Download - Neuman & Esser

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AUS DER PRAXIS

Martina Frenz, Leiterin Corporate

Communications und Siegfried Meyer,

Sales & Product Manager der

Neuman & Esser Deutschland GmbH

& Co KG erwarten ein gutes Geschäft

in den kommenden Jahren.

Innovation hat Tradition

Das Herzstück ist Made in Germany. Jeder Verdichter von Neuman & Esser ist ein Maßanzug.

Das Unternehmen aus Übach-Palenberg ist führend im Bereich der Verdichtertechnologie.

Es produziert ölfreie Kolbenverdichter für die Netzeinspeisung von Biomethan.

Von Wiltrud Wolters

Die alte Eichentür von 1888 könnte

viel erzählen. Im modernen, Licht

durchfluteten Foyer des Unternehmenssitzes

ist sie der Hingucker. Wie ein

Brückenschlag durch die Jahrhunderte weist

sie den Weg, denn Innovation hat Tradition

im Hause Neuman & Esser.

„Diese Türe ist offen“, sagt Siegfried Meyer,

Sales & Product Manager der Neuman &

Esser Deutschland GmbH & Co KG. Man

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Zahlen und Fakten

Mitarbeiter: 859 – davon in Deutschland 550

Umsatz: 260 Mio. Euro

Absatz von Verdichtern gesamt : rund 250 pro Jahr

muss also nur den ersten Schritt wagen und

aufbrechen in eine neue Zeit. So wie 2008,

als die ersten Anfragen zum Bau eines Kolbenverdichters

für Biomethan auf den Tisch

des Hauses flatterten. „Zu diesem Zeitpunkt

war dieser Absatzmarkt ein komplett neues

Aufgabenfeld für uns. Zunächst galt es zu

prüfen, welcher unserer Verdichter wie einsetzbar

wäre“, blickt Meyer zurück. Allerdings

habe man durchaus erkannt, dass

Firmen und Holdings: Zur Neuman & Esser Group gehören mittlerweile 20 Firmen sowie drei

Holdings

Produktionsstätten: Neuman & Esser produziert ausschließlich in Deutschland. Die Produk-

tionsstätten liegen in Übach-Palenberg in NRW, Wurzen in Sachsen und Staßfurt in Sachsen-

Anhalt.

Produkte: Kompressor- sowie Mahl- und Sichtsysteme mit dem dazugehörigen Service.

Anwendungsbereiche der Kolbenverdichter: Kunststoffherstellung, Kraftstoffentschwefelung,

Prozessluft, Cracking- Prozesse, Öl- und Gasindustrie, Erdgasspeicherung, Offshore-Parks, Seis-

mische Exploration, CO 2 -Rückverflüssigung, Extraktions- und Trockeneisanlagen, PET-Streck-

blasanlagen, Herstellung von Polysilizium für Solarzellen, Biogas, Bioethanol u.a.

nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz

(EEG) Bewegung in den Markt für Biogas

komme, ergänzt Martina Frenz, Leiterin

Corporate Communications. Und dann ging

alles ganz schnell. Im Familienunternehmen,

das in der vierten Generation von den

Geschwistern Alexander und Stefanie Peters

geführt wird und längst zum Global

Player avanciert ist, gab es grünes Licht für

Biogas. Innerhalb eines halben Jahres wurde

der erste Kolbenverdichter für die Einspeisung

von Biomethan in ein bestehendes

Gasnetz entwickelt. 2009 erhielt die Firma

den ersten Auftrag für eine Komplettanlage

mit Steuerung, Regelung, Frequenzumrichter

sowie Kühlung. Mittlerweile stehen alleine

in Deutschland 35 solcher Anlagen.

„Wir profitieren natürlich von unserer eigenen

Abteilung für Forschung & Entwicklung.

Dort arbeiten zehn Personen. So können

wir gezielt und strukturiert analysieren

sowie Neuentwicklungen schnell umsetzen“,

erklärt Meyer. Aber nicht nur das.

Neuman & Esser produziert seit über einhundert

Jahren Verdichter für zahlreiche

Anwendungen: von der Brauerei bis zur Raffinerie.

Und gehört zu den weltweit führen-

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FOTOS: NEUMAN & ESSER

F


AUS DER PRAXIS

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Geschichte

Das Familienunternehmen Neuman & Es-

ser blickt auf eine über 180-jährige Ge-

schichte im Maschinenbau zurück.

1830 Johann Leonhard Neuman gründet

die Neuman & Cie. Maschinenfabrik

in Aachen. Er hatte sich zum Ziel ge-

setzt, alle in Fabriken benötigten Ma-

schinen zu bauen oder zu reparieren.

1831 Peter Lambert Daelen wird Teilhaber

und stirbt noch im gleichen Jahr. Er

hatte eine Schermaschine entwickelt.

Neumans Schwager Theodor Esser

steigt in die Firma ein. Aus Neuman

& Cie. wurde Neuman & Esser Aachen

(NEA).

1891 Oscar Peters wird Teilhaber und über-

nimmt das Unternehmen im Jahr da-

nach komplett. NEA baut unter ande-

rem Dampfmaschinen, Kompress -

oren, hydraulische Pressen und Auf-

züge.

1925 Der größte bis dahin im Untertage-

bau eingesetzte Kolbenkompressor

(20.000 Nm 3 /h, 7 atü) wird gebaut.

1930 Der Sohn Wolfgang Peters tritt in die

Firma ein. Ein ölfreier Trockenlaufkol-

benverdichter kommt auf den Markt,

der später für Brauereien, Lebensmit-

telbetriebe und die Chemische In-

dustrie bedeutsam wird.

1945 Wiederaufbau nach dem Krieg

1960 Die Söhne Hans-Joachim Peters und

Klaus Peters steigen in die Firma ein.

1972 Umzug aus Aachen in das neue Werk

mit einer Fläche von 43.000 Quadrat-

metern, nach Übach-Palenberg.

1983 Gründung der Neuman & Esser Kun-

dendienst GmbH. Nach und nach

übernimmt das Unternehmen das Af-

ter-Sales Geschäft beispielsweise von

Atlas Copco Energas, Linde oder De-

mag Kolbenkompressoren.

1991 Übernahme der Maschinenfabrik

Wurzen bei Leipzig.

1992 Gründung der Neuman & Esser USA

und der NEA Italia

1995 Einrichtung eines Büros in Peking.

bis 2003 folgen Firmengründungen in Bra-

silien, Thailand, Ägypten, VAE, In-

dien und Russland

2001 NEA übernimmt die Firma Stasskol

Kolbenstangendichtungen GmbH in

Staßfurt.

2003 Die Geschwister Stefanie und Alexan-

der Peters steigen ins Unternehmen

ein.

Die Verdichter werden mit allem notwendigen Zubehör auf Rahmen

oder in Container gebaut.

den Unternehmen in der Verdichtertechnologie.

„Wir haben das Kern-Know-how im

Haus. Insofern sind wir unabhängig“, fügt

Frenz hinzu.

Das gilt beispielsweise auch für die Kolbenringe.

Sie zählen beim ölfreien Verdichter zu

den wichtigsten Verschleißteilen. Diese Ringe

sind aus einem Teflongemisch hergestellt.

„Sie werden in unserer Tochterfirma Stasskol

gefertigt und getestet. Dadurch können

wir sicher Standzeiten von einem Jahr Dauerbetrieb

gewährleisten“, hebt Meyer hervor.

Gasdicht, druckfest und ölfrei

Für die Anwendung in der Biomethanverdichtung

verfolgte das Unternehmen das

Ziel, ein umweltfreundliches Triebwerk zu

bauen, ohne äußere Leckage, also ohne Gasaustritt

in die Atmosphäre. Dieses Ziel war

nur mit einem ölfreien, gasdichten und

druckfesten Triebwerk zu erreichen. Aufgrund

der vom Markt geforderten Mengen

und Drücke wurde ein bestehendes, seit

Jahrzehnten bewährtes Triebwerk nach der

Anpassung an die neuen Anforderungen

technisch geprüft und danach erfolgreich auf

dem eigenen Prüffeld in Wurzen getestet.

Dort in Wurzen in der Nähe von Leipzig

werden diese Kompressoren auch gebaut.

„Unser Kerngeschäft sind ölfreie Verdichter,

die auch für diese Anwendung eingesetzt

werden. Dadurch wird eine zusätzliche

Kontaminierung des bereits aufbereiteten

Biogases vermieden“, berichtet Meyer.

Komplettanlagen mit hoher

Verfügbarkeit sind gefragt

Neuman & Esser baut rund 250 Verdichter

pro Jahr, bestehend aus einem Mix von Pro-

zessgas- (API 618) und standardisierten

Kompressoren. Für den Bereich Biomethan

werden Anlagen eingesetzt, die für einen

Netzdruck von 16 bis 90 bar und Liefermengen

von 350 bis 3.500 Nm³/h ausgelegt sind.

„Die Kunden wünschen Komplettlösungen,

angefangen von der Lieferung, über die

Montage und Inbetriebnahme bis hin zu einem

24-Stunden-Service“, erklärt Meyer.

Deshalb werden die Verdichter mit allem

notwendigen Zubehör auf Rahmen oder in

Container gebaut. Der Bau einer solchen

Anlage dauert je nach Anlagengröße zwischen

sechs und acht Monaten. Darüber hinaus

legt das Unternehmen großen Wert auf

Service und Betreuung rund um die Uhr und

das rund um den Globus. Frenz: „Es geht

Neuman & Esser präsentiert den Biogas-

Verdichter auf verschiedenen Messen,

so wie hier auf der Euro-Tier.

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1972 siedelte Neuman & Esser von Aachen nach Übach-Palenberg um.

immer Hand in Hand. Im Grunde 24 Stunden

am Tag. Dafür sorgt das Schwesterunternehmen

NEAC Compressor Service.“

Prozess

Durch die Vergärung entsteht in der Biogasanlage

Rohbiogas. Dies ist ein Gemisch verschiedener

Gase und kann so nicht in das

Erdgasnetz eingespeist werden. Das Rohbiogas,

das im Durchschnitt zu 55 Prozent aus

Methan besteht, wird einer speziellen Aufbereitung

unterzogen. Dazu gehören die

Entschwefelung, die Trocknung, die Trennung

von Methan und Kohlendioxid sowie

die Konditionierung. „Wir befinden uns mit

den Verdichtern genau an der Schnittstelle

vom Anlagenbetreiber zum Netzbetreiber“,

sagt Meyer. Da jeder Netzbetreiber seine

Gasnetze mit verschiedenen Drücken betreibt,

sind auch die Anforderungen an die

Verdichtung des aufbereiteten Biogases unterschiedlich.

Markt

Das Unternehmen erwartet ein gutes Geschäft

in den kommenden Jahren. So jedenfalls

sehen es Siegfried Meyer und Martina

Frenz. Allerdings nicht zwingend in

Deutschland. „Was den deutschen Markt betrifft“,

äußert Meyer, „weiß man es nicht so

genau. Im Moment hinken wir den gesetzlich

definierten Zielen hinterher.“

In Deutschland soll der Anteil des eingespeisten

Biomethans in das Erdgasnetz bis

2020 bei 20 Prozent liegen. „Wenn wir das

Ziel erreichen wollen, müsste schon ein

Schub kommen“, skizziert Meyer. Gemäß

seiner Rechnung würde das bei einer Anlagengröße

der Verdichter von 350 bezie-

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hungsweise 700 Nm³/h bis 2020 etwa 1.000

bis 1.500 Verdichter entsprechen, also 100

bis 120 Stück pro Jahr.

„Die Anfragen kommen zwar, aber nicht in

diesem Umfang“, berichtet der Manager.

Eine der Ursachen sieht er in dem zeitaufwendigen

Genehmigungsverfahren, das seiner

Meinung nach deutlich verkürzt werden

müsste.

Zukünftige Absatzmärkte für Biogas seien

in den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien,

den USA, Kanada oder Skandinavien.

Dort beschäftige sich die Biogasbranche

und Politik sehr intensiv damit,

Reststoffe zu verwerten. „Mit Blick auf die

Nachhaltigkeit begrüßen wir das sehr. Möglicherweise

liegt die Zukunft zum Beispiel

bei der Vergärung von Algen“, schaut Frenz

voraus. Weniger Potenzial erwarten die

Kompressoren-Experten in Südeuropa.

Ein anderes „sehr spannendes Feld“, wie

Siegfried Meyer betonte, sei Power to Gas:

„Wenn das ein Erfolg wird, wird Biogas

durch die andere Bereitstellung noch auf

ganz andere Weise erfolgreich werden.“ D

Autorin

Wiltrud Wolters

Freie Journalistin

Akazienweg 8 · 41372 Niederkrüchten

Tel. 0 21 63 /89 84 11

AUS DER PRAXIS

E-Mail: wiltrud.wolters@gmx.de

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