MEDIAkompakt 21: Schicksal vs. Zufall

mediapublishing07

DIE ZEITUNG DES STUDIENGANGS MEDIAPUBLISHING

DER HOCHSCHULE DER MEDIEN STUTTGART AUSGABE 01/2017 26.01.2017

media

kompakt

FREMD IM

EIGENEN KÖRPER

SEITE 4 / 5

MEIN ZUFALLSTAG –

EIN SELBSTVERSUCH

SEITE 10

BRETTSPIEL: ORAKEL

DIR DEIN SEMESTER

SEITE 16 /17

SCHICKSAL VS. ZUFALL


2

EDITORIAL

mediakompakt

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

3 Zufall oder Schicksal?

Eine Einführung

4 Fremd im eigenen Körper

Wie aus Carolin Marlon wurde

Schicksal vs. Zufall“, so lautet der Titel der aktuellen MEDIAkompakt-Ausgabe, die von den

Studierenden des Studiengangs MEDIApublishing an der Hochschule der Medien konzipiert,

geschrieben, gestaltet und produziert wurde.

Schicksal und Zufall kann uns in vielfältiger Form begegnen, dabei ist es völlig offen, ob es unser

Leben in positiver oder negativer Weise beeinflusst. Schicksalsschläge, wie beispielsweise die Diagnose

einer Krankheit kann eine neue Perspektive auf die irdische Existenz liefern. Nicht immer ist etwas,

was wir vermeindlich nicht steuern können, aber zu unserem Nachteil. Was passiert eigentlich, wenn

man einen Tag seines Lebens dem Zufall überlässt und über zunächst banale Entscheidungen am

Ende ganz zufällig Menschen trifft und Dinge tut, die man sich zwar schon lange vorgenommen hat,

aber zu denen man sich nie aufraffen konnte?

Ist am Ende gar alles nur ein einfaches kausales Prinzip nachdem auf jede Aktion eine Reaktion

erfolgt?

Auch in dieser Ausgabe gibt es wieder zahlreiche lesenswerte Artikel mit interessanten Einsichten und

Standpunkten. Selbst für Unterhaltung in Form eines Spieles wurde dieses Mal gesorgt und ganz

Mutige können sich sogar am Backen von Glückskeksen ausprobieren.

Wir danken an dieser Stelle unseren Anzeigenpartnern, die uns mit der Schaltung die notwendige

finanzielle Basis für dieses Projektes bereitstellen.

6 Danke, dass ich leben darf

Hilfsorganisationen für den Notfall

8 Multiple Sklerose – Schicksalsjahre einer Krankheit

Das Leben mit der Krankheit

9 Über das Schicksal gestolpert

Vaihingens Stolperstein-Initiative

10 Mein Zufallstag – ein Selbstversuch

Laura lässt sich vom Zufall leiten

12 Der Zufall in der Kunst

Die Ausstellung „[un]erwartet“ in Stuttgart

13 Und dann stürzt alles in sich zusammen

Bestimmen Aktion und Reaktion das Leben?

14 Die Sache mit den Glückskeksen

Der Versuch eines Back-Tutorials

16 Orakel dir dein Semester

Ein Spiel

18 Glück: Do‘s und Don‘ts:

Symbolische Ratschläge für den Alltag

20 Schicksal braucht Zufälle

Eine Kurzgeschichte über die Liebe

Prof. Christof Seeger

Herausgeber

22 Work. Eat. Sleep. Repeat

Das Leben einer Flugbegleiterin

24 Die geheimnisvolle Sehergabe –

oder wann kommt endlich der Weltuntergang?

Von Nostradamus und anderen

26 Die Sucht nach Glück

Die Faszination Glücksspiele

28 Die Entscheidung über ein fremdes Schicksal

Interview mit einer BAMF-Mitarbeiterin

IMPRESSUM

mediakompakt

Zeitung aus dem Studiengang Mediapublishing

Hochschule der Medien Stuttgart

HERAUSGEBER

Prof. Christof Seeger

Studiengang Mediapublishing

Postanschrift: Nobelstraße 10

70569 Stuttgart

REDAKTION

Prof. Christof Seeger (V.I.S.d.P.)

E-Mail: seeger@hdm-stuttgart.de

PROJEKTLEITUNG

Susan Störkle, Nina Henning

ANZEIGENVERKAUF

Julia Kondraeva, Anne Kreuter, Celina Müller, Sina Sikler,

Regina Spangler, Peter Stuhr

PRODUKTION

Andrea Hehn, Lucie Mödl, Diana Riegger

BILDREDAKTION

Felix Möller

GRAFIK TITELSEITE

Unsplash

MEDIANIGHT-TEAM

Kilian Baier, Alina Breunig, Laura Kibele, Miriam

Rentschler, Christina von Roth

DRUCK

Z-Druck Zentrale Zeitungsgesellschaft GmbH & Co. KG

Böblinger Straße 70

71065 Sindelfingen

ERSCHEINUNGSWEISE

Einmal im Semester zur Medianight

30 Das Schicksal der Flüchtlinge –

auch unser eigenes?

Ein Kommentar zum Thema


1/2017 THEMA

3

Zufall oder

Schicksal?

Schicksal – ein Ereignis

oder Erlebnis, das von

höheren Mächten gesteuert

sein soll. Zufall – ein

Ereignis oder Erlebnis,

welches keinen kausalen

Zusammenhang hat.

VON CHRISTINA VON ROTH

Bild: pixabay.de

Dies sind die trockenen Erklärungen,

die uns von Wikipedia gegeben

werden. Hängen diese beiden nun

zusammen? Gibt es das eine und ist

das andere nur Aberglaube? Oder sind

sie gar ein und dasselbe?

Seit Menschengedenken versuchen Gelehrte

diese Fragen zu ergründen. Auch in unserer Zeit

werden Philosophen dieses Themas nicht müde.

Wir wünschen uns bei tiefgreifenden Mo -

menten unseres Lebens, dass es Schicksal ist, dass

eine höhere Macht entschieden hat, dass man

genau an einem bestimmten Abend genau diesen

Bus nimmt und dann die Liebe seines Lebens

trifft. Es klingt romantisch und gibt dem Ganzen

etwas Magisches.

Aber ist es nicht einfach nur Zufall, wenn

man entscheidet, diesen einen Bus zu nehmen?

Was, wenn einem auf dem Weg zur Haltestelle

einfällt, dass man zuhause das Licht angelassen

hat und man wieder zurückgehen muss? Ist man

dann dazu verdammt, diesen einen Menschen

niemals zu treffen?

Die viel wichtigere Frage in dieser Ergründung

ist jedoch: Ist alles vorbestimmt oder steuern wir

unser Leben selbst? Können wir uns zurück -

lehnen und warten bis etwas kommt oder sollen

wir das Schicksal selbst in die Hand nehmen?

Der Autor, Philosoph und Physiker Dr. Stefan

Klein ist genau diesem Thema auf den Grund

gegangen und hat durch aktuelle Forschungs -

ergebnisse den Zufall ergründet.

Laut seiner Theorie ist unser Gehirn darauf

vorprogrammiert, in allem was uns geschieht

einen Sinn zu suchen. Man lernt durch das

Erkennen von Mustern und so suchen wir, in

allem was wir erleben, nach Mustern. Wenn wir

als Säugling kein Muster in den Unterhaltungen

unserer Eltern erkannt hätten, hätten wir niemals

Sprechen gelernt, so Klein.

So erklärt er auch den „durch Gedanken

ausgelösten Anruf der besten Freundin“, an die

man gerade noch gedacht hat – man nimmt

selektiv war. Man denke häufig an diese eine

Person, jedoch klingele nicht gleich jedes Mal das

Telefon – wenn es dann einmal passiert, ziehen

wir gleich den Schluss, dass wir die Freundin dazu

bewegt haben, uns anzurufen.

Damit hätten wir eine sehr logische – wenn

auch etwas zynische – Erklärung für den Zufall

und gegen die Existenz des Schicksals.

Doch was bewegt ganze Glaubensgemein -

schaften seit Jahrhunderten dazu, an göttliche

Vorhersehung oder gar den Einfluss der Gestirne

auf unser Leben zu glauben? Der Glaube an Gott

gibt Menschen eine gewisse Sicherheit und einen

gewissen Halt und bewegt Gläubige folglich

dazu, zu glauben, Gott hätte einen unmittel -

baren Einfluss auf ihr Leben.

Schon in der Mythologie gab es die perso -

nifizierte Macht, sogenannte Schicksalsgott -

heiten, wie z. B. Fortuna (lat. für Glück, Schick -

sal). Diese Gottheiten sollen den Lauf der Welt

beherrscht und jedem Menschen sein Schicksal

gesendet haben.

Das Karma aus dem Hinduismus, Buddhis -

mus oder Jainismus bezeichnet grundsätzlich

nichts anderes als ein spirituelles Konzept, nach

dem jede Handlung eine Folge hat.

Eine andere Art des Schicksals wird durch das

Lesen der Gestirne beschrieben. Hier können

Astrologen anhand der Gestirnskonstellation am

Tag der Geburt eines Menschen dessen Charakter

zeichnen. Handlungen und Entscheidungen

seien durch die Sterne vorgesehen und nicht

beeinflussbar. Natürlich kann man das Leben

dadurch nicht genau voraussagen, aber es

werden einem Möglichkeiten aufgezeigt, die

man nützen könnte. Dies, beschreibt Stefan

Klein in seinem Buch „Alles Zufall“, könne man

mit dem Zufall auch. Denn durch Zufälle werden

einem immer wieder neue Chancen und

Möglichkeiten geboten, man müsse nur lernen

auf sie zu achten und sie auch zu nutzen.

Wie sieht nun das Meinungsbild im Land

aus? In einer aktuellen Umfrage von Shell, in der

rund 2.500 Personen zwischen 12 und 25 Jahren

befragt wurden, beantworteten 52,6% die Frage

„Glauben Sie, dass Schicksal und Vorbestim -

mung Einfluss auf Ihr Leben haben?“ mit „Nein“.

Somit haben aber auch 45,8% mit Ja geant -

wortet.

Die Einstellung, dass irgendetwas unser

Leben in irgendeiner Form beeinflusst, ist also

sehr weit verbreitet. So hat man eine angenehme

Ausrede und kann sein Unglück auf höhere

Mächte schieben.

In einer weiteren Umfrage von Shell ist etwas

mehr ins Detail gegangen worden, um genau

herauszufinden, an welche Art von höheren

Mächten nun geglaubt wird.

„Welche Dinge, glauben Sie, haben Einfluss

auf Ihr Leben?“ – 46% setzten ihr Kreuzchen bei

Schicksal und Vorbestimmung, 23,8% bei Engel

und gute Geister, 22,3% bei Sterne und

Konstellationen und 15,6% bei unerklärliche

Phänomene. Dies sind alles noch erwartbare

Antworten. Jedoch kreuzten ganze 8,8% Satan

und böse Geister und 7% Ufos oder Außer -

irdische an.

Dieser Artikel hat versucht, einen allge -

meinen Überblick zu geben, jedoch konnte man

nicht auf alle zu Beginn gestellte Fragen

Antworten bieten. Es ist, wie vieles im Leben,

eine Glaubensfrage. Die Wissenschaftler pochen

auf ihre Forschungsergebnisse, Astrologen ste -

hen fest hinter ihrer Deutung der Gestirne und

Christen, Hindus, Buddhisten oder Ufo-Gläubige

halten fest an ihrer höheren Macht.

Was sie jedoch alle gemein haben ist, dass wir

Menschen in allem, was wir erleben, einen

höheren Sinn suchen. Wie Stefan Klein sagt,

„sind wir dazu programmiert, ein Muster in

allem zu erkennen.“ Aus diesem Muster schließt

jeder Mensch für sich allein ob es Schicksal oder

Zufall ist.


Bild: pixabay.de


1/2017 AUS DEM LEBEN

5

Fremd im

eigenen Körper

Marlon* ist 25 – Groß, muskulös, mit Dreitagebart. Er ist so

glücklich und zufrieden wie noch nie zuvor. Doch das war nicht

immer so, denn Marlon wurde als Mädchen geboren. Sein

junges Leben ist gezeichnet von Verwirrung, Verzweiflung und

Ausgrenzung. Erst ein Selbstmordversuch bringt ihn an den

Wendepunkt seines Lebens. Er entscheidet sich zu einer

Geschlechtsumwandlung.

VON MIRIAM RENTSCHLER

Marlon blickt in die Ferne. Er schätzt

sein Motiv ab, geht in die Hocke

und legt die Spiegelreflexkamera

an. Ein Auge ist zugekniffen, das

andere blickt konzentriert durch

den Sucher. Mit gekonnten Handbewegungen

fokussiert er sein Motiv – er drückt ab.

Fotografieren ist Marlons große Leidenschaft.

„Die Welt steht in Bildern still. Eine Aufnahme

nur für diesen einen Moment“, erklärt Marlon. Er

wirkt selbstbewusst. Sneakers, hochgekrempelte

Jeans, Kapuzenpullover und Basecap. Ein ganz

normaler junger Mann eben. Bis auf die Tatsache,

dass Marlon noch vor zwei Jahren Carolin hieß.

„Im Kopf bin ich ein Junge, aber stecke im Körper eines

Mädchens.“

Heute steht Marlon in seinem Personal -

ausweis. Geschlecht: männlich. Doch die Än -

derung seines Vornamens war nur eine von vielen

Etappen die er, auf seinem Weg ein Mann zu

werden, gehen musste. Schon als Kind fühlte sich

Marlon nie als Mädchen. Zusammen mit seinen

Eltern und seinem großen Bruder wuchs er in

behüteten Verhältnissen auf. Die Spielsachen

seines Bruders waren immer viel interessanter als

die typischen Mädchen-Geschenke die er

bekommen hat. Anstatt geflochtenen Zöpfen,

lieber eine Kurzhaarfrisur. Anstatt Kleider, lieber

eine zerrissene Jeans. „Meine Eltern dachten, dass

ich nur eine Phase durchmache und meinem

großen Bruder hinterhereifere. Doch ich wusste

genau: Im Kopf bin ich ein Junge, aber stecke im

Körper eines Mädchens“, erinnert sich Marlon.

„In der Grundschule hatte ich viele Freunde,

hauptsächlich Jungs. Sobald ich aber auf die

weiterführende Schule ging und die Pubertät

einsetzte, ging es nur noch bergab.“

Mit der Pubertät veränderte sich Marlons

Körper in den einer Frau und er konnte nur hilflos

dabei zusehen. Er ekelte sich vor sich selbst. Band

sich seine Brüste mit Mullbinden ab, trug stets

lockere Kleidung und verschloss sich in seiner

eigenen Welt. Das Mobbing machte es nicht

besser, „Scheiß Lesbe“ oder „Zwitter“ waren noch

die freundlichsten Beleidigungen, die er über sich

ergehen lassen musste.

„Ich wünschte mir einfach nur zu sterben, um als Junge

wiedergeboren zu werden.“

Doch Marlon ist bei weitem kein Einzelfall. In

Deutschland leben rund 17.000 transsexuelle

Menschen mit diesem Schicksal. Ein Schicksal das

ihnen nicht im Laufe ihres Lebens widerfährt; ein

Schicksal mit welchem sie geboren werden. Viele

schämen sich dafür, kennen ihre Rolle in der

Gesellschaft nicht und haben Angst deswegen

verstoßen zu werden. So auch Marlon. Mit 20 will

er sich das Leben nehmen und verletzt sich selbst

schwer an seinen Pulsadern. Doch er überlebt.

„Ich kann und möchte darüber nicht sprechen, zu

diesem Zeitpunkt war ich am Tiefpunkt meines

Lebens. Ich wünschte mir einfach nur zu sterben

um als Junge wiedergeboren zu werden“, erzählt

Marlon traurig. Doch genau dieser Tag wurde zum

Wendepunkt in seinem Leben. Mit dem Selbstmordversuch

wird Marlon in eine psychiatrische

Klinik eingewiesen und vertraut sich Psychologen

und Ärzten an. Erst jetzt wird er ernst genommen

und fühlt sich verstanden. „Für meine Eltern war

es schwer. Mein Vater wollte seine Tochter nicht

verlieren. Ich musste ihm erklären, dass er nie eine

Tochter hatte.“ Doch sie stehen hinter Marlon,

geben ihm den Beistand und die Unterstützung

die ihm immer gefehlt hat.

Die erste Testosteronspritze war der Start in ein neues

Leben

Zwei Jahre verbringt Marlon in der psychiatrischen

Einrichtung, wird psychologisch betreut

und beginnt mit der Hormontherapie in Form

von Testosteronspritzen. „Ich kann mich noch gut

an die erste Injektion erinnern, das war der Start in

mein neues Leben. Einem Leben als Mann.“ In

den darauffolgenden Monaten verändert sich

sein Körper stetig. Nicht nur die zunehmende

Muskulatur freut Marlon, vor allem die ersten

Bartstoppeln am Kinn waren ein besonderes Highlight

für ihn. An seine tiefe Stimme musste er sich

selbst erst einmal gewöhnen. „Mit 21 in die Pubertät

zu kommen hat doch auch was. Und dieses

mal in die richtige Pubertät“, sagt Marlon grinsend

und fährt sich stolz durch seinen Bart. Erst

vor einem halben Jahr hat er sich in einer Operation

die Brüste entfernen lassen. Allein für diesen

Eingriff sind vier psychologische Gutachten notwendig.

Die Tage im Krankenhaus beschreibt er

als einen weiteren Meilenstein auf seinem Weg

zum Mann. Er sei überglücklich gewesen als er aus

der Narkose aufgewacht ist, die Schmerzen habe er

ohne Murren hingenommen.

Marlons Familie und die Menschen in seiner

Umgebung haben seine äußerliche Veränderung

mit Toleranz und Respekt aufgenommen, sie

sehen in ihm einen ganz anderen Menschen,

obwohl er ein und dieselbe Person ist. Aber nicht

nur die äußerliche Veränderung, auch die seelische

Veränderung macht aus Marlon eine neue

Persönlichkeit. Er beschreibt sich heute als selbstbewusst,

lebensfroh und spontan. Er macht eine

Ausbildung zum Fotografen, er ist sportlich und

trainiert im Fitnessstudio, er trifft sich mit Freunden

und geht auf Partys. „Carolin wird natürlich

immer Teil meines Lebens sein und auch bleiben.

Aber ich blicke jetzt nach vorne, denn ich habe

meinen Lebenswillen zurück.“

Für die geschlechtsangleichende Operation

möchte sich Marlon jedoch noch etwas Zeit nehmen,

denn er hat großen Respekt vor diesem Eingriff.

„Der Tag wird kommen, auf jeden Fall“,

grinst er verlegen. „Aber für den Moment bin

einfach nur stolz, dass ich es bis hierhin geschafft

habe. Jetzt bin ich glücklich!“

* Name durch Redaktion geändert


6 AUS DEM LEBEN

mediakompakt

Bild: flickr.com

Danke, dass ich leben darf

Krebs zählt zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland – jeden Zweiten trifft es einmal im

Laufe des Lebens. Nach Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems ist Krebs die zweithäufigste

Todesursache. Wie es sich anfühlt Betroffener zu sein ist nur schwer vorstellbar. Doch wie

reagiert man tatsächlich wenn, man von dem Arzt die Diagnose Krebs gestellt bekommt?

VON ALINA BREUNIG

Zahl der Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland

gestiegen

Wie aus dem „Bericht zum Krebsgeschehen in

Deutschland“ vom Robert-Koch-Institut hervorgeht,

hat sich die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen

in Deutschland seit 1970 fast verdoppelt.

So erkrankten im Jahr 2013 in etwa 482.500 Menschen

an bösartigen Tumoren, im selben Jahr

starben ca. 223.000 Menschen an den Folgen von

Krebs. Nach der Bilanz des Bundesgesundheitsministers

Hermann Gröhe leben Betroffene nach

der Diagnose aber deutlich länger als noch vor

zehn Jahren: „Die Überlebensraten in Deutschland

gehören zu den höchsten in Europa.“ Die Zunahme

der Erkrankungen wird begründet durch die

immer älter werdende Gesellschaft, denn bei

vielen Krebsarten steigt das Erkrankungsrisiko mit

dem Alter.

Der Sturz aus der Wirklichkeit

Die Diagnose Krebs ist ein Schock. Der

darauffolgende Kampf gegen die Krankheit ist oft

nicht nur eine körperliche, sondern vor allem

auch eine psychische Belastung. Sehr häufig

zeigen sich die Betroffenen geschockt, sind

fassungslos und ungläubig. In der Psychoonkologie

spricht man von dem „Sturz aus der Wirklichkeit“.

Noch während des Gesprächs mit dem

Arzt schalten viele Patienten deshalb einfach ab

und bekommen die weiteren Therapiemöglichkeiten

und Untersuchungen gar nicht mehr mit.

Nach dem ersten traumatischen Entsetzen funktionieren

die meisten Betroffenen erst einmal: Sie

nehmen regelmäßig ihre Arzttermine wahr, lassen

sich operieren, unterziehen sich der Chemotherapie.

Es läuft eine Art Notfallprogramm ab,

das auf das Überleben ausgerichtet ist. Die Seele

versteckt sich im Grunde erst einmal. Dann ist es

aber wichtig, wieder auf die Beine zu kommen. Es

geht darum, auf andere Gedanken zu kommen,

sich abzulenken, Ängste einzugrenzen. Denn eine

positive Einstellung begünstigt, gerade wenn Betroffene

sehr krank sind, immer die Lebenskraft.

Auch wenn die innere Einstellung eine Krebserkrankung

leider nicht heilen kann. Wer es schafft,

trotz des Schicksalsschlags auf die eigenen Kräfte

und Erfahrungen zu vertrauen, hat schon viel für

sich erreicht. Es ist deshalb wichtig sich nicht zurückzuziehen,

sondern den Kontakt zu Bekannten

und Freunden aufrechtzuerhalten; aktiv auf die

Ärzte zuzugehen um offene Fragen zu klären; nicht

nachzulassen und seine Hoffnung nie aufzugeben;

durch die Erkrankung nicht den Lebenswillen zu

verlieren, sondern sein Schicksal selbst in die

Hand nehmen.

Ich bin krank und brauche deine Hilfe

„Krebs ist ein Arschloch. Und dieses Arschloch

hat heute bei mir angeklopft. Und weil Arschlöcher

meistens nicht alleine kommen, brauche

ich deine Hilfe.“ Mit diesen Worten beginnt

Claudius Holler sein YouTube Video, das er am

Tag nach seiner Krebs-Diagnose online stellte.

Durch diesen öffentlichen Hilferuf versucht der

38-jährige wieder auf die Beine zu kommen und

sich nicht vom Schicksal fremdbestimmen zu

lassen. Das Video verbreitete sich schnell über

die verschiedenen sozialen Netzwerke. Zahlreiche

User solidarisieren sich unter dem Hashtag


1/2017 AUS DEM LEBEN

7

#hollerkaputt mit ihm, schickten ihm Wünsche

zur Genesung und unterstützen ihn in Form von

Spenden. Mit so viel Anteilnahme hat selbst

Holler nicht gerechnet und zeigt sich auf Twitter

sehr berührt von der Hilfsbereitschaft der Menschen.

Claudius Holler ist kein Einzelfall. Immer

häufiger werden die Betroffenen und deren

Angehörige selbst aktiv und rufen in den sozialen

Netzwerken dazu auf, sie im Kampf gegen den

Krebs zu unterstützen. Crowdfunding bietet ihnen

eine gute Möglichkeit, die hohen Arzt- und Behandlungskosten

zu bezahlen – Crowdfunding für

Kranke sozusagen. Bisher wurden vor allem Filmprojekte,

Alben oder Theaterstücke so finanziert.

Jetzt bitten die Patienten selbst um Hilfe für Operationen,

Medikamente, Therapien oder suchen

nach passenden Spendern. Dadurch wird das Spenden

persönlich. Denn über die vielen Möglichkeiten

die das Internet bietet, können Kranke,

deren Familien, Freunde oder Bekannte die ganze

Welt erreichen. Nicht selten zeigen sich Personen

des öffentlichen Lebens, wie zum Beispiel

YouTuber, von den Schicksalsschlägen ergriffen

und nutzen ihre Reichweite, um Geld für die

Betroffenen zu sammeln oder potenzielle Spender

zu erreichen. Die Resonanz ist erstaunlich: Fremde

Menschen sind berührt von den Schicksalen der

Patienten und unterstützen diese und ihre

Familien. So können ganze Therapien finanziert,

oder Organ-/Stammzellspender gefunden werden.

Immer mehr Menschen entschließen sich im

Laufe des Lebens dazu, sich einen Organspende-

Ausweis zuzulegen. Laut einer Statista-Umfrage

aus dem Jahr 2016 sind 71 Prozent der Befragten

mit einer postmortalen Organtransplantation

einverstanden. Mit einem solchen Ausweis kann

jeder Mensch festlegen, ob und welche Organe

nach dem Tod entnommen und gespendet werden

Die deutsche Krebshilfe:

Helfen. Forschen. Informieren.

Gründung: 1974 von Dr. Mildred Scheel

Ziel: Förderung von Projekten zur Ver- besserung der

Prävention, Früherkennung, Diagnose, Therapie,

medizinischen Nachsorge und psychosozialen Ver-

sorgung einschließlich der Krebs- Selbsthilfe

Wie kann ich helfen? Durch Einzelspenden oder

regelmäßige Spenden, Benefizaktionen Weitere

Infos: https://www.krebshilfe.de

DKMS: Wir besiegen Blutkreb

Gründung: 1991

Ziel: Finden von passenden Spendern für Blutkrebs-

patienten, Ermöglichung von Therapien, Unters-

tützung der Weiterentwicklung von Therapien gegen

Blutkrebs

Meilensteine: 6.893.792 Registrierungen weltweit,

60.024 Stammzellspenden für Patienten

dürfen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten

Betroffene und deren Familien zu unterstützen.

Viele Organisationen und Vereine setzen

sich mit viel Engagement gegen Krebs und andere

schwerwiegende Krankheiten ein, um dagegen

vorzugehen und die Zahl der Todesfälle nicht

weiter steigen zu lassen. Im Infokasten werden die

größten Hilfsorganisationen vorgestellt.

Hilfsorganisationen: Die wichtigsten Eckdaten

Wie kann ich helfen? Sich typisieren lassen und

entweder Blut oder Stammzellen spenden, durch

Geldspenden

Weitere Infos : https://www.dkms.de/de

Organspende: Die Entscheidung zählt!

Gründung: 1963

Ziel: Wartezeiten für benötigte Organe verkürzen,

Menschen darauf aufmerksam machen wie

wichtig es ist sich frühzeitig Gedanken über

Organtransplan- tationen zu machen und

diese festzuhalten, sodass im Todesfall

schnellstmöglich gehandelt werden kann

Meilensteine: Bisher wurden 124.269 Organe

(inkl. Lebend- und Dominospenden) transplantiert

Wie kann ich helfen? Sich einen Organspende-

Ausweis zulegen und angeben ob man Organe

spenden möchte und wenn ja welche?

Weitere Infos: https://www.organspende-info.de

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8

AUS DEM LEBEN

mediakompakt

Multiple Sklerose –

Schicksalsjahre einer Krankheit

Immer häufiger liest man von der Krankheit Multiple Sklerose. Aber was ist das für eine

Krankheit und wie geht man mit ihr um?

VON PETER STUHR

Mein Bruder und ich spielten auf dem

Spielplatz und warteten darauf, dass

unsere Mutter uns abholt. Sie kam

in Begleitung von einem befreun -

deten Pastor zu uns und sie unter -

hielten sich über die Krankheit Multiple Sklerose

und dass es Selbsthilfegruppen gäbe und dass das

Leben weitergehe. Uns wurde erzählt, dass Papa an

MS leidet und man es zum Glück diagnostizieren

konnte, denn man kann gegen die Krankheit

Medikamente nehmen und auch damit leben.

Wir hatten damals keine Vorstellung von

dieser Krankheit und wussten nicht was eigentlich

los war und was es bedeutet, die Diagnose MS zu

bekommen. Wir fuhren mit unserer Mutter im

Auto nach Hause. Papa war schon mit dem

Fahrrad vorgefahren und wir hatten ihn seit der

Diagnose noch nicht wieder gesehen. Als wir

zuhause ankamen, saß mein Vater auf der Bank

vor dem Haus, mit einem Bier in der Hand und

gedankenversunken ins Leere schauend. In der

Familie von meinem Vater gab es schon einmal

einen Onkel, der die Diagnose MS bekommen hat.

Vor ca. 70 Jahren, ein Tischler. Noch in derselben

Woche hat er sich erhängt.

Wie reagiert man, wenn man von so einem

Schicksalsschlag erfährt und die einzige Erfahrung

mit der Krankheit in einem Selbstmord geendet

ist? Mein Vater hat sein Leben umgekrempelt. Er

hat mit dem Rauchen aufgehört, angefangen

regelmäßig Sport zu betreiben und sich über

Multiple Sklerose informiert. Eine Nerven krank -

heit, die im ersten Moment nicht sichtbar ist, aber

sichtbar wird, wenn man weiß worauf man achten

muss. Die Krankheit ist nicht heilbar, kann jedoch

mit Hilfe von Medikamenten und anderen

Maßnahmen, wie zum Beispiel Therapien, günstig

beeinflusst werden. Die Krankheit befällt das zen -

trale Nervensystem und kann die verschiedensten

Symptome hervorrufen. Sie kann zum Beispiel

Muskelschwäche oder Lähmungen, eine Mind -

erung der Sehschärfe, eine krampfhafte Erhöhung

der Muskelspannung, sowie Gefühlsstörungen

oder Missempfindungen hervorrufen. Der Krank -

heitsverlauf ist nicht vorhersehbar und verläuft

häufig schubweise. Das bedeutet, dass es zu einem

bestimmten Zeitpunkt massive Beeinträchtigun -

gen geben kann. Diese Beeinträchtigungen kön -

nen aber wieder im Laufe der Zeit oder Therapien

ver schwinden. Manchmal vollständig, manchmal

aber nur teilweise.

Aber nicht nur an der Krankheit leidet der

MS-Patient, auch die Behandlung mit Medika -

menten ist noch nicht sehr weit erforscht und es

gibt viele Varianten an MS, sodass es auch hier zu

Problemen kommen kann. Mit der Zeit lernt man

mit der Krankheit zu leben, als einzelne Person,

aber auch als Familie, auch wenn es nicht immer

ganz einfach ist. Wie lange mein Vater die

Krankheit wirklich hat lässt sich nicht feststellen,

aber sie wurde vor ca. 15 Jahren diagnostiziert.

Seitdem kommt es immer wieder zu kleineren

Schüben, aber die MS-Variante an der mein Vater

leidet, ist zum Glück noch eine der harmloseren

Formen von MS. Die Nervenkrankheit wirkt sich

überwiegend auf die Hände und Füße aus. So

kommt vor, dass er Gegenstände fallen lässt und

oftmals Taubheitsgefühle in Hän den und Füßen

hat. Gerade beim Essen kann es sehr nervig sein,

wenn die Gabel aus keinem ersicht lichen Grund

aus der Hand fällt und sicherlich ist auch schon

die eine oder andere Tasse zersprung en.

Bild: Peter Stuhr

Aber im Großen und Ganzen ist der Alltag mit

einigen Einschränkungen durchaus machbar. Al -

lerdings gibt es noch weitere Probleme, wie zum

Beispiel mit dem Gleichgewicht. So fällt es ihm

schwer, beim Sport Dehnübungen auf einem Bein

zu machen und das Motorrad fahren musste er

auch aufgeben. Das Gleichgewichtsproblem lässt

sich aber trainieren und durch Sport und häufiges

Fahrrad fahren ist es auch zu bewältigen.

Von allen Formen der MS haben wir wohl

noch am meisten Glück gehabt, aber zu Beginn

überwiegt die Ungewissheit wie stark die MS

wirklich ist und welche Formen sie annehmen

kann und wird.

In letzter Zeit leidet aber die Ausdauer. So ist er

zu erschöpft um wirklich Sport zu treiben und nur

ein kleiner Spaziergang fällt ihm schon unheim -

lich schwer. Aber auch das wird sich wieder legen.

Mit etwas Disziplin und Training kommt auch das

wieder zurück und ich kann wieder mit meinem

Vater eine ruhige Joggingtour starten.


1/2017 AUS DEM LEBEN

9

Über das

Schicksal

gestolpert

Bild: Andrea Hehn

Die ersten Steine Vaihingens

„Die Würde des Menschen ist

unantastbar. Sie zu achten

und zu schützen ist

Verpflichtung aller staatlichen

Gewalt“(Art. 1 GG). Die

Stolpersteine erinnern an

Menschen deren Würde von

staatlicher Gewalt Verfolgung,

Unterdrückung und Leid

erfahren haben.

VON ANDREA HEHN

Jeder Mensch hat seine Geschichte. Einige

Geschichten werden erzählt und überdauern

Jahrzehnte und Jahrhunderte – die meisten

aber geraten in Vergessenheit. Allerdings

gibt es Geschichten, die nicht in Vergessenheit

geraten dürften. Geschichten hinter denen

Schicksale stehen, die es wert sind beachtet und in

Ehren gehalten zu werden. Dazu zählen Menschen,

die es gewagt haben in der dunkelsten Stunde des

20. Jahrhunderts für ihre Überzeugung und für die

Menschlichkeit einzusetzen. Dazu zählen Menschen

die ihr Leben riskierten, weil sie zur falschen Zeit

am falschen Ort das Richtige zu sagen wagten und

dazu gehören Menschen, die von einer herrschenden

Gruppe unterdrückt wurden. Dass diese

Menschen und ihre Schicksale nicht vergessen

werden, dazu leistet die Initiative Stolpersteine

einen wichtigen Beitrag.

Schon über 500 Stolpersteine wurden allein in

Stuttgart verlegt, weltweit über 50.000. Unter

anderem in Österreich, den Niederlanden, Polen,

Tschechien und Ungarn findet der aufmerksame

Zu-Fuß-Geher die ca. 10 x 10 cm großen Messingplatten

auf seinem Weg eingelassen. Die Stolpersteine

gibt es bereits seit 1992 als der Berliner

Künstler Gunter Demnig das Projekt zum

50. Jahrestag des Ausschwitz-Erlasses (Heinrich

Himmler befiehlt Deportation von Sinti und

Roma) startete. Heute sind die Stolpersteine als

Marke patentrechtlich geschützt.

In Stuttgart gibt es auf unterschiedliche

Stadtteile verteilt 15 Initiativen, wie mir Karl-

Horst Marquart und Harald Habich von der

Vaihinger Stolpersteininitiative erzählen. Jede

dieser Gruppen trifft sich regelmäßig, die daraus

resultierenden Vorschläge für neue Stolpersteine

in Vaihingen, Rohr und Dürrlewang werden bei

den zwei Mal jährlich stattfindenden Gesamttreffen

aller 15 Initiativen vorgestellt. Unter allen

eingebrachten Vorschlägen einigt man sich auf

zwei Schicksalsträger, die einen Gedenkstein

bekommen sollen und im nächsten Schritt

bekommt Gunter Demnig Bescheid, der die Steine

selbst verlegt.

Der erste Stuttgarter Stein wurde kurz nach der

Jahrtausendwende verlegt, 2002/2003. Die Stadt,

in Person des damaligen Oberbürgermeister

Schusters, unterstützte das Projekt von Anfang an

berichten Marquart und Habich. Selbstverständlich

ist dies nicht, in München beispielsweise sind

die Stolpersteine verboten. Die ersten beiden

Steine in Vaihingen wurde im November 2006 in

der Hauptstraße vor dem Gebäude der deutschen

Bank gelegt. Die Bank hat das Projekt unterstützt,

auch finanziell. Die Steine erinnern an das

Ehepaar Franz und Henriette Fried. Franz Fried

war Bankvorsteher, bevor er als Jude seine Arbeit

nicht weiter ausführen konnte und die Frieds

1941 von den Nationalsozialisten nach Riga

deportiert und ermordet wurden. Über die Frieds

wurde viel Positives berichtet, sie waren in

Vaihingen angesehene Leute. Ihre Stolpersteine

setzen ein Zeichen der Erinnerung für die von den

Nationalsozialisten ermordeten Vaihinger Bürger.

Aber wie kommen die Initiativen um Marquart

und Habich an die jeweiligen Informationen zu

den einzelnen Schicksalsträgern? Dahinter steckt

viel Archivarbeit, Mund-zu-Mund-Propaganda

und eine Portion Glück und Zufall. Da gibt es

ältere Vaihinger, die sich noch erinnern, wenn es

aus datenschutzrechtlichen Gründen schwierig

wird Verwandte und Angehörige zu ermitteln.

Durch diese entsteht dann wie im Falle der Frieds

vielleicht ein Kontakt zu direkten Verwandten in

Australien und über Australien zu einem Onkel

nach England. Dieser Onkel war bei der Verlegung

in Vaihingen dann tatsächlich dabei.

Während in den Anfängen der Stolperstein-

Initiativen jüdischen Mitbürgern gedacht wurde,

die zum Opfer der Nationalsozialisten wurden, ist

die Auswahl heute nicht mehr darauf beschränkt.

Unter den 16 Vaihinger Steinen gibt es vergleichsweise

viele Opfergruppen. Erst im Herbst

2016 wurde ein Stein für Nikolaus Tschermuk

verlegt, einem russischen Zwangsarbeiter, der sich

im Alter von 19 Jahren das Leben nahm. Und

Euthanasieopfer, wie Johan Uebler, der 21-jährig

in eine Heilanstalt eingewiesen wurde, da er die

traumatisierenden Erlebnisse des 1. Weltkriegs

nicht verarbeiten konnte, und im Alter von 43

Jahren von den Nationalsozialisten ermordet

wurde. Oder dem Mahnmal für Gerhard Durner,

der im Alter von 6 Jahren wegen seiner

Behinderung ermordet wurde. Dies war

stuttgartweit der erste Stein für ein Opfer der

Kindereuthanasie.

Über das Thema Kindereuthanasie kam

Habich zur Initiative der Stolpersteine. Durch

seine Arbeit im sozialen Bereich, sowie durch

seinen behinderten Sohn, hat ihn seine persönliche

Betroffenheit sich intensiver mit dem Thema

beschäftigen lassen. Das Unverständnis über die

Taten von damals ist jedoch nie ganz gewichen.

Wie könnte es auch.

Marquart hingegen kam durch seine Arbeit im

Gesundheitsamt zu den Stolpersteinen. Als das

Amt umzog und unter anderem eine falsche Darstellung

der Geschichte kommuniziert wurde,

begann er sich intensiver mit alten Akten und

Schicksalen zu beschäftigen.

Wie die Zukunft der Stolperstein Initiative

aussieht, ist ungewiss. Der feste Kern der Vaihinger

Gruppe besteht aus fünf Mitgliedern. Quer

durch die Initiativen liegt das Durch- schnittsalter

über 70 Jahre. Zudem werden die Zeitzeugen, die

einen wesentlichen Teil der Rekonstruktion ausmachen,

rarer.

Abschließend darf ich mir einen persönlichen

Kommentar erlauben: Hoffentlich findet

die Stolperstein-Initiative einen guten Weg in die

Zukunft. Damit wir Menschen nicht vergessen.

Denn wie Theodor Heuss einst sagte: „Vergessen

ist Gefahr und Gnade zugleich“.

Stolpersteine in Stuttgart Vaihingen

Bachstr. 22 für Wilhelm Merk

Büsnauer Str. 260 für Friederike Reinhardt

Dachswaldweg 178 für Johann Uebler

Ernst-Kachel-Str. 48 für Fritz Schäfer

Goldregenweg 41 für Gerhard Durner

Hauptstr. 11 für Franz Fried

Hauptstr. 11 für Henriette Fried

Katzenbachstr. 50 für Robert Rebmann

Keltenberg 10/1 für Gottlob Häberle

Peterstr. 24 für Christian Elsässer

Reginenstr. 18 für Reinhold Bürkle

Schockenriedstr. 11 für Eugen Banz

Schockenriedstr. 20 für Nikolaus Tschermuk

Schockenriedstr. 1–11 für Katharina Karanowa

Vaihinger Markt 12 für August Leitz


10 AUS DEM LEBEN

mediakompakt

Mein Zufallstag –

ein Selbstversuch

Wir neigen dazu, in unserem Leben nichts dem Zufall zu

überlassen. Aber verbauen wir uns so die Möglichkeit Großes

zu erleben? Die Dinge auf sich zukommen lassen, den

Augenblick leben – viele von uns sind gefangen im Trott des

Alltags. Um genau dem entgegenzuwirken, beschloss ich,

einen Tag den Zufall (oder doch das Schicksal?) über mein

Leben regieren zu lassen.

VON LAURA KIBELE

Natürlich standen an dem von mir

auserkorenen Tag keine lebensver -

ändernden Entscheidungen an. Ich

bin ja nicht bescheuert. Trotzdem war

ich etwas angespannt, denn am Ende

sollte ja ein halbwegs unterhaltsamer Artikel

herausspringen. Unterstützung bei meinem Vor -

haben erhielt ich von meiner Freundin Regina.

Schon von Anfang an war klar: Entweder wird das

richtig super oder eben super langweilig. Um

wenigstens eine Sache, nämlich den Spaßfaktor,

nicht dem Zufall zu überlassen, beschlossen wir,

dass eine Flasche Sekt für unser Projekt durchaus

förderlich wäre. So gestärkt konnte es dann los

gehen. Ausgestattet mit einer Münze, Zetteln und

einem Stift machten wir uns auf in die Stadt.

Einfache Ja-Nein-Entscheidungen sollten mithilfe

der Münze getroffen werden, die Zettel und der

Stift kamen zum Einsatz, wenn mehrere Optionen

zur Wahl standen.

Wie es der Zufall wollte, fand in der Innenstadt

gerade der Weihnachtsmarkt statt und der erste

Münzwurf bestätigte, dass es um 11 Uhr morgens

definitiv Zeit für einen Glühwein war. Und dann

noch einen. Nach zwei Glühwein knurrte dann

auch schon der Magen. Wir standen vor ein

Problem das jeder kennt: Man ist gefühlt am

Verhungern, kann sich aber nicht entscheiden.

Bild: Laura Kibele


1/2017 AUS DEM LEBEN

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abcdefghijklmnopqrstuvwxyz1234567890

11

Bild: Laura Kibele

Bild: Laura Kibele

Oder man ist in einer Gruppe unterwegs und jeder

möchte etwas Anderes essen. Schwierigkeiten

dieser Art kamen im Zuge des Experimentes nicht

auf. Auf mehrere Zettel schrieben wir, was an den

umliegenden Ständen angeboten wurde, und

losten dann unser Mittagessen aus.

Die zufällige Wahl fiel auf Lángos: in fett aus -

gebackene Hefeteig-Fladen. Die sind zwar nicht

gerade kalorienarm, dafür aber sehr lecker. Ich war

zufrieden mit der Wahl. Und wir stellten fest, wie

angenehm es war, sich nicht mit solchen Kleinig -

keiten aufzuhalten. Da wir aber nicht den ganzen

Tag auf dem Weihnachtsmarkt verbringen und

abwechselnd Glühwein trinken und fettige Snacks

essen konnten (Wieso eigentlich nicht?), war es

an der Zeit, unsere nächste Aktivität zu planen.

Aber vorher mussten wir dringend eine Toilette

aufsuchen.

Auf dem Weg zum stillen Örtchen kamen wir

an einem Shop für Partyzubehör vorbei, in dem

auch Helium-Luftballons verkauft wurden. Wie so

ziemlich jeder wollte auch ich als Kind immer

einen Helium-Luftballon besitzen, und natürlich

haben meine Eltern mir nie einen gekauft. Auch

Regina war von den süßen Hündchen und Ren -

tieren ganz angetan. Ob das an den nost algischen

Gefühlen, welche die luftigen Tierchen in uns

weckten, oder dem Glühwein lag, lässt sich im

Nachhinein nicht mehr zweifelsfrei bestimmen.

Die Münze entschied, dass wir uns definitiv eines

dieser Ballon-Tiere zulegen sollten, und mit Hilfe

unseres ausgeklügelten Zettel-Systems fiel die

Wahl auf ein Rentier, das wir kurzerhand „Carlos“

tauften. Mit Carlos im Schlepptau setzten wir

unseren Weg fort. Ob die Leute, die uns auf dem

Weg begegneten mit oder über uns lachten, ließen

wir links liegen. Regina und ich waren auf jeden

Fall sehr glücklich über unseren Kauf. Mein Konto

eher weniger. Ganze 13 Euro für einen Ballon ...

Nach dem Toiletten-Pitstop ging es für uns

weiter zur Buchhandlung Wittwer. Unser Plan

war, in einem der vielen Stuttgart-Reiseführer

unsere nächste Aktivität auszuwählen. Also

schlugen wir eine zufällige Seite auf und landeten

bei einem Eintrag zum Schlosspark. Ich muss

sagen, etwas enttäuscht waren wir durchaus.

Besonders spannend war das ja nicht.

Rückblickend betrachtet, muss es aber

Schicksal gewesen sein. Denn als wir auf einer

Parkbank im Schlosspark in der Sonne ent -

spannten und uns Gedanken über die nächsten

Aktionen machten, kam eine Gruppe von Fuß. -

gängern auf uns zu. Es waren Freunde von Regina,

die gerade auf dem Weg zum Hauptbahnhof

waren, um sich dort mit einem befreundeten

Architekturstudenten zu treffen, der ihnen ein

bisschen etwas über Stuttgart im Allgemeinen und

den Bahnhof im Speziellen er zählen wollte. Wir

ergriffen diese Chance und schlossen uns der

Gruppe an. Ich wollte schon oft hoch auf den

Bahnhofsturm, aber irgendwie hatte ich es nie ge -

schafft. Das Ganze im Rahmen einer Führung

machen zu dürfen, das war toll!

Und so beendeten Regina und ich unseren

entspannten, vom Zufall oder Schicksal geleiteten

Tag. Großes haben wir zwar nicht erlebt, dafür

aber einige schöne und komische Situationen, die

uns normalerweise so wohl nicht passiert wären.

Lustig war es allemal und ich kann absolut jedem

weiterempfehlen, einmal etwas Neues auszupro -

bieren und einen Zufallstag (oder Schicksalstag?)

zu verbringen.

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12

NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

mediakompakt

Das Phänomen „Zufall“ ist grenzüberschreitend, und man findet es auch in der bildenden

Kunst. Im Kunstmuseum Stuttgart (der gläserne Würfel am Schlossplatz) läuft noch bis zum

19.2.2017 die Ausstellung „[un]erwartet. Die Kunst des Zufalls.“ Diesem Bericht liegt ein

Gespräch mit Frau Dr. Eva-Marina Froitzheim zugrunde, die die Ausstellung als Kuratorin

betreut und gestaltet hat.

VON ANNE-MIRJAM KREUTER

Der Zufall in der Kunst

Künstlerinnen und Künstler arbeiten seit

den 20er Jahren ganz bewusst mit dem

Zufall als Gegenstand des kreativen

Prozesses. Besonders in Zeiten poli -

tischen Umbruchs ist der Zufall als

Methode der Kunst en vogue. Solange alles gut

„DER ZUFALL KOMMT AUS

DER LEERE. DEM KÜNSTER

BRINGT ER DIE FÜLLE.“

laufe, möge keiner auf eine Veränderung von

Zuständen hindrängen, aber sobald eine Situation

gestört ist, sei man eher dazu bereit sich dem

Experiment zuzuneigen, beschreibt die Museums -

kuratorin Frau Dr. Eva-Marina Froitzheim dieses

Phänomen. Ein gutes Beispiel aus dem Alltag seien

Bewerbungsphasen. Wenn man bereit sei, alt -

bekannte Muster zu verlassen, merke man, wie

viel Interessantes und Unerwartetes einem plötz -

lich widerfahren könne und dass das Leben sich

auch in eine ganz gute Richtung bewegen ließe.

Wenn etwas zu lange eingefahren ist, sei die

Bereitschaft, aus alten Mustern auszusteigen,

höher. Dann öffne man dem Unbekannten

beziehungsweise dem Zufälligen den Raum. So

ginge es vielen Künstlern der Ausstellung.

Natürlich hängt ein solches Verhalten, bei

dem man das Ergebnis der eigenen Schöpfung

dem Zufall überlässt, auch mit der Persönlichkeit

des Künstlers zusammen. Eine andere Reaktion

auf Zeiten der Krise stellt beispielsweise die

„konkrete Kunst“ dar. Diese Kunstrichtung wurde

in den 30er Jahren populär und hat den Anspruch,

Kunstwerke im Geiste vollständig zu konzipieren

und zu gestalten, bevor sie ausgeführt werden. Die

Künstler der zufälligen Kunst, darunter viele

Künstlerinnen, erfanden im Gegenzug unter -

schiedliche Methoden, um den Zufall auszuloten

und in ihre Werke einzubringen. Bis heute gelingt

es ihnen, durch geplante Zufälle während des

DIETRICH MAHLOW

Werkprozesses künstlerisches Neuland zu betre -

ten. Viele der methodischen Verfahren stammen

ursprünglich aus der Biologie und Mathematik.

Ausgangspunkte sind zum Beispiel die Zahl Pi

oder aleatorische Verfahren wie Würfelwürfe. Mit

dem Zufall gelingt es den Künstlern, subjektive

Eigenheiten aus ihren Werken her -

auszuhalten und durch objektive

Konzepte dem Betrachter größere

Freiheiten einzuräumen. Die Tat -

sache, dass Zufall ein grenzüber -

schreitendes Phänomen ist, führt zu

der zweigeteilten Struktur der Aus -

stellung:

Der erste Bereich widmet sich der

mathematisch-methodischen Annä -

herung an das Phänomen „Zufall in der Kunst“.

Der zweite Bereich konzentriert sich auf den

philosophischen Aspekt des Zufalls, welcher sich

an die Tatsache knüpft, dass wir nicht alle Abläufe

Bild: Frank Kleinbach

unseres Lebens kontrollieren können. Was be -

deutet Zufall für unser Schicksal? Performance-

Künstlerin Patrycja German legt in ihrer Instal -

lation „Kartenlegen“ den Besucherinnen und

Besuchern im dritten Stock der Ausstellung die

Karten.

Die Bewegung, die man bräuchte, um Zufälle

ereignen zu lassen, würde Dr. Froitzheim immer

so sehen, wie ein Engländer auch das Wort Zufall

übersetzen würde, nämlich als „chance“. Wenn

ihr Leben komplett vom Schicksal bestimmt wäre,

würde sie das nervös machen. Für viele sei Schick -

sal ja auch etwas, was sie beruhigt. Umgekehrt

könne es ja abert auch etwas Negatives bedeuten,

denn schließlich können wir keinen Einfluss

darauf nehmen. Der Mensch käme nicht darum

herum bei der Frage „Zufall oder Schicksal“ für

sich selbst eine Position zu finden, um sich damit

durch sein eigenes Leben zu navigieren, so Dr.

Froitzheim.

Ausstellungsansicht „[un]erwartet. Die Kunst des Zufalls“,

Kunstmuseum Stuttgart, 24. September 2016 – 19. Februar 2017


1/2017 NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

13

Und dann

stürzt alles in sich zusammen.

Bild: Sina Sikler

Der erste Stein wird angestoßen, kippt und reißt den nächsten

mit sich, dieser den folgenden und so geht es weiter, Stein für

Stein, bis schließlich auch der letzte auf den Stoß seines

direkten Nachbarn reagiert.

VON SINA SIKLER

Warum geschieht einem das, was

einem tagtäglich geschieht? Wenn

man diese Frage stellt, erhält man

so viele verschiedene Antworten

wie man Menschen gefragt hat. Die

einen beteuern, dass das Karma-Konto des

jeweiligen Akteurs für das verantwortlich ist, was

ihm geschieht. Die Gedanken, Wünsche und

Taten aus allen seinen Leben werden gespeichert

und die Summe entscheidet über den Fortlauf des

Lebens, beziehungsweise über das Leben als

solches. Denn je nachdem wie viel gutes und

schlechtes Karma man so angesammelt hat, wird

man wieder geboren, oder erlangt irgendwann das

End-Ziel der Erkenntnis. Wieder andere glauben

an den Grundgedanken des Christentums und

meinen, Gottes Macht reiche zwar aus, um alles

Geschehen zu lenken, aber: der Mensch habe den

freien Willen, er könne also letztendlich über sein

Tun und somit über das Geschehen auf der Welt

selbst bestimmen. Passiert einem etwas Schreck -

liches, ein sogenannter Schicksalsschlag, wird das

später oft als Erfahrung ausgelegt, als Etwas an

dem derjenige reifen und stärker daraus hervor -

gehen könne.

Konfuzius’ Statement lautet: man begegnet

den Menschen und Ereignissen, welchen man

entspricht. All diese Wahrheiten haben eines

gemeinsam: die Folge einer Handlung ist nichts

Unabhängiges. Im Physikunterricht wird uns

beigebracht, dass das Gesetz der Aktion und

Reaktion universell gültig ist. Heißt: Man tut

etwas, woraufhin unweigerlich etwas Anderes

geschieht – drückt man mit vier Kilogramm Ge -

wicht gegen eine Wand, drückt diese auch mit vier

Kilogramm zurück. Die Reaktionen auf Taten sind

zwar viel schwerer bis überhaupt nicht voraus -

zusehen und der zeitliche Abstand zwischen den

Taten und den darauffolgenden Reaktionen ist

nicht berechenbar, ein Zusammenhang besteht

dennoch. Der kippende Dominostein, der in der

nächsten Sekunde alle anderen mit sich reißen

wird, könnte ein Wort sein. Ein Wort, das ein

Startsignal gibt, das Signal, auf welches hin alle

Läufer losstürmen. In diesem Beispiel folgen

Aktion und Reaktion unmittelbar aufeinander

und jeder versteht den Zusammenhang.

Wir alle entscheiden so viel. Täglich. Immer

wieder aufs Neue. Tausende dieser Entschei -

dungen wirken unbedeutend. Zum Beispiel: Laufe

ich zur Uni, oder nehme ich den Bus? Diese

Entscheidung wirkt zunächst unwichtig, für die

Welt ist egal ob du läufst oder in den Bus steigst,

der sowieso, auch ohne dich die gleiche Strecke

fährt. Bis dir etwas passiert. Bis du zum Beispiel

unterwegs von einem Auto angefahren wirst.

Dann wirst du denken: Wäre ich doch mit dem

Bus gefahren! Wie oft haben wir wohl schon eine

Entscheidung getroffen, die uns vor etwas

Schlimmem bewahrt hat? Wir können es nicht

wissen. Andere Entscheidungen sind von Anfang

an bedeutungsschwer. Wie zum Beispiel: soll ich

in Stadt A oder B ziehen? Studieren oder arbeiten?

In solchen Fällen wissen wir, dass die Ent -

scheidung unseren weiteren Lebensweg prägen

wird. Eine dritte Kategorie von Entscheidungen

bilden die, die unbedeutend daherkommen, dann

aber eine Kette von Reaktionen auslösen, die man

nicht beabsichtigt hatte. So erinnern wir uns

vielleicht gar nicht mehr an unsere auslösende

Aktion, wenn die zugehörige Reaktion eintritt

und nennen sie Karma, göttliche Vorsehung, Zu -

fall, oder wie auch immer.

Einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in

Amerika konnte man bei einem interaktiven Film

von Galileo „You are President“ per App in die

Rolle des Präsidenten schlüpfen und Entschei -

dungen treffen. Den russischen Präsidenten an -

gehen oder nachgeben? Die eigene Familie ins TV

zerren oder den Präsidenten mit Under statement

geben? Solche und weitere Fragen tauchten im

Laufe der Story auf und die Mehrheit entschied.

Auch jetzt gibt es das Ganze noch online zum Mit -

machen. Galileo warnt in der Beschreibung des

Spiels, dass eine Entscheidung, die man zu Beginn

getätigt hat, einen am Schluss einholen und zur

Katastrophe führen kann.

Der erste Dominostein, der im interaktiven

Spiel angestoßen wird, ist die Entscheidung, ob

man nach einem Amoklauf zu Beginn die Waffen -

gesetze lockern oder verschärfen möchte. Ent -

scheidet man sich beispielsweise für verschärfen,

stellt man das Recht eines Amerikaners sich zu

verteidigen, also eine Waffe zu besitzen, infrage

und dieses Recht ist in Amerika in der Verfassung

verankert. Mit der Waffenlobby schafft man sich

einen finanzkräftigen Gegner und viele der Bürger

fühlen sich ihrer Freiheit beraubt. Andererseits

sind 55 % der Amerikaner für schärfere Waffen-

Kontrollen und befürworten diese Entscheidung.

Fragen dieser Art werden im Verlauf des inter -

aktiven Spieles viele gestellt und wohin das Ganze

führt wird einem erst ganz am Ende klar, wenn die

Reaktionen auf einen einprasseln. Hier wird noch

einmal auf alle Entscheidungen, die man ge -

troffen hat zurückgeblickt und es wird deutlich:

was im ersten Moment wie eine gute Ent -

scheidung wirkt, kann am Ende eine Katastrophe

hervorrufen.

Neugierig geworden?

Es kann mitgespielt werden unter:

http://www.galileo.tv/ausprobiert/you-are-president-der-inter

aktive-film-zum-nachspielen/


14

NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

mediakompakt

Die Sache mit

den Glückskeksen ...

Bild: Nina Henning

Ein Versuch Glücksekse zu backen oder: Wie aus einem netten

Back-Tutorial schnell ein Test für meine Geduld, meine Improvisationskünste

und mein Selbstvertrauen wurde (denn ich

kann eigentlich backen, wirklich!!).

VON NINA HENNING

1

2 3

4

5

Ich habe mir im Internet ein Rezept für Glückskekse

herausgesucht und mich noch darüber

gefreut, dass es sehr einfach aussieht; kein

großer Aufwand, nur 4 Zutaten, Eiweiß, Mehl,

Puderzucker und Butter. Zubereitungszeit:

50 Minuten. Und die auch nur, weil man bei

30 Stück insgesamt immer nur 2 –3 gleichzeitig

backen soll, sonst kommt man nicht mit dem

falten der Kekse hinterher bevor sie hart sind. Eine

Herausforderung war mir aber von Anfang an

bekannt: mein Backofen. Es ist ein Gasherd, aus

den Anfängen der 80er Jahre, ohne Fenster und

die Zahlen auf den Knöpfen müssen nicht immer

die richtige Angabe machen. Mit diesem Backbegleiter

wird stets nach Gefühl gebacken. Grundsätzlich.

Als erstes muss man ein bisschen was vorbereiten,

Backofen vorheizen, Glückskeksbotschaften

schreiben und ein Backpapier mit Kreisen mit

8 cm Durchmesser vorzeichnen.

Für die Glückskeksbotschaften habe ich mir

zwei Varianten überlegt, einmal die klassische

Nachricht (z.B. „Der Weg ist das Ziel!“) und etwas

Weihnachtlicheres („Frohe Weihnachten!“) (Bild 1),

denn die Hälfte der Kekse wollte ich mit grüner

Lebensmittelfarbe einfärben und meiner Familie

zu Weihnachten mitbringen.

Auch die Kreise waren schnell mit einem Zirkel

aufs Backpapier gezeichnet, das Backpapier habe

ich dann umgedreht, damit der Teig später nicht

direkt auf den Bleistiftlinien war. (Bild 2)

Das Rezept selbst fängt leicht an: 3 Eiweiß so

lange aufschlagen, bis sie schaumig sind: Gesagt,

getan. Ich habe das sogar mit dem Schneebesen

von Hand gemacht, wegen der Fotos.

Im nächsten Schritt werden gesiebter Puderzucker

und Butter untergemischt. Da zum Thema

Butter an keiner Stelle im Rezept von „gekühlt“,

„zimmerwarm“ oder gar „geschmolzen“ die Rede

war, habe ich mein benötigtes Klümpchen wohl

wissentlich vorher rausgestellt und warm werden

lassen. Und es hat sich herausgestellt, dass das gar

nicht so falsch war, denn trotz der zimmerwarmen

Butter hatte ich Butterflöckchen in meinem Teig.

Ich habe mir noch nichts dabei gedacht, das

bekommt man schon raus, ist ja sonst auch kein

Problem.

Schritt 3 ist es, das Mehl unterzuheben bis ein

glatter Teig entsteht. Butterflöckchen: noch da.

Man weiß sich ja zu helfen, die Teigschüssel wurde

kurzerhand auf die Heizung gestellt, damit die

Butter schmelzen kann und sich anschließend

besser untermischen lässt. Das hat super funktioniert,

nach dreimaligem Umrühren hatte ich einen

glatten Teig. Konsistenz: flüssig. (Bild3)

Flüssig hilft aber auf jeden Fall beim Verteilen

des Teiges auf den Kreisen, 1 ½ Teelöffel sind pro

Kreis vorgesehen. Diese werden dann mit einem

Messer im Kreisumriss verteilt. (Bild 4) Hier gab es

schon erste Probleme durch die sehr flüssige

Konsistenz: das Backpapier wellte sich! Aber jetzt

war der Teig schon drauf, kein Zurück mehr, ab in


1/2017

NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

15

den Backofen damit. Nach 5 Minuten – die Ränder

sollen leicht braun sein, wenn man sie rausholt –

nahm ich die ersten 3 total zerlaufenen Glückskeksrohlinge

aus dem Backofen. Machte ein Foto.

Legte in den ersten einen der Zettel und knickte

ihn vorsichtig der Länge nach. Dann wollte ich

ihn über den Tassenrand „hängen“ damit er den

typischen zweiten Knick bekommt – zu spät. Der

Keks war schon ausgehärtet. Die anderen beiden

waren sogar für den ersten Knick schon zu hart.

(Bild 5) Und furchtbar fettig!

Erstmal die nächste Fuhre in den Backofen,

mit noch schlimmeren Ergebnis. Durch die welligen

Stellen im Backpapier sind sie mir schon auf

dem Blech auseinandergefallen.

Der dritte Versuch sollten die ersten grünen

Kekse werden, diesmal auf einer Silikonmatte statt

Backpapier. Sie kamen sogar einigermaßen rund

aus dem Backofen, auch das Falten und über den

Tassenrand hängen hat geklappt – nur härteten sie

überhaupt nicht aus.

Bei der zweiten Fuhre der grünen Glückskekse

wollte ich dann dem fettigen der Butter etwas

entgegenwirken und habe etwas mehr Mehl

untergemischt. Konsistenz: teigig. Das machte das

ausbreiten im Kreis zwar etwas schwerer, aber ich

konnte sie formtechnisch genau so aus dem Backofen

herausholen, wie sie hineingekommen waren.

Nur waren sie nicht mehr faltbar.

Der Teig war leer, in keinem Glückskeks war

ein Zettel, und ich war bedient.

Aus dem Potenzial von 30 Keksen konnte ich

nicht einen einzigen herausholen. Nicht mal

einen krummen, nein, überhaupt keinen!

Glückskekse backen war an diesem Tag wohl

nicht mein Schicksal ...

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16 NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

mediakompakt

VON REGINA SPANGLER


1/2017 NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

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18 NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

mediakompakt

Glück: Dos & Don‘ts

Wer auf der Suche nach mehr Glück in seinem Leben ist oder

Unglück so weit wie möglich aus dem Weg gehen will, der kann

sich hier ein paar Vorschläge suchen, die vielleicht

weiterhelfen.

VON LUCIE MÖDL

Dos

Vierblättrige Kleeblätter einsammeln

Erst einmal braucht es einiges an Glück, eins in der Natur zu finden. Und

außerdem heißt es, dass Eva ein vierblättriges Kleeblatt aus dem Paradies

mitgenommen hat. Also besitzt jeder Finder dadurch ein Stück vom Paradies.

ABER: gezüchtete Exemplare bringen nichts – eher im Gegenteil.

Scherben machen

Scherben bringen Glück, heißt es ja bekanntlich. Vielmehr wenden sie Unheil

aber ab, nämlich dadurch, dass böse Geister durch den Lärm, der dabei entsteht,

verjagt werden. Deswegen auch kein Polterabend ohne einen Haufen zerdeppertes

Geschirr!

Beim Anstoßen in die Augen schauen

Gilt vielleicht heute nicht mehr so, aber früher, als es durchaus hin und wieder vorgekommen ist, etwas Gift

in das Glas des Trinkpartners zu schütten, sollte der vertrauensvolle Blick in die Augen während des

Anstoßens böse Absichten verraten. Außerdem schwappen die Getränke in den randvoll gefüllten Gläsern so

leicht über und die Inhalte vermischen sich, also auch das eventuell vergiftete Getränk mit dem eigenen.

Einen Glückspfennig bei sich tragen

Oder heute eher einen Glücks-Cent. Der ist das Überbleibsel von Tauftalern oder Weihgroschen, die zur Taufe

eines Kindes geschenkt wurden. Er verhindert, dass dem Besitzer das Geld ausgeht. Deshalb sollte man immer

einen (möglichst blank polierten) Cent im Geldbeutel haben, damit er sich auch schön vermehren kann.

Sollte man einmal einen Geldbeutel verschenken, dann immer nur mit einem Glücks-Cent darin. Sonst gibt

es anstatt viel Geld viel Unglück für den Besitzer.

Hufeisen finden

Es dient zum Schutz des Pferdes, was noch besonders wichtig war als Pferde noch Kriegs- und Arbeitstiere

waren. Dadurch schützt es auch den Menschen. Ein richtig an Haus und Hof angebrachtes Hufeisen soll

Unglück und Unheil abwenden. Zu „richtig angebracht“ gibt es aber mehrere Meinungen: entweder mit der

Öffnung nach oben, damit das Glück hinein-, aber nicht wieder herausfällt oder mit der Öffnung nach unten,

damit man dem Glück ein Tor baut.

Allerdings muss es ein gefundenes Hufeisen sein. Wenn verzweifelt danach gesucht wird, bringt es nichts.

Fliegenpilze

Jedes Kind weiß: er ist giftig. Die Vergiftungserscheinungen zeigen sich aber als rauschhafte Wirkung, die

Euphorie, Glücksgefühle, Halluzinationen und Schmerzunempfindlichkeit hervorrufen kann. Passionierte

Pilzsucher freuen sich aber eher über einen Fliegenpilz, weil in seiner Nähe oft auch viele essbare Pilze zu

finden sind. Vielleicht aber doch besser nicht zuhause nachmachen...

Sternschnuppen beobachten

Früher waren Sterne als göttliche Lichtfunken angesehen, die die dunkle Nacht erhellten. Eine Stern -

schnuppe kam dadurch zustande, dass die Engel beim Putzen der Himmelskerzen einen Docht fallen gelassen

haben. Deswegen hoffte man, wenn man eine sah, auf Gottes Hilfe, wenn es um unerfüllte Wünsche ging. Da

die Engel anscheinend vor allem Mitte August den Hausputz erledigen, hat man zu dieser Zeit die beste

Chance auf einige erfüllte Wünsche.

Aber wehe, man verrät seinen Wunsch jemand anderem! Dann wird er nicht erfüllt. Genauso, wenn man zu

langsam ist und der Wunsch noch nicht fertig gedacht ist bis die Sternschnuppe verblasst.


1/2017 NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

19

Don‘ts

Salz verschütten

Früher war Salz sehr wertvoll, da es mühevoll aus Bergwerken und Meerwasser gewonnen wurde.

Außerdem hatte es eine konservierende und heilende Wirkung, weshalb es als Schutzsymbol, das Glück

und Reichtum sicherte, angesehen war. So einen Schatz zu verschütten lockte den Teufel persönlich an.

Einer Schwarzen Katze begegnen

Im Mittelalter sahen christliche Geistliche zunehmend eine Gefahr in schwarzen Katzen, weil sie als

Symbol für heidnische Gottheiten galten und oft Teil von heidnischen Ritualen waren. So wurden sie mit

dem Teufel in Verbindung gebracht. Aber sogar heute noch lassen sich schwarze Katzen in Tierheimen

schlechter als anders farbige vermitteln.

Freitag, der 13.

Was der Großteil der arbeitenden Bevölkerung heutzutage nicht mehr so ganz versteht ist, dass Freitag

der Unglückstag der Woche ist. Da Jesus an einem Freitag gekreuzigt wurde, wird freitags getrauert.

Außerdem sollen Adam und Eva an einem Freitag aus dem Paradies verbannt worden sein. In

Kombination mit der Zahl 13, die sowieso Unglück bedeutet da sie die runde Zahl 12 (12 Apostel – der 13.

hat Jesus verraten, 12 römische Hauptgötter, 12 Monate…) überschreitet, kann an diesem Tag nichts

Gutes passieren.

Spiegel zerbrechen

Was für zerbrochenes Geschirr gilt, ist ein Tabu

bei Spiegeln oder Gegenständen aus Glas – Sa -

chen, in denen man sich eben mehr oder weniger

spiegeln kann. Hier heißt es: geht einer zu Bruch,

fol gen 7 Jahre Pech. Der Spiegel beherbergt

nämlich die Seele von demjenigen, der hin -

einschaut und die braucht 7 Jahre bis sie wieder

vollständig genesen ist.

Bilder: Pixabay, Wikimedia Commons

Unter einer Leiter durchgehen

Eine einfache Leiter an eine Wand gelehnt oder eine freistehende ist dabei egal. Es geht um das

entstehende Dreieck an sich. Dieses gilt nämlich als heilige Form, beispielsweise als Symbol für die

Dreifaltigkeit oder das allsehende Auge Gottes. Geht man durch das Dreieck hindurch, zerstört man diese

Heiligkeit und zieht das Unglück an. Ganz davon abgesehen ist es auch nicht ratsam, vor allem, wenn

weiter oben gearbeitet wird und etwas wie ein Hammer, eine Säge oder ein Backstein herunterfällt.

Glück: Funny Facts

VON REGINA SPANGLER

Chance von 1 : 283 000 000 000

Innerhalb von zwei Jahren gewinnt ein Britisches Paar zum zweiten Mal

im Lotto.

Lottogewinn

Eine Statistikerin der Stanford Universität hat vier Mal im Lotto

gewonnen und damit bereits über 20 Millionen Dollar erhalten.

Glück oder Pech? – Unglaublich!

Der Amerikaner Roy Sullivan wurde in seinem Leben acht Mal vom Blitz

getroffen – und acht Mal hat er überlebt.

Ungerecht?

Die Chance von einem umfallenden Getränkeautomaten getötet zu

werden ist höher als die Chance auf einem 6er im Lotto.

Gerechtigkeit?

Die V2 Rakete der Nazis führte zu dreimal mehr Todesopfern unter

denen, die sie bauten, als unter den Bombardierten.

Na, wer hat Angst vor Sektkorken?

Pro Jahr sterben mehr Menschen an Sektkorken als durch den Biss einer

giftigen Spinne. Dabei ist jede dritte Frau und jeder fünfte Mann von

Spinnenangst besessen.

Und wer vor Hirschen oder Ameisen?

Hirsche töten durchschnittlich 130 Menschen im Jahr, Kühe 22,

Ameisen 30, Nilpferde 2 900, Pferde 20 und Haie lediglich 5. Aber wer

rennt schon vor einer Kuh weg?

Fakten, Fakten, Fakten

Der Glaube, dass jedes Leben unabänderlich vorbestimmt ist, nennt

sich Fatalismus.

Hol mir Sterne vom Himmel!

Das Kalzium in unseren Knochen stammt aus den Explosionen von

Sternen.

Ausritt oder Trip?

Ein Ausritt auf einem Pferd birgt für einen Menschen in etwa das

gleiche Todesrisiko wie eine einmaliger Ecstasy-Konsum.

Im Ländle

Menschen aus Baden-Württemberg haben die höchste Lebenser -

wartung in Deutschland.

Lebensverändernd

Täglich werden 12 Neugeborene falschen Eltern gegeben.


20

NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

mediakompakt

Bild: Diana Riegger

Schicksal braucht Zufälle

Kann man über Online-Dating

einen Partner finden? Ist die

große Liebe vom Schicksal

vorherbestimmt oder haben wir

einfach nur großes Glück,

wenn wir sie treffen? Lina

jedenfalls hat genug davon,

darauf zu warten, dass etwas

passiert und nimmt die Sache

selbst in die Hand.

Eine Kurzgeschichte über die

Liebe und das Zusammenspiel

von Zufall und Schicksal.

VON DIANA RIEGGER

Max war der erste, den Lina über die

Online-Partnervermittlung traf.

Nachdem sie nervösen Smalltalk

und einige peinliche Gesprächs -

pausen hinter sich gebracht hatten,

lief es eigentlich ganz gut. Max war lustig und

wusste viel über Politik, genau wie er geschrieben

hatte. Als sie das Restaurant nach über zwei

Stunden verließen, fühlte Lina sich entspannt

und gut unterhalten. Nur leider fehlte etwas: der

Funke. Der nicht übergesprungen war. Max war

nett, aber es fühlte sich an, als ob sie mit ihrem

Geschichtslehrer essen war: Intelligente Ge -

spräche, vollendete Manieren, null romantische

Gefühle.

Lina hatte sich für Online-Dating entschieden,

weil sie seit über zwei Jahren Single war. Auf

einem Ratgeber-Blog hatte sie Folgendes gelesen:

Vor allem in Liebesdingen muss man dem

Schicksal manchmal etwas unter die Arme greifen.

Das konnte man tun, indem man offen für Zufälle

war. Denn nur, wenn man dem Schicksal

genügend zufällige Situationen zuspielte, konnte

es seine Arbeit machen und sich daraus die

richtige aussuchen. Klingt logisch, dachte sich

Lina, und weil es im Internet eine große Zahl

beziehunginteressierter Männer und damit viel

Potential für zufällige Glücksgriffe gibt, meldete

sie sich bei einem Dating-Portal an. Nach der

ersten Erfahrung mit Max war sie positiv

gestimmt. Zwar hatte es nicht gefunkt, aber es war

auch keine Katastrophe gewesen. Noch ein paar

mehr solcher Dates und das Schicksal würde

schon in Schwung kommen. Ihr war allerdings

nicht klar, dass es von nun an steil abwärts gehen

würde. Der zweite Mann, den sie traf, hieß Chris,

war Personal Trainer und bediente jedes Klischee.

Der Abend gipfelte darin, dass er Lina einen

detaillierten Trainingsplan für die nächste Woche

auf ihrer Serviette aufstellte. Edgar war der

nächste. Trotz seines altbackenen Namens war er

ein lockerer Typ. So locker, dass er während des

Treffens sein Handy auf den Tisch legte und

Tinder öffnete. Als Lina ihn ungläubig anstarrte,

zwinkerte er nur und fragte – ganz easy – ob sie was

dagegen habe? Man müsse seine Optionen

schließlich offen halten. Als Lina an diesem

Abend im Bett lag, fragte sie sich, ob es möglicher -

weise doch der bessere Weg war, sich nicht aktiv

um einen Partner zu bemühen sondern zu warten,

bis das Universum den Richtigen vorbeischickte.

Nachdem sie weitere Männer getroffen hatte

und jeder ein weiterer Griff ins Klo war – wenn es

überhaupt zu einem Treffen kam – beschloss Lina

schließlich, dass die Theorie mit den vielen

Zufällen, die dem Schicksal zugespielt werden

mussten, wohl doch nicht stimmen konnte. Der

letzte Mann, den sie traf, hieß Thomas und spielte


1/2017

NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

21

ihr in seiner Wohnung eine geschlagene Stunde

lang selbst geschriebene Rap-Songs vor. Als es Lina

dämmerte, dass Thomas weniger eine Frau suchte,

sondern vielmehr einen Fanclub aufbauen wollte,

versprach sie schnell, Thomas‘ Facebookseite zu

liken und machte sich auf den Heimweg. Der

Abend war angenehm warm und einige

Menschen waren unterwegs. Die Hände tief in den

Taschen ihres Mantels vergraben, schlenderte

Lina die Straßen entlang Richtung Bahnhof und

dachte nach. Nicht alle ihre Dates waren totale

Reinfälle wie Thomas gewesen. Manche waren

nett und angenehm verlaufen, aber nie war es zu

einem zweiten Treffen gekommen. Jetzt war ihr

Limit einfach erreicht, sie hatte genug. Dann blieb

sie eben ihr Leben lang alleine, wenigstens musste

sie dann keine kostbaren Stunden ihrer Freizeit

mit langweiligen oder skurrilen Männern mehr

ver bringen.

Mit schlechter Laune kam sie am Bahnhof an

und durfte auch noch feststellen, dass alle Bahnen

ausfielen. Na prima, das passte doch zum Abend.

Fast hätte Lina gelacht.

„Entschuldige bitte, brauchst du zufälligerweise

auch ein Taxi in die Südstadt?“

Lina wandte sich nach der Stimme um und sah

einen verlegen lächelnden, braunhaarigen Mann

vor sich stehen. „Das ist zwar echt peinlich, aber

ich hab keine Geldbörse mehr und das Bargeld aus

meiner Hosentasche reicht nicht mehr bis nach

Hause. Wenn ich jemand finde, der ein Taxi mit

mir teilt, würde es gehen“, erklärte er. Das kam

Lina ziemlich gelegen und nachdem sie Adrians

Hand geschüttelt hatte, suchten sie sich gemein -

sam ein Taxi.

„Du musst aber vor mir aussteigen sonst kannst du

sehen, wo ich wohne und bist am Ende noch ein

Stalker“, sagte sie, als sie gemeinsam auf der

Rückbank saßen. Erst wenige Wochen zuvor

wollte ein Kerl, mit dem sie einen Abend lang

gechattet hatte, unbedingt ihre Adresse –

angeblich, um ihr ‚eine Pizza liefern zu lassen‘.

Seitdem war sie noch vorsichtiger geworden.

„Kein Problem. Ich will einfach nur schnell weg

von hier.“

„Bist du überfallen worden?“

„Was? Wie kommst du denn darauf?“

„Weil deine Geldbörse weg ist.“

„Ach so, das“, Adrian zuckte die Schultern. „Wenn

ich ehrlich bin, ich habe sie nicht verloren,

sondern dem Kellner im Restaurant gegeben.

Morgen hole ich sie wieder ab. Ich hatte ein

furchtbares Date und deshalb hab ich so getan, als

wäre mein Portemonnaie plötzlich weg. Meine

Verabredung glaubt, ich wäre jetzt bei der Polizei.

Leider gefällt es ihr wohl auch ohne mich ganz gut

in dem Restaurant, sie sitzt nämlich immer noch

dort. Deshalb konnte ich nicht direkt wieder rein

und meinen Geldbeutel holen, wie ich es ur -

sprünglich geplant hatte. Und deshalb hab ich

jetzt nicht mehr genügend Geld für die Heim -

fahrt.“

Lina starrte ihn ungläubig an. „Das ist eine

reichlich bescheuerte Ausrede, um ein Date zu

beenden. Du hättest auch einfach so tun können,

als würde dein Kumpel dich anrufen weil sein

Auto liegen geblieben ist.“ Adrian hob interessiert

die Augenbrauen. „Aha, da hat wohl jemand

Erfahrung in diesem Bereich?“

Lina wurde rot. Adrian lachte: „Hattest du also

einen ähnlichen Abend wie ich oder warum gehst

du schon nach Hause?“

Beinahe froh, einen Leidensgenossen gefunden zu

haben, brach es aus ihr heraus und Lina erzählte

von ihrem frühzeitig abgebrochenen Treffen mit

Thomas und von all den anderen unerträglichen

Dates. Adrian hörte mit großen Augen zu und

letztendlich stellten sie fest, dass sie beide online

nach Partnern suchten – nur bei verschiedenen

Portalen.

Als das Taxi vor Adrians Wohnung stoppte,

stieg Lina mit ihm aus. Gemeinsam setzten sie

sich in die nächste Bar und toppten sich gegen -

seitig mit Geschichten von skurrilen Verabre -

dungen. Und auch Jahre später gingen sie immer

an diesem einen Tag im Jahr, dem 15. August, in

dieselbe Bar und stießen darauf an, dass sie sich

doch irgendwie über das Online-Dating gefunden

hatten. Und Adrian dachte sich jedes Jahr aufs

Neue, was für ein Zufall es doch war, dass sie beide

an diesem Abend unterwegs waren, sein eigent -

liches Date nicht aus dem Restaurant ver -

schwinden wollte und er so Lina getroffen hatte.

Und Lina fragte sich jedes Jahr aufs Neue, ob es

vorherbestimmt gewesen war, dass sie all diese

miesen Dates hinter sich bringen musste, um

schließlich zur gleichen Zeit wie Adrian am Bahn -

hof zu stehen. Oder war es am Ende doch eine

Kombination aus beidem?

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22

NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

mediakompakt

Work.

Eat.

Sleep.

Repeat.

Obwohl die Bezahlung gut ist,

ist Tanja Hilt mit ihrem Job

unzufrieden und entscheidet

sich für einen radikalen

Tapetenwechsel. 2014 sucht

sie sich einen neuen Job in

einem anderen Land. Von

Backnang nach Dubai. Von der

AOK zu Emirates. Warum es

sich lohnt, mutig zu sein.

VON CELINA MÜLLER

Bild: Celina Müller

Ein Airbus 380 treibt im Wasser, die

Notausgänge sind geöffnet. Die Ma -

schine ist flugunfähig. Die Cabin Crew –

darunter Tanja – muss die Passagiere

evakuieren. Einen kühlen Kopf bewahr -

en. Alles, was sie über eine Notlandung auf dem

Wasser gelernt haben, müssen sie jetzt abrufen.

Ein Alarm tönt regelmäßig. Stress. Einer nach dem

anderen verlässt die Maschine. Rettungsweste an,

alle Gegenstände bleiben im Flugzeug. Der Letzte

verlässt die Maschine, jetzt steigt auch die Cabin

Crew aus. Im Wasser treiben viele gelbe Punkte,

alles Menschen mit Rettungswesten. Tanja muss

nun die Rutsche in ein Rettungsboot umfunk -

tionieren und anschließend den Passagieren mit

ihren patschnassen Klamotten hineinhelfen.

Dann sind alle drin. Applaus. Der Trainer sagt:

„Well done! Lunchbreak.“ Tanja steigt aus dem

Trainings-Pool, zieht sich um und geht mit ihren

Kollegen Mittagessen.

Tanja ist 26 Jahre alt und eine hübsche junge

Frau, sie hat blonde Haare, blaugraue Augen,

Modelmaße und ein sympathisches breites Lä -

cheln. Sie arbeitet seit zwei Jahren als Flug -

begleiterin bei der Airline Emirates in den

Vereinigten Arabischen Emiraten. Seit 2014 lebt

sie wegen ihres Berufs in Dubai und fliegt von dort

aus in die ganze Welt. 37 Länder hat sie bereist.

„Meine Liste mit Ländern, die ich sehen möchte,

wird nicht kürzer, sondern immer länger. Reisen

macht süchtig!“, sagt sie. Tanja lebt ihren Traum

von Freiheit und sie lebt ihn nach der Yoga -

Philosophie.

Die Philosophie des Yoga basiert auf einer

positiven Sicht auf den Menschen mit der zu -

grundeliegenden Vorstellung, dass unser wahres

Selbst aus Glückseligkeit besteht. Yoga kann alles

und nichts sein, so findet jeder seine eigene

Herangehensweise auf dem Pfad der Glückselig -

keit. Physisch und psychisch Yoga zu praktizieren

ist für Tanja sehr wichtig. Es mache sie belastungs -

fähiger für diesen anstrengenden Beruf.

Die Entscheidung, Flugbegleiterin zu werden,

kam allerdings später. Tanja hat in Backnang bei

Stuttgart ihr Abitur gemacht. Schon während der

Schulzeit arbeitete sie als Zeitungsausträgerin und

in den Ferien im Schichtbetrieb. Zudem modelte

und kellnerte sie nebenher. Es war ihr immer

wichtig, selbstbestimmt zu sein und deshalb

arbeitete sie mehr als ihre Klassenkameraden. So

konnte sie sich bereits mit 18 Jahren eine kleine

Mietwohnung leisten. Nach dem Abitur machte

sie eine Ausbildung zur Sozialversicherungs -

fachangestellten bei der AOK in Backnang. Später

hatte sie die Möglichkeit, sich in München bei

einer Betriebskrankenkasse zu bewerben. Sie ver -

handelte hart um ihr Gehalt – glaubt man den

Statistiken, ist dies für weibliche Bewerber un -

gewöhnlich – und es zahlte sich aus. Ein neuer

Abschnitt begann. Sie zog nach München.

Doch dann kam die Ernüchterung, Tanja, die

noch so viel erleben und entdecken wollte, fühlte

sich fehl am Platz. Fachlich sowie persönlich. Sie

verdiente gut und trotzdem war sie unglücklich.

Da war für sie klar: Es kann so nicht weitergehen.

Tanja sagt rückblickend: „Mir war es das nicht

wert für einen Job, der mir keinen Spaß machte

und für Kollegen, die mich nicht mochten, so viel

Zeit zu investieren.“ Sie kündigte und suchte sich

Nebenjobs. Durch Zufall sah sie, dass es einen

Emirates-Bewerber-Tag in München geben würde,

und meldete sich an. Sie wollte einen Tapeten -

wechsel und dieser Beruf klang verlockend.

Der Bewerbertag in München war erfolgreich,

sie schaffte es durch alle Instanzen. Die Zusage

kam einige Wochen später. Diese leitete einen

ganz neuen Abschnitt in ihrem Leben ein. Tanja

musste ihre Wohnung räumen und innerhalb von

zwei Wochen nach Dubai ziehen, ihr Leben in

zwei Koffer packen und alle Freunde und die

Familie zurücklassen. Sie wagte den Schritt ins

Ungewisse.

Die Ausbildung zur Flugbegleiterin dauert

zwei Monate. Es werden Evakuierungen geübt

und beispielweise Feuer im Flugzeug gelöscht.

Flugzeugentführungen werden durchgespielt und

die Auszubildenden machen einen Selbstver -

teidigungskurs, falls Passagiere handgreiflich wer -

den. Die zukünftigen Flugbegleiter erhalten ihre

Uniform und der Dresscode wird ihnen beige -


1/2017 NACHGEFRAGT & AUSPROBIERT

23

bracht. Zudem werden die Hygiene-Vorschriften

aufgezeigt, wie die Maniküre auszusehen hat und

wie das Make-up aufzulegen ist. Sie erhalten ein

Erste-Hilfe-Training aber auch Geburtskurse und

lernen, wie Knochenbrüche behandelt werden. Zu

guter Letzt erfahren sie beispielsweise wie der

Ofen an Bord funktioniert und wie Kaffee zu

servieren ist. Anschließend gibt es eine Prüfung

und die Ausbildung ist abgeschlossen.

39. Stock – ein Hochhaus in JLT (Jumeirah

Lake Towers) einem Stadtteil von Dubai. Tanja

fährt von ihrer Wohnung auf das Dach des

Gebäudes und legt sich an den Pool. „Ich liebe das

Wetter in Dubai, lieber ist es mir drei Monate zu

heiß als zu kalt“. Sie sitzt im Januar bei 25°C im

Bikini bei Sonnenschein am Pool. Vom Dach aus

kann man auf die Marina, auf das Meer aber auch

in die Wüste schauen, die direkt hinter der Stadt

beginnt. Eine unwirkliche Szenerie für Europäer.

Tanja fühlt sich hier mittlerweile sehr wohl. Ihre

kleine Wohnung, die sie sich mit einer anderen

Deutschen teilt, ist spartanisch, aber liebevoll

eingerichtet: Das typische Ikea Interieur gespickt

mit Mitbringseln aus aller Welt. Zwei Schlaf -

zimmer, zwei Bäder, zwei Balkone und eine

Wohnküche.

Der Tower, in dem sie lebt, wurde zwar erst

2012 gebaut, hat allerdings bereits Risse und das

Wasser wird auch nicht mehr heiß. Aber bei 45°C

im Sommer braucht keiner heißes Wasser. In

ihrem Gebäude gibt es einen Supermarkt und

einen Friseur mit Massagestudio. Taxis stehen

immer bereit und auch die Metro zum Flughafen

ist nicht weit. In ihrer Wohnung ist sie im Schnitt

zehn Tage im Monat, den Rest verbringt sie in der

Luft oder in Hotels weltweit.

Es war für sie erstaunlich leicht sich einzu -

leben. Alle sprechen sehr gut Englisch in Dubai

und so konnte sie ihre Sprachkenntnisse perek -

tionieren. Manche, denen Tanja erklärt wo sie

wohnt, setzen Dubai mit Saudi Arabien gleich

und haben Vorurteile. Doch als Expat (kurz für

Expatrieate von lateinisch ex „aus“ und patria

„Vaterland“) lebt es sich sehr gut in Dubai. In den

Einkaufsmalls findet man alles was man braucht

und noch viel mehr. Dubai versucht immer und

überall zu überraschen. So ist es nicht unge -

wöhlich in einem Einkaufszentrum einen Hai

oder eine Meeresschildkröte an sich vorbei -

schwimmen zu sehen. Tanja fasst es zusammen

mit: „Bigger, higher, faster. Es ist schon teilweise

verrückt hier zu leben“. So kann man Schlitt -

schuhlaufen wenn einem danach ist, oder spon -

tan Jet Ski fahren. Als Emirates Mitarbeiterin

profitiert Tanja von exklusiven Angeboten in der

Stadt.

Die Stadt lebt in Extremen. Wasser und Wüste;

das Trinkwasser Dubais wird über ölbetriebene

Verfahren aus dem Meer gewonnen. Islam und

Alkohol; in dem muslimischen Land ist das

Freitagsgebet eine religiöse Verpflichtung, doch

gleichzeitig finden in der ganzen Stadt Freitags -

brunche statt, bei denen wie selbstverständlich

auch Alkohol serviert wird. Überwachung und

Sicherheit; Dubai überwacht seine Bevölkerung

stark, es gibt keine Obdachlosen und auch keine

an AIDS erkrankten Menschen, denn diese wer -

den ausgewiesen.

Die Emirate sind eindeutig anders als

Deutschland, es gibt Regeln und diese werden ein -

gehalten, auch von Expats. Tanja kann sich damit

gut arrangieren und hat nicht das Gefühl, sich

einschränken zu müssen. Im Gegenteil: Sie ge -

nießt die Möglichkeiten, die diese Stadt und ihr

Job bieten.

Für Tanjas Umfeld kam ihre Entscheidung,

nach Dubai zu ziehen, überraschend. Ihre engsten

Freunde haben sie von Anfang an unterstützt und

versuchen, sie so oft wie möglich zu sehen. Da sie

so viel und gerne unterwegs ist, kann sie ihre

Freunde auf der Welt verteilt treffen. Als deutsch -

sprachige Flugbegleiterin hat sie zudem viele

Flüge nach Deutschland. Wenn sie allerdings ihre

Eltern und Großeltern besuchen möchte, muss sie

sich frei nehmen und kann mit dem Crew-Nach -

lass in die Heimat fliegen.

Auch in Zukunft möchte sie viel reisen, ver -

schiedenen Kulturen kennenlernen und interes -

siert und neugierig auf die Welt zugehen. „Men -

schen etwas Gutes tun ist für mich erfüllend.“ sagt

sie. Bei Emirates kann sie das. Die vielen Kinder an

Bord unterhält sie gern. Sie sieht viel von der Welt

und Yoga tut ihr gut, um die anstrengende kör -

perliche Arbeit zu meistern und geistig ausge -

glichen zu bleiben. Der Mut zur Entscheidung hat

sich für sie gelohnt.

Bild: Celina Müller


24

WEITER GEDACHT

mediakompakt

Bild: pixabay.de

Die geheimnisvolle Sehergabe –

oder wann kommt denn endlich der

Weltuntergang?

Am 21. Dezember 2012 sollte

dem Maya-Kalender zufolge

der Weltuntergang eintreten.

Über Weltuntergangsszenarien

und die Frage was die Zukunft

bringen wird.

VON YULIA KONDRAEWA

Diese Prophezeiung, wie auch unzählige

davor und danach, hat sich nicht

erfüllt. Warum glaubt der Mensch

überhaupt an den Weltuntergang, und

dass dieser unbedingt nach dem

allerschlechtesten Szenario ablaufen wird?

Laut Psychologen liegt die Antwort in unserer

Psyche, die wir von unseren Urahnen geerbt

haben. Die Todesangst diente den Urmenschen als

Fluchtimpuls, welcher deren Überleben und somit

die Weiterexistenz der Menschheit sicherte. Wir

sind so programmiert, dass negative Informationen

einen Alarm in unserem Gehirn auslösen,

deshalb besitzen schlechte Nachrichten generell

einen höheren Aufmerksamkeitswert als positive

Meldungen.

Der eigene Tod bei gleichzeitiger Weiterexistenz

der Menschheit und des Lebens an sich

sind für uns so schwer vorstellbar, dass wir das

Ende der eigenen Existenz mit dem Wunsch nach

einem allgemeinen Untergang verbinden. Der

eigene Tod stellt demzufolge eine unver- meid -

liche persönliche Apokalypse dar.

Die Frage, was passiert vor und nach dem Tod,

versuchen seit Jahrtausenden alle Weltreligionen

zu beantworten. Parallel hat es aber zu allen Zeiten

auch Propheten gegeben, die schon vor vielen

Jahrhunderten beeindruckend präzise Visionen

über unsere Gegenwart hatten. Sind deren Vor-

hersagen eher zufällige Treffer ins Blaue hinein,

oder gibt es die Sehergabe wirklich? Bei dieser

Frage wird man ziemlich unsicher, besonders

wenn es sich um die Vorhersagen der bulgarischen

Prophetin Baba Wanga handelt, deren Genauigkeit

laut Forschern bei 85 Prozent läge.

Baba Wanga (1911–1996) war eine einflussreiche

bulgarische Hellseherin. Wörtlich übersetzt

aus dem Bulgarischen bedeutet ihr Name

„Großmutter Wanga“. Im Alter von 13 Jahren

wurde Wanga bei einem Wirbelsturm so schwer

verletzt, dass sie für den Rest ihres Lebens das

Augenlicht verlor. Manche vermuten, dieses

Ereignis könnte der Anstoß zur Entfaltung ihrer

hellseherischen Fähigkeiten gewesen sein.

Erstmals brach Baba Wanga ihr Schweigen im

April 1941. In diesem Jahr erschien der damals

30-jährigen Frau aus dem mazedonischen Dorf

Novo Selo ein „strahlender Reiter“, der ihr

„schreckliche Dinge“ verkündet hatte. Unmittelbar

danach, am 6. April 1941, marschierte die deutsche

Wehrmacht in Jugoslawien ein, wovon auch

Mazedonien betroffen war. Manchen Menschen

hat Wanga über das Schicksal deren Familienangehörigen

im Krieg berichtet. Wanga wurde

beliebt, und ihre Sehergabe hat sich schnell

herumgesprochen.

Kurze Zeit, nachdem Wanga begonnen hatte,

ihre Visionen preiszugeben, begegnete sie ihrem


1/2017 WEITER GEDACHT

25

künftigen Ehemann, einem Bulgaren, mit dem

sie in dessen Heimatstadt Petritsch zog. Wanga

wurde zur „Seherin von Petritsch“, und ihre

Weissagungen machten sie so berühmt, dass selbst

der bulgarische König Boris III. sie aufsuchte. Sie

hat ihm seinen baldigen Tod vorausgesagt. Der

König war erst 49, aber kurz darauf starb er

wirklich. Nach offizieller Erklärung versagte sein

Herz, gerüchteweise hieß es jedoch, er sei vergiftet

worden.

Spektakulär ist die Baba Wangas Prophezeiung

über den Anschlag auf das World Trade Center

am 11. September 2001: „Die amerikanischen

Zwillinge werden fallen, nachdem sie von

stählernen Vögeln angegriffen wurden.“

Außerdem wird ihr die Aussage zugeschrieben,

dass in Amerika ein „dunkelhäutiger Präsident

gewählt werden“ und dass dieser der „44. und

letzte Präsident der USA“ sein wird.

Darüber hinaus sagte Wanga die Gründung

der terroristischen Organisation „Islamischer Staat“

voraus, die ihren Angaben zufolge „Europa im

Jahre 2016 angreifen werde“. Sie prophezeite

einen „großen mohammedanischen Krieg“, der

nach „dem arabischen Frühling“ 2010 beginnen

und im Jahr 2043 mit der „Bildung des Kalifats“

enden wird. Die Seherin prophezeite, dass sich

viele europäische Länder im Zuge dieses Krieges in

leere Territorien verwandeln werden. Interessant

ist zudem ihre Weissagung aus dem Jahr 1979,

dass die Menschheit in 200 Jahren in Kontakt mit

Außerirdischen treten kann, die sich übrigens

längst unter uns befinden und vom dritten

Planeten VAMF stammen. Der dritte Planet, von

der Erde aus gesehen, ist der Saturn.

Auch in Deutschland gab es einen bekannten

Propheten. Der Brunnenbauer Alois Irlmaier

wurde im Juni 1894 im oberbayrischen Siegsdorf

geboren. Schon als kleiner Junge hatte er die Gabe,

Wasseradern zu finden. Der Ursprung seiner

hellseherischen Visionen geht angeblich auf ein

Ereignis im Ersten Weltkrieg zurück: Irlmaier war

vier Tage lang ohne Nahrung und Wasser in

Russland verschüttet. Seine Kameraden fanden

ihn, doch er hatte ein schweres Trauma erlitten.

Die Verletzung hatte etwas Seltsames ausgelöst:

„Es strömen Bilder auf mich ein“, sagte er danach.

Ähnlich wie bei Baba Wanga wird über Alois

Irlmaier auch berichtet, dass die Einheimischen

ihn nach Vermissten und nach Soldaten in der

Kriegsgefangenschaft fragten. Mit einem Blick auf

die Fotos dieser Menschen soll Irlmaier sofort

gewusst haben, ob diese noch lebten oder schon

tot waren. Irlmaier sagte im Zweiten Weltkrieg

auch Bombenangriffe voraus und soll so viele

Menschenleben gerettet haben. Nach dem Krieg

soll er erfolgreich bei der Aufklärung von

Mordfällen geholfen haben.

Viele Experten schreiben den Prognosen von

Alois Irlmaier eine überaus hohe Qualität zu, denn

zahlreiche vorhergesagte Geschehnisse sind

nachweislich eingetroffen. Es existieren sogar

amtliche Dokumente, die die seherischen Gaben

von Alois Irlmaier juristisch belegen. Irlmaier hat

unter anderem die Vorboten für den 3. Weltkrieg

beschrieben. Durch den Zuzug zahlreicher Fremder

in Deutschland wird laut dem bayrischen

Hellseher ein großer Umbruch ausgelöst:

„Es kommt Wohlstand wie noch nie

Es folgt der Glaubensabfall mit einer nie da

gewesenen Sittenverderbnis

Eine große Anzahl Fremder strömen ins Land

Das Geld verliert nach und nach an Wert

Es folgen Revolutionen und ein Angriff der Russen

auf Westeuropa.“

Kaum zu glauben, aber zu einer Zeit, als vom

Klimawandel noch niemand etwas ahnte und

sprach, wusste Alois Irlmaier von den drastischen

Naturveränderungen: „Der Januar ist amal so warm,

dass die Mücken tanzen. Es kann sein, dass wir

schon in eine Zeit hineinkommen, in der bei uns

überhaupt kein richtiger Winter mehr ist.“

Wenn man über die Vorhersagen spricht,

kommt man an dem Namen des größten

Wahrsagers aller Zeiten Michel de Nostredame,

besser bekannt als Nostradamus, kaum vorbei.

Geboren am 14. Dezember 1503 in Südfrankreich

als Sohn des Kornhändlers und kirchlichen Notars

Jaume de Nostredame jüdischen Ursprungs, war er

der älteste Sohn unter den mindestens acht

Kindern in der Familie. Wie sein Großvater

entschied sich Nostradamus für medizinische

Laufbahn und machte sich einen Namen als Arzt

von Königen und Fürsten.

Die Bedeutung von Nostradamus als Arzt ist

jedoch heute nur insoweit interessant, als sie

seinen Charakter beleuchtet. Es ist der „Prophet“

Nostradamus, der uns heute vornehmlich interessiert.

Der Seher wurde schon zu seinen Lebzeiten

von den Zeitgenossen als „Prophet“ gewürdigt.

Maßgeblich dafür ist die Tatsache, dass der größte

Teil seiner Vorhersagen bereits im Jahre 1555 im

Druck erschien. Da die meisten Prophezeiungen

von Nostradamus sehr kryptisch formuliert sind

(bekanntlich bediente sich der Seher gerne

geschickter Wortspiele, Allegorien und Anagramme),

versuchen schon seit Jahrhunderten viele

Wissenschaftler und Experten seine Verse, von

denen er in seiner Schaffenszeit mehr als 6000

verfasst hat, zu entschlüsseln. Es wird manchen

seiner Kommentatoren vorgeworfen, sie hätten

bei der Auslegung mancher Stellen zu viel

Erfindergabe gezeigt, um mit dem Wissen nach dem

Ereignis dessen Voraussage zu bestätigen.

Zu den Ereignissen, die Nostradamus vorausgesagt

hat, und die bereits eingetroffen sind,

gehört zum Beispiel der Machtantritt von

Napoleon Bonaparte:

Century IIX, Quatrain 1

PAU NAY LORON wird mehr aus Feuer sein

als aus Blut.

Im Ruhm zu schwimmen.

Der Große der flieht vor der Konfluenz.

Er wird den Piusen verweigern.

Die Verdorbenen und die Haft werden sie gefangen

halten.

Dieser Vers ist klassisch für Nostradamus. Er

benutzt hier eine seiner liebsten Methoden – das

Anagramm. PAU NAY LORON wird, wenn man

es anders zusammensetzt zum korsischen Wort

NAPAULON ROY, oder Napoleon der König. Der

Vers beschreibt ihn als einen Mann des Feuers, des

Krieges, mehr als des Blutes oder königlicher

Linie. Die Piuse sind die Päpste Pius VI und Pius

VII. Beide wurden von Napoleon gefangen

genommen.

In den Versen von Nostradamus gibt es

außerdem klare Deutungen auf die Grausam -

keiten des Hitler-Regimes:

Century III, Quatrain 35

Vom tiefsten Teil Westeuropas,

wird ein kleines Kind geboren zu armen Leuten,

das verführen wird eine große Vielzahl durch

seine Reden.

Sein Ruf wird sich weiten, im Königreich des

Ostens.

Century II. Quatrain 24

Grausame Bestien überqueren die Flüsse.

Der größere Teil des Schlachtfelds wird gegen

Hister sein.

In einen eisernen Käfig wird der Große

hineingezogen.

Während das Kind von Deutschland nichts weiß.

Der Name Hister bezieht sich hier auf Hitler,

nicht aber auf dessen Namen, sondern auf die

lateinische Bezeichnung des Flusses Donau, wo

Hitler geboren wurde. Der erste Vers nimmt Bezug

auf Hitlers Hintergrund: seine Eltern waren arm.

Sein Talent als Redner wird ebenfalls betont. Und,

Hitler hatte einen katastrophalen Einfluss auf

Japan, dem Königreich des Ostens.

Weitere Ereignisse, die Nostradamus vorhergesagt

haben soll, und die sich punktgenau erfüllt

haben, sind zum Beispiel die Französische Revolution

und das Attentat, infolgedessen John

Kennedy gestorben ist.

Resümierend kann man sagen, dass der

Weltuntergang vielleicht irgendwann doch

passieren wird, was möglicherweise auch das Ende

der Menschheit herbeiführt – genauso unver -

meidlich wie unser individueller Tod. Was aber

die Prophezeiungen angeht, können sie nie sicher

sein, denn sie sind immer ein Hinweis auf

mögliche Szenarien. Sie sind nie endgültig,

sondern stellen eine Momentaufnahme für einen

bestimmten Zeitpunkt dar, die zeigt, was

passieren kann, wenn wir gewisse Dinge nicht

ändern. Letztlich sollte jeder sorgsam mit

Weissagungen umgehen. Durch Worte,

Gedanken und Handlungen erschaffen wir,

Menschen, unsere Realität immer wieder neu.


26

WEITER GEDACHT

mediakompakt

Bild: Billy Abbott | Flickr

Die

nach Glück


1/2017 WEITER GEDACHT

27

Glückspiel bedeutet, dass der Gewinn

bei einem Spiel ganz oder teilweise

vom Zufall abhängt. Der Einsatz dabei

ist meist Geld. Jeder zweite Deutsche

nimmt gelegentlich an Glückspielen

teil. Die Einsätze liegen meist unter 30 Euro. In

Deutschland sind laut der Bundeszentrale für

gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der

Deutsche Lotto- und Totoblock

(DLTB) etwa 500.000 Personen

glücksspielsüchtig. Das Geld wird

vor allem an Geldspiel automaten,

bei Sportwetten oder bei Ca -

sino-Spielen im Internet verzockt.

Die Spiel sucht ist eine zwanghafte

Krank heit, genau wie bei

Alkoholikern oder Drogen a b -

hängigen. Aller dings steht die

körperliche Gesundheit weniger

im Mittel punkt bei der Spielsucht,

son dern eher der soziale Faktor. Spielsüchtige

schotten sich ab, haben meist Schulden und

vernachlässigen ihr Sozialleben.

Ahmed* ist Mitte zwanzig und begleitet seine

Freunde regelmäßig in Spielhallen. Das Glücks -

spiel gehört schon immer zu seinem Leben. Im

Gegensatz zu vielen anderen spielt er aber immer

nur um kleine Beträge bis 50 Euro. Darauf ist er

sehr stolz, denn er hat eine traurige Geschichte zu

berichten. Sein Vater, das Oberhaupt einer acht -

köpfigen Familie, hat sein Leben lang das Geld der

Familie verzockt. „Das ist für ihn wie arbeiten

gehen“ erzählt Ahmed. „Mein Vater ist Hartz IV

Empfänger und konnte mit Glückssträhnen das

Geld teilweise verdoppeln – oder aber komplett

verlieren.“ Gewinne und Fast-Gewinne sind am

gefährlichsten für Spielsüchtige. Das Gefühl, den

Zufall und somit die Wahrscheinlichkeit über

Tätigkeitsabfolgen beeinflussen zu können treibt

Birne, Birne, 7,… tadam, 7, Pflaume, Birne,…

tadam. … Die Glückspielautomaten dudeln und

klingeln rund um die Uhr. Sie setzen die Spieler in

Trance. Vom Zufall getrieben werden immer wieder

neue Beträge gesetzt ...

VON SUSAN STÖRKLE

den Spieler zu immer höheren Einsätzen. „Es geht

ums Hoch drücken, noch mehr Geld und noch

mehr Geld.“, so Ahmed. Gewinne werden meist

gar nicht aus bezahlt, sondern direkt in neue

Spiele investiert. Doch was genau passiert im

Gehirn beim Glücks spiel? Warum fällt es vielen so

schwer wieder damit aufzuhören? Beim Spielen

kommt man in Rage, je mehr man sich darin

vertieft und und je mehr Gewinne man erzielt,

desto mehr Dopamin wird vom Gehirn aus -

geschüttet. Dopamin ist unter anderem das Hor -

mon, welches uns beim Sex zeitweise glücklich

macht. Im Gehirn des Spielers wird das Beloh -

nungs system aktiviert. So geht es ihm nur gut,

wenn er wieder Geld setzen und den Rest dem

Zufall überlassen kann. Alleine die Aussicht auf

einen Gewinn reicht schon aus, um vom Gehirn

mit Glücksgefühlen belohnt zu werden. Im Alltag

wird die Lust nach dem Spielen immer weiter

konditioniert. Egal in welcher

Situation, ein Spiel ist immer

verlockend. Das Internet stellt

eine weitere Gefahr da. Denn

egal ob mobil, am

Arbeitsplatz oder zu Hause:

Die Möglichkeiten, Geld in

das Glücksspiel zu setzen,

sind groß. Es gibt im mensch -

lichen Gehirn jedoch ein

Zentrum, das uns wieder zur

Vernunft bringt: Der prä -

frontale Kortex. Bei Kindern und Jugendlichen ist

dieses Zentrum im Gehirn noch nicht richtig

ausgereift. Daher sind besonders Jugendliche

sucht ge fährdet. Die Kontrolle über sich selbst zu -

rück zubekommen ist also nicht unmöglich, aber

nicht einfach. Die Spuren, die das Glücksspiel im

Ge hirn hinterlässt, vertiefen sich mit der Zeit.

Sobald ein Suchtverhalten zu erkennen ist, sollte

daher um gehend gehandelt werden. Der Ausstieg

wird sonst immer schwerer.

*Name von der Redaktion geändert

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WEITER GEDACHT

mediakompakt

BAMF Pressefoto

Die Zentrale des BAMF in Nürnberg.

Die Entscheidung über ein fremdes

Schicksal

Eine ehemalige Entscheiderin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge berichtet von ihrer

Arbeit und erklärt, warum es wichtig ist, bei der Bearbeitung der Asylanträge Distanz zu wahren

und die Schicksale objektiv und nach geltendem Recht zu beurteilen.

VON KILIAN BAIER

Das größte Problem der Jahre 2015 und

2016 war die Flüchtlingskrise, die

immer noch andauert und in deren

Rahmen Millionen von Menschen in

die EU eingewandert sind. Die meisten

Flüchtlinge stammen aus Syrien, Afghanistan

oder dem Irak und sind auf der Flucht vor Krieg

und Verfolgung. Die riesige Menge an Flücht -

lingen stellt die deutschen Behörden vor einige

Probleme und hat zu Kritik an den Abläufen ge -

führt. Für die MEDIAkompakt haben wir ein Inter -

view mit einer ehemaligen Entscheiderin des Bun -

desamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF)

zum menschlichen Aspekt ihrer Arbeit führen

können. Die befragte Person will nicht nament -

lich genannt werden.

MEDIAkompakt: Könnten Sie zuerst bitte ganz kurz

Ihren Werdegang schildern?

Antwort: Ich habe eine klassische Ausbildung zur

Diplom-Verwaltungswirtin gemacht und war fast

zehn Jahre in der Arbeits- und Sozialverwaltung

tätig, bevor ich in den Bereich Asyl zum Bundes -

amt für Migration und Flüchtlinge gewechselt

bin.

MEDIAkompakt: Sie waren bis vor nicht allzu langer

Zeit eine Entscheiderin des BAMF. Können Sie

kurz beschreiben, was das für eine Aufgabe ist?

Antwort: Entscheider sind für die Prüfung von

Asylanträgen zuständig. Diese Aufgabe umfasst

sowohl die wichtige persönliche Anhörung als

auch die darauffolgende Entscheidung über Asyl -

anträge. Der Entscheider gibt Tage an, an denen er

anhören möchte, und Tage, an denen er Zeit für

Recherchen und Bescheiderstellungen braucht.

Zudem sollte ein Entscheider gerne mit Menschen

zu tun haben. Denn letztlich geht es darum, mit

Fremden in Kontakt zu treten, eine vertrauens -

volle Basis aufzubauen und mit ihnen zu spre -

chen. Immerhin geht es hier um Verfolgungs -

schicksale, es gehört Empathie dazu, Offenheit

und Authentizität.

MEDIAkompakt: Hatten Sie auch persönlichen

Kontakt zu Flüchtlingen? Wenn ja, wie sah der

aus?

Antwort: Alleine durch die Anhörungen hat man

fast täglich persönlichen Kontakt zu Asylsu -


1/2017 WEITER GEDACHT

29

chenden. Nach der Anhörung sieht man die Per -

sonen in aller Regel jedoch nicht wieder.

MEDIAkompakt: Wie wichtig ist die Entscheidung

über den Asylantrag für die Betroffenen? Hatten

Sie ein großes Gefühl von individueller Ver -

antwortung?

Antwort: Die Anhörung ist der wichtigste Be -

standteil im Asylverfahren. Er ist besonders

wichtig für die Antragsteller. Auf Grundlage der

in der Anhörung vorgetragenen persönlichen

Fluchtgeschichte wird entschieden, ob jemand

bleiben darf oder gehen muss. Natürlich ist man

sich seiner Verantwortung und auch der

Tragweite der getroffenen Entscheidungen be -

wusst. Dennoch weiß ich, dass ich die Entschei -

dung aufgrund des Gesetzes treffe.

MEDIAkompakt: Wie viel Interpretationsspielraum

lassen die gesetzlichen Vorschriften, die der

Entscheidung über Asyl zu Grunde gelegt wer -

den?

Antwort: Die gesetzlichen Vorschriften an sich

lassen mir keinen Interpretationsspielraum. Der

Vortrag des Asylantragstellers ist auf die Voraus -

setzungen für die verschiedenen Schutz formen

zu prüfen.

Vielmehr geht es darum zu entscheiden, ob ein

Sachvortrag glaubhaft ist. Dies ist ein ganz

normaler Prüfschritt im Asylverfahren. Vielfach

haben Flüchtlinge keine Beweise für ihre Verfol -

gung, Narben können beispielsweise nur schwer

auf bestimmte Schicksale zurückgeführt werden.

Das Bundesverwaltungsgericht hat schon 1989

festgelegt, was einen Vortrag glaubhaft macht:

Kann jemand etwas detailreich, ohne Wider -

sprüche wiedergeben, und wenn es Widersprüche

gibt, können diese aufgeklärt werden? Es muss sich

ein schlüssiges Bild ergeben, und etwas muss auch

auf Nachfrage noch detailreich erzählt werden

können.

Gleichzeitig müssen wir immer darauf achten, ob

es für jemanden zumutbar ist, noch alles präsent zu

haben und ins Detail zu gehen. Wenn jemand zum

Beispiel eine Vergewaltigung erlebt hat, kann es

sein, dass er bestimmte Dinge verdrängt hat und

diese bewusst ausspart.

Des wegen ist es immer wichtig, ein Schicksal

insgesamt zu betrachten. Ob etwas glaubhaft ist,

muss aus der Gesamtschau heraus beurteilt

werden.

MEDIAkompakt: Ist es als Entscheiderin wichtig, Dis -

tanz zu wahren?

Antwort: Man weiß worauf man sich einlässt vor den

Anhörungen, gerade wenn man bestimmte Länder

bearbeitet. Natürlich gesteht man sich aber auch

zu, dass es schwierigere und traurigere Fälle gibt.

Dennoch habe ich immer versucht, das objektiv zu

sehen.

In der Anhörung ist man durchaus emphatisch,

man ist offen und versucht, eine gute Basis

aufzubauen, aber eben auch klar zu machen,

worum es in dem Gespräch geht. Dass man eben

nicht verhört, und dass man nicht neugierig ist,

sondern sich ein Bild machen muss.

Wenn man dann eine Entscheidung trifft,

versucht man, sich abzugrenzen und das einfach

rechtlich zu be trachten.

MEDIAkompakt: Sie haben als Sonderbeauftragte für

unbegleitete Minderjährige und Frauen gear -

beitet. Gibt es viele solcher Fälle? Werden Betrof -

fene besonders berücksichtigt?

Antwort: Ich wurde zur Sonderbeauftragten aus -

gebildet und war für unbegleitete Minderjährige

und Menschen, die geschlechtsspezifische Verfol -

gung erlebt haben, zuständig.

Ich habe Frauen kennengelernt, denen eine

Zwangs heirat drohte oder die häusliche Gewalt

erlebt haben.

Es gilt hier behutsam und mit möglichst viel

Empathie vorzugehen.

MEDIAkompakt: Wie wird man Sonderbeauftragter?

Antwort: Sonderbeauftragte müssen persönlich

geeignet sein und über Berufserfahrung im Asyl -

verfahren verfügen. Wer dies mitbringt und

Interesse hat, sich zu spezialisieren, kann zur Son -

derbeauftragten ausgebildet werden. Sonder be -

auftragte erhalten zu Beginn und im späteren Ver -

lauf Schulungen.

MEDIAkompakt: Was ist Ihre neue Aufgabe in der

Zentrale des BAMF? Seit wann üben Sie diese aus?

Antwort: Ich arbeite seit ein paar Jahren in der

Zentrale und befasse mich mit Öffentlichkeits -

arbeit und politischer Kommunikation, das Asyl -

recht ist mir als Arbeitsschwerpunkt geblieben.

Das BAMF

Gründung

Am 12. Januar 1953 wurde es als „Bundesdienststelle für die Anerkennung

ausländischer Flüchtlinge“ gegründet. 1965 folgte die Umbenennung in

„Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge“ und seit 1. Januar

2005 trägt es den Titel „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“.

Aufbau

Das BAMF hat eine dezentrale Struktur und hat neben der Zentrale in Nürnberg

noch zahlreiche Außen- und Regionalstellen sowie Entscheidungs- und

Ankuntszentren über Deutschland verteilt.

Aufgaben

Die Aufgaben des BAMF sind neben der Durchführung von Asylverfahren und

Zuerkennung des Flüchtlingsschutzes auch die Koordination der bundesweiten

Integration und die Migrationsforschung, bei der Daten und Erkenntnisse für

Politik und Gesellschaft ermittelt werden.

Mitarbeiter

2016 waren etwa 7.300 Mitarbeiter in Vollzeit, 1.600 Mitarbeiter in Teilzeit

beim BAMF beschäftigt (Stand April 2016). Ende 2015 bestand die Belegschaft

noch aus 3.300 Mitarbeitern.

Rückblick auf 2016

Im Jahr 2016 hat das Bundesamt über die Anträge von 695.733 Personen

entschieden. Dies ist ein Anstieg von circa 146% gegenüber dem Vorjahr

(282.726 Entscheidungen).

Bild: Pixabay


30

WEITER GEDACHT

mediakompakt

Das Schicksal der Flüchtlinge –

auch unser Eigenes?

Während des zweiten Weltkriegs gab es Millionen von Flüchtlingen. Deutschland trug mit seiner

Feindseligkeit erheblich dazu bei. Doch die damals Geflüchteten haben wieder eine Heimat

gefunden und so war dieses Thema jahrelang für die Öffentlichkeit nicht mehr präsent. Umso

überraschender dann die letzten Wochen und Monate. Von Januar 2016 bis zum November gab

es knapp 724.000 Asylanträge, das sind mehr Anträge als in den letzten 15 Jahren zusammen

(2015 außen vorgelassen). Warum lassen wir es zu, dass andere Schicksale sich mit unserem

verknüpfen?

VON FELIX MÖLLER

Warum verlassen die Menschen ihre

Heimat? Es fällt mir schwer zu

sagen, warum das alles passiert.

Denn wir Deutschen haben weder

einen Krieg angefangen, noch sonst

ein Land in Europa. Tatsächlich waren wir alle

froh eine so schöne und so heile Welt in unserer

EU aufgebaut zu haben. Und haben wir uns selbst

nicht eine schöne Zukunft aufgebaut?

Das wann lässt sich leichter feststellen. Seit

2015 spricht man im europäischen Raum davon.

Im Jahr 2015 waren nach UNHCR (dem Hoch -

kommissar der Vereinten Nationen für Flücht -

linge) 60 Millionen Menschen weltweit auf der

Flucht. Bei so vielen Menschen wundert es dann

doch eben weniger, dass auch Europa davon

betroffen ist. Nach Robert Barros Migrations -

potential- For mel setzt ein Einkommens unter -

schied von 10 % zwischen einer ärmeren und

einer reicheren Region grund -

sätzlich eine Wan derungsbe we -

gung von 0,05 % bis 0,15 % frei.

Zwar wird Angela Merkel dafür

kritisiert, dieses Wanderungs po -

tential unterschätzt zu haben, als

sie Deutschland (und damit auch

Eu ropa) durch ihre Politik im

Sommer 2015 als ein flüchtlings -

offenes Land hervorgehoben hat.

Denn damit soll sie einen Teil der

weltweiten Ströme der „Wirt schaftsflüchtlinge“

nach Deutsch land umdirigiert haben. Aber ein

großer Teil der Flüchtlinge, die nach Deutschland

2015 waren

60 Millionen

Menschen

auf der

Flucht.

kommen, fliehen vor dem Bürger krieg in Syrien.

Oder aus den Westbalkan staaten: Dort fliehen

Menschen vor dem Exis tenz min imum. In

Afghanistan und Pa kistan flie hen

die Bewohner vor den Taliban und

den instabilen politischen

Systemen. Aus Eritrea kommen

Men schen, wegen dem

unbegrenzten Militärdienst und

den willkür lichen Verhaf tungen,

in Nigeria haben die Einwohner so

große Angst vor der Boko Haram,

dass sie sich eine neue Heimat

suchen. Die islamistische Terror -

miliz Al-Shabaab, der Bürgerkrieg und die

Rekrutierung von Kinder soldaten erschrecken die

Einwoh ner Somalias. Die Jugendlichen aus den

Mahgreb- Staaten Algerien, Marokko und Tu -

nesien fliehen vor der hohen Jugendarbeits -

losigkeit und damit vor der Existenzlosigkeit. Ein

Wort das sich schon komisch anhört, weil es

wenig vorstellbar ist. Doch auch dort gibt es

darüber hinaus will kürliche Verhaftungen und

Menschenrechts verletzungen. Und mit dem Hin -

ter grund des Ukrainekriegs suchen auch einige

russische Staats bürger in Europa Asyl.

Setzt man sich also mit dem Warum dieser

Flüchtlingskrise auseinander, dann versteht man,

dass viele bereitwillig ihre Zeit und ihr Geld für

diese Menschen aufwenden. Denn auch wir

Deutschen haben ähnlich Schlimmes erlebt, oder

von unseren Eltern oder unseren Großeltern

dieses oder jenes gehört. Mein Großvater hat mir

erzählt, dass man manchmal nur überlebt, weil

andere einem helfen. Er hat beide Weltkriege

überstanden. In uns allen steckt dieses Gefühl,

dass auch wir einmal in einer solchen Situation

sein könnten und auch wir irgendwann Hilfe

brauchen. Wie können wir Hilfe annehmen,

wenn wir nie bereit waren zu helfen?

Bild: pixabay.de

Warum nur, warum?

„Warum lassen wir es zu, dass alle nach

Deutschland kommen?“ Diese Aussage zeigt


1/2017 WEITER GEDACHT

31

mehrere negative Punkte, wie diese Flüchtlings -

debatte geführt wird. Aufge bauschte Nachrichten

mit Flücht lings zahlen, die ohne jede Be zugs -

punkte genannt wer den. Genau wie oben in die -

sem Kom mentar zu der Entwick lung der Asyl -

anträge. Wir haben 724.000

Asylanträge auf ein Land mit über

80 Millionen Einwohner. Wenn

alle Asylanträge angenom men

werden sollten, dann wäre das ein

Zuwachs von weniger als 1 % der

Bevölkerung Deutschlands.

Es steckt aber auch der Hin weis

darin, dass die Flüchtlinge in an -

deren Ländern überleben könn ten

und daher unsere Hilfe gar nicht

direkt be nötigen. Doch das weist eher auf eine

Charak terschwäche hin. Denn wenn alle so

denken und handeln würden, dann könnten die

Flüchtlinge nicht überleben. Wenn man etwas

verändern möchte auf dieser Welt, dann tut man

gut daran mit gutem Beispiel voranzugehen.

Am kritischsten ist allerdings die fehlende

Tiefe in der Flüchtlingsdebatte. Es gibt nur zwei

Pole, diejenigen die komplett schwarzsehen, was

das Aufnehmen von Flüchtlingen betrifft und die

weißen strahlenden Helden unserer Nation. Es

fehlen jene die „aber“ sagen können, ohne als

„Aber-Nazis“ abgestraft zu werden. Das soziale wie

mediale Umfeld zwingt einen dazu Pro Flücht -

Was, wenn

wir einmal

in so eine

Situation

kommen?

linge zu sein. Oder wenn man das nicht ertragen

kann, dann bleibt einem fast nichts anderes übrig

als komplett dagegen zu sein. Und damit gerät

man einfach in Alternative für Deutschland-,

Pegida- oder, noch schlimmer, NPD-Gruppier -

ungen, bzw. man wird dort

hineingesteckt. Es fehlt die Mutter

die öffentlich sagen kann, dass sie

ihr Kind nicht bei einem Anschlag

verlieren möch te, weil es die

Terroristen dank der Flücht -

lingsströme sehr einfach ha ben

nach Deutschland zu kommen. Es

fehlt auch derjenige, der mit Stolz

sagen kann, er hilft gerne

Menschen, aber er möchte eben

nicht, dass sein eigenes Leben da runter leidet. Er

möchte nicht einen Einkom mens -

verlust von 10 % haben oder 20 %

oder 50 %, je nachdem wie viele

Flüchtlinge aufgenommen werden.

Wenn man nicht sagen kann,

was man denkt, dann kann man

darüber auch nicht (mit diesem

Menschen) diskutieren. Dann kann

man eben nicht sagen, woran dieser nicht gedacht

hat, wobei er Recht haben mag, aber wie man das

Pro blem auch anders lösen könnte. Und man

kann ihm auch nicht sagen, dass es für manches

Kann man

jemanden

zum Helfen

zwingen?

keine Lösung gibt, aber man besser etwas macht

als gar nichts. Wenn man das nicht er möglicht,

wenn man Menschen unreflektiert in die

„Aber-Irgend was“ Ecke steckt, dann tut man

letzten Endes nichts anderes als sie zu etwas zu

zwingen, was sie nicht möchten oder vor dem sie

Angst haben. Darf man einen Menschen dazu

zwingen jemand anderem zu helfen, wenn er

Angst vor dieser Situation, vor den Verän -

derungen oder Angst um sein Leben hat?

Das Schicksal

Wir können nicht verhindern, dass diese Schick -

sale sich mit unserem verknüpfen. Weisen wir sie

ab, dann werden wir wissen, dass wir nicht ge -

holfen haben. Das wir einige von ihnen, die nir -

gend wo anders unterkommen konnten, dem Tod

überlassen haben. Oder dass wir

uns gewaltsam wehren mussten,

damit keine Flüchtlinge mehr

nach Deutsch land kommen.

Oder wir werden in Deutschland

wieder eine Mau er haben. Nein,

unser Schicksal ist schon lange

mit dem der Flücht linge ver -

bunden. Aber es ist einfach ro -

man tischer, sich vor stellen zu können, man habe

es zugelassen. Oder das man notfalls alles noch

im mer ignorieren kann. Man ist ja schließlich

seines eigenen Glückes Schmied.

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