Haftpflicht - Nassau Versicherungen

nassauversicherungen

Haftpflicht - Nassau Versicherungen

NASSAU MAKLERINFO Juli 2010

Wissen,

was den Markt

bewegt.

Der Spezialist für Haftpflicht und Krisenmanagement


Editorial

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Konjunktur scheint sich weiter erholt zu haben. Bundesfinanz-

minister Wolfgang Schäuble blickt laut Onlineartikel des

Manager Magazines vom 04.07.2010 optimistisch in die Zukunft

und spricht von einem Wendepunkt. Denn momentan werden

die Weichen für den Ausstieg aus den gigantischen Hilfspaketen

gegen die Wirtschaftskrise gestellt. Bis zum Jahr 2014 soll die

Neuverschuldung weit mehr als halbiert werden. Ein positiver

Trend wird für die Folgejahre erwartet.

In dieser zweiten Ausgabe der Maklerinfo im Jahr 2010

berichtet Frank Huy, Abteilungsleiter Haftpflicht zunächst über

„Facility Management – eine Wachstumsbranche mit

spezifischen Haftungsrisiken.“

Die Abteilung Schadenmanagement informiert Sie über die

Haftungsfalle Selbstanzeige, wobei auf den Erwerb diverser

Steuer-CD’s durch einzelne Bundesländer und den Bund einge-

gangen wird, der die strafbefreiende Selbstanzeige in den Mittelpunkt

der laufenden Beratung von Steuerberatern und mit

Steuerrecht befassten Rechtsanwälten gerückt hat.

Aus dem Bereich Krisenmanagement diesmal ein Beitrag zu den

tatsächlichen Risiken bei Produktrückrufen, mit einem Rückblick

auf den Nassau Maklerdialog, der am 10.06.2010 in den

Räumen des Business Club Hamburg stattfand.

Auch das Regionalbüro Nord reflektiert in seinem Artikel die

am 22.04.2010 stattgefundene Veranstaltung zu Haftungs- und

Deckungsthemen im Bereich der verkammerten Berufe.

Ab Seite 15 lesen Sie mehr über das erfolgreiche Geschäftsjahr

2009 bei der Nassau Verzekering Maatschappij N.V., bevor wir

Ihnen eine Vorschau auf interessante Termine im zweiten Halb-

jahr geben.

Wir wünschen Ihnen eine erholsame Urlaubszeit und viel Freude

bei der Lektüre.

Ihr

Arnold A. Pit

Hauptbevollmächtigter

Juli 2010

Nassau Maklerinfo

Themen der 7. Ausgabe

Haftpflicht SEITE 3-7

Facility-Management

Frank Huy

Dipl.-Betriebswirt

Mitglied der Geschäftsleitung

Abteilungsleiter Haftpflicht

Schadenmanagement SEITE 8-10

Haftungsfalle Selbstanzeige

Richard Harder

Rechtsanwalt

Senior Claims Specialist

Schadenmanagement

Krisenmanagement SEITE 11-13

Die tatsächlichen Risiken

bei Rückrufen

Thomas Pache

Dipl.-Ing./Dipl.-Wirtschaftsing.

Leiter

Regionalbüro Nord

Regionalbüro Nord SEITE 14

Bei Anruf - Haftung

Holger Witthaus

Senior Underwriter Haftpflicht

Regionalbüro Nord

Niederlassungsleitung SEITE 15

Jahresrückblick 2009

Arnold A. Pit

Hauptbevollmächtigter

Niederlassung Deutschland

Termine SEITE 16

Impressum SEITE 17


Haftpflicht

„Jeder 10. Erwerbstätige ist mittlerweile

im Facility-Management beschäftigt.“

Frank Huy

Dipl.-Betriebswirt

Mitglied der Geschäftsleitung

Abteilungsleiter Haftpflicht

Facility-Management – Eine Wachstumsbranche mit spezifischen Haftungsrisiken

„Betonierer und Schrubber“ titulierte die Immobilienzeitung einen Artikel über den deutschen Facility-

Management-Markt und skizzierte hiermit die Wurzeln der führenden Facility-Management (FM)-Unternehmen

in Deutschland, sowie deren Entwicklung zu Komplettanbietern im Bereich des Gebäudemanagements. Dieses

„Ur-Bild“ des FM-Unternehmens ist – neben der Hausmeistertätigkeit – gerade im Versicherungsbereich immer

noch verankert, obwohl sich die Branche in den letzten Jahren einem starken Wandel unterzogen hat und ein

rasantes Wachstum generieren konnte. Letzteres getrieben von dem ungebrochenen Trend zum Outsourcing

von Bewirtschaftungsprozessen rund um die Immobilie.

Eine aktuelle Studie der Uni Bochum wartet hierbei mit erstaunlichen Zahlen auf: Mit 112 Milliarden Euro

Bruttowertschöpfung und einem Anteil von 5,03 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigt sich der FM-

Bereich bedeutsamer als klassische Branchen wie der Maschinenbau (3,3 %) oder die Automobilindustrie

(3,1 %). Jeder 10. Erwerbstätige in Deutschland ist mittlerweile im Facility-Management beschäftigt und die Branche

wächst, wenn auch durch die Wirtschaftskrise im Vorjahr merklich gebremst, weiter überdurchschnittlich.

Gleichzeitig rüstet die Branche auch auf der Qualitätsseite massiv nach, getrieben zum einen durch den harten

Preiskampf in der Branche und einer hieraus resultierenden „Flucht in die Qualität“ als gewichtiges Unterscheidungskriterium.

Zum anderen aber auch durch nachhaltige Bestrebungen des Branchenverbandes GEFMA, mit

„FM-Excellence“ ein spezifisches Qualitätssicherungssystem zu etablieren, welches insbesondere auch haftungsrechtliche

Aspekte nicht unberücksichtigt lässt. Dieses kann sicherlich zukünftig – ähnlich der ISO 9000 ff. und

der ISO 14.000 ff. – zu einem breit anerkannten Qualitätsmaßstab werden und den Umsetzungsdruck in den

Unternehmen erhöhen.

Nassau hat diesen interessanten Wachstumsmarkt bereits sehr früh als Zielsegment identifiziert und in Zusammenarbeit

mit der GEFMA ein branchenspezifisches Haftpflicht-Deckungskonzept erarbeitet (Nassau-Facility-

Management-Cover – NFC), welches wir seit knapp drei Jahren erfolgreich am Markt vertreiben.

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Haftpflicht

In dieser Zeit haben wir uns – sowohl in Anbahnungsfällen als auch bei Bestandsrisiken – mit einer Vielzahl

branchenspezifischer Haftungsrisiken beschäftigt, aus denen die folgenden beispielhaft hervorgehoben werden

sollen:

Weitgehende Vertragshaftung

In der Branche ist ein deutlicher Hang zur bereitwilligen Akzeptanz von vertraglichen Haftungsübernahmen zu

beobachten, die den Bereich der gesetzlichen Haftpflicht teilweise weit hinter sich lassen.

Verbreitet ist z. B. die Vereinbarung von weitgehenden und recht hohen Pönalen bei Nichterfüllung oder Verzug.

Zu sehen waren – bereits vor der VVG-Reform – Abtretungen des Haftpflichtversicherungsschutzes an den

Auftraggeber oder auch Verträge, in denen der Auftragnehmer bestätigte, Haftpflichtversicherungsschutz für

Sachschäden in Höhe des Verkehrswertes der bewirtschafteten Immobilie abzuschließen. Je nachdem ein kostspieliges

oder gar nicht umsetzbares Unterfangen.

Diese Akzeptanzbereitschaft wird sicherlich getrieben durch den Preis- und Konkurrenzdruck in der Branche,

geschieht aber teilweise durchaus auch bewusst, als kalkuliertes Risiko, um Aufträge zu generieren. Es entsteht

aber auch der Eindruck, als würden solche Verträge mangels eines fehlenden internen Vertragscontrollings teilweise

blind geschlossen. Vertragscontrolling insofern, als eine rechtliche Prüfung der meist seitens der Vertriebsabteilungen

geschlossenen Verträge nur oberflächlich oder gar nicht erfolgt.

Hieraus ergeben sich natürlich im Einzelfall problematische Konstellationen, da ein Großteil der vertraglich

vereinbarten Haftungselemente nicht von der bestehenden Haftpflichtversicherung gedeckt ist.

Die Branche hat dieses Problem erkannt: Ein erster Schritt zur Eindämmung von Auswüchsen vertraglicher

Haftung im FM-Bereich ist der von der GEFMA entworfene Mustervertrag Gebäudemanagement. Er gibt diesem

Bereich eine erste Struktur und findet in der Branche bereits eine gute Akzeptanz.

Deckungsseitig lösen wir das Problemfeld, indem wir den Mustervertrag Gebäudemanagement als Normund

Typenvertrag im Sinne unserer Bedingungen ansehen und somit für die dort vereinbarten vertraglichen

Haftungselemente Versicherungsschutz im Rahmen unseres Konzeptes besteht.

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Haftpflicht

Betreiberverantwortung

Ein zweites spezifisches Haftungsrisiko ist die Betreiberverantwortung, die das FM-Unternehmen je nach

Vertragsausgestaltung ganz oder teilweise vom Auftraggeber übernimmt. Man kann hier von einer Haftung

„an Eigentümers statt“ sprechen.

Der hieraus gesponnene Pflichtenkreis ist weit verzweigt und tangiert neben den internen Pflichten insbesondere

die rechtliche Verantwortung gegenüber Beschäftigten, Behörden, der Umwelt und insbesondere auch

gegenüber Dritten, was Verkehrssicherungspflichten und daran anschließend letztlich auch die Verpflichtung

zum Schadenersatz angeht.

Medienrelevante Ereignisse belegen, welche Haftungsszenarien hier auf den Betreiber und somit u. U. auf

das FM-Unternehmen zukommen können. Erinnern wir uns an den Halleneinsturz von Bad Reichenhall

Anfang 2006, der 15 Menschen das Leben kostete, oder auch an den Unfall mit einer Glasdrehtür am Flughafen

Köln-Bonn, bei dem in 2004 ein Junge ums Leben kam.

Auch wenn die genannten Fälle nicht zu einer Inanspruchnahme des jeweiligen Betreibers führten, sind solche

Haftungsansprüche jederzeit möglich.

So kam es zwischen 2000 und 2004 am Flughafen Köln-Bonn zu 14 ähnlichen Fällen – allerdings ohne Todesfolge.

Keine gute Ausgangslage für eine Exkulpation in einem eventuellen späteren Haftpflichtprozess.

Insofern ist hier vom FM-Unternehmen ein hohes Augenmerk auf ein entsprechendes Risikomanagement zu

legen. Für den Versicherer steht eine fundierte Kenntnis der möglichen Betreiberrisiken – insbesondere auch für

den Umweltbereich – und ein hiermit korrespondierendes Deckungskonzept im Vordergrund.

Nassau bietet beides: Für den Umwelthaftpflichtbereich z. B. eine sinnvolle Deckungserweiterung für die

Inanspruchnahme des FM-Unternehmens als Inhaberin von umweltrelevanten Anlagen in den bewirtschafteten

Objekten.

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Haftpflicht

Leistungserbringung mit Subunternehmern

Ein Mechanismus der Branche und auch ein ungebrochener Trend ist die Leistungszusage im Außenverhältnis

(z. B. von sogenannten Systemanbietern) für Gewerke, die entweder aufgrund mangelnder eigener Fachexpertise

oder wegen fehlender eigener Kapazität nicht selbst, sondern von Subunternehmern erbracht werden.

Eine aktuelle Umfrage der Fachzeitschrift „Der Facility Manager“ unter 28 großen FM-Unternehmen mit einem

Umsatz von 6,5 Milliarden Euro ergab, dass ein hoher Anteil der Leistungen – insbesondere im technischen und

infrastrukturellen Facility-Management – von Subunternehmern erbracht wird.

Wie aber steht es dort um Qualität und Zuverlässigkeit, wird doch der Preis- und Konkurrenzdruck nach unten

weitergegeben? Wie steht es dort um adäquaten Versicherungsschutz? Und: Wie ist die Vertragsgestaltung mit

diesen Subunternehmern? Spiegelt diese die Haftung im Außenverhältnis wider?

Hier ergibt sich somit ein nicht zu vernachlässigendes Haftungspotential, denn der Auftraggeber wird sich an

seinen Vertragspartner halten, der für seinen Erfüllungsgehilfen haftet. Und auch hinsichtlich deliktischer Ansprüche

bestehen bei Ausfall des Subunternehmers Möglichkeiten der Inanspruchnahme des Auftragnehmers.

Dieses Haftungspotential lässt sich vom FM-Unternehmen sicherlich aktiv vermindern, indem eine sorgfältige

Auswahl der Nachunternehmer erfolgt, welche die eigenen Qualitätsmaßstäbe ansetzt und kontrolliert. Ferner

ist es dringend erforderlich, den Versicherungsschutz des Subunternehmers dezidierter zu hinterfragen und

nachweisen zu lassen, als über die übliche Versicherer-Kurzbestätigung. Wichtige Deckungserweiterungen und

Sublimits sollten hier beachtet werden sowie eine weitest mögliche Adäquanz zur eigenen Deckung.

Nassau honoriert ein proaktives Risk-Management seitens des Versicherungsnehmers und rabattiert die

Prämie für Subunternehmerumsätze, welche in dieser Art und Weise abgesichert wurden, entsprechend.

Spezifische Haftungsrisiken und eine sich rasant entwickelnde Branche erfordern vom Haftpflichtversicherer

– neben einem hohen Maß an Branchenkenntnis – die Flexibilität, auf eine Vielzahl unterschiedlicher Risikoausgestaltungen

im FM-Bereich mit passendem Versicherungsschutz reagieren zu können.

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Haftpflicht

Unser modular aufgebautes Bausteinkonzept (Nassau-Facility-Management-Cover) bietet hierbei folgende

Vorteile:

• einheitliche Allgemeine Versicherungsbedingungen (AHB)

• flexible und individuelle Gestaltung durch modularen Aufbau

• BHV/UHV/USV

• VSH

• Planungshaftpflicht

• AGG

• PHV

• Branchenspezifische Deckungserweiterungen

• „Offene“ VSH-Deckung für alle versicherten Bereiche, d. h. auch für technisches und

infrastrukturelles Facility-Management

Gerne bieten wir Ihnen auf dieser Basis intelligente Haftpflichtlösungen für eine interessante Wachstumsbranche,

welche hinsichtlich der Auftraggeber der FM-Unternehmen einen nicht zu vernachlässigenden Multiplikatoreneffekt

für weitere Akquisitionstätigkeiten bietet. Hinzu kommt hinsichtlich des Versicherungsschutzes ein

hohes Beratungs- und Optimierungspotential und somit ein guter Ansatz für die Kundenansprache.

Fordern Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Anfragen.

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Schadenmanagement

„Ein Steuererlass kann über eine

Selbstanzeige nicht erreicht werden.“

Haftungsfalle Selbstanzeige

Der Erwerb diverser Steuer-CDs durch einzelne Bundesländer und den Bund hat die strafbefreiende Selbstanzeige

in den Mittelpunkt der laufenden Beratung von Steuerberatern und mit Steuerrecht befassten Rechtsanwälten

gerückt. Im Falle einer wirksamen Selbstanzeige entfällt die Strafbarkeit einer schuldhaften Steuerverkürzung.

Ein Steuererlass kann über eine Selbstanzeige nicht erreicht werden.

Eröffnet ein Mandant seinem Berater, dass er Einkünfte nicht versteuert hat oder seinen Mitteilungspflichten

gegenüber der Finanzverwaltung nicht nachgekommen ist, befindet sich der Berater in einem Dilemma. In der

Regel ist die Aktenlage dünn. Eine Buchführung liegt nicht vor, Belege wurden nicht aufbewahrt und die Bezahlung

erfolgte mitunter bar. Zudem ist die Zeit knapp. Die empfundene Reue beruht häufig auf äußerem Druck

in Form angekündigter, drohender oder laufender Prüfungen beim Mandanten oder seinem persönlichen und

wirtschaftlichen Umfeld. Auf der anderen Seite wurden die Ermittlungsmöglichkeiten und die internationale

Zusammenarbeit der Finanzbehörden und Staatsanwaltschaften erheblich erweitert. Soll der Berater dem Mandanten

zu einer Selbstanzeige raten und sich damit der Gefahr einer anschließenden Inanspruchnahme aussetzen?

Regelmäßig wird nach Verurteilung des Mandanten der Vorwurf geäußert, die nicht anerkannte Selbstanzeige

sei auf Fehler des Beraters zurückzuführen, sie sei zu weit gefasst oder die Finanzverwaltung durch die

Selbstanzeige erst auf den Mandanten aufmerksam geworden.

Eine Selbstanzeige führt nur dann zur Straffreiheit, wenn diese rechtzeitig erfolgt, vollständig ist und die Steuernachforderung

auch bezahlt wird. In einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 20.05.2010, 1 StR 577/09) hat der

BGH zu den einzelnen Voraussetzungen ausführlich Stellung genommen und einer Reihe von Erleichterungen

zu Gunsten der Steuerpflichtigen, die sich in der Instanz-Rechtsprechung und Verwaltungspraxis entwickelt hatten,

einen Riegel vorgeschoben.

Als maßgebliches Kriterium sieht der Strafsenat die erkennbare und vollständige Rückkehr des Steuerpflichtigen

zur Steuerehrlichkeit. Dies könne nur dann angenommen werden, wenn der Täter „reinen Tisch“ mache. Jegliches

Taktieren ist schädlich.

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Richard Harder

Rechtsanwalt

Senior Claims Specialist

Schadenmanagement

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Schadenmanagement

1. Rechtzeitigkeit der Selbstanzeige

Eine Selbstanzeige ist verspätet und führt nicht zur Straffreiheit, wenn ein Amtsträger der Finanzbehörde zur

steuerlichen Prüfung oder zur Ermittlung einer Steuerstraftat oder Ordnungswidrigkeit bereits erschienen ist.

Im zweiten Fall eines Ermittlungsverfahrens ist zusätzlich erforderlich, dass der Täter Kenntnis von dem Ermittlungsverfahren

oder der Entdeckung der Tat hatte bzw. bei verständiger Würdigung damit rechnen musste, dass

die Tat bereits entdeckt wurde.

Bei der einfachen Steuerprüfung beim Steuerberater beginnt die Prüfung mit Betreten der Kanzlei. Übergibt der

Berater die Selbstanzeige erst innerhalb seiner Räumlichkeiten, ist die Anzeige bereits verspätet. Eine Übergabe

vor der Tür wäre dagegen noch rechtzeitig gewesen. Die Sperrwirkung erstreckt sich auf alle Taten, die mit dem

bisherigen Ermittlungs- oder Prüfungsgegenstand in sachlichem Zusammenhang stehen. Erstreckt sich die Prüfungs-

oder Durchsuchungsanordnung, wie im entschiedenen Fall, auf die Jahre 2001 und 2002, ist es nicht ausreichend,

wenn nur für diese Jahre eine Selbstanzeige abgegeben wird, die identischen Einkünfte im Jahr 2000

aber weiter verheimlicht werden.

Entdeckt ist eine Steuerverkürzung bereits dann, wenn bei vorläufiger Tatbewertung die Wahrscheinlichkeit eines

verurteilenden Erkenntnisses gegeben ist. Ausreichend ist, wenn unter Berücksichtigung der Umstände nach

allgemeiner kriminalistischer Erfahrung eine Steuerverkürzung nahe liegt. Dies ist in jedem Fall gegeben, wenn

ein Abgleich zwischen der aufgedeckten Steuerquelle und der Steuererklärung ergibt, dass die Quelle nicht

oder nicht vollständig angegeben wurde. An die subjektive Komponente der Kenntnis stellt der BGH

unter Hinweis auf die nicht näher dargelegten, verbesserten Ermittlungsmöglichkeiten der Finanzbehörden

keine hohen Anforderungen. Offenbar geht der Senat davon aus, dass ein Täter regelmäßig mit der

Aufdeckung der Steuerhinterziehung rechnen muss.

2. Vollständigkeit der Selbstanzeige

Durch die Selbstanzeige muss die Finanzverwaltung in die Lage versetzt werden, ohne langwierige weitere

Nachforschungen den Sachverhalt vollends aufzuklären und die Steuer richtig festzusetzen. Offen zu legen sind

sämtliche Einkunftsquellen. Es ist nicht ausreichend, dass einzelne Konten offen gelegt, andere damit im sachlichen

Zusammenhang stehende Quellen aber weiter verschwiegen werden. Im Falle einer teilweisen Selbstanzeige

tritt auch, entgegen einer verbreiteten Ansicht, nicht etwa teilweise Straffreiheit ein.

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Schadenmanagement

Der weithin anerkannten, gestuften Selbstanzeige, bei der die konkreten Angaben zu den Besteuerungsgrundlagen

erst noch nachgereicht werden, erteilt der Senat eine deutliche Absage. Sofern der Steuerpflichtige sich

aufgrund der dünnen Aktenlage nicht zu korrekten Angaben in der Lage sieht, muss geschätzt werden. Es ist

sicherlich ratsam, bei der Schätzung großzügig zu sein. Eine Selbstanzeige hindert den Steuerpflichtigen nicht

daran, gegen den späteren Steuerbescheid auf der Grundlage neuer Erkenntnisse Einspruch einzulegen.

3. Zahlung der hinterzogenen Steuer

Die in Folge der Selbstanzeige festgesetzte Steuer muss innerhalb einer angemessenen Frist vollständig gezahlt

werden. Ist der Mandant zur Zahlung ganz oder teilweise nicht in der Lage, ist eine Straffreiheit ausgeschlossen.

Es obliegt dem Berater, seinen Mandanten über Voraussetzungen und Risiken einer Selbstanzeige zu unterrichten.

Scheitert die Selbstanzeige, wird neben der Steuernachzahlung zumindest noch eine Geldstrafe fällig, die

sich an der Höhe des hinterzogenen Betrages orientiert. Die Entscheidung, ob tatsächlich eine Selbstanzeige

erfolgen soll, obliegt in jedem Fall allein dem Mandanten. Der Berater schuldet eine umfassende Beratung, die

den Mandanten in die Lage versetzt, unter Abwägung aller maßgeblichen Umstände eine eigenständige Entscheidung

zu treffen.

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Krisenmanagement

„... auch für kleinere Unternehmen bieten wir

eine, an die Produkthaftpflicht angrenzende

Rückrufkostenpolice an.“

Die tatsächlichen Risiken bei Rückrufen

Thomas Pache

Dipl.-Ing./Dipl. Wirtschaftsing.

Leiter

Regionalbüro Nord

Am 10.06.2010 fand in den Räumen des Business Club Hamburg an der Elbchaussee 43 der diesjährige

Nassau Maklerdialog Rückrufrisiken statt. Teilnehmer waren spezialisierte Makler aus der Region Norddeutschland.

Zu Beginn berichtete Herr Washausen (Geschäftsführender Gesellschafter der ADATO Consulting Group)

über rückrufrelevante Entwicklungen, wie zum Beispiel die steigende Bedeutung von NGOs (Non-Governmental

Organizations) und dem Informationskanal Internet. Das Portal „foodwatch.de“ kann hier exemplarisch

genannt werden. Anhand aktueller Beispiele erläuterte er Dos and Don´ts im Krisenfall.

Sehr interessant waren seine persönlichen Einschätzungen zu Eintrittswahrscheinlichkeiten von herstellungsbedingten

und durch kriminelle Aktivitäten verursachten Rückrufen.

Anhand von Daten aus dem RASFF-Portal (Rapid Alert System for Food and Feed) der Europäischen Union

sprachen die Teilnehmer über grundlegende Underwritingbetrachtungen, wie z. B. das Thema der Produktherkunft.

Anhand der nachfolgenden Grafik wird nicht nur ersichtlich, dass sich die Zahl der sog. Notifications in den

vergangenen zehn Jahren mehr als versechsfacht hat, sondern es wird auch deutlich, dass Produkte aus

dem Asiatischen Raum verantwortlich für rund die Hälfte aller Notifications in Europa sind. Dies ist umso

beachtlicher, als sich die Zahlen ausschließlich auf Nahrungsmittel beziehen und der Anteil asiatischer

Produkte dort noch geringer ist als im Bereich Non-Food.

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Krisenmanagement

Natürlich fehlte am Schluss auch nicht der Hinweis auf unsere Versicherungslösungen, die in Form einer Grobsynopse

dargestellt wurden. Mit Hilfe unserer differenzierten Palette sind wir nicht nur in der Lage, Großunternehmen

mit unserem vollumfänglichen NTripleP-Konzept zu versichern, wir bieten auch für kleinere Unternehmen

eine an die Produkthaftpflicht angrenzende Rückrufkostenpolice auf AHB-Basis sowie ein Mittelstandskonzept

mit deutlicher Eigenschadenkomponente an.

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Krisenmanagement

Sollten Sie Fragen zu den am 10.06.2010 diskutierten Themen haben, oder mehr über unsere Absicherungsmöglichkeiten

erfahren wollen, so stehen wir Ihnen für ein Informationsgespräch oder einen Gedankenaustausch

gerne zur Verfügung.

Thomas Pache

Leiter Regionalbüro Nord

T 040 / 432 1880 - 11

E tpache@nassau.eu

Jörg Grotelüschen

Underwriter Krisenmanagement

T 0221 / 16795-50

E jgrotelueschen@nassau.eu

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Regionalbüro Nord

Ist auf die Haftungssicherheit einer Partnergesellschaft

wirklich Verlass?

Bei Anruf - Haftung

Holger Witthaus

Senior Underwriter Haftpflicht

Regionalbüro Nord

So oder so ähnlich wäre der Titel eines deutschen Boulevardblatts, wenn es über die höchstrichterlichen Urteile

berichten würde, die zur Haftung von Angehörigen verkammerter Berufe getroffen werden. Am 22.04.2010

berichtete Richard Harder, unser Spezialist für Berufshaftpflicht-Schadenfälle, über ausgesuchte Themen

wie die Haftung bei telefonischer Beratung.

So können telefonische Mitteilungen eines Steuerberaters eigene Auskunftsverträge begründen und ggf. die

sorgsam vereinbarten Haftungsbeschränkungen für die üblichen Steuerberaterleistungen in diesem Fall obsolet

werden lassen (BGH vom 18.12.2008, IX ZR 12/05).

Problematisch können aber auch unterschiedliche Deckungssummen und verschiedene Versicherer innerhalb

einer gemischten Sozietät werden. Sogar auf die scheinbare Sicherheit einer Partnerschaftsgesellschaft in

Sachen Haftung ist kein Verlass.

Diese und andere Haftungs- und Deckungsthemen zum Berufskreis der verkammerten Berufe wurden am

22.04.2010 in der Elbchaussee 43 zunächst im Plenum und später bei einem kleinen Imbiss diskutiert. Da

unsere Veranstaltung auf großes Interesse der Maklerspezialisten gestoßen ist, kommen wir gerne den vielfach

geäußerten Wünschen nach, demnächst eine Fortsetzungsveranstaltung durchzuführen.

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Niederlassungsleitung

Insgesamt sind wir mit dem Geschäftsjahr

mehr als zufrieden.

Jahresrückblick 2009

Das Mutterhaus der Nassau Versicherungen verbucht Rekordergebnisse in 2009

Ende Mai wurden die Ergebnisse des Jahresabschlusses 2009 präsentiert. Durch eine langfristige Strategie,

die zu guten technischen Ergebnissen und gesunden Anlageerträgen geführt hat, konnte Nassau Verzekering

Maatschappij N.V., Rotterdam Rekordergebnisse erzielen.

Die Combined Ratio war 2009 mit 77,7 % die niedrigste in der Geschichte des Unternehmens

(2008: 82,6 %). Die Bruttoprämie wuchs auf € 103,9 Mio. und durchbrach damit erstmals die 100-Mio.-Euro-

Grenze (2008: € 96,2 Mio.). Das Gesamtergebnis von € 25 Mio. vor Steuern ist ebenfalls Rekord. Mit einer

Solvabilität von 414 % (2008: 327 %) verfügt Nassau darüber hinaus weiterhin über einen beträchtlichen Solvabilitätsspielraum.

Das eher moderate Prämienwachstum in den Niederlanden wird darauf zurückgeführt, dass Nassau sich nicht

am extremen Preiskampf im Markt beteiligt hat. Die internationalen Aktivitäten und die daraus resultierenden

Prämieneinnahmen sind gestiegen. Auch künftig konzentriert sich Nassau darauf, international weiter zu wachsen.

2009 wurde eine Corporate Social Responsibility Strategie festgelegt mit ambitionierten Zielsetzungen für

Energie, Einkauf, Mobilität und Versicherungsprodukte.

Das ungebrochene Interesse des Marktes an innovativen Lösungen jenseits der Standard-Produkte sowie die

Tendenz der Versicherungsmakler zu zielgruppenspezifischen Branchenkonzepten sorgte dafür, dass Nassau

Versicherungen sich 2009 als innovativer Risikoträger im besonderen Maße vom Markt abheben konnte. Das

Portfolio konnte weiter überdurchschnittlich ausgebaut werden, das Team wurde verstärkt und Prozessabläufe

optimiert. In Hamburg und München wurden Regionalbüros eröffnet, um unseren Kunden auch lokal als kompetenter

Ansprechpartner bei der Lösung der oft komplexen Versicherungsfragestellungen zur Seite zu stehen.

So ist es nun noch besser möglich, schnell und flexibel auf die Bedürfnisse der Kunden zu reagieren und auch

für komplizierte und nicht alltägliche Risiken adäquate Versicherungslösungen zur Verfügung zu stellen.

Insgesamt sind wir mit dem Geschäftsjahr 2009 mehr als zufrieden. 2010 erwarten wir, erneut eine positive

Bilanz ziehen zu können.

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Arnold A. Pit

Hauptbevollmächtigter

Niederlassung Deutschland

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Termine

Nassau Maklerdialog Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)

am 29.09.2010 in Hamburg

Nach dem ersten Nassau Maklerdialog zum Thema IKT im Juli 2010 in München, wird es am 29. September 2010

diese Veranstaltung auch in Hamburg geben. Ab 15 Uhr wird im Business Club Hamburg

Herr Prof. Dr. Thomas Hoeren, geschäftsführender Direktor, Institut für Informations-, Telekommunikations- und

Medienrecht, Zivilrechtliche Abteilung, Westfälische Wilhelms-Universität Münster einen Vortrag zum Thema

„Haftung bei IT-Verträgen: Risiken, Fälle, Klauseln und Versicherbarkeit“ halten. Des Weiteren werden Sie von uns über

die neuesten Risiko-Entwicklungen im IKT-Markt und im Bereich Nassau IT informiert.

Sollten Sie nähere Einzelheiten zu unserem Nassau Maklerdialog Informations- und Kommunikationstechnologie

wünschen, wenden Sie sich gerne an:

Thomas Pache

Leiter Regionalbüro Nord

T 040 / 432 1880 - 11

E tpache@nassau.eu

DVS Symposion vom 07.09. – 09.09.2010 in München

Andrea Oßdorf

Account Management & Marketing

Nassau Versicherungen wird in diesem Jahr erneut beim DVS-Symposion im The Westin Grand München

Hotel Arabellapark, vom 07.09. – 09.09.2010 als Aussteller vertreten sein.

Der Deutsche Versicherungs-Schutzverband (DVS), Bonn, ist der Interessenvertreter der versicherungsnehmenden

Wirtschaft und veranstaltet einmal im Jahr den Industriekongress in der bayrischen Hauptstadt. Als Redner

werden u. a. Herr Dr. Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Munich Re und Herr Thomas Steffen von der

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erwartet.

Frau Nicole Fischer, Underwriter Haftpflicht im Regionalbüro Süd und Herr Marco Henrique, Abteilungsleiter

Krisenmanagement, freuen sich über Ihren Besuch.

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Impressum

IMPRESSUM

Nassau Versicherungen

Niederlassung Deutschland

der Nassau Verzekering Maatschappij N.V.

Rotterdam, Niederlande

Im MediaPark

50670 Köln

T +49 (0) 221 167 95-0

F +49 (0) 221 167 95-10

5

E info-de@nassau.eu

I www.nassauversicherungen.de

Redaktion/Konzeption

Account Management & Marketing

Ursula Heidbrink

Abteilungsleiterin

Andrea Oßdorf

Martina Swienty

Annalisa Weyerstraß

Für den Inhalt dieses Newsletters ist

Nassau Versicherungen, Köln verantwortlich.

Hauptbevollmächtigter für Deutschland:

Arnold A. Pit

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Nassau Versicherungen. Wenn Sie eine weitere Zustellung

nicht wünschen, können Sie sich unter der

folgenden Adresse aus dem Verteiler abmelden:

makler-info@nassau.eu

Unter dieser E-Mail-Adresse nehmen wir auch gern

Ihre Wünsche und Anregungen entgegen.

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Der Spezialist für Haftpflicht und Krisenmanagement

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