s'Magazin usm Ländle, 12. Februar 2017

vorarlbergkrone

MOTORSPORT

WarenSieschonimmer

diszipliniert,HerrKlien?

INTER

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Der34-jährige Hohenemser Rennfahrer Christian Klien war der letzte Österreicher, der

einen Formel-1-Grand-Prix bestritt. Kürzlich wurde der Wahl-Schweizer ins Bundesheer

einberufen, um seinen bislang aufgeschobenen Grundwehrdienst nachzuholen. Harald

Küng hat den Heeressportler und PS-Fan im Olympiazentrum in Dornbirn getroffen.

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Christian Klien erwartet

mich bereits gut gelaunt

im Foyer des

Olympiazentrums in

der Höchsterstraße.

Nach einer beeindruckenden Führung

durch die Räumlichkeiten serviert

der Motorsportler Kaffee und

steht bei einem lockeren Gespräch

Rede undAntwort.

Sie feierten am Dienstag Geburtstag.

Wie haben Sie ihn verbracht? Im

Schlamm?Auf dem Schießplatz?

Nein. - Lacht. Ich war erst hier im

OlympiazentrumimTraining, dann

haben wir uns in einer Kaffeerunde

am Mittag das Skirennen angeschaut.

Aber sonst habe ich nicht

viel gemacht, ich muss dann ja auch

wieder früh hier sein. Und Dienstag

ist auch einblöder Tag für einen Geburtstag.

Aber ich habe ja schon

mehrere hinter mir, somit ist das

nichtmehr so ein speziellerAnlass.

Wie kam es, dass Sie erst jetzt Ihren

Grundwehrdienst ableisten?

Ich habe bereits 2003 den Einberufungsbefehl

bekommen und hätte

2004 einrücken sollen.Das war aber

das erste Jahr, in dem ich Formel 1

gefahren bin. Wir haben dann mit

dem Bundesministerium für Landesverteidigung

Kontakt aufgenommen

und um Aufschub gebeten. Formel

1fahren undsechs MonateBundesheer

gehen sich halt nicht aus.

Das Problem war auch, dass ich als

Motorsportlerkeine Chance hatte,

in die Heeressportabteilung zu

kommen - da gabeseinfach keinen

Platz.Das wurde erstvor etwa zwei

Jahren geändert. Ich konnte meine

Grundausbildung nun im Jänner

absolvieren - da ist im Motorsport

nichts los. Somit verliere ich keine

Zeit. Im Februar geht’s wieder mit

Testfahrten los, als Heeressportler

werde ich dafür freigestellt. Und -

das ist sehr praktisch - ich kann

hier im Olympiazentrum die Trainingsmöglichkeiten

nutzen.

Wie sieht Ihr Alltag derzeit aus?

Ich bin gemeinsam mit 60 Rekruten

eingerückt, darunter auch Nikola

Dovedan vom SCR Altach

und Konrad Wurst vom HC Hard.

Wir wurdennach derGrundausbildung

ins Olympiazentrum versetzt,

wo wir als Heeressportler

wieder unserem Sport nachgehen

können. Vormittags sind wir hier

im Training, nachmittags sind die

andern bei ihren Vereinen, und ich

macheAusdauereinheiten etc.

Wie ist es Ihnen in der Grundausbildung

ergangen?

Das war überhaupt kein Problem.

Vielleicht liegt’s daran,dass ich älter

geworden bin. Ein 18-Jähriger,

der überhaupt keinen Bock drauf

hat, wird sich vielleicht anders verhalten.

Es ist ja auch nichts Schwieriges.

Viele Dinge sind durchaus

sehr interessant, andere natürlich

auch zäh. Aber die Schießübungen

inTirol warenschon geil-ein echtes

Erlebnis. Als Spitzensportler ist

man zudem ein diszipliniertes Leben

gewöhnt. Deshalb hat mich das

alles auch gar nicht gestört. Esgibt

auch eine ganz klare Kommunikation

- im Sport ebenso wie im Bundesheer.

Es gibtgewisseRichtlinien,

die man befolgen muss. Tut man

das, hat man kein Problem.

Wussten Ihre Kameraden, mit wem

sie es zu tun haben?

Nein, die meisten sind aber auch

noch zujung, ummich aus der Formel

1zukennen. - Lacht.Wir haben

aber schon auch den einen oder anderen

Motorsport- und Formel-1-

Fan, da wurde ich auch um ein Autogramm

gebeten. Aber im Heer sind

alle gleichgestellt, tragen dieselbe

Kleidung. Und wir kochen alle nur

mit Wasser.

Bundesheer, Motorsport: Hat Christian

Klien noch Zeit für Hobbys?

Ja, doch. Ich habe vor vielen Jahren

zusammen mit Freunden in Hohenems

einen Eishockey-Verein gegründet

- zweimal wöchentlich treffen

wir uns zum Spielen. Das

ist eigentlich mein größtes

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