Katalog (PDF) - Pit Kinzer Kunstprojekte

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Katalog (PDF) - Pit Kinzer Kunstprojekte

wasserdicht

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Egon Vaupel

wasserdicht im Erlebnispfad Lahnorama

Ein Fluss, ein Raum, der allen gehört, wirklicher und symbolischer Ort in

ständiger Bewegung, inmitten der Stadt, steht im Zentrum unseres Themenjahres

„Marburg an die Lahn 2010“. Die Fachdienste Kultur und Stadtgrün,

Umwelt & Natur sowie Marburg Tourismus und Marketing GmbH lassen die

Stadt 2010 näher an den Fluss rücken.

Die Lahn durchfließt die Universitätsstadt Marburg nicht immer auf geradem

Weg – mit einem Hauptarm und Seitenarmen zieht sie einmal gemächlich

dahin, ein anderes Mal zeigt sie an den Wehren gefährliche Strudelbildung.

Wasser kann viele Zugänge haben: in gesellschaftlichen, ökonomischen, politischen

und teilweise auch juristischen Debatten spielt es eine zentrale Rolle. Mit

dem Erlebnispfad Lahnorama und dem integrierten Kunstprojekt wasserdicht

wurde die Lahn ökologisch, historisch und künstlerisch erschlossen, und die

Menschen können auf konkrete oder poetische, auf bewegende oder stille Weise

den Fluss neu entdecken. Zwischen dem Afföller Wehr im Norden und der Konrad-Adenauer-Brücke

im Süden wird die historische „Wasserkunst“ neben akustischen

und ökologischen Installationen zu Flora und Fauna der Lahn erlebbar.

Zu Kunstwerken an, auf, über und in der Lahn laden acht bildende Künstlerinnen

und Künstler aus der gesamten Bundesrepublik unter der künstlerischen

Leitung von Georg Mertin ein. Sie erschließen temporär einen Raum

mit zeitgenössischen Arbeiten unter dem Titel wasserdicht entlang der Lahn

oder zielführend zum Wasser in der historischen Altstadt. Kinetische Objekte,

Plastiken aus Stahl, Installationen mit Klang und Licht oder Multiples eröffnen

neue Blickwinkel und führen „dicht an das Wasser“ heran.

Egon Vaupel wasserdicht im Erlebnispfad Lahnorama

Egon Vaupel

Oberbürgermeister

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Georg Mertin

Von der luftigen Idee zum wasserdicht Sichtbaren

Sie ist keiner der großen Grünen oder Blauen und noch nie habe ich gehört,

dass einer gesagt hätte: „Komm, lass uns zum Fluss gehen.“

Sie ist weder ein Bach noch ein Strom – ebenso begriffsoffen verhält es sich

mit ihrer Farbe. Ist von ihr die Rede, dann immer namentlich: „Die Lahn“. Sie

ist kein Nutzwasser und bei Weitem zu flach für ernsthaften Schiffsverkehr, es

wird, wenn dann, gemächlich gepaddelt oder Boot getreten – unterm Strich

wohl nur ein weiteres Attribut zur Komplementierung des „putzigen Museums

Marburg“, wie es einer der Künstler in einer Vorbesprechung des Projektes

„wasserdicht“ aus der Ferne und nach bloßer Internetbildsicht nennt.

Wenn nun Künstler mit ihrer Kunst dicht ans Wasser reichen und größtenteils

speziell für dieses Projekt Arbeiten entwickeln, so ist es fast selbstredend,

dass sie sowohl die Oberflächen betrachten als auch Tiefen und Untiefen

ausloten und die Betrachter einladen, es ihnen nachzutun.

Und dennoch mögen auf den ersten Blick die Begriffe „moderne, zeitgenössische

Kunst“, „Großplastik“ und „Kunst im öffentlichen Raum“ im Widerhall

dieses typischen Marburger Ambientes eigenartig fremd klingen, oder

doch nicht? – Liegt nicht auch hier mehr als etwas „Putziges“ unter der ersten,

wenn auch soliden und oft undurchdringlichen und quadratmillimeterweise

denkmalgeschützten Fachwerkhaut? Gilt nicht auch hier der Denk-Satz

Heraklits, dass „alles fließt“ – sich also entwickelt und fortschreitet?

Nun muss man es nicht bei dieser Frage, die sicher nur rhetorisch gemeint

sein kann, belassen, denn es scheint allzu klar: Die Fassaden sind nur Dokument

einer langen Geschichte und Kokons unzähliger Geschichten – wissenschaftli-

Georg Mertin Von der luftigen Idee

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wasserdicht

cher, religiöser, stadtgeschichtlicher und nicht zuletzt zwischenmenschlicher.

Vor und in dieser Kulisse Kunst im öffentlichen Raum zu installieren, kann nur

dann sinnhaft gelingen, wenn sich die Arbeiten künstlerisch, und das heißt

auch immer inhaltlich, positionieren. Diese Inhalte können nun aus der Beschäftigung

mit der Marburger Stadtgeschichte oder aus allgemeingültigen Denkansätzen,

die hier insbesondere auf das Thema Wasser bezogen sind, hervortreten.

Hierzu kann es aber aus künstlerischer Sicht auch sinnvoll sein, die unmittelbare

Lahnnähe der Arbeiten auszuweiten und übergreifende Verbindungen

zu thematisieren. Nicht nur mit fast nassen Füßen, sondern auch beim trocken

schweifenden Blick vom Schloss spielen Lahn und Wasser wichtige Rollen:

Manchmal sieht man erst aus der Distanz das Detail, manchmal braucht es eine

Übersetzung, eine Transformation des Vorhandenen, des allzu Augenscheinlichen

und unmittelbar Sichtbaren, um das Geahnte und Unterschwellige, das Eigentliche

und Wahre sichtbar zu machen. Zu solchen Prozessen kann Kunst Wesentliches

beitragen und daher ist mit dem Projekt „wasserdicht“ die Hoffnung

verknüpft, dass sie dies auch hier tut und im idealsten Fall Schönes im eigentlichen

Sinne des Ästhetischen, sprich: Erkenntnishaften, sichtbar werden lässt.

Vor diesem gedanklichen Hintergrund ist im Laufe der letzten Monate

durch die intensive thematische Auseinandersetzung der KünstlerInnen ein

Skulpturenpfad entstanden, der nicht nur körperlich erwandert und entdeckt

werden will, sondern der neben dem Genuss, dem Schmunzeln und Staunen

auch Aufforderungen enthält, Gedankenwegen nachzugehen und sie bestenfalls

fortzuführen, zu erweitern und neue Verästelungen in der eigenen Stadtund

Selbstwahrnehmung entstehen zu lassen.

Der Begriff „Stadt“ meint nun weit mehr als die Summe der Gebäude, Straßen,

Institutionen usf., er meint vor allem auch die Menschen, und so thema-


tisieren die wasserdichten künstlerischen Arbeiten – die man trotz aller Inhalts-

und Formvarianz alle als Skulpturen/Installationen bezeichnen kann –

keine städtebauliche Topografie, sondern eine gedankliche, soziale, vielleicht

sogar seelische.

In diesem Sinne haben alle Arbeiten etwas Persönliches, richten sich an

den Einzelnen, indem sie mit der jeweiligen künstlerischen Position auch einen

zwischenmenschlich-kommunikativen Standpunkt verorten. Wie diese

Positionen aussehen und welche Assoziations-, Inhalts- und Gedankenfelder

ihnen als Nährboden dienen, berichten die jeweiligen Texte, die den Bildteilen

zu den einzelnen künstlerischen Arbeiten vorangestellt sind.

So versteht sich dieser Katalog als Lese- und Bilderbuch, welches die Ausstellung

dokumentiert, aber auch begleitet und so bestenfalls selbst zum Begleiter

bei der Erkundung und Entdeckung zeitgenössischer Kunst wird – das

Noch-Taschenformat bietet dies an.

Bevor sich mit der nächsten Seite das Buch weiter öffnet, möchte ich Dank

sagen. Mein Dank gilt vor allem den KünstlerInnen für ihre monatelange Auseinandersetzungsbereitschaft

und das Erschaffen und oft aufwendige Installieren

ihrer Arbeiten. Er gilt auch der Stadt Marburg und ihren städtischen Angestellten,

insbesondere den Mitarbeitern des Kulturamts, und nicht zuletzt den

Marburger Bürgern, die tat- und gedankenkräftig mit angepackt haben – eine

davon ist die Layouterin dieses Katalogs. Ohne sie alle wäre der wunderbare Akt

des wasserdichten Sichtbarmachens von Ideen nicht gelungen. Ich wünsche Ihnen

viele Anregungen und viel Vergnügen damit, das Projekt in seinem Facettenreichtum

zu entdecken – mögen die Arbeiten der KünstlerInnen von hier an

das Ungesagte oder vielleicht nur unzulänglich Angedeutete weitererzählen...

Georg Mertin | Künstlerischer Leiter | Mai 2010

Georg Mertin Von der luftigen Idee

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wasserdicht

Georg D. Falk, Vorsitzender am Oberlandesgericht Frankfurt

wasserdicht? – Ein Beitrag aus juristischer Sicht

Menschen haben gelegentlich vielgestaltig auftretende Probleme mit Wasser

und Wasserdichtigkeit. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Begrenzungen

werden aber von Juristen erwartet und sie müssen notgedrungen

wasserdichte Definitionen und wasserdichte rechtliche Lösungen finden.

Das Internetportal juris verzeichnet zum Begriff „wasserdicht“ 4.090.473 Dokumente

und 1.374 Entscheidungen. Zivilgerichte, Patentgerichte, Finanzgerichte,

Verwaltungsgerichte versuchen wasserdicht zu begründen, was „wasserdicht“

meint; es fehlen eigentlich nur noch die Strafgerichte, die für den Beleidigungswert

der Frage: „Ja, sind Sie denn noch ganz (wasser-)dicht?“ zuständig

wären. Sogar die Arbeitsgerichte beschäftigt, was eine „wasserdichte“ Verzichtsvereinbarung

zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer denn nun darstelle.

Diesbezügliche juristische Entscheidungen erstrecken sich von der Aquariumsleuchte

bis zur Sickergrube, vom Wasserbett bis zur wasserdichten Uhr:

prall-bunte Fälle zum Ausleben juristischer Argumentationskünste.

Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz erkennt in einer Entscheidung

zum Hochwasserschutz messerscharf, dass Thujahecken und Strauchwerk „nicht

vollständig wasserdicht sein werden, also eine Durchströmung zulassen“.

Die Vergabekammer Schleswig-Holstein hatte sich mit der Wasserdichtigkeit

von Probenröhrchen zu beschäftigen, die dazu dienen sollten, die Gewebeentnahme

aus der Ohrmuschel von Rindviechern vor Umwelteinflüssen zu

schützen. Es musste ausgeschlossen sein, dass beim Gewinnen der Gewebeprobe

und beim anschließenden Verschließen des Probenröhrchens Tierhaare zwischen

Verschlussstopfen und Seitenwand des Probenröhrchens geraten könn-


ten, die eine völlige Dichtigkeit des Probenröhrchens verhindern und dadurch

zum einen Umwelteinflüsse auf die Gewebeprobe zulassen und zum anderen einen

Flüssigkeitsaustritt aus dem Probenröhrchen ermöglichen könnten.

Und dann immer wieder das Problem mit wasserdichten Uhren. Die Wasserdichtigkeit

einer Uhr ist schon von jeher ein entscheidendes Merkmal beim Kauf

einer Armbanduhr. Es ist ein Zeichen von Qualität und Handwerkskunst, wenn eine

Armbanduhr „30 Meter wasserdicht“ ist. Kein Wunder also, wenn Hersteller

nur zu gerne mit dieser Eigenschaft werben, was dazu führt, dass der juristisch

maßgebliche „verständige Durchschnittsverbraucher“ die Vorstellung entwickelt,

mit dieser Uhr wiederholt 30 Meter tiefe Tauchgänge durchführen zu können.

Für solche Fragen haben wir hierzulande das „Deutsche Institut für Normung

e.V.“, kurz DIN. Dieses legt fest, dass eine Uhr als wasserdicht gilt, wenn

sie im Neuzustand die drucktechnische Prüfung nach DIN 8310 besteht. Das verlangt

aber keine Tauchtiefe von 30 Metern, sondern lediglich, dass die Uhr 5 Minuten

einen Druck von 3 bar aushält. Bedeutet de facto, dass die Uhr lediglich

Wasserspritzer aushält und bereits zum Duschen als ungeeignet gilt. Für Costeaugleiche

Tauchgänge ist eine solche Uhr also völlig ungeeignet. Erst die Angabe

„100 Meter wasserdicht“ kennzeichnet eine Uhr, die zum häufigen Schwimmen

oder Schnorcheln verwendet werden kann. Das Oberlandesgericht Frankfurt sah

deshalb die Bewerbung einer Uhr mit „30 Meter wasserdicht“ als eine relevante

Irreführung an. Zwar erwäge der angesprochene Durchschnittsverbraucher kaum

ernsthaft, mit der Uhr Tauchgänge in 30 Metern Tiefe durchzuführen, aber allein

die Tatsache, dass dies nach seiner Vorstellung möglich wäre, sei geeignet, sein

Kaufverhalten bei mehreren in Betracht kommenden Uhren zu beeinflussen.

Eine wahrlich wasserdichte Argumentation, aber wasserdicht ist schließlich

auch nicht alles ...

Georg D. Falk wasserdicht? – Ein Beitrag aus juristischer Sicht

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Albert Kaul

... an die Lahn:

Kleine Geschichte der Marburger Fußgängerunterführungen

Seit frühester Zeit wurden Flüsse als Verkehrswege genutzt, an ihnen entwickelten sich

die frühen Hochkulturen. Nach und nach wurde diese Rolle von Straßen übernommen.

Dabei war ein Problem immer, diese Verkehrsadern zu queren. Bei Flüssen gab es Furten,

später Brücken, die sich darüber spannten – wie aber kommt man über eine Straße?

Am 17. August 1896 ereignete sich der erste (offiziell dokumentierte) Verkehrsunfall

mit Todesfolge, in den ein Automobil verwickelt war: Die 45-jährige

Bridget Driscoll überquerte eine Straße in London und wurde dabei von einem

Automobil erfasst und zu Boden geschleudert. Kurz darauf starb die Mutter

dreier Kinder an ihren Kopfverletzungen.

Dieser Unfall war der erste einer rasch ansteigenden Zahl von Unfällen, an

denen Automobile beteiligt waren. Das neue, bald sehr beliebte Verkehrsmittel

erwies sich, da es weit höhere Geschwindigkeiten als Fußgänger erreichte,

als lebensgefährlich.

In Deutschland wurde erstmals 1906 die Zahl der Verkehrstoten statistisch

erfasst, 51 Menschen starben in jenem Jahr durch Autounfälle. Bereits

1913 hatte sich die Zahl der Opfer verzehnfacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg

wuchs in Westdeutschland die Zahl von jährlich 8.000 Toten bis Anfang der

70er Jahre auf über 20.000 Opfer jährlich an.

Als besonders gefährdend für Fußgänger erwies sich die Überquerung einer

von Autos befahrenen Straße – bei einem solchen Versuch war ja bereits

die erste Verkehrstote Bridget Driscoll zu Tode gekommen. Es mussten Wege


gefunden werden, die Straßenüberquerung so zu regeln, dass sie gefahrlos

möglich war: Der Zebrastreifen wurde erfunden. Er taucht in internationalen

Vereinbarungen erstmals in einem am 19. September 1949 in Genf unterzeichneten

Protokoll über Straßenverkehrszeichen auf. In Deutschland wurden

die ersten zwölf Zebrastreifen in München am 8. Juli 1952 angelegt. Um

den – bei potenziellen Unfällen – physisch Schwächeren wenigstens juristisch

einen Vorteil einzuräumen, wurde 1964 der Vorrang für Fußgänger auf

Zebrastreifen eingeführt. Zebrastreifen wurden damit allerdings für Autofahrer

zu potenziellen „Gefahrenpunkten“: Jeder Fußgänger, der, unerwartet

auftauchend, einen Zebrastreifen überquerte, konnte sich dem Autofahrer gegenüber

im Recht fühlen. Deshalb wurden etwa ab Mitte der 60er Jahre viele

Zebrastreifen wieder beseitigt, „um den Verkehrsfluß aufrechtzuerhalten“,

wie es in einem Fachartikel von 1967 hieß. Kreuzungen von Fußgänger- und

Autoverkehr sollten, zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, nach Möglichkeit

vermieden werden. Die Lösung dieses Problems: Fußgängerunter- bzw.

-überführungen, die nun seit Mitte der 60er Jahre in vielen Städten verstärkt

gebaut wurden.

Auch in der Stadtgeschichte Marburgs lassen sich diese Tendenzen verkehrstechnischer

und -planerischer Probleme verfolgen. Durch die besonderen

geografischen Gegebenheiten der Stadt erfuhr die Geschichte der Unterführungen

hier ihre eigene, ganz besondere Prägung.

Marburgs Einwohnerzahl war nach dem Zweiten Weltkrieg sehr stark angewachsen,

bedingt durch den Zuzug vieler Flüchtlinge. Außerdem stieg die

Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge: Zwischen 1950 und 1960 hatte sie sich

mehr als verdoppelt. Ein 1963 erstelltes Verkehrsgutachten prognostizierte

Albert Kaul ... an die Lahn

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wasserdicht

Strombelastungsplan der Straßen in Marburgs Zentrum

(Ende der 60er Jahre, Prognose für 1980)

den baldigen Verkehrskollaps für die Marburger Innenstadt, wenn sich nichts

änderte.

Stadtparlament und Magistrat beschlossen, die Stadt verkehrstechnisch

von Grund auf zu verändern. Die Stadtautobahn wurde gebaut; andere kühne

Verkehrsprojekte manifestierten sich in neuen Bebauungsplänen. Die „autogerechte

Stadt“ war Devise der Zeit, bequem sollten die Bürger mit dem eigenen

Auto bis in die Innenstadt fahren können. Man plante die sogenannte

Schlachthofbrücke, die etwa auf Höhe des heutigen Louisa-Heuser-Stegs die

Lahn überspannen sollte, in einer Art gigantischem Kreisverkehr sollte der

Verkehr vier- bis sechsspurig über Biegenstraße, Rudolphsplatz, Erlenring

und die neue Brücke zirkulieren, die Biegenstraße sollte mit der „Biegenbrücke“

über die Lahn direkt bis zur Stadtautobahn fortgesetzt werden.

Diese am Ideal des flüssigen, staufreien Individualverkehrs orientierten

Pläne verlangten, auch für die Fußgänger entsprechende Lösungen zu finden.

Zebrastreifen und Fußgängerampeln störten allerdings den Verkehrsfluss

und waren unfallträchtige Gefahrenpunkte.

Längst hatte sich gezeigt, dass schnelle Verkehrswege nicht nur etwas

Verbindendes, sondern auch eine trennende Eigenschaft haben: In gleichem

Maße, wie sie den schnellen Verkehrsfluss ermöglichen, wirken sie quer zum

Schnellverkehr behindernd, fast wie Dämme. In Marburg ist dies in besonderer

Weise erkennbar: Auf der linken Lahnseite trennen die Bahnstrecke Frankfurt–Kassel

und die Stadtautobahn die dort liegenden Stadtteile vom Zugang

zur Lahn. Auf der anderen Lahnseite sind es verkehrsreiche Straßen und Kreuzungen,

die die Bewohner der Stadt daran hindern, die Lahn zu erreichen. Das

Bedürfnis, Durchlässe und Passagen durch diese Dämme zu schaffen, ist unmittelbar

verständlich.


Als besonderes verkehrstechnisches Problem erwies sich der Rudolphsplatz,

dies wurde bereits lange vor dem Krieg so gesehen. Im Hessischen

Tageblatt vom 28. Dezember 1929 ist zu lesen: „Der Rudolphsplatz ist

das Schmerzenskind unserer Stadt. Bar jeder Vernunft liegt er da, gekrümmt,

als ob er Bauchschmerzen hätte. 5 Straßen fließen in ihm zusammen

[...]. Der Rudolphsplatz ist ein Problem, das man bisher vergebens zu lösen

bemüht war.“ Als ähnlich gefährlich für Fußgänger wie der verwinkelte,

unübersichtliche Rudolphsplatz, allerdings aus anderen Gründen, erwies

sich die Biegenstraße. Sie ist eine schnurgerade, vierspurige Straße, geradezu

wie geschaffen für den Durchgangsverkehr. Aber gerade an dieser Straße

befinden sich viele Gebäude, die besonders viel Fußgängerverkehr erwarten

lassen: Kinos, das Hörsaalgebäude der Universität, eine Kirche, die Stadthalle,

mehrere Schulen.

Deshalb ist es kein Zufall, dass gerade an diesen beiden zentralen Stellen

der Stadt Unterführungen unter Straßen gebaut wurden (zwei weitere im

Stadtzentrumsbereich wurden zwar geplant, aber nie realisiert). Am Rudolphsplatz

wurde sie am 23. Oktober 1971, in der Biegenstraße am 7. März

1972 eröffnet. Stolz verkündete die Oberhessische Presse am nächsten Tag:

„Der Biegentunnel konnte gestern Nachmittag nach fast einjähriger Bauzeit

seiner Bestimmung übergeben werden. Die Leistungsfähigkeit des Tunnels:

15.000 bis 20.000 Personen pro Stunde.“ Die Zeitung vergaß nicht hinzuzufügen:

„Mit der Übergabe der Unterführung [...] wurden von Beamten der Marburger

Schutzpolizei die Ampeln in Höhe des ,Capitols‘ und des Finanzamtes

außer Betrieb gesetzt.“ (OP, 7. März 1972) Endlich freie Fahrt auf der Biegenstraße,

kein lästiger Zebrastreifen mit Ampeln mehr! Kurze Zeit später bekam

Albert Kaul ... an die Lahn

die Biegenstraße eine neue Straßendecke, und die OP kommentierte: „Mar- „Großzügig

mutet das moderne Straßennetz am Rande der alten Stadt an.“

(Original-Bildunterschrift der Oberhessischen Presse, 6. Mai 1972)(Stadtarchiv Marburg)

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Eröffnung der Unterführung in der Biegenstraße, 6.

März 1972 (Stadtarchiv Marburg)

Die Unterführung in der Biegenstraße heute

burger Kraftfahrer bekommen allmählich wieder ein Gefühl für Straße in ihrer

Stadt.“ (OP, 24. März 1972)

Als Menetekel erscheint es aber geradezu, dass bereits am 15. März 1972,

also gerade eine Woche (!) nach Eröffnung des „Biegentunnels“, die Oberhessische

Presse an ihre Leser appelliert, die „zu ihrer Sicherheit geschaffenen Fußgängertunnel

am Rudolphsplatz und in der Biegenstraße auch wirklich zu benutzen“,

sie fügt hinzu, es sei „allzu häufig leider zu beobachten“, dass gedankenlose

Fußgänger, sogar „unvernünftige Eltern aus Bequemlichkeit bedenkenlos

mit ihren Kindern nur wenige hundert Meter [...] entfernt im dichten

Straßenverkehr Hauptverkehrsstraßen überqueren“.

Die Zeiten ändern sich. Plötzlich werden die Nachteile des Autoverkehrs

wahrgenommen und in der Presse diskutiert. Kaum ein Jahr nach Eröffnung

der Unterführungen wird in der Oberhessischen Presse bereits vom „Alptraum

der autogerechten Stadt“ die Rede sein (24. März 1973). Bis Mitte der 70er Jahre

findet ein bemerkenswerter verkehrspolitischer Umschwung statt, nicht

mehr das Auto steht im Mittelpunkt verkehrstechnischer Stadtplanung, sondern

Lebensqualität der Stadt und Erhaltung des Stadtbildes und alter Bausubstanz.

In den Zeitungen ist jetzt viel von Fußgängerzonen die Rede, von

Parkhäusern, Park+Ride-Systemen und verkehrsberuhigten Zonen. Schlachthof-

und Biegenbrücke sind bald vergessene Bauprojekte, es geht um die „Verbannung

des Blechwurms“, wie die Oberhessische Presse poetisch formuliert.

Die Unterführungen sind bald unbeliebt. Viele Menschen setzen sich lieber

der Gefahr aus, die Straße ohne Ampel und Zebrastreifen zu überqueren,

als eine Unterführung zu betreten. Eine instinktive Abneigung, die Menschen

daran hindert, ohne Not eine dunkle Höhle zu betreten? Ein tief sitzendes biologisches

Programm? Laut einer psychologische Studie über Angsträume in


Marburg (1997) gehören die Fußgängerunterführungen Rudolphsplatz, Biegenstraße

und Blitzweg zu den unbeliebtesten Orten im Stadtgebiet.

Ein anderes Problem nimmt Mitte der 70er Jahre Kontur an: Die drei Unterführungen

werden häufig mit Wandschmierereien verunstaltet und sehen

zunehmend verwahrlost aus. Ein lebhafter Schriftverkehr des Magistrats mit

Schulen, Kindergärten und Jugendhäusern dokumentiert, wie diese Institutionen

aktiviert werden, um die Unterführungen mit Bildern von Kindern und

Jugendlichen zu verschönern; so werden diese zum kunstpädagogischen Experimentierfeld.

Stillschweigend richtet die Stadt schließlich die Ampelanlagen wieder ein,

die ja ursprünglich durch die Unterführungen überflüssig gemacht werden

sollten. Wie in den 60er Jahren lassen sich heute Rudolphsplatz und Biegenstraße

wieder über von Fußgängerampeln geregelte Überwege überqueren.

Die Unterführungen, die einmal dazu gedacht waren, einen gefahrlosen Weg

von der Kernstadt zur Lahn zu Fuß zu ermöglichen, also eine gigantische

Fehlplanung, ein verkehrspolitisches Ärgernis der Stadtgeschichte?

Zumindest die Unterführung in der Biegenstraße scheint heute gar nicht

mehr ihrer eigentlichen Bestimmung gemäß genutzt zu werden. Wer in diese

Unterführung geht und dort verweilt, bleibt meist allein – ein Ort der Ruhe

sozusagen, unter einer stark befahrenen Straße. Lediglich Graffiti-Künstler

und ihre Bewunderer tauchen auf, um hier zu arbeiten oder neu entstandene

Tags und Bilder zu betrachten. So dient das Bauwerk heute nicht mehr seinem

ursprünglichen Zweck, sondern als eine Art Museum – in dieser Hinsicht ist

es durchaus dem Marburger Schloss vergleichbar.

Albert Kaul ... an die Lahn

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wasserdicht – tropfenweise

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20 Stephanie Bachmann & Albert Kaul Schritte.Schatten.Stimmen

über Flüssige unter Führungen. Installation in drei Teilen

Spuren – des Eigenen, verhallend, verschwindend, verklingend.

Kurz erfasst – Fremdes im Eigenen – Eigenes im Fremden.

Ausgesetzt unter einem Fluss von Verkehr – führungslos auseinandergesetzt?

In der Fremde? Ich in meinem Eigensinn von Fremdheit gezeichnet.

Die Beunruhigung als Anlass der Suche.

Orte, nicht angenommen, befremdlich. Unorte in ihrer Dysfunktionalität,

Kunstorte, indem sie Zwecklosem Raum geben, Differenzen gewähren.

Eine Verschiebung in der Wahrnehmung, ein Innehalten ob einer Störung.

Der Klang fremder Schritte bildet den Rhythmus im Dialog mit meiner Gangart, ein Lichtschein wirft unerwartet ein Profil

an die Wand, eine Frage forscht nach den Beweggründen für die Laufrichtung?


Stephanie Bachmann&Albert Kaul Schritte.Schatten.Stimmen (2010)

Schritte Klanginstallation, Unterführung Biegenstraße; MP3-Player, Lautsprecher, Bewegungsmelder

Wer die Unterführung betritt, hört Schritte. Diese verklingen wieder. War da jemand?

Schatten Lichtinstallation, Unterführung Blitzweg/Schülerpark; Profilscheinwerfer, Bewegungsmelder

Betritt jemand die Unterführung, wird einer der „Rahmen“, die in die Betonwand zwischen Treppe und Beginn des Tunnels

unter den Gleisen eingelassen sind, durch einen gegenüber angebrachten Scheinwerfer ausgeleuchtet. Für einen kurzen Moment

wird der eigene Schatten im Rahmen sichtbar. Wer möchte, kann innehalten und den Schatten im Rahmen betrachten.

Stimmen Videoinstallation, Unterführung Rudolphsplatz, 2 Bildschirme, Videos

Die Videos zeigen Interviews von Passanten am Rudolphsplatz. Sie äußern sich zu den Gründen, warum sie den Zebrastreifen/die

Unterführung nutzen und nicht den jeweils anderen Weg. Zudem werden sie befragt, wie sie die Unterführung wahrnehmen.

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Der vollendete Mensch

muss gleichsam zugleich an mehreren Orten

und in mehreren Menschen leben.

Novalis

Stephanie Bachmann&Albert Kaul Schritte.Schatten.Stimmen (2010)

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Stephanie Bachmann&Albert Kaul Schritte.Schatten.Stimmen (2010)

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26 Bernward Frank Ich nenne mich „Kinetiker“, so, wie sich expressionistische Maler „Expressionisten“ nennen. Kinetische

Kunst ist aber auch so etwas wie eine Farbe oder Dimension, also ein eigenständiges Ausdrucksmittel.

Belebte Objekte Aus der griechischen Mythologie sind uns Ideen von mechanischen Objekten überliefert, z.B. mechanische

Tauben oder Mägde. Von einer scheinbar beseelten Mechanik geht schon immer ein ganz eigener Zauber aus. Diese

Begeisterung setzt sich in den zeichnenden, schreibenden und musizierenden „Automaten“ von Jaquet-Droz (17. Jh.) bis

hin zu der heutigen Robotnik fort.

Bewegung als Mittel Anfang des 19. Jhs kamen Künstler wie P. Mondrian und J. Miró auf die Idee, flächige Farbkompositionen

den zufälligen Bewegungen eines Balkenmobiles zu überlassen. Versuchen Sie selbst einmal ein gelbes Dreieck, ein grünes

Viereck und einen blauen Kreis optimal auf einer Fläche zu platzieren. Überlassen Sie diesen Vorgang jedoch einem Mobile,

kann man rein statistisch davon ausgehen, dass irgendwann – auch wenn man gerade nicht hinschaut – eine optimale Komposition

erreicht werden wird. Der Betrachter reduziert das Objekt wieder um die Dimension Zeit und friert einen Moment ein.

Bewegung als Ausdruck Wenige Künstler beschäftigen sich mit der Bewegung selbst. Es gibt zweidimensionale Darstellungen,

bei denen die Bewegung derart im Vordergrund steht, dass man durchaus von kinetischer Kunst sprechen kann. Im Bild „Dy-


Bernward Frank Derwische (2009), Taumelscheibe (2002)

namismus eines Hundes an der Leine“ von Giacomo Balla wird erstmals Bewegung durch eine Verwischung dargestellt. Ich denke,

eine Bewegung auf diese Weise darzustellen wurde erst mit der Erfindung der Fotografie möglich. Kurz nach G. Balla folgte

die Op-Art und schließlich die kinetische Kunst. Es gibt Objekte, in denen die Trägheit gigantischer Massen eindrucksvoll dargestellt

wird. Beispielweise bei B. Luginbühl mit seinen 1,5 m großen Stahlkugeln, A. Ganson, dessen Output eines sehr stark untersetzten

Getriebes in einem Granitblock fest verankert endet, oder bei den filigranen, vom Wind bewegten Nadeln von G. Rickey.

Die Erfindung als Kunst In einer Zeit, in der Erfindungen meist nur kombiniert werden, ist es in der kinetischen

Kunst noch möglich, echte, wenn auch unökonomische Erfindungen zu machen. Neben der Hoffnung eines Künstlers, seine

Technik zu perfektionieren, gibt es immer den Ehrgeiz, etwas ganz Neues zu schaffen. Es wirkt zweifelsohne der Geist des

Erfinders. Es lockt die Aufgabe, mit einem Windhauch oder der Lageenergie einer Stahlkugel möglichst viel zu bewirken.

Ich schau überall hin, wo sich etwas bewegt. Mein Lieblingsmuseum ist das Technische Museum in München. Es ist mir

eine Freude, im Kopf mechanische Apparaturen ablaufen zu lassen. Wenn ich eine geeignete Bewegung und Mechanik gefunden

habe, suche ich lange nach einer Form, bevor ich mit der Arbeit beginne. Für mich ist es wichtig, dass die Objekte

autonom bleiben, also nicht mit Strom arbeiten. So wie es den Bildhauer freut, wenn das Gesicht der Skulptur ihn erstmalig

anblickt, ist es für mich das Größte, wenn das Objekt unter dem Einfluss von Wind oder Wasser lebendig wird.

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Bernward Frank Derwische (2009), Taumelscheibe (2002)

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Bernward Frank Derwische (2009), Taumelscheibe (2002)

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32 Monika Golla Netzschutz beschreibt technische Vorkehrungen, mit denen ein Stromnetz vor den Auswirkungen von

Fehlern geschützt wird. Im Notfall wird das fehlerhafte Segment vom restlichen Versorgungsnetz getrennt, so bleibt dieses

vor den Auswirkungen des Fehlers geschützt.

Obwohl Wasser der Ursprung des Lebens ist, bedeutet es Tod durch Untergang, wenn wir darin nicht Schwimmen lernen. Neugeborene

besitzen noch das Urwissen aus dem Mutterleib und bewegen sich sicher im seichten Wasser des Ufers. Doch der Nestschutz

hält nicht lange vor und der Strom des Lebens zieht uns mit in seine Mitte. Ob nun gegen den Strom zu schwimmen oder

sich mit ihm treiben zu lassen, das Ziel ist stets, sich über Wasser zu halten – jeder auf seine Art und nach seinen Möglichkeiten.

Da unsere natürlichen Fähigkeiten sehr begrenzt sind, entwickeln wir Methoden und Hilfsmittel, um nicht unter zu gehen.

Wir brauchen Schwimmflügel. Wir bauen Instrumente, die uns den Fluss erklären sollen, die nächste Biegung voraussagen

und gefährliche Strömungen rechtzeitig erkennen helfen. Wir erfinden Vorschriften und Normen in der Annahme,

das Leben hielte sich daran. Und weil wir all dem selbst nicht vertrauen, treffen wir Sicherheitsmaßnahmen, entwickeln

Sicherheitsvorrichtungen, stellen Sicherheitskriterien auf, legen Sicherheitswesten an und schließen Versicherungen ab.

Und währenddessen fließt der Fluss einfach weiter – und wir mit ihm.


Monika Golla Schutznetz (2010), Erste Hilfe (2010)

Wir Menschen konzentrieren uns sehr auf diese unsere technischen Errungenschaften und ausgeklügelte Schwimmregeln,

und trotz alldem geraten etliche Mitschwimmer ins Straucheln und drohen zu ertrinken. Einige haben das

Schwimmen tatsächlich nie gelernt und so lange nur gestrampelt bis sie die Kraft verließ. Andere athletische Krauler

stoppte ein Wadenkrampf und machte sie unerwartet bewegungslos. Manche von ihnen gehen vor unseren Augen unter,

weil wir nicht fähig sind, einen Rettungsring zu werfen. Weil Fangnetze zu hoch hängen, weil Rettungswesten sichtbar,

aber nicht für jeden erreichbar sind. Weil mit der Begründung, das große soziale Netzgefüge schützen zu wollen, wir sie

isolieren und uns von ihnen entfernen aus Angst, selbst unter zu gehen.

Ein Fangnetz voller Rettungswesten hängt unter der Weidenhäuser Brücke. Gerade aus der Lahn gefischt? – Aber wo

ist das Leben, das sie retten sollten?

Wage zu hören sind Klänge aus dem Inneren dieser Ansammlung – Geräusche ungeborener Kinder im schützenden

Fruchtwasser. Möglicherweise ist dieser Untergang also ein Neuanfang. Einer Taufe gleich, die ein Symbol für das Sterben

und die Wiedergeburt darstellt, entsteht vielleicht in der Mitte des Gebildes gerade jetzt ein neues Leben. Mit Schwimmwesten

jeweils gut ausgestattet verlässt es alsbald das schützende Netz und stürzt sich erneut in den Fluss, um sich eine

Zeit lang über Wasser zu halten.

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Monika Golla Schutznetz (2010), Erste Hilfe (2010)

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Monika Golla Schutznetz (2010), Erste Hilfe (2010)

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38 Pit Kinzer Gerngroß Models XXL: Der Sprung ins Ungewisse oder Fliegen ist Schwimmen ohne Wasser

6-teilige Installation durch Marburg vom Schloss bis dicht ans Wasser

Die Installation ist Teil des breit angelegten Projektes „Gerngroß-Models“, das aus mehreren Serien von Fotoarbeiten besteht.

In den meisten erschafft Pit Kinzer einen Bühnenraum, um seine Modelle (knapp zwei Zentimeter große Modelleisenbahnfiguren)

zu arrangieren, zu inszenieren, auszuleuchten und schließlich mittels Makrofotografie festzuhalten

oder durch Bildmontage neue Realitäten zu schaffen. So erreichen diese Models ihr Ziel – sie wären gern groß, wie wohl in

uns allen als Kind der Wunsch war: Wenn ich groß bin, dann ...

In der Serie „Gerngroß Models XXL“ wird dieses Prinzip noch gesteigert. Die ursprünglich winzigen Objekte werden überlebensgroß,

fast monumental aufgewertet, sie verwandeln sich zu Skulpturen, die sich im Wind bewegen und Schatten werfen.

Gestik und Körpersprache werden deutlicher und die ursprüngliche Oberfläche der Figuren mit ihren produktionsbedingten

Graten und Gussnähten bekommt durch die Makroaufnahme überhaupt erst eine Bedeutung. Durch die Platzierung der monumentalisierten

Objekte in der realen Kulisse der Hausfassaden wird der Bühnenraum riesig, die ganze Stadt zum Kunstobjekt.

Den Springenden und Schwimmenden begegnen wir im Stadtraum an verschiedenen Orten, in verschiedenen Situationen.


Pit Kinzer Gerngroß-Models XXL: Der Sprung ins Ungewisse oder Fliegen ist Schwimmen ohne Wasser (2007–2010)

„Der Sprung ins Ungewisse“ – für wen gilt Ungewissheit? Wohin führt der Sprung? Auf das doch recht harte Marburger

Pflaster? Oder in die Lahn? Gibt es eine Rettung? Eine kontrollierte Landung? Oder wartet die Katastrophe?

Zum Beispiel die Schwimmerinnen: Noch steht ihnen nicht das Wasser bis zum Hals. Auch ihre Kleidung gibt wenig

Hinweise auf irgendwelche Gefahrensituationen: Bikinis, Badeanzüge. Man denkt an Sommer, Sonne, Meer. Ihre Körperhaltung

lässt die Deutung zu: Sie schwimmen, oder genauer, sie tauchen auf. Das sind keine Fassadenkletterer, sie steigen

nicht an der Wand hoch. Oder doch? Stürzen sie ab? Können sie sich gerade noch festhalten? Fallen sie? Springen sie? Fliegen

sie gar?

Offensichtlich freiwillig abgehoben ist der Springer an der Schlossmauer, auch wenn wir das Sprungbrett nicht sehen.

Er macht so gar keinen verunsicherten Eindruck. Zu perfekt die Körperhaltung, zu klar der aufmerksame Blick in die Tiefe.

Und doch – durch eine millimetergenaue Tiefenschärfe in der Fotografie fliegt die Figur gewissermaßen in einen Unschärfebereich

hinein, dessen Ende nicht absehbar ist.

Die Ungewissheit scheint also viel mehr bei uns zu liegen:

Stehen wir auf dem Grund eines riesigen Schwimmbeckens? Sind wir hier auf dem Boden Teil dieser Szenerie?

Und wo ist das Wasser?

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Pit Kinzer Gerngroß-Models XXL: Der Sprung ins Ungewisse oder Fliegen ist Schwimmen ohne Wasser (2007–2010)

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Pit Kinzer Gerngroß-Models XXL: Der Sprung ins Ungewisse oder Fliegen ist Schwimmen ohne Wasser (2007–2010)

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Rolf Kurz ALLES ist im Fluss

Der Titel der Stahlplastik geht auf den vorsokratischen Philosophen Heraklit und dessen Erkenntnis über den natürlichen,

beständigen und allumfassenden Wandel allen Seins, oder besser: allen Werdens, zurück, der auf die Kurzformel „panta

rhei“, zu Deutsch „Alles fließt“ oder eben „Alles ist im Fluss“, gebracht wurde. Heraklit zufolge ist die alltäglich empfundene

Stabilität irreführend und oberflächlich, alles scheinbar Dauerhafte eben nur bloßer Schein. Von Dauer ist einzig die

Veränderung. Diese Gedanken spielen auch im Taoismus und im Zen eine Rolle, so spricht Okakura Kakuzo 1906 von einem

„Geist des kosmischen Wandels“ 1 , der amerikanische Religionsphilosoph Alan Watts schreibt:

„Es ist der Lauf der Natur, das Prinzip, das den Wechsel herbeiführt und regiert, der unablässige Fortgang des Lebens,

das keinen Augenblick stillehält.“ 2

Die Arbeit versucht, diese Gedanken auf mehrere Weisen sichtbar zu machen. Zum einen durch die skulpturale Manifestation

des Titels in Form des in der Lahn stehenden Wortes „ALLES“. Zum anderen aber auch dadurch, dass der blank

geschliffene Stahl nicht weiter behandelt wurde und somit als eine Form der Veränderung witterungsbedingt eine Rostpatina

annimmt, um sich in letzter Konsequenz aufzulösen. Der Gestaltungsvorgang der Stahlplastik ist also nicht mit der


Rolf Kurz Alles (2010)

Platzierung derselben abgeschlossen, sondern befindet sich in ständiger sichtbar fortschreitender Bewegung, gewissermaßen

in einem stetig fließenden Fluss. Auch der Abbau der als temporäre Installation geplanten Arbeit kann im Sinne

des permanenten Wandels verstanden werden.

„Es soll sich regen, schaffend handeln, / Erst sich gestalten, dann verwandeln; / Nur scheinbar stehts Momente still. / Das

Ewige regt sich fort in allen: / Denn alles muß in Nichts zerfallen, / Wenn es im Sein beharren will.“ 3

Johann Wolfgang von Goethe: Eins und Alles

1 Okakura Kakuzo: Das Buch vom Tee (dt. Übers.: Horst Hammitzsch); Frankfurt am Main, Leipzig 2002. S. 40.

2 Alan Watts: Vom Geist des Zen (dt. Übers.: Julius Schwabe); Frankfurt am Main, Leipzig 2008. S. 34f.

3 Johann Wolfgang von Goethe: Sämtliche Werke in 18 Bänden. Bd. 1: Sämtliche Gedichte; Zürich 1950. S. 514.

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Rolf Kurz Alles (2010)

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50 Georg Mertin Dichtung und Wasser

Auf der Suche nach dem Stein des Anstoßes lasse ich Erinnerungssteine über die Wasseroberfläche meines Gedächtnisses

flitschen und fange Bilder dabei ein. 1 – Ein Schwarm Blaustichlinge in der Stadt am Schloss, immer im Gespräch, immer im

Wettstreit miteinander, wer die bessere Idee habe, wer das gemeinsame Unternehmen weiterführen könne in Richtung Bühne,

mal im Sinne eines Spiels, mal im Sinne eines Streits, und eine hat allzu nah am Wasser gebaut. 2 – Ein Haufen Ausflügler

in der Rhön, der tagsüber eine Frisbeescheibe hüpfen, abends die Weinflasche kreisen und nachts das Schnarchen wandern

lässt, und einer darf am Ende nicht mitsingen. 3 – Eine Handvoll Irrer auf der Seeräuberinsel, die sich vor der Kälte am Meer,

vor Schnee und Wind bei einem Grog in Sicherheit bringen und pantomimisch gegeneinander antreten, um die Welt in Bilder

zu übersetzen, und eine kennt die ultimative Geste für Barbecue. 4 – Die fantastischen Vier am Ostseestrand, die zum Übernachten

statt eines Sees nur eine Lichtung an der Autobahn gefunden haben und nun nackt ins viel zu kalte Wasser springen,

und einen überlistet am Treppengeländer die Schwerkraft. 5 – Zwei Wahlverwandte zwischen Hauptstadt und Provinz, die

einander gegen Biester verteidigen und dafür sorgen, dass sie nicht untergehen im Alltagsmeer, dass sie nicht von Arbeitswellen

und Emotionswogen mitgerissen werden, und am Ende die Erkenntnis, für das Einfache nicht geboren zu sein.


Georg Mertin Flitschen – Von roten Kindheitsautomaten und der Überlistung der Schwerkräfte (2010)

Ich ziehe mir am Kaugummiautomaten eine Kapsel und finde darin nicht den Stein der Weisen – Gott bewahre, wer käme

damit schon zurecht! –, sondern stoße auf Wasser, Leichtigkeit und Gewichtigkeit, auf Menschen, die bei mir für immer einen

Stein im Brett haben werden. Ich finde Lebensscherben, verkapselt, verdichtet und so gegenwärtig, dass sie der erbarmungslosesten

aller Schwerkräfte widerstehen, der Zeit. Sie widersetzen sich dem Vergessen, ziehen Kreise auf der Oberfläche

der Gegenwart und sinken schließlich unbekümmert und ein wenig erschöpft in die abgründige Tiefe. Teile eines

Mosaiks. Steingut.

Claudia Jürgens

Die Multiples in den Kapselautomaten werden erstmals zum Projekt „wasserdicht“ in Marburg 2010 aufgelegt. Sie können

an 7 Marburger Orten an 7 Automaten gezogen werden.

Inhalt: Ein Flitschstein, ein Hinweis- und Gebrauchszettelchen, eine Iddee: Gehen Sie zur Lahn, suchen Sir Flitschsteine...

Ausgangsauflage 700 Stück.

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Georg Mertin Flitschen – Von roten Kindheitsautomaten und der Überlistung der Schwerkräfte (2010)

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Georg Mertin Flitschen – Von roten Kindheitsautomaten und der Überlistung der Schwerkräfte (2010)

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Von anderer Leute Leder

ist gut Riemen schneiden.

Erst muss man den Bären haben,

dann kann man ihm das Fell abziehen.

Der Teufel scheißt immer

auf den größten Haufen.

56 Hans Schohl „Wenn ein Wassertropfen ins Meer fällt, während es still ist, so ist es eine notwendige Folge, dass die

ganze Oberfläche des Meeres sich unmerklich hebt.“

Leonardo da Vinci hat diese Aussage in Bezug auf seine Wasserbeobachtungen und Wasserforschungen notiert und dennoch

scheint es zugleich ein treffendes Bild für das einzelne Menschenleben überhaupt. Auch ein Menschenleben gleicht

einem Wassertropfen, erscheint – abgesehen von einigen großen Ausnahmen der Weltgeschichte – bedeutungslos und

unwichtig für das große Ganze. Und dennoch, jeder hat seinen unersetzlichen Wert und jedes einzelne Leben hat Folgen

für das Weltgeschehen, ganz so, wie der einzelne Tropfen die Oberfläche des Meeres hebt, wenn auch „unmerklich“.

Zwei solche „Menschentropfen“ waren meine Eltern, meine Mutter Karoline und mein Vater Hermann. Ganz sicher waren

sie keine Menschen, die das große Weltgeschehen bedeutend mitgeprägt haben, viel eher hatten sie darunter zu leiden,

mussten den Ersten und den Zweiten Weltkrieg überstehen. Arbeit hat ihr Leben bestimmt, ganz typisch für diese Generation.

Wenn sie auch „unmerklich“ waren für die Weltgeschichte, uns Kinder Robert und Hans haben sie tief geprägt. Im Gegensatz

zu unserer Mutter, einer immer nachsichtigen, guten Seele, stets voller Mitgefühl, war unser Vater aus einem


Lieber schlecht gefahren als gut gelaufen. Hunde, die bellen, beißen nicht.

Hans Schohl Erscht muß mer de Bär hann,... (2010), Pfälzer Sprichworte (2010)

Mit den großen Hunden pinkeln wollen,

aber das Bein nicht hochkriegen.

ganz anderen Holz geschnitzt. Er war geradeheraus, zuweilen handfest und deftig und vielleicht gerade deshalb – ein begnadeter

Geschichtenerzähler. Redensarten und Sprichwörter hatte er für jede Lebenslage parat. Sie waren für ihn Schubladen,

die die Welt enthielten, Leitlinien, die Halt gaben – ihm und natürlich auch mir, bis heute.

Meine Arbeiten zu einigen seiner Pfälzer Sprichworte sind deshalb auch eine kleine Hommage an meine Eltern, vielleicht

später Dank, auf jeden Fall ein liebevolles Gedenken. Zu Lebzeiten hätte das Mutter sicher zu Tränen gerührt, der

Vater hätte aber zu meinen künstlerischen Versuchen lachend spöttisch angemerkt: „Met de große Hunn brunze wolle un’s

Bä net hochkrie“ (Mit den großen Hunden pinkeln wollen, aber das Bein nicht hochkriegen).

Jetzt mit der folgenden Aussage anzuschließen: Ein Sprichwort sei ein kurzer Satz der Weisheit, über Generationen

weitergegeben und überliefert – eine Wahrheit in Kurzfassung –, das schmerzt natürlich. Nichtsdestotrotz spiegeln

Sprichwörter eine kollektive Lebenserfahrung und geben Orientierung im Weltenlauf. Sie sind vergleichbar mit Hüllen

und noch leeren Schubladen. Über den einzufüllenden Inhalt entscheidet der Verwender. Diese Wahrheitshülle des Sprichwortes

muss vom Sprecher auf eine konkrete Situation bezogen werden. Ähnlich wie auf dem Feld der bildenden Kunst

erst der Nutzer das Werk vollendet. Und das beruhigt wieder die verletzte Künstlerseele, denn wie man weiß: Der dümmste

Bauer hat bisweilen die dicksten Kartoffeln.

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Hans Schohl Erscht muß mer de Bär hann,... (2010), Pfälzer Sprichworte (2010)

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Hans Schohl Erscht muß mer de Bär hann,... (2010), Pfälzer Sprichworte (2010)

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Stephanie Bachmann

Vita

Geboren 1970 in Essen, lebt in Marburg.

Studium Russisch und Deutsch in Bochum und

Marburg, Freie Kunst und Kunstpädagogik in

St. Petersburg und Kassel, seit 1995 Mitglied des

Grisette-Orchesters (Ensemble für experimentelle

Musik) und von Theater GegenStand (2000–

2003), Kunstpädagogin (1996–2002) und Leiterin

(1999–2002) der KunstWerkStatt Marburg, arbeitet

als Lehrerin, Kunstpädagogin, Ausbilderin am

Studienseminar Marburg, Künstlerin.

Künstlerische Tätigkeit (Auswahl)

1997/2000 Construction in metal, Konzertperformance

von Grisette mit Musikinstrumenten

aus Schrott

1998 Fresh Meet, Rotor Gallery Göteborg/

Schweden

1998 real,-isation im Supermarkt „real“, Kassel

2000 Himmel & Erde, eat art Performance, Kassel

und Marburg

2000 Hommage à Louisa, Installation im Rahmen

von „Das erste Mal“ (Ausstellung von Studierenden

der Kunsthochschule Kassel), Kunstverein

Marburg

2001–2007 Live-Zeichnerin Stefania Kartinovna

im Real Live Game (Impro-Live-Show von Theater

GegenStand, Regie: Lorenz Hippe)

2002 Preisträgerin des Marburger Kulturfonds

für die Einzelausstellung watching views im Erlenringcenter

Marburg

Seit 2004 Didaktische Installation, Entwicklung

eines Unterrichtskonzepts, in dessen Rahmen

mithilfe multimedialer Präsentationen Lerninhalte

pädagogisch bearbeitet werden

Januar 2008 reconnaissance, Multimedia Live

Performance beim Improvisationsfestival hurta

cordel in Madrid

April–Juni 2008 WegWerfGesellschaft, multimediales

Ausstellungsprojekt (zusammen mit Tanja

Otto) mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe

11 der Martin-Luther-Schule in der

Marburger Tafel

Mai–Juli 2010 multimediales Ausstellungsprojekt

der Fachschaft Kunst der MLS mit Schülerinnen

und Schülern zum Themenjahr „Marburg an

die Lahn“

Kontakt

Stephanie Bachmann, Fichtestr. 11, 35039 Marburg,

06421/163773, bachstep@gmx.de


Vita

1959 In Hannover geboren

1969 Nach Aachen gezogen

1979 Abschluss Steinbildhauer

1980 Gründer des Seitenwind e.V.

1989 Erste kinetische Arbeiten

2001 Gründer des Kineticus; Wahl in den Vorstand

des BBK Aachen/Euregio

Einzelausstellungen (Auswahl)

2004 EAUdyssee, Schlachthof Eupen/BE

2001 Wirtschaftsmesse in Abu Dhabi, Arabische

Emirate

2000 Lebensräume – Das Duwenbeekprojekt auf

Rügen, EXP0 2000

1999 Die 4 Elemente, Skulpturenpark im Murbachtal

1997 Ausstellung zum Kinetikworkshop Porto/

Portugal

1996 Ausstellung auf der Insel Ummanz/Rügen

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2010 Valley of Wind, Tainan/TW

2009 Grand Opening WasserZylinder, Singapur;

Das große Kipp-Roll-Fall-Spektakel, Pro7

2008 Arte Sustenibile, Urach u. Dessau

2007 Kunst im Klimawandel, Ihlienworth;

Dream Community, Taipeh/TW

2006 The Metal City Style, Koashiung/TW; Skulpturen

im Park, Mörfelden-Walldorf; Im Wind, Ahrenshoop

2005 Bewegung und Utopie, Dresden; Dynamic

ART Delta 2005, Vissekerke/NL

2004 Antistatic, Geldern

2003 Art in Motion, Leurwarden/NL; Im Wind

2003, Ahrenshoop

2002 Schau und Staunraum, Museum Gegenbach;

Industrie-Zone II, Industrion Kerkrade/NL

2001 SkulpTour, Mettingen, ParkRaum, Gruppenausstellung

Schillingpark Düren/Gürzenich

2000 Sculptur Trail, Halifax, GB

1999 Maccinata, Kinder & Jugend Museum auf

Zeit, Ulm

1998 Kinetische Objekte, Gernot-Huber-Stiftung

Hamburg

Werke in öffentlichen Sammlungen

Musica BE WindZylinder; Marina Barrage Singapur

Wasserzylinder; Feuerwehrmuseum Lövenich

KettenBrunnen; Hamburger Wasserwerke Kippzylinder;

Aachener Tierpark Gaukler; Display International

Würselen Wasserwaage; Gernot-Huber-

Stiftung Hamburg ZahnradDerwisch, StahlHelix;

Klang Skulpturenpark Musika Neerpelt/BE,

WindZylinder; Skulpturenpark Bos van Ypey/NL

Stichting Beeldenpark Vijversburg WindPendel;

Dream Community Taipeh/TW Instabilo

Kontakt

Oranienstr. 9, 52066 Aachen, 0241/502521,

info@KineticArt.de

Bernward Frank

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Monika Golla

Vita

geboren 1966 in Bytom (PL)

Studium der Kunstgeschichte an der Johann

Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt a.M.

mit dem Schwerpunkt Film; Studium Visueller

Kommunikation/Audiovisuelle Medien an der

Hochschule für Gestaltung in Offenbach; Aufbaustudium

bei Rudolf Bonvie (Fotografie); Arbeitsstipendium

Universitätsstiftung Augsburg; Atelierstipendium

Association of Icelandic Visual Artists,

Reykjavik (IS)

lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Offenbach

und Darmstadt;

seit 2007 Zusammenarbeit mit dem Komponisten

und Medienkünstler Nikolaus Heyduck bei

Klanginstallationen und -performances

Performances, Ausstellungen und

-beteiligungen (Auswahl)

2010 Hot/S/Pots, Kulturzentrum K, Eschborn;

ErzART 2, Kunstturm Mücke; Bewegter Wind – Turbulenzen,

Waldeck-Frankenberg; Wechsel-Wirkungen,

Kunstbalkon, Kassel; Deutsche Klangkunst,

Skulpturenmuseum Marl

2009 Mit Frauen durch die Nacht, Deutsches Ledermuseum/Dt.

Schuhmuseum, Offenbach;

Schuhtick, LWL Archäologiemuseum, Herne; Hyperkult

18, Leuphana Universität, Lüneburg;

Hot/ S/Pots, Alte Brüderkirche, Kassel; Kriegsbemalung,

Galerie im Keller-Klub, Darmstadt

2008 Schritt für Schritt, Haus der Stadtgeschichte,

Offenbach; Hot/S/Pots, WackerKunst-Galerie

Mühltal, Offenbach; Das Licht unter den Scheffeln,

Franz. Reform. Kirche, Offenbach

2007 Sem Palavras/ohne Worte, zeitgenössische

Kunst aus Deutschland im Dialog, Olinda (BR);

Das Spiel der Proportionen, SÌM-Gallery, Reykjavik

(IS); Hinter dem Rand, Alte Dorfkirche Hausen;

Verborgen, Eisenbahnmuseum, Darmstadt-Kranichstein;

Klangkeime, Vogelfrei-Biennale WintergARTen,

Darmstadt

2006 Die Wandlung der Unschuld, Deutsches Ledermuseum

DLM/Dt. Schuhmuseum, Offenbach;

Metaphysische Transformationen, Darmstadt-

Haus, Plock (PL)

2005 Osterweiterung, Lettisches Haus, Liepaja

(LV); Hessiale 05, Landeskunstausstellung des

BBK, Kulturbahnhof Südflügel, Kassel; Umkehrung,

Museum der Stadtgeschichte, Offenbach

2004 memory, Galerie Salon Brenner, Offenbach;

Oh wie schwer fällt das Schreiben..., Museum

der Stadt Neu-Isenburg; Digitale Kunst, Galerie

Zwischenzeit, Neu-Isenburg; Abstrakte Realität?,

Farbraum art gallery, Darmstadt; Wunderbare

Welt der Großstadt, Museum der Stadtgeschichte,

Offenbach

2003 Selbst im weitesten Sinne, Jubiläumsausstellung,

Kunstverein Marburg; Wurms, Kunstverein

Worms; Hausbesetzer, Rauminstallationen

in der Bahnhofstraße Neu-Isenburg

Kontakt

Monika Golla, Atelier: Ludwigstr. 6, 63067 Offenbach,

069/98194752, kontakt@monikagolla.de,

www.monikagolla.de


Vita

geboren 1963 in Trier, lebt in Marburg.

Studium Klavier/Komposition und Musikpädagogik

in Mainz, seit 1995 Mitglied des Grisette-

Orchesters (Ensemble für experimentelle Musik),

2008 Promotion in Musikpädagogik an der Musikhochschule

Köln, arbeitet als Musikpädagoge,

Pianist/Komponist, Konzertveranstalter, Wissenschaftler,

Künstler.

Künstlerische Tätigkeit (Auswahl)

seit 1986 internationale Konzerttätigkeit als Pianist

(solo und als Mitglied verschiedener Ensembles),

Arbeitsschwerpunkt: Improvisation und Interpretation

zeitgenössischer Kompositionen,

CD-Einspielungen

1993–2002 Gründung und Leitung des Ensembles

für Neue Musik der Musikschule Marburg

1997/2000 Construction in metal, Konzertperformance

von Grisette mit Musikinstrumenten

aus Schrott

1998–2007 Live-Pianist Monsieur Albert im Real

Live Game (Impro-Live-Show von Theater Gegen-

Stand, Regie: Lorenz Hippe)

1999 Kinder-Musiktheaterstück Nach Hause,

Bartolomeo! (zusammen mit Lorenz Hippe)

2000 Himmel & Erde, eat art Performance, Kassel

und Marburg

2001 Stipendium der Paul-Maar-Stiftung für

das Jugend-Musiktheaterstück Pool (zusammen

mit Lorenz Hippe)

seit Januar 2006 künstlerischer Leiter der Kon-

zertreihe Experimentelle Musik im Marburger

Kunstverein

Januar 2008 reconnaissance, Multimedia Live

Performance beim Improvisationsfestival hurta

cordel in Madrid

Dissertation

Musikalische Bildung der Differenz. Ein musikdidaktisches

Modell – Theorie, Anwendung und

Praxisbeispiele, Verlag Dohr, Köln 2008

Links

www.humanoise.de Homepage von Humanoise

(internationales Festival für improvisierte Musik,

Wiesbaden, 4.–6.9.2009)

www.youtube.com/watch?v=_MN8ZYZ4Vro Videoausschnitte

aus einem Improvisationskonzert

mit John Russell und Chefa Alonso am

20.7.2008 in London

www.marburger-kunstverein.de.neuemusik Jahresprogramm

der Reihe Experimentelle Musik im

Marburger Kunstverein

www.impro-ring.de/download/ringgespraech_

69.pdf Text: Kreativität – ein Bildungsziel?

Kontakt

Albert Kaul, Fichtestr. 11, 35039 Marburg

06421/163773, albertkaul@gmx.de

Albert Kaul

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Pit Kinzer

Kontakt

Pit Kinzer, Ottobeurer Str. 1, 87733 Markt Rettenbach,

08392/93363, kunstprojekte@pitkinzer.de,

www.pitkinzer.de

Vita

1951 geboren in Ottobeuren/Allgäu, seit 1978

freischaffender Künstler, vorher gelernter

Schriftsetzer, studierter Architekt (Dipl. lng. FH)

Auszeichnungen

2010 Kunstpreis der Stadt Wertingen

2009 Kunstpreis der Künstlergilde Ulm

2005 Preis beim Kunstfrühling Bad Wörishofen

2002 Alfred-Oberpaur-Kunstpreis Kempten

2001 Preis beim Kunstfrühling Bad Wörishofen

1998 Kunstpreis der HypoVereinsbank Pfronten

1993 Sonderpreis Marktoberdorf

1990 ArsNovaFörderpreis Saarbrücken

1990 Irland-Stipendium Kinvarapress Galway

1987 Kunstförderpreis Augsburg für bild. Kunst

1982 Kunstförderpreis Augsburg für Literatur

Ausstellungen (Auswahl)

Seit 1979 über 100 Einzelausstellungen, zuletzt

2010 Kunstverein Landshut

2009 Schwäbische Galerie im Volkskundemuseum

Oberschönenfeld, Galerie im Landesamt für

Vermessung und Geoinformation München

2008 Kunstverein Schwäbisch Gmünd, Kunstverein

Nördlingen (mit Ahland, Petri, Riek, Sigloch),

Turmgalerie Schloss Augustusburg, Kunstverein

Bayreuth, Galerie Bruckmühl, Haus 10 Fürstenfeldbruck

(mit v. Lübtow), Galerie im Kornhauskeller

Ulm (mit Hagenmaier, Klein)

2007 Maximilianeum München, Künstlerhaus

Kempten, Museum Zusmarshausen

2006 Kultursalon im Hauptbahnhof Nürnberg,

Museum Schloss Fellenberg, Merzig

und über 500 Ausstellungsbeteiligungen in Europa,

Asien und Amerika, z.B.

2010 Kunst im Zentrum Eichstätt, Installation

Skulpturengarten Sonnenwald, Bayer. Wald

2009 Extrem, Künstlergilde Ulm,

50+XXL, Bayerische Künstler über 50, München

2008 Utopie des Raums, Kyrgyz National Museum

of Fine Arts, Bishkek/Kirgistan,

Natur IV, Forum für aktuelle Kunst e.V. Starkow

2007 Spielräume, Stadtmuseum Neuötting,

Trzeba miec nosa, Kunstverein Bad Salzdetfurth

2006 Memminger Kunst-Meile

2002 game_over – Spiele, Tod und Jenseits, Museum

für Sepulkralkultur Kassel (Rahmenprogramm

documenta 11)

2001 jetztkunst, Z-Bau Nürnberg

2000 Kunstspur – römische Spur, Kempten,

quo vadis? – neue Medien, Augsburg

1999 Hommage à Franz Kafka, Augsburg, Prag

1998 Bayer. Kunst unserer Tage, Bratislava

1990 Swabian Artists, Pristina und Pec,

Deutsche Kulturwochen Ljubljana.

BBK-Ausstellungen in Japan und China: Tokio,

Amagasaki, Nagahama, Hangzhou

1986 Every woman is a gentleman, Berlin, Kassel,

Rosenheim

1985/88 Gegen den Krieg, Lublin

1985 Junge Künstler für den Frieden, Torun

1983–1993 Internationale Grafikbiennalen Horgen,

Huesca, Fredrikstadt, Meisterschwanden,

Varna, Cadaques, Andorra, Barcelona, Boston,

Toulouse u.a.

1983 Die ersten Jahre der Professionalität III, Galerie

der Künstler München


Vita

03.05.1980 geboren in Stuttgart Bad-Cannstatt

2001–2003 Studium der Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität

Freiburg

seit 2004 Studium der Kunsterziehung an der

Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein

sowie Geschichte an der Martin-Luther-Universität

Halle-Wittenberg

2006 Studienaufenthalt in Fukuoka/JP

2008 Studienaufenthalt an der Deutschen

Schule Tokyo-Yokohama/JP

2009 Siemens Arts Program KISS-Stipendium

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

2006 Topbraun, Halle

Geometrie der Arbeit, Spinnereigelände, Leipzig

2007 Rembrandt remixed, Burg Bibliothek, Halle

Halle von der Saale, Halle

Abgefahren – Mythos Auto, Schloss Fachsenfeld

2009 Raumbeziehungen, Art Acker e.V., Berlin

Transforma, Jugend Hotel, Halle

Kontakt

In der Talklinge 26, 74597 Stimpfach, rk@rolfkurz.net,

www.rolf-kurz.net

Rolf Kurz

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Georg Mertin

Vita

Georg Mertin, geb. 1970

Professionelle Zusammenarbeit

2010 Künstlerischer Leiter des Projekts Wasserdicht

in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt

Marburg im Rahmen des Themenjahres Marburg

an die Lahn.

2010 Lehrer für Kunst und Deutsch an der

Lahntalschule Biedenkopf.

2004–2005 Koch in Paris/Frankreich.

2005–2006 Kunsterzieher im Schuldienst an

der Carl-Strehl-Schule, Deutsche Blindenstudienanstalt

e.V.

seit 2004 Tätigkeit als freischaffender Grafiker.

1997–2004 Lehrbeauftragter für manuelle

Druckgrafik und Werkstattleiter (1999–2003) am

Institut für Grafik und Malerei der Philipps-Universität

Marburg.

2003 Gastdozent & Visiting Artist im Department

for Drawing and Printmedia, National Institute

of the Arts | Australian National University,

Canberra, Australia.

2001 Gastkünstler & Honorarkraft im Schuldienst

an der Carl-Strehl-Schule, Deutsche Blindenstudienanstalt

e.V.

2002 Collaboration mit ASAT, Serravezza, Italien.

2001–2004 KunstWerkStatt, Marburg.

1999 Künstlerischer Leiter des Projektes Open

Village, Dilschhausen.

Ausbildung

2010 Staatsexamen II in den Fächern Kunst &

Deutsch.

2006–2007 Studium der Kunstpädagogik an

der J.W. Goethe-Universität Frankfurt. Staatsexamen

I.

1991–1997 Magisterstudium Graphik & Malerei,

Deutsche Sprache & Literatur und Pädagogik

an der Philipps-Universität Marburg. M.A. 1997.

1995–1996 Auslandsstudien in den USA, Washington

D.C. und Virgina Tech/Blacksburg, V.A.

1993–1995 Arbeit als Regieassistent für die Off-

Theatre-Group unter Leitung von Stephanie Vortisch,

Marburg.

Ausstellungen

seit 1999 zahlreiche Ausstellungen im In- und

Ausland.

Kontakt

Georg Mertin, Schützenstr. 8, 35216 Wallau/

Lahn, 06461/924792, g.mertin@gmx.de


Vita

1952 geboren in Landstuhl/Pfalz

Studium der Erziehungswissenschaften, Germanistik,

Politik, Kunst in Marburg und Kassel

Arbeitet als Künstler, Ausstellungsmacher,

Kunsterzieher

Zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen

Mitglied der Gruppe Werkstatt Radenhausen

Lebt in Anzefahr bei Marburg/Lahn

Einzel- und Gruppenausstellungen

seit 1989 (Auswahl)

1991 Kunst im Zug, Marburg, Stadtallendorf,

Frankenberg, Biedenkopf, Gladenbach, Wetzlar,

Gießen, Frankfurt

1992 Kunst im Bahnhof, Rahmenprogramm documenta

9, Kassel, Bahnhof Wilhelmshöhe

Maschinen und Rost, Galerie C-Keller, Weimar (E)

1996 Begleitperson Engel, Außeninstallation

und Ausstellung, Marburg (E)

RADfahrRad, Berlin, debis, Potsdamer Platz,

Weinhaus Huth

1997 Begleitperson Engel, Außeninstallation

und Ausstellung, Dannenberg/Elbe (E)

2000 2000 nach Christus, E-Werk, Hallen für

Kunst, Freiburg

Im Wind, Ahrenshoop

2001 Skulpturenprojekt ausufern, Marburg

CoLaboratorium, Serevezza, Italien

Der eigene Blick, Ahrensburg

2002 Schatten, Kunsthalle Kunstverein Marburg

(E)

Beiträge zum Flugpionier C.F. Claudius, Museum

der unerhörten Dinge, Berlin

2003 Über das Fliegen, von Schatten und vom Hörensagen,

Torhaus Wellingsbüttel

hinauf, hinab dasselbe, kunstprojekte, treppen in

marburg, Marburg

2004 antistatic 04, Kinetikfestival Geldern

Archiv der abgelegten Schatten, Skulpturenpark

Damnatz an der Elbe

Schauräume, Staunräume 5, Museum Haus Löwenberg,

Gengenbach

2005 Zwischenlandung, Galerie im Hinterhaus,

Dannenberg

unterwegs, Kammerhofgalerie Gmunden, Österreich

2006 ohne Titel, Stadthaus am Dom, Wetzlar

2007 Lichtinseln, Siebenbergen (Rahmenprogramm

documenta 12), Kassel

22. Biennale Ube, Japan, Speicher für Himmelsmechanik

(Excellent Prize and Citizen-Prize)

1. Biennale Kobe, Japan, Stückgut Himmelsmechanik

(Special Prize)

Himmelsmechanik und Kunstkammerstücke, Wassermühle

Trittau (E)

2008 Zehn Jahre Werkstatt Radenhausen, Radenhausen

2009 miniartextil 2009, Como, Italien, celestial

mechanics for Como

2. Kobe Biennale, Japan, Schattenflügel, Shadow-

Wings (Special Prize)

Speicher für Himmelsmechanik II, nord-art, Rendsburg

2010 arte laguna, Venedig, Italien, volta celeste

(Mention for Best Foreign Artist)

Hans Schohl

Kontakt

Hans Schohl, Hohlweg 25, 35274 Anzefahr

06422/3172, hans.schohl@gmx.de

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Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Kultur der Stadt Marburg im Rahmen der Projekte

Marburg an die Lahn und Erlebnispfad Lahnorama.

Für die freundliche Unterstützung bei der Realisierung der Ausstellung und des Kataloges danken wir:

Weidenhäuser Str. 88 | 35037 Marburg

jonas@jonas-verlag.de | www.jonas-verlag.de


Die Künstlerinnen und Künstler danken:

Stephanie Bachmann und Albert Kaul Frau Baumgarten vom Stadtarchiv Marburg

Monika Golla Nikolaus Heyduck, Heide Khatschaturian, Jolana Kunova, Andrea J. Nienhaus, Doris Preußner, Susanne Ranis, Ulli Emig, Dirk Perrot, Cornelia

Grundmann (Museum Anatomicum Marburg)

Hans Schohl MJM Metallverarbeitung Mangner GmbH, Dautphetal

Monika Golla und Hans Schohl DLRG Marburg

Impressum

Herausgegeben von Georg Mertin

Gestaltung, Layout und Satz: Kathrin Brömse

Covergestaltung: Georg Mertin

Lektorat: Claudia Jürgens

Druck: flyeralarm, Auflage: 1000

Erscheinungsjahr: 2010

Alle Bild- und Veröffentlichungsrechte liegen bei den KünstlerInnen soweit nicht anders angegeben.

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