschichte

des autonomen Schwulenreferats berichtet.

Dort werden auch ehemalige

Referenten zu Gast sein, die als Zeitzeugen

über die bewegten Zeiten berichten

können. Danach gibt es eine

große gesellige Grillfeier am Abend

vor dem Schwulenreferat.

+ Autor


Ein Bauprojekt geht baden – Wir

Was auch immer unsere Landesregierung

bewegt haben mag, wieder

einmal an der Bildung zu sparen, wird

sich wohl nicht klären lassen. Bedenklich

jedoch ist es, wenn man den Geldhahn

während der fortschreitenden

Bauarbeiten zudreht. Was bleibt der

Hochschulverwaltung, wenn statt zugesagter

Millionen nur noch Grundwasser

in ein Bauprojekt einfließt,

welches entscheidend dazu beitragen

sollte die katastrophale Raumsituation

am HoPla-Campus zu entspannen?

„Umdenken!“ meint Professor Gacetta

Njus-Ehntèe, Inhaberin des Lehrstuhls

für Anatidologie am Fachbereich 08

und begeistert die Verantwortlichen

kaufen uns ein Millionenloch!

der Universität und der Stadt mit einer

gleichermaßen unkonventionellen wie

simplen Idee:

„Die vorhandene und gründlich gegen

Einstürze abgesicherte Baugrube

wird uns bleiben, bis die Mittel der

Landesregierung irgendwann weiterfließen;

die städtischen Bauprojekte

Stadtbad-Mitte und Auebad können

nicht rechtzeitig fertiggestellt werden

und es mangelt an Ersatzkapazitäten.

Was also würde näher liegen, als aus

der Not eine Tugend zu machen und

im Documentajahr 2012, beziehungsweise

im Jahr der Grünen Hochschule

das Bauprojekt nicht nur sprichwörtlich

baden gehen zu lassen? Bereits

Fakten rund ums Hörsaal und Campus Centers (HCC):

Auf dem ehemaligen Mitarbeiterparkplatz neben der Zentralmensa soll das HCC

bis Anfang 2014 fertig gestellt werden. Für die geplanten Baukosten von 31,6 Mio €

soll dies sechs Hörsäle mit einer Gesamtkapazität von 2400 Plätzen und acht Seminarräume

zur Verfügung stellen. Darüber hinaus sollen sämtliche Beratungs- und

Serviceeinrichtungen des Studienservices, Studentenwerks, AStAs und des International

Office darin untergebracht werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten am

Campus-Nord soll das, vom Berliner Architekturbüro raumzeit entworfene und durch

das Sonderinvestitionsprogramm HEUREKA finanzierte, Gebäude die neue Mitte der

Universität darstellen.

zur Mitte des Sommersemesters 2012

könnte der weltweit größte Campus-

Schwimmteich seinen Betrieb aufnehmen

und gleichermaßen als innerstädtisches

Naherholungsgebiet, als

auch zur Bereicherung des angrenzenden

Nordstadtparkes dienen.“

Der medium² zugetragene Informationen

berichten von Zusagen verschiedener

am Projekt Nordstadtbad

Beteiligter: Während die Stadt Hygiene-

und Umkleideeinrichtungen in

Modulbauweise bereitstellen möchte

und die Universität die nötigen

Aquakulturen plant und einrichtet,

will sich die Studierendenschaft mit

studentischen Hilfskräften beteiligen.

Um diese Chance einer möglichen

Refinanzierung von weiteren Raumkapazitäten

zu nutzen, stellte der AStA

bereits Anfang März einen Bademeister

als Sachbearbeiter im Kulturreferat

ein.

Es ist zwar ein netter Gedanke sich

von einem Tag in überfüllten Veranstaltungsräumen

an einem Badesee

zu entspannen, aber kann es sein,

dass auch dieser ein wenig zu klein

geraten wird?

„Plitsch, Platsch wünscht Euer N.T.“

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+ Du

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willst mehr über das Projekt Klimzug erfahren

Weitere Informationen findest du unter:

http://www.klimzug-nordhessen.de/

http://www.youtube.com/user/KLIMZUGNordhessen

http://www.facebook.com/KLIMZUG.Nordhessen

Außerdem könnt ihr euch den Newsletter von Klimzug abonnieren oder eine der zahlreichen öffentlichen

Veranstaltungen besuchen, wie z.B. das zwei Mal jährlich stattfindende Regionalforum,

das nächste Mal am 11. Oktober 2012.

asta uni kassel - Mai 2012

KLIMZUG – Klimaanpassung

auf nordhessisch

Im Fachbereich ASL wurde 2011 im Rahmen des Klimzug-Projekts eine Klimafunktionskarte

entwickelt. Diese zeigt unter anderem das Hitzestressniveau, welches im Jahr 2030 in Nordhessen

herrschen könnte. Diese und viele andere Karten findet ihr unter http://www.uni-kassel.de/hrz/

db4/extern/umet/cms/KLIMZUG_Nordhessen.html


Klimawandel ist ein globales Problem,

doch die Anpassungsmöglichkeiten

an diesen müssen regional funktionieren.

Mit diesem Ansatz wird beim

Projekt KLIMZUG-Nordhessen gearbeitet.

KLIMZUG steht für Klimawandel

zukunftsfähig gestalten und ist ein

Bundesprojekt, welches innerhalb von

5 Jahren in 7 verschiedenen Modellregionen

das Thema Klimaanpassung

behandelt. Eine dieser Modellregionen

ist Nordhessen und gemeinsam

mit einigen anderen Institutionen und

Unternehmen beteiligt sich auch die

Uni Kassel an vielen der insgesamt 27

Teilprojekten.

„Der Klimawandel betrifft auch Nordhessen“

erklärt Marcus Steffens, Projektkoordinator

von Klimzug. „Zwar

wird Nordhessen nicht direkt durch

den steigenden Meeresspiegel oder

das Abschmelzen der Gletscher bedroht,

doch Klimaflüchtlinge, die Zunahmen

von Hitzewellen, die Bildung

von Hitzeinseln in Städten oder Extremwetterereignisse

sind nur einige

von vielen Folgen, die auch hier durch

einen Wandel des Klimas entstehen

werden.“

KLIMZUG-Nordhessen arbeitet transdiziplinär

bei der Entwickelung der

Anpassungsmöglichkeiten. Das heißt,

dass in den Projekten nicht nur geforscht

wird, sondern auch diese direkt

in der Region umgesetzt werden. So

wurde in Kassel im Vorderen Westen

z.B. ein Hitzenpräventionsnetzwerk

gemeinsam mit dem Gesundheitsamt

Region Kassel eingerichtet. „Im Sommer

2003 gab es 30.000 Hitzetote in

Europa, 7000 davon in Deutschland.

Wir haben ein Hitzetelefon eingerichtet.

Alte Menschen können sich dort

anmelden und werden telefonisch

informiert, wenn ein heißer Tag bevorsteht,

gleichzeitig erhalten sie entsprechende

Verhaltenstipps. Daneben

betreiben wir weitere Aufklärung zu

den Gefahren von Hitzewellen.“ erklärt

Steffens das Netzwerk. In Eschwege

wurde ein anderes Projekt realisiert.

Dort wurde an 2 Haltestellen, ein Sonnenschutz

angebracht, statt der üblichen

gläsenernen Oberfläche.

Doch nicht nur Hitze ist ein Problem

mit dem die Region Nordhessen zu

tun haben wird. Auch extreme Niederschläge

sind schon heute eine Folge

des Klimawandels und führen zu

Ernteeinbußen in der Landwirtschaft.

Hierzu wurde am Standort Witzenhausen

ein Zwei-Kultur-Nutzungssystem

entwickelt, welches darauf setzt

dass auf einem Feld zwei verschiedene

Pflanzensorten angebaut werden.

Bei extremen Wetterereignissen kann

möglicherweise eine der beiden Kulturen

geschädigt werden, selten betrifft

es jedoch beide.

Dies sind wenige von vielen Beispielen,

die durch KLIMZUG Nordhessen

zur Modellregion werden lassen. 2013

läuft die Bundesförderung für das Pro-

Lucas Christoffer ist 23 Jahre alt und studiert Politikwissen-

schaften im 8. Semester. Er ist bei der GRÜNEN Hochschul-

gruppe und war im letzten AStA Referent für Ökologie und

jekt aus, doch dies soll laut Steffens

nicht das Ende sein: „Die verschiedenen

Partner sollen Klimaanpassung

als eigenes Thema entdecken und das

Netzwerk soll auch nach 2013 weiterarbeiten.

Schon jetzt sind gerade

an der Uni Kassel zahlreiche Projekte

vertreten, welche sich in dem Kompetenzzentrum

CliMa (Climate Change

Mitigation and Adaptation) bündeln.“

Nicht im Mittelpunkt steht für KLIM-

ZUG dagegen der Klimaschutz. „Wir

werden vom Bund dafür gefördert,

Lösungen zur Klimaanpassung zu entwickeln,

berücksichtigen hierbei aber

natürlich Synergien und Konflikte mit

den immer noch dringend notwendigen

Klimaschutzmaßnahmen. Klimaschutz

und Klimaanpassung lassen

sich nur zusammen denken und zusammen

umsetzen. Für den Klimaschutz

existieren zudem auch vielfältige

andere Bundesprojekte, an denen

sich das Kompetenzzentrum für Klimaschutz

und Klimaanpassung auch

rege beteiligt. Klimaschutz ist heute

noch genau so wichtig wie die vorsorgende

Anpassung - wir haben also

nicht kapituliert.“ so Steffens.

Mobilität.

+ Autor

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Jetzt am Meer sein…Wer kennt ihn

nicht, diesen sehnsüchtigen Gedanken,

bei strahlendem Sonnenschein

ins kühle Nass zu springen?

Manchmal werden (Tag-)Träume zu

ungewöhnlichsten Zeiten Wirklichkeit.

Denn in Nizza gab es in diesem

Jahr tatsächlich schon im Januar erste

Frühlingsgefühle. Verkehrte Welt

könnte an meinen. Doch gestört hat

es nicht. So verging die Klausuren-

+

phase wie im Flug. Zugebenerma-

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Der Bachelorstudiengang “Berufsbezogene Mehrsprachigkeit” der Deutsch-Französischen

Hochschule (DFH) ist eine Kooperation der Universitäten Kassel und Nizza, der bei erfolgreichem

Bestehen mit einem Doppeldiplom (BA of Arts und Licence LEA) abgeschlossen wird. Das

erste Jahr absolvieren die Studierenden an ihrer jeweiligen Heimatuniversität, das zweite Jahr

gemeinsam in Kassel und das dritte abschließend in Nizza.

Die Kooperation ist allerdings nun beendet und in Kassel ist es nicht mehr möglich ein Studium

der Berufsbezogenen Mehrsprachigkeit aufzunehmen.

asta uni kassel - Mai 2012

Abenteuer Europamobilität –

Anfang Was will man mehr?

Nizza, 9. April. 2012, Sarah Maria Kaiser

Bachelor Kassel-Nizza

ßen, sieben Klausuren in einer Woche

sind eher suboptimal, doch das sind

wir Bachelorstudierende ja gewohnt.

Darüber hinaus verwenden die französischen

Universitäten ein anderes

Leistungsbewertungssystem. Es gibt

maximal 20 Punkte zu erreichen, mit

10 Punkten hat man bestanden und

erhält die sogenannte „Moyenne“,

also den Durchschnitt. Außerdem ist

es möglich, die einzelnen Fächer untereinander

auszugleichen, sprich, die

5 Punkte in englisch-französischer

Übersetzung mit den 15 Punkten in

der französisch-deutschen Übersetzungsklausur

verrechnen und somit

wieder auf die Moyenne kommen.

Dies nimmt einem den Druck, jede

Klausur bestehen zu müssen. Dieses

Verrechnungsprinzip gilt auch semesterübergreifend.

So habe ich durch

mein gut bestandenes 5.Semester

nun ein kleines „Polster“ für die bald

anstehende Klausurenphase des letzten

Semesters.

Ich stehe mit meinem Studium kurz

vorm Abschluss - bald ist er vorbei,

der Bachelor. Einerseits hat es doch

gerade erst angefangen, das Studium

und ich frage mich: wo ist die Zeit geblieben?

Doch andererseits habe ich

so viel erlebt, gerade durch das Entdecken

zweier neuer und gleich so unterschiedlicher

Städte wie Kassel und

Nizza, dass ich mich nicht zu wundern

brauche. Von Nordhessen an die Côte

d’Azur: “nach Regen kommt Sonnenschein?“,

fragte ich mich vor einigen

Monaten. In der Tat kann ich das jetzt

so unterschreiben, doch Ausnahmen

bestätigen ja bekanntlich die Regel.


Von Nordhessen an die Côte d’Azur:

“nach Regen kommt Sonnenschein?“,

fragte ich mich vor einigen Monaten.

In der

Tat kann ich das jetzt so unterschreiben,

doch Ausnahmen bestätigen

ja bekanntlich die Regel. Denn nach

den ersten Frühlingsverheißungen im

Januar, folgte im Februar eine Kältewelle

mit recht interessanten Auswirkungen.

Eines etwas weniger schönen,

grauen, verregneten Tages ging das

Gerücht um, es herrsche „schneefrei“

in Nizza. Schneefrei am Mittelmeer?

Ja, durchaus! Grund für Schulausfälle

und weitere Störungen war tatsächlich

eine Schneewarnung in den Bergen.

Im ganzen Departement fuhren

daher die Busse nicht mehr und wir

erfreuten uns eines freien Tages. Der

„Schnee“ war eigentlich nur Nieselregen,

aber wir wollen ja nicht kleinlich

sein.

So hat jeder Ort seine ihm ganz eigene

Art und Weise mit den klimatischen

Gegebenheiten umzugehen -

dies gilt natürlich auch für politische,

historische und soziale.

Für mich als Deutsche in Frankreich ist

es sehr spannend, den Lauf der Dinge

zu verfolgen.

Etwa den deutsch-französischen Beziehungen,

die ja in den vergangenen

Monaten viele Schlagzeilen machten.

Die medialen Wellen hier in Frankreich

schlugen hoch und immer höher,

wohingegen die deutsche Presse eher

bei leichter Brise segelte.

Es war stets von „Merkozy“ die Rede,

doch man munkelt, ein „Sarkel“ wäre

den Franzosen lieber gewesen. In

Kabarettsendungen deklarierte man

Merkel kurzerhand als „Présidente de

la République“, so stark wurde ihre

politische und wirtschaftliche Dominanz

empfunden. verhältnismäßig

guten Start in den Wahlkampf haben

die Grünen (Europe Écologie Les

Verts) erheblich an Fahrt verloren und

liegen nun wie die gaullistische Gruppe

„Débout la République“ und die

„Nouveau Parti Anticapitaliste“ ganz

weit hinten in den Umfragen. Doch es

bleibt spannend, denn Umfragen sind

so eine Sache, ganz genau wissen wir

es erst am 22.April.

Und die deutsch-französischen Beziehungen

im Alltagsleben?

Unsere WG ist eigentlich vorbildlich,

perfekt gegendert und zudem

paritätisch was die Muttersprachen

der Bewohner betrifft. Zwar erfüllen

wir nicht die Kriterien einer richtigen

„L’Auberge espagnole“, doch abwechslungsreich

ist der Alltag trotzdem.

Der zunehmend heißer werden

Präsidentschaftswahlkampf wird dann

nicht selten abends beim Aperitif mit

Rotwein und Käse diskutiert. Ein kleines

Wort zum Thema Klischees ist

hier nicht mehr nötig - der Vorsatz ist

selbstredend. Nicht selten bekommen

wir Deutschen in Diskussionen ein

„vous, les allemandes…“ zu hören. Das

gibt mir ein bisschen zu denken. Denn

irgendwie scheint man im Ausland ja

schon sein Heimatland zu repräsentieren,

auch wenn man damit nicht

durch den gleichen Patriotismus verbunden

ist, wie es viele Franzosen mit

ihrem Land sind. Auch ein heißes Thema,

denn an dieser Stelle divergieren

Nach zwei Jahren in Kassel studiert unsere „Auslandskorrespondentin“

Sarah Maria Kaiser nun im dritten Jahr Berufsbezogene Mehrsprachigkeit

in Nizza. Sie berichtet ab und zu über die universitären, sozialen, geographi-

schen, kulturellen und politischen Erfahrungen, die dieser Perspektivwechsel

so mit sich bringt. Manches verwundert und irritiert, anderes empört und

verärgert – einige Dinge relativieren sich, weitere entwickeln sich.

die Meinungen häufig stark.

Ein bisschen banalere Auseinandersetzungen

drehen sich etwa um den

Kampf Baguette vs. Vollkornbrot. Von

dem Wohlgeschmack des letzteren

lassen sich die Franzosen schwerlich

überzeugen. Umgekehrt ist es ihnen

allerdings gelungen, uns den Genuss

eines guten Weins nahezubringen.

Denn die gastronomische Kultur

ist auch in Zeiten von globalisierter

Fast-Food Omnipräsenz noch erhalten

geblieben und das ist gut so. Die

Zeit am sonnigen Mittelmeer neigt

sich dem Ende zu, es geht wieder in

kältere Gefilde. Das wird sicher ungewohnt.

Zwar hab auch ich schon den

Winter in Kassel mit bis zu -20 Grad

erlebt, doch nun friert man hier bei 5

Grad und fragt sich, wie die Leute in

Deutschland überleben – der Mensch

ist ein Gewohnheitstier. Doch glücklicherweise

kamen wir im März nach

der „Kältewelle“ wieder voll auf unsere

Kosten. Das zwar noch etwas frische

Meer lud zum Baden ein und beim

Herumlümmeln am Strand gab es

dann auch prompt den ersten Sonnenbrand.

Doch Obacht, man sollte

sich nicht zu früh freuen, denn „der

April macht was er will“, bzw. das französische

Äquivalent: „en avril, ne te

découvres pas d’un fil“. Es bleibt abzuwarten,

wie es weitergeht… in vielerlei

Hinsicht.

Am Meer zu leben ist ganz wunderbar,

aber Veränderung tut immer gut.

Drum heißt es nun vorerst:

Was will man Meer? Auf zu neuen

Ufern!

+

Autorin

asta uni kassel - Mai 2012

15


fzs - eine un(ge)schön(t)e Betrachtung

+ Die

Einem lahmen Pferd soll man Wasser

und Zuspruch geben - aber was macht

man mit einem toten Esel?

Ein Sachverhalt, der vermutlich den

allerwenigsten Studierenden in Kassel

bewusst ist: Wir alle sind Mitglied

im fzs, dem „freien zusammenschluss

von studentInnenschaften“. Der fzs ist

ein studentischer Dachverband, der

überparteilich die Interessen aller Studierenden

auf Bundesebene vertritt,

indem er beispielsweise auf einzelne

Hochschulen oder die Bundesregierung

einwirkt und so verschiedenste

16

Der fzs ist die Vertretung der Studierenden in der

Bundesrepublik. Kein anderer Verein oder Verband

vertritt soviele Studierende wie der fzs. Vor

allem der demokratische Aufbau des Vereins sichert

eine Teilhabe der Mitgliedshochschulen. Die

einzelnen Studierendenvertretungen können den

Verband auf demokratische Art und Weise gestalten.

Das Studierendenvertretungsarbeit auf

Bundeseben Geld kostet ist klar, doch 0,80€ im

Semester für eine anständige Vertretung gegenüber

der Bundesregierung ist angemessen. Die

Juso-Hochschulgruppe steht für eine weitere

Vertretung der Kasseler Studierenden durch den

fzs e.V

asta uni kassel - Mai 2012

Vorhaben und Entscheidungen beeinflusst.

Eigentlich eine wunderbare Sache,

denn davon profitieren auch die Kasseler

Studierenden, etwa indem Studienbedingungen

verbessert oder

BAföG-Erhöhungen beschlossen werden

– doch leider nur in der Theorie.

Praktisch ist der fzs schon seit einigen

Jahren handlungsunfähig und wird

seinem eigenen Anspruch nicht annähernd

gerecht. Daher hat der AStA der

Universität Kassel sich im letzten Jahr

aktiv dafür eingesetzt, den Verband

grundlegend zu reformieren und

Piraten Hochschulgruppe spricht sich für eine

starke Vernetzung der Studentenvertretungen

untereinander aus und steht einem entsprechenden

Zusammenschluss daher grundsätzlich positiv

gegenüber. Ob diese Aufgabe vom FZS oder

ggf. einer alternativen Studentenvereinigung am

Besten übernommen werden kann, müsste jedoch

im Einzelfall geprüft werden. Auf jeden Fall

müssten vor einem etwaigen Austritt mindestens

gleichwertige Alternativen vorhanden sein, eine

„krampfhafte Flucht“ aus dem FZS würden wir

daher ablehnen.

diesen Prozess im Sinne der Studierenden

kritisch zu begleiten. Dieses

Vorhaben ist innerhalb des fzs am Widerstand

einiger weniger, aber dafür

einflussreicher Personen gescheitert.

Der Grund hierfür liegt auf der Hand:

Es ist wesentlich einfacher einen toten

Esel zur Befriedigung von Individualinteressen

zu missbrauchen, als

stattdessen altruistisch einem lahmen

Pferd auf die Beine zu helfen. Die Aufgabe

der überparteilichen Interessenvertretung

ist sowieso schon längst

nichts mehr als leeres Geschwätz;

Die GRÜNE Hochschulgruppe spricht sich für einen

bundesweiten Dachverband aller Studierendenvertretungen

aus, um auf Bundesebene die

Interessen der Studierenden zu vertreten. Leider

erfüllt der fzs aus unserer Sicht diese Aufgabe

nicht! Der Verband beschäftigt sich häufig mehr

mit internen Kleinkriegen und versäumt es dadurch,

sich in aktuelle bundeshochschulpolitische

Debatten einzuschalten. Dies hatte bereits

zahlhreiche Austritte zur Folge, so dass aktuell

nicht mal mehr 1/3 aller Studierendenvertretungen

noch in diesem Dachverband Mitglied sind.


in Wahrheit ist der Verband seit geraumer

Zeit fest in der Hand des Juso-

Bundesverbandes, dessen Protagonisten

den fzs schamlos für ihre eigene

Karriereplanung missbrauchen. Nicht

zuletzt daher sind alle Ansätze, den

Verfall des fzs aufzuhalten, im Ansatz

stecken geblieben. Das ist zwar schade,

aber eigentlich auch kein Grund

diesem belanglosen Verband gleich

einen eigenen Artikel zu widmen.

Denn auch in einem toten Dachverband

Mitglied zu sein würde ja nicht

übermäßig schaden, wenn die Kasseler

Studierenden dafür nicht jährlich

16.400 € zahlen müssten – eine

maßlose Geldverschwendung! Das

inhaltliche Betätigungsfeld des fzs ist

ohnehin sehr eng bemessen, denn

Hochschulen sind Sache der Länder,

nicht des Bundes. Wirklich wegweisende

Entscheidungen werden hier

fast nie getroffen.

Eine dieser seltenen Gelegenheiten

bietet sich jedoch zurzeit an, denn bisher

ist es dem Bund untersagt, sich an

der Grundfinanzierung der Hochschulen

zu beteiligen. Dieses sogenannte

„Kooperationsverbot“ ist aktuell im

Begriff aufgehoben zu werden. Doch:

Der fzs hat dazu keine Meinung! Vor

lauter eitler Selbstbeschäftigung ist

es dem Verband selbst nach über einem

halben Jahr Vorbereitungszeit

nicht gelungen, zu diesem Thema

eine eigene Position zu entwickeln.

Zu einem möglicherweise anstehenden

Bundeshochschulgesetz bleibt

Finanziell getragen wird der Verband dabei von

weniger als 5% der Studierendenschaften. Mit

16.000 Euro jährlich beansprucht die Mitgliedschaft

im FZS zudem einen der größten Haushaltsposten

des Kassler AStA. Aus diesem Grund

haben wir in den letzten Jahren mehrfach versucht

den Verband zu reformieren, leider lehnen

allerdings die meisten Mitgleider des fzs einen

solchen Reformgedanken grundsätzlich ab. Wir

möchten dah er eine öffentliche Diskussion über

die weitere Mitgliedschaft im fzs oder einen möglichen

neuen Dachverband anregen und setzen

uns für eine entsprechende Urabstimmung unter

den Studierenden der Uni Kassel ein.

die Stimme der Studierenden ungehört.

Eine einmalige Gelegenheit ist

hier fahrlässig vergeben worden, und

auch diese Untätigkeit ist ein weiterer

Beleg dafür, dass der fzs seine Daseinsberechtigung

verloren hat. Selbst

wenn es dem fzs doch noch gelingen

sollte, diesen skandalösen Zustand zu

beseitigen, ist es mehr als fraglich, ob

die Bundesregierung dieses tote Tier

überhaupt wahrnehmen würde.

Bei aller berechtigten Kritik gibt es

genau eine Sache, die im fzs hervorragend

funktioniert: Die Selbstverwaltung.

Als seien alle dringlichen

Menschheitsprobleme bereits gelöst,

werden die Mitgliederversammlungen

für ausgiebige Debatten beispielsweise

darüber verwendet, welche Studierenden

alle nicht für den fzs-Vorstand

kandidieren dürfen, wie Vereinsname,

Satzung oder Geschäftsordnung am

korrektesten geschlechtergerecht gestaltet

werden müssen, welche Hochschulen

innerhalb des Verbandes wie

viel Einfluss haben dürfen, und

welche am besten erst gar nicht Mitglied

werden sollten. Denn entgegen

dem eigenen Anspruch sind nur eine

deutliche Minderheit der Hochschulen

Mitglied im fzs. Der überwiegende

Mehrheit wird entweder die Mitgliedschaft

aus parteipolitischen Gründen

aktiv verwehrt, oder sie ist inzwischen

zu der Einsicht gelangt, zu der auch

die Kasseler Studierenden gelangen

sollten: Eine Mitgliedschaft ist sinnlos,

ein solch wenig zielführendes Gehabe

nicht unterstützenswert!

David Visnadi ist 25 und studiert im

10. Semester Musik und Germanistik

auf Lehramt. Im letzten Jahr war er als

listenloser Referent im AstA für den

Bereich Fachschaften und Vernetzung

zuständig. Inzwischen ist er Mitglied der

“Die Anfrage nach einer Stellungnahme blieb bei den anderen Hochschulgruppen leider ohne Antwort.”

Grünen Hochschulgruppe.

Die Schlussfolgerung kann nur eine

sein: Ein Verbleib der Kasseler Studierendenschaft

in einem dermaßen

ineffektiven Verband ist eine fahrlässige,

nicht zu rechtfertigende Geldverschwendung.

Dieser unerträgliche

Zustand muss dringend behoben

werden! Besagte 16.400 € würden

beispielsweise entweder direkt an

unserer Universität, in der LandesAStenKonferenz

oder auch in einem besseren

(noch zu gründenden) Dachverband

eine vielfach größere Wirkung

entfalten. Dem toten Esel namens fzs

weiterhin Geld in den Rachen zu stopfen

kann jedenfalls keine Alternative

sein.

+ Autor

asta uni kassel - Mai 2012

17


+

18

asta uni kassel - Mai 2012

Dorothea Viehmann –

Die Märchenerzählerin

Bildquelle: http://www.google.de/imgres?imgurl=http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8e/Dorothea_Viehmann.JPG/220px-Dorothea_Viehmann.

JPG&imgrefurl=http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Viehmann&h=216&w=220&sz=16&t

bnid=BrXiUu2sd4B_yM:&tbnh=90&tbnw=92&prev=/search%3Fq%3Ddorothea%2Bviehmann

%26tbm%3Disch%26tbo%3Du&zoom=1&q=dorothea+viehmann&docid=va39StWdVUDBO

M&hl=de&sa=X&ei=ySyPT5vwC8bb4QT9l6C3Dw&sqi=2&ved=0CDsQ9QEwAQ&dur=57


Jeder kennt sie: Die Gebrüder Grimm.

Ihre Märchen sind weltweit bekannt

und beliebt und in jedem Kinderzimmer

zu finden. Doch kaum einer weiß,

woher die Grimms ihre Märchen eigentlich

her haben. Es gab viele Personen,

die den Grimms Erzählungen

lieferten und eine von ihnen ist Dorothea

Viehmann aus der Nähe von

Kassel.

Dorothea wurde 1755 im Gasthaus

„Zum Birkenbaum“, auch unter dem

Namen Knallhütte bekannt, als Tochter

des Gastwirtes geboren. Ihr Vater

Johann Friedrich Isaak Pierson

stammte aus einer hugenottischen

Familie, die als Flüchtlinge nach Hessen

kamen, wohingegen ihre mütterlichen

Ahnen bis auf Goethe zurückgehen.

Sie wuchs in der Knallhütte

auf, die zugleich Brauerei und Gasthof

war. Im Jahre 1777 heiratet Dorothea

den Schneider Nikolaus Viehmann

und zog mit ihm zusammen nach

Niederzwehren, wo sie bis zu ihrem

Tod lebte.

Durch Zufall lernte sie die Gebrüder

Grimm 1813 kennen und besuchte

die beiden häufig in ihrem Haus in

der Marktgasse. Sie erzählte ihnen

rund 40 Geschichten, darunter „Die

zwölf Brüder“ und „Der Teufel mit

den drei goldenen Haaren“, und lieferte

ihnen Ergänzungen zu anderen.

Es heißt, in der Vorrede des zweiten

Bandes der Kinder- und Hausmärchen

der Grimms, dass Dorothea niemals

den Hergang ihrer Erzählungen

ändere und mit einer Sicherheit und

lebendigen Sprache erzähle. Sie behielt

jede Einzelheit einer Geschichte

im Gedächtnis und konnte sie ohne

Schwierigkeiten wiedergeben. Dies

machte sie zu einer außergewöhnlichen

Märchenerzählerin. In der Vorrede

zum zweiten Band der Kinder-

und Hausmärchen von 1815, setzten

die Grimms ihrer Märchenerzählerin

ein schriftliches Denkmal und erwähnten

sie ausdrücklich. Zudem war

es den Brüdern wichtig, dass Dorothea

aus dem einfachem Volk stammt

und nicht wie andere ihrer Märchenbeiträger

aus dem Adel oder gebildetem

Bürgertum. Mit ihren Märchen

wollten sie echte alte hessische

Sagen und Mythen niederschreiben

und Dorothea verkörperte dieses ursprüngliche.

Der Bruder der Grimms,

Ludwig Emil, malte sie und setzte ihr

somit zu dem schriftlichen, auch ein

bildliches Andenken. Am 17. November

1815 starb Dorothea im Alter von

60 Jahren in Niederzwehren. Somit

Saskia Corleis ist 21Jahre alt und studiert Germanistik und Politik-

wissenschaften auf Bachelor. Auch sie ist mit Grimms Märchen auf-

gewachsen und ist dem Ursprung der Geschichten und ihrer engen

Verbindung zu Nordhessen auf den Grund gegangen.

hielt ihre Arbeit mit den Grimms nur

zwei Jahre lang an. Ein Grab gibt es

nicht, jedoch eine Gedenktafel auf

dem Friedhof von Niederzwehren. Im

Stadtteil Schöneberg von Hofgeismar

wurde ihr, aufgrund ihrer hugenottischen

Vorfahren, ein Denkmal errichtet.

Zudem befindet sich am Brauhaus

„Knallhütte“ in Baunatal-Rengershausen,

indem eine als Dorothea verkleidete

Schauspielerin jeden Samstag

ab 17.30 Uhr Märchen erzählt, ein

Dorothea-Viehmann-Brunnen. Wer

sich folglich mit den Grimm’schen

Märchen beschäftigt, kommt um Dorothea

Viehmann nicht herum.

+

Autorin

asta uni kassel - Mai 2012

19


Was ist grün und steht am Straßenrand?

Wer jetzt denkt, dass es in diesem

Artikel um schlechte Witze geht,

der liegt falsch, denn die Antwort

ist: Konrad. Seit Monaten haben es

Plakate in der ganzen Stadt angekündigt

und seit ein paar Wochen ist

es nun da, das neue Fahrrad-Verleihsystem.

Rund 500 Fahrräder stehen

in ganz Kassel an knapp 50 Stationen

bereit und warten nur darauf, bewegt

zu werden. Jeder, der nun Lust

auf eine Fahrradtour hat oder schnell

von A nach B kommen möchte und

dabei die Umwelt schonen möchte,

kann nun hier lesen wie es geht. Und

das Tolle: Studierende der Universität

Kassel müssen für die ersten 45

Minuten nichts bezahlen, da sie mit

ihrem Semesterbeitrag das Konrad-

+

System mit je einem Euro unterstüt-

20

asta uni kassel - Mai 2012

zen. Für alle Smartphone-Nutzer

gibt es natürlich auch eine kostenlose

Konrad-App: So kann ein Konrad

noch schneller per GPS gefunden

und entliehen werden. Anrufe oder

Eingaben am Terminal sind dann

nicht mehr erforderlich.

„Die Voraussetzung für die Nutzung

ist, dass sich die Studenten, die Konrad

nutzen möchten, vorab im Internet

unter www.konrad-kassel.de

registrieren“, erklärt Theresa Maiwald

vom Straßenverkehrsamt Kassel.

„Dabei wird die Matrikelnummer

abgefragt, über dessen Abgleich der

Student auch als solcher erkannt

wird.“ Bei der Anmeldung muss man

außerdem aber seine Kontodaten

angeben. Sobald man ein Rad dann

länger als die freien 45 Minuten aus-

Konrad

leiht, bezahlt man den Normaltarif,

pro angefangene 30 Minuten 0,50 €.

Innerhalb von 24 Stunden kann der

Betrag zehn Euro also nicht übersteigen.

Wenn man ein Rad dann leihen will

ruft man mit seinem Handy, dessen

Nummer man am besten während

des Anmeldens registrieren lässt,

kurz die Nummer an, die auf dem

Schlossdeckel steht. Dann ertönt

eine kurze Ansage, man muss die

eins drücken und wenn das Gespräch

beendet ist kann man das Schloss

öffnen und die Fahrt kann losgehen.

Um abzuschließen und das Fahrrad

wieder abzugeben muss man nur

eine Station aufsuchen, das Fahrrad

abstellen und wieder abschließen.

Hierbei solltet ihr noch sichergehen,

dass auf dem Display auch tatsächlich

die Rückgabe-Bestätigung steht.

Es ist allerdings auch möglich, mal

eine Pause zu machen ohne das Rad

gleich zurückzugeben.

Dina Groetzner ist die Sachbearbeiterin für Mobilität im AStA und damit auch für Fragen

rund um Konrad Ansprechpartnerin. Ihr erreicht sie unter semesterticket@asta-kassel.de.

Bald wird es auch einen Flyer geben mit allen Informationen für Studierende der Universität

Kassel. „Konrad ist auf dem Campus sehr im Gespräch, überall sehe und höre ich die davon“,

erzählt sie. Dass nun mehr Kassler mit dem Rad fahren, sei auch für die allgemeine Akzeptanz

von Radfahrern auf der Straße wichtig. „Autofahrer sind oft sehr rücksichtslos. Wenn jetzt aber

mehr Radfahrer unterwegs sind, werden sie vielleicht endlich als Verkehrsteilnehmer auf der

Straße akzeptiert.“


Einfach das Fahrrad abstellen, den

Sperrbolzen durch beide Schlosshälften

schieben und den Sperrknopf drücken,

und zwar nicht an einer Station.

Daraufhin wird euch euer persönlicher

Öffnungscode kurz auf dem Display

angezeigt. Den braucht ihr, um das

Fahrrad danach wieder zu entsperren.

Die Zeit läuft während der Pause aber

trotzdem weiter.

Wichtig ist: In der Zeit, in der ihr ein

Fahrrad leiht, gehört es quasi Euch

und ihr haftet auch dafür. Wer sich

sein Fahrrad während der Ausleihzeit

klauen lässt, weil er es nicht abschließt

und es trotzdem stehen lässt, muss für

den Schaden aufkommen. Das gilt für

alle fahrlässigen und mutwilligen Beschädigungen.

Um sich darüber genau

zu informieren, sollte aber jeder

Nutzer selbst einen Blick in die AGB

werfen.

Einen Überblick über die Stationen

gibt es im Internet oder über die

mobile App: Ob Königsplatz oder

Rathaus, Kirchweg oder im Druseltal,

am DEZ oder in der Waldau, Kassel

kann jetzt per Rad erobert werden.

Und wer sich beim immer schöner

werdenden Frühlingswetter auf eine

ausgiebige Fahrradtour begeben will,

kann in Nordhessen viele schöne Ziele

entdecken. Wem es an einem Reiseziel

mangelt, oder wer Angst hat,

dass sich das Wetter bis zur Rückfahrt

ändert, der kann ja mal einen Blick in

eine alte Ausgabe der medium² werfen:

Der Artikel „Warum in die Ferne

schweifen“ zeigt die tollsten Ziele

im Semesterticket-Bereich: Mit dem

Rad hin und bei schlechtem Wetter

-oder Erschöpfung- mit dem Rad in

der Bahn zurück, einfacher geht es ja

wohl kaum. Der Artikel ist auch online

zu finden, unter http://medium.astakassel.de

– Kultur.

Viele neue Möglichkeiten bietet

Konrad also. Nur, wer jetzt an eine

der großen grünen Werbungen von

Konrad denkt, dass man auch zwei

Personen auf einen Account buchen

kann und NVV-Ticket-Codes einlösen

kann, um länger günstiger fahren zu

können, wird leider enttäuscht: Diese

Angebote gelten für Studenten nicht.

„Bei diesem sehr günstigen Angebot,

zu dem die Studierenden Konrad nutzen

ist das einfach nicht möglich“, erklärt

Maiwald.

Marie-Louise Merz ist 21 Jahre alt und studiert im 4. Semester English and

American Studies und Germanistik. In den vergangenen Semesterferien konnte

sie Erfahrungen bei der Frankfurter Rundschau machen und sich bei der

Arbeit an einer überregionalen Tageszeitung einbringen. Ihr Fahrrad in

Kassel hat sie erst zwei Mal benutzt und wer das platte Land kennt, findet

die Kasseler Berge mit dem Rad nicht so attraktiv. Aber mit dem

praktischen Konrad-System kann man ja auch nur bergab fahren ;-)

+

Autorin

asta uni kassel - Mai 2012

21


Wird die wissenschaftliche Freiheit in Lehre und

Forschung durch eine Zivilklausel eingeschränkt?

Ein oft hervorgebrachtes Argument

gegen eine richtige Zivilklausel in

der Grundordnung von Universitäten

ist, dass Lehre und Forschung dann

nicht mehr frei seien. Insbesondere,

weil durch ein Leitbild auferlegt,

die Erforschung bestimmter Themen

ausgeschlossen wird. Das ist ein

schwerwiegender Vorwurf und muss

ausgeschlossen werden, wenn für die

Festschreibung einer Zivilklausel im

Selbstverständnis einer Universität

eingetreten wird.

Eine Zivilklausel ist ein Absatz in dem

Leitbild einer Universität, worin diese

sich verpflichtet, aktiv für die friedliche

Entwicklung der Gesellschaft einzutreten

und ausschließlich zu zivilen Zwecken

zu forschen. Eine Formulierung

für Kassel könnte beispielsweise lauten:

“Die Lehre an der Universität Kassel

ist dem Frieden verpflichtet und

folgt nur zivilen Zwecken“

Nun steht das Argument im Raum,

dass ein solcher Satz im Leitbild der

Universität, die dort Lehrenden und

Forschenden in ihrer wissenschaftlichen

Freiheit einschränkt. Diese Argumentation

lässt sich entkräften, indem

wir einen Blick in das Grundgesetz

werfen. Insbesondere Artikel 1 – „Die

Würde des Menschen ist unantastbar“

und Artikel 26 – „Das Verbot von Angriffskriegen“

sind in diesem Zusammenhang

interessant. In ihnen ist fest-

Jonas Eickholl ist seit dem 1.03.12 der neue Referent für Hochschulpolitik im

AStA. Eigentlich ist er als Student der ökologischen Agrawissenschaften am

Standort Witzenhausen eingeschrieben. Die Hauptaufgabe des Referats für

Hochschulpolitik ist es, politische Entwicklungen innerhalb und außerhalb der

Hochschule kritisch zu begleiten und gegebenenfalls durch Artikulation und Vertretung

studentischer Interessen, zu reagieren. Zudem vertritt er die Interessen

der Studierendenschaft der Universität Kassel auf Landes- und Bundesebene und

sorgt für eine Vernetzung mit den Asten der anderen Hochschulen. Neben dem

Thema Zivilklausel steht dieses Jahr im Referat unter anderem auch die Vorbereitung

und inhaltliche Begleitung der Urabstimmung über eine Fortführung

der Mitgliedsschaft der Studierendenschaft der Universität Kassel im fzs an.

22

asta uni kassel - Mai 2012

geschrieben, dass 1. „die Würde des

Menschen unantastbar ist; 2. Diese zu

schützen und zu achten Verpflichtung

aller staatlicher Gewalt ist; 3. alle Menschen

die in Deutschland leben sich

zu unverletzlichen und unveräußerlichen

Menschenrechten als Grundlage

jeder menschlichen Gemeinschaft,

des Friedens und der Gerechtigkeit in

der Welt verpflichten und 4. jegliche

Handlungen, die geeignet sind und

in der Absicht vorgenommen werden,

das friedliche Zusammenleben der

Menschen zu stören, insbesondere die

Führung eines Angriffskriegs vorzubereiten,

verfassungswidrig sind und

unter Strafe stehen. Eine Zivilklausel

stellt daher keine Einschränkung der

Freiheit von Lehre und Forschung dar,

sondern unterstreicht lediglich die

Grundsätze des Grundgesetzes.

Zu nennen ist an dieser Stelle auch

dass Denninger-Argument. Denninger

ist ehemaliger Professor aus Baden

Württemberg, der ein Rechtsgutachten

über eben diese Auseinandersetzung

geschrieben hat und belegt,

dass eine Zivilklausel klar vereinbar

mit der Freiheit von Wissenschaft und

Forschung ist.

Nun könnte die Frage aufkommen,

warum brauchen wir dann noch eine

Zivilklausel, wenn das eh schon im

Grundgesetz geregelt ist? Universitäten

(und da nimmt sich die Universi-

?

tät Kassel da sie dem schwarz-gelben

hessischen Hochschulpakt 2011/15

unterworfen ist nicht aus) unterliegen

verstärkt dem Wettbewerb um

Drittmittel. Professuren werden teilweise

direkt durch einzelne Firmen

finanziert, welche dann versuchen an

diese Finanzierung Bedingungen zu

knüpfen. So geschehen gerade an

der Universität Bremen, wo das Unternehmen

OHB AG (Orbitale Hochtechnologie

Bremen) angeboten hat,

eine Professur zu finanzieren. Diese

Finanzierung hat die OHB AG aber an

die Bedingung geknüpft, dass Bremen

seine seit 1986 bestehende Zivilklausel

aufgibt. Wenn eine Universität sich

diesem ökonomischen Diktat beugt,

dann ist die Freiheit von Lehre und

Forschung wirklich bedroht! Denn

dann wird die gesamtgesellschaftliche

Verantwortung für nachfolgende

Generationen und für ein friedliches

Miteinander geringer geschätzt als

das kurzfristige, ökonomische Interesse

eines Unternehmens, welches

durch den Export von Tod und Leid in

alle Welt seinen Profit erwirtschaftet.

In Bremen hat sich der Universitäre

Senat diesem Diktat glücklicher weise

nicht gebeugt. Ob die Universität

Kassel sich durch eine wirkliche Zivilklausel

zum Grundgesetz bekennt, ist

bisher leider offen! Mehr Informationen

zur Zivilklausel in Kassel findest

du unter www.zivilklausel-kassel.info

?

+ Autor


Gerade zu Beginn des Semesters sieht

man die Studenten oft plan- und

ziellos auf dem Campus herumirren.

Mit Angaben wie NP1, Diagonale 12

oder Systembau kann nicht jeder auf

Anhieb etwas anfangen. Um den Studenten

etwas Orientierung zu bieten,

wurden die Wege und Straßen auf

dem Campus meist nach Persönlichkeiten

benannt – Straßennamen, wie

sie in vielen Städten üblich sind. Doch

wer steckt denn hinter den Namen

unserer Uni? Ein kleiner Blick auf die

Namenspaten.

Georg Forster, (1754 – 1794), lebte

zwar noch nicht einmal 40 Jahre, dennoch

hat er viel miterlebt und mehrere

berühmte Personen seiner Zeit kennen

gelernt. Geboren als Sohn eines

Theologen und Naturwissenschaftlers,

kam er schon früh in den Genuss

von Reisen und Expeditionen. Nachdem

sein Vater nach England übergesiedelt

ist, erweiterte Forster nicht nur

seinen Sprachschatz, sondern wirkte

auch schon im Alter von 13 Jahren an

wissenschaftlichen Arbeiten mit.

Ein Höhepunkt seines Lebens war

wohl die zweite Weltumseglung 1772

des berühmten Captain James Cook.

Forster, damals erst 17 Jahre alt, bekam

die Chance gemeinsam mit seinem

Vater die Welt zu umsegeln und

alle Forschungen aufzuzeichnen. Diese

Expedition dauerte 3 Jahre.

1778 kam er nach Kassel und unterrichtete

am Collegium Carolinum bis

1784. In dieser Zeit lernte er viele

Personen der Aufklärung kennen, wie

Kant und Herder, aber auch Schriftsteller

wie Goethe und Lessing. Er

selbst war auch in diesem Bereich tätig.

Nachdem er auf einer seiner Reisen

durch Frankreich in Paris zur Zeit

der Revolution ankam, schloss er sich

den Revolutionären an. Der Grund:

Französische Truppen zogen 1792 in

Mainz ein, in dem Forster Bibliothekar

der Universität war. Ein Jahr später

ging er wieder zurück nach Paris,

um die Eingliederung Mainz in die

französische Republik zu fordern. Danach

blieb ihm die Heimreise nach

Deutschland verwehrt und er starb

1794 in Paris an den Folgen einer Lungenentzündung.

Forsters Nachwirken in Kassel ist heute

noch zu erkennen. Die Georg-Fors-

Die Georg-Forster-

Felix Kirsch ist 27 Jahre alt und studiert

PoWi und Psychologie. Seit ungefähr einem Jahr

schreibt er in der medium²

über das Uni-Leben und den Campus.

Daher auch dieser Artikel. Denn nach

mehreren Jahren Studium sollte man

sich nicht Fragen: “Warum hieß diese

Straße eigentlich so?”

Straße

ter-Gesellschaft in Kassel, gegründet

1989, setzt sich heute noch für dessen

Ideale und Ziele ein. Beispiele sind:

• die uneingelösten Ansprüche der

Aufklärung,

• die Verbindung von distanzierter

theoretischer Perspektive in allem

und rückhaltlosem politischen Engagement,

• die Brechung des gelehrten

Zunftzwanges,

• die Verbindung von anthropologischen,

ethnologischen, literarischen

und geschichtskritischen

Interessen,

• die Kritik an zerstörerischer Naturausbeutung

durch Rückbesinnung

auf einen produktiven

Naturbegriff im Sinne Georg Forsters,

• das Weitertragen des Vermächtnisses

einer unverkürzten emanzipatorischen

Spontaneität,

• die Stiftung einer dialogfähigen

republikanischen Öffentlichkeit.

Die Georg-Forster-Straße verläuft

vom blauen Tor zwischen IT-Zentrum

und dem Maschinenbaugebäude in

die Tiefgarage der Bibliothek.

+ Autor

asta uni kassel - Mai 2012

23


24

asta uni kassel - Mai 2012

Lesen und Zurücklegen

Wenn du die Zeitung fertig gelesen hast und nicht mit nach Hause nehmen möchtest,

dann lege sie doch bitte in den Auslageständer in der Mensa zurück. So erreichen wir

auch mit einer kleinen Auflage viele Student*innen.+

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