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Jahresbericht

2011


2 Jahresbericht 2011 Inhalt

Diakonie 06

Kirche 27

Stiftung 30

Arbeitsgebiete 32

05 Vorwort

07 Wer kann da noch böse sein, dass er so gütig ist?

Gedanken zum Gleichnis vom Weinbergbesitzer

Wolfgang Gern

12 … und das Gute bewahret

Was haben die regionalen Diakonischen Werke mit der Fusion zu tun?

Wilfried Knapp

16 Menschen motivieren, Glauben leben,

Engagement in der Gesellschaft. Das ist Diakonie!

Diakoniesonntag 2011 in Marburg

Kathleen Niepmann

20 „Ich habe euch immer gesagt, ihr müsst die

Menschen froh machen“

Verleihung des Elisabeth-Preises 2011

Kathleen Niepmann

24 „Es geht um einen neuen diakonischen Aufbruch“

Interview mit den Vorstandsmitgliedern von DWHN und DWKW

Gregor Ziorkewicz

28 „Diakonie und Kirche gehören zusammen.

Das eine ist ohne das andere nicht vorstellbar."

Zum Verhältnis von Kirche und Diakonie

Volker Jung

31 EpilepSIE-Stiftung der Diakonie in Hessen

Bernd Kreh

33 Lebensräume verändern – Lebenschancen verbessern

Gemeinwesenarbeit

Alexander Dietz

35 Sozialen Frieden gibt es nicht zum Nulltarif

Sozialpolitische Anwaltschaft – eine diakonische Aufgabe

Alexander Dietz

37 „Gott, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde“

Ein Zwischenruf

Friedhelm Menzel

38 Integration, Sozialraumorientierung,

Personenzentrierung, Inklusion …?

Wolfgang Clotz

40 Da sein, nah sein, Mensch sein: Freiwillig engagiert

2011, das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit

Ursula Brendel

42 Freiwilliges Engagement

Interviews mit Jürgen Lorenz, Nicolaus Kronauer, Alrun Kopelke,

Hans-Gerd Paul

46 Helmut-Simon-Preis der Diakonie

Gregor Ziorkewicz

50 Ferne Nächste an Europas Grenzen

Reise zur Situation der Flüchtlinge in der Türkei

Andreas Lipsch

52 Es war wie auf einer schönen Insel …

Auskommen mit dem Einkommen

Arno F. Kehrer, Gregor Ziorkewicz

54 Versorgung nicht den Kräften des Marktes überlassen

Neue Gesetze erschweren Planungssicherheit in den Krankenhäusern

Ulrike Sehring


Bad Homburg

Landesgeschäftsstelle

N- des DWHN

NUS

Frankfurt

walbach

Dreieich

Off

OF OFFE

DR

Regionale 57

Diakonische Werke

Mitglieder 65

Auf einen Blick 72

Inhalt Jahresbericht 2011 3

58 „Brückenbauen untereinander und zu denen,

die Hilfe brauchen“

Neues Diakoniezentrum in Offenbach eingeweiht

Claudia Pfannemüller

60 Weinfest mit Spaß und ohne Promille

Diakonisches Werk Mainz-Bingen auf dem Oppenheimer Weinfest

Niko Blug

62 „Das Recht auf Menschlichkeit einfordern“

Beratung und Betreuung im Diakonischen Werk Odenwald

Bernhard Bergmann

64 Hessentag 2011 – Diakonie war dabei

Traumwerkstatt in Oberursel

Gregor Ziorkewicz

66 Reisende Schüler brauchen bewegliche Lehrer

Besonderes Projekt des Evangelischen Vereins für Innere Mission

in Nassau (EVIM)

Matthias Loyal

68 „Wir müssen uns selbst um die Ausbildung kümmern …“

Ausbildungsinitiative der Gesellschaft für

diakonische Einrichtungen (GfdE)

Tina Khine, Markus Lützenkirchen

70 „Wir müssen wirtschaftlich handeln – dazu sind wir

ethisch verpflichtet“

Interview mit Bernd Weber, Vorstandsvorsitzender Agaplesion gAG

Kathleen Niepmann

73 Ertrags- und Aufwandsstruktur des DWHN

74 Landesgeschäftsstelle

82 Regionale Diakonische Werke: Kontaktdaten

84 Statistik der Mitglieder und Einrichtungen

85 Organigramm

86 Impressum


4 Jahresbericht 2011


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser,

ein Jahresbericht fordert immer auf, innezuhalten und zurückzublicken. In diesem Heft möchten

wir Ihnen abermals die Vielfalt der Arbeit und Arbeitszusammenhänge in der Diakonie vorstellen.

Dabei möchten wir Ihnen die „großen Linien“ der Arbeit ebenso zeigen wie einige Initiativen in

der Region. Also neben der großen Politik auch die Initiativen, die sich um Nöte in ihrer Nachbarschaft

kümmern. Gerade dieses Zusammenwirken macht die Stärke und den Erfolg der Arbeit des Diakonischen

Werkes aus. Wie kaum eine andere Institution lebt und profitiert unsere Arbeit durch die

gute Vernetzung von Landesgeschäftsstelle, regionalen Diakonischen Werken und den Mitgliedern,

von Diakonie und Kirche. Ein Netz, um das uns viele beneiden.

Vorstand und Landesgeschäftsstelle verstehen ihre Arbeit als Anwaltschaft für jene Menschen,

die in unserer Gesellschaft kein Gehör mehr finden oder sich keines verschaffen können. Die Arbeit

in der Region bei den regionalen Diakonischen Werken und bei unseren Mitgliedern und deren Einrichtungen

stellt die professionelle Nächstenliebe unserer Kirche dar. Beides gehört im Diakonischen

Werk zusammen – Hilfe und Pflege, Beratung und Begleitung bei akuter Not und Schwierigkeiten in

der Lebensführung und das Eintreten für eine Veränderung von Strukturen, in denen Ausgrenzung

und Benachteiligung keinen Platz mehr haben. Das bedeutet insbesondere im Jahr 2011, sich gegen

die Kürzungen im Bereich der Gemeinwesenarbeit in den Projekten der Sozialen Stadt und den Werkstätten

auszusprechen.

Professionalität in der Arbeit hat aber immer den Leitspruch des Paulus in seinem Brief an die

Thessalonicher zur Grundlage: „Prüfet alles, das Gute behaltet.“ Dies gilt im Besonderen auch für unseren

gemeinsamen Prozess der Fusion mit dem Diakonischen Werk in Kurhessen-Waldeck. Stete

Überprüfung der Arbeit an den Bedürfnissen der Menschen und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen

gehört ebenso zur Grundlage des diakonischen Selbstverständnisses wie die tiefe Überzeugung,

dass wir alle geliebte Geschöpfe Gottes sind – und keiner verloren gehen darf.

Wir möchten uns in diesem Sinne bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sei es im Hauptamt,

sei es im Neben- oder Ehrenamt, für den Einsatz mit viel Herz, Überzeugung und Liebe in unserem

Verbund der Diakonie danken. In diesem Jahr gilt dies vor allem den vielen Menschen, die sich

für ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Diakonie entschieden haben.

Auch möchten wir uns für die vielen Spenden unserer Unterstützer bedanken. Doch nicht nur

der finanzielle Beitrag spornt uns in unserer Arbeit an, sondern auch Fürbitte und Zuspruch tut unserer

Arbeit gut, damit der Geist der Liebe weiten Raum einnehme.

Und nun viel Freude bei der Lektüre des Jahresberichtes 2011.

Armin Clauss

Staatsminister a.D.,

Vorsitzender der Hauptversammlung

des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau (DWHN)

Klaus Rumpf

Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer,

Vorsitzender des Hauptausschusses des DWHN

Pfarrer Dr. Wolfgang Gern

Vorstandsvorsitzender des DWHN

Vorwort Jahresbericht 2011 5

„PRÜFET ALLES, DAS GUTE BEHALTET“

1. Thess 5, 21


6 Jahresbericht 2011 Diakonie

Diakonie


WER KANN DA NOCH

BÖSE SEIN, DASS ER

SO GÜTIG IST?

GEDANKEN ZUM GLEICHNIS VOM

WEINBERGBESITZER

Gottes Güte gilt allen

gleichermaßen

Gottes Güte gilt für alle gleichermaßen.

Unser Gott ist allen gleich gnädig. Er lässt niemanden

aus. Das ist doch die fröhliche Botschaft

dieser Geschichte, die unser Herz aufgehen lässt.

Da gibt es kein Aufrechnen, kein Abgrenzen,

kein Ausgrenzen mehr. Für Gott sind wir alle, jeder

von uns, unendlich wertvoll. Ohne Ausnahme.

Das verhängnisvolle Kalkulieren von Oben nach

Unten, zwischen Drinnen und Draußen hat ein

für allemal ein Ende. Damit keine und keiner verloren

geht. Und weil wir nur gemeinsam leben

kön nen. Eben nicht gegeneinander und nicht

DR. WOLFGANG GERN

ein ander ausschließend. Nicht nur über Gottes

Güte hören wir, sondern auch über seine Gerech -

tigkeit. Unsere Welt wird auf den Kopf gestellt:

Gerecht ist nicht das, was ein Mensch auf Grund

seiner Leistung verdient. Gerecht ist vielmehr

das, was ein Mensch für sein tägliches Leben

braucht. Deswegen sagt die Ökumenische Bewegung:

Die Aufgabe der Weltchristenheit ist, die

bewohnte Erde bewohnbar zu machen durch

eine „Ökonomie des Genug“. Das bedeutet auch:

Gerecht ist das, was Menschen einander schulden,

einander gerechterweise zugestehen, die in

einer Gemeinschaft leben – damit jede und jeder

genug zum Leben hat.

Diakonie Jahresbericht 2011 7


8 Jahresbericht 2011 Diakonie

Mt. 20, 1 – 16

Denn mit dem Himmelreich ist

es wie mit einem Weinbergsbesitzer,

der früh am Morgen

ausging, um Arbeiter für seinen

Weinberg anzuwerben. Und als

er mit den Arbeitern um einen

Silbergroschen als Tagelohn

einig geworden war, sandte er

sie in seinen Weinberg.

Und er ging um die dritte Stunde

wieder aus und sah andere auf

dem Markt herumstehen und

sagte zu ihnen: Geht ihr auch hin

in den Weinberg; ich will euch

geben, was recht ist. Um die

sechste und die neunte Stunde

ging er nochmals aus und

machte es ebenso. Um die elfte

Stunde aber ging er aus und

fand dort wieder andere und

sagte zu ihnen: Was steht ihr

hier den ganzen Tag herum?

Sie antworteten ihm: Es hat uns

niemand eingestellt. Er sagte zu

ihnen: Geht auch ihr in den

Weinberg.

Als es nun Abend geworden

war, sagte der Besitzer des

Weinbergs zu seinem Verwalter:

Ruf die Arbeiter zusammen und

gib ihnen den Lohn und fang bei

den letzten an bis zu den ersten.

Da kamen die, die um die elfte

Stunde eingestellt worden

waren, und jeder empfing seinen

Silbergroschen. Als aber die

ersten kamen, meinten sie, sie

würden mehr empfangen;

doch jeder empfing auch nur

seinen Silber groschen. Und als

sie den empfingen, murrten sie

gegen den Weinbergsbesitzer

und sagten: Diese letzten haben

nur eine Stunde gearbeitet,

doch du hast sie uns gleich -

gestellt, die wir des Tages Last

und Hitze getragen haben.

Er antwortete aber und sagte zu

einem von ihnen: Mein Freund,

ich tu dir nicht Unrecht. Bist du

nicht mit mir um einen Silbergroschen

einig geworden?

Nimm, was dir zusteht, und geh!

Ich will aber diesem letzten dasselbe

geben wie dir. Oder darf

ich nicht mit meinem Geld tun,

was ich will? Blickst du böse,

weil ich so gütig bin? So werden

die Letzten die Ersten und die

Ersten die Letzten sein.

Damit soll die Leistungsfähigkeit des Menschen

nicht entwertet werden. Aber sie entschei -

det nicht über die Würde eines Menschen. Erst

das solidarische Band gibt allen ihre Würde – das

solidarische Band auch zwischen Leistungsfähigen

und Leistungsschwachen. Und Solidarität

schenkt unserer Gesellschaft Würde und Wärme.

Ohne sie ist es arm um uns bestellt. Erst Solidarität

und Nächstenliebe machen unsere Gesellschaft

gerecht.

Das bedeutet auch: Niemand, auch nicht die

sogenannten Leistungseliten, können Gottes

Gnade für sich re klamieren oder reservieren. Der

Glaube ist ja auch kein Gnadenreservat für die

besonders Frommen oder eine Privatoase der Kirchen.

Weil ja Jesus Christus gestorben und auferstanden

ist für alle Welt. Und nicht, um einer

Welt den Weg zu bereiten, die zwischen Drinnen

und Draußen trennt.

Geschiche Jesu eine Zumutung

Wir spüren es auf Schritt und Tritt: Die

Gleichnisgeschichte Jesu ist nicht nur tröstlich,

weil sie von Gottes Güte als Krönung der Gerech -

tigkeit spricht. In einer Welt, die nicht so ist, wie

Gott sie gewollt hat, wo so viele Mächtige und

Reiche dauernd Göttlein spielen, da macht die

Geschichte großen Ärger. Aber selbst für die, die

länger gearbeitet haben, die effektiver und besser

erscheinen in einer Welt von Lohn und Leistung

und Marktwirtschaft, ist die Geschichte

Jesu eine Zumutung. Als die, die länger gearbeitet

haben, murren, sagt der Weinbergbesitzer zu

einem von ihnen: „Mein Freund, ich tu dir nicht

unrecht ... Nimm, was dir zusteht, und geh! Ich

will aber diesem letzten dasselbe geben wie dir.

Oder darf ich nicht mit meinem Geld tun, was ich

will? Blickst du böse, weil ich so gütig bin?“ Ja,

in der Tat, man hält die Luft an bei so viel patriar -

chalischer Güte. Man möchte einen Moment

gerne flüchten – und den alten Deutungen des

Gleichnisses nachgeben. Zum Beispiel, dass es

hier nicht um die reale Welt gehe, sondern um

das künftige Gottesreich – denn in dem erst sei

das Lohn-Leistungs-Prinzip aufgehoben. Oder

dass Gottes Lohn für alle gleich sei – ob man früh

oder spät zum christlichen Glauben gekommen

ist.


Güte vor Recht?

Aber wir dürfen heute nicht flüchten. Wir

kommen um den konkreten Bezug nicht herum –

mit aller Störung und allem Ärger, wenn wir die

Geschichte an uns und unsere sozialpolitische

Wirklichkeit herankommen lassen wollen. Ich

kann mich noch gut entsinnen, als ich vor etwa

fünfzehn Jahren bei der Gossner Mission in Mainz

tätig war. Da begleitete ich junge Theologinnen

und Theologen, die für einige Wochen oder Monate

in Betrieben, meist Industriebetrieben, der

Rhein-Main-Region arbeiteten. Sie sollten ja als

künftige Pfarrerinnen und Pfarrer etwas von den

harten Arbeitsbedingungen der Arbeitswelt mitbekommen.

Bei den Gesprächen zur Lohnabrech -

nung ging es richtig los. Denn alle verdienten unterschiedlich

– und hatten dafür gute Gründe parat.

Der Widerstreit unterein ander war groß. Und

es gab auch Wut über den Weinbergbesitzer, der

Güte vor Recht ergehen ließ. Trotz allem wurde

ein Lohnpool beschlossen. Frauen und Männer,

Nachtschichtler und Normalschichtler bekamen

den gleichen Lohn. Für einige Wochen ging das

ganz gut. Länger wäre es schwierig geworden.

Ein so armes Land?

Das ist nur ein Beispiel dafür: Das Gleichnis

Jesu macht aktuellen Ärger *. Es stößt uns nicht

nur heute mit der Nase darauf, dass in unserem

Land und weit darüber hinaus etwas nicht stimmt.

Gewiss, dass Menschenwürde und sozialer Ausgleich

zusammengehören, dass die Stärke un -

serer Gesellschaft sich am Wohl der Schwachen

misst – das hören wir gut und gerne noch aus dem

Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Jedoch

aus Berlin vor allem kommen andere Signale und

Töne – von den geringen Hartz-IV-Zuschlägen bis

hin zu den Beschäftigungs- und Qualifizierungs -

maßnahmen für junge Menschen, an denen dras -

tisch gespart wird (in Hessen allein in diesem Jahr

87 Mio. Euro). Jedes fünfte Kind lebt in Armut in

Deutschland, in Städten wie Bremen oder Offenbach

jedes dritte. 41 Prozent der Alleinerziehenden

mit Kindern leben in Armut. Über 8 Mio.

Menschen arbeiten im Niedriglohnsektor. Auch

die geringer werdenden Arbeits losenzahlen können

nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele

Menschen trotz Arbeit arm sind. Und es ist zu befürchten,

dass aus Kindern armer Eltern wieder

arme Eltern werden. Fehlende Lernmittelfreiheit

* Anregung von Karl-Heinz Dejung

Diakonie Jahresbericht 2011 9


10 Jahresbericht 2011 Diakonie

und noch weithin fehlende Chancengleichheit

im Bildungswesen lassen skep tisch sein. Das viel

diskutierte Bildungspaket wäre besser investiert

worden für die Stärkung der schulischen Infrastruktur.

Das alles drängt die Frage auf: Sind wir

denn ein so armes Land? Ist es um den Weinberg

namens Deutschland so schlecht bestellt, dass

wir uns einen Sozial- und Bildungsstaat nicht

mehr leisten können? An dieser Frage entscheidet

sich, ob wir die Störung des Gleichnisses wirk -

lich an uns herankommen lassen. Die ungleiche

Einkommensverteilung, die fehlende Verteilungs -

gerechtigkeit in unserem Land ist unübersehbar

und wächst. Ja, sie schreit zum Himmel. Zehn

Prozent haben über sechzig Prozent des Geldver -

mögens in ihrer Hand. Die oberen zwanzig Prozent

verdienen durchschnittlich mehr als fünfmal

so viel wie die zwanzig Prozent am unteren

Ende.

Ungleichheit zersetzt

„Ungleichheit wirkt zersetzend. Sie zersetzt

eine Gesellschaft von innen heraus“, sagt der

amerikanische Historiker Tony Judt in seinem

vielbeachteten Buch über gesellschaftliche Unzufriedenheit.*

Und er fügt hinzu: „Der Konkurrenzkampf

verschärft sich, die Menschen fühlen

sich überlegen oder minderwertig, die Vorurteile

gegenüber den Schwächeren verstärken sich“ Die

äußeren Kennzeichen liegen auf der Hand – um

nur zwei Beispiele zu nennen: Erstens – Kinder

aus benachteiligten Familien oder Wohnvierteln

sind eher Schulabbrecher als Kinder, deren Eltern

ein regelmäßiges mittleres oder gehobenes Einkommen

haben oder in einer besseren Gegend

wohnen. Zweitens – mit dem wachsenden privaten

Reichtum der Wenigen geht die öffentliche

Armut und Verwahrlosung einher: Die Kommunal -

haushalte liegen brach, die Schulen erhalten

weithin nicht die finan zielle Unterstützung, die

sie brauchen. Es fehlt an öffentlichen Mitteln,

um Schwimmbäder, Büchereien und Kindertages -

stätten aufrechtzuerhalten.

Einander Gerechtigkeit schuldig

Während für Rettungsschirme für Banken

genügend Geld da ist, streiten wir darüber, ob wir

höhere Gehälter stärker besteuern dürfen – wie

* Judt, Dem Land geht es schlecht, München 2011, 27


es im Übrigen zu Zeiten von Ludwig Erhard üblich

war. Oder wir streiten darüber, ob ein gesetz -

licher Mindestlohn sinnvoll ist – obwohl doch

jeder weiß, dass nur mit einem auskömmlichen

Ein kommen auch unsere Sozialversicherungs -

systeme lebensfähig bleiben. Deswegen – ohne

gesetzlichen Mindestlohn geht es nicht, wenn es

ge recht zugehen soll. Wenn uns der gesellschaft -

liche Zusammenhalt etwas wert ist, dann hat

das seinen Preis. Nur ein starker Steuerstaat kann

ein starker Sozialstaat sein. Und der So zialstaat

ist kein Anhängsel der Marktwirtschaft, sondern

eine kulturelle Errungenschaft. Nicht von ungefähr

sagt das Bundesverfassungsgericht: Unser

Staat lebt von Werten, die er sich selbst nicht

geben kann. Martin Luther hat in einer Fasten -

predigt aus dem Jahre 1526 darauf hingewiesen,

dass das Füreinander-Lastentragen die unver -

zicht bare Reich-Gottes-Arbeit auf Erden ist. Er

sagt sinngemäß: Das Reich Gottes ist Gnade und

Barmherzigkeit. Da ist auf Erden Tragen und

Tragen. Er sagt dies ganz im Sinne des Galaterbriefes

(6, 2), dass einer des anderen Last zu tragen

habe. Und zuvor heißt es: „Ihr seid zur Freiheit

berufen. Doch behaltet die Freiheit nicht für

euch selbst, sondern dient einander in Liebe“. Das

will sagen – durch ausgleichende Güte, durch

Subsidiarität, durch Lastenausgleich wird unser

Zusammenleben eine Zukunft haben. Gerecht ist

eben das, was wir gemeinsam zum Leben brauchen.

Starke und Schwache gemeinsam. Und

starke Schultern können mehr tragen als schwache.

Gerecht ist also das, was wir einander schuldig

sind.

Auferstehung unter uns

So sollen wir aufstehen zu einer Ethik der

Geschwisterlichkeit. Dass wir aufwachen, damit

gemeinsames Leben gelingt. Der Auferstandene

ruft uns heute zu: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr

seid das Licht der Welt. Ihr seid es, sagt er – und

spricht und traut es uns zu (Matthäus 5, 13–14).

Er hat ja nicht von Honig und Marmelade geredet,

sondern vom Salz und vom Licht. Mancher

wird vielleicht denken: Moment mal, es geht

doch heute um ein Wort, ja um Gottes Wort für

unser Herz. Ganz recht, woran du dein Herz

hängst, das ist dein Gott (vgl. Matthäus 6, 21).

Jesu Gleichnisgeschichte rüttelt uns auf, damit

der Vorschein des kommenden Gottesreiches unter

uns spürbar wird. Wo seine Güte, seine Geschwisterlichkeit,

sein Ruf zum Lastenausgleich

zwischen Starken und Schwachen unser Herz erreicht,

da beginnt ein Stück Auferstehung unter

uns.

Eine Störung, aber eine heilsame. Viel Ärger,

aber noch mehr Hoffnung. Ein Neuanfang, aber

mit ganz viel Güte, die von Herzen kommt. Nicht

irgendeine Sache, sondern Herzenssache des

Glaubens. Ein Wärmestrom, der uns und unser

bisweilen frostiges Land durchdringen will. Wer

kann da noch böse sein, dass er so gütig ist?

Pfarrer Dr. Wolfgang Gern

Vorstandsvorsitzender

des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau

Diakonie Jahresbericht 2011 11


12 Jahresbericht 2011 Diakonie

WILFRIED KNAPP

… UND DAS GUTE BEWAHRET

WAS HABEN DIE REGIONALEN DIAKONISCHEN WERKE

MIT DER FUSION ZU TUN?

Es mag in den Ohren der Mitarbeitenden in

den regionalen Werken schon sonderbar geklungen

haben: Sie wurden im Rahmen des Fusionsprozesses

mit dem Diakonischen Werk in Kurhes -

sen-Waldeck als unregelmäßige Verben bezeichnet.

Was heißt hier unregelmäßig? Die Regel in

der Diakonie ist, dass man Dinge möglichst selbst

entscheiden kann. Dies war bei den fünf unregel -

mäßigen Verben nicht der Fall. Die Kirchen mussten

mit entscheiden, da die Strukturen im so -

genannten „Nord- und Südhessen“ doch sehr

unterschiedlich waren und sind:

Die kurhessischen regionalen Diakonischen

Werke sind Teil der verfassten Kirche und dort in

die kirchlichen Leitungs- und Verwaltungsstrukturen

eingebunden. Die Umstrukturierung in das

gemeinsame Diakonische Werk wurde lange angestrebt,

aber letztlich wegen der unmöglichen

Finanzierbarkeit des Ausstiegs aus der kurhessischen

Zusatzversorgungsregelung verworfen.

In Hessen und Nassau dagegen, wo die regionalen

Diakonischen Werke (rDW) direkt beim

Diakonischen Werk angebunden sind, musste

man sich frühzeitig mit der Ausgliederung der regionalen

Diakonischen Werke aus dem Spitzenverband

der freien Wohlfahrtspflege abfinden.

Die Fusion der beiden Diakonischen Werke soll

die Fusion des Spitzenverbandes und des Mit -

glie der verbandes der Diakonie in Hessen sein.

Die Trägeraufgaben der sozialen Dienste in den

regionalen Diakonischen Werken sollen dann,

nach erfolgter Fusion der beiden Vereine, verselbstständigt

in eine eigene Struktur überführt

werden.

Aber was heißt hier überführen in eigene

Struktur? Es geht vor allem um inhaltliche Fragen:

Es geht um die Überprüfung, was wir alles

verändern und verbessern wollen und was wir

bewahren sollten.

Unbedingt bewahrenswert sind die hohe

Qualität der Arbeit in den regionalen Diakonischen

Werken und natürlich die daraus folgende

hohe Reputation der Diakonie in den Regionen,

sowohl bei den Partnern in Kommune oder Land-


kreis, bei den Kostenträgern und nicht zuletzt bei

den Klienten, die bei uns Hilfe suchen.

Die Basis hierfür ist die Kompetenz und das

Engagement unserer Mitarbeitenden. Die regionalen

Werke haben sich flexibel aufgestellt, nehmen

ihre Aufgabe als Vertreter des Spitzenverbandes

in der Region in immer größerem Maße

wahr und sind darüber hinaus bevorzugter Partner

für ambulante soziale Dienste, die von den

Kommunen und den Landkreisen subsidiär zu

ver geben sind.

Bewahrenswert ist auch die starke Gemeinschaft

der 19 regionalen Werke – 15 in Hessen

und vier in Rheinland-Pfalz. Obwohl die rDW in

ihren Regionen weitgehend selbstständig Entscheidungen

treffen können, ja eigenständig arbeiten

müssen, sind die gegenseitige Unterstützung,

der Erfahrungsaustausch wie auch die über -

regionale Zusammenarbeit sehr ausgeprägt und

gewünscht. Mit Spannung und Freude warten

wir hier auf die Kooperation mit unseren kurhessischen

Kollegen aus den regionalen Diakonischen

Werken. Der Austausch und die Zusammenarbeit

für Gesamthessen und unsere Regionen in Rhein -

land-Pfalz werden für uns alle sicherlich zum

Segen sein.

Bei aller Gemeinsamkeit sollte unbedingt

auch die gegenwärtige Struktur der regionalen

Werke, die sich in Hessen und Nassau an den

Landkreisgrenzen orientiert, beibehalten werden.

Die Ausrichtung an den staatlichen Strukturen

hat sich in der Vergangenheit bewährt. Eine Zusammenfassung

von mehreren regionalen Diako -

nischen Werken erscheint sowohl angesichts der

unterschiedlichen Kooperationsmöglichkeiten in

den Landkreisen als auch hin zu den Dekanaten

nicht besonders empfehlenswert.

Erhaltenswert erscheint auch die Überzeugung,

dass die regionalen Werke in ihren Regionen

ihre eigenen Schwerpunkte an den kirch -

lichen, aber auch an den weltlichen sozialen Gegebenheiten

ausrichten. Soziale Arbeit in Großstädten

und Ballungsräumen sieht oft ganz

anders aus als diejenigen in ländlich geprägten,

dünner besiedelten Gebieten. Auch die Wettbewerbssituation

in Bezug auf andere Anbieter ist

von Region zu Region höchst verschieden. Gleich -

macherei der dann 30 regionalen Diakonischen

Werke in Hessen und Rheinland-Pfalz macht daher

wenig Sinn in der vielfältigen evangelischen

sozialen Arbeit.

In acht Jahren haben sich die regionalen

Werke in Hessen und Nassau äußerst positiv entwickelt:

Die Anzahl der hauptamtlichen Mitarbeitenden

ist von 812 auf 1144 gestiegen, das

Geschäftsvolumen stieg im gleichen Zeitraum

von 39,3 Mio. Euro auf 54,2 Mio. Euro an.

Maßgeblichen Anteil daran haben unsere

Leiterinnen und Leiter in den Regionen, die gute

Unterstützung aus den Fachreferaten der Landes -

geschäftsstelle und vor allem die Art und Weise

des Zusammenarbeitens: Kurze Wege und Transparenz

im Handeln und Entscheiden – sowohl in

der Steuerung und Beratung, als auch in der Verwaltung

– zeichnen unser Miteinander in der

Landesgeschäftsstelle und den regionalen Diakonischen

Werken aus.

Und dabei soll es auch bei einer Ausgliederung

der regionalen Diakonischen Werke, in welcher

Form auch immer, bleiben. Die zentrale ökonomische

Steuerung, transparente geschäftliche

Ergebnisse sowie juristische und ökonomisch

fundierte Entscheidungen, die sich am sozialen

Markt ausrichten und effizient umgesetzt werden,

werden sich auch in der Zukunft durchsetzen

und weiterhin gefragt sein. Effizienz hat

schließlich auch mit sparsamem Umgang von

Ressourcen zu tun und kommt vor allem den

Menschen zugute, die in unseren Einrichtungen

Hilfe suchen.

Und dann können wir bei der Fusion bestimmt

auch viel voneinander lernen. Obwohl wir

in Hessen und Nassau im Laufe der letzten Jahre

immer stärker mit der Kirche verbunden sind und

eine enge Verzahnung auf institutioneller Ebene,

aber auch in der fachlich-inhaltlichen Arbeit gegeben

ist, wäre eine Verbesserung der engen

Zusammenarbeit mit der Kirche in der Region,

Jahresbericht 2011 13


14 Jahresbericht 2011 Diakonie

heißt: mit den Dekanaten und mit Kirchen -

gemeinden, äußerst wünschenswert. Desiderat

bleibt dabei, dass man sich gegenseitig institutionell

auch vertreten kann: so wie Dekaninnen

und Dekane in den Verwaltungsräten der rDWs

vertreten sind und mit entscheiden, muss es Usus

werden, dass die rDW-Leiter/-innen oder ihre

Vertreter/-innen in der Dekanatssynode oder

dem Dekanatssynodalvorstand sitzen und mitentscheiden

können.

Das Diakoniegesetz formuliert es deutlich:

„Die Kirchengemeinden nehmen (...) diakonische

Aufgaben wahr und leisten dadurch einen sichtbaren

Beitrag zur Verkündigung des Evangeliums.

Zur Durchführung, Förderung und Unterstützung

der diakonischen Arbeit in den Gemeinden und

Dekanaten richtet das Diakonische Werk in Hessen

und Nassau unter Beteiligung der Dekanate

auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien

Städte regionale Diakonische Werke ein.“ Die

Aufgaben der rDW unterscheiden sich grundlegend

von denen eines selbstständigen diakonischen

Trägers, der ausschließlich subsidiär und

praktisch ohne Kirchenmittel arbeitet. Die rDW

sind Teil der Kirche in der Region und sollen ei-

nen sichtbaren Beitrag zur Verkündigung des

Evangeliums leisten. „Herz und Mund und Tat und

Leben muss von Christo Zeugnis geben“, wie es in

der gleichnamigen Kantate von Johann Sebastian

Bach heißt. Bleibt die Frage nach der Struktur der

rDW. Ein Verbleiben innerhalb des dann vereinigten

Werkes ist nicht möglich, eine Ausgründung

wird erfolgen müssen, dafür werden insbesondere

zwei Optionen in Frage kommen. Einerseits

die Ausgründung aller regionalen Diakonischen

Werke in eine gemeinsame gGmbH mit

dem Diakonischen Werk oder der evangelischen

Kirche oder auch beiden als Gesellschafter. Die

zweite Option ist die Gründung eines Zweckverbandes

für Diakonie innerhalb der kirchlichen

Strukturen unter Beibehaltung der regionalen

Verwaltungsräte, aber eines hessenweiten Aufsichtsgremiums,

das sich dann aus den Dekanaten

und der Kirchenverwaltung rekrutieren würde.

Die Veränderung wird Zeit benötigen. Dinge

richtig gut zu machen, kommt vor Schnelligkeit!

Die Fusion der beiden Werke ist für 2013 geplant,

wenn alle Gremien im Jahr 2012 mit- und zu -

gestimmt haben. Danach wird in einer zweiten

Phase in den Jahren 2014 und 2015 die Aus-


gründung der rDW in Hessen und Nassau ge mein -

sam mit kirchlichen Vertretern und den rDW-

Leitungen zu entscheiden sein. Parallel dazu

wollen wir schon vorher unsere kurhessischen

Kollegen zu gemeinsamen Konferenzen und Klau -

suren einladen und Gemeinsamkeit schaffen.

Nach der Ausgründung, mit Beibehaltung der

zentralen Steuerung, ist in einer dritten Phase (in

den Jahren 2015/2016) geplant, die zentrale

Steuerung auch der kurhessischen Werke im

neuen Diakonischen Werk zu bündeln.

Es gibt noch viel zu tun, Gestaltungsspielräume

sind vielfältig vorhanden. Es kommt darauf

an, dass Kirche und Diakonie diese in den

nächsten Jahren gemeinsam nutzen und Bestehendes

genau prüfen, Wünschenswertes einbringen

und vor allem mit viel Bedacht Gutes bewahren

– auf dass die regionalen Diakonischen

Werke in unserem Verband auch zukünftig ihrer

wichtigen Rolle in unseren Kirchen gerecht werden

können.

Wilfried Knapp

Vorstand im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau

Diakonie Jahresbericht 2011 15


16 Jahresbericht 2011 Diakonie

JAHRES-

EMPFANG

2011

MENSCHEN MOTIVIEREN,

GLAUBEN LEBEN,

ENGAGEMENT IN DER

GESELLSCHAFT.

DAS IST DIAKONIE!


ELISABETH-

PREIS

2011

Erstmals haben das Diakonische Werk in Hessen

und Nassau (DWHN) und das Diakonische Werk in

Kurhessen-Waldeck (DWKW) zu einem gemein sa -

men Jahresempfang eingeladen. Die Veranstaltung

wurde am 18. September in der Marburger Stadthalle

ausgerichtet und gilt als wichtiges Zeichen

für die im Januar 2013 geplante Fusion beider Verbände.

Premiere hatte dabei auch die Verleihung

des Elisabeth-Preises 2011, der von der Stiftung

Diakonie in Hessen und Nassau und beiden Verbän -

den im Rahmen des Jahresempfanges vergeben

worden ist (ausführlicher Bericht siehe Seite 20 ff.).

In Anlehnung an das Europäische Jahr der Freiwilligen tätigkeit

2011 war das Motto des Jahresempfangs: „Gaben ent falten – Engagement

gestalten“. Auszüge aus dem Musical „Der Teufel und

die Heilige“ über das Wirken der Elisabeth von Thüringen von und

mit Dr. Fabian Vogt sowie Interviews mit sogenannten Botschafterinnen

und Botschaftern für das Freiwillige Engagement, die in

verschiedenen Feldern der Diakonie ehrenamtlich tätig sind, vermittelten

in den kleinen Diskussions runden ein lebendiges Bild ihres Engagements. Tenor aller Botschafterinnen

und Botschafter war: „Eigentlich bekommen wir mehr zurück, als wir geben!“ Die Mode -

ra tion hatte Petra Nagel vom Hessischen Rundfunk.

„Das Ehrenamt gehört zu den konstitutiven Wurzeln kirchlicher und diakonischer Arbeit. Lange

vor der hauptberuflichen Organisation diakonischer Dienste gibt es das biblisch motivierte mitmenschliche

Handeln, für andere da zu sein, nicht nur im Sinne des allgemeinen Priestertums aller

Gläubigen. Für uns ist das vielfältige freiwillige Engagement eine soziale Arbeit eigener Qualität.

Diakonie Jahresbericht 2011 17


18 Jahresbericht 2011 Diakonie

JAHRES-

EMPFANG

2011

Es kann und soll die professionelle soziale Arbeit nicht ersetzen, aber es erweitert und bereichert

sie. Die Bereitschaft zum Ehrenamt ist in Deutschland glücklicherweise ungebrochen hoch.

Ohne dieses Engagement wäre unsere Arbeit nicht so erfolgreich, wie sie es ist“, betonten Pfarrer Dr.

Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender des DWHN, und Landespfarrer Dr. Eberhard Schwarz (DWKW)

unisono.

Als Vertreter der Landesregierung dankte Staatssekretär Dr. Rudolf Kriszeleit vom Hessischen

Ministerium der Justiz, für Integration und Europa dem Diakonischen Werk in Hessen und Nassau

sowie dem Diakonischen Werk in Kurhessen-Waldeck für die geleistete Arbeit im Sozialbereich. „Die

Diakonie ist ein wichtiger Partner, aber auch eine wertvolle und kritische Begleitung der Hessischen

Landesregierung“, so Kriszeleit. Er betonte: „Das Diakonische Werk versteht es, Menschen zu motivieren,

ihren Glauben zu leben und sich für die Gesellschaft zu engagieren. Dies ist praktizierte Nächstenliebe

und hat Vorbildwirkung.“


Diakonie-Gottesdienst mit

Bischof Prof. Dr. Martin Hein und

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung

Den Auftakt des Tages bildete zuvor ein gemeinsamer Diakonie-Gottesdienst

in der sehr gut besuchten Marburger Elisa -

beth kirche, den der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck,

Prof. Dr. Martin Hein, und der Kirchenpräsident

der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung,

gemeinsam feierten. In seiner Predigt betonte Bischof Dr. Martin Hein, dass die von Jesus in die

„größere Familie“ gerufenen Menschen in Diakonie und Kirche die Verantwortung füreinander wahrnähmen.

Das gelte nicht nur für die professionell Tätigen, sondern auch und gerade für die vielen

Ehrenamtlichen. Dafür, dass es so viele seien, und zwar mehr, als man meine, können die Evangelischen

Kirchen und die Diakonischen Werke in Hessen dankbar sein. Im gemeinsamen Fragen nach

dem Willen Gottes übernähmen viele ganz konkret Verantwortung, indem sie die Gaben, die Gott

ihnen anvertraut habe, und ihr Engagement, das daraus erwachse, für die Gesellschaft einsetzten.

„Wir sind in Christus Schwestern und Brüder – und werden es für andere“, so der Bischof.

Kathleen Niepmann

ELISABETH-

PREIS

2011

Diakonie Jahresbericht 2011 19


20 Jahresbericht 2011 Diakonie

ELISABETH-

PREIS

2011

„ICH HABE EUCH IMMER GESAGT,

IHR MÜSST DIE MENSCHEN

FROH MACHEN“

Elisabeth von Thüringen war Namensgeberin

für den Elisabeth-Preis der Diakonie

Das Jugenheimer Projekt „Aktiv leben mit Demenz – Altes Forstamt“ ist Preisträger des

erstmals vergebenen Elisabeth-Preises in Hessen. In der Marburger Stadthalle nahmen Verantwortliche

des Projekts die Urkunde des Preises entgegen, der zukunftsweisende Ideen, Konzepte

und Projekte in der sozialen Arbeit auszeichnet. Vertreter der Stiftung Diakonie in Hessen und

Nassau, die den Preis gemeinsam mit den Diakonischen Werken in

Hessen und Nassau (DWHN) sowie Kurhessen-Waldeck (DWKW) vergibt,

überreichten insgesamt vier Preisträgern die Urkunden. Die Preisverleihung

fand im Rahmen des Jahresempfangs der beiden Diakonieverbände

in Hessen, den diese erstmals gemeinsam veranstaltet hatten,

in der Marburger Stadthalle statt. Der Preis ist mit insgesamt 12.000

Euro dotiert, 6.000 gehen an den ersten Preis. Den zweiten Preis teilen

sich das Projekt „Wohnbereich Seckbacher AU“ der Inneren Mission Frankfurt am Main und das

Marburger Projekt „Das Familienhaus“ des Elisabeth-Vereins Marburg. Die Projekte erhalten jeweils

3.000 Euro. Einen einmaligen Zusatzpreis in Höhe von 1.000 Euro erhält das Rimbacher

Projekt „Brunnengasse – Hilfen aus einer Hand“ des Diakonischen Werkes Bergstraße.

„Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr erstmals den Elisabeth-Preis vergeben können,

initiiert von der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau“, sagte der Vorstandsvorsitzende der

Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau, der Frankfurter Rechtsanwalt Rudolf Herfurth. Der Förderpreis

werde an Personen, Personengruppen und Einrichtungen im Bundesland Hessen verliehen,

die Anstöße für zukunftsweisende Ideen und Konzepte gegeben haben oder für ihre

nachhaltige Durchsetzung stehen, so Herfurth weiter. „Das in den Projekten gezeigte Engagement

ist lebensnotwendig für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft“, sagte der Vorstandsvorsitzende

abschließend.


Erster Preis, 6.000 Euro

Projekt „Aktiv leben mit Demenz – Altes Forstamt“, Jugenheim

Dieses Projekt des Fördervereins der Diakoniestation Nördliche Bergstraße e.V. verbindet

räumlich und inhaltlich eine Sonderwohnform für Menschen mit Demenz mit einem Familienzentrum

und einem Begegnungsort für junge Menschen. Die ideale Lage des Gebäudes in

der Ortsmitte erleichtert und fördert die Teilhabebedürfnisse der Bewohner genauso wie den

Kontakt und die Begegnung mit den Kindern und Besuchern des Familienzentrums. Die Bewohner

bringen ihre Fähig keiten und Gewohnheiten ein. Angehörige, Betreuer und Pflegekräfte

sind Gäste. Das Forsthaus, seine Bewohner, deren Familien und andere Nutzer tragen regelmäßig

zum kulturellen Leben der Kommune bei: Lesungen, Vorträge, Basare und andere Kulturveranstaltungen

laden Nachbarn und Gemeinde ein und bereichern die Begegnungsmöglichkeiten

und Kontakte der Menschen mit Demenz. Die Begegnungen mit den Betreuungsgruppen

der unter Dreijährigen des Frauen- und Familienzentrums sowie einer Jugendgruppe

der Deutschen Waldjugend entsprechen dem Inklusions anspruch.

Zweiter Preis (geteilt), 3.000 Euro

Projekt „Wohnbereich Seckbacher AU“

der Inneren Mission Frankfurt am Main

Seit bald 50 Jahren engagiert sich das Hufeland-Haus für eine gute Versorgung alter und

bedürftiger Menschen in Frankfurt am Main. Angesichts der zu erwartenden Zunahme von Bewohnern

mit Demenz wurde das Hufeland-Haus baulich entsprechend für diese Anforderungen

gerüstet. Das Konzept verfolgt auch das Ziel, die Bewohner weitestgehend ohne freiheitseinschränkende

Maßnahmen zu betreuen. Es handelt sich um einen Bereich, in dem den

Bewohnern ausreichend Bewegungsalternativen angeboten werden. Ein großer Wohnbereich

wird in zwei Betreuungsbereiche aufgeteilt, einen Demenzbereich für mobile Bewohner (14

Plätze), der durch seine Ausstattung, seinen Zugang zum beschützten Garten und speziell geschulte

Mitarbeitende geprägt ist, und eine Tagesoase (acht Plätze), in der immobile Bewohner

mit weit fortgeschrittener demenzieller Erkrankung ihren Lebensort finden. Mit diesem

Konzept unterscheiden sich die Aktivitäten des Hufeland-Hauses von anderen Konzepten. Es

stellt ein Phasenkonzept dar: d.h. Menschen mit Demenz werden je nach Fortschritt und Symptomatik

in eigenen Räumlichkeiten von einem vertrauten Team betreut. Schließlich ist das

Konzept so angelegt, dass es offen und entwicklungsfähig ist. Damit ist eine fallbezogene Anwendung

je nach der individuellen Bedarfs lage eines Bewohners gegeben.

Diakonie Jahresbericht 2011 21

Erster Preis

Projekt „Aktiv leben mit Demenz –

Altes Forstamt“, Jugenheim

DIE PREIS-

TRÄGER

IM PORTRÄT


22 Jahresbericht 2011 Diakonie

Zweiter Preis

Projekt „Wohnbereich Seckbacher AU“ der Inneren Mission Frankfurt am Main

Zweiter Preis

Projekt „Das Familienhaus“ des Elisabeth-Vereins Marburg

Zweiter Preis (geteilt), 3.000 Euro

Projekt „Das Familienhaus“ des Elisabeth-Vereins Marburg

Das Projekt „Familienhaus“ versteht sich als Versuch, angesichts steigender Zahlen von

Familien mit Problemen in produktiver Weise zu reagieren. Es ist in seiner Konzeption in der

Bundesrepublik einzigartig und richtungweisend. Im Familienhaus werden Familien betreut,

❯ deren Kinder in der Vitos Klinik Lahnhöhe behandelt werden und an deren Behandlung

sich eine Hilfe zur Erziehung anschließen soll;

❯ in denen ein Elternteil in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie behandelt wird

und deren Familienmitglieder sich mit der Diagnose der psychischen Erkrankung ausein -

andersetzen müssen, um den Familienalltag mit der Erkrankung so zu gestalten, dass die

Entwicklung und das Wohl der Kinder nicht gefährdet sind;

❯ denen nach Beratung durch das Jugendamt eine stationäre Hilfe zur Erziehung für ihr

Kind empfohlen wird, jedoch gleichzeitig Ansätze und Voraussetzungen zu erkennen sind,

dass die elterlichen Kompetenzen und/oder seelischen Dispositionen erweiterungsfähig

sind.

Beispielgebend an diesem Projekt ist die enge Verzahnung von Fachkräften der Jugendhilfe

und der Psychiatrie. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

Sonderpreis, 1.000 Euro (einmalig vergeben)

Projekt „Brunnengasse – Hilfen aus einer Hand“,

Rimbach, Diakonisches Werk Bergstraße

Die Arbeit mit psychisch kranken Menschen ist seit 25 Jahren einer der Arbeitsschwerpunkte

des Diakonischen Werkes Bergstraße. Vor dem Auf- und Ausbau der gemeindepsychiatrischen

Dienste wurden psychisch kranke Menschen durch die Allgemeine Lebensberatung

des Diakonischen Werkes unterstützt. Das „Wohnprojekt Brunnengasse“ in Rimbach hat zum

einen das Ziel, die Wohn- und Lebenssituation von Familien zu verbessern, die von psychischer

Erkrankung betroffen sind und intensive professionelle Unterstützung benötigen und wünschen.

Kinder, bei denen ein Elternteil psychisch erkrankt ist, sind besonders gefährdet, was


Sonderpreis

Projekt „Brunnengasse – Hilfen aus einer Hand“, Rimbach, Diakonisches Werk Bergstraße

ihre eigene psychische Entwicklung anbetrifft. Psychisch kranke Eltern haben aber in der Regel

sowohl eine Beziehung zum als auch ein Interesse am Kind. Sie können dessen kontinuierliche

emotionale und psychische Versorgung nicht durchgehend leisten. Das Angebot des

Betreuten Wohnens für die ganze Familie trägt dieser Situation Rechnung, vernachlässigt aber

nicht Ressourcen, die in der Familie vorhanden sind.

Hintergrund: Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau

Die Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau wurde zur Förderung aller diakonischen

Zwecke im Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ins Leben gerufen. Dies

kann durch Zustiftungen und durch Spenden geschehen.

Die Stiftung hat die folgenden Arbeitsschwerpunkte:

1. Sie ist Dienstleister für regionale diakonische Initiativen und soll die einfache, kostengünstige

Gründung und Führung von regionalen Unterstiftungen ermöglichen. Hierzu sollen

unterschiedliche Beratungsangebote aus einer Hand angeboten werden und die treuhänderische

Verwaltung von Unterstiftungen übernommen werden.

2. Sie baut landesweite, thematisch festgelegte Stiftungsfonds auf wie DiaDem – Hilfen für

demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen und DiaKids – starke Familien – starke

Kinder. DiaJobs soll ab dem Jahr 2011 Jugendliche beim Übergang von der Schule in den

Beruf unterstützen.

3. Sie will neue soziale Konzepte und Initiativen fördern, die für die soziale Arbeit Innovationen

befördern oder auch neue Hilfeangebote abdecken, die gesetzlich noch keine Förderung

erfahren.

Informieren Sie sich unter: www.sinn-stiften.de

Dem Stiftungsvorstand gehören an: Vorstandsvorsitzender Rudolf Herfurth, Rechtsanwalt;

stellvertretender Vorstandsvorsitzender: Prof. Bernhard Meyer; Stiftungsdirektor: Wilfried Knapp,

Vorstand DWHN.

Kathleen Niepmann

Diakonie Jahresbericht 2011 23


24 Jahresbericht 2011 Diakonie

SCHWARZ

DR. WOLFGANG GERN DR. EBERHARD SCHWARZ WILFRIED KNAPP DR. HARALD CLAUSEN

„ES GEHT UM EINEN NEUEN

DIAKONISCHEN AUFBRUCH“

INTERVIEW MIT DEN VORSTANDSMITGLIEDERN DER

DIAKONISCHEN WERKE IN HESSEN UND NASSAU UND

KURHESSEN-WALDECK ZUM PROZESS DER FUSION

s zialer Dienst der evangelischen Kirche zukunfts-

Der Fusionsprozess beider

Diakonischer Werke ist jetzt in

einer entscheidenden Phase.

Herr Dr. Gern, Herr Dr. Schwarz,

was sind die Motive für das

Zusammengehen?

Gern: Wir wollen die diakonische Arbeit in den

Gebieten unserer Landeskirchen besser darstellen

und vernetzen als bisher und unser Tun als so-

fähig machen – dies ist das Ziel, das wir mit der

Fusion unserer beiden Diakonischen Werke, dem

Diakonischen Werk in Hessen und Nassau (DWHN)

und dem Diakonischen Werk in Kurhessen-Wal -

deck (DWKW), erreichen wollen. Denn dass Diakonie

Lebens- und Wesenszeugnis von Kirche ist,

soll lebendig bleiben und gerade auch bei sich

wandelnden Strukturen in unserer Gesellschaft

deutlich erkennbar sein.


Schwarz: Es geht um noch mehr als um das

Verbinden von Strukturen. Es geht um den uns

verbindenden, uns gemeinsamen Auftrag. Der

Auftrag eines vereinten Diakonischen Werkes ist

es, das diakonische Zeugnis der Kirchen zu stärken,

sowohl im Rahmen von Gemeinden und Kirchenkreisen

als auch in der Förderung diakonischer

Unternehmen. Die Fusion wird über die

Dienstleistung hinaus, die wir unseren Mitgliedern

schuldig sind, zu einer deutlicheren Anwaltschaft

für die Hilfebedürftigen in unseren

Kirchengebieten führen.

s

Gibt es neben diesen gewichtigen

inhaltlichen Zielen dieser Fusion

weitere Gründe, sich auf diesen,

ja bestimmt auch nicht immer

leichten Weg zu machen?

Schwarz: Es gilt die Synergieeffekte einer Fu -

sion zu nutzen, um die Diakonie in Hessen qualitativ

wie quantitativ zu erhalten, trotz finanzieller

Einbußen bei Kirche und Diakonie und

dem drohenden Wegbrechen kommunaler Finan -

zierung.

Gern: Wo ein gemeinsames Diakonisches Werk

seine Kräfte bündelt, können die frei werdenden

Ressourcen investiert werden, um die im strukturellen

Wandel so dringend benötigten Innovationen

nach vorn zu bringen. Wir wollen die Zeichen

der Zeit erkennen und rechtzeitig handeln,

ehe wir behandelt werden.

s

Herr Dr. Clausen, Herr Knapp,

welche Schritte sind bisher auf

diesem Weg unternommen

worden?

Knapp: Anfang 2011 sind sogenannte Bereichsprojektgruppen

ins Leben gerufen worden, die

aus Vertreterinnen und Vertretern der einzelnen

Bereiche in den beiden Geschäftsstellen bestehen

und von den Vorständen beider Verbände

benannt worden sind. Aufgabe der Bereichsprojektgruppen

war und ist es, zunächst Bestands-

analysen über die derzeitigen Arbeitsfelder und

-strukturen zu erarbeiten. Diese Bestandsanalysen,

auch Ist-Stand-Erhebung genannt, sind die

Grundlage dafür, dass die Bereichsprojektgruppen

jeweils mindestens zwei Vorschläge für die

künftigen Arbeitsstrukturen in unserem fusionierten

Verband erstellen.

Clausen: Es gibt Bereichsprojektgruppen in insgesamt

15 Arbeitsfeldern (Öffentlichkeitsarbeit;

Armut, besondere soziale Schwierigkeiten; Familie,

Frauen, Kinder, Jugend; Migration, Integra -

tion; Gesundheit, Alter, Pflege; Behindertenhilfe,

Sozialpsychiatrie, Sucht; Rechtsstelle; Fundraising;

Innenrevision; Personal; IT; Finanzen/Administration;

Controlling; Wirtschaftliche Beratung).

Erste Zwischenergebnisse liegen inzwischen

vor. Die Arbeit der Bereichsprojektgruppen

soll bis März 2012 abgeschlossen und präsentiert

sein. Wir sind hier auf einem guten Weg. Die ersten

Ergebnisse haben gezeigt, wo es bereits Gemeinsamkeiten

gibt und welche Punkte noch

aufeinander abgestimmt werden müssen.

s

Was hat das für Auswirkungen

auf die Arbeit der Mitarbeitenden

in den Diakonischen Werken in

Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck?

Wird es zu Entlassungen

kommen?

Clausen: Definitiv nein! Wir sind in den Vorständen

übereingekommen, keine Entlassungen

vorzunehmen. Das wäre auch das ganz falsche

Signal. Gerade der Fusionsprozess fordert eine

Menge Energie und Arbeitszeit im Vorfeld von

uns allen ab. Für dieses große Engagement auf

allen Ebenen bedanken wir uns schon jetzt bei

den Mitarbeitenden in beiden Werken.

Knapp: Darüber hinaus wird es aufgrund der

angedachten Strukturen des neuen DW für die

Mehrheit unserer Mitarbeitenden bedeuten, dass

sie auch in Zukunft an ihrem angestammten regionalen

Arbeitsplatz, sprich Frankfurt und Kassel,

arbeiten werden. Umzüge oder tägliches

Pendeln werden damit für die betreffenden Mit-

Diakonie Jahresbericht 2011 25


26 Jahresbericht 2011 Diakonie

arbeiterinnen und Mitarbeiter unnötig, gefordert

ist eine große Flexibilität und Bereitschaft, über

Standorte hinweg effektiv zusammenzuarbeiten.

s

Bedeutet ein großes Diakonisches

Werk nicht auch, dass die Arbeit in

der Region zu kurz kommt?

Schwarz: Nein, gerade nicht. Wir wollen die regionale

diakonische Arbeit auch angesichts der

fortschreitenden Kommunalisierung weiterhin

von der Landesebene her steuern und fördern,

um die unterschiedlichen Bedarfe auf Gemeindeund

Dekanatsebene zu beachten und zu vergleichen.

Gern: Gerade im Hinblick auf die beiden Landeskirchen

sind wachsende geschwisterliche Beziehungen

und Strukturen Voraussetzung dafür,

dass kirchenpolitische Aktivitäten mit Blick auf

das Land Hessen und auch Rheinland-Pfalz und

die römisch-katholischen Bistümer besser gebündelt

werden können. Dabei gilt es die vorhandenen

Angebote von Kirche und Diakonie

stärker zu vernetzen und die regionale Kommuni -

kation von stationären und ambulanten Diensten

besser als bisher aufeinander abzustimmen. Gerade

die Beziehungen unserer Mitglieder zu den

Gemeinden in der Region sind ja ein bedeutendes

Netzwerk und ein Schatz, um den viele uns

beneiden.

s

Ein fusioniertes Werk wird also

besser auf starke Veränderungen

im sozialen Bereich reagieren

können?

Knapp: Es geht nicht allein darum, Vorhandenes

zu sichern und Bestehendes zu verwalten. Es

geht um einen neuen diakonischen Aufbruch, um

auch in schweren Zeiten und im Umbruch neue

Chancen zu erkennen und für sich zu nutzen, d.h.

Modernität mit Profil, Wettbewerb mit klarer

Parteilichkeit, bessere Wirt schaft lichkeit mit einer

Diakonie, die sich auch als Dienstleister für

ihre Mitglieder und hilfesuchende Menschen

versteht.

Clausen: Eben das was Diakonie ausmacht,

kann durch Einheit gestärkt und ausgebaut werden,

ja eben dies ist unsere Chance und unser

Wettbewerbsvorteil. Es geht um mehr als nur um

ein reines Mithalten auf dem Sozial- und Gesundheitsmarkt.

Die Fragen stellte Pfarrer Gregor Ziorkewicz,

Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindediakonie

im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau.

Dieses Interview erscheint textgleich in den Jahresberichten

2011 des DWKWs und DWHNs.


Kirche

Kirche Jahresbericht 2011 27


28 Jahresbericht 2011 Kirche

„DIAKONIE UND KIRCHE

GEHÖREN ZUSAMMEN.

DAS EINE IST OHNE DAS ANDERE

NICHT VORSTELLBAR.“

KIRCHENPRÄSIDENT DR.VOLKER JUNG

ÜBER DAS VERHÄLTNIS VON KIRCHE UND DIAKONIE


Diakonie und Kirche gehören zusammen.

Das eine ist ohne das andere nicht vorstellbar.

Das besondere Zusammenspiel von Glauben und

Handeln ist dem Christentum in die Wiege ge -

legt. Die Diakonie kann sich nicht alleine in

Sozialarbeit erschöpfen. Und zur Kirche gehört

mehr als die Sonntagspredigt. Erst das diakoni -

sche Handeln macht das kirchliche Zeugnis vom

Evangelium Jesu Christi glaubwürdig. Die Dia -

konie ihrerseits braucht eine Verankerung in der

Verkündigung des Evangeliums.

Das Verhältnis von Kirche und Diakonie betrifft

das Herz des Glaubens. Christus selbst und

seine Botschaft kommen dabei in den Blick. Ausgangspunkt

ist der alte jüdische Glaubensgrundsatz,

den Nächsten so zu lieben wie Gott. Konsequent

überträgt Jesus das in die Lebenspraxis.

Am wohl eindrücklichsten zeigt er das im Gleich -

nis vom barmherzigen Samariter. Ein Mann aus

der samaritanischen Religionsgemeinschaft – ein

Außenseiter, ein Andersgläubiger sorgt sich vorbildlich

um einen Überfallenen. So stellt sich Jesus

das Zusammenleben der Menschen im Horizont

Gottes vor.

Bei den ersten Christinnen und Christen

blieben das keine hehren ldeale. Die Apostel -

geschichte erzählt von der fürsorglichen Unterstützung

bedürftiger Gemeindemitglieder. Paulus

lässt in kaum einem seiner Briefe den Hinweis

vermissen, für die ärmeren Brüder und Schwes -

tern zu sammeln. Der Apostel fasst Jesu Bot schaft

knapp zusammen: Die Stärkeren sollen die Lasten

der Schwächeren schultern. Für ihn ist die

Summe aller Gebote am Ende in diesem einen erfüllt:

„Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst!“

Diakonie ist integraler Bestandteil der Gemeinde.

Hier liegt der Ursprung des christlichen Engagements

für die Bedürftigen. Klöster wurden

im Lauf der Geschichte zu Anlaufstellen für Obdachlose.

Kirchen verwandelten sich zeitweise in

Krankenhäuser. Selbstkritisch müssen wir uns als

evangelische Kirche aber auch eingestehen, dass

wir nicht immer für die Nächsten da waren.

Wäh rend der industriellen Revolution des 18.

Jahr hunderts reagierte die Kirche zunächst kaum

auf die massenhafte Verelendung großer Be -

völkerungsteile. Erst Männer wie Johann Hinrich

Wichern erinnerten die Kirche wieder an ihre Ver -

antwortung für die Ärmsten im Geiste Christi.

Und heute? Wir haben auf der einen Seite

eine hochprofessionelle Diakonie mit ausdiffe -

renzierten Feldern. Von der häuslichen Alten -

pflege über professionelle Heimpflege und Einrichtungen

für Kinder und Jugendliche bis zur interkulturellen

Arbeit gibt es kaum eine soziale

Herausforderung, die nicht im Aufgabenkatalog

des Diakonischen Werkes zu finden ist. Dabei

muss sich das diakonische Handeln auf einem

harten Markt bewähren. Das ist eine große Her -

ausfor derung für die Beschäftigten und ihre

Leitungen.

Gleichzeitig entdecken immer mehr Ge -

mein den wieder das diakonischen Handeln als

ureigene Aufgabe. Ein reizvoller Gedanke: Professionelle

und gemeindliche Diakonie bewegen

sich aufeinander zu. Und es kommt zusammen,

was schon immer zusammengehört. Wenn haupt -

amtliche Profis und ehrenamtliche Engagierte

noch mehr Hand in Hand arbeiten, stärkt das alle.

Die bevölkerungspolitische und soziale Entwicklung

in unserem Land werden das diakonische

Handeln in Zukunft noch stärker herausfordern,

als es uns heute bewusst ist. Die Menschen werden

älter und müssen gut betreut sein. Teile der

Gesellschaft rücken stärker von der Mitte weg

und müssen aufgefangen werden.

Nur eine starke Diakonie mit großem kirchlichen

Selbstbewusstsein und eine Kirche mit

starkem diakonischen Profil können gemeinsam

diese Aufgaben meistern. Die Diakonie gehört

zur Kirche. Und die Kirche gehört zur Diakonie:

Der alte urchristliche Ansatz führt in die Zu kunft.

Pfarrer Dr. Volker Jung

Kirchenpräsident

der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Kirche Jahresbericht 2011 29


30 Jahresbericht 2011 Stiftung

Stiftung


BERND KREH EPILEPSIE-

STIFTUNG

DER

DIAKONIE

IN HESSEN

„Die Diakonie setzt sich mit

der EpilepSIE-Stiftung für die

vielen Betroffenen ein, indem

sie aufklärt und Vorbehalte in

der Gesellschaft zu der Krankheit ausräumt. Sie ersetzt bestehende Ängste durch Wissen und verhilft

Betroffenen zu mehr Akzeptanz und Lebensqualität.“ Mit diesen Worten beschreibt die Schirmherrin,

Bundesfamilienminsterin Dr. Kristina Schröder, den Zweck der neuen Stiftung unter dem Dach

der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau.

Sie wurde Ende 2010 gegründet und unterstützt Menschen in Hessen, die von Epilepsien betroffen

sind. Damit holt sie die Krankheit aus der Tabuzone heraus und setzt sich für einen offenen

Dialog ein.

Die Stiftung verwirklicht ihre Zwecke insbesondere dadurch, dass sie die Beratung von Menschen

mit Epilepsien und den Aufbau von Hilfsdiensten für sie und ihre Angehörigen finanziell ermöglicht.

Gleichzeitig will sie selbst Projekte initiieren, die an Epilepsien erkrankten Menschen und

ihren Angehörigen bei der psychosozialen Bewältigung der Krankheit im Alltag und im Berufsleben

helfen können. In Einzelfällen kann die Stiftung an Epilepsien erkrankte Menschen mit besonders

schwerer Ausprägung der Krankheit individuell unterstützen.

Im Stiftungsbeirat wirken die Neurologen Prof. Dr. Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums

Hessen, Philipps-Universität Marburg, PD Dr. Karsten Krakow, Asklepios Neurologische Klinik in Falkenstein,

Dr. Sebastian von Stuckrad-Barre, Deutsche Klinik für Diagnostik in Wiesbaden, und für die

Selbsthilfegruppen Wolfgang Walther, Vorsitzender der Deutschen Epilepsievereinigung e.V., Landes -

verband Hessen, mit. Zudem gehört der Initiator der Stiftung, Michael Hibler, Leiter des Diakonischen

Werkes Hochtaunus, dem Beirat an.

Unterstützt wird die EpilepSIE-Stiftung von dem Langstreckenläufer Georg Thoma und von der

Künstlerin Anja Zeipelt, die beide selbst von dieser Krankheit betroffen sind.

Die EpilepSIE-Stiftung der Diakonie in Hessen befindet sich im Aufbau. Sie ist auf Spenden und

Zustiftungen angewiesen.

Bernd Kreh

Referent für Fundraising und Stiftungswesen im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau

Stiftung Jahresbericht 2011 31

Weitere Informationen – auch zu

Fragen von Epilepsie-Erkrankungen

– finden Sie unter

www.epilepsie-stiftung.de .

Kontoverbindung:

EpilepSIE-Stiftung

Konto-Nr. 50 44 36 02 03,

BLZ 500 500 00

Landesbank Hessen-Thüringen


32 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

Arbeitsgebiete


LEBENSRÄUME VERÄNDERN –

LEBENSCHANCEN VERBESSERN

GEMEINWESENARBEIT

Wenn man Menschen nachhaltig helfen möchte und

DR. ALEXANDER DIETZ

wenn man gesellschaftlichen Zielen, wie Integration und

Gleichheit der Bildungschancen, näherkommen möchte, dann

muss man versuchen, die Lebensräume von Menschen insgesamt

positiv zu verändern. Insbesondere in Stadtteilen mit

besonderem Entwicklungsbedarf führen die Rahmenbedingungen

oft dazu, dass Menschen keine Lebensperspektive

entwickeln können. Zunehmend trennen sich Stadt- und

Ortsteile in solche mit reicheren und solche mit ärmeren Bewohnern.

In armen Stadtteilen konzentrieren sich soziale Problemlagen,

die Infra struktur wird abgebaut und die Bewohner

werden stigmatisiert. Viele regionale Diakonische Werke

und auch viele Kirchen gemeinden übernehmen Verantwortung

für ihr Gemeinwesen, lassen sich auf die Begegnung mit ihren

Nachbarn ein und durchbrechen so die Abwärtsspirale.

Doch nicht nur in städtischen Brennpunkten macht ein sozialräumlicher Ansatz beim diakonischen

Engagement Sinn. Es sollte immer darum gehen, die spezifischen Lebenslagen der Menschen in einem

Gemeinwesen wahrzunehmen, ihre jeweiligen Bedarfe ebenso wie ihre jeweiligen Ressourcen. Das

Ziel besteht darin, gemeinsam mit den unterschiedlichen Bewohnern vor Ort und möglichst vielen

weiteren Akteuren Veränderungen herbeizuführen, damit sich die Lebensverhältnisse und Handlungs -

spielräume nachhaltig verbessern. Darum setzt das Diakonische Werk in Hessen und Nassau schon

seit einigen Jahren einen seiner Schwerpunkte im Bereich Gemeinwesenarbeit. Ich möchte an zwei

konkreten Bei spielen verdeutlichen, warum sich dies lohnt. Es handelt sich um zwei Projekte in der

Trägerschaft des regionalen Diakonischen Werkes Mainz-Bingen.

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 33


34 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

1. MehrGenerationenHaus

„Römerquellen-Treff“:

2001 wird das Wohngebiet Römerquelle im

Stadtteil Mainz-Finthen in das Programm „Soziale

Stadt“ der Landeshauptstadt Mainz aufgenommen.

Als das Programm im Jahr 2006 ausläuft, ist

bereits viel geschehen: die Kriminalität ist ge -

sunken, ein Spielplatz wurde gebaut, Geschäfte

haben sich angesiedelt. Aber die Stadt weiß, dass

sie weiterhin in Gemeinwesenarbeit investieren

muss, wenn nicht an anderer Stelle höhere

Kosten entstehen sollen. Daher bewirbt sie sich

gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Mainz-

Bingen und dem Förderverein Römerquellen treff

e.V. für das Bundesmodellprojekt MehrGenerationenHäuser.

Die Kooperationspartner erhalten

den Zuschlag und seitdem betreibt das Diakoni -

sche Werk Mainz-Bingen mit den Kooperations -

partnern das heutige MehrGenerationenHaus

„Römerquellen-Treff“. Besonders erfolgreiche An -

gebote sind die Hausaufgabenbetreuung und das

Generationenfrühstück.

Kenan W. und Tarek G. sind 14 Jahre alt. Bei

der Hausaufgabenbetreuung werden sie ermutigt,

beim Angebot „Jugend spricht für sich“ mitzumachen.

Hier können Jugendliche ihre Wünsche

direkt gegenüber dem Sozialdezernenten, Verwal -

tungsmitarbeitern sowie Lokalpolitikern äußern.

Als sie dort sagen: „In unserem Stadtteil passiert

doch investitionsmäßig eh nichts, weil hier so

viele Ausländer leben“, rüttelt das die Politiker

auf. Die Stadt spendet eine Playstation und eine

Tischtennisplatte für die Jugendarbeit und bittet

Kenan und Tarek, bei einer Stadtteilbegehung

mitzukommen und Verbesserungsvorschläge zu

machen.

2. Interkulturelles Bürgerzentrum

„Katzenberg-Treff“:

Die Hochhaussiedlung „Katzenberg“ am Rand

von Mainz-Finthen ist ein Wohngebiet, in dem

viele verschiedene Nationen miteinander leben.

Meist sind es sozial benachteiligte Menschen, die

sich hier ansiedeln, da sie sich oftmals die hohen

Mietkosten in anderen Stadtgebieten von Mainz

nicht leisten können. 1987 gründete die örtliche

Evangelische Kirchengemeinde den Katzenberg-

Treff, um etwas für die benachteiligten Kinder und

Erwachsenen zu tun. Seit 2004 ist die Einrichtung

in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Mainz-

Bingen. Die interkulturelle Akzeptanz der Bewohner

wird durch unterschiedlichste Bildungsund

Freizeitangebote für Kinder und Er wachsene

sowie gemeinsame Feste und Ausflüge gefördert.

Ohne die gemeinsamen Ausflüge und Besichti -

gun gen würden viele selten aus der Siedlung her -

auskommen. Durch vernetzte Unterstüt zungsund

Beratungsangebote werden vor Ort auch die

erreicht, die sonst durch alle Raster fallen.

Der Maurer Murat Y. wohnt seit 20 Jahren

mit seiner Familie in Deutschland und ist schon

seit langem erwerbslos. Früher hatte er keine Anlaufstelle

für seine Probleme und schottete sich

ab. Über seinen Sohn, der zur Hausaufgabenbetreuung

kam, nahm die Familie vor einigen Jah -

ren erstmals am Sommerfest teil. Mittlerweile

hilft die ganze Familie bei den Festvorbereitungen

mit. Die Sozialarbeiter unterstützten seinen

Sohn bei der Kriegsdienstverweigerung sowie

Ausbildungsplatzsuche. Seine Tochter konnte in

eine Gruppe für Menschen mit Behinderung vermittelt

werden. Seine Frau besucht den angebotenen

Sprachkurs. Heute fühlt sich die Familie

im Stadtteil zu Hause.

Dr. Alexander Dietz

Referent für Ethik, Sozialpolitik und Gemeinwesen

im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau


SOZIALEN FRIEDEN

GIBT ES NICHT ZUM

NULLTARIF

SOZIALPOLITISCHE ANWALTSCHAFT –

EINE DIAKONISCHE AUFGABE

DR. ALEXANDER DIETZ

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 35

In Psalm 85,10 begegnet uns die Vision, dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Ein

wunder schönes Bild – und zugleich der Ausdruck einer tiefen Einsicht in die Voraussetzungen gelingenden

Zusammenlebens. Gerechtigkeit und Friede gehören zusammen. Weder kann es Gerech -

tigkeit ohne Frieden geben (man denke beispielsweise an Siegerjustiz) noch Frieden ohne Gerech -

tigkeit. Schon als kleine Kinder haben wir ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsbewusstsein und reagieren

außerordentlich empfindlich, wenn wir das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden.

Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen: Wo es ungerecht zugeht, stellt sich Unfriede ein.

Anfang August dieses Jahres löst der Tod eines 29-jährigen Mannes durch die Kugel eines

Polizisten in London schwere Ausschreitungen in mehreren englischen Städten aus. Die Fernsehbilder

von brennenden Straßenzügen und plündernden Jugendgangs wecken Bürgerkriegs-Assoziationen.

Die Experten sind sich weitgehend einig, dass sich diese Entwicklungen nicht ohne

Rückgriff auf sozialpolitische Versäumnisse, Sparpolitik und zunehmende soziale Ungleichheit

erklären lassen. Die aufkommende Frage, ob ähnliche Ausschreitungen auch in Deutschland denkbar

seien, wird von führenden Politikern abgewiegelt, die den sozialen Frieden in Deutschland als

gesichert betrachten. Daraufhin wirft der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft diesen

Politikern Realitätsverweigerung vor, spricht von durchaus vergleichbaren gesellschaftlichen

Fehlentwicklungen in beiden Ländern und warnt vor einem immer weiteren Rückzug des Staates

aufgrund von Sparinteressen.


36 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

Auf jeden Fall wird durch die Ereignisse in

England deutlich, dass sozialer Friede keine

Selbst verständlichkeit ist. Wenn wir als Gesellschaft

sozialen Frieden wollen, müssen wir in

diesen Frieden investieren, und zwar indem wir

in Gerechtigkeit investieren. Gerechtigkeit meint

nicht oberflächliche Gleichmacherei, sondern die

Ermöglichung eines Lebens in Würde und gesellschaftlicher

Teilhabe sowie Beteiligung für alle

Menschen trotz vorhandener Unterschiede. Wir

können nicht von Integration, Bildung und Chancengleichheit

reden ohne die gleichzeitige Bereitschaft,

dafür Geld in die Hand zu nehmen,

Geld, das solidarisch über Steuern zusammen -

gelegt werden muss. In diesem Sinne muss der

heute leider verbreiteten pauschalen Kritik am

Sozialstaat entschieden widersprochen werden.

Positionen, die – ohne irgendein Interesse an den

genauen gegenwärtigen Bedingungen oder dem

gesellschaftlichen Bedarf – immer nur mantrahaft

die Forderungen nach weniger Staat, niedri -

geren Steuern und einer niedrigeren Sozialquote

wiederholen, disqualifizieren sich selbst als ideologisch

und offensichtlich weder an Gerechtigkeit

noch an sozialem Frieden interessiert.

Betrachten wir vor diesem Hintergrund den

Sozialstaat als unbedingt zu verteidigende zivili -

satorische Errungenschaft, dann muss uns die

gegenwärtige Politik des Sozialabbaus in Deutsch -

land in Alarmstimmung versetzen. Wir erleben

eine verantwortungslose Politik, die von Armut

betroffene Menschen öffentlich diffamiert (man

denke an die sogenannte „Hartz IV-Debatte“), die

eine gesellschaftliche Ausgrenzung großer Bevöl -

kerungsgruppen gleichgültig in Kauf nimmt, die

Krisensituationen auf den Schultern der Benachteiligten

gestaltet und Haushaltslöcher stopft,

in dem bei den Ärmsten der Armen gespart wird.

Aktuelle Beispiele dafür sind die radikalen Kürzungen

beim Programm „Soziale Stadt“, also bei

Sozialarbeit, die verhindern soll, dass benachteiligte

Stadtteile zu Brennpunkten werden, sowie

die ebenso radikalen Kürzungen bei der Förderung

von Qualifizierungs- und Beschäftigungsprogrammen

für perspektivlose Jugendliche im

Zuge der sogenannten Instrumentenreform. Als

Diakonie können wir dazu nicht schweigen, heißt

es doch in Sprüche 31,8: „Tu deinen Mund auf für

die Stummen und für die Sache aller, die verlassen

sind.“ Sozialpolitische Anwaltschaft für die

Betroffenen und vor allem mit den Betroffenen

gehört genauso unverzichtbar zu den Aufgaben

der Diakonie wie die praktischen Hilfsangebote

an den Einzelnen. Und sie ist heute wichtiger

denn je.

Dr. Alexander Dietz

Referent für Ethik, Sozialpolitik und Gemeinwesenarbeit

im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau


Noch können die meisten Menschen nach diesem Psalmgebet getrost einschlafen. Doch die

Erfahrung von ausreichender Unterstützung in Phasen der Schwäche, von erfolgreicher Hei lung

bei mangelnder Gesundheit, von ermutigender Zuwendung bei Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit

könnte bald rar werden, wenn die Pflegereform nicht bald kommt, denn es fehlt die Zusammenführung

der Pflegeausbildungen, es fehlt die Neufassung eines am Grad der Selbstständigkeit

statt an der Dauer von Verrichtungen festgemachten neuen Pflege be dürf tigkeitsbegriffs

und eines neuen Einstufungsverfahrens und es fehlt die Dynamisierung der Leistungen der Pflegekassen,

möglichst auf der Basis eines objektiven Pflegebedarfsbemessungssystems.

Für die Betroffenen muss man fragen: Ist das nicht ein Fall von unterlassener Hilfeleistung?

Die Folgen dieser politischen Tatenlosigkeit müssen Männer oder Frauen mit Pflegebedarf tagtäglich

ausbaden, denn immer kleiner wird der Anteil, den die Pflegeversicherung zu den entstehenden

Kosten an Pflege und Betreuung zuzahlt. Ist es mit dem Grundsatz des Erbarmens und der

Solidarität mit den Schwachen unserer Gesellschaft noch vereinbar, wenn gute Pflege immer mehr

vom Geldbeutel des Einzelnen und seiner Zahlungskraft abhängig gemacht wird?

Die öffentlich einsehbaren sehr guten Bewertungen und die Nachfrage zeigen, dass die diakonischen

Einrichtungen im Rahmen des Möglichen beste Leistungspakete anbieten. Wenn dennoch

bei den Rechtsträgern die Sorgen immer größer werden, zeigt das die Pflegebedürftigkeit

des Systems. Nach 15 Jahren ohne angemessene Kostenerstattungssteigerung in den Einrichtungen

sind die Rationalisierungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Die Versicherten wie auch die Einrichtungsträger

brauchen Entlastung und Sicherheit für ihre Zukunft.

„Verlass mich nicht, wenn ich schwach werde“, ist kein inniges Bittgebet, sondern ein Aufschrei

dessen, der sich alleingelassen fühlt, weil ihm im Zustand der Schwachheit jede eigene

Widerstands kraft fehlt. Wer die Reformen weiter verschiebt, riskiert zu all diesen Schwierigkeiten,

dass der interessierte Nachwuchs an Pflegekräften noch mehr verunsichert wird, bis er sich

schließlich anderen Berufen zuwendet. Wer kann das wollen? Wer will das verantworten?

Pfarrer Friedhelm Menzel,

Referent für Altenhilfe im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 37

„GOTT, VERLASS MICH

NICHT, WENN ICH

SCHWACH WERDE“

EIN ZWISCHENRUF

FRIEDHELM MENZEL

Das von Minister Rösler

ausgerufene „Jahr der

Pflege 2011“ droht

kläglich zu enden.

Mitte Sep tem ber verkündete

der neue

Gesundheitsminister

Daniel Bahr, dass sich

die Reform der Pflege -

ver sicherung weiter

verzögert. Der erhoffte

Kompromiss inner halb

der Koalition droht zu

platzen.


38 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

INTEGRATION, SOZIAL-

RAUMORIENTIERUNG,

PERSONENZENTRIE-

RUNG, INKLUSION …?

WOLFGANG CLOTZ

Am 13.12.2006 verabschiedete die UNO-Generalversammlung das Übereinkommen über die

Rechte von Menschen mit Behinderungen (auch: Behindertenrechtskonvention, UN-BRK). Eine

be sondere Bedeutung hat dieses Übereinkommen auch dadurch erlangt, dass Menschen mit Behinderungen

dieses Mal frühzeitig und auf allen Ebenen als „Experten in eigener Sache“ in die

Beratungen und Verhandlungen über den Text der Konvention einbezogen waren.

Seit März 2009 ist die UN-BRK nun auch in Deutschland verbindliches Recht. Seitdem hat

auf verschiedenen Ebenen eine heftige Debatte darüber begonnen, welche praktischen Konsequenzen

daraus folgen müssen. Dabei hat ein Begriff eine besonders steile Karriere gemacht, der

in der deutschen Übersetzung so eigentlich gar nicht auftaucht: „Inklusion“.

Ein Problem in dieser Debatte ist, dass viele vielleicht eine vage Vorstellung davon haben,

was mit Inklusion gemeint sein könnte, dass es aber letztlich keine eindeutige Definition von Inklusion

gibt. Und so spannt sich der Bogen von Aussagen wie „wir haben doch schon immer inklusiv

gearbeitet“ bis hin zu Vorstellungen einer (vielleicht utopischen) Gesellschaft, in der es keine

Barrieren mehr gibt und Diskriminierungsfreiheit, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und

volle gesellschaftliche Teilhabe verwirklicht sind. Diese Diskussion wird natürlich auch in den

Diensten und Einrichtungen der Diakonie geführt. Leitungen und Mitarbeitende debattieren leidenschaftlich,

ob und wie sich ihre Einrichtungen verändern müssten, um inklusiv zu sein. Wie

sind die Kriterien für Inklusion? Reicht es wirklich aus, in unseren Konzeptionen das Adjektiv „integrativ“

durch „inklusiv“ zu ersetzen? Wie können wir Betroffene und Mitarbeitende dazu befähigen,

an einem inklusiven Lebensumfeld mitzuwirken? Braucht es eine veränderte Grundhaltung

der Mitarbeitenden in unseren Einrichtungen? Wie können wir bei Veränderungsprozessen in un-


seren Diensten und Einrichtungen sicherstellen, dass der Wille und die Beteiligung der Menschen,

die wir unterstützen, Stimme und Gewicht bekommen? Oder ist das Ganze letztlich auch nicht mehr,

als nur ein weiteres Etikett in einer Reihe von Modebegriffen? Fragen über Fragen. Es wäre zu wünschen,

dass alle Nutzerinnen und Nutzer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zeit und Raum haben

könnten, gemeinsam über diese Themen ins Gespräch zu kommen. Die Referentinnen und Referenten

des Bereichs für Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie und Suchtfragen (BeSoS) des DWHN und

DWKW sind aktiv in die Diskussionen mit einbezogen. Um die gestellten Fragen zu bearbeiten und

den innerdiakonischen Diskussionsprozess zu befördern, wird es einen Fachtag für die Einrichtungen

der Diakonie zum Thema Inklusion geben. Neben Referaten, die das Thema Inklusion aufgreifen, wird

es aber auch um die praktische Umsetzung gehen. Inklusion ist ja mittlerweile ein schillernder Begriff

geworden und regt in seiner Konsequenz zur Auseinandersetzung an. Es geht um nicht weniger

als um das Verständnis von Behinderung als Normalität, aber auch darum, wie Inklusion zur Bereicherung

der gesellschaftlichen Vielfalt beitragen kann. Zum Anderen geht es bei der praktischen Umsetzung

nicht nur um einen Paradigmen wechsel von Integration zu Inklusion, sondern möglicherweise

auch um daraus resultierende finanzielle Fragen, denn die Veränderungen werden neue Kosten

mit sich bringen.

Insgesamt gesehen ist es das Verdienst der Konvention, dass sie zumindest die Diskussion darüber

intensiviert hat, wie eine Gesellschaft aussehen muss, in der Menschen mit und ohne Behinde -

rung gleichberechtigt zusammenleben können. Dass es nicht nur bei der Diskussion bleibt, ist sicher

auch ein ureigenes Anliegen von Diakonie, und deshalb wird der Bereich BeSoS diesen Prozess als einen

Schwerpunkt seiner Arbeit weiter begleiten.

Wolfgang Clotz

Referent für Sozialpsychiatrie im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 39


40 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

URSULA BRENDEL

DA SEIN, NAH SEIN, MENSCH SEIN:

FREIWILLIG ENGAGIERT

2011, DAS EUROPÄISCHE JAHR

DER FREIWILLIGENTÄTIGKEIT

Europaweit setzen sich etwa 100 Millionen Menschen für das Gemeinwesen

ein. Rund 23 Millionen davon sind in Deutschland aktiv, das ist ein Drittel der

Bevölkerung ab 14 Jahren.


Die Freiwilligenbereiche, in denen sich Menschen bundesweit

betätigen, sind vielfältig und bilden einen Spiegel der Gesellschaft.

Das Engagement reicht vom Sport über das Rettungs -

wesen, den Sozialbereich und die Kultur bis zum politischen

ngagement. Das Hauptmotiv vieler Menschen ist, die Gesellschaft

mitzugestalten und etwas Sinnvolles für das Gemein -

wesen zu tun, dicht gefolgt von dem Bedürfnis nach Geselligkeit

und Kontakten zu Gleichgesinnten.

Die Freiwilligentätigkeiten im Diakonischen Werk liegen

vor wiegend im Sozial- und Gesundheitswesen. Dies bedeutet meist ein Engagement von Mensch zu

Mensch – bei den Tafeln, in der Behindertenarbeit, in der Hospizarbeit und vieles mehr.

„Da sein, nah sein, Mensch sein: Freiwillig engagiert“, so lautet das Motto

des Diakonischen Werkes zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit. Menschen, die sich für

andere einsetzen und ihnen nah sind, sollten sich auch selbst gut aufgehoben fühlen. Seit einigen

Jahren arbeitet das Diakonische Werk an der zeitgemäßen Gestaltung neuer Formen des Freiwilligen

Engagements, ohne die Bedeutung oder Wertschätzung traditioneller Ehrenämter zu vergessen. Das

Diakonische Werk bietet seinen Freiwilligen gute Rahmenbedingungen für ihr Wirken, denn Versiche -

rungsschutz, die Gelegenheit zu Qualifizierungsmaßnahmen oder die Erstattung von Auslagen sind

selbstverständlich. In den Einrichtungen werden Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitverantwortung

durch die Freiwilligen gefördert. Die Würdigung und Anerkennung der Arbeit gehören ebenso dazu,

wie das persönliche Gespräch oder der Austausch im Team.

Die Kolleginnen und Kollegen, die mit Freiwilligen arbeiten, werden auf die Zusammenarbeit vorbereitet

und qualifiziert. 2011 wurde damit begonnen, in Kooperation mit der Freiwilligen akademie

der EKHN und der Landesehrenamtsagentur Hessen die ersten Freiwilligenmanager/-innen für

Kirche und Diakonie auszubilden.

Auch nach dem Ende des EU-Jahres bleibt das freiwillige Engagement und bleiben die Menschen,

die sich für Aufgaben der Diakonie engagieren, ein wichtiges Anliegen.

Ursula Brendel

Referentin für Freiwilliges Engagement, Tafelarbeit und Schuldnerberatung

im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 41


42 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

JÜRGEN LORENZ

INTERVIEWFRAGEN

AN FREIWILLIG

ENGAGIERTE

IM BEREICH

DES DWHN

FREIWILLIGES

ENGAGEMENT

„ WÜNSCHE MIR FÜR DIE

EHRENAMTLICHEN EINE

ANERKENNUNG IHRER

TÄTIGKEIT “

s Auf welchem Gebiet engagieren

Sie sich?

Ich arbeite bei der Gießener Tafel mit und bin für

den Bereich Allgemeine Organisation zuständig.

Dazu gehört die Koordination der einzelnen Arbeitsgruppen,

die sich aus Laden, Fahren, Büro

und Planung zusammensetzen. Daneben erstelle

ich die Dienstpläne für den Fahrbereich. Auch

kümmere ich mich um Personen, die bei der Gießener

Tafel ein Praktikum absolvieren.

s Mit welchen Menschen haben

Sie zu tun?

Die Gießener Tafel hat mehr als 250 ehrenamt -

liche Mitarbeiter, die aus allen Berufen kommen.

Hier finden sich arbeitslose Menschen ebenso

wieder wie studierte Personen. Dazu kommen

noch rund 600 Familien mit ca. 1.600 Personen,

die von der Gießener Tafel Unterstützung mit Lebensmitteln

erhalten.

s Seit wann sind Sie dort tätig?

Seit Gründung der Gießener Tafel am 06.12.2005

arbeite ich hier mit.

s Worin liegt der besondere Reiz

der Tätigkeit?

In den organisatorischen Möglichkeiten, die eine

Tafelarbeit bietet. Diese begründen sich zum einen

in immer wieder neuem Nachdenken über

die Richtigkeit von Planung und Organisation und

zum anderen in den vielen Aktionen, welche von

der Gießener Tafel jedes Jahr durchgeführt werden.

Ein weiterer Reiz liegt im menschlichen Miteinander.

Es ist eine Herausforderung und ein

Ansporn, mit den vielen freiwillig Tätigen bei der

Gießener Tafel zu arbeiten. Weil die vielen Ehren -

amtlichen aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebenserfahrung

diverse Meinungen und Überzeugungen

haben, liegt der Anreiz hierin, alle „unter

einen Hut“ zu bringen.

s Was würden Sie als Nutzen für

sich selbst beschreiben?

Die meisten Mitarbeiter bei der Gießener Tafel

sind Rentner; daneben gibt es viele arbeitslose

Menschen, die hier mitarbeiten. Alle geben übereinstimmend

als Gründe/Nutzen für eine unbezahlte

Arbeit an, dass sie weiterhin Struktur in

ihrem Leben haben, indem sie etwas Sinnvolles

tun. Diesem Gedanken schließe ich mich an.

s Ihr größter Wunsch in Zusammenhang

mit Ihrem Engagement?

Lohn – bzw. Gehalt ist die Bezahlung und Anerkennung

für eine Arbeitsleistung im „regulären“

beruflichen Leben. Die Ehrenamtlichen verzichten

für ihre Tätigkeit auf eine Lohnzahlung.

Gleich wohl wünsche ich mir für die Ehrenamt -

lichen eine Anerkennung ihrer Tätigkeit. Hier

muss sich der Arbeitgeber, in diesem Fall das Diakonische

Werk, noch einiges einfallen lassen.


NICOLAUS KRONAUER

„ DANKBARKEIT UND

VERTRAUEN WERDEN

EINEM ENTGEGEN-

GEBRACHT “

s Auf welchem Gebiet engagieren

Sie sich?

Beim Diakonischen Werk Hochtaunus engagiere

ich mich im Mehrgenerationenhaus der Ge meinde

Wehrheim, dessen Träger das DW ist. Dort helfe

ich Kindern bis zur sechsten Klasse in der Lernund

Spielgruppe bei den Hausaufgaben, übe mit

ihnen für Klassenarbeiten und spiele mit ihnen.

Zusammen mit vielen weiteren Jugend lichen bilden

wir somit eines der Angebote des MGH. Außer -

dem habe ich mit einem Freund bereits zwei Dokumentationen

für das MGH gedreht.

s Mit welchen Menschen haben

Sie zu tun?

In der Lern- und Spielgruppe habe ich natürlich

größtenteils mit Kindern zu tun. Und selbstverständlich

auch mit den jugendlichen Betreuern.

Die Kinder, mit denen wir lernen, üben und spielen,

kommen teilweise, weil sie Schwächen in der

Schule haben. Auch Kinder mit Migrationshinter -

grund besuchen das Mehrgenerationenhaus. Mit

ihnen üben wir besonders die deutsche Sprache,

etwa durch Lesen und Singen. Allerdings ist das

Mehrgenerationenhaus eine Einrichtung, in der –

wie der Name schon sagt – die Generationen zusammenkommen.

Deshalb treffe ich, auch wenn

ich vorwiegend mit unter 20-Jährigen arbeite,

auch auf viele andere Menschen mit unterschied -

lichen Hintergründen.

Der 17-Jährige engagiert

sich bei der Hausaufgabenbetreuung

in

der Lern- und Spielstube

des Mehrgenerationenhauses

in

Wehrheim

s Seit wann sind Sie dort tätig?

Ich bin seit gut zwei Jahren im Mehrgenerationenhaus

tätig.

s Worin liegt der besondere Reiz

der Tätigkeit?

Der besondere Reiz der Tätigkeit beziehungs -

weise generell eines Ehrenamtes liegt für mich

darin, dass ich mit vielen unterschiedlichen Menschen

in Kontakt komme, die ich sonst nicht kennengelernt

hätte. Außerdem verleiht mir die Tätigkeit

auch eine gewisse Selbstbestätigung: Ich

weiß, ich kann helfen und ich weiß, dass ich gebraucht

werde. Speziell im Mehrgenerationenhaus

reizen mich die Vielfältigkeit und die verschiedenen

Menschen. Insbesondere, weil ich

gerne mit Kindern arbeite, fühle ich mich dort

sehr wohl.

s Was würden Sie als Nutzen für

sich selbst beschreiben?

Als Nutzen für mich sehe ich auch, dass man für

alles, was man gibt, etwas bekommt. Nicht im

materiellen Sinne. Durch eine ehrenamtliche Tätigkeit

werden einem beispielsweise Dankbarkeit

und Vertrauen entgegengebracht. Auch sammelt

man viele Erfahrungen.

s Ihr größter Wunsch in Zusammenhang

mit Ihrem Engagement?

Mein größter Wunsch bezüglich meines Engagements

ist, dass ich es so fortführen kann wie bisher

und dass ich, auch wenn ich berufstätig bin,

weiterhin die Zeit aufbringen kann, zu helfen

und zu unterstützen.

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 43


44 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

„ GOTTES GESCHICHTE NEU

ERZÄHLEN UND LEBENSFREUDE

WEITERGEBEN “

ALRUN KOPELKE,

NACHRICHTENMODERATORIN IN DER HESSENSCHAU,

HR-FERNSEHEN

s Auf welchem Gebiet engagieren

Sie sich?

In Gottesdienstgestaltung, sei es Liturgie, Theater,

Moderation oder Orga, und besonders in der

Theatergruppe „andydrama“ der Andreasgemeinde

Niederhöchstadt. Das Motto lautet: Gott spielt in

unserem Leben keine Rolle. Er ist der Regisseur!

s Mit welchen Menschen haben

Sie zu tun?

Andydrama besteht aus vier Gruppen: Kids, Teens,

Classics und 60plus. Ich spiele bei den Erwachsenen

mit (classics), führe auch manchmal Regie

oder schreibe Stücke. Kontakt habe ich hauptsächlich

zu meiner Gruppe, aber wir führen auch

Stücke mit allen Andydramas auf, zum Beispiel

im April ein großes Passionsmusical „Yehuda“, bei

dem 70 Laien-Schauspieler mitgewirkt haben

zwischen 10 und 75 Jahren. Und wenn die Zuschauer

sehen, mit wie viel Liebe und Herzblut

sich da Menschen engagieren und viel Freizeit

opfern, dann beeindruckt das schon. Nach dem

Passionsmusical sagte einmal eine der Seniorinnen:

„Ich hab schon in vielen Theatergruppen ge -

spielt, aber eine solche Stimmung habe ich noch

nie erlebt. Vielleicht liegt das ja tatsächlich an

Eurem Gott.“

s Seit wann sind Sie dort tätig?

In der Gemeinde seit 2005. Es gab schon immer

Theater in der Gemeinde, die Gruppe „andydrama“

gibt es seit 2008, geleitet von einem Theater -

pädagogen.

Die Fernseh-Journalistin

Alrun Kopelke engagiert

sich in der Andreasgemeinde

in Niederhöchstadt

im Gottesdienst

und in der Theatergruppe

„andydrama“.

s Worin liegt der besondere Reiz

der Tätigkeit?

Durch die Vielfalt der Rollen lerne ich mich besser

kennen und kann Dinge ausspielen, die im

normalen Zusammenleben nicht möglich sind,

so kann ich auf der Bühne mal richtig böse sein,

oder verrucht und verführerisch. Durch das Spiel

lerne ich andere Lebenssituationen und andere

Lebensalter besser verstehen. Andydrama ist eine

richtig starke, gute Gruppe, die mich freund -

schaft lich trägt, wo ich einbringen kann, was

Gott mir an Talenten mitgegeben hat, und wo ich

andere zum Lachen, zum Weinen, zum Nach -

denken bringen kann und wo ich ungemein viel

lerne.

s Was würden Sie als Nutzen für

sich selbst beschreiben?

Lebensfreude!!!! Lachen, Spaß, Spannung, Selbst -

vertrauen sammeln und weitergeben. Kreativ inspiriert

werden und inspirieren … einfach leben.

Über Theater zeigen, wie lebendig Kirche ist!

s Ihr größter Wunsch in Zusammenhang

mit Ihrem Engagement?

Dass die Kirche stärker erkennt, welches Potenzial

gutes Theater für die Verkündigung bietet.

Über das Spiel auf der Bühne werden Menschen

emotional berührt und damit manchmal besser

erreicht als über Worte. Die evangelische Kirche

ist häufig sehr wortlastig. Ich möchte Gottes Geschichte

neu erzählen. Und Gottes Liebe erlebbar

zu machen – auch indem man gar nicht über ihn

spricht, sondern einfach Lebensfreude weitergibt.

Die Menschen froh machen – wie es Elisabeth

von Thüringen sagte!


HANS-GERD PAUL

„ HELFEN, IM TEAM

ARBEITEN UND

WERTSCHÄTZUNG

ERFAHREN “

s Auf welchem Gebiet engagieren

Sie sich?

Ich engagiere mich beim Projekt Hinterländer-

Netzwerk-Nachbarschaftshilfe, dem HiNN, für

Senioren, junge Familien mit Kindern, Migranten.

Beim Aufbau des HiNN geht es zum Beispiel um

Überlegungen zu einer Internet-Plattform, um

die Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern,

aber auch darum, wie die Finanzmittelbeschaffung

aussehen kann. Ich unterstütze das

Projekt, indem ich an den konzeptionellen und

organisatorischen Planungen mitarbeite, etwa

an der Frage, wie wir junge Menschen für das

Thema Unterstützung von Senioren interessieren

und zur Mitarbeit gewinnen und unsere Vorstellungen

in die Praxis umsetzen können.

s Mit welchen Menschen haben

Sie zu tun?

In erster Linie mit der Projektleiterin des HINN

und den Mitarbeiterinnen und Mitabeitern des

Diakonischen Werkes Biedenkopf. Aber auch mit

Schülerinnen und Schülern, Bürgermeistern und

Mitgliedern von Gemeindevorständen und Ortsvorstehern.

s Seit wann sind Sie dort tätig?

Seit Oktober 2010.

Hans-Gerd Paul aus

Biedenkopf engagiert

sich in der Nachbarschaftshilfe

„HiNN“,

dem Hinterländer NetzwerkNachbarschaftshilfe

s Worin liegt der besondere Reiz

der Tätigkeit?

Ich kann meine Berufserfahrung als Organisa -

tionsentwickler im kirchlichen Bereich einbringen.

Der Reiz besteht für mich auch darin, ein gerade

neu aufgesetztes Projekt von Beginn an

mitgestalten zu können.

s Was würden Sie als Nutzen für

sich selbst beschreiben?

Die Aufgabe macht mir großen Spaß. Mein Ziel

ist es, einen Beitrag zu leisten an der Weiterentwicklung

eines Projektes oder der Organisation

selbst und auf diesem Weg helfen zu können,

wieder im Team arbeiten zu können und Wertschätzung

zu erfahren.

s Ihr größter Wunsch in Zusammenhang

mit Ihrem Engagement?

Dass mein Engagement dem Diakonischen Werk

Biedenkopf ein Stück weiterhilft.

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 45


46 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

GREGOR ZIORKEWICZ

MINISTERPRÄSIDENT KURT BECK ÜBERREICHTE

HELMUT-SIMON-PREIS DER DIAKONIE

AN DEN VEREIN „ARMUT UND GESUNDHEIT E. V.“, MAINZ

Zweiter und dritter Preis gingen an das Projekt „Trampolin“ Bad Bergzabern

und an das Bistum Trier, Dekanat Koblenz, für eine Wanderausstellung / Festakt

im Festsaal der Staatskanzlei Mainz am 23. November 2010

Der Verein „Armut und Gesundheit e.V.“,

Mainz, ist Träger des Helmut-Simon-Preises der

Diakonie in Rheinland-Pfalz. Kurt Beck, Minister -

präsident des Landes Rheinland-Pfalz und Schirm -

herr des Preises, überreichte im Festsaal der

Staats kanzlei die Urkunde an Gisela Bill, Mitarbeitende

des Vereins. Der mit 4.000 Euro do tierte

erste Preis ging damit an das Projekt „Street

Jumper“ des Vereins, einem Freizeit- und Ge -

sund heits mobil, mit dem haupt- und ehrenamtlich

Mitarbeitende in benachteiligte Stadtteile

von Mainz fahren, um dort insbesondere Kinder

und Jugendliche aufzusuchen, um ihnen Hilfen

zur Stabilität ihrer Gesundheit und Stärkung der

Persönlichkeit zu geben.

Der zweite Platz, der mit 3.000 Euro do -

tierte Preis ging an das Projekt „Trampolin“ des

protestantischen Dekanats Bad Bergzabern, in

dem sich verschiedene soziale Träger im Gebiet

des Dekanats Bad Bergzabern zu einem Netzwerk

zusammengeschlossen haben, um somit effizien -

ter zu arbeiten und die Hilfsangebote sichtbarer

zu präsentieren. Platz drei, mit 2.000 Euro verbunden,

ging an das Dekanat Koblenz im Bistum

Trier für eine professionell gestaltete Wander-


ausstellung, die in Koblenz für das Thema Armut

sensibilisieren möchte. Weitere Sonderpreise in

Höhe von je 500 Euro erhielten das Projekt zur

Förderung der Initiative „arm-alt-allein“ in Kaiserslautern,

der CVJM Pirmasens für das Projekt

„PACK’S“ und der Studiengang Soziale Arbeit der

Fachhochschule Ludwigshafen.

Als „Zeichen gegen die gesellschaftliche

Ausgrenzung von Menschen, die aufgrund von

Armut oder sozialer Notlage am Rande der Gesellschaft

leben“ bezeichnete Ministerpräsident

Kurt Beck den Helmut-Simon-Preis. „Mich hat

das Engagement aller Preisträger sehr beeindruckt,

vor allem weil es überwiegend von Ehrenamtlichen

geleistet wird“, sagte Ministerpräsident

Beck. Die Auszeichnung würdige die Pro-

jekte als vorbildhaft und empfehle sie zur Nachahmung.

Mit Blick auf den Namensgeber des

Preises meinte Beck: „Mit seiner Bereitschaft,

sich für die Ohnmächtigen und Schwachen einzusetzen,

ist Helmut Simon selbst ein überragendes

Vorbild sozialen Engagements.“

Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte

Preis soll ehrenamtliches und professionelles

Handeln von Personen, Initiativen oder Institutionen

fördern, die sich für die Überwindung von

Armut und sozialer Ausgrenzung einsetzen. Er

wird von den drei Diakonischen Werken in Rheinland-Pfalz

verliehen und ist nach dem ehemaligen

Bundesverfassungsrichter Helmut Simon

benannt.

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 47


48 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

Simon: „Es geht um die Würde

der Menschen.“

„Je älter ich werde, je mehr mir selbst an Lebenserfüllung

zugefallen ist, desto dünnhäutiger

werde ich gegenüber dem Leid dieser Welt und

den zahlreichen Beispielen nicht gelingenden Lebens.

Ich kann mich nicht abfinden mit einer Politik,

welche die Ellenbogenmentalität der Erfolgreichen

noch begünstigt und zugleich das

soziale Netz weitmaschiger macht“, sagte Helmut

Simon, der am Abend der Preisverleihung

anwesend war. „Es muss um die Würde von Menschen

gehen, die auf Hilfen für ein gelingendes

Leben und eine verlässliche Lebensplanung angewiesen

sind. Dafür steht dieser Preis, dessen

Namensgeber ich gerne geworden bin. Und die

Preisträger des Abends geben ein ermutigendes

Beispiel für gemeinwohlorientiertes und zukunftsgerichtetes

Handeln. Dafür bin ich sehr

dankbar“, so Simon weiter.

„Sie praktizieren Hilfe am Nächsten und

gleichzeitig scheuen sie sich nicht, eine Öffentlichkeitsarbeit

mit ihren Projekten zu verbinden,

die auf den Skandal der Armut in Rheinland-

Pfalz hinweist. Sie tun dies mit viel Kreativität,

mit sehr viel Leidenschaft und oftmals auch

selbstlos. Dies ist sehr bemerkenswert. Hierfür

gebührt Ihnen und allen Bewerberinnen und Bewerbern

um den Helmut-Simon-Preis unser großer

Respekt“, sagte Pfarrer Dr. Uwe Becker in seiner

Laudatio bei der Preisverleihung.

Der Verein Armut und Gesundheit in

Deutschland e.V., Mainz, dessen Vorsitzender

Prof. Gerhard Trabert ist, nimmt sich der Situa -

tion benachteiligter insbesondere wohnungsund

obdachloser Menschen an. Mit dem „Street

Jumper“, einem Freizeit- und Gesundheitsmobil,

suchen haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende

Kinder und Jugendliche auf, um zu ihnen Kontakt

aufzubauen und ihnen Hilfen zur Stabilität ihrer

Gesundheit und Stärkung der Persönlichkeit zu

geben.

Die Initiative des Dekanats Bad Bergzabern

mit dem Namen „Trampolin; Netzwerk zur Über -

windung von Armut und Ausgrenzung“ überzeugte

die Jury darin, dass es ihr gelang, durch

den Zusammenschluss von Trägern, die im sozialen

und karitativen Bereich tätig sind, ein Hilfe -

netzwerk zu gründen. Deutlich sichtbar wird das

umfassende Hilfeangebot von Beratungen bis

Versorgung von materiellen Notwendigkeiten

von allen Altersgruppen in der Bevölkerung. Verbunden

mit dem Netzwerk ist eine intensive Öffentlichkeitsarbeit,

um auf die Not der Menschen

aufmerksam zu machen und gesellschaftliche

Strukturen daraufhin zu hinterfragen.

Die äußerst professionell gestaltete Wander -

ausstellung des Bistums Trier und des Dekanates

Koblenz will die Koblenzer Bevölkerung für

das Thema „Armut“ in ihrer Stadt sensibilisieren.

Bei der Zusammenstellung der Wanderausstellung

nahmen sowohl Fachreferenten der Diözese

Trier als auch Ehrenamtliche und Betroffene unterschiedlicher

Initiativen in Koblenz teil. Die

Wanderausstellung, die schnell an den unterschiedlichsten

Orten in Koblenz aufgebaut ist,

ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung

mit dem Thema „Armut“ in der eigenen Region

und bewirkt durch flankierende Veranstaltungen

eine Sensibilisierung der Betroffenen vor Ort.


Gern: „Sie sind in der Gesellschaft

hoffnungsvolle und mitmenschliche

Störenfriede!“

Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender

des Diakonischen Werkes in Hessen und

Nassau und Initiator des Preises, sagte im Vorfeld

der Preisverleihung: „Die Botschaft aller, die sich

um den Helmut-Simon-Preis beworben haben,

ist schlüssig und zivilgesellschaftlich unabdingbar:

Nur gemeinsam können wir leben – und wer

weniger im Leben hat, muss viel an Recht, an Zuwendung

und an Solidarität erfahren. Das ist der

Gleichklang mit unserem Namenspatron.“ Die

Preisträgerinnen und Preisträger seien ein hervorragender

Beitrag für das Europäische Jahr

2010 zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung.

„Sie sind in der Gesellschaft hoffnungsvolle

und mitmenschliche Störenfriede: Zunächst

lassen Sie sich stören durch Menschen, von denen

wir zu wenig Notiz nehmen. Und Sie stören

schöpferisch, indem Sie unseren Staat daran in

die Pflicht nehmen: Demokratie und soziale Integration

müssen praktiziert werden. Schließlich

stellen Sie allesamt unter Beweis: Es gibt keinen

Weg zu einer solidarischen Welt, wenn nicht

schon der Weg solidarisch ist“, so Gern abschließend.

Gregor Ziorkewicz

Stichwort: Helmut Simon

Jahresbericht 2011 49

Der 1922 geborene Helmut Simon begann im Mai 1953 seine richterliche

Tätigkeit am Landgericht in Düsseldorf. Von dort wurde er als

wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Bundesgerichtshof abgeordnet.

Anschließend erfolgte die Ernennung zum Richter am Oberlandes -

gericht Düsseldorf. Im Jahr 1965 wurde Helmut Simon zum Richter am

Bundesgerichtshof gewählt, im Juni 1970 erfolgte die Ernennung zum

Richter des Bundesverfassungsgerichts im Ersten Senat. Diesem gehörte

er – nach Wiederwahl im September 1975 – bis zum Eintritt in

den Ruhestand im November 1987 an. Neben seiner richterlichen

Tätig keit war Helmut Simon in vielerlei Hinsicht gesellschaftlich und

kirchlich engagiert. So war er von 1970 bis 1995 Mitglied des Präsi -

diums des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Als Präsident

stand er diesem von 1975 bis 1977 und von 1987 bis 1989 vor. Darüber

hinaus war er unter anderem mehrere Jahre lang Deutscher Delegierter

für das Antirassismus-Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen

mit Sitz in Genf.


50 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

ANDREAS LIPSCH

FERNE NÄCHSTE

AN EUROPAS GRENZEN

REISE ZUR SITUATION DER FLÜCHTLINGE IN DER TÜRKEI

Die Türkei – früher Auswanderungsland und

Herkunftsland von Flüchtlingen – ist in den ver -

gangenen Jahren zu einem Einwanderungsund

Transitland für Schutzsuchende geworden.

Das Land am Bosporus ist aktuell sogar das

wichtigste Nadelöhr für Flüchtlinge, die nach

Europa wollen. Ihre Zahl geht in die Zehntausende. Darunter sind Flüchtlinge

aus Afghanistan, Irak, Iran, Somalia, Syrien, Eritrea. Zum Haupttransitland ist

die Türkei geworden, weil so gut wie alle anderen Fluchtwege nach Europa

verstopft sind.


Um sich selber ein Bild von der Situation der

Flüchtlinge in der Türkei zu machen, hat das Dia -

konische Werk in Hessen und Nassau vom 16. bis

22. April 2011 eine Recherchereise nach Istanbul

organisiert. Vertreterinnen und Vertreter aus

der Flüchtlingsarbeit in Deutschland (Diakonie

Bundes verband, EKD, Pro Asyl, Flüchtlingsräte)

tausch ten sich mit verschiedenen Flüchtlingsorganisationen

in der Türkei aus. Eine Exkursion an

die griechisch-türkische Grenze – das sogenannte

Evros-Gebiet – bot Gelegenheit, die Situation an

der zunehmend militarisierten Außengrenze im

Südosten der EU genauer kennenzulernen. Das

Resümee dieser Reise erregt Besorgnis und

macht deutlich: Deutschland und Europa müssen

dringend etwas tun.

Kein umfassender

Flüchtlingsschutz

Asyl gibt es in der Türkei nur für Schutzsuchende

aus europäischen Staaten. Die meisten

Flüchtlinge in der Türkei sind jedoch keine Europäer

und haben damit kein Recht auf Asyl. Für

sie hängt die Gewährung von Schutz allein vom

Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen

(UNHCR) ab. Registriert der UNHCR eine Person

als Flüchtling, gewährt ihm der türkische Staat

ein sogenanntes „temporäres Asyl“, um einen

Aufnahmeplatz (Resettlementplatz) in einem anderen

Land zu suchen.

Prekäre Lebensbedingungen

Weder der UNHCR noch der türkische Staat

gewähren finanzielle Hilfen für Flüchtlinge, es

gibt so gut wie keine Arbeitsmöglichkeiten, keine

soziale Unterstützung und keinen Zugang zur

Ge sundheitsversorgung. Sogar Kinder und Ju -

gend liche laufen Gefahr, inhaftiert zu werden,

und alle haben ständig Angst vor ihrer Abschie -

bung. Angesichts dieser prekären Verhältnisse

und der schlechten Chancen, einen Resettlement -

platz in einem anderen Land zu ergattern, stellen

viele Flüchtlinge gar nicht erst ein Schutzgesuch,

sondern versuchen auf eigene Faust und unter

Lebensgefahr weiter nach Europa zu kommen. In

der Regel versuchen sie, von der Türkei nach

Griechenland zu gelangen. Dabei häufen sich

laut Berichten Menschenrechtsverletzungen und

katastrophale Lebensbedingungen in den Flücht -

lingshaftlagern auf beiden Seiten der EU-Außengrenze.

Zu wenig Resettlementplätze

Ende 2010 waren etwa 17.000 Flüchtlinge

und Asylsuchende beim UNHCR registriert. Im

selben Jahr wurden 5.335 von ihnen aufgenommen,

3.200 alleine in den USA. In den insgesamt

27 Mitgliedstaaten der EU wurden lediglich 22

irakische und 99 iranische Flüchtlinge auf ge -

nommen. Sage und schreibe 25 davon fanden

Zuflucht in Deutschland. Ein Ruhmesblatt ist das

nicht.

Es ist höchste Zeit, dass Europa wieder neu

Verantwortung für den Flüchtlingsschutz über -

nimmt. Im Blick auf die Flüchtlinge in der Türkei

hieße das zweierlei: Zum einen müsste die EU

den Aufbau eines effektiven Flüchtlingsschutz -

systems in der Türkei aktiv unterstützen. Zum anderen

wird dringend ein kontinuierliches Re -

settle mentprogramm benötigt, um zumindest

einem Teil der Flüchtlinge aus der Türkei dauerhaften

Schutz und ein menschenwürdiges Leben

zu ermöglichen. Das ist eine Aufgabe für ganz

Europa, sicher. Allerdings sollte Deutschland als

das wirtschaftsstärkste europäische Land mit

gutem Beispiel vorangehen.

Pfarrer Andreas Lipsch

Interkultureller Beauftragter der Evangelischen Kirche und

des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau

Kirche und Diakonie engagieren sich

Die Evangelische Kirche und das Diako nische

Werk in Hessen und Nassau unterstützen

seit 2010 zusammen mit der Bayerischen

Landes kirche und anderen ein Projekt von

Pro Asyl. Dabei geht es um konkrete Hilfen

für Flüchtlinge an der griechisch-türkischen

Landesgrenze, be son ders um ihre rechtliche

Beratung und Begleitung. Darüber hinaus

werden Fluchtrouten, sowie die schwierigen

Lebensbedingungen von Schutzsuchenden

dokumentiert. Ein erster ausführlicher Bericht

ist gerade erschienen.

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 51


52 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

GREGOR ZIORKEWICZ

ARNO F. KEHRER

„Da ist ja noch ganz schön viel Monat am

Ende des Geldes“ oder „So richtig kochen kann

ich eigentlich gar nicht.“ Wer solche Sätze mit

„Ja“ bestätigen kann, war bei der Bildungs- und

Selbstversorgerfreizeit des Diakonischen Werkes

mit Unterstützung des CVJM-Feriendorfes Herb -

stein und der Familienstiftung DiaKids genau

richtig. Acht Teilnehmerinnen und ein Teilnehmer

mit ihren zehn Kindern hatten sich auf den Weg

nach Herbstein gemacht, für viele seit Jahren erst -

mals ein Urlaub von Zuhause.

Menschen, die mit wenig Geld auskommen

müssen, Hartz-IV-Empfänger, hauptsächlich

Frauen mit noch relativ kleinen Kindern. Und somit

war neben der Erholung auch das gesamte

Themen spektrum der siebentägigen Freizeit abgesteckt:

Schuldnerberatung, Lebenshilfe in Alltagsfragen

und einfach mal reden über die täglichen

großen und kleinen Probleme. Aber auch

ganz Praktisches stand auf dem Projektplan, beispielsweise:

Wie koche ich frisch und dennoch

nicht teuer? Ein Team aus Sozialpädagoginnen,

ES WAR

WIE AUF

EINER

SCHÖNEN

INSEL …

AUSKOMMEN MIT DEM EINKOMMEN

Referat Frauen und Familie im Diakonischen Werk bietet Aktiv-Freizeiten für

Familien und Alleinerziehende an / Motto: „Auskommen mit dem Einkommen“ –

Fit für Haushalt, Kinder, Job und Finanzen/Förderung durch die Stiftung Diakonie

Schuldnerberatern und hauswirtschaftlichen Mit -

arbeitern stand der Gruppe mit Rat und Tat zur

Seite. Zwei weitere kümmerten sich um die Kinder,

sodass die Mütter sich ganz dem Thema des

Tages widmen konnten.

Nach wenigen Tagen begann bei allen auch

Erholung, auch wenn der nicht so leichte Alltag

die Gruppe immer wieder einholte. So brach eine

Teilnehmerin in Tränen aus, als sie über Handy

die Nachricht erhielt, dass ihr Wasser und Strom

wegen nicht bezahlter Rechnungen abgedreht

würde.

Die Hilflosigkeit in ihrer Rede und die Hoffnung

in ihren Augen, als sie von den Leiterinnen

ein Einzelgespräch zur Hilfesuche angeboten bekam,

zeigte, es geht hier um mehr als Schuldnerberatung.

Das Team nahm sich den Menschen

mit ihren Problemen an und nahm sie ernst ohne

eine vorschnelle Verurteilung. „Du bist selbst

schuld daran“, so haben es die Beteiligten oft

genug zu hören bekommen, wenn sie nur wag-


ten, von ihren Problemen zu sprechen. Das Ziel

der Freizeit war es, gemeinsam genauer hinzuschauen,

zu besprechen und auszuprobieren, wie

es möglich ist, aus Schuldenfallen und Selbstzweifel

herauszukommen. Denn wie schnell man

in die Verschuldung kommen kann, wurde in den

weiteren Gesprächsrunde deutlich. Jede und jeder

berichtete davon, welche Erfahrungen sie gemacht

haben und welche Lebensumstände dazu

geführt haben, dass sie jetzt hier sind. Da war von

gescheiterten Beziehungen und geplatzten Träumen

die Rede, von denen dann nur die Verbindlichkeiten

übrig geblieben sind. Oder von Schwie -

rigkeiten einen Arbeitsplatz zu finden oder ihn

einfach nur zu behalten. Aber auch von den Er war -

tungen der Partner, der Eltern und der Freunde,

die nicht enttäuscht werden sollten.

Neben Vorträgen, in denen allgemeines Wis -

sen um Sparen und Lebensführung vermittelt

wurde, gab es auch ganz praktische Hilfen an die

Hand: Auf was kann ich beim Einkaufen achten?

Wo befindet sich das preiswerteste Produkt? Wie

kann ich mich sinnvoll und doch preiswert ernähren?

Was kann ich mit einfachen Mitteln

selbst herstellen und kann dadurch auf teure Fertigprodukte

verzichten? Aber nicht nur das, sondern

wie kann ich mit vorhandenem Material bei -

spielsweise schöne Tischdekorationen erstellen?

Die praktische Umsetzung all des Gelernten

machte den Beteiligten viel Spaß und zeitigte

auch immer wieder überraschende Erkenntnisse:

„Zuhause komme ich gar nicht dazu mit den Kindern

zu basteln oder zu Dingen, die Spaß machen,

wo ich doch gerne Sachen gestalte und meine

Wohnung schön schmücke. Hier ist das alles kein

Problem und es kostet nicht mal viel.“, sagte eine

Teilnehmerin.

Und es bestand die Möglichkeit, das neue

Wissen auch gleich umzusetzen und auszuprobieren.

In der Küche gab es hierzu reichlich

Chancen. Frisches Saisongemüse ist gesund und

kostet deutlich weniger als tiefgekühlte Fertigprodukte

– und wenn gemeinsam mit der ganzen

Familie gekocht wird, macht das viel mehr Spaß,

wie viele feststellen mussten. Wenn dann noch

die Kreativität der Hauswirtschafterin hinzukommt,

die der Gruppe zeigt, was man für herrliche

Menüs aus den Resten im Kühlschrank

machen kann, dann gibt es sogar Sonderapplaus.

Für reine Erholung blieb da vielleicht nicht soviel

Zeit, aber im Gegensatz zu den sonst durchaus

üblichen wöchentlichen Treffen, wo man für zwei,

drei Stunden zusammenkommt, konnten die Teilnehmerinnen

hier „am Stück“ ihre Erfahrungen

sammeln und testen, ob diese alltagstauglich

sind.

Die schöne und beruhigende Umgebung

von Herbstein, ein Picknick und ausgelassene

Spiele mit den Kindern auf der frisch gemähten

Wiese – das machte allen große Freude und ließ

alle ein wenig hoffnungsfroher in die Zukunft

schauen.

Bei der Bildungs- und Selbstversorger -

freizeit fand Diakonie im eigentlichen Sinne des

Wortes statt, für die Menschen in einer schwierigen

Lebenslage als ein Gegenüber und Gesprächspartner,

mit Hilfen und Tipps für ihren

Alltag, Hoffnung gebend und dabei selbst Empfangende.

Arno F. Kehrer/Gregor Ziorkewicz

Bereich Öffentlichkeitsarbeit

im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 53

„Für die Mütter wird praktische

Lebenshilfe geleistet – den Kindern

geht es gut oder besser, wenn

Mütter Perspektiven sehen

können, gelassener mit ihnen

umgehen und sich an und mit

ihnen freuen können.“

Irene Finger, vom Referat Frauen

und Familie beim Diakonischen

Werk in Hessen und Nassau und

Initiatorin des Projektes.


54 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

ULRIKE SEHRING

VERSORGUNG NICHT

DEN KRÄFTEN DES

MARKTES ÜBERLASSEN

NEUE GESETZE ERSCHWEREN PLANUNGSSICHERHEIT


1. Neue gesetzliche Grundlage für

Hessens Krankenhäuser und ihre

Auswirkungen auf die Evangelischen

Krankenhäuser in Hessen

Zum 1. Januar 2011 ist ein neues Krankenhausgesetz

für Hessen in Kraft getreten, mit dem

die Krankenhausplanung weiter liberalisiert wird.

Wichtigster Schritt ist dabei der Wegfall der bettenbezogenen

Planung. Zukünftig wird sich das

Land auf eine Rahmenplanung zurückziehen und

darauf verzichten, in den somatischen Gebieten

für jedes einzelne Krankenhaus Kapazitäten auszuweisen.

Ausgenommen davon ist die Notfallversorgung,

weil hier in besonderem Maß die Sicherstellungsverantwortung

des Staates gilt.

Auch für die Bereiche Psychiatrie und Geriatrie

wird der Krankenhausrahmenplan Sonderregelungen

treffen.

Mit dem neuen Hessischen Krankenhausgesetz

2011 wurden ferner an Stelle der regionalen

Krankenhauskonferenzen für jedes der sechs

hessischen Versorgungsgebiete sogenannte „Gesundheitskonferenzen“

eingeführt. Neben den

bisherigen Aufgaben sollen die Gesundheitskonferenzen

an der Gestaltung der regionalen Gesundheitsversorgung

beratend mitwirken. Da die

evangelischen Krankenhausträger innerhalb dieser

Trägergruppe nur noch die drittstärkste Kraft

darstellen, sind sie nur noch in den Gebieten Gießen-Marburg

und Darmstadt vertreten; in den

anderen Gebieten nehmen sie die Stellvertreterfunktionen

wahr. Ob die Gesundheitskonferenzen

die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen können,

bleibt abzuwarten. Die Erfahrungen im Bereich

der evangelischen Krankenhäuser zeigen,

dass Kooperationen und Netzwerke meistens nur

zwischen den vor Ort agierenden Krankenhäusern,

Hausärzten und Pflegediensten entstehen.

Lückenlose Versorgung von

Patienten der Diakonie durch gut

vernetzte Angebote in der Region

Die Diakonie ist mit ihrem Angebot an Kran -

kenhäusern, ambulanten Pflegediensten, Alten-

Arbeitsgebiete Jahresbericht 2011 55


56 Jahresbericht 2011 Arbeitsgebiete

hilfe- und Reha-Einrichtungen gut ausgerüstet

für Kooperationen, die eine lückenlose Versorgung

von Patienten über den Krankenhausaufenthalt

hinaus garantieren. Ein großes Hemmnis

auf diesem Weg ist aber noch immer die Sektorierung

im Gesundheitswesen: die scharfe

Trennung zwischen ambulant und stationär einerseits

und zwischen Kranken- und Pflegeversicherung

andererseits. Dies lässt eine Zusammenarbeit

zwischen Krankenhaus, Pflegeheim,

Vertragsärzten, ambulanten Pflegediensten oder

Reha-Einrichtungen trotz guten Willens der Leistungserbringer

noch zu oft scheitern. Es bleibt

abzuwarten, ob die drohende regionale medizinische

Unterversorgung (Stichwort „Landarztsterben“)

hier ein Umdenken beim Gesetzgeber

bewirkt. Es wäre zu wünschen im Sinne der Patientinnen

und Patienten.

2. Ist eine Rationierung im Gesundheitswesen

ethisch vertretbar?

Auf der Frühjahrsversammlung der Arbeitsgemeinschaft

der evangelischen Krankenhäuser

in Hessen sprach Prof. Dr. med. Christoph Fuchs,

Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer,

über dieses Thema. Zentrale Frage bei dieser Tagung

war, ob es ethisch vertretbar ist, vor dem

Hintergrund der Mittelknappheit im Gesundheitswesen

Prioritäten bei der medizinischen Behandlung

zu setzen. Der medizinische Fortschritt

sowie der demographische Wandel werden die

Ressourcenknappheit noch weiter verschärfen.

Daher muss nach Wegen gesucht werden, wie

dem Ressourcenmangel in ethisch vertretbarer

Weise begegnet werden kann.

Hierzu müssen Rahmenbedingungen geschaffen

werden, damit diese Entscheidungen

nicht dem einzelnen Arzt oder der Pflegekraft

überlassen bleiben. Dieser dringend notwendigen

Diskussion darf sich die Politik auch nicht länger

entziehen, forderten die Teilnehmer.

Die Arbeitsgemeinschaft ist der Auffassung,

dass die Gesundheitsversorgung nicht allein den

Kräften des Marktes überlassen werden darf. Bei

einer Ressourcenknappheit würde dies bedeuten,

dass nur noch die Zahlungskräftigsten Zugang

zu den Gesundheitsleistungen erhalten

würden und die Schwächsten der Gesellschaft im

Kampf um die Mittel leer ausgehen. Eine nicht

geregelte Rationierung in der Gesundheitsversorgung

ist von daher unvereinbar mit einem solidarisch

finanzierten öffentlichen Gesundheitswesen,

so wie es seine Festschreibung in Art. 20

des Grundgesetzes gefunden hat. Daher wird sich

die Politik einer Auseinandersetzung mit diesem

Thema nicht länger verschließen können. Ist die

Priorisierung, also die Rangliste für die Verteilung

von Ressourcen im Gesundheitswesen, ethisch

fundiert, inhaltlich nachvollziehbar und transparent,

so wird sie auch von der Gesellschaft akzeptiert

werden, sind sich die Vertreter aus der

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Krankenhäuser

sicher.

Ulrike Sehring

Referat Krankenhauswesen/-recht

Diakonische Werke in Hessen und Nassau

und Kurhessen-Waldeck


Regionale

Diakonische Werke

Regionale Diakonische Werke Jahresbericht 2011 57


58 Jahresbericht 2011 Regionale Diakonische Werke

CLAUDIA PFANNEMÜLLER

NEUES

DIAKONIEZENTRUM

IN OFFENBACH

EINGEWEIHT

„BRÜCKENBAUEN

UNTEREINANDER

UND ZU DENEN,

DIE HILFE BRAUCHEN“

Kirchliche und diakonische

Zentren künftig an einem Ort

Mit der Eröffnung des neuen Diakoniezentrums

steht Offenbach einmal mehr für das beispielhafte

Miteinander von Kirche und Diakonie. Dies

sagte Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender

des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau,

auf der Einweihungsfeier des neuen Beratungszentrums

in Offenbach. Das ehemalige Pfarr haus

der Schlosskirchengemeinde wurde nach zehn

Mo naten Umbauzeit im August 2011 seiner neuen

Bestimmung übergeben. Begegnen und beraten,

das hat sich das regionale Diakonische Werk

Offenbach-Dreieich-Rodgau mit seinem Zentrum

auf die Fahne geschrieben. Dort sind nun

die Schuldner- und Insolvenzberatung, Migra -

tions-, Schwangeren- und Schwanger schafts -

konfliktberatung und Lebensberatung untergebracht.

Für das Projekt wurden Kirche und Diakonie

zu Kooperationspartnern. Das Evangelische Dekanat

und der Kirchengemeindeverband Offenbach

haben den Umbau des Pfarrhauses zügig in

die Wege geleitet, nachdem das Diakonische Werk

kurzfristig eine Bleibe brauchte. Die erst 2009

bezogenen Räume in der Karlstraße mussten auf -

grund von Mietmängeln aufgegeben werden. Die

Beratung fand im vergangenen Jahr zeitweise in

Containern statt. „Eine sehr harte Zeit liegt hinter

uns“, berichtet Barbara-Anne Podborny, stellvetretende

Leiterin des Diakonischen Werkes in

Offenbach. „Doch nun sind wir endlich an einem

Standort angekommen, an dem wir auch bleiben

können“, freut sie sich. Wesentlich für die Ent -

schei dung für den Standort in der Arthur-Zitscher-

Straße sei die Nähe zur Kirche gewesen, so

Podborny.


Das Diakoniezentrum solle Teil von ZION

werden, des „Zentrums für Integration und Organisierte

Nachbarschaft“. Dazu gehören auch

das geplante Familienzentrum und die Diakoniekirche.

„Künftig gibt es Hilfe, Beratung und Begegnung

an einem Ort“, sagte die evangelische

Dekanin Eva Reiß im Rahmen der Eröffnung.

„Brückenbauen untereinander und zu denen, die

Hilfe brauchen“, so beschreibt sie die Aufgabe

des neuen Zentrums. Als nächster Schritt soll im

Jahr 2012 die Kindertagesstätte zum Familienzentrum

umgebaut werden. Alles in allem sei für

den Umbau der Gebäude etwa 850 000 Euro veranschlagt,

erklärt der Vorsitzende des Kirchengemeindeverbands,

Manfred Wirsing. „Eine lohnende

Investition für ein innovatives Projekt“,

glaubt er. Im Zentrum für Integration und organisierte

Nachbarschaft, kurz ZION arbeiten eine

Regionale Diakonische Werke Jahresbericht 2011 59

ganze Reihe sozialer und kultureller Akteure

Hand in Hand: Am Standort der Evangelischen

Schlosskirchengemeinde im Mathildenviertel ent -

steht aus der Kindertagesstätte heraus ein Familienzentrum,

das dank der Vertrauensarbeit der

Erzieherinnen und der engen Vernetzung mit

dem benachbarten Diakoniezentrum, der Migrationsberatung

der AWO und dem Quartiersmanagement

den Menschen aus dem Stadtteil neue

Zugänge zur Gesellschaft ermöglicht. Durch

Community Organizing und das seit Jahrzehnten

gewachsene christlich-muslimische Engagement

kommen hier Menschen über alles, was sie trennt,

hinweg miteinander in Kontakt und beginnen Pro -

bleme im Mathildenviertel gemeinsam zu lösen.

Claudia Pfannemüller

Öffentlichkeitsarbeit für das Evangelische Dekanat Offenbach


60 Jahresbericht 2011 Regionale Diakonische Werke

WEINFEST MIT SPASS

UND OHNE PROMILLE

REGIONALES DIAKONISCHES WERK MAINZ-BINGEN

BIETET AUF DEM TRADITIONELLEN OPPENHEIMER

WEINFEST EINEN „FREE-ROOM“ AN – MIT GROSSEM

ERFOLG

NIKO BLUG

Mit einem „Free-Room“ für Jugendliche beteiligte

sich das Diakonische Werk Mainz-Bingen

am Oppenheimer Weinfest. „Mit Suchtpräven -

tion kann nicht früh genug begonnen werden“,

sagt Niko Blug, zuständig für Suchtprävention im

Diakonischen Werk Mainz-Bingen. Gemeinsam

mit dem Oppenheimer Jugendhaus und weiteren

Mitgliedern des Regionalen Arbeitskreises Sucht -

prävention wurde ein Programm auf die Beine

gestellt, das eine Vielzahl von jungen und erwachsene

Weinfestbesucher in den Pfarr hof der

Evangelischen Gemeinde zog. Besonders die

alkoholfreien Cocktails der Sucht-Selbsthilfegruppen

mit den exotischen Namen wie „Car-

Drive“, eine mundende Mischung aus Ananasund

Zitronensaft gemixt mit Grenadine-Sirup,

fanden reißenden Absatz. Jeder der farbenfrohen

Drinks wurde zu Dumpingpreisen von nur einem

Euro verkauft.

Doch nicht nur diese Erfrischungen stellten

den Beitrag zum Oppenheimer Traditionsfest dar,

sondern Wagemutige konnten sich auch auf einem

Bobby-Car-Parcours versuchen. Keine leichte

Übung, mussten doch die Probanden den motorlosen

Boliden mit einer Spezialbrille bewegen.

Die sogenannte Rauschbrille simuliert, wie gefähr -

lich es ist, sich noch angetrunken ans Steuer zu

setzen. Der Versuch zeigte, eine Fahrt durch die

Rauschbrille gesehen geht nicht unfallfrei von

statten. Und nicht selten wurde das Bobby-Car

mitsamt den Fahrern aus den Kurven geworfen.

„Unsere Angebote bieten die Möglichkeit,

frühzeitig zu fördern, zu unterstützen und hinzuschauen,

um einer späteren Abhängigkeit oder

missbräuchlichem Verhalten vorzubeugen“, erläutert

Blug sein Aufgabengebiet inmitten des

gut besuchten Free-Rooms - eine Oase der Stille

inmitten des Festgetümmels. Viele kommen einfach

herein, um ein wenig zu entspannen und ab -

zuschalten, aber auch nur ein wenig Spaß zu

haben. „Und es sind nicht immer nur Jugendliche,

die den Weg in den Pfarrhof finden“, erzählt

Blug.


Doch nicht nur auf dem Weinfest ist Blug

mit seinen Aktionen präsent, er bietet auch Beratung

und interaktive Aufklärungsarbeit für

Schulen, Vereine und Gemeinden an. Die ganz -

tägigen Veranstaltungen „Wir tanken auf“ beispielsweise

orientieren sich an den Bedürfnissen

von Schülern im Alter zwischen acht und elf

Jahren. Primäres Ziel ist das gemeinsame Her -

aus arbeiten von Möglichkeiten im Umgang mit

schwie rigen Lebenssituationen. Gerade bei dieser

Zielgruppe gibt es oft Umstände, die sie überfordern,

die für sie nicht klar einzuordnen sind

oder vor denen sie Angst haben. Häufig ist Rückzug

und Verdrängung eine beliebte und be kannte

Lösung. Kindern dieser Altersstufe steht zudem

der Eintritt in die Pubertät bevor. Die soge nannte

„Experimentierphase“ rückt näher. Den daraus

resultierenden Herausforderungen sicher zu be -

geg nen, bedingt ein weiteres Ziel der Aktion: die

Stärkung des Selbstwertgefühls. Die Stärkung

des Selbstwertgefühls ist eigentlich das Wichtigste,

um einer etwaigen Suchtgefährdung vorzubauen,

ist der Experte in Sachen Suchtprävention

überzeugt. „Der Free-Room ist dabei für uns

auch eine gute Möglichkeit, auf unser Angebot

aufmerksam zu machen“, sagt Blug, indem er auf

die Infostellwände hinweist. In seiner Arbeit bietet

er auch Vorträge an, die zunächst gar nichts

mit Sucht und Abhängigkeiten zu tun zu haben

scheinen: „Die Verwöhnfalle, oder müssen Kinder

alles haben?“ oder „Das virtuelle Kinderzimmer“.

Vorträge, die sich speziell an Eltern richten und

auf die Gefahren hinweisen wollen, mit denen

Kinder in einer unübersehbaren Fülle die Orientierung

verlieren können.

Genau wie Lara, die gerade lachend mit

ihrem Bobby-Car und der Rauschbrille auf der

Nase in die Leitplanken kracht. Hier ist es nicht

gefährlich, aber auf der Straße?

Gregor Ziorkewicz/Niko Blug

Regionale Diakonische Werke Jahresbericht 2011 61

Kontakt

und weitere Informationen:

Niko Blug

Diplom-Sozialpädagoge (FH)/

Zertifizierter Rauchfrei Trainer

(IFT)

Diakonisches Werk

Mainz-Bingen

Suchtprävention

Beratungszentrum Oppenheim

Postplatz 1

55276 Oppenheim

Tel.: 06133 57899 16

Fax: 06133 57899 10

E-Mail: niko.blug@diakoniemainz-bingen.de


62 Jahresbericht 2011 Regionale Diakonische Werke

BERNHARD BERGMANN

Die Diagnose Alzheimer ist ein Schock, für

einen Betroffenen ebenso wie für seine Angehörigen.

Dass ein Mensch, wie jetzt der Prominente

Gunter Sachs, sich deswegen das Leben nimmt,

ist für Beate Braner-Möhl, die seit sechs Jahren

beim Diakonischen Werk Odenwald (DWO) die

Fachstelle für Demenz (Altersverwirrtheit) innehat,

ein fatales Signal: „Wie wirkt das beispielsweise

auf jemanden, der gerade vor kurzem diese

Diagnose bekommen hat?", fragt die ausgebil -

dete Krankenschwester und Fachkraft, die im

Odenwaldkreis in den vergangenen Jahren ein

„Netzwerk Demenz“ aufgebaut hat, in das unter

anderem Fachärzte, Pflegedienste, Krankenkassen,

Landkreis und Seelsorgeeinrichtungen eingebunden

sind. Denn natürlich habe jeder Mensch Angst,

seine Selbstbestimmung und Persönlichkeit zu

verlieren und auf die Hilfe anderer angewiesen

zu sein. „Andererseits stellt sich doch gerade

dann die Frage, wie ich das Leben in der noch

bevorstehenden Zeit gestalten kann, anstatt es

fortzuwerfen.“ Mit Medikamenten, aber auch

durch soziale Kontakte, Gedächtnistraining, Lesen

und Lernen kann man der Krankheit durchaus

etwas entgegensetzen. Wobei sowieso am

Anfang eine zuverlässige ärzt liche Diagnose und

Beratung stehen müsse – und nicht etwa eine

angelesene Selbstdiagnose, wie es laut Medienberichten

bei Gunter Sachs gewesen sei, sagt

Braner-Möhl.

Diese Diagnose erfordert dann eine Standortbestimmung:

„Wer und was ist mir wichtig für

mein Leben, wie gestalte ich mein Umfeld?“ Von

Anfang an solle die Familie mit einbezogen und

so auch der „Schrecken geteilt“ werden. Nicht

„DAS RECHT AUF

MENSCHLICHKEIT

EINFORDERN“

DEMENZ: IM ODENWALDKREIS

BIETET BEATE BRANER-MÖHL

ERKRANKTEN UND IHREN

ANGEHÖRIGEN RAT UND HILFE

selten entdeckten Ehepaare alte Gewohnheiten,

vergessene Hobbys wieder, die dann noch einmal

wichtig werden. „Das sind die wertvollen Schätze,

die es zu heben und zu pflegen gilt, wenn es

schwieriger wird“, betont die Demenz-Fachfrau,

die in den sechs „Haltestellen“ genannten Betreuungsgruppen,

für die sie im Kreisgebiet verantwortlich

zeichnet, aber auch immer wieder

fest stellt: „In der Regel geht es den kranken

Men schen sehr gut.“

Aus ihrer Sicht stellen altersverwirrte Menschen

eine grundlegende Frage an die Gesellschaft:

„Wie menschlich ist sie? Erkrankte und

ihre Angehörigen haben das Recht, Menschlichkeit

einzufordern“, sagt die 48-Jährige, die derzeit

noch eine Seelsorge-Zusatzausbildung absolviert.

Die Gesellschaft wiederum müsse ihre

Verantwortung erkennen. „Es gibt Pflegestufen

und finanzielle Zuschüsse; aber wo gibt es einen

Zuschuss an Menschenwürde für ein Leben mit

Demenz?“, fragt die Fachstelleninhaberin. Neben

ärztlicher Betreuung und liebevoller Pflege haben

darum aus ihrer Sicht menschliche Zuwendung

und Seelsorge einen festen Platz in der Versorgung.

Wichtig sei es dabei, immer auch die

Angehörigen mit im Blick zu haben. Denn sie

übernehmen in den meisten Fällen die ständige

Betreuung und geraten dabei oft an ihre körperlichen

und seelischen Grenzen. Zugleich ermöglichen

sie dem Kranken dadurch, in seinem vertrauten

Umfeld zu bleiben, was gerade für Demenzkranke

besonders wichtig ist.

Bernhard Bergmann

Öffentlichkeitsarbeit Evangelisches Dekanat Odenwald


Kontakt

Beate Braner-Möhl steht nicht nur an Demenz

Erkrankten und ihren Angehörigen bei allen Fragen

mit Rat und Tat zur Seite, sondern freut sich

auch über Ehrenamtliche, die kranken Menschen

helfen möchten. Sie ist beim Diakonischen Werk

in Michelstadt erreichbar unter Telefon 06061

9650136.

Das Diakonische Werk Odenwald

Das Diakonische Werk Odenwald (DWO) bietet

Beratung und Betreuung für Menschen in

unterschiedlichen Lebens- und Konfliktsituationen.

Die Allgemeine Lebensberatung bietet

zum Beispiel Unterstützung bei familiären

Konflikten oder in Lebenskrisen. Einen Fachdienst

für Migration und interkulturelle Beratung

gibt es beim DWO ebenso wie eine

anerkannte Schwangerenkonfliktberatungsstelle,

außerdem eine Fachstelle Demenz sowie

die Zentrale für das Betreute Wohnen

von Menschen mit seelischen bzw. körper -

lichen Behinderungen. Für Menschen mit einer

Körperbehinderung arbeitet zudem der

angeschlossene Behindertenclub Odenwald.

Der Integrationsfachdienst kümmert sich um

die berufliche Begleitung und Eingliederung

Schwerbehinderter, und im Psychosozialen

Zentrum des DWO werden Menschen mit

psychischen Erkrankungen beraten.

Diakonisches Werk Odenwald

Bahnhofstraße 38

64720 Michelstadt

Telefon 06061 96500

E-Mail: mail@dw-odw.de

Im Internet ist das DWO unter der Adresse

www.dw-odw.de zu finden.

Regionale Diakonische Werke Jahresbericht 2011 63


64 Jahresbericht 2011

GREGOR ZIORKEWICZ

HESSENTAG 2011 –

DIAKONIE WAR DABEI

DIAKONISCHES WERK IN HESSEN UND NASSAU PRÄSENTIERTE

SICH MIT EINER TRAUMWERKSTATT IN OBERURSEL

In einer Traumwerkstatt, einem Zelt direkt neben

der Traumkirche mitten in Oberursel, präsentierte

sich die Diakonie mit einem bunten

und kreativen Programm auf dem Hessentag in

Oberursel in der Zeit von 10. bis 19. Juni. Skulpturen

und Bilder aus dem Offenen Atelier „Der

Seele Raum geben“ waren unter dem Sternenhimmel

des großen Zeltes zu sehen. „Wir wollten

Zeit schaffen für gemeinsames Musizieren,

für kreatives Gestalten, für Gespräche“, erläutert

Stefanie Limberg vom Diakonischen Werk

Hochtaunus. Limberg war für das Programm

und die Gestaltung der Traumwerkstatt verantwortlich.

Sie zeigte sich nach dem Abschluss des

10-tägigen Hessenfestes begeistert von der Resonanz

des Publikums und dem Zuspruch zur

Traumwerkstatt. „Mit unserem umfassenden

Programm in der Traumwerkstatt konnten wir

über 11.000 Menschen erreichen“, kann Limberg

berichten.

„Ich freue mich sehr, dass wir in diesen

zehn Tagen auf dem Hessentag so ein Programm

anbieten konnten“, sagte Dr. Wolfgang

Gern, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen

Werkes in Hessen und Nassau. Erstmals war die

Diakonie mit einem eigenen Programmort auf

dem Hessentag dabei. Dies bot die Möglichkeit,

auf das vielfältige und umfassende Angebot

des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau

aufmerksam zu machen und mit den Menschen

direkt ins Gespräch zu kommen, ergänzt

Gern.

„Wir wollten mit unserer Beteiligung am

Hessentag zeigen, dass wir nahe bei den Menschen

sind und auf ihre Anliegen hören", sagte

Dr. Gern im Gespräch mit Wolfgang Weinrich,

dem Hessentagsbeauftragten der Evangelischen

Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) im Rahmen

der Eröffnung des Hessentages am 10. Juni 2011.

„Diakonie ohne Kirche wird geistlos, Kirche

ohne Diakonie wird lieblos“, beschreibt er die

enge Beziehung zwischen Kirche und Diakonie.

Die unmittelbare Nähe der Traumwerkstatt zur

Traumkirche habe dieses Verhältnis eindrücklich

gezeigt, zeigte sich Gern über den Erfolg

des Diakonieauftritts zufrieden.

Der Hessentag 2012 findet in der Zeit vom

1. bis 10. Juni in Wetzlar statt.

Gregor Ziorkewicz


Mitglieder

Mitglieder Jahresbericht 2011 65


66 Jahresbericht 2011 Mitglieder

EIN BESONDERES

PROJEKT DES

EVANGELISCHEN

VEREINS FÜR

INNERE MISSION

IN NASSAU (EVIM)

MATTHIAS LOYAL

REISENDE SCHÜLER

BRAUCHEN BEWEGLICHE LEHRER

Ihre Eltern leben als Binnenschiffer auf

Deutschlands Flüssen. Oder sie arbeiten beim Zir -

kus. Andere fahren Woche für Woche auf ei nen

anderen Festplatz, um die Familien der Umgebung

mit vielfältigen Angeboten einzuladen: Sie

lassen Karussells rotieren, bitten zum Nerven -

kitzel in die Geisterbahn, kochen an Imbissständen

und vieles mehr.

Viele tausend Kinder sind in Deutschland

für einen großen Teil des Jahres auf Reisen. Die

Berufe der Schausteller, Binnenschiffer, Zirkus -

angehörigen oder Saisonarbeiter bringen lange

Reisezeiten und viele Ortswechsel mit sich. Und

die Kinder wollen und sollen auch in dieser Zeit

bei den Eltern sein. Das Problem: Für sie ist es

schwer, eine kontinuierliche und ihre Zukunft

sichernde Schulbildung zu erhalten.

Genau hier wurde der Evangelische Verein

für Innere Mission in Nassau (EVIM) aktiv. Das

Hessische Kultusministerium vertraute EVIM die

Aufgabe an, eine Schule speziell für Kinder be -

ruflich Reisender in Hessen aufzubauen und zu

betreiben. Das landesweit einzigartige Projekt

startete im Frühjahr 2010.

Diese Schule kommt samt Lehrern und

Klassenzimmern zu ihren Schülern. Und sie bleibt

bei ihnen, so lange sie sie brauchen. Der auf die

regulären Lehrpläne abgestimmte Unterricht

berücksichtigt in besonderem Maße Leistungsstand

und Lebensbedingungen jedes einzelnen

Kindes. „Reisende Schüler brauchen bewegliche

Lehrer“, so bringt es Lehrerin Ulrike Gelhausen

auf den Punkt.


Und diese bewegliche Schule ist eine ganz

besondere. Kleinbusse, die zu vollwertigen Klas -

sen räumen ausgebaut sind und ihre Schüler

durch ganz Hessen begleiten. Bis zu sieben Kin -

der können gleichzeitig unterrichtet werden.

Deutsch und Mathematik stehen ebenso auf dem

Stundenplan wie die erste Fremdsprache. Und

wie an jeder anderen Schule auch, wird in den

mobilen Klassenzimmern gesungen und gemalt.

Hier wie dort gibt es Zeugnisse und die Chance

auf einen anerkannten Schulabschluss.

Zwischen den Eltern und den Lehrerinnen

und Lehrern der rollenden Schule besteht ein enger

Kontakt, bedarf es doch für jeden Schüler ein

ganz besonderes Ausbildungskonzept zu ent wi -

ckeln. Beratung der Eltern ist hier ganz wich tig:

Über schulische und berufliche Möglichkei ten,

wie beispielsweise die Beratung und Planung der

Kombination von mobiler Schule während der

Reisezeit mit stationärer Schule am Aufenthalts -

ort.

Viele Familien unterbrechen während des

Winters ihre beruflichen Reisen. In diesen Fällen

eröffnet die mobile Schule auch die Möglichkeit,

in dieser Zeit eine Schule am jeweiligen Aufent -

haltsort zu besuchen. Und sollte die Familie

außerhalb Hessens unterwegs sein, organisiert

ihre mobile Schule die Fortführung des Unterrichts

in anderen Bundesländern.

Das Team der Schule für Kinder beruflich

Reisender in Hessen besteht aus besonders quali -

fizierten und engagierten Lehrerinnen und Leh -

rern, hierzu gehört neben dem Unterricht im

Lernmobil die Möglichkeit des flexiblen Lernens

sowohl in Lernpaketen als auch online. Darüber

hinaus planen die Lehrkräfte die schulische Laufbahn

jedes Kindes individuell und koordinieren

die weiteren Schritte – und suchen die Kooperation

mit den Stützpunktschulen während der

Reise.

„Chancengleichheit bedarf manchmal be -

sonderer Maßnahmen. Eine Schule, die die be -

sonderen Lebensumstände der Kinder beruflich

Reisender berücksichtigt, eröffnet ganz besondere

Chancen“ sagt Christiane Desbuleux, die

Projektleiterin bei der EVIM.

Spürbar wurde dies beim ersten Sommerfest

der Schule auf dem Geisberg in Wiesbaden.

Eltern, Lehrer und Kinder aus allen Teilen Hessens

kamen zusammen und feierten ein fröhliches

Fest. Wenn auch oft über viele hundert Kilometer

voneinander getrennt, ist doch mit der mobilen

Schule ein ganz besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl

entstanden. ABC-Schützen be -

kamen ihre Zuckertüten, das gemeinsame Spiel

vereinte Kinder und Eltern. „Wir sind früher in der

Schule als ‚dumme Clowns’ und ‚Zigeuner’ diskriminiert

worden. Diese Einrichtung ist für uns und

unsere Kinder das Beste, was es geben kann,“

fasste Peter Rapp, der derzeit mit einer Monster -

truckshow durch Hessen unterwegs ist, in bewegenden

Worten zusammen.

Das empfinden auch Ministerialdirigent

Jörg Meyer-Scholten und Referatsleiterin Birgid

Oertel vom Hessischen Kultusministerium, die

Gäste des Sommerfestes sind. Ihrer jahrelangen

beharrlichen Vorarbeit ist es zu danken, dass

dieses Projekt in Hessen verwirklicht werden

konnte. Sie dürfen zu Recht stolz sein, sind doch

diese Qualität und dieser Standard in der Be -

schulung von Kindern beruflich Reisender noch

lange nicht in jedem Bundesland selbstverständ -

lich.

Mittlerweile rollen acht Lernmobile der

Schule für Kinder beruflich Reisender über Hessens

Straßen und helfen mit, dass kein Kind verloren

geht, denn – so formuliert es Lehrkraft Angela

Zierz: „Jedes Kind soll die Chance bekommen,

lesen und schreiben zu lernen und Spaß

dabei haben!“ Die Fotos zeigen, dass dies gelingt.

Matthias Loyal

Vorstandsvorsitzender EVIM

Mitglieder Jahresbericht 2011 67

EVIM – der Evangelische Verein

für Innere Mission in Nassau

ist Träger von über 40 sozialen

Einrichtungen und Diensten.

Der Verein und seine Gesellschaften

beschäftigen über

1.900 Mitarbeitende in stationären

und ambulanten Angeboten

der Altenhilfe, der Behindertenhilfe,

der Jugendhilfe,

der Schule sowie in Service-

Einheiten. Auf der Grundlage

einer über 160-jährigen Tradition

hilft, entlastet und unterstützt

EVIM mit seinen Angeboten

und Leistungen. EVIM

orientiert sich an den Bedürfnissen

von Menschen mit

Beeinträchtigungen, Kindern

und Jugendlichen sowie

Seniorinnen und Senioren.

EVIM ist Mitglied im Diakonischen

Werk der Evangelischen

Kirche in Hessen und Nassau.


68 Jahresbericht 2011 Mitglieder

Angesichts des Fachkräftemangels im Bereich

der Pflege und Betreuung hat die GfdE eine

Ausbildungsoffensive in den eigenen Einrichtungen

gestartet. Ziel war es, die Bedeutung der

hausinternen Ausbildung zu erhöhen und schon

während der Ausbildungsphase die Auszubildenden

konsequent auf die Aufgaben in der GfdE

vorzubereiten.

„Das Verständnis für die Ausbildung hat

sich im Laufe dieses Entwicklungsprozesses im

gesamten Träger etabliert, sodass alle Beteiligten

die Ausbildung ernst und wichtig nehmen“, zeigt

sich der Geschäftsführer Karlheinz Hilgert über

die Ergebnisse erfreut. Der Stellenwert der Ausbildung

sei allen in Anbetracht des Fachkräfte-

TINA KHINE MARKUS LÜTZENKIRCHEN

„WIR MÜSSEN UNS SELBST UM DIE

AUSBILDUNG KÜMMERN …“

Gesellschaft für diakonische Einrichtungen (GfdE) startet eigene

Ausbildungsinitiative unter dem Motto „Ausbildung praktisch neu denken“.

mangels deutlich geworden. Einig sei man sich

auch darüber, dass dieses Konzept nicht statisch

verstanden werden darf, so Hilgert weiter.

Während der Offensive „Ausbildung praktisch

neu denken“ haben sich Strategien zur in -

ner betrieblichen Gestaltung der Altenpflegeausbildung

herausgebildet. Fachkräftemangel, hohe

berufliche Anforderungen und der allgemeine

Wettbewerbsdruck in der Branche sind Dauerthemen.

Der Fachkräftemangel kann nur mit

Hilfe der Ausbildung von eigenen Fachkräften

langfristig aufgehalten werden. Grundsteine für

die benötigten Fachkompetenzen können hierzu

bereits während der Ausbildung gelegt und gefestigt

werden. Auch im Wettbewerb mit ande-


en kann man sich durch eine gelingende Ausbildung

einen Vorteil verschaffen. „Ausbildung

praktisch neu denken“ war die Initialzündung für

die Ausbildungsstrategie der Gesellschaft für

diakonische Einrichtungen (GfdE).

Die Einrichtungen der GfdE haben im Zusammenschluss

mit Praxisanleitungen, Pflegedienstleitungen

und Einrichtungsleitungen einen

Ausbildungsplan für den Träger erarbeitet, der

die inhaltliche und zeitliche Gestaltung der Ausbildung

erleichtern soll, indem der Ausbildungsprozess

in der Praxis strukturiert wird. Wichtig

war hierbei, dass die Auszubildenden nicht nur

einfache Hilfsarbeiten verrichten, sondern bereits

während der Ausbildung befähigt werden,

komplexe Pflegesituationen unter Anleitung zu

bewältigen.

Der Ausbildungsplan dient auch zur Transparenz

für alle am Ausbildungsprozess beteiligten

Akteure. Durch die Absprache zwischen Auszubildenden

und Praxisanleitung besteht Konsens

darüber, welche Lernziele in der Praxis verfolgt

werden und zukünftig erreicht werden

sollen. Lerninhalte können effizienter vermittelt

und Dopplungen weitgehend vermieden werden.

Auch in der Zusammenarbeit mit den Altenpflegeschulen

wurde der Plan thematisiert und bietet

hier Gelegenheit für den Austausch zwischen

Schule und Praxis.

Angesprochen wurden Absolventen von

Haupt- und Realschulen und auch von Gymnasien,

mit Blick auf die Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten.

Gezielt wurden Ausbildungsmessen

bedient und Praktikumsplätze angeboten.

Die Einrichtungen der GfdE haben für die Gewinnung

neuer Bewerber Materialien und Informationen

zusammengestellt und entwickelt. Dazu

gehörte auch ein Unterrichtsentwurf, der für

Informationsveranstaltungen in den Allgemeinbildenden

Schulen genutzt werden kann.

Konnten Bewerber und Bewerberinnen gefunden

werden, so beginnt ein ausführlicher Prozess,

in dem die Perspektive der Auszubildenden

auf den zukünftigen Beruf stärker in den Blick

genommen wurden. Die außerhalb der Einrichtungen

stattfindenden, sogenannten Orientierungs-Tage

werden zu Beginn und während der

Ausbildung vom Träger angeboten. Auch gemeinsame

Aktivitäten, die den Auszubildenden

Spaß machen und gegenseitige Hemmschwellen

abbauen, sind Teil dieser Veranstaltungen.

Ein zentrales Thema sind die christlich-diakonischen

Werte und deren berufliche und persönliche

Ausdrucksmöglichkeiten. Ein Austausch

mit anderen Auszubildenden schafft ein Gemeinschaftsgefühl

und signalisiert den Teilnehmern,

dass sie nicht alleine mit den Herausforderungen

und Fragen beschäftigt sind.

Die Erfahrungen mit den Orientierungs -

tagen zeigen deutlich, welche Veränderungen im

beruflichen Reifeprozess innerhalb der Ausbildung

stattfinden und wie wichtig eine kontinuierliche

Begleitung und Reflexion dabei ist. Das

Projekt zeigt bereits erste Wirkungen, die Zufriedenheit

der aktuell 32 Auszubildenden konnte

gesteigert werden, die Praxisanleiter berichten,

dass sie jetzt einen Katalog haben, in dem sie

nachschauen können, was in der Ausbildung

schon gemacht wurde oder was als nächstes

dran ist. Weitere Ziele der Ausbildungsinitiative

sind zum einen die vermehrte Darstellung des

Konzeptes in weiteren Altenpflegeschulen und

zum anderen die weitere Optimierung des Austausches

zwischen Theorie und Praxis der Pflege,

damit aus fähigen Schülern kompetente Fachkräfte

werden, die dann im Umfeld werben für

den Beruf und Träger mit dem Satz „… das ist ein

guter Ausbildungsbetrieb“.

Tina Khine, Markus Lützenkirchen

Gesellschaft für diakonische Einrichtungen

in Hessen und Nassau mbH

Hauptverwaltung

Die Gesellschaft für diakonische Einrichtungen ist

ein Mitglied im Diakonischen Werk in Hessen und

Nassau. Sie ist Träger von zehn Altenzentren,

Altenwohn- und Pflegeheimen in Hessen und beschäftigt

insgesamt zirka 900 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter. Sie ist damit einer der größten

diakonischen Rechtsträger im Gebiet der Evangelischen

Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Mitglieder Jahresbericht 2011 69


70

KATHLEEN NIEPMANN

„ WIR MÜSSEN WIRTSCHAFTLICH

HANDELN – DAZU SIND WIR

ETHISCH VERPFLICHTET“

Bernd Weber, Vorstandsvorsitzender der Agaplesion gAG und ein „Macher im

Gesundheitswesen“, geht im März in den Ruhestand – Ein Interview

Bernd Weber, Jahrgang 1945: Sein Name ist aus der Diakonie in Hessen und Nassau und darüber

hinaus nicht wegzudenken. Im Jahr 2002 initiierte er die Agaplesion gemeinnützige AG, einen

christlichen Konzern im Gesundheitswesen, dem bundesweit rund 80 Einrichtungen, darunter

22 Krankenhäuser sowie 32 Wohn- und Pflegeeinrichtungen angehören und der Mitglied im

Diakonischen Werk in Hessen und Nassau (DWHN) ist. Der Name Bernd Weber steht für die zielgerichtete

Weiterentwicklung diakonischer Einrichtungen zu diakonischen Unternehmen, für die

Arbeit in einem Verbund für das Krankenhaus wesen und die Altenhilfe, sowie dafür, Konflikte

ebenso deutlich wie lösungsorientiert anzugehen. Am 26. März 2012 wird der gebürtige Nordpfälzer,

der Mitglied des Hauptausschusses und Vorsitzender des Finanzausschusses des Diakonischen

Werkes in Hessen und Nassau ist, in einem Gottesdienst in der Frankfurter Diakonissenkirche

verabschiedet. Bereits mit dem Datum der Haupt versammlung 2011 des DWHN wird er aus

diesem Grund seine Ämter im Haupt- und Finanzausschuss niederlegen.

s

Herr Weber, wenn Sie sich selbst

und Ihre Arbeit seit 1971 in der

Diakonie beschreiben, wie sieht

diese Beschreibung aus?

Weber: Ich verstehe mich als „Macher“ – ich

setze, was anliegt, mit einem klaren Langzeitziel

um. Mir liegt an nachhaltigem Handeln und an

Solidität in meinen Entscheidungen und in den

Dingen, die ich auf den Weg bringe ...

s

… und Sie legen dabei Wert auf

den christlichen Hintergrund?

Weber: Es ist unser protestantischer Auftrag,

uns mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln

und Fähigkeiten einzubringen. Oder anders

gesagt: Das, was das Evangelium uns vorgibt,

sollen wir mit gestaltendem Handeln in der Welt

umsetzen ...

s

... das heißt aus dem Munde des

Vorstandsvorsitzenden eines

bundesweit agierenden Konzerns

im Gesundheitswesen ...?

Weber: Die Entwicklung von diakonischen Einrichtungen

hin zu diakonischen Unternehmen ist

absolut notwendig. Wir müssen uns an der Qualität

und an den Leistungen konkurrierender

Unternehmen messen lassen, um ein optimiertes

Er gebnis für die Menschen in unseren Einrichtungen

zu erbringen. Wir müssen wirtschaftlich

handeln, dazu sind wir sogar ethisch verpflichtet.

Ich gehe sogar so weit und sage, wer in einem

Unternehmen die Ressourcen nicht nutzt, das

heißt keinen Gewinn machen will, handelt unethisch

und verantwortungslos den Menschen

gegenüber, die ihm anvertraut sind. Und damit

meine ich zum Beispiel die Patienten in einem

Krankenhaus, die Bewohner in einem Pflegeheim

ebenso wie die Mitarbeitenden.


s

Was bedeutet das?

Weber: Klar ist: Die Gewinne dürfen weder zu

Lasten der Patienten und Bewohner noch der

Mitarbeitenden gehen. Darum ist für mich die

Form der gemeinnützigen Aktiengesellschaft

auch eine sinnvolle Form für diakonische Unternehmen.

Denn hier werden die Erträge der Gesellschaft

für gemeinnützige Zwecke verwendet

und in die Arbeit re-investiert und nicht an die

Gesellschafter ausgeschüttet. Eine gAG als eine

Gesellschaftsform lässt Wachstum mit Re-Investition

zu, bedeutet Beteiligungsfreundlichkeit,

Transparenz und klare Aufgabenteilung in den

Organen, wie Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung.

Wer im Übrigen dieses angesprochene

Spannungsverhältnis des wirtschaftlichen

und zugleich ethischen Handelns nicht bejaht

und aushält, muss sich überlegen, ob er sein Angebot

weiter am Markt platziert oder ob er es

nicht anderen überlässt.

s

Was bedeutet das für die Zukunft

diakonischer Unternehmen?

Weber: Diakonische Unternehmen zeichnen

sich dadurch aus, dass sie in Grenzbereichen des

Lebens helfen und unterstützen: Wo Menschen

krank sind, in Not sind, wo sie allein sind, wo sie

Hilfe brauchen. Darin liegt ihre Berechtigung.

Wir müssen auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen

mit unseren christlichen Werten

und Maßstäben reagieren, wenn wir in ihnen bestehen

wollen. Und noch etwas: Wenn wir von

„Leistung erbringen“ sprechen, möchte ich unter -

scheiden zwischen dem Optimum, das ich erreichen

möchte, und dem Maximum, das für uns

kein Maßstab sein kann. Wenn ich das Optimale

leisten will, aber zum Beispiel nicht in der Lage

bin, den Mindestlohn zu zahlen, dann liege ich

falsch.

s

Was möchten Sie Ihrer Nachfolge

im Vorstandsvorsitz von

Agaplesion für die Zukunft mit

auf den Weg geben?

Weber: Die Arbeit diakonischer Unternehmen

hat eine einzige Berechtigung: Die Zuwendung

zu den Menschen in den genannten Grenzsituationen

zu organisieren. Daraufhin müssen wir

unser Tun immer wieder abprüfen. Und weiter:

Wir müssen in der Diakonie immer wieder den

Mut haben, das Spannungsverhältnis zwischen

christlicher Prägung und Wirtschaftlichkeit auszuhalten

und bewusst anzugehen. Als Unternehmen

sollten wir Kontinuität durch Veränderung

sichern und dabei eine Kultur des Vertrauens

schaffen für die Mitarbeitenden und Trägereinrichtungen.

In der Auseinandersetzung zwischen

Anspruch und Realität ist der Konflikt zu leben

und auszuhalten.

s

Und was möchten Sie dem

Landesverband der Diakonie,

aus dessen Gremien Sie sich

jetzt verabschieden, mitgeben?

Weber: Dass er durch die Fusion nicht die Bo -

den haftung verliert. Dass es gelingt, eine Identifikation

zwischen Verband und Mitgliedern zu

erhalten, dass er seine Dienstleistungsfunktion

für die Mitglieder professionell erbringt. Zusammenschluss

der Landesverbände und gleichzeitige

Regionalisierung sind meines Erachtens zwei

Seiten einer Münze.

s

Und was bedeutet Ruhestand

für Bernd Weber privat?

Weber: Ich werde in meinem neuen Lebensabschnitt

bestimmt nicht mehr als zuvor Garten ar -

beit machen oder den Rasen mähen. Ich möchte

neugierig bleiben, Grenzen abtasten, begeisterungsfähig

bleiben, ab und an Träumen nachhängen

und meine Gelassenheit behalten.

Die Fragen stellte Pfarrerin Kathleen Niepmann, Pressesprecherin

und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit im

Diakonischen Werk in Hessen und Nassau.

Mitglieder Jahresbericht 2011 71

Porträt Bernd Weber

Bernd Weber wurde am

23. August 1945 in

Obermoschel/Nordpfalz

geboren. Nach dem Studium

der Betriebswirtschaft führte

ihn seine erste berufliche

Station 1971 an die Diakonie-

Anstalten Bad Kreuznach,

wo er als Personalleiter

fungierte. Weber war Ende

der 70er Jahre Geschäftsführender

Vorstand mehrerer

diakonischer Einrichtungen.

Nachdem er 1995 die Frankfurter

Diakoniekliniken, einen

regionalen Verbund von drei

Frankfurter Krankenhäusern,

mit ins Leben gerufen hatte,

initiierte er 2002 den bundesweiten

Konzern Agaplesion,

dessen Vorstandsvorsitzender

er ist. Der 66-Jährige ist in

vielen Gremien vertreten, insbesondere

der Diakonie sowie

des Gesundheits- und Sozialwesens.

Zudem erhielt er für

sein engagiertes Wirken im

Gesundheitswesen den Preis

„Pro Sanitate“, der höchsten

Auszeichnung des ungarischen

Gesundheitsministeriums.

Im April 2010 wurde Bernd

Weber seitens der Universität

Pécs (Ungarn) der Titel

Honorary Associate Professor

(Außerordentlicher Honorarprofessor)

verliehen.


72 Jahresbericht 2011 Alles auf einen Blick

Alles auf einen Blick

LEGENDE

WETTERAU

Name des

regionalen Diakonischen Werkes

Landesgeschäftsstelle des

Diakonischen Werkes

in Hessen und Nassau (DWHN)

Dienststellen der

regionalen Diakonischen Werke

Außenstellen/Einrichtungen der

regionalen Diakonischen Werke

Diakonisches Werk für Frankfurt

WESTERWALDKREIS

Bad Ems

RHEIN-LAHN

Westerburg

Limburg

DILLENBURG-

HERBORN

LIMBURG-

WEILBURG

RHEINGAU-TAUNUS

Bad Schwalbach

WIESBADEN

Wiesbaden

Ingelheim

Mainz

MAINZ-BINGEN

WORMS-ALZEY

Alzey

Dillenburg

Biedenkopf

BIEDENKOPF-

GLADENBACH

EV. KIRCHE

IM RHEINLAND

Gießen

GIESSEN

HOCHTAUNUS

Friedberg

Bad Homburg

Landesgeschäftsstelle

MAIN- des DWHN

TAUNUS

Frankfurt

Schwalbach Offenbach

Rüsselsheim

Groß-Gerau

GROSS-GERAU

RÜSSELSHEIM Darmstadt

DARMSTADT-

DIEBURG

Worms

BERGSTRASSE

Nidda

OFFENBACH-

OF

Dreieich DREIEICH-

RODGAU

Bensheim

Bad König

ODENWALD

VOGELSBERG

WETTERAU

Lauterbach


Kirchliche Mittel

21 %

Ertragsstruktur des DWHN

Regionale Werke und

Geschäftsstelle Frankfurt

Basis: Jahresabschluss 2010

Erträge

Mieterträge und

Finanzergebnis

2%

Beiträge, Spenden

Bußgelder

5%

JAHRESABSCHLUSS 2010

DIAKONISCHES WERK IN HESSEN UND NASSAU E. V.

Sonstige einschl. Entnahmen

zweckgeb. Verbindlichkeiten

6%

Einnahmen

der Arbeitsgebiete

66%

Aufwandsstruktur des DWHN

Regionale Werke und

Geschäftsstelle Frankfurt

Basis: Jahresabschluss 2010

Aufwendungen

Betriebskosten

20%

Sozialaufwendungen

der Arbeitsgebiete

8%

Das DWHN (Landesgeschäftsstelle, 19 regionale Werke und die Werkstatt für behinderte Menschen)

hatte im Jahr 2010 einen Haushalt in Höhe von 63,2 Mio. Euro. Dieser setzt sich zusammen aus: 66%

Leistungsentgelten und Zuwendungen von Gebietskörperschaften wie Land kreisen und Kommunen,

21% kirchlichen Mitteln, 5% Beiträgen, Spenden und Bußgeldern sowie 8% Miet- und sonstigen

Erträgen.

Demgegenüber belaufen sich die Personalaufwendungen auf 71% der Gesamtaufwendungen, hinzu

kommen Betriebskosten in Höhe von 20% sowie Sozialaufwendungen der Arbeitsgebiete und sonstigen

Aufwendungen in Höhe von 9%.

Alles auf einen Blick Jahresbericht 2011 73

Sonstige einschl.

Zuführung

zweckgeb.

Verbindlichkeiten

1%

Personalaufwendungen

inkl. Fortbildung und

Supervision

71 %


74 Jahresbericht 2011 Alles auf einen Blick







Diakonisches Werk in Hessen und Nassau e.V.

Landesgeschäftsstelle

Postfach 90 02 29 Postbank Frankfurt

60442 Frankfurt am Main BLZ 500 100 60

Ederstraße 12 Konto-Nummer 516 609

60486 Frankfurt am Main

Tel.: 069 7947-0 Ev. Kreditgenossenschaft eG

Fax: 069 7947-310 BLZ 520 604 10

Internet: www.diakonie-hessen-nassau.de Konto-Nummer 4 002 008

E-Mail: kontakt@dwhn.de

Frankfurter Sparkasse

BLZ 500 502 01

Konto-Nummer 407 860

Vorstand

DIAKONISCHES WERK IN HESSEN UND NASSAU E.V.

Vorsitzender:

Dr. Gern, Wolfgang Tel.: 069 7947-280

Pfarrer Fax: 069 7947-309

E-Mail: wolfgang.gern@dwhn.de

Sylla, Joachim Tel.: 069 7947-210

Vorstandsreferent Fax: 069 7947-99210

E-Mail: joachim.sylla@dwhn.de

Knapp, Wilfried Tel.: 069 7947-293

Diplom-Wirtschaftsingenieur Fax: 069 7947-99293

Vorstand E-Mail: wilfried.knapp@dwhn.de

N. N.

Vorstandsreferent/-in

Hauptausschuss

Stand: September 2011

Vorsitzender:

Rumpf, Klaus Verein für Kranken-,

Rechtsanwalt Alten- und Kinderpflege/

Bevollmächtigter des Vereins für Kranken-, Ev. Krankenhaus

Alten- und Kinderpflege zu Gießen (nur Mittwoch nachmittags)

Paul-Zipp-Straße 171

35398 Gießen

Tel.: 0641 9606117

Fax: 0641 3012213

Spendenkonto:

Ev. Kreditgenossenschaft eG

BLZ 520 604 10

Konto-Nummer 40 50 606












stellvertretende Vorsitzende:

Gebhardt, Esther Ev. Regionalverband Frankfurt

Pfarrerin Bleichstraße 60–62

Vorstandsvorsitzende des Evangelischen 60313 Frankfurt am Main

Regionalverbandes Frankfurt am Main Tel.: 069 21651242

Fax: 069 21652242

E-Mail: esther.gebhardt@ervffm.de

Jung, Dr. Volker Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Pfarrer Paulusplatz 1

Kirchenpräsident der EKHN 64285 Darmstadt

Tel.: 06151 405291

Fax: 06151 405220

E-Mail: volker.jung@ekhn-kv.de

Stellvertreterin:

Kopsch, Cordelia Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Pfarrerin Paulusplatz 1

Oberkirchenrätin 64285 Darmstadt

stellv. Kirchenpräsidentin der EKHN Tel.: 06151 405298

Fax: 06151 405220

E-Mail: cordelia.kopsch@ekhn-kv.de

Lehmann, Jo Hanns Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Kirchenrat Paulusplatz 1

64285 Darmstadt

Tel.: 06151 405125

Fax: 06151 405220

E-Mail: jo.lehmann@ekhn-kv.de

Schwindt, Christian Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Pfarrer Paulusplatz 1

Oberkirchenrat 64285 Darmstadt

Tel.: 06151 405429

E-Mail: christian.schwindt@ekhn-kv.de

Clauss, Armin

Staatsminister a.D.

Vorsitzender der Hauptversammlung des DWHN

Stellvertreterin:

Pfeiffer, Dr. Birgit Kaiserstraße 37

Präses der Dekanatssynode Mainz 55116 Mainz

Tel.: 06131 960040

E-Mail: birgit.pfeiffer.dek.mainz@ekhn-net.de

Bartl, Dr. Klaus Mission Leben GmbH

Pfarrer Roquetteweg 8

Vorstand Mission Leben GmbH 64285 Darmstadt

Tel: 06151 409010

E-Mail: k.bartl@mission-leben.de

Diehl, Walter Nieder-Ramstädter Diakonie

Kaufmännischer Vorstand Stiftstraße 2

Nieder-Ramstädter Diakonie 64367 Mühltal

Tel.: 06151 1491590

Fax: 06151 1491595

E-Mail: Walter.Diehl@nrd-online.de

Geist, Christoph Alter Krofdorfer Weg 4

Pfarrer 35398 Gießen

Tel.: 0641 9310013

Fax: 0641 9310029

E-Mail: christoph.geist@jugendwerkstatt-giessen.de

Alles auf einen Blick Jahresbericht 2011 75


76 Jahresbericht 2011 Alles auf einen Blick











Weber, Bernd Frankfurter Diakonie-Kliniken gGmbH

Direktor Ginnheimer Landstraße 94

Geschäftsführer der Frankfurter 60487 Frankfurt am Main

Diakonie-Kliniken Tel.: 069 95332170

Fax: 069 95332180

E-Mail: bernd.weber@fdk.info

Zentgraf, Dr. Martin Hessischer Diakonieverein

Pfarrer Freiligrathstraße 8

Vorstandsvorsitzender des 64285 Darmstadt

Hessischen Diakonievereins Tel.: 06151 602398

Fax: 06151 602838

E-Mail: martin.zentgraf@hdv-darmstadt.de

Mit beratender Stimme:

Mander, Norbert Rheinstraße 31

Dekan 64283 Darmstadt

Tel.: 06151 1362424

E-Mail: norbert.mander@evangelisches-darmstadt.de

Schleitzer, Erhard Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im Bereich des DWHN

Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Ederstraße 12

der Mitarbeitervertretungen 60486 Frankfurt am Main

im Bereich des DWHN Tel.: 069 7947-248

Fax: 069 7947-99248

E-Mail: AGMAV.HN@gmx.de

Hauptversammlung

Vorsitzender:

Clauss, Armin

Staatsminister a.D.

stellvertretende Vorsitzende:

Pfeiffer, Dr. Birgit Kaiserstraße 37

Präses der Dekanatssynode Mainz 55116 Mainz

Tel.: 06131 960040

E-Mail: birgit.pfeiffer.dek.mainz@ekhn-net.de

stellvertretender Vorsitzender:

Loyal, Matthias EVIM Ev. Verein für Innere Mission in Nassau

Pfarrer Auguste-Viktoria-Straße 16

Vorstandsvorsitzender EVIM 65185 Wiesbaden

Tel.: 0611 9900937

E-Mail: geschaeftsstelle@evim.de

Stabsstellen

Landesgeschäftsstelle

Ederstraße 12

60486 Frankfurt am Main

Stabsstelle Recht – Justitiariat

Dr. Kunst, Heiko Tel.: 069 7947-289

Fax: 069 7947-99289

E-Mail: heiko.kunst@dwhn.de

Stabsstelle Recht – Sozialrecht

Heuerding, Barbara Tel.: 069 7947-287

Fax: 069 7947-99287

E-Mail: barbara.heuerding@dwhn.de














Stabsstelle Recht – Arbeitsrecht

Dr. Lugauer, Stefanie Tel.: 069 7947-201

Fax: 069 7947-99201

E-Mail: stefanie.lugauer@dwhn.de

Stabsstelle Recht – Arbeitsrecht – Schlichtungsstelle

Vorsitzende der Geschäftsstelle der Schlichtungsstelle des DWHN

Wunsch, Lisa Rathausstraße 10

Rechtsanwältin 65239 Hochheim am Main

Tel.: 06146 8109950-0

Fax: 06146 8109950-9

l.wunsch@goetsche-wunsch.de

Stabsstelle Presse

Niepmann, Kathleen Tel.: 069 7947-375

Pfarrerin Fax: 069 7947-99375

E-Mail: kathleen.niepmann@dwhn.de

Stabsstelle Controlling

Luft, Corina Tel.: 069 7947-260

Fax: 069 7947-99260

E-Mail: corina.luft@dwhn.de

Beck, Christian Tel.: 069 7947-324

Fax: 069 7947-99324

E-Mail: christian.beck@dwhn.de

Bereiche

Landesgeschäftsstelle

Ederstraße 12

60486 Frankfurt am Main

Bereich Kinder, Jugend und Familie

Jugendmigrationsdienste und Schulsozialarbeit

Müller, Inge Tel.: 069 7947-474

Fax: 069 7947-99474

E-Mail: inge.mueller@dwhn.de

Kinder-/Jugendhilfe

Röder, Peter Tel.: 069 7947-341

Pfarrer Fax: 069 7947-99341

E-Mail: peter.roeder@dwhn.de

Landesweite Referentin der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz für Kinder, Jugend und Familie

Giersen, Christiane Flachsmarktstraße 9

55116 Mainz

Tel.: 06131 5542741

Fax: 06131 6299741

E-Mail: christiane.giersen@diakonie-rlp.de

FSJ/Zivildienst/Freiwillige Dienste

Pontzen, Ingrid Tel.: 069 7947-265

Fax: 069 7947-99265

E-Mail: ingrid.pontzen@dwhn.de

Schollmeyer, Sandra Tel.: 069 7947-247

Fax: 069 7947-310

E-Mail: sandra.schollmeyer@dwhn.de

Frauen und Familie

Finger, Irene Tel.: 069 7947-315

Fax: 069 7947-333

E-Mail: irene.finger@dwhn.de

Alles auf einen Blick Jahresbericht 2011 77


78 Jahresbericht 2011 Alles auf einen Blick














Bereich Gesundheit, Alter und Pflege

Altenhilfe

Menzel, Friedhelm Tel.: 069 7947-261

Pfarrer Fax: 069 7947-333

E-Mail: friedhelm.menzel@dwhn.de

Jung, Dagmar Tel.: 069 7947-329

Fax: 069 7947-333

E-Mail: dagmar.jung@dwhn.de

Hof, Stefan Tel.: 069 7947-256

Fax: 069 7947-99256

E-Mail: stefan.hof@dwhn.de

Ambulante pflegerische Dienste

Barschke, Martin Tel.: 069 7947-340

Pfarrer Fax: 069 7947-99340

E-Mail: martin.barschke@dwhn.de

Betz, Detlef Tel.: 069 7947-307

Fax: 069 7947-99307

E-Mail: detlef.betz@dwhn.de

Jost-Hildebrand, Marianne Tel.: 069 7947-371

Fax: 069 7947-99371

E-Mail: marianne.jost-hildebrand@dwhn.de

Schnabel, Bettina Tel.: 069 7947-325

Fax: 069 7947-99325

E-Mail: bettina.schnabel@dwhn.de

Trippel, Angelika Tel.: 069 7947-312

Fax: 069 7947-99312

E-Mail: angelika.trippel@dwhn.de

Krankenhauswesen / -recht

Sehring, Ulrike Tel.: 069 7947-286

Fax: 069 7947-99286

E-Mail: ulrike.sehring@dwhn.de

Bereich Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie und Sucht

Behindertenhilfe der Diakonie in Hessen

Henning-Hoffmann, Rita Diakonisches Werk in Kurhessen-Waldeck e.V.

Kölnische Straße 136

34119 Kassel

Tel.: 0561 1095-106

Fax: 0561 1095-295

E-Mail: r.henning-hoffmann@dwkw.de

Sozialpsychiatrie

Clotz, Wolfgang Tel.: 069 7947-299

Fax: 069 7947-99299

E-Mail: wolfgang.clotz@dwhn.de

Sucht

Linke, Sonja Tel.: 069 7947-232

Fax: 069 7947-99232

E-Mail: sonja.linke@dwhn.de

Bereich Armut und besondere soziale Schwierigkeiten

Sozialpolitik und Gemeinwesenarbeit

Dr. Dietz, Alexander Tel.: 069 7947-321

Fax: 069 7947-99321

E-Mail: alexander.dietz@dwhn.de















Gefährdetenhilfe

Gillich, Stefan Tel.: 069 7947-222

Fax: 069 7947-99222

E-Mail: stefan.gillich@dwhn.de

Freiwilliges Engagement, Tafeln, Schuldnerberatung

Brendel, Ursula Tel.: 069 7947-228

Fax: 069 7947-99228

E-Mail: ursula.brendel@dwhn.de

Bereich Migration und Interkulturelles Zusammenleben

Interkulturelles Zusammenleben/Migration

Lipsch, Andreas Tel.: 069 7947-226

Pfarrer Fax: 069 7947-99226

E-Mail: andreas.lipsch@dwhn.de

Niebch, Hildegund Tel.: 069 7947-300

Fax: 069 7947-99300

E-Mail: hildegund.niebch@dwhn.de

Prassiadou-Kara, Martha Tel.: 069 7947-218

Fax: 069 7947-99218

E-Mail: martha.prassiadou-kara@dwhn.de

Bereich Öffentlichkeit

Leitung und Pressesprecherin

Niepmann, Kathleen Tel.: 069 7947-375

Pfarrerin Fax: 069 7947-99375

E-Mail: kathleen.niepmann@dwhn.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

N. N.

Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindediakonie

Ziorkewicz, Gregor Tel.: 069 7947-380

Pfarrer Fax: 069 7947-99380

E-Mail: gregor.ziorkewicz@dwhn.de

Neue Medien

Kehrer, Arno F. Tel.: 069 7947-383

Fax: 069 7947-99383

E-Mail: arno.kehrer@dwhn.de

Fundraising

Kreh, Bernd Tel.: 069 7947-240

Fax: 069 7947-99441

E-Mail: bernd.kreh@dwhn.de

Bereich Personal, Organisation, Finanzen

Personal und IT

Jung, Christoff Tel.: 069 7947-252

Fax: 069 7947-99252

E-Mail: christoff.jung@dwhn.de

Personal und IT, EDV

Kaiser, Andreas Tel.: 069 7947-373

Fax: 069 7947-99373

E-Mail: andreas.kaiser@dwhn.de

Haemer, Andreas Tel.: 069 7947-384

Fax: 069 7947-99384

E-Mail: andreas.haemer@dwhn.de

Alles auf einen Blick Jahresbericht 2011 79


80 Jahresbericht 2011 Alles auf einen Blick















Personal und IT, Personalverwaltung

Zahn, Werner Tel.: 069 7947-346

Fax: 069 7947-99346

E-Mail: werner.zahn@dwhn.de

Personal und IT, Stellenbörse

Wiegand, Verena Tel.: 069 7947-304

Fax: 069 7947-99304

E-Mail: verena.wiegand@dwhn.de

Personalentwicklung / Fort- und Weiterbildung

Eggers, Imke Tel.: 069 7947-220

Fax: 069 7947-99220

E-Mail: imke.eggers@dwhn.de

Gottschalk, Gabriele Tel.: 069 7947-305

Fax: 069 7947-99305

E-Mail: gabriele.gottschalk@dwhn.de

Wirtschaftliche Beratung

Ottinger, Rüdiger Tel.: 069 7947-251

Fax: 069 7947-99251

E-Mail: ruediger.ottinger@dwhn.de

Snethlage, Achim Tel.: 069 7947-382

Fax: 069 7947-99382

E-Mail: achim.snethlage@dwhn.de

Wirtschaftliche Beratung, Mitglieder / Statistik

Kruspe, Eva Tel.: 069 7947-268

Fax: 069 7947-99268

E-Mail: eva.kruspe@dwhn.de

Wirtschaftliche Beratung, Institutionelle Förderung

Langmaack, Kirsten Tel.: 069 7947-285

Fax: 069 7947-99285

E-Mail: kirsten.langmaack@dwhn.de

Wirtschaftliche Beratung, Innenrevision

Bufe, Dirk Tel.: 069 7947-272

Fax: 069 7947 -99272

E-Mail: dirk.bufe@dwhn.de

Pfaff, Herbert Tel.: 069 7947-212

Fax: 069 7947-99212

E-Mail: herbert.pfaff@dwhn.de

Finanzen und Administration

Wodtke, Horst Tel.: 069 7947-292

Fax: 069 7947-99292

E-Mail: horst.wodtke@dwhn.de

Rickert, Elke Tel.: 069 7947-298

Fax: 069 7947-99298

E-Mail: elke.rickert@dwhn.de

Schwester Carmen Reinhardt Tel.: 069 7947-442

Fax: 069 7947-99442

E-Mail: schwester.carmen@dwhn.de

Friedrichsen, Daniela Tel.: 069 7947-245

Fax: 069 7947-99245

E-Mail: daniela.friedrichsen@dwhn.de














Finanzen und Administration, Liegenschaften

Kesselring, Antje Tel.: 069 7947-339

Fax: 069 7947-99339

E-Mail: antje.kesselring@dwhn.de

Stiftungswesen

Kreh, Bernd Tel.: 069 7947-240

Fax: 069 7947-99441

E-Mail: bernd.kreh@dwhn.de

Mitarbeitervertretung

Langmaack, Kirsten (Vorsitzende) Tel.: 069 7947-291

Fax: 069 7947-99291

E-Mail: mav@dwhn.de

Wahl, Cornelia (stv. Vorsitzende) Tel.: 069 7947-291

Fax: 069 7947-99291

E-Mail: mav@dwhn.de

Gesamt-Mitarbeitervertretung

Renschler, Klaus Tel.: 069 7947-291

Kruspe, Eva

Prawdzik, Birte E-Mail: gmav@dwhn.de

Appel, Hans W.

Graf-Lutzmann, Doris

Schwerbehindertenvertretung

Stabel, Volker Tel.: 0611 3609132

Fax: 0611 3609120

E-Mail: stabel@diakonisches-werk-wiesbaden.de

Datenschutz

Diakonie-Beauftragter für den Datenschutz

Kehrer, Arno F. Tel.: 069 7947-383

Fax: 069 7947-99383

E-Mail: kehrer.datenschutz@dwhn.de

Der Beauftragte der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz

Albrecht Bähr Flachsmarktstraße 9

Pfarrer 55116 Mainz

Tel.: 06131 6299740

Fax: 06131 6299741

E-Mail: sekretariat@diakonie-rlp.de

Alles auf einen Blick Jahresbericht 2011 81


82 Jahresbericht 2011 Alles auf einen Blick

ANSCHRIFTENVERZEICHNIS — REGIONALE DIAKONISCHE WERKE STAND: 1. NOVEMBER 2010

Bezeichnung Anschrift Tel./Fax E-Mail

Reg. Diakonisches Werk Bergstraße Riedstraße 1 06251 1072-0 kontakt@diakoniebergstrasse.de

Leitung: Brigitte Walz-Kelbel 64625 Bensheim 06251 107252

Dekanate: Bergstraße, Ried

Reg. Diakonisches Werk Biedenkopf-Gladenbach Mühlweg 23 06461 9540-0 dw-biedenkopf@dwhn.de

Leitung: Helmut Kretz 35216 Biedenkopf 06461 954022

Dekanate: Biedenkopf, Gladenbach

Reg. Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg Kiesstraße 14 06151 926-0 info@dw-darmstadt.de

Leitung: Edda Haack 64283 Darmstadt 06151 926100

Dekanate: DA-Stadt, DA-Land, Vorderer Odenwald,

z.T. Bergstraße

Reg. Diakonisches Werk Dillenburg-Herborn Maibachstraße 2 A 02771 2655-0 Info@dwdh.de

Leitung: Karl Müßener 35683 Dillenburg 02771 265520

Dekanate: Dillenburg, Herborn

Reg. Diakonisches Werk Gießen Gartenstraße 11 0641 93228-0 holger.claes@diakonie-giessen.de

Leitung: Holger Claes 35390 Gießen 0641 9322837

Dekanate: Gießen, Grünberg, Hungen, Kirchberg

Reg. Diakonisches Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim Weserstraße 34 06142 96321-0 info@diakonie-kreisgg.de

Leitung: Lucian Lazar 65428 Rüsselsheim 06142 14211

Dekanate: Groß-Gerau, Ried-Nord, Rüsselsheim

Reg. Diakonisches Werk Hochtaunus Heuchelheimer Straße 20 06172 308803 dw@diakonie-htk.de

Leitung: Michael Hibler 61348 Bad Homburg v.d.H. 06172 308837

Dekanat: Hochtaunus

Reg. Diakonisches Werk Limburg-Weilburg Parkstraße 12 06431 2174-0 info@dwlw.de

Leitung: Irina Porada 65549 Limburg 06431 2174200

Dekanate: Runkel, Weilburg

Reg. Diakonisches Werk Main-Taunus Ostring 17 06196 5035-0 info@dwmt.de

Leitung: Agim Kaptelli 65824 Schwalbach a.T. 06196 503526

Dekanat: Kronberg

Reg. Diakonisches Werk Mainz-Bingen Kaiserstraße 53 06131 2189412 zentrale@diakonie-mainz-bingen.de

Leitung: Georg Steitz 55116 Mainz 06131 1431508

Dekanate: Ingelheim, Mainz, Oppenheim


Bezeichnung Anschrift Tel./Fax E-Mail

Reg. Diakonisches Werk Odenwald Bahnhofstraße 38 06061 9650-0 mail@dw-odw.de

Leitung: Bärbel Simon 64720 Michelstadt 06061 9650-141

Dekanate: Odenwald, Vorderer Odenwald

Reg. Diakonisches Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau An der Winkelsmühle 5 06103 9875-0 mail@diakonie-of.de

Leitung: Henning Merker 63303 Dreieich 06103 987530

Dekanate: Dreieich, Offenbach, Rodgau

Reg. Diakonisches Werk Rhein-Lahn Am alten Rathaus 02603 9623-30 dwbadems@t-online.de

Leitung: Ulrike Bittner-Pommerenke 56130 Bad Ems 02603 962340

Dekanate: Diez, Nassau, St. Goarshausen

Reg. Diakonisches Werk Rheingau-Taunus Gartenfeldstraße 15 06124 7082-0 info@dwrt.de

Leitung: Claudia Kohlhaas 65307 Bad Schwalbach 06124 708260

Dekanate: Bad Schwalbach, Idstein

Reg. Diakonisches Werk Vogelsberg Schlitzer Straße 2 06641 64669-0 Beratungsstelle@diakonie-vogelsberg.de

Leitung: Christa Wachter 36341 Lauterbach 06641 6466929

Dekanate: Alsfeld, Vogelsberg

Reg. Diakonisches Werk im Westerwaldkreis Hergenrother Straße 2a 02663 9430-0 info@diakonie-westerwald.de

Leitung: Wilfried Kehr 56457 Westerburg 02663 943060

Dekanate: Bad Marienberg, Selters

Reg. Diakonisches Werk Wetterau Saarstraße 55 06031 7252-0 info@diakonie-wetterau.de

Leitung: Eckhard Sandrock 61169 Friedberg 06031 7252-202

Dekanate: Büdingen, Nidda, Schotten, Wetterau

(Bad Vilbel, Butzbach, Friedberg)

Reg. Diakonisches Werk Wiesbaden Rheinstraße 65 0611 36091-0 info@diakonisches-werk-wiesbaden.de

Leitung: Gustav Förster 65185 Wiesbaden 0611 3609120

Dekanat: Wiesbaden

Alles auf einen Blick Jahresbericht 2011 83

Reg. Diakonisches Werk Worms-Alzey Seminariumsgasse 4–6 06241 92029-0 DW-Worms@dwwa.de

Leitung: Anne Fennel 67547 Worms 06241 9202911

Dekanate: Alzey, Wöllstein, Worms-Wonnegau


84 Jahresbericht 2011 Alles auf einen Blick

D I A KON I SCH ES W ERK I N H ESSEN U N D NA SSAU

STATI STI K DER MITGLIEDER UND DEREN EINRICHTUNGEN

STAND: DEZEMBER 2010

NACH § 6 DER SATZUNG DES DWHN V OM 19.01.2002

MITGLIEDER

209 * ) Rechtsträger mit 401 Einrichtungen/ambulante Dienste

und 22.238 Betten/Plätzen

13 * ) Vereine für Jugend- und Erwachsenenhilfe/Betreuungsvereine

47 Dekanate der Ev. Kirche in Hessen und Nassau

269 Mitglieder des DWHN

* ) mit insgesamt rd. 17.500 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

EINRICHTUNGEN UND AMBULANTE DIENSTE DER MITGLIEDER

BETTEN/PLÄTZE

KRANKENHILFE 14 Krankenhäuser 2.927

JUGENDHI L F E 31 Stationäre Einrichtungen 1.114

32 Teilstationäre Einrichtungen 1.365

29 Beratungsstellen 125

sowie ambulante Dienste

FAMILIEN H I L F E 4 Stationäre Einrichtungen 275

1 Tageseinrichtung

33 Beratungsstellen 149

sowie ambulante Dienste

ALTENHILF E 93 Vollstationäre Einrichtungen 8.678

incl. Kurzzeitpflege

37 Betreutes Wohnen für Senioren 1.595

und Altenwohnungen

12 Tages- und Nachtpflege- 187

einrichtungen

HOSPIZHIL F E 1 Stationäre Einrichtung 12

10 Ambulante Hospizdienste

BEHINDER T E N H I L F E 26 Stationäre Einrichtungen 2.338

13 Tageseinrichtungen 1.971

9 Beratungsstellen 400

sowie ambulante Dienste

HILFEN FÜ R P E R S O N E N 10 Stationäre Einrichtungen 288

IN BESON D . S O Z I A L E N 4 Tageseinrichtungen 18

SITUATION E N 16 Beratungsstellen 67

sowie ambulante Dienste

AUSBILDU N G 7 Ausbildungsstätten 520

SONSTIGE 3 Tageseinrichtung 40

EINRICHTU N G E N 11 weit. Einrichtungen und Dienste 169

G E S A M T 401 22.238

Folgende ambulante Pflegeeinrichtungen

sind dem DWHN n. §13 Abs.1 Satz 2

Diakoniegesetz angeschlossen 55 Diakoniestationen (46:9) Stand Dez. 2010


DIAKONI SCHES WERK IN HESSEN UND NASSAU ORGANIGRAMM — GESCHÄFTSSTELLE STAND 01.10.2010

Vorstand

Vorstandsvorsitzender

Referentin

Referent

Vorstand

Controlling

Pressesprecherin Sozialrecht

Justitiar

Arbeitsrecht

Recht

Personal, Organisation,

Finanzen

Gesundheit, Alter und Pflege

Öffentlichkeit

Armut und besondere

soziale Schwierigkeiten

Personal und IT

Altenhilfe

Presse und

Öffentlichkeitsarbeit

Sozialpolitik und

Gemeinwesenarbeit

Personalentwicklung

Ambulante pflegerische

Dienste

Öffentlichkeit und

Gemeindediakonie

Gefährdetenhilfe

Wirtschaftliche

Beratung

Innenrevision /

Institutionelle Förderung

Krankenhauswesen/

-recht

Fundraising

Freiwilliges Engagement,

Tafeln, Schuldnerberatung

Neue Medien

Finanzen und

Administration

Bereiche Stab

Alles auf einen Blick Jahresbericht 2011 85

Kinder, Jugend und Familie

Stiftungswesen

Behindertenhilfe,

Sozial psychiatrie und Sucht

Migration und

Interkulturelles

Zusammenleben

Koordination

regionale Diakonische Werke

Behindertenhilfe

Kinder-/Jugendhilfe

Sozialpsychiatrie

Frauen und Familie

Interkulturelles

Zusammenleben

Sucht

Jugendmigrationsdienste

und Schulsozialarbeit

Migration

FSJ /

Freiwillige Dienste


86 Jahresbericht 2011 Impressum

Herausgeber: Diakonisches Werk in Hessen und Nassau e.V.

Ederstraße 12, 60486 Frankfurt am Main

Tel.: 069 7947-0, Fax: 069 7947-310

E-Mail: kontakt@dwhn.de

Internet: www.diakonie-hessen-nassau.de

Konzept:

Redaktion: Gregor Ziorkewicz (verantw.), Kathleen Niepmann

Redaktionelle Mitarbeit: Ruth Asiedu

Bildredaktion: Arno F. Kehrer

Gestaltung/Layout: Piva & Piva — Studio für visuelles Design

Heidelberger Straße 93, 64285 Darmstadt

Tel.: 06151 68508, Fax: 06151 662879

E-Mail: piva.piva@t-online.de

Druck und Versand: Plag gGmbh

Sandweg 3, 34613 Schwalmstadt

Tel.: 06691 1471, Fax: 06691 22266

E-Mail: info@plagdruck.de

Fachkräfte des grafischen Gewerbes leisten zusammen mit

schwerbehinderten Menschen qualifizierte Arbeit

Bildnachweis: © Bernhard Bergmann S. 62, 63

© Niko Blug S. 60

© Diakonie-Stiftung S. 6, 14, 57

© Diakonisches Werk Westerwald S. 15, Rückseite

© DWHN S. 24

© DWKW S. 24

© Alexander Dietz S. 34, 35

© epd-bild S. 35: © Stefan Trappe – epd-bild; S. 36: © Marcus Meyer – epd-bild;

S. 40: © Friedrich Windolf – epd-bild; S. 41: © epd-rps;

S. 47: © Norbert Neetz – epd-bild;

S. 62/63: © Jochen Gunther – epd-bild

© Susanne Esche S. 7, 12

© EKHN S. 28

© EVIM Titel, S. 66, 67

© Fotolia.com S. 7: © simonkr – Fotolia.com; S. 9: © Ramona Heim – Fotolia.com;

S. 10/11: © StefanieB. – Fotolia.com; S. 33: © Zooropa – Fotolia.com;

S. 36: © Peter Atkins – Fotolia.com; S. 37: © Alexey Klementiev –

Fotolia.com; S. 54: © iceteastock – Fotolia;

S. 54/55: © ak123 – Fotolia.com; S. 56: © Gina Sanders – Fotolia.com;

S. 65: © Yuri Arcurs – Fotolia.com

© iStockphoto.com S. 8: © Gene Chutka – iStockphoto.com; S. 9: © ollo – iStockphoto.com;

S. 10: © jozef sedmak – iStockphoto.com; S. 38: © xyno – iStock -

photo.com; S. 59: © Alexander Raths – iStockphoto.com; S. 68: © Bart

Coenders – iStockphoto.com

© Arno F. Kehrer S. 5, 13, 14, 16–23, 38, 42, 52, 53, 64

© Teresa Klinglhöfer S. 46, 52, 64, 72

© Klaus Kordesch S. 45

© Markus Lützenkirchen S. 68

© Claudia Pfannemüller S. 58

© photocase.com S. 27: © time. – photocase.com; S. 30: © stm – photocase.com;

S. 32: © zettberlin – photocase.com

© Privat S. 40, 42, 43, 44, 50, 51, 54, 58, 60, 62, 66, 68, 70

© Ulrike Senft S. 31

© Gregor Ziorkewicz S. 46

Diakonie® ist eine eingetragene und geschützte Wortmarke


Jahresbericht 2011 87


Das Diakonische Werk in Hessen und Nassau dankt für jede Hilfe,

den Spenderinnen und Spendern für jede finanzielle Unterstützung,

es dankt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ehrenamt,

den Menschen, die mit uns denken und mit uns sorgen, für alles

Handeln und Hoffen – von Herzen.

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