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LA KW 07

Rund 25 Menschen nahmen

Rund 25 Menschen nahmen vergangenen Freitag in Landeck an der Aktion für einen solidarischen Umgang mit bettelnden Menschen und damit gegen ein Bettelverbot in Landeck teil. Auf politischer Ebene nimmt das Ansinnen seinen Lauf – es wird ermittelt. Von Daniel Haueis Harley „Betteln macht Armut sichtbar“ Aktionismus gegen ein Bettelverbot der Theatergruppe ein-aus und Bettellobby Tirol „Geben erlaubt!“ fordern rund 25 Menschen in der Malser Straße. Die Theatergruppe ein-aus um Renate Moser-Abler und die Bettellobby Tirol, vertreten von Elisabeth Hussl, lud zu „Geben erlaubt!“ ein, ein Marsch als Symbol für „einen solidarischen Umgang mit bettelnden Menschen“. Gekommen sind vergangenen Freitag um 10 Uhr rund 25 Menschen, darunter die Künstler Gerald Kurdoglu Nitsche oder Erich Horvath, auch „politische Köpfe“ wie Manfred Weiskopf und Günter Kramarcsik oder „Sonne“-Wirt Karl Graber und auch der ehemalige BH-Stellvertreter Helmut Moser – also wohl Menschen mit durchaus unterschiedlichem Hintergrund und Zugang zum Thema. Sie marschierten schweigend durch die Malser Straße und führten Transparente mit der Aufschrift „fight the poverty not the poor“ (Bekämpft die Armut, nicht die Armen) und „Geben erlaubt!“ mit sich. ZWANG AUFGRUND DER SITUATION, NICHT VON for your Mum Das große Gewinnspiel zum Muttertag RECHNUNGEN SAMMELN UND EINE ORIGINALE HARLEY DAVIDSON FÜR DEINE MUTTER ZUM MUTTERTAG GEWINNEN! www.werkstatt.ws HINTERMÄNNERN. „Betteln macht Armut sichtbar“, eröffnete Elisabeth Hussl, und: „Betteln ist meist der letzte Ausweg.“ Anders gesagt: Betteln ist ein Symptom und keine „freie“ Entscheidung. Dementsprechend seien Spenden ein wichtiger Beitrag zur Überbrückung einer finanziellen Notlage. Zum Verdacht des organisierten RS-Fotos: Haueis Bettelns, wie es ihn auch in der Landecker Stadtpolitik gibt, meint Hussl: „Bisher war in Österreich keine kriminelle Organisation nachweisbar … Studien zeigen: Nicht Hintermänner, sondern die Situation dahinter zwingt zum Betteln.“ Gemeinsam werde vielfach deshalb gebettelt, um sich Fahrtkosten zu sparen. Und sollte Zwang Harley for your mum Das große Werkstatt Gewinnspiel zum Muttertag Zum Muttertag hat sich das Team der Werkstatt Imst etwas ganz besonderes einfallen lassen. Bis zum Samstag, dem 13. Mai, heißt es, Rechnungsbelege sammeln und schon kann man mit ein wenig Glück eine originale Harley Davidson für seine Mutter zum Muttertag gewinnen! G R O S S E V E R L O S U N G S P A R T Y A M 1 3 . M A I 2 0 1 7 - I N F O S A U F W W W . W E R K S T A T T . W S Das Team der Werkstatt Imst freut sich auf viele TeilnehmerInnen und auf eine großartige Party am Samstag, dem 13. Mai. RS-Foto: Novak-Archiv Mit jedem Rechnungsbeleg ist es möglich, eine Teilnahmekarte in die große Losbox des Gastro- und Eventcenters „die Werkstatt“ einzuwerfen. Damit nützt man die einmalige Gelegenheit, seiner Mutter statt Blumen eine originale Harley Davidson zu schenken. Die große Verlosungsparty findet am 13. Mai im Rahmen des Terrassen-Openings mit der bekannten Party-Band „Milestone“ statt. Weitere Informationen gerne auch online unter: www.werkstatt.ws. ANZEIGE RUNDSCHAU Seite 12 15./16. Februar 2017

ausgeübt werden, gebe es bereits jetzt Gesetze dagegen. „Parallelgesetze“ lehne die Bettellobby Tirol ab. Unter einem Bettelverbot würden vor allem jene leiden, die sich an die Gesetze halten (Betteln ist – mit Ausnahmen – grundsätzlich erlaubt, stilles Betteln jedenfalls) – die angedrohten Verwaltungsstrafen führten an den Rand der Gesellschaft oder gar in die Kriminalität. VIER BETTLER. Manfred Weiskopf durfte als Bürger bei dieser Veranstaltung sprechen (aktive Politiker 15./16. Februar 2017 wie LA GR Ahmet Demir oder GR Marco Lettenbichler nicht). Es gebe keinen Beweis für organisiertes Betteln in Landeck, er habe bei seinen Besuchen des Frischemarktes höchstens vier Bettler am selben Tag gesehen. Das Problem seien nicht die vier Bettler, sondern ein System, das Armut schafft. Weiskopf: Man solle sich nicht das soziale Klima in Landeck vergiften lassen. Hussl betonte nach dem Schweigemarsch und Performance bei der Citypassage nochmals die Symptomfunktion: „Solange Armut besteht, muss sie auch in Form von Betteln sichtbar sein B RIEFKASTEN Ausgabe 4/2017 Mehrheit im Landecker Stadtrat für ein Bettelverbot Bettelverbot und Bettelorden in Landeck Wie schnell man doch seine eigene Geschichte vergessen kann! Da planen einige politische Vertreter der Stadt Landeck ein Bettelverbot und haben anscheinend schon vergessen, dass der Stadtteil Perjen ungefähr 250 Jahre lang vom Bettelorden der Kapuziner seelsorgerisch betreut wurde! Die Kapuziner gehörten ursprünglich zum Orden der Franziskaner, der vom Papst das Bettelprivileg bekam, weil die Ordensbrüder kein Eigentum haben durften. (Im Gegensatz zum Orden selbst, der ab dem Spätmittelalter vermögensfähig war.) Ich kann mich noch gut an den Kapuzinerpater vom Kloster Ried erinnern, der oft zu Fuß von Dorf zu Dorf ging und für den Orden sammelte. Für die Kinder hatte er als Geschenke Ringe mit einem farbigen Stein und Heiligenbildchen mit. Hauptsächlich bekam der Pater Naturalien, aber wer das nicht hatte, spendete Geld. Natürlich hat niemand gesagt, dass der Pater betteln kommt, obwohl es nichts anderes war als das Ausüben des päpstlich genehmigten Bettelprivilegs. Es war sogar ein organisiertes Betteln, was die Kapuziner da betrieben, denn es war klar abgegrenzt, welcher Pater von welchem Kloster in welchen Orten um Almosen bat. „Terminei“ hießen laut Kirchenrecht diese vom Bischof eingeteilten Gebiete. Aber das Betteln der Kapuziner regte niemanden auf, denn man bekam dafür ja etwas zurück, nämlich die Seelsorge in den von den Kapuzinern betreuten Pfarren oder zumindest den Segen des Geistlichen. Viele Menschen hingegen haben vom Pater gar nichts gebraucht und trotzdem gegeben. Oft einfach aus christlicher Nächstenliebe und nicht aus Angst vor der Hölle. Und wie ergeht es im Gegensatz dazu den Bettlern von heute? Da kann man nur den Spruch der alten Römer zitieren: „Quod licet Iovi, non licet bovi = Was Gott erlaubt ist, das ist dem Rindvieh noch lange nicht erlaubt!“ Also Bettelverbot? Die Bettler unserer Tage Die hier veröffentlichten Zuschriften geben die Meinung des Verfassers wieder. sind nämlich eine Provokation für unser Wohlstandssozialsystem. Zu dessen „größten Errungenschaften“ gehört, dass wir uns gegen Bezahlung die direkte Konfrontation mit dem Elend, der Krankheit und dem Tod anderer Menschen weitgehend ersparen können. Wir spalten damit jedoch vieles ab, was ganz einfach zum Menschsein gehört. Vielleicht ist es deshalb so schwierig, den Anblick der Bettler zu ertragen und ihre Not ein wenig zu lindern. Ein Bettelverbot wird uns aber noch mehr von der Menschlichkeit entfernen, letztlich auch von uns selbst. Robert Günter Klien, Landeck Es ist höchst an der Zeit ein Zeichen gegen eine Politik der Vertreibung zu setzen! Hoffentlich folgen viele dem Aufruf zu einem respektvollen und solidarischen Umgang mit bettelnden Menschen! Öffentliche Räume sind für alle nutzbar und somit auch für Arme! Grundrechte dürfen nicht von einer populistischen Politik getreten werden. Ich verweigere nicht nur ein solches Verbot, sondern auch die damit verbundene soziale Ausgrenzung, welche sich Lokalpolitiker mit einem Bettelverbot anmaßen! Letztlich steht es allen Menschen offen, Mitmenschen, die auf Hilfe angewiesen sind, zu unterstützen. Bettelverbote lösen jedoch das Problem nicht! Durch Geld- und Ersatzfreiheitsstrafen verschlimmert sich die Situation der Armen und sie werden nur aus bestimmten Stadtgebieten verdrängt. Die Armut und die damit verbundenen Folgen wie Betteln bleiben bestehen. Ich bin gerne Landecker und hoffe künftig nicht in einer Stadt zu leben, in der Menschen aufgrund von Armut mit einem Bettelverbot zum Störfaktor und Missstand erklärt werden. Wir Menschen sind das Salz der Erde und wer dazu keine Meinung hat und sich nicht äußert, der ist im besten Fall nur noch Tausalz, welches man auf die Straße streut! Als Christ bin ich stolz auf die Meinung unseres Stadtpfarrers Mag. Martin Komarek, welcher uns seine Meinung am Sonntag vor dem Segen zu diesem Thema klar zum Ausdruck brachte. Bmst. Ing. Günter Kramarcsik, Landeck E-Mail: leserbrief@rundschau.at Lichtschachtabdeckung nach Maß Rufen Sie uns an: 05263/6377 www.flitec.at Elisabeth Hussl: „Nicht Hintermänner, sondern die Situation dahinter zwingt zum Betteln.“ können – die Gesellschaft muss sich dem Problem der Armut stellen.“ Renate Moser-Abler informierte Interessierte auch über Flugblatt: „In einer Stadt, in der Menschen aufgrund von Armut zum Störfaktor und Missstand erklärt werden, wollen wir nicht leben.“ ERHEBUNGEN LAUFEN. Bgm. Wolfgang Jörg (bei ihm hat sich z. B. eine Frau telefonisch über das Betteln beschwert, da sie es als Belästigung empfunden hat – sie wolle deshalb nicht mehr in die Stadt kommen) lässt inzwischen Erhebungen durchführen: Ein Bettelverbot muss nämlich begründet werden, sollte es vielleicht bis vor Suchen zu besten Bedingungen Fliesenleger/in Ganzjahresstelle, Bezahlung nach Kollektiv, Überzahlung möglich 6555 Kappl Gewerbepark Ulmich 693 0664 84 70 482 office@juenchristian.at Wir modernisieren Ihre Küche mit neuen Fronten nach Maß! ✓ Kein aufwändiges Herausreißen ✓ Sie sparen bares Geld ✓ Erweiterungen nach Ihren Wünschen ✓ Modelle: Klassisch, Design, Landhaus Josef Haslwanter KG Bau- u. Möbeltischlerei Josef-Marberger-Str. 13 • 6424 Silz / Tirol www.haslwanter.portas.at 0 52 63/63 77 die Höchstgerichte bekämpft werden. „Das wird ganz korrekt gemacht“, erklärt Jörg, der sich nicht in die Ermittlungen einmischen werde. Es gebe soziale Netze in der Stadt, er helfe auch auf anderem Wege und spricht sich für das „Gebot der Nächstenliebe“ aus, „aber wenn es organisiert ist und gewerbsmäßig vonstatten geht …“, hegt er Zweifel. In solchen Fälle schütze man vermutlich auch Hintermänner, die „abkassieren“. Die Bettler selbst seien „arme Leute“. Sollte ein Verbot kommen, wird es wohl zeitlich und räumlich eingeschränkt – auf den Frischemarkt, also Freitag untertags in der Malser Straße und vielleicht auch die Zugänge vom Innparkplatz. Laut Thomas Weiskopf vom Frischemarkt waren in diesem Jahr noch keine Bettler am Frischemarkt. RUNDSCHAU Seite 13