Snowtimes-2010-Davos

snowtimes

SNOWTIMES

Wintersport | Lifestyle | Davos | Klosters | Parsenn ///// Ausgabe 2010

Davos

Langlaufskier

sind wieder im

Trend

Klosters

Clair Southwell will

die Millionengrenze

knacken

Parsenn

Ein fast wahres

Wintermärchen


Davos sind wir

Kontrast auf der Schatzalp

Herr App, endlich dürfen wir Sie auch

einmal auf der Schatzalp interviewen.

Grundsätzlich bin ich skeptisch gegenüber

solchen Mediengeschichten.

Wieso?

Diese Selbstbeweihräucherung – das gefällt

mir nicht.

Die Schatzalp lebt, ist das nicht ein Grund

zu informieren?

Wir haben doch immer gesagt, dass wir

schrittweise erneuern. Und dieses Jahr ist

nun das Skigebiet an der Reihe. Ich will es

zuerst fliegen sehen, bevor ich Marketing

mache.

Sie garantieren, die Lifte fahren so langsam

wie früher?

Richtig, das ist einer unserer Slogans.

Und Sie garantieren Naturschnee?

Sowieso.

Damit untermauern Sie ihren Ruf als

Querdenker.

In erster Linie wollen wir einen Kontrast setzen

zu anderen Skigebieten. Die älteren Skifahrer

und alle, die es gerne etwas langsamer

haben, sind unsere Hauptzielgruppe.

Viele ältere Leute fahren aber gar nicht

mehr Ski.

Eben! Dabei gibt es erheblich mehr 40- bis

50-Jährige, als 10- bis 20-Jährige. Die Bevölkerungsentwicklung

zeigt uns klar, dass

wir da was machen müssen.

Sie versuchen, die Älteren zurück auf die

Piste zu holen?

Genau. Und dafür müssten wir eigentlich einen

Preis von der Ski-Industrie bekommen.

Denn der Effort, jemanden beim Skifahren

zu halten, ist kleiner, als jemanden zum Skifahren

zu bringen.

Wieso haben so viele aufgehört?

Es ist eine allgemeine Unzufriedenheit bei

älteren Leuten festzustellen. Schnellere Lifte,

flachgehobelte Pisten und neues Material –

viele kommen mit diesen High-Speed-Bergen

nicht mehr klar.

Endlich können wir nach dem Parsenn-

Tag wieder via Schatzalp nach Haus brettern.

Moment! So ist das eben nicht vorgesehen.

Wer auf die Schatzalp kommt, soll dies bewusst

tun.

Die Verbindungsbahn nach Parsenn

bleibt geschlossen?

Vorerst, ja. Die Konzession werden wir

auf nächsten Winter einreichen. Aber

die Schatzalp soll klein und ruhig bleiben.

Kommt eine Erweiterung Richtung Arosa

in Frage?

Das ist absolut kein Thema. Ich bin kein Fan

von diesen Ski-Safaris. Man muss sich eben

stets die Frage stellen: Bringen all diese Zusammenschlüsse

wirklich mehr Gäste?

Dem Tarifverbund werden Sie mittelfristig

aber schon beitreten?

Das lasse ich offen. Vernünftig wäre es.

Wir haben letztes Jahr die Vision Davos

2030 propagiert.

Jaja, das habe ich gelesen. Zusammen an einen

runden Tisch setzen – das habe ich früher

auch immer gedacht, dass das möglich

sein müsste.

Dann tragen Sie also den Gedanken mit:

Davos sind wir?

Unser Beitrag dazu: Die Schatzalp wieder

hinkriegen. Dann schauen wir weiter.

Inhalt

Seite 10 | Parsenn-Stammgäste

Leo Jäggli und Hermi Mettler sind die

Parsenn-Stammgäste 2010.

Seite 11 | Meyer-Power

Der Vorschlag von Schmid, neuer Inhaber

der Galerie EULE-ART in Davos

leuchtet ein.

Seite 12 | Cecile Bähler

Die schöne Wetterfee sagt aus Zürich regelmässig

den Davoser Sonnenschein

voraus.

Seite 18/19 | Green Terra

Hans-Jürg Wasescha ist ganz auf grüne

Energie umgestiegen. Ein Jahr nach dem

grossen SNOWTIMES-Interview hat er

damit erneut viel zu berichten.

Seite 35-37 | Konkret

Sophie Taeuber-Arp hat in der Kunstwelt

deutliche Spuren hinterlassen. Im Kirchnermuseum

wird damit auch die Fünfzigernote

zum zentralen Thema.

Seite 40 | Vladimir Putin

Das sollte nach der Krise beachtet werden.

Seite 42/43 | Seitenwechsel

Corina Fäh führt in vier verschiedenen

Sprachen durch das Wintersportmuseum.

Seite 44/45 | Werte-Diskussion

Das Alpinum Lyceum hat Wintersport-

Ansätze zur modernen Erziehung.

Seite 46 | Herzsichere Parsennhütte

Nun gibt es auch auf dem Berg einen

Defibrillator. Urs und Maria Schmidt

stellen das Gerät vor.


Wild Girls on Sn


ow

Celebrating

10 years charity

Wild Girls on Snow hat bis jetzt über Fr. 500´000.- eingebracht.

Ausschließlich für wohltätige Einrichtungen,

wie Kinderhilfswerke und Krebsforschung. Sowohl in

der Schweiz, als auch in Großbritannien. In diesem Winter

geht das Ski Happening in seine elfte Saison und wartet

auf zahlreiche Zuschauer und Mitwirkende. Austragungsort

ist wiederum das Parsenn-Skigebiet. Die

Veranstaltung findet jedes Jahr unter einem speziellen

Thema statt. In den vergangenen Jahren war dies zum

Beispiel: »Sherlock Holmes Murder Mystery«, ein Modethema

im Sinne von »was man nicht auf der Piste

trägt«, Schweizer Folklore mit »Heidi, Peter und Schellenursli«

James Bond mit »007 – Mission Breast Cancer«,

»Wild Wild West« und einmal war das Thema »Eis-

Skulpturen«.

Das Thema in diesem Jahr lautet »Strictly

come Skiing«. Weitere Informationen:

www.wildgirlsonsnow.com


Die Fahrt mit dem Bernina

Express ist bezaubernd. Stets

mit Panorama-Wagen.

01 Mario Costa auf dem

historischen Bernina

Krokodil, das zum

Jubiläum renoviert wird.

Clair Southwell

und die »Wild Girls on Snow«

Aller Anfang war der Schiesssport. Zumindest bei Clair Southwell.

Zum Schiessen kam Clair durch Mark Knopfler. Diesen wiederum

traf sie durch Prinz Charles. Aber alles von vorn.

Geboren in London, wuchs Clair in einer

ländlicheren Gegend auf. Ihr Talent als Pianistin

führte sie zum Studium nach Wien,

wo sie die Lust am Fotografieren entdeckte.

Dies wurde kurzzeitig ihr Beruf, bis sie als

Haushälterin für Steve Winwood tätig war

und sich hauptsächlich um dessen Pferde

kümmerte. Einige Jahre und eine gescheiterte

Ehe später startete sie einen neuen Abschnitt:

Heilmasseurin. Sportmassage, ihre

Spezialität, führte Clair schliesslich nach

Klosters, wo sie für fünf Jahre die Leitung

einer Skischule übernahm. So kam sie in

Kontakt mit Prinz Charles. Und da Clairs

Sommer meist ohne Arbeit waren, entschied

sie sich für einen Vollzeitjob im Dienste ihres

neuen königlichen Bekannten. Als

Hauptverantwortliche für sämtliche Korrespondenzen

schaffte sie es, mit Hilfe von

60 Mitarbeitern auf 90‘000 der 350‘000

Briefe nach Dianas Tod innerhalb von sechs

Wochen zu antworten. Eine beachtliche

Leistung.

Zurück zu Mark Knopfler. Neben ihm sass

sie eines Abends während eines Dinners. Er

selbst ein begnadeter Tontaubenschütze, lud

sie in die Royal Berkshire Shooting School

zu einer Trainingsstunde ein. Nach ein paar

Schuss war Clair infiziert. So dauerte es

auch nicht lange bis zur Umsetzung des ersten

Wohltätigkeitsevents 1997, welches das

Tontaubenschiessen als Wettbewerb ansetzte:

Die Aston Martin Mayflower Challenge

war geboren. 1998 entschied sich

Clair dazu, das Planen von Wohltätigkeitsveranstaltungen

zur hauptberuflichen Tätigkeit

zu machen und rief weitere, hoch angesehene

Events ins Leben. Darunter das Alfred

Dunhill golf tournament, die Sarasin Challenge

und natürlich die Really Wild Girls

Days, ein höchst kompetitiver Schiesswettbewerb,

der 25 weibliche Teams über einen

Parcours jagt. In Jahr 2000 wurden die Really

Wild Girls Days nach Klosters verlegt.

Schnee steht nun im Mittelpunkt. Und die

Parsennhütte. »Urs und Maria Schmidt haben

den Anlass von Anfang an kräftig unterstützt

– das ist genial«, sagt die Initiantin.

Fortan gab es stets ein Skirennen mit verschiedenen

verrückten und herausfordernden

Aufgaben. Aber auch die Tradition des

Schiessens darf nicht fehlen. Zwar ohne Tontauben,

dafür mit Paintball. Die mittlerweile

20 Teams, bestehend aus drei Frauen und einer

Celebrity, darunter jeweils aktuelle Ski-

Stars und zahlreiche weitere Sportler, treten

an zwei Wettbewerbstagen gegeneinander

an. Abgerundet wird der jährlich im März

stattfindende Event mit Cocktail Parties, eleganten

Dinners und Après-Ski. Höhepunkt

der Festivitäten ist das Gala Dinner am letzten

Abend und die daran anschliessende

Auktion. Jedes Jahr organisiert Clair ein paar

Überraschungen, damit die Teilnehmer ganz

auf ihre Kosten kommen und im Folgejahr

wieder kräftig spenden. Als das Thema »wild

wild west« lautete, fuhr ein Extrazug der

Rhätischen Bahn von Klosters nach Davos.

In Davos Wolfgang wurde ein Überfall inszeniert.

Eine Bande von Ganoven stürmte

den Zug. Und holte, was zu holen war.

Text: Eva Kaufmann


Spektakuläre Fahrt durch die Berge

Die Rhätische Bahn bietet einzigartige Erlebnisse. »Die Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/

Bernina ist die wohl schönste Verbindung von Nord nach Süd«, sagt Mario Costa. Er renoviert in

Poschiavo gerade ein historisches Fahrzeug. Denn auf der Bernina-Linie steht ein grosses Jubiläum an.

Mario Costa ist seit 54 Jahren bei der Rhätischen

Bahn. Als Elektroingenieur, Depot-

Chef und Lokführer. »Ohne die Bernina-

Bahn wäre mein Leben anders verlaufen.

Ganz anders«, sagt er. Am Anfang war es

eher Zufall, dass er eine Lehre bei der Rhätischen

Bahn begonnen hat. Aber dann war

er fasziniert. Mit 24 Jahren bestand er die

Lokführerprüfung. Dann zog es ihn in die

Hauptwerkstätte nach Landquart, wo er 20

Jahre lang als Ingenieur tätig war – davor

schloss er die Hochschule Chur ab. »Hier

konnte ich helfen, die technischen Probleme

auf dem ganzen Graubündner Schienennetz

zu lösen.

Als ich dann später zurück in mein Heimatdorf

Poschiavo kam, wurde ich Depot-Chef

der Bernina-Bahn und konnte dieses Wissen

gut gebrauchen«, sagt er. Mittlerweile ist er

längst pensioniert, steht aber immer noch im

Einsatz, wenn sein Fachwissen gebraucht ist:

Als Lokführeraushilfe oder treibende Kraft

der Renovation eines historische Berninafahrzeuges.

Dieses wird zum Jubiläum restauriert.

Nur die Frau ist nicht immer ganz

glücklich darüber: »Sie beschwert sich oft,

dass ich nie zu Hause bin.« Aber der Puschlaver

ist sicher: »Wer einmal mitgefahren ist,

kommt wieder. Und nimmt dann einen

Freund oder die Familie mit.« Im Jahr 2010

wird die Bernina-Bahn 100 Jahre alt.

Die beiden einzigartigen Bahnlinien (Albula

und Bernina) fügen sich mit spektakulären

Kunstbauten wie Viadukten und Kehrtunnels

harmonisch in die bezaubernde Landschaft

ein. Auf 122 wunderschönen Kilometern von

Thusis über St. Moritz nach Tirano geht es

über 196 Brücken, durch 55 Tunnel und an

20 Gemeinden vorbei. An der steilsten Stelle

wird eine Steigung von sieben Prozent gemeistert.

Und das ohne Hilfe eines Zahnrades.

Obwohl rund 100 Jahre alt, befindet

sich die Bahninfrastruktur in ausgezeichnetem

Zustand. Auch deshalb hat sie das

Welterbekomitee der UNESCO kürzlich in

ihre Welterbe-Liste aufgenommen. Damit ist

die Rhätische Bahn weltweit erst die dritte

Eisenbahn, die von der UNESCO als »universal

outstanding« beurteilt wurde. Die Begründung:

Die Rhätische Bahn in der Landschaft

Albula/Bernina sei ein Pionierwerk

moderner Ingenieurskunst und architektonischer

Konstruktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts

sei, »entstanden aus einem einzigartigen

Zusammenspiel von Natur, Kultur

und Technologie«.

Sie stelle auch ein einzigartiges Beispiel einer

Eisenbahn dar, die harmonisch in eine

Hochgebirgslandschaft integriert ist. Vorausschauende

Planung sei der Schlüssel gewesen:

Die Verbindung von technischer Innovation

und gleichzeitiger Rücksichtnahme

auf die Landschaft. Von Davos aus durch die

Zügenschlucht, durch das wildromantische

Albulatal, durch den finsteren Tunnel ins

lichtdurchflutete Engadin, vom mondänen

Tourismusort St. Moritz über die Gletscherwelt

der Bernina bis ins mediterrane Veltlin.

Die hochalpine Station Ospizio Bernina

(2253 m ü M) liegt nur 90 Minuten von

Tirano’s Italianità (429 m ü M) entfernt. Die

Bahnlinien verbinden deutschsprachige, rätoromanische

und italienische Sprachgebiete.

Darüber hinaus machen sie kulturhistorisch

bedeutsame Stätte erfahrbar.

Text: Alexandra Kohler

01


Stammgäste auf Parsenn

Auch Leo Jägli ist ein Bähnler. Als Stationsbeamter und später

Bahnhofsvorsteher stand er lange Zeit im Dienst

der RhB. Heute ist für ihn der Stammtisch in der Parsennhütte

reserviert. Zusammen mit Hermann Mettler ist er zum »Parsenn-

Stammgast 2010« erkoren worden.

Von allen Seiten kommen Grussworte, wenn

die beiden die Parsennhütte betreten. Man

kennt sie. Es wird bestellt – Prättigauer Knödel

an Kartoffelstock und Kalbskopf. Der

gemütliche Teil des Tages beginnt. Schon

um neun Uhr morgens machen Leo Jägli und

Hermi Mettler, beide Mitte siebzig, die Davoser

Pisten regelmässig auf ihren Carving-

Skis unsicher. Und wie so oft wird die nachmittägliche

Siesta auf dem Berg abgehalten

– bei Speis und dem einen oder anderen

Trank. Seit ihrer Pensionierung vor rund

zehn Jahren läuft das schon so, an rund fünfzig

Tagen pro Saison.

Das Skifahren hat sich Hermi grossenteils

bei Leo abgeguckt, der jahrelang in seiner

Freizeit Skischüler unterrichtete. Fährt Leo

einen Hang hinunter, traut sich auch sein

Kumpane. In Sachen Wintersport schaut

Hermi zu Leo auf: »Er ist ein Phänomen«.

Und man muss ihm beipflichten: Seit Jahren

hat Leo zwei künstliche Kniegelenke. Und

doch zieht er weite Kurven auf der Piste –

»Eisenknie« hin oder her. Später dann, bei

den nachmittäglichen Gemütlichkeiten, geht

auch mal die Zeit vergessen: »Irgendwann

kommt Maria, die Wirtin der Parsennhütte,

um uns daran zu erinnern, das letzte Bähnli

um halb fünf«, sagt Hermi. Dann geht es auf

die Gondel – oder auch nicht. Ab und zu

fährt die Bahn ohne die beiden ab. In diesem

Fall bleibt nichts anderes, als auf Skiern ins

Tal zu brausen. »Unten geben wir dann ein

Kontroll-Telefon an die Parsennhütte, dass

wir auch heil angekommen sind«. Der Wintersport

ist mitunter ein Grund, warum es

Leo und Hermi in die Region gezogen hat.

Damals, vor über fünfzig Jahren. Der Bähnler

und der Metzger konnten förmlich zusehen,

wie sich Davos in den vergangenen Jahren

veränderte.

»Es ist halt zur Stadt geworden«, meint Leo.

Die vielen Gesundheitskliniken wichen einer

vielfältigen Infrastruktur: Zum Beispiel dem

Hallenbad und der Langlaufloipe, dem Natureisfeld

und den Wellness-Oasen, dem

Kirchner- und dem Wintersportmuseum.

Und natürlich den vielen Skipisten. »In Davos

muss man den Winter und den Wintersport

lieben«, sagt Hermi. Da sind die Herren

geteilter Meinung. Es sei schon auch schön

hier im Sommer.

Zum Wandern. Zum Schwimmen. Oder um

auf die Jagd zu gehen. Damals, vor rund

zwanzig Jahren, schoss Leo sogar einen

Steinbock. »Aber hier oben ist effektiv ein

halbes Jahr lang Winter!« Die beiden »Parsenn-Stammgäste

2010« sind oft zusammen,

sei es beim gemeinsamen Skifahren, beim

Besuch eines Eishockey-Matches des HC

Davos, oder aber während der Zeit, die sie

mit den Freunden aus dem Männerklub verbringen.

»Altherren« nennen sie sich.

Stattlich, edel. Und noch heute geht regelmässig

die Post ab: Bei den alljährlichen

Festschmäusen zu Ostern und Weihnachten.

Und bei den Skiausflügen in Cortina

d`Ampezzo oder Samnaun. Und so soll es

auch künftig weitergehen: Gemeinsame Skiausflüge.

Die Seele baumeln lassen in der

Parsennhütte. Und einmal jährlich die Gemahlinnen

zum Mittagessen dorthin ausführen.

Plaudern, sitzen, schlemmen und sich

einen Kafi Schnaps gönnen. Oder zwei. Bis

zur letzten Gondel. Oder später.

Text: Simone Bächler

10


Annemarie Meyer

» Aber bitte nicht auf die Titelseite«,

sagt Annemarie Meyer,

als SNOWTIMES sie journalistisch

begrüssen will. Sie habe ja

erst gerade angefangen, wolle

zuerst einen Überblick gewinnen

und überhaupt: »Ich sehe mich

nicht im Vordergrund.«

Ideal sei die Ergänzung mit Reto Branschi,

der nun die Geschicke bei der Destination

Davos Klosters führt und in der Region einen

grossen Rückhalt geniesst. Dabei kommen

ihr die Erfahrungen bei Schweiz Tourismus,

in St. Moritz und bei der Mitorganisation

der FIFA WM in Korea und Japan zu

Gute. »Und natürlich die Vergangenheit im

Sportsponsoring von UBS, wo die letzten

Jahre mit Alinghi«, UEFA EURO 2008 und

der Finanzkrise wegen den ständigen Auf

und Ab‘s extrem spannend, aber auch herausfordernd

waren«. Was ist die grösste Herausforderung

in Davos, Frau Meyer? »Neue

Gäste zu gewinnen und die Wertschöpfung

zu steigern.« Die Massnahmen dazu müssten

nun erarbeitet werden.

01

Meyer-Power

» Eigentlich müsste man hier den Titel Meyer-Power setzen«, sagt

Stefan Schmid, Inhaber der Galerie EULE-ART. »Denn eine unserer

neuen Künstlerinnen in diesem Winter heisst auch Meyer

– Claudia Meyer. «

Sie sei sehr sensibel für den Zeitgeist, für

kleine, flüchtige Details des täglichen Lebens,

sagt die Künstlerin über sich selber.

Konrad Schlatter, ein Künstler, meint: »Ich

hatte das Privileg, Claudia Meyer in den drei

Jahren, die sie in New York verbrachte, kennen

zu lernen. Die Grossstadt und ihre Betriebsamkeiten

lieferten ihr die erforderliche

Inspiration und Energie, um ihre eigene

Kunst zu finden – die in ihren Erstlingswerken

so treffend dargestellten Horizonte,

Stimmungen, Schwingungen, Menschen und

Farben.« Das Umfeld, die Gefühle oder

Empfindungen inspirieren: »Wenn meine

Bilder auch keine nachgeahmte Realität widerspiegeln

möchten, so sind sie doch von

dem Ort durchdrungen, an dem ich arbeite«,

sagt Claudia Meyer. Als sie von Manhatten

nach Paris ging, war sie über den Kontrast

erstaunt. »Mich interessieren die Lichter der

Stadt und die Bewegungen der Passanten in

den Strassen. Dadurch veränderten sich

schrittweise die Farben in meinen Bildern.«

Und: »Ich war von der Schnelligkeit und Bewegung

eines Rollbandes in der Metro fasziniert.

Aber auch von der Architektur in Pa-

ris«. Tanz und Musik gelten als weitere

wichtige Inspirationen für Claudia Meyers

Werke. Als sie noch studierte, hätte sie viele

Techniken und Medien ausprobiert. Wenn

sie jedoch fertig gewesen war, sagte sie zu

sich selbst: »Nein, das ist überhaupt nichts

Kreatives, das ist eine Arbeit.« Diesen Weg

habe sie sehr schnell verlassen und den eigenen

gesucht. Dabei standen neue Fragen im

Mittelpunkt: »Wer bin ich? Was muss ich

tun, um mich gut zu fühlen, um frei zu sein,

um mich selbst auszudrücken?« Das alles

habe sich sehr gelohnt. »Denn jedes Mal,

wenn ich ein Bild beginne oder vollende, bin

ich zufrieden.«

Claudia Meyers Werke sind in diesem

Winter in der Galerie EULE-ART, an der

Promenade 41 in Davos Platz zu sehen.

01|02 Werke in der Galerie EULE-ART

Immerhin: »Davos/Klosters als Brand ist bereits

stark und das Reservationssystem funktioniert,

das passt«. Man kann sich also voll

dem zweiten Schritt widmen: »Wie bringen

wir die Leute dazu, dass sie hier buchen?«

Kongresstourismus und Ideen zum Sommerangebot

werden Antworten sein. Das erweiterte

Kongresszentrum will ausgelastet sein.

Und natürlich Wintersport. »Aber genau das

ist bei den jungen Schweizern heute nicht

mehr so selbstverständlich wie früher.« Man

wird nach neuen Möglichkeiten suchen müssen,

bereits die Kinder und Jugendlichen

wieder vermehrt auf die Pisten zu bringen.

Dies die wichtigsten anstehe den Aufgaben

SNOWTIMES wünscht viel Erfolg dabei.

02

11


Cecile Bähler:

» In Davos Schnee, in Zürich Regen«

Frau Bähler, wir haben uns heute bei der

Wahl der Wintersportkleider auf die

Meteo-Prognosen verlassen und liegen

voll daneben. Was lief da schief?

Das kann nicht sein. Unsere Vorhersagen haben

eine Trefferquote von 86 Prozent. Habt

Ihr wirklich richtig zugehört? (lacht)

Ja. Aber so klar war es eben nicht.

Es ist im Fernsehen kaum möglich, für jeden

einzelnen Ort eine präzise Prognose abzugeben.

Die Sendung ist kurz, etwa drei Minuten,

da muss ich Schwerpunkte setzen.

Also dann verzichten wir jetzt auf ein

Reklamationsmail. Sind wir da die einzigen?

Wir erhalten sehr oft Rückmeldungen, positive

wie auch negative. Wenn die Wetterlage

unbeständig ist und so auch die Vorhersage

schwierig, gibt es schon zwei, drei Mails

mehr.

Was macht die Vorhersage so schwierig?

Je gebirgiger und kleiner die Region ist, desto

kürzer ist der Vorhersagezeitraum.

Übrigens: Moderieren Sie gerne auf dem

Dach?

Es ist einfach viel authentischer. Wenn ich

beispielsweise von klirrender Kälte spreche,

sieht mich der Zuschauer auch live frieren.

Und da ich mittlerweile auch herausgefunden

habe, wie ich mich besonders warm einpacken

kann, macht mir die Kälte nicht mehr

so viel aus.

Jeden Abend interessieren sich Tausende

von Zuschauern für die Sendung. Sind

Sie nie nervös?

Mittlerweile ist alles Routine. Was aber nicht

heisst, dass es nicht auch hin und wieder zu

spontanen Situationen kommt. Ein Knopf

oder das Mikrofon funktioniert nicht oder es

weht mir den Schal mitten in der Sendung

direkt ins Gesicht. (lacht)

Und um fünf vor Acht geht es dann auf

Sendung.

Genau, aber vorher kontrolliere ich nochmals

alle Grafiken und repetiere meinen

Text. Um 19.30 Uhr steige ich die schmalen

Treppen hoch aufs Fernsehdach. Nach der

Hauptprobe wechsle ich einige Worte mit

dem Kameramann. Die letzten Minuten versuche

ich, konzentriert zu bleiben.

Die drei Minuten Sendezeit, haben Sie

die immer im Griff?

Ja, das geht wunderbar. Es gibt einen Trick

dabei: Eine A4-Seite in Schriftgrösse 12 sind

bei meinem Sprechtempo etwa drei Minuten.

Sind Sie eigentlich Skifahrerin oder

Snowboarderin?

Vor einem Jahr habe ich mir eine komplett

neue Snowboard-Ausrüstung gekauft. Mit

schön weichen Soft-Boots. Seither bin ich

wieder total motiviert, die Pisten runter zu

carven.

Was darf in Ihrem Gepäck für Ferien im

Winter nie fehlen?

Labello, Sonnencreme, Taschentücher und

eben meine Snowboardausrüstung.

Wie sieht Ihr Winterwunschwetter aus?

Eitel Sonnenschein, strahlend blauer Himmel,

und wenn noch frischer Pulverschnee

auf der Piste liegt, dann ist es perfekt.

Text: Martina Schnelli

Hape Waser

Als rechter Flügel stürmte er

einst in einer Linie mit Jaques

Soguel und Reto Dürst. In dieser

Saison feiert Hape Waser Firmenjubiläum:

30 Jahre Früchte

Waser. Aus dem gefürchteten

Hockeyaner ist ein zuverlässiger

Gemüsehändler geworden.

Kam ein Güterzug mit zwanzig Tonnen Kartoffeln

nach Davos, schickte der damalige

Trainer des HC Davos, Paul-André Cadieux

die erste Mannschaft zum Bahnhof statt ins

Krafttraining: Gemüse abladen. »Und das

haben nicht alle gerne gemacht«, erinnert

sich Hape Waser. Doch die Trainingsmethode

trug Früchte: Der HC Davos besiegte den

damaligen Schweizer Meister SC Bern mit

2:1. Im Blick stand zu lesen, der HC Davos

habe sich mit zwanzig Tonnen Kartoffeln gedopt.

Später hat sich Hape Waser ganz dem väterlichen

Früchte- und Gemüsehandel gewidmet,

das Geschäft übernommen. Und dieser

Schritt ist nun genau dreissig Jahre her.

Selbst Arno del Curto erinnert sich: »Als ich

noch bei St. Moritz spielte, also beim kleinen

St. Moritz, und Hape Waser beim grossen

HC Davos, da sind wir einmal aneinander

geraten, bis die Fäuste flogen. Heute ist das

längst vergessen und wir beide lachen darüber.

Ich schätze Hape Waser als einen grossartigen

Menschen, und ich glaube, seinen

Betrieb führt er hervorragend. Aber es

brauchte erst eine Schlägerei, damit ich das

nun sagen kann.« Auch die SNOWTIMES-

Redaktion gratuliert zum Jubiläum von

Früchte Waser.

12


Mittendrin in der grossen Spitzensportlerfamilie

Internationale Sportnacht in Davos ist, wenn Athleten aus mehr als 20 verschiedenen Sportarten, die

sich sonst gegenseitig meist nur aus den Medien kennen, für ihre herausragenden Leistungen mit dem

begehrten Davoser Kristall geehrt werden und zusammen einen (aus)gelassenen Abend verbringen.

SNOWTIMES nimmt einige Gäste ins Visier.

Für Organisator Alessandro Sellitto sind es

vor allem die spannenden zwischenmenschlichen

Begegnungen, welche die Sportnacht

auszeichnen und sie zu etwas ganz Besonderem

machen: So treffen ganz grosse auch auf

kleinere Namen. Skifahrer treffen auf Surfer,

Motorsportler auf Eiskunstläufer, Fussballer

auf Behindertensportler, Olympiasieger auf

Weltmeister.

Windsurf-Legende Björn Dunkerbeck beispielsweise

wird für seine unzähligen Siegesserien

in diversen Disziplinen von einem

extra aus England angereisten »Guinness

World Records« -Beauftragten mit sechs

Einträgen im prestigeträchtigen Druckwerk

geehrt. Der eigentliche »primus inter pares«

an diesem Abend aber ist ein anderer: Giovanni

Trapattoni, Gewinner von 22 Titeln,

bekannt für seine flammenden Reden, wird

als erfolgreichster Club-Trainer aller Zeiten

mit dem Life-Time Award ausgezeichnet.

Der Maestro lässt es sich bei dieser Gelegenheit

auch nicht nehmen, sich mit unseren

U17 Fussball-Weltmeistern zusammen zu

setzen und ihnen einige Tipps mit auf den

Weg zu geben.

Text: Marc Michel

Weitere Infos: www.sportnacht.ch

Organisationskomitee der

Internationalen Sportnacht:

President:

Antonio Sellitto

Event-manager:

Alessandro Sellitto

Athletes:

Pierino Lardi

Projects:

Gian Kämpf

Public Relations:

Daniela Thurnherr

Lara Gut

Die junge Schweizer Ski-Hoffnung zeigt

sich happy, dass sie sich von ihrer Verletzung

erholt hat und ihre Krücken wieder abgeben

kann. Die Siegerin zweier Medaillen als Debütantin

bei den Ski-Weltmeisterschaften

2009 bezeichnet die gleich im ersten Anlauf

und nach nur 20 Lektionen bestandene Autoprüfung

als ihr persönliches Highlight in der

vergangenen Saison. So schnell wie möglich

will sie wieder ganz fit sein und möglichst

viele Rennen gewinnen.

Julia Saner

Julia Saner hat sich schon riesig auf die diesjährige

Internationale Davoser Sportnacht

gefreut. Als Nicht-Sportlerin ist sie an diesem

Abend »just for fun« hier. Die 1.81m

grosse, bildhübsche Bernerin fuhr von klein

auf Ski, besuchte in Adelboden die Skischule

und fährt seit kurzem auch Snowboard. Trotz

bevorstehender Matura und unzähligen Modelverträgen

will sie weiterhin viel Skifahren

und freut sich sehr auf ihr persönliches

»Snowtimes«.

Sarah Meier

Eiskunstläuferin Sarah Meier überrascht das

Publikum mit einer in Schlittschuhen vorgetragenen

Pirouette auf einer Plastik-Unterlage

auf der Bühne. Nach bestandener Qualifikation

freut sie sich extrem auf die

Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver.

Energie und Kraft für solch grosse Herausforderungen

gewinnt die erfolgshungrige

Bülacherin immer wieder durch ihre grosse

Leidenschaft fürs Eislaufen sowie durch die

vielen, noch unerreichten Ziele, die sie sich

selber setzt.

14


Fabien Rohrer

Das Snowboard-Ass Rohrer arbeitet neben

dem Snowboarden als Immobilienmakler.

Nach Rohrers Ansicht müssten unscheinbare,

etwas budgetärmere Sportarten wie

etwa Leichtathletik viel mehr in den Vordergrund

gestellt werden, mitsamt ihrer »brachialen

Action«. Denn auch da werden grosse

Leistungen vollbracht, die vergleichsweise

wenig geehrt werden. Und: Für die Gelenke

sei das »sogar noch schlimmer als mein

Boarden!«

Tanja Frieden

gewinnt mit cp!

Der Hauptfokus von cp

basiert auf Wintersporthelmen,

Googles und modischen

Sportsonnenbrillen.

Wer ist cp?

Hinter dem Kürzel cp steht der Name

von Unternehmensgründer und -leiter

Claudius Pfister. Seit 30 Jahren ist er

erfolgreich in der Sportmodebranche

tätig. Dank seines guten Rufes konnte

er eine positive Aufnahme des noch

jungen Labels cp fördern.

Reto von Arx

Eishockey-Star Reto von Arx geniesst den

Abend in der schillernden Sportler-Gesellschaft,

in welcher er das eine oder andere

Gesicht bereits schon kennt. Für 2010

wünscht sich der Teamplayer, mit seiner

Mannschaft den Schweizer Eishockey Meistertitel

verteidigen zu können. An der Sportnacht

vermisst der Bündner sein grösstes

sportliches Idol: Roger Federer. Insgeheim

hoffe er, ihn vielleicht einmal in den nächsten

Jahren da anzutreffen

Wie sieht cp aus?

Alle Produkte sind einem top-modischen

Design unterzogen. Dabei

wird aber die Funktionalität nicht vergessen.

Jeder Helm verfügt über eine

optimale Stabilität, hat passend zum

Design Lüftungsöffnungen und verleiht

dem Träger eine Portion Coolness.

Die Googles

schützen die Augen sowohl bei starker

Sonneneinstrahlung wie auch bei

Schneesturm. Die Produkte werden

laufend überprüft und genügen neusten

Hightech-Anforderungen. So wird

garantiert, dass jeder und jede mit dem

ausgewählten Spitzenprodukt auf der

Piste sicher und modisch unterwegs

ist.

Mehr zu Helmen, Googles

und Sonnenbrillen auf

www.cp-fashionatsports.com.

Nicht ob man einen Helm

trägt, sondern welchen das ist

die Frage! Diverse Helme

ab 130 CHF.

Googles: Passend für jedes

Gesicht, verleiht den Durchblick,

ab 90 CHF.

15


Das Nationale Lawinenbulletin

und die regionalen Ausgaben

können abgerufen werden unter:

www.slf.ch

Von Hotspots und Schneebrettern

Tel. 187, Fax 0900 59 20 21

Teletext SF Seite 782, WAP:

wap.slf.ch

Lawinenforschung ist eine Wissenschaft für sich. Und sie kann Leben retten. Das Institut

der Eidgenössischen Forschungsanstalt in Davos untersucht alles rund um den Schnee.

Für den Laien ist es erstaunlich, wie vielfältig die Untersuchungen

und Experimente rund um den Schnee sind.

Da werden beispielsweise Luftströme durch den Windkanal

gejagt, die Mikrostruktur von Schneekörnern unter

die Lupe genommen, Lawinen auf Grossversuchsanlagen

künstlich ausgelöst und deren Fliesseigenschaften

untersucht. Ausserdem gibt es eine Klimakammer und

fünf Kälteräume, in denen Schneeproben analysiert werden.

Die Temperaturen können darin bis auf -40 Grad

abgesenkt werden. Das alles hat seinen Sinn: Messdaten

helfen, das Zusammenspiel der Naturkräfte besser zu

verstehen, und damit, Lawinen wenigstens etwas berechenbarer

zu machen. In der Praxis kann auf diese Weise

unter anderem vorhergesagt werden, wie weit sich eine

Lawine ins Tal bewegen könnte. Unter welchen Bedingungen

die Gefahr eines Lawinen-Abgangs am Hang am

grössten ist, was in solchen Situationen zu tun ist und

wie schon im Vorfeld Risiken minimiert werden können,

damit beschäftigt sich in Davos das WSL-Institut für

Schnee- und Lawinenforschung SLF mit seinen 130 Mitarbeitern.

Kaum zu glauben, aber wahr: Im SLF arbeiten Schneephysiker.

Sie erstellen dreidimensionale Modelle kleinster

Einheiten. Eine 25-fache Vergrösserung macht sichtbar,

was für den Laien im Verborgenen bleibt: Schnee ist

ein feines Netzwerk aus Eiskristallen mit viel Luft in den

Zwischenräumen, wobei Pulverschnee tatsächlich zu 90

Prozent aus Luft besteht. Wenn sich nach und nach der

Schnee der verschiedenen Schneefallperioden ablagert,

werden die Kristalle zusammengepresst. Es können sich

grössere neue Kristalle bilden und gleichzeitig grössere

Hohlräume dazwischen entstehen. Das Netzwerk aus Eis

und Luft wird gröber; sogenannter kantiger Schnee entsteht.

Dies geschieht zum einen durch das Eigengewicht

aber auch die Temperatur hat grossen Einfluss auf die

Veränderung des Schnees, die sogenannten Schneemetamorphose.

Wenn die Verbindung zwischen den Schneeschichten

schlecht ist oder sich besonders schwache

Schichten bilden, können Brüche in der Schneedecke

entstehen und Lawinen anbrechen.

Skifahrer oder Snowboarder können z.B. durch ihr Gewicht

an einer schwachen Stelle (Hotspot) einen Bruch

erzeugen. Bricht eine Schicht auf einer grösseren Fläche,

kann eine Schneebrettlawine und den Hang hinunterrutschen.

Um über die Lawinengefahr zu informieren, gibt

das SLF in der Hochsaison täglich zwei Mal das Lawinenbulletin

heraus. Es kann per Internet von Jedermann

aufgerufen werden. Damit können sich Wintersportler

vor ihrer Tour über die Schneeverhältnisse und die Lawinengefahr

im freien Schneesportgelände informieren und

dies in ihre Tourenplanung und in Entscheidungen unterwegs

einbeziehen. Die fünfstufige Skala sorgt für Klarheit.

Bei »1« ist das Risiko von Lawinenabgängen

gering, bei »5« ist es sehr gross.

16

Lawinenschutz in Davos

In Davos sind zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen

getroffen worden, damit

eine Lawine möglichst geringen Schaden

anrichten kann. Oder besser noch:

Gar nicht erst entsteht. Stahlträger an

den Berghängen rund um die Stadt stabilisieren

die Schneedecke. Am Parsennkomplex

sind sie auch vom Tal

aus gut zu erkennen. Und sollte denoch

eine Lawine ausgelöst werden,

dann bietet der Lawinenauffangdamm

mit einer maximalen Höhe von acht

Metern die nächste Hürde für die

Schneewelle. Äusserst hilfreich gegen

Lawinen ist der natürliche Schutz dichter

Wälder. Aus diesem Grund hat man

in mittlerer Höhe im Parsenngebiet

wieder für mehr Baumbestand gesorgt.

Käme allerdings von weit oben eine

Lawine angerollt, wäre auch der Wald

machtlos. Die Bäume würden durch

den Druck einfach umgeknickt. Wenn

akute Lawinengefahr bestand, dann

konnte man früher nicht mehr nach

Davos einfahren. Strassen und Schienen

wurden gesperrt. Heute gibt es am

Ortseingang die überdachte Lawinengallerie,

so dass die Stadt möglichst zu

jeder Zeit mit der Aussenwelt verbunden

bleibt.

Text: Christoph Siegert


Erdwärme, die regenerave Energiequelle.

Generalvertretung Schweiz

● Erdsondenbohrung bis zu einer Tiefe von 350 m

● Wärmepumpen von 5 kW - 1000 kW

● Komplees Boiler- und Speichersorment

● Photovoltaikanlagen

● Beratung, Inbetriebnahme und Service

Green Terra AG ❘ Zugerstrasse 231 ❘ CH-8810 Horgen

Telefon +41 (0)43 244 20 80 ❘ Telefax +41 (0)43 244 20 88

Iwan Goldmann +41 (0)79 406 77 28 ❘ Hans-Jürg Wasescha +41 (0)79 522 20 80

info@green-terra.ch ❘ www.green-terra.ch


» GREEN TERRA«

damit wir auch in 20 Jahren

noch Schnee haben

Herr Wasescha, es kann viel passieren in einem Jahr.

Da ist so. Im letzten Winter stand ich euch noch Rede

und Antwort in meiner alten Funktion.

Und nun haben Sie eine neue Firma eröffnet.

Green Terra AG. Dieser Name ist Programm. Grüne Energie,

grüner Strom und eine saubere Finanzierung mit

Greenpact. Das ist unser neues Produkt.

Was genau ist das Produkt?

Die beste Wärmepumpe, kombiniert mit Solarstrom

vom Dach, sowie ein eigenes Bohrunternehmen für Erdwärmesonden.

Hausbesitzer können sich also bei Ihnen sanieren.

Wir machen alles umweltfreundlicher. Die Wärmepumpe

holt die Wärme direkt aus der Erde. Die Photovoltaikzellen

auf dem Dach liefern den nötigen Strom.

Das sanierte Haus ist somit völlig sauber, ökologisch

ver-nünftig.

Woher dieser Sinneswandel?

Das ist kein Sinneswandel, nur eine logische Fortsetzung.

Die Produkte gibt es ja schon lange. Jetzt muss

man sie nur endlich konsequent nutzen. Das hat übrigens

selbst der Bundesrat realisiert. In seinem Strategiepapier

will er ab dem Jahr 2015 keine Neubauten mit fossilen

Brennstoffen mehr zulassen.

Was kostet eine Umrüstung?

Das kommt ganz auf die Grösse des Hauses an. Es dürfte

den Preis von zehn Jahren Öl-Tankfüllung aber kaum

übersteigen. Wer also eine Öl-Heizung hat und die nächsten

zehn Jahre jedes Jahr den Tank ganz füllt, kommt

etwa auf die gleichen Kosten, wie wenn er das Haus jetzt

umbaut. Und die Kosten dafür sind einmalig. Nachher

muss nicht jeden Winter nachgefüllt werden, wie beim

Öl.

Wobei Sie den zukünftigen Öl-Preis noch gar nicht

kennen.

Zum Glück muss man wohl sagen. Der Öl-Preis wird

langfristig ganz sicher nicht sinken. Wenn er das nächste

Mal wieder anzieht, dann wahrscheinlich richtig.

Das ist reine Spekulation.

In der Heizungsbranche ist das längst kein Geheimnis

mehr.

Angenommen ich möchte mein Haus renovieren,

aber keine so grosse Investition tätigen. Was raten

Sie mir?

Dafür haben wir die Schwesterfirma Green Pact. Auf

Deutsch: Der grüne Vertrag. Er soll helfen, allfällige Finanzierungslücken

mittels Contracting zu schliessen. Im

Klartext heisst das: Vom Nutzen sofort profitieren. Und

den offenen Betrag bezahlen mit der gesparten Energie

und dem Stromertrag.

Tönt denkbar einfach.

Man muss ja das Rad nicht immer wieder neu erfinden.

In unserer Branche sind die Lösungen zum besseren

Schutz für die Umwelt längst da. Jetzt müssen wir nur

noch handeln.

Nachdem die Finanzkrise etwas in den Hintergrund

gerückt ist, kommt die CO2-Problematik wieder in

den Fokus.

Die letzten Diskussionen haben gezeigt, dass es auch

hier sehr schwierig ist, auf einen gemeinsamen Nenner

zu kommen. Ich will nicht wiederholen, dass uns dabei

die Zeit davonzulaufen droht. Die Treibhausgas-Emissionen

sind da. Das ist ein Fakt. Und sie zerstören unsere

Umwelt.

Vor allem erwärmen sie unsere Umwelt.

Die Lösung heisst unter anderem Green Terra. Damit wir

auch in 20 Jahren noch Schnee haben.

Die Vision 2030. Das hatten wir doch schon einmal,

im letzten Jahr.

Gerade Ihr müsst daran auch interessiert sein. Sonst

könnt Ihr SNOWTIMES dann auch nicht mehr herstellen,

wenn es keinen Schnee mehr hat.

Absolut.

Wir müssen also etwas tun. Dann profitiert die Umwelt

sofort. Und schlussendlich auch wir. Das CO2-Problem

und die damit zwingend verbundene Klimaerwärmung

werden wohl noch zur grössten Herausforderung in diesem

Jahrhundert.

Haben Sie diesen Aufbruch, weg von der alten Funktion,

noch nicht bereut?

Man muss mit Veränderungen klar kommen. In der Geschäftswelt

sowieso. Veränderungen gehören einfach

dazu.

Die letzten Monate dürften stressig gewesen sein.

Das hält einen jung. Wir – meine Partner Iwan Goldmann,

Marcel Wieser und ich – sind auf Kurs und sehr

zufrieden, wie sich alles entwickelt.

Was braucht es zum Jungunternehmer?

Eine Geschäftsidee und die Motivation, etwas zu bewegen.

Aber auch der Glaube an die Zukunft und die eigenen

Stärken.

Wieso werden wir in Zukunft noch viel von Ihnen

hören?

Die Green Terra AG hat sich zum Ziel gesetzt, auf sämtliche

fossilen Brennstoffe zu verzichten. Denn gerade in

der Gebäudeheizung sind wir durchaus in der Lage, Öl

und Gas gänzlich wegzulassen. Neue Wärmepumpen mit

viel mehr nutzbarer Wärme pro investierte Kilowattstunde

bringen markante Einsparungen an Primärenergie.

Kombiniert mit umweltfreundlichem Solarstrom aus

Photovoltaiksolarzellen, ist dies eine klare Ansage gegen

das CO2-Dilemma. Kombiniert werden kann das ganze

auch noch mit umweltfreundlichem Solarstrom aus Photovoltaikzellen.

Text: Marco Meyer

18


»Viele Junge steigen um«

Wie aus »Langsamläufern« Trendsportler wurden. Auch die Snowtimes Redaktion

macht einen Selbstversuch. Walter Simeon, Davoser Langlauflehrer, hilft dabei.

Meine ersten Schritte in der Loipe. Eigentlich habe ich

mir geschworen, nicht vor 50, nicht solange ich noch

richtig alpin Skifahren kann, auf Langlauf umzusteigen.

Doch nun hat mich der neue Trend erfasst. Runter in den

Keller. Ich schnappe die alten Rutscher der Grossmutter,

suche nach mehr oder weniger passenden Schuhen und

begebe mich zur Davoser Nachtloipe, wo Hochbetrieb

herrscht. Echt bequem und elastisch! Ich war früher oft

Inlineskaten.

Daraus folgt: Skaten ist kein Problem – dachte ich mir.

Als ich mich auf den Skis zurücklehne, um den Stock zu

fassen, gerate ich in Rücklage. Der Ski rutscht nach vorn.

Und: Wumm – ich hinten raus! Eine Woche später.

Schmerzfrei. Ich kann es nicht lassen, erstens lässt es

mein Ego nicht zu und zweitens will ich die Leserschaft

nicht enttäuschen. Diesmal will ich die Sache professioneller

angehen und treffe mich beim Langlaufzentrum

mit Walter Simeon, Schneesportlehrer und Langlaufexperte.

Walter, ist Langlauf die neue Trendsportart?

Ganz klar, ja. Raus in die Natur. Und dabei etwas für die

Fitness machen.

Das ist wieder zum grossen Bedürfnis geworden.

Vor ein paar Jahren war das noch unvorstellbar. Wir

mussten uns zum Teil ja fast schämen, wurden gleichgesetzt

mit »Langsamläufern«. Der Trend ging an uns vorbei.

Und an internationalen Wettkämpfen fuhren die

Schweizer immer hinten raus.

Zum Glück ist das heute nicht mehr so. (schmunzelt)

In Davos ist das Angebot zusätzlich verlockend.

Das ist so. Wir haben hier 75 km klassisch gespurte Loipen,

44 km Skating Loipen und die 2.5km lange Nachtloipe

wird jeden Abend bis 21.30 Uhr beleuchtet.

Langlaufen ist in.

Das beste daran: Die Nutzung aller Loipen ist gratis.

Hat sich die durchschnittliche Altersgruppe verändert?

Es hat immer noch viele ältere Sportler auf den Loipen.

Aber ich unterrichte alle Altersschichten. Viel mehr Junge

als früher.

Welcher Stil ist heute gefragt?

Die Jungen wollen fast alle skaten. Dagegen ist die parallele

Skihaltung in der gespurten Loipe eher out.

Weil es weniger dynamisch wirkt?

Obwohl es eigentlich gar nicht so ist. Der klassische Stil

ist genauso dynamisch. Nur sieht man viel seltener technisch

gute Läufer, die im klassischen Stil laufen.

Die nun auch schon 20-jährige Skating Technik allein

rechtfertigt den aktuellen Langlaufboom also

nicht.

Nein. Es sind wohl zwei Gründe. Einerseits passt Langlauf

bestens in den momentanen Fitnesswahn. Andererseits

steigt die Präsenz in den Medien mit den Erfolgen.

Unsere erfolgreichen Spitzenläufer,

inspirieren sie auch Dich?

Ja klar. Die Topathleten rund um Dario Cologna trainieren

oft auf den Loipen in Davos. Da kommt einem also

hin und wieder der Gesamtweltcupleader entgegen. Nicht

irgendwer.

Was muss man als Anfänger mitbringen?

Grundkondition. Aber man braucht nicht Spitzensportler

zu sein. Man muss sich einfach bewusst sein, dass Lang-

22


laufen eine Ausdauersportart ist.

Wer aus der Übung ist, was sollte der beachten?

Wenn man eher unsportlich ist, rate ich jeweils, klassisch

anzufangen. In der klassischen Spur muss man zumindest

den Ski nicht führen. Aber auch was leicht aussieht,

kann schwierig sein.

Wie kann trotzdem Spass in der Loipe vermittelt

werden?

Als Lehrer nehme ich jeden Gast wie er ist und sehe, was

ihm zumutbar ist. Wichtig ist, dass ich ehrlich bin. Jeder

Langlauf-Schüler soll Erfolgserlebnisse haben. Aber holen

muss es sich jeder selbst.

Egal auf welchem Niveau?

Jeder schafft es zu seinem Erfolgserlebnis. Das Niveau

spielt dabei keine Rolle.

Was muss bezüglich Ausrüstung beachtet werden?

Eine angemessene Kleidung ist wichtig. Ski- und Snowboardkleider

sind zu warm, breite Hosen auch nicht sonderlich

geeignet. Geht jemand im Joggingdress auf die

Loipe, ist das in Ordnung. Man muss sich gut bewegen

können. Da man schnell ins Schwitzen kommt.

Braucht es eine Kopfbedeckung?

Dünne Kappe und eine Sonnenbrille sind ein Muss.

Ist Langlaufen wirklich so gesund?

Es ist unumstritten, dass Langlaufen super für die Gesundheit

ist. Von Kopf bis Fuss ist jeder Muskel aktiv.

Die Kondition wird gestärkt. Der Herzkreislauf, das

Gleichgewicht, einzelne Organe und der Rhythmus. Man

denkt taktisch und lernt zu antizipieren. Beim Langlaufen

arbeiten die Psyche und die Physis. Alle diese Eigenschaften

sind auch im Alltag wichtig.

Was sind Deine Geheimtipps?

Am Morgen ins Dischma oder Sertig. Im Einklang mit

der Natur. Wenn Du die Spur für dich alleine hast, die

ersten Sonnenstrahlen des Tages erlebst, dann jauchzt dir

das Langlaufherz. Da muss auch ich immer wieder einen

Jauchzer loslassen. Ich kriege nie genug davon.Wenn es

frisch geschneit hat, empfehle ich die Loipen auf dem

Wolfgangpass und im oberen Laret. Was aber all diesen

Loipen gemeinsam ist: Es sind klassische Loipen! Und

bleiben so vielen (Skatern) verwehrt!

Mit einem Schmunzeln lasse ich mir die passenden Skier

reichen und ziehe die Mietschuhe an. Auch sie sind bequem.

Ich bin bereit. Eine hübsche Frau zieht sportlich

gleitend an mir vorbei und fängt meinen Blick. Sexy. Ich

fühle mich halbnackt in meinen engen Jogginghöschen.

Es sei wichtig, dem Einsteiger Vertrauen zu geben, meint

Walter noch. Das schlimmste wäre es, wenn ein Gast

beim ersten Versuch umfallen würde. Ich schweige. Das

Hirn vergisst einen Sturz nie. Für mich bleibt es zwar

eine brutal wacklige Angelegenheit, aber bereits erkenne

ich den Suchtfaktor. »Falls Du doch fällst, dann wehr

Dich nicht dagegen«, rät Walter mir. Ich bin verwirrt.

Wir gehen, wir drücken die Ski leicht nach vorn, sie beginnen

zu rutschen. Walter schickt mich los, langsam bis

zur Loipe rüber. »Auf keinen Fall Rücklage«, betont er.

»Und Druck auf den vorderen Ski.« Man kann sich beim

Langlaufen nicht wie im Alpinsport mit Rücklage die

Piste runtermogeln.

Text: Fabio Flepp

Warten auf Dario Cologna. Der

Termin war vor einer Viertelstunde.

Nun ist es vier Uhr. Und

das Gespräch müsste bereits

wieder beendet sein. Jedenfalls

hat sein Manager dies so erklärt.

Von Dario Cologna aber keine

Spur. Wir bestellen noch einen

Kaffee. Und sind gespannt.

»Exgüsi, das Fotoshooting hat

etwas länger gedauert«, sagt er.

Jetzt steht er da. Und zieht

gleich alle Blicke im vollbesetzten

Saal auf sich.

Am Nebentisch sitzen vier sportliche junge

Damen. Sie erheben sich, als sie ihn sehen

und wollen wissen, wie es ihm gehe. »Gut«,

antwortet er. Und lacht etwas scheu. Der ältere

Herr, der nun »zufällig« an unserem

Tisch vorbei geht, stellt die gleiche Frage

und erhält die gleiche Antwort. Es sei etwas

laut hier, meint Dario Cologna. Aber kein

Problem. Dürfen wir Du sagen? »Ja klar«,

meint Dario.

Man sieht es ihm kaum an, dass er der beste

Langlauf-Athlet der Welt ist. Er ist nicht

grösser, als andere Gäste hier. Und einen besonders

voluminösen Oberkörper hat er auch

nicht. Trotzdem bestehen keine Zweifel:

24


Eine Viertelstunde

mit dem besten

Langläufer der Welt

Dieser 24-jährige Mann ist ein ganz Grosser.

Nie zuvor konnten die Schweizer Langläufer

ein Wörtchen mitreden, wenn es um die Verteilung

erster Plätze ging. Bei ihm ist das

anders. Er hat gleich den Gesamtweltcup gewonnen.

»Hartes Training, ein wenig Talent und

nochmals hartes Training« – dies die Erfolgsfaktoren,

die Dario Cologna aufzählt.

Nun sind wir schon fast Langlauf-Spezialisten.

Und sehr neugierig. »Ist das alles? So

einfach? Was heisst das genau?« Dario Cologna

lacht kurz, lehnt sich zurück und sagt

dann: »Ich weiss es auch nicht genau.« Das

ist nun doch überraschend. Aber angesichts

der kurzen Viertelstunde, die wir vom Manager

zugesprochen erhalten haben, müssen

wir in diesem Punkt nachhacken. Jetzt, sofort.

Beginnen wir noch einmal von vorn.

Hartes Training. Ein wenig Talent. Und

nochmals hartes Training. »Was heisst denn

»ein wenig« Talent? Worin braucht man Talent?«

Die Bewegungen müsse man schnell

erlernen können.

Viel Disziplin haben. Und richtig trainieren.

– Aha! »Und wie trainierst Du?« »Viel! –

Bei jedem Wetter, bei jeder Jahreszeit.

Manchmal muss ich mich zwingen rauszugehen.«

Und wie ist das genau wegen des

Talentes? »Ich habe viel Glück gehabt«, sagt

Dario Cologna. »Scheinbar verfüge ich über

die richtigen körperlichen Eigenschaften,

habe Ausdauer, eine gute Betreuung und hatte

hervorragende Trainer in der Jugendzeit.«

Und auf die Familie konnte er immer zählen.

»Es gehört alles zusammen. Das macht es

wahrscheinlich aus.«

Wir müssen das selbst ausprobieren. Was hat

es genau auf sich, mit der Faszination Langlauf?

Am nächsten Tag werden wir auf den

schmalen Latten stehen. Allerdings als Anfänger.

Wichtig ist das Angewöhnen des

Gleitens. Man soll nicht auf den Kanten stehen,

sondern gerade auf dem Ski. In die

Knie. Schwungvoll aufstehen. Und mit den

Stöcken abstossen. Die richtige Ausrüstung

ist besorgt, ein Langlauf-Lehrer gebucht.

Nun sind wir hoffentlich bald bereit, am Engadiner

Ski-Marathon zumindest vor Ort zu

sein. Dario Cologna wird da wieder um die

Medaillen kämpfen.

»Ich freue mich immer auf diesen Volksanlass«,

sagt er. Es sei einfach ein Erlebnis, mit

so vielen Langläufern gleichzeitig an ein

Rennen zu gehen. Er schwärmt von Norwegen.

Dort sei jeder Wettkampf so populär.

Mehr Leidenschaft. Mehr Freude hat er dort

in der Bevölkerung bezüglich Langlauf ausgemacht.

»Dies ist natürlich mitentscheidend

für den Erfolg. Wenn das Mentale stimmt,

dann läuft es automatisch besser. Umgekehrt

genauso.

Wenn man das Gefühl hat, man kann nicht

langlaufen, dann geht es auch nicht.« Dario

Cologna schätzt das tägliche Training. Draussen

in der Natur. »Der Schnee, die Berge,

der Wintersport – das ist doch fantastisch«,

sagt er. Seit drei Jahren wohnt er in Davos.

Am liebsten fährt er am Morgen in die Täler.

»Das Dischma-Tal nach Sonnenaufgang ist

jedes Mal ein Erlebnis.« Überhaupt: Die Lebensqualität

in Davos sei grossartig.

Unzählige Stunden verbringt Dario Cologna

beim Training. Im Sommer auf Rollskis, zu

Fuss oder auf einem Gletscher. Dabei bleibt

viel Zeit zum Nachdenken. »Alles mögliche

geht einem beim Langlaufen durch den Kopf.

Viele Gedanken. Und viele Träume.« Dario

Cologna denkt an Olympia. Eine Medaille

an so einem Grossanlass ist für jeden Sportler

ein Ziel. Er erwähnt das kurz, möchte es

aber nicht zu fest betonen. Schliesslich hat er

bereits erfahren, was es heisst, wenn zu viel

Druck da ist. »Bei der WM 2009 war plötzlich

alles nur noch schlecht, obwohl ich einen

sechsten und einen vierten Platz erreichte.

Die Erwartungshaltung war gross,

zu gross. »Er schätze es grundsätzlich, in der

Öffentlichkeit zu stehen. Wenn aber etwas

schlechter gemacht wird, als es ist, dann sei

dies doch sehr negativ. Er meint die Medien.

Die Langläufer selbst kommen ins Schwärmen,

wenn sie auf Dario Cologna angesprochen

werden. Er sei ein sportliches Multitalent,

mit einem »unglaublichen Motor«,

sagt Langlaufer-Lehrer Walter Simeon über

ihn. Ein guter Herzkreislauf sei sowieso etwas

vom wichtigsten im Langlauf. Und den

habe Cologna definitiv. »Sein Talent wurde

aber auch richtig erkannt und gefördert. Das

passende Umfeld, gute Trainingsbedingungen

und ein starker Wille! Alle diese

Faktoren spielten sicher eine Rolle« so Simeon.

Aber Dario seien gewisse Fähigkeiten

eben »einfach von Natur aus gegeben.« Unsere

ersten Schritte auf den Langlauf-Ski

verlaufen gradlinig. Ist ja auch nicht so

schwer, in den vorgemachten Spuren. Walter

Simeon macht uns noch einmal die Bewegungen

vor. Und tatsächlich, es funktioniert.

Mehr noch: Nach wenigen Metern geraten

auch wir ins Träumen. So, wie Dario Cologna.

Vielleicht eine Goldmedaille an

Olympia? – Das wärs!

Text: Fabio Flepp

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26

01


Kultfiguren & Premiere an der Eisgala Davos

Die erfolgreichste Eiskunstlaufnation aller Zeiten kommt nach Davos.

»Russischer Eiszauber« – zu sehen ist ein Spektakel, so

vielseitig wie das Land selbst. Mit Olympiasiegern, russischen

Talenten, attraktiven Paaren, Akrobaten auf dem

Eis und in luftiger Höhe, einem Clown sowie einem

Chor. Ein Erlebnis nicht nur für Eiskunstlauf-Fans. Exklusiv

im Landwassertal. Zu den Stars des Abends gehören

Viktor Petrenko und Ilia Kulik. Petrenko ist eine

Kultfigur und ein Vorbild für viele der heute aktiven

Künstler. Kulik schrieb an den Olympischen Spielen

1998 Geschichte: Als erster Eiskunstläufer zeigte er in

seiner Kür einen Vierfach-Sprung und acht Dreifach-

Sprünge und gewann Gold. »Mit den beiden Olympiasiegern

treten zwei aussergewöhnliche Sportler an der Eisgala

Davos auf, die das Eiskunstlaufen stark geprägt

haben«, sagt Eisgala-Co-Präsident Oliver Höner.

In Davos ist auch Russlands derzeit grösstes Talent zu

sehen: Adelina Sotnikova. Mit 13 Jahren ist sie bereits

amtierende Landesmeisterin. »Experten bezeichnen sie

als die neue Zarin und die Zukunft des russischen Frauen-Eiskunstlaufs«,

erklärt Höner. Die Eisgala Davos ist

die einzige Möglichkeit, den künftigen Star schon am

Anfang der Karriere in der Schweiz zu erleben. Mit dabei

sind die zweifachen Paarlauf-Profiweltmeister Elena

Leonova/Andrei Khvalko, die Eisakrobaten Fiona Zaldua/Dimitri

Sukhanov, der Clown Kotini Junior, das Duo

Valeri sowie Ekaterina Chesna und ihr Gatte Alexander.

Die beiden zeigen eine atemberaubende Eisakrobatik-

Show verbunden mit Luftnummern unter dem Hallendach.

Erstmals überhaupt ist an der Eisgala Davos Live-Musik

zu hören. Der Chor »Weisse Nächte« trägt russische

Volks- und klassische Musik der vergangenen Jahrhunderte

vor. Seit seiner Gründung 2003 setzen sich über 30

Sängerinnen und Sänger für die Verbreitung russischer

Gesangskultur ein. Benannt ist der Chor nach den endlos

hellen Sommernächten in der früheren Zarenstadt Sankt

Petersburg. Tickets sind an allen Ticketcorner-Vorverkaufsstellen,

über die Telefonnummer 0900 800 800

(CHF 1.19/Min.), die Website www.eisgaladavos.ch oder

direkt bei den Infobüros der Destination Davos Klosters

erhältlich.

02

03

Jedes Eisgala-Ticket berechtigt zur Fahrt in der 2. Klasse

mit der RhB nach Davos und zurück. Jeweils 30 Minuten

nach der Show fährt je ein Zug via Klosters und Landquart

beziehungsweise Filisur und Thusis nach Chur. Ein

weiterer Extrazug fährt von Klosters nach St. Moritz.

Die Eisgala Davos 2010 findet am 19. und 20. Februar,

jeweils 20 Uhr, in der Vaillant Arena statt. Weitere Informationen:

www.eisgaladavos.ch

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02

03

Ilia Kulik (Olympiasieger)

Viktor Petrenko (Olympiasieger)

Engel der Lüfte: Das Duo Valeri scheint

an elastischen Bändern die Schwerkraft

aufzuheben.

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Aus Alt mach Neu,

das (fast) wahre Märchen »PARSENNHÜTTE«

Es waren einmal drei verwegene Skipioniere

aus Davos. Wir zählen das Jahr

1905, Februar. Sie schnallen sich mutig

ihre Fasstauben an die abgetretenen

»Kapanägels« (Bergschuhe) und erklimmen

vom Wolfgangpass aus die steilen

Berghänge des Parsenngebietes.

Frischer, jungfräulicher Pulverschnee, die Sonne strahlt

vom stahlblauen Bündner Berghimmel, es ist kalt, Minus

15 Grad. Das kann unsere tollkühnen Helden aber nicht

davon abhalten ihre Spur ins glänzende Weiss zu stampfen.

Nach vier anstrengenden Stunden Aufstieg ohne

Rast erreichen sie das Parsenntableau. Hunger und Durst

quält Sie. Zum Glück haben Sie in ihren haarigen Tornistern

ein »Schöppchen« Wein, eine »Tschiala« Alpkäse

vom letzten Sommer und einen Riemen Speck vom ehemals

glücklichen Hausschwein Berta. Die Welt ist schön!

Da plötzlich frischt der Wind auf, wird stürmisch, ja orkanartig.

Nebel, Schneesturm, Eiseskälte. »Dr. Allmächtig«,

bloss weg hier!! Trotz einiger verheerenden Stürze,

dem Hitsch bricht sogar ein »Ski« entzwei, erreichen Sie

unverletzt zwar, aber müde und mit dem Schrecken in

den Gliedern den Talgrund. Noch einmal Glück gehabt.

Ja ja, die Berge, schön zwar aber auch höllisch unberechenbar.

Bei einem (oder waren es zwei?) kräftigen Kaffee Luz in

ihrer Stammbeiz in Davos reift in ihnen der Gedanke

dort oben in der herrlichen, aber auch gefährlichen Hochgebirgswelt

eine Zufluchtsstätte zu errichten, die ihnen

bei ihrer nächsten Bergtour Schutz vor den ungestümen

Naturgewalten bieten kann. Die PARSENNHÜTTE ist

geboren. Zuerst nur in ihren schnapsgeschwängerten Gedanken,

aber schon bald werden aus Hirngespinsten Tatsachen

und unsere drei Freunde errichten mit tatkräftiger

Unterstützung ihrer Bekannten und Verwandten die erste

Schutzhütte. Das Märchen hat begonnen. Und wenn sie

nicht gestorben sind so leben sie (sicher in unseren Gedanken)

noch heute.

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Zeitsprung! Wir zählen das Jahr 2009. 104 Jahre sind seit

diesem Februar des Jahres 1905 vergangen. Die Sonne

strahlt noch immer vom stahlblauen Davoser Himmel.

Aber was ist das? DIE PARSENNHÜTTE. Nach sechs

Um- oder Neubauten thront die »Hütte« majestätisch,

viel grösser und moderner über den verschneiten Berghängen.

Fast etwas überheblich trotz sie den immer noch

unveränderten Launen der Natur. Sie schützt ihre Gäste,

die mit ihren etwas moderneren »Brettern« und nach weniger

beschwerlichen Aufstiegen eingekehrt sind, noch

heute. Der Käse ist noch immer vom vergangenen Alpsommer,

das Schlückchen Wein kommt heute aus aller

Welt und die Ur- Ur- Ur- Ur- Enkelin unseres Hausschweins

Berta musste dieses Jahr ihren Schinken opfern.

Es hat sich nicht so viel verändert wie man denkt.

Das Ziel ist noch immer das Gleiche. Hunger stillen,

Durst löschen, Schutz bieten, unseren Freunden ein vorübergehendes

Zuhause bieten. Alles etwas schneller,

teurer und ausgewogener. Bis 2500 Konsumationen werden

heute täglich verzehrt. Tonnen von besten Lebensmitteln

verarbeitet. Der Meerfisch ist frisch. Der Nüsslisalat

und die Erbeeren auch im Dezember knackig grün

oder appetitlich rot. Für unsere Gäste spielen wir Petrus

und beschneien die Berghänge und präparieren die Abfahrten

zu topfebenen Autobahnen. Vom Tal zum höchsten

Punkt vergehen nicht Stunden sondern Minuten und

Gäste nächtigen freiwillig in Schneehöhlen. Hitsch, unser

Vorfahre von vor 100 Jahren würde sich fragen:

»Kunstschnee, Pisten, Pistenbully, Seeteufel was ist denn

das?« Es ist vieles neu und dennoch alt! Der Sinn ist der

gleiche geblieben. Wir möchten die Tradition hochhalten

und unseren Gästen aus aller Welt den Genusshimmel

etwas näher bringen und ihnen für kurze Zeit Schutz und

Geborgenheit bieten. Sie bei uns zu begrüssen und zu

verwöhnen ist die alte Neuigkeit.

Und wenn wir gestorben sind, werden andere mutige Pioniere

das Märchen PARSENNHÜTTE am Leben erhalten.

Text: Urs Schmidt, Wirt der Parsennhütte

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Die Kunst, Marktchancen zu nutzen.

Wir verbinden Kompetenz mit Kreativität.

International bedeutende Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner liessen sich in und von Graubünden inspirieren. Auch

unsere Arbeit ist geprägt von Weitsicht und fortwährender Innovation. Private Banking ist für uns keine Frage des

Vermögens, sondern Ihrer Bedürfnisse. Nutzen Sie unser Wissen und unsere Erfahrung für Ihren finanziellen Erfolg.

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Von Anfang an konkret

Sie war innovativ und vielseitig begabt. Die Davoserin Sophie Taeuber-Arp hat in der Kunstwelt

deutliche Spuren hinterlassen. Das Kirchner Museum Davos widmet ihr eine Sonderausstellung.

35


Sie hat Konventionen durchbrochen, gar keine Frage. Ob

sie deswegen Rebellin war? Was sich bestimmt sagen

lässt: Sophie Taeuber-Arp verkörperte einen neuen

Kunstansatz. Das war schon ein ungewöhnlicher Werdegang:

Weg vom klassischen Entweder oder zum Sowohlals

auch. Es war für sie wie selbstverständlich, Bilder zu

zeichnen und zu malen, und gleichzeitig Kissenmuster

zu entwerfen und umzusetzen, Alltagsgegenstände herzustellen

also. Die klassische Kunst der Malerei und des

Zeichnens auf der einen Seite und die bildende Kunst,

hinein sogar in die Gestaltung von alltäglichen Gegenständen,

auf der anderen – bei Taeuber-Arp finden beide

zusammen. Bis zu dieser Zeit war das getrennt. Entweder

oder. Und war es überhaupt Kunst, ein Teppichmuster

zu entwerfen? Spätestens seit Taeuber-Arp und ihrem

Künstlerkreis darf man das durchaus sagen.

Am 19. Januar 1889 wird Taeuber-Arp geboren, in Davos,

in den Bergen. Aber bald schon zieht es sie in die

Ferne. Unter anderem nach München, Zürich, Straßburg

und Clamart bei Paris. Sie ist Wanderin zwischen den

Ländern Europas und Wanderin zwischen den Kunstgattungen

bis hin zu ihrer Überwindung. In der Sonderausstellung

im Kirchner Museum Davos können interessierte

Besucher derzeit einen Querschnitt der Arbeiten von

Taeuber-Arp besichtigen. Der einzigen Frau übrigens,

die auf einer Schweizer Banknote dargestellt ist. Der 50

Franken-Schein ist ihr gewidmet.

Spannend ist, dass Taeuber-Arp direkt mit der abstrakten

Kunst beginnt. Sie entwirft Muster und Collagen, zusammengesetzt

aus Linien, Rechtecken und Kreisen. Geometrie,

Formen und die perfekte Anordnung der Elemente

bestimmen ihr Werk. Wird nur eine Linie oder ein

Kreis weggenommen, gerät das Bild ins Ungleichgewicht.

Ihre Herangehensweise ist deshalb alles andere

als klassisch. In der Regel beginnen Künstler ihr Schaffen

mit der gegenständlichen, realistischen Darstellung

von Personen, Landschaften und Gegenständen. Erst

später weichen sie von der Norm ab und werden abstrakter.

Taeuber-Arps Ansatz ist daher ganz und gar untypisch

zur damaligen Zeit und dürfte von ihrer Ausbildung

herrühren. Ihre Lehrer waren zeitgenössischen

Tendenzen der Kunst durchaus aufgeschlossen.

Taeuber-Arp ist Handwerkerin und Künstlerin zugleich.

Ihre Werke sind oft Schmuck und Verzierung von Gebrauchsgegenständen,

unter anderem Kissen, Teppiche,

ja sogar Geschirr. Und dennoch Kunst. Oder gerade

Kunst. Taeuber-Arp erschliesst der Kunst die Freiheit,

von Kunstgattung zu Kunstgattung zu wechseln, zu kombinieren

und Neues zu wagen. Vielseitig begabt und innovativ,

malt sie, schafft Collagen, Textilarbeiten, Marionetten,

Glasfenster und mehr. Sie lehrt an der Zürcher

Kunstgewerbeschule, ist zeitweise als Innenarchitekitin

tätig, ja sie tritt sogar auf der Bühne als Tänzerin auf. Es

ist überliefert, dass sie auch darin sehr talentiert war.

Die Ausstellung im Kirchner Museum zeichnet ihre

künstlerische Entwicklung nach, ein Balanceakt zwischen

»Bewegung und Gleichgewicht«, so deren Titel:

Zunächst ihre horizontal-vertikalen Kompositionen,

streng geometrisch. Dieses Grundprinzip, das Konstruieren,

bleibt Zeit des Lebens Kern ihrer Arbeit. Selbst, als

sie Figuren als Motive für sich entdeckt. Auch diese bleiben

stark stilisiert, ähnlich wie ihre Marionetten. In einer

späteren Schaffensperiode widmet sie sich Räumebildern.

Wiederum hochabstrakt. Kreise, Rechtecke und

Linien bilden zum Beispiel sechs Räume. Es scheint, als

sehe man von oben hinein; mit Phantasie erahnt man in

den einfachen Kreisen den Umriss von Figuren. Überhaupt

spielen Kreise zu dieser Zeit eine immer grössere

Rolle in ihren Bildern. Sie ordnet Kreise und Rechtecke

nebeneinander und übereinander so im Raum an, dass

sie in Schwingung zu geraten scheinen, statisch und

doch bewegt, perfekte Kompositionen. Und würde man

nur einen Kreis entfernen, so wäre die Ästhetik zerstört.

Etwas später bricht sie die Kreise auf, öffnet sie, zerteilt

sie in Einzelstücke. Schliesslich werden freie Linien zu

ihrem Grundmotiv. Nun nicht mehr streng angeordnet,

sondern im Gegenteil fast verspielt.

Die Ausstellung lohnt sich. Und sie passt gut hierher:

Nach Davos, weil Sophie Taeuber-Arp hier geboren ist

und Ernst Ludwig Kirchner an diesem Ort einen grossen

Teil seines Lebens verbrachte. Ins Kirchner Museum,

weil sie beide als hochinnovativ gelten können und

Kunsttraditionen überwanden. Das verbindet sie. Beide

haben sie Gegenstände des Alltags zu Kunstobjekten erhoben

und sind so Wegbereiter eines modernen Kunstverständnisses,

das über die Malerei hinausreicht.

Text: Christoph Siegert

36


37


» Die Welt nach der

Finanzkrise«

Wladimir Putin referierte in Davos: »Es ist bekannt, dass in Krisenzeiten auf einfache

und populistische Rezepte zurück gegriffen wird, aber wenn man nur die Symptome

behandelt, hat in der Zukunft mit grossen Komplikationen zu tun«, sagt Wladimir Putin.

Für das zukünftige Vorgehen müsse endlich mal ein

»Strich unter der Vergangenheit gezogen« und mit offenen

Karten gespielt werden. »Man muss die wirkliche

Lage der Dinge sehen und darlegen. Die schlechten Aktiva

und hoffnungslosen Schulden müssen von Unternehmen

abgeschrieben werden. Das ist etwas Schmerzliches

und Unangenehmes und danach sehnt sich auch keiner.

Man fürchtet sich um den Bonus und Prestigeverlust.

Aber: »Wenn die Bilanzen nicht bereinigt sind, wird die

Krise nur verlängert.« Zweitens: Nach Heilung der Bilanzen

müsse man das virtuelle Geld loswerden, die aufgeblasenen

Abrechnungen und die zweifelhaften Ratings.

»Man muss den wirklichen Zustand der Unternehmen

sehen, und das dürfen keine Illusionen sein«, sagt Putin.

Die zukünftige Weltwirtschaft müsse eine Weltwirtschaft

der reellen Werte sein. »Man stellt natürlich die Frage,

wie kommt man dahin. Aber darüber müssen wir uns gemeinsam

Gedanken machen.«

Als dritten Lösungsansatz nennt Putin das Zusammenwirken

der verschiedenen Staatsbanken. Aber man müsse

auch schauen, dass es kein Chaos gebe. »Deshalb

brauchen wir ein neues Regelungssystem, basierend auf

Völkerrecht und auf multilateralen Abmachungen.«

Denn die meisten Länder hätten heute ihre Reservewährung

in Devisen angelegt. Das führt dazu, dass man voneinander

abhängig ist.

Die wichtigste anzustrebende Veränderung in der Welt

nach der Krise aber sei gemäss Putin: »Alle Länder müssen

garantierten Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen

haben, zu neuen Technologien und neuen Entwicklungsquellen.«

Sie bräuchten Garantien, dass Risiken einer

erneuten Krise minimiert werden.

Ein zu niedriges Regelungsniveau im Finanzsystem, fehlende

Rechenschaftspflicht, überhöhte Erwartungen an

die Rendite. Diese und andere Ursachen für die Wirtschafts-

und Finanzkrise zählt er auf und nennt damit

Faktoren, die heute weitgehend anerkannt sind. Der amerikanische

Immobilienmarkt, als Auslöser der ganzen

Subprimekrise, ist in der Rede des Ministerpräsidenten

nicht direkt angesprochen, wahrscheinlich aus politischen

Gründen.

Ausgesprochen spannend sein Beitrag zur Diskussion

um die Rolle des Staates in der Krise. Der Staat dürfe

nicht zu viel Macht über die Wirtschaft haben, sagt Putin.

Russland habe diesen Fehler teuer bezahlt und man wolle

ihn nicht wiederholen. Man dürfe die Augen nicht davor

verschliessen, dass während der letzten Monate ein Gesinnungswandel

des Unternehmertums statt gefunden

hatte. Gerade was auch das Prinzip der persönlichen Verantwortung

des Menschen, des Unternehmers, des Anlegers

und des Aktionärs betrifft. Man kann nicht ganz

einfach sagen, es ist die Verantwortung des Staates. Das

führt nicht zu besseren Resultaten. »Ich weiss, dass hier

Wirtschaftsführerpersönlichkeiten anwesend sind und

man will immer, dass der Staat Gutes tut. Aber einmal

sind Staatsmittel auch erschöpflich. Das ist etwas, das

auf lange Sicht nicht wirksam ist«, so Putin.

Der russische Ministerpräsident fordert vorausblickendes

Handeln und einen nachhaltigen Umgang. Hier

schafft er die Verbindung zur globalen Energieversorgung,

die stark ausschlaggebend für zukünftiges Wachstum

sei. Russland setze sich bezüglich diesem Thema für

eine internationale vertragliche Basis und eine sichere

Energieversorgung ein. Die Pipelineentwicklung speziell

auch für Öl und Gas spiele dabei eine grosse Rolle.

»Sie muss fortgesetzt werden«, so Putin. Das Thema ist

für Russland enorm wichtig. Vor der Krise füllten die

Einnahmen aus dem Rohstoffexport temporär mehr als

die Hälfte der Staatskasse. Nun ist diese grosse Abhängigkeit

gegenüber der Ölpreisentwicklung während der

Krise zum Verhängnis geworden und führte zu gigantischen

Einbussen für die russische Wirtschaft.

Darüber hinaus erwähnt Putin, Russland wolle sich in

den nächsten 10 bis 15 Jahren grundlegend verändern

und erneuern. Dafür seien bereits gute Investitionen getätigt

worden. Ziel sei es auch, die Bildungsinvestitionen

voranzutreiben.

Putin zu Militärinvestitionen: Grosse Rüstungsausgaben

mit der Ausrede, damit staatliche Wirtschaftsförderung

zu betreiben, seien nicht akzeptabel. Trotz Finanzkrise

und wachsender Arbeitslosigkeit solle an einem weiteren

gemeinsamen Rüstungsabbau gearbeitet werden. Ein

Appell an Solidarität und Vertrauen unter den Staaten

zum Schluss.

Wladimir Putin, am World Economic Forum Davos,

2009.

Aufgezeichnet von Gian-Marco Werro

40


Sammlerstücke und Frau Fäh

Das waren noch Zeiten: Als Holzskier nicht nur der Fortbewegung dienten, sondern

auch zur Selbstverteidigung gegen wilde Tiere. Und ein Skilift gerade einmal 60

Höhenmeter überwinden konnte.

An der Schrankwand hängen wuchtige Exemplare von

ungleicher Länge. Lappländische Jagdskier aus Holz

vom Ende des 19. Jahrhunderts. Sie stammen aus der Davoser

Zeit des Arztes, Bakteriologen und Gründers des

nach ihm benannten Eishockey-Cups, Carl Spengler. Der

eine Ski 285 Zentimeter lang, der andere 258. Und doch

wiegen sie gleich viel; je 2,5 Kilogramm. Denn die Spitze

des kleineren ist mit Kupferblech beschlagen. »Das

war eine nützliche Einrichtung. Damit konnte man sich

vor wilden Tieren schützen. Bestand Gefahr, dann wurden

die Skier abgenommen und zur Selbstverteidigungswaffe

umfunktioniert«, erklärt Corina Fäh. Skier seien

eine skandinavische Erfindung und ihr Zweck habe ursprünglich

darin bestanden, sich im Schnee fortzubewegen.

»Die Nutzung als Sportgerät ist erst später hinzugekommen«,

sagt sie.

Corina Fäh vom Wintersportmuseum Davos leitet die

Besichtigung. Sie ist charmant und voller Energie. Sie

trägt einen knallroten Pullover, dazu ihr volles, lockiges,

graues Haar. Das Museum besitzt unzählige Skiexemplare

aus der Frühzeit. »Über 150 dürften es allein in der

Austellung sein«, zählt Fäh auf. »Und noch einmal 300

im Lager. Nein eher 400«, schätzt sie. Die Bindungen der

Holzskier waren einfach. »Sie bestanden aus Eisen und

Leder«, erklärt Fäh, »die Leute nahmen, was sie hatten.«

Einige tragen Felle auf der Unterseite. Mit ihrer rauen

Fläche sollten sie beim Wandern am verschneiten Hang

Halt geben. 1970 war damit allerdings aus Naturschutzgründen

Schluss.

Clavadel geboren, von Beruf Installateur, gewann mit 17

die erste Skisprungkonkurrenz auf der Bolgenschanze.

1950 stellte er bei den olympischen Spielen in Oberstdorf

einen neuen Weltrekord auf. Sein Sprungstil war

revolutionär und trug ihn weit: 121 Meter. Während die

Kontrahenten ihre Arme nach vorne hielten, war seine

Haltung aerodynamisch vorteilhafter, die Arme nach hinten

abgewinkelt. Doch die Jury erkannte seine Leistung

nicht an. Erst einige Jahre später wurde sein Stil zum

Standard auf der Schanze.

Eines der neueren Stücke ist ein Skipaar von 1994 von

Jens Weisflog, Olympiasieger und mehrfacher Weltmeister

und Weltcupgesamtsieger. Weitere Ausstellungsstücke:

Zum Beispiel Bobs, die in ihrer frühen Form noch

ausgesprochen unbeweglich aussahen, ausserdem Snowboards

sowie Fotos, Pokale und mehr aus der Geschichte

des Davoser Eishockeyclubs, des HCD. Oder die

»Ggrutschä«, ein Vorläufer des Schlittens mit Steuer- beziehungsweise

Brennstock, dann ein Holzschlitten aus

dem 19. Jahrhundert, der ohne eine einzige Eisenschraube

gefertigt wurde und der »Davoser Volksschlitten«, bis

heute vielfach kopiert, da der unbekannte Erbauer kein

Patent anmelden liess.

Text: Christoph Siegert

Das Wintersportmuseum wurde 1987 gegründet. In den

heutigen Räumlichkeiten, der ehemaligen Post, befindet

es sich seit 1999. Im selben Jahr hat Corina Fäh begonnen,

interessierten Besuchern die Ausstellung zu erklären

und bis heute unzählige Führungen geleitet. Früher

war sie Inhaberin des bekannten Davoser »Café Fäh«,

dem heutigen Chioccolino, gleich nebenan. Da wurde sie

gebeten, im Museum anzufangen. Neues Personal wurde

gesucht. Eigentlich hatte sie gar kein Interesse gehabt.

Aber sie konnte mehrere Sprachen, englisch, französisch,

italienisch. Und genau so jemand wurde gebraucht.

Schliesslich sagte sie zu.

Sie verweist auf den ersten Bügel-Skilift der Welt, Baujahr

1934. Er kam unter dem Jakobshorn zum Einsatz

und war damals eine Sensation. Seine Betriebslänge betrug

nur 300 Meter und er überwand eine Höhe von 60

Metern. Nicht viel, aber immerhin, ein Anfang. Die Fahrgeschwindigkeit:

2,2 Meter pro Sekunde. Pro Stunde

konnten sogar 350 Personen transportiert werden. Er

fuhr allerdings nur bei geeigneten Schneeverhältnissen.

Ein Held aus den Anfängen des Skisports wird im Museum

auch gewürdigt. Andreas Däscher, 1927 in Davos

42


Traditionsbewusst und innovativ

Das Lyceum Alpinum Zuoz schafft den Spagat zwischen moderner und herkömmlicher

Erziehung. Deshalb sind seine Absolventen so erfolgreich. Schulleiter Schmitt

fordert noch mehr Wintersport, Werte und die richtigen Diplome.

Herr Schmitt, Gratulation zum Schweizermeistertitel

im Eishockey.

Das stimmt so leider nicht. Schweizermeister ist immer

noch der HC Davos. Und unser Hockeyteam geht übrigens

regelmässig die Spiele von Arno del Curtos‘ Team

schauen, sozusagen zum Anschauungsunterreicht.

Wobei Ihre Bilanz noch besser ist, als seine.

In den letzten sechs Jahren sind wir viermal Schweizer

Mittelschulmeister geworden. Und zweimal Zweiter, jeweils

im Penaltyschiessen, so auch 2009.

Was braucht die heutige Jugend?

Eine gute Ausbildung. Werte sind dabei ganz wichtig.

Und die Kompetenz, in einer komplexen Welt Verantwortung

zu übernehmen.

Die Welt, die Technologien entwickeln sich rasant,

Werte aber bleiben gleich.

Werte sind auch Worte, sie müssen stets umschrieben

werden. Jede Generation versteht dies etwas anders. Aber

grundsätzlich verändern sich Werte nicht so stark. Das

sehen wir an unserer Schule und in Gesprächen mit Eltern

und Ehemaligen.

Die Tradition wird bei Ihnen gross geschrieben.

Wir sind eine wertkonservative Schule. Aber man kann

sich nicht immer nur auf die Tradition berufen. Man

muss aufpassen, dass man mit der Zeit geht. Und dass

man Werte, Regeln und Vorstellungen anpasst, um letztlich

den Schülern das mit auf den Weg zu geben, was

ihnen auch hilft. Es darf nichts Verstaubtes sein.

Sie pflegen den »Spirit of Zuoz« mit seinen fünf

Schlüsselbegriffen.

Genau. Ein kosmopolitischer Geist, lebenslanges Lernen,

Fairplay, Commitment und Selbstdisziplin. Diesefünf

Säulen definieren gleichzeitig auch unsere Bildungsund

Erziehungsziele.

Was heisst das genau?

Selbstdisziplin, dieses Wort erklärt sich von selbst. Und

wohl auch, was wir Commitment nennen. Das heisst:

Einsatz und eine wirkliche Hingabe zu dem, was man

macht, egal ob im Sport, in der Schule oder im Internat.

Und die restlichen drei?

Fairplay spielt im Sport eine zentrale Rolle. Aber auch in

der Schule und im Zusammenleben insgesamt. Dass man

den anderen Menschen mit Respekt und Toleranz begegnet.

Und dass man fair spielt. Zusätzlich erwarten wir

von unseren Schülern lebenslange Lernbereitschaft.

Viele Berufe, die es heute gibt, werden in fünf, zehn Jahren

nicht mehr da sein. Umgekehrt werden neue entstehen.

In Amerika ist es ja bereits so, dass man im Durchschnitt

alle fünf Jahre nicht nur die Firma, sondern gleich

den ganzen Beruf wechselt.

Damit sprechen Sie den globalen Fokus an.

Wir sind eben eine internationale Schule. Und das ist der

fünfte und letzte Punkt. Wir haben mittlerweile über 33

Nationen. Da spielt die Weltoffenheit, der kosmopolitische

Blick in die Welt eine grosse Rolle.

Darf man Werte vermischen mit Religion?

Darf man schon. Wir sind aber völlig losgelöst von der

Religion. Wir haben keinen Religionsunterricht, sondern

Ethikunterricht. Und dort werden entsprechend auch allgemeine

Moralvorstellungen und allgemeine ethische

Prinzipien diskutiert.

Sie reduzieren die verschiedenen Religionen auf

einen Grundkatalog von gemeinsamen Verhaltensnormen.

Die fünf Werte, die wir in unserem Leitbild vertreten,

finden sich im Kern in allen Weltreligionen wieder.

Die Ausbildung der Zukunft – enthält sie statt dem

Bekenntnis zu einer Religion einen Katalog von

global gültigen Grundwerten?

Vor einigen Jahren organisierten unsere Schüler ein Podiumsgespräch

zum Thema Toleranz. Teilgenommen haben

der Bischof von Chur, ein protestantischer Theologe

aus Zürich, ein Vertreter der jüdischen und ein Vertreter

der muslimischen Kultusgemeinde der Schweiz. Jeder

versuchte, den Anderen an Toleranz noch zu überbieten.

Das heisst, man hat sich nicht gegenseitig angezweifelt.

Sondern es wurde versucht zu unterstreichen, dass gerade

die eigene Konfession besonders tolerant sei.

Also noch kein Konsens.

In Tat und Wahrheit sieht es wohl nicht so aus. Es war

dann auch interessant zu sehen, wie die Organisatoren

im Anschluss eine sehr hitzige Diskussion entzündet haben.

Und doch kann es bei den Jugendlichen auch funktionieren.

Ja, jedenfalls bei uns in der Schule. Eine Anekdote: Vor

einigen Jahren hatt ein Schüler aus dem arabischen Kulturkreis

eine neue Freundin, ausgerechnet eine amerikanische

Jüdin. Da kam er zu mir und fragte mich, ob ich

schon davon wüsste. Ich sagte ja. Er meinte, kein Wort

zu meinem Vater - das würde überhaupt nicht gehen. Da

habe ich in praktischer Form gesehen, wie man in der

Schule über diese Grenzen hinweg geht.

44


Weshalb sollen pflichtbewusste Eltern ihre Kinder

ans Lyceum Alpinum schicken?

Weil wir neben der grossen Tradition, der wertebewussten

und anspruchsvollen Ausbildung ein sehr gutes

Sportprogramm haben. Bei uns kann man ausserdem die

schweizerische Maturität und das deutsche Abitur gleichzeitig

machen, das ist einzigartig auf der Welt. Zudem

bieten wir das International Baccalaureate an, einen englischsprachigen

Abschluss, der auch ein Studium in der

Schweiz zulässt.

Was ist der Vorteil, wenn das deutsches Abitur und

die schweizerische Maturität kombiniert werden?

Für eine Bewerbung an einer Top-Universität im Ausland

oder beim Einstieg in den Arbeitsmarkt kann es sehr

hilfreich sein. Wenn man in einem Auswahlverfahren ist,

bei dem nur zehn Prozent genommen werden, dann muss

man sich hervorheben. Das kann beispielsweise eine solche

Doppelmaturität sein.

Lyceum Alpinum, dieser Name steht für qualitätsbewusste

Ausbildung in den Alpen. Inwiefern spielen

die Berge eine Rolle?

Das Umfeld spielt sicherlich eine grosse Rolle. Unser

Motto: Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.

Und wir glauben ganz fest an diese Mischung: Die Umgebung

der Natur, der Sport und hoher schlischer Anspruch.

In dieser Mischung liegt der Erfolg.

Gute Sportler sind in der Regel auch gute Schüler.

Sie haben auf jeden Fall Selbstdisziplin. Und den Fairplay-Gedanken.

Wegen des Trainings sind Sportler ja

gezwungen, den Tag gut einzuteilen. Sie machen oft

alles etwas effizienter als die anderen.

Das Graubünden ist bekannt für seinen Wintersport.

Aber auch im Sommer ist das Sportangebot mit Golf,

Mountainbiken, Fussball und Tennis gross. Wintersport

ist vor allem faszinierend, wenn wir Schüler haben, die

aus Regionen kommen, wo es keinen Schnee gibt. Man

ist hier in Zuoz innerhalb von fünf Minuten auf der Skipiste.

Was die Schüler sonst nur mit Ferien verbinden,

wird hier plötzlich zu etwas Alltäglichem.

Und wieder stellt sich die Frage der Entwicklung:

Kann die Schule auch hier mit den neuesten Trends

mithalten?

Eine ganze Reihe von ehemaligen Schülern gehört zu

den Snowboard-Pionieren, wie Gian-Paul Schmidt oder

Reto Lamm. Sie waren externe Schüler hier in den achtziger

Jahren. In den neunziger Jahren waren erfolgreiche

Snowboarder wie Manuela Pesko, Michi Albin oder

Thierry Brunner bei uns. Sie alle haben es stets geschafft,

die Schule mit ihrem Sport, mit den vielen Wettkämpfen,

mit dem vielen Reisen oder ihren sonstigen Zusatzaktivitäten

zu vereinbaren

Text: Marco Meyer

45


Herzsichere

Parsennhütte

»Endlich haben wir auch einen Defibrillator«,

freuen sich Urs und Maria Schmidt.

»Die Parsennhütte ist damit das erste

Bergrestaurant, das sich an unserer

Aktion beteiligt«, sagt Steffen Bohn. Er

hat das Gerät übergeben und ist zusammen

mit Dr. Walter Kistler für das Projekt

»Herzsicheres Davos« verantwortlich.

Zur genauen Erklärung der Initiative lädt Steffen Bohn

die SNOWTIMES-Redaktion zu sich ins Spital ein. Wir

nehmen also das Bähnli ab der Parsennhütte, rauf zum

Weissfluhjoch, vorne wieder hinunter ins Tal und unten

noch den Weg zum Spital in Angriff. »Und genau das ist

das Problem«, sagt Steffen Bohn. Wenn in der Parsennhütte

ein Notfall auftritt, dauert es eine halbe Ewigkeit,

bis man bei den Fachleuten ist. »Der Zeitfaktor ist wesentlich,

und die ‚Üeberlebenschancen sinken mit jeder

Minute um zehn Prozent. Angesichts dieser Umstände

kommen die professionellen Retter in den meisten Fällen

zu spät«, erklärt Dr. Walter Kistler. Deshalb der Defibrillator:

Der Umgang mit einem solchen Gerät ist in

der Zwischenzeit problemlos geworden. Laien können

mühelos zu Lebensrettern werden.

»Man kann etwas tun, wenn eine solche Notfallsituation

plötzlich eintritt«, so Kistler. Herz-Kreislauferkrankungen

sind in der westlichen Welt immer noch die häufigste

Todesursache. »In der Schweiz erleiden in diesem

Zusammenhang jährlich etwa 8´000 Menschen einen

plötzlichen Herztod – das heisst etwa 22 pro Tag«, weiss

Steffen Bohn. Selbst in der Parsennhütte wurden in den

letzten Jahren immer wieder akute Fälle gemeldet. Nicht

immer mit glimpflichen Ausgang. »Immer mehr ältere

Menschen sind auf den Pisten unterwegs, wenn jemand

Herzprobleme hat, dann geht er automatisch in die Hütte“,

so Steffen Bohn. Urs Schmidt erinnert sich: »Mir

sind zwei Fälle aus der Vergangenheit bekannt: Einer

konnte dank sofortigen Einsatzes des Pisten-Rettungsdienstes

reanimiert werden, ein anderer verstarb leider

hier auf dem Berg«.

»Herzsicheres Davos«, als Initiative des Spital Davos

existiert seit über zwei Jahren und hat sich zum Ziel gesetzt,

dass möglichst niemand in Davos an einem plötzlichen

Herztod verstirbt. »Ein Ziel, das wir wohl nie

ganz erreichen werden. Wichtig sind uns aber die Aufklärung

und Sensibilisierung der Bevölkerung, die Ausbildung

von möglichst vielen Interessierten und die gezielte

Platzierung von Defibrillatoren« so Steffen Bohn.

Die Parsennhütte ist auch hier Vorreiterin: Wirtin Maria

Schmidt war früher Krankenschwester.

Weitere Informationen

und Anmeldung

zu den Basiskursen:

www.herzsicheresdavos.ch

Impressum

Magazin SNOWTIMES Davos

Herausgeber

Artikuliert

Martin Fuchs, Marco Meyer

www.artikuliert.ch

Redaktion

Michael Berger, Martin Fuchs, Daniela

Lüders, Marco Meyer, Christoph Siegert

Texte

Simone Bächler, Fabio Flepp, Marco

Meyer, Stefanie Schnelli, Alexandra

Kohler, Christoph Siegert, Marc Michel,

Annina Flaig, Nathalie Plüss, Viva, Urs

Schmitt, Gian Marco Werro

Konzept und Gestaltung

Daniela Lüders, Marco Meyer,

Dominik Rechsteiner

Anzeigenleitung

Martin Fuchs

Bildredaktion

Michael Berger

Fotografen | Bildnachweise

Michael Berger Seite

1,6,12,16,20,21,23,28-31,36-39,42,43,45

| World Economic Forum/swiss-image.

ch Seite 3, 40 | Die Rechte liegen beim

Archiv Fondation Arp, Clamart © 2009

ProLitteris, Zürich Seite 35,36, 37 |

Clair Southwell Seite 4,5 |

cp-fashion Seite 14 | Marc Michel Seite

15 | foto-schmelz.ch Seite 19, 46

Auflage

10.000 Exemplare

Druck

www.dieDruckerei.de

Promenade 60, 7270 Davos Platz, www.bergwerk-davos.ch

FEELING FOR LIFESTYLE

glücklich

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