s'Magazin usm Ländle, 5. Februar 2017

vorarlbergkrone

TRÖSTLICH

Einst spendete

er Segen, heute

spendet Elmar

SimmaTrost

MUSIKALISCH

Anna-Maria

Tunjic: frisch

eingerückt ins

Bundesheer


SONNTAG, 5.FEBRUAR 2017

Fotos: Mathis Fotografie (2), Elmar Simma

MICHAEL KASPER

OHNE

MASKE

Der Leiter des Heimatmuseums

Schrunsüber den Fasching


Fotos: MathisFotografie, LisaMathis, Julia Stix/BrandstätterVerlag,StiplovsekDietmar

4

Augen auf!

Damit der Sport ein Spaß bleibt

11

Wasfür ein Kreuz!

Super-Wirtin Andrea Kinz

14

Zwei Frauen auf der Jagd:

Wie aus Abfall Mode wird!

5. FEBRUAR 2017 | INHALT

21

Schmal, schmäler,Zoodles!

Die Nudeln für Abnehmwillige

4 SKIUNFÄLLE

So endet der Skiausflug

nicht im Krankenhaus

6 INTERVIEW

MichaelKasper über Brauchtum,das

keines ist und die Hexe am Funken

9 SCHNEIDERS BRILLE

Star-Kolumnist Robert Schneider

weiß, warumdie Kirche kalt bleibt

10 GSIBERGER Z’WIAN

Carola Purtscher trifft den

Unternehmer Michael Metzler

11 ORIGINALE

Eine Ur-Wirtin, die

gar nicht so urig ist

12 MILITÄR-MUSIK

Warum zwei junge Frauen

unbedingt zum Heer wollten

14 DESIGN

Die Modemacherinnen Isabelle

Feierleund Angelika Wiesenegger

16 HISTORISCHES BILD

Faschingssitzung der

Landesregierung anno 1978

17 MUNDART

Stefan Vögel über ein kleines

rundes Ding, den Bürzel

18 HOFFNUNG

BarbaraNiederer-Bauer will ihren

Patientinnen Hoffnung schenken

20 EVENTS

Was Sie diese Woche auf

keinen Fall verpassen sollten!

21 KULINARIK

Zucchini tarnt sich

Pasta- leicht und köstlich!

22 WAS WURDE AUS...

...ElmarSimma?

s’Magazin 3


AKTUELL

Fotos: Dietmar Mathis/Fotografenmeister

Die Helfer sind

derzeit im

Dauereinsatz.

Sieben

Personen

kamen in

diesem Winter

bei

Alpinunfällen

bereits ums

Leben.

Chaos auf denSkipisten

Die aktuelle Schneelage lockt zahllose Wintersportfans auf die

Abfahrten des Ländles. Doch fast täglich berichten Medien über

schwere Unfälle auf unseren Pisten. Mit dem richtigen Verhalten

könnten sich viele Zwischenfälle jedoch vermeiden lassen.

Vorarlberg ist ein Wintersportland:

Hunderte Pistenkilometer

laden dazu ein, die

wunderbare Bergwelt im

westlichsten Bundesland Österreichs

auf Skiern und Snowboards zu

erkunden. Bei Kaiserwetter und bester

Schneelage tummeln sich dann auch zahllose

Wintersportler auf unseren Pisten -

und längst nicht alle sind sicher auf ihren

Sportgeräten unterwegs oder nehmen gar

Rücksicht auf andere. Pistenrowdys, ortsunkundige

oder unerfahrene Urlauber, ältere

Personen, Kinder: Auf den Pisten

herrscht aktuell reges Treiben, und nicht

selten kommt es in dem winterlichen Gewusel

zu (lebens)gefährlichen Zwischenfällen.

Die Unfallambulanzen der örtlichen

Krankenhäuser sind gut gefüllt mit

verletzten Wintersportlern, sieben Personen

kamen bei Skikollisionen, Lawinenabgängen

oder Rodelunfällen bis Ende Jänner

ums Leben. Darunter fünf Touristen,

vier aus Deutschland und eine Person aus

denNiederlanden.

„FIS-Regeln und Hausverstand“

Dabei ließe sich das Risiko auf und neben

der Piste recht einfach auf ein Minimum

reduzieren - Eigenverantwortung

der Pistenbenützer natürlich vorausgesetzt.

„Mitder richtigen undvor allem der

Gefahrensituation angepassten Verhaltensweisekann

das Restrisiko auf der Piste

sowie im freien Skigelände stark reduziert

werden“, weiß Martin Burger, Leiter des

Vorarlberger Bergrettungsdienstes, der

dieserTage im Dauereinsatzsteht.

Der internationale Ski-Verband FIShat

dazu auch ganz klare Richtlinien ausgearbeitet,

wie Burgers Kollege Günter Alster

vonder Vorarlberger Alpinpolizei mitteilt:

„Die FIS-Regeln (siehe Infobox) beschreiben

die Verhaltensgrundsätze für Wintersportler

am besten. Helfen Sie zudem,

wennSie ZeugeeinesUnfalls werden,und

zeigen Sie Zivilcourage, wenn ein Unfallbeteiligter

Reißaus nehmen will.“ Abschließend

appelliert Alster analle Wintersportler,

ihr Hirn einzuschalten: „Ganz

wichtig auf der Piste ist nicht zuletzt eine

gesunde Portion Hausverstand.“ H. Küng

4

s’Magazin


AKTUELL

10FIS-VerhaltensregelnfürdiePiste

Hält man sich an

einige einfache

Regeln, endet der

Skitag nicht im

Krankenhaus.

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Nehmen Sie Rücksicht auf andere Personen

auf der Piste

Passen Sie Ihre Fahrweise und Geschwindigkeit

an Ihr Können an

Wählen Sie die richtige Spur

Überholen ist erlaubt,solange Sie dem zu

Überholenden genug Platz lassen

Fahren Sie nur in eine Piste ein, wenn keine

Gefahr für Sie oder anderebesteht

Halten Sie nicht an unübersichtlichen

Stellen. Kommen Sie zu Sturz,stehen

Sie schnellstmöglich wieder auf

Steigen Sie nur am Pistenrand

auf oder ab

Achten Sie auf Markierungen

und Signale

Bei Unfällen sind Sie

zur Hilfestellung verpflichtet

Jeder Wintersportler

muss bei einem Unfall - ob

Zeuge oder Beteiligter - seine

Personalienangeben

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s’Magazin 5


BRAUCHTUIM

Muss die Hexe brennen,

Herr Kasper?

INTER

VIEW

Michael Kasper leitet das Heimatmuseum in Schruns und weiß, was am Fasching in

Vorarlberg noch ursprünglich ist und was nicht. Der Tourismusspielt dabei keine

unwesentliche Rolle. Im Interview mit Angelika Drnek erzählt Kasper, was der Funken

schon alles aushalten musste und warum in Schruns nun Hexen prämiert werden.

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Michael Kasper

empfängt Gäste

nicht in seinem

Büro, sondern in

deraltenStubeim

Heimatmuseum. Sein Glück, dass

es eine Wirtshausstube ist und die

Decke deshalb nicht ganz soniedrig

ist wie sonst.

Wie ursprünglich ist der Fasching eigentlich

in Vorarlberg?

Da muss man unterscheiden. Der

ältere Begriff ist die Fasnacht. Wie

weit dieses Brauchtum zurückgeht,

können wir nur vermuten. Ab dem

16. Jahrhundert gibt esBelege dafür,

in Form von Gerichtsakten übrigens.

Die Fasnacht leitet sich von

der Zeit „vor dem Fasten“ ab. Das

war eine eher regellose Zeit, vor allem

für junge Männer. Damals war

auch der Funken am Ende der Fasnacht,

später wurde das verschoben.

Auch das Fackelschwingen oder das

Scheibenschlagen gehörte dazu. Jede

Scheibe wurde einer Person gewidmet

–imGutenund imSchlechten.

Da durfte man dann auch einmal

dem Bürgermeister einen negativen

Spruch widmen. Oder der Geliebten

einen positiven. Außerhalb

der Fasnacht war das Leben streng

reglementiert, da konnte man nicht

einfach über den Bürgermeister herziehen.

Auch, wie Frauen und Männer

zusammenkamen, war sehr

streng geregelt.

Welche Regeln wurden in der Fasnacht

außer Kraft gesetzt?

Hierarchien vor allem, und das

nicht nur beim Scheibenschlagen.

Dort war es nur ritualisiert, aber es

gibt janicht umsonst Gerichtsakten.

Es wurde das eine oder andere

schon auch exzessiv ausgelebt, es

wurde getanzt, gefeiert, getrunken.

In dieser Form waren diese Dinge

sonst ja nichterlaubt.

Welche Vergehen findet man in den

Gerichtsakten?

Alles recht harmlos. Es war ja

schon genug, wenn getanzt wurde.

Das durfteman nur zu bestimmten

Zeiten, wie etwa einer Hochzeit.

Vergehen, Schlägereien etwa, wurden

als Frevel bezeichnet. Meistens

gabeseine finanzielle Buße.

War das Leben früher tatsächlich so

stark reglementiert?

Ja, durchaus. Der Jahreskreis ist

von kirchlichen Ritualen und Regeln

geprägt. Selbst bei einer

Hochzeit war jeder Schritt genau

durchreglementiert, von der Verkündigung

angefangen. Und andere

gesellige Zusammenkünfte waren

damals keinealltägliche Sache.

Wardie Fasnacht für Frauen auch eine

regelfreie Zeit?

Insgesamt galten für Frauen nochmal

strengere Regeln in der Gesellschaft.

Sie waren zwar nicht gänzlich

rechtlos, hatten also Vermögen

und Eigentum, aber es war eine

männerdominierte Gesellschaft - in

jeder Hinsicht. Die Fasnachtbräuche

wurden ausschließlich von jungen

Männern durchgeführt. Die

Rolle der Frau war damals eine rein

passive. Reinheit und Ehre, zwei Begriffe,

die damals viel galten. Da

durftenichtmal die Möglichkeit geschaffen

werden, diese Gebote zu

gefährden.

Also fast schon ein Wunder,dass sich

doch das eine oder anderePaar gefunden

hat.

Ja, beinahe! Aber die Regeln sind

das eine, das andere ist der Regelverstoß.

Auch die unehelichen Kinder

bezeugen, dass es oft anders gelaufen

ist.

Wie halten Sie es denn persönlich mit

dem Fasching?

Sehr zurückhaltend. Um ehrlich zu

sein: Ich beschränke mich auf die

Beaufsichtigung der Kinder, wenn

sie beim Umzug mitgehen.

Zum Funken-Brauch: Stimmt es, dass

damit der Winter vertrieben werden

soll?

Wir wissen es nicht genau, das ist

das einzige Gesicherte daran.

Wie wissen auch nicht,wie alt


6

s’Magazin


BRAUCHTUIM

s’Magazin 7


BRAUCHTUM

FORTSETZUNG

der Brauch ist. Den Funken als dieser

große Holzstoß wie wir ihn heute

kennen, gibt esnoch nicht lange. Seit

100 oder 150 Jahren vielleicht. Fackelschwingenund

Scheibenschlagen

gibtesschon seit etwa1600, denFunken

erst seit 1800. Das Wort Funken

rührt ja vom Feuer her, was eine Nähe

zum Scheibenschlagen aufweist.

Und die Scheiben dafür musstenjain

ein Feuer gehalten werden…

Wie ist denn das mit dem Funken, muss

die Hexebrennen?

Nein, das ist historisch nicht belegt

und meiner Meinung nach auch bedenklich.

Man kanndas als Spaß hinstellen,

aber eine Menschenfigur, eine

Frau, zum Brennen und explodieren

zu bringen, kann ich nicht nachvollziehen.

Aber für viele Menschen

ist das Historische ja keine Kategorie.

Der Historiker Manfred Tschaikner

ist da Spezialist. Die Bludenzer

Funkenzunft behauptet, sie wäre

schon über 300 Jahre alt. Tschaikner

sagt aber, dass es keinen Beleg dafür

gibtund dass es frei erfunden ist. Was

aber belegt ist: Inder zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts wurde der Funken

durch die großen Familienunternehmen

wie Getzner oder Gassner

dort eingeführt. Der Funken mit Hexe

wurde ein Erfolgsmodell. Aber die

Bludenzer Funkenzunft ignoriert die

historischen Belege. Mitunter gibt es

sogar Behauptungen, dass dieser

Brauch noch aus der Zeit der Hexenverbrennungen

stammt. Das ist absurd.

Die WIGE imMontafon veranstaltet

seit einigen Jahren Hexenprämierungen

in Schruns, bei der die

Zünfte aus dem Montafon anreisen

und ihre Hexen präsentieren. Das

Gewinnerteam bekommt dann einen

Preis. Dieses Hexentheater wird leidereher

mehr und nicht weniger.

Die Hexe ist aber nicht auf jedem Funkenzufinden.

Nein, es gibt viele ohne Hexe. Es

fehlt eben auch die geschichtlicheBegründung

dafür: Kleidung odergroße

Mengen an Holz zu verbrennen,

kann nicht aus einer Zeit des Mangels

und der Armut stammen. Was

aber schon gemacht wurde, auch in

späterer Zeit: Der Funken diente

manchmal als Müllentsorgung, da

wurden teils sogar Autoreifen verbrannt.

Dashat derFunken alles mitgemacht.

Wie beurteilen Sie das Spannungsfeld

zwischen Brauchtum und Tourismus?

Da gibt esstarke Interaktionen. Ich

finde es interessant, wie wichtig es für

das Unternehmen Montafon Tourismus

ist, dass alle Mitarbeiter geschlossen

zu den Fasnachtsumzügen

gehen. Das wird auch gegenüber den

Gästen kommuniziert. Der „back to

the roots“-Gedanke wird oft nur instrumentalisiert.

Was da Show ist

und was echt, ist ein Graubereich.Ich

würde mal unterstellen, dass es ohne

Tourismus viele Funken im Montafon

nicht mehrgäbe. Ich bin mir auch

STECK

BRIEF

Geboren 1980 in Mürzzuschlag,

aufgewachsen im Montafon,

studierte Geschichte, Geografie

und Religion in Innsbruck.

Jahrelang als Lehrer tätig. Seit

2011 Leiter der Montafoner

Museen. Verheiratet,dreiKinder,lebt

in Telfs.

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sicher, dass manch andere Bräuche

wie das Sonnwendfeuer ähnlich zu

beurteilen sind. Es ist zwar für den

Einzelnen ein schönes Erlebnis, aber

der Tourismus wirbt damit und steht

deshalb natürlich stark hinter diesen

Bräuchen. Das gilt auch für den Alpabtrieb.

Dieses Zelebrieren ist auch

nicht historisch belegt. Für die Hirten

und die Bauern war das ein wichtiger

Tag, ja, abersonst?Wer ist denn

noch Bauer heute? Diese Feste werden

künstlich geschaffen und vom

Tourismus kommuniziert. In Tirol

wurden bei einem Alpabtrieb die Kühe

immer wieder inRunden hinter

die Häusern getrieben, damit sie

nochmal an der Straße vorbeikommen.

So dauerte die Show für die

Gäste einwenig länger.

Franst der Begriff der Heimat angesichts

solcher Begebenheiten vielleicht

ein wenig aus?

Dieser Begriff ist offensichtlich notwendig

und in aller Munde. Er ist

8

s’Magazin


BRAUCHTUM


Kalte Kirche

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Kasper wartet immer noch auf den Umbau des

Museums. Derzeit scheiter es an den Finanzen.

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auch sehr belastet, müsste es aber

nicht sein –jenach Verständnis. Es

ist ganz interessant: Das Heimatmuseum

wird vom Heimatschutzverein

betrieben –auch ein schwieriger Begriff

–und unter den Funktionären

waren überdurchschnittlich viele, die

hergezogen sind, also keine Urmontafoner

waren. Da gibt es offenbar ein

Bedürfnis, zu unterstreichen, dass

man dazugehört. Das war wohl immersound

wirdauch immer so sein.

Bleiben wir beim Heimatmuseum. Wie

sieht es mit den Umbauplänen aus?

Es gibt zwar noch die mittelfristige

Zusage, aber die Detailplanung steht

noch aus. Es gibt derzeit kein Geld

dafür. Neben anderen Infrastrukturprojektengerät

die Kultur ins Hintertreffen.

Der politische Rückhalt für

das Projekt war vielleicht auch schon

mal stärker. Aber ein Umbau von

marte.marte, die inzwischen auf der

Biennale ausstellen, wäre eine große

Chance für die Gemeinde.

Fotos: Mathis Fotografie

Ichweiß, sie ist geschlagen genug,verhöhnt und

verlacht,die katholische Kirche. Aber was ist der

Grund, weshalb die Menschen in Scharen fernbleiben,

die Kirchen leer sind und ihreVertreter nicht

mehr ernst genommen werden, höchstens belächelt

oder bemitleidet?

Unlängst war ich in der Pfarrkirche vonGötzis

Zeuge eines erbärmlichen Schauspiels. Da sollten

53 Kinder im Zuge der anstehenden Erstkommunion

eine Messe zum ersten Mal mitfeiern. Ich gehe

davon aus, dass es das Anliegen der Pfarrewar,den

Kindern Appetit zu machen auf das Wesen der

christlichen Gemeinschaft,auf die merkwürdigen

Geheimnisse der Liturgie, auf das Miteinander und

nicht das Gegeneinander,usw.. Das ist ganz und gar

missglückt.Die Kinder versammelten sich mit ihren

Eltern in einer eisig kalten Kirche und harrten tapfer

einem Sermon aus, der eine Stunde lang aus reiner

Phrasendrescherei bestand. Nichts, aber auch rein

gar nichts war an diesem Gottesdienst,was einem

Kind Lust hätte machen sollen, diesem Verein ernsthaft

beizutreten. Als es dann zur Kommunion ging,

meinte der Pfarrer,dass, ... tja dass die Kinder leider

noch keine Hostie bekämen, weil, ... eben weil, ...

erst bei der Erstkommunion, aber,... tja, ein Kreuzzeichen

auf die Stirn, das schon, ... als kleine Vorfreude,

als Vorgeschmack sozusagen, ... tja. Na toll.

Echt super! Mein Jüngster wenigstens, der 3-Jährige,

hatte seinen Spaß in der Kirche. In den Bänken

entdeckte er aufklappbareHalterungen für Handtaschen

oder dergl.. Er fand heraus, dass, wenn man

die Scharnierezuschlägt,das einen köstlichen Krach

macht.Sowanderte er voneiner Halterung zur anderen,

schlug sie zu und lauschte gebannt dem

Klang,wie er sich in der riesigen Kirche verflüchtigte.

Böse, strafende Blickejunger Mütter und Väter.

Zuhause, nach einem heißen Bad, das die erfrorenen

Glieder wieder aufwärmte, fragte ich meinen

Ältesten, ob ihm die Messe in Götzis gefallen habe.

Er sagte knapp,dass er wieder zum Thema „Starwars“

überwechseln werde.

s’Magazin 9


GESELLSCHAFT



Michael Metzler

Immobilien- Unternehmer

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„Schaffatuiextrem gern“, erklärt mir Michael

Metzler (34) begeistert und berichtet vonseinem

Start in die Selbstständigkeit als Immobiliengeneralist.Aufgewachsen

in Götzis, kam er nach dem Gymnasium

in Dornbirn-Schoren fürsStudium der

Rechts- und Politikwissenschaften nach Innsbruck.

Schon ein Jahr später war dann die Liebe ausschlaggebend

für seine Übersiedlung nach Wien. Die Liebe

zu Wien ist geblieben, er ist inzwischen zufriedener

Single. Die Großfamilie ist ihm sehr wichtig,und seine

Besuche zu Hause sind somit auch immer eine Mischung

aus Beruflichem und Privatem. Neben dem

Job in einem Immobilienbüroabsolvierte er abends

das Studium der Immobilien-Wirtschaft.Nach seinem

Zivildienst wurde dem sympathischen Mann die

Stelle des Assistenten der Geschäftsführung in der

Bundesimmobilien Gesellschaft angeboten. Danach

wechselte er für fünf Jahreins Management desWiener

Büros der Prisma-Unternehmensgruppe. Nun

hat er entschieden, sich mit einer Beteiligung am Familienunternehmen

ZM3 Immobiliengesellschaft

selbstständig zu machen. Der Fokus liegt auf Wohnbau-Projekten

mit dem

Anspruch auf hohe

Qualität und Ästhetik.

Stolz ist er zu Recht auf

seine Wanderung von

Wien bis nach Götzis,

die er im Sommer alleine

bewältigt hat.

Die Vorarlberger Kommunikationsberaterin

Carola Purtscher

(PR-Agentur Purtscher

Relations) lebt seit über 30

Jahren in Wien. Als Netzwerkerin

lädt sie regelmäßig zu

ihrer exklusiven „Tafelrunde“.

twitter.com/

CarolaPurtscher

Sein Selfie: Michael Metzler mit

seiner Oma LuitgardKoch nach

der Wanderung durch Österreich.

Der

Wirbelwind

Für sie sollte der Tag mindestens 30

Stunden haben: Andrea Kinz ist ein

Energiebündel ohnegleichen. Nicht nur, dass

sie ein Hotel, zwei Gasthäuser, ein Café und

eine Weinstube leitet sowie diverse

politische und wirtschaftliche Funktionen

innehat, sie scheint auch immer noch Zeit für

ein –imbreitesten steirischen Dialekt –

geführtes Pläuschchen zu haben. Ein

Phänomen, diese Frau.

Obwohl sie zu Bregenz zu

gehören scheint wie der

Martinsturm oder die

Seebühne, war Andrea

schon in den Zwanzigern,

als sie sich im Ländle niederließ.

„Ich wollte nach Paris fahren, um

mein Französisch aufzubessern; ein

Heiratsantrag verhinderte diese Reise“,

so die gebürtige Steirerin. Der Antragsteller

war Hubert Kinz, Anwalt,

Landtagsabgeordneter und Spross einer

der bekanntesten Familien der

Stadt. Als Touristik-Kauffrau, die

schon als Kind im Weinberg und im

Buschenschank der Eltern mithalf,

war sie schnell Dreh- und Mittelpunkt

in den Kinz’schen Gastro-Betrieben.

„Ich war die Frau für alle Fälle –Service,

Küche, Rezeption“, erinnert sie

sich an die abwechslungsreiche Arbeit

im Hotel Weißes Kreuz, dem Stadtgasthaus

und im GWL-Café. Akklimatisierungsprobleme

hatte sie keine:

„Zu Beginn meinten manche, ich soll

den Vorarlberger Dialekt lernen; ich

habe das erst versucht, aber dann hat

mich gar niemand mehr verstanden“,

scherzt die dreifache Mutter, deren

Kinder mittlerweile in den Betrieben

10

s’Magazin


ORIGINALE

federführend mitarbeiten. „Verena und

Thomas helfen vor allem bei Dingen,

die mir weniger liegen, etwa Technik,

EDV oder Administration“, freut sich

Familienmensch Andrea über die Entlastung.

Tradition und Offenheit

„Aber auch meine Stammgäste sind

für mich fast wie eine Familie“, beschreibt

die 57-Jährige ihr enges Verhältnis

zu einer ständig wachsenden

Kundenschar. Wachsend auch deshalb,

weil Andrea mit dem Goldenen

Hirschen und der Weinstube Kinz in

den letzten Jahren ihr Gastro-Imperium

erweiterte. „Ich liebe die traditionelle

österreichische Ess- und Trinkkultur.

Wenn ich in Barcelona oder

Rom zu Gast bin, zieht es mich ja auch

nicht unbedingt in ein chinesisches

Restaurant. Der Hirschen mit seinen

Knödel- und Strudelwochen sowie dem

legendären Tafelspitz ist mir eine

wirkliche Herzensangelegenheit, und

mit der Weinstube habe ich ein wenig

meiner vom Weinbau geprägten Jugend

nach Bregenz importiert“, so die

Chefin von über 50 Angestellten.

Und auch wenn sie als Leiterin der

Klassifizierungs-Kommission in der

Vorarlberger Hotellerie Sterne verteilt,

bleibt sie selbst am Boden. „Wie

man in den Wald hineinruft, so schallt

es zurück. Ich mag einfach Menschen,

und offenbar mögen sie auch mich“,

bringt sie ihr Erfolgskonzept auf einen

einfachen Nenner. Dem muss wohl so

sein, denn auch als Stadträtin für Liegenschaften

wird die Bregenzer FPÖ-

Obfrau über Parteigrenzen hinweg geschätzt

und im Stadtgasthaus – der

„noblen Kantine des Landhauses“ –

von Politikern aller Schattierungen

gerne besucht. „Politik macht Spaß,

aber oft würde ich Entscheidungsfindungen

gerne beschleunigen“, spricht

sie und eilt zum nächsten Termin. 30

Stunden, mindestens ...

Raimund Jäger

Foto: lisamathis.at

s’Magazin 11


BUNDESHEER

„Krone“-Redakteur

Harald Küng

besuchte Olivia

und Anna-Maria

in der

Bilgerikaserne.

Die beiden Rekrutinnen bei der

Orchesterprobe unter der

Leitung von

Militärkapellmeister

Hauptmann Wolfram Öller in

der Kaserne in Bregenz.

„Präsentiert die Klarinette!“:

Olivia Panzenböck (li.) und

Anna-Maria Trujic mit den

Waffen ihrer Wahl –beide

Maturantinnen sind

multiinstrumental begabt.

12

s’Magazin


BUNDESHEER

Matura–und nun?

Olivia und Anna-Maria musizieren bereits

seit Kindesbeinen an, beide beherrschen

mehrere Instrumente gleichzeitig.

Im vergangenen Jahr maturierte Anna-

Maria im Bregenzer BG Blumenstraße,

Olivia schloss den Musikzweig des BORG

Götzis erfolgreich ab. Nach der Matura

standenbeidevor der Frage: „Undnun?“

„Ich wollte nach der Matura eigentlich

zuerst für ein Jahr ins Ausland“, berichtet

Olivia. „Eines Tages erhielt ich jedoch eine

Aussendung, dass das Bundesheer auf

der Suche nach Frauen für die Militärmusik

ist. Meine Mama war davon gleich begeistert.

Ich war mir da anfangs aber noch

nicht so sicher“, lacht die 18-Jährige.

„Doch eswar die richtige Entscheidung,

und ich würde sie wieder treffen. Ich stehe

wahnsinnig gerne auf der Bühne und liebe

es, Musik zu machen. Eshat für mich einfach

Sinn gemacht. Es ist auch eine span-

Klingende Frauenpower

für unser Bundesheer

Olivia Panzenböck (18) und Anna-Maria Trujic (19) sind leidenschaftliche

Musikerinnen. Nach der Matura hatten die Gymnasiastinnenallerdings

keinen Plan, wie es weitergehen soll. Die Antwort auf diese Frage fanden sie

an einem für Frauen bislang noch etwas unüblichen Ort –dem Bundesheer.

Fotos: Mathis Fotografie

Wir treffen Olivia aus

Dornbirn und Anna-

Maria aus Wolfurt in einem

Proberaum der

Vorarlberger Militärmusik

im dritten Stock der Bregenzer Bilgerikaserne.

Im Treppenhaus vernehmen

wir bereits Klänge von Trommeln und

Blasinstrumenten, das Orchester unter der

Leitung von Militärkapellmeister Hauptmann

Wolfram Öller spielt sich warm.

Derzeit besteht die Gruppe aus 17 Personen,

darunter 15 Männer –und die zwei

Soldatinnen. Die einzigen inder Bregenzer

Kaserne, wohlgemerkt.

nende Erfahrung, die ich nur weiterempfehlen

kann.“

Auch Anna-Maria erhielt pünktlich zur

Matura das Schreiben des Militärkommandos.

Und 13 Monate lang denTag mit

Musizieren zu verbringen und dabei auch

noch etwas Geld verdienen klang für die

19-Jährige durchaus verlockend. Im vergangenen

September rückte sie auch sodann

ein. „Ich hatte bis dahin noch keine

Ahnung, was ,Militär‘ eigentlich bedeutet.

Lange Märsche mitten in der Nacht, Herumgebrülle,

Schlepperei ... die erste Woche

war am schlimmsten. Aber wir haben

eine tolle Kameradschaft, die Jungs sind

super. Wir hätten ja auch ansexistische

Arschlöchergeraten können.“ VonBevorzugung

wollen die Mädels nichts wissen:

„Für Männer und Frauen läuft hier alles

gleich –und das ist gut so. Wir teilen uns

zwar ein 2er-Zimmer, sind aber mit den

Jungs im selbenStock und nutzen auchdie

selbenWC-Anlagen wie die Männer.“

VomSchießplatz an die Uni

Ihren Grundwehrdienst haben Olivia

und Anna-Maria bald abgeleistet. Dann

stehen nur noch Proben und Konzerte auf

dem Programm. Keine Märsche mehr,

keineSchießübungen.Auch wennden beiden

das Hantieren mit dem Sturmgewehr

viel Spaß gemacht hat und sie recht gute

Schützen sind, wie uns ihre männlichen

Kameraden bestätigen. Wie esinder Zukunft

weitergehen soll, wissen die beiden

nun mittlerweile auch–ein Studium soll‘s

werden. Allerdings nicht an der Militärakademie.

Harald Küng

s’Magazin 13


MODE

Unsere heimische Tierwelt ist von

außerordentlicher Schönheit und

Vielfalt geprägt. Isabelle Feierle und

Angelika Wiesenegger haben als

Hommage an die Fauna das Modelabel

WhyWhy gegründet. Sie verwenden

tierische „Abfallprodukte“ und

designen daraus ihre eigene

Modekollektion und Wohnaccessoires.

Aus

„Abfallprodukten“

wie Fell

und Federn von

heimischen Tieren

kreiert das Duo

kreative

und hochwertige

Wohnaccessoires.

Einzigartige Geschöpfe

Echtpelz? Nein, danke!

Meist geht ein Aufschrei

durch die Runde,trägt jemand

echten Pelz. Zu

Recht. Denn ist Mode

mit dem Leidvon Lebewesen verbunden,ist

sie moralisch nicht vertretbar.

Aber was passiertmit den heimischen

„Abfallprodukten“,die bereits beider

Fleischerzeugung anfallen und mit

den Wildtieren, die zugunsten einer

nachhaltigen Wald- und Wildbewirtschaftung

gejagt wurden? Oft landen

sie auf dem Müll. Angelika Wiesenegger

ist selbst Hobby-Jägerin und

wurde auf diesesPhänomen aufmerksam.

„Mich hat esumdie wertvollen

Rohstoffe gereut, und sokam ich auf

die Idee, eine Kollektion zu entwerfen.“

Die gelernte Schneiderin holte

sich ihreFreundinIsabelle Feierlemit

ins Boot. Sie stellten sich beide die

Frage, wieso man so unachtsam mit

den Ressourcenumgeht? Daraus entwickelte

sich auch ihr Markenname

mit dem englischen Fragewort why

(warum). Die Dornbirnerin und die

Fotos: Stiplovsek

Die erste Kollektion

des Vorarlberger

Labels WhyWhy

beinhaltet

Ponchos,

extravagante

Jacken, Kleider

und Oberteile –

handgemacht aus

heimischen

Rohstoffen.

Nachhaltigkeit und

Respekt vordem Tier

stehen im Vordergrund.

Klauserin kennen sich schon seit der

Schulzeit und teilen die Leidenschaft

für die Schönheit der Vorarlberger

Natur. „Es braucht mehr Wertschätzung

für die Einzigartigkeit der Geschöpfe.

Wir vereinen mit unserem

14

s’Magazin


MODE

Isabelle Feierle und

Angelika Wiesenegger haben

im März 2016 ihr eigenes

Modelabel WhyWhy

gegründet und nun kürzlich

ihren Showroom in Klaus

bezogen.

Modelabel Nachhaltigkeit, Respekt

und modernesDesign –sozusagen eine

Hommage an die Heimat.“

Alle ihreEntwürfe, egal,obPoncho

oder Kissen,sind von den47-jährigen

Damen handgemacht. „Wir beziehen

die Rohstoffe von der Jägerschaft

oder dem Metzger. Abund zu müssen

wir auch selbst noch die Federn rupfen.

Aber wenn man ein Tier essen

kann, sollte man auch dazu imstande

sein.“ Einige arbeitsreiche Stunden

später hängen die aus den Resten gefertigten

Designerstücke bereits am

Bügel. „Unsere Mode soll etwas Besonderes

sein, aber dennochimAlltag

tragbar.“KeinTeil gleichtdem anderen,

denn so vielfältig wie die Natur,

sind auch die Kleidungsstücke.

Fußfassen

WhyWhy gibt es noch nicht

einmal ein ganzes Jahr. Das erklärteZiel

der Gründerinnen ist,

nun einmal bekannter zu werden.

„Unser Label ist in einem

Lecher Hotel und in einem Geschäft

in München erhältlich,

aber wir würden auch gerne im

LändlerichtigFuß fassen.“ Mit

einem Showroom in Klaus ist

der erste Schritt schon einmal getan.

Sandra Nemetschke

s’Magazin 15


Faschingssitzung der Landesregierunganno1978

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Dem Vorarlberger Fasching

kommt auch die Landespolitik

nicht aus. Das war auch am 7.

Februar 1978 nicht anders:

Der Bregenzer Faschingsprinz

Hans Werner Sontag kreuzte

mit seiner Entourage im

Landhaus auf - und wurde

vomdamaligen Landeshauptmann

Herbert Keßler auch

prompt zu einem Gläschen

eingeladen. Pikantes Detail

am Rande: Wie auf obigen

Bild gut ersichtlich, nippt das

Prinzenpaar nur Wasser,während

sich die Herren Politiker

den Schaumwein schmecken

lassen.

Dass es der Alemanne im

Fasching etwas toller treibt

als sonst hat Tradition: Der älteste

Beleg für die Vorarlberger

Fasnacht stammt aus dem

Jahr 1334. Das Bratenstehlen

am gumpigen Donnerstag ist

erstmals 1684 belegt und die

ersten organisierten Umzüge

fanden in Bregenz 1848 und

1865 statt. Mit der Zeit wurden

zwar immer mehr die Kinder

in den Mittelpunkt des

bunten Treibens gerückt, zu

16

s’Magazin


MUNDART
















Bürzel

Hauptwort,männlich

kurz kommen die Erwachsenen

aber nicht.

Haben Sie auch historische Fotoschätze

zuhause, dann schicken

Sie sie uns per E-Mail an vorarlberg@kronenzeitung.at.

Die besten

Bilder werden veröffentlicht.

Foto: Helmut Klapper,Vorarlberger Landesbibliothek

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In der Hochsprache bezeichnet der Bürzel den hinteren,

oberen Teil des Rückengefiedersvon Vögeln, wo

sich auch die sogenannte Bürzeldrüse befindet,deren

öliges Sekret die Federn des Flugtieres geschmeidig hält.

Ob der alemannische Bürzel diesen Ursprungs ist oder

eher vommittelalterlichen Burzelkraut

abstammt oder am Ende gar eine

lautmalerische Eigenkreation aus

„Isskörig –

as kan Bürzel

bliebscht!“

späterer Zeit darstellt,bleibt Gegenstand

der Forschung. Fest

steht,dass mit dem Bürzel hierzulande

eine kleine Person gemeint

ist,wobei es sich um ein

Kind ebenso handeln kann wie um

einen kleinwüchsigen Erwachsenen.

Letzterewerden mitunter auch als Bodasurri

bezeichnet,wenn sie der Deutlichkeit halber von

Kindern abgegrenzt werden sollen, wohingegen das Synonym

Pimpf gleichfalls junge wie alte Zwerge beschreibt.

Da kleinwüchsige Mitbürger im Allgemeinen nur ungern

an ihreKörpergröße erinnert werden, sollte der Ausdruck

Bürzel sparsam oder allenfalls hinter vorgehaltener

Hand verwendet werden. Abgeleitet vom Bürzel ist das

Zeitwort bürzla für hinunterfallen, purzeln, stürzen -

vermutlich aufgrund seiner besseren Rolleigenschaften

im Vergleich zu Riesen - wobei diesem Sturz eine gedankliche

Harmlosigkeit innewohnt und er daher meist

keine gröberen Verletzungen nach sich zieht („Er ischt im

Dampf dr Büchel ahe bürzelt.“)Freiwillige Überschläge

tätigen Alemannen jeder Körpergröße hingegen mit dem

sogenannten Bürzelbom - also dem Purzelbaum.

s’Magazin 17


SCHICKSALE

XXXXXXXX

Barbaras „Juli

Rosen“blühen

Dass Freud und Leid sehr nahe beieinanderliegen, wird

besonders in einer Arztpraxis oft noch sichtbarer.

Gynäkologin Barbara Niederer-Bauer lassen die Schicksale

ihrer Patientinnen nicht kalt –sie fühlt, weint, lacht mit und ist

dankbar, sie auf ihrem Weg begleiten zu dürfen. Nun schrieb

sie in ihrem Buch „Juli Rosen“ deren Geschichten nieder.

Blumen ranken sich über die

Wände der Dornbirner Arztpraxis,

Bonbonfarben und liebevolle,

verspielte Details erzeugen

gar mädchenhafte

Wohlfühlstimmung. Fast würde dieser

Eindruck darüber hinwegtäuschen, dass

hier das Leben nebenfreudigenEreignissen

auch tieftraurige Geschichten schreibt.

Und Barbara Niederer-Bauer erlebt sie

hautnah. Sieliebt ihren Beruf,dennoch gab

es immer wiederMomente,indenen siedamit

haderte. „Wenn etwas Schlimmes in

der Praxis passiertist, habeich es mit nach

Hause genommen und konnte kaum schlafen.“

Bissie anfing, Notizendarüberzumachen.

Aus diesenTextfetzen entstand nach

und nach ein großes Ganzes. „Eigentlich

wollte ich nurein Exemplar für mich, aber

meine PatientinJulia hat mich dazu ermutigt,

ein richtiges Buch zu veröffentlichen

undanderen Frauen damit Mut zu machen

–ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine

sind.“JuliaistauchdieNamensgeberinvon

Barbaras „Juli Rosen“ und steht für die vielen

Schicksale in ihrem Buch –vier Tage

vor dem Geburtsterminhörtedas Herz von

Julias ungeborenem Kind auf zu schlagen.

„Alles ist gut“

Jeder Mensch durchlebt seine Höhen

und Tiefen. Barbara Niederer-Bauer begleitet

ihre Patientinnen auch in dunklen

Stunden –sie lebt gar mit ihnen mit. „Ihre

Schicksale berühren mich jedes Mal zutiefst.

Aber nach zehn Jahren kann ich etwas

besserdamit umgehen und bin gewappneter.“

DerSpruch „Alles ist gut“, derauch

die Wand ihres Behandlungszimmers ziert,

wurde sozusagen zu ihrer mentalenStütze.

„Es braucht nicht immer ein Happy End,

um sagen zu können: Alles ist gut. Auch

wenn eine Situation noch so schlimm erscheint,

meistens können wir sie nicht ändernund

müssen sie so stehen lassen.“

GroßeUnterstützung

Seit 15. Dezember ist „Juli Rosen“ erhältlich,

und schon jetzt sind die Reaktionen

der Leserinnen überwältigend. „Viele

haben das Buchineinem Zug fertig gelesen,

unddie meistensind zu Tränengerührt. Es

freut mich, wenn die Botschaft bei den

Menschen ankommt.“ Und noch schöner

ist es,wenn derErlösdes Buches gespendet

18

s’Magazin


SCHICKSALE

XXXXXXXX

Frauenärztin Barbara

Niederer-Bauer hat in

ihrem Buch „Juli Rosen“

die Geschichten und

Schicksale ihrer

Patientinnen

niedergeschrieben.

wird. Für die Frauenärztin war von Anfang

an klar, dass sie einer Patientin helfen will

–eine Familie mit behinderten Kindern.

Mittlerweile profitiert sogar schon eine

zweite Familie davon. „Innerhalb von drei

Tagen hatte ich schon die Summe zusammen,

die ich mir gewünscht habe –das ist

der absolute Wahnsinn“, erzähltsie mit einem

strahlendenLächeln. Bei einer Lesung

am 13. Februar in Lech imHotel Arlberg

hofft sie, nochmehr Geldzusammenzubekommen.

Sie ist unendlich dankbar für die

Unterstützung, und was sie mit ihremBuch

alles bewirken kann. Von der Auflage mit

500 Stück sind mittlerweile schon 350 verkauft.

Barbaras„JuliRosen“gibt es nurin

ihrer Praxis, damit sie alle ihre Leser kennenlernt:

„Es ist für mich schön zu wissen,

wer es liest.“ Sandra Nemetschke

Das überwältigende

Feedback und die

große Unterstützung

freuen die

Neo-Autorin nicht

nur,sie nutzt sie

auch, Gutes zu tun.

Der Gesamterlös

wirdgespendet.

s’Magazin 19

Fotos: lisamathis.at


EVENTS

Foto: Spielboden

Foto: Gidge

Vielleicht übertrieben, aber es gibt

Menschen, die meinen, dass es niemanden

gibt, der sich mit Astronautalis vergleichen

kann. Während er als Reiseschriftsteller,

Photograf und Harley-

Fahrer von sich reden macht und der

erste Rapper war,der auf der Biennale in

Astronautalis

Nordklang Festival im

schweizerischen St. Gallen

Sphärische Melodien, warme Stimmen, undefinierbare

Naturklänge und pumpende Bässe verschmelzen bei diesem

Duo zu einem organischen Sound. Die Band Gidge

wirdamSamstag,dem 11. Februar,imRahmen des Nordklang

Festivals in

der Grabenhalle

in St. Gallen zu

sehen sein. Weitere

Bands sind

Venedig nicht nur performte, sondern

auch ausstellte, hat der umtriebige

Wortakrobat seinen Hybrid aus Hip Hop,

Indierock und Punk über ein Jahrzehnt

lang auf Hochglanz poliert.Zusehen am

Dienstag,dem 7. Februar,amSpielboden

in Dornbirn. Tickets: spielboden.at

u. a. M€Rcy, The

Youth, Antonio

Gram und Johanna

Elina. Tickets

und Infos:

www.nordklang.ch

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Arbeiten von

Kurz Dornig

in der Galerie.Z

in Hard

Am Donnerstag, 9.Februar,

wird um19.30 Uhr in

der Galerie.Z in Hard die

Schau „Kurt Dornig –Winter“

eröffnet. Die Werke

werden bis 11. März 2017

ausgestellt. Geöffnet ist die

Galerie am Dienstag und

Donnerstag

von

18 bis 20

Uhr, und

samstags

von10bis

12 Uhr.

Infos:

www.galeriepunktZ.at

Foto: Kurt Dornig

Konzertmit Hermann vanVeen

im FestspielhausinBregenz

Der niederländische Singer-Songwriter Herman van

Veen gastiert mit seinem neuenAlbum „Fallen oder Springen“amDonnerstag,dem

9. Februar,um20Uhr im Festspielhaus

in Bregenz.Der Holländer ist seit mehr als vier

Jahrzehnten im Geschäft und hat weit über hundertAlben

aufgenommen. Tickets: www.oeticket.com

Foto: Jesse Willems

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Impressum

Medieninhaber: KRONE-Verlag GmbH &Co. KG .Herausgeber und Chefredakteur: Dr.Christoph Dichand

Verleger: Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag GmbH &CoKG, Alle: 1190 Wien, Muthgasse 2

Redaktionsleitung: EmanuelWalser, Redaktion: Harald Küng, Sandra Nemetschke, Angelika Drnek, Sekretariat: Nicole Kinzel, Quellenstr.16, 6900 Bregenz, Tel. 057060-59300

vorarlberg@kronenzeitung.at, emanuel.walser@kronenzeitung.at, harald.kueng@kronenzeitung.at, sandra.nemetschke@kronenzeitung.at, angelika.drnek@kronenzeitung.at

Herstellung:Druckzentrum Salzburg Betriebsges. m. b. H. ,5020 Salzburg; Offenlegung gem. §25 MedienG online unter www.krone.at/krone-offenlegung

20

s’Magazin


KULINARIK

Zoodles-Lachs-Bowl

Zubereitung:

1 Für das Dressing

Ingwer reiben und mit

Zitronenabriebsowie

Honig und Chilipulver

gut vermischen. Anschließend

Zitronensaft,Salz,Reisessig,Sojasauce,Oliven-und

Sesamöl

hinzugeben und

alles gut vermischen.

2 Enden der Zucchini

abschneiden und die

Zucchini mit einem Spiralschneiderdurch

Drehbewegung oder mit einemJulienne-Schäler

in dünne Streifen schneiden. 30 Sekunden

lang mit heißemWasserabbrausen.

3 Sesamöl in einerPfanne erhitzen. Lachs

darin rundum braten. Mit Salz und Pfefferwürzen.

4 Pinienkerne ohne Fett in einerPfanne rösten.

Zucchininudeln in Schüsseln aufteilen, mit

dem Dressingmarinieren, Lachsstückedarüber

geben und mit Pinienkernen, Zitronenzeste

und essbarenBlüten garniert servieren.

Zutaten für 2Personen:

2 Lachsfilets à150 g

2ElSesam- oder Olivenöl

Salz, Pfeffer

1 grüne Zucchini

1 gelbe Zucchini (wenn schwer

verfügbar,1grüne Zucchini)

Dressing:

1 daumengroßes Stück Ingwer

Schale ½unbehandelten Zitrone

1TlHonig

¼TlChilipulver

½ElZitronensaft

½TlSalz

30 ml brauner Reisessig

40 ml Sojasauce

1ElOlivenöl

1ElSesamöl

Topping:

2ElPinienkerne

Zeste einer unbehandelten Zitrone

essbareBlüten

Fotos: JuliaStix/Brandstätter Verlag


Zucchini sind kalorienarm,

vitaminreich,enthalten

viel Kalium, Calcium sowie Phosphor

und Eisen.

Dieses und noch

weitere

schmackhafte

Rezepte findet

man in Evas

neuem Buch „Life

changing food –

Super Bowls“.

Noodles kommt von Nudeln, Zoodles von Zucchini. Das

Kürbisgemüse wird hier einfach mit dem Julienne-

SchneiderinSpaghettiform gebracht.Mit dem schönen

Farbkontrast zum Lachs ist das ein echter Augenschmaus.

Zucchini sind kalorienarm, vitaminreich

(A+E), enthalten viel Kalium, Calcium sowie Phosphor und Eisen.

Lachs enthält jede Menge Omega-3-Fettsäuren und sollte deshalb öfter

auf dem Speiseplan stehen. Dafür kann auch einmal gut und recht

auf kohlehydratreiche Pasta verzichtet werden. Zoodles sind ein winterlichesWohlfühlessen

mit sommerlicherFrische.www.foodtastic.at

s’Magazin


WAS WURDE EIGENTLICH AUS ...

...Elmar Simma?

Auch mit 79 Jahren steht der ehemalige Caritas-Seelsorger der

Diözese Feldkirch, Elmar Simma, immer noch mitten im Leben. Und

kümmert sich mit ungebrochenerVerve um seine Mitmenschen: Der

gebürtige Rankweiler ist in der Hospizbewegung aktiv. Diese ist ihm

schon lange eine echte Herzensangelegenheit.

1995: Elmar Simma - Zeit

seines Lebens ein

Seelsorger im besten Sinne

des Wortes.

gann auch sein Interesse für die Hospizbewegung

zuwachsen. Oft wurde

er zu Hilfe gerufen, wenn Menschen

im Sterben lagen: „Für die Sterbebegleitung

gibt es kein Patentrezept.

Entscheidend ist die Frage: Wie weit

lasse ich mich auf denMenschen, seine

Ängste und Hoffnungen ein? Man

muss ein guter Zuhörer sein.“ Eine

Aufgabe, die unter die Haut geht:

„Gerade wenn junge Menschen sterben

müssen, macht mich das immer

betroffen.“ Umso wichtiger ist es,

nicht auf sich selbst zu vergessen: „Ich

lasse die Dinge schon an mich herankommen

- aber ich muss mich dann

auch wieder abgrenzen.“ Am besten

man lenkt sich ab, seine Freizeitaktivitäten

hat sich Simma bis ins Alter

bewahrt: „Ich gehe sehrgerne Skifahren

und bergsteigen - das macht mir

nach wie vor Spaß. Ein schöner Ausgleich.“

Ob er sich mit knapp 80 Jahren

nicht ein wenig mehr Freizeit

wünschen würde?„Nein. Ich investiere

zwar viel Energie, bekomme aber

auch enorm viel zurück.“ Und fügt

mit größterSelbstverständlichkeit einen

höchst bemerkenswerten Satz an:

„Je älter ich werde, umso dankbarer

werde ich.“

Elred Faisst

Der Weg zum Priestertum

war für Elmar

Simma nicht vorgezeichnet.

Nach der

Matura im tirolerischen

Schwaz fiel ihm die Wahl seines

Studienfaches lange schwer: Soll

es die Medizin sein oder doch die

Theologie? Er entschied sich für

Letzteres.Doch erstnach fünf Jahren

Studium reifte in ihm der Wunsch,

Priester zu werden. „Ich habe Gott

gefragt - und ich glaube, erhat Ja gesagt“,

erinnert sichSimma. Von 1964

bis 1970 wirkte Simma als junger Kaplan

in Bregenz St. Gallus, im Anschluss

wurde er unter Bischof Bruno

Wechner zum Jugendseelsorger der

Diözese Feldkirch bestellt. Nach Jahren

als Pfarrer in Göfis übernahm er

1990 schließlich jene Funktion, die

ihm zur Lebensaufgabe werden sollte:

Simma wurde Caritasseelsorger und

blieb dies bis 2015. In dieser Zeit be-

2017: Heute engagiert sich Elmar

Simma leidenschaftlich für die

Hospizbewegung.

Fotos: Mathis Fotografie, Caritas

22

s’Magazin


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Foto: Sonymusic, Adobe Stock Melinda Nagy

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