ROTER FADEN

total.lokal.de

obernkirchen Historie

Niedersächsische Stadt im Landkreis

Schaumburg am Rande der Bückeberge,

10800 Einwohner, Glas-, Maschinen-,

Textil- und Holzindustrie, Stift- und zweitürmige

Stiftskirche aus dem 12. Jahrhundert,

815 als Benediktiner-Nonnenkloster

gegründet, seit 1560 Damenstift, Kreuzbasilika.

Obernkirchen entstand um ein 1167 gegründetes

Augustinerinnenkloster. Dieses

Kloster hatte früher die lukrative Aufsicht

über die Sandsteinbrüche. Die Bewohner

der Stadt waren noch bis 1565 Leibeigene

des Klosters. Weil der rotbärtige Kaiser

Friedrich Barbarossa dem Kloster 1181

die Marktgerechtigkeit verlieh, ist man

ihm in der Stadt ewig dankbar und feiert

ihm zu Ehren jeden Oktober den historischen

Babarossamarkt.

Schon im 15. Jahrhundert begann man

in den Bückebergen auch mit dem

Steinkohle abbau. Bald schon gewann

man unter der Aufsicht der gräfl ichen

„Köhlvögte“ einen guten Ruf und machte

der englischen Kohle gehörige Konkurrenz.

Heute kann man sich mit dem nördlichsten

deutschen Bergbaumuseum rühmen.

Das Gebäude am Kirchplatz dient

zugleich auch als Stadtmuseum; im Mittelpunkt

steht das älteste, aber kleinste

Steinkohlebergwerk Deutschlands. Man

fi ndet beispielsweise eine komplette

Berg mannswohnung, eine eindrucksvolle

Sammlung von Grubenleuchten und ein

mechanisches Kunstbergwerk mit beweglichen

Figuren. Die Stiftskirche besteht

aus einem romanischen Westbau

und einem gotischen Langhaus. Bemerkenswert

ist die Innenausstattung: Der

geschnitzte Hochaltar stammt von 1496,

Figurenkanzel und Taufstein aus dem

17. Jahrhundert. Stimmungsvoll ist auch

der Kreuzgang, der teilweise noch romanisch

ist. Am Marktplatz stehen einige

malerische Fachwerkhäuser. Im stillen

Obernkirchen scheint die Zeit stillzustehen,

so verträumt wirkt das Städtchen am

Fuße der Bückeberge. Die Stimmungsvolle

Stiftskirche und das Fachwerkgewinkel

am Markt bilden einen reizvollen Kontrast

und verströmen Kleinstadtzauber. Der

Stoff, aus dem die Weserrenaissance ihre

prächtigsten Schlösser, Adelshöfe und

Bürgerhäuser hervorbrachte, stammt vom

nordwestlichen Rand der Bückeberge.

Das Städtchen ist durch seine Sandsteinbrüche

bekannt geworden; aus Obernkirchener

Sandstein wurde zum Beispiel das

Bremer Rathaus, die Berliner Siegessäule,

die „Villa Hügel“ in Essen, das Voßhaus

in Eutin und die Amalienborg in Kopenhagen,

um nur einige zu nennen, erbaut.

Im Mittelalter wurde der Obernkirchener

Sandstein auch schon in die Niederlande,

nach Skandinavien und Rußland verfrachtet.

Das Gestein wurde bereits in Obernkirchen

vorbereitet und bearbeitet; viele

Baumeister reisten höchstpersönlich an,

um die Steine vor Ort auszusuchen. Die

Bremer, besonders der Großkaufmann

Lüder von Bentheim, machten den Stein

vom Kamm des Bückeberges unter dem

Namen „Bremer Stein“ berühmt.

Die Sandsteinspur führt in Form eines

Skulpturweges auch durch den historischen

Stadtkern des Ortes selber. Die

Kunstwerke erinnern an vergangene Bildhauersymposien.

6

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine