Kloster Eberbach - Das Lesebuch

tretorri

Vom Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert zum größten Weingut Deutschlands.

Rund 900 Jahre Klostergeschichte, die über die gesamte Zeit untrennbar mit Weinanbau verknüpft ist. Von ihren Anfängen bis heute, mit Blick auf die beeindruckende Historie und Architektur im Wandel der Zeit bis hin zu den heutigen Kloster-Domänen und deren eindrucksvolle, international renommierten Weine.

KLOSTER

EBER

BACH


INHALT

Die Stiftung Kloster Eberbach

Unsere Tür steht offen, mehr noch unser Herz 5

Die Historie

Kloster Eberbach – die Faszination eines historischen Ortes 21

Die Zisterzienser – ein europaweites Projekt 23

Warum Eberbach? Gründung unter guten Vorzeichen 30

Ora et labora: Klosterleben im mittelalterlichen Eberbach 43

Kloster Eberbach in der Neuzeit 62

Säkularisation 1803: Ende des Klosters – kein Ende Eberbachs 67

Die bleibende Ausstrahlung des historischen Orts: Eberbach lebt 71

Weingeschichte

Es blühe der Steinberg 77

Die Architektur

Die karge Schönheit – Kloster Eberbach 141

Die Domäne Steinberg 161

Das Weingut

Kloster Eberbach 169

Lagen und Weine der Domäne Steinberg 175

Lagen und Weine der Domäne Rauenthal 177

Domäne Bergstraße 181

Lagen und Weine der Domäne Hessische Bergstraße 185

Domäne Assmannshausen 189

Lagen und Weine der Domäne Assmannshausen 194

3


PORTA PATET,

COR MAGIS

Unsere Tür steht offen,

mehr noch unser Herz

An Superlativen ist die Geschichte des Klosters Eberbach nicht arm.

AEin Superlativ ist der von einer der am besten erhaltenen mittelalter lichen

Klosteranlage in Europa. Seit mehr als 200 Jahren ist das Kloster säkularisiert,

Mönche leben hier schon lange nicht mehr. Dennoch – dem

immer noch sakralen Zauber des Ortes kann man sich nicht entziehen,

und bei aller Weltoffenheit und Betriebsamkeit lässt sich die ursprüngliche

Bestimmung des Klosters zwischen den alten Gemäuern nach wie

vor erahnen. Seit der Gründung im 12. Jh. entstand an diesem Ort diese

komplexe und kulturhistorisch einmalige Kloster anlage. Die insgesamt

33 Gebäude beziehungsweise Gebäudeabschnitte wurden größtenteils

zwischen dem 12. und 18. Jh. errichtet und spiegeln in ihren viel fältigen

Baustilen die unterschiedlichen Epochen dieser Zeitspanne wider.

5


KLOSTER

EBERBACH –

DIE FASZINATION

EINES HISTO­

RISCHEN ORTES

Von Martin Wurzer-Berger

Eine Kameradrohne erhebt sich sirrend vom Steinboden der Kirche.

EImmer wieder fliegt sie an Pfeiler und Kapitellen der trutzigen Architektur

vorbei Richtung Chor. Der Raum wirkt noch kahler als üblich, alles

Überflüssige ist aus ihm entfernt. Gleißendes Licht lässt die Apsis mit

ihren fünf schmucklosen Fenstern erstrahlen. Im Gegenlicht werden

die Steinplatten des Bodens markant modelliert. Anstelle eines Altars

steht ein martialischer Thron auf einem zweistufigen Podest.

Es ist ein grauer Februartag des Jahres 2015, an dem sich diese Szenen in der

Eberbacher Klosterbasilika abspielen. Gedreht wird der deutsche Trailer für

die fünfte Staffel einer Fernsehserie, die weltweit Millionen Zuschauer in ihren

Bann zieht: Game of Thrones. Nicht zum ersten Mal kommt Kloster Eberbach

21


Der Steinberg – berühmte

Weinbergslage des Klosters


Dieter Greiner, Geschäftsführer

der Hessischen Staatsweingüter

GmbH Kloster Eberbach

DAS WEINGUT

KLOSTER

EBERBACH

Von Till Ehrlich

Hinter dem Steintor öffnet sich der Blick auf den Weinberg, dessen

HReben in Morgenlicht gehüllt sind. Am Horizont flimmert das rheinhessische

Ufer des Rheins bei Ingelheim im Dunst. Der mehr als

30 Hektar Reben umfassende Steinberg ist eine der besten Riesling lagen

der Welt. Er wurde von Zisterziensermönchen bis zum Jahr 1239 angelegt,

ist seitdem in seiner Grundstruktur unangetastet geblieben und kontinuierlich

weinbaulich bewirtschaftet worden. Der Wein vom Steinberg,

der Steinberger, gehört seit dem Mittelalter zu den edelsten und kostbaren

Kreszenzen. Seit 1767 umfriedet den Weinberg eine kilometerlange,

hohe Ringmauer, und beim Betreten des Bergs wird man überrascht

von einem Gefühl der Weite und Geborgenheit zugleich. Sie

verdeutlicht, dass hier eine andere, bewahrenswerte Welt beginnt, die

ganz der Pflege und dem Wachstum der Rebstöcke und den Trauben

vorbehalten scheint.

169


Das Weingut

Im Jahr 2008 wurde am Rand des Steinbergs eine moderne Kellerei errichtet,

der Steinbergkeller. Es ist der Ort, an dem heute der Großteil der Weine von

Kloster Eberbach entsteht. Im selben Jahr wurde am Steinberg auch ein alter

Weg, der »Bernharduspfad«, wieder begehbar gemacht. Über ihn ist die ehemalige

Zisterzienserabtei Kloster Eberbach in einer Viertelstunde zu Fuß erreichbar.

Dieser freigelegte Pfad zwischen Weinberg und Kloster steht symbolisch

für die ursprüngliche Verbundenheit des Eberbacher Weinbaus mit dem zisterziensischen

Mönchstum.

2003 wurden die Staatsweingüter vom Landesbetrieb in die Hessische

Staatsweingüter Kloster Eberbach GmbH überführt, die im Besitz des Landes

Hessen ist. Aus einer Ansammlung von mehreren Staatsweingütern wurde damit

ein einziges Weingut, dessen sinnstiftende Identität die Weinbautra dition von

Kloster Eberbach ist und dessen gesamtes Weinsortiment von hier aus vermarktet

wird. Der weinbauliche Vorbildcharakter für die Gebiete Rheingau und Hessische

Bergstraße gehört heute zum Auftrag und Selbstverständnis des Weinguts.

Das kommt auch in der engen Zusammenarbeit mit der renommierten

Forschungsanstalt für Garten- und Weinbau und heutiger Weinuniversität Geisenheim

zum Ausdruck. Nach außen ist die Rückbesinnung auf die zisterziensische

Weinbautradition durch eine kleine, aber entscheidende Änderung auf dem

Weinetikett sichtbar: dem Logo von Kloster Eberbach.

Neugestaltung der historischen Domänen

Im Zuge der Umgestaltung wurden die Rebanlagen erneuert, teils neu bestockt

und zudem innovative, nachhaltige Reberziehungssysteme im Weinberg getestet

und realisiert. Der wertvolle Lagenbesitz von Kloster Eberbach wurde neu

strukturiert. Dort, wo es im Blick auf das Weinsortiment sinnvoll ist, kamen erstklassige

Lagen wie der Wiesbadener Neroberg hinzu, der seit 2005 wieder von

Kloster Eberbach bewirtschaftet wird. Zugleich wurde die unrentabel gewordene

weinbauliche Bewirtschaftung der Lagen neu organisiert, gestrafft und zusammengefasst.

Heute sind es insgesamt drei Domänen, die die Weinbergspflege von

Kloster Eberbach mit seinen insgesamt rund 250 Hektar Rebfläche arbeitsteilig

realisieren: Assmannshausen für die Spätburgunder-Steillagen sowie Riesling

und Spätburgunder im Rüdesheimer Berg, die Domäne Bergstraße in Heppenheim,

und für die zentrale Weinbergspflege von Kloster Eberbach die Domäne

Rauenthal. Letztere ist verantwortlich für insgesamt gut 90 Hektar Reben von

Das Weingut

Kloster Eberbach in den Gemarkungen Rauenthal, Eltville und Hochheim sowie

für den Wiesbadener Neroberg. Im Domänengebäude von 1928 befindet sich

auch der Gutsausschank »Baiken«, in dem die Kloster Eberbacher Weine ebenfalls

verkostet werden können.

Inmitten des historischen Rheingaus pflegt wiederum die Domäne Steinberg

insgesamt knapp 70 Hektar Reben von Kloster Eberbach. Darunter sind

weltberühmte Lagen, deren Namen seit Jahrhunderten Inbegriff von Rieslingkultur

sind. Sie liegen in den Gemarkungen Rüdesheim, Hattenheim und Erbach.

Zudem bewirtschaftet die Domäne den Steinberg selbst.

Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit und Weinqualität des strukturell

erneuerten Staatsweinguts war der Bau einer neuen zentralen Kellerei, die

2008 im Steinberg eröffnet wurde. Sie verfügt über die Kapazität, die Trauben

der Domänen Steinberg, Rauenthal und Bergstraße sowie aus Rüdesheim aufzunehmen,

zu vergären und zu hervorragendem Wein auszubauen. Lediglich

die Rotweine aus den wertvollen Einzellagen von Kloster Eberbach werden in

der Domäne Assmannshausen ausgebaut. Wegweisend war die Entscheidung,

den Steinbergkeller nicht am alten, räumlich beengt gewordenen Standort in

Eltville zu bauen, sondern ganz nah am Kloster Eberbach im Steinberg (siehe

auch Kapitel Architektur).

Der Cabinetkeller

Besonders spürt man die zisterziensische Geisteshaltung im Cabinetkeller des

Steinbergkellers, wo die besten Weißweine von Kloster Eberbach separat über

einen ungewöhnlich langen Zeitraum bis zur Flaschenreife ausgebaut werden. Die

Aufmerksamkeit richtet sich ganz auf den Wein selbst, der hier in unterschiedlichen

Holzfässern reift, die in zwei Reihen im Raum aufgestellt sind. Es sind

traditionelle Rheingauer Stückfässer in den Maßen, wie sie von den Eberbacher

Mönchen beim Weinausbau verwendet wurden: Halbstück- (600 Liter), Stück-

(1200 Liter) und Doppelstückfass (2400 Liter) aus deutscher Eiche. Jedes Fass

ist ein Meisterstück handwerklicher Fassbaukunst. Seit Jahrgang 2007 werden

in diesen Fässern wieder die besten trockenen Weine von Kloster Eberbach ausgebaut,

weil sie so ein größeres Reifepotenzial entwickeln. Besonders wertvolle

Chargen reifen sogar zwei Jahre im Fass. Im Cabinetkeller wird neben den trockenen

holzfassgereiften Rieslingen noch eine zweite Weißweinstilistik gepflegt:

Die besten edelsüßen Rieslinge in den Prädikatsstufen Auslese, Beerenauslese

170

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Ornamentierte Bodenfliesen der Basilika

Im Mittelalter die Fraternei – heute der Cabinetkeller

Laienrefektorium mit historischen Keltern


KLOSTER EBERBACH

Vom Zisterzienserkloster aus

dem 12. Jahr hundert zum

größten Weingut Deutschlands.

Rund 900 Jahre Klostergeschichte, die über die gesamte

Zeit untrennbar mit Weinanbau verknüpft ist. Von ihren

Anfängen bis heute, mit Blick auf die beeindruckende

Historie und Archi tektur im Wandel der Zeit bis hin zu

den heutigen Kloster- Domänen und deren eindrucksvolle,

international renommierten Weine.

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